Nr. 61.

Samstag den 31. Juli 1869.

2. Jahrgung.

8

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12 Sgr.

Insertions=Gebühr: Die Zeile oder deren Raum 1 Sge.

und

Anzeiger für Westhofen, Ergste und Hennen.

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Deutschland.

Berlin, 27. Juli. Eine schmerzliche Ueberraschung wurde den Wählern Berlins heute Morgen zu Theil. Der Abge­

ordnete Obertribunalsrath Dr. Waldeck hot siegr für das Abgeordnetenhaus und für den Reichstag mievergelegt.

Hannover. Hauptsächlich mit den Geldern der enttrohnten Fürsten von Hannover und Hessen wurde vor einiger Zeit in Wien ein Geldinstitut unter dem Namen„Wiener Bank“ gegründet. Das erste große Geschäft derselben ist der Ankauf der berühmten Werndl'schen Gewehrfabrik zum Preise von 7½ Mill. Gulden. Ob König Georg und Kurfürst Wil­helm wohl noch immer der Hoffnung leben, einst ihre eigenen Gewehre gegen Preußen verwenden zu können? Oesterreich.

Brünn. Der Minister des Innern, Dr. Giskra, ist hier angekommen. Der Minister theilte dem Statthalter mit, daß er die letzten Vorfälle in Brünn untersuchen werde. So viel ist festgestellt, daß den Tagelöhnern Geld gegeben worden, so daß 30 bis

40 Kreuzer auf den Kopf fielen.

Krakau, 24. Juli. Ueber den Vorfall im hiesigen Kloster der barfüßigen Carmeliterinnen, welcher ungeheures Aufsehen erregt und gestern Nachts sogar einen bedeutenden Volksauflauf veranlaßte, wird von zuverlässiger Seite noch erzählt, daß die Aebtissin desselben einem der ältesten Pol­nischen Adelsgeschlechte angehört. Von der unglücklichen Barbara Ubryk heißt es, daß dieselbe eher verwildert als mahnsinnig zu nennen sei. Als Grund der erlittenen Miß­handlung son sie selbst angegeben haben, daß sie ihr Nonnen­gelübde gebrochen habe. Das Verhalten des Bischofs bei der Entdeckung war wie folgt: Beim Anblick des Opfers war der Bischof tief bewegt. Er versammelte sofort die Nonnen und machte ihnen die heftigsten Vorwürfe über ihr unmensch­liches Verfahren.„Ist das eure Nächstenliebe? Auf diese Weise wollt ihr ins Himmelreich kommen? Ihr Furien, nicht Weiber! So sprach der erzürnte Bischof, und als sich die Frauen entschuldigen wollten, rief er ihnen zu:„Schweigt, ihr Elenden, fort, aus meinem Angesichte! Ihr, die Religion schändet... Fort!"... Der anwesende Beicht­vater Piantkiewitsch, ein alter Priester, wollte einwenden, die geistliche Behörde habe von dem Unfuge gewußt, worauf der Bischof und der anwesende Prälat Spital ihn Lügen straften und ihn ermahnten, er möge seine Seele nicht durch Verläumdungen noch mehr beladen. Der Bischof susvendirte sofort den Beichtvater und die Oberin. Der Bischof befahl, die Barbara Ubryk in eine Zelle zu führen, sie anzukeiden und zu pflegen. Als die Barbara Ubrnk hinausgeführt wurde, fragte sie ängstlich:„ob man sie nicht mehr in ihr Grab zurückführen werde?"— Nach der Angabe der Aebtissin ist die Schwester Barbara 1818 auf Anrathen eines noch im selben Jahre verstorbenen Arztes des Klosters als wahnsinnig eingesperrt worden. Der gegenwärtige Klosterarzt, welcher seit sieben Jahren als solcher fungirt, giebt an, er habe die Kranke nie zu Gesichte bekommen.

Krakau, 26. Juli. Der wiener„Presse“ wird von hier telegraphirt:„Gestern Nachmittag wurden die Kloster­oberin und ihre Stellvertreterin unter Husaren=Escorte in's Criminal abgeführt, wodurch die Volksmassen bedeutend beruhigt wurden. Gestern Abend besetzte Reiterei und Li­nien=Infanterie alle Klöster und sperrten viele Straßen ab, um weiteren Excessen vorzubeugen. Polizei= und Beamte ersuchten das Publikum, sich vor den Klöstern nicht anzusammeln. Gestern Nacht wurde die Ruhe nirgends ge­stört; starke Militär=Patrouillen durchzogen die Stadt.“

Frankreich.

Kaiser Napoleon läßt die Herren Franzosen sich jetzt an seinen Herrn Ministern abarbeiten, da giebts bald dies bald das von ihnen zu berichten, und das vertreibt ihnen doch die Zeit. Hier und da bekommt man heraus, daß es mit dem neuen Ministerium wohl nicht auf die Dauer abgesehen sei, der eine ist schon sehr alt, ein anderer will seine Familie gar nicht nach Paris kommen lassen, und der soll auch die Sache nicht für ganz fest„alten. — Der Kaiser spielt unterdessen mit den Soroaten; um Napoleonsfeste in der Mitte des Augusts geht

er wieder in das Kriegslager von Chalons und fei­ert da das Fest inmitten seiner Getreuen. Die Kaiserin rüstet sich zur Reise nach dem Orient, zum uez=Feste.

Spanien.

Karlisten und Demokraten erheben immer kühner ihre Häupter. Der Minister des Innern weiß keinen andern Rath als ein alt scharf Gesetz von 1821 in Kraft treten zu lassen, was eine Art Kriegszustand erlaubt, wenn Noth= stände kommen. Der Regent Serrano wurde um Genehmi­gung ersucht.— Es sind das alles noch Zeichen am Spa­nischen Himmel, daß noch nicht alle Gewitter vorüber ge­zogen sind.

Italien.

Rom. Mit Rußland kann die päpstliche Re­gierung nicht in's Reine kommen. Als von Kardi­nal Antonelli an Rußland die Frage gerichtet war, unter welchen Bedingungen ein anderes Verhältniß möglich sei, erhielt sie die Antwort, sie möge darüber sich klar aussprechen, welchen Unterschied sie zwischen dem Polenthum und der katholischen Kirche mache. In Rom wurde man darüber so böse, daß man die Verhandlung abbrach.

Großbritannien.

Der englische Sorgestein— Die Kirchenbill— ist noch in der letzten Stunde glücklich aus dem Wege geräumt wor­den, das Oberhaus hat sich besonnen und nachgegeben.

Und der Klügste giebt ja nach!— Die englischen Herren,

die Lords, haben eingesehen, daß der Fluth nicht zu stehen ist, so hat man der Volksstimmung nachgegeben und

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Irlands, dis in den Händen ver p#onnn.... Shi war, zum Besten des Ganzen und auch zu sonntigen

Ss nun einmal, und Unrecht durch Zände ihre Zeit erfält haben, muß es reißen oder brechen, die Knoten sind dann

nicht zu lösen, sie müssen durchhauen werden.

Schweden.

Stockholm, 28. Juli. Die Trauung des Kronprinzen von Dänemark mit der Prinzessin Louise von Schweden hat heute stattgefunden. Der Bräutigam wurde von dem Könige von Dänemark und dem Könige von Schweden, die Braut von den beiden Königinnen geführt.

Rußland.

Warschau. Ein neuer Kabinetsbesehl des Kaisers verfügt die Auflösung der Hochschule in Warschau. Nach mehrhundertjährigem Bestande soll nun diese letzte Stätte für polnische Literatur und Geschichte zerstört und an ihre Stelle eine russische Universität treten. Den Polen wird damit die letzte Stätte nationaler Bildung genommen.

Vereinen theils schon gewährten, theils in Aussicht gestellten Beihülfen wird ein Betrag von c. 3000 Thlr. beschafft werden.

Den Rest von 3100 Thlr. aus eigenen Mitteln auch nur theilweise aufzubringen, sieht sich die Gemeinde bei ihrer sehr großen Bedürftigkeit gänzlich außer Stande, da sie nur aus armen Fabrikarbeitern, unbemittelten Tagelöhnern be­steht und nur wenige meist verschuldete Grundbesitzer zählt. Sie zahlt an directen Staatssteuern im Ganzen 280 Thlr. 8 Sgr. 3 Pfg., darunter an Grund= und Gebäudesteuer Thlr. 8 Sgr. 3 Pfg. An Communal=Kirchen= und

Thlr. 14 Sgr. 7 Pfg. oder 147 Prozent der directen Die der Gemeinde zur Beschafung dieser Kirchenbau­

kosten von dem Herrn Ober=Präsidenten bewilligte Haus­collecte wird den evangelischen Eingesessenen der Provinz recht dringend empfohlen.

Unna, 23. Juli. Nach sechswöchentlichen gugnggeser

der an 9). Mig d. 3. un des Berzgzagen a

mordet hat, näher

20. März in unmittelbarer Nähe der von hier nach Lang­schede führenden Chaussee, kaum eine halbe Stunde von Unna,

Vormittags 10 Uhr, um eine Zeit, wo die Chaussee von Fußgängern, Fuhrwerken, Equipagen und Posten nure fre­quentirt war. Die unausgesetzte Thätigkeit der und polizeioehörden hat es dahin gebracht, der Spur des Verbrechers so nahe zu kommen, daß die Ergreifung vinnen

2 Anna 27. Juli. Der landwirthschaftliche Verein des

Kreises Hamm wird am 22. Sept. c. sein diesjähriges Thier­schaufest, verbunden mit Ausstellung landwirthschaftliche: Geräthe und Produkte zu Bönen feiern. Im kunftigen Jahre dagegen soll das Fest in Verbindung mit der General­Versammlung des landwirthschaftlichen Provinzial=Vereine und der Landes=Culturgesellschaft des Regierungsbezirks Arnsberg in Hamm gefeiert werden.

Bochum, 27. Juli. Nachdem der größte Theil(circe 70—80 Stück) der in unserer Stadt gehaltenen Kühe und circa 15—25 Schweine die Maul= und Klauenseuche über­standen, tritt die Krankheit jetzt auch in einigen benachbarten Gemeinden auf. Sie behält indeß fast überall ihren gut­artigen Verlauf bei und hat außer dem Nachtheile, der durch die Abmagerung der Thiere und die mehr oder weniger große Beschränkung der Milchabsonderung bewirkt wird, noch keine * Soest, 29. Juli. Am 7. und 8. Auanst a. Hgde

hierselbst das 5. Turufest des Hellweg=Märkischen Sau= Ger­bandes, bestehend aus den Vereinen Aplerbec,1uu,„e

Berghofen, Erwitte, Hamm, Hörde, Livpstadt, Unau, Werl und Soest, statt. Das Fest wird voraussichtlich ein sehr glänzendes werden.

Westfalen und Rbeinland.

Dortmund. Die Manöver der 15. Division werden in der Zeit vom 2. bis 11. September zwischen hier, Unna

ie Gemeing,

Jahre 1847 gegründete evangelische Diaspora=Gemernv#, weilche jetzt e. 430 Seien Joht, wjigheg Wachathum recknen dustriellen Verhältnissen auf ein rasches Wachsthum trunen darf, besitzt noch immer kein Gotteshaus, sondern muß sich kümmerlich mit einem in der Pfarrwohnung befinvlichen Bet­saal behelfen, der höchstens 100 Personen fassen kann. Da­bei hat dieser Raum nu: die Höhe eines gewöhnlichen Zim­ter's, und ist es daher bei vollständiger Füllung veffeden, namentlich bei großer Hitze, kaum möglich, in demselben aus­zudauern. Der Bau der Kirche ist längst ein dringendes Bedürfniß. Die Vorbereitungen zu demselben sind schon getroffen,

und ist der bereits angefertigte Bauplan

dem Könige zur Erwirkung eines in Aussicht gestellten Al­

lerhöchsten Gnadengeschenks vorgelegt worden. Aber selbst

nach Gewährung dieser Gnadenbeihülfe wird die Gemeinde zu den Kosten, die sich trotz der einfachen Ausführung des Baues doch auf c. 16000 Thlr. belaufen, noch die erhebliche Summe von c. 6120 Thlr. aufzubringen haben. Durch freiwillige Gaben der Gemeinde=Mitglieder, sowie durch di

von verschiedenen Seiten, namentlich den Gustav=Adolf's

des werden.

Haus= und

Aus Westfalen. In Folge der in den Tagen vom

29. April bis 1. Mai d. J. stattgefundenen Nachtfröste

sind die Hoffnungen auf eine frühzeitige und reichliche Ernte auf eine ausreichende Mittelernte herabgesunken. Wenn daher eine entsprechende Preissteigerung in den Cerealien hervorgetreten, so müßte dies um so erklärlicher erscheinen, als das an den Bezugsquellen hiesiger Gegend überhaupt noch vorhandene Verkaufsquantum sich, je näher man deg

erwarteten frühen Ernte entgegenzusehen mehr zu Ende neigte und nunmehr erst auf größerer Ferne Bedacht genommen werden müßte. Bei­spielsweise ist der Rozgen pro Schefel Leist.„ T

7½ gegenwärtig durchschnittlich auf 1 Thic. 20 1 Thlr. 25 Sar. im Preise gestiegen. In den Kreisen Lüb­becke, Halle, Wiedenbrück und Paderborn hat auf vorherr schend leichterem Boden die Kälte dem Roggen und Hafer sowie der Gerste und dem Flachs erheblich geschadet und wird die erwartete Ernte voraussichtlich ½ geringer aus­fallen. Einige große Flächen haben ganz abgenommen und, wo es angänglich, mit anderen Fruchtarten bestellt werden müssen. Dagegen stellt sich der Nachtheil auf schwererem Boden und solchem, welcher sich in gutem Dünger=Zustande befunden, erheblich geringer heraus, indem hier, bei besserem Untergrunde, die Widerstandskraft der Pflanzen und Saa­ten ein erfolgreicher gewesen. Die Klee= und Huuecnte lieferte im Allgemeinen ein nur sehr mittelmäßig¬s niß; auch Raps= und Rübsaamen haben kaum die Hälfte des des gewöhnlichen Ertrags gewährt. In den zum

Halle gehörenden Gemeinden Heffelteich, Peckeloh und Beck: horst beläuft sich der durch Nachfröste verursach. ebade