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Kreisblatt für den nördlichen Teil des Landkreises Iserlohn

65. Jahrgang

Die Wufsen=Cerund in Gen

Ein ursiäser Schweigededei für Turviru

Tardien reist nicht nach Genf

Tardieu hat an den ständigen Delegierten Frankreichs beim Völkerbund, Paul Boncour, am Mittwochvormittag folgendes Telegramm ge­zichtet:

Ich wäre Ihnen sehr verbunden, wenn Sie den Serren Stimson, Macdonald, Dr. Brüning und Grandi folgende Mitteilung machen woll­ten: Als ich gestern den Wunsch meiner Kolle­gen, mich am Freitag in Genf zu sehen, erfuhr, habe ich, obgleich leidend, zugesagt. Aber die starke Kehlkopfentzündung, von der ich befallen bin, hat solche Fortschritte gemacht, daß mein Arzt mir formel! diese weite Nachtreise untersagt. Er verbietet mir ebenfalls die politi­sche Rede, die'ch morgen in Belfort halten wollte. Sie wird in meinem Namen von einem meiner Regierungskollegen verlesen werden.

C: verordnet mir bis auf weiteres Schweigen und völlige Ruhe. Ich bin hierüber untröstlich, aber ich kann nichts dagegen tun. Ich bitte Sie, meinen Kollegen mein freundschaftliches Bedauern zum Ausdruck briugen zu wollen.

Die Arbeit der Fachaus­

schaffe

Die allgemeine Aussprache im Marineausschuß

Im Marineausschuß der Abrüstungskonferenz ergub sich eine

große Verschiedenheit der Auffassungen über die Bewertung der einzelnen Schiffstypen;

der Nachdruck, mit dem die Delegationen sich für die Beibehaltung der einen oder anderen Kate­gorie einsetzten, zeigte deutlich, daß auch in die­sem Ausschuß jedermann unter qualitativer Ab­rüstung die Abschaffung und nicht die Inter­nationalisierung versteht.

Der amerikanische Delegierte erklärte, daß der Begriff Angriffswaffe mit Ausnahme der Unter­seeboote auf die Flotte überhaupt nicht anwend­bar sei. Das Ziel des Seekrieges sei die Beherr­schung des Meeres und die Schädigung des feindlichen Handels; er richte sich also seinem Wesen nuch nicht gegen die nationalen Verteidi­gungswerke, noch gegen die Zivilbevölkerung.

Gegen die Abschaffung der U=Boote sprachen sih die Vertreter Polens, Japans und Finnlands aus. Der Vertreter Japans forderte dagegen die Abschaffung der Flugzeugmutterschiffe als einer besonders gefährlichen Angriffswaffe. Im Ge­gersatz zu den amerikanischen Erklärungen wies der Vertreter der Sowjetunion darauf hin, daß gerade die Linienschiffe vermittels der Blockade oder durch Vorbereitung einer Invasion als An­griffswaffe und als Bedrohung der Zivilbevölke­rung wirken könnten. Er wies ferner darauf hin, daß die Abschaffung einzelner Schiffskategorien nicht genüge, sondern mit einer Einschränkung der Tonnage der verbleibenden Kategorien ver­bunden sein müsse, wenn die Abrüstung ihr Ziel erreichen wolle.

Schließlich beantragte der holländische Dele­gierte, daß auch die Kontaktminen als ständige Gefährdung der Zivilschiffahrt auf die Liste der abzuschaffenden Waffen gesetzt werden.

Im Luftfahrtausschuß liegt nur ein Antrag— der deutsche— vor

Der Luftfahrtausschuß ist am Mittwoch zum ersten Male zusammengetreten.

Der deutsche Vertreter, Ministerialdirektor Brandenburg, stellte den Antrag, unter den vom Hauptausschuß bezeichneten Gesichtspunkten die gesamte Militär­luftfahrt zu prüfen und entsprechende Vorschläge

auszuarbeiten. Er wies darauf hin, daß die Auf­

arte dadurch erleichtert werde, dos geäußert. Grandi bagegen trete für ihn ein.

Dr. Brüning habe auf der Unterredung mit Stimson und Macdonald Bedenken geäußert und besonders betont, daß Deutschland im Versailler Vertrag eine zu geringe Truppenstärke erhalten habe. Diese Frage würde jedenfalls bei der Be­sprechung vom Freitag in Anwesenheit Tardieus weiter behandelt werden.

in den Friedensverträgen von 1919 ein­deutig die Waffen bezeichnet worden seien, deren Abschaffung wegen ihres Offensiv­charakters als eine unerläßliche Abrüstungs­maßnahme angesehen wurde. Die Luftwaffe habe nach dem Urteil aller militä­rischen Kreise außerordentlich gewonnen. Der ungeheure Ausbau der Militärluftfahrt in den letzten Jahren überall in der Welt sei ein ein­drucksvoller Beweis. Deutschland und andere Mächte hätten die militärische Luftfahrt durch Zerstörung abgerüstet und so ein Beispiel für diejenigen Maßnahmen gegeben, die jetzt allge­mein als wirksame Maßnahme durchgeführt wer­den können. Man dürfe sich nicht nur auf die Bombenluftfahrzeuge beschränken, sondern müsse sich auch mit den Jagd= und Aufklärungsflugzeu­gen, die ebenfalls im Versailler Vertrag in die qualitative Abrüstung einbezogen worden seien, beschäftigen. Der Ausschuß habe die Pflicht, be­tonte der deutsche Vertreter nochmals, konkrete Vorschläge zu machen. Der deutsche Antrag wurde

einem Unterausschuß überwiesen.

Mit ihrem Antrag hat die deutsche Delegation einen

entscheidenden Vorstoß

in der Richtung gemacht, daß auf dem Gebiete der Militärluftfahrt wirksam abgerüstet werde. Der deutsche Antrag spricht klar und präzise aus, daß die gesamte Militärluftfahrt und der Abwurf von Kampfmitteln jeder Art aus Luft­fahrtzeugen den Gegenstand wirksamer Ab­rüstungsmaßnahmen zu bilden hat.

Außer dem deutschen Vertreter nahmen noch die Delegierten Italiens, Japans, Polens, Bel­giens und der Schweiz das Wort. Ihre Aus­führungen waren ziemlich allgemein gehalten und brachten nichts Neues.

In der sich an die öffentlichen Beratungen an­schließenden Sitzung des Unterausschusses stellte der Vorsitzende fest, daß

nur ein einziger konkreter Antrag, der deutsche,

vorliege; er forderte die Delegationen auf, ihre Ansichten bis zur nächsten Sitzung in formulier­ten Anträgen vorzulegen.

Dr. Brüning hatte am Mittwoch Unterredun­gen mit dem norwegischen Außenminister Braadt­land und dem schwedischen Außenminister Baron Ramel.

Diskontermäßigung der Reichsbank um ½ Prozent

Die Reichsbank hat mit Wirkung ab 28. April 1932 den Diskontsatz von 5 auf 5%, den Lombardsatz von 6½ auf 6%8 ermäßigt.

Der Zentralausschuß der Reichsbank hat dem Beschluß des Reichsbankdirektoriums nach Be­gründung durch den Reichsbankpräsidenten Dr. Luther zugestimmt. Die Reichsbank hat sich trotz der sich aus der Devisenlage ergebenden Hem­mungen zu dieser Zinssenkung entschlossen, um der Wirtschaft von der Zinsseite her die nach der Gesamtlage vertretbaren Antriebsmöglichkeiten zu verschaffen. Der Re1 bank wurde ihr Ent­schluß durch die flüssige Gestaltung des Geldmark= tes, durch die fortschreitende Entlastung ihres Status und durch die seit der letzten deutschen Diskontsenkung eingetretenen ausländischen Dis­kontsenkungen erleichtert.

Erhebliches Defizit der Invaliden­versicherung

Im Untersuchungsausschuß des Sozialpoliti­schen Reichstagsausschusses fand am Mittwoch eine eingehende Aussprache über die Lage der Invalidenversicherung statt, in der man die schwierige Vermögenslage dieses Versicherungs­zweiges erörterte. Aus den Mitteilungen der

Regierung ergab sich; daß bei der Invalidenver­sicherung mit einem erheblichen Defizit zu rechnen ist. Der Unterausschuß wird am 6. Mai eine neue Sitzung abhalten. Er will in dieser Sitzung nach Möglichkeit zu Beschlüssen kommen, die dann vom Sozialpolitischen Ausschuß, der in den fol­genden Tagen gleichfalls zusammentreten soll, unterbreitet werden sollen.

Die Unterredung Stim­son=Mardonald-Bruning

Der in Genf weilende Außenpolitiker des Echo de Paris mißt einer Unterredung Stimson— Macdonald—Brüning, die am Dienstag statt­fand, eine besondere Bedeutung bei. Sie könne als Vorbereitung der Führerbesprechung gelten, die für nächsten Freitag anberaumt sei. Ein Protokoll über die Besprechung sei der französi­schen Delegation übergeben worden, während Grandi telephonisch von dem Verlauf unterrich­tet worden sei. In den Besprechungen sei zum Ausdruck gekommen, daß

die Beseitigung der Angriffswaffen eine solide Grundlage

sei, auf der man positiv aufbauen könne. Die Quantitätsfrage solle so geregelt werden, daß

jede Nation ein„absolut feststehendes Kontingent“

erhält, das nach ihren innenpolitischen und grenzpolitischen Bedürfnissen errechnet werde, wobei die Deutschland durch den Versailler Ver­trag zustehenden Effektivbestände als Maßstab gelten könnten für das, was ein 64=Millionen­Volk brauche. Zu diesem Kontingent könne dann noch ein veränderliches Kontingent geschlagen werden, das den Notwendigkeiten der nationalen Verteidigung und den Anforderungen der inter­nationalen Verpflichtungen entspreche. Die Urheber dieses Systems rühmten seine Geschmei­digkeit.

Der Außenpolitiker des Blattes bezeichnet einen derartigen Plan als nicht besonders verlockend

Fahrpreisermäßigungen

Beschlüsse des Verwaltungsrates der Reichsbahn

Vom 25. bis 27. April tagte in Berlin der Ver­waltungsrat der Deutschen Reichsbahngesellschaft. Er genehmigte

Geschäftsbericht und Bilanz für das Rech­nungsjahr 1931

und beschloß die Ausschüttung einer siebenpro­zentigen Dividende auf die ausgegebenen Vor­zugsaktien Serie 1—5.

In der Verkehrsentwicklung im ersten Vierteljahr des Jahres 1932 drückt sich die weitere

Verschlechterung der Wirtschaftslage

in vollem Maße aus.

Der Staatssekretär im Reichsfinanz­ministerium will zurücktreten?

Der Güterverkehr

erbrachte gegen die gleiche Zeit des Vorjahres 31% weniger Einnahmen, gegen 1929 sogar 52% weniger. Beim

Personenverkehr

machte sich ein Einnahmeausfall gegenüber dem Vorjahre von etwa 17%, gegen das Jahr 1928 von nahezu 26% bemerkbar.

Um den Reiseverkehr zu beleben, gab der Ver­waltungsrat seine Zustimmung zu einer vorge­schlagenen

Fahrpreisermäßigung.

Danach wird vom 1. Juni d. J. ab der

Schnell= und Eilzugzuschlag um die Hälfte ermäßigt.

Das Spannungsverhältnis bei den

Monats- und Schülermonats- und Teil­monatskarten

wird geändert, sodaß eine Ermäßigung zwischen 8 und 21% eintritt. Außerdem werden nunmehr

Urlaubskarten

für die Zeit vom 1. 6. bis 15. 10. 1932 eingeführt mit einer 20%igen Fahrpreisermäßigung und einer Geltungsdauer von zwei Monaten, wobei die Reise sich mindestens auf 200 Klm. erstrecken muß und die Rückreise nicht vor dem 11. Gel­tungstage angetreten werden darf. Vorausgesetzt wird, daß diese Urlaubsfahrten sich auf Reise­ziele in Deutschland erstrecken.

Der Besuch des Reichswehrministers beim Reichspräsidenten

Zum Besuch des Reichswehrministers Groener beim Reichspräsidenten erfährt das Contibüro von unterrichteter Seite, daß Minister Geoener dem Reichspräsidenten im einzelnen seine Auf­fassung über das Material erläutert hat, das einerseits ihm vom Reichspräsidenten zugeleitet und andererseits vom Reichsinnenministerium selbst beschafft worden ist. Man nimmt in un­terrichteten Kreisen an, daß nach der Rückkehr des Reichskanzlers aus Genf in einer Kabinetts­sitzung abschließend zu der ganzen Angelegenheit betreffend das Reichsbanner Stellung genommen wird.

Staatssekretär Schäffer, der nächste Mitarbeiter des Reichsfinanzmini­sters, hat die Absicht, in nächster Zeit seinen Rücktritt zu erklären.

Acht Millionen Arbeitslose in U5A.

Nach Mitteilungen des Vorsitzenden des ame­rikanischen Allgem. Arbeiterverbandes. Green, hat die Zahl der Arbeitslosen in den Bereinigten Staaten 7950000 er­reicht. Green empfiehlt die Einführung der fünftägigen Arbeitswoche, um dem Ernst der Lage zu begegnen.

Japan stimmt einem Kompromißvor­schlag im Schanghaikonflikt zu

Aus Schanghai, 27. April, meldet Reuter: Der japanische Gesandte in China hat aus Tokio Anweisung erhalten, die von dem britischen Ge­sandten Sir Miles Lampson vorgeschlagene Kompromißformel zur Ueberbrük­kung der chinesisch=japanischen Ge­gensätze anzunehmen. Die Formel ist von chinesischer Seite bereits angenommen worden.