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Bestsalischer Merkur.
29. Juli 1928.
Der So. Srommagein drg. Ei. Heren!
Festgottesdienst im hohen Vom.— Imposanter Festatt im Rathaussaat.— Festessen im Fürstenhof.
* Münster, 19. Juli.
Die Feier des 80. Geburtstages des Abg. Landesökonomierats Dr. Herold wurde am Donnerstag vormittag würdig dingeleitet mit einem
Hochamt im Dome,
des Dompropst Dr. Mausbach zelebrierte. Dem feierichen Gottesdieenst wohnte auch der hochwürdigste Herr Bischof Dr. Poggenburg bei, ferner die nächsten Angehörigen des Geburtstagskindes und eine große Reihe seiner Freunde und Verehrer. Der katholische Studentenverein „Tuiskonia“, dessen Ehrenmitglied der Abg. Herold ist. hatte leine Chargierten mit Fahne deputiert. Das hohe Gotteshaus war von den Katholiken der Stadt Münster bis auf den letzten Platz gefüllt. Es war ein ergreifendes Bild, die markante Gestalt des Achtzigjährigen so demütig vor dem Altare Gottes im Gebete versunken zu sehen.
An das Hochamt schloß sich dann um 11 Uhr ein
Festakt an den Nathanssale.
Schon äußerlich war dem Akte Bedeutung beigelegt durch reiche Beflaggung. Der altehrwürdige Saal selbst war schön geschmückt mit frischem Grün und Lorbeer. An der Ehrensafel nahmen rechts vom Abg. Herold Platz der hochwürbigste Herr Bischof Dr. Poggendurg, der preußische Landwirtschaftsminister Dr. Steiger. Oberpräsident Gronowski, Abg. Geheimrat Dr. Porsch, Landeshauptmann Dr. Dieckmann, Oberbürgermeister Dr. Sperlich. Links vom Geburtskinde reihten sich an Verkehrsminister von Guerard, Wohlsahrtsminister Dr. Hirtsiefer, Reichskanzler a. D. Dr. Marx, Winsterpräsident a. D. Dr. Stegerwald, Prof. Dr. Brinkmann=Vonn, Adg. Prälat Dr. Schreiber Frhr. von Der. Den Soal füllte eine große Reihe von Palamentariern von nah und fern; wir nennen u. a. die Abg. Altegoer, Bielefeld, Vornefeld-Ettmann, Crone=Münzebrock. Reichstagsvizepräsiden Esser. Anwesend waren ferner die Vertreter verschiedener Münsterscher Behörden, lo Präsident Dr. Ronge, Landgerichtspräsident Münster, Vizepräsident Dr. Hettlage. Die dem Zentrum angehörigen Magistratsmitglieder und Stadtverordneten der Stadt Münster sowie, die Mitglieder des lokalen Parteivorstandes wohnten dem feierlichen Akte sast vollzählig bei. Der Vorsitzende des Westf. Bauernvereins, Frhr. von Kerckerinck zur Borg, war ebenfalls erschienen, außerdem auch ein Vertreter des Wests. Bauernbundes. Von Arnsberg war Minister a. D. Dr. Haslinde herübergekommen. Vom Katholikenkomitee der Stadt Münster war mit seinem Vorsitzenden Oberregierungs= und Obermedizinatrat Dr. Engels der Vorstand erschienen.
Der Festakt wurde eingeleitet mit der feinfinnigen Wiedergabe des Meistersinger=Vorspiels durch unser städtisches Orchester unter der Leitung des Herrn Göhre.
Der hochwürdigste Herr
Sichg 2r. Bagentung
nahm als erster das Wort und führte aus:
Hochverehrte Festversammlung! Eine seltene Feier hat uns heute hier in diesem altehrwürdigen Rathaussaale der Stadt Münster vereinigt, die Feier des 80. Geburtstages des Herrn Landesökonomierates Dr. Herold, des Vorsitzenden der westfälischen Zentrumspartei. Gern bin ich der Einladung der Freunde des Jubilars gefolgt, und von Herzen entbiete ich Ihnen, Herr Landes=Oekonomierat, meine herzlichsten Glückwünsche zu diesem Tage. Nur wenigen Menschen ist es beschieden, den 80. Meilenstein am Lebenswege zu erreichen. Heute morgen haben wir alle im Hohen Dome Gott dem Herrn gedankt fü die reichen Gaben und Gnaden, die er Ihnen volle 80 Jahre verliehen, von denen fast 40 Jahre dem Dienste der Oeffentlichkeit gewidmet waren. Als Bischof der Diözese, der Sie ange
hören, spreche ich Ihnen meinen innigsten Dank aus für die außerordentliche Arbeit und die vielen Opfer, die Sie in selbstloser Weise auf sich genommen, für die geduldige und freudige Ausdauer in allen Wirren und Kämpfen des öffentlichen Lebens. für die Verdienste, die Sie in Ihrer parlamentarischen Tätigkeit um die Kirche in Deutschland, auch um die Diözese Münster, um die christliche konfessionelle Schule und auf sozialem Gebiete sich erworben haben. Ein treuer Helfer ist dem Episkopat das Laienapostolat jener katholischen Männer, die, vorbildlich in ihrem Leben und Wirken, die Freiheit und die Rechte der Kirche im öffentlichen Leben verteidigen.— Die katholische Kirche, deren treuer Sohn Sie stets gewesen, und Ihr hl. Glaube bot Ihnen, dem politischen Führer, immer einen festen Standpunkt, von dem aus Sie mit Klarheit die Grundlätze der Gerechtigkeit und der Liebe erkannten. Gebe Gott aus viele katholische Männer und Führer, die im Lichte der ewigen Wahrheiten wandeln, arbeiten und wirken zum Segen für Kirche und Vaterland!
Ich habe dem Heiligen Vater von dieser Feier berichtet, und Se, Heiligkeit hat geruht, Ihnen zum 80. Geburtstage das Komkurkreuz des Gregoriusordens mit Stern zu verleihen. Durch diese Teiknahme des Heiligen Vaters erhält diese Feier ihre verklärende Weihe und ihre höchste Besiegelung. Möge der liebe Gott— das ist mein Wunsch und mein Gebei— Sie noch manche Jahre Ihres Amtes walten lassen zum Segen des deutschen Volkes, insbesondere des katholischen Volkes!(Bravo!)
Der dem Zentrum angehörige jetzigen Reichsregierung
Verkehrsminister der
Herr von Guerard
überbrachte die Glückwünsche der Reichsregierung, wobei er ausführte: Es ist mir eine ganz besondere Genugtuung, daß ich an der altehrwürdigen Stätte namens der Reichsregierung sprechen kann an dem Ehrentage eines der großen Söhne der Roten Erde. Ich bin mit Herrn Herold setzt ja auch schon lange Jahre in gemeinsamer treuer Arbeit verbunden und weiß daher auch persönlich, was der Abg. Herold nicht nur dem westfälischen Lande, sondern dem deutschen Vaterlande und Voike geworden ist. Wo, meine Damen und Herren, können wir einen Mann finden, der in so selbstloser, unermüdlicher Arbeit mit 80 Jahren noch sein ganzes Tagewerk dem deutschen Volke weiht, dem Wiederaufbau des Vaterlandes, der ihm so sehr am Herzen liegt und der in Herold sich verkörpert? Er ist ein Stück gewaltiger Tradition mit seiner reichen Erfahrung an dem, was hinter uns liegt. Unendlich viel verdanken wir ihm in seiner Sorge für die Kulturgüter. Auf wertoolle Ueberlieferungen aufbauend hat Herold sich treu und selbstlos eingestelli auf die Arbeit für das Vaterland, um es weiter zu entwickeln und dazu beizutragen, daß Deutschland wieder den Platz bekommt, den es im Rate der Völker auf der Welt verdient. Ich glaube, Sie werden alle mit mir einig sein, daß an diesem Tage nicht nur in Münster und in Westsalen, sondern im ganzen deutschen Vaterlande und im deutschen Volke wir dem Abg. Herold herzlichen, innigen Dank schulden. Er verkörpert noch immer in sich das, was uns heute so besonders nottut; er ist derjenige, der in seinem ganzen Wirken und Streben immer darauf ausging, die Harmonle zu sinden zu einem schönen Zusammenklang. Auch heute ist er uns noch in Berlin der ausgleichende Faktor, der immer wieder das Bestreben hat, die Harmonie unter uns herbeizuführen und zu stärken. Ich wünsche bei Gott, daß Herold dem Westsalenlande noch lange erhalten bleiben möge. Und ich wünsche dem Vaterlande, daß es noch lange das Wirken Herolds sieht. Ich glaube, man kann dem Volke wohl wünschen, daß ihm noch mehr solcher Männer erstehen, die mit ihrer Selbstlosigkeit, ihrer Treue und ihrem Weitblick in die Zukunft für das Wohl des Vaterlandes do erbeiten, wie der Abg. Herold. Daßz Sie, verehrtes
Geburtstagskind, noch lange uns erhalten bleiben mögen, noch lange arbeiten können für das deutsche Volk, das ist der Wunsch, den ich die Ehre habe, Ihnen hiermit namens der deutschen Reichsregierung auszudrücken.(Lebh. Beifall.)
Darauf nahm das Wort
der Preußische Landwirtschaftsminister Dr. Steiger.
Er gab zunächst das folgende Glückwunschschreiben des Ministerpräsidenten Braun bekannt:
„Jum heutigen Tage, an dem Sie das 89. Lebens
fahr vollenden. spreche ich Ihnen zugleich im Ramen der preußischen Staatsregierung die herzlichsten Glückwünsche aus. Sie begingen am 16. vorigen Monats den Tag der 30jährigen Wiederkehr Ihres Eintrikts in den Reichstag. Jast 40 Jahre gehören Sie dem preußischen Parlament als Mitglied an. Nur wenige Parlamentarier können auf so lange und überaus erfolgreiche Tätigkeit als Abgeordneler zurückblicken. Es ist mir deshalb ein inneres Bedürfnis, Ihnen am heutigen Tage zu sagen, daß die Preußische Slaatsregierung der Verdienste, die Sie sich in Ihrem langen und arbeitsreichen Leben um das Gemeinwohl, um den preußischen Staat und das ganze deutsche Valerland erworben haben, in hohem Maße sich bewußt ist und mit ihr weile Kreise des Volkes Ihnen Dank und Anerkennung zollen. Möge es Ihnen vergönnt sein, sich noch lange Jahre bester Gesundheit zu erfreuen und mit Ihrer reichen Erfahrung zum Wohle des Vakerlandes zu wirken. gez. Braun.“
Im Anschluß an diese Verlesung führte der Herr Minister folgendes aus:
Sehr geehrter Herr Landesökonomierat! Als Chef der Landwirtschaftlichen Verwaltung ist es mir ein lebhaftes Bedürfnis und eine hohe Pflicht, an Ihrem 80. Geburtstage persönlich zu erscheinen und Ihres reichen Lebens und Wirkens für die Landwirtschaft zu gedenken. Ihre Arbeit begann in der Oeffentlichkeit mit der Tätigkeit als Vorsitzender eines landwirtschaftlichen Vereins, des Wirkens, das noch heute das nächste zur Förderung des landwirtschaftlichen Berufsstandes ist. Das Vertrauen der Landwirte führte Sie dann zur Leitung der Landwirtschaftlichen Vereins=Organisation auf der höheren Stufe, dem Landwirtschaftlichen Hauptverein. Der gesetzlich berufenen Vertretung der Landwirtschaft, der Landwirtschaftskammer, gehören Sie seit ihrer Errichtung an. Durchdrungen von der Wichtigkeit der Gestaltung der Handels= und Wirtschaftspolitik zur Sicherung des Bauerntums begegnen wir Jahrzehnte hindurch Ihrer regsten Mitarbeit im westfälischen Bauernverein. Die Wirtschaft, wie sie durch die Genossenschaften getätigt wird, war schon sehr früh Ihr Feld. Lange Zeit standen Sie bei dem Verband westfälischer Molkereigenossenschaften an der Spitze. Allen heimatlichen, zur Förderung der Landwirtschaft geschaffenen Organisationen war und ist noch heute Jahre sakundliche Mitarbeit gewidmet. Wie kaum einem Anderen gab Ihnen das Gelegenheit, die Zusammenhänge von Technik und Wirtschaft zu pflegen. Au“ das galt zunächst der westsälischen Landwirtschaft, die mit ebenso viel Stolz als Befriedigung auf ihren der roten Erde entsprossenen Pionier der Landwirtschaft blicken kann. Aber auch über die heimatlichen Grenzen hinaus hörte die deutsche Landwirtschaft gern auf Ihr Wort und schätzte Ihren sicheren Rat.
Damit nicht genug. Jahrzehnte gehören Sie dem Landtag und dem Reichstag an. Immer wiesen Sie aber darauf hin, daß Sie dort als Vertreter des Volkes und nicht etwa eines Berufsstandes Ihre Pflichten wahrzunehmen hätten, und doch begegnen wir auf Schritt und Tritt Ihrer Wirksamkeit im Sinne der Landwirtschaft. Ich hebe nur einiges hervor. In die zollpolitische Geschichte ist der Antrag Herold eingegraben, der von Ihnen im Jahre 1902 eingebracht wurde, als die Kämpfe um den Schutz des Getreides keinen Ausweg erkennen ließen. Da haben Sie durch Ihren Antrag die Lösung herbeigeführt, eine Lösung, auf der sich auch weiterhin die Getreideschutzellpolitik aufbaute. Allezeit sind Sie in der Handelspolitik für die berechtigten Forderungen der Landwirtschaft eingetreten. Ein weiteres großes Gesetzgebungswerk war es, auf das Sie besonderen Einfluß ausübten, die Steuergesetzgebung. Daraus nur Eines. Grundsätzlich verfolgten Sie als Ziel, daß die Landwirtschaft nach dem Ertrage besteuert, und daß überall der Ertragswert für die Wertbestimmung land= und forstwirtschaftlich genutzter Grundstücke angewandt wird. Große Verdienste haben Sie sich dadurch nicht bloß für die preuFische, sondern für die ganze deutsche Landwirtschaft erworben. Was so natürlich scheint, mußte erst in zähem Kampfe geschaffen werden. Aber auch an jedem anderen Gesetze, das in den Kreis der Landwirtschaft fiel, haben Sie in seltener Pflichttreue und mit der Ihnen eigenen Sachkenntnis mitgearbeitet, immer geleitet von der Ueberzeugung, daß die Landwirtschaft das Fundament der Volkswirtschaft ist. In meisterhafter Weise ist es Ihnen in der Tat gelungen, die handels=, wirtschafts= und steuerpolitischen Notwendigkeiten der Landwirtschaft in die gesamte Staatsvolitik einzuordnen.
Herzlichen Dank spreche ich Ihnen als Minister für Landwirtschaft, Domänen und Forsten daher für all das aus, was Sie in diesen langen Jahren zur Förderung der Landwirtschaft getan haben. Nehmen Sie, sehr verehrter Herr Landesökonomierat, als Erinnerung an diesen Tag das Kunsterzeugnis der Staatlichen Porzellanmanufaktur, das nur einmal im Jahre 1763 angefertigt wurde, entgegen und den herzlichen Wunsch, daß Sie den Geburtstag noch oft in froher Gesundheit erleben möchten.
Nachdem der Preuß. Landwirtschaftsminister Steiger dem Jubilar das Kunstwerk überreicht hatte, ergriff
Oberpräsident Gronowski
das Wort:
Heute vor 10 Jahren feierte ein kleiner Kreis im Fürstenhof zu Münster die Vollendung des 70. Lebensjahres des Abg. Herold. Einfach und schlicht, wie es der ganzen Lebensauffassung des Jubilars und der Rot des Landes entsprach. Von den drei Rednern sind zwei in der Ewigkeit: Graf von Galen und Trimborn. Die Wünsche, die damals für das persönliche Wohlergehen unseres Jubilars zum Ausdruck kamen, sind alle in Erfüllung gegangen. Nur ein Wunsch blieb versagt:„Glückhaftes Ende des Weltkrieges“, Deutschlands Stern stand vor 10 Jahren tief: es wurde Abend, und vier Monate später dunkle Nacht. GottesVorsehung hat dies zugelassen, uns aber gleichzeitig Männer gegeben, die durch ihre Jahre, Erfahrung und Abgeklärtheit dem deutschen Volke Führer und Berater waren und sind. Zu diesen gehört Herold. Niemand hörte ihn sammern oder anklagen. Der Siebzigjährige zog durch die Lande und ermunterte zu neuem Leben, richtete auf die Verzagten und Gleichgültigen, warnte die Fahrlässigen und bemühte sich, die Abseitsstehenden zu gewinnen zur positiven Mitarbeit am neuen Staat, damit Deutschland nicht ein zweites Rußland wird. Verständnis und Hilfe hat der Jubilar nicht überall gefunden, aber er ging unbekümmert an Tadel und Gegnern vorbei seinen geraden Weg. Dieser konservativ denkende Mann, der zäh und deharrlich am Ueberlieferten festhielt„kannte nur eins: Deutschlands Einheit retten! Ueber Partei und Stand und Fürstenkronen stellte er die Rettung des Vaterlandes und seiner Heimat. Von diesem Gedanken geleitet, arbeitete Herold an der neuen Reichsverfassung in Weimar und an der Verfassung des Freistaates Preuhen. Sein fleißiges, kluges Wirken und Schaffen in den Parlamenten und im öffentlichen Leben als Pelitiker und Staatsbürger hat zur Festigung des Staatsgedankens und des Volksstaates ganz erheblich beigetragen. Dem innern Frieden diente er mit ganzer Seele. Auch die Gegner erkennen diese Tätigkeit mit Ehrkurcht an.
Herr Jubilark. Als Politiker und Staatsbürger haben Sie in notvoller Zeit mit anderen ovferbereiten Männern, besondere in Ihrem achten Lebenssahrzehnt, dem deutlchen Volke die Einheit und den S##au
den an seine Lebenskraft gerettet. Die Geschichtsschreiber werden es den Nachkommen sagen, daß Sie zwar nicht an der Ministerbank, aber doch als Staatsmann mit zu den Rettern des Landes und unserer Heimat gehören. Wir Lebenden danken Ihnen mit Ehrfurcht für den geleisteten, oft bitterschweren Dienst am deutschen Volke. Glückauf zum 9. Jahrzehnt!
Prorektor Prof. Dr. Brinkmann=Vonn
gab im Namen Sr. Magnikizenz des Rektoro der Landwirtschaftlichen Hochschule in Vonn=Poppelsdorf folgenden Beschluß des Senats der Hochschule bekannt:„Die Landwirkschaftliche Hochschule Bonn=Poppelsdorf verleiht Titel. Rechte und Würde eines Doktors der Landwirtschaft ehrenhalber dem Herrn Landesökonomierat Herold zu Haus Loevelinkloe in Anerkennung der Verdienste, die Herold sich durch seine jahrzehntelange erfolgreiche Tätigkeit in den landwirtschaftlichen Berufs= und Standesorganisationen seiner Heimat, sowie durch seine zielbewußte, stets von kluger Votaussicht und kluger Sachlichkeit geleitete Vertrekung der wirtschaftspolitischen Belange der deutschen Landwirtschaft und des deutschen Bauernstandes erworben hat.“ Die Landwirtschaftliche Hochschule, so fuhr der Redner fort, betrachtet es als eine besondere Vergünstigung, auch zu ihrem Teil durch Verleihung der höchsten Würde, die sie zu vergeben hat, teilzunehmen an den Auszeichnungen und Ehrungen, die Ihnen heute aus allen Kreisen der Bevölkerung bis hinauf zu dem höchsten Stellen in Staat und Kirche dargebracht werden. Die Landwirtschaftliche Hochschule weiß, daß sie keinem Würdigeren diese Auszeichnung verleihen kann als gerade Ihnen, dem scholleverbundenen Landmann Westfalens, dem aufgeschlossenen, weitblickenden Politiker. Die Hochschule betrachtet es als eine besondere Ehre, Sie fortan zu den Ihrigen rechnen zu können. Sie entbietet ihrem jüngsten Doktor ehrfurchtsvollste Grüße, sie schließt sich gern an all den guten Wünschen, die Ihnen heute an Ihrem 80. Geburtstage dargebracht werden.
Reichskanzler a. D. Dr. Marx
führte darauf u. a. folgendes aus: In Herold verkörpere sich unsere Zentrumsidee. Sein Leitsatz sei gewesen: erst gehörst du deinem Volke! Stets habe er sich für die Freiheit der katholischen Kirche eingesetzt. Aus den Tagen des Kulturkampfes hatten der Jubilar und Porsch ihre Tradition in der Gegenwart fortgesetzt. Allüberall leien sie eingetreten für die Rechte und Freiheit der Kirche. Das Recht der katholischen Eltern auf die Schule hätten sie immer wieder in e'n Vordergrund gesetzt. Und wenn mancher hätte erlahmen wollen im Kampfe für die katholische Schule, dann wäre es Herold gewesen, der immer wieder aufgemuntert hätte: es wird weiter gearbeitet. Auf dem Katholikentag in Breslau 1909 wäre er in herzlichen Worten für die Freiheit der katholischen Kirche eingetreten. Er wolle den Westfalen nicht wehe tun, sagte Reichskanzler a. D. Marx in launiger Art, aber es lei schade, daß ein Freiheitsmann wie Herold nicht am Rheine geboren sei!. Der neuen Verfallung habe der Jubilar gerne zugestimmt, da sie ja der katholischen Kirche und dem katholischen Volke mehr Freiheit gegeben habe, als sie bisher besaß, Großes habe er für die Landwirtschaft geleistet aber nicht als Vertreler einseitiger Interessen. Vom parteipolitischen Standpunkt aus habe er stets das Beste gewollt und erreicht. Vom parteipolitischen Standvunkt aus mußte der Ausgleich gefunden werden. Auch Angriffe, die gegen Dr. Herold gerichtet waren, habe dieser ruhig ertragen und für Volk und Vaterland unentwegt weiter gearbeitet. Herzlichen Dank sprach dann Dr. Marx dem greisen Jubilar aus für alles große was er geleistet habe und wünschte ihm weitere Gesundheit im Kampf für Freiheit und Recht.
Der Vizepräsident des Preußischen Landtages Zentrumsabgeordneter
Geheimrat Dr. Porsch
sprach nur wenige Worte, aber man konnte merken, sie kamen aus dem innersten Herzen. Er nannte Herold seinen lieben Freund und führte weiter aus: Morgen ist der Freudentag, an dem der liebe Gott dich der Welt, der Familie, dem Vaterlande, dem Volke, aus dem heraus die Zentrumspartei sich allmählich entwickelte und aus der dann die Zentrumsfraktion hervorgegangen ist, schenkte. Auf allen Gebieten hast du dich als Mann bewährt, als treuer Deutscher, der weit über den Kreis des katholischen Volkes hinaus bekannt geworden ist. Wir alle in der Zentrumspartei des preußischen Landtages entbieten dir herzlichen Gruß und Segenswunsch. Ich habe insbesondere Dir für das zu danken, was du der preußischen Zentrumspartei und Fraktion geleistet hast. Es ist das ja schon gesagt worden. Vor allem sind wir dir dankbar gewesen, daß du die Verbindung zwischen den Fraktionen des Reichstags und Landtags aufrechterhalten hast. Unermüdlich warst du tätig, und bei den Tagungen des Parlaments bist du in jedem Parlamente täglich wenigstens einmal erschienen. In deinem arbeitsreichen Leben hast du die Freundlichkeit gehabt. der großen Katholikenversammlung in Breslau zu präsidieren. Als Breslauer möchte ich dir dafür heute nochmals danken. In den ersten Tagen des kommenden Jannar werden es 25 Jahre sein, daß der liebe Gott uns an die Spihze der preu
bischen Zentrumsfration gestellt hal. Ich hoffe, daß wir en Tag erleben und daß wir später in den Sielen sterben werden. Für heute besonders herzliche Glückwünsche die, lieber Heroid.
Nachdem Geheimrat Dr. Porsch geendet hatte, sprach der Zweite Vorsitzende der Westfälischen Zentrumspariei
Stadtrat Gilsing
zum Jubilar Worte der Anerkennung und des Dankes. In Jahrzehnten unentwegter Treue hade Dr. Herold nach den Grundsätzen der Zentrumspartei gehandelt. Erfüllt von Dankbarkeit stände heute das Zentrum zu seinem Führer Herold. Darum, so schloß er, legen wir ihm das Gelöbnis steter Treue zu Füßen und die Versicherung auf dem von ihm beschrittenen Wege weiter zu wandeln.
Für die westfälische Provinziallandtagsfraktion der deutschen Zentrumspartei überbrachte
Freiherr von Der
die herzlichsten Glückwünsche. Er entschuldigte zunächst den ersten Vorsitzenden Dr. Lensing, der durch Krankheit am Erscheinen verhindert sei, und führte dann aus: Seit 25 Jahren gehören Sie dem Westfällschen Provinziallandtage an. Was Sie in all den Jahren geleistei haben, das steht eingeschrieben in seiner Geschichte. Was Sie aber uns, unleren Fraktionsmitgliedern geworden sind, das wissen nur die, die die Ehre und Freude haben, mit Ihnen zusammen zu arbeiten. Immer war es Ihr weiser Rat, der uns auf den richtigen Weg führte. Die Zentrumsfraktion dankte es Ihnen schon, indem sie Sie einmütig zu Ihrem Ehrenvorsitzenden wählte. Eine persönliche Erinnerung: Es war 1888, als Freiherr von Schorlemer sein Mandat für das Abgeordnetenhaus für den Wahlkreis Ahaus=Steinfurt niederlegte. Kurze Zeit darauf traten die Vertrauensmänner in Coesfeld zusammen, um einen neuen Abgeordneten auszusuchen. Es wurden verschiedene Namen genannt und zum ersten Mal der Name Herold. Er war politisch ein unbeschriebenes Blatt. Da sagte semand:„Wat soll! wimet den Buer achter Mönster?“. Da war es Schorlemer, der aufs dringendste bat, Herold ihm als Nachfolger zu geben. Er hatte den„Buer achter Mönster“ richtig erkannt, und wir sind stolz darauf, daß wir ihn nach Berlin geschickt haben. Er hat mit echt wesisälischer Zähigkeit und Treue immer dasjenige verteidigt, was er als richtig erkannt hatte. Möge es Ihnen vergönnt sein, noch recht viele Jahre zum Segen der Heimatprovinz und damit zum
Segen des ganzen Vaterlandes zu wirken. Dee walte
Gott!(Lebh. Beifall.)
Nach Freiherrn von Der sprach
Universitätsprosessor Dr. Schreiber
im Auftrage des Zentralkomitees der Deutschen Kathollker die herzlichsten Glückwünsche aus. Herold sel mit der Entwicklungsgeschichte des Zentralkomitees aufs engste verbunden. Sein Name stände dort an erster Stelle. Er habe wesentlich mit dazu beigetragen, dem katholischen Gedanken zum Durchbruch zu verheifen.
Tief bewegt von all den Ehrungen und den herzlichen Glückwünschen nahm darauf der Gefeierte
Dr. Herold
selbst das Wort zu einer längeren Erwiderung. Wenn ich heute, so führte er aus, so viel geseiert worden bin, so möchte ich doch in erster Linie darauf hinweisen, daß es nicht mein Verdienst ist, wenn ich nun 80 Jahre alt geworden bin, sondern daß ich das verdanke unserem allmächtigen Schöpfer, der mir die Gnade erwiesen hat, mir ein so langes Leben und noch dazu in verhältnismäßig guter Rüstigkeit zu verleihen. Ihm gebührt in erster Linie mein Dank, wenn ich diesen Tag erleben durfte. Wenn ich nun meinen eigenen Gefühlen hätte folgen dürfen, dann hätte ich jedem einzelnen von den Festrednern sofort gedankt und geantwortet, aber das ist mir von der Festleitung aufs strengste untersagt worden. Ich muß also jetzt gemeinschaftlich auf alle Reden antworten. Ganz besonderen Dank schulde ich unserem hochwürdigsten Herrn Bischof, der meiner in so anerkennender Weise gedacht hat. namentlich auch in der Richtung, daß ich für die kulturellen Interessen, für die Interessen der katholischen Kirche eingetreten bin. Diese Anerkennung aus so hohem Munde ist mir allerdings außer. ordentlich wertvoll. Meine praktische Tätigkeit hat vornehmlich auf wirtschaftlichem Gebiete gelegen, aber die kulturellen Interessen zu verteidigen, das habe ich immer für höher erachtet als alle wirtschaftlichen Ziele, und dafür einzutreten, daß die Rechte der katholischen Kirche gewahrt werden, das ist immer mein vornehmstes Bestreben gewesen und wird auch meine Aufgabe für alle Zukunft sein und bleiben. Die Zentrumspartei ist eine politische Partei, das hat sie alle Zeit bewiesen durch ihre politische Tätigkeit. Aber die Zentrumspartei ist es auch gewesen, die in erster Linie die katholischen Interessen in der Vergangenheit vertreten hat. Sie wird das auch in aller Zukunft tun. Darum möchte ich nur wünschen, daß alle Katholiken ohne Ausnahme sich vereinigten in der Zentrumspartei und durch die Einigkeit der Katholiken um so viel wirksamer eintreien zu können für die Rechle und Freiheit der katholischen Kirche. Denn der Kampf gegen den Katholizismus ist nicht eiwa im Abflauen begriffen, sondern gerade in der neuesten Zeit schließen sich die Liberalen immer enger zusammen, um die Zentrumspartei zu bekämpfen, die sie als die sicherste Verkeidigung unserer höchsten kulturellen Interessen erkennen. Darum müssen alle zusammenstehen und zusammenarbeiten in der Zentrumspartei, damit diese zahlreich und geschlossen dastehl. Bei dem letzten Wahlkampf haben wir nicht gut abgeschnitten, das kann keinem Zweifel unterliegen. Trotzdem sehe ich hoffnungsvoll in die Zukunft für die Zentrumspartei. Es muß unsere Aufgabe sein, in geschlossener Einigkeit zusammenzustehen. Dann wird auch die Zentrumspartei in Zukunft wieder die große starke Partei werden, die sie in der Vergangenheit war, weil die Zentrumspartei in ihrem Bestreben, den Ausgleich herbeizuführen, für das Vaterland eine unbedingte Notwendigkeit ist. Eine wichtige Aufgabe erwächst auch den gewählten Abgeordneten selbst. Immer mehr treten die berufsständischen Interessen in den Vordergrund. Da gilt es doppelt zu wirken für die Einigkeit und Geschlossenheit. Schon vor 30 Jahren hat Windthorst darauf hingewiesen, daß die Abgeordneten nicht Verireier des einzelnen Berufsstandes, sondern des ganzen deutschen Volkes sind, wie es die Verfassung vorschreibt. Der Abgeordnete muß auch den Mut haben, wenn zuweit gehende Forderungen an ihn gestellt werden, dem entgegenzutreten und das gemeinsame Interesse in den Vordergrund zu stellen. Wenn das alle Abgeordneten ohne Ausnahme tun, dann fürchte ich nicht für die Zentrumspartei in der Zukunft. Das ist mein dringender Wunsch. Möge auch diese heutige Festversammlung dazu beitragen, den Gedanken der Einigkeit und Geschlossenheil in der Zentrumspartei zu festigen und zu stärken, damit die Zentrumsparkei wieder als Schutz für unsere höchsten kulturellen Interessen, als Ausgleich der materiellen Gegensätze mächtig und stark dasteht. Nun noch meinen innigsten Dank für alle Glück= und Segenswünsche und alle Anerkennungen. Ich habe sie nicht verdient. Ich habe nur meine Pflicht und Schuldigkeit getan, weil ich überzeugt war, dadurch der guten Sache zu dienen.
Den Worten des greisen Zentrumsführers folgte lebhafter Beifall und Händeklatschen. Mit dem vom Orchester stimmungsvoll gespielten Oberon=Ouvertüre wurde sodann der Festakt geschlossen.
Das Festmahl.
Im Fürstenhofe fand dann mittags ein Festeisen zu Ehren des Abg. Dr. Herold statt, an dem rund 200 Personen teilnahmen. Unter den Gästen bemerkten wir die schon bei dem Festakt auf dem Rathaus erwähnten Persönlichkeiten. Dazu gesellten sich eine große Reihe von Zentrumsanhängern aus der Stadt Münster und dem Münsterlande selbst. audem weiteren Westsalen und dem Reiche, zahlreiche Abgeordnete und Vertreter der Behörden.
Den Reigen der Trinksprüche eröffnete der preußische Wohlfahrtsminister Hirtsieser, der den Abg. Herold als den starken Politiker, als den Führer des katholischen Volkes feierte. Mit echt westsälischer Zähigkeit habe er sich niemals durch die größten Schwierigkeiten abschrecken lassen. Der Abg. Herold ist das Beispiel des aufrechten Wesisalen, der in weiteren Generationen fortleben wird.„Wir versprechen, daß wir ihm in seiner prachtvollen westfälischen Kraft und Zähigkeit nachzueifern uns bemühen werden, und wollen gleich ihm unsere ganze Krast, unser Sinnen und Trachten und Können in den Dienst der katholischen Kirche, der Zentrumspartei und des großen gemeinsamen Vaterlandes stellen.“ Redner schloß mit einem dreisachen Hoch auf Karl Herold, auf das schöne Land der Roten Erde und das große deutsche Vaterland.
Stadtrat Gilsing, der den Abg. Herold namens der westfälischen Zentrumspartei nochmals willkommen hieß, brachte verschiedene Telegramme, von den medreren Hundert, die zur Festseier eingelaufen waren, zur Verlesung. Das Telegramm des Reichspräsidenten von Hindenburg lautet:
„In Ihrem 30. Geburkslage spreche ich Ihnen meine herzlichsten Glückwünsche aus. Mögen Ihness noch viele Jahre in Gesundheit und erfolgreichem Wirken beschieden sein, von Hindenburg, Reichspräsident.“
Kordinal Schulte telegraphierte:
„In dankbarer Anerkennung und Verehrung sendel von Herzen Segen und Glückwunsch ad multoe annos. Kardinal Schulle.“
Reichokanzler Müller:
„Iu dem Tage, an dem Sie auf 50 Jahre eines an Erfolgen überaus reichen Lebens zurückschauen, sprecht ich Ihnen zugleich im Ramen der Reichsreaierung herzlichste und aufrichtigste Glückwünsche aus. Mit Dank gedenke ich der Verdienste, die Sie sich in sast 40jähriget parlamenlarischer Tätigkeit als preußischer Lan (glied des Reichstages
Sondtagechpe:
ordneler und als Mitglied des Reichstages mit aller Hlagabe und mit vollem Einsahz Ihrer hohen Fähigkeilen um das Valerland erworben haben. Ihre große Lebenversahrung, Ihre abgeklärte Weisheil und Güle haben nicht ausder Zentrumsparlei, sondern auch der Allgemeinheil in ereigaisreichen Zeilen wertvolle Dienste geleistel. 24,
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