Freitag, 20. Juli. Einzespreis 10 Pig. Der Westsälische Merkur erscheint täglich morgene mit der Bellage„Die Unterhallung“. Sonnlags mit der Citeratur-Bellage. kegasse 1/3. Sprechstunden 19—11 Uhr vorm Telegramm=Adreye: Merkur, Mänste Redaktion: Lütkegasse 1/3. Merkur. Münsterwestf. Anzeigenpreise: Der Millimeterraum für die 26 mm breite Anzeigenspalte für Anzeigen mserbese des Bezenet, Ves sowie für alle amtlichen, Binanz, Sammel= und Marrenartrel=Anzeigen 15 Pig., für Anzeigen aus dem Reg.=Bez. Münster 12 Pis., aus der Stadt Münster 8 Hig., Hamilient9 8 Vig., aud der Stadt Münster 7## anzeigen von auswärts Gohnungs= und Stellen=Anzeigen aus Münster 8 Vig. bei sofortiger Zahlung, Reklamen: das mm 76 Pig.(Spaltenbreite 90 mm). Her etwa gewährte Radatt erlischt bei Konkursen, Zwangsvergleichengerichtlichen Klagen. Anzeigen=Annahme: Geschäftostelle Münster, Königstraße 59. Die Unfälle bei der Reichsbahn. Eine parlamentarische Untersuchungskommission für die Reichsbahn? Berlin, 19. Juli.(Eig. Drahtbericht.) Die gehäuften Unglücksfälle in der letzten Zeit bei der Reichsbahn haben zu einer großen Beunruhigung der Oeffentlichkeit geführt. Schon wiederholt sind, so schreibt man uns aus parlamentarischen Kreisen, in den Erörterungen der Reichstagsfraktionen die Verhältnisse bei der Reichsbahn einer nachdrücklichen Kritik unterzogen worden. Die Reichsbahn ist als ein rein kaufmännisches Unternehmen aufgezogen, das, wie sich mehr und mehr aufzeigt, sich jedoch allzu sehr von geschäftlichen Gesichtspunkten beherrschen läßt. Der Schritt, den der Reichsverkehrsminister von Guérard jetzt zu einer völligen Klärung der in Frage kommenden Verhältnisse bei der Reichsbahn unternommen hat, kann nur auf das wärmste begrüßt werden. Es muß im Interesse der gesamten Oeffentlichkeit volle Klarheit darüber geschaffen werden, ob die Reichsbahn wirklich diejenigen absolut sicheren Maßnahmen getroffen hat, um die Zuverlässigkeit der Betriebsführung auf das Bestimmteste zu garantieren. Man wird sich jawohl darauf gefaßt machen müssen, daß die Reichsbahnverwaltung manche Einschränkungen auch populärer Art auf die ablehnende Haltung der Reichsregierung bezüglich der Wünsche der Reichsbahn auf Tamferhöhung zurückführen wird. Aber es kann nach einwandfreien Feststellungen kein Zweifel mehr darüber sein, daß die Aufwendungen für diese Maßnahmen leicht aus dem Erlös der Personen= und Gütertarife aufgebracht werden. Es ist gerade von leitenden Kreisen bei etwaigen Beschlüssen über einen Tariferhöhungsantrag der Reichsbahn festgestellt worden, daß die für die Dawesverpflichtungen erforderlichen Erträge aus den laufenden Einnahmen der Reichsbahn durchaus gedeckt werden können. Dagegen ist die Reichsbahnverwaltung darauf hingewiesen worden, sich durch eine innere Anleihe die notwendigen Mittel für die technische und personale Ausgestaltung des Betriebes zu sichern. Es handelt sich hier um Dinge von größter Wichtigkeit und starkem allgemeinen Interesse. Wenn nun aus parlamentavischen Kreisen der Ruf erhoben wird, einen Untersuchungsausschuß des Parlaments zu bestellen mit der Aufgabe, über die ganzen inneren Verhältnisse der Reichsbahn sich Klarheit zu verschaffen, andererseits aber auch zu prüfen, ob die Betriebsinteressen den berechtigten Interessen der Oeffentlichkeit entsprechen, so wird man das sehr wohl verstehen. Politische Tagesnachrichten. Ratenzahlung aus dem Industriebelastungsgesetz an den Reparationsagenten. WTB. Berlin, 19. Juli.(Tel.) Zwischen der Bank für deutsche Industrieobligationen und dem Generalagenten für Reparationszahlungen ist ein Abkommen des Inhaltes getroffen worden, daß aus den Beträgen, die zur Begleichung der am 25. August dieses Jahres fälligen Zahlung aus dem Industriebelastungsgesetz von 150 Millionen Goldmark bei der Bank eingehen werden, zwei Raten in Höhe von zusammen 50 Millionen Goldmark bereits zu Ende dieses und Anfang des kommenden Monats auf das Konto des Generalagenten für Reparationszahlungen bei der Reichsbank für Rechnung des Treuhänders für deutsche Obligationen eingezahlt werden. Die Industrieobligationsbank erhält auf diese Zahlungen einen Diskont von 6 Prozent, von dem Tage der Zahlung bis zum Fälligkeitstermin. Dr. Scholz und die große Koalition. Die Auslassungen, die dieser Tage in Interviews mit Dr. Scholz bekannt wurden, haben ein lebhaftes Echo in der Presse hervorgerufen, namentlich deshalb, weil die Annahme bestand, daß der endgültigen Schaffung der großen Koalition von dieser Seite her Schwierigkeiten gemacht würden. Zu diesem Gegenstand äußert sich nun auch die„Nationalliberale Korrespondenz“ folgendermaßen: „In der Presse werden allerhand Mutmaßungen an ein Interview mit dem Fraktionsvorsitzenden Dr. Scholz über das Schicksal der sog. großen Koalition geknüpft. Wir lassen dahingestellt, ob die Ausführungen Dr. Scholz in allen Einzelheiten richtig wiedergegeben sind. Die Aeußerungen, die in dem Interview Herrn Dr. Scholz zugeschrieben werden, enthalten keinerlei Stellungnahme, sondern sind nur eine Wiederholung des bekannten Standpunktes der Deutschen Volkspartei, wie er zuletzt noch bei der Aussprache über die Regierungserklärung zum Ausdruck gekommen ist. Dieser Standpunkt geht dahin, daß, bevor eine dauernde Konsolldierung der Reichsregierung auf der Basis der Großen Koalition eintreten kann, erst gewisse Voraussetzungen, wie z. B. die Preußenfrage erfüllt sein müssen.“ Im Demokratischen Zeitungsdienst wird zu derselben Angelegenheit ausgeführt: „Es ist im Augenblick nicht an der Zeit, die Diskussion über das Verhältnis zwischen der Deutschen demokratischen Partei und der Deutschen Volkspartei fortzuführen. Schon um deswillen nicht, weil ein Zusammenschluß mit Scholz und seinen engeren Freunden tatsächlich nicht denkbar ist. Die Zweifel daran hat Herr Scholz selbst wachgerufen durch die merkwürdige Begründung, die er seiner Stellungnahme gab. Entschiedene Zurückweisung verdient die Aeußerung von Scholz, daß zwischen der Deutschen Volkspartei und der Demokratischen Partei eine Kluft im Hinblick auf die Anschauungen über das Vaterland bestände. Die Deutsche demokratische Partei lehnt eine Vaterlandsliebe nach Klassen und Parteien ab. Die Liebe zum Vaterland ist für alle staatserhaltenden Parteien so selbstverständlich, daß man nicht darüber reden sollte.“ Die deutschnationale„Kreuzzeitung“ meint zu zlledem:„Aus den Ausführungen des Fraktionsführers Dr. Scholz ist zu entnehmen, daß die Bildung der großen Koalition zum Herbst durchaus noch nicht mit Sicherheit zu erwarten ist, wie es von interessierter Seite so gern hingestellt wird.“ Die Verfassungsfeier in den Schulen. Auf Grund eines Beschlusses des Staatsministeriums hat der preußische Kultusminister Dr. Becker angeordnet, daß der Verfassungstag in diesem Jahre in den Schulen wie in den früheren Jahren zu begehen ist. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, hat der Minister den Behörden, Anstalten und Schulen empfohlen, außerhalb der amtlichen Feier durch Anregung und Förderung von sportlichen und anderen Veranstaltungen in der Bevölkerung zu einer möglichst volkstümlichen Feier des Verfassungstages beizutragen. Grundsätzliche Einigung in der Koalitionsfrage in Bayern. WTB. München, 19. Juli. Tel.) In den heute fortgesetzten interfraktionellen Besprechungen, an denen, wie verlautet, auch Landwirtschaftsminister Fehr für den bayerischen Bauernbund teilgenommen hat, ist man vorbehaltlich der Zustimmung der beteiligten Fraktionen, wie der Landesdienst des süddeutschen Korrespondenzbureaus aus parlamentarischen Kreisen erfährt, zu einer grundsätzlichen Einigung darüber gekommen, daß die drei sogenannten Revolutionsministerien(für Handel. Soziales und Landwirischaft) aufgehoben und in ein Wirtschaftsministerium zusammengesaßt werden sollen. Die Zahl der Ministerien würde damit von s auf 6 vermindert. Das neue Wirtschaftsministerium würde voraussichtlich dem Bauernbund überlassen bleiben, möglicherweise auch das in diesem Ministerium zu schaffende Sekretariat für Landwirtschaft. 1 1928.— Nr. 252. Begründet 1822 Münster 107. Jahrgang Bezugspreis: Bezugspreis für einen Monat in der Stadt Münsten durch den Boten zugestellt 1,75 Goldmark, durch die Pest bezogen 2.— Goldmark zuzügl. Bestellgeld. Im Falle von höherer Gewalt, Streik, Aussperrung, Betriebsstörung hat der Bezieher keinen Anspruch auf Lieserung der Zeitung oder auf Rückzahlung des Bezugspreises. Einzelnummern: Zu haben in der Geschäftsstelle, den Zeitungskiosken, an den Bahnhöfen. Geschäftsstelle: Königstraße 59.— Geöffnet vormittags do 8—1 Uhr, nachmittags von 3—6½5 Uhr. Postscheckkonto: Amt Cöln 14 622.. 111172 Jernsprecher: Sammelnummer 25 454. Der Reichsrat flimnn der Tohnstellersentung zu. Die Proteste der Länder. Forderung der Reorganisation des Steuersystems. B03. Berlin, 19. Juli.(Tel.) Der Reichsrat beschäftigte sich in seiner öffentlichen Vousitzung vom sich in seiner öffentlichen Vollsitzung vom Vonnerstag nachmittag mit der vom Reichstag auf Grund eines Initiativ= antrages angenommenen Novelle zum Einkommensteuergesetz(Senkung der Lohnsteuer vom 1. Oktober ab). Preußischer Ministerialdirektor Dr. Brecht führte namens der Ausschüsse des Reichsrats aus: Das Vorgehen des Reichstages weicht darin von dem Grundgedanken des Gesetzes vom 22. Dezember ab, da nach diesem Gesetz im Interesse einer gewissen Stetigkeit der Steuersätze die Lohnsteuersenkung erst nach Ablauf des Kalenderjahres 1928 vorgenommen werden sollte. Nachdem aber der Reichstag Zustimmung der Reichsregierung die Vorwegnahme beschlossen hat, haben die Ausschüsse des Reichsrats nach eingehender Erörterung Anträge, hiergegen Einspruch zu erheben, abgelehnt in der Erwägung, daß es sich in der Sache nach den abgegebenen Erklärungen lediglich um die erst Anfang 1929 zu beschließende Senkung der Lohnsteuer für 1929 unter Ausdehnung ihrer Vorteile auf das letzte Vierteljahr von 1928 handelt. Namens der Ausschüsse habe ich daher zu beantragen, von dem beschlossenen Gesetz Kenntnis zu nehmen, ohne Einspruch zu erheben. Zugleich habe ich er namens der Ausschüsse folgendes vorzutragen: Die Ausschüsse machen auf einen schweren Fehler des gegenwärtigen Systems der Finanzwirtschaft zwischen Reich und Ländern aufmerksam. Die Ergebnisse der Einkommensteuer stehen zu Dreivierteln den Ländern und Gemeinden zu. Eine Herabsetzung schmälert also weniger die Einnahmen des Reiches als die der Länder und Gemeinden. Die Ausschüsse halten es grundsätzlich für einen Fehler der deutschen Finanzwirtschaft, daß der Reichstag, der nach der Reichsverfassung nicht für die Finanzwirtschaft der Länder verantwortlich ist, Steuern, deren Ertrag den Ländern zusteht, ohne Zustimmung der Länder senken, und, wie in diesem Falle, darüber beschließen kann, bevor die Angelegenheit dem Reichsrat zur Stellungnahme vorgelegen hat. Diese grundsätzlichen Bedenken sind ganz unabhängig von der Frage, ob die Aenderung der Steuer im Einzelfalle volkswirtschaftlich oder sozial berechtigt ist. Es handelt sich dann eventl. um die Frage des Ersatzes für den Ausfall der Länder. Nachdem der Reichstag die Reichsregierung durch Resolution aufgefordert hat, weitere Steuersenkungen zu erwägen, erwarten die Ausschüsse von der Reichsregierung. daß sie solche Erwägungen nur in Zusammenhang mit dem neuen Finanzausgleich unter frühzeitiger Beteiligung der Länder durchführt. Ich bitte namens der Ausschüsse, diesen Bericht mit der Erklärung zu Protokoll zu nehmen. Bayerischer Gesandter von Preger: Ich beantrage namens der bayerischen Regierung gegen den Beschluß des Reichstages betreffend Senkung der Lohnsteuer Einspruch zu erheben. Zunächst steht es mit den Grundsätzen der Reichsverfassung über das Verhältnis zwischen Reich und Ländern nicht in Einklang, daß der Reichstag über eine Steuer, die bis zu Dreivierteln den Ländern und Gemeinden zusteht, auf dem Wege des Initiativgesetzes Verfügung trifft. Der Reichstag hat die Bedenken von Finanzministern der Länder nicht berücksichtigt, die dahin gingen, daß durch die Steuersenkung der aufs äußerste angespannte Haushalt der Länder in Unordnung geraten werde. Der Schaden, der den Ländern entsteht, steht in keinem Verhältnis zu der Entlastung der einzelnen Steuerpflichtigen. Sächsischer Gesandter Dr. Gradnauer schließt sich namens seiner Regierung dem Antrage auf Erhebung von Einspruch an und gibt folgende Erklärung ab: Nach Artikel 4 des Reichsgesetzes zur Einkommensteueränderung vom 22. Dezember 1927 mußten die Länder davon ausgehen, daß vor Ablauf des Kalenderjahres 1928 die Lohnsteuer nicht wieder gesenkt werden würde. Die sächsische Regierung steht kaum ein halbes Jahr später wieder vor einer neuen Senkung, die vom Reichstag unter Ausschaltung der Mitwirkung des Reichsrates angenommen worden ist, ohne den noch ganz ungewissen Jahresertrag abzuwarten. Das verletzt die Interessen der Länder und Gemeinden in einer Weise, die ihre Lebensfähigkeit nicht nur schwer zu beeinträchtigen, sondern nach und nach zu untergraben geeignet ist. Württembergischer Gesandter Bosler: Auch Württemberg schließt sich dem Antrage an, Einspruch zu erheben. Die württembergische Regierung bedauert aufs lebhafteste, daß über die Frage einer Einkommensteuermilderung nicht zuerst mit den Ländern eine Verständigung versucht wurde. Eine Senkung kann nur bei einer Neuregelung des Finanzausgleiches in Aussicht genommen werden. Auch in Hinsicht darauf, daß eine allgemeine Senkung der Einkommensteuer in Aussicht genommen ist, sollte die Senkung bei der Lohnsteuer nicht vorweggenommen werden. Staatssekretär Popitz: Wir haben uns über die Frage bereits im Ausschuß eingehend unterhalten. Ich möchte in der Vollversammlung die Gelegenheit nicht vorübergehen lassen, ausdrücklich zu erklären, daß die Reichsregierung selbstverständlich anerkennt, daß bei einer Abänderung des Einkommensteuergesetzes, deren Ertrag vorwiegend den Ländern zusteht, es an sich geboten ist, daß der Gang der Gesetzgebung innegehalten wird. Der Reichsrat muß eingehend gehört werden. Diesmal lag aber eine besondere Situation vor, die mit dem Regierungswechsel zusammenhängt. Die Regierung wird, wenn im Herbst Maßnahmen auf dem Gebiete der Steuergesetzgebung notwendig werden, den Weg gehen, der über den Reichsrat zum Reichstag führt. Freiherr von Gayl erkärte für die preußischen Provinzen Ostpreußen, Brandenburg, Pommern, Niederschlesien und Westfalen, daß sie an sichden Gedanken der Lohnsteuersenkung billigen, aber eine Reorganisation des gesamten Steuersystems für notwendig hielten und die Vorwegnahme der Lohnsteuer als nicht unbedenklich ansehen. Da auch noch vor Ablauf des Jahres 1928 die Steuersenkung eintreten solle, stimmten die Vertreter der erwähnten Provinzen für den Einspruch. Es folgte dann die namentliche Abstimmung mit dem Ergebnis der Annahme der Lohnsteuersenkung mit 3s gegen 30 Stimmen. Gegen das Gesetz stimmten die Vertreter von Ostpreußen, Brandenburg, Pommern, Niederschlesien, Westfalen und die Staaten Württemberg, Sachsen, Thüringen u. Oldenburg. Der Reichsrat erledigte noch eine Reihe kleinerer Vorlagen, dabei nahm er einen Gesetzentwurf betreffend ein Uebereinkommen über die Sklaverei an. Der Reichsrat tritt voraussichtlich erst wieder am 27. September zusammen. Haftbefehl im Fall Jakubowski. BB. Berlin, 19. Juli.(Tel.) Die„B. Z.“ meldet aus Neustrelitz: Staatsminister, Freiherr von Reibnik, hat heute vormittag den Staatsanwalt Bachmann, der jetzt die Anklagebehörde in der Sache Jakubowski vertritt, angewiesen, er möge beim Untersuchungsrichter des Landgerichtes Neustrelitz einen Haftbesehl gegen den Vferdeknecht Heinrich Blöcker beantragen. Der Pferdeknecht ist dadurch schwer belastet, daß er in der Hauptverhandlung gegen Jakubowski wichtige Tatsachen verschwiegen hatte, die Jakubowski zu entlasten geeignet waren. Bevorstehende Verständigung zwischen Reich und Braunschweig in der Schulfrage. WTB. Berlin, 19. Juli.(Tel.) Der braunschweigische Minister für Volksbildung hat dem Reichsminister des Innern mitgeteilt, daß das braunschweigische Staatsministerium eine Verständigung mit dem Reich über den sogenannten Sieversschen Schulerlaß vom 6. Jan. 1928, über dessen Vereinbarkeit mit der Reichsverfassung Reichsminister von Keudell die Entscheidung des Reichsgerichtes angerufen hatte, nach wie vor für notwendig und möglich hält und hat angeregt, den Antrag auf Entscheidung des Reichsgerichtes zurückzuziehen. Da befründete Aussicht auf eine solche Verständigung besteht, hat der Reichsminister des Innern, um den Weg für die Verhandlungen freizumachen, sich entschlossen, das Verfahren vor dem Reichsgericht nicht weiter zu verfolgen. Auftakt zum Deutschen Sängerfest in Wien. Wien, 18. Juli. Den Auftakt zu den Feiern des Sängerbundfestes bildete heute ein Empfang, zu dem der Festausschuß zahlreiche Vertreter der Presse des In= und Ause landes in eins der Gartenlokale des Praters geladen hatte. Nachdem der Vorsitzende des Ausschusses, Schulrat Jaksch, die Gäste begrüßt und ihnen für die im Interesse des Gelingens des Sängerbundfestes bisher schon geleistete hervorragende journalistische Tätigkeit gedankt hatte, sprach der Vorsitzende des Deutschen Sängerbundes, Rechtsanwalt Dr. List-Dresden, über die Bedeutung des gegenwärtigen Festes in Wien. Unsere Bestrebungen, sagte er, sind dem Dienst für Volkstum und Vaterland gewidmet. Wir wollen auf allen Sängerfesten dem Gedanken der Einigkeit Ausdruck geben, und so erwarten wir auch von dem 10. Sängerbundfest nicht bloß eine gewaltige Kundgebung musikalischer Art, sondern zugleich die größte Kundgebung vaterländischer nationaler Art. Wir wollen, daß unser Volk sich vorbereite auf eine Zeit, die ganz von selbst einmal kommen muß, wo es nur noch ein einziges Volk von deutschen Brüdern geben wird. Heute trafen mit 43 Sonderzügen wieder etwa 38 000 Sänger hier ein.(Siehe auch Beiblatt.) Sängerehrung für den Gesandten Graf Lerchenfeld. WTB. Wien, 19. Juli.(Tel.) Heute mittag fand beim deutschen Gesandten Grafen von Lerchenfeld ein Frühstück statt, an dem Bundesminister Schmitz, Bürgermeister Seitz und Landeshauptmann Burisch, ferner Rechtsanwalt List (Dresden) mit dem Gesamtvorstand des Deutschen Sängerbundes sowie den Spitzen des Wiener Hauptausschusses und der Wiener Gesangvereine teilnahmen. Am späten Nachmittag versammelten sich über 800 Sänger des schlesischen Sängerbundes unter der Leitung ihres Bundeschormeisters Meicher(Breslau) vor der Freitreppe des Gartens der deutschen Gesandtschaft, um dem Vertreter des Deutschen Reiches ihre Huldigung darzubringen. Nach einem einleitenden Vortrag des Vereinsorchesters sang der Männerchor das Lied„Mein Schlesierland". Hierauf hielt der zweite Vorsitzende Fuchs(Breslau) eine Ansprache an den Grafen Lerchenfeld, die mit dem vom vorgesungenen schlesischen Sängerspruch und einem Heil auf den Vertreter des Deutschen Reiches schloß. In seinem Dank für die besondere Aufmerksamkeit der Schlesier erklärte Graf Lerchenfeld: Seine Aufgabe hier sei es, den Gedanken der Einheit unseres deutschen Volkes im Deutschen Reich und die Vaterlandsliebe aller Deutschen, gleichgültig welchen Stammes, zu hegen und zu pflegen. Gerade das schlesische Volk habe in den letzten 12 Jahren in vorbildlicher Treue und Tapferkeit zu der vaterländischen Idee gestanden.„Lassen Sie mich,“ sagte Graf Lerchenfeld am Schluß,„den Regenbogen, welcher sich soeben über Wien wölbt, zu einer frohen Vorbedeutung stempeln als Symbol der Brücke, die von einem deutschen Stamm zum anderen, im ganzen deutschen Volk ohne Rücksicht auf die Grenzen geschlagen ist. Lassen Sie meinen Dank für Ihre besondere Kundgebung in den Ruf ausklingen: Dem deutschen Volk in allen seinen deutschen Stämmen über alle Grenzen hinaus: Heil! Heil! Heil!“ In diesen Ruf stimmten alle Anwesenden begeistert ein. Politische Erregung in Mexiko. Mexiko, 19. Juli. Die Stadt Mexiko befindet sich in einem noch nicht dagewesenen Zustand politischer Erregung.„Die Zensur ist noch immer in Kraft, und Polizei und Militärpatrouillen ziehen durch die Straßen der Hauptstadt und auf den Wegen der Umgebung. Alle Truppen werden in den Kasernen für den Fall von Unruhen in Bereitschaft gehalten. Zahlreiche Gerüchte über aufrührerische Bewegungen waren heute im Umlauf, aber alle erwiesen sich als unbegründet. Weder die Blätter noch die Regierung haben irgendwelche Nachrichten über Unruhen aus irgendeinem Teil des Landes erhalten. Ueberführung der Leiche Carranzas nach Mexiko. WTB. Newyork. 18. Juli. Heute wurde die Leiche des in der vorigen Woche verunglückten mexikanischen Fliegerhauptmanns Emilio Car= ranza in einem Sonderzug aufgebahrt, der sie nach Mexiko überführen wird. Amerikanische Truppen in Stärke von 10000 Mann begleiteten in Newyork den Leichenwagen von der Kapelle, wo die Aufbahrung stattgefunden hatte. über den Broadway zum Bahnhof. Etwa 20 amerikanische Heeresflugzeuge kreisten in der Luft. José de Leon=Torral, der Mörder Obregons. ## P73, Meriko, 19. Juli.(Tel.) Die Polizei teilt mit, oaß Joje de Leon=Torral, der den Präsidenten Obregon erschoß, nach der Stadt Mexiko kam, um Arbeit zu suchen. Er ist 23 Jahre alt und hat eine Kunstschule besucht. des schlag auf General Obregon im November v. worden war. Die Polizei teilt ferner mit, der Gefangene habe bisher nicht zugegeben, daß er Mitwisser gehabt habe. Die Frau und die Mutter des Mörders sind ebenfalls verhaftet worden. Ein Geständnis des Mörders? Mexiko, 19. Juli.(Tel.) In Verfolg der Untersuchung der Ermordung Obregons sind 18 der Teilnahme verdächtige Personen, darunter eine Frau, die den richtigen Namen des Mörders bekannt gab, verhaftet worden. Unter den Zwangsmaßnahmen der Polizei soll der Mörder gestanden haben, das Verbrechen aus religiösem Eifer begangen zu haben. Diese Mitteilung ist durchaus mit Vorsicht aufzunehmen, da man leicht begreift, daß die famose Calles=Regierung alles Interesse daran hat, den Katholiken die Schuld zuzuschieben. Wenn der unglückselige Mörder tatsächlich im Hinblick auf die furchtbaren Opfer, die der Religionskrieg in Mexiko schon gefordert hat, die Tat vollbracht haben sollte, so ist sie zwar durchaus zu verurteilen, aber aus dem Gesamtmilien begreiflich. Die furchtbare Tat sollte Herrn Calles und seinem Anhang endlich die Augen öffnen. Eine Kundgebung des Präsidenten Calles. WTB. Mexiko. 18. Juli. Präsident Calles Gat eine Kundgebung erlassen, die besagt, der Mörder des Generals Obregon habe eingestanden, daß der Beweggrund seines Verbrechens religiöser Fanatismus gewesen sei. Präsident Calles versichert, das in den Händen der Regierung befindliche Beweismaterial beweise, daß eine klerikale Aktion „in unmittelbarem Zusammenhang mit der Tat stehe". Am Schlusse der Erklärung heißt es, die Regierung werde auch weiter verfassungsmäßige Methoden befolgen. Dies wird dahin ausgelegt. Präsident Calles beabsichtige nicht, eine weitere Amtsperiode Präsident zu bleiben. Heute abend wurde gemeldet, daß die Polizei 5 Männer verhaftet hat, die im Verdacht stehen, an der Verschwörung gegen General Obregon beteiligt gewesen zu sein und, daß der Mörder jetzt seinen Namen als José de Leon angibt. Die Polizei lehnt es ab, diese Berichte zu bestätigen oder zu dementieren. Die amerikanische Presse zur Lage in Mexiko. WTB. Newyork, 19. Juli.(Tel.) Die Blätter beschäftigen sich eingehend mit der weiteren Gestaltung der politischen Verhältnisse in Mexiko.„Herald Tribune" sucht auf Grund der mexikanischen Verfassung nachzuweisen, daß Calles ohne eine Verletzung der Verfassung nach einer kurzen Präsidentschaft etwa von Saenz als provisorisches Regime abermals zur Amtsführung zurückkehren könne. Eine ähnliche Ansicht wird auch von einigen politischen Kreisen Washingtons vertreten.„Newyork Times“ ist der Ansicht, daß keinesfalls ernste Komplikationen in Mexiko zu erwarten wären.„Newyork World“ meint, die größte Tragödie des Todes Obregons liege in der Tatsache, daß kein jüngerer Nachfolger für den Verstorbenen vorhanden sei. Römische Befürchtungen aus Anlaß der Ermordung Obregons. WTB. London. 19. Juli.(Tel.) Der Korrespondent der„Morningpost“, in Rom meldet: Die Ermordung des Generals Obregon wird einen ernsten Rückschlag für die Bemühungen bedeuten, den religiösen Frieden in Mexiko wiederherzustellen. Ich erfahre, daß General Obregon versprochen hatte, die Haltung der mexikanischen Regierung zur katholischen Kirche unter Bedingungen, die von Erzbischof Ruiz 9 Flores nach Nom überbracht worden waren, einer weitgehenden Revision zu unterziehen. Ich erfahre weiter, daß die Verhandlungen zu Ende geführt waren und daß e' sehr wichtiges Abkommen erzielt wurde. Neueste Nachrichten. BB. Berlin, 19. Juli.(Tel.) Eine schwere Bluttat ereignete sich in Regenpeilstein bei Amberg. Ohne irgendeinen Anlaß schoß der Tagelöhner Johann Heimerl mit einem Armeerevolver auf die in einem Wirtshausgarten sitzenden Gäste. Durch die Schüsse wurde der Hofbesitzer, Ferdinand Kerscher so schwer verletzt, daß er einige Minuten darauf starb. Der Bürgermeister Peter Mandl und drei andere Gäste wurden schwerverletzt. Der Täter flüchtete und konnte noch nicht festgenommen werden. Reise des Botschafters Graf Brockdorff=Ranßzau nach Leningrad. WTB. Moskau, 19. Juli.(Tel.) Der deutsche Botschafter Graf Brockdorff=Rantzau ist am 18. d. M. nach Leningrad zum Besuch der deutschen Kolonie abgereist. Er beabsichtigt, sich am 21. d. M. von Leningrad über Stettin nach Deutschland zu begeben. Unwetterkatastrophe in Bayern. BB. Berlin, 19. Juli.(Tel.) Das durch seine Passionsspiele berühmte Oberammergau stehl, nach Blättermeldungen, vollkommen unter Wasser. Durch einen furchtbaren Wolkenbruch wurden die Brücken, die über die Laine führen. fortgerissen. Vor der Brücke zum Elektrizitätswerk stauen sich die von den Fluten angeschwemmten Baumstämme Das Wasser verbreitet sich über ganz Oberammergau. Infolge Kabelbruchs versagte auch die elektrische Lichtleitung so daß die Rettungsarbeiten im Scheine der Fackeln vorgenommen werden mußten. Die in der Nähe liegenden Ortschaften haben alle unter Wolkenbrüchen zu leiden. Ueberall treten die Flüsse aus ihren Ufern und bringen Hochwassergefahr mit sich. Ueber die Füssener Gegend ging ein furchtbares Gewitter nieder. Durch Blitzschläge steht der Wald von Tegelberg bei Füssen seit Freitag in einem Durchmesser von 350 Meter in hellen Flammen. Wenn nicht starker Gewitterregen einsetzt, ist für den Hochwald das schlimmste zu befürchten. Die Stadt Glurns in Flammen. Bozen, 19. Juli.(Tel.) Die Stadt Glurus, der vielen Touristen bekannte Hauptort des Bintschgaues, wurde in der vergangenen Nacht von einem Großfeuer heimgesucht, dem zahlreiche Häuser zum Opfer gefallen sind. Das Feuer brach in einer Scheune aus und verbreitete sich mit großer Schnelligkeit. Auch das Rathaus und das Schulhaus wurden zerstört, ebenso die ganze Häuserreihe vom Gasthof Karrner bis zu dem am anderen Ende der Stadt gelegenen Schlutensertore. Der Schaden### außerordentlich groß. Löwensteins Leiche gefunden. WTB. Boulogne, 19. Juli.(Tel.) Die Leiche des belgischen Finanziers Löwenstein wurde heute von einem Fischerboot nach Calais gebracht. Die Identität konnte durch die Armbanduhr Löwensteins festgestellt werden. Der Untergang des„Cap Lay“. Paris, 18. Juli. Wie aus Hanoi gemeldet wird, sind von den 250 Passagieren des im Taifun an der indochinestschen Küste untergegangenen Dampfers„Cap Lay“ 40 Personen ums Leben gekommen, und etwa ebensoviele verletzt worden. Die Verluste sind hauptsächlich dadurch entstanden, daß eine Anzahl vollbesetzter Rettungsboote teils gegen den Rumpf des sinkenden Schiffes, teils gegen ein Riff geschleudert wurde und kenterte. Das Wrack des Dampfers ruht in einer Tiefe von 50 Metern. Mehrere Hilfsschiffe und Flugzeuge haben sich an der Unglücksstätte eingefunden. Rückberufung der geretteten Teilnehmer an der ItaliaExpedition. WTB. Rom, 19. Juli.(Tel.) Agenzia Stefani teilt mit, der Regierungschef hat angeordnet, daß alle bisher geretteten Teilnehmer an der Italia=Expedition sofort zurückkehren. Die„Citta di Milano“ wird sie bis Narwick bringen. Mussolini gab den formellen Befehl, daß sich sämtliche Mitglieder der Expedition jeglicher Botschaften. Erklärungen und Interviews zu enthalten haben. Die„Citta di Milano“ wird von Narwick nach Kingsbay zurückkehren, um an den weiteren Nachforschungen nach der Gruppe Alessandri keilzunehmen. Kampf des„Malygin“ mit dem Eise. WTB. Moskau, 19. Juli. Der Eisbrecher„Malogin“ hat die Eiskante passiert und begibt sich nach dem Storefjord, um Amundsen an der Südostküfte von Svalborg zu suchen. Auf seiner 30tägigen Fahrt in der Eiszone hatte der„Malygin" zweimal Stürme zu überstehen und war wiederholt im Eise festgefahren, wobei er mehrmals Beschädigungen erlitt. mikrofilm Gerd Gutt KG Otto-Hahn-Straße 21 Postfach 410249 4400 Münster-Roxe A 3 A 2 A # Bestsalischer Merkur. 29. Juli 1928. Der So. Srommagein drg. Ei. Heren! Festgottesdienst im hohen Vom.— Imposanter Festatt im Rathaussaat.— Festessen im Fürstenhof. * Münster, 19. Juli. Die Feier des 80. Geburtstages des Abg. Landesökonomierats Dr. Herold wurde am Donnerstag vormittag würdig dingeleitet mit einem Hochamt im Dome, des Dompropst Dr. Mausbach zelebrierte. Dem feierichen Gottesdieenst wohnte auch der hochwürdigste Herr Bischof Dr. Poggenburg bei, ferner die nächsten Angehörigen des Geburtstagskindes und eine große Reihe seiner Freunde und Verehrer. Der katholische Studentenverein „Tuiskonia“, dessen Ehrenmitglied der Abg. Herold ist. hatte leine Chargierten mit Fahne deputiert. Das hohe Gotteshaus war von den Katholiken der Stadt Münster bis auf den letzten Platz gefüllt. Es war ein ergreifendes Bild, die markante Gestalt des Achtzigjährigen so demütig vor dem Altare Gottes im Gebete versunken zu sehen. An das Hochamt schloß sich dann um 11 Uhr ein Festakt an den Nathanssale. Schon äußerlich war dem Akte Bedeutung beigelegt durch reiche Beflaggung. Der altehrwürdige Saal selbst war schön geschmückt mit frischem Grün und Lorbeer. An der Ehrensafel nahmen rechts vom Abg. Herold Platz der hochwürbigste Herr Bischof Dr. Poggendurg, der preußische Landwirtschaftsminister Dr. Steiger. Oberpräsident Gronowski, Abg. Geheimrat Dr. Porsch, Landeshauptmann Dr. Dieckmann, Oberbürgermeister Dr. Sperlich. Links vom Geburtskinde reihten sich an Verkehrsminister von Guerard, Wohlsahrtsminister Dr. Hirtsiefer, Reichskanzler a. D. Dr. Marx, Winsterpräsident a. D. Dr. Stegerwald, Prof. Dr. Brinkmann=Vonn, Adg. Prälat Dr. Schreiber Frhr. von Der. Den Soal füllte eine große Reihe von Palamentariern von nah und fern; wir nennen u. a. die Abg. Altegoer, Bielefeld, Vornefeld-Ettmann, Crone=Münzebrock. Reichstagsvizepräsiden Esser. Anwesend waren ferner die Vertreter verschiedener Münsterscher Behörden, lo Präsident Dr. Ronge, Landgerichtspräsident Münster, Vizepräsident Dr. Hettlage. Die dem Zentrum angehörigen Magistratsmitglieder und Stadtverordneten der Stadt Münster sowie, die Mitglieder des lokalen Parteivorstandes wohnten dem feierlichen Akte sast vollzählig bei. Der Vorsitzende des Westf. Bauernvereins, Frhr. von Kerckerinck zur Borg, war ebenfalls erschienen, außerdem auch ein Vertreter des Wests. Bauernbundes. Von Arnsberg war Minister a. D. Dr. Haslinde herübergekommen. Vom Katholikenkomitee der Stadt Münster war mit seinem Vorsitzenden Oberregierungs= und Obermedizinatrat Dr. Engels der Vorstand erschienen. Der Festakt wurde eingeleitet mit der feinfinnigen Wiedergabe des Meistersinger=Vorspiels durch unser städtisches Orchester unter der Leitung des Herrn Göhre. Der hochwürdigste Herr Sichg 2r. Bagentung nahm als erster das Wort und führte aus: Hochverehrte Festversammlung! Eine seltene Feier hat uns heute hier in diesem altehrwürdigen Rathaussaale der Stadt Münster vereinigt, die Feier des 80. Geburtstages des Herrn Landesökonomierates Dr. Herold, des Vorsitzenden der westfälischen Zentrumspartei. Gern bin ich der Einladung der Freunde des Jubilars gefolgt, und von Herzen entbiete ich Ihnen, Herr Landes=Oekonomierat, meine herzlichsten Glückwünsche zu diesem Tage. Nur wenigen Menschen ist es beschieden, den 80. Meilenstein am Lebenswege zu erreichen. Heute morgen haben wir alle im Hohen Dome Gott dem Herrn gedankt fü die reichen Gaben und Gnaden, die er Ihnen volle 80 Jahre verliehen, von denen fast 40 Jahre dem Dienste der Oeffentlichkeit gewidmet waren. Als Bischof der Diözese, der Sie angehören, spreche ich Ihnen meinen innigsten Dank aus für die außerordentliche Arbeit und die vielen Opfer, die Sie in selbstloser Weise auf sich genommen, für die geduldige und freudige Ausdauer in allen Wirren und Kämpfen des öffentlichen Lebens. für die Verdienste, die Sie in Ihrer parlamentarischen Tätigkeit um die Kirche in Deutschland, auch um die Diözese Münster, um die christliche konfessionelle Schule und auf sozialem Gebiete sich erworben haben. Ein treuer Helfer ist dem Episkopat das Laienapostolat jener katholischen Männer, die, vorbildlich in ihrem Leben und Wirken, die Freiheit und die Rechte der Kirche im öffentlichen Leben verteidigen.— Die katholische Kirche, deren treuer Sohn Sie stets gewesen, und Ihr hl. Glaube bot Ihnen, dem politischen Führer, immer einen festen Standpunkt, von dem aus Sie mit Klarheit die Grundlätze der Gerechtigkeit und der Liebe erkannten. Gebe Gott aus viele katholische Männer und Führer, die im Lichte der ewigen Wahrheiten wandeln, arbeiten und wirken zum Segen für Kirche und Vaterland! Ich habe dem Heiligen Vater von dieser Feier berichtet, und Se, Heiligkeit hat geruht, Ihnen zum 80. Geburtstage das Komkurkreuz des Gregoriusordens mit Stern zu verleihen. Durch diese Teiknahme des Heiligen Vaters erhält diese Feier ihre verklärende Weihe und ihre höchste Besiegelung. Möge der liebe Gott— das ist mein Wunsch und mein Gebei— Sie noch manche Jahre Ihres Amtes walten lassen zum Segen des deutschen Volkes, insbesondere des katholischen Volkes!(Bravo!) Der dem Zentrum angehörige jetzigen Reichsregierung Verkehrsminister der Herr von Guerard überbrachte die Glückwünsche der Reichsregierung, wobei er ausführte: Es ist mir eine ganz besondere Genugtuung, daß ich an der altehrwürdigen Stätte namens der Reichsregierung sprechen kann an dem Ehrentage eines der großen Söhne der Roten Erde. Ich bin mit Herrn Herold setzt ja auch schon lange Jahre in gemeinsamer treuer Arbeit verbunden und weiß daher auch persönlich, was der Abg. Herold nicht nur dem westfälischen Lande, sondern dem deutschen Vaterlande und Voike geworden ist. Wo, meine Damen und Herren, können wir einen Mann finden, der in so selbstloser, unermüdlicher Arbeit mit 80 Jahren noch sein ganzes Tagewerk dem deutschen Volke weiht, dem Wiederaufbau des Vaterlandes, der ihm so sehr am Herzen liegt und der in Herold sich verkörpert? Er ist ein Stück gewaltiger Tradition mit seiner reichen Erfahrung an dem, was hinter uns liegt. Unendlich viel verdanken wir ihm in seiner Sorge für die Kulturgüter. Auf wertoolle Ueberlieferungen aufbauend hat Herold sich treu und selbstlos eingestelli auf die Arbeit für das Vaterland, um es weiter zu entwickeln und dazu beizutragen, daß Deutschland wieder den Platz bekommt, den es im Rate der Völker auf der Welt verdient. Ich glaube, Sie werden alle mit mir einig sein, daß an diesem Tage nicht nur in Münster und in Westsalen, sondern im ganzen deutschen Vaterlande und im deutschen Volke wir dem Abg. Herold herzlichen, innigen Dank schulden. Er verkörpert noch immer in sich das, was uns heute so besonders nottut; er ist derjenige, der in seinem ganzen Wirken und Streben immer darauf ausging, die Harmonle zu sinden zu einem schönen Zusammenklang. Auch heute ist er uns noch in Berlin der ausgleichende Faktor, der immer wieder das Bestreben hat, die Harmonie unter uns herbeizuführen und zu stärken. Ich wünsche bei Gott, daß Herold dem Westsalenlande noch lange erhalten bleiben möge. Und ich wünsche dem Vaterlande, daß es noch lange das Wirken Herolds sieht. Ich glaube, man kann dem Volke wohl wünschen, daß ihm noch mehr solcher Männer erstehen, die mit ihrer Selbstlosigkeit, ihrer Treue und ihrem Weitblick in die Zukunft für das Wohl des Vaterlandes do erbeiten, wie der Abg. Herold. Daßz Sie, verehrtes Geburtstagskind, noch lange uns erhalten bleiben mögen, noch lange arbeiten können für das deutsche Volk, das ist der Wunsch, den ich die Ehre habe, Ihnen hiermit namens der deutschen Reichsregierung auszudrücken.(Lebh. Beifall.) Darauf nahm das Wort der Preußische Landwirtschaftsminister Dr. Steiger. Er gab zunächst das folgende Glückwunschschreiben des Ministerpräsidenten Braun bekannt: „Jum heutigen Tage, an dem Sie das 89. Lebensfahr vollenden. spreche ich Ihnen zugleich im Ramen der preußischen Staatsregierung die herzlichsten Glückwünsche aus. Sie begingen am 16. vorigen Monats den Tag der 30jährigen Wiederkehr Ihres Eintrikts in den Reichstag. Jast 40 Jahre gehören Sie dem preußischen Parlament als Mitglied an. Nur wenige Parlamentarier können auf so lange und überaus erfolgreiche Tätigkeit als Abgeordneler zurückblicken. Es ist mir deshalb ein inneres Bedürfnis, Ihnen am heutigen Tage zu sagen, daß die Preußische Slaatsregierung der Verdienste, die Sie sich in Ihrem langen und arbeitsreichen Leben um das Gemeinwohl, um den preußischen Staat und das ganze deutsche Valerland erworben haben, in hohem Maße sich bewußt ist und mit ihr weile Kreise des Volkes Ihnen Dank und Anerkennung zollen. Möge es Ihnen vergönnt sein, sich noch lange Jahre bester Gesundheit zu erfreuen und mit Ihrer reichen Erfahrung zum Wohle des Vakerlandes zu wirken. gez. Braun.“ Im Anschluß an diese Verlesung führte der Herr Minister folgendes aus: Sehr geehrter Herr Landesökonomierat! Als Chef der Landwirtschaftlichen Verwaltung ist es mir ein lebhaftes Bedürfnis und eine hohe Pflicht, an Ihrem 80. Geburtstage persönlich zu erscheinen und Ihres reichen Lebens und Wirkens für die Landwirtschaft zu gedenken. Ihre Arbeit begann in der Oeffentlichkeit mit der Tätigkeit als Vorsitzender eines landwirtschaftlichen Vereins, des Wirkens, das noch heute das nächste zur Förderung des landwirtschaftlichen Berufsstandes ist. Das Vertrauen der Landwirte führte Sie dann zur Leitung der Landwirtschaftlichen Vereins=Organisation auf der höheren Stufe, dem Landwirtschaftlichen Hauptverein. Der gesetzlich berufenen Vertretung der Landwirtschaft, der Landwirtschaftskammer, gehören Sie seit ihrer Errichtung an. Durchdrungen von der Wichtigkeit der Gestaltung der Handels= und Wirtschaftspolitik zur Sicherung des Bauerntums begegnen wir Jahrzehnte hindurch Ihrer regsten Mitarbeit im westfälischen Bauernverein. Die Wirtschaft, wie sie durch die Genossenschaften getätigt wird, war schon sehr früh Ihr Feld. Lange Zeit standen Sie bei dem Verband westfälischer Molkereigenossenschaften an der Spitze. Allen heimatlichen, zur Förderung der Landwirtschaft geschaffenen Organisationen war und ist noch heute Jahre sakundliche Mitarbeit gewidmet. Wie kaum einem Anderen gab Ihnen das Gelegenheit, die Zusammenhänge von Technik und Wirtschaft zu pflegen. Au“ das galt zunächst der westsälischen Landwirtschaft, die mit ebenso viel Stolz als Befriedigung auf ihren der roten Erde entsprossenen Pionier der Landwirtschaft blicken kann. Aber auch über die heimatlichen Grenzen hinaus hörte die deutsche Landwirtschaft gern auf Ihr Wort und schätzte Ihren sicheren Rat. Damit nicht genug. Jahrzehnte gehören Sie dem Landtag und dem Reichstag an. Immer wiesen Sie aber darauf hin, daß Sie dort als Vertreter des Volkes und nicht etwa eines Berufsstandes Ihre Pflichten wahrzunehmen hätten, und doch begegnen wir auf Schritt und Tritt Ihrer Wirksamkeit im Sinne der Landwirtschaft. Ich hebe nur einiges hervor. In die zollpolitische Geschichte ist der Antrag Herold eingegraben, der von Ihnen im Jahre 1902 eingebracht wurde, als die Kämpfe um den Schutz des Getreides keinen Ausweg erkennen ließen. Da haben Sie durch Ihren Antrag die Lösung herbeigeführt, eine Lösung, auf der sich auch weiterhin die Getreideschutzellpolitik aufbaute. Allezeit sind Sie in der Handelspolitik für die berechtigten Forderungen der Landwirtschaft eingetreten. Ein weiteres großes Gesetzgebungswerk war es, auf das Sie besonderen Einfluß ausübten, die Steuergesetzgebung. Daraus nur Eines. Grundsätzlich verfolgten Sie als Ziel, daß die Landwirtschaft nach dem Ertrage besteuert, und daß überall der Ertragswert für die Wertbestimmung land= und forstwirtschaftlich genutzter Grundstücke angewandt wird. Große Verdienste haben Sie sich dadurch nicht bloß für die preuFische, sondern für die ganze deutsche Landwirtschaft erworben. Was so natürlich scheint, mußte erst in zähem Kampfe geschaffen werden. Aber auch an jedem anderen Gesetze, das in den Kreis der Landwirtschaft fiel, haben Sie in seltener Pflichttreue und mit der Ihnen eigenen Sachkenntnis mitgearbeitet, immer geleitet von der Ueberzeugung, daß die Landwirtschaft das Fundament der Volkswirtschaft ist. In meisterhafter Weise ist es Ihnen in der Tat gelungen, die handels=, wirtschafts= und steuerpolitischen Notwendigkeiten der Landwirtschaft in die gesamte Staatsvolitik einzuordnen. Herzlichen Dank spreche ich Ihnen als Minister für Landwirtschaft, Domänen und Forsten daher für all das aus, was Sie in diesen langen Jahren zur Förderung der Landwirtschaft getan haben. Nehmen Sie, sehr verehrter Herr Landesökonomierat, als Erinnerung an diesen Tag das Kunsterzeugnis der Staatlichen Porzellanmanufaktur, das nur einmal im Jahre 1763 angefertigt wurde, entgegen und den herzlichen Wunsch, daß Sie den Geburtstag noch oft in froher Gesundheit erleben möchten. Nachdem der Preuß. Landwirtschaftsminister Steiger dem Jubilar das Kunstwerk überreicht hatte, ergriff Oberpräsident Gronowski das Wort: Heute vor 10 Jahren feierte ein kleiner Kreis im Fürstenhof zu Münster die Vollendung des 70. Lebensjahres des Abg. Herold. Einfach und schlicht, wie es der ganzen Lebensauffassung des Jubilars und der Rot des Landes entsprach. Von den drei Rednern sind zwei in der Ewigkeit: Graf von Galen und Trimborn. Die Wünsche, die damals für das persönliche Wohlergehen unseres Jubilars zum Ausdruck kamen, sind alle in Erfüllung gegangen. Nur ein Wunsch blieb versagt:„Glückhaftes Ende des Weltkrieges“, Deutschlands Stern stand vor 10 Jahren tief: es wurde Abend, und vier Monate später dunkle Nacht. GottesVorsehung hat dies zugelassen, uns aber gleichzeitig Männer gegeben, die durch ihre Jahre, Erfahrung und Abgeklärtheit dem deutschen Volke Führer und Berater waren und sind. Zu diesen gehört Herold. Niemand hörte ihn sammern oder anklagen. Der Siebzigjährige zog durch die Lande und ermunterte zu neuem Leben, richtete auf die Verzagten und Gleichgültigen, warnte die Fahrlässigen und bemühte sich, die Abseitsstehenden zu gewinnen zur positiven Mitarbeit am neuen Staat, damit Deutschland nicht ein zweites Rußland wird. Verständnis und Hilfe hat der Jubilar nicht überall gefunden, aber er ging unbekümmert an Tadel und Gegnern vorbei seinen geraden Weg. Dieser konservativ denkende Mann, der zäh und deharrlich am Ueberlieferten festhielt„kannte nur eins: Deutschlands Einheit retten! Ueber Partei und Stand und Fürstenkronen stellte er die Rettung des Vaterlandes und seiner Heimat. Von diesem Gedanken geleitet, arbeitete Herold an der neuen Reichsverfassung in Weimar und an der Verfassung des Freistaates Preuhen. Sein fleißiges, kluges Wirken und Schaffen in den Parlamenten und im öffentlichen Leben als Pelitiker und Staatsbürger hat zur Festigung des Staatsgedankens und des Volksstaates ganz erheblich beigetragen. Dem innern Frieden diente er mit ganzer Seele. Auch die Gegner erkennen diese Tätigkeit mit Ehrkurcht an. Herr Jubilark. Als Politiker und Staatsbürger haben Sie in notvoller Zeit mit anderen ovferbereiten Männern, besondere in Ihrem achten Lebenssahrzehnt, dem deutlchen Volke die Einheit und den S##auden an seine Lebenskraft gerettet. Die Geschichtsschreiber werden es den Nachkommen sagen, daß Sie zwar nicht an der Ministerbank, aber doch als Staatsmann mit zu den Rettern des Landes und unserer Heimat gehören. Wir Lebenden danken Ihnen mit Ehrfurcht für den geleisteten, oft bitterschweren Dienst am deutschen Volke. Glückauf zum 9. Jahrzehnt! Prorektor Prof. Dr. Brinkmann=Vonn gab im Namen Sr. Magnikizenz des Rektoro der Landwirtschaftlichen Hochschule in Vonn=Poppelsdorf folgenden Beschluß des Senats der Hochschule bekannt:„Die Landwirkschaftliche Hochschule Bonn=Poppelsdorf verleiht Titel. Rechte und Würde eines Doktors der Landwirtschaft ehrenhalber dem Herrn Landesökonomierat Herold zu Haus Loevelinkloe in Anerkennung der Verdienste, die Herold sich durch seine jahrzehntelange erfolgreiche Tätigkeit in den landwirtschaftlichen Berufs= und Standesorganisationen seiner Heimat, sowie durch seine zielbewußte, stets von kluger Votaussicht und kluger Sachlichkeit geleitete Vertrekung der wirtschaftspolitischen Belange der deutschen Landwirtschaft und des deutschen Bauernstandes erworben hat.“ Die Landwirtschaftliche Hochschule, so fuhr der Redner fort, betrachtet es als eine besondere Vergünstigung, auch zu ihrem Teil durch Verleihung der höchsten Würde, die sie zu vergeben hat, teilzunehmen an den Auszeichnungen und Ehrungen, die Ihnen heute aus allen Kreisen der Bevölkerung bis hinauf zu dem höchsten Stellen in Staat und Kirche dargebracht werden. Die Landwirtschaftliche Hochschule weiß, daß sie keinem Würdigeren diese Auszeichnung verleihen kann als gerade Ihnen, dem scholleverbundenen Landmann Westfalens, dem aufgeschlossenen, weitblickenden Politiker. Die Hochschule betrachtet es als eine besondere Ehre, Sie fortan zu den Ihrigen rechnen zu können. Sie entbietet ihrem jüngsten Doktor ehrfurchtsvollste Grüße, sie schließt sich gern an all den guten Wünschen, die Ihnen heute an Ihrem 80. Geburtstage dargebracht werden. Reichskanzler a. D. Dr. Marx führte darauf u. a. folgendes aus: In Herold verkörpere sich unsere Zentrumsidee. Sein Leitsatz sei gewesen: erst gehörst du deinem Volke! Stets habe er sich für die Freiheit der katholischen Kirche eingesetzt. Aus den Tagen des Kulturkampfes hatten der Jubilar und Porsch ihre Tradition in der Gegenwart fortgesetzt. Allüberall leien sie eingetreten für die Rechte und Freiheit der Kirche. Das Recht der katholischen Eltern auf die Schule hätten sie immer wieder in e'n Vordergrund gesetzt. Und wenn mancher hätte erlahmen wollen im Kampfe für die katholische Schule, dann wäre es Herold gewesen, der immer wieder aufgemuntert hätte: es wird weiter gearbeitet. Auf dem Katholikentag in Breslau 1909 wäre er in herzlichen Worten für die Freiheit der katholischen Kirche eingetreten. Er wolle den Westfalen nicht wehe tun, sagte Reichskanzler a. D. Marx in launiger Art, aber es lei schade, daß ein Freiheitsmann wie Herold nicht am Rheine geboren sei!. Der neuen Verfallung habe der Jubilar gerne zugestimmt, da sie ja der katholischen Kirche und dem katholischen Volke mehr Freiheit gegeben habe, als sie bisher besaß, Großes habe er für die Landwirtschaft geleistet aber nicht als Vertreler einseitiger Interessen. Vom parteipolitischen Standpunkt aus habe er stets das Beste gewollt und erreicht. Vom parteipolitischen Standvunkt aus mußte der Ausgleich gefunden werden. Auch Angriffe, die gegen Dr. Herold gerichtet waren, habe dieser ruhig ertragen und für Volk und Vaterland unentwegt weiter gearbeitet. Herzlichen Dank sprach dann Dr. Marx dem greisen Jubilar aus für alles große was er geleistet habe und wünschte ihm weitere Gesundheit im Kampf für Freiheit und Recht. Der Vizepräsident des Preußischen Landtages Zentrumsabgeordneter Geheimrat Dr. Porsch sprach nur wenige Worte, aber man konnte merken, sie kamen aus dem innersten Herzen. Er nannte Herold seinen lieben Freund und führte weiter aus: Morgen ist der Freudentag, an dem der liebe Gott dich der Welt, der Familie, dem Vaterlande, dem Volke, aus dem heraus die Zentrumspartei sich allmählich entwickelte und aus der dann die Zentrumsfraktion hervorgegangen ist, schenkte. Auf allen Gebieten hast du dich als Mann bewährt, als treuer Deutscher, der weit über den Kreis des katholischen Volkes hinaus bekannt geworden ist. Wir alle in der Zentrumspartei des preußischen Landtages entbieten dir herzlichen Gruß und Segenswunsch. Ich habe insbesondere Dir für das zu danken, was du der preußischen Zentrumspartei und Fraktion geleistet hast. Es ist das ja schon gesagt worden. Vor allem sind wir dir dankbar gewesen, daß du die Verbindung zwischen den Fraktionen des Reichstags und Landtags aufrechterhalten hast. Unermüdlich warst du tätig, und bei den Tagungen des Parlaments bist du in jedem Parlamente täglich wenigstens einmal erschienen. In deinem arbeitsreichen Leben hast du die Freundlichkeit gehabt. der großen Katholikenversammlung in Breslau zu präsidieren. Als Breslauer möchte ich dir dafür heute nochmals danken. In den ersten Tagen des kommenden Jannar werden es 25 Jahre sein, daß der liebe Gott uns an die Spihze der preubischen Zentrumsfration gestellt hal. Ich hoffe, daß wir en Tag erleben und daß wir später in den Sielen sterben werden. Für heute besonders herzliche Glückwünsche die, lieber Heroid. Nachdem Geheimrat Dr. Porsch geendet hatte, sprach der Zweite Vorsitzende der Westfälischen Zentrumspariei Stadtrat Gilsing zum Jubilar Worte der Anerkennung und des Dankes. In Jahrzehnten unentwegter Treue hade Dr. Herold nach den Grundsätzen der Zentrumspartei gehandelt. Erfüllt von Dankbarkeit stände heute das Zentrum zu seinem Führer Herold. Darum, so schloß er, legen wir ihm das Gelöbnis steter Treue zu Füßen und die Versicherung auf dem von ihm beschrittenen Wege weiter zu wandeln. Für die westfälische Provinziallandtagsfraktion der deutschen Zentrumspartei überbrachte Freiherr von Der die herzlichsten Glückwünsche. Er entschuldigte zunächst den ersten Vorsitzenden Dr. Lensing, der durch Krankheit am Erscheinen verhindert sei, und führte dann aus: Seit 25 Jahren gehören Sie dem Westfällschen Provinziallandtage an. Was Sie in all den Jahren geleistei haben, das steht eingeschrieben in seiner Geschichte. Was Sie aber uns, unleren Fraktionsmitgliedern geworden sind, das wissen nur die, die die Ehre und Freude haben, mit Ihnen zusammen zu arbeiten. Immer war es Ihr weiser Rat, der uns auf den richtigen Weg führte. Die Zentrumsfraktion dankte es Ihnen schon, indem sie Sie einmütig zu Ihrem Ehrenvorsitzenden wählte. Eine persönliche Erinnerung: Es war 1888, als Freiherr von Schorlemer sein Mandat für das Abgeordnetenhaus für den Wahlkreis Ahaus=Steinfurt niederlegte. Kurze Zeit darauf traten die Vertrauensmänner in Coesfeld zusammen, um einen neuen Abgeordneten auszusuchen. Es wurden verschiedene Namen genannt und zum ersten Mal der Name Herold. Er war politisch ein unbeschriebenes Blatt. Da sagte semand:„Wat soll! wimet den Buer achter Mönster?“. Da war es Schorlemer, der aufs dringendste bat, Herold ihm als Nachfolger zu geben. Er hatte den„Buer achter Mönster“ richtig erkannt, und wir sind stolz darauf, daß wir ihn nach Berlin geschickt haben. Er hat mit echt wesisälischer Zähigkeit und Treue immer dasjenige verteidigt, was er als richtig erkannt hatte. Möge es Ihnen vergönnt sein, noch recht viele Jahre zum Segen der Heimatprovinz und damit zum Segen des ganzen Vaterlandes zu wirken. Dee walte Gott!(Lebh. Beifall.) Nach Freiherrn von Der sprach Universitätsprosessor Dr. Schreiber im Auftrage des Zentralkomitees der Deutschen Kathollker die herzlichsten Glückwünsche aus. Herold sel mit der Entwicklungsgeschichte des Zentralkomitees aufs engste verbunden. Sein Name stände dort an erster Stelle. Er habe wesentlich mit dazu beigetragen, dem katholischen Gedanken zum Durchbruch zu verheifen. Tief bewegt von all den Ehrungen und den herzlichen Glückwünschen nahm darauf der Gefeierte Dr. Herold selbst das Wort zu einer längeren Erwiderung. Wenn ich heute, so führte er aus, so viel geseiert worden bin, so möchte ich doch in erster Linie darauf hinweisen, daß es nicht mein Verdienst ist, wenn ich nun 80 Jahre alt geworden bin, sondern daß ich das verdanke unserem allmächtigen Schöpfer, der mir die Gnade erwiesen hat, mir ein so langes Leben und noch dazu in verhältnismäßig guter Rüstigkeit zu verleihen. Ihm gebührt in erster Linie mein Dank, wenn ich diesen Tag erleben durfte. Wenn ich nun meinen eigenen Gefühlen hätte folgen dürfen, dann hätte ich jedem einzelnen von den Festrednern sofort gedankt und geantwortet, aber das ist mir von der Festleitung aufs strengste untersagt worden. Ich muß also jetzt gemeinschaftlich auf alle Reden antworten. Ganz besonderen Dank schulde ich unserem hochwürdigsten Herrn Bischof, der meiner in so anerkennender Weise gedacht hat. namentlich auch in der Richtung, daß ich für die kulturellen Interessen, für die Interessen der katholischen Kirche eingetreten bin. Diese Anerkennung aus so hohem Munde ist mir allerdings außer. ordentlich wertvoll. Meine praktische Tätigkeit hat vornehmlich auf wirtschaftlichem Gebiete gelegen, aber die kulturellen Interessen zu verteidigen, das habe ich immer für höher erachtet als alle wirtschaftlichen Ziele, und dafür einzutreten, daß die Rechte der katholischen Kirche gewahrt werden, das ist immer mein vornehmstes Bestreben gewesen und wird auch meine Aufgabe für alle Zukunft sein und bleiben. Die Zentrumspartei ist eine politische Partei, das hat sie alle Zeit bewiesen durch ihre politische Tätigkeit. Aber die Zentrumspartei ist es auch gewesen, die in erster Linie die katholischen Interessen in der Vergangenheit vertreten hat. Sie wird das auch in aller Zukunft tun. Darum möchte ich nur wünschen, daß alle Katholiken ohne Ausnahme sich vereinigten in der Zentrumspartei und durch die Einigkeit der Katholiken um so viel wirksamer eintreien zu können für die Rechle und Freiheit der katholischen Kirche. Denn der Kampf gegen den Katholizismus ist nicht eiwa im Abflauen begriffen, sondern gerade in der neuesten Zeit schließen sich die Liberalen immer enger zusammen, um die Zentrumspartei zu bekämpfen, die sie als die sicherste Verkeidigung unserer höchsten kulturellen Interessen erkennen. Darum müssen alle zusammenstehen und zusammenarbeiten in der Zentrumspartei, damit diese zahlreich und geschlossen dastehl. Bei dem letzten Wahlkampf haben wir nicht gut abgeschnitten, das kann keinem Zweifel unterliegen. Trotzdem sehe ich hoffnungsvoll in die Zukunft für die Zentrumspartei. Es muß unsere Aufgabe sein, in geschlossener Einigkeit zusammenzustehen. Dann wird auch die Zentrumspartei in Zukunft wieder die große starke Partei werden, die sie in der Vergangenheit war, weil die Zentrumspartei in ihrem Bestreben, den Ausgleich herbeizuführen, für das Vaterland eine unbedingte Notwendigkeit ist. Eine wichtige Aufgabe erwächst auch den gewählten Abgeordneten selbst. Immer mehr treten die berufsständischen Interessen in den Vordergrund. Da gilt es doppelt zu wirken für die Einigkeit und Geschlossenheit. Schon vor 30 Jahren hat Windthorst darauf hingewiesen, daß die Abgeordneten nicht Verireier des einzelnen Berufsstandes, sondern des ganzen deutschen Volkes sind, wie es die Verfassung vorschreibt. Der Abgeordnete muß auch den Mut haben, wenn zuweit gehende Forderungen an ihn gestellt werden, dem entgegenzutreten und das gemeinsame Interesse in den Vordergrund zu stellen. Wenn das alle Abgeordneten ohne Ausnahme tun, dann fürchte ich nicht für die Zentrumspartei in der Zukunft. Das ist mein dringender Wunsch. Möge auch diese heutige Festversammlung dazu beitragen, den Gedanken der Einigkeit und Geschlossenheil in der Zentrumspartei zu festigen und zu stärken, damit die Zentrumsparkei wieder als Schutz für unsere höchsten kulturellen Interessen, als Ausgleich der materiellen Gegensätze mächtig und stark dasteht. Nun noch meinen innigsten Dank für alle Glück= und Segenswünsche und alle Anerkennungen. Ich habe sie nicht verdient. Ich habe nur meine Pflicht und Schuldigkeit getan, weil ich überzeugt war, dadurch der guten Sache zu dienen. Den Worten des greisen Zentrumsführers folgte lebhafter Beifall und Händeklatschen. Mit dem vom Orchester stimmungsvoll gespielten Oberon=Ouvertüre wurde sodann der Festakt geschlossen. Das Festmahl. Im Fürstenhofe fand dann mittags ein Festeisen zu Ehren des Abg. Dr. Herold statt, an dem rund 200 Personen teilnahmen. Unter den Gästen bemerkten wir die schon bei dem Festakt auf dem Rathaus erwähnten Persönlichkeiten. Dazu gesellten sich eine große Reihe von Zentrumsanhängern aus der Stadt Münster und dem Münsterlande selbst. audem weiteren Westsalen und dem Reiche, zahlreiche Abgeordnete und Vertreter der Behörden. Den Reigen der Trinksprüche eröffnete der preußische Wohlfahrtsminister Hirtsieser, der den Abg. Herold als den starken Politiker, als den Führer des katholischen Volkes feierte. Mit echt westsälischer Zähigkeit habe er sich niemals durch die größten Schwierigkeiten abschrecken lassen. Der Abg. Herold ist das Beispiel des aufrechten Wesisalen, der in weiteren Generationen fortleben wird.„Wir versprechen, daß wir ihm in seiner prachtvollen westfälischen Kraft und Zähigkeit nachzueifern uns bemühen werden, und wollen gleich ihm unsere ganze Krast, unser Sinnen und Trachten und Können in den Dienst der katholischen Kirche, der Zentrumspartei und des großen gemeinsamen Vaterlandes stellen.“ Redner schloß mit einem dreisachen Hoch auf Karl Herold, auf das schöne Land der Roten Erde und das große deutsche Vaterland. Stadtrat Gilsing, der den Abg. Herold namens der westfälischen Zentrumspartei nochmals willkommen hieß, brachte verschiedene Telegramme, von den medreren Hundert, die zur Festseier eingelaufen waren, zur Verlesung. Das Telegramm des Reichspräsidenten von Hindenburg lautet: „In Ihrem 30. Geburkslage spreche ich Ihnen meine herzlichsten Glückwünsche aus. Mögen Ihness noch viele Jahre in Gesundheit und erfolgreichem Wirken beschieden sein, von Hindenburg, Reichspräsident.“ Kordinal Schulte telegraphierte: „In dankbarer Anerkennung und Verehrung sendel von Herzen Segen und Glückwunsch ad multoe annos. Kardinal Schulle.“ Reichokanzler Müller: „Iu dem Tage, an dem Sie auf 50 Jahre eines an Erfolgen überaus reichen Lebens zurückschauen, sprecht ich Ihnen zugleich im Ramen der Reichsreaierung herzlichste und aufrichtigste Glückwünsche aus. Mit Dank gedenke ich der Verdienste, die Sie sich in sast 40jähriget parlamenlarischer Tätigkeit als preußischer Lan (glied des Reichstages Sondtagechpe: ordneler und als Mitglied des Reichstages mit aller Hlagabe und mit vollem Einsahz Ihrer hohen Fähigkeilen um das Valerland erworben haben. Ihre große Lebenversahrung, Ihre abgeklärte Weisheil und Güle haben nicht ausder Zentrumsparlei, sondern auch der Allgemeinheil in ereigaisreichen Zeilen wertvolle Dienste geleistel. 24, A' A 2 A S A•4 A'5 Freitag, 20. Juli 1928. Nr. 262. darf hoffen und wünschen, daß die uns bevorstehenden bedeutsamen parlamentarischen Arbeiten Sie in voller körperlicher und geistiger Irische im Kreise der Kollegen sinden werden.“.. Weitere Telegramme sino, eingegangen vom ReichsKnanzminister Dr. Hilferding, Reichsarbeitsminister g. D. Dr. Brauns, dem bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Held, dem Staatssekretär in der Reichskanzlei Dr. Pünder, Staatsrat Lensing, Bischof Kaspar Klein von Paderborn, Justizrat Mönnig namens der rheinischen Zentrumspartei, vom Kölner Oberbürgermeister Dr. Adenauer und von den deutschen Windthorstbünden. Oberpräsident Gronowski brachte mit herzlichen Worten ein dreifaches Hoch aus auf die Familie des Geseierten, indem er ihr gleichzeitig dankte„für alle Opfer, für alle Mühen und vielleicht auch für alle Geduld, die sie mit dem Geburtstagskinde gehabt habe.“ In humorvoller Weise gab der Abg. Blum-Krefeld einen Blütenkranz aus dem politischen Wirken des Geburtstagskindes. Generaldirektor Dr. ten Hompel überbrachte die Glückwünsche der Handels= und Industriebeiräte der deutschen Zentrumspartei und überreichte einen prachtvollen Blumenkorb. Als Andenken an diese Feier überreichte namens der westfälischen Zentrumspartei Stadtrat Gilsing eine silberne Am Schlusse der Festmahles nahm Abg. herold nochmals das Wort, um aufs neue zu danken für alle die Ehrungen dieses Tages und nochmals aufzufordern, die Einigkeit und Geschlossenheit in der Zentrumspartei aufrechtzuerhalten. Als Freunde wollen wir zusammenstehen, die sich auch gesellschaftlich nähertreten. Sein dreifaches Hoch galt dem weiteren Blühen und Gedeihen der Zentrumspartei. An das Festmahl schloß sich in den schönen Anlagen der Boniburg eine von der Stadt Münster veranstaltete Kaffeetafel. Der ganze Festtag nahm einen überaus harmonischen Verlauf und wird neben dem 80jährigen Geburtstagskinde wohl allen Teilnehmern in schönster Erinnerung bleiben. Stäbtischer! Münsler, 20. Juli. 6 Morgen, Samstag, Gleich-Premiere! sie. Der„Gigant“ europäischen Circu,., Riesencircus Gleich, wird nun „ Samstag, in Münster bestimmt seinen Einzug halder morgen, Samstag, in Münster bestimmt seinen Einzug h ten. nicht weniger als 3 Extrazuge benotigt er, um das ganze gewaltige Material auf mehr als 300 Achsen zu transportieren. Der Aufbau wird bis zum Nachmittag beendet sein, punkt 8 Uhr abends wird die Eröffnungsvorstellung stattfinden. Daß Gleich in seinem Programm halten wird, was er versprach, kann nach den vorliegenden Pressemeldungen keinem Zweisel unterliegen und man weiß nach dem, was er zu zeigen gedenkt, nicht einmal, welchen Darbietungen man den Vorzug geben soll. Das größte Interesse finden die artistischen Sensationen, unter denen das„Lebende Geschoß" wohl diejenige sein wird, die auch hier die meiste Anziehungskraft ausüben wird. Interessant ist dabei, daß bei diesem Trick das Raketen=Prinzip Verwendung gefunden hat und zwar in der Weise, daß das in diesem Falle lebende„Geschoß“ etwa dem Raketenwagen entspricht, dessen letzte Versuche ja noch in aller Erinnerung sind,— eine nervenkitzelnde und dabei technisch außerordentlich interessante Darbietung also.— Besondere Sympathien wird sich Gleich am Eröffnungsabend bei denen erwerben, deren soziale Lage es erschwert, sich einmal ein Vergnügen zu leisten: Arbeits= und Erwerbslose, Kriegshinterbliebene und Kriegsverletzte und Kleinrentner haben gegen Vorweisung ihrer Ausweise Einlaß zu halben Preisen. Die Direktion bittet uns schon heute darauf hinzuweisen, daß regelmäßig schon am ersten Tage Gerüchte verbreitet werden, denen zufolge die Vorstellungen schon„ausverkauft“ seien. Diese Gerüchte entsprechen niemals den Tatsachen. Bei einem Fassungsvermögen für 12000 Sitzplätze ist noch niemals eine Vorstellung am Tage ausverkauft gewesen, vielmehr sind bis zum Abend immer genügend Karten fast aller Plätze an den Kassen zu haben. Wer sicher gehen will, kann sich zu jeder Zeit telephonisch am Circus oder im StadtVorverkauf nach Karten erkundigen und sich solche auch reservieren lassen. c' Zum Verbol des Tragens von Abzeichen im Dienst. Im Hinblick auf die Unzuträglichkeit, die sich aus dem TraHoben verössentlicheeben haben, veröffentlichte das Preußische Staatsministerium unter dem 15. Juli 1925 einen Beschluß, wonach en Beamten das Tragen außerordentlicher Abzeichen jeder Art und Form während des Dienstes allgemein verboten wird. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, bezieht sich das Verbot nicht auf die verfassungsmäßigen Farben des Reichs und Preußens, es sei denn, daß sie als Kennzeichen eines Vereins oder einer sonstigen Organisation getragen werden. * Verband Deutscher Reklamefachleute E. V. Freitag, den 20. cr., abends 8½ Uhr im Hotel Monopol. Wichtige Versammlung. Erscheinen aller Mitglieder erwünscht. Gäste willkommen. E) Straßensperrung. Wie die Polizeiverwaltung im Anzeigenteil der vorliegenden Ausgabe bekannt macht, wird der Verbindungsweg zwischen Wolbeckerstraße und Lütkenbeckerweg östlich des Dortmund—Ems=Kanals am Sonntag, den 22. Juli d. J. von 8 bis 12 Uhr und von 14 bis 19 Uhr für den gesamten Verkehr gesperrt. □ Wegen unerlaubter Entfernung von der Truppe stand am Donnerstag der Rekrut W. H. vor dem Schöffengericht. Anfang Mai hatte H. Urlaub bis 9 Uhr abends. Statt diesen innezuhalten, setzte er sich auf den Zug und fuhr nach Hamm zu seiner Braut. Nach Münster zurückgekehrt, wurde Meldung erstattet, weil er 70 Minuten zu spät im Dienst war. Er belog seinen Rittmeister, nicht in Hamm gewesen zu sein, doch war er von Kameraden gesehen worden, als er eine entsprechende Fahrkarte löste. Er erhielt 14 Tage strengen Arrest, da er schon mehrere kleine Diszipligarstrafen bekommen hatte. Da er nun die militärische Beörderung versperrt hatte wollte er seinem Leben zin Ende machen und entfernte sich. Er fuhr wieder nach Hamm, um Abschied von der Braut zu nehmen, ließ sich jedoch überreden, nach drei Tagen freiwillig wieder zu seinem Truppenteil in Münster zurückzukehren. Einige Stunden vorher war von der Schwiegermutter ein Telegramm geschickt worden, daß H. seine Entlassung einreiche. Wie der Staatsanwalt nahm das Gericht einen minder schweren Fall der Fahnenflucht an und erkannte auf die gesetzliche Mindeststrafe von drei Monaten Gesängnis und Dienstenklassung. Es handle sich nicht um einen Versuch der Entfernung, von der er freiwillig zurückgetreten wäre, sondern um vollendete Fahnenflucht. Er wollte seine Entlassung erreichen und ging deshald von der Truppe fort. O Rücksichtsloses Jahren der Autolaxen. In letzter Zeit mehren sich die Klagen über rücksichtsloses und schnelles Fahren der Autotaxen in den Straßen der Stadt, wodurch die Sicherheit des Publikums erheblich gefährdet wird. Die Beamten sind angewiesen auf übermäßig schnelles Fahren in den Straßen scharf zu achten. Bei Uebertretung erfolgt Anzeige; eventl. Entziehung der Droschkenkonzession. Ein japanischer Priester spricht in St. Lamberti. Der japanische Priester Joseph Shibutani aus dem Apostol. Vikariat Hiroshima, der vor kurzem in Innsbruck seine Studien beendete und zum Priester geweiht wurde, wird am Sonntag, den 22. Juli seinen Aufenthalt in Münster dazu benutzen, über die Missionierung des modern=heidnischen Japans zu sprechen. Er selbst war früher ein Hasser des Christentums, trat aber dann zur Kirche über und verließ zuletzt sogar seine glänzende Lebensstellung, um in die militia Christi einzutreten. Seine längere Betufstätigkeit in Japan und China setzt ihn in die Lage, klar und wahr die religiöse Lage seiner Heimat zu schauen und die Schwierigkeiten zu beurteilen, die ihm und den anderen Glaubensboten dort entgegenstehen. Er wird sprechen am genannten Tage um ½10 und um 11 Uhr während des Gottesdienstes in der Lambertikirche. Obgleich R. D. Shibutanis Wunsch nur ist, unser geistiges Interesse für das Land der aufgehenden Sonne zu wecken, zu wissen, daß im Westen liebende Herzen sind, die der Apostel schwere Arbeit dort durch Gebet und innere Teilnahme unterstützen, damit seinen heidnischen Brüdern bald in Christus die wahre Sonne aufgehe, so wollen wir doch mehr tun und unsere Anteilnahme auch nach außen bekunden durch ein freudiges Opser bei der üblichen Kollekte, die wir ihm als kleine äußere Belhilse zu dem großen Werk in Japan milgeben wollen. Unser Interesse möge thm auch weiter folgen, der nach der Reise durch Sowjet=Rußland sich alsdann seinem Bischof in Hiroschima(gebürtig aus Aachen) zur Verfügung stellen wird. Vereine und Veranstaltungen. Au sdem münsterischen Kreuzbund. Die Zusammenkunft der münsterischen Kreuzbundgruppen am letzten Mittwochabend im Vereinsheim erhielt eine besondere Note dadurch, daß sich wiederum die Marianische Kongregation mit einem reichen, auserlesenen Programm bereitwillig zur Ver: fügung gestellt hatte. Ihr gutdisziplinierter Chor sang zunächst mehrstimmig einige Wanderlieder, Kanons und lustige Schnurren; sodann stieg auf der provisorisch hergerichteten Vereinsbühne das bekannte Stück„Dat aolle Schamiesken“ vom heimischen Dichter Marcus, das die jungen Spieler in solch kernigem Platt und bezwingender Komik darstellten, daß man aus dem Lachen kaum mehr herauskam. Den Beschluß des Programms bildete dann das beherzigenswerte thüringische alte Volkslied:„Es soll sich der Mensch net mit der Liebe abgebe“, das den Vereinskomiker noch zu einigen heiteren Erwiderungen auf dasselbe Thema herausforderte. Unter Kaffeetrinken und mit gemeinsamen Liedern verstrich weiter der Abend und, nachdem noch Herr Mühlenhoff den jungen Gästen freundlich gedankt hatte, ging dann alles frohen Muts nach Hause. So bewies der Abend erneut, daß auch ohne geistige Getränke geselliges Leben und Fröhlichkeit in Fülle sich entfalten kann. Unglaubliche Roheiten eines jungen Mannes. Auf der Anklagebank saß der Hilfsmonteur Ferdinand Hochgrewe, von dessen rohen Taten gelegentlich einer früheren Verhandlung bereits berichtet worden ist. Bei der damaligen Verhandlung handelte es sich um die Mißhandlungen eines hiesigen Bauunternehmers, der infolge der Fußtritte in das Gesicht monatelang in einer Augenklinik zubringen mußte und in seiner Sehkraft so stark beeinträchtigt worden war, daß er zeit seines Lebens Augengläser tragen muß. Ohne jegliche Veranlassung hatte Hochgrewe sich zu dieser Tat hinreißen lassen und dem Gericht dann zu seiner Entschuldigung angegeben, er sei es als Fußballer gewohnt. mit den Fützen zu treten. Kaum ein halbes Jahr nach dieser Tat beging er dann die jetzt zur Anklage stehende Roheit. Mit mehreren Freunden hatte er eine Bierreise unternommen und vor dem Tunnel am Hamburgerhof seinen Genossen gegenüber geäußert:„Der Erste, der mir was will, kriegt was an den Schnabel!“ Schon wenige Meter weiter kam ihm eine junge Dame in Begleitung ihres Betters entgegen. Ohne jegliche Veranlassung holte Hochgrewe, als er in gleicher Höhe mit der Dame war, aus und schlug sie mit der geballten Faust auf den Mund, daß ein heftiger Blutstrahl das Kleid der Dame von oben bis unten besudelte. Drei Zähne wurden der Dame vollkommen gelockert, ein Zahn vollkommen abgeschlagen und auch die Lippe durchgeschlagen. Für diese rohe Tat erkannte das Gericht erster Instanz lediglich auf eine Gefängnisstrafe von 2 Monaten. Anders erging es dem Uebeltäter nunmehr in der Berufungsinstanz, da die Staatsanwaltschaft begreiflicher Weise gegen das allzu milde Urteil Berufung eingelegt hatte. Vorsitzender: Angeklagter, wie kommen Sie zu einer derart rohen Tat? Angeklagter: Ich war betrunken. Vors.: Glauben Sie denn, Ihre Mitmenschen dürften darunter leiden, wenn Sie sich betrinken? Angekl.: Ich habe mich für 1 Jahr als Abstinent verpflichtet. Vors.: Wir werden schon dafür sorgen, daß Sie 1 Jahr lang keinen Alkohol bekommen. Welche Strafe haben Sie für die erste Roheit bekommen? Angekl.: Vier Monate auf Bewährung. Vors.: Auch diese Strafe werden Sie absitzen müssen, denn was nutzt es, wenn die Gerichte bei Roheitsdelikten nur mit Strafe drohen und sie nicht vollstrecken? Rohe Burschen, die sofort Messer oder andere Gegenstände in der Hand haben, und junge Leute, die wie Sie ohne jegliche Veranlassung auf friedlich des Weges gehende Leute einschlagen, bekommen ja nur eine lächerliche Ansicht vom Gericht. Auch der Staatsanwalt war der Auffassung, daß nur durch exemplarische Strafen der Unsicherheit auf den Straßen und den Roheitsgelüsten zweifelhafter Existenzen entgegengetreten werden kann. Er beantragte gegen Hochgrewe 5 Monate Gefängnis. Schon nach kurzer Beratung verkündete Landgerichtsrat Klosterschulte das Urteil: Der Angeklagte wird wegen Körperverletzung über den Antrag des Staatsanwalts hinaus zu 9 Monaten Gefängnis verurteilt. Das Gericht ist der Auffassung, daß die Tat des Angeklagten nur auf Rauflust zurückzuführen ist. Mit Rücksicht auf die Höhe der Strafe und des dadurch begründeten Fluchtverdachtes, wird der Angeklagte sofort in Haft genommen. Sehr treffend schloß der Vorsitzende seine Urteilsbegründung gegen den kaum 20jährigen Angeklagten mit den Worten: Leider können wir Ihnen nicht jeden Morgen verabfolgen, was Ihnen fehlt.(Gemeint ist eine gehörige Tracht Prügel.) In der Verhandlung vorher hatte das gleiche Gericht gegen einen Fuhrknecht Theodor Brüggemann aus Telgte ebenfalls wegen Roheitsdeliktes verhandelt. Dieser Angeklagte war zu 3 Monaten Gefängnis verurteilt und hatte gegen die Strafe Berufung eingelegt. Er kam aber besser davon ab, als der Angeklagte in dem vorerwähnten Falle, weil der Staatsanwalt nicht ebenfalls Berufung eingelegt hatte. Bei dieser Verhandlung drehte es sich um folgenden Sachverhalt. Am 12. Juni 1927 waren mehrere Leute von Telgte zum Schützenfest nach der Gemeinde Vadrup gekommen. Der zuständige Landsägerbeamte hatte zur vorgeschriebenen Zeit in einer Wirtschaft Feierabend geboten. Die Festteilnehmer blieben aber vor dem Lokal stehen. Der Beamte, der mehrere der versammelten Leute als sehr streitlustig kannte, forderte sie auf. den Platz zu räumen. Bevor man noch dieser Aufforderung nachkam, erhielt der Landwirt Wittler mit einem Spazierstock einen derartigen Schlaa über den Kopf. daß er mit einer stark blutenden Wunde besinnungslos zusammenbrach. Als Täter wurde Brüggemann, der sich dann mit seinem Handstock auch gegen den Beamten wandte, ermittelt und in dem nachfolgenden Gerichtsverfahren zu 3 Monaten Gefängnis verurteilt. Er gab jetzt zu seiner Entschuldigung an. von dem Oberlandjäger mit der Schließtette geschlagen worden zu sein. Die Verhandlung ergab aber, daß der Oberlandjäger erst schlug, nachdem er angegriffen worden war. Der Vorsitzende bemerkte zu dieser Einlassung des Angeklagten: Es wäre in Zukunft zu wünschen, daß die Beamten sofort sich derart wehrten, daß anschließend der Sachverhalt leicht geklärt werden könnte. Wir haben in den letzten Jahren so viel Verluste an Landsägerbeamten, daß man wirklich nicht verlangen kann, daß die Beamten sich erst halb tot schlagen lassen, bevor sie zur Waffe greisen dürfen. Die Berufung des Angeklagten wird auf seine eigenen Kosten verworfen. Sie können froh sein, Angeklagter, daß die Staatsanwaltschaft keine Berufung eingelegt hat. Sie wären sofort hier geblieben und hätten bestimmt mit 1 Jahre Gefängnis rechnen können. Das Gericht wird dafür Sorge tragen, daß Ihnen auf keinem Fall eine Bewährungsfrist zugebilligt wird. Im Interesse der öffentlichen Sicherheit wäre es wünschenswert, wenn alle Gerichte bei Roheitsdelikten mit gleicher Sirenge vorgehen würden. Presinziele Nachrichten. Dortmund, 18. Juli. Eine großzügige neue Wohnsiedlung will die Stadt Dortmund in der Nähe des Grävingholzwaldes nach den preisgekrönten Entwürfen der Architekten B. D. A. Flerus& Konert errichten. Es steht ein Gelande von 170000 Quadratmeter zur Verfügung, das nach den neuesten städtedaulichen Grundsätzen mit Wohnstreßen, Grünflächen und Spieiplätzen erschlossen werden oll. Etwa 1200 Wohnungen in zweigeschossiger Bauweise sowie öffentliche Gebäude, Geschäftshäuser und Wirtschaften ollen zur Ausführung gelangen. Da sofort mit den Bauten begonnen werden soll, dürfte die Stadt Dortmund im nächsten Jahre eine der modernsten Wohnsiedlungen im Industriegebiet aufzuweisen haben. Zur Erlangung geeigneter Entwürfe hierzu, war unter Dortmunder Architekten ein Wettbewerb ausgeschrieben, wobei der Entwurf der obingenannten Architekten den 1. Preis erhtelt und die Ausführung übertragen wurde. E Koblenz, 17. Juli. Eine Wettfahrt zwischen Motorboot und Fern-D-Zug wird Fritz von Opel am Mittwoch gelegentlich der Rennen des Rheinischen Motoryachtklubs veranstalten. Er will zunächst den von ihm aufgestellten Weltgeschwindigkeitsrekord von 101 Klm. brechen und fährt zu diesem Zweck von Mainz rheinabwärts, auf der Höhe des Bahnhofs Porz bei Köln erwartet er dann den Fern=D=Zug und will diesen bis zur Hohenzollernbrücke in Köln, wo die Ankunft gegen 17.30 Uhr erfolgen wird, zu überholen suchen. Man sieht dieser Veranstaltung mit größter Spannung ent gegen. Sport. Ruderregatta in Münster. Die am kommenden Sonntag, den 22. d. M., stattfindende Ruderregatta wird bei der zahlreichen Beteiligung von auswärtigen Vereinen das größte wassersportliche Ereignis in diesem Jahre in Münster sein, haben doch nicht weniger als 15 Vereine mit 60 Booten und 349 Ruderern gemeldet. Ueber das Können der einzelnen Vereine läßt sich abschließendes noch nicht sagen; über das Können der drei münsterschen Rudervereine kann jeder sich selbst ein klares Bild machen, wenn er am Abend einen Spaziergang am Dortmund—Ems=Kanal zwischen der Brücke von der Woldeckerstraße bis zur Haverkämperbrücke macht. Die Rennstrecke defindet sich bei einer Bahnlänge von 2000 Metern zwischen Haverkämper und dem Bootshaus des Rudervereins Münster von 1882. Der Start befindet sich bei Haverkämversbrücke. Zugänge zu den Plätzen sind sowohl von der Kanalbrücke an der Woldeckerstraße, als auch von der Endstation der Straßenbahn durch die Bennostraße und von der Brücke an der Schillerstraße aus. Der erste Platz befindet sich an der Stadtseite. Programms werden zugleich als Eintrittskarten ausgegeben, sodaß jeder Besucher der Regatta, der eine Eintrittskarte löst, ohne weiteres auch in den Besitz eines Programms gelangt. Es werden 3 AchterRennen, 8 Vierer=Rennen und 1 Einer=Rennen gefahren. Zahlreiche Vorrennen werden bereits bei der großen Zahl der Teilnehmer am Samstagnachmittag um 4 Uhr und Sonntagvorm. ab 9 Uhr stattfinden müssen. Die zum Teil recht wertvollen Preise sind schon jetzt bei der Firma Kösters, hier, Salzstraße, ausgestellt. Deutsche Jugenbkraft. Kreis-Spiel= und Sportfest des Landkreises Münster. Das Kreis=Spiel= und Sportfest wird am Samstagabend durch eine Feier eingeleitet, in der der bekannte Jugendführer Pater Alexander die Weiyerede halten wird. Der vorjährige Bannerkampfsieger, die Realschule Telgte, wird in Padelbooten das Banner emsabwärts nach Greven überbringen, woselbst die Grevener Sportjugend im Schein der Fackeln die Auszeichnung in ihre Obhut nehmen wird. Unter den Veranstaltungen am Sonntagnachmittag wird das Auftreten des bekannten Reitervereins Greven besonderes Interesse wecken. Radmeisterschaft von Münster. Die Meisterschaftskämpfe um die Radmeisterschaft von Münster nahmen am Mittwochabend in Anwesenheit zahlreicher Zuschauer ihren Fortgang. Der in letzter Zeit abfallende Standhaft zeigte sich diesmal wieder in einer ausgezeichneten Verfassung; obgleich er von zahlreichen Reifenschäden betroffen wurde, gelang es ihm dennoch, zwei Rennen für sich zu entscheiden. Edeler und Heyen zeigten auch diesmal ihre gute Form; letzterer hält mit großem Vorsprung die Spitze in der Tabelle. Im Mannschaftsfahren über 25 Kilometer gelang es der Mannschaft EdelerBienhüls sämtlichen Paaren eine Runde abzunehmen. Die Ergebnisse des 15. Abends waren folgende: Mifapreis(Malfahren 800 Meter). In den Vorläufen siegten Heyen vor Fuchs; Niermann vor Stienemann; Standhaft vor Bienhüls. Endlauf: 1. Standhaft, 2. Heyen, Handbreite, 3. Niermann, Reifenstärke, 4. Bienhüls ½ Länge. Zeit 2:00,1. Kleines Malfahren(800 Meter). Für die Nichtplazierten des Mifapreises. 1. Edeler, 2. Grothues 1 Länge, 3. Stienemann ¾ Länge, 4. Jolk, Handbreite. Zeit 1:12. Nichtplaziert 5-Fahrer. Bolbrospreis(Prämienfahren 12 Runden). Jede zweite Runde Prämienkampf. 1. Edeler, 2. Heyen 20 Meter, 3. Lütteke II ½ Länge, 4. Ridder 1 Länge. Prämien gewinnen Hermannsen vor Heyen; Niermann vor Edeler; Grothues von Jolk; Bienhüls vor Edeler: Edeler vor Bienhüls. Zeit 7:43. Nichtplaziert 8 Fahrer. Reinholdpreis(Punktefahren über 12 Runden): Jede zweite Runde Wertung: diese gewinnen: Hermannsen vor Heyen, Bienhüls und Grothues; Edeler vor Heyen, Niermann und Fuchs: Standhaft vor Heyen, Edeler und Bienhüls; Standhaft vor Edeler, Heyen und Bienhüls; Bienhüls vor Standhaft, Heyen und Grothues; Niermann vor Grothues, Bienhüls und Hermannsen. Ergebnis: 1. und 2. Heyen und Standhaft je 13, 3. Bienhüls 11, 4. Hermannsen 10 Punkte. Zeit 8:02,1. Nichtplaziert 9 Fahrer. Mannschaftsfahren(25 Kilometer). Die Wertungen gewinnen: Standhaft vor Niermann, Edeler und Grothues; Niermann vor Grothues, Bienhüls und Alberti; Heyen vor Hermannsen, Bienhüls und Ridder. Gleich nach der ersten Wertung gehen Standhaft=Lütteke II davon und können dem Felde 200 Meter abnehmen. Nach einer Jagd von 10 Runden werden sie eingeholt. Nunmehr halten Bienhüls=Edeler ihre Zeit für gekommen und ziehen davon, es gelingt ihnen dem gesamten Felde eine Runde abzunehmen. Ergebnis: 1. Edeler=Bienhüls 26, eine Runde zurück: 2. Niermann=Heyen 55, 3. Grothues=Ridder 19, 4. Lütteke II=Standhaft 14 Punkte. Zeit 37:20,4. Einer=Verfolgungsrennen(15 Runden). 1. Heyen, 2. Edeler 90 Meter, 3. Niermann, 4. Bienhüls. Zeit 9:05,1. Nichtpl. 8 Fahrer. Stand der Meisterschaft. 1. Heyen 373½, 2. Edeler 256 1, 3. Bienhüls 218, 4. Niermann 188 1/8, 5. Standhaft 188 6. Grothues 136, 7. Stienemann 112, 8. Ridder 101, 9. Lütteke II 95½, 10. Jolk und Hermannsen je 95, 11. Nottbeck 82, 12. Brauer 63, 13. Kewe 54½, 14. Alberti 45, 15. Lütteke I 35½, 16. Jansing und Fuchs je 28½, 17. Gierse 25½, 18. Heitmann 17, 19. Feder 16, 20. Mertens 12 Pkt. Westdeutscher Rundfunk Münster i. W. Samstag, 21. Juli. 10.40: Arbeitsmarktberichte.D 13.05: en. O 17.30: Pro, Dr. Hale; Einfabrung Quarteti D=dur. S 19.20: solene Vergangenhelt: as##rergestalten aus Rheinland und WestDi. Hans Stein. m 19.45: W. Vollmer: Huut, Fünf Minuten über das Teleson. Nach d..0|15; vunger Abend. Einlage: um Sanduer### vem Flunsosischen von W. Meso. Spielleitung: Nunonc:.— Anschl.: Meldungen, Sportbericht. Nachtmusik und Tanz. Deutsche Welle. Sonnadend, 21. Juli. 6: Gomnastik. S 12: ie Schule: Mähren in Lied und Wort. 6 12.30:Uebertr. des 10. Deutschen Sängerbundesfestes in Wien. m 15: Sprechtechnik. S 16: Zentralinst. f. Erziehung und 16.30: Reichsbahnrat Dr. Couve: Versonalauswahl nach psychotechnischen Grundsätzen. v 17: Hamburg: Die Mozart= Serenade.# 18: Ob.=Jng. Kumbruch: Unfallverhütung in der eisenverarb. Industrie. 18.30: M. Vollmberg: Zwischen Kanada und Panama. 6 18.55: Dr. Hüne u. Joh. Straus: Das komische Element in der Klaviermusik. 19.20: Pros. Minde=Pouet: Goethe und das zeitgenössische Kunstschaffen. 19.50: Berlin: Dr. Adenauer: Willkommensgruß an die deutschen Turner. O 20.30: Sepiaspah P.p.: Ludwig Manfred Lommel, L##„##and.# Anschl.: Pleissnuchrichten. S 22.30: TanzAümn: naselte(bethard Hoifminn. Handeis-Nuchriomten. Devisenkürde. Berlin, 19. Jull.(Telegramm.) Telegraphische Auszahlungen für: Hollend Buenos Airen Brüssel-Antw Norwegen Dänemark Schweden Helsingfors Italien London New Vork Paris Schweiz Spanien Wien(abgest.) Prag Budapest Sofia Japan Rio de Janeiro Ingoslavien Danzig 168.46 1.765 58.275 111.82 111.92 112.08 10,527 21.935 20,356 4,1845 16.383 60.580 68,910 50.01 12.401 72.890 8.017 1.912 0.501 7.363 81.3230 168.80 1.769 44.505 112.04 112.14 112.30 10.547 21.975 20.396 4.1923 16.425 80.740 69.959 59.13 12.421 73.030 3.023 1.916 0.503 7.377 81.540 voriger Geld 1 Briet 196.50 1.766 68,40 111,82 111.92 112.05 10.530 21.930 20.352 4.1635 16.380 60.600 68.890 60.03 12,407 72.930 3.017 1.917 0.501 7.358 41.350 162.58 1.770 48.429 112.04 112.14 112.27 10.530 21.970 99.300 4.193. 16,420 80.760 69.030 69.15 12.427 13.070 5.023 1.921 0.503 7.372 81.540 Schlusskurse der Berliner Börse. Eigener Drahtbericht des Westiälischen Merkur. Stimmungsbild der Berliner Börss. Noch feste Tendenz. WTB. Berlin, 19. Juli.(Tel.) Außer einem recht festen New Vorker Börsenverlauf lagen für heute keine besonderen Anregungen vor. Im Vormittagsverkehr war die Tendenz immerhin noch ale fest zu bezeichnen, während man plötzlich vorbörslich schwächere Kurse nannte. Die Spekulation graulte mit einer eventuellen Londoner Diskenterhöhung und schritt zu Glattstellungen. In Wirklichkeit dörtten diese aber vorgenommen sein, da die für heute erwarteten neuen Kundenorders nicht in dem erhofften Umfange eingetreten waren und die Spekulation sich gestern etwas übernommen hatte. Dean obwohl der Diskont der Bank von England unverändert blieb, zeigten die ersten Notierungen keine einheitliche Tendenz. Nur für Spezialwerte bestand wieder kleines Kaufinteresse und so koanten unter anderen Polyphon, Schubert u. Salzer, L.adw. Loewe, Wicking Zement, Bemberg, Feldmühle, Sarotti, Man. Hütte usw., 4—7 Prozent gewinnen, während im allgemeinen die Veränderungen gegen den gestrigen Schluß nur gering waren. Das Geschäft war wieder viel ruhiger und das Fehlen neuer Orders machte sich im Verlaufe stärker fühlbar. Obwohl die Grundstimmung nicht unfreundlich wurde, gingen die Kurse zumeist um 1—2 Prozent zurück. Lebhafter wurden Commerzbank und Berl. Handelsges., Oberkoks, Schles. B.-Gas und sonstige Spezialwerte gehandelt. Bemerkenswert fest lagen noch im Verlaufe Maz. Hütte. Viel beschäftigt hat sich die heutige Börse mit einem angeblichen Beschluß einiger Banken, der sich jegen die Maklerschaft richtet. Es handelt sich um eine interne Börsen-Angelegenheit. Bisher wurde stillschweigend geduldet, daß die Makler ihre Ausgabe, wenn es nicht anders einzurichten war, bis zum nächsten Tage offen hielten. Hieria soll eine Aenderung eintreten, doch wurden uns von zuständiger Seite diese Gerüchte bestritten, so daß sich in der Praxis kaum etwas an den bestehenden Zuständen ändern därtte. Auleihen freundlich, Ausländer geschäftslos. Mezikaner schwächer. Russen weiter Zeiragt. Plandbriefmarkt still und eher leicht abgeDevisen sndebeten. Plund pod Mark international PKATSTHT Gerd Gutt KG Otto-Hahn-Straße 21 Postfach 410249 4400 Münster-Roxe A 9 A 2 N. Westsälischer Mertur. befestigt. Dollar echwächer. Geldmarkt wieder etwas leichter. Tagesgeld 6.3—8,5 Prosent, sonst unverändert.— Der Kassamarkt wies bei kleinem Geschäft überwiegend kleine Besserungen auf. Unter leichten Schwankungen änderte sich bis zum Schluß an der lustlosen Haltung der Börse nichts. Die Kursveränderungen blieben gering und gingen nur selten über 1 Progent gegen den Anlang nach oben bzw. unten binaus Die Tendenz neigte aber eher zur Schwächa. Bemberz schlossen 9 Prozent über Anlang. * Dollar-Anleihe der Gelsenkirchener Bertwerks A.-G. in Essen. Im Jahre 1926 hat bekanntlich die Rheia-Elbe-Union eine Aaleihe aufgenommen in Höhe von 25 Millionen Dollar. die dann später auf die Gelsenkirchener Bergwerks A.-G. überGegangen ist. Mit dieser Anleihe war ein Bezugsrecht von je 1000 Dollar Obligationen auf nom. 1000 RM. GelsenkirchenAAktien verbundes, die bis zum 1. Januar 1931 zum Parikure ausjeübt werden kann. Am 2. August wird die H.-V. der Gelvenbürchener Berzwerks A.-G. stattfinden, die über die Aussetluung von 8 Prozent Deridende beschließen wird. Das #eriganische Emissionshaus hat die Inhaber der Dollarbonds benachriebtigt, das Alejenigen Gelsenkirchen-Aktien, die bis 2. August 1928 auf Grund des Optionsrechtes bezogen würden, an der Dividendenzahlung für das am 31. März 1928 ab4eleufene Geschäftsjahr teilnehmen werden. * Flottmann A.-G. in Herne. Die Generalversammlung erdie Regularien, setzte die Dividende auf 4 Prozent fest emd gencämigte gleichtalls den Fusionsvertrat mit der Maschiserdabrik Westtalia“ A.-G., Gelsenkirchen. Gemäß dem Antrage der Verwaltung wurde beschiossen, das Grundkapital der Gesellschaft von 2.8 Mill. RM. um 744000 RM. neue, ab 1. Januar 1926 dividendenberechtigte Stammaktien zu erhöhen, die zum Umtausch gegen die Westfalia-Aktien dienen sollen. * 60jähriges Bestehen der Firma Sarotti. Am 22. Juli vollendet die Firma Sarotti ihr 60. Jahr als Unternehmen und begeht gleichzeitig das Jubiläum ihres fünfundzwanzigjährigen Bestehens als Aktiengesellschaft. Die Gesellschaft berichtet zu diesem Tage über ihre Geschichte in einer Festschrift und sicht im übrigen von Feierlichkeiten ab. Sie glaubt mit Rückeicht auf die wirtschaftlichen Zeitverhältnisse den Tag angemessen dadurch feiern zu sollen, daß sie ihrer Belegschaft einen arbeitstreien Wochentag gewährt und ein Wocheneinkommen als Spende zahlt. Magdeburger Zucker. WTB. Magdeburg, 19. Juli.(Tel.) Innerhalb 10 Tagen 25,62½—25,87½—26; Juli 26; Aug. 25.87½. Tendenz: ruhig. Wetter: kühl und trübe. Stimmungsbild vom Berliner Estreidemerkt. Schwache Grundtendenz. WTB. Berlin, 19. Juli.(Tel.) Im Einklang mit der schwachen Haltung der Uebersee-Terminbörsen waren die Offerten für Auslandsgetreide erheblich ermäßigt. Vom Verlauf des Liverpooler Marktes lagen gleichfalls flaue Meldungen vor, sodaß die Grundtendenr der heutigen Produktenbörse weiter schwach war. Vom Inlande wurde Brotgetreide alter Ernte weiter über Bedarf angeboten, die Preise waren erneut rückfängig. Für Roggen neuer Ernte ist das Angebot auch aus der Mark etwas kleiner geworden, da in den letzten Tagen vereinzelt niedergegangene Regenfälle die Verkäufer zur Zurückhaltung veranlassen. Das Mehlgeschäft hat sich nicht gebessert, die Verkäufer sind zu Preisnachlässen bereit. Hafer zeigt eine geringe Besserung, das Hauptinteresse beschränkt sich jedoch auf sehr gute Qualitäten. Die Perise für Wintergerste eind unverändert, das Geschäft blieb klein. Am Lieferungsmarkt war Weizen recht schwach, es ergaben sich Einbußen bis zu 2.73 Mark. Roggen war in den Herbstsichten gleichfalls rückgängig. für Juliroggen bestand einige Deckungsnachfrage, sodaß die Notiz um 1 Mark erhöht wurde. Die zu heute angedienten 30 Tonnen Weizen wurden als kontraktlich erklärt. Amtlichs Berliner Produktenpreise. WTB, Berlin, 19. Juli.(Tel.) Weizen, märk. 246—248, Juli 256, Sept. 254,75—255, Okt. 255. Dez. 257,75, matt; Roßgen, märk. 256—259, Juli 268—270, Sept. 243.5—244—243.75, Okt. 244—244,5—244.75, Der. 245.75, unregelmäßig; neue Wintergerste 206—215, ruhig: Hafer, märk. 239—250, Juli 254—254,75, Sept. 218, etwas fester; Mais, loco Berlin 250—253, still; Welzenmehl 30.25—33,75, ruhig: Roggenmehl 34.6—36,75, ruhig; Weizenkleie 15, ruhig; Melasse 15,9—16,1; Roggenkleie 17, ruhig: Raps 320; Viktoriaerbsen 45—60; kleine Speiseerbsen 35 bis 40; Futtererbsen 25—27; Peluschken 27—29; Ackerbohnen 24—26; Wicken 27—30; Lupinen, blaue 14—15.5; Lupinen, gelbe 16—17; Rapskuchen 19—19,2; Leinkuchen 23.2—23,8; Trockenschnitzel 17.25; Soyaschrot 20.9—21,9; Kartoffelflocken 25.5 bis 25.8; Speisekartoffeln, Erstlinge 5.50—6,00; Kaiserkronen 4.50 bis 5.00; Magdeb. Blaue 5,00—5.50. Allgemeine Tendenz: stetig. bis 49, c) 38—43, d) 30—37; Kälber: b) 72—76, c) 65—71, d) 50 bis 64; Schweine: a) 63—65, b) 61—62, c) 59—60; Sauen: 53 bie 60. Marktverlauf: Großvich langsam, Kälber mittel, Schweine sehr langsam, ausgesuchte Schweine über Notiz. Nächster Markt 26. Juli 1928. * H a m b u r g e r R i n d e r- u n d S c h a f m a r k t v o m 1 9. J u l i.( T e l.) Auftrieb: 219 Ochsen, 157 Quienen, 248 Bullen, 292 Kühe, 120 Stallmastschafe, 1127 Weidemastschafe. Preise: Ochsen und Färsen(Quienen): a) 57—60, b) 48—55, c) 39—47. d) 30—38; Bullen: a) 48—52, b) 44—47, c) 38—43, d) 28—37; Kühe: a) 46 bis 30. b) 38—44, c) 26—36, d) 15—25; Weidemastschafe: a) 58 bis 60. b) 50—54, c) 40—45, d) 18—30. Der Handel war ruhig. Vishmärkts. * Osnabrücker Schlachtviehmarkt vom 19. Juli.(Tel.) Auftrieb: 41 Stück Großvich, 117 Kälber, 262 Schweine. Preise: Bullen: a) 52—53, b) 48—51, c) 38—44; Kühe: a) 50—53, b) 44 Baumwolls-Hotierungen. Bremen, 19. Juli.(Eig. Ber.)I 19. 7.I 16. 7. Middling Universal Standard 4½ Uhr 6½ Uhr 82 Millimeter loco: /23,88 Dollarcente 23.67 Dollarcents Liverpool, 10. Juli. (Kabel-Meldung.) Amerihan, middlinz Juli Oktober Desember Januar März 18.7. Ank. 11.61 11.20 11.09 11.09 11.08 New Fork, 19. Juli.(Durch Funkspruch.) Amerikanische Produktenpreiss. Chleago, 19. Juli.(Telegr.) Getreide. Schlußpreise. Weizen Juli " Sept. " Dez. Mais Juli " Sept. " Dez. 19.7./18.7. 47⅝ 46¼ 40 ¼ 40¼ 45 43¼ 102¼ 105½ 103¼ 105½ 104⅛ 107½ Hauptredakteur: Theodor Warnecke. Verantwortlich für den politischen Teil: Th. Waruecke: für Handel, Lokales und Provinzielles: Dr. Haus Kock; für Feuilleton, Kunst und Wissenschaft: IDr. Heinz Bause; für Anzeigen u. Reklamen: Max Peutes. sämtlich in Münster. Freitag, 29. Juli 1928. Für die Bohnenzert empfeble 1. trockenen westfälischen Rundschnittschinken 1 Psd. Mr. 1.60 Gekochten und rohen Schinken im u. Schinkenspeck geschnitten Prima geräucherter magerer Delikateßzspeck Geräucherte Schweinsbacke. Ferner blete an: z. Kleinfleisch täglich frisch Psd. 25 Pig. Eriche Schweineschwarten 1 Pfd. 20 Pfg. 1 Partie Zervelatwurst nach Rügenwalder Art1 Pfd. Mk. 1.80 1 Partie Plockwurst 1 Pfd. Mr. 1.60 Anton=Beckwih Fleischwarenfabrik Münster l. W. Bült 7—13. Teleson S 21041 Städtisches Orchester Rünster i. W. Leitung: Werner Göhre Freitag, 20. Juli abends 20 Uhr Solist: Emil Höfer(Waldhorn) Sonntag, 22. Juli vorm. 11 Uhr Frühkonzert abends 20 Uhr Lorting-Abend Solist: Anton Imkamp(Baß) Eintrittskarten 40 Pfennig. Zehnerkarten 3.— Mk. Dis Stells des Chelarzies verbunden mit der Chefarztstelle der Inneren Abteilung des Krankenhauses St. Josephstift in Bremen(400 Betten, davon 120 Betten der inneren Abteilung) ist auf den 1. Januar 1929 neu zu besetzen. Reflektiert wird auf einen namhaften Kliniker, katholischer Konfession, mit langjähriger Ausbildung und Erfahrung. Professoren von Fach werden bevorzugt. Konsultative und Sprechstundenpraxis gestattet, desgleichen Liquidationsbefugnis in 1. und 2. Klasse. Pensionsberechtigung gewährleistet. 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Unmittelbar danach wird das Räderwerk seiner Organisationsmaschine, eine raffinierte Präcisionsarbeit moderner Technik, zu laufen beginnen: der verwickelte Riesenknäuel von Menschen, Tieren und Material, der nach dem Hindenburgplatz rollt, wird sich binnen wenigen Stunden entwirren zu einem seinmaschigen Getriebe von gewaltigen Dimensionen— Münster wird die größte Zeitstadt, die Deutschland je kennen lernte, fix und fertig aufgebaut in seinen Mauern haben! Am selben Abend wird GLEICH noch imstande sein, den aufsehenerregenden Beweis dafür zu erbringen, daß er unerreicht und unvergleichlich ist, Sonnabend, den 21. Juli cr., wird er zum ersten Male PUNKT 8 UHR ABENDS seine Festspiele zeigen, die in mehr als 3 Stunden Spieldauer eine Fülle von Spitzenleistungen circensischer Kunst bringen, wie sie noch niemals gezeigt wurden! Tollkühne LUFTAKROBATEN mit noch nirgends gezeigten Tricks werden in der schwindelnd hohen Circuskuppel durcheinanderwirbeln, daß den Zwölftausend der Atem stockt.— TSCHERKESSEN- und KOSAKEN-PATROUILLEN werden in verwegenen Reiterspielen durch die Rennbahn jagen, in wilden Reiterspielen, das blitzende Messer zwischen den Zähnen, den Säbel in der Faust, und werden erstaunliche Reit- und Schießkünste und heimatliche Sitten und Gebräuche zeigen.— Einen anerkannten WELTREKORD DER DRESSUR wird man sehen, der 50 edelste Zuchtpferde in einem Akt vereinigt.— Die HOHE SCHULE wird die besten Reiter ihrer Art auf erlesenstem Zuchtmaterial zeigen.— LOEWEN-, TIGER- und EISBAERENGRUPPEN, bis zu 50 Exemplare, werden untertan sein dem eisernen Blick und stahlharten Willen unerschrockener Meisterdompteure.— INDIANER und COWBOYS werden wilde Kämpfe und Lassokünste, das Zähmen und Einfangen ungebändigter Präriepferde und exotische Kriegsspiele vorführen, die in uns wachrufen die Erinnerung an die Träume goldener Jugendzeiten.— Die teuerste und gewagteste Sensation, die tollkühnes Artistentum je ersann: DAS LEBENDE CESCHUSS wird die letzte Grenze unfaßbaren Wagemutes erreichen— ein lebender Mensch läßt sich hier 20 Meter hoch und 60 Meter weit aus einer 60 Zentner schweren Riesenkanone frei durch die Luft schießen, während des Fluges sich überschlagend— ein wahrer Verächter des Todes, ein physisches Phänomen!— Ein BALLETT, Jugend, Grazie und Schönheit atmend, wird zu Beifallsorkanen hinreißen mit neuen Tanzschöpfungen, wahren Orgien in Licht und Farben.— Eine ELEFANTENHERDE wird trompetend einziehen und die tonnenschweren Kolosse werden sich produzieren als erstaunliche Jongleure und Balanceure.— HOCH- und WEITSPRUNG-KONKURRENZEN, FLACH-, WAGEN. und TRABER-RENNEN, nur möglich in CLEICH'S Riesenrennbahn, erschließen zum ersten Male die Manege dem Sport.— Eine zweite artistische Sensation: DIETUDESFRHRT IN RODELSCHLITTEN nicht minder tollkühn als die andere, zeigt nordische SchlittenVirtuosen, die auf Rodeln 20 Meter weit frei durch die Luft fliegen, in der Flugbahn Saltos drehend und an schwebenden Trapezen sich fangend.— RIFKABYLEN werden in unglaublichen Pirouetten durch die Rennbahn wirbeln.— ARABER phänomenale Kräfte zeigen in Pyramidenbauten aus menschlichen Leibern.— KUNSTSCHUETZEN werden zittern lassen für das Leben junger Mädchen, denen sie winzige Ziele von Kopf und Mund schießen.— SEELOEWEN werden sich erweisen als verblüffende Jongleure— unmöglich, noch mehr aufzuzählen!— Alles zusammen aber: Menschen und Tiere aus allen Zonen und aus allen Erdteilen werden sich vereinen zu einem Schauspiele von unwiderstehlich zwingendem Reiz zur REVUE DER TAUSEND WUNDER DER WELT! RENINPTAEEE! GLEICH gibt die Möglichkeit, daß Alle kommen und ihn kennen lernen können! Er ist der Circus der Rekorde, er hält auch den Rekord der Billigkeit: es ist ein SITZPLATZ SCHON FUR SOPFENNIGE zu haben!— Besonders freudige Gesichter aber will GLEICH am Eröffnungsabend sehen; darum gewährt er an diesem Tage Arbeitslosen, Kleinrentnern und Kriegsverletzten halbe Preise gegen Vorzeigung des Ausweises.— VORSTELLUNGEN täglich 8 Uhr abends, SONNTAG AUCH 3 UHR HHCHMITTAUS mit dem vollen Abendprogramm bei halben Preisen für Kinder.— Der 200L0GISCHE GARTEN mit über 600 der seltensten Tiere ist täglich von 9 Uhr vormittags bis 7 Uhr abends geöffnet, während der ganzen Zeit Fütterungen, Dressur- und Artistenproben usw.— FREIKONZERTE: Sonntags 10—12, 2—3, 7—8, an den übrigen Tagen 10—12, 4—6, 7—8 am Circus.— FAHRRAD- und AUTO. EINSTELLUNG,— VERBINDUNGEN nach allen Richtungen, ab 9 Uhr vorm, ununterbrochen an 10 Circuskassen, sowie Zigarrenhatte Engelkamp, Münster, Prinzipalmarkt, Telephon 21 992. REUS APUPEDTT NUNSTER- HINDE RGPLATZ- TEL. 20000 II P RESSNA Wochenprogramm 21. bis 29. Juli 1929 Sonnabend, den 21. Juli 1929 Dombeleuchtung u. Festbeleuchtung d. Unken Rheiaulers ab 22 Uhr. Sonntas, den 22. Juli 1929 Kath. Sonderschau: Konzert 11.30 Uhr. Evang. Soaderschau: Konzert d. Bachvereins Dortmund 19.30 Uhr. Kölner Motorsport-Club: Motorradturnler a. Platz zwischen Staatenhaus u. Parkhaus 17. UhrDienstas, den 24. Juli 1929 Besuch der Ausstelluns durch die Telluehmer des Deutschen Turnfestes. 17—18 Uhr: Elatrellen der Rheinstromstaffelsch wimmer Basel-Köla a. d. Rbeid v. d. Ausstellungszelände. Begrüßung durch d. rhein, Tarnerschwimmer a. d. Festwiese. Mittwoch, den 24, Jun 1920 20 Uhr: Begrüßungsteler der D. T. I. d. Groß. Halld und Aufführ. d. Festspieles: Feuer am Rheis. 22.20 Uhr: Begrüßnug der Turner durch einen Studenten fackelzux a. d. Ausstellungsgelände. Zusammenwertet der Fackeln a. d. Festeiese. 23 Uhr: Gr. Feuerwers a. d. Festwiese. Donserstag, den 26. Juni 1924 20 Uhr: Pestabend der D. T. in der Groß. Halle mit Aufführung des Festapieles: Peuer am Rhein. 22.30 Uhr: Nach Schluß des Festabends Ausgabe von Fackeln a. Lamplons an die Besucher d. Ausstöllung. Fackelzux durch des festlich beleuchteten Rbeinparn# Zusammenwerten der Fackeln auf der Festwiese. Freitas, den 27. Juli 1920 21 Uhr: Festabend der D. T. in der Groß. Halle und Aufführung d. Festspieles: Feuer am Rhein. 22 Ubr: Dombeleuchtung und festliche Beleuchtung d. linken Rheinuters. Sonnabend, den 28. Juli 1924 18 Uhr: Auffahrt von Booten der Ruderer-, Seglerund Kannverbände auf dem Rheis vor dem Ausstellungsgelände. 19.30 Uhr: Elntreflen d. Stromschwimmer der D. T. vor dem Ausstellungszelände. Berr##Bung d. Sieger a. d. Festwiese(Nordteil). 22 Uhrt Elntrellen d. Fackelzuges v. 6000 Turnern am Rheie u. Einzug I. d. Pressa. Zusammenwerfen d. Fackele a. d. Festwiese m. groß. Zanienstreich. Nach Beendig gung des Fackelauges Prachtleuerwerk a. d. F3s% wiese. Sonntas, den 29. Juli Dombeleuchtung u. festl. Beleuchtung d. Unk. Rheis alers. Täglich: Konzerte d. Ausstellungs-Orchesters. Festbelguchtung d. Ausstellungsseländes u. d. Hohenzollernbrücke. Spiel d. Leuchtlos# täne 22 Uhr. Führungen. Sonderveranstaltungen. Großer Vergnügunge park. Intern. Weindort. Auistlege des Pressa-Fesselballons. Autopart nlatz im Gelände. 3 K WVOTPEN Schuuze&a Wehmann Münster i. W. Ludgeristraße 79(Ecke Marievengasse) — Spezialgeschäft Tapeten, Linoleum Wachstuch Fernsprecher 25 300 WandspannLäufer„ Vorlagen„ Matten Reparaturen preiswert. sachgemäß u. echnell In dringenden Fällen Fertigstellung Innerhalb 24 Stunden Auf Wunech Abholung&u Lieferung SINGER NÄHMASCHINEN AKTIENGESELLSCHANT Salon Biersen. Hinkes. 2el. 3220. Salzstraße 46 Münster i. W. Telephon 22783 Bestellungen werden auch durch unsere örtlichen Vertreter entaggengenommen. Die Unterhättung„““#ens des Weitsalischen wielim Kechaltratt.x 1928 Freitag, den 20. Juli Nummer 180 Kleine Dinge. Von M. Herbert. Die nachfolgende Skizze entnehmen wir dem ausgezeichneten Büchlein„Vom Leben in uns und in anderen“(Tyrolia, Innsbruck). Wir können nicht alle Himmelsstürmer, Weltumroder oder Entdecker von Neuland sein, alle aber sind wir berusen, an der Vervollkommnung des Lebens mitzuarbeiten. Sei unsere Kraft noch so gering— sie ist ein Baustein Gottes. Wir wissen, daß aus dem Kleinen das Große erwächst und daß die gewaltigen Kathedralen des Mittelalters nicht bloß aus den Schenkungen der Kaiser und Könige, sondern auch aus dem Scherflein der Witwe erwuchsen. Wir sind vielleicht in einen engen Kreis gestellt, der die Lösung kleiner Aufgaben von uns fordert!. Dinge des Alltags, der Selbstverständlichkeit, welche Jugend leicht verachtet und gering einschätzt, weil kein Glanz des Heldentums, kein blendender Ruhm, keine tönende Ehre an ihre leisen Fußstapfen sich heftet, weil es keines gewaltigen Aufschwunges zu bedürfen scheint, ihnen gerecht zu werden. Junge Menschen, welche in sich den Drang nach dem Großen, Weiten, Außergewöhnlichen spüren, meinen wohl, mit diesem Sturm in der Brust dürften sie nicht im Joch der Alltagspflicht gehen. Das ist gewöhnlich ein Irrtum, oft die Folge aufreizender Lektüre. Es gibt freilich Ausnahmenaturen, besonders Berufene, ausgesprochen stark Begabte, für die es Sünde wäre, dem Aufgebot zum Kampf um eine Kunst oder ein Studium nicht zu folgen, in ihnen redet das Bewußtsein ihrer Begabung so laut, daß es alle leiseren Stimmen übertönt. Von diesen Genialen, deren Pflicht gegen sich selbst mit der Pflicht gegen, die Allgemeinheit zusammenfällt, muß ich hier absehen. Ihnen sind keine Grenzen gezogen. Sie müssen Vater und Mutter verlassen wie der Ordensmann, um ihrer Berufung ein ungeteiltes Herz zu sichern. Wiewohl der Wert des Kleinen und Unscheinbaren für alle gilt, so will ich doch nur von denen reden, die in ein Gebiet häuslicher Pflicht gebannt, ihr verborgenes Leben leben und erleiden und dazu bestimmt sind, aus diesem Eigenleben heraus andern Trost, Hilfe und Beglückung iu sein. Sie sind die unbekannten Heiligen dienenden Opferlebens, Schatzhüter des Volkes, Pfleger ihrer innerlichsten Kraft, Wundertäter, von denen niemand spricht. Es ist herrlich, durch solche stille Dienstbereitschaft auch nur einem einzigen Menschen das schwere Dasein leicht, froh und lebenswert zu machen, um seinetwillen den nimmerrastenden Kampf mit den Dingen des Alltags auf sich zu nehmen, um seinetwillen der Hydra der Gewöhnlichkeit und Häßlichkeit, des Lärmes und des Staubes, der niederen Sorge die tausend Köpfe abzuschlagen, sich in die Bresche zu werfen, damit ein anderer lächeln, gedeihen und schaffen könne. Wunderbar reich danken die kleinen Dinge ihren treuen Beachtern. „Auf leichten Schwingen tragen kleine Dinge deine Seele dem Himmel zu.“ So lautet eine englische Verszeile und Spitta sagt ebenso eindringlich als wahr: „O sage nicht: in großen Proben Will ich wohl treu vor dir bestehn! Das hörst du Petrum auch geloben Und mußt ihn dennoch weinen sehn. Drum lerne recht die Treu im Kleinen. In kleinen Dingen übe dich. Sonst wirst du bald wie Petrus weinen Um große Untreu bitterlich.“ Besonders die Summe häuslichen Glückes und innigen Geborgenseins im Schoße des eigenen Heims baut sich aus den tausend Kleinigkeiten auf, welche Zeugnis von der grohen Liebe getreuer Sorgfalt geben. Wer eine Heimat so gestalten will, daß die Familienglieder nirgends lieber sind als hier— nirgends mehr Freude. Erholung und Verständnis für ihre Röten und Bebürfnisse finden, hat damit vom frühen Morgen bis zum päten Abend zu tun. Das Heim soll voll Lust und Sonne, voll guter Luft und frischer Farbe sein. Es soll strahlen von Sauberkeit, Helligkeit und Wärme. Es mag einfach und prunklos sein, aber die blühende Blume, das gute Buch, das edle Bild dürfen nicht fehlen. Beileibe kein unkünstlerischer Schmuck— keine verstaubten Gipsköpfe, keine Gläser mit gemachten Pflanzen, keine bunten Fetzen, keine Oeldrucke. Nichts, das etwas sein will, das es nun einmal nicht ist. Hier beginnt das Reich des Großen, das im Kleinen liegt, bier auch die Mission, schon im heranwachsenden Kinde dem Geschmack zu bilden, so daß es beim Eintritt in die Weite des Lebens sofort das Echte vom Unechten unterschelde. Auch das Kapitel weiser Sparsamkeit will hier angeschnitten sein. Es llegt mehr schöne Lebenslust darin, mit kleinen Mitteln viel auszurichten, als mit Großem schlecht auskommen. Und dennoch nie das Wort vergessen: Sparsamkeit tut Wunder, Gelz macht sie zunichte. Eine der wichtigsten kleinen Pflichten ist die so oft nicht besorgte Vorbereitung für die Bedürfnisse des nächsten Tages, damit nichts sich stoße und dränge, keine Unruhe das Gleichgewicht störe. Ebenso bedarf es der Kraft und Energie, daß die Pünktlichkeit der Mahlzeiten eingehalten werde, daß die Uhren richtig gehen und die Dinge an ihren Plätzen zu finden sind, daß Auffrischungen zur rechten Zeit unternommen werden. Wenn häusliche Arbeiten ohne Aufdringlichkeit als das Selbstverständliche im Verborgenen geschehen, so ist das der Prüfstein dafür, daß die Leiterin des Hauswesens über die kleinen Dinge gesiegt hat. Ihr Heim hat dann das Feiertägige, Friedliche, für das sie mit all ihrer Ausopferung nicht zu teuer zahlte. Haifang in der Südsee. Uns wird geschrieben: Gibt es eine spannendere Jagd als die Jagd auf Tieffee=Fische? Wir steuern an Klippen vorbei, die jäh aus dem Meer ragen und verlassen die Bucht von Whangarog. Whangaroa ist ein kleiner Fischplatz auf Neu=Seeland. Es ist früh am Tag. Die Dünung bricht durch die vielen Felseinschnitte und spült in langen Schaumstreifen gegen den flachen Strand. Unser Boot, ein halbgedecktes, etwa 5 Meter langes Fahrzeug, kommt gut voran. Jams, der Fischerknecht am Ruder, steuert einer Stelle zu, wo über den lichtblauen Wogen eine weiße Wolke schwebt. Das sind Myriaden von Seevögeln. Hier draußen ist das Meer voller Leben. Unzählige Fischschwärme ziehen dicht unter der Oberfläche und werden bisweilen aus dem Wasser gepreßt, daß ihre Schuppen im Sonnenlicht aufglänzen. Hierauf warten die meisten Räuber, stürzen sich auf die Beute und entführen den Fang zu den Restern in den Felsnischen. Wir füllen bereitstehende Körbe mit Fischen, die wir als Köder für den Hai= oder Schwertfisch benötigen, halten dann ab von der Küste, um dann nach einigen Meilen den Motor abzustoppen und die Geräte für den nun bevorstehenden Fang zurecht zu legen. Zwei Angeln werden ausgelegt. Die eine versinkt in der Tiefe, während die andere durch einen roten Ballon dicht unter der Oberfläche gehalten wird. Brise und Strom treiben das Boot langsam voraus. Mit einem Mal versinkt der rote Ballon. Der Hai scheint nicht hungrig zu sein, denn er geht mit großer Vorsicht an den Köder. Dann verschwindet der Hai.„Der kommt wieder.“ sagt der Alte im Boot,„wird wohl schon zu Mittag gespeist haben und will sich setzt ausruhen.“ Das Boot glüht in der Mittagshitze. Nun ist der Hai wieder da. Nicht mehr vorsichtig macht er sich am Köder zu schaffen. Wir fühlen einen scharfen Ruck. Die Leine spannt sich. Der Knecht wirft den Motor an und mit größter Fahrt folgt das Boot dem Hai. Der Fisch steuert hinaus auf die offene See, und die Leine ist zum Brechen gespannt. „Muß ein großer Bursche sein,“ sagt der Alte und läßt den Motor mit noch mehr Umdrehungen lausen. Ein Eingeborener, der bisher den Kopf zwischen den braunen Knieen am Vorschiff gesessen, ist mit einem Mal ganz wach, steht aufgereckt da, hält mit seinen schlanken, knochigen Fingern die Angelleine umspannt und schaut aus brennenden Augen voraus. Das Boot folgt jeder Bewegung des Fisches. Es ist eine wilde Fahrt. Dann wird die Leine schlapp. Der Fischleib taucht auf. Ein Riesenhai. Er schlägt wild um sich, sodaß hohe Wasserkaskaden aufsprühen. Wir holen die Leine immer mehr ein, bis das Boot dem Hai auf wenige Meter herankommt. Es gilt, dem gefährlichen Schlag des Schwanzes auszuweichen. Es ist vorgekommen, daß der Hai mit einem einzigen Schlag das Boot zerspaltet. Durch die Luft saust die Harpune und bohrt sich tief in das Untier. Hoch bäumt sich der Fisch auf, sucht zu fliehen, sucht den Gegner, windet sich im Todeskampf, daß das blutrote Wasser ringsum zu kochen scheint. Taue werden um seinen Leib geschlungen und der Fisch längseit gezogen.„Gib acht,“ sagt der Alte,„tot ist er noch nicht, man kann einem Hai nicht eher vertrauen, als bis man ihn an Land hat.“ Die Warnung kommt zu rechter Zeit, denn kaum habe ich mich der Beute genähert, versetzt der Fisch einen gewaltigen Schlag mit der Schwanzflosse, daß das Boot heftig erschüttert wird und ins Schwanken gerät. Wir steuern nun wieder in die Bucht von Whangaroa. Europäer und Eingeborene kommen aus ihren Hütten binunter zum Landungsplatz. Am Abend sitzen wir auf der Veranda des Hotels. Unsere Beute ist ein Rekordfang, über fünfhundert Pfund. Als Trophäe erhalte ich zum Andenken die großen Augen, die bald weiß und hart werden wie Kalt. Mehrere Sportfischer, Angehörige verschiedener Nationen, sind auf dem Balkon versammelt. Die Ereignisse des Tages werden mehr oder weniger wahr aufgetischt. Es ist merkwürdig, wenn Fischer beisammen sind, will jeder immer den größten Fisch der Südsee heimgebracht haben. Walter Grieg. De Pimuscheed. Eine Geschichte aus dem Orient von Bernhard Rehse. Ihr Frauen, die Ihr dieses von Buchstaben verdunkelte Stück Papier mit dem hellen Glanz Euerer Augen beglückt, zürnt mir nicht, wenn ich in meiner bescheidenen Erzählung von einer Euerer Schwestern ein Bild entwerse, das nicht Euer Wohlgefallen findet. Bedenkt: die Tugenden einer jeden von Euch, die Ihr der Schwester, die ich Euch hier zeige, so unähnlich seid, werden umso heller in den Augen Euerer Ehegatten erscheinen, je dunkler ich das Bild jener male, die das Lob der Männer nicht verdient. In jenen fernen Tagen, als der große Kalif durch die Straßen von Bagdad wandelte, lebte in dieser glücklichen Stadt die schöne Frau Dilara. Allah hatte ihr kein schönes Lebenslos beschieden. Denn kaum daß sie ein Jahr mit Abdullah, dem reichen Kaufherrn, vermählt war, hatte das Unglück sie heimgesucht. Mit einer Karawane von 80 Kamelen war Abdullah die Straße nach Westen gezogen, um in der Stadt am Meere seine Güter an die Fremden zu verhandeln. Aber nur Selim, der Verwalter, war mit wenigen Dienern zurückgekehrt. In der Wüste hatten Räuber die reiche Karawane überfallen. In der Verteidigung seiner Güter hatte Abdullah den Tod gefunden. Nur 30 Kamellasten hatte Selim, der auf Abdullahs Befehl die Flucht ergriffen hatte, aus dem Verderben gerettet. Doch Dilaras Witwenschmerz schien nicht allzutief zu gehen. Gar bald sah man sie wieder in den kühlen Straßen des großen Bazars einherwandeln. Unter dem Daschmak, dem Gesichtsschleier, funkelten ihre Sammetaugen hervor, und dem wiegenden Gang ihrer geschmeidigen Glieder blickten begehrliche Männeraugen nach. Selim verwaltete schlecht und recht das zusammengeschmolzene Vermögen. Aber die Herrin lebte, als ob die Hälfte der Schätze des Kalifen ihr Eigentum wäre, und kaufte wahllos, was ihren schönen Augen gefiel. So mehrten sich die Gläubiger von Tag zu Tag. Bei einer Verhandlung, die die schöne Witwe mit Kuluf, dem wohlhabenden Kaufmann, über die Schuldsumme führte, die er einzutreiben gekommen war, geschah es, daß der Daschmak von ihrem Haupte herunterglitt. Da entbrannte Kulufs Herz in heißer Liebe zu der Unverhüllten. Er führte sie als seine Gattin in sein Haus und dünkte sich den Seligen gleich in den sieben Himmeln. Doch allzubald schmeckte ihm der Trank der süßen Freude bitterer denn Wermut. Der tote Abdullah wurde in seinem Hause lebendig. Täglich stellte Frau Dilara ihn neben ihn und pries ihn als einen Ausbund aller Tugenden. Was Kuluf auch tat: Abdullah hatte es besser gemacht. Von Tag zu Tag mehrte er glücklich seinen Besitz. Aber was verstand Kuluf von Geschäften im Vergleich zu Abdullah? Wenn er von der Reise heimkehrte und seiner Frau die herrlichsten Geschenke mitbrachte, die der Lieblingsfrau des Großveziers würdig gewesen wären: Abdullah hatte kostbarere heimgebracht. In einer Kette von Qualen liefen ihm die Tage und Nächte hin. Denn er liebte die Frau, die ihn zwang, täglich mit einem Phantom zu kämpfen, das aus jedem Kampfe stärker hervorging. Da verzweifelte er daran, den toten Abdullah zu überwinden. Und da er die Liebe zu Dilara in seinem Herzen nicht zu töten vermochte, so beschloß er, ihr und Abdullah zu entfliehen. Die Hälfte seiner Güter verpackte er auf seine Kamele und zog die Straße gegen Westen, um in der Stadt am Meere seine Güter an die Fremden zu verhandeln. Aber nur Selim kehrte von dieser Reise mit wenigen Dienern in das Haus Dilaras zurück. Der Herrin berichtete er, daß Kuluf das gleiche Geschick getroffen habe, wie einst Abdullah. Die Karawane sei in die Hände der Räuber gefallen und Kuluf habe nach tapferer Verteidigung den Tod gefunden. Die hereinbrechende Nacht habe ihn und die Diener vor dem Verderben gerettet. Während Dilara sich neue Witwenkleider anfertigen ließ, zog Kuluf mit der wohlerhaltenen Karawane, für die er neue Diener angeworden haide, wetten nach Westen. 5# der Stadt am Meere nahm er einen fremden Ramen an, detrieb eifrig den Handel, un Liebe zu der schönen Dilara zu vergessen. Doch den Handel, und versuchte in den Gesch isten die Liebe zu der schönen Dilara zu vergessen.„Doch die Sehnsucht brannte weiter in seinem Herzen. Und nur die Erinnerung an den toten Abdullah hielt ihn ab, nach Bagdad in die Arme der grausamen Geliebten zurückzukehren. So gingen glücklos seine Tage dahin. Da fügte es Allah, daß er in einer Karawanserei, die auf dem Wege nach Aegypten lag, sein Lager neben einem Manne aufschlug, der mit seiner Karawane aus Bagdad gekommen war. In der Nacht hörte er ihn im Schlafe seufzen und stöhnen und immer wieder den Namen Dilara ausrufen. Da setzte sich Kuluf an sein Lager, weckte ihn auf und fragte ihn, was ihm solchen Kummer bereite. Erfreut, einen teilnehmenden Freund gefunden zu haben, dem er sich anvertrauen konnte, erzählte ihm der Fremde, der sich Machmed nannte, die Ursache seiner Leiden. Da erfuhr Kuluf sein eigenes Schicksal. Machmed hatto die schöne Dilara als seine Gattin heimgeführt. Aber sein Glück war bald an einem Toten gestorben. Nur daß der Tote nicht Abdullah sondern Kuluf hieß. Um seiner hoffnungslosen Liebe und dem toten Kuluf zu entrinnen, wollte Machmed bis an die Grenzen der Erde wandern. Selim aber sollte heimkehren und seinen Tod verkünden. Diese Botschaft erfüllte Kulufs Herz mit großer Freude. Abdullatz war im Herzen Dilaras ausgelöscht. Er war an seine Stelle getreten, ihn liebte sie und pries seine Tugenden. D# erbot sich, da er auf dem Wege nach Bagdad sel, Frau Dilara die Botschaft auszurichten, die Machmed dem Selim. der ihn als Verwalter begleitete, auftragen wollte. Beglückt schieden beide in der Morgendämmerung. Machmed zog nach Aegypten, und Kuluf eilte auf dem schnellsten Reitkamele Bagdad zu. Doch als er Dilara die Botschaft vom Tode Machmedo überbracht hatte und die Geliebte in die Arme schließen wollte, um den Lohn, ihre Liebe, die endlich ihm allein gehöre, zu empfangen, da stieß ihn Dilara voll Entsetzen von sich. Einem nur gehöre ihre Liebe, Machmed, der der beste und edelste aller Männer gewesen wäre. Aufgelöst vor Schmerz zerriß sie ihre Kleider. Wenn Machmed tot sei, sa sei Kuluf sein Mörder, der gekommen sei, ihr die Liebe zu Machmed zu stehlen. Laut sammernd eilte sie zum Kadi und brachte ihre Klage vor. Kuluf beteuerte seine Unschuld und erzählte sein Zusammentreffen mit Machmed in der Karawanserei, die auf dem Das Drama von Schillerhorst. Original=Detektivroman von Wilhelm Holt. (22. Fortsetzung.) „Möglich!“ erwiderte der Baron.„Aber das ist schließlich auch nicht von Bedeutung. Wenigstens nicht für den Augenblick. Wir wollen uns jetzt lieber der dringendsten Angelegenheit zuwenden, die wir zu erledigen haben, der Rettung des Detektivs. Warum ich vermute, daß er hier gefangengehalten wird, werde ich den Herren nachher erzählen. Jetzt ist keine Zeit mehr dozu. Wir müssen ihm eilends zu Hilfe kommen.“ Niemand erwiderte ein Wort, und entschlossen schlug der Baron die Richtung nach dem Bauernhaus ein. Die andern folgten ihnen schweigend. Der Baron klopfte an die Tür, zunächst ohne Erfolg. Er klopfte stärker, und bald darauf wurden Schritte hörbar, und es zeigte sich ein Lichtschein am untern Türspalt. „Wer da?“ rief eine Stimme. „Aufmachen! Ich bin es. Baron von Weitenfeld.“ Ein Riegel wurde zur Seite geschoben, und die Tür ging auf. „Was ist geschehen?“ sprach jemand mik dem Ausdruck des Erstaunens in der gedämpften Stimme.„Herr Baron kommen noch einmal? Ist irgend etwas vorgefallen? Es sind so viele Leute in Ihrer Begleitung?“ „Ja. ja! Können wir hinein?“ „Gewiß, gewiß!“ antwortete der Mann.„Da schau, der Gendarm ist auch dabei. Es wird doch kein Unglück geschehen sein?“ „Nein! Lassen Sie uns hinein. Wir haben etliches zu kragen.“ Der Alte führte die Herren in ein geräumiges Zimmer. Als er die Laterne auf den Tisch gestellt und die Lampe angzündet hatte, sahen sie erst, daß sie sich in einer großen Bauernküche befanden. Ein hoher offener Kamin ragte auf, und der Boden war mit Fliesen bedeck. „Nehmen die Herren Platz!“ sagte der Bauer höflich. Nachdem sich alle niedergelassen hatten, fragte der Baron: „Wieviel Leute seid Ihr in dem Haus!“ „Wieviel Leute?. Das wissen Sie doch?“ „Wie soll ich das wissen, Alter?“ „Sie waren doch erst am Abend da und haben gefragt, wie es dem Kranken gehe.“ „Dem Kranken? Haben Sie denn einen Kranken im Haust“ Der Bauer grinste dumm. Und einen, den Sie selbst hierher gebracht haben!“ Die Herren schauten einander an „Ich verstehe schon.“ nahm der Gendarm wichtig das Vort,„der Mann da kennt sich nicht aus. Er hat auch den andern für den Baron gehalten. Erzählen Sie uns einmal, was geschehen ist.“ „hm, sal“ erwiderte der Bauer mit einem Blick auf den Paron. Dieser nickte jedoch zustimmend.„Ja, sa, sprechen Sie nur. Sie glauben vielleicht, das eine oder andere verschweizen zu sollen, aber das ist durchaus nicht notwendig, bieden Sie hur offen.“ Der Bauer zuckte die Achseln. Er kannte sich offenbar nicht aus. Der Herr Baron kann jetzt leicht tun, als wüßte er nichts von der ganzen Sache, begann er.„Aber er hat doch gestern selbst den Herrn hierhergebracht, der tief bewußtlos war. Um die Wahrheit zu gestehen, ich glaubte im ersten Augenblick, er hätte zu tief ins Glas geschaut. Aber dem war doch nicht so. Und später— es kann noch keine Stunde her sein— ist der Baron wieder dagewesen, hat dem Herrn etwas unter die Nase gehalten, daß er zu sich kommen soll. Aber es hat nicht genüßt und.. „Wo ist der Kranke?“, fiel Roger dem gesprächigen Bauern in die Rede.„Machen Sie nicht so viel Wörte. Führen Sie uns zu ihm.“ „Gut, wenn Sie wünschen! Er schläft in der Kammer nebenan.“ Der Mann schob eine Tür auf, und in einem kleinen Kämmerchen lag auf einem bescheidenen Bett eine reglose Gestalt. Der Bauer leuchtete mit der Laterne. und Roger erkannte auf den ersten Blick seinen Freund Rosch. „Er siebt furchtbar aus!“ sagte Franz van Beekum erschüttert.„Was sie ihm angetan haben mögen?“ „Er atmet noch!“ stellte Roger fest.„Das erste, wos wir brauchen, ist ein ordentlicher Arzt. Und dann wollen wir ihn auch aus der dumpfen Luft hier in einen größeren Raum bringen. Es riecht da so eigentümlich.“ „Aber auf einem Bett muß er liegen!“ meinte der Bauer„Warten Sie einen Augenblick.“ Mit Hilfe des Gendarms schlug er in der Wohnküche, wo sie zuerst gewesen waren, in einer Ecke ein Bett auf, und behutsam legte man den Kranken darauf. Franz van Beekum war inzwischen bereits um den Arzt gelaufen. Die andern umstanden hilflos den Kranken. Keiner wußte Rat. „Er ist auf jedenfall sterbenskrank!“ stellte der Baron fest.„Ich fürchte, es hat ihn jemand absichtlich in diesen Zustand persetzt.“ „Ja. sicher! Denn gestern war er noch gesund wie ein Fisch. Aber wie kam er denn überhaupt hlerher?“ fragte der Rechtsanwalt. „Man hat ihn hergebracht, der Herr Baron und ein Diener trugen ihn. Er sei plötzlich unwehl geworden, fragten sie. Er sei ein Bekannter von ihnen und oerde sich bald wieder erholen. Ich bekam ein gutes Trinkgeld und sollte ihn so lange bei mir behalten und mit niemanden über den Vorfall sprechen. In der Nacht kam, wie gesagt, der Baron wieder, um zu sehen, wie es ihm gehe. Mehr weiß ich auch nicht. Aber wenn etwas nicht in Ordnung ist,“ fügte er ängstlich hinzu,„will ich damit nichts zu schaffen hoben. Und der Baron da kann leicht behaupten, er wisse nichtag er se..——ct boehaupen, er wise „Ja, la, er ist hier gewesen, und Sie haben ihn dann hinausgelassen. Das ist alles in Ordnung, Mann, das haben wir selber gesehen!“ sprach deruhigend der Gendarm. „So? Das haben Sie gesehen?“ „Ja, wir standen in der nächsten Nähe Ihres Hauses.“ „D Gott sei Dankl da din ich frohl“ sagte der Bauer und nickte immer wieder mit dem Kopf.„Da sehen die Herren doch, daß ich nicht lügel“ „Freilich, freilich, Mann. Nur war der Herr. der dier als Baron aus= und eingegangen ist, nicht der wirkliche vog von Weitenfeld.“ Ader... woo foll des setzt wieder bedeutenk“ Der sesene Fal iam doer dite dben de Kaesen. Du. entschied in seiner Weisheit: wenn Machmed lebe, so solle man ihn zu finden suchen. Und er gab Botschaft, auf allen Karawanenstraßen nach ihm zu forschen. Inzwischen aber saß Kuluf in sicherem Gewahrsam und hatte Muße, über die wunderbaren Wege nachzusinnen, die die Liebe einer Frau zu gehen vermag. Am Gerichtstage erschien der Gesuchte, den der Befehzl des Kalifen an den Säulen des Herkules erreicht hatte, und bestätigte durch sein Dasein die Unschuld Kulufs. Aber noch ein anderer Zeuge erschien zur Verwunderung aller und zur Bestürzung Dilaras: Abdullah, ihr erster totgeglaubter Gatte. Das Tagesgespräch der Karawanenstraßen hatte auch ihn in seiner Einsamkeit erreicht, wohin er vor dem toten Vater Dilaras, dessen Lobpreisung ihm Haus, Ehe und Leben verbittert hatte, geflohen war. . Die Aussagen der drei Ehemänner brachten die große Schuld der schönen Dilara an den Tag: den Lebenden zu erniedrigen und ihm alle guten Eigenschaften zu nehmen, um durch sie den Toten zu erhöben. „Wohlan“, sprach, der Kalif das Urtell,„da Du den dürren Strauch bewässerst, den grünen aber ohne Wasser ließest, so sollst Du hinfort das Wasser aus dem Flusse im Tonkrug an den Rand der Wüste tragen, solange, bis der Sand zum fruchtbaren Feld wird oder einer der Männer Bagdads Dich zum Weibe begehrt“. Aber kein Feld grünte am Rand der Wüste auf, und kein Mann kam, sie in sein Haus zu holen. So mußte der Männerschreck, wie das Gespött der Straße sie nannte, ihre Tage in unfruchtbarer Arbeit und in Einsamkeit beschließen. Ihr Frauen, ich habe es gewagt. Euch diese Geschichte vor die Augen zu legen, weil ich gewiß bin, daß Ihr alle der t5richten Dilara unähnlich seid. Aber sollte Allah es zulassen, daß der Versucher doch einmal Eure rosige Ohrmuschel erreicht, Euch zuzuflüstern, das Wasser Euerer Liebe einem fremden Strauch zu spenden und den eigenen dürsten zu lassen, so denkt der törichten Dilara. Des e e e ce ein, daß Sie gemeint haben, Sie hätten es mit dem Baron zu tun. Er glich ihm sa auch wie ein Wassertropfen dem anderen.“ „Er war es auch!“ behauptete der Bauer eigensianig. „Das ist nicht möglich, denn in dem Augenblick, da er bei Ihnen aus der Tür trat, stand der Bacon bei uns, bei mir und Herrn van Beekum, ein Stückchen Weges von Ihrem Haus entfernt.“ „O, das ist... das kann nur ein Teufelsspiel sein.“ „Ja,“ gab der Gendarm zu,„Sie haben recht. Es sieht so aus, als wäre es ein Blendwerk der Hölle. Und hätte ich es nicht mit eigenen Augen gesehen, so könnte ich es auch nicht glauben.“ „Und wenn ihm etwas geschieht, glauben Sie, habe ich dann Scherereien?“ fragte der Bauer. Aber der Gendarm beruhigte ihn. Der Baron hatte eine Zeitlang schweigend auf den Kranken niedergesehen. Endlich wandte er sich zu Roger und sagte ernst: „Ich fürchte, es steht schlimm mit ihm.“ Roger nickte. Waren sie zu spät gekommen? Aber das eine schwor er sich: dann würde er seinen Freund rächen. Vorderhand ging es ihm drunter und drüber im Sinn. Er verstand überhaupt nicht, was sich da zuzetragen hatte. Die Verwickelungen waren so sonderbar, die Taten der Beteiligten in der ganzen Angelegenheit so unerklärlich, daß es den Anschein hatte, als handelten sie ohne bestimmten Plan nur so willkürlich dem augenblicklichen Einfall folgend. Das war jedoch selbstverständlich nicht anzunehmen. Es lag hier zweifellos eine verbrecherische Absicht zugrunde. Aber er war der Täter, und von was für Beweggründen ließ er sich bei seinen Handlungen leiten, die so fremd anmutzten? Man hatte den Detektiv unschädlich machen wollen Warum hatte man ihn da nicht gleich getötet?. Die Frage vermochte der Rechtsanwalt nicht zu beantworten. Und überhaupt alles schien ihm so unerklärlich, so unbegreiflich. Vor allem auch das Benehmen des Barons. Es stand nun wohl außer Frage, daß der geheimnisvolle Fremde, der hier gewesen war, sich fälschlich als Baron von Weitenfeld ausgegeben. Das mußte ein gefährlicher Bursche sein und war jedenfalls ein Feind des Barons, hatte er doch sogar auf ihn geschossen. Aber auch gegen den Baron fühlte er tiefes Mißtrauen. Es stand zu erwarten, daß er eine Erklärung von den Geschehnissen abgeben würde, aber wie diese Erklärung auch ausfiel, das wußte Roger schon im voraus, allzu großen Glauden würde er den Worten des Barons nicht beimessen können. Sein Verhalten war zu merkwürdig. Am Abend hatte 2r Jhn haim Rürgarmester getrafsen. Hart Kat.: ge a.4 er sich ansch den Angegeben, nichts von ihm zu, wissen. Kurz darauf schon zog er mit einer gangen Expedition aus, angeblich um den bedrohten Detektio zu retten. Das war wahrhaftig unerklärlich, „Woran denken Sie?“ fragte Baron von Weitenfeld unvermittelt.„Oder eigentlich brauche ich das nicht erst zu fragen,“ fuhr er fort.„Es muß Ihnen alles als unergründliches Rätsel erscheinen, wie mir auch.“ „Verzeihen! Mir muß es wohl viel rätselhafter vorkommen!“ entgegnete der Rechtsanwalt.„Sie wissen doch vermutlich, wer dersenige war, der Sie so ausgezeichnet nachahmen kann, Haltung, Stimme und Kleidung von Ihnen hat, und werden vielleicht eine Vermutung haben, nen. Sein Verhalten war zu merkwürdig. Am Aben er ihn deim Burgermeister getroffen. Vort hatte er gelegentlich nach dem Detektiv erkundigt und sich schein gegeben, nichts von ihm zu wissen. Kurz, dara er die cue der biche liter dant uitetr scheinen ja auch gewußt zu haben, daß man den Detektiv hierher gebracht hat.“ „Sie auch,“ erwiderte der Baron ruhig.„Weshalb wären Sie sonst hier?“ „Das ist richtig!“ gab Roger zu.„Es hat mich jemand aufmerksam gemacht, daß er hier sein könnte, aber so sicher wie Sie war ich dessen nicht, und...“ „Und Sie wüßten gerne, was ich von der seltsamen Geschichte mehr weiß als Sie, nicht wahr? Nun, ich habe keinen Grund, Ihnen das vorzuenthalten. Es ist zwar ein langer Bericht, aber ich werde mich so kurz fassen als möglich. Und ich denke, es wird Ihnen dann wohl das eine oder andere deutlich werden.“ Unwillkürlich zuckte der Rechtsanwalt die Achseln, wie um zu sagen, daß er der Geschichte, die der Baron ihm aufzutischen gedachte, keinen besonderen Wert beilegte und nicht viel Glauben schenkte. Dem Baron entging die Bewegung nicht, und er war sich ihrer Bedeutung auch im Augenblick bewußt. „Herr Doktor, ich habe allen Grund, mich beleidigt zu fühlen!“ sagte er.„Sie scheinen meine Worte nicht gkauben zu wollen!“ Arthur Roger war ein vorsichtiger Mann. Er verriet im allgemeinen nicht allzuleicht, was er dachte. Aber die rasch aufeinander folgenden außerordentlichen Geschehnisse hatten ihn etwas aus dem Gleichgewicht gebracht, und daß er da seinen Freund noch immer bewußtlos dallegen sah und sich ängstlich fragen mußte, wie er dem scheinbar sicheren Tode entrissen werden könne, raubten ihm zum guten Tell seine gewohnte Ruhe und Gelassenheit. Er antwortete daher anders, als er es unter weniger aufregenden Umständen getan hätte, und sagte unwirsch: „Sie mögen sich beleidigt fühlen oder nicht, Herr Baron. ganz nach Belieben. Ich glaube Ihre Versicherungen in der Tat nicht und halte Sie für durchaus imstand, mir etwas weismachen zu wollen.“ „Herr Doktor,“ erwiderte der Baron drohend,## fordere Sie auf, mir eine, Erklärung für diese Worte an geben. Ich wrlange. and füir bese Wort S Roger fühlte, daß der Zorn ihn übermannte. „Verlangen Sie, was Sie wollen, Herr Baron!“ sprach er rauh.„Ich weiß, was ich sage. Sie haben mir einen Bären aufgebunden bezüglich der Flucht des Bankiers van Beekum und Ihrer angeblich wahnsinnigen Verwandten und bezüglich Ihres Abkommens mit dem Manne, der diese legtere hafte entführen wollen. Ich habe damals gemeint, Ihren Worten glauben zu müssen. Aber was Sie mir erzählten, war eine Fabel, eine bloße Fabel. Und was Sie mir weiterhin erzählen wollen, kann ebensogut gelogen sein. wird es auch sein. Ich behalte mir dober vor, davon gn glauben, was mir beliebt.“ Die beiden Männer hatten sich in das Rebengemach degeben, in dem der Detektio gelegen war. Die Laterne stand noch auf den Tisch.„Roger hatte leise, aber mit großenr Nachdruck gesprochen, Nun zuckte der Baron die Achsein „O, ich verstehe,“ sagte er,„Sie sind mit dierher gekommen, der mich in der Fasge üderse Dieser Mann hat Ihnen allerlei erzähll, und das gkaube Sie. Er hat Ihnen gesagt, ich habe Ihnen ehsten Bären aufgebunden. Er konnte Ihnen natürlich beßere Auskuns Gerd Gutt KG Otto-Hahn-Straße 21 Postfach 410249 4400 Münster-Roxe A-3 A•2 4 1 Zur Ermordung Obregons. WTB. Mexiko, 18. Juli. Die Leiche des ermordeten Präsidenten Obregon war die ganze Nacht über im Nationalpalast aufgebahrt. Zahlreiche Leidtragende aller Volksschichten zogen an dem Katafalk vorbei. Heute vormittag geleitete ein Trauerzug mit dem Präsidenten Calles an der Spitze die Leiche nach dem Bahnhof, wo ein Sonderzug bereit stand, der unter dem Schutze einer starken Militäreskorte den Sarg nach Obregons Heimat Sonora beförderte. Während sich der Trauerzug durch die dichten Volksmassen bewegte, die die Straßen Mexikos erfüllten, machte sich die Erregung über das Attentat in gedämpften Kundgebungen des Zornes und der Empörung Luft. Der nationale Arbeiterverband und der Leiter des Wahlfeldzuges für Obregon, Aaron Saenz, hatten Aufrufe erlassen, in denen zur Besonnenheit ermahnt und aufgefordert wurde, das Ergebnis der Untersuchung über das Attentat abzuwarten. Ee ist auch tatsächlich zu keinem Zwischenfall gekommen. Der Polizeichef Zertuche erklärte, der Mörder des Präsidenlen beginne den Mund zu öffnen und man könne weitere Verhaftungen erwarten. Dreizehn Verhaftungen wegen des Attentats auf Obregon. WTB. Mexiko, 18. Juli. Der Eigentümer des Restaurants in dem Obregon getötet wurde. und 12 Angestellte wurden von der Polizei verhaftet und in Untersuchungshaft geführt. Erkärung eines verbannten mexikanischen Bischofs. Newyork, 18. Juli. Der mexikanische Bischof Pascual Diaz von der Diözese Tabasco der seit 1927 verbannt ist, hat in Brooklyn, wo er seinen Wohnsitz hat, an die Presse eine Erklärung gegeben, worin er sowohl das Attenlai aufs tiefste bedauert, als auch die Vermutung ablehnt, daß ein religiöser Fanatiker der Täter sei. Der Bischof glaubt vielmehr, daß politische Feinde Obregons hinter dem Täter ständen. Umschau im Auslande. Rücktrittsgesuch des tschechisch-slowakischen Finanzministers. WTB. Prag, 18. Juli.(Tel.) Einigen Mittagsblättern zufolge hat der Finanzminister Dr. Schramek bereits heute sein Abschiedsgesuch überreicht. Den letzten Anstoß zu diesem Schritt, von dem schon seit längerer Zeit gesprochen wird, soll der Gegensatz zwischen dem Finanzminister und der tschechischen Agrarpartei wegen der von der letztecen angestrengten Erhöhung der Viehzölle sowie ein scharfer Artitel des Parteiorgans gegen den Minister gegeben haben. Eine Erklärung Churchills zur Reparationsfrage. WTB. London, 19. Juli.(Tel.) Im weiteren Verlaufe der gestrigen Unterhaussitzung wurde an die Regierung die Anfrage gerichtet, ob in Anbetracht der kürzachen Erklärungen des Reparationsagenten und des deutschen Reichskanzlers irgendwelche Schritte unternommen worden seien, um eine Konferenz der beteiligten Mächte zur endgültigen Regelung der deutschen Reparationsverpflichtungen herbeizuführen. Churchill erwiderte, die Regierung habe mit Interesse von den angeführten Erklärungen Kenntnis genommen. Sie sei selbstverständlich bereit, jeden Vorschlag zur Regelung der deutschen Reparationen, der ihr unterbreitet werde, mit größter Aufmerksamkeit zu prüfen, vorausgesetzt, daß derartige Vorschläge so gehalten seien, daß sie die Rechte und Interessen des britischen Reiches sicherstellten und sich mit den Richtlinien der britischen Politik in Einklang befänden. Soweit er wisse, seien bisher in dieser Frage noch keine konkreten Vorschläge irgend welcher Art formuliert worden, er glaube nicht, daß es für die britische Regierung möglich oder ratsam sei, von sich aus in dieser Sache irgendetwas zu unternehmen. Moskauer Gefängaisurteil gegen einen Deutschen. bb. Berlin, 19. Juli.(Tel.) Das„Berliner Tageblatt" meldet aus Moskau: Das Oberste Militärgericht in Moskau verurtellte den deutschen Staatsangehörigen Bartsch wegen wirtschaftlicher Spionage und Konterrevolution zu drei Jahren Gefängnis, die auf ein Jahr herabgesetzt wurden. Die Bremenflieger in Budapest. WTB. Budapest, 17. Juli. Zum Empfang der „Bremen"=Flieger Köhl und v. Hünefeld hatte sich auf dem Flugplatz eine große Menge eingefunden. Die Tribünen waren mit den ungarischen und den deutschen Fahnen geschmückt. Zur Begrüßung waren u. a. erschienen Vertreter der Regierung, der Hauptpost, des Ungarischen Aeroklubs, der deutsche Gesandte v. Schön und Legationsrat v. Bendler. Vor Eintreffen der von den„Bremen"=Fliegern benutzten „Europa“ war mit dem fahrplanmäßigen Verkehrsflugzeug aus Wien die Gemahlin des Hauptmanns Köhl angekommen, die durch das Empfangskomitee mit einem Blumenstrauß begrüßt wurde. Nach der Landung der„Europa“ wurden die deutschen Flieger vom Publikum mit brausenden Elsen-Rufen stürmisch begrüßt. Als erster hieß sie im Namen der Regierung der Staatssekretär im Ministerprasidium, v. Darany, mit herzlichen Worten willkommen. Sodann hielt namens der Hauptstadt Budapest Magistratsrat Dr. Berezel eine deutsche Ansprache. Er würdigte den Erfolg der Ozeanflieger, der in Ungarn nicht nur als ein Sieg menschlichen Könnens, sondern als eine ruhmvolle Tat der einstigen Verbündeten Begeisterung erweckte. Zu Ehren der Ozeanflieger Köhl und v. Hünefeld gab die Stadt Budapest heute abend ein Bankett. Nach der Begrüßungsansprache eines Vertreters der Stadt begrüßte der deutsche Gesandte Dr. v. Schoen die deutschen Flieger und gab der Hoffnung Ausdruck, daß der Budapester Besuch der deutschen Ozeanflieger, der die Sympathie Deutschlands für Ungarn zum Ausdruck bringe, auch der Annäherung der Völker im Geiste der erhöhten Verständigung dienen werde. Er hob sein Glas auf den Reichsverweser und eie Zukunft der ungarischen Nation. Hierauf hielten Köhl und v. Hünefeld kurze Ansprachen. Der Beginn des Wiener Sängerfestes. WTB. Wien, 17. Juli. In den letzten 48 Stunden sind asgesamt 48 Sonderzüge mit rd. 150000 Sängern ingetroffen. Alle Sänger wurden vor die auf den Bahnhöfen aufgestellten Begrüßungstribünen geleitet und nit Fanfaren, Sängergruß und kurzen Ansprachen willommen geheißen. Reichsdeutsche Sänger in Graz. WTB. Graz, 17. Juli. Anläßlich des Deutschen Sängerzundesfestes in Wien statteten zahlreiche deutsche Sängerereine auch Graz ihren Besuch ab. Während gestern und vorgestern die pommerschen Männergesangvereine hier geveil haben, trafen am Nachmittag die Gesangvereine von Jannover und Wiesbaden, ferner die Sänger aus karlsruhe, Berlin=Lichterfelde und noch aus üns anderen deutschen Städten hier ein. Sie wurden am Jahnhof von ihren Grazer Sangesbrüdern herzlich mpfangen. Bei ihrem Einzug in die Stadt und zum Landeshause bereitete die Bevölkerung den Sängern mit Blumen und Kränzen einen herzlichen Willkomm. Im Hof tes Landeshauses wurden die deutschen Gäste vom Landessauptmann, vom Bürgermeister=Stellvertreter und vom eeutichen Konsul wärmstens begrüßt. Der Vorstand des zannoverschen und Wiesbadener Gesangvereins dankte für on überaus herzlichen Empfang. Abends fand im Schloßeerg=Restaurant ein Sängerabend statt. Der österreichische Nationalrat begrüßt die deutschen Sänger. Vertagung des Nationalrates bis zum Herbst. WTB. Wien, 19. Juli. Vor Schluß der gestrigen Sitzung hielt Präsident Miklas eine Ansprache, in zer er u. a. erklärte: Wien und Oesterreich stehen in Lagen im Zeschen des deutschen Die# eilen sie herbei, sondern aus der ganzen Welt, der alten und der neuen, wo immer die deutsche Zunge klingt und deutsche Lieder ertönen. Ich weiß mich ihrer aller Zustimmung gewiß, wenn ich von dieser Stelle aus die deutschen Sänger und Gäste willkommen heiße und ihnen den herzlichen Gruß der Deutschen Oesterreichs entbiete.(Lebh. Beifall.) Indem wir alle dem großen 10. Deutschen Bundessängerfest ein glückliches Gelingen wünschen, geben wir der Erwartung Ausdruck, daß sein würdiger Verlauf nicht nur Oesterreich zur Ehre gereichen, sondern auch der ganzen Welt in Wohlklang und Frieden die Ehre und Größe des deutschen Namens kündigen möge. Die Ansprache des Präsidenten wurde mit stürmischem Beifall ausgenommen. Wien, 18. Juli. Der Nationalrat hat das Gesetz über die Landarbeiterversicherung in zweiter und dritter Lesung unter dem Beifall der Mehrheitsparteien angenommen. Im weiteren Verlauf der Sitzung wurde auch das Gesetz über die Behandlung jugendlicher Rechtsbrecher(Jugendgerichtsgesetz) angenommen. Danach vertagte sich das Haus bis zum September. Zensur auf dem Robile=Schiff. Berlin, 18. Juli. Die Voss. Ztg.“ meldet aus Stockholm: Die beiden deutschen Filmphote mann bergen ter von„Nya Dagligt Allehanda" über die Nachrichtenübermittlung auf der„Citta di Milano“ geäußert. Die beiden Filmphotographen berichten, daß anUnternehmungen in Kaiserslautern hin. Staatosekretär Schmld stellte eine wohlwollende Prutung der Wünsche der Stadt Kaiserslautern in Aussicht. Weitere Verhandlungen sollen unter Mitwirkung der bayerischen Regierung geführt werden, an die Reichsminister von Gutrard inzwischen ein den Streitfall zwischen dem Reschoministerium für die besetzten Gebiete und der Stadt Kaiserslautern aue dem Wege räumendes Schreiben gerichtet dat. *„Kosch frin der Tod den Meuschen an 11 Uhr am Die Die Windthorstbunde. Vom Reichsverband der Deutschen Windthorstbunde wird uns mitgeteilt: In Essen hat sich seit einiger Zeit unter Leitung des Herrn Brauereidirektors Heinrich Fehrenberg ein„AltWindthorstbund“ gebildet, der die„Windthorst=Blätter" herausgibt. Dieser„Alt=Windthorstbund“ versucht nunmehr auch in anderen Orten Fuß zu fassen und beabsichtigt, sich Mitte September in einer eigenen Reichsorganisation zusammenzuschließen. Demgegenüber muß darauf hingewiesen werden, daß dieses Vorgehen sowohl der Organisation der Zentrumspartei wie auch den Beschlüssen der Reichspartei=Instanzen zuwiderläuft. Die Ortsparteileitung in Essen hat deshalb auch die Beziehungen zum„Alt=Windthorstbund Essen" abgebrochen. Durch Beschluß des Reichsparteitages im Jahre 1920 und durch Bestätigung dieses Beschlusses durch die Reichsparteivorstandssitzung vom 7. September 1927, erfolgt die Zusammenfassung der Zentrumsjugend allein durch die im Reichsverband der Deutschen Windthorstbunde zusammengeschlossenen Windthorstbunde. Diese sind dem genannten denten sich in Spizbergen aufgehalten haben. Sie seien se. Vortriegszeita der Windtorktbunde der doch heimgereist, da sie ihre Anwesenheit auf SpitzDie Anglücksserie bei der Reichsbahn. BB. Berlin, 19. Juli. Das„Berliner Tageblatt“ macht angesichts der sich häufenden schweren Eisenbahnunfälle den Vorschlag auf Bildung eines Untersuchungsaus/55 für die Reichsbahn. Es heißt in dem Blaz;; zi# unfälle auf der Deutschen Reichseisenbahn haben sich s# bevenklich gehäuft, daß die Reichsregierung sich entschlossen hat, gemeinsam mit der Verwaltung der Reichseisenbahn A.=G. die in Frage kommenden Verhältnisse vollständig zu klären, wobei der Ton auf dem Worte„vollständig“ liegt. Wie aber kann eine vollständige Klärung erzielt werden? Die Reichsbahn ist in einem gewissen Sinn Angeschuldigte. Es ist die Einsetzung einer Untersuchungskommission vorzuschlagen, die die Betriebsunfälle der Hartmann und Schubert berichteten ferner, daß alle den Fragen obiektio zu prüfen hat und die sich aus Täden des Nachrichtenwesens in den Händen des Kapitäns nern von anerkanntem Rufe zusammensetzt. Es gibt in Romagna zusammenliefen. Den Korrespondenten wurde Deutschland Techniker, Fachleute des Eisenbahnwesens, Gekschaftler und erfahrene Parlamentarier, deren Namen bergen als zwecklos ansahen. Als Beispiel sei anzufüh ren, daß, als Nobile an Bord der„Citta di Milano“ in Kingsbay geführt wurde und das Schiff die Kingsbay am Nachmittag verließ, die Journalisten und Photgraphen dieses Ereignis erst am Abend durch Stockholmer Meldungen erfuhren. Die beiden Deutschen nahmen sofort ein offenes Motorboot und erreichten nach einer abenteuerlichen 14stündigen Fahrt die Virgo=Bucht, wo die„Citta di Milano“ verankert war. An Bord gelangt, mußten sie sich mit anderen Journalisten in einer Reihe aufstellen, um schließlich den Bescheid zu erhalten, daß sie nicht in Verbindung mit General Nobile kommen könnten. Niemand durfte mit ihm sprechen oder ihn sehen; niemand, der an Bord kam, durfte ein Wort mit der Schiffsbesatzung wechseln, ohne daß ein Offizier zugegen war. Harimann und Schadert berschieien ferner, nichts mitgeteilt, was nicht vorher schon Rom vorgelegt worden war. Keine Jrage wurde beantwortet, außer mit dem Material, das Kapitän Romagna im voraus formuliert hatte. Noch immer Hoffnung auf Rettung Amundsens. Moskau, 18. Juli. In maßgebenden Kreisen glaubt man, daß Amundsen und seine Gefährten sich bei der Alessandrigruppe befinden. Die Vermutung beruht darauf, daß die Hülle des großen Luftschiffes bei der Alessandrigruppe ein vortreffliches Signal zur Orientie darstellt. Wie„Iswestija“ meldet muß der„Krassin", dessen Steuer beschädigt ist, im Dock repariert werden. Angesichts der sich allmählich bessernden Eisverhältnisse und der stetig fortschreitenden Lockerung und des Zerfalls der Eisschollen in der fraglichen Zone, kann der„Krassin", jedoch bei BeVorsicht, noch bis Zerstör achtung aller dringen. # oe,##le landrigruppe vorDie Zerstörung der Eisschouen zeigt, oaß, wenn der„Krassin“ vor vier Tagen die Viglierigruppe nicht gerettet hätte, diese verloren wäre. Die Presse weist darauf hin, daß das Flugzeug Latham seit einem Monat und die Alessandrigruppe seit 55 Tagen verschollen sind. Man glaubt, daß beide Gruppen noch leben. Sie müssen sofort gesucht werden. Die Malmgrengruppe, die 40 Tage vermißt war, galt ebenfalls als verloren. Die Hoffnung, ebenso günstige Ergebnisse wie bisher zu erzielen, ist nicht geschwunden. 25. Todestag des Papstes Leo XIII. . chcht KE Papst Leo XIII. eine der vornehmsten Gestalten in der Reihe der Päpste von Rom ist vor einem Vierteljahrhundert am 20. Juli 1903 gestorben. Er wurde 1810 als Graf Joachim Pecci in Carpineto geboren und erlangte bereits mit 35 Jahren die Bischofswürde. Nach dem Tode Pius IX. im Jahre 1878 zum Papst gewählt, hat Leo XIII. die Politik der römischen Kirche 26 Jahre lang mit bewunderungswertem Geschick und tiefer Weisheit geleitet. Im Patriarchenalter von 93 Jahren ist er gestorden. werkschaftler und erfahrene Norlomentarier, deren Namen für eine sachliche, unabhängige und überzeugende Durchführung dieser notwendigen Untersuchung bürgt. Die„Germania" bemerkt zu dem Vorschlag des „Berliner Tageblatts“: Untersuchungskommissionen haben im allgemeinen bei uns keinen guten Klang, weil ihre Arbeiten meist viel zu theoretisch und langatmig sind. Aber trotz alledem; wenn Männer von der Praxis ohne politische Voreingenommenheit der Sache auf den Grund gehen und den Krankheitskeim durch wirklich geeignete Mittel zu beheben suchen, dann ist der Gedanke einer solchen Kommission nicht der schlechteste. Die Urteilsbegründung im Hein=Prozeß. WTB. Koburg. 18. Juli. In der Begründung des zweifachen Todesurteiks im Hein=Prozeß führte der Vorsitzende u. a. aus: Wenn Hein, der früher ein braver arbeitsamer Mann war, von einem Verbrechen zum anderen überging, so geschah das, weil er dem unheilvollen Einfluß seines Freundes Larm unterlegen ist. Als Larm hier als Zeuge vernommen wurde, kämpfte er einen schweren inneren Kampf und er belastete sich selbst, um seinen Freund zu entlasten. Eine solche Zeugenaussage kann nicht zur Grundlage des Urteils genommen werden. Hein hat sich durchaus nicht so widerwillig an den vielen Straftaten des Larm beteiligt. Er ist in vielen Fällen sehr aktiv dabei tätig gewesen. Das gilt vor allem für die schweren Verbrechen in Klosterlausnitz und Ohligs. In Ohligs war er es, der, auf dem Tisch stehend, kaltblütig den Beamten von hinten erschoß. Das geschah nach der furchtbaren Bluttat in Jena. Der Vorsitzende würdigte dann die einzelnen Straftaten, wobei er erklärte, von einer Notwehr könne keine Rede sein. Auch an dem Vorsatz sei nicht zu zweifeln. Die Ueberlegung habe das Gericht im Falle Jena verneint. Es habe angenommen, daß der Angeklagte hier überrascht worden ist. Anders in den Fällen Plauen und Untersiemau. Nach den überzeugenden Ausführungen des psychiatrischen Sachverständigen bestehe nicht der geringste Zweifel daran, daß der Angeklagte ein körperlich und geistig vollständig gesunder Mann sei. Daß er etwa in einem Zustand der Bewußtlosigkeil gehandelt hätte, sei vollkommen ausgeschlossen.§ 51 komme weder mittelbar noch unmittelbar für ihn in Frage. Nicht leichten Herzens, so erklärte der Vorsitzende weiter, hal das Gericht die Todesstrafe verhängt. Wir können uns in den Streit um die Beibehaltung der Todesstrafe nicht einmischen. Aber auch wer kein begeisterter Anhänger dieser Strafart ist, wird sich mit dem Gedanken abfinden, daß es ein Gebot der Gerechtigkeit ist, daß derartig schwere Bluttaten eine gerechte Sühne finden. Wir gedenken der armen Toten, die der Angeklagte in frevlem Mut aus dem Leben, an dem sie ebenso hängen wie er, rücksichtslos gerissen hat. Wir gedenken der verletzten Beamten, die er kaltblütig zu Krüppeln geschossen hat. Wir gedenken mit Mitgefühl der armen Hinterbliebenen der Getöteten, an die der Angeklagte in seinem rücksichtslosen Egoismus auch nicht einen Augenblick gedacht hat. Alles das wird uns, auch soweit wir die Todesstrafe nicht gutheißen, wie in diesem Falle, als eine gerechte Sühne empfinden lassen. Daß mildernde Umstände in diesem Fall nicht am Platze waren. das hat das Schwurgericht ohne weiteres angenommen Hein nahm das Todesurteil aufrechtstehend entaegen. ohne eine Spur von Erregung zu zeigen.— Sein Verteidiger, Justizrat Fränkel, wird, wie verlautet, bei Reichsgericht Revision gegen das Urteil einegen. 9135 diesen Lagen im Zeichen des deutschen Liedes. Zu zielen Zehntausenden versammeln sich deutsche Sangesbrüder aus Nah und Fern in den Mauern Wiens, der Stadt der Lieder, der Stadt des unsterblichen Liederfürsten Franz Schubert. Richt nur aus Deutschland und Oesterreich Deutsches Reich. Max Hölz verläßt das Zuchthaus. WTB. Sonnenburg. 19. Juli. Max Hölz hat gestern abend 8 Uhr das Zuchthaus in Sonnenbura verlassen und ist in Begleitung seines Verteidigers. Dr. Apfel, im Auto abgereist. Vor dem Zuchthaus hatten sich zahlreiche Ortseinwohner eingefunden. Irgendwelche politischen Demonstrationen sind nicht vorgekommen. Die Frage der Abänderung der deutschen Urheberrechtsgesetze. WTB. Berlin, 18. Juli.(Tel.) Im Anschluß an die Revision der Berner Verbandsübereinkunft zum Suchtze von Werken der Literatur und Kunst, die im Mai dieses Jahres in Rom stattgefunden hat, wird es voraussichtlich erforderlich sein, die deutschen Urheberrechtsgesetze zu ändern. Das gleiche Bedürfnis besteht, wie einer Mitteilung der österreichischen Regierung entnommen werden darf, aauch in Oesterreich. Bei den weiteren gesetzgeberischen Vorarheiten wird sich hiernach die Gelegenheit bieten, die Frage der Rechtsangleichung zwischen Deutschland und Oesterreich auch auf dem Gebiete des Urheberrechts zu prüfen und fördern. Städtisches. — Fasen und zu Münster, 20. Juli * Zur münfterschen Geschichte. Ein sozialgeschichtliches Thema, das gerade den Münsteraner angeht, kommt bei der nächsten Veranstaltung des Vereins für Geschichte und Altertumskunde Westfalens, Abteilung Münster, am Freitag, den 20. Juli, abends 8 Uhr, im Hotel Monopol, zur Erörterung. Oberarchivar Dr. von Klocke wird„Ueber das Erbmännertum der Stadt Münster und andere Patriziatsbildungen in Westfalen“ sprechen. Der Vortrog behandelt die frühere Oberschicht der münsterschen Bevölkerung, deren Angehörige als die Erbmänner bezeichnet wurden und lange Jahrhunderte eine bedeutende Stellung in der Stadt einnahmen. Auch die Patrizierkreise anderer westfälischer Städte, namentlich die von Dortmund und Soeft, werden vorgeführt, um an Parallelen die Eigentümlichkeiten in der Entwicklung des münsterschen Erbmännertums weiter verständlich zu machen und größere Linien aus der Sozialgeschichte früherer Jahrhunderte aufzuzeigen.— Gäste sind willkommen. + Plötzlicher Tod. Zu dem tragischen Todesfall in der Frauenstraße, über den wir in der gestrigen Ausgabe unseres Blattes berichteten, bittet uns die Reit= und Fahrschule um Aufnahme folgender Zeilen: Leider ereignete sich gestern während des Festzuges der Studentenschaft zum Universitätssportplatz ein sehr tragischer Unglücksfall. Der Beilegung des Konflikts zwischen dem Reichsminister für die besetzten Gebiete und der Stadt Kaiserslautern. WTB. Berlin, 18. Juli.(Tel.) In den letzten Tagen erschien eine Abordnung der Stadt Kaiserslautern im Reichsministerium für die besetzten Gebiete, um die Besatzungsnöte der Stadt mündlich darzulegen. Die Vertreter von Kaisers= einem Reiter behilflich zu sein, scheute ein Pfero, schlug aus den Stellen— lautern wiesen insbesondere guf die lebhafte Leunruhigung und traf den Dropmann mit dem Hinterfuß so unglücklich sein, dafür zu der Bevölkerung durch die fortoauernden Wohnungsanfor= vor die Unke Brustgegend, daß dieser nach wenigen Augen= wird. Die Be derungen und guf die scopierigs Bege der wirtschaftlschen bicken stard, odwohl örztiche Hüfe gleich zur Stelle war. lewetugvormittag llef der Dampfer vom Norddeutschen Boyd in Bremerdooen ein Mit iom kehrte Bruder Ferdinend Düchting aus der nordbrattlianischen Franziskanermilslon au kurzer Erdolung### die deutsche Heimat zurüc Seit 1894 datte er in der b#### sion gewirk:. Durch sein frode und aufgeschlossene Art wei er bel jedermann dellebt und geschätzt. Schon nahe der mat befiel ihn eine schmerzliche Krankdett: als in das Schif verließ, war sein Zustand besoraniverregend Münster, dei Ort seiner Sehnsucht, konnte er odende: Uhr von Brene# kommend zwar noch erreichen, aber als ein Sterdender. Seine Mitbrüder im hiesigen Franziekanerklostee, duich einer brasilianischen Reisebegleiter telegraphisch vor Lenabrück aus über den Zustand des Kranken unterrichtet, empfingen ihn am Bahnhof und überführten ihn ine Franziskushospltal, wo er in der Nacht vom Dienstag zum Mittwoch 2 Uhr starb. Für die nordbrasilianische Franziskauermission, die in diesem Jahre schon fünf Mitglieder durch den Tod ver loren hat, bedeutet Bruder Ferdinands Hinscheiden einer schwersten Verlust. K. l. e. v. Die feleclichen Exequien finden am Samstagmorgen 8 Uhr in der Kapelle des Franziskushospitals statt; danach ist die Beisetzung auf der Begräbnisstätte der Franziskaner auf dem Mauritzfriedhof. * Wetteraussichten für Freitag: Ziemlich heiter und warm, stellenweise Gewitterneigung. Gründung eines Dombauvereins. Was zunächst inslandgesetzt werden soll.— Auch die Domuhr? Der 17. Juli 1928 wird für die Erhaltung und Pflege des größten Bauwerkes der Diözese Münster von ganz besonderer Bedeutung sein. Er bezeichnet nicht mehr und nicht weniger als die Eintragung des vor kurzem in aller Stille gegründeten„Dombauvereins Münster“, in das Vereinsregister. Der Zweck dieses Dombauvereins ist, wie der§ 1 der Satzungen besagt,„unbeschadet der Rechte des Domkopitels mitzuwirken an der Erneuerung und Unterhaltung der Domkirche za Münster und ihrer Nebengebäude, sowie an der Pflege der mit ihr verknüpften hohen Kunstwerte. Zu diesem Zwecke sollen Maßnahmen zur Aufbringung der notwendigen Geldmittel getroffen werden, über deren Verwendung nach Anhörung des Vereins das Domkapitel als Bauherr zu entscheiden hat". Der eigentliche Gründungstag des Dombauvereins ist der 31. März dieses Jahres, und in dieser Gründungsversammlung wurde Oberpräsident Gronowski zum Vorsitzenden und Dompropst Prälat Prof. Dr. Mausbach zum stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. Soweit wir unterrichtet sind, gehören dem Dombauverein weiter als Mitglieder an Weihbischof u. Domdechant Dr. Scheifes, Generalvikar Meis, Landeshauptmann Dr. Dieckmann, Regierungspräsident Dr. Amelunxen, Landesfinanzamtspräsident i. R. Dr. Schmedding, Oberbürgermeister Dr. Sperlich, Reichstagsabg. Universitätsprofessor Dr. Schreiber und Stadtrat Robert. Es ist bekannt, daß durch die Säkularisation dem Dom das gesamte Vermögen entzogen worden ist, das— wenn man einer vor mehreren Jahren von einem münsterschen Studenten verfaßten Dissertation folgen darf und wir uns recht erinnern— damals die Summe von einer Million Talern betrug. Der Dom war seit dieser Zeit arm, und kaum das Notwendigste konnte bestritten werden. Daher kam das Domgebäude selbst ebenso wie der zu ihm gehörende Besitz von Häusern für die nächsten Angehörigen des Domes allmählich in einen Zustand des Verfalls, der den Bestand ernstlich gefährdete. Vor etwa zwei Jahren sind ja bereits die beiden Häuser für die Stabträger in recht frischer Weise erneuert worden, daß sie eine Zierde des Horstebergs bilden. Andere sind stark reparaturbedürftig, vor allem der Dom selbst. Geplant ist nun nach unseren Informationen, die gesamten Bauarbeiten auf einen Zeitraum von sechs Jahren zu verteilen. Geplant ist die Auflegung eine Lotterle, ferner dürften die Beisteuern von Provinz und Stadt gesichert sein, zumal deren Repräsentanten Mitglieder des Dombauvereins sind, und Reich und Staat werden kaum umhin können, einen namhaften Zuschuß zu gewähren, wie es ja auch in Köln, bei der Wiesenkirche in Soest und bei anderen wichtigen Baudenkmalen geschehen Vor einiger Zeit haben bereits der Ministerialdirektor der Kultusabteilung im Preußischen Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung und der Landeskonservator Hieke den Dom einer eingehenden Besichtigung unterzogen und anerkannt, daß schleunigst etwas geschehen muß, um dieses herrliche Kunstdenkmal vor dem Verfall zu retten. Wie schlimm es um den baulichen Zustand des Domes bestellt ist, davon macht sich nur der Baufachmann einen Begriff nach eingehender Besichtigung. Aber der erste Schritt zur Wiederherstellung ist bereits getan durch die Ausschreibung der für das erste der sechs Jahre vorgesehenen Bauarbeiten. Vor allem soll zunächst das Dach instandlesetzt, vor allem eine vollwertige Blitzschuhzanlage geschaffen werden; denn die jetzige ist im Kriege beschafft und, da aus Eisen, mittlerweile vollständig verrostet. Vollständig erneuert werden soll auch das rote Ziegeldach des Kreuzganges, bekanntlich ein Werk aus der Zeit um 1377. In geradezu trostlosem, Zustande sind die Dachrinnen und Abflußrohre. Für sie soll selbstverständlich Kupfer verwendet werden. Vielen wird es gewiß verwunderlich erscheinen, daß das prachtvolle grün oxydierte Domdach in einem Zustande ist, der als ganz unmöglich bezeichnet werden muß. Man hat die Kupferplatten mit Eisennägeln und sonstigem Eisengerät befestigt, sie einfach durchschlagen, und dadurch zeigt sich jetzt die Notwendigkeit einer ganz gründlichen Untersuchung des ganzen Daches. Diese Reparatur soll, um ja das unvergleichlich schöne Bild des grün pätinierten Daches zu erhalten, durch eine sorgfältige Umdeckung der Kupferplatten geschehen in der Weise, daß an den sogenannten unsichtbaren Stellen alte Kupferplatten fortgenommen werden, um die schadhäften an den sichtbaren Stellen zu ersetzen. Diese unsichtbaren Stellen— die Pultdächer über den Seitenschiffen und dem Chorumgang, das Dach auf dem Paradies und vom Langhausdach die nicht sichtbaren Telle zwischen den beiden Westtürmen— sollen mit neuen Kupferplatten belegt werden. Selbstverständlich ist es auch nötig, einen für diese umfangreichen Reparaturarbeiten ausreichenden Bauhof zu schaffen an Stelle des jetzt völlig unzulänglichen. Er ist in Erweiterung des jetzigen am Nordosttelle des Domes geplant von der Kreuzabnahmekapelle bis zur Marienkapelle. Gleichzeitig soll auch eine Gerätekammer erbaut werden Und das ist besonders zu begrüßen. Denn die jetzt als Gerätekammer dienende„Alte Sakriflei“ an der Nordsette des Langhauses, die durch die herrliche Broncetür mit dem v. d. Reckschen Wappen von 1696 geschmückt ist, kann in ihrer lichten Anlage wirklich würdigeren Zwecken dienen, als sie es jetz: lut. Und mit besonderer Freude hören wir, daß beabsichtigt sein soll, hier die Schatzkammer des Domes einzurichten. Noch kurz erwätznt möge sein, daß auch noch einige dem Dom gehörende Hauser würdie dastand gesetzt werden sollen. Aufmerksame Beobachter werden bereits seit einiger Zeit gesehen haben, wie beld hie, dald de im Dome Gerüste aufgebaut wurden, um besonders deachtens werte Kunstdenkmale zu reinigen und auszubessern Die größte Freude aber wurde wohl allen Münsteraners and Premden bereitet, als durch die Kunst des Meisters Soetedie; die wunderwo##t Malerei der Domuhr wieder so glänzend instand gesetzt worden ist, daß wir den Vorzug haben, ihre auf der Grenze von Spätgotik und Renaissance stehende herrliche Tofelmalerei in der Frische zu genießen, die unsere Ahnen ge nossen, als 1543 Ludger tom Rink gemeinsam mit seinem Sohne Hermann den letzten Pinselstrich an ihr taten. Aber diese Instandsetzung der Malerei der Domuhr darf erst der Anfang der Restaurierungsarbeit der Domuhr sein. Deno es ist nicht zu viel gesagt, daß sie das volk stumlichste Kunstwerk des ganzen Münsterlandes ist. Ist es doch eine uralte Gepflogenheit der Fremden, den münstertsgen Dom Pferdepfleger der Reit= und Fahrschule, Joses 5 Lepflogenheit der Fremden, den münstersiagen Dom uud mann, begleitete mit dem Rad= aus Hutereß prop; deshalb auszusuchen, ui die Domuhr zu sehen Stradourt Während er sich auf. umterese, HemZhig, mit seinem astronomischen und uhrtechnischen Meisterwert A. Zutisch au sein, scheute ein Pferd ichtm.=Kupsluhr haben wir verloren. Sache der maßgeberz also wohl des Dombauvereins— dürkte## sorgen, daß Münster ein neues Straßdurg Zoraussetzung dazu ist gegeben, möge jetzt Vollendung folgen! A A2 A'3 A 4 A 3