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1000.

Nr. 238.

(1. Blatt.)

Montag den 13. Oktober 1913.

45. Jahrgang.

(General=Anzeiger.)

Amtliches Blatt aller Behörden

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gegröndet 1868

(Neueste Nachrichten.)

in Stadt und Amt Wattenscheid,

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Wetteraussichten.

Wetter für Dienstag:

Fortdauer des angenehmen Herbstwetters, leichter Nacht­frost, Nebel.

Aus Stadt, Amt und Kreis.

Wattenscheid, 13. Okt.

Abreise der Rekruten.

* Zu Tausenden strömen sie heute ihren Regimentern zu, die angehenden Vaterlandsverteidiger, die neuen Rekruten, zum Teil mit Extrazügen sind auch die Rekruten von Stadt und Amt Wattenscheid nach ihren Garnisonen abge­reist, nachdem sie durch die Rekrutenfürsorge unserer Krieger­vereine auf den Dienst in praktischer Weise vorbereitet sind.

Es ist eine gewissermaßen bunt gewürfelte Menge von jun­gem Menschenmaterial, welche sich stellt. Denn sie kommen aus allen möglichen Berufs= und Standesverhältnissen. Dem einen sieht man sofort eine beträchtliche Wohlbehäbigkeit an: der andere kann's nicht verbergen, daß er ein armer Teufel ist. Neben dem Stadtmenschen steht der junge Mann aus entlegener Dörflichkeit. Diesem Gesicht hängt viel Stuben­luft an, und jenes verrät, daß sein Inhaber meistens im Freien zu tun hatte. Die verschiedensten Gestalten—, aber nun sollen sie alle unter einer gemeinsamen Losung lernen und handeln: Dienst= und Wehrpflicht für Kaiser und Reich, für König und Vaterland! Im großen Gedächtnisjahre wol­len wir uns mit besonderem Danke daran erinnern, daß da­mals vor hundert Jahren auch der gewaltige, vaterländische Gedanke der allgemeinen Wehrpflicht einen tatkräftigsten Ausdruck fand. Scharnhorst, der kluge und schneidige Waffenschmied der deutschen Freiheit, hat ihn klar erkannt und wacker verfochten. Jeder Angehörige des Staates, so sprach es dieser prächtige Mann wiederholt aus, soll ohne Unterschied der Geburt kriegspflichtig sein; für alle gesun­den Söhne des Vaterlandes ist der Heeresdienst eine einfache patriotische Pflicht!... Zunächst mögen die neuen Verhält­nisse, in die der junge Rekrut auf einmal eintritt, manche harte Ruß mit sich bringen. Zumal für solche, die bisher ein bißchen Muttersöhnchen spielten. Aber allgemach wächst man doch in Straffheit und Kräftigkeit hinein. Man erkennt mehr und mehr die innere Notwendigkeit und den höhe­ren Zweck von Drill und Disziplin. Man fühlt die Wahr­heit des Bismarck=Wortes:„Die Opfer, welche die allge­meine Wehrpflicht fordert, treten weit zurück hinter dem Nutzen, den sie schafft!“ Wie im Fluge vergehen die ersten Tage und Wochen. Es kommt die feierliche Stunde der kruten=Vereidigung. Ein freudiges Stolzgefühl darf den Mann im Königsrock erfüllen. Es ist etwas Großes und Schönes, dem Volk in Waffen angehören zu können, als wehrhaftes Glied einer großen Gemeinsamkeit im besonde­ren Sinne mitwirken zu dürfen für des Vaterlandes und Ehre. Also Glück auf allen neuen Rekruten! Mögen sie sich bald als tüchtige, ehrliebende Soldaten fühlen, und möge ihnen dann noch in späteren Jahren die Erinnerung an diese Zeit das Herz warm machen und die Augen leuch­ten lassen!

Ein Wattenscheider Veteranenbuch.

* Die Anregung des Vorsitzenden des Wattenscheider

Kriegerverbandes, Hauptmann d. R. Kampmann, nach dem Muster des Bochumer Veteranenbuches auch die Kriegserinnerungen der Veteranen von Stadt und Amt Wattenscheid zu sammeln und in ei­nem Buche zusammen zustellen, hat bei allen unseren Kriegern freudige Begeisterung und weiter besonders auch in den Kreisen der ehemaligen Soldaten allgemeines

Interesse hervorgerufen. Die Kriegsveteranen­Vereinigung mit ehrem Vorsitzenden Joh. M kus an der Spitze hat sich der Sache mit Eiser und Freude angenommen und hatte zur Besprechung u. bereitung des Planes auf Samstag nachmittag eine Versammlung im Vereinslokal Walterscheid ein­berufen, wofür Hauptmann d. R. Kampmann das Re­ferat übernommen hatte. Als Vorsitzender Mikus, kurz nach 5 Uhr die Versammlung eröffnete, hatten sich ca. 70 ergraute Krieger eingefunden, viele unter der Last der Jahre gebückt, andere jedoch noch mit strammer, sol­datischer Haltung, welche die 7 Jahrzehnte noch beugen vermochte. Manchen Charakterkopf sah man und manches noch im zugendlichen Veugr,ensctgtenges„Auge. Unter größter, stets wachsender Aufmerksamkeit entwik­kelte Hauptmann d. R. Kampmann nunmehr seinen Plan bezüglich des Veteranenbuches. Den Ausführun­gen, welche von der großen Vertrautheit des Redners

mit der Geschichte unsrer letzten Kriege zeugten, entnehmen wir kurz folgendes: Die Absicht, die Kriegserinnerungen im Anschluß an die von jetzt ab jährlich erscheinenden Berichte des Kriegerverbandes zu veröffentlichen, hat man fallen gelassen, weil sich dann die Veröffentlichun­gen auf viele Jahre erstrecken und die Berichte in ein­zelnen Heften, die natürlich leicht verloren gehen, zer

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haut zu dem Entsczun#ccommen, nach dem Muster des

Bochumer Veteranenbuches, von dem ein Exemplar der

Versammlung vorlag, ein solches für die

Stadt und Amt Wattenscheid herauszugeben, sodaß alle Er­innerungen in einem einzigen Bande gesammelt werden. Der Redner erbat zu Ausführungen dieses Planes, die Unterstützung sämtlicher Veteranen. Alle möchten die Er­innerungen aus den letzten Kriegen zu Papier bringen, ganz gleich in welcher Form, und das Schriftstück dem Redner zusenden. Etwa dem Gedächtnis entfallegg Zige men würden an Hand der vorhandenen kriegsgeschichti: chen Werke ergänzt. Persönliche Erlebnisse und Eindrücke sowie besondere Beobachtungen möchte man eingehend darstellen, damit jeder Bericht eine ausgesprochen ver­sönliche Note erhalte. Falls dem einen oder anderen eine Niederschrift nicht möglich sei, so stehe der Redner zur Entgegennahme der mündlichen Erzählung stets gern zur Verfügung. Das Mitgeteilte werde steno­graphiert und dann bearbeitet. Großen Wert besäßen ferner die Feldbriefe für das Buch, also diejenigen Briese, welche von den im Felde stehenden Soldaten in die Heimat geschrieben wurden. Da das Buch illu­striert werden soll, wird jedem Bericht das Bild des Veteranen beigefügt. Zu diesem Zwecke bat der Red­ner, ihm möglichst Bilder aus der Soldatenzeit einzu­senden, falls diese jedoch nicht vorhanden seien, solche neueren Datums. Der mit lebhaftem Beifall ausgenom­mene Vortrag schloß mit der Aufforderung auf einmü­tige Unterstützung des Werkes. In der Diskussion wurde Hauptmann d. R. Kampmann von allen Seiten lebhafter Dank für das Unternehmen gezollt und eifrigste Mitwir­kung zugesagt. Es wurden bereits einige Berichte über­reicht, nachdem schon vorher mehrere bei dem Verbands­vorsitzenden eingegangen waren. Es ist also alle Gewähr geboten, daß das schöne, der Erinnerung an die große Zeit der letzten Kriege geweihte Heimatswerk zu­stande kommt. Daß es umfangreich und reichhaltig wer­den dürßte, beweist wohl am besten der Umstand, daß in Stadt und Amt Wattenscheid noch 199 Veteranen wohnen, davon 95 in der Stadt und 105 im Amte Wat­tenscheid. 128 sind Mitglieder der Veteranenvereinigung Sodann wurden von der Versammlung die geschäft­lichen Angelegenheiten der Tagesordnung erledigt. Nach­dem Kamerad Fuchs das Protokoll verlesen hatte, teilt Vorsitzender Mikus mit, daß die Versammlung am 19. d. M. ausfällt. Die Vereinigung beteiligt sich am näch­sten Sonntag an den Veranstaltungen des Krieger=Ver­bandes aus Anlaß der Jahrhundertfeier der Völker­schlacht von Leipzig. Morgens ist Kirchgang und darauf Parade, an der auch die Veteranen teilnehmen werden. Nach Erledigung weiterer Vereinsangelegenheiten wurde die anregend verlaufene Versammlung geschlossen.

Die Satzungsänderungen beim Allgemeinen Knappschafts­verein.

* Die am Samstag stattgefundene Generalversamm­lung des Allgemeinen Knappschaftsver­eins, der man in den Kreisen der Bergarbeiter mit be­sonderer Spannung entgegengesehen halte, hat mit. einem wohl nicht allgemein vorausgesehenen für die Bergarbeiterschaft jedenfalls erfreulichen Aus­klang geendet. Zu der Versammlung, in die die Knappschaftsältesten mit ihrer vollen Stimmenzahl von 472 und die Werksbesitzer mit ihrer auf 136 Werke ent­fallenden Stimmenzahl von 3823 vertreten waren, hatte das Königliche Oberbergamt als seine Kommissare die Oberbergräte Kreisel und Kieserling entsandt. Nach Vor­wegnahme einiger Wahlen wurde in die Behandlung des Hauptgegenstandes der Tagesordnung, die Satzungs­änderung, eingetreten. Es lagen dazu eine ganze Reihe von Anfrägen vor: neben dem die Bestimmung der Reichsversicherungsordnung berücksichtigenden Entwurf der Verwaltung auch Verbesserungsanträge der 3 großen Bergarbeiterorganisationen, sowie des Steiger=Verbandes und des Deutschen Gruben= und Fabrikbeamtenverban­des. Gleich bei Eintritt in die Erörterung erklärte der Vorsitzende Geheimrat Weidtman, die Werks­besitzer hätten ihm misgeteilt, daß sie nach einstimmigem Beschluß die Anträge der 3 Bergarbeiterverbände ab­lehnen würden und zwar wegen zu hoher Mehr­belastung, die sie bedingten. Um diese Mehrbela­stung im einzelnen vor Augen zu führen, hatte Geheim­rat Weidtman den finanziellen Stand des Allgemeinen Knappschaftsvereins ermitteln, und versicherungstechnisch beleuchten lassen. Aus dem sehr reichhaltigen Zahlen­

sce geägegen 155 zu: Zahre 1902 auf 282

nen Knappschaftsverein, vas im Jayre 1902 auf 282 Millionen Mark errechnet worden war, sich nach der Ausstellung auf 534 Millionen Mark beläuft. Es

ist also in den 11 Jahren um 252 Millionen M. größer geworden. Etwas günstiger sieht sich die Sache an, wenn Defizit auf den Kopf der Mitglieder berechnet. Es ergibt sich dann eine Ermäßigung von 2100 M. auf 1700 Mark. Was die Anträge der Verbände angeht, so derjenige des christlichen Gewerkvereins eine jähr­liche Mehrbelafung von 21 Milionen Megig,heriezge

sas ien ale. besen. d. disr. di. licl. Mark bedingen. Es haben nun Verhandlungen stattge

sunden zwischen den Werksvertreiern und den Arbeitneh­mervertreiern im Vorstande. Es sind dies die Aeltesten des alten Bergarbeiterverbandes. Das Ergebnis der Vor­besprechungen ist ein Kompromißentwurf, der eine ganze Reihe nicht unwesentlicher Verbesserun­gen für die Bergarbeiler bringt, wenn naturgemäß auch manche Wünsche haben zurückgestellt werden müssen. Die­ser Entwurf erfordert nach Mitteilungen des Geheimrates Weidtman eine Mehrbelastung von jährlich 1 440 000 M. Der Knappschaftsälteste Linke erklärte als Vertreter der Verbandsältesten, daß man schon seit längerer Zeit be­müht gewesen sei, mit den Werkbesitzern Fühlung zu neh­men, um für die Bergarbeiter wenigstens etwas zu er­reichen. Selbstredend halte man an dem größeren Re­sormprogramm nach wie vor fest, man have aber eine Reihe von Wünschen zurückstellen müssen, um nicht alles

zu gefährden. Linke empfahl dringend die Annahme des Kompromißentwurss. Er meinte im übrigen, auf die Wünsche der Werksvertreter betreffend den Bau eigener Krankenhäuser und betressend die Krankenkassen=Konirolle könne man ruhig Konzessionen machen. Namens des Christlichen Gewerkvereins erklärte der Knappschaftsälteste Wegener, die Gewerkvereinsältesten würden selbstre­dend für die Verbesserungen im Kompromißentwurf ein­treten. Ganz entschieden lehne man aber den Bau wei­terer Krankenhäuser ab, ebenso die Erweiterung der Krankenhauskontrolle, sowie einige andere neue Bestim­mungen, die nach ihrer Meinung Verschlechterungen dar­stellten. Die Polen gaben eine ähnliche Erklärung ab. Da­raufhin wurde der Kompromißantrag sowohl von den Aeltesten sowie von den Werksvertretern einstimmig angenommen. Die Generalversammlung nahm das Er­gebnis mit Beifallsäußerungen auf und Geheimra tWeidt­man gab in einem Schlußwort der Hoffnung Ausdruck, daß die gefaßten Beschlüsse der Vergarbeiterschaft wie

dem Bergbau überhaupt von Nutzen sein möchten.

Die in den Kompromißbeschlüssen vorgesehenen Erhö­hungen der Knappschaftsleistungen gelten vom 1. Jan. 1914 ab für alle an diesem Tage laufenden Unterstützun­gen. Die Kompromißbeschlüsse enthalten auch eine we­sentliche Aenderung in der künftigen Zusammen­setzung der Generalversammlung. Bis­her wurde sie gebildet von sämtlichen Aeltesten. Nach den Kompromißbeschlüssen wird sie in Zukunft zusam­mengesetzt aus 80 Abgeordneten der Aeltesten­schaft, die im Wege der Verhältniswahl ge­wählt werden.

Die Unterführung auf Station Ueckendorf.

* Man schreibt uns: Die Zustände auf dem Bahnhofe Ueckendorf schreien nach Abhilfe. Wenn 5,59 Uhr vor­mittags die Post aus Gelsenkirchen den Bahndamm überschrei­ten will, um mit der elektrischen Straßenbahn zum Postamte zu gelangen, so wird regelmäßig auf dem Bahnübergange rangiert und die Post kommt dann ½ Stunde zu spät in Wattenscheid an. So auch am gestrigen Sonntag wieder. In­folgedessen wurde die Bestellung ½ Stunde zu spät angetre­ten.. Dies ist umso bedauerlicher, als Sonntags früh die stärkste Post kommt.

Herbst=Appell.

* Der diesjährige Herbstappell, zu weichem

sich sämtliche Reservisten und Dispositions=Urlau­ber, sowie diejenigen Landwehrleute zu

stellen haben, welche in der Zeit vom 1. April bis 30.

Septbr. 1901 eingetreten sind, findet für die Gestel­

lungspflichtigen von Stadt und Amt Wattenscheid am 11. und 12. Nov. wie bisher im Saale des Restaurants Ahlmann am Kaiserplatz statt. Die älteren Jahr­

gänge haben sich am 11. Nov., die jüngeren am 12.

Nov. zu stellen.(Näheres siehe Bekanntmachung).

Herbstfest des Kavallerie=Vereins.

* Am Samstagabend beging der Kavallerie=Verein im Saale des Hotels„Kaiserhof“ sein Herbstfest. In recht stattlicher Zahl hatten sich die Vereinsmitglieer mit ihren Damen sowie zahlreiche Gäste eingefunden. Der stellvertre­tende Stadtverbandsvorsitzende Küpper sowie mehrere Vorsitzende der übrigen Vereine des Stadt=Kriegerverbander waren erschienen. Das Programm war, wie das stets bei den Festen des Vereins der Fall ist, ein gewähltes. Die vom Kameraden Nauheimer gestellte Musikkapelle leitete mit einem flotten Kavallerie=Marsch das Fest ein. Der Vereins­vorsitzende Müller begrüßte die Erschienenen in kamerad­schaftlicher Weise. Er gedachte in einer groß angelegten Rede der Zeit vor 100 Jahren und forderte die erschienenen Reser­

visten auf, den Kriegervereinen beizutreten, in denen treue Kameradschaft und vaterländische Gesinnung gepflegt würden, I. In das Hoch auf Seine Majestät stimmte die Festversammlung begeistert ein. Der Humorist Leo Kämmerich(früher Drat­winski) hielt mit seinem reichen Repertoir in den Pausen durch seine Vorträge die Lachmuskeln in fortgesetzter Bewe­gung. Gemeinsam gesungene Kavalleristenlieder und vor allem der Festball ließen die Stunden nur zu schnell verflie­

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