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Nr. 199.

(1: Blatt.)

Donnerstag, den 28. August 1913.

45. Jahrgang.

KitenscheiderZ.

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(General=Anzeiger.)

Amtliches Blatt aller Behörden

weziell für die Orte Wattenscheid, Gelsenkirchen=Aeckendorf, Leithe, Günnigfeld, Hordel,

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in Stadt und Amt Wattenscheid,

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Wetteraussichten.

Wetter für Freitag.

Fortdauer des angenehmen Wetters, nachts kühl, Nebel.

Aus Stadt, Amt und Kreis.

Wattenscheid, 28. Aug.

Schöffensitzung.

* In der Schöffensitzung, welche heute morgen am hiesigen Kgl. Amtsgerichte stattfand, fungierten als Vor­sitzender Assessor Hiddemann, als Schöffen Steiger Aug. Adam von hier und Steiger Friedrich Rottmann von Westenfeld, als Amtsanwalt Polizeikommissar Poguntke. Zur Verhandlung standen 13 Strafsachen und 1 Privatklage.

Verbesserter Straßenbahn=Fahrplan.

* Um vielseitigem Wunsche nachzukommen, hat die kommunale Straßenbahn Herne=Wattenscheid­Höntrop eine Aenderung des Fahrplanes versuchs­weise eingeführt. Um dem Publikum auch in den letz­ten Abendstunden noch genügend Gelegenheit zu geben, die genannte Straßenbahn zu benutzen, wurden folgende Wagen, deren Abfahrtszeiten in Klammern stehen, neu eingelegt: ab Herne 10,30 Uhr(10,50), 11,15

(11,35 Sonntags), ab Höntrop 10.20 Uhr(10.40), 11,00(11,45 Sonntags), ab Eickeler Markt in der Rich­tung Herne 10,10 Uhr(10,30), 10,50(11,10. Sonntags), ab Eickeler Markt in der Richtung Höntrop 9,50(10,10) 10,30(10,50)(11,10 Sonntags). Der letzte durchgehende Wagen von Herne nach Höntrop fährt an Wochentagen 10,30 Uhr und an Sonntagen 10,50. Der letzte durchgehende Wagen von Höntrop nach Herne fährt an Wochentagen 10.20 Uhr und an Sonn­tagen 10,40: Die Fahrplan=Verbesserung wird vom Pub­likum gewiß freudig und mit Dank begrüßt werden.

Eröffnung der kath. Kinderbewahrschule an der Wasserstraße.

* Die von der kath. Kirchengemeinde an der Wasserstraße errichtete neue Kinderbewahrschule ist fertiggestellt und gewährt einen schmucken Eindruck. Die Einweihung und Eröffnung findet, wie wir hören, am Dienstag, 2. Sept., nachm. 2 Uhr, statt. Vorher versammeln sich die Verwahr­schüler im bisherigen Schullokale und ziehen von da zur neuen Schule.. Die Eltern und Gönner der Verwahrschule sind eingeladen.

Rekrutenfürsorge des Kriegerverbandes.

* Der gestern abend in der neuen städt. Turnhalle an der Kaiserstraße abgehaltene Vortrag war von 84 Rekruten besucht. In Vertretung des Verbandsvorsitzenden Haupt­mann d. R. Kampmann, welcher sich im Sauerlande be­findet, begrüßte Oberleutnant d. R. Schalke die Rekruten und gab seiner Freude über die starke Beteiligung Ausdruck. Er forderte die Rekruten auf, dem Vortrage des Restaura­teurs Grimm, Vorsitzender des Kameradschaftl. Vereins 16. Armeekorps, genau zu folgen, da dieser wegen seiner langjährigen Dienstzeit die reichsten Erfahrungen besitze. Hierauf nahm Restaurateur Grimm das Wort, um in 1stün­digem Vortrage über den Diensteintritt. Einkleidung usw. zu sprechen. Er behandelte die ersten Tage im Soldaten­leben und legte den Rekruten hauptsächlich ans Herz, stets Gehorsam und guten Willen zu zeigen. Auch sprach der Red­ner über Armee=Einteilung, ferner über Vorgesetzte, und er­klärte den jungen Vaterlandsverteidigern die einzelnen Chargen und deren Abzeichen. Oberleutnant d. R. Schalke nahm jetzt nochmals das Wort und erzählte einige Anekdoten aus seiner Dienstzeit, ebenso Restaurateur Grimm. Zum Schluß ermahnte Grimm die Rekruten noch, sich an dem am Sonntag, 31. August, vormittags 10 Uhr stattfindenden Gottesdienst aus Anlaß des Sedantages vollzählig zu be­teiligen. An demselben Tage wird nachmittags 2.30 Uhr an der Ecke Kaiser= und Chausseestraße zu einem militäri­schen Spaziergang angetreten. Hierbei soll über Entfernungsschätzen, Erkennen von Zielen usw. gesprochen werden. Auch wird ein Vortrag über die Pölkerschlacht bei Leipzig gehalten werden. Es ist für jeden Rekruten von großer Wichtigkeit, sich an dem Spaziergang zu beteiligen.

Marianische Sodalität.

* Sonntag, 31. August, findet in Günnigfeld das Turnfest der kathol. Jünglings=Vereinigungen des Bezirks­verbandes Wattenscheid statt. Zur Deckung der Unkosten wird ein Programm zu 20 Pfg. ausgegeben.— Die Radfahrer­abteilung der Sodalität(Propsteikirche) unternimmt Sonn­tag, 31. Aug., eine Radtour nach Düsseldorf. Die Teilnehmer versammeln sich um 10 Min. vor 5 Uhr morgens bei der Wirt­schaft Kantpmann in Leithe. Es ist folgendes Programm vor­gesehen: In Düsseldorf 8 Uhr Kirchgang. Tagsüber Besich­tigung der Sehenswürdigkeiten Düsseldorfs unter besonderer Führung eines Düsseldorfer Kollegen. Ankunft abends 8 Uhr hier. Falls auch Vereinsmitglieder teilnehmen wollen, wer­den diese gebeten, sich beim Schriftführer H. Ubrich, West­straße 56, oder beim Führer der Abteilung, J. Sonnenschein, Leithe, zu erkundigen. Teilnehmer haben in Sportmütze und gewöhnlichen Anzug zu erscheinen.

a Der Biöhzesan=Delesiertentag der Latch. Arbeiten u. Knappenvereine der Dibzese Paderborn findet am Sonn­

tag, 14. Sept. d. I., in Herne statt. Die Verhand­lungen, zu denen ca. 400 Delegierte aus allen Teilen der Diözese, u. a. auch von den kath. Arbeiter= u. Knap­pen=Vereinen in Stadt und Amt Wattenscheid erwartet werden, finden im großen Saale des kath. Ge­sellenhauses statt. Eingeleitet wird die Tagung, an der außer andern Herren auch ein Vertreter des Bischofs teil­nehmen wird, durch ein feierliches Levitenamt um 10 Uhr vormittags in der St. Bonifatiuskirche. Die Vereine haben Sorge zu tragen, daß die Fahnendeputationen frühzeitig in dem Gesellenhause sind. Die Verhandlun­gen beginnen nach dem Gottesdienst um 11 Uhr in dem Gesellenhause und werden mit einer kurzen Mittagspau­sen-Unterbrechung bis des Abends dauerne Bis zum 9. September sind dem Generalsekretariat die Teilnehmer­liste der Delegierten von den einzelnen Vereinen einzu­reichen.— Die diesjährigen Exerzitien für die Mitglieder des Bezirksverbandes sinden in Werl vom 7. bis 9. September statt.

Sommer=Variete.

* Auf dem Bismarckplatz wird von heute ab Stobbes Sommer=Variete Vorstellungen veranstalten. Wie uns mitge­teilt wird, verfügt das Unternehmen über eine große Zahl von ersten Kunstkräften, die sämtlich heute abend 8,30 Uhr in der Eröffnungsvorstellung auftreten werden. Die Preise sind sehr niedrig angesetzt.

Fliegerunfall.

* Auf dem Flugplatz Gelsenkirchen wollte der Flug­schüler Hötig seine Pilotenprüfung ablegen. Beim Lan­den überschlug sich der Apparat. Der Flieger hlieb un­verletzt, während das Flugzeug schwer beschädigt wurde.

Kinder haben einen Schutzengel.

* Gestern abend gegen 8 Uhr stürzte die 2 Jahre alte Elisabeth Jungs aus einem Fenster des 2. Stockwerks des Hauses Bochumerstraße 142 in den Hof. Trotz des aus be­trächtlicher Höhe erfolgten Sturzes erlitt das Kind zur größten Freude der erschreckten Eltern nur eine geringfügige Fleischwunde. Es ist noch frisch und wohlauf,

Der freigebige Herr Klapperstorch.

* Der„Klapperstorch“ hat auch anscheinend von der Klage der Standesämter über den Geburtenrückgang ge­hört. Er ist nun bemüht, diesem Uebelstande in etwa abzuhelfen, indem er mitunter denjenigen Eheleuten, die ein Kindchen bei ihm bestellt haben, nicht wie er es ge­wöhnlich zu tun pflegt, ein Kind, sondern wie es z. B. vor einigen Tagen in Bergeborbeck der Fall gewesen ist, gleich 4 gesunde Erdenbürger ins Haus brachte. Einen Tag später klopfte der Herr Klappersterch bei einer an­deren Bergmannsfamilie in Essen=West an und brachte dort Drillinge. Auch diese Familie war höchst überrascht über diese Freigebigkeit des„Storches“.— Wie nötig dieser gütige Segen des Klapperstorches ist, beweisen die nachstehenden Ausführungen, wonach leider abermals eine weitere Abnahme der Geburten in Preußen zu verzeichnen ist: Im 1. Vierteljahr 1913 hat die Zahl der Lebendgeborenen in Preußen 293 652 betragen, was einer Abnahme gegenüber dem­selben Vierteljahr 1912 um rund 10 000 oder 3,36 Prz. ausmacht. Das Land ist an dieser Abnahme mit rund 8000 stärker beteiligt als die Städte; immerhin waren die Geburten auf dem Lande verhältnismäßig noch we­sentlich zahlreicher als in den Städten. Denn auf 1000 Einwohner entfallen in den Städten nur 25,32(in den Stadtkreisen 24,95), auf dem Lande dagegen 31,14 Ge­borene. Im ganzen Staate, beträgt die Verhältniszahl 28,35, im Landpolizeibezirk Berlin nur 19,87. Demge­genüber ist erfreulicherweise auch die Zahl der Todes­fälle wesentlich herabgegangen; sie betrug nur 162 871 gegen 175 818 im Vorjahre, sodaß eine Ab­nahme um 12 947 oder 7,4 Proz. erfolgt ist. Die na­türliche Volksvermehrung war infolgedessen um rund 3000 größer als im 1. Quartal 1912. Am stärksten war der Rückgang der Sterblichkeit bei den Säuglingen bis zu einem Jahre mit 40 440 gegen 43 721. Es kommen auf 1000 Lebendgeborene nur 137,71 Säuglingssterbefälle gegen 143,88 im Vorjahre.

Einbrecher bei der Arbeit.

* In der verflossenen Nacht drangen Diebe in das Ge­schäft des Kaufmanns Steinwasser, Nordstr. 5, indem sie vom Hofe aus ein Fenster gewaltsam öffneten und dann mehrere Türen erbrachen. Die Einbrecher befanden sich be­reits im Laden, als der Geschäftsinhaber erwachte und die Diebe verscheuchte. Sie flüchteten und entkamen leider uner­kannt. Die Beute kann nur eine sehr geringe sein.

Ein Jubiläumsgeschenk aus Kohle für den Kaiser.

* Von einem eigenartigen Jubiläumsgeschenk für den Kaiser erfährt man, wie der„Inf.“ mitgeteilt wird, erst jetzt. Es handelt sich um das Geschenk eines einsachen Mannes, des Lokomotivführers Alois Klammer von der Gruhe in Grzegow, der aus Kohle der dortigen= Grube einen kunstvollen Obelisken mit symbolischen Darstellun­gen gemeißelt und durch die Grubenverwaltung an das Kaiserliche Oberhöfmarschallamt gesandt hat. Der Obelisk stellt Deutschland im Frieden dar. Ein auf der obersten Kante stehender Adler breitet seine Flügel weit über die Ränder des Obeltsken und hält im Schnabel einen Ei­

chenlaubkranz aus Kohle mit der Zahl 25. Der Kaiser nahm das Geschenk mit großem Interesse entgegen und verlieh dem Lokomotivführer als Gegengabe eine, ein verschlungenes W. und eine mit Brillanten besetzte Krone zeigende goldene Busennadel.

Neue Verordnung für Postlagersendungen.

* Das Reichspostamt hat eine neue Verfügung erlas­sen, die für das postlagernd korrespondierende Publikum von großer Bedeutung ist. Bisher wurde jede Postlager­sendung— wenn sie nicht lebende Tiere enthielt— 4 Wochen lang zur Verfügung des Empfängers gehalten. War sie bis dahin nicht abgeholt, so erfolgte die Rück­sendung oder— wenn der Absender nicht zu ermitteln war— die Vernichtung. Von jetzt ab soll es gestattet sein, diese Lagerfrist durch einen Vermerk zu beschränken und eine frühere Rücksendung zu erwirken.„Zurücksenden, wenn nicht bis 30. August abgeholt!“ oder:„Nur bis zum 30. August lagern lassen!“ sind etwa die Schemata für solche Aufschriften, deren deutliche Lesbarkeit ebenso anempfohlen wird wie ein kräftiges Unterstreichen.

Scheuendes Pferd.

* Westenfeld, 28. Aug. Gestern mittag um 12,15 scheute auf der Hauptstraße das Pferd eines Metzgermeistere aus Wattenscheid und ging durch. Auf dem Wagen, welcher mit voller Wucht gegen einen Straßenbaum rannte, befan­den sich ein Junge und ein Mädchen, welche zum Glück nicht verletzt wurden. Das Pferd konnte später wieder aufgegriffen werden. Am Wagen wurden beide Achsen abgebrochen. Auch das Geschirr des Pferdes ist teilweise beschädigt.

Gewerkverein christlicher Vergarbeiter.

* Höntrop, 28. Aug. Am Sonntag tagte im Knappmannschen Saale eine Versammlung des Gewerk­vereins christl. Bergarbeiter. Der Vorsitzende Möhle hielt eine Begrüßungsansprache. Fräulein Hoffmann­Köln referierte über die Bedeutung der gewerkschaftlichen Organisation für das Familienleben. Rednerin appellierte besonders an die Frauen, sich mit den Aufgaben des Ge­werkvereins vertraut zu machen und in gewerkschaftlichem Sinne mitzuarbeiten. Jede christliche Mutter müsse da­rauf dringen, daß die erwachsenen Söhne dem Gewerk­verein christlicher Bergarbeiter beiträten. Reicher Beifall lohnte die Ausführungen der Rednerin. Gewerkschafts­sekretär Tiege=Dortmund erläuterte eingehend die Be­schlüsse der 14. Generalversammlung und ihre Bedeutung für die Bergarbeiterschaft. Im Mittelpunkt des Inter­esses stände die Beitragserhöhung, die angesichts der Stärkung der Arbeitgeberorganisationen nötig und bei dem Durchschnittsverdienst der Bergleute auch möglich ge­wesen sei. Nach einstimmiger Annahme einer entsprechen­den Resolution wurde die Versammlung geschlossen.

Evangel. Kirche Höntrop.

* Höntrop, 28. Aug. Unsere ev. Kirche gewährt seit einiger Zeit einen schöneren Anblick dadurch, daß der ganze Platz mit einem hübschen Gitterzaun eingefaßt und der Vor­platz mit einem Rasen bedeckt ist. In der Kirche sind die Gänge mit Teppichen belegt worden.

Unbekannter Selbstmörder.

* Kray, 28. Aug. Die Personalien des am 3. Mai auf dem Bahnkörper der Strecke Kray=Süd—Essen­Hbhf. aufgefundenen jugendlichen Selbstmörders sind noch immer nicht ermittelt. Beschreibung des Toten: 17—18 Jahre alt, 1,58—1,60 Meter groß, schlank, schwarzes Haar, bartlos, hohe Stirn, längliches Gesicht, blaugraue Augen, braune Augenbrauen, große abstehende Ohren, vollständige, schlecht gepflegte Zähne. Bekleidung: Brau­ner, abgetragener, weicher Filzhut, graue Joppe und Wefte, dunkle Hose, die mit einem neuen Gesäß versehen ist, schwarzblau=karriertes Bieberhemd, Macco=Unterhose, graue Socken, Arbeiterschnürschuhe und gestrickter brauner Selbstbinder. Personen, welche zwecks Feststellung der Leiche sachdienliche Angaben machen können, werden ge­beten, sich an die nächste Polizeibehörde zu wenden.

Selbstmord.

* Gelsenkirchen, 28. Aug. Selbstmord durch Erhängen beging der 43jährige Arbeiter A. in der Lui­senstraße. Spielende Kinder fanden ihn unter einer Brücke im Felde an der König=Wilhelm=Straße tot vor. Irgend welche Gründe, die den Mann in den Tod getrieben ha­ben, sind nicht bekannt.

(Weitere Lokalnachrichten siehe 2. Blatt.)

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