1 ∆ Nr. 199. (1: Blatt.) Donnerstag, den 28. August 1913. 45. Jahrgang. KitenscheiderZ. „„ g e g r ü n d e t 1 8 8 8( M a s s a f t e B T a A (General=Anzeiger.) Amtliches Blatt aller Behörden weziell für die Orte Wattenscheid, Gelsenkirchen=Aeckendorf, Leithe, Günnigfeld, Hordel, I. Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage und kostet inkl. Botenlohn monatlich 70 Pfg., vierteljährlich 2.10 Mk., im Postgebiet 2.20 Mk., wenn frei ins Haus 2.60 Mk. voraus zahlbar. Wöchentliche isblatt" Gratis=Beilage:„Illustriertes Sonntagsb. (Sseitig). (Neueste Nachrichten.) in Stadt und Amt Wattenscheid, bevinghausen, Westenfeld, Höntrop, Eppendorf, Munscheid, Eiberg, Freisenbruch u. a. ennersenernneseneeneseennenseneenenessennenneenesennenseneeenendsonsnnonerneerennernenseneneeneneen ! Anzeigen pro Nonpareillezeile oder deren Raum 15 Pfg., auswärts#. à 20 Pfg., Reklamen 60 Pfg. pro Zeile. Bestimmte Platz= und Termin 2 : zusagen ausgeschlossen. Skonto(Rabatt) nur bei Zahlung sofort nach: Erhalt der Rechnung: sen Die Abonnenten der„Wattenscheider Zeitung" erhalten bei tödlichen Unfällen 425 Mk. Unfallunterstützung und haben jeden Monat 3 Zeilen Inserate gratis. S. Bestimmungen. Telegr.=Adr.: Zeitung. Telefon 181. Rotationsdruck und Verlag Carl Busch, verantw. Redakteur Bernhard Scholten, beide Wattenscheid. Postscheck=Kto Köln 8566. Wetteraussichten. Wetter für Freitag. Fortdauer des angenehmen Wetters, nachts kühl, Nebel. Aus Stadt, Amt und Kreis. Wattenscheid, 28. Aug. Schöffensitzung. * In der Schöffensitzung, welche heute morgen am hiesigen Kgl. Amtsgerichte stattfand, fungierten als Vorsitzender Assessor Hiddemann, als Schöffen Steiger Aug. Adam von hier und Steiger Friedrich Rottmann von Westenfeld, als Amtsanwalt Polizeikommissar Poguntke. Zur Verhandlung standen 13 Strafsachen und 1 Privatklage. Verbesserter Straßenbahn=Fahrplan. * Um vielseitigem Wunsche nachzukommen, hat die kommunale Straßenbahn Herne=WattenscheidHöntrop eine Aenderung des Fahrplanes versuchsweise eingeführt. Um dem Publikum auch in den letzten Abendstunden noch genügend Gelegenheit zu geben, die genannte Straßenbahn zu benutzen, wurden folgende Wagen, deren Abfahrtszeiten in Klammern stehen, neu eingelegt: ab Herne 10,30 Uhr(10,50), 11,15 (11,35 Sonntags), ab Höntrop 10.20 Uhr(10.40), 11,00(11,45 Sonntags), ab Eickeler Markt in der Richtung Herne 10,10 Uhr(10,30), 10,50(11,10. Sonntags), ab Eickeler Markt in der Richtung Höntrop 9,50(10,10) 10,30(10,50)(11,10 Sonntags). Der letzte durchgehende Wagen von Herne nach Höntrop fährt an Wochentagen 10,30 Uhr und an Sonntagen 10,50. Der letzte durchgehende Wagen von Höntrop nach Herne fährt an Wochentagen 10.20 Uhr und an Sonntagen 10,40: Die Fahrplan=Verbesserung wird vom Publikum gewiß freudig und mit Dank begrüßt werden. Eröffnung der kath. Kinderbewahrschule an der Wasserstraße. * Die von der kath. Kirchengemeinde an der Wasserstraße errichtete neue Kinderbewahrschule ist fertiggestellt und gewährt einen schmucken Eindruck. Die Einweihung und Eröffnung findet, wie wir hören, am Dienstag, 2. Sept., nachm. 2 Uhr, statt. Vorher versammeln sich die Verwahrschüler im bisherigen Schullokale und ziehen von da zur neuen Schule.. Die Eltern und Gönner der Verwahrschule sind eingeladen. Rekrutenfürsorge des Kriegerverbandes. * Der gestern abend in der neuen städt. Turnhalle an der Kaiserstraße abgehaltene Vortrag war von 84 Rekruten besucht. In Vertretung des Verbandsvorsitzenden Hauptmann d. R. Kampmann, welcher sich im Sauerlande befindet, begrüßte Oberleutnant d. R. Schalke die Rekruten und gab seiner Freude über die starke Beteiligung Ausdruck. Er forderte die Rekruten auf, dem Vortrage des Restaurateurs Grimm, Vorsitzender des Kameradschaftl. Vereins 16. Armeekorps, genau zu folgen, da dieser wegen seiner langjährigen Dienstzeit die reichsten Erfahrungen besitze. Hierauf nahm Restaurateur Grimm das Wort, um in 1stündigem Vortrage über den Diensteintritt. Einkleidung usw. zu sprechen. Er behandelte die ersten Tage im Soldatenleben und legte den Rekruten hauptsächlich ans Herz, stets Gehorsam und guten Willen zu zeigen. Auch sprach der Redner über Armee=Einteilung, ferner über Vorgesetzte, und erklärte den jungen Vaterlandsverteidigern die einzelnen Chargen und deren Abzeichen. Oberleutnant d. R. Schalke nahm jetzt nochmals das Wort und erzählte einige Anekdoten aus seiner Dienstzeit, ebenso Restaurateur Grimm. Zum Schluß ermahnte Grimm die Rekruten noch, sich an dem am Sonntag, 31. August, vormittags 10 Uhr stattfindenden Gottesdienst aus Anlaß des Sedantages vollzählig zu beteiligen. An demselben Tage wird nachmittags 2.30 Uhr an der Ecke Kaiser= und Chausseestraße zu einem militärischen Spaziergang angetreten. Hierbei soll über Entfernungsschätzen, Erkennen von Zielen usw. gesprochen werden. Auch wird ein Vortrag über die Pölkerschlacht bei Leipzig gehalten werden. Es ist für jeden Rekruten von großer Wichtigkeit, sich an dem Spaziergang zu beteiligen. Marianische Sodalität. * Sonntag, 31. August, findet in Günnigfeld das Turnfest der kathol. Jünglings=Vereinigungen des Bezirksverbandes Wattenscheid statt. Zur Deckung der Unkosten wird ein Programm zu 20 Pfg. ausgegeben.— Die Radfahrerabteilung der Sodalität(Propsteikirche) unternimmt Sonntag, 31. Aug., eine Radtour nach Düsseldorf. Die Teilnehmer versammeln sich um 10 Min. vor 5 Uhr morgens bei der Wirtschaft Kantpmann in Leithe. Es ist folgendes Programm vorgesehen: In Düsseldorf 8 Uhr Kirchgang. Tagsüber Besichtigung der Sehenswürdigkeiten Düsseldorfs unter besonderer Führung eines Düsseldorfer Kollegen. Ankunft abends 8 Uhr hier. Falls auch Vereinsmitglieder teilnehmen wollen, werden diese gebeten, sich beim Schriftführer H. Ubrich, Weststraße 56, oder beim Führer der Abteilung, J. Sonnenschein, Leithe, zu erkundigen. Teilnehmer haben in Sportmütze und gewöhnlichen Anzug zu erscheinen. a Der Biöhzesan=Delesiertentag der Latch. Arbeiten u. Knappenvereine der Dibzese Paderborn findet am Sonntag, 14. Sept. d. I., in Herne statt. Die Verhandlungen, zu denen ca. 400 Delegierte aus allen Teilen der Diözese, u. a. auch von den kath. Arbeiter= u. Knappen=Vereinen in Stadt und Amt Wattenscheid erwartet werden, finden im großen Saale des kath. Gesellenhauses statt. Eingeleitet wird die Tagung, an der außer andern Herren auch ein Vertreter des Bischofs teilnehmen wird, durch ein feierliches Levitenamt um 10 Uhr vormittags in der St. Bonifatiuskirche. Die Vereine haben Sorge zu tragen, daß die Fahnendeputationen frühzeitig in dem Gesellenhause sind. Die Verhandlungen beginnen nach dem Gottesdienst um 11 Uhr in dem Gesellenhause und werden mit einer kurzen Mittagspausen-Unterbrechung bis des Abends dauerne Bis zum 9. September sind dem Generalsekretariat die Teilnehmerliste der Delegierten von den einzelnen Vereinen einzureichen.— Die diesjährigen Exerzitien für die Mitglieder des Bezirksverbandes sinden in Werl vom 7. bis 9. September statt. Sommer=Variete. * Auf dem Bismarckplatz wird von heute ab Stobbes Sommer=Variete Vorstellungen veranstalten. Wie uns mitgeteilt wird, verfügt das Unternehmen über eine große Zahl von ersten Kunstkräften, die sämtlich heute abend 8,30 Uhr in der Eröffnungsvorstellung auftreten werden. Die Preise sind sehr niedrig angesetzt. Fliegerunfall. * Auf dem Flugplatz Gelsenkirchen wollte der Flugschüler Hötig seine Pilotenprüfung ablegen. Beim Landen überschlug sich der Apparat. Der Flieger hlieb unverletzt, während das Flugzeug schwer beschädigt wurde. Kinder haben einen Schutzengel. * Gestern abend gegen 8 Uhr stürzte die 2 Jahre alte Elisabeth Jungs aus einem Fenster des 2. Stockwerks des Hauses Bochumerstraße 142 in den Hof. Trotz des aus beträchtlicher Höhe erfolgten Sturzes erlitt das Kind zur größten Freude der erschreckten Eltern nur eine geringfügige Fleischwunde. Es ist noch frisch und wohlauf, Der freigebige Herr Klapperstorch. * Der„Klapperstorch“ hat auch anscheinend von der Klage der Standesämter über den Geburtenrückgang gehört. Er ist nun bemüht, diesem Uebelstande in etwa abzuhelfen, indem er mitunter denjenigen Eheleuten, die ein Kindchen bei ihm bestellt haben, nicht wie er es gewöhnlich zu tun pflegt, ein Kind, sondern wie es z. B. vor einigen Tagen in Bergeborbeck der Fall gewesen ist, gleich 4 gesunde Erdenbürger ins Haus brachte. Einen Tag später klopfte der Herr Klappersterch bei einer anderen Bergmannsfamilie in Essen=West an und brachte dort Drillinge. Auch diese Familie war höchst überrascht über diese Freigebigkeit des„Storches“.— Wie nötig dieser gütige Segen des Klapperstorches ist, beweisen die nachstehenden Ausführungen, wonach leider abermals eine weitere Abnahme der Geburten in Preußen zu verzeichnen ist: Im 1. Vierteljahr 1913 hat die Zahl der Lebendgeborenen in Preußen 293 652 betragen, was einer Abnahme gegenüber demselben Vierteljahr 1912 um rund 10 000 oder 3,36 Prz. ausmacht. Das Land ist an dieser Abnahme mit rund 8000 stärker beteiligt als die Städte; immerhin waren die Geburten auf dem Lande verhältnismäßig noch wesentlich zahlreicher als in den Städten. Denn auf 1000 Einwohner entfallen in den Städten nur 25,32(in den Stadtkreisen 24,95), auf dem Lande dagegen 31,14 Geborene. Im ganzen Staate, beträgt die Verhältniszahl 28,35, im Landpolizeibezirk Berlin nur 19,87. Demgegenüber ist erfreulicherweise auch die Zahl der Todesfälle wesentlich herabgegangen; sie betrug nur 162 871 gegen 175 818 im Vorjahre, sodaß eine Abnahme um 12 947 oder 7,4 Proz. erfolgt ist. Die natürliche Volksvermehrung war infolgedessen um rund 3000 größer als im 1. Quartal 1912. Am stärksten war der Rückgang der Sterblichkeit bei den Säuglingen bis zu einem Jahre mit 40 440 gegen 43 721. Es kommen auf 1000 Lebendgeborene nur 137,71 Säuglingssterbefälle gegen 143,88 im Vorjahre. Einbrecher bei der Arbeit. * In der verflossenen Nacht drangen Diebe in das Geschäft des Kaufmanns Steinwasser, Nordstr. 5, indem sie vom Hofe aus ein Fenster gewaltsam öffneten und dann mehrere Türen erbrachen. Die Einbrecher befanden sich bereits im Laden, als der Geschäftsinhaber erwachte und die Diebe verscheuchte. Sie flüchteten und entkamen leider unerkannt. Die Beute kann nur eine sehr geringe sein. Ein Jubiläumsgeschenk aus Kohle für den Kaiser. * Von einem eigenartigen Jubiläumsgeschenk für den Kaiser erfährt man, wie der„Inf.“ mitgeteilt wird, erst jetzt. Es handelt sich um das Geschenk eines einsachen Mannes, des Lokomotivführers Alois Klammer von der Gruhe in Grzegow, der aus Kohle der dortigen= Grube einen kunstvollen Obelisken mit symbolischen Darstellungen gemeißelt und durch die Grubenverwaltung an das Kaiserliche Oberhöfmarschallamt gesandt hat. Der Obelisk stellt Deutschland im Frieden dar. Ein auf der obersten Kante stehender Adler breitet seine Flügel weit über die Ränder des Obeltsken und hält im Schnabel einen Eichenlaubkranz aus Kohle mit der Zahl 25. Der Kaiser nahm das Geschenk mit großem Interesse entgegen und verlieh dem Lokomotivführer als Gegengabe eine, ein verschlungenes W. und eine mit Brillanten besetzte Krone zeigende goldene Busennadel. Neue Verordnung für Postlagersendungen. * Das Reichspostamt hat eine neue Verfügung erlassen, die für das postlagernd korrespondierende Publikum von großer Bedeutung ist. Bisher wurde jede Postlagersendung— wenn sie nicht lebende Tiere enthielt— 4 Wochen lang zur Verfügung des Empfängers gehalten. War sie bis dahin nicht abgeholt, so erfolgte die Rücksendung oder— wenn der Absender nicht zu ermitteln war— die Vernichtung. Von jetzt ab soll es gestattet sein, diese Lagerfrist durch einen Vermerk zu beschränken und eine frühere Rücksendung zu erwirken.„Zurücksenden, wenn nicht bis 30. August abgeholt!“ oder:„Nur bis zum 30. August lagern lassen!“ sind etwa die Schemata für solche Aufschriften, deren deutliche Lesbarkeit ebenso anempfohlen wird wie ein kräftiges Unterstreichen. Scheuendes Pferd. * Westenfeld, 28. Aug. Gestern mittag um 12,15 scheute auf der Hauptstraße das Pferd eines Metzgermeistere aus Wattenscheid und ging durch. Auf dem Wagen, welcher mit voller Wucht gegen einen Straßenbaum rannte, befanden sich ein Junge und ein Mädchen, welche zum Glück nicht verletzt wurden. Das Pferd konnte später wieder aufgegriffen werden. Am Wagen wurden beide Achsen abgebrochen. Auch das Geschirr des Pferdes ist teilweise beschädigt. Gewerkverein christlicher Vergarbeiter. * Höntrop, 28. Aug. Am Sonntag tagte im Knappmannschen Saale eine Versammlung des Gewerkvereins christl. Bergarbeiter. Der Vorsitzende Möhle hielt eine Begrüßungsansprache. Fräulein HoffmannKöln referierte über die Bedeutung der gewerkschaftlichen Organisation für das Familienleben. Rednerin appellierte besonders an die Frauen, sich mit den Aufgaben des Gewerkvereins vertraut zu machen und in gewerkschaftlichem Sinne mitzuarbeiten. Jede christliche Mutter müsse darauf dringen, daß die erwachsenen Söhne dem Gewerkverein christlicher Bergarbeiter beiträten. Reicher Beifall lohnte die Ausführungen der Rednerin. Gewerkschaftssekretär Tiege=Dortmund erläuterte eingehend die Beschlüsse der 14. Generalversammlung und ihre Bedeutung für die Bergarbeiterschaft. Im Mittelpunkt des Interesses stände die Beitragserhöhung, die angesichts der Stärkung der Arbeitgeberorganisationen nötig und bei dem Durchschnittsverdienst der Bergleute auch möglich gewesen sei. Nach einstimmiger Annahme einer entsprechenden Resolution wurde die Versammlung geschlossen. Evangel. Kirche Höntrop. * Höntrop, 28. Aug. Unsere ev. Kirche gewährt seit einiger Zeit einen schöneren Anblick dadurch, daß der ganze Platz mit einem hübschen Gitterzaun eingefaßt und der Vorplatz mit einem Rasen bedeckt ist. In der Kirche sind die Gänge mit Teppichen belegt worden. Unbekannter Selbstmörder. * Kray, 28. Aug. Die Personalien des am 3. Mai auf dem Bahnkörper der Strecke Kray=Süd—EssenHbhf. aufgefundenen jugendlichen Selbstmörders sind noch immer nicht ermittelt. Beschreibung des Toten: 17—18 Jahre alt, 1,58—1,60 Meter groß, schlank, schwarzes Haar, bartlos, hohe Stirn, längliches Gesicht, blaugraue Augen, braune Augenbrauen, große abstehende Ohren, vollständige, schlecht gepflegte Zähne. Bekleidung: Brauner, abgetragener, weicher Filzhut, graue Joppe und Wefte, dunkle Hose, die mit einem neuen Gesäß versehen ist, schwarzblau=karriertes Bieberhemd, Macco=Unterhose, graue Socken, Arbeiterschnürschuhe und gestrickter brauner Selbstbinder. Personen, welche zwecks Feststellung der Leiche sachdienliche Angaben machen können, werden gebeten, sich an die nächste Polizeibehörde zu wenden. Selbstmord. * Gelsenkirchen, 28. Aug. Selbstmord durch Erhängen beging der 43jährige Arbeiter A. in der Luisenstraße. Spielende Kinder fanden ihn unter einer Brücke im Felde an der König=Wilhelm=Straße tot vor. Irgend welche Gründe, die den Mann in den Tod getrieben haben, sind nicht bekannt. (Weitere Lokalnachrichten siehe 2. Blatt.) — Posener Kaisertage. Einweihung der Schloßkapelle. Posen, 28. Aug. Gestern vormittag 10,30 Uhr wurde die Kapelle im Residenzschloß durch einen lithurgischen Gottesdienst feierlich eingeweiht. Der nicht sehr große, aber hohe Raum, ganz in Marmor und herrlichem Goldmosaik, ist ein Meisterwerk des romanischen Stils. Der große Christuskopf in der Altannische, Figuren der Propheten und Apostel und das Wappen der Provinz Posen treten aus dem schweren golenen Hintergrunde in sein abgetönten Farben hervor. In jeder der beiden Decken, die dem Altar schräg gegenüberliegen, erhebt sich ein breiter, hochlehniger Thron über einigen Stufen. In der Lehne des für den Kaiser bestimmten Thrones sieht man den Reichsadler, in dem der Kaiserin das Jerusalemkreuz. Auf jenem nahm der Kaiser zwischen dem Kronprinzen, die Kaiserin zwischen der Kronprinzessin und der Prinzessin August Wilhelm Platz. In der Umgebung des Kaiserthrones saßen ferner die Prinzen August Wilhelm, Oskar, Joachim, der Reichskanzler, Fürst zu Fürstenberg, Graf Wilczek, Oberhofmarschall Graf Eulenburg, Generaloberst von Plessen und die Herren des Gefolges. Am Throne der Kaiserin sah man die Oberhofmeisterin Gräfin Brockdorff, die Damen der Umgebung, Fürstin Radolin, Frau v. Strantz und den Dienst bei der Kaiserin, den Grafen v. HuttenCzapski und den Zeremonienmeister von Hardt. Im Hauptraum der Kapelle waren Sessel aufgestellt, worauf die geladenen Herren Platz nahmen, u. a. die Generalfeldmarschälle Graf Haeseler und Freiherr von der Goltz, der russische Generalmajor v. Tatitschew, Fürst Radolin, Generaloberst von Kessel, Oberpräsident Dr. Schwartzkopf, Gesandter von Treutler, die Generalobersten von Prittwitz und Gaffron, Kriegsminister von Falkenhayn, der Kommandierende General der Infanterie v. Strantz, der Vorsitzende des Provinzialausschusses Günther. Die Feier wurde eingeleitet durch den Gesang des Domchores:„Herr, ich habe lieb die Stätte Deines Hauses“, worauf die Gemeinde sang:„Großer Gott wir loben dich.“ Nach der Schriftverlesung aus dem 2. Korintherbrief sprach Oberhofprediger Dr. Dryander das Weihegebet und nahm den Weiheakt vor. Den Schluß der Feier bildete das Niederländische Dankgebet. Der Kaiser überreichte nach dem Gottesdien stdem Maler Professor Oetken (Berlin) persönlich den Kronenorden 2. Klasse. Besichtigung des Rathauses. Gegen 12 Uhr begab sich das Kaiserpaar im offenen Kraftwagen bei prächtigem Wetter vom Schlosse nach dem Rathaus, von einem dichtgedrängten Publikum stürmisch begrüßt. Das Kaiserpaar, der Kronprinz, die Kronprinzessin, Prinz August Wilhelm und die anderen anwesenden Prinzensöhne wurden vor dem Rathaus von dem Oberbürgermeister Dr. Wilms und den Stadtbehörden begrüßt und in die historische Halle geleitet, wo der Oberbürgermeister eine Ansprache hielt. Der Kaiser erwiderte folgendes: Mein lieber Oberbürgermeister! Nehmen Sie für das Gelöbnis der Treue, welches Sie namens der Bürgerschaft meiner Residenzstadt Posen hier soeben erneuert haben, meinen Königlichen Dank Was vor 100 Jahren unter der Regierung meines Ahnherrn die Not des Vaterlandes auszuführen verbot, das ist unter Gottes gnädigem Beistand heute zur Wirklichkeit geworden. Durch die Kunst der Bauleute ist diese altehrwürdige Ratsstätte zu der Pracht früherer Tage wieder erstanden, und gern bin ich heute gekommen, dem Bau die Weihe zu geben. Mit Befriedigung habe ich wahrgenommen, wie die Stadt Posen sich entwickelt und verschönt hat, seit ich sie von dem steinernen Gürtel der alten Festungswerke habe befreien können. Eine neue Zeit raschen Emporblühens ist für sie angebrochen. Mit stattlichen Bauten und freundlichen Anlagen geziert, steht sie jetzt im neuen Kleide da, und als Zeichen dieser neuen und, wie ich hoffe, glücklichen Zeit hat nun auch Ihr Rathaus ein neues Gewand angelegt. Alle Zeit sei dieses Haus eine Pflanzstätte einträchtigen Gemeinsinnes und wahrer Vaterlandsliebe. Dann können die, so darin raten und taten, dessen gewiß sein, daß meine landesväterliche Huld, als deren Symbol meine Königskrone dieses Hauses ragenden Turm ziert, sie bei ihrer Arbeit zum Heile der Stadt geleistet wird. Und so erhebe ich diesen Pokal, gefüllt mit deutschem Weine, und leere ihn auf das Blühen und Gedeihen meiner Residenzstadt Posen.“ Es folgte ein Rundgang durch das Rathaus. Um 12,45 Uhr verließen die Fürstlichkeiten das Rathaus. Die Kaiserin fuhr zum Residenzschloß zurück. Der Kaiser begab sich zum Offizierkorps der Königsjäger zu Pferde, wo er an dem Frühstück teilnahm. Bei der Abfahrt der Fürstlichkeiten vom Rathaus ereignete sich ein Zwischenfall. Die Pferde eines Hofwagens scheuten plötzlich, sprangen rechts ab und rannten mit der Deichsel gegen ein Automobil, in dem gerade die Prinzessin August Wilhelm Platz genommen hatte. Die Prinzessin versuchte die Pferde zurückzudrängen, während gleichzeitig die kaiserlichen Prinzen hinzusprangen, und die Pferde zu beruhigen versuchten. Der Kronprinz holte die Prinzessin aus dem Automobil. Mit Hilfe eines Postunterbeamten, der gleichfalls hinzusprang, wurden die Pferde schließlich von dem Automobil abgedrängt. Empfang bei der Kaiserin.— Der Reichskanzler beim Prinzregenten von Bayern. Posen, 28. Aug. Gestern nachmittag von 4 Uhr ab hielt die Kaiserin in den Empfangsräumen des Königlichen Residenzschlosses Damenempfang ab, dem die Kronprinzessin und die Prinzessin August Wilhelm beiwohnten. Der Reichskanzler machte gestern nachmittag 4 Uhr in Begleitung des Regierungspräsidenten Krahmer eine Fahrt durch und um die Stadt Posen und wurde um 5 Uhr vom Prinzregenten Ludwig von Bayern in Audienz empfangen. Die Festtafel für die Provinz Posen. Gestern abend gegen 7 Uhr war beim Kaiserpaar im Königlichen Residenzschloß Festtafel für die Provinz Posen. Bei der Tafel führte Prinzregent Ludwig die Kaiserin, der Kaiser die Kronprinzessin, der Kronprinz die Prinzessin August Wilhelm. Bei Tisch saß der Kaiser rechts von der Kaiserin, rechts vom Kaiser die Kronprinzessin, Prinz Eitel Friedrich, Prinz August Wilhelm, Prinz Joachim, links von der Kaiserin Prinzregent Ludwig, Prinzessin August Wilhelm, der Kronprinz und weiter Fürst Radolin, Prinz Oskar, der Reichskanzler. Gegenüber dem Kaiserpaar saß der Oberpräsident Dr. Schwartzkopff zwischen dem Fürsten Radolin und dem Fürsten Ferdinand Radziwill. Während des Mahles erhob sich der Kaiser zu einer Ansprache. Die Ansprache des Kaisers: „Im Namen Ihrer Majestät der Kaiserin wie im eigenen Namen heiße ich Sie, meine Herren, hier in meiner schönen Pfalz herzlich willkommen. Wir freuen uns, daß die diesjährigen Manöver un sfür einige Tage in Ihre Provinz geführt haben und mit Ihren bewährten Vertretern und treuen Bewohnern in nähere Berührung bringen, wobei ich es mit ganz besonderer Freude begrüße, daß mein treuer Freund und Verbündeter, Seine Königliche Hoheit der Prinzregent von Bayern, die Gnade gehabt hat, meiner Einladung zu folgen und an meiner Seite an den festlichen Tagen in Posen teilzunehmen. Ich benutze gern auch diese Gelegenheit, nochmals wärmsten Dank zu sagen für die freundlichen Glückwünsche und Kundgebungen der Anhänglichkeit, welche mir zu meinem 25jährigen Regierungsjubiläum aus Stadt und Land der Provinz in reicher Fülle zugegangen sind. Heute früh ist es mir vergönnt gewesen, der Weihe der fertiggestellten Kapelle dieses meines Residenzschlosses beizuwohnen. Als ein prächtiges Zeugnis deutschen Kunstschaffens bildet sie einen würdigen Abschluß der ausgezeichneten Arbeit, die hier geleistet ist. Vollendet ist der festgefügte, harmonisch gegliederte Bau, ein Wahrzeichen landesherrlicher Macht und Fürsorge lobt seinen Meister. So möge auch die treue Arbeit und Fürsorge, die Preußens Könige der Provinz. Posen in langen Jahren zugewendet haben, mit Erfolg gekrönt werden und die Provinz sich immer mehr zu einem festgefügten, zuverlässigen Gliede des herrlichen Baues unseres preußischen, unseres deutschen Vaterlandes entwickeln. Mögen ihre Bewohner— gleichviel welcher Nationaliät und Konfession—, eng verbunden durch das Band der Liebe zur gemeinsamen schonen Heimat und das Band der Treue gegen König und Vaterland, sich die Errungenschaften deutscher Kultur zu eigen machen und ihres Segens froh werden. Gleich meinen Vorfahren wird mir das Wohl meiner Provinz Posen stets besonders am Herzen liegen. Ich trinke auf eine segensreiche und glückliche Zukunft der Provinz und ihrer Bewohner!“ Während seines Trinkspruches bei der Festtafel verbeugte sich der Kaiser bei der auf den Prinzregenten bezüglichen Stelle gegen diesen, was dieser erwiderte. Nach dem Toast spielte die Kapelle des Infanterie=Regiments Prinzregent Ludwig von Bayern den Yorkschen Marsch. Nach dem Cerele fand um 9 Uhr durch den Provinzial=Sängerbund von Posen im Ehrenhofe des Residenzschlosses eine Serenade statt, an der 1000 Sänger beteiligt waren. Die Stadt war wieder illuminiert. Nachmittags hatte der Kronprinz mit seinen anwesenden Brüdern die Ansiedelungsdörfer jenseits der Warthe besucht. Tertschland. Besuch des griechischen Königspaares in Deutschland. Berlin, 28. Aug. Der König und die Königin von Griechenland haben sich für Anfang September bei dem Prinzen und der Prinzessin Friedrich Karl von Hessen auf Schloß Friedrichshof im Taunus zu einem Erholungsaufenthalt angesagt. Von dort aus wird der König von Griechenland auf die Einladung Kaiser Wilhelms an den Kaisermanövern teilnehmen. Der Wehrbeitrag der Bundesfürsten. Berlin, 28. Aug. Ueber den Wehrbeitrag der Bundesfürsten wird der„Tgl. Rdsch.“ geschrieben: Die Aufstellung von Vermögensverzeichnissen für den kommenden Wehrbeitrag ist von den Bundesfürstenvermögensverwaltern schon seit einiger Zeit in Angriff genommen. Da die Bundesfürsten bisher weder Reichs= noch Staatssteuern bezahlt haben, so fehlt eine geeignete Unterlage für die Beurteilung des Wehrsteuerpflichtigen Vermögens und es verursacht den verantwortlichen Leitern der fürstlichen Vermögen große Mühe, die Ziffern einwandsfrei festzustellen. In den Ausführungserlissen des Bundesrats wird sich die Bestimmung finden, daß zur Entgegennahme der Wehrbeiträge der Bundesfürsten die obersten Finanzbehörden der Bundesstaaten zuständig sind. Diesen sind die Vermögensbekenntnisse einzureichen. Da aber die Beiträge freiwilliger Natur sind, so können für die Fürsten die gesetzlichen Ueberprüfungsmittel nicht in Anwendung kommen und wird eine Kontrolle nur dann stattfinden, wenn sie ausdrücklich verlangt wird. Für die Feststellung des kaiserlichen Privatvermögens ist das Kgl. Hausministerium zuständig. Uebrigens dürften die Bundesfürsten von dem Recht, den Wehrbeitrag in 3jährlichen Teilzahlungen abzustatten, keinen Gebrauch machen, sondern ihren gesamten Beitrag im Frühjahr 1915 bezahlen. Resggpegffiziere der Fliegertruppen. Beriin, 2o. aug. Die Bildung eines Reserveoffizierkorps der Fliegertruppen ist seitens der deutschen Kriegsministerien in die Wege geleitet worden. Zurzeit bestehen zwar selbständige Fliegertruppen noch nicht. Die Militärlieger sind gewissermaßen Bestandteile des Luftschifferbataillons. Mit der Zeit werden aber auch wohl Fliegerdetachements gebildet werden unter selbständigen Führern. Um durch diese Truppen einen Stamm für den Krieg zu schaffen, sollen möglichst viele Flieger aus der Armee, abgesehen abkommandierten Fliegeroffizieren zu Militäraviaherangezogen werden. Es ist den Einjährigen aller Waffengattungen, die auf dem Gebiete der Fliegerkunst bewandert sind, freigestellt, sich für das zweite Halbjahr zu den Fliegerabteilungen abkommandieren zu lassen. Sie müssen hier die Fliegerprüfung ablegen und können als Fliegeroffiziere der Reserve später Verwendung finden. Es ist auch geplant, besonders fähigen Mechanikern der Flugzeugbranche die Berechtigung zum Einjährigendienst zuzuerkennen, falls sie durch eine Prüfung nachweisen, daß sie über genügende Kenntnisse der Branche verfügen, die zur Ausbildung als selbständiger Flieger genügen. Frankreich. Frankreichs Grenzschutzfieber. Paris, 28. Aug. Der Senator Béranger hat an den Kriegsminister einen Brief gerichtet. Darin spricht Béranger die Absicht aus, daß er sofort nach dem Zusammentritt der Kammer im Senat einen Antrag stellen werde, die strategischen Einrichtungen an der Nordostgrenze und zwar vor allem zwischen den beiden Festungen Verdun u. Maubeuge zu überprüfen und zu verstärken, da sie nach seinen Erkundigungen durchaus ungenügend sei. Sowohl die Eisenbahnverbindungen an diesem Grenzstrich wie überhaupt die Fefestigung der verschiedenen Plätze ließen sehr zu wünschen China. Der deutsche Kreuzer„Emden“ von chinesischen Rebellen beschossen. Nanking, 28. Aug. Noch vor wenigen Tagen war der Zwischenfall des deutschen kleinen Kreuzers„Emden“, der von den südchinesischen Rebellen in Nanking mit Beschießung bedroht worden war, als erledigt bezeichnet worden, und es hatte den Anschein, als ob die Aufständischen es nicht wagen würden, sich in so frecher Ueberhebung an der Flagge des Deutschen Reiches zu vergreifen. Jetzt ist aus bisher unaufgeklärten Gründen dit Drohung tatsachlich verwirklicht worden. Ueber den neuen Zwischenfall, der glücklicherweise ohne ernstere Folgen geblieben zu sein scheint, wird gemeldet: Der deutsche Kreuzer„Emden“ wurde morgens auf dem Yangtse von den Forts der Aufständischen beschossen. Der Kreuzer erwiderte die Schüsse, bis die Forts das Feuer einstellten, und setzt darauf die Reise stromaufwärts fort. Amerika. Die Verlesung der Sonderbotschaft durch Wilson. Washington, 28. Aug. Präsident Wilson verlas gestern im Kongreß eine Spezialbotschaft, in der er betonte, Amerika wünsche Mexiko gegenüber im Geiste aufrichtigster, uneigennützigster Freundschaft im eigensten Interesse Mexikos zu handeln. Die gesamte Welk wünsche Mexiko Frieden un Fortschritt. Angesichts des Panamakanals berge die Zukunft viel für Mexiko. Mexiko kann die besten Gaben aber nur genießen, wenn es sie ehrenvoll genießt. Die Entwicklung Mexikos ist nur dauernd gesund, falls sie das Produkt einer echten freien, gerechten und gesetzmäßigen Regierung ist. Wir warteten Monate vergebens auf eine Besserung der Zustände, und es war unsere Pflicht, unsere guten Dienste anzubieten. Wilson besprach sodann die Entsendung und die Instruktionen Linds und fuhr fort: Wir bieten unsere Dienste nicht nur aus Freundschaft an, sondern auch, weil die Weltmächte erwarten, daß wir als nächster Freund handeln. Die gegenwärtigen Zustände sind unvereinbar mit der Erfüllung der internationalen Verpflichtungen seitens Mexikos, der zivilisierten Entwickelung Mexikos und der Erhaltung der wirtschaftlichen und politischen Zustände in Zentralamerika. Amerika sehe keine Berechtigung für die Abweisung der angebotenen Dienste der Freundschaft ein. Allen Amerikanern müsse nahegelegt werden, Mexiko sofort zu verlassen. Ihnen müsse dabei geholfen werden. Jegliche Waffenausfuhr nach Mexiko müsse aufhören. Es freue ihn, erklären zu können, daß mehrere Großmächte Amerika moralisch unterstützt hätten. Wilson teilte gleichzeitig die abweisende Antwortnote Huertas mit und sein Verlangen, daß Amerika den mexikanischen Botschafter in Washington wie auch seine eigene Regierung anerkenne. T Mexiko, 28. Aug. Der mexikantsche Minister Gamoa erklärte in seiner an Lind gerichteten Note, der von den Vereinigten Staaten geforderte Waffenstillstand mit den Rebellen würde gleich sein einem Waffenstillstand mit den Banditen. Gamoas Note in der Lind Mister Confitentialagent angeredet wird, ist in gereiztem Tone gehalten und führt weiter aus, nur aus aufrichtiger Achtung vor dem amerikanischen Volk und seiner Regierung willigt seine Regierung ein, die Vorschläge zu erwägen und zu beantworten, andernfalls hätten sie dieselben wegen ihres demütigenden, ungewöhnlichen Charakters, der selbst in einem Friedensvertrage nach einem Siege kaum zuläsig wäre, sofort abgewiesen. Frhr. von Hertling Einer der bekanntesten Staatsmänner Deutschlands, der bayerische Ministerpräsident Freiherr von Hertling, feiert am 31. Aug. seinen 70. Geburtstag. Wir bringen aus diesem Grunde heute das Bild des Genannten, welcher bekanntlich vor seiner Ministertätigkeit als Führer der deutschen Zentrumspartei eine wichtige Rolle spielte. Freiherr Georg von Hertling wurde 1843 in Darmstadt geboren, studierte in Münster, München u. Berlin, weilte 1865—66 in Italien. 1867 habilitiert er sich in Bonn, wo er 1880 außerordentlicher Professor der Philosophie wurde, ging 1882 als ordentlicher Professor nach München und wurde weitesten Kreisen dann als Präsident der Görres=Gesellschaft bekannt, welche er 1876 gegründet hatte. Schon in verhältnismäßig jungen Jahren parlamentarisch tätig, war er Mitglied des Reichstags 1875 bis 1890 für Coblenz=St. Goar, 1896—1903 für Illertissen und dann bis zum Beginn seiner ministeriellen Tätigkeit für Münster=Coesfeld. Mehrfach Referent über wichtige sozialpolitische Gesetzesvorlagen, führte er 1898 bis 1902 im Auftrage des Reichskanzlers in Rom die Verhandlungen wegen Errichtung einer katholisch=theologischen Fakultät in Straßburg. Am 9. Februar 1912 wurde er bayerischer Ministerpräsident. Vom Balkan. Deutschland von Rußland verdächtigt. Petersburg, 28. Aug. In der russischen Presse finden sich wieder Versuche, die deutsche Politik für das Scheitern der in der Adrianopelfrage gegen die Türkei geplanten Repressalien verantwortlich zu machen, wobei die Latsache, daß Frankreich sich nicht geneigt zeigte, sich an dem finanziellen Boykott der Türkei zu beteiligen, verschwiegen wird. Diese Auffassung über die Stellung der deutschen Politik wird jedoch in den maßgebenden diplomatischen Kreisen Rußlands nicht geteilt. Bis zu den höchsten Stellen des Zarenreiches scheint man entschlossen, jeder diplomatischen Initiative in der Adrianopelfrage zu entsagen. Der Abzug der Rumänen aus Bulgarien. Sofia, 28. Aug. Nach Informationen aus dem bulgarischen Ministerium des Innern haben die rumänischen Truppen das bulgarische Gebiet fast vollständig geräumt. Voraussichtlich ist am Donnerstag kein rumänischer Soldat mehr auf bulgarischem Gebiet. Die Behörden hoffen, daß der normale Eisenbahndienst in Bulgarien Ende August wiederhergestellt sein wird. Die serbische Demobilisierung T Belgrad, 28. Aug. Das Hauptquartier wird Sonnabend aufgelöst. Die Reservisten sowie Mannschaften des 1. und 2. Aufgebots werden entlassen. Die Demobilisierung wird in 10 Tagen beendet sein. Nach erfolgter definitiver Festsetzung der serbisch=montenegrinischen Grenzlinie wird ein Erlaß des Königs über die Annexion der eroberten Gebiete veröffentlicht werden. Gerichtssaal. Essen, 28. Aug. Vor der Ferienstrafkammer hatten sich der Betriebsassistent Söhnchen, der Meister Neuloh, der Graveur Rams, der Monteur Brocks und der Arbeiter Sobozinski. alle Angestellte des Rhein. Hammerwerks in Rüttenscheid, wegen Urkundenfälschung zu verantworten. Sie wurven beschuldigt, amtliche Stempel zur Abnahme von auf den Hammerwerken hergestellten Eisenbahnmaterial angefertigt und wiederhol“ widerrechtlich benutzt zu haben. Die Anzeige hat ein früherer Buchhalter des Werks erstattet, der wegen Unterschlagung zu 4 Wochen Gefängnis und 7000. M. Geldbuße verurteilt ist. Die Angeklagten gaben bis auf Söhnchen ihre Schuld zu, wollen sich aber nicht der Tragweite ihrer Handlungsweise bewußt gewesen sein. Man habe auch nur solches Material gestempelt, das wegen eines kleine: Schönheitsfehlers beanstandet worden sei. Demgegenüber — K betonte der als Sachverstandiger vernommene Regierungsrat Laupenheimer, daß es sich bei dem zurückgewiesenen Material nicht nur um sogenannte Schönheitsfehler, sondern auch um Produktionsfehler gehandelt habe. Ein Mitinhaber des Werks bekundete, er habe von der Verwendung falscher Stempel nichts gewußt. Er würde ein solches Treiben auch unter keinen Umständen geduldet haben, auch deswegen nicht, weil schlechte Waren bei der Nachkontrolle oder bei der Verarbeitung doch ermittelt werden und der Ruf eines Werks darunter dann außerordentlich leide. Das Urteil lautete gegen Neuloh, Brocks und Söhnchen auf 3 Wochen und gegen Sobozinski auf 2 Wochen Gef. Rams, der Anfertiger der falschen Stempel, wurde freigesprochen, weil er sich vermutlich der Strafbarkeit und Tragweite seiner Handlungsweise nicht bewußt gewesen ist. Elberfeld, 28. Aug. Die Ferienstrafkammer verurteilte den chinesischen Hausierer Keng Tsai, der sich bei Ausübung seines Gewerbes Frauen und Mädchen gegenüber schamlos benommen hatte, zu 8 Mon. Gef. Bochum, 28. Aug. Ein schweres Automobil=Unglück hatte ein Nachspiel vor der Strafkammer. Am 2. Juli wurde in einer Toreinfahrt auf der Hermannshöhe das Töchterchen des Drehers Anton Loos von einem Lastautomobil des Konsumvereins„Wohlfahrt" überfahren und getötet. Nach der Darstellung des Kraftwagenlenkers, des Chauffeurs Fritz heßler, ist der Wagen durch schwere Steine, die in dem Torbogen lagen, aus seiner Fahrtrichtung herausgebracht worden. Die Räder wurden herumgeschlagen und dadurch verlor Feßler die Gewalt über die Steuerung. In der gestrigen Verhandlung blieb Reßler dabei, daß er alle Vorsichtsmaßregeln beobachtet habe. Eigentliche Augenzeugen des Vorfalles sind nicht vorhanden. Durch die Beweisaufnahme wurde festgestellt, daß der Angeklagte ein äußerst vorsichtiger Fahrer ist, der sich bisher nichts zu Schulden kommen ließ. Keßler wurde kostenlos freigesprochen. Westdeutschland. Köln, 27. Aug. Das Gesamtvermögen der Stadt Köln beläuft sich nach der neuesten Uebersicht auf 142 Millionen Mark, von denen 17, 30 Millionen Mk. auf Kapitalvermögen und der Rest auf Grundstücke, sowie die Anlagewerte der städt. Betriebe entfallen. In dieser Vermögensangabe sind jedoch die Werte der städtischen Grundstücksverwaltung, die über einen Grundbesitz von 13,30 Millionen Mark verfügt, sowie der stadtkölnischen Armenverwaltung nicht enthalten. Die Schuldenlast der Stadt Köln beläuft sich auf 219 Millionen M. Zu dem Vermögen der Armenverwaltung gehören 49 Gutshöfe, von denen 15 im städtischen Gebiet und die übrigen in den Kreisen Köln, FFuskirchen, Bergheim, Bonn u. Mülheim liegen. Köln, 28. Aug. Der 20jährige Metzgergeselle Jos. Hahn aus Hülscheid a. d. Sieg, der kürzlich bei einem Einbruchsversuch in eine Villa in der Kleingedankstraße festgenommen wurde, während es seinem Komplizen, dem Schriftsetzer Joseph Völker aus M.=Gladbach, gelang, zu entkommen, hat den Mord an der Haushälterin des Kaplans in M.=Gladbach eingestanden. Wie der Verbrecher angab, ist er zusammen mit Völker nachts masliert mit vorgehaltenem Revolver in das Zimmer der Haushälterin eingedrungen; sie haben dann die Erwachende überwältigt, und während Hahn ihr die Hände auf dem Rücken gefesselt hatte, hat ihr Völker einen Knebel in den Mund gesteckt. Darauf haben beide eine Taschenuhr gestohlen und haben das Haus wieder verlassen. Die Haushälterin wurde am andern Morgen von ihrem Hausherrn tot aufgefunden; sie war infolge des Knebels erstickt. Hahn gestand weiter ein, zusammen mit Völker in 8 Fällen maskiert in Häuser eingedrungen zu sein und die Bewohner mit vorgehaltenen Revolvern zur Herausgabe von Geld gezwungen zu haben. Unter diesen Raubüberfällen befindet sich auch der auf den Sparkassenrendanten in Neunkirchen; die anderen Verbrechen sind in Hannover, München, Heidelberg und anderen Städten verübt worden. Energisch bestreitet Hahn indes, an dem Ueberfall auf den Pfarrer in Niederpleis a. v. Sieg beteiligt gewesen zu sein. Völker, ein vielfach vorbestrafterMann, der nach den Aussagen Hahns der Haupttäter gewesen sein soll, konnte bisher noch nicht gefaßt werden. Köln, 28. Aug. Nach Unterschlagung von 7000 M. ist der Expedient Ernst Kilian des Kaufhauses Michel u. Cie. geflüchtet. Köln, 28. Aug. Die Arbeiten an der Fernsprechleitung Berlin=Köln machen rüstige Fortschritte. Die Teilstrecke Berlin=Magdeburg ist nahezu vollendet. In Kürze wird auch der Teil zwischen Magdeburg und Hannover folgen. Im nächsten Jahre ist die Fertigstellung Hannover=Dortmund vorgesehen. Den Endpunkt wird das Kabel in Köln erreichen. Bonn, 28. Aug. Bei der Vertreterwahl zur neuen allgemeinen Ortskrankenkasse haben von etwa 17000 wahlberechtigten Arbeitnehmern 2560 das Wahlrecht ausgeübt. Für die christlich=nationale Liste wurden 1665 Stimmen, für die Liste der freien Gewerkschaften 862 Stimmen abgegeben. Es sind gewählt 27 christliche Vertreter und 54 Ersatzmänner, und 13 sozialdemokratische Vertreter und 26 Ersatzmänner. Bonn, 28. Aug. Die Untersuchung des Blutes der 2 Lehrlinge, die am Samstag in der Konditorei Falkenberg tot aufgefunden wurden, hat ergeben, daß Kohlenorydgasvergiftung vorliegt. Die Lehrlinge hatten ihr Schlafzimmer neben dem Backofenraum, aus dem vermutlich das Kohlenoxydgas entwichen ist. Trier, 28. Aug. Fräulein Paula v. Schorlemer, die 2. Tochter des Landwirtschaftsministers auf Schloß Lieser bei Trier, hat sich mit dem Leutnant des 2. Rheinischen Husarenregiments Nr. 7 zu Bonn, Grafen Wilh. von Westerholt und Gysenberg, verlobt. Trier, 28. Aug. Der Deutsche Forstverein wählte an Stelle seines erkrankten Vorsitzenden den Oberforstmeister Riebel aus Filehne. Nächstjähriger Tagungsort ist Dresden, der für 1915 Hannover. Landforstmeister v. Freier, der Vertreter des preußischen Landwirtschaftsministeriums, kündigte für morgen den Besuch des Ministers v. Schorlemer=Lieser an. — Zur gestrigen Sitzung des Deutschen Forstvereins ist Minister v. Schorlemer eingetroffen. Der Kaiser hat für das Huldigungstelegramm danken lassen. Die Vormittagssitzung wurde mit Vorträgen ausgefüllt. Aachen, 28. Aug. Der 24jährige Rottenarbeiter Altenberg wurde auf der Strecke nach Herbestal totgefahren. — Die beiden Damen, die in Ostende tot aufgefunden sind, stammen aus Aachen. Es handelt sich um die Witwe Knops und ihre ledige 30jährige Tochter. Nach den Meldungen soll Vergiftung als Todesursache anzusehen sein. Es dürfte sich, wie aus einem in der hiesigen Wohnung gefundenen Zettel zu schließen ist, um Selbstmord und Tötung auf eigenes Verlangen handeln. Düsseldorf, 27. Aug. Im Streit, der sich an der Kölner Landstraße abspielte, schüttete ein Arbeiter auf seine 2 Widersacher eine Flasche Karbolineum. Einer der Verletzten wurde so unglücklich im Gesicht getroffen, daß die Gefahr der Erblindung auf beiden Augen besteht. Der Täter kam in Haft. Er gibt als Grund zu seiner Tat an, daß ihm von dem Verletzten sein Schnaps ausgetrunken sei. Düsseldorf, 28. Aug. Zur Verhaftung des Subdirektors Steeg ist noch folgendes mitzuteilen: Da befürchtet wurde, daß Steeg sich erschießen würde, begleitete ein Verwandter des Flüchtlings den Kriminal=Kommissar auf der Reise. Bei der Festnahme wurde Steeg zuerst der scharf geladene Revolver abgenommen. Steeg war nahezu mittellos. Seine Barschaft bezifferte sich auf nicht ganz 20 Mark. In Köln hatte er sich den Bart abnehmen lassen und sich dann eine blaue Brille gekauft, die er bei seiner Verhaftung trug. Düsseldorf, 28. Aug. Infolge eines Uebereinkommens wird die Durchführung der Großen Düsseldorfer Ausstellung von 1915, die ihren modernen Teil auf einer Uebersicht über die letzten hundert Jahre Kultur und Kunst aufbauen wird, unter Mitwirkung des Deutschen Museums in München erfolgen. Aus diesem Grunde ist, um einen gegenseitigen Wettbewerb zu vermeiden, die Eröffnung des Neubaues des Deutschen Museums um ein Jahr verschoben worden und zwar bis zum Herbst 1916. Die Ausstellung wird ihrerseits das Deutsche Museum nach Kräften fördern, insbesondere auch durch Ueberlassung kulturgeschichtlicher wichtiger Modelle, Apparate und Maschinen nach Schluß der Ausstellung. Zum Zwecke des Zusammenwirkens tritt der Vorstand des Deutschen Museums, Reichsrat Oskar v. Miller, in den Ehrenausschuß der Düsseldorfer Ausstellung ein, während der Präsident der letzteren, Akademiedirektor Prof. Fritz Noeber, in den Vorstandsrat des Deutschen Museums gewählt werden wird. Düsseldorf, 28. Aug. Ein Mordversuch wurde abends in der Benzenbergerstraße auf eine Arbeiterin verübt. Als das Mädchen an der Haustüre von ihrem Bräutigam Abschied nahm, wurde aus der Dunkelheit ein Schuß abgegeben, der das Mädchen am Kopfe verletzte. Als Täter kommt wahrscheinlich ein Verwandter des früheren Bräutigams des Mädchens in Betracht. Neuß, 28. Aug. Hier errang beim Schützenfest der 83jährige Rentner Wirtz die Königswürde. Bereits vor 30 Jahren fiel ihm dieselbe Würde zu. Wesel, 28. Aug. Gestern nacht versuchten Diebe in die Villa des verreisten Bürgermeisters Poppelbaum einzudringen. Hierbei wurden sie von dem Schutzmann Nolle überrascht. Es entspann sich ein Kampf, wobei der Schutzmann durch einen Schuß in die Stirn getötet wurde. Die Eindringliche ließ.n ihre Werkzeuge im Stich und flüchteten. Sie entkamen unerkannt. Die Leiche des Beamten wurde erst gestern morgen gefunden. Kleve, 28. Aug. Gestern nachmittag fiel das 4jähr. Söhnchen des Bäckers Lemm aus der Küfenstraße in einen Springbrunnenteich im Tiergarten. Der zufällig des Weges kommende Bote Johann Quartier aus Materborn stürzte sich in das Wasser und holte das zwischen Schlinggewächsen festsitzende Kind heraus. Wiederbelebungsversuche waren nach halbstündiger Dauer von Erfolg. Mülheim=Ruhr, 28. Aug. Der Schlosser Wehren aus Isselburg, der seiner Kostwirtin verschiedentlich Anträge gemacht, aber abgewiesen war, schlug sie gestern abend nieder und suchte sie am Schreien zu hindern. Als das nicht gelang, durchschnitt er sich selbst mit einem Rasiermesser den Hals, so daß der Tod sofort eintrat. Duisburg, 28. Aug. Der Handelskammer ging vom Eisenbahnminister die Mitteilung zu, daß der weitere 2gleisige Ausbau der Strecke Duisburg=Kanten=Kleve für die nächsten Jahre in Aussicht genommen sei. Duisburg, 28. Aug. Der holländische Arbeiter Jean Grotmacker hat sich hier in der Ruhrstraße erhängt.— In Hamborn erschoß sich im Hause Schachtstraße 25 der Bergmann Franz Klubal. Die Tat ist aus Eifersucht geschehen. Dortmund, 28. Aug. Im Gerichtsgefängnis hat sich der 17 Jahre alte Mezger Heinrich Piefko aus Bövinghausen erhängt. Er befand sich mit einem Altersgenossen in Untersuchungshaft unter dem Verdacht, dem Metzger Wilh. Boll in Kastrop, ihrem Lehrherrn, Geld und Waren gestohlen und versucht zu haben, ihn umzubringen, indem sie ihm Lysol ins Bier schütteten. Dortmund, 28. Aug. Im Ems=Kanal wurde gestern die Leiche eines 20 Jahre alten Mannes gelandet, der sich bei Deusen am Montag in den Kanal gestürzt hat. Die Uhr, die bei der Leiche gefunden wurde, trug den Namen H. Ellenberger. Hagen, 28. Aug. Das 2 Jahre alte Töchterchen des Hammerschmiedes Otto Miß in der Selbeckerstraße stürzte von dem Balkon des 3. Stockwerks. Es war sofort tot. Iserlohn, 28. Aug. Stödtischerseits wird heute mit dem Fischverkauf wieder begonnen. Halver, 28. Aug. Die Gemeindevertretung übernahm die von der alten Gemeinde übernommenen 150 Aktien des Elektrizitätswerks Mark zum Preise von je 1000 M. Beschlossen wurde, den geplanten Bau der Eisenbahnlinie Lüdenscheid=Ambrock und WipperfürthBerg.=Gladbach zu unterstützen. Lüdenschei d, 27. Aug. Die Stadtverordneten bewilligten für den Krankenhaus=Umbau 120 000 Mark, die durch eine Anleihe bei der Westsälischen Landesbank zu 4,5 Proz. Zinsen und 2 Proz. Tilgung zu decken sind. Horst(Emscher), 28. Aug. Im Schacht 2 der Zeche „Mathias Stinnes“ wurden die Bergleute Toffler und Kanzite von einem herabfallenden Eisenstück getötet. T Frankfurt=Main, 28. Aug. Bei einem Automobilunfall in Sinsheim erlitt der Fabrikant Hübner aus Berlin einen komplizierten Schenkelbruch. Sein Befinden ist den Umständen nach befriedigend. Fulda, 28. Aug. In einem Steinbruch in Rupsroth kam ein 20jähriger Arbeiter, der unter einen Förderwagen geraten war, zu Tode. Aus aller Welt. Pockenerkrankung in Berlin. T Berlin, 28. Aug. Die an den Pocken erkrankte Buchhalterin Gertrud Landshut ist aus dem Hedwigskrankenhaus in die Isolierbaracke des Virchowkrankenhauses übergeführt worden. Der Zustand der Erkrankten ist nicht lebensgefährlich. Ueber die Art, wie sie sich die Ansteckung geholt hat, konnte noch nichts ermittelt werden. Der Verlauf der Krankheit ist durchaus günstig. Für das Publikum liegt kein Grund zur Beunruhigung vor. Wegen Unterschlagung verhaftet. Heiligenstadt, 28. Aug. Gestern wurde der Obertelegraphenassistent Otto Ritau wegen Unterschlagung und Urkundenfälschung verhaftek. Die Veruntreuungen datieren mehrere Jahre zurück und sollen 20000 Mark betragen. Demonstration gegen einen Rektor. T Halle=Saale, 28. Aug. Weil der Schulrektor des Städtchens Löbejün die Beteiligung von Kindern an dem Gewerkschaftsfest am Sonntag verbot und am Montag Kinder gezüchtigt hatte, die mit ihren Eltern gefeiert haben, zog eine vielhundertköpfige Menge vor das Schulhaus, drang in das Zimmer des Rektors und bedrohten diesen. Die Polizei mußte einschreiten. Skelettfunde aus der Urzeit. Halle, 28. Aug. In einem bei Peißen aufgedeckten Grüberfeld fand die Verwaltung des Provinzialmuseums in Halle mehrere Skelette aus der Steinzeit und Bronzezeit. Ein Skelett aus der Steinzeit mißt 2,20 Meter. Ferner fand man Urnen, Speerspitzen, Armringe, Nadeln, Spangen und legte eine Feuerstätte bloß. Revolveranschlag eines Kautionsschwindlers. a Holzminden, 28. Aug. Der Delikatessenhändler Fratscher, der vorübergehend hier wohnte und es auf Kautionsschwindeleien abgesehen hatte, suchte sich Kautionen von jungen Mädchen zu verschaffen, die er als Verkäuferinnen engagierte. Er war aber plötzlich unter Hinterlassung von Schulden verschwunden. Gestern abend kehrte er zurück und suchte das Kolonialwarengeschäft der Firma Ritterbusch auf, wo er die Schwester der Frau, die Verkäuferin bei ihm werden sollte, um eine Kaution ansprach. Als das Mädchen sich weigerte, ihm eine solche zu geben, schoß Fratscher ihr eine Kugel in den Kopf. Dann verletzte er sich selbst durch einen Schuß in die Schläfe. Beide sind schwerverletzt und wurden in das Krankenhaus gebracht. Selbstmord am Grabe des Vaters. T Greifenburg(Schlesien), 28. Aug. In Volkersdorf erschien beim Totengräber der 19jährige Kahl und ließ sich die Schlüssel zur Gruft seines Vaters geben. Dort verübte er dann Selbstmord, indem er sich mit einer Pistole erschoß. 9. Verbandstag Deutscher Milchhändlervereine. Leipzig, 28. Aug. Hier tagt jetzt der 9. Verbandstag der Deutschen Milchhändlervereine. In der gestrigen Verhandlung wurde die Frage erörtert: Was kann der Milchhändler zur Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit tun? Der Referent Dr. Seiffert, der Direktor der milchhygienischen Untersuchungsanstalt der Stadt Leipzig, hob die große Bedeutung der sanitären Ueberwachung der Milchzufuhr und des Milchabsatzes für die Bekämpfung der Kindersterblichkeit hervor und die Notwendigkeit eines verständnisvollen Zusammenwirkens zwischen den Milchhändlern und den Tierärzten. In der Diskussion wird von Werner=Berlin darauf hingewiesen, daß die Hausfrauen die Milch meist ganz falsch behandeln, indem sie sie selbst bei heißer Temperatur stehen lassen, ehe sie sie abkochen, und sie dann nicht rasch abkühlen. Der nächste Punkt betraf den Milchtransport auf der Eisenbahn. Der Referent Munz=Frankfurt a. M. verlangte die Einführung von Spezialwagen, in denen die Milch ganz für sich transportiert wird. Es sei vorgekommen, daß Milch mit Wild, sogar mit Schweinen in einem Wagen zusammen befördert wurde. Schließlich wurde eine Resolution des Syndikus Krauß angenommen, die die Forderung nach einem Reichsmilchgesetz zum Zwecke einheitlicher Regelung der Milchversorgung erhebt. Ferner fand eine Resolution Annahme, die die Konzessionierung des Milchhandels auf Grund des Befähigungsnachweises und unter Ausschließung von nicht gut beleumdeten Bewerbern fordert. Ueber die Verleihung der Konzession soll eine Kommission entscheiden, der auch praktische Milchhändler angehören. Endlich wurde ein Antrag München angenommen, der die nötige Aufklärung über die Behandlung der Milch schon in den paushaltungsschulen verlangt. Ein brennendes Flugzeug. T München, 28. Aug. Das Flugzeug des in Schleißheim stationierten Militärfliegers Leutnant Fink geriet in 1500 Meter Höhe in Brand. Der Flieger landete in einem tolkkühnen Gleitfluge bei Mariabrunn bei Freising und konnte noch im letzten Augenblick abspringen. Er blieb unverletzt. Der Apparat verbrannte. Der Mörder Jankubowitsch zum Tode verurteilt. Wien, 28. Aug. Der Mörder des Gardehauptmanns Eisenkolb und der Gräfin Bolza, der Offiziersdiener Jankubowitsch ist, obwohl noch nicht von seinen schweren Verletzungen, die er sich durch den Fenstersturz und 2 Schüsse beigebracht hat, geheilt, gestern vom Militärgericht zum Tode durch den Strang verurteilt. Ein geheimnisvoller Selbstmord. Prag, 28. Aug. Wie heute erst bekannt wird, ereignete sich am Dienstagvormittag hier ein rätselhafter Selbstmord, dessen Einzelheiten an dem Fall Redl erinnern. Passanten sahen einen Leutnant des 8. Landwehr=Infanterieregiments gegen 11 Uhr vormittags in höchster Aufregung nach dem Hause Rathausstiege Nr. 7 eilen. Vor dem Hause sah man dann einen Stabsoffizier und einen Hauptmann desselben Regiments auf und ab gehen. Plötzlich hörte man aus dem Hause den Knall eines Schusses. Der Leutnant hatte sich in seiner Wohnung angeschossen und schwer verletzt. Die beiden Offiziere betraten sofort das Zimmer und nahmen einen auf dem Tisch liegenden versigelten Brief an sich. Der Selbstmörder ist der Leutnant Seubz. Die Schulden der Prinzessin Luise von Belgien. T Brüssel, 28. Aug. Dr. Inhoffen=Berlin und Ingenieur Schedemann=Hamburg leiteten beim hiesigen Gericht ein Verfahren ein, um auf das Erbteil der Prinzessin Luise von Belgien aus dem Nachlaß des Königs Leopold Beschlag legen zu lassen. Der Termin für die Verhandlung ist auf den 6. Oktober angesetzt. Die Streikbewegung in Spanien. T Madrid, 28. Aug. Die Eisenbahnarbeiter im Norden Spaniens beginnen mit dem Ausstand. Das Personal der Werkstätten verließ heute früh die Arbeit. Der Streik ist durch einen Zwischenfall zwischen Arbeitern u. einem Ingenieur veranlaßt worden. T Barzelona, 28. Aug. Der Streik wird in den Industriestädten Cataloniens fortgesetzt. In Badalona verhinderten die Streikenden die Wiederaufnahme der Arbeit. Gendarmerie zog blank und verletzte 2 Personen. In Mataro verwundeten die Gendarmen 4 Arbeiter. Schluß des kroatisch=slowenischen Katholikentages. Laibach, 28. Aug. In der gestrigen Schlußversammlung des kroatisch=slowenischen Katholikentages hat Rektor Köster aus Hamborn die Grüße der katholischen Slowenen Westfalens überbracht. Schwere Schiffskatastrophe. T Petersburg, 28. Aug. Hier auf der Newa sollen gestern 2 Schiffe zusammengestoßen und gesunken sein. 69 Personen sollen hierbei den Tod in den Wellen gefunden haben. Gefährliche Ueberschwemmungen. T Konstantinopel, 28. Aug. Die Ueberschwemmungen haben mehrere Unglücksfälle verursacht. In Beikos am Bosporus kamen in den Fluten 22 Soldaten um, die dort auf einer Wiese lagerten. 1 S.-G.-V. Abtig. Wattenscheid. Vereinslokal Hrch. Langensiepen. Sonntag, 31. Ang. er. ". Wanderung Einsen-Uhsen-Haltern. 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Teleion 181. Ein mit allen Wattenscheider Verhältnissen ekanntmachung. In Ergänzung der Veröffentlichung der neuen Umsatzsteuerordnung der unten genannten Gemeinden wird bemerkt, daß die durch diese außer Kraft gesetzte Umsatzsteuerordnung der Gemeinde Eiberg vom 16. Mai 1907, der Gemeinde Freisenbruch vom 7. Juni 1907, der Gemeinde Horst vom 30. Oktober 1907 und der Gemeinde Königssteele vom 29. April 1907 datiert. Eiberg, Freisenbruch, Horst und Königssteele, den 13. August 1913. Der Gemeindevorsteher von Eiberg: Beckmann. Der Gemeindevorsteher von Freisenbruch: Reick. Der Gemeindevorsteher von Horst: Cohaus. Der Gemeindevorsteher von Königssteele: Effing. Gegen Thuleweit(Tulleweit), Friedrich Wilhelm, Bergarbeiter, geb. 3. 5.:1887 zu Wattenscheid Kr. Gelsenkirchen, zuletzt wohnhaft Dahlhausen=Ruhr, Größe 1,70 m, wegen Straßenraubes, begangen in Wattenscheid, Kreis Gelsenkirchen, oder in Linden an der Ruhr am 24. oder 30. Juni 1913. Akten 4 J. 731/13. Bochum, 14. August 1913. 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(2. Blatt.) Donnerstag, den 28. Auaust 1913. 9. Jahrgang. U n d e t 1 8 8 0„„„„„— *" g e n r n 1 8 0 9( N o s s a f.= W a c h n s c h t e n) 45. Jährgung. (Neueste Nachrichten.) in Stadt und Amt Wattenscheid, Gevinghausen, Westenfeld, Höntrop, Eppendorf, Munscheid, Eiberg, Freisenbruch u. a. (General=Angeiger.) Amtliches Blatt aller Behörden weziell für die Orte Wattenscheid, Gelsenkirchen=Aeckendorf, Leithe, Günnigfeld, Hordel, Msosesenenessssessesssmssessssmnsssssssssensesssssnsenssemernsssnreresmesssssmmmee Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage und kostet inkl. Botenlohn monatlich 70 Pfg., vierteljährlich 2.10 Mk., im Postgebiet; 2.20 Mk., wenn frei ins Haus 2.60 Mk. voraus zahlbar. Wöchentliche: : Gratis=Beilage:„Illustriertes Sonntagsblatt“(Sseitig).: Sessessesseesenseneseeeeeressseseesesesesseneseseseenenesenesees Die Abonnenten der„Wattenscheider Zeitung" erhalten bei tödlichen Unfällen 425 Mk. Unfallunterstützung und haben jeden Monat 3 Zeilen Inserate gratis. S. BestimmungenTelegr.=Adr.: Zeitung. Telefon 181. Rotationsdruck und Verlag Carl Busch, verantw. Redakteur Bernhard Scholten, beide Wattenscheid. Postscheck=Kto Köln 8566. Anzeigen pro Nonpareillezeile oder deren Raum 15 Pfg., auswärts 20 Pfg., Reklamen 60 Pfg. pro Zeile. Bestimmte Platz= und Terminzusagen ausgeschlossen. Skonto(Rabatt) nur bei Zahlung sofort nach Erhalt der Rechnung Deutscher Zenlkalverband für Hauber und Gewerbe. Leipzig, 27. Aug. Der gestrige 2. Tag der 26. Ordentlichen Hauptversammlung des Deutschen Zentralverbandes für Handel und Gewerbe wurde eingeleitet mit einem Referat es Schriftleiters der„Deutschen Rundschau“. Ernst Thom (Hamburg) über die Volksfürsorge Der Redner legte nach einem längeren Vorträg folgenden Antrag vor:„Der Deutsche Zentralverband für Handel und Gewerbe erblickt in den Bestrebungen der„Volksfürsorge" eine ureigenste Schöpfung der Sozialdemokratie, die diese Neueinrichtung in Verbindung mit den Konsunvereinen ihren parteipolitischen Zwecken im ausgiebigsten Maße nutzbar machen wird. Es muß daher Aufgabe sämtlicher Verbände und Vereine des gewerblichen Mittelstandes oder Detailhandels sein, ihren Mitgliedern die Verpflichtung aufzuerlegen, mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln gegen eine Beteiligung an der auf sozialdemokratischem Boden stehenden Volksfürsorge=Versicherung zu wirken. Der Vorstand des Deutschen Zentralverbandes für Handel und Gewerbe wird beauftragt, in allernächster Zeit sich mit unseren anderen großen deutschen Detaillisten= und Mittelstandsverbänden in Verbindung zu setzen, um geeignete Abwehrmaßregeln gegen die sozialdemokratische Volksfürsorge=Versicherung zu treffen“. Nach kurzer Debatte wurde der Anug angenommen. Hierauf sprach John Lemmel(Hamburg) über den Zusammenschluß des deutschen Detailhandels. Es wurde eine Resolution angenommen, nach der versucht werden soll, einen Zusammenschluß aller deutschen Detaillistenverbände herbeizuführen. Zunächst will der Zentralverband für Handel und Gewerbe den Zusammenschluß mit der Zentralvereinigung deutscher Vereine für Handel und Gewerbe(Berlin) erstreben. Ueber den folgenden Punkt der Tagesordnung: Festlegung des Osterfestes auf einen bestimmten Termin, referiert Hermann(Bergin). Der Verein Berliner Kolonialwarenhändler eigen urde festzulegen, abermalige Verhandlunge päischen Staaten aufzunehmen. Der Antrag wurde angenommen. Zum nächsten Punkt: Neuregelung der Sonntagsruhe im Handelsgewerbe, worüber Röhr(Hamburg) berichtete, lag ein Antrag des Vereins der Kolonialwarenhändler Hamburgs vor, wonach an zuständiger Stelle dahin gewirkt werden soll, daß bei der Neuregelung der Sonntagsruhe das Zuendebedienen gestattet und die Verkaufszeiten durch Ortsstatut geregelt werden. Der Referent ging davon aus, daß der Gesetzentwurf zur Neuregelung, der Sonntagsruhe im Handelsgewerbe vom Bundesrat bereits geschlossen sei und dem Reichstag demnächst vorgelegt werden wird. Der Gesetzentwurf will hauptsächlich die Angestellten vor der Ausbeutung an Sonntagen schützen. Für die Angestellten ist immer geforgt, wie aber wird der Detaillist geschützt, wenn die Arbeitszeit immer kürzer, die Lasten aber immer höher werden? Der Redner hofft, daß sich noch manches ändern lassen wird, und schlägt Hier ist eine Wohnung zu vermieten. Solche Schilder sehen wir noch an manchem Hause hängen. Man inseriere seine leerstehenden Wohnungen ständig in der„Wattenscheider Zeitung" und am 1. Oktober wird ein Möbelwagen mit einem neuen Mieter .. vor der Tür halten. Resolution vor:„Der Zentralverband wolle beschließen, an maßgebender Stelle dahin vorstellig zu werden, daß bei Neuregelung der Sonntagsruhe im Handelsgewerbe das Zuendebedienen der vor dem gesetzlichen Schluß anwesenden Käufer gestattet wird und daß die Gemeinde oder ein weiterer Kommunalverband die dreistündige Beschäftigung für alle oder einzelne Gewerbezweige nur mit Genehmigung der höheren Verwaltungsbehörde einschränken kann, dem die amtlichen und handelsgwerblichen Vertretungen gehört worden sind.“ Dieser Antrag wurde nach kurzer Debatte angenommen. Sodann referierte Stadtrat Seifert(Leipzig) über den Kampf gegen das Zugabewesen. Er führte aus, daß er früher der Ansicht gewesen sei, man könne das Zugabewesen auf den Wege der Selbsthilfe beseitigen. Er habe sich aber inzwischen überzeugen müssen, daß dies nicht möglich fei. Die Selbsthilfe versage hier, und deshalb könne man nicht umhin ein Einschreiten auf gesetzlichem Wege zu fordern. Der Referent legte einen entsprechenden Antrag vor, der angenommen wurde.— Weiter sprach Rechtsanwalt Kohlmann(Dresden), der Vorsitzende des Vereins gegen Unwesen in Handel und Gewerbe zu Dresden, über verschleierter Etagenhandel von Beamten und Privatpersonen. Die Versammlung erörterte dann das Thema: Unlauterer Wettbewerb in Handel und Gewerbe. Krause(Berlin) sprach über„Selbstkostenpreis plus 10 Prozent.“ Der Redner erwähnte, daß man gegen diese unlautere Reklame schon seit längerer Zeit vorgehe, jedoch bisher ohne jeden Erfolg. Auch das Berliner Kammergericht habe sich stets auf die Seite der Gegner gestellt, obwohl die Berliner Handelskammer in einem Gutachten ihren Standpunkt, daß die Anpreisung„Selbstkostenpreis plus 10 Prozent“ unlauteren Wettbewerb darstelle, ausführlich begründet hätte.— Die Versammlung nahm hierzu folgenden Antrag an:„Der Deutsche Zentralverband für Handel und Gewerbe wolle mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln die maßgebenden Stellen, gerichtliche und gesetzgeberische, davon zu überzeugen suchen, daß durch die sich immer mehr einbürgernde Reklame„Selbstkostenpreis plus 10 Prozent“ die Erweckung des Anscheines eines besonderen günstigen Angebots bei dem breiten Publikum beabsichtigt und erzeugt werde, und daß sie, wie auch schon von vielen Stellen der Handelsvertretungen festgestellt worden sei, gegen den§ 3 des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb verstoße.“ Ueber die„Gründung von Kommissionen in den Vereinen zur erfolgreichen Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbs“ referierte Emil Baumann(Hamburg) unter Vorlegung folgender Entschließung:„Der Deutsche Zentralverband möge in den ihm angeschlossenen Verbänden und Vereinen zwecks erfolgreicher Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbs die Gründung von Kommissionen in die Wege leiten, deren einschlägiges Material im Zentralverband zusammenfließen muß, um gegebenenfalls den einzelnen Verbänden und Vereinen zur Verfügung gestellt zu werden.“ Die Anträge wuruen engenumgen. Ein kunstlerischer KreisverwaltungsBochum, 28. Aug. Ueber den Verwaltungsbericht gende Ausführungen: Es scheint oder schien wenigstens bisher in der Natur aller von Behörden und Korporationen herausgegebenen Verwaltungsberichte zu liegen, daß sie sich in äußerlich trockener, um nicht zu sagen, langweiliger Aufmachung darstellten, eine Tatsache, die so sehr mit dem Wesen dieser Druckerzeugnisse verknüpft zu sein schien, daß wohl kaum je einer der zu ihrer Lektüre Verpflichteten daran bewußten Anstoß genommen hat, wenn ihm auch das Lesen sauer genug geworden sein mag. Allenfalls wird bei der Herausgabe dieser Werke auf eine einigermaßen anregend geschriebene Einleitung Wert gelegt, und es soll nicht verkannt werden, daß sich nach dieser Richtung hin besonders die Jahresberichte unserer großen Handelskommunen vorteilhaft auszeichnen. Wird doch in ihrem einleitenden Teil oft, ja man kann sagen meist ein kritischer Abriß der weltpolitischen Geschehnisse unter dem Gesichtspunkte von Handel und Industrie gegeben, in dessen geistvoller Abfassung die Herren Handelskammersyndici, deren gewandter Feder diese Abhandlungen entstammen, förmlich zu wetteifern pflegen. Handel und Industrie hängen in ihrem Gedeihen auf das engste mit der äußeren Politik zusammen, sodaß es begreiflich ist, daß die Handelskammern hierzu ihr Wörtlein zu sagen pflegen. Diese interessant zu lesenden Einleitungen machen denn auch meist bei ihrem Erscheinen die Runde durch die Zeitungen der betreffenden Handelskammerbezirke. Mit diesem sozusagen„literarischen“ Teil der Jahresberichte hört eben auch das allgemeine Interesse an ihnen auf. Es folgen die an und für sich ja nicht zu vermeidenden stattstischen Teile, endlose Reihen von Ziffern und Zahlen, an deren gründliche Durcharbeitung sich wohl nur ein Teil der unmittelbar Interessierten macht. Eine Prüfung der Gründe, die das Lesen all dieser Berichte so schwer macht, würde ergeben, Rittergut Tressin Roman von Robert Misch. 19.............(Nachdruck verboten.) Aber es erschien ihm jetzt doch, während erlauf dem harten Sofa seinen Gedanken Audienz gab, wie ein toller Irgendstreich, eine lächerliche Torheit.„ Jetzt, wo er sie wieder gesehen hatte, kam es wie eine Ernüchterung über ihn nach all den hochgespannten Träumen. Vielleicht war das alles nur Einbildung, was er zu fühlen geglaubt— Phantasiebilder, die hier inmitten der realen Welt eines Gutshofes, inmitten der Viehställe, Milchkammern und Scheunen in ein Nichts zerflattern würden. Jedenfalls wollte er sie erst gründlich in ihrer Häuslichkeit kennen lernen, sie beobachten und studieren. Nachdem er pflichtschuldig die Brennerei bewundert hatte, von der ihm der Alte nicht die geringste Kleinigkeit schenkte, machte er, als es beinahe zu dämmern ansing, einen kleinen Spaziergang um das Dorf herum. Hier traf er sie im Gespräch mit einem alten Weiblein, dem sie wohl einen sonntäglichen Samariterbesuch abgestattet. Er trat grüßend näher, und das alte Weiblein humpelte davon. Sichtlich verlegen ging sie neben ihm, die schmale Landstraße entlang, die nach Klützow führte. „Sie haben sich gewiß gewundert, Fräulein Lisbeth? — Pardon, gnädiges Fräulein! Denn Sie sind ja jetzt die Tochter meines Brotherrn." Der Scherz klang verlegen. Lisbeth verzog keine Miene und schritt schweigend neben ihm. „Vor allem möchte ich Sie bitten, Ihrem Vater und auch sonst jedermann zu verschweigen, daß wir uns kennen. Es könnte zu Mißdeutungen... und überhaupt...“ Sie wurde rot; aber sie erwiderte nichts, tat nicht einmal die selbstverständliche Frage, die er erwartet hatte: Weshalb sind Sie hierher gekommen? Doch gab er, als sie noch immer schwieg, ungefragt die Antwort darauf:„Gott, es wurde so langweilig in Berlin... immer dieselben Menschen!— Und wir Landwirte sehnen uns hinaus aufs Land, wenn der erste Hauch des Frühjahrs über das Brachfeld weht... Schön gesagt, nicht? Aber doch wahr!— Wie sagten Sie?— Ja... Und ein Gut, wovon ich Ihnen mal was erzählt, möchte ich mir doch noch nicht kaufen... Sich schon so festsetzen; das hat doch noch Zeit... habe auch noch nichts Passendes gerkumden— lo...„. Da sie noch immer schwieg, sprach er weiter, krampfhaft versuchend, recht unbefangen zu tun. „Ja— und da ich Pommern noch nicht kenne, und wegen der Brennerei und der Ziegelei... na und wegen unserer Bekanntschaft... es ist doch immer nett, wenn man gleich Anschluß hat— ja...“ Er konnte nicht sehen, wie sie diese Eröffnungen aufnahm; denn sie ging mit niedergeschlagenen Augen neben ihm weiter und verzog keine Miene. In diesem Augenblick kam Fritz mit Schnipp und Schnapp, von denen der eine ein schottischer Schäferhund, der andere ein Teckel war, lebhaft auf sie zugestürst.##### „Na, da seid ihr ja! Ich suche zuch überall... Nein, was Sie für reizende Bücher haben, Herr Platen! ... Sie entschuldigen doch, ich war auf Ihrem Zimmer. wollte Sie abholen.— Nicht wahr, die pumpen Sie mir? — Herrgott, daß man wieder einen Menschen hat, mit dem man ein vernünftiges Wort sprechen kann!... Nicht wahr, Liese, das ist famos?— Du siehst ja so rot aus?...“ „„ ** Der Herr Inspektor war nun schon einige Wochen auf Tressin. Man gewöhnte sich allmählich an ihn und er an Treffin. Daß er ein äußerst tüchtiger Landwirt war, theoretisch und praktisch gleich beschlagen, hatte der Okonomierat als erfahrener Fachmann bald heraus. Natürlich standen sich Alter und Jugend, die neue und die vergangene Zeit in ihnen gegenüber. Maschinen, die Platen für unbedingt nötig erklärte, hielt der Alte für überftüssig oder schädlich. Unausgesetzt stritten sie sich darüber oder über die besten künstlichen Düngemittel, über Fruchtfolge. Behandlung der Leute, über die Höhe der Getreidezölle und alles mögliche. Dem Okonomierat schienen solche Disvute Vergnügen zu machen, wenn er auch praktisch alles weiter gehen ließ, wie es bisher gegangen war. Er schnitt dem jungen Mann nicht, wie er es den anderen getan, kurz das Wort ab, mit einem groben:„Das verstehen Sie nicht!“ Wollte er einmal grob werden, so wußte ihn Platen so höflich und fein abzuführen, daß er geschwind wieder die zwischen gebildeten Menschen übliche Redeweise anwendete. Aber er brummelte, zankte, schimpfte stets über die leichtsinnige Neuerungswut, über die Oberflächlichkeit, die Vergnügungs= und Verschwendungssucht und sonstigen Laster der jungen Leute von heute, den Inspektor nicht ausgenommen. Wirklich bart aneinander geraten waren sie bisher nur ein einziges Mal. Aber da hatte schließlich der Alte klein beigegeben. Als etwa zehn Tage nach seiner Ankunft einige Kisten mit Teppichen, Decken und Bildern für den Inspektor auf Tressin eintrafen, brach das Gewitter los. Der Alte war schon den ganzen Morgen aus irgendeinem unscheinbaren Grunde, wie nur er ihn aufzufinden wußte, sehr übler Laune. Er hatte Platen ziemlich barsch angefahren, daß er etwas angeordnet, was ihn nichts anginge, und kam nun gegen Mittag wie eine drohende Gewitterwolke, die sich entladen will, auf seinen Hof zurück, Dort fand er bereits Platen vor, der eben mit Hilfe einiger Knechte die Ballen und Kisten von einem Klützower Wagen abladen ließ. „Sie find hier, Herr Inspektor?“ rief der Alte(der ihn sonst immer„Herr Platen“ oder„lieber Herr Platen“ nannte) scharf und laut über den ganzen Hof, so daß sich alle Köpfe erschrocken umwendeten.„Ich dachte, Sie sind nach der Ziegelei geritten?“ „Ich? Dann wäre ich ja nicht mehr zu Tisch zurecht gekommen?“ erwiderte Platen in dem jovialen, gemütlichen Tone, mit dem er den Alten schon öfters zur Ruhe gebracht. „Na, das Unglück! Werden auch nicht gleich sterben, wenn Sie sich ein paar Eier machen lassen.“ (Fortsetzung folgt.) 1— — K 1 daß dies hauptsächlich an der gleichförmigen, in erster Linie auf die Raumausnützung bedachten Anordnung des Textes liegt, die das Auge ungemein ermüdet. Aber wie gesagt, die Leser solcher Berichte sind dies gewöhnt und denken gar nicht daran, eine Besserung zu verlangen. Der Jahresbericht einer Kreisverwaltung würde wohl am allerwenigsten Vorwürfen in dieser Beziehung ausgesetzt sein. Und doch ist es nun gerade ein preußischer Landrat gewesen, und zwar der Landrat und Kgl. Polizeipräsident von Bochum, Gerstein, der mit diesem trockenen Schema F der Verwlatungsberichte gebrochen hat, und zwar gleich so gründlich, daß das von ihm gegebene Beispiel grundsätzlich garnicht so leicht überboten werden kann. Der von ihm vor kurzem herausgegebene und im Druck erschienene Bericht über die Verwaltung des Landkreises Bochum stellt sich zunächst einmal schon äußerlich nicht in der Form nüchterner zusammengehefteter Druckbogen, sondern in demjenigen eines schön ausgestatteten, künstlerisch wirkenden Buches in Großquadratformat dar, auf dem das Auge mit ästhetischem Wohlgefallen ruht. Wie es sich für ein richtiges Buch gehört, so hat dieser neuartige Verwaltungsbericht einen geschmackvollen Umschlag, und zwar aus dunklem, blaugrünen Karton, den eine Photographie des stattlichen Kreishauses in Bochum schmückt. Diese kehrt als ganzseitiges Vollbild auf dem Innenblatt von dem Text wieder. Auf Seite 1 wird der allgemeine Inhalt des Buches, wie man diesen Bericht nennen muß, verkündet: Bericht über die Verwaltung und den Stand der Gemeindeangelegenheiten der Landgemeinden und Aemter des Kreises, Anlagen vermischten Inhalts, Statistiken und Gesamtübersichten Ehe man sich nun an die Durcharbeitung dieses Stoffes macht, wird dem Leser etwas allerdings ganz Außergewöhnliches geboten, nämlich ein in mehrfarbigem Druck prachtvoll ausgeführtes Vollbild des. Düsseldorfer Kunstmalers Theod. Rocholl: „Der Kaiser vor den Rettungsmannschaften der Zeche Lothringen“ nebst einem knappen, packend geschriebenen Stimmungsbild über das furchtbare(am Tage der Jahrhundertfeier von Krupp in Essen geschehene) Massenunglück am 9. August 1912, bei dem 114 Bergleute den Tod fanden und 27 zum Teil schwer verletzt wurden, sowie über einen Besuch des Kaisers am 10. August v. J., der mitten aus den rauschenden Essener Festlichkeiten nach der bei Gerthe im Landkreise Bochum gelegenen Unglücksstätte eilte. Wenn es nun auch ein doppelter Zufall ist, daß dieses Unglück in das Berichtsjahr fiel und zweitens, daß das Kunstdruckbild einem kurz vorher ebenfalls auf Anregung und unter Hauptmitwirkung des Landrats Gerstein erschienenen Buches, den „Kriegserinnerungen der Veteranen des Kreiskriegerverbandes von Bochum=Land“ entnommen werden konnte, so bleibt doch der Grundsatz einer bildlichen Ausschmückung des Berichtes auch weiterhin gewahrt. Das Auge wird nicht ständig durch trockene Ziffern und Zahlen ermüdet, sondern es erblickt, gleichsam zu Belohnung für die Lesearbeit, immer nach einigen Seiten ein Bild, auf dem es mit Wohlgefallen ausruhend verweilen kann. So findet man z. B. die Bilder der zum Teil recht schmucken und architektonisch interessierenden Amtshäuser des Landkreises Bochum in Gerthe, Harpen, Hordel, Riemke, Stockum, Somborn, Weitmar, Verne, Langendreer und Bladenhorst. Originell ist auch der Gedanke, dem Bericht eine farbige, verkleinerte Wiedergabe der sog. „Generalstabskarte" des Landkreises Bochum beizugeben. Sie ist darauf berechnet, mit der Lupe gelesen zu werben, mit dieser betrachtet zeigt sie aber dank der haarscharfen Druckwiedergabe jede Einzelheit, Dörfchen, Gehöfte, Nebenwege usw., so genau wie die Karten der Landesaufnahme selbst. Den Schluß bildet ein Uebersichtsplan des gewaltigen Versorgungsgebietes des Elektrizitätswerkes Westfalen A.=G. in Bochum. Der ästhetisch angenehme, buchkünstlerische Charakter des Verwaltungsberichtes drückt sich aber auch noch) in anderen Eigenschaften aus, so in den schönen, tiefschwarzen Drucklettern, die sich von dem gelblichen halbrauhen starken Druckpapiere wirksam abheben und in der häufig zweispaltig geteilten Anordnung des Textes(ein ganz wesentlicher Umstand.) Gerade diese drei Momente, Drucklettern, Papier und Textanordnung wirken wohltätig auf das Auge und erleichtern das Lesen des Berichts ungemein. Nun aber der Lext und Inhalt selbst. Nach dem bereits Gesagten erscheint es nicht mehr verwunderlich, daß ihm, dem ästhetischen, äußeren Charakter des Verwaltungsberichtes entsprechend, eine gewissermaßen literarische Gestaltung gegeben worden ist. Daß sich aus statistischen Stoffen keine geistvollen„Feuilletons" machen lassen und das dies, selbst, wenn es möglich würde, nicht der Zweck eines Kreisverwaltungsberichts sein könnte, ist selbstverständlich, wohl aber sind die einzelnen Kapitel, soweit es der Stoff nur irgenwie gestattete, in einer gefällig zu nennenden Darstellung gehalten, sodaß auch der nichtverwaltungsfachmännische Laie sie gern liest und Belehrung in anregender Form aus ihnen zu schöpfen vermag. Alles in allem genommen gibt der Bericht ein anschauliches und lebendiges Bild des vielseitigen Lebens des industriell hochentwickelten Landkreises Bochum. Einer Nachahmung des von dem Bochumer Landrat und Polizeipräsidenten gegebenen Beispiels wird ja verschiedentlich der Kostenpunkt im Wege stehen. Mehrfarbige Volldruckbilder nach dem Original eines Kunstmalers von Ruf wird man sich nicht allenthalben leisten können. Immerhin könnte wohl der Verwaltungsbericht einer Großstadt mit dem Bilde eines neuen Rathauses, Stattheaters, Krankenhauses, Gymnasiums, Kinderheims, städtischer Schräbergärten und anderer Anlagen geschmückt sein, die in dem von dem Bericht umfaßten Zeitraum entstanden sind. In sinngemäßer Anwendung dieses Grundsatzes könnten auch nichtbehördliche Korporationen bei der Herausgabe ihrer Verwaltungsberichte verfahren. Aber auch dort, wo man nicht so weit gehen will oder kann, wird man dem Beispiele des Gerstein'schen Verwaltungserichtes doch einigermaßen folgen können. Selbst wenn man schon auf Bildbeigaben verzichten muß, so machen doch eine typographisch geschmackvolle Anordnung des Textes, die Wahl von Drucklettern und Papier, die dem Auge wohlgefällig sind, namentlich bei einer größeren Druckauflage, nicht allzuviel im Kostenpunkt aus. Behörden und Korporationen, welche ihren Berichten ein größeres Interesse zu sichern wünschen, ist zu raten, sich den Verwaltungsbericht des Landrats Gerstein (Bochum) zu verschaffen. Sie werden daraus ersehen können, daß auch ein Verwaltungsbericht nicht notwendigerweise trocken, langweilig und reizlos zu erscheinen braucht. Und daß dies nicht der Fall sei, ist ja auch im Interesse des meist recht wertvollen Inhalts dieser Berichte durchaus wünschenswert. Das russischeMitglied der internationalen Kommission zur Untersuchung der Balkangreuel, Professor Miljukow, dessen Bild wir beistehend bringen, ist von der serbischen Regierung wegen ausgesprochen serbenfeindlicher Gesinnung abgelehnt worden. Professor Miljukow wurde Montag am späten Abend in seinem Belgrader Hotel von einer großen Studentenmenge aufgefordert, Serbien sofort zu verlassen. Er mußte gestern früh abreisen. Auch die anderen Kommissionsmitglieder reisten nach Saloniki ab, ohne von dem Ministerpräsidenten Paschitsch empfangen worden zu sein. Schon früher sind Prof. Paszkowski (Berlin) und Professor Redlich(Wien) aus der Kommission ausgeschieden. Amt und Kreis. Wattenscheid, den 20. Aug. Uebertragbare Krankheiten. * Die Nachweisung über die im Regierungsbezirk Arnsberg in der Woche vom 17.—23. August amtlich gemeldeten Fälle von übertragbaren Krankheiten ergab 238 Exkrankungen und 72 Todesfälle. Es entfielen auf Diphtherie 85(12), in Dortmund=Stadt 11(1), Bochum=Stadt 9(1), Schwelm 8, Hörde=Stadt 8(1); Körnerkrankheit 6; Lungenund Kehlkopftuberkulose(50), davon in Dortmund=Land(11); Scharlach 120(7), in Dortmund=Stadt 14(2), GelsenkirchenStadt 11, Schwelm 12, Bochum=Stadt 6(4), Lippstadt 10; Unterleibstyphus 18(11); Paratyphus 2. Haftung wegen wissentlich unrichtigen Zeugnisses. * Zu den Unterschlagungen eines Bankdirektors in Düsseldorf wird gemeldet, daß der ungetreue Beamte schon in einer früheren Stellung bei einer angesehenen Bankfirma Westdeutschlands auf eigene Rechnung Spekulationen getrieben habe, die zu erheblichen Verlusten führten. Der nunmehr um 234000 Mark geschädigte Schaaffhausensche Bankverein beabsichtige, gegen das Bankhaus Regreßklage zu erheben, weil das dem Angestellten ausgestellte Zeugnis in krassem Widerspruch stehe zu dem damaligen Treiben, und erst auf Grund dieses Zeugnisses der Bankverein den Beamten in seine Dienste übernommen habe. Welche Aussicht eine solche Regreßklage hat, zeigt ein vom Reichsgerichte bestätigtes Urteil, dem folgender Tatbestand zu Grunde lag: Der beklagte M. hatte seinem früheren Angestellten E. ein Zeugnis ausgestellt, in dem es hieß, daß E.„ein fleißiger, strebsamer und treuer Mitarbeiter gewesen sei, den er gern empfehle“. Unter Vorlegung dieses Zeugnisses bewarb sich dann E. bei dem Kaufmann H. um eine Stellung und wurde auch angestellt. In dieser neuen Stellung onterschlug er mehrere tausend Mark. H. forderte nun unter der Behauptung, daß M. das erwähnte Zeugnis wider besseres Wissen ausgestellt habe, Schadenersatz in Höhe der unterschlagenen Summe, nachdem er von dem Defraudanten vergeblich Befriedigung versucht hatte. Die Schadenersatzpflicht sei deshalb gegeben, weil E. sich schon während seiner Dienstzeit bei M. vor Ausstellung dieses Zeugnisses mehrfach Unredlichkeiten habe zuschulden kommen lassen. Das sei auch dem M. bekannt gewesen. Landgericht, Oberlandesgericht und Reichsgericht verurteilten den Beklagten. Das Landgericht fand in der Ausstellung des bewußt unrichtigen Zeugnisses ein grobfahrlässiges Verhalten, durch das das Eigentum des Klägers an dem ihm durch E. unterschlagenen Gelde verletzt worden sei. Das Reichsgericht bezeichnete die Verurteilung für gerechtfertigt gemäß§ 826 B.=G.=B. Das Zeugnis, das ein Prinzipal dem Handlungsgehülfen ausstelle, sei dazu bestimmt, diesem bei Bewerbung um anderweitige Anstellung zu dienen und Auskunft über seine Befähigung zu geben. Der Arbeitgeber, der in einem zu diesem Zwecke bestimmten Zeugnisse Angaben mache, deren Unwahrheit ihm bewußt sei, mache sich somit einer absichtlichen Täuschung oder mindestens eines Versuches einer solchen Täuschung schuldig. Eine derartige Handlungsweise sei wider Treu und Glauben und verstoße unzweifelhaft gegen die guten Sitten. Sie verpflichte daher den Aussteller des Zeugnisses gegenüber dem Geschädigten zum Schadenersatz, sofern sie als eine vorsätzliche Schadenszufügung anzusehen sei. Hierzu aber genüge es, daß der Aussteller sich der schädlichen Folgen, die Anderen durch die unrichtigen Angaben des Zeug:csen könnten, bewußt sei. Wichtig für Handwerker. * Der 1. Oktober naht heran und dies veranlaßt uns, nochmals darauf hinzuweisen, daß mit genanntem Zeitpunkt die günstigen Uebergangsbestimmungen für alle diejenigen männlichen und weiblichen Handwerker enden, welche die Befugnis zur Anleitung von Lehrlingen und zur Führung des Meistertitels durch Ablegung der Meisterprüfung erwerben müssen. Wer sich jetzt noch sofort unter Einsendung sämtlicher erforderlichen Unterlagen bei der Landwerkskammer in Dortmund zur Ablegung der Meisterprüfung meldet, wird zu derselben auch ohne voraufgegangene Gesellenprüfung zugelassen. Die Handwerkskammer Dortmund wird über diejenigen Prüflinge, deren Gesuche bis zum 15. September vollständig bei ihr vorliegen, eine Entscheidung der Prüfungskommissionen über die Zulassung zur Prüfung herbeiführen, und es kann sodann nötigenfalls die Prüfung auch noch nach dem 1. Oktober abgenommen werden. Wir erinnern daher nochmals alle in Frage kommenden Handwerker und Handwerkerinnen an die sofortige Meldung zur Meisterprüfung. Die Wertzuwachssteuer in den westfälischen Gemeinden. * Durch das bei den letzten Wehrgesetzen erlassene Reichsgesetz über Aenderungen im Finanzwesen ist bekanntlich der Reichsanteil der Reichswertzuwachssteuer außer Hebung gesetzt worden. Nur die dem Reiche früher zugeflossenen 50 F der Gesamtsteuer werden danach künftig nicht mehr erhoben, während die Gemeinden vor wie nach in den Besitz ihres Anteils gelangen. Welche finanzielle Bedeutung die Wertzuwachssteuer für sie hat, ist daraus zu erkennen, daß nach dem berichtigten Soll für das am 31. März 1912 schließende Rechnungsjahr sämtliche westfälische Städte an Wertzuwachssteuer 1022 396 Mk. und die größeren Landgemeinden(mit über 10000 Einwohnern) 20 328 Mk. Zuwachssteuer erzielten. Es ist dies der Betrag, der den Gemeinden nach dem Reichszuwachssteuergesetz und dem preußischen Ausführungsgesetz verblieb. Auf einzelne Städte entfallen von diesem Betrag Dortmund 222965 Mk., Gelsenkirchen 238115, Bochum 101 109, Münster 29 564, Hagen 67970, Bielefeld 52 407, Buer 7238, Herne 21 497, Recklinghausen 12967, Hamm 65 472, Hörde 18221, Lüdenscheid 26 889, Iserlohn 2596, Paderborn 4059, Siegen 9753, Wattenscheid 873, Minden 25 519, Soest 2579, Lippstadt 1374, Hohenlimburg 1607 und Hattingen 2788 Mk. Von größeren Landgemeinden sind zu nennen Bottrop 187 Mk., Gladbeck 2877, Wanne 2314 und Langendreer 276 Mk. Zu erwähnen ist noch, daß die Gemeinden nach dem bereits erwähnten Reichsgesetze über die Aenderungen im Finanzwesen es jetzt auch wieder in der Hand haben, so lange ein Landesgesetz nicht entgegensteht, durch ortsstatutarische Vorschrift eine Aenderung in der Zuwachsbesteuerung eintreten zu lassen. Sie können diese Besteuerung nicht nur über die Bestimmungen des Reichsgesetzes hinaus verschärfen, sondern auch die ganze Zuwachsbesteuerung für den Gemeindebezirk außer Kraft setzen. Damit dürfte der Kampf um diese Steuer wieder in die Stadt= und Gemeindeparlamente verlegt sein. Weitere Lokalnachrichten siehe 1. Blatt. Drei Genossen. Dem werdenden Dichter Heinz Funder gewidmek. Heil und Sieg dem jungen Dichter, Dir, des Volkes Herzaufrichter! Schilderst in den schönsten Reimen, Die im Innersten Dir keimen, Treffend nur des Volks Gefahren, Die wohl stets vorhanden waren. Du, des Pegasusses Reiter, Mutig weiter! Nicht nur Gottlieb's flotte Nicht nur meine Zeilen eilen Jetzt zum Herzen aller Leser. Nein, auch Du bist jetzt Erlöser Allen Schwachen, die da wanken, Allen Menschen, die erkranken Auf des Lebens Höhenleiter. Mutig weiter! Wir, die kämpften nur zu zweien, Streiten weiter jetzt zu dreien! Leuchten auf der Menschheit Tücken Und in alle bösen Lücken. Laßt einander Kraft uns borgen, Zu bemeistern alle Sorgen Und zu werden Volkesstreiter Mutig weiter! Doch nicht nur in ernsten Dingen Wollen wir die Lieder singen. Auch in launig=frohen Sachen Gern wir unsre Scherze machen. Wollen Heiterkeit entfachen Und mit allen lustig lachen. So sind wir des Ulks Begleiter Mutig weiter! Wenn ein Stadtrat mal daneben Redet in dem Stadtratleben, Wenn die Badewannen klein sind Und das Mädel allzu fein spinnt, Wenn das Fleisch im Laden knapp wird Und der Stallwirt allzu schlapp klirrt, Singen wir bald ernst, bald heiter Mutig weiter! Wenn die Straßenbahn zu schnell fährt, Und man nicht mehr Wilhelm Tell ehrt, Wenn die Eingemeindung ex ist, In den Akten auch ein Klecks ist, Wenn die Steuer man zu stark schraubt Und uns noch die letzte Mark raubt, Wird durch uns man schnell gescheiter. Mutig Weiter! Wenn die Sängerin vorbei singt, Und die Schwänin uns kein Ei bringt, Wenn'ne Sache mal zu dumm wird Und man hülflos nur herumirrt, Wenn die Gegner uns verkohlen, Statt den Richt'gen zu versohlen, Sind wir stolz die starken Streiter Mutig weiter! Wattenscheid, 28. Aug. 1913. Emilius Amandeus.