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Karl Nichter:
in Schwerte.
Nr. 284
Montag, 4. Dezember 1922
55. Jahrgang
Zum Geleit.
Der Reichtum gleicht dem Seewasser.
mehr man davon trinkt, wird man.
Je
umso durstiger Schopenhauer.
Schwere Veorohungen aud Fraukreich.
e„* wird die an die interallierte militäri
* Der Sachverhuct.
Neueste politische Nachrichten.
Reichskanzler Cunorhat den großbritannischen und italienischen Botschafter, sowie den englischen Rechtsgelehrten Sir Thomas Barolay empfangen Vorgestern waren der spanische Botschafter, der russische Volkskommissar Tschitscherin, sowie der
amerikanische Senator Mc. Cormik bei Dr. Cuno.
*
In dem Prozeß gegen die Verüber des Anschlages auf Harden, wird angeblich der Rechtsbeistand Hardens beantragen, Ehrhardt als Zeugen zu vernehmen, ob Ehrhardt etwas mit dem Attentat zu tun habe.
Der Hauptausschuß des Reichstages hat einen Unterausschuß eingesetzt, der sich fortlaufend mit Abstrichen in der Beamtenzahl, na
mentlich in den Ministerien, zu befassen hat.
*
Wie das WTB. von zuständiger amtlicher Seite erfährt, entbehrt die Nachricht von einer beabsichtigten Reise des Reichsfinanzministers Dr.
Hermes nach Paris jeder Begründung.
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Der englische Gesandte in Berlin, Lord Abernon, ist auf 14 Tage nach London gereist.
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Der sächsische Landtag hielt seine erste Sitzung nach den Wahlen ab.
Die Gerüchte, daß die MinisterpräsidentschaftsTage Poincares gezählt seien, verstärken sich,
als sein Nachfolger wird Louche ur genannt.
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Die Besprechung der Entente=Ministerpräsidenten in London findet am 9. und 10. Dezember statt.
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Die belgische Regierung hat gestern von der englischen Regierung die Einladung zur Teilnahme an der Londoner Konferenz
am 9. Dezember erhalten.
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König Georg von Griechenland bot seine Abdankung an; Prinz Andreas steht vor einem Kriegsgericht, drei weitere Generale wur
Preußen eine Mörderrepublik.
Sitzung des Preuß. Landtages am 2. 12. 1922
Die Sonnabendsitzung des preußischen Landtages hätte in einer knappen Stunde erledigt sein können, wenn nicht die Kommunisten SchulzNeukölln und Katz wieder einmal Lärmszenen veranstaltet hätten. Beleidigungen des Präsidenten Leinert gaben diesem Veranlassung, unter dem lebhaften Beifall des ganzen Hauses die Anrufung des Aeltestenrates und die Ergreifung schärfster Maßnahmen in Aussicht zu stellen.
In Beantwortung einer Anfrage der Kommunisten wegen des mehrfachen Verbotes der „Roten Fahne“ und der„Westf. Arbeiterzeitung" erklärt ein Regierungsvertreter, daß das Verbot erfolgt ist wegen Verleumdung des Reichsverkehrsministers und der Reichsregierung und wegen Herabwürdigung der republikanischen Staatsform. Das Staatsministerium hat das Verbot des Polizeipräsidenten als sachlich berechtigt angesehen. Das Verbot der„Westf. Arbeiterzeitung", das auf zwei Monate erfolgt ist, ist vom Minister auf 10 Tage beschränkt worden. Den Beamten der ersten Instanz ist aber der Vorwurf einer Amtsverletzung nicht zu machen.
Ein kommunistischer Antrag auf Besprechung der Anfrage wird nicht genügend unterstützt.
Ein Antrag auf Vorlegung eines Gesetzent
München, 4. Dez. Zu den Vorkommnissen in Passau und Ingolstadt wird amtlich gemeldet: Gelegentlich von Kontrollen der hiesigen verbandsstaatlichen Distriktskommission sind am 24. Oktober in Passau und am 22. November in Ingolstadt Mitglieder dieser Kommission schwer beleidigt und teilweise auch mit Steinen beworfen worden. Diese Vorkommnisse wurden von den zuständigen Staatsbehörden sogleich eingehend untersucht. Dabei wurde festgestellt, daß den Polizeibehörden keinerlei Schuld beizumessen ist.
Die Rote.
Angesichts der unzureichenden Genugtuung der deutschen Regierung wegen der Vorfälle in Stettin und Passau wie des neuen Falles in Ingolstadt und angesichts der unerläßlichen Notwendigkeit, dem Widerstand der deutschen Behörden gegen die Ausführung der militärischen Vertragsbestimmungen ein Ende zu machen, wie auch die Mitglieder der interalliierten militärischen Kontrollkommission in der Ausübung ihrer Tätigkeit zu schützen, haben die alliierten Regierungen bestimmt, daß vor dem 10. Dezember 1922
1. die von der deutschen Regierung noch nicht gegebenen Genugtuungen auszuführen sind,
2. betreffend des Vorfalles in Ingolstadt die der deutschen Regierung von der interalliierten militärischen Kontrollkommission anzugebenden Forderungen und Sühnehandlungen auszuführen sind,
3. der bayerische Ministerpräsident der interalliierten militärischen Kontrollkommission
schriftlich seine Entschuldigung für die Vorfälle in Passau und Ingolstadt auszuspre
chen hat,
4. jede der Städte Passau und Ingolstadt mit einer Buße von 500000 Goldmark bestraft
vor Eingehung einer Ehe der Austausch von Gesundheitszeugnissen vorgeschrieben wird, stimmte man zu. In den Schulen sollen Belehrungen über die gesundheitlichen Grundlagen der Ehe erfolgen, an den Universitäten sollen Vorlesungen über Vererbungslehre gehalten werden.
Ein Antrag der Deutschen Volkspartei auf Schaffung einer Bannmeile in Berlin vor dem Rathause fand nicht die Zustimmung der Mehrheit des Hauses.
Ein Antrag des Verfassungsausschusses auf Aufklärung der Mordtat an Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg— der Abg. Schulz=Neukölln (Komm.) nennt bei der Aussprache die preußische Republik
eine Mörderrepublik
— wird angenommen.
Ein kommunistischer Antrag der preußischen Regierung den schärfsten Tadel auszusprechen, wird abgelehnt. Angenommen wird ein Ausschußantrag, einen sozialdemokratischen Antrag wegen des Waffengebrauches der Schutzpolizei für erledigt zu erklären, weil in einer neuen Verordnung der Polizei ohnehin möglichste Schonung anempfohlen worden sei.
In der Besprechung erhält der Abg. SchulzNeukölln(Komm.) mehrere Ordnungsrufe, da er u. a. dem Parlament vorwirft, es sei moralisch verkommen und die Polizeioffiziere führten absichtlich Zusammenstöße herbei, um Blut fließen zu lassen.
Nach längerer zum Teil sehr stürmischer Aussprache wird ein kommunistischer Antrag auf Verweigerung der Auslieferung des Kommunisten Ghezzi an die italienische Regierung abgelehnt.— Danach vertagte sich das Haus auf Montag, 11. Dezember, mittags 12 Uhr.
Ende 2 Uhr.
wild, die an die interattierte miilärische Kontrollkommission zu zahlen ist.
Sollte diese Zahlung zu dem festgesetzten Tage nicht oder nur teilweise bewirkt sein, so würden die alliierten Regierungen zu ihren Gunsten eine Million Goldmark oder den Gegenwert dieser Summe aus Geldmitteln erheben, die die bayerische Regierung aus der Pfalz bezieht oder, falls diese nicht ausreichen, aus irgendwelchen anderen von ihnen zu bestimmenden Mitteln im besetzten
Rheinland. gez. Poincare
*
Die hier erwähnte Note ist heute an zuständiger Stelle in Berlin eingetroffen und sofort Gegenstand eingehender Beratungen gewesen. Die Entschließungen der Regierung werden im Einvernehmen mit der bayerischen Regierung getroffen werden. Eine eigene abjektive Darstellung des Sachverhalts wird der Oeffentlichkeit nicht vorenthalten werden.
*
TU. Berlin, 4. Dez. In amtlichen Kreisen wird kein Zweifel darüber gelassen, daß die Vorgänge von deutscher Seite bedauert werden, und daß sie in keiner Weise zu rechtfertigen sind. Sie sind nur zu verstehen, weil sich die Volksstimmung immer mehr gegen den Umfang der Kontrolltätigkeit wendet.
Eine Rede des Reichskanzlers.
TU. Berlin, 4. Dez. Auf dem Empfang der Berliner Presse hielt Reichskanzler Cuno eine Rede, in der er die Notwendigkeit eines Zusammenarbeitens zwischen Parlament und Regierung und Presse hervorhob und zu der Note über die Zwischenfälle in Passau und Ingolstadt, sowie zu der französischen Einmarschdrohung Stellung nahm. Die Rede des Reichskanzlers wurde mit großem Beifall ausgenommen.
K
Ende der Wohnungswirtschaft.
* Aus Gewerkschaftskreisen wird dem„Auf
wärts“ geschrieben:
Bekanntlich ist der Wohnungsausschuß des Reichstages zurzeit damit beschäftigt, einen Entwurf zur Abänderung des Wohnungsabgabegesetzes auszuarbeiten und gleichzeitig damit ein Wohnungsbauprogramm für die nächsten Jahre, insbesondere für das Baujahr 1923, aufzustellen. Von vornherein sei mit aller Deutlichkeit erklärt, daß das bisherige Ergebnis der Beratungen— namentlich in der wichtigsten und grundlegenden Frage der Höhe der Abgabe— in keiner Weise zu befriedigen vermag.
Angesichts der beispiellosen Erhöhung der Baukosten, die sich heute für eine kleine Wohnung auf 1½—2 Millionen Mark belaufen, und die in erster Linie auf den horrenden Baustoffwucher zurückzuführen sind, war von der Regierung der Voschlag gemacht worden, die Abgabe auf 1500 Proz. des Friedensmietwertes zu bemessen. Dieser Vorschlag wurde von nahezu allen Seiten abgelehnt, da man der Bevölkerung eine derartig hohe Belastung nicht zumuten zu dürfen glaubte. Von dem dem D. G. B. angehörigen Mitglied Tremmel wurde dafür der Vorschlag des Deutschen Gewerkschaftsbundes unterbreitet, der bekanntlich die Erhöhung der Wohnungsabgabe zunächst auf 500 Proz. vorschlägt und dann diesen Satz regelmäßig vierteljährlich weiter steigern will und zwar in einem solchen Ausmaße, daß mit dem Ertrage im Laufe der nächsten zwei Jahre 120000 neue Wohnungen errichtet werden können Diesem Vorschlage gegenüber kamen die Vertreter der Regierung mit dem Einwande, daß eine vierteljährliche Erhöhung aus steuertechnischen Gründen nicht durchführbar sei. Damit fiel dieser Vorschlag. Dafür fand ein Antrag Annahme, der eine Erhöhung der Wohnungsabgabe auf 500 Proz. ohne irgendeine weitere Steigerung in den einzelnen Quartalen vorsieht!
BAUTATIGKEIT
IN DEUTSCHEN EROSSSTHOTER
Mit diesem Beschluß hat der Wohnungsausschuß des Reichstages den letzten Nagel in den Sarg der deutschen Wohnungsbauwirtschaft eingeschlagen. In allen einsichtigen Kreisen ist man sich heute darüber klar, daß wir im kommenden Baujahr mit der fast völligen Einstellung der privaten, der industriellen und namentlich der gemeindlichen Bautätigkeit zu rechnen haben. Private und Industrie stehen infolge der riesigen Baukosten und der außerordentlichen Geldversteifung fast sämtlich von neuen Bauvorhaben ab, die meisten Kommunen stehen unmittelbar vor dem finanziellen Zusammenbruch, überdies hat kürzlich der Deutsche Städtetag die Aufforderung zur Einstellung auf der ganzen Linie ergehen lassen. Neben der verhältnismäßig geringen Bautätigkeit einiger Reichsbehörden, namentlich der Post und der Eisenbahn, wird also das deutsche Baugewerbe im kommenden Baujahr allein auf den staatlich bezuschußten Wohnungsbau mit seiner Bautätigkeit angewiesen sein.
Hunderttausende von Bauarbeitern werden auf der Straße liegen und das Heer der Arbeitslosen vergrößern.
Der Westfälische Prodinziallandtag.
Am 5. Dezember beginnt der 66. westfälische Provinziallandtag. Wie überall macht auch in der Provinz die fortschreitende Geldentwertung die Erhebung einer Nachsteuer nötig. Als Zuschlag wird vom Provinzialausschuß ein solcher von 150 Prozent in Vorschlag gebracht, wodurch ein Betrag von 208 Millionen Mark aufkommen würde Damit würde die gesamte Provinzialsteuer für 1922 den Betrag von rund 358 Millionen Mark erreichen.
Erhöhung der Beihilfen an die evangelischen und katholischen Arbeiterkolonien und Gewährung einer Beihilfe an den Westfälischen Herbergsverband bittet der Provinzialausschuß den Provinziallandtag, zu beschließen.
Die Not der Kleinbahnen zwingt zur Bereitstellung weiterer Unterstützungsgelder.
wird vorgeschlagen, den Kredit von 5 Millionen Mark auf 10 Millionen Mark zu erhöhen.
Zur Durchführung des Bauprogramms für die Wohnungsfürsorge sind weitere 25 Millionen### erforderlich.
Zur Förderung von Bodenverbesserungen werden für das Rechnungsjahr 500000 c und für 1923 ein Betrag von 1000000 cl beantragt und als Unterstützung für den Westfälischen schen Garten in Münster 250000 ckl.
Ueber die Bewilligung von Beihilfen für die Wegeverbesserung liegt folgender Antrag vor: In den Haushaltsplan der Straßenverwaltung für das Rechnungsjahr 1923 wird zur Förderung des Kreis=, Gemeinde= und Genossenschaftswegebaues ein Betrag von 10000000 f eingesetzt.