Regelmätige Beilagen: Schwerter Hausfrau und Mutter. Aus dem Reiche der Mode. Heimatblätter. u Lustiges Allerlei. Kinderzeitung: Unser Blatt nUnterhaltungs- u. Romanbeilage. u Spiel, Sport und Curnen. u Lebensbild. Kunst u. Wissen.u Gartenratschläge. Verbunden mit: Schwerter Cageblatt und Anzeiger Schwerter Velbszeitung Weltheiener Zeitung Aplerbecker Zeitung Langlebeder Zeitung Schwerter Delksblatt Amtliches Kreisblatt für den Kreis Hörde. Holzwickeder Zeitung Erstes und ättestes Cogesorgen des Kreises.— Generalanzeiger für den Kreis Nie Schonter Fetune uichin. werktäglich. n Hauptgeschäftsstelle, Druck und Verlag: Carl Braus. Celegr. Adr.: Braus, Schwerteruhr. Cel.62. Postscheck: Dortmund 2852 Verantwortliche Schriftleitung: Karl Nichter: in Schwerte. Nr. 284 Montag, 4. Dezember 1922 55. Jahrgang Zum Geleit. Der Reichtum gleicht dem Seewasser. mehr man davon trinkt, wird man. Je umso durstiger Schopenhauer. Schwere Veorohungen aud Fraukreich. e„* wird die an die interallierte militäri * Der Sachverhuct. Neueste politische Nachrichten. Reichskanzler Cunorhat den großbritannischen und italienischen Botschafter, sowie den englischen Rechtsgelehrten Sir Thomas Barolay empfangen Vorgestern waren der spanische Botschafter, der russische Volkskommissar Tschitscherin, sowie der amerikanische Senator Mc. Cormik bei Dr. Cuno. * In dem Prozeß gegen die Verüber des Anschlages auf Harden, wird angeblich der Rechtsbeistand Hardens beantragen, Ehrhardt als Zeugen zu vernehmen, ob Ehrhardt etwas mit dem Attentat zu tun habe. Der Hauptausschuß des Reichstages hat einen Unterausschuß eingesetzt, der sich fortlaufend mit Abstrichen in der Beamtenzahl, namentlich in den Ministerien, zu befassen hat. * Wie das WTB. von zuständiger amtlicher Seite erfährt, entbehrt die Nachricht von einer beabsichtigten Reise des Reichsfinanzministers Dr. Hermes nach Paris jeder Begründung. * Der englische Gesandte in Berlin, Lord Abernon, ist auf 14 Tage nach London gereist. * Der sächsische Landtag hielt seine erste Sitzung nach den Wahlen ab. Die Gerüchte, daß die MinisterpräsidentschaftsTage Poincares gezählt seien, verstärken sich, als sein Nachfolger wird Louche ur genannt. * Die Besprechung der Entente=Ministerpräsidenten in London findet am 9. und 10. Dezember statt. * Die belgische Regierung hat gestern von der englischen Regierung die Einladung zur Teilnahme an der Londoner Konferenz am 9. Dezember erhalten. * König Georg von Griechenland bot seine Abdankung an; Prinz Andreas steht vor einem Kriegsgericht, drei weitere Generale wurPreußen eine Mörderrepublik. Sitzung des Preuß. Landtages am 2. 12. 1922 Die Sonnabendsitzung des preußischen Landtages hätte in einer knappen Stunde erledigt sein können, wenn nicht die Kommunisten SchulzNeukölln und Katz wieder einmal Lärmszenen veranstaltet hätten. Beleidigungen des Präsidenten Leinert gaben diesem Veranlassung, unter dem lebhaften Beifall des ganzen Hauses die Anrufung des Aeltestenrates und die Ergreifung schärfster Maßnahmen in Aussicht zu stellen. In Beantwortung einer Anfrage der Kommunisten wegen des mehrfachen Verbotes der „Roten Fahne“ und der„Westf. Arbeiterzeitung" erklärt ein Regierungsvertreter, daß das Verbot erfolgt ist wegen Verleumdung des Reichsverkehrsministers und der Reichsregierung und wegen Herabwürdigung der republikanischen Staatsform. Das Staatsministerium hat das Verbot des Polizeipräsidenten als sachlich berechtigt angesehen. Das Verbot der„Westf. Arbeiterzeitung", das auf zwei Monate erfolgt ist, ist vom Minister auf 10 Tage beschränkt worden. Den Beamten der ersten Instanz ist aber der Vorwurf einer Amtsverletzung nicht zu machen. Ein kommunistischer Antrag auf Besprechung der Anfrage wird nicht genügend unterstützt. Ein Antrag auf Vorlegung eines GesetzentMünchen, 4. Dez. Zu den Vorkommnissen in Passau und Ingolstadt wird amtlich gemeldet: Gelegentlich von Kontrollen der hiesigen verbandsstaatlichen Distriktskommission sind am 24. Oktober in Passau und am 22. November in Ingolstadt Mitglieder dieser Kommission schwer beleidigt und teilweise auch mit Steinen beworfen worden. Diese Vorkommnisse wurden von den zuständigen Staatsbehörden sogleich eingehend untersucht. Dabei wurde festgestellt, daß den Polizeibehörden keinerlei Schuld beizumessen ist. Die Rote. Angesichts der unzureichenden Genugtuung der deutschen Regierung wegen der Vorfälle in Stettin und Passau wie des neuen Falles in Ingolstadt und angesichts der unerläßlichen Notwendigkeit, dem Widerstand der deutschen Behörden gegen die Ausführung der militärischen Vertragsbestimmungen ein Ende zu machen, wie auch die Mitglieder der interalliierten militärischen Kontrollkommission in der Ausübung ihrer Tätigkeit zu schützen, haben die alliierten Regierungen bestimmt, daß vor dem 10. Dezember 1922 1. die von der deutschen Regierung noch nicht gegebenen Genugtuungen auszuführen sind, 2. betreffend des Vorfalles in Ingolstadt die der deutschen Regierung von der interalliierten militärischen Kontrollkommission anzugebenden Forderungen und Sühnehandlungen auszuführen sind, 3. der bayerische Ministerpräsident der interalliierten militärischen Kontrollkommission schriftlich seine Entschuldigung für die Vorfälle in Passau und Ingolstadt auszusprechen hat, 4. jede der Städte Passau und Ingolstadt mit einer Buße von 500000 Goldmark bestraft vor Eingehung einer Ehe der Austausch von Gesundheitszeugnissen vorgeschrieben wird, stimmte man zu. In den Schulen sollen Belehrungen über die gesundheitlichen Grundlagen der Ehe erfolgen, an den Universitäten sollen Vorlesungen über Vererbungslehre gehalten werden. Ein Antrag der Deutschen Volkspartei auf Schaffung einer Bannmeile in Berlin vor dem Rathause fand nicht die Zustimmung der Mehrheit des Hauses. Ein Antrag des Verfassungsausschusses auf Aufklärung der Mordtat an Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg— der Abg. Schulz=Neukölln (Komm.) nennt bei der Aussprache die preußische Republik eine Mörderrepublik — wird angenommen. Ein kommunistischer Antrag der preußischen Regierung den schärfsten Tadel auszusprechen, wird abgelehnt. Angenommen wird ein Ausschußantrag, einen sozialdemokratischen Antrag wegen des Waffengebrauches der Schutzpolizei für erledigt zu erklären, weil in einer neuen Verordnung der Polizei ohnehin möglichste Schonung anempfohlen worden sei. In der Besprechung erhält der Abg. SchulzNeukölln(Komm.) mehrere Ordnungsrufe, da er u. a. dem Parlament vorwirft, es sei moralisch verkommen und die Polizeioffiziere führten absichtlich Zusammenstöße herbei, um Blut fließen zu lassen. Nach längerer zum Teil sehr stürmischer Aussprache wird ein kommunistischer Antrag auf Verweigerung der Auslieferung des Kommunisten Ghezzi an die italienische Regierung abgelehnt.— Danach vertagte sich das Haus auf Montag, 11. Dezember, mittags 12 Uhr. Ende 2 Uhr. wild, die an die interattierte miilärische Kontrollkommission zu zahlen ist. Sollte diese Zahlung zu dem festgesetzten Tage nicht oder nur teilweise bewirkt sein, so würden die alliierten Regierungen zu ihren Gunsten eine Million Goldmark oder den Gegenwert dieser Summe aus Geldmitteln erheben, die die bayerische Regierung aus der Pfalz bezieht oder, falls diese nicht ausreichen, aus irgendwelchen anderen von ihnen zu bestimmenden Mitteln im besetzten Rheinland. gez. Poincare * Die hier erwähnte Note ist heute an zuständiger Stelle in Berlin eingetroffen und sofort Gegenstand eingehender Beratungen gewesen. Die Entschließungen der Regierung werden im Einvernehmen mit der bayerischen Regierung getroffen werden. Eine eigene abjektive Darstellung des Sachverhalts wird der Oeffentlichkeit nicht vorenthalten werden. * TU. Berlin, 4. Dez. In amtlichen Kreisen wird kein Zweifel darüber gelassen, daß die Vorgänge von deutscher Seite bedauert werden, und daß sie in keiner Weise zu rechtfertigen sind. Sie sind nur zu verstehen, weil sich die Volksstimmung immer mehr gegen den Umfang der Kontrolltätigkeit wendet. Eine Rede des Reichskanzlers. TU. Berlin, 4. Dez. Auf dem Empfang der Berliner Presse hielt Reichskanzler Cuno eine Rede, in der er die Notwendigkeit eines Zusammenarbeitens zwischen Parlament und Regierung und Presse hervorhob und zu der Note über die Zwischenfälle in Passau und Ingolstadt, sowie zu der französischen Einmarschdrohung Stellung nahm. Die Rede des Reichskanzlers wurde mit großem Beifall ausgenommen. K Ende der Wohnungswirtschaft. * Aus Gewerkschaftskreisen wird dem„Aufwärts“ geschrieben: Bekanntlich ist der Wohnungsausschuß des Reichstages zurzeit damit beschäftigt, einen Entwurf zur Abänderung des Wohnungsabgabegesetzes auszuarbeiten und gleichzeitig damit ein Wohnungsbauprogramm für die nächsten Jahre, insbesondere für das Baujahr 1923, aufzustellen. Von vornherein sei mit aller Deutlichkeit erklärt, daß das bisherige Ergebnis der Beratungen— namentlich in der wichtigsten und grundlegenden Frage der Höhe der Abgabe— in keiner Weise zu befriedigen vermag. Angesichts der beispiellosen Erhöhung der Baukosten, die sich heute für eine kleine Wohnung auf 1½—2 Millionen Mark belaufen, und die in erster Linie auf den horrenden Baustoffwucher zurückzuführen sind, war von der Regierung der Voschlag gemacht worden, die Abgabe auf 1500 Proz. des Friedensmietwertes zu bemessen. Dieser Vorschlag wurde von nahezu allen Seiten abgelehnt, da man der Bevölkerung eine derartig hohe Belastung nicht zumuten zu dürfen glaubte. Von dem dem D. G. B. angehörigen Mitglied Tremmel wurde dafür der Vorschlag des Deutschen Gewerkschaftsbundes unterbreitet, der bekanntlich die Erhöhung der Wohnungsabgabe zunächst auf 500 Proz. vorschlägt und dann diesen Satz regelmäßig vierteljährlich weiter steigern will und zwar in einem solchen Ausmaße, daß mit dem Ertrage im Laufe der nächsten zwei Jahre 120000 neue Wohnungen errichtet werden können Diesem Vorschlage gegenüber kamen die Vertreter der Regierung mit dem Einwande, daß eine vierteljährliche Erhöhung aus steuertechnischen Gründen nicht durchführbar sei. Damit fiel dieser Vorschlag. Dafür fand ein Antrag Annahme, der eine Erhöhung der Wohnungsabgabe auf 500 Proz. ohne irgendeine weitere Steigerung in den einzelnen Quartalen vorsieht! BAUTATIGKEIT IN DEUTSCHEN EROSSSTHOTER Mit diesem Beschluß hat der Wohnungsausschuß des Reichstages den letzten Nagel in den Sarg der deutschen Wohnungsbauwirtschaft eingeschlagen. In allen einsichtigen Kreisen ist man sich heute darüber klar, daß wir im kommenden Baujahr mit der fast völligen Einstellung der privaten, der industriellen und namentlich der gemeindlichen Bautätigkeit zu rechnen haben. Private und Industrie stehen infolge der riesigen Baukosten und der außerordentlichen Geldversteifung fast sämtlich von neuen Bauvorhaben ab, die meisten Kommunen stehen unmittelbar vor dem finanziellen Zusammenbruch, überdies hat kürzlich der Deutsche Städtetag die Aufforderung zur Einstellung auf der ganzen Linie ergehen lassen. Neben der verhältnismäßig geringen Bautätigkeit einiger Reichsbehörden, namentlich der Post und der Eisenbahn, wird also das deutsche Baugewerbe im kommenden Baujahr allein auf den staatlich bezuschußten Wohnungsbau mit seiner Bautätigkeit angewiesen sein. Hunderttausende von Bauarbeitern werden auf der Straße liegen und das Heer der Arbeitslosen vergrößern. Der Westfälische Prodinziallandtag. Am 5. Dezember beginnt der 66. westfälische Provinziallandtag. Wie überall macht auch in der Provinz die fortschreitende Geldentwertung die Erhebung einer Nachsteuer nötig. Als Zuschlag wird vom Provinzialausschuß ein solcher von 150 Prozent in Vorschlag gebracht, wodurch ein Betrag von 208 Millionen Mark aufkommen würde Damit würde die gesamte Provinzialsteuer für 1922 den Betrag von rund 358 Millionen Mark erreichen. Erhöhung der Beihilfen an die evangelischen und katholischen Arbeiterkolonien und Gewährung einer Beihilfe an den Westfälischen Herbergsverband bittet der Provinzialausschuß den Provinziallandtag, zu beschließen. Die Not der Kleinbahnen zwingt zur Bereitstellung weiterer Unterstützungsgelder. wird vorgeschlagen, den Kredit von 5 Millionen Mark auf 10 Millionen Mark zu erhöhen. Zur Durchführung des Bauprogramms für die Wohnungsfürsorge sind weitere 25 Millionen### erforderlich. Zur Förderung von Bodenverbesserungen werden für das Rechnungsjahr 500000 c und für 1923 ein Betrag von 1000000 cl beantragt und als Unterstützung für den Westfälischen schen Garten in Münster 250000 ckl. Ueber die Bewilligung von Beihilfen für die Wegeverbesserung liegt folgender Antrag vor: In den Haushaltsplan der Straßenverwaltung für das Rechnungsjahr 1923 wird zur Förderung des Kreis=, Gemeinde= und Genossenschaftswegebaues ein Betrag von 10000000 f eingesetzt. 1642 1708 1861 Aus Stadt und Land. Schwerte, 4. Dezember. Erinnerungen. Kardinal Richelien gestorben. Der ital. Naturforscher Luigi Galvani gest. Die Moldau und Walachai vereinigen sich zum rumänischen Staate. * ** Nun sind wir im Advent, in vier Wochen erschallen die Weihnachtsglocen. Allerdings ist es nur halb so, wie sonst, denn die schöne vorweihnachtliche Illumination der Läden und Schaufenster in den Abendstunden, die Alt und Jung ersreute, muß sich infolge der Kohlen= und Lichtpreise recht beschränken. Das trübe Wetter nötigt zuweilen schon in den Togesstunden, Licht anzuzünden, und da muß die Weihnachtsbeleuchtung Entsagung üben. Dei Ehristfestmonat und damit der letzte Monat im Jahr ist da, der uns Winters Anfang. aber doch zugleich auch den türzesten Tag bringt, von dem aus es wieder nach oben geht. Es ist schwer zu sagen, worüber wir uns diesmal beim Eintritt in den Dezember am meisten freuen sollen. Natürlich, die Weihnachtsfreude steht obenan. Aber die Genugtnung dar über, daß das launische und schlimmere Jahr 1922 bald zu Ende ist und die Hoffnung auf ein neues und besseres Jahr zuläßt, ist auch berech tigt. Und nich weniger, daß die Tage wieder länger werden. Die Lichtrechnungen kann man als Dokumente einer nicht erfreulichen Zeit aufheben, gerade so wie die Brotpreisfeststellungen. Die Jugend hai jetzt ihre große Zeit im Jahr, die Weihnachtslieder sind noch unvergessen, und auch den Erwachsenen wird das Herz warm in der immer wieder ergrünenden Hoffnung. Was blieb uns auch sonst? ** Stadtverordneten=Sitzung findet am Donnerstag, 7. Dezember, nachm. 5 Uhr statt. Unsere Stadtväter haben insonderheit für Erhöhen und Bewilligen einzutreten und dafür, daß es„Licht“ werde, wo noch Dunkelheit herrscht auf einsamer Straße.— Die Erhöhung des Gaspreises wird für manchen Haushalt Sorge mit sich bringen, Möchten da die Stadtväter recht väterlich sein und sich als Hausväter fühlen. ** Tagung der Preisprüfungsstellen. Die Macht der Kartelle. Die Gesamtheit der in Hannover tagenden Preisprüfungsstellen hat zu dem Problem der Kartellmacht, der Forderung der Wiederbeschaffungskosten und zu der Frage der Versorgung der Bevölkerung folgende Entschließungen angenommen: 1. Die sprunghafte Entwertung der Mark erdie Not der Massen von Tag zu Tag. Die Preisprüfungsstellen find bestrebt, insbesondere durch Hintanhaltung der Preisüberforderungen bei Landwirtschaft, Handel und Gewerbe der Allgemeinheit den von ihr mit Recht verlangten Schutz zu gewähren. Wie in den anderen Berufszweigen, sind auch bei Verbänden(Kartellen) schwere Mißstände hervorgetreten, deren Beseitigung bei der überwiegenden Bedeutung der Kar. telle für das ganze Wirtschaftsleben eine Lebensfrage für das ganze Volk und seinen Fortbestand ist. Dies verlangt nach der einstimmigen Aufsassung der Preisprüfungsstellen, daß die Verbände zur Erkenntnis ihrer großen Verantwortung duchdringen und den Willen zur Beseitigung von Mißständen betätigen. Von einer den Interessen der Gesamtheit des Volkes Rechnung tragenden und nicht nur privatwirtschaftlich eingestellten Politik der Verbände wird es abhängen ab die Volkswirtschaft weiter besteht oder zusammenbricht. Organisationen von der Macht der Verbände sind in eine öffentliche Verantwortung hineingewachsen und haben damit auch eine öffentliche Aufgabe gegenüber dem Volke, die sie in Zusammenarbeit mit den Behörden erfüllen müs sen. Die in Gegenwart des Reichswirtschaftsministeriums versammelten Preisprüfungsstellen halten es für erforderlich, diese Verantwortung in ihrer ganzen Schwere einmütig festzustellen. Die Reichsregierung wird aufgefordert, darauf zu achten, daß das Verhalten der Verbände dieser schweren Verantwortung entspricht Andernfalls sind unverzüglich Maßnahmen zu treffen, die die Behörden instandsetzen, den Schutz gefährdeter Interessen wahrzunehmen. 2. Die Preisprüfungsstellen lehnen die Anwendung des Wiederbeschaffungspreises ab. Sie erkennen nach wie vor an, daß die Geldentwertung bei der Berechnung der Verkaufspreise berücksichtigt werden muß. Der auf normaler Markt. lage beruhende Marktpreis ist als entscheidender Bewertungsmaßstab für die Angemessenheit des Gewinnes anzuertennen. 3. Zu der Frage der Versorgung der Bevölkerung wurde folgende Entschließung gefaßt: Die Preisprüfungsstellen halten die Entwicklung der Milchpreise mit Rücksicht auf die Vollsgesundheit, insbesondere die Gesundheit der heranwachsenden Jugend, für außerordentlich gefahrdrohend. Sie erachten es für dringend notwendig, daß sofort in Zusammenarbeit mit dem Reichsernährungsministerium Maßnahmen erwogen werden, welche geeignet sind, diese Gefahr abzuwenden. Die Einfuhr von Gefrierfleisch ist zu fördern, um einer unter dem Einfluß ungenügenden Angebotes eingetretenen übermäßigen Erhöhung der Inlandsfleischpreise entgegenzuwirken. Die neue Zuckertarte, die in diesen Tagen ausgegeben wurde, gilt für vier Monate, sie besteht in einem Stammteil, dem Mittelfeld, und weist für jeden der Monate Dezember 1922, Januar, Februar und März 1923 je zwei Abschnitte (A und B) auf. Jeder Abschnitt berechtigt zum Empfang der halben für den betreffenden Monat freigegebenen Menge. Im Dezember sind es je ein Pfund auf jedem Abschnitt, also ein Kilogramm für den ganzen Monat. Die Karte enthält außerdem die Abschnitte für Sonderzuweisungen. Deren erste ist im Dezember zugeteilt mit ½ Kilogramm auf die Karte. Man erhält also im Dezember drei Pfund auf die Karte. Die Karte muß beim Einkauf dem Kaufmann vorgelegt werden, dait er die Abschnitte selbst abtrennt. Lose Abschnitte sind ungültig. Neuen Zucker erhält der Kaufmann nur nach Maßgabe der an dic örtliche Kontrollstelle abgelieferten Abschnitte. Die Zuckerkarte ist freizügig, und zwar in ganz Preußen. Die Karten tragen zwar einen Aufdruck, der die Provinz nennt, wo sie aushegeben sind, aber damit ist ihre Verwendungsmöglichkeit in ganz Preußen nicht beeinträchtigt. Uebertragbar indessen ist die Karte nicht. ** Haus= und Grundbesitzerverein. Gestern fand im Gasthof Klempt eine stark besuchte Generalversammlung des hiesigen Haus= und Grundbesitzervereins statt. Nach Aufnahme von 24 neuen Mitgliedern wurden einige Vereinsangelegenheiten erledigt und eine Kommission von vier Mitgliedern für die Verhandlungen betreffend Neufestsetzung der Mieten gewählt. ** Zither=Konzert. Freunden der edlen Zithermusik bereitete gestern der hiesige Zitherverein äußerst genußreiche Stunden durch das im „Reiche des Wassers" veranstaltete Konzert, welches sich eines ungemein zahlreichen Besuches zu erfreuen hatte Der unter der umsichtigen Leitung des Herrn Schorr stehende Verein, der gestern mit 17 Instrumenten die Bühne betrat, hat sich in dem vergangenen Jahre außerordentlich günstig entwickelt und bereits eine hohe Stufe künstlerischer Leistungsfähigkeit erreicht. Mal merkte den einzelnen Vorträgen das eingehende fleißige Studium an und auch das Zusammenspiel klappte ganz ausgezeichnet. Das Programm bat eine reiche Auswahl der besten Werke, auf dem Gebiete der Zither=Musik, von denen uns besonders die prächtigen„Münchener Walzerklänge“ von Schwarz, und eine Mazurka von Lint! am besten gefallen haben. In Herrn Schorr lernten wir gestern nicht nur einen äußerst tüchtigen Leiter seiner kleinen Musikerschar, sondern auch einen seinsinnigen Komponisten kennen, der mit Liebe und Verständnis seine Noten schreibt und dessen„Liebeswerben in Ungarn“, welches hier rauschenden Beifall fand, seinen Weg wohl machen wird. Jedenfalls hat das gestrige Konzert der edlen Zithermusik auch in unserer Stadt neue Freunde und Anhänger gewonnen. Dem Verein zu dem gestrigen Erfolge— das Publikum war von den gebotenen Genüssen ganz begeistert ein herzliches Glück auf! ** Im Silberkranz. Unsere Abonnenten die hegatten Werkmeister Gotthilf Keim, Beckestr. 29 wohnhaft, feierten gestern im Kreise ihrer Angehörigen und Bekannten das schöne Fest der silbernen Hochzeit. Mancherlei Ehrungen wurden ihnen zuteil. Wir schließen uns den zahlreichen Glückünschen noch nachträglich an. Einst blühte grün das Myrtenreis, das nunmehr glänzet silberweiß, Die Jahre gingen schnell dahin, doch jugendfrisch blieb Herz und Sinn. Drum hochbeglücktes Jubelpaar! Gott schütz' dich ferner viele Jahr. Nun bleib gesegnet und beglückt, bis einst dich gold'ne Myrte schmückt. Kirchliches. Das evangelische Gemeindeamt, welches bisher im Hause des Herrn Sparfassendirettors a. D. Nehring in der Sedanstraße war, ist in die Kleinkinderschule in der Jägerstraße verlegt worden. Wegen Erkrankung des Herrn Psarrers Wischnath muß dessen Konfirmanden= und Katechumenenunterricht morgen. Dienstag und übermorgen, Mittwoch, ausfallen. Der evangelische Verein junger Mädchen veranstaltet am morgigen Dienstag abends 8 Uhr im Gemeindehause eine Adventsfeier, und der Bibelkreis am Mittwoch, 13. Dezember, ebendaselbst einen Heimatabend, bei welchem die Verhältnisse unserer engeren Heimat zur Zeit der Römerschaft im Mittelpunkt der Darbietungen stehen werden. ** Evangelischer Männerverein. In seiner gestrigen, im Gemeindehaus abgehaltenen Versammlung beschloß der evangelische Männerverein, hinsichtlich der vom Provinzialverband geforderten Vereinsbeiträge eine abwartende Stellung einzunehmen und sich der Auffassung, welche der Kreisverband Iserlohn in dieser Frage vertritt, anzuschließen. Am Sonntag, 17. Dezember soll eine Weihnachtsfeier im Gemeindehause stattfinden. ** Betriebsunfall. Im Betriebe der Maschinenwerkstatt im„Grüntal“ kam am Samstag der Schlosser Putzmann, ein verheirateter Mann von etwa 35 Jahren dadurch schwer zu Schaden, das ihm eine kleine Transmissionswelle, die hochgewunden werden sollte, auf den Hinterkopf stürzte. Der Mann hat eine schwere Schädelverletzung erlitten und mußte ins Krankenhaus gebracht werden. ** Die Rückkehr der Kinder von Binz erfolgt einen Tag später. Abfahrt von Binz am 7. Dezember. Ankunft in Dortmund am 8. Dezember morgens 9,19 Hauptbahnhof. ** Etwas schwere Speise für die kleineren Kinder war am Samstag in der Bilderschau zu sehen.„Was deutsche Technik Wunder schuf"— mochte den Größeren wohl reichlich Stoff zum „Nachdenken bieten, denn ausgiebig und erschöpsend waren die Darstellungen aus allen Gevieten der deutschen Industriewerke. Aber die Kleinen hatten mehr ihre Freude an den fertigen. Spielsachen und an den lustigen Bildern. Es hat sich gezeigt, daß also mehr Handlung, mehr Märchen, vielleicht mehr ergreifende Geschichten in die Kinderdarbietung gehören, auch viel Musik und schallender Humor. Darauf soll die Bilderschau ihr Hauptaugenmerk richten und sie wird es tun. Das nächste mal muß heller Jubel durchs Haus rauschen. ** Diebstahl. Die Metalle aller Art scheinen neuerdings auf die Diebe eine besondere Anziehungskraft auszuüben. So wurde in einer der letzten Nächte von der reformierten Kirche die Abfallrohre gestohlen. Da die Möglichkeit nicht ausgeschlossen ist, daß Kinder als Diebe in Betracht kommen, so sollten die Althändler auf das, was ihnen von Kindern, auch in zerschlagenem oder zerschnittenem Zustand überbracht wird, ein besonderes Augenmerk haben. ** Klaviere luxussteuerfrei. Verkaufte bisher ein Privatmann ein Klavier oder ein anderes Musikinstrument, dann legte das Reich seine Hand darauf und verlangte einen Tribut in Gestalt einer löprozentigen Abgabe. Die wenigsten kannten die Bestimmung und waren entsetzt, wenn eines Tages der Steuererheber bei ihnen antrat und die 15 Proz. einkassierte. Wer gesetzkundig war, kalkulierte die Summe in den Verkaufspreis mit ein. Das soll nun anders werden. Das Reichsfinanzministerium ist zu der Erkenntnis gelangt, daß das Umsatzsteuergesetz in seiner bisherigen Form nicht aufrecht zu erhalten ist. Durch eine Verordnung vom 12. September d. Is. sind seine Ausführungsbestimmungen sehr gründlichen Abänderungen unterworfen worden, und es sind Tausende von Gegenständen für luxussteuerfrei erklärt, die nicht nur der Herstellersteuer unterlagen, sondern auch beim Verkauf aus Pivathand versteuert werden mußten. Nur Flügel, Klaviere und Harmonien aus besonders kostbaren Hölzern: Ebenholz Palisander= und Rosenholz, aus Zedern=, Tee=, und Buchsbaumholz ust. unterliegen nach wie vor der Luxussteuer. Auch Geigen, Violas, Violincellos sind der Steuer nur unterworfen, wenn sie mit Edelmetallen verarbeitet sind oder Schnitzereien aufweisen. ** Wie du mir, so ich dir! Der Reisende Schulze ist der Schrecken der Kundschaft. Bestellt jemand bei ihm drei Dutzend einer Ware, so läßt er ihm durch seine Firma sicher neun Dutzend schicken. Eines Tages kommt Schulze sehr verstimmt zu einem Kunden, und, als dieser ihn fragt, weshalb er so mißmutig sei, erzählt er, seine Frau habe ihn mit Drillingen beschenkt. „Das freut mich," erwidert der Kunde,„unn wissen Sie doch, wie's ist, wenn man dreimal so viel erhält als man bestellt hat.“ ** Entsetzliche Rattenplage. Aus der Gemeinde Borken traf eine Mutter mit einem vier Wochen alten Kinde hier ein, weil dem Kinde nachts durch Ratten die Fingerchen angefressen worden waren. Besonders in den neuerbauten Kleinhäusern jener Gemeinde scheint diese Rattenplage schlimm aufzutreten Nächtlicher Schlaf ist selten ruhig zu finden. Westhofen. Einen schönen Familienabend feierte gestern im Zeichen des Advenks der christl. Verein junger Männer Westhofen. Einleitende Worte, Gesänge, Rezitationen und Musikdarbietungen umrahmten einen Vortrag: „Christl. Verein und Elternhaus“ und zeigte der gutbesuchte Abend das klare Ziel des Vereins in unzweidentiger Weise: Junge Leute wollen sich gegenseitig und auch ihren Altersgenossen dienen, in Haus, Beruf und Oeffentlichkeit dem Bekenntnis zu Christus und zu seiner Gemeinde treu zu bleiben und damit kernhafte Männer zu werden im Kampfe des Lebens um ihres Volkes Bestes. Der Verein verdient alle Förderung und Anerkennung. Er bietet viel Gutes, das Beste. Heute, Montag abend, findet für jedermann Bibelkursus in der alten Schule statt, pünktlich 7,10 Uhr. 95 Art laut nicht von Art. Roian von H. Hill. (Nachdruck verboten.) Er erreichte im Laufschritt die Seitenstraße, eine schmale Gasse mit alten, düsteren Häusern, die sich des Vorzugs elektrischer Beleuchtung noch nicht zu erfreuen hatte, und mit einem tiefen Aufatmen der Erleichterung sah er, daß er noch nicht zu spät gekommen war. Der Graf stand im Gespräch mit einem anderen Manne, von dem er allem Anschein nach hier erwartet worden war, und ein paar Sekunden später setzten sie sich beide Seite an Seite in Bewegung, um die Straße hinabzugéhen. Odemar folgte ihnen in kurzer Entfernung nach, sich so dicht an den ) Häuserwänden haltend, daß sie seiner auch bei zufälligem Amschauen nicht gewahr werden konnten, und er sah, wie sie die Siusen emporstiegen, die zur Eingangstür eines der letzten Häuter führten. Zwei Minuten später hatte er unter dem Torweg des gerade gegenüberliegenden, anscheinend ganz unbewohnten Gebäudes einen Schluyswinkel gefunden, von dem aus er ohne Gefahr, seinerseits bemerkt zu werden, das Haus auf der anderen Straßen,eite einer eingehenden Musterung unterzieher konnte. Aber diese Musterung sagte ihm sehr wenig. Mit Ausnehme eines einzigen Fensters im untersten Stockwerk war alles in Dunkelheit gehüllt. Die Bewohner des Hauses nutzten also ausschließlich die nach hinten gelegenen Raumlichkeiten benutzen. Vielleicht hatten sie triftige Gründe, steh der Möglichkeit einer Beobachtung von der Straße her zu entziehen. Dektar Odemar überlegte, was er nun weiter tun solle. Gewiß war es ein außergewöhnlicher Glücksfall gewesen, der ihm den Grafen in den Weg geführt und ihm die Verfolgung seiner Spur bis hierher ermöglicht hatte. Aber es kam jetzt alles darauf an, diesen Glücksfall auch auf die rechte Weise zu nutzen und keine Torheit zu begehen, durch die alles wieder in Frage gestellt werden konnte. 1. Und daß es eine Torheit sein würde, jetzt einfach hinüberzugehen und Einlaß zu begehren, mußte sich der Doktor nach kurzem Besinnen sagen. Wenn es da drinnen wirklich etwas zu verbergen gab, so würde man ihm einfach den Eintritt verweigern, und da er kein Mittel besaß, ihn zu erzwingen, würde der Erfolg seiner Einmischung lediglich darin bestehen, daß sein Todfeind gewarnt war und Zeit gewonnen hatte, seine Vorkehrungen zu treffen. Ebensowenig aber glaubte Odemar seinen Beobachtungsposten verlassen zu dürfen, um sich etwa mit dem Senator und dem Freiherrn von Reckenburg in Verbindung zu setzen, oder um auch nur eine Polizeiwache aufzusuchen. Darüber konnte viel kostbare Zeit verloren gehen, und wenn sich der Graf inzwischen aus dem Hause entfernte, so war möglicherweise seine Spur aufs neue verloren. Nach reiflicher Erwägung aller in Betracht kommenden Eventualitäten gelangte der Schriftsteller endlich zu dem Schluß, daß ihm nichts anderes übrigblieb, als hier zu warten, bis ein Schutzmann oder sonst eine Vertrauen erweckende Persönlichkeit vorüberkam, deren er sich zur Uebermittlung einer Botschaft an den Senator bedienen konnte. Hätte er geahnt, daß in diesem Augenblick bereits sämtliche Polizeiämter der Stadt telegraphische Weisung erhalten hatten, mit allen zu Gebote stehenden Mitteln nach dem Grafen Donnersberg zu fahnden, so würde er es freilich doch wohl vorgezagen haben, sich mit der nächsten Wache in Verbindung zu setzen, um so eher, als seine Hoffnung auf die Unterstützung durch einen Vorübergehenden immer geringer wurde. Die Straße schien trotz der verhältnismäßig frühen Stunde wie ausgestorben, und wenn ja einmal ein Passant des Weges kam, so war er sicherlich von nichts weniger als Vertrauen einflößendem Aussehen. Da aber— der Doktor mochte schon eine reichliche halbe Stunde gewartet haben— ereignete sich etwas Unvorhergesehenes, das seinen Entschlüssen mit einem Schlage eine ganz bestimmte Richtung gab. Von der nämlichen Seite her, aus der er selber vorhin gekommen war, bog eine langsam fahrende Pferdedroschke in die Straße ein. Der Kutscher, der bei der schlechten Beleuchtung offenbar Mühe hatte, die Hausnummern zu erkennen, hielt ungefähr zwanzia Schritte vor dem von dem Doktor beobachteten Hause und wechselte vom Vocr herao ein paar Worte mit seinem Fahrgast, der alsbald das Gefährt verließ und den Rosselenker bezahlte. Da er dabei gerade unter einer der wenigen Laternen stand, konnte der junge Schriftsteller deutlich erkennen, daß der Mann wie ein Geistlicher gekleidet war, und eine furchtbare Ahnung zuckte bei dieser Entdeckung in seinem Geiste auf. Er strengte alle seine Sinne auf das äußerste an, um nichts von dem zu verlieren, was sich weiter ereignen würde, und er sah, daß der Mann regungslos stehen blieb, bis der Wagen an der nächsten Straßenkreuzung wieder um die Ecke gebogen war. Dann drehte er den Kopf nach rechts und nach links, wie um sich zu vergewissern, daß er von niemandem beobachtet werde, und schritt, als er darüber beruhigt schien, weiter bis zu dem Eingang des Hauses, in dem Graf Donnersberg vorhin verschwunden war. Er stieg die Stufen empor und setzte die Glocke in Bewegung. Ein paar Minuten vergingen, bevor ihm geöffnet wurde. In diesem Augenblick aber war Doktor Odemar nach einem letzten, kurzen Zandern mit sich ins reine gekommen über das, was er jetzt zu tun habe. Wenn dieser Mann da drüben wirklich ein Geistlicher war, und wenn er hierher kam, um eine Trauung zu vollziehen, so war es auch außer Zweifel, daß sich die Komtesse ebenfalls in jenem Hause befand, und daß keine Sekunde mehr verloren werden durfte, um das Ungeheuerliche, Unausdenkbare zu verhindern, das sich da drüben vorbereitete. Jetzt gab es keine Rücksicht und keine Bedenken mehr, die ein längeres Zaudern gerechtfertigt hätten, und selbst wenn er sein Leben wagte, war der Einsatz nicht zu hoch für das, was hier auf dem Spiele stand. Mit raschen, aber behutsamen Schritten kreuzte er die Straße und sprang die Stufen empor, auf deren höchster noch immer der Mann im Pastorenrock stand und sich mit jemandem in der halb geöffneten Tür unterhielt. Die beiden hatten nichts von der Annäherung des Doktors wahrgenommen, und Odemar hörte deutlich, wie der Mann in der Tür sagte: „Für diesmal ist es also nichts. Die Sache hat eine unerwartete Wendung genommen. Aber wenn Sie zu schweigen verstehen, wird Ihnen die bedungene Belohnung trotzdem nicht entgehen.“(Fortsetzung feigt) Arbeiten müssen. Parallel zu dem Streite, ob im heutigen Deutschland mehr Arbeit geleistet werden muß und kann, läuft eine Auseinander setzung darüber, ob die sogenannte„Arbeitsmoral“ gegenüber der Vorkriegszeit auf der gleichen Höhe geblieben oder aber gesunken ist. Es gab Zeiten in der Entwicklung der Menschheit und auch in der des deutschen Volkes, in denen Arbeitsamkeit als die höchste Tugend angesehen wurde. Man arbeitete nicht,„weil man es nötig hatte, sondern weil Nicht arbeiten mit einem Makel behaftet war, dem sich auszusetzen selbst der Arbeitsscheueste Bedenken trug. Diesem Zustand lag natürlich die Anschauung zugrunde, daß der einzelne alle in ihm liegenden wirtschaftlichen und geistigen Kräfte entwickeln und zum Nutzen der Gemeinschaften verwenden müsse. Mit dem zunehmenden Wohlstand der Völker ist die gesellschaftliche Wertung der Arbeit gesunken. Es kam die ungesunde Sucht auf,„so viel zu erübrigen, daß man sich zur Ruhe setzen könne". Wer kein Vermögen besaß, dessen Erträge ihm ein Leben ohne Arbeit ermöglichten, klagte, daß er„arbeiten müsse". Das Schlaraffenleben bedeutete vielen nicht ein falsches Ideal, sondern ein Ziel wirklicher Sehnsucht. Die landläusige Unterscheidung zwischen„Proletariern“ und„Kapitalisten bestand darin, daß die letzteren es„nicht nötig hätten, zu arbeiten“, die anderen dagegen„fortgesetzt ihre Arbeitskraft verkaufen müßten, um zu leben“. Es muß zugegeben werden, daß die technische Entwicklung die Beziehungen gestört hat, die früher zwischen dem Einzelnen und seinem Werk bestanden haben. Es ist aber nicht eigentlich die Mechanisierung der Arbeit, sondern die Herabwürdigung der Arbeit zur Lebensunterhalts=Ermöglichung, was die Minderung der Arbeitsmoral in der heutigen Zeit und besonders im heutigen Deutschland zur Folge gehabt hat. Für die meisten ist Arbeit nichts anderes als Lohnquelle, nicht aber ein Streben zur Deckung gemeinsamer Bedürfnisse. Ein Phi losoph hat einmal den Satz ausgesprochen, daß moralisches Handeln dasselbe sei wie vernünftiges Handeln. Für die Arbeit trifft dieser Satz jedenfalls zu. Unser Volk hat den Ueberblick darüber verloren, wie die wirtschaftliche Tätigkeit des Einzelnen der Gesamtheit zugute kommt. Die sogenannten„Gebildeten“ haben eine schwere Unterlassungssünde damit begangen, daß sie die Kenntnis von den Zusammenhängen der wirtschaftlichen Dinge für sich behielten und sie nicht zum Gemeingut des ganzen Volkes machten. Das Versäumte wird jetzt auf recht drastische Art nachgeholt. Die fortschreitende Not zeigt jedem einzelnen, wie sehr er darunter leiden muß, daß an entlegenen Stellen der Wirtschaft etwas nicht in Ordnung ist. Das wird— wenn die Erscheinungen ins rechte Licht gebracht werden— zu der Erkenntnis führen, daß jeder einzelne treu und verantwortungsvoll handeln sowie alle seine Kräfte anspannen muß, damit es der Gesamtheit und damit auch ihm selbst gut gehe. 19.22 Parlamentarische Glossen. Unter dem Damoklesschwert. Wer weiß, in welches unerquickliche Gezänk die Debatten über das Programm der neuen Regierung noch ausgeartet wären, wenn die Redner nicht unter dem Eindruck der neuen Gefahr von Westen her gestanden hätten. Man versah sich von der neuen Note Poincarés nichts Gutes, und die Par#eien ließen sich deshalb von dem Gefühlt leiten, daß sie dem deutschen Volk in dieser Stunde an Zerrissenheit und Verantwortungslosigkeit doch nicht zu viel zumuten durften. Die Sozialdemokratie hatte den Ausweg gefunden, ihre beiden uneinigen Richtungen durch je einen Redner zu Worte kommen zu lassen. Dr. Breitscheid, organisatorisch geschickt, selbstgefällig und spitz wie immer, vertrat den linken Flügel und die schärfere Tonart. Hermann Müller der seit langem nicht mehr so sympathisch gesprochen hat, verzichtete auf agitatorische Die Goldquelle. Die deutsche Papiergeldflut steigt stündlich. Auch im „wiedererstandenen", stolzen Polenreiche von französischen Gnaden ist es nicht viel anders. In Oesterreich kann man füglich schon von einer wahrhaftigen Sturmflut sprechen. Rußland aber erstickt und verkommt buchstäblich unter einer Sintflut mehr oder minder schmutziger Millionen=Rubelsetzen. Märchen und Sagen nur erzählen von goldenen Bergen, die sich im glücklichen(?) Dollarlande jenseits des großen Heringsteiches aufschichten. Und doch gibt es anscheinend noch Goldquellen in der alten Welt, dort, wo das verstümmelte und zermürbte Europa sich in die geheimnisvollen Weiten Asiens verliert,— an derselben Stelle etwa, wo mehr denn hunderttausend unglückselige Menschengeschöpfe elendiglich an Hunger und Seuche zugrunde gingen, für die unter kommunistischen Arbeitern im ausgepoverten und vergewaltigten Deutschland fleißig Beiträge gesammelt wurden. Das karge Flüßlein deutscher Liebesspenden für die darbenden Genossen im heiligen Rußland krenzt sich irgendwo und irgendwann mit einem ansehnlichen Strome, in dem Millionen Gold=Rubel von Gnaden russischer Sowjetmachthaber nach Deutschland herüberschwimmen. Erscheint dies nicht geradezu grotesk, unverständlich, unwahrscheilich? Vielleicht ist es auch niur ein bös williges Gerücht?— So fragten sich gewiß viele, und diejenigen, die es anging, taten natürlich alles, um dieser„böswilligen Verleumdung entgegenzutreten. Runmehr allerdings dürfte es mit der Beweiskraft aller Entrüstungstiraden unent wegter Idecologen oder dienstbeflissener Sachwalter der Moskauer Machthaber zu Ende sein. Die Goldquelle existiert. Sie strömt beständig aus der alten Kremlstadt in unser liebes Vaterland erhebliche Mengen schönen guten Geldes— nicht natürlich, um unser unter Teuerung und Entwertung schwere Not leidendes Volk zu unterstützen, sondern ausschließ lich, um die utopische Weltrevolution herbeiführen zu helfen, die uns alle die zweifelhaften Segnungen des seligmachenden Sowjetsternes zu bringen verspricht. Der Sozialdemokratische Parlamentsdienst klärt über diese gewiß recht seltsamen Vorgänge in dankenswerter Weise auf, wenn er im„Vorwärts“ vom 11. d. Mts. schreibt: Die deutschen Kostgänger der russischen Sowjetregierung brauchen doch mehr für ihren Unterhalt und Lebenswandel in der freien deut schen Republik, als sich mancher biedere Republikaner gedacht hat. Daß die Sowjetfiliale in Deutschland und Moskau rege unterstützt wird, war bisher keine Neuigkeit, offen blieb immer nur die Frage, wie hoch diese Unterstützungen sind. Der Zufall gestatteté uns Einblick in den Rechnungsabschluß der Zentrale der K. P. D. in Berlin. Da ist zu lesen: Ausgabe für den Monat August Mätzchen und ließ durchblicken, daß seine Partei in die Opposition gehen mußte, um die Flankenstöße der äußersten Linken abzufangen und das Abwandern der Massen ins kommunistische Lager zu verhüten. Dennoch wird es keine Opposition um jeden Preis sein. Die wirksamste Leistung beider Tage bot unzweiselhaft Stresemann, der unsere innen politische und außenpolitische Lage glänzend umschrieb und alles vermied, was der Regierung nach außen oder innen ihre Aufgabe erschweren konnte. Er rückte mertlich ab von den egoistischen Tendenzen gewisser Schwerindustrieller und ließ auch bei der äußersten Rechten gar nicht erst die Hoffnung aufkommen, daß jetzt etwa ein Bürgerblock gegen die Sozialdemokratie im Anzuge sei. Ueberhaupt wurde das Versagen gewisser wirtschaftlicher Fachleute auch von den bürgerlichen Rednern scharf gegeißelt, sich erst in hemmungsloser Kritik aller Wirtschaftsmaßnahmen zu ergehen, ungestüm wirtschaftliche Fachminister zu fordern und dann, wenn der Ruf nach Mitarbeit an sie ergeht, sich leise beiseite zu drücken. Die Vertrauensformel für das Kabinett war sehr vorsichtig gewählt worden. So wurde es möglich, daß sie eine Mehrheit von Hergt bis Crispien fand. Hoffentlich hat die Regierung nun Schonzeit; sie wird genug zu tun haben, sich einzuarbeiten, um derartig peinliche Mißgriffe, wie die Ernennung des rheinischen Sonderbündlers Müller, künftig zu vermeiden. Ihre eigentliche Belastungsprobe aber kommt, wenn jetzt Deutschland den schweren Gang zur Brüsseler Konferenz antritt. Die Eisenerzförderung. Der Vertrag von Versailles hat nicht nur die Verteilung der europäischen Brennstoffvorräte wesentlich verändert, sondern einen noch viel weiter gehenden Einfluß auf die Eisenerzvorräte ausgeübt. Das Becken von Briey, welches den zweitgrößten Bestand an Eisenerz in der Welt enthält, liegt heute völlig innerhalb der französischen Grenzen, so daß heute Frankreich 35,2 Prozent der gesamten Eisenerzvorräte in Europa besitzt. Seine Reserven betragen nach geologischen Schätzungen 4369 Millionen Tonnen. Deutschland steht jetzt mit seinen Reserven— 1374 Millionen— an vierter Stelle, sein Anteil beträgt 11,1 Prozent des Gesamtbestandes. Vor ihm rangieren noch England und Schweden. Hinter ihm Rußland und Spanien. Die deutsche Eisenerzförderung vor u. nach demthrege Nach Verlust von. Esass„lothringen, Poln. Oberschlesien Förderung. 1913 Elsag-Lethringen 21.1 mill. 10. Oberschesten 9: 3 2 Die Eisenerzvorräte Oberschlesiens sind an sich nicht allzu bedeutend. Die„gerechte“ Genfer Entscheidung hat aber alle 10 in Betrieb gewesenen Schächte, die im Jahre 1920 62 644 23 750000 M.. Zuschuß aus Moskau 30000000 M.! Für den Monat September 50 250000 M., Zuschuß aus Moskau 47 500 000 M.! Es verbleibt also aus den hohen russischen„Zuwendungen“ immer noch ein leidlicher Ueberschuß.— Welche Summen mag der Sowjetregierung wohl die sächsische Landtagswahl gekostet haben, und was mag iyr der Betriebsräterummel in Deutschland kosten...? Das ist es also, um das Geheimnis der Sowjetgoldquelle. Der deutsche Arbeiter aber wird sich mit Recht gar eigene Gedanken machen, wenn er fürderhin seine mühsam abgesparten armseligen Markscheine zum Besten notleidender Sowjetbrüder zu spenden angegangen wird. Mehrarbeit— mehr In den bemerkenswerten Sätzen, in denen Reichskanzler Cuno vor dem Reichstag im Rahmen seiner Programmrede vom 24. November sich mit dem vielumstrittenen Arbeitszeitrecht befaßte, wies er darauf hin, daß dieses unter Festhaltung des Achtstundentages als Normalarbeitstages, jedoch unter Zulassung gesetzlich begrenzter Ausnahmen auf tariflichem oder behörd lichem Wege geregelt werden wird. Redner belegte die Notwendigkeit einerseits eines weiteren freiheitlichen Ausbaues des Arbeitsrechts, andererseits der schleunigen Durchführung erheblicher Produktionssteigerung auf allen Wirtschaftsgebieten in einem Appell an die Landwirtschaft, von der mit Rücksicht auf die derzeitig überaus schwierige Ernährungsfrage die Anspannung und Entfaltung aller Kräfte gefordert werden müsse. Wenn in der bekannten, vielmißdenteten Stinnes. rede von diesem Kenner unseres Wirtschaftselendes erklärt wurde, daß ein Volk, das einen Krieg verloren habe, nunmehr nicht auch noch die allein rettungbringende Steigerung des Erzeugungsprozesses durch striktes Festhalten an einer sogenannten politischen Errungenschaft, wie sie der Achtstundentag doch letzten Endes ist, sabotieren dürfe, so wurde im Grunde damit nichts anderes gesagt, als was weitschauende Wirtschaftler und nicht zuletzt auch einsichtige Führer der arbeitenden Klassen immer wieder betont hatten: Soll unser gesamtes Wirtschaftsleben und damit doch auch, ja im besonderen Maße die Lebensführung der Arbeiterschaft nicht völlig verelenden und Hunger, Frieren und Arbeitslosigkeit in absehbarer Zeit unabwendbar eintreten, so muß unbedingt eine Steigerung der Arbeitsleistung zunächst in den wichtigsten — nennen wir sie: Schlüsselbetrieben der Kohle, des Verkehrs und der Landwirtschaft durchgeführt werden. Mehrarbeit in diesen Wirtschaftsgebieten ermöglicht unter den derzeitigen Notverhältnissen mehr Arbeitsmöglichkeiz in alleu anderen Vetraben.. Ppeitzmägscieh, M. 0 hatten. Breites Kabine Tonnen förderten, den Polen ausgeliesert. Vor dem#rtege produzierte Deutschland jährlich 28600000 Tonnen, wor#n Oberschlesien mit ¼ Prozent und das Minetterevier von Lothringen mit 73½ Prozent beteiligt waren.(Vergl. die beigegebene Tafel.) Deutschlands Gebrauch an Eisenerz belief sich im Jahre 1913 auf ungefähr 46 500000 Tonnen. Heute stehen ihm innerhalb der vom Vertrage von Versailles festgesetzten Grenzen nur 8 Millionen Tonnen jährlicher Förderung zur Verfügung. Will Deutschland seine Hochösen vol beschäftigen, so muß es bei einem Mindestverbrauch vor 26 Millionen Tonnen Eisenerz jährlich 18 Millionen Tonnen einführen, d. h. also, Deutschland hat 40 Prozent seiner Hochöfen, 30 Prozent seiner Stahlwerke und 28 Prozent seiner Walzwerke in dem abgetretenen Gebiet westlich vom Rhein eingebüßt. In Schlesien sind von den 8 Hochöfenanlagen mit 37 Schächten 5 polnisch geworden und nur 3 deutsch geblieben. Von den 14 Stahl= und Walzwerken wurden den Polen 9 „geschenkt“. In ähnlicher Weise sind auch alle anderen Wirtschaftszweige, besonders die Zink= und Textilindustrie durch den Versailler Vertrag betroffen worden. (Weitere Artikel folgen.) Der monatelang mit vielem Geschrei angetündigte Reichsbetriebsrätekongreß hat nun in Berlin getagt und recht klägliche Resultate ergeben. Er war ausschließlich von kommunistischen Delegierten beschickt, da die Gewertschaften als solche die Wahl boykottiert Es ist auf dem Kongreß ein Langes und geredet worden, man hat eine Menge Forderunestellt und schließlich sogar eine Abordnung zum üventen Ebert beordert, welche die Absetzung des Cuno und die Errichtung einer reinen Arbeiter= regierung fordern sollte. Dieser eine Beschluß zeigt schon, was von dem ernstlichen Bemühen um Verbesserung der Lage des arbeitenden Volkes zu halten ist, von dem angeblich der Kongreß erfüllt war. Weil aber vorher in der Agitation immer wieder verkündet war, daß nur die Komunisten in der Lage wären, dem Wucher und der ewigen Preissteigerung wirksame Maßnahmen entgegenzusetzen, mußte man dieses Thema wenigstens ausgiebig diskutieren. Was dabei herauskam, waren die alten bekannten Forderungen auf Preiskontrolle und Produktionsüberwachung und eine Reihe schönklingender Phrasen, hinter denen nichts Greifbares steckte. Um nun aber unbequemen Nachfragen vorzubengen, was denn die Kommunisten für unmittelbare prattische Schritte zur Hebung der Lage des Proletariates zu tun gedenten, nahm man zum Schluß eine Resolution an, in welcher ausgesprochen wurde, daß wirksame Maßregeln erst unter dem Schutz einer reinen Arbeiterregierung zu verwirklichen wären. Der Betriebsrätekongreß hat sich als ein bloßes Schaustück herausgestellt; das Ernsthafte an der Sache liegt darin, daß hier neue Richtlinien ausgegeben wurden zur Zusammenfassung aller revolutionären Kräfte und zur Anzettelung von Putschen und Lebensmittelkrawallen. Die unmittelbare Wirkung ist ja auch im Rheinland, in Dresden und Braunschweig prompt eingetreten. Es waren Vorübungen zu dem großen Kladderadatsch, auf den man im Laufe dieses harten Winters hofft. Die Wahlen in Sachsen und Oberschlesien haben die Kommunisten übermütig und siegessicher gemacht. An Geld scheint es ihnen auch nicht zu fehlen, und sie lauern nur auf französische Noten, die es der deutschen Regierung unmöglich machen, dem Sinken der Mark und der Verelendung der Massen Einhalt zu tun. Es wird nicht die geringste Aufgabe der neuen Regierung sein, diesen Vorzeichen die ernsteste Beachtung zu schenken und im Einvernehmen mit den Regierungen der Länder alle Versuche, die Massen in neue Unruhen hineinzuhetzen, schon im Keim zu ersticken. Sehr beachtenswert sind in dieser Hinsicht die Gedankengänge, die in der sozialistischen Halbmonatsschrift„Der Firn“ (4. Jahrgang, Heft 4 vom 15. November 1922) Wilhelm Janssen in seinem Artikel„Stabilisierungspolitik ist Produktionspolitik“ verfolgt. Auch für ihn ist zwar— dies gehört nun einmal zum sozialistischen Glaubensbekenntnis— der Achtstundentag ein„durchaus gesundes Prinzip".— „Aber, so fährt der erwähnte Publizist fort,„er ist zu einer Zeitdurchgeführt worden, die dafür so ungünstig wie nur möglich. war. Bei seiner gesetzlichen Einführung haben— auch dies muß ausgesprochen werden— hauptsächlich politische Motive obgewaltet. Wir haben zu einer Zeit, da wir oft in Waren volkswirtschaftlich zu ersticken drohten, neun und zehn Stunden gearbeitet und sind im Augenblicke unserer tiefsten Verarmung— einer Verarmung, für die es seit dem Ende des Dreißigjährigen Krieges in Deutschland kein Gegenstück mehr gibt!— zum Achtstundentag übergegangen. Es braucht also kein Wort weiter darüber verloren zu werden, wie schlecht der Zeitpunkt gewählt war. Bedauerlich bleivt, daß sich die Gegner der Mehrarbeit, dieser Hauptvoraussetzung unseres nationalen Wiederaufbaues ihre Ausgabe gar so leicht machen. Sie übersehen ferner, daß der Achtstundentag heute nicht mehr an dem Willen scheitert, ihn durchzuführen, sondern an unserer ökonomischen und politischen Lage. Unter den heutigen wirtschaftlichen Verhältnissen liegen die Dinge so, daß Mehrarbeit auf der einen Seite Arbeit in irgendeinem anderen Zweige neu schafft. Das trifft nicht nur auf die Urproduktion zu, obgleich es hier von größter Bedeutung ist. niensive Arbeit in den Hauptgewerben schafft Arbeit in den Nedengewerben. Gibt es in einem Teile des ökonoschen Körpers flottere Bewegung, so erfährt sogleich der Blutumlauf des Gesamtkörpers erhebliche Anregung. Das alles wissen unsere Gewerkschaften. Sollle von der Erkenntnis all dieser Tatsachen bis zu dem Eingeständnis, daß— nicht etwa der Achtstundentag abgeschafft, nein:— bis zu seiner endgültigen allgemeinen Einführung ein Uebergangsstadium von der Länge vielleicht, wie es früher die Tarifperioden unserer großen Verbände hatten, eine volkswirtschaftlich unumgängliche Nutwendigkeit darstellen, ein gar so schwer gangbarer Weg sein?„Alle Erörterungen und platonischen Erklärungen haben keinen Zweck, solange die Bankrottvorvoten in dem mindestens 30prozentigen Produktionsausfall an der Tür der deutschen Wietschaft lauern.“ Dieses klar formulierte sozialistische Zugeständnis sollte doch gewiß zu denken geben, und zwar gerade denjenigen, denen man von radikaler Seite die„drohende Abschaffung des Achtstundentages“ oder die vorgebliche„Stinnisierung der deutschen Wirtschaft“ immer wieder als rotes Tuch vorzuhalten nicht müde wird, und damit die so wichtige Arbeitsfreudigkeit erstickt, die wir nun einmal dringend gebrauchen, wenn wir in dieser Zeit der äußeren Zermürbung und inneren Zersetzung körperlich und seelisch wieder gesunden wollen. Kauft man immer noch vorteilhaft Bahnhofstraße 26 bel Ka Rus den Provinzen. Herne. Verhafteter Raubmörder. Der Bergmann, der sich Paul Müller nennt und vor einiger Zeit die Ehefrau des Bergmanne Schwarze im Stadtteil Horsthausen in ihrer Wohnung am hellichten Tage beraubte und ermordete, ist jetzt in Heesen bei Hamm ermittelt und festgenommen worden. Er wurde dem Untersuchungsgefängnis in Bochum zugeführt. Man vermutet, daß Müller ein schwerer Junge ist und einen falschen Namen führt. Recklinghausen. Aufdeckung großer Eisenbahndiebstähle. Hier ist abermals eine Diedesgesellschaft, die es nur auf Bahngut abgesehen hatte, festgenommen und dem Amtsgericht zugeführt worden. Es handelt sich um den seit 22 Jahren in Diensten stehenden Lokomotiv= führer Emil Kretschmar, bei dem gelegentlich einer Haussuchung eine größere Anzahl gestohlener Gegenstände gefunden wurden, und um die Wagenmeister Wilhelm Stador und Josef Vortmann. Die Ehefrau des K. soll sich der Hehlerei schuldig gemacht haben. Oldenburg. Eigenartige Todesursache. In Osten wollte die Frau eines Wirtes einen Ueberzieher ihres Mannes ausbürsten. Darbei entlud sich ein in dem Kleidungsstück steckender Revolver. Die Kugel drang der Frau ins Herz, so daß diese tot zu Boden fiel. Odenkirchen. 14 hiesige Landwirte haben sick bereit erklärt, täglich zusammen 400 Liter Milck an kinderreiche und unbemittelte Bürger zum Preise von 60 A abzugeben. Oldenburg. Hier haben ein siebzehnjähriger Lehrling und eine gleichaltrige Schülerin der Cäcilienschule einen Selbstmordversuch unternommen, indem sie sich die Pulsadern durchschnitten. Beide mußten schwerverletzt ins Krankenhaus gebracht werden. Die„Liebe“ spielt bei dieser Geschichte natürlich die Hauptrolle(?) Die Stadtverordnesenversommhlung von Frankfurt a. M. hat beschlossen, den Hohenzollernplatz in Platz der Republik umzubenennen. Die Verfassungsurkunde der Altpreußischen Landeskirche nach den Beschlüssen der verfassunggebenden Kirchenversammlung vom September d. Ze. erscheint in diesen Tagen im Druck. Der Amazonenstrem hat über 200 benflüsse. Seine Tiefe schwankt zwischen 20 190 Meter. Neund Die beiden Fühler des Maikäfers besitzen ca. 40000 Geruchsgrübchen. In jedem derselben befindet sich noch ein kleiner Kegel. Lehle Brähtmeidungen. Vermischte Kunde. Die preußischen Minister haben angeordnet, daß den Beamten die Tätigkeit als Beisitzer der Mieteinigungsämter ermöglicht werden soll, gestatten. soweit es die dienstlichen Interessen Nach einer Meldung des„Newyork Herald“ wird die Kronprinzessin mit ihren vier Söhnen in der nächsten Woche in Amerongen eintreffen und bei dem Grafen Bentinck einen Monat bleiben. Auch der Kronprinz wird dort für einige Tage erwartet. Der Aetna in Tätigkeit. TU. Paris, 3 Dez. Aus Sizilien werden gewaltige Ausbrüche des Aetna gemeldet. Große Lavaströme ergossen sich aus den Kratern in die benachbarten Weingärten und richteten große Verwüstungen an Die Ausbrüche sind von heftigen Erdbeben begleitet. Auch der Vulkan auf der Insel Stramboli ist in heftiger Tätigkeit. Die Aussangung Deutschlands. TU. Berlin, 4. Dezbr. Die Bolschafterkonferenz hat beschlossen, das Gehalt der Angehörigen der interalliierten Kommission rückwirkend vom 1. Oktober zu verdreifachen. Bisher bezog der vorsitzende General ein Monatsgehalt von ca. 311000 Mark, andere Generäle in der Funktion eines Abteilungschefs 229 500 Mark. Majore und Oberleutnants in der Funktion eines Abteilungschefs ca. 169000 Mark, andere Majore und Oberleutnanis 147500 Mark, Hauptleute und Leutnanis 139300 Mark. Unteroffiziere 74 750 Mark, Gemeine 45900 Mark. Eingesandt. (Für Artikel unter dieser Rubrik übernimmt die Redaktion nur die preßgesetzliche Verantwortung.) In allen Städten des deutschen Vaterlandes ist man bemüht, Fremde heranzuziehen. Besonders schön gelegene Städte geben viele tausende für Reklame aus, um Fremde auf ihr schönes Plätzchen aufmerksam zu machen. So hat man auch Vereine zur Hebung des Fremdenverkehrs. In unserer guten alten Stadt Schwerte ist es aber so, als sei hier ein Verein zur Erdrosselung des Fremdenverkehrs. Wir haben hier den herrlichen venter Walb uns Seis schönen Reflaurend Freischütz. Otwas Schöneres gibt es in der Nähe wohl nicht. Wenn hier aber fremde Vereine den Freischütz besuchen wollen, so wird ihnen von der Behörde gesagt: Bleiben sie doch in Hörde, oder in Dortmund, oder in Aplerbeck oder sonstwo. Man faßt sich an den Kopf und fragt sich, wie ist so etwas möglich? Bringen die fremden Vereine nicht die hohen Lustbarkeitssteuern in Massen in unseren Stadtsäckel? Vor kurzem sind von einem Verein noch für einen einzigen Sonntag über 20 000 i für Lustbarkeitssteuer verlangt worden. Und dann, wenn der Freischütz viel Besucher aufzuweisen hat, profitieren da nicht die Geschäftsleute in Schwerte für Lieferung der Waren, die zu den Festen benötigt werden? Werden der Wirt und alle die beteiligten Geschäftsleute nicht auch zahlungsfähiger an Steuern? Provitiert nicht die Straßenbahn, die Gasanstalt, das Wasserwerk, das Elektrizitätswerk usw? Man wendet vielleicht ein, der Freischütz soll nur für Schwerter Vereine bleiben. Demgegenüber ist festzustellen, daß der Freischütz von Schwerter Vereinen allein nicht existieren kann, und daß die Säle in den allernächsten Wochen oder Tagen so leer sein werden. wie während des Krieges. Also bitte etwas freundlicher und geschäftlicher trotz des glorreichen 9. November, denn seitdem ist der Bürokratius bedeutend schlimmer geworden. Ein Abonnent. Harpener Bergw........... 60600 Hasper Eisen.12000 Hoesch...... 32000 Humbold! Masch. 5600 Mannesmann 10900 Oberschles. Eisenb.=Bed. 18000 Bergbau. 17250 Reisholz Pap.... 4500 Rhein. Stahlwerke....... 17500 Rombacher 7500 Schuckert 7300 Siegen=Solingen— Ver. Di. Nickelwerke....... 7000 Westf. Draht=Ind. 3100 Westf. Eisen, Langendreer........ 4700 Handel und Borse Auslands-Wechselkurse der Berliner Börse (Devisenkurse) Man zahlle deutsche Mark: für am 1 12. 1 belgische Franken 498,75 1 dänische Kronen.. 1571,06 1 englisches Pfund 34713.— 1 französische Franken 543.63 1 holländische Gulden 3067,30 1 italienische Lire... 371,56 polnische Mark schwedische Kronen. 2079,78 shce ce schr Kronen“. 244,38 am 2 12. 538,65 538,65 1633,40 581,04 3281,90 399.— 2164,57 1546,12 260,84 Ein Doklar 763087 822937 Bmmmcmms ii Berliner Börsen kurse 2. Dezember 1922. mitgekeill vom Barmer Bank=Verein, Schwerte 5% Deutsche Reichsanleihe.......— Barmer Bank=Verein.. 1075 Deutsche Bank 5800 Diskonto 3100 Dresdner Bank 2900 Hamb.=Amer.=Pak 4400 Allgem. Elektr.=Ges. 5225 Baroper Walzwern 11300 Bochumer Guß.......16975 Bösperde Walzwerk— Daimler Motoren 2525 Deutsche Kaliwerke...... 11000 Deutsch=Luxemburg... 16000 Dynamit 3750 Elbers. Fardw. 8600 Essener Steinkohlen 16000 Gellentich, Bargm 21750 Briefkasten. V. S. Erbansprüche verjähren erst in 30 Jahren. Für Ihre Sache nehmen Sie sich lieber einen Rechtsanwalt, der die Nachlazakten einsehen kann. Ihnen wird das verweigert. Frau K. M. W. Wenden Sie sich einmal an die „Stellen=Vermittlung deutscher Offiziersfrauen" in Berlin S. 14, Hallesche Straße 20. Diese vermittelt für Offiziers=Witwen und=Waisen kostenlos Stellen im ganzen Reich. Th. O. Unter„Nagelholz“ versteht man in Hannover und Westfalen geräuchertes Rindfleisch. M. K. 100. Der Kriegs=Notgeld=Sammelsport hat bedeutend nachgelassen. Verkauf sehr schwierig. Wetter=Aussichten für mehrere Tage im voraus. 5. Dez. wenig verändert. 6. Dez. veränderlich, ziemlich milde. 7. Dez. kaum verändert, Nachts kalt. 8. Dez. Wolken, Sonne, Nachts kalt. 9. Dez. vielfach Niederschläge, wolkig, naßkalt. Stadttheater Dortmund. Dienstag, 5. Dez., 7½—10 Uhr. Zum letzten Male. „Josephs Legende". Hierauf:„Gianni Schicchi.“. K mgrr Einladung zur Sitzung der Stadtverordneten am Donnerstag, dem 7. Dezember 1922, nachmittags 5 Uhr, im StadtverordnetenSitzungssaals des neuen Rathauses hierselbft. agesordnung: I. Oeffentliche Sitzung. mit den Erben Braus. stung der Ostbergerstraße zwischen Vertrag Beleuchtung drr Esbetgerstrast Fwischin Realgymnasium und der Unterführung im Gruntal. Erhöhung des Gaspreises. Bewilligung einer Entschädigung für die Vertretung des Kassierers beim städt. Gas= und Wasserwerk. Entlassung einer Parzelle aus der Mithaft für eine Eintragung im Grundbuch 6. Erhöhung der Gebühren im städtischen Schlachthofe. 7. Erhöhung der Pflegesätze für Armenpfleglinge in den beiden hiesigen Krankenhäusern 3. Erhöhung der Pflegesätze im städtischen Armenhause. 9. Erhöhung der Entschädigung für die Reinigung des neuen Rathauses. 10. Erhöhung der Pflegesätze für Gefangene und Obdachlose. 11. Erhöhung der Entschädigung für Schulwärterund Wärterinnen. 12. Erhöhung der Entschädigung für die Reinigung der Schule Schwerterheide u. s. w. 13. Erhöhung der Entschädigung für Reinigung des alten Rathanses. 14. Erhöhung der stadtseitig erhobenen Anerkennungsgebühr. 15. Erhöhung der Entschädigung für den Desinfektor. 16. Bewilligung einer Nachtragsumlage für den Westfälischen Städtetag. 17. Bewilligung eines Betrages für den Verein für Naturdenkmalpflege im Ruhrkohlenbezirk und die Interessengemeinschaft für Heimatschutz im Industriegebiet. 18. Bewilligung eines Zuschusses für die Reichssammlung des„Volksbundes deutsche Kriegsgräberfürsorge" e. V 19. Bewilligung eines Zuschusses auf Grund des§ 53 des K. A. G. für die Gemeinde Holzen. 20. Neuwahl der Mitglieder des Beirats der Fürsorgestelle für Kriegsbeschädigte und Kriegshinterbliebene. 21. Anstellung eines Beamten. 22. Mitteilungen. Bekanntmachung. Der vom Kreislage unterm 30. August 1922 beschlossenen Nachtrag betreffend die Erhedung einer besonderen Schankkonzessionssteuerordung im Landkreise Hörde, hat die Genehmigung des Bezirksausschusses am 11. Oktober 1922 gefunden. Zu dieser Genehmigung hat der Herr Oberpräsident unterm 16. November 1922 die Zustimmung erteilt. Das Landesfinanzam! hat Einspruch nicht geltend gemacht. Der Nachtrag liegt im Kreishause Zimmer Nr. 19 vom 1 bis 15. Dezember d. Is. zur Einsichtnahme auf. Abdrucke sind dort gegen Bezahlung erhältlich. Hörde, den 1 Dezbr. 1922 565 der vorsitzende des Kreisausschusses. I. A: gez. Ackermann. II. Geheime Sitzung. Schwerke, den 2. Dezember 1922. Der Stadtverordneten=Vorsteher: Jöckel. —Homoopathische= Kranken- Behandlung Sprechstunden jeden Mittwoch von 9—1 Uhr In Schwerte Im Gasthof „Zam Schwau“, Hfeingstrasse. ENly Hensel, Heilkundige, Hörde, Schulstr. 21 Intelligenter Junge findet als Aufnahme bei der Schwerter Zeitung. Tuchlager Westfäl. Vekleidungs-Industrie f. 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