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Schwerter Hausfrau und Mutter.

Aus dem Reiche der Mode. Heimatblätter. u Lustiges Allerlei. Kinderzeitung: Unser Blatt.n Unter­haltungs- u. Nomandeilage. u Spiel, Sport und Curnen. u Ledensbüd. Kunst u. Wissen. n Gartenratschläge.

Oerbunden mit: Schwerter Cageblatt und Anzeiger Schwerter Oellszeitung Schwerter Volksblatt

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Amtliches kreisblatt für den Kreis Hörde. bolzwickeder Zeitung

Erstes und ältestes Cagesorgan des Kreies.— Generalanzeiger für den Kreis Hörde.

Die„Schwerter Zeitung" erscheint

verktäglich. n Hauptgeschäftsstelle,

Druck und Verlog: Carl Braus. Celegr. Adr.: Braus, Schwerteruhr. Cei.62. Postscheck: Dortmund 2852 Verantwortliche Schriftleitung: Karl Richterz

e Schwerta.

Nr. 253

Freitag, 27. Oktober 1922

55. Jahrgang

Zum

Wo Völker und Geschlechter im Laufe der Ge­schichte zugrunde gegangen sind, da hat fast immer der Alkohol eine verhängnisvolle Rolle gespielt.

Aber wiederum: wo ein Volk und Land sich in #ernsten Zeiten auf sich selbst besann, da hat es nicht zuletzt diesem gefährlichen„Freunde" fest Auge geschaut und hat ihm zugerufen: Foct mit dir! Du bist nicht unser Freund, sondern unser Todfeind. Und dann haben sie Herz und Hände zu dem lebendigen Gott erhoben, und er hat den Fluch in Segen und den Verlust in Gewinn

seache e

Neueste politische

Beim Reichskanzler fanden gestern verschiedene Beratungen über die Maßnahmen zur Ret­

ltung der Mark statt.

sg„

Das diplomatische Korps in. Berlin beglückwünscht,e gestern den Reichsyr# denten zu seiner Wahl.

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Zur Zeit schweben im Reichsfinanzministerium VVerhandlungen mit den Organisationen der Reichsarbeiter über eine neue Lohn­Pregelung.

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Die Nachricht über unmittelbare Vorbe­eitungen einer allgemeinen Erhöhung der bezüge der Beamten, Angestellten und Arbeiter P#trifft nicht zu; die Erhöhung der Beamtenge­hälter ist bereits durch das am Montag vom

Reichstag angenommene Gesetz vollzogen.

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Infolge der erheblichen Verschlechterungen der Nark und der damit verbundenen Steigerung der T#achlichen und persönlichen Ausgaben werden die geltenden Eisenbahngütertarife zum l. November um 50 Proz. erhöht; die Tarifermäßigung für Kartoffeln und Obst bleibt bestehen.

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Bei der Firma Krupp sind die Meldungen der Arbeiter zum Wiedereintritt beim Lokomotiv= und Vagenbau so zahlreich eingelaufen, daß der Be­

##trieb gestern früh wieder eröffnet wurde.

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Unter den Vertretern des Wiederherstellungs­ausschusses, die am Sonntag nach Berlin abrei­##en, befinden sich nach einer Havasmeldung Barthous, Bradbury, Salvage Bllagai und Delacroir mit sämtlichen Beisitzern; Vin ganzen 16 Personen.

Im französischen Ministerrat wurde be­A#chlossen, neben den übrigen Sachlieferungen auch ##den für die Landwirtschaft erforderlichen Stick

Atoff von der deutschen Industrie zu V#erlangen.

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Der Generaldirektor der Hapag, Cuno, wird #ls zukünftiger Minister des Aeußern ge­

nannt.

Vermischte Kunde.

In Wiesbaden sind bereits 30 Proz. der Hausgrundstücke von Ausländern aufge­kauft worden! Die große Mehrzahl der bishe­rigen Besitzer erklärte, verkauft zu haben, weil die Mehrunkosten der Hauserhaltung durch die Mie­

##ten nicht mehr gedeckt worden wären. Na, na!

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Schlimme Nachrichten kommen von der Frankfurter Textilwaren=Messe. Die Preise waren rund zehn mal höher als im Früh­ahr!! Cottbuser und Aachener Tuche z. B. koste­

##en im Frühjahr 5=—600 Ml, jetzt 5—6000 M. so #aß sich ein Anzug auf mindestens 30000 e stellen

Avird. Ulsterstoffe losteten 5=—7000 Al das Mtx.,

Paumwollene Wäschestoffe 300—420 M! *

In Norwegen, Serbien, Griechenland, Bulga­##ien und der Türtei gibt es keinen Adel

Rusra, un aliser=Lon!

In Hamburg wird ein Aufruf verbreitet, der die Unterschrift hervorragender Männer aus den verschiedensten Parteilagern trägt. Wir möchten ihn auch unsern Mitbürgern zur warmen Beher­zigung empfehlen:

Unfriede vergiftet unser Volk, Haß und Ver­hetzung kennzeichnen das öffentliche Leben. Die letzte Ursache dieser Not kennen wir: die uner­träglichen Lasten eines Friedensvertrages, der uns wirtschaftlichen Zusammenbruch, endlose ralische Kränlungen, Unzufriedenheit und dannt Unfrieden gebracht hat. Es ist kein Wunder, daß der während des großen Völkerringens mühsam ge­züchtete Haß nach Kriegsende sich andere Objekte suchte, daß viele, niedergedrückt durch die aufgezwungene Schuldlüge, halb unbewußt nach Sündenböcken sich umschau­ten, denen sie die Schuld am Elend der Nation aufbürden könnten. Und doch kann ein Deutscher nur mit Trauer und Scham das Bild betrachten. das unser Volk in seiner Verzweiflung bietet.

Partei= und Rassenhaß überwuchern und ersticken ernste, würdige, sach­liche Arbeit. Führende Männer verfallen dem Meuchelmord, der Besudelung, weil ihre Abstam­mung, ihre Parteirichtung törichten, verhetzten Knaben tadelnswert scheint. Republikaner und Monarchisten bekämpfen sich in Formen, die einen grauenhaften Tiefstand der Gesinnung verraten. Der Reichsgedanke ist gefährdet. Geschrei be­herrscht die Straße. Widerwärtig geht der Kampf mit Schlagworten um Schlagworte.

Wer kann als anständiger Mensch diese Herr­schaft der Phrase gutheißen in einer Zeit, da nur höchste Anspannung des Willens zur Sach­lichkeit unsere letzte Hoffnung sein muß? Wir wissen: viele leben unter uns, die die Engstirnig­keit des Hasses verabscheuen. Sie aber leben still und mutlos und lassen die Phrase widerstandslos über sich ergehen.

Das darf nicht sein! Kein Mensch dient einer Sache dadurch, daß er sich

zum Spielball der anderen erniedrigt.

Das moralische Grundgefühl der Verantwortlich­keit gegenüber dem Volksganzen, gegenüber dem

Vaterlande muß den Bekennermut des Verant­wortungsbewußten tragen. Die Gesinnung ist das „Entscheidende, nicht die tagesbestimmte Meinung. Meinungen können uns trennen, wenn nur die Gesinnung uns eint.

Und das ist: gegenüber blinden Leidenschaften, gegenüber Lüge und Verteumdung muß Recht­schafsenheit und Duldsamteit, muß

Menschen einende Vaterlandsliede Geltung gewinnen. Diese innere Freiheit müssen wir bekämpfen. Aber nicht im Lampfe gegenein­ander, sondern miteinander. Das Laiworl für alle, die deutsche Erde bewohnen und'm Getrieve des deutschen Wirtschaftslebens ihre Tizesarbeit tun, muß das Wort sein, aus dessen Beherzigung die Vernichtung allen Parteihaders und Rassenhusses erwachsen wird:

Erkenne Dich selbst! Erziehe Dich selbst! Denn Du bist mitverantwortlich für alles, was bei uns geschieht.

Jeder arbeite, daß das Gift, das unser Volk zerfrißt, ausgemerzt werde. Wer duldet, daß in seinem Hause, in Kirche und Schule, in der Oeffentlichkeit verbissenem Haß das Wort geredet wird, der ist mitschuldig an den furchtbaren Ta­ten, die vor der Welt Deutschland in den Staub ziehen. Gedankenlosigkeit ist heute nicht Schwä­che, ist Verbrechen am Vaterlande. Jeder achte darauf, daß in seinem Kreise Haß und Verhetzung keine Stätte mehr finden, daß Achtung vor der Ueberzeugung Andersdenkender nicht als Gesin­nungslosigkeit gebrandmarkt wird. Opposition und Kritik müssen sein. Sie können bestehen, ohne daß Schmutz und Verleumdung den trifft, der nach seiner besten Ueberzeugung dem Vaterlande dient. Sorgt, daß

Ehrfurcht

wieder lebendig wird, Ehrfurcht vor Wahrheit, Recht und Gerechtigkeit, Ehrfurcht auch vor der Größe unseres Unglücks. Schließt Euch zusam­men, alle, die Ihr im Herzen die deutsche Schick­salswende ersehnt! Arbeitet mit uns an der Er­neuerung Deutschlands in dem Geiste, der allein seiner Vergangenheit, seiner Zukunft würdig ist!

Gibt es Fehler des Sozialismus?

Ursprünglich war in der Theorie das innerste Wesen des Sozialismus das Streben nach He­bung der Produktivität; er sah ganz mit Recht ein, daß nicht mehr verteilt werden könne als er­zeugt werde, daß deshalb zur Ermöglichung einer Mehrverteilung eine Mehrerzeugung zu erfol­gen habe. Im Laufe der Zeit wurde der Vertei­lungsstandpunkt jedoch mehr und mehr in den Vordergrund geschoben, da die Erkenntnis ver­loren ging, daß auch bei völlig gleichmäßiger Ver­teilung auf jeden Einzelnen nur ein geringes Mehr entfallen kann, wenn nicht gleichzeitig die Erzeugung gesteigert wird. Aus dieser verfehlten geistigen Einstellung exgab sich allmählich, daß alle wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse ausschließlich unter dem Gesichtspunkt des Nur­verbrauchers betrachtet wurden. Man vergas, daß eine Lohnerhöhung nur dann dem Lohnempfänger einen wirklichen Mehrwert einbringen kann. enn ihr Mehrerzeugung gegenübersteht, daß sie den gewollten Zweck aber nicht erreicht, wenn die Lohnhöhe in rein mechanischer Weise der Teue­rung angepaßt wird, da dann nur Vermehrung des Geldumlaufes und Erhöhung der Nachfrage herbeigeführt wird, die auf unzureichendes Ange­bot stoßen und deshalb die Preise bei gleichzei­tiger Verminderung des inneren Wertes des Loh­nes weiter in die Höhe treiben müssen. Ebenso ist es um die Zwangswirtschaft bestellt; hier ist be­sonders bemerkenswert, daß die Zwangswirtschaft auf dem Arbeitsmarkt, die auch nach dem Kriege nie aufgehört hat, eine solche Minderung der Lei­stung brachte, daß jetzt nicht einmal mehr die not­wendigsten Bedürfnisse befriedigt werden können.

Im allgemeinen kann man sagen, daß der Sozialismus, zu einer allgemeinen Gleichmacherei führt, die alle Fähigkeiten und Fertigkeiten gleich­setzt und dadurch jedes persönliche Vorwärtskom­men erstickt. Besonders schlimm wirken die Gleich­macherei in der Bezahlung und die Gleichmacherei in der Arbeitszeit, die hochwertige und anstrengende Tätigkeit einer mechanischen und leichten Beschäf­tigung gleichsetzen und dadurch den verhängnis­vollen Rückgang in der Ergiebigkeit unserer Wire­schaft auf rund 3/3 der Vorkriegszeit verursachten. Genau so äußert sich die dem Sozialismus eigene Zentralisierungssucht, die alles mit Zwangsmaß­nahmen von einer Zentralstelle aus regeln will, die aber durch Anwachsen der unproduktiven Ar­beit sowie durch produktionshemmende Eingriffe des yolitischen, wirtschaftlichen und sozialen Bürokratismus die Erzeugung immer weiter her­abdrücken.

Leider besteht nicht die geringste Wahrschein­lichkeit dafür, daß der Sozialismus aus seinen Fohlern gelernt hat. Beweis dafür ist, daß immer wieder die steigende Teuerung einfach durch Lohn­erhöhungen ausgeglichen werden soll, ohne daß das Provlem der Mehrerzeugung auch nur ge­streift wird; Boweis ist ferner das Bestreben, die verschiedenen Arten von Arbeit ohne Rücksicht auf ihren Wert in der Bezahlung gleich zu setzen, das besonders bei den Verhandlungen über die Er­höhung der Beamtengehälter zum Ausdruck ge­lommen ist; Beweis ist schließlich auch noch ein grundsätzlicher Artikel im„Vorwärts“, der Mehr­leistung von der vorherigen Einführung der so­zialistischen Wirtschaftsweise abhängig machen will.

Der nichtsozialistische Teil des deutschen Vol­kes ist in seinem Verlangen nach Leistungssteige­rung leider nicht entschieden genug: Er denkt wohl an Bemühungen auf Minderung der Reparations­lasten, vergißt aber vollkommen, daß auch deren völlige Aufhebung nicht den Zustand beseitigen würde, daß wir mehr verbrauchen, als wir er­zeugen. Wenn hier nicht grundlegende Wandlung einsetzt, können wir dem Geschick Oesterreichs nicht entrinnen, das jetzt unter ausländisches Diktat gestellt wird, weil es immer nach ausländischer Hilfe ausschaute und darüber die rechtzeitige Er­greifung eigener Hilfsmaßnahmen vergaß.

Parlamentsauflösung in England.

London, 27. Ottober. Der König hat den Erlaß, durch den das Parlament aufgelöst wird, unterzeichnet.

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Der Wahlkampf.

London, 27. Okt. Am Mittwoch verabschiede­ten sich die Minister des Kabinetts Lloyd George im Buckingham=Palace vom Könige. Danach wurde den Ministern des neuen Kabinetts das offizielle Siegel, das Symbol ihrer Würde, in feierlicher Audienz übergeben.

Für die Neuwahlen sind bisher rund 1300 Kan­didaten aufgestellt worden, und zwar 425 Konser­vative, 300 Unabhängige Liberale, 200 National­liberale und 400 Kandidaten der Arbeiterpartei.

Der Wahlkampf ist schon in vollem Gange.

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Die Arbeiterpartei hat eine Kund­gebung herausgegeben. Sie fordern völlige Un­abhängigkeit Aegyptens, Selbstregierung für In­dien, sofortige Anerkennung der Verfassung des irischen Freistaats, Nationalisierung der Bergwerke und Eisenbahnen mit größerer Kon­trollbeteiligung der Arbeiter, gerechtere Verteilung des Reichtums durch Gesetzesmaßnahmen. Vor allem aber wehrt sich die Arbeiterpartei gegen eine Politik nackter Reaktion und verlangt

die Revision der Friedensverträge, die größeres internationales Unrecht angerichtet als beseitigt hätten.

Dem Verlauten nach ist zwischen den Liberalen der Richtung Asquith und den Liberalen der Rich­tung Llond George in verschiedenen Wahlkreisen eine Einigung erfolgt.

Paris, 27. Okt. Die englische Regierung über­reichte dem französischen Botschafter in London eine neue Note in der Orientfrage. Sie verlangt, daß die Vereinigten Staaten zur Friedenskonferenz herangezogen werden und daß die Einladung zur Konferenz von der englischen Regierung ausgehen solle.

das Reichsschiffohue Steuermann.

Die Zustände in der Reichsleitung im Juli 1914, dem letzten Monat vor dem Ausbruch des Weltkrieges, waren nicht nur unzulänglich, sie wa­ren nach den Aufzeichnungen des Kaisers sogar er­barmungswürdig. Der„Reichskanzler von Beth­mann Hellweg wurde vom Kaiser schon im frühe­ren Verlauf seiner Erinnerungen seinen Aufgaben als nicht gewachsen bezeichnet, aber daß der leiten­de Staatsmann in den kritischsten Tagen nichts anderes zu tun wußte, als mit den obersten Mili­tärbehörden sich über die Möglichkeit eines Krie­ges, an den er nicht glaubte, zu streiten, so daß gar nichts geschah, das ist doch stark und beweist. daß der Reichskanzler den Charakter der Entente und den Geist jener Tage überhaupt nicht verstan­den lat. Erst in den Tagen des Juli, als die rus­sische Mobilmachung offenkundig war, sah Beth­mann Hollweg seine Selbsttäuschung ein.

Aber auch der Kaiser selbst ließ in jenen Tagen die erforderliche Einsicht vermissen. Er sagt aller­dings, daß er damals nach der Ermordung des Erzherzogs Franz Ferdinand von Oesterreich, seine Nordlandsreise nur auf Drängen des Kanzlere