□ Schwerter Hausfrau und Mutter. Aus dem Reiche der Mode. Heimatblätter. u Lustiges Allerlei. Kinderzeitung: Unser Blatt.n Unterhaltungs- u. Nomandeilage. u Spiel, Sport und Curnen. u Ledensbüd. Kunst u. Wissen. n Gartenratschläge. Oerbunden mit: Schwerter Cageblatt und Anzeiger Schwerter Oellszeitung Schwerter Volksblatt Desthofener Zeitung Aplerbecker Zeitung Langscheder Zeitung Amtliches kreisblatt für den Kreis Hörde. bolzwickeder Zeitung Erstes und ältestes Cagesorgan des Kreies.— Generalanzeiger für den Kreis Hörde. Die„Schwerter Zeitung" erscheint verktäglich. n Hauptgeschäftsstelle, Druck und Verlog: Carl Braus. Celegr. Adr.: Braus, Schwerteruhr. Cei.62. Postscheck: Dortmund 2852 Verantwortliche Schriftleitung: Karl Richterz e Schwerta. Nr. 253 Freitag, 27. Oktober 1922 55. Jahrgang Zum Wo Völker und Geschlechter im Laufe der Geschichte zugrunde gegangen sind, da hat fast immer der Alkohol eine verhängnisvolle Rolle gespielt. Aber wiederum: wo ein Volk und Land sich in #ernsten Zeiten auf sich selbst besann, da hat es nicht zuletzt diesem gefährlichen„Freunde" fest Auge geschaut und hat ihm zugerufen: Foct mit dir! Du bist nicht unser Freund, sondern unser Todfeind. Und dann haben sie Herz und Hände zu dem lebendigen Gott erhoben, und er hat den Fluch in Segen und den Verlust in Gewinn seache e Neueste politische Beim Reichskanzler fanden gestern verschiedene Beratungen über die Maßnahmen zur Retltung der Mark statt. sg„ Das diplomatische Korps in. Berlin beglückwünscht,e gestern den Reichsyr# denten zu seiner Wahl. * Zur Zeit schweben im Reichsfinanzministerium VVerhandlungen mit den Organisationen der Reichsarbeiter über eine neue LohnPregelung. * Die Nachricht über unmittelbare Vorbeeitungen einer allgemeinen Erhöhung der bezüge der Beamten, Angestellten und Arbeiter P#trifft nicht zu; die Erhöhung der Beamtengehälter ist bereits durch das am Montag vom Reichstag angenommene Gesetz vollzogen. * Infolge der erheblichen Verschlechterungen der Nark und der damit verbundenen Steigerung der T#achlichen und persönlichen Ausgaben werden die geltenden Eisenbahngütertarife zum l. November um 50 Proz. erhöht; die Tarifermäßigung für Kartoffeln und Obst bleibt bestehen. * Bei der Firma Krupp sind die Meldungen der Arbeiter zum Wiedereintritt beim Lokomotiv= und Vagenbau so zahlreich eingelaufen, daß der Be##trieb gestern früh wieder eröffnet wurde. * Unter den Vertretern des Wiederherstellungsausschusses, die am Sonntag nach Berlin abrei##en, befinden sich nach einer Havasmeldung Barthous, Bradbury, Salvage Bllagai und Delacroir mit sämtlichen Beisitzern; Vin ganzen 16 Personen. Im französischen Ministerrat wurde beA#chlossen, neben den übrigen Sachlieferungen auch ##den für die Landwirtschaft erforderlichen Stick Atoff von der deutschen Industrie zu V#erlangen. * Der Generaldirektor der Hapag, Cuno, wird #ls zukünftiger Minister des Aeußern genannt. Vermischte Kunde. In Wiesbaden sind bereits 30 Proz. der Hausgrundstücke von Ausländern aufgekauft worden! Die große Mehrzahl der bisherigen Besitzer erklärte, verkauft zu haben, weil die Mehrunkosten der Hauserhaltung durch die Mie##ten nicht mehr gedeckt worden wären. Na, na! * Schlimme Nachrichten kommen von der Frankfurter Textilwaren=Messe. Die Preise waren rund zehn mal höher als im Frühahr!! Cottbuser und Aachener Tuche z. B. koste##en im Frühjahr 5=—600 Ml, jetzt 5—6000 M. so #aß sich ein Anzug auf mindestens 30000 e stellen Avird. Ulsterstoffe losteten 5=—7000 Al das Mtx., Paumwollene Wäschestoffe 300—420 M! * In Norwegen, Serbien, Griechenland, Bulga##ien und der Türtei gibt es keinen Adel Rusra, un aliser=Lon! In Hamburg wird ein Aufruf verbreitet, der die Unterschrift hervorragender Männer aus den verschiedensten Parteilagern trägt. Wir möchten ihn auch unsern Mitbürgern zur warmen Beherzigung empfehlen: Unfriede vergiftet unser Volk, Haß und Verhetzung kennzeichnen das öffentliche Leben. Die letzte Ursache dieser Not kennen wir: die unerträglichen Lasten eines Friedensvertrages, der uns wirtschaftlichen Zusammenbruch, endlose ralische Kränlungen, Unzufriedenheit und dannt Unfrieden gebracht hat. Es ist kein Wunder, daß der während des großen Völkerringens mühsam gezüchtete Haß nach Kriegsende sich andere Objekte suchte, daß viele, niedergedrückt durch die aufgezwungene Schuldlüge, halb unbewußt nach Sündenböcken sich umschauten, denen sie die Schuld am Elend der Nation aufbürden könnten. Und doch kann ein Deutscher nur mit Trauer und Scham das Bild betrachten. das unser Volk in seiner Verzweiflung bietet. Partei= und Rassenhaß überwuchern und ersticken ernste, würdige, sachliche Arbeit. Führende Männer verfallen dem Meuchelmord, der Besudelung, weil ihre Abstammung, ihre Parteirichtung törichten, verhetzten Knaben tadelnswert scheint. Republikaner und Monarchisten bekämpfen sich in Formen, die einen grauenhaften Tiefstand der Gesinnung verraten. Der Reichsgedanke ist gefährdet. Geschrei beherrscht die Straße. Widerwärtig geht der Kampf mit Schlagworten um Schlagworte. Wer kann als anständiger Mensch diese Herrschaft der Phrase gutheißen in einer Zeit, da nur höchste Anspannung des Willens zur Sachlichkeit unsere letzte Hoffnung sein muß? Wir wissen: viele leben unter uns, die die Engstirnigkeit des Hasses verabscheuen. Sie aber leben still und mutlos und lassen die Phrase widerstandslos über sich ergehen. Das darf nicht sein! Kein Mensch dient einer Sache dadurch, daß er sich zum Spielball der anderen erniedrigt. Das moralische Grundgefühl der Verantwortlichkeit gegenüber dem Volksganzen, gegenüber dem Vaterlande muß den Bekennermut des Verantwortungsbewußten tragen. Die Gesinnung ist das „Entscheidende, nicht die tagesbestimmte Meinung. Meinungen können uns trennen, wenn nur die Gesinnung uns eint. Und das ist: gegenüber blinden Leidenschaften, gegenüber Lüge und Verteumdung muß Rechtschafsenheit und Duldsamteit, muß Menschen einende Vaterlandsliede Geltung gewinnen. Diese innere Freiheit müssen wir bekämpfen. Aber nicht im Lampfe gegeneinander, sondern miteinander. Das Laiworl für alle, die deutsche Erde bewohnen und'm Getrieve des deutschen Wirtschaftslebens ihre Tizesarbeit tun, muß das Wort sein, aus dessen Beherzigung die Vernichtung allen Parteihaders und Rassenhusses erwachsen wird: Erkenne Dich selbst! Erziehe Dich selbst! Denn Du bist mitverantwortlich für alles, was bei uns geschieht. Jeder arbeite, daß das Gift, das unser Volk zerfrißt, ausgemerzt werde. Wer duldet, daß in seinem Hause, in Kirche und Schule, in der Oeffentlichkeit verbissenem Haß das Wort geredet wird, der ist mitschuldig an den furchtbaren Taten, die vor der Welt Deutschland in den Staub ziehen. Gedankenlosigkeit ist heute nicht Schwäche, ist Verbrechen am Vaterlande. Jeder achte darauf, daß in seinem Kreise Haß und Verhetzung keine Stätte mehr finden, daß Achtung vor der Ueberzeugung Andersdenkender nicht als Gesinnungslosigkeit gebrandmarkt wird. Opposition und Kritik müssen sein. Sie können bestehen, ohne daß Schmutz und Verleumdung den trifft, der nach seiner besten Ueberzeugung dem Vaterlande dient. Sorgt, daß Ehrfurcht wieder lebendig wird, Ehrfurcht vor Wahrheit, Recht und Gerechtigkeit, Ehrfurcht auch vor der Größe unseres Unglücks. Schließt Euch zusammen, alle, die Ihr im Herzen die deutsche Schicksalswende ersehnt! Arbeitet mit uns an der Erneuerung Deutschlands in dem Geiste, der allein seiner Vergangenheit, seiner Zukunft würdig ist! Gibt es Fehler des Sozialismus? Ursprünglich war in der Theorie das innerste Wesen des Sozialismus das Streben nach Hebung der Produktivität; er sah ganz mit Recht ein, daß nicht mehr verteilt werden könne als erzeugt werde, daß deshalb zur Ermöglichung einer Mehrverteilung eine Mehrerzeugung zu erfolgen habe. Im Laufe der Zeit wurde der Verteilungsstandpunkt jedoch mehr und mehr in den Vordergrund geschoben, da die Erkenntnis verloren ging, daß auch bei völlig gleichmäßiger Verteilung auf jeden Einzelnen nur ein geringes Mehr entfallen kann, wenn nicht gleichzeitig die Erzeugung gesteigert wird. Aus dieser verfehlten geistigen Einstellung exgab sich allmählich, daß alle wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse ausschließlich unter dem Gesichtspunkt des Nurverbrauchers betrachtet wurden. Man vergas, daß eine Lohnerhöhung nur dann dem Lohnempfänger einen wirklichen Mehrwert einbringen kann. enn ihr Mehrerzeugung gegenübersteht, daß sie den gewollten Zweck aber nicht erreicht, wenn die Lohnhöhe in rein mechanischer Weise der Teuerung angepaßt wird, da dann nur Vermehrung des Geldumlaufes und Erhöhung der Nachfrage herbeigeführt wird, die auf unzureichendes Angebot stoßen und deshalb die Preise bei gleichzeitiger Verminderung des inneren Wertes des Lohnes weiter in die Höhe treiben müssen. Ebenso ist es um die Zwangswirtschaft bestellt; hier ist besonders bemerkenswert, daß die Zwangswirtschaft auf dem Arbeitsmarkt, die auch nach dem Kriege nie aufgehört hat, eine solche Minderung der Leistung brachte, daß jetzt nicht einmal mehr die notwendigsten Bedürfnisse befriedigt werden können. Im allgemeinen kann man sagen, daß der Sozialismus, zu einer allgemeinen Gleichmacherei führt, die alle Fähigkeiten und Fertigkeiten gleichsetzt und dadurch jedes persönliche Vorwärtskommen erstickt. Besonders schlimm wirken die Gleichmacherei in der Bezahlung und die Gleichmacherei in der Arbeitszeit, die hochwertige und anstrengende Tätigkeit einer mechanischen und leichten Beschäftigung gleichsetzen und dadurch den verhängnisvollen Rückgang in der Ergiebigkeit unserer Wireschaft auf rund 3/3 der Vorkriegszeit verursachten. Genau so äußert sich die dem Sozialismus eigene Zentralisierungssucht, die alles mit Zwangsmaßnahmen von einer Zentralstelle aus regeln will, die aber durch Anwachsen der unproduktiven Arbeit sowie durch produktionshemmende Eingriffe des yolitischen, wirtschaftlichen und sozialen Bürokratismus die Erzeugung immer weiter herabdrücken. Leider besteht nicht die geringste Wahrscheinlichkeit dafür, daß der Sozialismus aus seinen Fohlern gelernt hat. Beweis dafür ist, daß immer wieder die steigende Teuerung einfach durch Lohnerhöhungen ausgeglichen werden soll, ohne daß das Provlem der Mehrerzeugung auch nur gestreift wird; Boweis ist ferner das Bestreben, die verschiedenen Arten von Arbeit ohne Rücksicht auf ihren Wert in der Bezahlung gleich zu setzen, das besonders bei den Verhandlungen über die Erhöhung der Beamtengehälter zum Ausdruck gelommen ist; Beweis ist schließlich auch noch ein grundsätzlicher Artikel im„Vorwärts“, der Mehrleistung von der vorherigen Einführung der sozialistischen Wirtschaftsweise abhängig machen will. Der nichtsozialistische Teil des deutschen Volkes ist in seinem Verlangen nach Leistungssteigerung leider nicht entschieden genug: Er denkt wohl an Bemühungen auf Minderung der Reparationslasten, vergißt aber vollkommen, daß auch deren völlige Aufhebung nicht den Zustand beseitigen würde, daß wir mehr verbrauchen, als wir erzeugen. Wenn hier nicht grundlegende Wandlung einsetzt, können wir dem Geschick Oesterreichs nicht entrinnen, das jetzt unter ausländisches Diktat gestellt wird, weil es immer nach ausländischer Hilfe ausschaute und darüber die rechtzeitige Ergreifung eigener Hilfsmaßnahmen vergaß. Parlamentsauflösung in England. London, 27. Ottober. Der König hat den Erlaß, durch den das Parlament aufgelöst wird, unterzeichnet. * Der Wahlkampf. London, 27. Okt. Am Mittwoch verabschiedeten sich die Minister des Kabinetts Lloyd George im Buckingham=Palace vom Könige. Danach wurde den Ministern des neuen Kabinetts das offizielle Siegel, das Symbol ihrer Würde, in feierlicher Audienz übergeben. Für die Neuwahlen sind bisher rund 1300 Kandidaten aufgestellt worden, und zwar 425 Konservative, 300 Unabhängige Liberale, 200 Nationalliberale und 400 Kandidaten der Arbeiterpartei. Der Wahlkampf ist schon in vollem Gange. * Die Arbeiterpartei hat eine Kundgebung herausgegeben. Sie fordern völlige Unabhängigkeit Aegyptens, Selbstregierung für Indien, sofortige Anerkennung der Verfassung des irischen Freistaats, Nationalisierung der Bergwerke und Eisenbahnen mit größerer Kontrollbeteiligung der Arbeiter, gerechtere Verteilung des Reichtums durch Gesetzesmaßnahmen. Vor allem aber wehrt sich die Arbeiterpartei gegen eine Politik nackter Reaktion und verlangt die Revision der Friedensverträge, die größeres internationales Unrecht angerichtet als beseitigt hätten. Dem Verlauten nach ist zwischen den Liberalen der Richtung Asquith und den Liberalen der Richtung Llond George in verschiedenen Wahlkreisen eine Einigung erfolgt. Paris, 27. Okt. Die englische Regierung überreichte dem französischen Botschafter in London eine neue Note in der Orientfrage. Sie verlangt, daß die Vereinigten Staaten zur Friedenskonferenz herangezogen werden und daß die Einladung zur Konferenz von der englischen Regierung ausgehen solle. das Reichsschiffohue Steuermann. Die Zustände in der Reichsleitung im Juli 1914, dem letzten Monat vor dem Ausbruch des Weltkrieges, waren nicht nur unzulänglich, sie waren nach den Aufzeichnungen des Kaisers sogar erbarmungswürdig. Der„Reichskanzler von Bethmann Hellweg wurde vom Kaiser schon im früheren Verlauf seiner Erinnerungen seinen Aufgaben als nicht gewachsen bezeichnet, aber daß der leitende Staatsmann in den kritischsten Tagen nichts anderes zu tun wußte, als mit den obersten Militärbehörden sich über die Möglichkeit eines Krieges, an den er nicht glaubte, zu streiten, so daß gar nichts geschah, das ist doch stark und beweist. daß der Reichskanzler den Charakter der Entente und den Geist jener Tage überhaupt nicht verstanden lat. Erst in den Tagen des Juli, als die russische Mobilmachung offenkundig war, sah Bethmann Hollweg seine Selbsttäuschung ein. Aber auch der Kaiser selbst ließ in jenen Tagen die erforderliche Einsicht vermissen. Er sagt allerdings, daß er damals nach der Ermordung des Erzherzogs Franz Ferdinand von Oesterreich, seine Nordlandsreise nur auf Drängen des Kanzlere unternommen habe, der von dem Unterlassen eine allgemeine Kriegsbeunruhigung befürchtete; aber es ist schon lange bekannt, daß der Kaiser am Juli in der dem österreichischen Botschafter gewährten Audienz die Lage als nicht direkt bedrohlich ansah. In dem Bericht üver diese Audienz heißt es, der Kaiser habe dem Grafen Szögyenyi gesagt, wenn Oesterreich=Ungarn sich mit Serbien auseinandersetzen wolle, so sei jetzt(Juli 1914) die beste Zeit dazu. Rußland sei nicht fertig gerüstet und England werde sich nicht einmischen. Zu sol cher Zuversicht hatte der Kaiser keinen Anlaß, denn die englische Flotte war noch konzentriert. Von einem österreichischen Ultimatum war in dieser Unterredung freilich nicht gesprochen worden. Bemerkenswert ist, daß der Kaiser die Meldung von dem späteren Wiener Ultimatum an Serbien nicht aus Berlin erhielt, sondern in norwegischen Zeitungen las, worauf er dann sofort nach Deuschland zurückkehrte. Aber noch am 25. Juli erachtete Bethmann Hollweg in einer Unterhaltung mit dem englischen Botschafter Goschen diese Rückkehr für unmöglich. Zur selben Zeit konferierten schon die Vertreter Frankreichs und Rußlands in London mit dem Minister des Auswärtigen, Grey, über Englands Teilnahme am Kriege, und es hatte sogar ein Plan bestanden, den Kaiser auf der Rückkehr von Norwegen nach Deutschland unterwegs abzufangen Von alledem bestand in Berlin keine Ahnung. Daß der Kaiser kein Menschenkenner war, beweist auch sein freundliches Verhältnis zu dem russischen Zaren, auf den er baute, weil Nitolaus ihm gesagt hatte, er werde gegen Deutschland nie das Schwert ziehen, weil dieses während des Ja pankrieges so streng neutral gewesen sei. Am allerwenigsten werde Rußland mit England zusammenfechten, das die Japaner den Russen auf den Hals gehetzt habe. Dabei hatte der Zar sich schon im Frühjahr 1914 zu Vertrauten geäußert, es werde in diesem Jahre noch einen Krieg geben. Es liegt also eine grobe Hinterhältigkeit Rußlands gegen Deutschland vor, aber selbst Kaiser Wilheln hatte keinen Anlaß, dem Zaren zu vertrauen, der sich schon 1908 mit dem König von England in Reval verständigt hatte. Deutschland hat im Somner 1914 also wirklich keine Kriegspläne noch eine Kriegsschuld gehabt Es ist ein„Opferlamm“ der Entente und der Unzulänglichkeit seiner staatsmännischen Leitung geDer Instinkt des deutschen Volkes war zutreffender, als das Wissen der Reichsleitung. Aus Stadt und Land. Schwerte, 27. Oktober. Erinnerungen. Der Gründer des russischen Zarentums Iwan III. gest. Gewerbefreiheit in Preußen. Kapitulation von Metz. * Wie steht's um die Allgemeiner Rundblick. Landauf. landab, in Dorf und Stadt öffnete nun wieder die Volkshochschule gastlich ihre Tore. Und die Jungen und Alten kommen herzu, um sich zu rüsten für Amt und Beruf, um geistige Klärung und Entspannung zu finden in den Wirr. nissen der Gegenwart, um inneren Besitz zu gewinnen in einer Zeit, die das äußere Leben von ag zu Tag ärmer und ärmer macht. Der Verschiedenheit der Bedürfnisse entspricht die Mannigfaltigkeit des Dargebotenen. Da sind die Mannigfaltigkeit des Dargebotenen. Da sind Betriebräteschulen und andere volkswirtschaftliche Bildungsstätten, da die abendlichen Volkshochschulkurse in den Großstädten, da Halbtagsschulen und Freizeiten, da Volkshochschulheime meist ländlichen Charafters. Geist, Richtung, Grundton sind im einzelnen unendlich verschieden. Gleichwohl haben sich als Ergebnis der Lehrjahre der deutschen Volkshochschule 2 große Gruppen oder Typen herausgebildet: hier Zweckverbände, die in erster intellektuelle Schulung, theoretisches Wissen, Linie in praktische Berufstüchtigkeit einer möglichst zahlreichen, innerlich wie äußerlich gemischten Hörerschar vermitteln— dort Gesinnungsgegemeinschaften, deren Ziel nicht Verstandes=, sondern Gemüts= und Willensbildung ist, bestimmt für die innerlich Aufgeschlossenen, die heranreifen sollen zu Führerpersönlichkeiten in ihrem Berufs= und Lebenskreis. Diesem zweiten Volkshochschultyp gehört in Deutschland wohl die Zukunft. Zu dieser Voraussage berechtigt die Erfahrung der letzten Jahre, die dort ein rasches, treibhausartiges Aufblühen und Wiederverwelken, hier ein langsames, aber stetes inneres und äußeres Erstarken und Wachstum zeigt. Die Formen seiner Verwirklichung sind verschieden. Es gibt Volkshochschulkurse in den Städten, die auf einer Gesinnungsgemeinschaft ruhen und dadurch Art und Ziel ihrer Arbeit bestimmen lassen. Wir nennen u. a. die Arndt= und in Berlin, die Fichteter im besetzten Gebiet(Orsay am Nieder=Rhein), in der Nordmark(Grenzvolkshochschule Leck), in Galizien(Dornfeld). 14 Das Gemeinsame in ihrer Biloungsarden ist der Heimatgedanke und der religiös christliche Grundzug. Die Bedeutung des Voltshochschulheims für das bedrohte deutsche Volkstum— man denke an die Grenzvolkshochschulen— wie für die Volkskirche wird von hier aus deutlich. Die Zahl der Insassen ist— das liegt im Wesen des ganzen Betriebs— begrenzt: zwischen 10 und 25, teils junge Männer, teils Mädchen. Die Mehrheit der Heime trägt ländlichen Charakter. Bezeichnend ist die nicht selten über den Heimaufenthalt hinaus währende Verbundenheit der Schüler mit der Schule und untereinander. Daß auch zur Verbreitung sozialistischer Lebensanschauung und Lebensgrundsätze Volkshochschulheime ins Leven gerufen worden sind(Dreißigacker in Thüringen, Schloß Tinz in Reuß), zeigt, welche Wirtungsmöglichkeit man von den verschiedensten Seiten her gerade dieser Form der Volkshochschulen beimißt. Ihre Zusammenfassung gefunden hat die auf Gesinnungsgemeinschaft abzielende Volkhochschularbeit in dem Wartburgbund deutscher Volkshochschulen, dem Bund niedersächsischer Volkshochschulen und Volkbildungsheime, der deutschen Volkshochschulgemeinschaft. Möchten recht viele in dem kommenden schweren Winter den Weg zu ihr finden. Es sind hier Kräfte lebendig, an denen das deutsche Volk genesen kann. Auf zur Volkshochschule! Ueber den gegenwärtigen Stand der Volksbochschulsache speziell in Schwerte hoffen wir baldigst einen eingehenden lotalen Artikel zu bringen. Wenn es auch in Schwerte gelänge, durch Gesinnungsgemeinschaften volksbildend intensiver zu wirken, wäre der Stadt und des Volkes bestes gesucht und gefunden auch im Rahmen der Volkshochschule. Das ist ein Wort! Berlin, 27. Okt. Dem„Tageblatt" wird aus Brüssel gemeldet: Der belgische Premierminister Theunis hat gestern in der parlumentarischen Kommission für auswirige Angelegenbeiten erklärt, daß der Stucz der deutschen Mark ein Beweis dafür sei, daß Deutschland finanziell nicht so kräftig dastehe, wie man anfangs in Ententeländern angenommen habe. Die ganze Wiedergut machung müßte revidiert und die deutschen Schul den herabgesetzt werden. Eine Kanzierker.. Reichskanzler Dr. Wirth in Hamm. Am kommenden Sonntag, den 29. Oktober, nachm. 4 Uhr, spricht Reichskanzler Dr. Wirth im Westenschützenhofe in Hamm auf einer Tagung der Ar beiterzentrumswählerschaft Westfalens. Zu dieser öffentlichen Versammlung haben auch alle übri gen Parteifreunde Zutritt. Schleiermacher=Hochschule kurse in westfälisch Lüdenscheid. Die Namen sind hier Programm. Auch die blühende Volkshochschule des Südwestens in Berlin=Steglitz gehört zu dieser Gruppe. Ist hier der äußere Betrieb den Bedürfnissen städtischen Lebens angepaßt, so ist es durch Bildung von Gemeinschaften gleichgesinnter und gleichstrebender Menschen doch gelungen, dem inneren Ziel der Volkshochschule näher zu kommen. Es gibt Halbtagsschulen, so z. B. in Nördlingen, deren Arbeit sich in dieser Richtung bewegt. Die vollkommenste Ausprägung hat dieser Typus gefunden im Volkshochschulheim, wo die Lerngemeinschaft zur Lebensgemeinschaft wird. Das Volkhochschulheim ist die Blüte der ganzen Volkhochschulbewegung, von denen ungehemmter Entwicklung zur Frucht es abhängen wird, ob die reichen auf die deutsche Volkshochschule gesetzten Hoffnungen sich erfüllen. Volkhochschulheime in diesem Sinn bestehen in Ostpreußen(Carlshof und Wosegan), Mecklenburg, Hannover,(Hermannsburg und Stephansstift), Thüringen (Neudietendorf und Richerode), Westfalen(Lindenhof=Bethel), Württemberg(Denkendorf), wei** 7 Grad Celsius unter Null zeigte heute morgen das Thermometer. Ein wenig viel für den 27. Oktober, aber doch genau übereinstimmend mit der im Sommer veröffentlichten Voraussage. Oktober und November kalt, zu Weihnachten mildes Wetter und im Februar Frühling. Wird das Letztere wahr, wollen wir uns diese Frühkälte gefallen lassen, die aber hoffentlich nicht mit noch größerer Stärke aufwarten wird. Die Wetterlage scheint vorerst so zu bleiben, denn Essen meldet heute: Trocken, zeitweise heiter,(stimmt nicht, Himmel ist vollkommen wolkenlos), scharfer Nachtfrost, auch tagsüber ziemlich kalt. ** Lohnbewegung in der Metallindustrie. Der am 17. Oktober in Dortmund vom Reichs= und Staatskommissar gefällte Schiedsspruch wurde von beiden Teilen, Märkischer Arbeitgeberverband und Gewerkschaften Donnerstag mittag angenommen. Es treten nunmehr auf die Septemberstundenlöhne für die Zeit vom 1. bis 15. Okt. Prozent, vom 15. bis 31. Oktober weitere 20 Proz. ** Lösung der Milchpreisfrage. Um eine Lösung der schwebenden Milchpreisfrage herbeizuführen, fand am 23. Oktober eine Tagung des Westfälischen Milchpreisausschusses in erweitertem Umfange statt, die erfreulicherweise Erfolg zeitigte. Durch Hinzuziehung weiterer Verbrauchervertreter wurde der Ausschuß paritätisch gestaltet; außerdem besteht berechtigte Aussicht, daß durch Hinzuziehung von Vertretern aus dem Regierungsbezirk Osnabrück das Tätigkeitsgebiet des Westfälischen Milchpreisausschusses auch für diesen Bezirk ausgedehnt wird. Diese Regelung hat die volle Anerkennung der Behörden gefunden. Nach allgemeiner Uebereinstimmung gilt bis zum 1. November 1922 der Preis von 30 A ab Hof und 6 für Anfuhr, Bearbeitung und s. stige Kosten der Molkerei. Der ergänzte Milpreisausschuß tritt zu einer neuen Beratung a1 28. Oktober 1922 zusammen. ** Militär=Rentenzahlung am Samstag, den 28. Oktober. Mit Wirkung vom 1. Oktober 1922 werden gemäß ergangener Verordnung die Beträge sämtlicher R und H=Renten doppelt gezahlt. Demnach erhalten die Militär=Rentenempfänger bei der Zahlung am 28. Oktober den dreifachen und bei den späteren Zahlungen den doppelten Betrag ihrer bisherigen Rente. Der verdreifachte oder späterhin verdoppelte Gesamtbetrag ist vom Rentenbezieher in seiner Quittung auf volle# aufwärts abzurunden. Sind z. B. monatlich 310 i 70 S zahlbar, so hat der Empfängex zu erhalten: bei der Zahlung am 28. Okt. 3X310,70—932,10, oder aufgerundet 933 U; bei den späteren Zahlungen 2X310,70—621,10, oder aufgerundet 622 M. Die sogenannten P=Renten werden nicht erhöht. Die Zahlung der Rentenbeträge— auch der Nachzahlungen— findet beim Postamt in Schwerte am 28. Oktober vormittags von 8—12 und nachmittags von 5—7 Uhr statt. ** Bilderschau Schwerte(Reichskrone). Zur erstmaligen Lehrfilm= und Jugendvorstellung am Samstag nachmittag: Allein im Urwald" über die wir bereits gestern eingehend berichteten, ist es möglich geworden, noch den Lehrfilm: „Ein Gang durch Alt=Nürnberg" zu bestellen. Er zeigt ein naturgetreues mittelalterliches deutsches Städtebild und kann, wie selten ein Film, unserer Jugend den Blick in die schöne Vergangenheit deutscher Baukunst und Handwerkskunst geben. Herr Richter, der 15 Jahre lang in Nürnberg wohnte und jedes Haus kennt, bereit, auch hierzu die erläuternden Worte zu sprechen, die mit Humor gewürzt der Jugen rechte Freude bringen sollen.— So ist das Programm noch sehr schön erweitert worden und kam die Vorführung des Raubtierfilms„Allein im Ur wald" auf's Beste ergänzen. Die Vorführung muß pünktlich um 4 Uhr beginnen und wird bis 6½ Uhr dauern. Einlaß 3½ Uhr. Eintrittspreise laut Anzeige billig. ** Die hohen Kartoffelpreise in Schwerte## ben ihre Ursache darin, daß die hiesigen Händleig wie uns heute aus Händlerkreisen mitgeteiltn wurde, für den Zentner 620 bis 660 A zahlen mußten, etwa 80 M Transportkosten pro Zentner hatten und auch selbst leben müssen. So stellt sich der Preis pro Zentner hier auf 750 bis 800 K. ** Der steigende Brotpreis. Die Berling städtische Ernährungsdeputation beschloß, den Magistrat vorzuschlagen, den Preis für Markenbrot von 1900 Gramm vom 30. Oktober ab aus 98,50 M festzusetzen. Das bedeutet eine Verteurung um rund 124 Proz. Das markenfreie Bro### (2½ Pfund) soll vom 30. Oktober ab von 200 auf 300 A erhöht werden. ** Ein nachahmenswertes Beispiel. Auf Anre gung des Mieteinigungsamtes haben der Hausbe# sitzerverein und der Allgemeine Mieterverein in Frankfurt am Main sich bereit erklärt, eine nicht amtliche Stelle einzurichten, bei der gemeinsam ein Vertreter beider Vereine die Miete nach dem Reichsmietengesetz berechnen. Dadurch wird in Fällen, bei denen eine friedliche Einigung nicht ausgeschlossen ist, die Anrufung des Mieteinigungs amtes überflüssig gemacht und den Parteien Zat und Kosten erspart werden. Bedingung ist, da# die Partei, welche die Stelle anruft, alle für### Beratung notwendigen Unterlagen mitbringt. die Beratung wird eine Gebühr von mindesten 30 A erhoben. Das Frankfurter Beispiel ist nat ahmenswert. Das Reichsmietengesetz und die jeweiligen örtlichen Ausführungsbestimmunge geben in vielen Fällen Anlaß zu Auseinande## 37 Krt laßt nicht von Art. Roman von H. Hill. (Nachdruck verboten.) „Ich bestreite Ihnen das Recht, derartige Fragen in einem solchen Tone an mich zu richten. Aber ich will Ihnen willig antworten: Ja, es geschah einzig aus diesem Grunde. Ich wollte den schuldlosen, jungen Mann vor einem Verdacht bewahren, dessen Entstehen moglicherweise von den ernstesten Folgen für ihn gewesen wäre." Blitzschnell kam die nächste Frage des Freiherrn: „Woher aber konnten Sie Kenntnis davon haben, daß sich der Abdruck von Odemars Namen auf dem Löschblatt in der Schreibmappe des ermordeten Grafen befand?“ „Ich lehne es ab, darauf zu anworten,“ erklärte der Major mit einem Anflug von Würde.„Ich habe die von Ihnen gestellte Bedingung erfüllt und habe Ihnen die Auskunft gegeben, die Sie von mir zu erhalten wünschten. Es wäre durchaus unbillig, wenn Sie jetzt noch mehr von mir erwarteten, ehe Sie mir Ihrerseits auf meine, die Komtesse betreffende Frage geantwortet haben.“ Von Reckenburg überlegte rasch. Welche geheimnisvollen Beweggründe auch immer bestimmend sein mochten für das sonderbare Benehmen des alten Herrn, der in dem einen Augenblick beinahe weinte und im nächsten den beleidigten Kavalier herauskehrte, jedenfalls ließ sich nicht in Abrede stellen, daß er dasselbe Recht hatte, unabhängig von der Polizei auf seine eigene Faust zu handeln, wie der Freiherr selbst. Das eben gemachte Zugeständnis wollte ja schließlich nicht viel bedeuten; denn nachdem ihn die gestellte Frage vergewissert hatte, daß sein damaliges nächtliches Manöver von dem Freiherrn durchschaut worden sei, hätte es wirklich blutwenig Zweck gehabt, es in Abrede zu stellen. Viel wichtiger als dies erzmungene Zugeständnis mochten die Mitteilungen sein, die er darüber hinaus zu machen vermochte. Und von Reckenburg würde ein schlechter Liebhaber=Detektiv gewesen sein, wenn er nicht jede Möglichkeit ausgenutzt hätte, diese Mitteilungen zu erlaugen. Was er dem Major von der telegraphisch eingezogenen Information erzählen konnte, war ja auch gar kein Geheimnis. Innerhalb weniger Stunden würde vermutlich jedermann hier im Schlosse darüber unterrichtet in. Und so konnte er wirklich nicht lange darüber im Zu fel sein, wie er sein weiteres Verhalten gegen den schwer zu durchschauenden Oheim des Grafen einzurichten habe. „Sie haben mit Ihrer Vermutung leider recht, Herr Major,“ sagte er in einem freundlicheren Ton, als er ihn bisher angeschlagen.„Und ich verhehle Ihnen nicht, daß wir uns in schwerer Sorge wegen meiner Ebusine befinden. Das sonderbare gestrige Erlebnis der Kammerjungfer hat mich bestimmt, mich telegraphisch mit der Gräfin Steinkirch in Verbindung zu setzen, und ich habe zu meiner Bestürzung von ihr erfahren, daß die Komtesse nicht dort ist, und daß man nichts von ihrem Aufenthalt in der Hauptstadt weiß. Die Wirkung dieser Eröffnung auf den Major war eine ebenso überraschende als erschütternde. Er schlug die Hände vor das Gesicht und begann bitterlich zu weinen. Es war eine Fassungslosigkeit, wie man sie von einem Manne in seinen Jahren, namentlich in Anbetracht seiner soldatischen Vergangenheit wahrlich nimmermehr hätte erwarten sollen. In stummem Erstaunen blickten die beiden anderen auf den Schluchzenden. Der Senator wollte schließlich etwas sagen; aber auf einen Wink des Freiherrn beschied er sich, zu warten, bis der Major die Herrschaft über sich selbst zurückgewonnen haben würde. Und nach Verlauf von Minuten ließ der alte Herr denn auch die Hände sinken und sagte sehr leise mit noch immer zuckenden Lippen: „Verzeihen Sie mir, meine Herren! Sie müssen ein wenig Nachsicht mit mir haben. Es ist ja eine eigentümliche und gewiß wenig beneidenswerte Stellung, die ich hier in diesem Schlosse einnehme. Ich weiß nicht, wer mein Feind ist, aber ich muß mir selber sagen, daß ich darauf habe, Freundschaft zu erwarten. Es haben sich Dinge zugetragen, die mich in tiefster Seele erschüttern— Dinge, von denen ich mir auch in meinen wildesten Phantasien nie etwas hätte träumen lassen. Und ich kann nicht zugeben, daß das Unglück noch arbßer wird.“ Der Augenblick ist gecommen, wo ich gezwungen vin offen zu sprechen, welche Folgen auch immer daralis entstehen mögen. Wenn mein Neffe nicht abwesend wäre, würde meine Seele ja frei von aller Besorgnis sein, und ich hätte alsdann wohl gehalten, was ich— „Was hättest du gehalten, mein verehrter Herr Onkel?“ ertönte in diesem Augenblick eine nur zu wohlbekannte Stimme dicht hinter seinem Rücken.„Wohl, meine Abwesenheit hat ihr Ende erreicht, wie du siehst. Und unter diesen Umständen wirst du vielleicht lieber darauf verzichten, diesen Herren da dein Herz auszuschütten— nicht wahr?“ Niemand hatte etwas von der Annäherung des Grafen bemerkt, der die kleine Gruppe wohl schon von weitem gesehen hatte und deshalb so behutsam als möglich herangeschlichen war. Er hatte einige Nummern von Sportzeitungen in der Hand und war allem Anschein nach zu Fuß von der Eisenbahnstation herübergekommen. Die Betroffenheit der auf so geniale Weise Ueberrumpelten bereitete ihm unverkennbar das lebhafteste Vergnügen. Wie es scheint, empfindet keiner von Ihnen eine besondere Freude, mich zu sehen,“ fuhr er mit einem boshaften Grinsen fort.„Und es setzt Sie in Erstaunen, daß ich auf Schusters Rappen gekommen bin, statt nach einer Equipage oder nach einem Auto zu telegraphieren. Aber ich will Ihnen den Grund dafür nicht vorenthalten, meine sehr verehrten Herren! Ich hoffte, Ihnen auf diese Art eine kleine Ueberraschung zu bereiten und mich zugleich davon zu überzeugen, ob gewisse Leute meine Befehle auch in meiner Abwesenheit respektierten. Die letzte Bemerkung war sehr unzweidentig auf den Freiherrn gemünzt, aber dieser, der von dem Ankömmling keinerlei Notiz nahm, hörte nicht auf, den wechselnden Ausdruck auf dem Gesicht des Majors zu studieren. So blieb es dem Senator Vanderzee überlassen, die Situation so gut als möglich zu retten. Wenn er damit rechnete, noch länger auf Donnersberg zu bleiben, durfte er es nicht zu eine eklatanten Bruch mit dem Schloßherrn kommen lassen und durfte ihn nicht so vollständig ignorieren, wie es der Freiherr tat. Er raffte sich also zu einer Frage auf, die unter den gegebenen Verhältnissen jedenfalls die nächstliegende war. (Fortsetzung folgt.) setzungen und Klagen zwischen Vermietern und Mietern. Stellen, die schiedlich=friedlich schlichten. sind also beiden Parteien willkommen. ** Der öffentliche Männervortrag in der großen Kirche war nicht so start wie die Frauenversammlung, aber doch von Vätern und Söhnen aus allen Ständen besucht. Der Redner führte nach gemeinsamen Lied seine Hörer in folgende Gedanken wirkungsvoll ein:„Los von der Stlaverei der Sünde!" Gefährliche Feinde versuchen unserem armen Volk noch die letzten Kräfte zu rauben und es in die Sklavenketten des Lasters zu schmieden. Im Alkohol sucht der Teufel aufs neue seine Opfer und die wieder in unheimlicher Weise sich füllenden Armenhäuser. Blödenanstalten und Gefängnisse reden eine erschütternde Spracha. Hinter dem Alkohol steht der Großkapitalist. Warum erklärt man nicht dem Großkapital des Alkohols das von allen industriellen Unternehmungen die billigsten und höchsten Dividenden zieht, den Krieg bis aufs Messer?— Eng verbunden mit dem Alkohol ist die Unzucht. Auch hinter der organisierten Unzucht in unseren Ständen steht das Großkapital und betreibt in satanischer Weise die Verelendung unseres Volkes. Im Weltkriege haben wir ein Offenbarwerden der Unzucht in der allerschlimmsten Weise erlebt. Wie traurig daß so viele, die Führer in unserem Volk und Heer sein sollten. Verführer zum Bösen wurden. Sie haben Mitschuld an unserer Niederlage. Wenn heute von 60 Millionen Deutschen 6 Millionen an den Folgn der Unzucht leiden sollen, so verursacht das dem der sein Volk noch liebt, die aller schmerzlichsten Sorgen. Unsittlich gewordene Völker treiben dem Untergang entgegen. Das lehrt uns die Geschichte. Nichts steht auch der Religion und dem Evangelium so hindernd im Wege wie die Unsittlichkeit. Nichts macht den Menschn so gemein und zieht ihn in den Schmutz so tief hinein wie das Laster der Unreinheit. Es beschmutzt die Phantasie und ruiniert den Körper. Wie kam es, daß unser Volk sittlich so tief sinken konnte? Auch dieser Niedergang ist eine Folge der materialistischen Weltanschauung. Die Franzosen hatten uns durch ihre unsittliche Literatur und durch massenhaften Import ihrer unsittlichen Artikel längst geschlagen, ehe sie die Marneschlacht gewonnen. Unsere Gebildeten haben vor allen Dingen geholfen die Sittlichkeit im Volke zu unterminieren. Die Treppe muß von oben gekehrt werden, wenn es besser werden soll. Können wir uns sittlich reinhalten? Ja! Gott hat uns zum Herrscher über die Natur bestimmt, also auch über die Naturtriebe. Der Gedanke an Gott reinigt unsere Phantasic, und erhält uns innerlich keusch. Kraft aber zum Kampf gegen die Unsittlichkeit holen wir unter Jesu Kreuz. Es gehört kein Mut dazu, heute schlüpfrige, unsittliche Reden zu führen, aber viel Mut ist nötig den Kampf mit der Sünde zu erringen und sich auf Jesu Seite zu stellen. Gott segne jeden er sei Protéstant, Katholik oder Jude, der mit eintritt in den Kampf gegen die gefährlichen Feinde unseres Volkes, gegen Alkohol und Unsittlichkeit, als Bekenner des Evangeliums.— Heute Abend. Freitag, spricht der Redner vor Männer und Frauen über das deutsche Familienle ben unter dem Thema:„Mehr Sonne in unsere Häuser!" Wir können den Besuch des Vortrages nur empfehlen. ** Eine ungeheure Erhöhung des Zeitungspapierpreises wird soeben den Verlegern für den Monat November angekündigt. Nachdem der Pavierpreis am 1. Oktober von ca. 68 A auf 84 A und am 16. Oktober weiter auf 100 A für das Kilo gestiegen war, kommt jetzt die Mitteilung, daß mit„November eine weitere Verteuerung auf 150 A eintreten wird. Damit ereicht die Ladung Rotationsdruck(10 000 Kilo), welche in der Vorkriegszeit 2000 A kostete, den Betrag von 1½ Millionen A oder das 750sache des Friedenspreises. ** Wenn jemand eine Reise tut, dann kann er was erzählen! Das können auch die Reisenden, die am Mittwoch mit dem Zuge 3.20 Uhr nach Dortmund fuhren. Der vollbesetzte Zug fuhr fahrplanmäßig von hier ab, Aplerbeck und Hörde wurden ohne Unfall ereicht und auch die Abfahrt von Hörde ging glatt von statten, dann aber, auf offener Strecke, unweit des Rangierbahnhofes Dortmundfeld, stockte das Züglein plötzlich. Man wartete eine Viertel=, eine Halbe Stunde, der Zug kam nicht wieder in Gang: Die Maschine war plötzlich dienstunfähig geworden. Die von Dortmund angeforderte Ersatz=Maschine traf erst nach fast einer Stunde ein, so daß zahlreiche Reisende, des Wartens müde, den Zug verließen und durch die Felder dem Ziel ihrer Reise zupilgerten. So geschehen im Jahre 1922, im Zeitalter des Verkehrs. Ein Glück ist es, daß die Strecke Hörde—Dortmund zweigleisig ausgebaut ist, da sonst der gesamte Verkehr stillgelegt worden wäre. **„Im Reiche des Wassers", das altbekannte große Wirtschaftslokal an der Iserlohnerstraße, ist wieder eröffnet worden, nachdem es einige Jahre geschlossen war. Die Wirtschaftsräumlihkeiten werden sämtlich neuhergerigtet und bieten dem Publikum angenehmen Aufenthalt. Die Führung des Lokals hat Herr Jos. Schramm, ein Sohn unserer Stadt, übernommen. An der Renovierung des großen Saales wird gegenwärtig noch mit allem Fleiß gearbeitet und steht derselbe vom 1 Dezember ab den Vereinen zur Abhaltung von Festlichkeiten usw. wieder zur Verfügung. Der Schwerter Turnverein(D.T.) wird als erster am Samstag seine Generalversammlung im neurenovierten, kleinen Gesellschaftssaal, seinem ehemaligen Vereinslotal, abhalten und dorthin einziehen. ** Verdoppelung der Eisenbahnfahrpreise. Vom 1. November 1922 ab werden alle Fahr preise um 100 v. H. erhöht. Die Fahrkarten werden mit den bisherigen Preisen ausgegeben. Für jede Fahrkarte ist das Doppelte des am 1. Oktober festgesetzten Preises zu entrichten. ** Polizeiliche Bestrafung der Trunkenbolde. Der Verein für Fürsorge ehemaliger Strafgefangener hielt in Berlin dieser Tage eine Tagung ab, in der Oberreichsanwalt Ebermayer über Besserungs= und Sicherungsmaßregeln im neuen Strafgesetz sprach. Künftig soll die Verschuldung von Trunkenheit bestraft werden. Das Gericht kann auch auf Unterbringung in einer Trinkerheilanstalt erkennen. Allerdings entscheidet nicht das Gericht, sondern die Polizei über die Dauer der Unterbringung. Die gleiche Maßnahme ist auch bei der Internierung von Geisteskranken geplant. Der Vortragende machte auch noch interessante Bemerkungen über Polizeiaufsicht und Gerichtsbilfe sowie über das Begnadigungswesen und den Strafvollzug. ** Junge Eheleute und Wohnungsnot in Schwerte. Der hiesige Magistrat ersucht uns, folgendes unserer Leserschaft mitzuteilen: Es wird hiermit ausdrücklich festgelegt, daß jungen Eheleuten, die nach der Verheiratung infolge der großen Wohnungsnot hierselbst im Hause ihrer Eltern bezw. Schwiegereltern oder in der Wohnung der letzteren selbst mit oder ohne Genehmigung des Wohnungsamtes Unterkunft gefunden haben, innerhalb eines Zeitraumes von 5 Jahren eine andere Wohnung nicht zugewiesen werden kann. Bei der Inanspruchnahme des Wohnungsamtes sind die jungen Eheleute hieraus besonders hinzuweisen bezw. haben sie die schrift. liche Erklärung abzugeben, daß sie auf die Zuweisung einer Wohnung innerhalb 5 Jahren verzichten. ** Die billigste Zigarette 10 M! Die zu einem. Verband vereinigten Zigarettenfabriken haben den Kleinhändlern neue Preise für Zigaretten vorgeschrieben. Alle vom 20. Oktober ab von den Fabriken bezogene Ware ist zu den neuen Preisen zu verkaufen. Diese sind so bemessen, daß die billigste Zigarette 10 M kostet. Aus den Provinzen. Hörde, 27. Okt. Seltene Bewahrung. Montag mittag kurz nach 2 Uhr stürzte an dem Neubau der städtischen Häuser an der Herz=JesuKirche der Maurer Heinrich Vaupel aus Dortmund aus der Höhe des dritten Stockwerks in die Tiefe. Glücklicherweise trug er nur geringe Hautabschürfungen und Verstauchungen davon. Dortmund, 26. Okt. Schnelle Justiz. Da da die Voruntersuchung gegen die jugendlichen Ar beiter Georg Gillot, Mallinckrodtstraße 7, und Heinrich Sander, Brunnenstraße 55, die am 5. d. M. den Raubmord an der Witwe Wolf in der Annahmestelle der Färberei und Waschanstalt von Bülle& Co., Münsterstraße 52 verübt haben, bereits seit einigen Tagen abgeschlossen ist, soll die Aburteilung der beiden Raubmörder bereits in der gegenwärtigen Tagung des Schwurgerichts in der kommenden Woche erfolgen. Dortmund, 26. Okt. Keine Nebenbeschäftigung. Den mittleren und unteren Beamten beim hiesigen Landgericht ist grundsätzlich jeder Nebenerwerb untersagt worden. Zu der gemachten Mitteilung, wird vom Einsender der Notiz mitgeteilt, daß diese Mitteilung den tatsächlichen Verhältnissen nicht entspricht. Die Beamten sind aus einem besonderen Anlasse darauf ingewiesen worden, daß nach den bestehenden allgemeinen Vorschriften zu einem Gewerbebetriebe die Genehmigung der vorgesetzten Dienstbehörde erforderlich ist. Untersagt ist eine entgeltliche Tätigkeit am Totalisator. Auch zu der Annahme, daß Richter und andere Beamte bei der Erteilung der Genehmigung zu Nebenämtern und Nebenbeschäftigungen verschieden behandelt würden, bestand keine Veranlassung. Lünen, 26. Okt. Betrug. Dieser Tage kam ein junger Mann, der Sohn angesehener Lüner Bürgersleute, in ein hiesiges Herrengarderobengeschäft und ließ sich dort zwei der besten Konsektionsanzüge im Werte von über 30.000 A vorlegen. Er wollte angeblich die Anzüge seinen Eltern zeigen und sie binnen einer halben Stunde zurückbringen. Da er sie bis gestern noch nicht zurückgebracht hatte, ging der Schneidermeister zu den Eltern des jungen Mannes, um sich dort nach dem Verbleib der Anzüge zu erkundigen. Zu seiner größten Ueberraschung erfuhr er, daß die Eltern von der ganzen Sache nichts wußten und der hoffnungsvolle Sprößling schon einige Tage verschwunden sei. Der Geschädigte hat Betrugsanzeige erstattet. Iserlohn, 27. Okt. Die Firma Basse und Uerpmann blickt am 27. Oktober auf ihr 50jähriges Bestehen zurück. Aus kleinen Anfängen hat sie sich weiter entwickelt. Den größten Aufschwung nahm die Firma nach dem Eintritt des jetzigen Inhabers Herrn Otto Heutelbeck, welcher vor ctwa 30 Jahren erfolgte. Herr Heutelbeck hat er verstanden, durch seinen unermüdlichen Fleiß und seiner hervorragenden kaufmännischen Tüchtig. kein die Firma zu der heutigen Größe zu bringen. Im Jahre 1903 errichtete die Firma einen neuen Bau und beschäftigt heute ca. 200, Angesteilte. In Kunden=, sowie Lieferantenkreisen erfreut sich die Firma des besten Rufes und ihre Bedeutung ist weit über die Grenzen Westfalens betannt. Die bekannte Firma gehört auch zu den Inserenten unserer Zeitung. Iserlohn, 26. Okt. Schlägerei mit töd lichem Ausgang. Samstagabend entstand in der Wirtschaft„Zur Insel" zwischen mehreren Gisten eine Auseinandersetzung, die später auf der Straße in Tätlichkeiten ausartete. Hierbei erlielt der Schleifer Karl Stock mit einem Brotmesser einen Stich in die linke Seite, wobei die Milz und der Darm durchstochen wurden. Stock ist gestern vormittag nach vorheriger Operation im kath. Kransenhaus den Verletzungen erlegen. Als Täter wurde der 22jährige Steinbrucharbeiter Hermann Passenheim aus Bilveringsen ermittelt. Passenheim, der die Tat zuerst hartnäckig ableugnere, hat nach Gegenüberstellung der Zeugen ein umfassendes Geständnis abgelegt. Er ist festgenemmen und dem Amtsgericht zugeführt worden. Solingen, 24. Okt. Ein kostspieliger Schweinestall. Ein Beispiel dafür, wie die Barupreise gestiegen sind, erbrachte die letzte Sitz#ng des Verwaltungsausschusses des gemeinsainen Krankenhauses der Gemeinden Solingen, ald, Höhscheid und Gräfrath. Es hat sich als zweckmäßig herausgestellt, zur Verwendung der Kühenabfälle der Anstalt Schweine zu halten und zi mästen und hierfür einen Stall zu bauen. Dieser Schweinestall, der vor dem Kriege 7000 cl gekostet hätte, würde heute einen Kostenaufwand von 2.1 Millionen A verursachen. Angesichts dieses 2 etrages hielt der Ausschuß es für notwendig, naachzuprüfen, ob die vier Gemeinden Zusammen noch in der Lage sind, einen Schweinestall zu bauen. Wanne, 24. Okt. Durchtrieben. Für solche,„die nicht alle werden", erzählt die„Gels. ##tg.“ folgendes Vorkommnis: Schon vor längerer Zeit war ein hiesiges kaum 16 Jahre altes Nädchen verschwunden und blieb einige Tage aus. Wo es gewesen war, blieb unbekannt. Sonntag vor 14 Tagen verschwand das Mädchen nieder spurlos. Das geht nicht mit rechten Dingen zu, dachte die Mutter. Unter Teilnahme eines „Verühmten Mediums“ wurde eine Sitzung abgehalten. Das Medium geriet bald in den notwendigen Dämmerzustand. Es dauerte nicht lange, da hatte es das verschwundene Mädchen vor sich. Das Mädchen sitzt im D=Zug, der der französischen Grenze zueilt. Bald nimmt ein eleganter Herr neben ihr Platz. Nach mancherlei Hin und Her landet die Verschwundene mit dem feinen Herrn in einer französischen Stadt. Das Medium nennt auch die Stadt mit Namen. Die Mutter eilt zur Polizei und stellt allen Ernstes an diese das Ansinnen, sich mit dem Auswärtigen Amte in Berlin in Verbindung zu setzen und einen Beam ten nach der französischen Stadt zu senden. Die 1 Polizei erklärt aber, mit solchem Hokuspokus gebe sie sich nicht ab. Vierzehn Tage sind vergangen, ohne das ein Lebenszeichen von der Verschwundenen gefunden wurde. Da kommt von der Essener Polizei die Nachricht, daß die Betraffende in Essen wegen Umhertreibens aufgegriffen und in Haft genommen sei. So hat sich's zugetragen in Wanne im Jahre 1922. ätte die Mutter alle Zeit, die sie in der spiritistischen Sitzung zubrachte, dazu benutzt, ihre ungeatene Tochter rechtzeitig tüchtig zu verbläuen, wäre sie vielleicht eher zum Ziel gekommen. O du einfältiges Zeitalter der Humanität und des Spiitismus. Oberhausen, 24. Okt. Neuer Polizeipräsident. Wie die Ruhrwacht mitteilt, wurde in der Freitagssitzung des preußischen Kabinetts der Parteisekretär Wilhelm Weyers aus Paderborn zum Polizeipräsidenten für Oberhausen ernannt. Mürlenbach, 24. Okt. Auf der Jagderhossen. Der Pächter der Gemeindejeagd besog gestern im Gemeindewald von Salm einen Anstand auf Hirsche. Sein Jagdgast, ein 61jähiger Herr, verirrte sich auf der Suche nach dem verabredeten Platze und gelangte in der Dunkelheit, die durch Nebel lange anhielt, in die Nähe des Pächters. Dieser, im Glauben, einen Hirsch auftauchen zu hören, schoß in die Richtung des Geräusches und traf den Freund. An seinen Verletzungen ist dieser heute morgen verschieden. Essen, 24. Okt. Teilweise Wiederau.nahme der Arbeit bei Krupp. Die Streiklage bei der Firma Krupp hat insofern eine Aenderung erfahren, als infolge des von dem Christlichen Metallarbeiterverband an seine Mitglieder erlassenen Aufrufes die in den Sympathiestreik eingetretenen christich organisierten Metallarbeiter wieder restlos an den Arbeitsstätten erschienen sind. Auch ein Teil der freigewerkschaftlichen Mitglieder hat die Arbeit wieder ausgenommen. Die Firma Krupp ihrerseits hat einen Teil der 100 entlassenen Gießereiarbeiter wieder eingestellt. Münster, 24. In der Nacht zum 6. Oktober ist auf dem Bahnhof in Münster ein Beutel mit zwei Geldbriefen über je 200000 Wertangabe aus Lippstadt nach Bremen in erlust geraten. Die Briefe enthieklen hokländische Guldennoten über zusammen 426 Gulden. Die Oberpostdirektion in Münster verspricht denjenigen Perionen, die möglicherweise mit dem Verlust in Beziehung stehende Wahrnehmungen der nächsten Postanstalt oder der Polizeibehörde mitteilen, Belohnungen bis zur Höhe von insgesamt 20000 u wenn diese Mitteilungen zur Ergreifung des Täters und zur Wiederherbeischaffung des Geldes führen. Siegen, 26. Okt. Putschabsichten. Wie in einer im Kaisergarten abgehaltenen großen Versammlung mitgeteilt wurde, sollen Kommunisten aus Thüringen am Werke sein, die Siege ner Arbeiter zu Gewalttätigkeiten aufzuputschen. Unverhohlen wird in gewissen Kreisen, von einer Wiederholung der Vorgänge vom 9. November vorigen Jahres gesprochen. Lehle Brühtmeidungen. Die Berliner Iinanzkouferenz. Berlin, 27. Okt. Gestern nachmittag um 5 Uhr sind, gie abgebrochenen Verhandlungen der Staatssekretäre wieder ausgenommen worden. Die Verhandlungen befassen sich mit der Vorbereitung der großen Berliner Finanzkonferenz. Der Reichskanzler führte auch heute nachmittag bei den Besprechungen den Vorsitz. Wir können weiter mitteilen, daß zwei weitere ausländische Vertreter in der Reichshauptstadt eingetroffen sind: der Schweizer Doubois und der Russe Boris Kalenka. Der Schiedsspruch über die Lohnerhöhung im Ruhrkohlenbergbau. Berlin, 27. Okt. In der Frage der Lohnerhöhung im Ruhrkohlenbergbau wurde gestern der Schiedsspruch gefällt, der vom 1. 11. ab eine Erhöhung der Löhne für die Bergarbeiter über 20 Jahre um 50 Prozent, für Arbeiter von mehr als 18 Jahren um 40 Prozent und für Jugendliche um 30 Prozent vorsieht. Außerdem setzt der Schiedsspruch nach Mitteilung das Kollektivprämiensystem ein, das die Arbeitsleistung steigern. soll. Für jedes Kilogramm Kohle, das im November mehr als im September gefördert wird, soll eine Zulage in Höhe von 1 Mark gezahlt werden. Die über die Annahme oder Ablehnung des Schiedsspruches entscheidenden Versammlungen werden am Sonntag stattfinden. Lärmszenea im Hamburger Parlament. TU. Hamburg, 27. Okt. In der gestrigen Sitzung der Hamburger Bürgerschaft entstand bei der Beratung über die Bewilligung der Mittel für den Wohnungsbau infolge des Zwischenrufes eines Zuhörers auf der Tribüne„Es muß anders werden in Hamburg, haben die Kommunisten denn keinen Mut mehr“ eic wüster Lärm, so daß der Präsident den Ruhestörer entfernen ließ und die Sitzung zweimal unterbrechen mußte. Die Kommunisten beteiligten sich wiederholt an den Radauszenen und steigerten den Radau. Die Bürgerschaft nahm aber die Vorlage des Senats auf Bewilligung von 420 Millionen Mark für den Wohnungsbau an und erhöhte die Wohnungsbauabgabe auf 325 Prozent. Beginn des deutschnationalen Parteitages in Görlitz. TU. Görlitz, 27. Okt. Der Reichsparteitag der deutschnationalen Volkspartei nahm gestern in Görlitz unter sehr starker Beteiligung von Deutschnationalen aus allen Teilen des Reiches seinen Anfang. Den Auftakt der Verhandlungen bildete eine geschlossene Vertreterversammlung. Der Geschäftsbericht stellt ein starkes Anwachsen der Deutschnationalen Volkspartei fest. Eingesandt. Für Artikel unter dieser Rubrik übernimmt die Redaktivn nur die preßgesetzliche Verantwortung.) Eine Anfrage an die Postverwaltung. Warum weigert sich die Postverwaltung, daß zur Behebung der Geldknappheit von der Provinz, den Kreisen und der Großindustrie ausgegebene Notgeld anzunehmen? Alle Banken und Geschäftsleute sind zur Annahme verpflichtet, die Justizbehörde macht keine Schwierigkeiten, die Eisenbahn nimmt diese Geldscheine nicht nur an, sondern benutzt sie auch zur Auszahlung von Gehältern und Löhnen an ihre Beamten und Arbeiter. Nur die Post stellt sich auf den durch nichts zu rechtfertigenden Standpunkt, daß diese Notgeldscheine kein vollgiltiges Zahlungsmittel seien und verursacht durch diese Haltung der Geschäftswelt viele unnötigen Schwierigkeiten und Laufereien. Wäre es nicht angebracht, daß die Postbehörde ihre Haltung einer Revision unterzieht oder daß Minister Giesberts einmal nach dem Rechten sieht? Ein Gewerbetreibender. Bub eder Mädel des p ahtg Besert üiht er berich an ene bung von Schuppen und Schinnen kommen, das Haar Sird umd bielbt seibenweich. schön, best. bustig und leder. Savol ist in ellen 2pethe. 80n, un be ün bm müchen Statt Karten Für die uns zu unserer Vermählung erwiesene Aufmerksamkeit danken herzlichst Heinrich Schürmann und Frau Elisabeth geb. Zander. Schwerte im Oktober 1922 Bekanntmachung. In unser Genossenschaftsregister ist heute bei der Genossenschaft„Bauhütte, e. G. m. b. H in Schwerte“ foigendes eingetragen: Die Genossenschaft ist durch Beschluß der 29. Juli 1922 Generalversammlung vom 12 August 1922 ausgelöf Zu Liquidatoren sind bestellt: 1. Bauunternehmer Cail Frage zu Schwerte, 2. Kaufmann Wilhelm Reuter zu Wandhofen Die Liquidatoren zeichnen die Genossenschaft mit der bish rigen Firma der Genossenschaft mit dem Zusatz„in Liquidation“ und zwar gemein. schaftlich. Schwerte, den 25. Oktober 1922. Das Amtsgericht. Höchstpreise für Brot und Mehl Auf Grund des§ 35 Abs a des Gesetzes über die Regelung des Verkehrs mit Getreide aus der Ernte 1922 vom 4 Juli 1922(R G. Bl S. 537) und der Verfügung des Herrn Regierungspräsidenten zu Arnsberg vom 24. Oktober 1922 1 15 Nr. 3335 wird unter Aufhebung der Anordnung des Kreisausschusses des Landkreises Hörde vom 6. Septembei 1922 betreffend Höchstpreise für Brot und Mehl folgendes angeordnet: I. Die Höchstpreise betragen für: a) Graubrot: mit einem Verkaufsgewicht von 6 Pfd 136,— M mit einem Verkaufsgewicht von 3 Pfd 69,—„ im Anschnitt für 500 Gramm(1 Pfd.) 24,—„ im Anschnitt für 250 Gramm(½ Pfd.) 12.—„ b) Kasselerbrot oder Stuten: mit einem Verkaufsgewicht von 6 Pld. 138,— M mit einem Verkaufsgewicht von 3 Pfd. 70,—„ im Anschnitt für 500 Gramm(1 Psd.) 24,—„ im Anschnitt für 250 Gramm(½ Psd.) 12,—„ c) Schwarzbrot: mit einem Verkaufsgewicht von 6 Pfd. 130,— M mit einem Verkaufsgewicht von 3 Pid. 66,—„ im Anschnitt für 500 Gramm(1 Pfd.) 23.—„ im Anschnitt für 250 Gramm(½ Pid.) 11,50„ 6) Weizenmehl: für 1 Pfund(500 Gramm) 29,— M II. Vorstehende Preise sind Höchstpreise im Sinne des Gesetzes über Höchstpreise. Diese Höchstpreise treten mit dem 28. Oktober 1922 in Kraft. Hörde, den 26. Oktober 1922. 5197 Der Kreisausschuß des Landkreises Hörde. Bekanntmachung. In Abänderung der Bekanntmachung des Kommunalverbandes Hörde=Land betreffend der Milchpreise vom 16. 10. 1922 wird der Preis ab 27. 10 22 auf Grund der Verfügung des Herrn Oberpräsidenten der Provinz Westfalen Nr. 4367 III k vom 25. 10. 22 und Beschluß des Westfälischen Milchpreisausschusses vom 23. 10. 22 wie folgt festgesetzt: S 1. a) Erzeugerpreis je Liter ab Hof 30 Mk b) Molkereizuschlag je Liter ab Hof 6„ c) Kleinverkaufspreis bei Abgabe unmittelbar an die Verbraucher 46„ § 2. Bei Abgabe der Milch von dem Erzeuger an den Händler sind die Erzeuger berechtigt, den Molkereizuschlag für sich in Anspruch zu nehmen Bei Abgabe der Milch unmittelbar an die Ver braucher wird den Erzeugern der Kleinverkaufspreis zugesprochen. § 3. Ueberschreitungen werden streugstens geahndet Hörde, den 26. Oktober 1922. Der Kommunalverband Hörde=Land. M 4 Lichtspiele„Zur Reichskrone Freitag- Samstag- Sonntag- Montag! Nur 4 Tage! Der große Raubtierfi m Bekanntmachung. Im Hinblick auf die stark schwankenden Einkaufspreise der Arzneimittel wird das Reichsministerium des Innern, für die Dauer der gegenwärtigen außerordentlichen Verhältnisse in kurzen Zwischenräumen die auf Grund der geltenden allgemeinen Bestimmungen der Arzneitaxe vom Reichsgesundheitsamt errechneten Abänderungen der Preisliste der Arzneitaxe im Reichsanzeiger veröffentlichen. Die so veröffentlichten Preise gelten als Nachträge zur Arzneitaxe. Berlin, den 2. September 1922. Der Preußische Minister für Volkswohlfahrt. in sieben Bildern mit Karl de Vogt in der Hauptrolle Knita 30! Eine Liebestragödie aus der Theaterwelt mit Bernhardt Goetzke, Hanni Weise und Willi Kaiser in den Hauptrollen. Büderschan Schwperte. Reichskrone Samstag, den 28. Oktober, nachm. 4 Uhr: Lehr- und Jugendborstellung: „In der Well der Kuddliete“ Allein im Urwald. Dazu: Ein Gang durch Das Stadtbild des Mitelalters. Preise 8.— 10.— und 15.— Mark. Schokoladen- u. Großhandt Nornbruch& Co., G. m. b.H., St 11 Billigste Bezugequelle für Wieger Stets reichhaftiges Lager in den E der ersten deutschen Fauri Verkauf zu Faufihproie. FWarenunr) Markts rkäufer. ugnissen 911 R36K RRRRKRRRNRRRR Ein Unikum ist sichtbar hier Und jeder sieht hier dieses Tier. Denn Anzeigenliestjeder mann, ich garantiere:— Weshalb man dauernd dir empfehlen kann: Mensch inseriere! B8RR WRRNKKNNNN! Ab 28. 10. 22 treten folgende Fahrpreise in Kraft. 1 Teilstrecke Mk. 10.—, 4 Teilstrecke Mk. 19, 2„„ 13.— 3 16.— 5—6 7—8 25.— Zeitkarten entsprechend. Hörder Kreisbahnen. Preiswerte „ empfichlt Buchhändlung Carl Braus. J. W. Rippus, Ostenstraße 26 (Jur Helle) Fernruf 468. Schokoladen und Zuckerwaren en gros. Erzeugnisse erster Firmen. Verkauf nur an Wiederverkäufer zu Fabrikpreisen. Zahle bis Mk. 4000.— und mehr für Mauser Pistere gut erhalten, Kal. 7.63, mit Anschlagkolben. Ebenso kaufe Parabellum, Kal. 7,65, sowie automatische Taschenpistolen. DR. West, Dortmund, Balkenett, 18 Eing. Laden "„* bürch herrn Anss.=Insp. Höffmann aus Bärmen in der großen evangel. Kirche zu Schwerte. Jeden Abend 8 Uhr. Freitag, 27. Oktober: Mehr Sonne in unsre Häuser (Für die Familie) Sonntag, 29. Oktober: Zwei verschiedene Wege. auf welchem bist Du? Montag, 30. Oktober: Gibt es ein Endgericht? Dienstag, 31. Oktober: Im Schatten der anlichristlichen Herrschaft Mittwoch, 1. November: Ein Blick in die neue Welt Bibelstunden in der kleinen evangel. Kirche Nachmittag 5 Uhr. Freitag, 27. Oklober: Der Glaube und das Opfer Sonntag, 29. Oklober: Der Glaube und das Gebet Montag, 30. Oktober: Der Glaube und unser Nächster Dienslag, 31. Oktober: Der Glaube und unsre Hoffnung Mitlwoch, 1. November: Das Ende des Glaubens. Jedermann ist willkommen. das Dresbyterium. A! L##t Schwerter##k Turnberein M. d. D. T. samstags, d. 28.10. abends 8 Uhr: GeneralVersammlung im Reiche Wassers. Tagesordnung daselbst. Zur punkt. Erhöh. d.Beitr. ist d. Vers unbedingt beschlußf. Der Vorstand. Turn- u. Ballspielberein Schwerte M. d. D. T. Samstag, d. 28. d. Mts., abends 8 Uhr im Vereinslokale Klempt Monats= versammlung. sucht Westf. Bekleidungsindustrie Hagenerstraße 26. SrarS geng Rukirol sen eicher sehrnerzios 1) k üogretenubesseren Orogenenerrellich ea degen Filßsschweiß und Wundlaufen Hukirol-fu#end. Medizinal=Drogerie Wilh. Heppe, Ostenstr. 3 Prima Speisekartoffeln gelbfl. Industrie sowie rote Speisemöhren Montag=Dienstag nächste Woche eintreffend hat noch abzugeben Fr. Jakob=Dammhorst, Ostenstr. 7, Tel 437 arben für Oel- und Wasseranstrich Läcke Bernstein-, Copal-, Emaille- etc. Sele Erzeugnisse erster Raffinerien Originalkannen PINSOletc. Originalfässer od. im Anbruch f. Malermstr. u. Private Wirh. Pesse Wagenfette Maschinenfette Huffette Lederfette Autofette Maschinenöle Motorenöle Centrifngenöle Fahrradöle Autoöle Fußbodenöle Lack u. Oelfarben Carbolineum liefern Engros und Detail Chemische Werke 4 H. Giesberg Sch werte Ostenstraße 19. Ankauf leerer Flaschen! 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