RRegelmäßige Beilagen:

Schwerter Hausfrau und Mutter.

Aus dem Reiche der Mode. Heimatblätter u Lustiges Allerlei. Kinderzeitung Unser Blatt uUnter­haltungs- u. Nomandellage n Spiel, Sport und Curnen. n Ledensbild. Kunst u. Wissen. n Gartenratschläge.

Verbunden mit: Schwerter Cageblatt und Anzeiger Schwerter Dolkszeitung Schwerter Volksblatt

Delthotener Zeitung Apierbecker Zeitung Langscheder Zeitung Holzwickeder Zeitung

Nr. 177

Schwerter Dastsblatt Amtliches Kreisblatt für den Kreis Hörde.

Erstes und ättestes Cagesorgan des Kreises.— Generalanzeiger für den Kreis Hörde.

Montag, 31. Juli 1922

Die„Schwerter Jettung“ erscheint

werktäglichn Hauptgeschäftsstefle, Druck und Verlog: Cor! Braus.

Adr.:Braus, Schwerteruhr. Cel e2 Potscheck- Dortmund 2832 Verantwortliche Schriftleitung:

Karl Richter; Stodt und Prooinz Friedr Kraas; sämtlich in Schwecte.

5S.

Zum

Ein ehrlicher Mann kann, indem er

Notwendigkeit nachgibt. der Republik Treue und Gehorsam schwören, ob er gleich, wenn es von ihm abhinge, beides lieber einem Könige schwören möhte; aber seine Meinungen von Republit und Königtum hängen nicht von seiner Willtür ab; er kann nicht schwören, daß er glaube, was er ncht glaubt; er kann aber beschwören, daß er sich der jetzt bestehenden Regie­rung unterwerfen und nichts gegen sie unternehmen wolle, und mehr kann man mit Recht von ihm nicht fordern.

eta ee e ne et

Neueste politische Nachrichten

Morgan soll sich bereit ertlärt haben. in September zu einer Konferenz der Bankiers in

London zu kommen.

Die Berliner politische Polizei ent­deckte Wasfenlager in einer Villa in Lichterfelde und bei einem Berliner Schanf­wirt, der kommunistischer Bezirtsinnttio­när ist.

Frankreich beschwerte sich in Berlin darüber, daß in München die Beziehungen zwischen Dard und Leoprechting in öffentlicher Sit­zung des Landtages besprochen wurden.

Die Vertreter der alltierten Aus gleichsämter empfahlen ihren Regierungen die Ableinung des deutschen Ersuchens um Her­absetzung der monatlichen Zahlungen

von zwei Millionen auf 500000 Pfund Sterling.

*

Vor dem Schwurgerichtshof in Brügge beginnt der Prozeß gegen zwei frühere deutsche Iffiziere, Baron Ga­gern und Prinz August von Stollberg, von denen der erste des Mordes während der Besetzung be­schuldigt ist, der andere der Beihilfe zum Mord.

Vermischte Kunde.

Ein Großfeuer hat in der Nacht zum Frei­tag den größten Teil der Hammer=Brooker Reiswerke in Hamburg eingeäschert. Die Höhe des Schadens läßt sich zur Stunde noch nicht übersehen.

*

Wie der Deutsche Handelsdienst erfährt, hat das Direltorium der Reichsbank den Bant diskont von 5 auf 6 Proz. erhöht.

Von Einbrechern

heimgesucht wurde die Witwe des ermordeten Talaat Pascha in ihrer Wohnung in der Hardenbergerstraße in Berlin. Die Diebe erbeuteten Schmucksachen von großem Wert.

*

Die Berliner Polizei nahm nach dem Lokalan­zeiger den 36jährigen Direttor der kleinen Privatbank Sale Ellener fest, der eine andere Bank um mindestens 60 Millionen Kronen schä­digte fest.

Nach dem Berliner Tageblatt wurde die in Mailand gelegene Wohnung des Sozia listenführers Toratti am hellen Tage aus­geraubt. Den Dieben fielen für 100000 Lire uwelen, darunter zwei lostbare Perlen

halsbänder, in die Hände.

*

Ungeheure Mengen von Kohle werden setzt aus England eingeführt. Vom 1. bis 11. Juli lamen im Hamburger Hafen wie­der 92 Schiffe mit 190000 Tonnen Industrietohle

an!

Das Deutsche Derby ist vom Vorstand des Hamburger Rennklubs für 1921, voraussichtlich aber auch schon für 1923, um 100 000 auf 600 000

Mark erhöht worden. Tem Sieger sollen 500 000

Nart Zujalen. W—

Nach einer amtlichen Berechnung betrugen die Baukosten eines einfachen Wohnhauses Ende April das 5tjache des Friedensstandes. Seitdem sind aber die Kosten noch ganz beträchtlich größer ge­worden. Sie lassen sich jetzt überhaupt nicht mehr talkulieren, weil Baustoffe. Kohlen, Frachten, Ar­heitslöhne und allgemeine Spesen" noch immerfort steigen.

Wittert Frankreich Morgenlust?

Die Pariser Zeitungen verfolgen mit gespann tem Interesse de Auseinandersetzungen zwischen der bayrischen und der Rechsregierung. Darüber nird sich in Deutschland niemand wundern. Denn der Weizen des Auslandes hat noch immer ge­blüht, wenn die Deutschen gegenseitig in Fehde lagen. Iudem geht Frantreich offenkundiges Be­streben darauf aus, den Zerfall des Deut l schen Reiches herbeizuführen. Erst wenn der Reichsbau in Trümmer gegangen ist, glanbt man im franzäsischen Nachbarbause aller Zukunits­sorgen überhoben zu sein. Das Ziel der franzö­sischen Politit tritt ebenso tlar und deutlich im Rteinland zutage, wo die Herren Torten und Smeets die französischen Agenten spielen, wie n München, wo der französische Gesandte Dard und der Hochverräter Leoprechting Hand in Hand ar beiteten.

In der Hauptsache kreisen die Gedanten der französischen Politit heute nicht so sehr um Mün chen und Verlin, als um London. Und wir hätten in Deutschland allen Grund, uns von der inneren Fehdesucht einmal ganz zu befreien und den Gang der internationalen Politil mit größter Aufmerksamleit zu verfol­gen. Denn es bietet sich hier ein ganz mertwür­diges Bild. Bisher war es sast, immer so, daß Franlreich sich von der englischen Politit umwerben ließ und danei die Spröde spielte.. Wie oft hat Po nearee dem englischen Ministerpräsidenten zu verstehen gegeben, daß er auf persönliche Bespre­chungen leinen so großen Wert lege und daß sie alles viel besser auf dem üblichen diplomatischen

Wege erledigen ließe. In dieser Beziehung jetzt alles vertauscht. Das französische Kabinett hat nach der Versicherung des„Matin“ einen Re­parationsplan fix und sertig ausgearbeitet und Herr Porncarce brennt förmlich vor Verlangen, dieses Produtt der französischen Politik in Lon­don vorzulegen und dafür das englische Ja und Amen zu erhalten. Die Spröde aber sitzt diesmal in London, Llond George zuckt bedauernd die Ach­seln. Es. tut ihm sehr leid, er bedauert außerordent lich— aber leider kann er sich der Unterhaltung mit Herrn Poincarce noch nicht widmen. Denn deeomal liegt ihm garnichts daran, mit Herrn Poin­carce„endlich allein“ zu sein. Er legt vielmehr auf die Gegenwart von Zeugen großen Wert. Und da Italien noch keinen Ministerpräsidenten stellen lann, so muß die Besprechung eben noch verschoben werden Zum großen Leidwesen der Herrn Poin­inree und der Pariser Presse.

Woher kommt dieser Szenenwechsel? Es er­scheint kaum noch einem Zweifel zu unterlegen, daß man in Paris Morgenluft wittert— Mor­genluft, die von Amerika herüberweht und den schlaffen. Segeln der französischen Finanzen neue Spannkraft verletht. Morgan ist offiziell eingeladen worden, eine neue Anleihebe­ratung in Par's zu eröffnen und er soll seine sagen bereits erteilt haben. Der amerisanische inanzmann hat ja bei seinem Scheiden aus Par: weiteren Rat und Tat versprochen, wenn man ihn rufen sollte. Und so hat sich— wahrscheinlich durch andere Zeichen verstärkt— in Paris die Uebetzeu­gung gebildet, daß die internationale Anleihe für Deutschland diesmal zustandekommen werde. Dieses Goldschäfchen aber will Frankreich ins Trockene bringen, ehe andere zugreifen können. Es will mit dem erhofften amerikanischen Dollar­segen die eigenen Taschen füllen und zu diezem Zwecke durchsetzen, daß die französischen Entschädi­gungsansprüche allen anderen vorangehen. In dem französischen Revarationsplan wird das wohl alles schon fürsorglich festgelegt sein. Fehlt nur

noch die Zustimmung der Ententegenossen und da mit eben hapert es. Denn weder England noch Pelgien und Italien denten daran, Frankreich die einz'ge Nutznießung einerinternationalen Anleihe überlassen. Daher die herbe Enttäuschung, die in Paris über die Hinausschiebung der Konferenz mehr und mehr Planz greift.

An allem sind wir nicht ganz unbetei­

ligt. Er handelt sich für uns in erster Linie darum, daß im August endlich die vollständige Zah­lungsstundung eintritt, um die wir dringend ge­ung nachgesucht haben. Können sich aber die Ent­entemächte nicht verständigen, so wird voraussichtlich auh die Augustrate wieder fällig werden, da die sogenannte Reparationslommission wahrscheinlich ihre GEntscheidung nicht vor der Londoner Konfer­z<space> s ä l l e n<space> w i r d.<space> D e s h a l b<space> m ü s s e n<space> a u c h<space> w i r<space> s a g e n.<space> daß Eile not tut.

Ein unheimlicher französischer Vorstoß.

Eine scharte Entgegnungsnote, durch die Frank­reich eine Herabsetzung der Ausgleich zahlung ablehnt, in jetzt an die deutsche Re­gierung eingegangen. Es ergivt sich daraus mit großer Deutlichtest, daß die französische Regierung ihre Ablehnung auy in die dentvar schroffste Form getieidet hat. Es ist wirtlich ein startes Stück. der deutichen Regierung zuzumuten, daß sie ihre Hand für eine internationale Brandmarkung deutscher Staatsangehöriger leihen soll, die nach Ansicht Frantreichs ihren ausländischen Schuldverpflich­tungen nicht in der richtigen Weise nachkommen. Die deutschen Staatsbürger, die Schuldverpflich­tungen in den Ententeländern haben, sind, zum größten Teil schon vor längerer Zeit ihrer Zah­lungspflicht der deutschen Regierung gegenüber nachgelommen. Bei der ungeheuer raschen Ent­wertung der deutschen Valuta ist aber inzwischen Summe, die die deutsche Regierung an den ausländischen Gläubiger weiter zahlen muß, gan erheblich gewachsen. In einer Zeit, in der der eutsche Finanzzusammenbruch vor der Türe steht, sollte man für die Schwierigteiten einer solchen Lage auch in Frantreih Verständnis haben. Es handelt sich ja dabei keinesweg um einen Verzicht auf die Ausgleichsforderung, sondern um ein we­nger rasches Tempo des Ausgleichs, wie es nach allgemeiner Auffassung dem deutschen Zahlungs­vermögen entspricht.

Die französische Regierung hat ihre Entschei­dung obne jede Fühlungnahme mit den andern in Betracht kommenden Mächlen getroffen. Denn für die Ausgleichszahlungen kommen auch Bel­gien, England und Italien in Betracht. Von die­sen andern Ländern scheint Belgeen für die deut­schen Gründe volles Verständnis zu haben. Frank reich sehrt sich daran nicht.

Soll dies ein Vorspiel des eigenmähtigen gebens sein, mit dem man in Paris wieder ein mal droht? Wll man namentlich einen Druck auf London ausuben, um es den französischen Won schen gefügig zu machen? Es wäre ja nicht das erste Mal. daß man innerhalb der Entente einen Streit auf unserem zerpeitschen Rücken austrägt. *

In der Reichskanzlei fand eine Besprechung über die franzüösische Note statt, in der in ultima­tiver Form der Stundung der Ausgleichsraten ab­gelehnt wird.

Dollar 610!

Die scharfe französische Note, und anschließend hierau sehr umfangreiche Käufe der Industrie, als aluch vor allen Dingen der Spekulation, führten an der Börse zu einer eraltierten Devisensteiger­ung. Der Doller erreichte Samstag den Stand von 610 M. Man will auch u. a. bemerkt haben, daß das Ausland Abgeber von großen Markbeträ­gen ist, die besonders in Amsterdam in großem Umfange angestellt werden.

Die Nôte der Zeitungen.

Die außerordentlichen Steigerungen der Pa­vierbreise und der übrigen Betriebsstoffe sowie er­forderlich gewordene Lohnerhöhungen machen es wieder einmal nötig, einen Ausgleich zwischen Einnahmen und Ausgaben zu suchen. der beim Zeitungsverleger sich leider nur aus den Bezugs­

und Anzeigenpreis beschränken kann.

kleinen Verlegern ist dabei eines vollkom­men klar: Die Anzeigenpreise tönnen nicht mehr söht werden, da sich dann der Anzeigenschwund zum Anzeigenserben auswächst.

Sieht man heute eine kleine Zeitung an. so be­seht der Anzeigenteil zum weitaus größten aus„Füllern". Also die Einnahmen sind hier ganz geringe und decten noch nicht einmal den not­wendigsten Lebensbedarf einer Familie.

Also tann sich der kleine Verleger nur durch eine Erhöhung der Bezugspreise helfen

i ein recht kräftiger Ruck sein, der sich den Durchschnittspreisen des übrigen Levensbedarfes mehr nähert, als es

bisher der Fall gewesen ist.

nachstebende Tahelle lättt ertennen, wie sehr die Zeitungsverleger sich ruckständig gezeigt haven, es ist damit aber auh tlar zum Ausdruck nebracht, daß die Zeitungen bis heute nicht in der Lage waren, an der allgemeinen Kostensteigerung im entsprechenden Grade, wie fast alle übrigen Ge­werbe, teilzunehmen. Leider haben die regieren­den Stellen dies viel zu spät erlannt, so daß eine durchgreisende Hilfe für die Zeitungen kaum mehr idtich es-hcts.

Es kosteten

= das vielf.

100 Kg. Weizen 100 Kg. Kartoffeln 1 Kg. Rindfleisch Kg. Schweinefleisch 1 Ka. Hammelsleisch 1 Kg. Brot markenfrei 1 Kg. Butter Ei 1 Herren Ulster 1 Herren=Anzug 1 Flauschmantel

1 Paar Herrenstiefel 1<space> M t r.<space> r e i n w o l l.<space> C h e v i o t<space> 1 Wirtschaftsschürze, 1 Paar Herren Socken

Monats=Bezug unserer 20 60

Zeitung

Der Durchschnitt beträgt hiernach rund 100%.

iß eine täglich erscheinende Zeitung im Um­sange von 21 Seiten pro Monat mindestens 50

Mark kosten miste.

Die Kölner Zeitungen Köln. Ztg. kostete Juli 52 ¾, Köln. Bzlg. 50 A pro Monat) haben be­zun 1. August ihre Bezugs= und

eigenpreise um 3. 5 Proz. zu erhöhen. Die in

tagende Bezugspreis-Festsetzungskommission

sprach einstimmig die Erwartung aus, daß alle

rheinischen Zeitungsverleger sich dem Kolner Be­schluß anschließen. Die dreimal wöchentlich er­einenden Zeitungen sollen ihren Bezugspreis auf mindenens 50 Proz. des Bezugspreises der sechs­mal wöchenlich erscheinenden Zeitungen erhöhen.

1552

Aus Stadt und Land.

Schwerte, 31. Juli.

Erinnerungen.

Friede zu Passau, Kaiser Karl V. gewährt volle Religionsfreiheit.

Der Stifter des Jesuitenordens Ignatius

von Loyola gest.

1886 Der Komponist und Panist Franz Liszt geit. 1917 Beginn der Großen Schlacht in Flandern.

Die neuen Reichsflaggen. Wie der amtliche Preußische Pressedienn meldet, ordnete der Mi­nister des Innern unter Bezugnahme auf die be­tannten Beschlüsse des Staatsministeriums über die Beflaggung der Staatsgebäude in einer Ver­fügung an, daß nunmehr die erforderlichen Flag­gen nit Rücksicht auf die Feier des 11. August mit größter Beschleunigung und sowett es in der Kurze der Zeit möglich ist, unter Berücksichtigung der in