Schwerter Hausfrau und 2uutter.

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Amtliches Kreisblatt für den Kreis Hörde.

Erstes und ältestes Cagesorgan des Kreises.— Geueralanzeiger für den Kreis Hörde.

Die„Schwerter Jeitung" erscheint werktäglich. n Hauptgeschäftsstelle, Druck und Verlag: Carl Braus. Celegr. Adr.: Braus, Schwerteruhr. Cel. 62. Postscheck. Dortmund 2852 Verantwortliche Schriftleitung: Kor Nichter: Stadt

Stlebl. Klaus, sälntlich in Schwerte.

Nr. 149

Mittwoch, 28. Juni 1922

55.

Zum Geleit.

Sicherheit ist nicht eher da, kann nicht eher da sein, bis das Gesetz, das sie allen guten Bürgern zusichert, mit einer unaufhaltbar vollziehenden Macht umgeben ist, die in ihren Wirkungen durch nichts als das Gesetz selbst eingeschränkt ist. Sicher­heit kann nur da ein wirkliches Gut heißen, wo kein böser Mensch sicher ist.

Wieland, Betrachtungen über eine Erklärung Condorcets, April 1792.

Neueste politische Nachrichten.

Die Demonstrationen, die in Berlin und in anderen Städten stattfanden, sind im allge­meinen ohne Zwischenfall verlaufen.

Die Untersuchung gegen die Mörder Ra­thenaus macht gewisse Fortschritte. Im Zu­sammenhang damit sind eine ganze Anzahl Ange­hörige der„Organisation C“ verhaftet worden.

In der italienischen Presse wird die Schuld an der Ermordung Rathenaus der Ver­zweiflungsstimmung zugeschoben, die durch die Ententepolitik in Deutschland hervorgerufen worden ist.

Kapitänleutnant Hoffmann wurde als des Attentats auf Scheidemann und der Beteiligung an der Ermordung Rathenaus verdüchtig ver­haftet; ebenso Kapitänleutnant Tillesen, ein Bruder des vermutlichen Erzberger=Mörders.

der Getreideumlagefrage sind die Aussichten für ein Erzeuger und Verbraucher be­friedigendes Kompromiß günstig.

Bei den Landesratswahlen im Saar­revier erhielten das Zentrum 16 Sitze, Liberale Volkspartei 4, Mehrheitssozialisten 5, Haus= und Grundbesitzervereinigung 2, Demokraten 1 und Kommunisten 2 Sitze. Auffallend ist der starke Rückgang der sozialistischen Stimmen.

*

Die Polen versuchten bei Rosenberg einen Vorstoß über die Grenze; andererseits wird das Land durch versprengte Selbstschutzorganisationen beumruhigt.

Lloyd George sprach sich für die Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund aus.

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In Grenoble in Frankreich hatte der Zirkus Hagenbeck Vorstellungen mit seiner Truppe begon­nen. Vorgestern abend erschien die Polizei im Zir­kus, nahm 18 Artisten fest und wies sie aus. In der Stadt wurden Kundgebungen gegen

die Deutschen veranstaltet.

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Marschall Foch, General Weygandt, Ni­velle, Hergault sind zur Teilnahme an den Bei­setzungsfeierlichkeiten für Marschall Wilson in London eingetroffen.

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In der japanischen Kabinettssitzung wurde die Räumung Sibiriens beschlossen.

Vermischte Kunde.

Eine zeitgemäße Anzeige findet sich in dem Inscratenteil eines süddeutschen Blättchens: „In Anbetracht des stetig steigenden Por tos sehe ich mich veranlaßt, allen meinen Ver­wandten, Freunden und Bekannten für die näch­sten sünf Jahre in bezug auf alle begratulierenden Anlässe das Allerbeste zu wünschen. Ebenso nehme ich ab heute alle mir für diese Zeit zugedachten Wünsche mit herzlichem Dank zur Kenntnis.“

Die Pockenerkrankungen

in

Heil­

bronn— es wurden 7 Fälle gemeldet— werden jetzt auf alte Lumpen oder Papiergeld als Anstek­kungsherd zurückgeführt. Man sei also vorsichtig!

Gelegentlich der Nachforschungen nach einem Berliner Kindermörder wurden eine ganze Anzahl Personen, die sich mit Kindern ein­gelassen hatten, verhaftet. Viele waren bei der Verhaftung vom Publikum derartig verprügelt worden, daß sie kaum noch vernommen werden konnten.

In Mückenberg bei Torgau ließ sich ein Storch auf einem Draht der Starkstromleitung nieder. Als er wieder aufliegen wollte, berührte er mit den langen Flügeln einen anderen Draht. So­

gleich stand er lichterloh in Flammen und fiel brennend herab.

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Die Kaliwerke Neu=Staßfurt=Friedrichs= hall A.=G. erzielten im letzten Geschäftsjahr einen Reinüberschuß von 13614000 M gegenüber einem Verlust von 1 286000 M im Vorjahre, wo demnach eine Dividende nicht verteilt werden konnte. Dies­

mat werden dagegen 25 Prozent Dividende gezahlt.

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In Detriold wurde eine neue„Westdeutsche Zuckerwarenindustrie" mit 6 Millionen

Mark gegründet.

Die Beise

Die Trauerfeier im Reichstage.

Berlin, 27. Juni.

Vom Reichstagsgebäude wehen die Fahnen auf Halbmast. In den großen Wandelhallen ist über­reicher Trauerschmuck. Der riesige purpurrote Teprich ist mit schwarzem Tuch verhüllt. Ueberall sind kostbare Blumengewinde und Riesenkränge, gespendet von verschiedenen Ministerien, von po­litischen Korporationen, von industriellen Vervän­den, von Arbeitern und Angestellten großer Be­triebe. Der Sitzungssaal des Reichstages ist wür­dig mit Blumen und Trauerflor ausgestattet. Blaue und rosa Hortensien umziehen auf schwar­ges Tuch geheftet die Galerien. Der dunkelbraune Eichensarg ist auf einem Aufbau ausgebahrt, der sich über dem Tisch des Präsidiums erhebt. Ueber den Sarg ist ein schwatz rot= goldenes Banner mit dem Reichsadler gebreitet. Ueberall liegen und hängen Kränze in vornehmster Ausstattung. Von den Bogenlamten wallen lange schwarze Schleier herab. Der große Saal füllt sich bald mit Trauer­gästen umd zahlreichen Parlamentariern, Vertretern der Behörden und der demokratischen Vereine. Um 12 Uhr erscheinen die Reichsminister. In der frü­heren Kaiserloge nehmen die Angehörigen Dr. Rathenaus an der Feier teil. Unter ihnen die greise Mutter.

Um 12¼ Uhr erscheint der Reichspräsident Ebert mit dem Reichstagspräsidenten Loebe und Reichskanzler Wirth. Trauermusik leitet die Feier ein. Darauf ergreift das Wort Reichs­präsident Ebert zu einer längeren ergreifenden Rede, die er schließt:

Meine Damen und Herren! Wir haben uns in dieser Stunde zusammengefunden, die Leitung des Reiches wie die Vertreter der Länder, die Ab­geordneten des Reichstages und andere Männer des öffentlichen Lebens, mit einem Wort, die Vertreter des deutscheen Volkes in seiner Gesamtheit, um unser Entsetzen und unseren Abscheu kundzutun über diese Tat, begangen von Menschen, die außer­halb der Gemeinschaft des deutschen Volkes stehen, diesen Mann gefällt und Deutschland diesen un­heilvollen Schlag zugefügt haben. Gleichzeitig aber wollen wir dem Toten von ganzem Herzen danken namens der deutschen Republik und des deutschen Volkes für all das, was er in aufopfern­der und reiner Liebe zum Vaterlande für Deutsh­land getan hat. Möge das Wirken und Arbeiten Dr. Walter Rathenaus, möge sein Geist Frucht bringen für unser Land, für die Zukunft unseres Vaterlandes. Mit heißem Dank und mit der Ver­sicherung unvergänglichen Gedenkens bringe ich dem toten Freund und Mitarbeiter den letzten Gruß des deutschen Volkes dar.

Bei den letzten Worten, die der Reichspräsident bei der Trauerfeier mit bewegter Stimme sprach, wandte er sich dem Sarge zu,

Vizepräsident Zentrumsabg. Dr. Bell er­klärte seine schärfste Abscheu gegen die Tat, die in ihrer Brutalttät selten in der Geschichte dasteht. Rathenau in seiner Herzensgüte wäre wohl geneigt gewesen, selbst dem feigen Mordbuben zu verzei­hen. Wir aber sind es dem Andenken des Verstor­benen schuldig, unser Volk und Vaterland zu be­freien von jener Atmosphäre, welche es wie Gift umgibt, wir müssen jetzt endlich zu reiner Arbeit für das Vaterland kommen, das ist unsere Dankes­

pflicht gegen diesen edelsten und teuersten Sohn unseres Vaterlandes.

Reichstagsabg. Korell gab ein Lebensbild des Verstorbenen und rühmte seine Verdienste. Er verglich ihn mit Friedrich Naumann. Zum Schluß forder: er Zusammenschluß aller derjenigen, die

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schützen wollen.

Die Trauermusik schloß die Feier ab. Vor dem Reichetagsgehnde hatte eine Kompagnie Reichs­wehr Aufstellung genommen, die den Sarg des Ministers ehrend grüßte. Eine Reichswehrkapelle spielte einen Trauermarsch. Der Sarg wurde auf einen mit Blumen geschmückten Leichenwagen ge­bracht. Dierem folgten zwei Wagen, in denen die nächsten Angehörigen des Verstorbenen Platz ge­nommen hatten. Der Jug bewegte sich nach Ober­schöneweide hin zur Familiengruft.

Die Trauerseier in Oberschöneweide.

Berlin, 27. Juni. Dumvi tönen die Glocken, regenschwer ist der Himmel Halbmaft wehen vom Hauptgebäude der A E. G die schwarz=rot­goldenen Fahnen der Republik, für die Walter Rathenau gestorben ist Halbmast flattern ihm von zahlreich am Wege liegenden Lauben die letzten Abschiedsgrüße zu, stumm grüßen ihn die roten Fahnen, die in den Demonstrationszügen der Arbeiterschaft mitgeführt werden. Vor dem Portal des stillen Walofriedhofes der Gemeinde Oberichöneweide hielten kurz nach 2 Uhr die Autos Durch eine Allee von Lorbeer wird der Sarg nach dem Erdbegräbnis der Familie getragen, das sich etwa 3—40 Meter vom Eingang ent­fernt befindet. Die vier Meter hohen, von Ephen umsponnenen Wände von Tropfstein sind verdeckt von Tannengrün, das aber sast verschwindet unter­den hineingeflochtenen Tausenden von roten Rosen, ders Lieblingsblume des Toten. Gärtnerkunst hat das Grabmal zu einem duntlen Hain umge­wandelt. Im engsten Familienkreise findet eine ftille Trauerfeier statt. Trostworte des Geistlichen, stumme Grüße der Hinterbliebenen und hinab senkt sich der Sarg in die Gruft, wo der meuch­lings Hingemordete jetzt neben seinem vor 7 Jahren verstorbenen Vater und neven dem im Dienste des Vaterlandes in Aegypten gefallenen Bruder ruht.. Ueber dem sich schließenden Grabe wölbt sich ein Hügel von kostbaren Blumen= und Kranspenden. Walter Rathenau hat den Kamo des Lebens hinter sich. Er ruhe in Frieden!

Der Reichpräsident

legte am Sarge Rathenaus einen Kranz nieder, der auf der Schleife in den Landesfarben die Inschrift trug: Im Dienste des Vaterlandes ge­fallen. Reichsminister Dr. Walter Rathenau. In Dankbarkeit der Reichspräsident.

Der Reichskanzler.

Berlin, 27. Juni. Der Reichskanzler fuhr gestern nachmittag zu dem Landhause Rathenaus und weilte dort ½ Stunde am Sarge des Er­mordeten, um von seinem Freunde und Mit­arbeiter den letzten Abschied zu nehmen *

Rathenaus Tod

und das Überschichtenabkommen.

Preußischer Landtag.

Berlin, 27. Juni.

Sitzung vom 26. Juni.

Zu Beginn der Sitzung— ursprünglich war sie auf 1 Uhr angesetzt, begann aber erst um 4 Uhr— verliest Präsident Leinert einen Brief der Deutschnationalen Fraktion, in dem diese sich dar­

über beschwert, daß ihrem Redner am Sonnabend nicht das Wort erteilt hat, daß seine(des Präsi­denten) Haltung unter den außergewöhnlichen Um­ständen am Sonnabend erklärlich und nicht zu be­

anftanden sei.

Auf der Tagesordnung steht eine Regierungs­erklärung über die in Preußen zu treffenden Maß­nahmen.

Ministerpräsident Braun gedenkt zunächst des Wirkens und der Verdienste des ermordeten Mi­nisters Rathenau und gibt seinem Abscheu über die Tat Ausdruck. Die Tat sei das Werk einer weitverzweigten Verbrecherorganisation. Der Mi­nister sagt gegen diese schärfsten Kampf an. Ge­wisse Freiheiten müßten daher leider für einige Zeit außer Kraft gesetzt werden. Dieser Kampf richte sich nur gegen rechts.

Minister des Innern Severing erklärt, daß die Mordtat auch wirtschaftliche und politische Fol­gerungen haben werde. Nach dieser Tat sei keine Aussicht mehr, daß die Bergarbeiter das Ueberschichtenabkommen

annehmen.

Ohne Ueberarheit der Bergarbei­ter können aber weder genügend Reparationskoh­len noch ausreichend Hausbrandkohlen gefördert werden.

Der Minister verliest dann die bereits heute morgen erlassenen Ausführungsbestim­mungen zur Ausnahmeverordnung, wonach diese im Sinne der gestrigen Erklärung des Reichsjustiz­ministers zu handhaben ist. Für ihre Ausführung sind außer den Landeszentralbehörden die Ober­präsidenten zuständig. Alle Regimentsfeiern sind bis auf weiteres verboten.

Der Sozialdemokrat Heilmann nennt die Tat eine Folge der beispiellosen Judenhetze. Er billigt die Ausnahmeverordnung und fordert ihre energische Durchführung. An die Spitze der Reichswehr gehöre ein energischer Re­publikaner.

Für die Deutschnationalen erklärt Abg. Winck­ler, daß seine Partei weit von den Urhebern die­ser Mordtat abrückt und sich dagegen verwahre, daß ihr diese Tat an die Rockschöße gehängt wird.

Die Abgg. Dr. Heß(Z.)- und Dr. Kalle(D. Lp.) billigen die Maßnahmen der Regierung, dem Abg. Obuch(U. S.) gehen sie noch nicht weit ge­nug.

Sodann wird ein Schlußantrag angenommen und die Anträge dem Verfassungsausschuß über­wiesen.

Nächste Sitzung Mittwoch 11 Uhr: Haushalt des Finanzministeriums und kleine Vorlagen.

*

Für die Verfassung!

Schwerte, 27. Juni.

Eine gewaltige Kundgebung aller auf dem

Boden der Republik stehenden Kreise der Bevöl­kerung sand gestern nachmittag auf dem Markt­platz aus Anlaß der Ermordung Rathe­naus statt. Herr Remmert, der Vorsitzende des Gewerkschaftskartells, eröffnete die Versamm­lung mit begrüßenden Worten und streifte kurz den Zweck der Veranstaltung. Herr Winkler vom deutschen Eisenbahnerverband gab dann als erster Redner der flammenden Entrüstung des deut­schen Volkes über die grausige Mordtat beredten Ausdruck und feierte weiter Rathenau als einen edlen Menschen, der sich in der Stunde der schwer­sten Not seinem Volk und Vaterland in uneigen­nützigster Weise zur Verfügung gestellt habe. Er richtete dann scharfe Angriffe gegen den Radikalis­nius von Rechts, der durch seine Hetze in Presse, in Versammlungen und von der Tribüne des Reichstages den Nährboden für den Meuchelmord vorbereitet habe. Er forderte dann im Verlauf seiner weiteren Ausführungen die nachdrücklichste

herung der republikanischen Verfassung, Demo­tratisierung der Verwaltung und der Justiz. Ent­fernung aller Beamten, die nicht treu auf dem Vo­den der Verfassung stehen, ohne Ruhegehalt, Säu­berung der Reichswehr von reaktionären Elemen­ten, Amnestie für alle politischen Vergehen und schließlich Auflösung des Reichstages und schleu­nigst. Ausschreibung von Neuwahlen. Nach wei­teren Ansprachen der Herren Herbel vom Hirsch­

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