Schwerter Hausfras und Autter.

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Die„Schwerter Jeitung“ erscheint werktäglich. u

Druck und Verlag: Carl Braus. Celegr. Adr.: Braus, Schwerterudr. Cel.62. Postscheck Dortmund 2852 Verantwortliche Schriftleitung Karl Richter; Stadt und Provim, Friedr Kraas; sämtlich in Schwerte.

Nr. 128

Freitag, 2. Juni 1922.

55. Jahrgang

Zum Geleit.

Es soll im Kampf der rechte Schmerz sich abeln, Den deutschen Ruhm aus der Verwüstung heben, Das will der alte Gott von seinen Söhnen!

Eichendorff.

Neueste politische Nachrichten.

Das Zentrum brachte im Reichstage eine In­terpellation über die Zerstörungsnote der Botschafterkonferenz ein.

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Die Reparationskommission erklärte

sich durch die deutsche Note befriedigt.

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Aus Oberschlesien laufen weiter beunru­higende Nachrichten über Schreckenstaten der Polen ein.

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Das Reichskabinett beschäftigte sich mit dem Gesetzentwurf über die Milderung der Not der deut­schen Presse, der s. Zt. von sämtlichen Parteien des Reichstages verlangt worden war.

Der Gewerkverein christlicher Bergarbeiter hat den vom Schlichtungsausschuß fertiggestellten Manteltarif abgelehnt.

Lloyd George sprach gestern im englischen Un­terhause über die deutsche Wiederherstellungsnote.

Der österreichische Nationalrat hat die neue Re­gierung mit 101 Stimmen der Christlichsozialen, der Großzdeutschen und der Bauernpartei gegen die 58 Stimmen der Sozialdemokraten gewählt und zwar zum Bundeskanzler den Christlichsozialen Prälaten Seipel und zum Vizekanzler und Minister des Innern Frank(Großdeutschen.)

*„*

Vermischte Kunde.

Das metrische Maß= und Gewichtssystem ist jetzt auch von Japan und China ausgenommen und teilweise schon eingeführt worden. Die einzi­gen Staaten der Welt, die sich noch dagegen sträu­ben, sind England und die Vereinigten Staaten von Amerika. In Rußland bereitet die Einfüh­rung nur insofern Schwierigkeiten, als die nötige Menge der neuen Maße und Gewichte nicht be­schafft werden kann.

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Eine Bettler=Spezialität wurde in Berlin aufgegriffen. Der Mann bettelte überall, meist in Geschäften, aber nicht um Geld, sondern um Brot, indem er jammervoll klagte, wie sehr der Hunger ihn plage. Täglich erhielt er 30 bis 40, meist gut belegte Butterbrote, die er dann in den Herbergen für je 3 bis 5 A verkaufte. Er hat also täglich ein glänzendes Geschäft gemacht, zu­mal er auch noch die Erwerbslosen=Unterstützung einsteckte.

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Ein sonderbares Ei legte einem Ein­wohner in Beelsdorf eine Gans. Das Ei hatte das ungewöhnliche Gewicht von 360 Gramm, und in dem Ei befand sich ein zweites, ganz normales Gänseei.

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Die Kohlenzufuhr aus England nach Deutschland nimmt seit Jahresbeginn immer größeren Umfang an. Jetzt richtet England auch die Kokszufuhr nach Hamburg ein, und zwar in Leichterschiffen.

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Auf dem belgischen Eisenmarkte ge­hen die Preise ständig so zurück, daß die Werke Lohnkürzungen durchsetzen wollen. Die Arbeiter­schaft hat noch keine Steellung dazu genommen.

Eine Fabrik zur Reparatur von Ei­senbahnwagen wollen die Linke=Hoffmann= Werke in Alcala in Spanien errichten.

ren 9800 Pfund. Der Wert der in derselben Zeit auf dem Luftwege ausgeführten Waren betrug Sticho Pfund Stering.

Der Sinn unserer Note.

Die deutsche Unterwerfungsnote hat eine Vor­

Der Wert der nach England auf dem Luft­wege eingeführten Waren betrug vom August 1919 bis September 1921 für zollfreie Waren 227 000 Pfund Sterling, und für zollpflichtige Wa­

geschichte. Als der Wiederherstellungsausschuß den am 21. März nach Ton und Inhalt gleich unver­schämten Wisch bei der deutschen Regierung abge­ben ließ, machte sich die Regierung stark. Sie lehnte es ab, 60 Milliarden neue Steuern auszu­schreiben sowie die Finanzaussicht zuzugestehen. Die Antwort des Wiederherstellungsausschusses war im Ton gemäßigter, in der Sache nicht mehr so entschieden. Dann kam Genua, wo die deutschen Regierer sich über die Gleichberechtigung berieten, wenn sie sich von den Beratungen des politischen Ausschusses ferngehalten sahen. Dr. Wirth und

Rathenau blieben sechs Wochen im Auslande, was sich seit fünfzig Jahren noch kein deutscher Reichs­kanzler und kein aktiver Außenminister geleistet hat. Aber der Finanzminister Dr. Hermes, der immerhin über politisches Einfühlungsvermögen verfügt, fuhr nach Paris. Er hatte die richtige Witterung, daß nicht in Genua, sondern in Pacis die Entscheidung fallen werde. Dies umsomehr, als die internationale Anleihe nicht nur ein Luft­gebilde zu sein schien, sondern unter Umständen Tatsache werden konnte. In Paris verhandelte Hermes mit dem Wiederherstellungsausschuß, was an sich durchaus in der Ordnung war und ist. Die Einzelheiten der Verhandlungen lassen sich nicht nachprüfen Alles ist für uns mit dichten Schlei­ern verhängt, vermutlich deshalb, weil wir uns für eine parlamentarisch regierte, reine Demokratie halten. In der gibt es keine Geheimdiplomatie, keine Kabinettspolitik, kein Maulkorbzwang für die unbequeme Presse. Hermes hat mit Bradbury vom Wiederherstellungsausschuß die Brücke geschlagen für die Verständigung. Was das für ein Wun­derwerk staatsmännischer Baukunst ist, das zeigt die Note, die die Regierungsmänner unter sich be­raten und abgefertigt haben. Der Auswärtige Ausschuß wurde nicht befragt, der Reichstag soweit links liegen gelassen, daß er überhaupt besser daran täte, aus Scham über seine Ueberflüssigkeit sich den Bauch aufzuschlitzen.

Was ist nun der Sinn der Note? Einfach der: Deutschland erklärt sich bereit, das Gleichgewicht im Reichshaushalt mit sofortiger Wirkung herzu­stellen. Wäre Herkules damit beauftragt worden, nach der Reinigung des Augiasstalles die deutsche Finanzwirtschaft seit der Novemberumwälzung zu beseitigen, er hätte das sicher als eine unmögliche Leistung abgelehnt. Seit November 1918 haben die schwebenden Schulden um 250 und der Papiergeld­umlauf um k25 Milliarden Mark zugenommen. Das wirkt heute mit der Kraft einer Lawine, die donnernd und verheerend ins Tal stürzen will.

Die Reichsregierung ist nichtsdestoweniger der Meinung, daß das Alles nach den Vorschlägen Sir John Bradburys geht. Also wird mit dem Stichtag des 31. März ein dicker Strich unter die schweben­den Schulden gemacht. Was an diesem Tage vor­handen ist, so beiläufig 270 Miliarden Mark, das erkennt der Verband an. Was seit dem 31. März neu hinzugekommen ist und kommt, muß durch neue Steuern und Anleihen abgeglichen werden. Die Reichsbank scheidet als Geldzeichenquelle voll­ständig aus, denn seit Mitte Mai darf sie auf Grund des Trennungsgesetzes für die Schatzan­weisungen kein Papiergeld mehr verausgaben. Nun sind seit dem 1. April bis heute 18 Milliar­den neue schwebende Schulden hinzugekommen. Bis Ende Juni werden noch einige Dutzend folgen, nicht etwa für Reparationszwecke, sondern für die allgemeine Reichsverwaltung(Beamtengehälter usw.). Wir wollen ganz davon absehen, daß die Rezierung den Vorbehalt in der Note gemacht hat, daß die für die Barleistungen an den Verband auf­genommenen neuen schwebenden Schulden durch die Eingänge aus der internationalen Anleihe ab­geglichen werden sollen. Das ist eine Sache für sich. Auf Grund ihrer eigenen Note muß nun die Regierung am 1. Juli feststellen, wie viel neue Schulden sie gemacht hat. Diese Summe ist bis

zum 30. September durch neue Steuern zu decken. Worauf dann am 1. Oktober das gleiche Spiel be­ginnt, um sich dann von Vierteljahr zu Vierteljahr fortzusetzen.

Nun hat die Regierung den Voranschlog zum Reichshaushalt der Note beigefügt, aus dem her­vorgeht, daß für das laufende Rechnungsjahr mit Einschluß der neuen Steuern und des Ertrages der Zwangsanleihe rund 70 Milliarden Ueber­schuß erwartet werden. Indessen„läuft" nicht nur das Rechnungsjahr, vielmehr auch unsere Finanz­wirtschaft. Wir werden am 30. Juni mindestens 30 Milliarden Mark neue schwebende Schulden mehr haben, die nach dem 1. Oktober durch aber­nals neue Steuern zu decken sind. Am 1. Oktober wird die Summe neuer Schulden noch höher sein, so daß die Regierung gezwungen ist, mindestens in jedem Halbjahr dem Reichstag zuzumuten, 60 bis 70 Milliarden Mark neue Steuern zu bewilligen. Diese Summe wird noch höher sein, wenn erst die Ausgaben für die Sachlieferungen hinzukommen. Noch ein anderes ist sicher. Sobald die Noten­presse stillgelegt wird, wird sich die Wirtschaft wangsläufig andere Zahlungsmittel beschaffen, vielleicht dienen dazu die Schatzwechsel der Regie­rung. ferner di: Kriegsanleihen, mit der Folge, daß diese und der gesamte Notenumlauf noch mehr entwerten. Wir bieten also nicht nur 60, sondern 140 Milliarden Mark neue Steuern an! Wir, das heißt die Regierung, gesteht auch noch die Finanz­cussicht zu? Was soll das Alles? Kein sachver­ständiger Mensch glaubt, daß sich„erfüllen“ läßt. Oder ist Dr. Hermes etwa eigene Wege gegan­

gen, hält er für möglih, daß sich auf Grund der internationalen Anleihe eine Verbindung der deutschen Wirtschaft mit Wallstreet herstellen läßt, so. daß Frankreich sich„Sensationen“ an der Ruhr und am Rhein dauernd verkneifen muß?

*

Die Antwort auf die Reparations=Rote

Beibehaltung der 50 Millionenzahlungen.

Berlin, 1. Juni. Die Wiederherstellungskom­mission in Paris hat ihre Antwort auf die deutsche Note Dr. Wirths vom 28. Mai fertig gestellt und in der Nacht nach Berlin abgeschickt. Sie ist von rankreich, England, Italien und Belgien unter­schrieben und besagt, daß das vorläufige Morato­rium vom 1. 6, ab in einem endgültigen Zahlungs­ausschub für das ganze Jahr 1922 umge­wandelt ist. Die Wiederherstellungskommis­sion nimmt ferner zur Kenntnis, daß die verschie­denen Verei Larungen noch im einzelnen durchberaten werden müssen. Danach bleiben also die im vorläufigen Moratorium vor­gesehenen Zahlungen von monatlich 50 Millionen A bis Ende des Jahres in Kraft.

Im weiteren läßt die Kommission jedoch nicht zu, daß die Möglichkeit eines Scheiterns der internationalen Anleihe, über die ge­genwärtig in Paris von der internationalen Ban­tierskonferenz, verhandelt wird, Deutschland das Recht gibt, seine Zahlungen mit neuen Banknoten­ausgaben zu begleichen. Wenn die Anleihe nicht zustande kommt, so hat Deutschland neue Vor­schläge zu unterbreiten. Uebrigens betont die Ent­scheidung der Reparationskommission erneut den provisorischen Charakter des Moratoriums und die Möglichkeit seiner Wiedeaufhebung.

Rnthroposophie oder Christentum?

Die Wochenschrift„Licht und Leben"(Elber­feld) bringt folgenden kernhaften Artikel:

Pfarrer Dr. Rittelmeyer in Berlin legt, wie gemeldet wird, sein Pfarramt an der Neuen Kirche in Berlin demnächst nieder, um sich ganz in den Dienst der Antroposophie von Rudolf Steiner zu stellen. Rittelmeyer war früher an der Heilig­geistkirche in Nürnberg und hat Seite an Seite ge­arbeitet mit dem jetzt noch in Nürnberg amtieren­den Dr. Geyer, Hauptprediger an der Sebaldus­kirche. Beide haben im Jahre 1906 ein Predigt­buch herausgegeben.„Gott und die Seele“, das viel verlangt worden ist, so daß das Buch im Jahre 1906 bereits zum sechsten Male aufgelegt werden, konnte. In dem Predigtbuch steht manches Gute, und jedenfalls ist viel Fleiß und Geschick darauf

Dr. Rudolf Steiner

der vielgenannte Orunder und kührer der anthroposophischen Bewegeng

verwendet. Rittelmeyer ist dann einer Berufung nach Berlin gefolgt, und dort hat er sich, wie man das öfters in solchen Fällen beobachten kann, im­mer mehr zum Radikalen hin entwickelt, in diesem Fall zu der Anthroposophie Steiners. Er hatte immer volle Kirchen, und was er gab, das hatte den Schein, als ob es tief in das Evangelium hineingriffe und tief daraus geschöpft wäre. Es war aber nichts anderes als Schein. Rittelmeyer

verstand es, mit schönen Worten und scheinbar tie­

fen Worten das Evangelium seier Gottestraft zu entkleiden. Man hat seiner Enwickluing den Lauf gelassen auf Kosten des Seelenheils vieler Harm­loser, die gemeint haben, hier bei Rittelmeyer das zufinden, was sie brauchen. Nun hat Rittelmeyer das getan, was schon früher hätte geschehen sollen: er hat den Dienst in der Kirche aufgegeben. Wir finden diesen Entschluß ehrenhaft und danken ihm dafür. Der evangelischen Kirche aber und denen, die dafür verantwortlich sind, sind wir nicht dank­bar, daß sie Rittelmeyer nicht schon früher den Rat gegeben haben, sein Amt aufzugeben, das doch die Versöhnung predigen soll, nicht aber die An­throposophie Steiners in kirchlicher Maskierung.

Aus Stadt und Land.

Schwerte, 2. Juni. Erinnerungen.

Der Gcologe Karl Georg von Raumer gest. Der italienische Patriot Giuseppe Gari­baldi gest.

Der Afrikaforscher Gerhard Rohlfs gest.

** Der Monat Juni hat nun sein Regiment angetreten. Durch seinen Vorgänger ist ihm die Aufgabe, vor die er gestellt wird, recht leicht ge­macht worden. Die Pflanzenwelt zeigt bereits eine überreiche Fülle von Schönheiten. Im Garten entfaltet inzwischen die Rose, der Blume Köni­gin. ihre Knospen und schmückt, im Bunde mit titien, Nellen und anderen Sommerblumen und stauden die Beete. Die Saaten sind aufgeschos­sen und wogen im Winde. Reizvoll ist auch die Blüte des Getreides und der Gräser und noch un­terhaltender, was da alles im Grün lebt und webt, aubt und sagt, frißt und gefressen wird. Die Wald­vögel vervollständigen das gewaltige Geschehen in der Natur. Gar heftig pulsiert das Leben, gar lustig erscheint die Welt im Juni. Möge er so bleiben, wie er sich bei seinem Einzuge zeigt, wenn uns auch nach den heißen Wochen etwas Regen recht erwünscht wäre. Versagt uns der Juni viel­leicht noch mancherlei, einiger Annehmlichkeiten von ihm stnd wir ja sicher. Er bringt uns die längsten Tage des Jahres, er bringt uns im Sinne des Kalenders den Anfang des Sommers, in Wirklichkeit den Hochsommer. Willkommen dar­um, lieber Juni, wir begrüßen dich mit frohem Her­zen und hoffen nur, daß du unsere Wünsche so viel wie möglich erfüllst. Scheuche mit lachendem Son­nenschein und Blütenduft allen Mißmut und alle Sorgen aus unseren Herzen und stärke und kräf­tige uns für kommende schwere Zeiten.

** Die internationale Ringkampfkonkurrenz in der„Reichskrone“ hat gestern abend schon eine große Menge Freunde solcher Kämpfe herbeigelockt und sichtlich befriedigt. Von 8—9 Uhr wurden neben anderen etwas stark romanhaften Kinoak= ten einzelne Ringkampf=Szenen im Lichtbild dar­gestellt. Um 9 Uhr traten neun Weltmeister auf die Bühne, von denen sechs, also drei Paare die ersten Kämpfe ausfochten. Jack Wilde=Ruß=

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