Schwerter Hausfras und Autter. Aus dem Reiche der Mode. Heimatblätter u Lustiges Allertel. Kinderzeitung. Unser Blatt. n Unterhaltungs- u. Romanbeilage. Sport und Curnen. m Ledensbild. Kunst u. Wissen.n Gartenratschläge. Verbunden mit: Schwerter Cageblatt und Anzeiger Schwerter Oolkszeitung Schwerter Velksblatt Welthofener Zeiiung Avierdecker Zeitung Langschecker Zeitung Belzwicheder Zeitung Amtliches Kreisblau für den Kreis Börde. und ättestes Cagesorgan des Kreies.— Geueralanzeiger für den Kreis Hörde. Die„Schwerter Jeitung“ erscheint werktäglich. u Druck und Verlag: Carl Braus. Celegr. Adr.: Braus, Schwerterudr. Cel.62. Postscheck Dortmund 2852 Verantwortliche Schriftleitung Karl Richter; Stadt und Provim, Friedr Kraas; sämtlich in Schwerte. Nr. 128 Freitag, 2. Juni 1922. 55. Jahrgang Zum Geleit. Es soll im Kampf der rechte Schmerz sich abeln, Den deutschen Ruhm aus der Verwüstung heben, Das will der alte Gott von seinen Söhnen! Eichendorff. Neueste politische Nachrichten. Das Zentrum brachte im Reichstage eine Interpellation über die Zerstörungsnote der Botschafterkonferenz ein. * Die Reparationskommission erklärte sich durch die deutsche Note befriedigt. * Aus Oberschlesien laufen weiter beunruhigende Nachrichten über Schreckenstaten der Polen ein. * Das Reichskabinett beschäftigte sich mit dem Gesetzentwurf über die Milderung der Not der deutschen Presse, der s. Zt. von sämtlichen Parteien des Reichstages verlangt worden war. Der Gewerkverein christlicher Bergarbeiter hat den vom Schlichtungsausschuß fertiggestellten Manteltarif abgelehnt. Lloyd George sprach gestern im englischen Unterhause über die deutsche Wiederherstellungsnote. Der österreichische Nationalrat hat die neue Regierung mit 101 Stimmen der Christlichsozialen, der Großzdeutschen und der Bauernpartei gegen die 58 Stimmen der Sozialdemokraten gewählt und zwar zum Bundeskanzler den Christlichsozialen Prälaten Seipel und zum Vizekanzler und Minister des Innern Frank(Großdeutschen.) *„* Vermischte Kunde. Das metrische Maß= und Gewichtssystem ist jetzt auch von Japan und China ausgenommen und teilweise schon eingeführt worden. Die einzigen Staaten der Welt, die sich noch dagegen sträuben, sind England und die Vereinigten Staaten von Amerika. In Rußland bereitet die Einführung nur insofern Schwierigkeiten, als die nötige Menge der neuen Maße und Gewichte nicht beschafft werden kann. * Eine Bettler=Spezialität wurde in Berlin aufgegriffen. Der Mann bettelte überall, meist in Geschäften, aber nicht um Geld, sondern um Brot, indem er jammervoll klagte, wie sehr der Hunger ihn plage. Täglich erhielt er 30 bis 40, meist gut belegte Butterbrote, die er dann in den Herbergen für je 3 bis 5 A verkaufte. Er hat also täglich ein glänzendes Geschäft gemacht, zumal er auch noch die Erwerbslosen=Unterstützung einsteckte. * Ein sonderbares Ei legte einem Einwohner in Beelsdorf eine Gans. Das Ei hatte das ungewöhnliche Gewicht von 360 Gramm, und in dem Ei befand sich ein zweites, ganz normales Gänseei. * Die Kohlenzufuhr aus England nach Deutschland nimmt seit Jahresbeginn immer größeren Umfang an. Jetzt richtet England auch die Kokszufuhr nach Hamburg ein, und zwar in Leichterschiffen. * Auf dem belgischen Eisenmarkte gehen die Preise ständig so zurück, daß die Werke Lohnkürzungen durchsetzen wollen. Die Arbeiterschaft hat noch keine Steellung dazu genommen. Eine Fabrik zur Reparatur von Eisenbahnwagen wollen die Linke=Hoffmann= Werke in Alcala in Spanien errichten. ren 9800 Pfund. Der Wert der in derselben Zeit auf dem Luftwege ausgeführten Waren betrug Sticho Pfund Stering. Der Sinn unserer Note. Die deutsche Unterwerfungsnote hat eine VorDer Wert der nach England auf dem Luftwege eingeführten Waren betrug vom August 1919 bis September 1921 für zollfreie Waren 227 000 Pfund Sterling, und für zollpflichtige Wageschichte. Als der Wiederherstellungsausschuß den am 21. März nach Ton und Inhalt gleich unverschämten Wisch bei der deutschen Regierung abgeben ließ, machte sich die Regierung stark. Sie lehnte es ab, 60 Milliarden neue Steuern auszuschreiben sowie die Finanzaussicht zuzugestehen. Die Antwort des Wiederherstellungsausschusses war im Ton gemäßigter, in der Sache nicht mehr so entschieden. Dann kam Genua, wo die deutschen Regierer sich über die Gleichberechtigung berieten, wenn sie sich von den Beratungen des politischen Ausschusses ferngehalten sahen. Dr. Wirth und Rathenau blieben sechs Wochen im Auslande, was sich seit fünfzig Jahren noch kein deutscher Reichskanzler und kein aktiver Außenminister geleistet hat. Aber der Finanzminister Dr. Hermes, der immerhin über politisches Einfühlungsvermögen verfügt, fuhr nach Paris. Er hatte die richtige Witterung, daß nicht in Genua, sondern in Pacis die Entscheidung fallen werde. Dies umsomehr, als die internationale Anleihe nicht nur ein Luftgebilde zu sein schien, sondern unter Umständen Tatsache werden konnte. In Paris verhandelte Hermes mit dem Wiederherstellungsausschuß, was an sich durchaus in der Ordnung war und ist. Die Einzelheiten der Verhandlungen lassen sich nicht nachprüfen Alles ist für uns mit dichten Schleiern verhängt, vermutlich deshalb, weil wir uns für eine parlamentarisch regierte, reine Demokratie halten. In der gibt es keine Geheimdiplomatie, keine Kabinettspolitik, kein Maulkorbzwang für die unbequeme Presse. Hermes hat mit Bradbury vom Wiederherstellungsausschuß die Brücke geschlagen für die Verständigung. Was das für ein Wunderwerk staatsmännischer Baukunst ist, das zeigt die Note, die die Regierungsmänner unter sich beraten und abgefertigt haben. Der Auswärtige Ausschuß wurde nicht befragt, der Reichstag soweit links liegen gelassen, daß er überhaupt besser daran täte, aus Scham über seine Ueberflüssigkeit sich den Bauch aufzuschlitzen. Was ist nun der Sinn der Note? Einfach der: Deutschland erklärt sich bereit, das Gleichgewicht im Reichshaushalt mit sofortiger Wirkung herzustellen. Wäre Herkules damit beauftragt worden, nach der Reinigung des Augiasstalles die deutsche Finanzwirtschaft seit der Novemberumwälzung zu beseitigen, er hätte das sicher als eine unmögliche Leistung abgelehnt. Seit November 1918 haben die schwebenden Schulden um 250 und der Papiergeldumlauf um k25 Milliarden Mark zugenommen. Das wirkt heute mit der Kraft einer Lawine, die donnernd und verheerend ins Tal stürzen will. Die Reichsregierung ist nichtsdestoweniger der Meinung, daß das Alles nach den Vorschlägen Sir John Bradburys geht. Also wird mit dem Stichtag des 31. März ein dicker Strich unter die schwebenden Schulden gemacht. Was an diesem Tage vorhanden ist, so beiläufig 270 Miliarden Mark, das erkennt der Verband an. Was seit dem 31. März neu hinzugekommen ist und kommt, muß durch neue Steuern und Anleihen abgeglichen werden. Die Reichsbank scheidet als Geldzeichenquelle vollständig aus, denn seit Mitte Mai darf sie auf Grund des Trennungsgesetzes für die Schatzanweisungen kein Papiergeld mehr verausgaben. Nun sind seit dem 1. April bis heute 18 Milliarden neue schwebende Schulden hinzugekommen. Bis Ende Juni werden noch einige Dutzend folgen, nicht etwa für Reparationszwecke, sondern für die allgemeine Reichsverwaltung(Beamtengehälter usw.). Wir wollen ganz davon absehen, daß die Rezierung den Vorbehalt in der Note gemacht hat, daß die für die Barleistungen an den Verband aufgenommenen neuen schwebenden Schulden durch die Eingänge aus der internationalen Anleihe abgeglichen werden sollen. Das ist eine Sache für sich. Auf Grund ihrer eigenen Note muß nun die Regierung am 1. Juli feststellen, wie viel neue Schulden sie gemacht hat. Diese Summe ist bis zum 30. September durch neue Steuern zu decken. Worauf dann am 1. Oktober das gleiche Spiel beginnt, um sich dann von Vierteljahr zu Vierteljahr fortzusetzen. Nun hat die Regierung den Voranschlog zum Reichshaushalt der Note beigefügt, aus dem hervorgeht, daß für das laufende Rechnungsjahr mit Einschluß der neuen Steuern und des Ertrages der Zwangsanleihe rund 70 Milliarden Ueberschuß erwartet werden. Indessen„läuft" nicht nur das Rechnungsjahr, vielmehr auch unsere Finanzwirtschaft. Wir werden am 30. Juni mindestens 30 Milliarden Mark neue schwebende Schulden mehr haben, die nach dem 1. Oktober durch abernals neue Steuern zu decken sind. Am 1. Oktober wird die Summe neuer Schulden noch höher sein, so daß die Regierung gezwungen ist, mindestens in jedem Halbjahr dem Reichstag zuzumuten, 60 bis 70 Milliarden Mark neue Steuern zu bewilligen. Diese Summe wird noch höher sein, wenn erst die Ausgaben für die Sachlieferungen hinzukommen. Noch ein anderes ist sicher. Sobald die Notenpresse stillgelegt wird, wird sich die Wirtschaft wangsläufig andere Zahlungsmittel beschaffen, vielleicht dienen dazu die Schatzwechsel der Regierung. ferner di: Kriegsanleihen, mit der Folge, daß diese und der gesamte Notenumlauf noch mehr entwerten. Wir bieten also nicht nur 60, sondern 140 Milliarden Mark neue Steuern an! Wir, das heißt die Regierung, gesteht auch noch die Finanzcussicht zu? Was soll das Alles? Kein sachverständiger Mensch glaubt, daß sich„erfüllen“ läßt. Oder ist Dr. Hermes etwa eigene Wege gegangen, hält er für möglih, daß sich auf Grund der internationalen Anleihe eine Verbindung der deutschen Wirtschaft mit Wallstreet herstellen läßt, so. daß Frankreich sich„Sensationen“ an der Ruhr und am Rhein dauernd verkneifen muß? * Die Antwort auf die Reparations=Rote Beibehaltung der 50 Millionenzahlungen. Berlin, 1. Juni. Die Wiederherstellungskommission in Paris hat ihre Antwort auf die deutsche Note Dr. Wirths vom 28. Mai fertig gestellt und in der Nacht nach Berlin abgeschickt. Sie ist von rankreich, England, Italien und Belgien unterschrieben und besagt, daß das vorläufige Moratorium vom 1. 6, ab in einem endgültigen Zahlungsausschub für das ganze Jahr 1922 umgewandelt ist. Die Wiederherstellungskommission nimmt ferner zur Kenntnis, daß die verschiedenen Verei Larungen noch im einzelnen durchberaten werden müssen. Danach bleiben also die im vorläufigen Moratorium vorgesehenen Zahlungen von monatlich 50 Millionen A bis Ende des Jahres in Kraft. Im weiteren läßt die Kommission jedoch nicht zu, daß die Möglichkeit eines Scheiterns der internationalen Anleihe, über die gegenwärtig in Paris von der internationalen Bantierskonferenz, verhandelt wird, Deutschland das Recht gibt, seine Zahlungen mit neuen Banknotenausgaben zu begleichen. Wenn die Anleihe nicht zustande kommt, so hat Deutschland neue Vorschläge zu unterbreiten. Uebrigens betont die Entscheidung der Reparationskommission erneut den provisorischen Charakter des Moratoriums und die Möglichkeit seiner Wiedeaufhebung. Rnthroposophie oder Christentum? Die Wochenschrift„Licht und Leben"(Elberfeld) bringt folgenden kernhaften Artikel: Pfarrer Dr. Rittelmeyer in Berlin legt, wie gemeldet wird, sein Pfarramt an der Neuen Kirche in Berlin demnächst nieder, um sich ganz in den Dienst der Antroposophie von Rudolf Steiner zu stellen. Rittelmeyer war früher an der Heiliggeistkirche in Nürnberg und hat Seite an Seite gearbeitet mit dem jetzt noch in Nürnberg amtierenden Dr. Geyer, Hauptprediger an der Sebalduskirche. Beide haben im Jahre 1906 ein Predigtbuch herausgegeben.„Gott und die Seele“, das viel verlangt worden ist, so daß das Buch im Jahre 1906 bereits zum sechsten Male aufgelegt werden, konnte. In dem Predigtbuch steht manches Gute, und jedenfalls ist viel Fleiß und Geschick darauf Dr. Rudolf Steiner der vielgenannte Orunder und kührer der anthroposophischen Bewegeng verwendet. Rittelmeyer ist dann einer Berufung nach Berlin gefolgt, und dort hat er sich, wie man das öfters in solchen Fällen beobachten kann, immer mehr zum Radikalen hin entwickelt, in diesem Fall zu der Anthroposophie Steiners. Er hatte immer volle Kirchen, und was er gab, das hatte den Schein, als ob es tief in das Evangelium hineingriffe und tief daraus geschöpft wäre. Es war aber nichts anderes als Schein. Rittelmeyer verstand es, mit schönen Worten und scheinbar tiefen Worten das Evangelium seier Gottestraft zu entkleiden. Man hat seiner Enwickluing den Lauf gelassen auf Kosten des Seelenheils vieler Harmloser, die gemeint haben, hier bei Rittelmeyer das zufinden, was sie brauchen. Nun hat Rittelmeyer das getan, was schon früher hätte geschehen sollen: er hat den Dienst in der Kirche aufgegeben. Wir finden diesen Entschluß ehrenhaft und danken ihm dafür. Der evangelischen Kirche aber und denen, die dafür verantwortlich sind, sind wir nicht dankbar, daß sie Rittelmeyer nicht schon früher den Rat gegeben haben, sein Amt aufzugeben, das doch die Versöhnung predigen soll, nicht aber die Anthroposophie Steiners in kirchlicher Maskierung. Aus Stadt und Land. Schwerte, 2. Juni. Erinnerungen. Der Gcologe Karl Georg von Raumer gest. Der italienische Patriot Giuseppe Garibaldi gest. Der Afrikaforscher Gerhard Rohlfs gest. ** Der Monat Juni hat nun sein Regiment angetreten. Durch seinen Vorgänger ist ihm die Aufgabe, vor die er gestellt wird, recht leicht gemacht worden. Die Pflanzenwelt zeigt bereits eine überreiche Fülle von Schönheiten. Im Garten entfaltet inzwischen die Rose, der Blume Königin. ihre Knospen und schmückt, im Bunde mit titien, Nellen und anderen Sommerblumen und stauden die Beete. Die Saaten sind aufgeschossen und wogen im Winde. Reizvoll ist auch die Blüte des Getreides und der Gräser und noch unterhaltender, was da alles im Grün lebt und webt, aubt und sagt, frißt und gefressen wird. Die Waldvögel vervollständigen das gewaltige Geschehen in der Natur. Gar heftig pulsiert das Leben, gar lustig erscheint die Welt im Juni. Möge er so bleiben, wie er sich bei seinem Einzuge zeigt, wenn uns auch nach den heißen Wochen etwas Regen recht erwünscht wäre. Versagt uns der Juni vielleicht noch mancherlei, einiger Annehmlichkeiten von ihm stnd wir ja sicher. Er bringt uns die längsten Tage des Jahres, er bringt uns im Sinne des Kalenders den Anfang des Sommers, in Wirklichkeit den Hochsommer. Willkommen darum, lieber Juni, wir begrüßen dich mit frohem Herzen und hoffen nur, daß du unsere Wünsche so viel wie möglich erfüllst. Scheuche mit lachendem Sonnenschein und Blütenduft allen Mißmut und alle Sorgen aus unseren Herzen und stärke und kräftige uns für kommende schwere Zeiten. ** Die internationale Ringkampfkonkurrenz in der„Reichskrone“ hat gestern abend schon eine große Menge Freunde solcher Kämpfe herbeigelockt und sichtlich befriedigt. Von 8—9 Uhr wurden neben anderen etwas stark romanhaften Kinoak= ten einzelne Ringkampf=Szenen im Lichtbild dargestellt. Um 9 Uhr traten neun Weltmeister auf die Bühne, von denen sechs, also drei Paare die ersten Kämpfe ausfochten. Jack Wilde=Ruß= 1865 1812 1896 Muirnunniunnng 1 den Eriven Pilgstlagen heint keine Nummer der Schwerter Zeitung Pfingstnummer erscheint beretts Samstag kags. Anzeigen für diese letzte Nummer vor Feste müssen bis Samstag vorm. 8 Uhr in eren Händen sein.— Die erste Nummer nach dem Fest erscheint Dienstag mittags. stand dem Dortmunder Weltmeister Ernst enkamp gegenüber und wurde binnen drei. uten kunstgerecht besiegt. Dieser schnelle Sieg nkamps wirkte fast zu verblüffend.— Hans inke=Stettin, Sieger im großen Preis von lin, stand dem Württemberger Weltmeister ler gegenüber. Das sind zwei gleichwertige ipen, die nach 20 Min. unentschieden auseinr gingen. Unbestritten am interessantesten war Ringen des Verliner's Gebtardt gegen Steinke=Bach von Pommern; Letzterer andt, klug, temperamentvoll; die Zuschauer wahingerissen von diesem Kampf und nachdem der hs brutale Gebhardt nach etwe 18 Minute: noch siegte, ward dem Besiegten mehr Beifall kil, als dem Sieger, der sich die Sympathien Publikums verscherzt hatte. Es sollte uns nicht dern, wenn Mar Steinke=Bach der ausprochene Schwerter Liebling würde.— So gab geger Abend Anlaß zur Befriedigung und den An in für die reich versammelte zumeist werktätige gend, daß man durch viel Uebung und Selbst st seinen Körper zur Gewandtheit zwingen und hoher Kraft stählen kann. Im Zigarettenrau# das gestern wiederholt verboten werden ßte, oder in sonstigen unschönen Dingen, liegt Stärke der Jugend und echte Männlichkeit nicht kündet. Man kann es der Reichskronendirektion danken, daß sie die Ringkampfkonkurrenz nach werte gebracht hat und wir verweisen auf den zeigenteil, der die täglichen neuen Wettkämpfe ibt. Da die Plätze leicht ausverkauft sind, ist gut, vom Vorverkauf Gebrauch zu machen. Gefährlicher Frühlingsschmuck. In dieser hreszeit, da die Natur im frischen Blumenruck prangt, kann nicht genug aufmerksam gecht werden auf die Pflanzen, die besonders für Kinder sehr gefährlich werden können. Da ist sächst der allerschönste unserer Gartenbäume, Goldregen, dessen Blüten sich jetzt erschließen der wegen der damit verbundenen Gefahr in em Garten, in dem sich kleine Kinder tummeln, entlich gar nicht gezogen werden sollte. Im lde ist es die so sehr gesuchte Maiblume, die ihrem herrlichen Wohlgeruch auch ein starGift in sich birgt.„In den Wiesen ist der hübgoldgelbe Hahnenfuß wohl die bekannteste und bbreiteste unserer Giftpflanzen. Man sehe sich so bei sommerlichen Ausflügen vor und habe ein stsames Auge auf die Kleinen, damit sie beim imenpflücken nichts in den Mund stecken, woich sie zu Schaden kommen könnten. ** Haus= und Grundbesitzer=Verein. Unserm strigen Bericht sei noch nachgetragen, daß in der zten Generalversammlung 116 neue Mitglieder fgenommen sind und daß der Verein jetzt über Mitglieder zählt. * Eine Kartoffelüberschwemmung macht sich genwärtig im Westen des Reiches bemerkbar. je wird hervorgerufen dadurch, daß große Men. n Kartoffeln plötzlich aus den großen Produk insgebieten im Osten und Norden des Reiches rollen. Alle die Mengen, die im Herbst zurückhalten wurden, werden jetzt nach Oeffnen der kieten in großen Mengen auf den Markt gewvorDadurch entsteht zurzeit eine Ueberschwemung mit Kartoffeln, die auch die Preise herabsückt und insofern den Konsumenten im Augensick einige Vorteile bieten kann. Es ist allerdings u befürchten, daß in einigen Wochen die Zufuhren gänglich aufhären, und daß man vor der neuen Ernte noch eine Knappheit verbunden mit Preis erhöhung erleben wird. ** Für unsere Kinder! Der 2. Transport der Kinder des Landtreises Hörde ist wohlbehalten in Binz angetommen. Aus dem Ueberschuß der Maiseier des Bezirkes Aplerveck wurden dem Krei:linderheim in Binz 1500 M, dem Kreislinderheim in Schwerte 600 A überwiesen. Die Amtsfürsorgerin Fräulein Knebel überwies dem Kreiswohlfahrtsamte für das Kreiskinderheim in Binz den Betrag von 20 M und den Betrag von 50 M. Beide Beträge sind Gaben aus dem Amte Apler= beck. ** Noch ein Naturwunder! Eine Ente mit vier Füßen ist demn Fabritmeister Sinner aus der Kreuzstraße vor etwa 2 Wochen von einer braven Ente ausgebrütet worden. Die beiden überflüssigen Füße befinden sich in der Nähe des Schwanzes und werden zum Laufen selbstredend nicht benötigt. Das interessante Tierchen, durch seine Anhängsel nicht im geringsten belästigt, befindet sich wohl und munter und hofft man, es aufziehen zu können. ** Maul und Klauenseuche. Auf verschiede nen Ruhrweiden im Amtsbezirk Westhofen ist die Maul= und Klauenseuche wieder aufgetreten. Umfangreiche Schutzmaßregeln sind getroffen und wollen wir nur hoffen, daß die gefährliche Seuche nicht den Unsang annimmt, den sie vor zwei Jahien hatte.— Bekanntlich hat das Reich für die Forschungen auf dem Gebiete der Maul= und Klauenseuche ab 1920 für die folgenden vier Jah. und Stelle abgeschlachtet. Schulze=Kersting aus och jede Spur. Der an den,, ron und seine T# hetten, wurden an Ort 1 den Tätern sehlt noch tort geholle Polizeihund Roland aus Witten ernte zwar eine Fährte eine Strecke lang versoi gen, koch verlief sich diese später im Walde. * Westhofen, 1. Juni. Bestandene Prü ung. Der Beamtenanwärter Heinrich Sievert von der hiesigen Amtsverwaltung bestand vor der Prüfungskommission der Regierung in Arnsberg die Verwaltungs=Setretär-Prüfung mit gutem Erfolge. ** Hohensyburg, 2. Juni. Kirchliches. An beiden Pfingstseiertagen findet um 10 Uhr Festghottesdienst statt. Am 1. Feiertag predigt Vikar Bethale, am 2. Festtag Pastor Klinker. Aus den Provinzen. schmintrup bei Wanne, seine ochter Gertind hatten sich vor er Straflammer Münster zu verantworten, weil sie in den Jahren 1920/21 fortgesetzt durch Zu schütten von Magermilch und Wasse. die Vollmilch gesätscht hatten. Die Angeklagten wurden wegen Nahrungsmittelsälschung in Tateinheit mit Betrug wie folgt verurteilt: Der Landwirt zu 100000 c Geldstrafe oder zwei Monaten Gefängnis, die Frau und Tochter zu je acht Monaten Gefängnis, wovon beide zunächst drei Monate verbüßen sollen. Der Rest wird ihnen dann evtl. erlassen. eber auch nur gegen eine Geldbuße von je 100000 Mark. Brühimetr I... jc 50 00000 Mark ausgeworfen, und es steht zu erwarten, daß bei det inzwischen eingetretenen Geldentwertung entsprechende Zuschüsse erfolgen werden Man kann somit hoffen, daß die Bekämpsung dieser Epidemie, die in letzter Zeit wieder sehr grassierte und die leicht zu einer ernsten Gefährdung der deutschen Milch= und Fleischversorgung auswachsen kann, rüstige Fortschritte machen wird. Bercits im Jahre 1901 hatte ein Italiener namens del Bono durch Impfungen mit Rekonvaleszentenblut in schweren Fällen einige Erfolge erzielt. Erenso sind durch das schon am Ende des vorigen Jahrhunderts eingeführte Löfflersche Immunserum des öfteren bösartige Fälle gemildert worden. Durch die jüngsten Forschungen, die man über den Verlauf der Seuche an künstlich infizierten Meerschweinchen anstellte,— diese Tiere reagieren auf natürliche Ansteckung fast gar nicht—, glaubt man, demnächst zu greifbaren Ergebnissen in bezug auf Auswertung des Immunserums gelangen. Auch von der vor kurzem in der Veterinärabteilung des Reichsgesundheitsamtes höchstwahrscheinlich gelungenen Züchtung der Maul= und Klauanseuche=Erreger in Nährstoffslüssigkeiten erhofft man gute Erfolge. Abgeschlossen sind die Forschungen auf diesem Gebiete jedoch noch nicht. ** Bestrafter Viehdieb. Der Arbeiter Fritz Dräger vom Sölderholz hatte im vergangenen Jahre in Gemeinschaft mit mehreren Helfern einen Viehdiebstahl verübt. Die Gesellschaft hatte eine Kuh und ein Rind von einer Ruhrweide gestohlen und schlachtete die Tiere. Die übrigen Teilnehmer an dem Diebstahl sind bereits abgeurteilt worden, während D. Geistesschwäche vortäuschte und deshalb zunähst daraufhin untersucht werden mußte. Er ist voll verantwortlich für sein Tun und wurde jetzt von der Hagener Strafkammer zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. ** Holzen, 1. Juni. Ein frecher Ein bruchsdiebstahl wurde in der vorletzten Nacht auf dem Gut Helenenhof ausgeführt. Die Diepe haben dort ein Stallgebäude gewaltsam aufgebrochen und daraus 15 Hühner und einen Hahn entwendet. Die Tiere, die einen großen Züchterwert ** Hörde, 1. Juni. Knost=Stube. Die schon seit langen Jahren hier bestehende und sich weit über die Grenzen unserer Stadt des besten Ansehens erfreuende Likörfabrik und WeingroßHandlung Heinr. Knost hat ihre in der Langestraße belegenen Räumlichkeiten umgebaut und bedeutend erweitert. Trotz der Vergrößerung hat es der Baumeister verstandel dem Hause den alten, anheimelnden, echt westf. Charakter zu bewahren. sodaß Knost's Likörstuben nicht nur einen behagichen Aufenthalt bieten, sondern auch zu einer Sehenswürdigkeit für Hörde geworden sind. Dortmund, 1. Juni. Abbbau der Straßenbahnen. Infolge der wirtschaftlichen Notlage der Straßenbahnen wird hier am 1. Juni der Betrieb auf der Ringlinie eingestellt. Der Verkehr zwischen Hauptbahnhof und Südbahnhof wird durch einen 30 Minuten=Wagen aufrecht erhalten. Dortmund, 1. Juni. Tödlicher Kopfsurung beim Baden: Der Bergmann Friedrich Baronowski machte beim Baden im Kanal einen Kopfstrung, wobei er mit ziemlicher Wucht auf einen harten Gegenstand stieß. Er zog sich einen Hals=Rückenbruch zu, an dessen Folgen er gesorden ist. 1. Juni. Gefahlriche Messerstecherei. Im Stadtteile Oege ereignete sich eine schwere Bluttat, die wahrscheinlich ein Menschenleben als Opfer fordern wird. Ein 22= jähriger Oesterreicher, der Arbeiter Wollin, geriet mit seinen Hausgenossen in Streit. Um diesem ein Ende zu machen, führte ihn der 24 Jahre alte Steinbrecher Ant. Steinweg mit sanfter Gewalt ans dem House. Das aber verstand der Oesterreicher schlecht. Auf dem Hofe angekommen, zog er plötzlich ein Messer und versetzte seinem Beglei ter zwei llebensgefährliche Stiche in die Brust und den Unterleib. Der Schwerverletzte wurde sofort ins Krankenhaus überführt. Wetter, 1. Juni. Ein Veteran der Land straße. Der 57jährige Aegidius Heim stand wegen Bettelns und Landstreicherei vor dem hiesigen Schöffengericht. Er hat wegen dieser Vergehen bereits 29 Vorstrafen, dazu 2 wegen Brandstiftung. Als man ihn hier aufgriff, fand sich in seinem Besitz ein Sack mit Brotresten, Wurstzipfeln und Speckschwarten gefüllt, ferner 1123 M. Geld und eine reichhaltige Sammlung von Stadt= und Notgeld. Das Gericht erkannte auf 20 Tage Haft, sah aber mit Rücksicht auf das Alter des Verurteilten von einer Ueberweisung an das Arbeitshaus ab. Von dem beschlagnahmten Geld wird man die „Hotelrechnung“ für den hiesigen Aufenthalt bestreiten. Soest, 1. Juni. Nachsieben Jahren Cin Gutsbesitzer im Kreise Soest sandte im Jahre 1915 ein Feldpostpaketchen zum Balkankriegsschauplatz. Jetzt, also nach sieben Jahren, ist das Puletchen als unbestellbar zurückgekommen. Der Inhalt, 250 Zigaretten, war unversehrt. Münster, 1. Juni. Gerechte Bestrafung für Milchpantscherei. Der Landwirt Th. Eigener Depeschen dienst. Pfingsturlaub. XUI. Berlin, 2. Juni. Der Reichskanzler tritt heute seinen Pfingsturlaub an. Er begivt sich nach Freiburg und von da aus zu kurzem Aufenthalt nach Constanz. Schließlich noch nach Stuttart, wo er der Württemberger Regierung einen Besuch abstattet. Der Reichspräsident begibt sich zu einem etwa dreiwöchigen Urlaub nach Freudenstadt. Von Freudenstadt aus wird er die Münchener Gewerbeschau am 12. oder 13. d. M. besuchen. Auch Reichsfinanzminister v. Richter und der preußische Kultusminister Boelitz werden in Köln eintreffen, um dem Kardinal Dr. Schulte einen Besuch abzustatten. Ausgeschlossen! TU. Berlin, 2. Juni. Der sozialdemokratische Schriftsteller, Prof. Lensch, ist als stellvertretender Hauptschriftleiter in die Stinnes gehörige„Deut sche Allg. Ztg. eingetreten. Wie eine Korrespondenz hört, wird nunmehr der Zentralvorstand der sozialdemokratischen Partei sich mit dem Fall Lensch beschäftigen. Es ist wahrscheinlich, daß das Ausschlußverfahren gegen Lenfch eingeleitet wird. Wie werden sich aber die führenden Geister dait abzufinden suchen, daß der nach dem verstorbenen Geiverkschaftsführer Karl Legien genannte Dampfer von Hugo Stinnes erbaut wurde und diesen Namen erhalten hat, und getauft wurde in Präsident Eberts Anwesenheit. Amerika lehnt auch Haag ab. TII. Paris, 2. Juni. Aus Washington wird gemeldet: Das amerikanische Außenamt hat mitteilt, daß die amerikanische Regierung die aml liche Einladung zur Teilnahme an der Konferenz im Haag und zur Entsendung von Vertretern mit einer Ablehnung beantwortet hat. 8 Gaikizierelal. Roman von Reinhold Ortmann. (Nachdruck verboten.) „Wir müssen es kurz machen, Cäsar!— Henry erwartet mich. Und da er noch heute nach Berlin zurück will, hat er nicht viel Zeit zu verlieren. Es bereitet dir hoffentlich keine Unbequemlichkeiten, mein in deiner Verwaltung befindliches Vermögen bis morgen flüssig zu machen.“ „Es wäre in jedem beliebigen Augenblick zu deiner Disposition. Aber du gestattest mir vielleicht die Frage, wozu du seiner bedarfst.“ „Ich habe Henry gebeten, es von nun an für, mich zu verwalten.“ „Oder— mit anderen Worten— es zur Bezahlung seiner Schulden zu verwenden.“ „Ich habe die Art der Anlage in sein Belieben gestellt und ihn gebeten, mich von nun an gewissermaßen als eine Teilhaberin seines Geschäfts zu betrachten.“ „Und du glaubst, daß ich dazu meine Hand bieten,— daß ich ihm behilflich sein werde, dich um deinen gesamten Besitz zu bringen?“ „Ich verstehe dich nicht, Cäsar!— Mein Geld wird in Henrys Händen doch wohl ebenso sicher sein, als das deinige es gewesen wäre." Er machte eine geringschätzige Handbewegung. „Sicher?!— Ich hätte nicht erwartet, auch nur einen Pfennig davon zurückzuerhalten. Was ich zu tun bereit war, sollte einzig für die Ehre des Namens Frederiksen geschehen. Einem Fremden würde ich unter gleichen Umständen nicht den hundertsten Teil der Summe gegeben haben.“ „Nun wohl,“ entgegnete sie ruhig.„Auch für mich ist mein Bruder ja kein Fremder. Und die Ehre des Namens Frederiksen liegt mir nicht weniger am Herzen als dir oder deiner Großmutter.":.„„„ „Aber du hast keine Verantassung, sie mit allem zu bezahlen, was du dein eigen nennst. Und ich will nicht, daß du dich von unzeitigem Mitleid zu einer so törichten Handlungeweise hinreißen läßt. Wenn nicht sein eigenes Gewissen deinem Bruder verbietet, ein so ungeheuerliches und unsinniges Opfer anzunehmen, so muß er eben auf andere Weise daran verhindert werden.“ „Ich erkenne deine freundliche Absicht dankbar an, Cäsar — aber ich war mir vollkommen klar über das, was ich tat, als ich Henry bat, sich meines Vermögens zur Abwendung der ihn bedrohenden Gefahren zu bedienen. Und jetzt, wo es sich um eine bestimmte Abmachung handelt, wäre auch gar nichts mehr daran zu ändern. Ob ich mein Erbteil zu irgendeiner Zeit von Henry zurückerhalte, oder ob ich es verliere— auf dich könnte ja niemals eine Verantwortung dafür fallen. Denn ich bin volljährig und kann mit meinem Besitz nach eigenem Ermessen schalten.“ „Gewiß, ich habe kein Recht, dir dein Vermögen vorzuenthalten. Aber du hast mich doch wohl bis zu dieser Stunde nicht lediglich als deinen Bankier, sondern ein wenig auch als deinen aufrichtigen Freund angesehen. Und als dein Freund sage ich dir, liebe Helga, daß du im Begriff bist, eine verhängnisvolle, eine nie wieder gut zu machende Torheit zu begehen. Verhängnisvoll besonders deshalb, weil du deinem Bruder damit den allerschlimmsten Dienst leistet. Er wird dir gesagt haben, daß es ein Leichtes für ihn sei, sich wieder emporzuarbeiten, sofern er nur die augenblickliche Krisis mit Anstand überwindet. Aber sein Optimismus ist leider ohne alle innere Berechtigung. Und ich kann dich auf Grund meiner besseren Kenntnis der Menschen und der Verhältnisse versichern, daß sich Henry in einem höchst unglücklichen Irrtum befindet. Das einmal erschütterte Ansehen eines Kaufmanns läßt sich nicht über Nacht wieder befestigen. Und für die Leute, auf deren Vertrauen er angewiesen ist, bedeutet es keinen allzu wesentlichen Unterschied, ob er in betrügerischer Absicht oder in grober Fahrlässigkeit der Mitschuldige seines diebischen Kompagnons geworden ist. Er wird dessen bald genug inne werden. Und wenn er erst einmal zu der Ueberzeugung gelangt ist, daß sich mit den Mitteln einer soliden Geschäftsführung das verlorene Terrain nicht zurückgewinnen läßt, wird er seine Zuflucht zu anderen Praktiken nehmen.— Du darfst nicht ungeduldig werden, Helga,“ bat er, da sie bei seinen letzten Worten wie in unmutiger Abweisung den Kopf zurückwarf,„und du darsst nicht als Härte und Lieblosigkeit ansehen, was ich da sage. Henry ist gewiß kein schlechter oder unredlicher Mensch; aber er wird künftig ebensowenig ein guter Kaufmann sein, als er es bis heute gewesen ist. Und das Bewußtsein, dir für dein geopfertes Vermögen verantwortlich zu sein, der moralische Zwang, dich vor schwerem Verlust zu bewahren, wird ihn nur um so schneller ins Verderben treiben.“ „Heute kann er sich damit entschuldigen, oaß er leviglich das Opfer einer— allerdings schwer verzeihlichen— Vertrauensseligkeit geworden sei," fuhr Cäsar fort. In einem Jahre aber— vielleicht etwas später, vielleicht nuch schon etwas früher—. wird er keine andere Entschuldigung mehr haben als die, daß eine törichte Willfährigkeit ihn in den Stand gesetzt hat, auf der falschen Bahn zu verharren.“ „Du hast, wie es scheint, eine sehr geringe Meinung von Henrys Charakter. Und trotzdem wolltest du ihn im Dienst deines Hauses verwenden?" „Ich wollte ihn auf unsere Plantagen nach Samoa schicken, und ich meine, daß er gut getan hätte, meinen Vorschlag anzunehmen. Er würde dort sicherlich manches von dem gelernt haben, was ihm jetzt noch zu einem tüchtigen Menschen fehlt.“ „Er sah deinen Vorschlag anders an, Cäsar!— Nach seiner Auffassung war es euch einzig darum zu tun, ihn aus Deutschland zu entfernen.“ „Auch dieser Wunsch hatte einigen Anteil an meinem Anerbieten— ich leugne es durchaus nicht. Aber ich gedachte, den wahren Interessen deines Bruders damit nicht weniger zu dienen als denen der Familie. „Und ist dir nicht zum Bewußtsein gekommen, daß er alles, was du für ihn tun wolltest, nur noch als ein unter lästigem Zwange gespendetes Almosen ansehen konnte, nachdem du ihm in der kränkendsten Form jeden weiteren Verkehr mit Margarete verboten?“ Der Konsul ließ die Enden seines wohlgepflegten Backenbartes leicht durch die Finger gleiten. GFortsetzung folgt)— Pfingssti .. Pfingsten ist das eigenlickhe Ze. kämpfe im Freien, denn von allersher drungteesi nach langer Winterszeit an dieem Frählings est ei zu regen. Fast alles, was sic, heure noch an Pinz erhalten hat, sind solche Spieke. So lebt z. 3 die al:# der Vermählung der Erde mit Himmel und Tonne in tem „Dornröschenspiel“, fort, das noch in einigen Neuen Deutschlands zu Psingsten begangen wird; aus dem Einzug des Maikönigs ist der des Schätzentönigs geworden, denn auch die früher stets zu Pfingsten geseierten Schützenfeste sind noch ein Ueberrest der Maiseier. Ja selbst die um das Pfingstfest herun wieder einsetzenden Wettrennen sind letzten Endes nur ein Nachtlang jener Wettspiele, bei denen die Pferdejungen das Austreiben des Viehs durch ein Rennen verherrlichten. An den alten Maibaum, der zu Pfingsten aufgepflanzt wurde, erinnert noch die mit allerlei Kram behängte Kletterstange auf den Jahrmärkten, und so ist vieles zur komischen Unterhaltung geworden, was früher tiessinnige Sitte war. Besonders zahlreich waren zu Pfingsten die Reiterspiele, in denen die Bauern noch einen letzten Rest ritterlichen Treibens festhielten. So wurde das Kranzreiten im Kreise Minden und im Harz gefeiert; dabei suchten die Burschen im raschen Ritt einen auf freiem Platz ausgesteckten Blumenkranz abzustreisen. Das Tonnenspiel, bei dem die Reiter nach einer an einem Strick aufgehängten Tonne schlagen und der Sieger sie herabwirft, ist noch in Pommern üblich. Ein uraltes, sohon in der Magdeburger Schöppenchronik von 1281 erwähltes Pfingstvergnügen ist das noch jetzt in Dithmarschen geübte Rolandreiten, bei dem das Ziel der Roland ist, eine auf einer Säule sich drehende lebensgroße Figur, die in dem einen ausgestreckten Arm ein scheibenförmiges Brett, in dem anderen einen Beutel von Asche hält. Die Vorbeireitenden bringen durch einen Stoß gegen das Brett den Roland in eine treisende Bewegung, wobei die Langsamen und Ungeschickten dann von. dem herumsahrenden Aschenbentel deutlich gezeichnet werden. Aehnlich ist das Hahnenreiten, bei dem ein hölzerner Hahn, der auf einem Pfahl mit einem Schraubengewinde befestigt ist, heruntergeschlagen werden muß. Auf eine mittelalterliche höfische Sitte geht das Ring= reiterspiel zurück, das manches Dorf in Schleswig noch kennt. So müssen bei dem zu Sonderburg auf Alsen gefeierten Fest die Reiter Mann für Mann die Rennbahn durchtraben und nach drei verschieden grossen, an einem Seil befestigten Ringen stechen. Wer den größten Ring herabgeholt ist„König“, der Gewinner des zweiten„Kronprinz“, der des dritten„Kammerherr“. In der Niederlausitz heißt das Wettreiten Stollenreiten, weil die Mädchen zur Feier einen Stollen genannten Kuchen backen. Diese Reitspiele, bei denen auch die lustige Person in der Gestalt des schlechtesten Reiters nicht seh.t, werden mit anderen Wettspielen verbunden, so mit Wettlausen, Wettringen, mit Kegelsesten usw. Für das scleinere Geschlecht ist das Hahnenschlagen vorgesehen, bei dem die Mädchen mit verbundenen Augen mit einem Dreschfleget auf einen unter eine Satte gesetzten Hahn schlagen; wer die Satte zertrümmert, erhält den Hahn. Ein Welilauf der Mädchen ist das im Hildesheimer Land zur Pfingstzeit geübte Tuchlausen; es heißt so nach den beiden auf dem Baum hängenden bunten Tüchern, die die Preise darstellen. Achnlich ist das im Havelland heimische Tuchschieben; es steht mit einem Kegeln in Zusammenhang, und wer dabei bis Abend 6 Uhr die meisten Punkte hat, erhält ein buntes Umschlagtuch, das er seiner Liebsten schenkt. Ein Kegelspiel ist auch das„Hammelbozel“ oder Hammelschmeißen in der Mark; der Sieger erhält als Preis einen Hammel den die Mädchen des Dorfes mit einer weißen Decke und einen Blumenkranz angeputzt haben. Die Beziehung dieser Kegelfeste zu der alten Pfingstund Maifeier zeigt sich am deutlichsten in dem böhmischen Keilputzen; hier ist die Kegelbahn mit Birlenästen, den Maien, ausgeputzt, und der beste Kegler erhält als Preis eine schöne Birke mit einem seidenen Tuch und einem Blumenstrauß. Sonst sind die Pfingstspiele vielfach aus Umzügen entstanden, die bei der alten Maiseier stattfanden. Diese Umzüge tragen bisweilen noch den Namen„Pfingstgelag“, und natürlich spielt das„Pfingstbier“, aus einem mit Maiengrün geschmückten Fas gespendet, eine Hauptrolle. Erinnerungen an die alten Pfingstreihen sind die verschiedenartigen Tänze, so z. B. der im Harz stattfindende „Birkentanz“, der um eine auf dem Dorfplatz errichtete Birke aufgeführt wird. Ueberreste der alten Maiseier sind ebenfalls die das Pfingstfest verschönenden Brunnen= und Blumenfeste, wie das Rosenfest in Kapellendorf bei Weimar oder das von Fontane so anmutig geschilderte„Möstefest“. in Rheinsberg: sie sind meist zu Kinderfesten geworden und mit all dem Reichtum der verschiedenen Pfingstspiele ausgestattet Rund um Berlin. Ein Schiedsspruch für die städtischen Angestellten und Arbeiter. Die Berliner städtischen Angestellten und Arbeiter, die erst vor kurzem beträchtliche Lohnerhöhungen durchdrückten, erzielten durch das Schiedsgericht des Reichsarbeitsministeriums einen neuen Schiedsspruch, welcher der Stadt Berlin allein für den Monat Mai eine Mehrausgabe von 34 Millionen Mark kosten wird. Natürlich müssen nun wieder die Gas=, Wasser= und Elektrizitätstarife erhöht werden. Die Schraube. ohne Ende dreht sich also rüstig weiter. Wann wird es einmal zu einem Stillstand in dieser trostlosen Entwicklung kommen? Die bei Fällung des Schiedsspruchs anwesenden Vertreter des Magistrats behielten sich Erllärungen zu diesem Schiedsspruch vor. Auch die Vertreter der Arbeiter gaben keine Ertlärungen ab. Sie sollen innerhalb 14 Tagen erfolgen. Die Bluttat in der Prenzlauer Straße. Die Erregung über den Lustmord, dem die kleine Dorothea Schmidt aus der Prenzlauer Straße 3 in Berlin zum Opfer gefallen ist, hat sich nach dem Bekanntwerden auch in der weiteren Umgebung des Tatortes ungeheuer gesteigert. Zur Aufklärung des Verbrechens erließ das Berliner Polizeipräsidium eine amtliche Bekanntmachung, in der 10 000 Belohnung ausgesetzt werden. Nach den bisherigen Feststellungen wurde das Kind von einem unbekannten Mann in den Keller des elterlichen Hauses gelockt und dort durch Messerstiche so schwer verletzt, daß es wenige Minuten später starb. Eine Hausbewohnerin hatte das beobachtet, ging aber weiter, da sie nichts Böses ahnte. Einige Minuten r* rete das Kind unter wimmernden Lauten bent i und nach der Mutter rusend auf die Stea # in den Laden, wo es bewußttlos zKammenbract. ern eisten mit dem Kinde zu einem im münen en Aret, der aber nur den inzwischen bereite Tod feststeilen konnte. Die erste ärzt#i# heirete itigung der Leiche ergab, daß das Kind vier tiese Messerseiche in die Brust erhalten hatte, von denen zwei das Her; verletzt hatten. Das linke Handgelenk war mit einem tarsen Messer glatt durchschnitten, so daß die Hand nur noch lose am Unterarm hing. Unterhalb des Ellenbogens war ein weiterer sehr tiefer Einschnitt. Ferner wies der Künner noch weitere tiese Sliche auf. Atte Ki r Tage tem Munermer annter Mirs, Wrire, ser f1 b.sn: boie am Lansberg noin am Sterbeta. sischen Mucitverlage Vertag wissen ie wortete Teire:„Sie geben.“— Das kar Corvens Aus dem Reiche. + Der Deutsche Landwirtschaftsrat trat am Dienstag zu seiner 50jährigen Jubiläumstagung unter starter Teilnahme aus dem ganzen Reiche in München zusammen. Vertreten waren das Reichsernährungsministerium, die Regierungen von Prentzen, Hessen, Brannschweig, Lippe und Bayern. An Stelle des erkrankten Präsidenten Staatsministers Dr. Freiherr von Schorlemer eröffnete der erste Vizepräsident des Deutschen Landwirtschaftsrates, Landesökonomierat Mittermeyer die Tagung mit einer Begrüßungsansprache. An Freiherr von Schorlemer und Dr. Heim wurden Begrüßungstelegramme gesandt. Es folgte eine Reihe von Ansprachen. Reichsernährungs= minister Fehr überbrachte die aufrichtigen Glückwünsche der Reichsregierung zur 50jährigen Jubilänmstagung. Der hayerische Ministerpräsident Graf Lerchenfeld übermittelte jene der baverischen Staatsregierung. Dr. von Mehnert, Präsident des Deuischen Lanbwirtschaftsrates dankte für die Einladung nach Bayern und gab dem Wunsche Ausdruck, daß das Reich noch einmal am bayerischen Wesen genesen möge. Die Festrede hielt der Hauptgeschäftsführer, Professor Dr. Dade=Berlin, der über die Agrarpolitik in den letzten 50 Jahren und die Tätigleit des Deutschen Landwirtschaftsrates auf diesem Gebiet. sprach und lebhaften Beifall für seine Ausführungen erntete. Des weiteren beschäftigte sich die Tagung mit einer Reihe von Wirtschaftsfragen. Es wurden Entschließungen angenom men, in denen darauf hingewiesen wird, daß der Deutsche Landwirtschaftsrat sich einmütig auf den Boden des Hilfswerks der deutschen Landwirtschaift stellk, aber auch darauf aufmerksam macht, daß die Erneuerung der Getreidenmlage äußerste Die Ge 1922=23 die Durchführung des Hilfswerks Auf das erschweren, wenn nicht unmöglich machen würde. ..“ In Lundsberg a. d. Warthe starb N. Agz.“ zufolge der Komponist „Atte Kameraden“ und vieler anderer Karl Teise, im Alter von 60 Jahren. ien Verhaltnissen lebte, war KreisLandgericht. Der Komponist erhielt Auftrag eines bekannten franzöAls man ihm übersetzte, daß der ste, welche Summe er verlange, antsollen uns Elsaß=Lothringen wiederin der Tat eine treffende Antwort! 1100= Jahr=Feier. Die älteste christliche Niederlassung im heionischen Tachsenlande, die alte gefurstete Abtei Corvey, und mit ihr die Stadt Hörter feiern in diesem Sommer ihr 1100jähriges Bestehen. Ange gejastt ist eine große kirchliche Feier am Vitussonntag, 18. Juni, dem Festtag des alten Klosterschutzheiligen, und für den 19. Juni das Heimatfest der ehemaligen schönen Hausestadt. Hörter. Die Erhöhung der Kransenversicherungsgrenze. Der Reichstagsausschußt für Sozialpolitik nahm den Gesetzentwurf über die Versicherungspflicht in der Krankentasse an, wobei er die Grenze der Versicherungspflicht von 40000 auf 72000 zA heraussetzte. Die Auftragezeit der alten blauen Uniformen. Ende September läuft die Auftragezeit für die alten blauen Uniformen des Friedensheeres, deren Weitertragen den Offizieren seinerzeit erlaubt worden war, endgültig ab. Mit einer Verlängerung der Auftragezeiten ist in keinem Falle zu rechnen, da diese Uniformen bereits während des Krieges im Herbst 1915 abgeschafft worden sind. Ein französisches Flugzeug über Sachsen? I Dresden wurde vor einigen Tagen ein französisches Flugzeug, dessen Ringkokarde deutlich sichtbar war, und dessen Ausrüstung mit photographischem Apparat ebenfalls einwandfrei festgestellt wurde, beobachtet. Die sächsische Regierung hat die Angelegenheit, die zur Zuständigkeit des Reiches gehört, dem Auswärtigen Amein Berlin bereits mitgeteilt. + Liebliche Polen! In der Nacht zu Dienstag wurden in Tarnowitz Platate angeschlagen, in denen aufgefordert wird, für jeden Angriff auf polnisch Gesinnte, wie sie angeblick in letzter Zeit häufiger von„deutschen Fanatitern“ ausgeführt worden sein sollen, an einem Reichsdeutschen (Heimattreuen) Vergeltung zu üben. Arilder Vergarbeiterstreik. Im Ober= und Unterharz hat sich ein wilder Bergarbeiterstreik entwickelt. Die fiskalischen Betriebe im Unterharz ruhen vollständig, und eheitet mur nach eine Porainspektion. In erschweren, wenn nicht unmöglich machen würde,##### fiskalischen Betriebe im Unterharz ruhen vollstän treideumlage in der vorjährigen Form bedeute eine äußerst, auch im Oberharz arbeiter nur nom eine Berginspektion. ungerechte Sonderbesteuerung der Landwirtschaft und ihre Wiederholung könne nicht ertragen werden. Zu einer Verbilligungsaktion für die minderbemittelten Bevölkerungskreise mit Brotgetreide sei die Landwirtschaft unter der Voraussetzung bereit, daß gleithermaßen die leistungmähigen Schichten aller Erwerbsstände herangezogen würden. Der Deutsche Landwirtschaftsrat empfehle die Beschaffung einer Getreidereserve zum Marktpreis im freien Verkehr.— Reichsernährungsminister Fehr erklärte in Verteidigung des Standunnstes der Reichsregierung in der. Frage der neuen Umlageerhebung, sei es zu bedenken, daß man in diesem Jahr eine welentlich schlechtere Ernte bekommen würde, und dast es überhaupt schwer fallen würde die Brotversorgung durchzufähren, weil eine stärkere Spekulation als je mit Irotgetreide eintreten werde. Damit drohe die allgemeine Brotverkorgung in großte Gefahr zu kommen. Deshalb habe sich die Reichsregierung auf den Standpunft gestellt, daß zur Sicherung der Brotversorgung Brotgetreide in der gleichen Menge wie im Vorjahre erfaßt und der versorgungsberechtigten Bevölkerung zu erträglichen Preisen zur Verfügung gestellt werden müsse. Bei den Verhandlungen in der Reichsregierung habe er keinen Zweifel gelassen, daß die Preise für dieses Umlagegetreide die Produktionslosten decken müßten. Im Entwurf der neuen Getreideverordnung würden Bestimmungen festgelegt, die die Möglichkeit bieten, den Kreis der mit Markenbrot zur Versorgenden zu beschränken. Das Wichtigste sei die Frage der Preisbildung, die sich noch im Stadium der Erwägungen befinde. Er werde bestrebt sein, alle Ungrrechtigkeiten zu beseitigen. Er wolle sein Programm nicht in der Zwangswirtsclaft, sondern in der Produktionsförderung suchen. + Keine Zuckerinweisung mehr Dem Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft und der Reichszuckerstelle gehen noch immer zahlreiche Anträge auf Zuweisung von Zucker und auf Einfuhrbewilligungen für Zucker zu. Das Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft weist darauf hin, daß die Reichszuckerstelle ihre Tätigkeit eingestellt hat, und daß. nachdem im letzten Herbst die öffentliche Bewirtschaftung des Zuckers ausgehoben worden ist, eine behördliche Zuweisung von Zucker nicht mehr stattfindet. Ebenso sind. Anträge auf Einfuhrbewilligungen für Zucker nicht mehr erforderlich, nachdem in den letzten Tagen durch Anordnung des Reichsministeriums für Ernährung und Landwirtschaft die Einfuhr von Zucker bis auf weiteres freigegeben worden ist. + Der Verhand Deutscher Elektrotechniker hielt dieser Tage in München seine Jahresversammlung ab. Dabei hielt Generaldirektor Werner von den SiemensWerken eine Rede, in der er auch die politischen Fragen streifte. Unter lebhafter Zustimmung äußerte Redner, daß mit dem deutscherussischen Vertrag die Reichsregierung endlich einmal nach langen Jahren den Mut zu einer Tat aufgebracht habe. Gerade in diesem Mut liegt das wertvollste Moment des Vertrages. In seinen weiteren Ausführungen forderte Generaldirektor Werner rückhaltloses und furchtloses Auftreten gegenüber der französischen Verhetzung und Verleumdung und nannte die Sanktionen eine Verschleierung unerhörter Rechtsbrüche. Das deutsche Volk lebe nicht in Saus und Braus, sondern arbeite in Bescheidenheit. Die wahnsinnigen Milliardenlasten könnten von ihm nicht ertragen werden.— Die Rede wurde mit stürmischem Beisall ausgenommen. + Die„Internationale des Post=, Telegraphen= und Telephonpersonals“ hält ihren 2. Kongreß in der Zeit vom 17. bis 22. August d. J. in Berlin ab. Mit dem Kungreß wird ein internationaler Telegraphistenwettstreit verbunden sein, den das Reichspostministerium unter Führung des Staatssekretärs Dr. ing. Bredow leiten wird.— Die Internationale Vereinigung des Post= und Telegraphenperjonafs will neben der Behandlung gemeinschaftlicher Standesfragen, sowie sozialer und Wohlfahrtsangelegenheiten des Post= und Telegraphenpersiinals den Wettverkehrsinteressen dienen und damit gleichzeitig der Völterverständigung und dem Wiederaufbau. der Besuch des Reichepräsidenten in München und Oberammergau ist nunmehr auf den 12. und 13. Juni festgescht. Aus aller Welt. Die Schlußseier des Eucharistischen Kongresses in Rom fandgam Dienstag in der Peterskirche statt. Von Tausenden von Kongreßteilnehmern jubelnd begrüßt, erschien um 11 Uhr der Papst auf der Sedia gestatoria(Tragsessel) unter dem Schall silberner Trompeten in der Basitila und zelebrierte am Hauptaltar ein Hochamt mit Tedenm. Den Segen spendend, ließ sich dann der Papst bis an das Eingangstor der Peterskirche tragen, worau der Zug in die päpstlichen Gemächer zurückkehrte. Etwa 30 Kardinäle, 400 Bischöse und das Diplomatische Korps beim Heiligen Stuhle wohnten der Feier bei. Aus dem Gerichtssaal. Wegen Kindesmißhandlung waren der Arbeiter Bruno Wilde und seine Chezrau Margareir von einem Beiliner Schöffengericht zu je 6 Monaten Gefängnis vernrteilt worden. Gegen das Urteil hatten beice Bernfung eingelgt, die aber von der Strafkammer des Vertiner Landgericht: 1 kostenpflichtig abgewiesen wurde. Beide Ehelente hatten den jetzt 3 Jahle alten vorehelichen Keabn der Frau Wilde in geradezu bestialischer und lebensejährdender Weise mishandelt. Vermischtes. Andersens Ofenschirm. In unserer Zeit der Armut müssen wir auch wieder lernen, aus Dingen, die uns frühor wertlos erschienen, Frenden zu schöpfen. So dürfen wir Bilder aus Zeitschriften, Geschäftstatalogen und Glückwonnschlarten, die man achtlos in den Papierkorb wandern ließ, nicht mehr fortwersen, sondern sollten ihnen die Ausmerksamkeit zuwenden, die sie in bescheideneren Epochen janden. Ein rührendes Beispiel für solche„Andacht zum Kleinen“ ist der dänische Märchendichter Andersen, der nie in seinem„Dasein etwas weggeworfen hat, was ihm nur halbwe.:: gesiel. Sein Leben lang hat er alle möglichen Vildchen gesammelt und daraus kleine Kunstwerke gemacht, bis er schlieflich am Abend seines Erdenwallens jenen wundervollen Ofenschirm verfertigte, von dem Mathilde von Leinburg in„Ueber Land und Meer" erzählt. Der großfe Kinderfreund scheukte seinen kleinen Verehrern und Verehrerinnen ganze Bilderbücher, die er selbst zusammengesteilt hatte. Einige Proben dieser Dichtergeschenke sind im Andersen Museum zu Odense aufbewahrt. Da erzählte er im Bilderbuch der kleinen Charlotte zu den eingeklebten Illustrationen lustige Geschichten, und in dem der kleinen Marie lästt er sie gar eine Rede machen mit zum Abschied blasenden Musikanten, dahinsausendem Postwagen und tanzenden Häusern. Da er sich alle Bilder aus Zeitschriften mit der größten Sorgsamleit ausschnitt, so gewann er allmählich eine große Uebung, und hatte die beste Vorschule für das Sithonettenschneiden, indem er es zu einer hervorragenden Kunst brachte. Die„Erzählungen einer kleinen Schere“, die aus seinem Nachlaß Proben einer Silhonettenkunst brachten, sind in ihrer gemütvollen Anmut seinen Märchendichtungen ebenbürtig. Als schließlich Alter und Krankheit den Dichter in langen einsamen Stunden ans Haus fesselten, da kramte er noch einmal unter seinen Papieren und Herrlichkeiten und beklebte mit seinen weißen durchsichtigen Händen einen Ofenschirm über und über mit Bildern, die er aus Zeitschriften ausgeschnitten hatte. Er ordnete die vier, je aus zwei Teilen bestehenden Flüges dieser spanischen Wand nach Ländern: zwei Teile Orient, wei Teile Dänemark, ein Teil Schipeden und Norwegen, ein Teil Deutschland, ein Teil Frankreich und ein Teil England. Unter den berühmten Dänen hat er auch sein eigenes Bild angebracht. Er unterhielt sich mit den Porträts und ging auf den Landschaften im Geiste spazieren und gewanz so aus diesen soilichten Bildchen reiche Anregung für Phantazie und Geist. 9 M Bekanntmachung Bezirke der Stadt Schwerte. betreffend die Erhebung einer Hundesteuer im Auf Grund der§§ 16, 18 und 62 des Kommunalabagabengesetzes vom 14. Juli 1893 in der Fassung des Gesetzes vom 26. 8. 21(G. S. S. 495504) und des Beschlusses der Stadtverordnetenversammlung vom 10. Februar 1922 wird hierdurch nachstehende Ordnung betreffend die Erhebung einer Hundesteuer im Bezirke der Stadt Schwerte erlassen: S 1. Wer einen nicht mehr an der Mutter saugenden Gegen den Beschluß des Magistrats kann der Steuerpflichtige binnen 2 Wochen nach erfolgter Zustellung Klage im Verwaltungsstreitverfahren beim Bezirksausschuß zu Arnsberg erheben. § 9. Durch die Einlegung von Rechtsmitteln wird die Verpflichtung zur Zahlung der Steuer nicht aufgehoben. Die Einziehung erfolgt, wenn die Steuer nicht innerhalb zwei Wochen nach der Heranziehung gezahlt wird, im Verwaltungszwangsverfahren. S 10. Steuerpflichtige, welche den Vorschriften der Steuerordnung zuwider übergangen, steuerfrei geHund hält, hat dafür eine Steuer von jährlich 40 blieben oder zu niedrig veranlagt sind, haben die # zu entrichten. Die Zahlung erfolgt in zwei Steuer nachträglich zu entrichten. Diese VerpflichHalbjahrsraten und zwar innerhalb der ersten 14 tung verjährt mit Ablauf von drei Jahren nach Tage des Halbjahres an die Stadtkasse zu Ablauf des Rechnungsjahres, in welchem die For(L. Schwerte. Das erste Halbjahr umfaßt den Zeitraum vom 1. April bis 30. September. Es ist dem Steuerpflichtigen gestattet, die Steuer für das ganze Jahr in einer Summe im Voraus zu entrichten. Hat jemand mehrere Hunde, so hat er für den zweiten 75 M, für den dritten 100 M und für jeden weiteren Hund 100 c an Steuer fürs Jahr zu entrichten. S 2. Für einen Hund, welcher im Laufe des Halbjahres(§ 1) steuerpflichtig wird oder angeschafft Zwangsvollstreckung. worden ist, muß die volle Steuer für das laufende Halbjahr binnen einer Frist von 2 Wochen nach der Heranziehung zur Steuer entrichtet werden. Wer einen bereits versteuerten Hund erwirbt oder mit einem solchen neu anzieht oder einen Hund an Stelle eines eingegangenen oder abgeschafften versteuerten Hundes erwirbt, darf für das laufende halbe Jahr die gezahlte Steuer auf die zu zahlende in Anrechnung bringen. § 3. Wer einen steuerpflichtigen Hund hält oder anschafft, oder wer mit einem solchen Hunde neu anzieht, hat davon binnen 2 Wochen noch Beginn der Steuerpflicht dem Magistrat unter Angave des Alters, Geschlechts, der Rasse, der Farbe und evtl. des Vorbesitzers Anzeige zu machen. § 4. Die Steuerpflicht beginnt: 1. bei neu angeschafften Hunden mit dem Tage der Anschaffung, 2. bei neu geborenen Hunden mit dem Beginn des 4. Monats nach der Geburt, 3. für Hunde, die von Neuanziehenden gehalten werden, mit dem Tage des Anzuges. Sie endet mit Ablauf des Halbjahres, in wel chem der Hund eingegangen, abgeschafft oder abhanden gekommen oder aus dem Gebiet der Stadt entfernt ist. § 5. Züchter, die sich verpflichten, ihren Zwinger sowie ihre Zuchttiere und die von ihnen gezüchteten Hunde in ein vom Kartell der stammbuchführenden Spezialklubs vder von der Delegierten=Kommission anerkanntes Zucht= oder Stammbuch eintragen lassen, unterliegen einer Zwingersteuer von 100 M für jeden Hund. § 6. Der Steuer unterliegt nicht: 1. das Halten von Jagdhunden durch die staatlichen und Gemeindeforstbeamten, 2. das Halten von Polizeihunden durch Polizeibeamte, sofern sie eine Bescheinigung der vorgesetzten Dienstbehörde darüber beibrinbringen, daß sie den Hund im dienstlichen Interesse halten. Für mehr als einen Hund wird einem Polizeibeamten die Steuerfreiheit nicht gewährt, 3. das Halten von Hunden, welche zum Gewerbebetrieb oder zur Bewachung unentbehrlich sind. Die Unentbehrlichkeit ist hinsichtlich der Bewachung in folgenden Fällen ohne weiteres anzunehmen: a) bei den Kassenräumen öffentlicher Kassen, auch wenn sie sich in Privatgebäuden befinden, b) bei einzeln belegenen Gebäuden. Als solches ist jedes Gebäude schon dann anzusehen, wenn es nur von einer Familie bewohnt wird und vom nächsten bewohnten Nachbarhause mehr als 150 Meter entfernt ist. Als Entfernung wird die Luftlinie von Wand zu Wand gemessen. Beträgt aber die Luftlinie mehr als 100 Meter und die Wegeentderung entstanden ist. Auf die nachträgliche Heranziehung finden die Vorschriften der§§ 7—9 der Steuerordnung Anwendung. S 11. Zur Hebung gestellte Steuern, welche im Rückstande geblieben oder befristet sind, verjähren in vier Jahren vom Ablauf des Rechnungsjahres an, in welchem der Zahlungstermin fällt. Die Verjährung wird unterbrochen durch eine an den Zahlungspflichtigen gerichtete Zahlungsforderung, durch Stundung oder Verfügung der S 12. Zuwiderhandlungen gegen die§§ 3 und 6 Absatz 2 dieser Ordnung werden mit Geldstrafe bis zu 300 A bestraft. S 13. Diese Steuerordnung tritt am Tage nach ihrer ortsüblichen Bekanntmachung in Kraft. Am gleichen Tage wird die Ordnung betreffend die Erhebung einer Hundesteuer im Bezirke der Stadt Schwerte vom 1. August 1913 und Nachtrag vom 27. Februar 1920 aufgehoben. Schwerte, 10. Februar 1922. Der Magistrat. Rohrmann. Thoholte. Gott dem Allmächtigen hal es gefallen. Dienslag nachmillag unsere liede Mutter, Großmutter, Sawester, Schwägerin und Tante Ww. Anton Nolte geb. Dohle nach langem, mit Geduld ertragenem Leiden, plötzlich und unerwartet im Alter von 59 Jahren zu sich in die Ewigkeit zu nehmen. Dieses zeigen tiefbetrübt an Die trauernden Hinterbliebenen. Schwerte, Fröndenberg. Hüsten, Müschede, Sildach und Kley, den 31. Mai 1922. Die Beerdigung findet Samstag nachmittag, vom Sterbehause. Dortmunderweg 11, aus statt. Das Seelenamt ist Mittwoch, den 7. Juni, morgens 7,10 Uhr in der Pfarrkirche.— Die Versiordene war Mitglied des Marienvereins. Für das Kontor unserer Buchdruckerei mit Zeitungsverlag suchen wir einen strebsamen Knaben mit guten Schulzeugnissen zum baldigen Eintritt. Carl Braus,„Schwerter Zeitung“. Für die vielen Beweise inniger Teilnahme und die Kranzspenden beim Hinscheiden unseres lieben Entschlafenen sagen wir allen unsern tiefgefühlten Dank. ganntie hoseh Vonnlag. Buchholz bei Westhofen, den 2. Juni 1922. noch zu vorteilhalten Preisen, ferner echten G. A. Hanewacher-Kautabak Maschwits& Ostermann Hagener Straße 1. %% #1t Genehmigt. Arnsberg, 82. Mai 1922. Namens des Bezirksausschusses, Abt. 1. 5.) Der Vorsitzende. In Vertretung: gez. Schmaucks. eladimissionshaus, Kuhlle. Heute, Freitag 8½ Uhr spricht P ediger Kaiser aus Beul bei Vonn. Jedermann herzlich eingeladen. Schokoladen- u. ZuckerwarenGroßhandlung Hornbruch& Co., G. m. b. H., Schwerte(Ruhr) Markt 9 Billigste Bezugsquelle für Wiederverkäufer. Stets reichhaltiges Lager in den Erzeugnissen der ersten deutschen Fabriken. — Weskaud ud Fahrkkoreicen. e 35 In loothekenu besseren Drgerienemähtch Segen Fußschweiß und Wundlaufen Huhirol-Fußbad 14 ür Buchbinderei gesucht. Buchdruckerei Carl Braus. Knost=Kubel Tapeten B. A. 1 C. 3 48/22 2 Die Steuerordnung wird hierdurch veröffentlicht. Schwerte, 30. Mai 1922. Der Magistrat: Rohrmann. Hörde: Langestr. 10 Einzig dastehende Sehenswürdigkeit * Ia Liköre Erfrischungen * [Gut gepflegte Weine! Lichtspiele Zur Reichshrone Heute Freitag: Fortsetzung der großen internationalen Ringkampf-Konkurrenz Heute singen: Ernst Erlenkamp gegen Overdick Weltmeister Dortmund Meister v. Rheinland Tom jakson gegen Max Steinke-Bach Australien Pommern Gebhardt gegen Ritzler genannt der Löwe Weltmeister von Berlin Vor den Kämpfen: Das erstklassige Kinoprogramm: Bruno Kastner in seinem Großfllm Graf, Täczeein und Staatsanwalt. Vorverkauf 5 Uhr. Beginn der Kinovorstellung 8 Uhr, der Ringkämpfe 9¼ Uhr. Samstag, den 3 Juni, #vormittags 9 Uhr. wird auf der Freidank das einer Kuh sverkauft. 2454 Schlacht hofverwaltung Gut erhaltenes Nur moderne Neuheiten Farben Oele Lacke in la. Qualität Jos. Kölling Schwerte Markt 3. Suche zu sofort draves, fleißiges Mädchen s bei gutem Lohn : Frau Max Mehlhose am Postplaß zu kaufen gesucht. Zu Gut gelegenes erfragen in der Geschst der Schwerter Zeitung. 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Mehr als ein swachs usw.- Streichfertige Velfarben und Hund wird für dasselbe Besitztum nicht als Packfarben aller Rirt Hunde für welche Steuerfreiheit ges sliefert zu konkurrenzlosen Preisen in guter Qualität Punor, suut toriche Steuetsteiyen V##direkt aus dem Lager=Verkaufsraum! R. Mock, Lippstadt. 49 in Gaden! cht welche Lu Grumstüicks unentbeselis sind, Birfen(50l, Iim bürgerlichen außerhacb des Grundstücks, zu dessen Be= H. Haueisen, Haushalt auf dem Lande wachung sie dienen, nicht frei umherlaufen. Lack, und Farben= Industrie, Dortmundsetwas tätig zu sein. c. das Halten von Führerhunden für Blinde. Fernruf 8836, Brunnenstraße 16, im Hof, Gegr. 1907 Schöne gesunde Gegend. S 7.] Zu erreichen durch Linie Nr. 6 Näheres in der GeDie Veranlagung zur Steuer erfolgt durch(Haltestelle Heroldstraße). 111 8scästgstelle d. Iig. den Magistrat mittels besonderer Mitteilung aufsscht dem Steuerzettel. 6 vernichtet verblüsser Vegpessercd, gruchteg. in Apothehen und Drogerten am 31. 5. 2337,05 6122,30 1235.95 2524,30 am 1. 6. 2394,60 5972,50 1210,95 2476,90 100 belgische Franken“. 100 dänische Kronen.. 1 englisches Pfund.. 100 französische Franken 100 holländische Gulden 100 italienische Lire... 100 polnische Mark... 100 schwedische Kronen: 100 schweizerische Franken 5278,80 5203.45 100 tschechische Kronen.. 533.30 525.30 10711,55 10561.75 1443,15 1413,20 7191,—, 7056.15 S 8. Gegen die Veranlagung steht dem Steuerpflich=,„ kahn S0 6 tigen binnen einer Frist von 4 Wochen nach derszum sofortigen Eintritt gesucht.)„45 Pension zu verHeranziehung zur Steuer der Einspruch beim Ma=(apf(AvONE Iau: gistrat hier zu. Eusl Blaus=stah. u. B 12 postlag. W Kae Teiergeugen me M Nummer 128** Freitag, 2. Juni 1922 Anterhattungs Tenuge fur FThcerter Henluug 7 Fortsetzung. Melita. Roman von Rudolf Elcho. Nochdruck verboten. er trotz seinee glattrasierten Gesichts und seiner goldenen Brille zu einem Patriarchen auf und zum Pfleger des Familiengeistes. In Konsul Wismar hatte er einen fürstlichen Kaufmann von kühnem Mut und hochsliegenden Plänen gesehen, durch sein Schuldbekenntnis aber sank der Vater Melitas zu einem auf schwankem Brett stehenden Glücksritter herab. Frau Lütkens Befürchtung erhielt drei Tage später erschreckende Bestätigung durch einen aus Denver kommenden und an Wolfgang Fries gerichteten Brief. „Wer kann dir aus dem fernen Westen Amerikas schreiben?“ fragte dieser sich und blickte auf die Unterschrift des langen Schreibens. Ein Aufschrei der Ueberraschung entfuhr ihm. Der Brief kam von Max Liebreich, dem vormaligen Kassierer der Plantagen=Gesellschaft. Dem Empfänger stockte der Atem. Die Ahnung, daß ihm die klaren Schriftzeichen Unheilvolles enthüllen würden, kroch gleich einem kalten Nebelschwaden über sein Gemüt. Das Schreiben enthielt folgendes: „Durch eine deutsche Börsenzeitung, die mir von befreundeter Seite zuging, erfuhr ich, daß Sie, geehrter Herr, zum Direktor der Plantagengesellschaft Hammonia ernannt und mit der Sanierung der angeblich durch meine Veruntreuungen herbeigeführten üblen Verhältnisse der Gesellschaft betraut wurden. Sie werden mich also für einen infamen Betrüger halten, der mit dem gestohlenen Gelde in Amerika lustig lebt. Sollten Sie bei ihrer Sanierungsarbeit zu diesem Urteil gelangt sein, so muß ich Ihnen zurufen: Das Gegenteil ist der Fall! Ja, Herr Direktor, es ist endlich an der Zeit, daß ich das mir aufgezwungene Schweigen breche und mich verteidige: Nicht ich bin der Dieb und Fälscher, sondern Konsul Wismar. Er ist der intellektuelle Urheber aller Wechselfälschungen und Schiebungen; er hat den Reservefonds und dazu noch etwa 150000 Mark in die Tasche gesteckt. Mir hat er einige Brocken vom Raube abgegeben und mich dann mit lumpigen 10000 Mark und schönen Versprechungen nach Amerika geschoben. So wurde ich zum Sündenbock für seine verbrecherischen Taten. Sie werden fwagen: Wie ist das möglich? — Um Ihnen das zu erklären, muß ich Ihnen ein Unrecht eingestehen, das ich in jugendlichem Leichtsinn begangen habe: Bald nach der Ankunft des Konsuls in Hamburg hatte ich Beschäftigung in dessen Kontor gefunden. Derzeit verkehrte ich in liederlicher Gesellschaft und ließ mich— um einen Spielverlust zu decken— verleiten, eine Quittung zu fälschen und 200 Mark zu unterschlagen. Als die Fälschung entdeckt wurde, entließ mich der Konsul sofort, sah jedoch — auf meine flehentliche Bitte hin— von einer Bestrafung ab, ja, er stellte mir sogar ein leidlich gutes Abgangszeugnis aus. Vor 2½ Jahren überraschte er mich, der ich als Buchhalter einer Holz= und Kohlenhandlung das Vertrauen des Geschäftsinhabers gefunden hatte, durch den verlockenden Antrag, als Buchhalter und Kassierer bei der Hammonia einzutreten. Da diese Stellung eine weit einträglichere war, als meine bisher innegehabte, so willigte ich mit Vergnügen ein. Bald erfuhr ich, welche Absichten den großmütigen Herrn bei der Kassiererwahl geleitet hatten. Durch mehrere Fehlschläge und die Verschwendungssucht seiner Geliebten, der Frau Laurens, war er in Zahlungsschwierigkeiten geraten und mußte zum Betrug seine Zuflucht nehmen. Er aber ging schlauer zu Werke als ich: Er ließ mich die Kastanien aus dem Feuer holen. Mein Sträuben suchte er durch die Vorstellung, daß er den Fehlbetrag bald wieder ersetzen werde, zu besiegen, als ihm das aber nicht gelang, bedrohte er mich durch meine, noch in seinem Besitz besindliche Fälschung. Eingeschüchtert, gab ich nach und wurde zum willenlosen Werkzeug seiner schändlichen Absichten. Da er mir jedesmal einen kleinen Anteil von der unterschlagenen Summe abließ, so suchte ich meine Gewissenspein durch Ausschweifungen zu betäuben. Es kam die Zeit, wo sich die Unterschleife nicht mehr verdecken ließen, und da ich jeden sittlichen Halt verloren hatte, so ließ ich mich zur Flucht bewegen. Von, der letzten Beute gab er mir 10000 Mark ab und fügte das Versprechen hinzu, ich würde alljährlich die gleiche Summe erhalten. So nahm ich törichter, verblendeter Mensch die ganze Last der Schuld und Schande auf mich und fuhr erst nach England und dann nach Kanada. In Amerika ging es mir nach Verdienst. Ohne lohnende Beschäftigung zu finden, zog ich von Stadt zu Stadt. Hier in Denver geriet ich in eine Spielhölle und wurde total ausgeplündert. Nun sitze ich hier im Elend, und die Sehnsucht nach meiner Vaterstadt verzehrt mich. Vergeblich habe ich mich an Konsul Wismar um Unterstützung gewandt. Sein Wahlspruch: Leben und leben lassen, versagt. Wahrscheinlich hat die schöne Laurens, die schon ihren Mann durch Verschwendungssucht und Treulosigkeit zur Verzweiflung brachte, auch ihn ruiniert. Nun habe ich, den er— um dieses Weibes willen— in die Fremde jagte, keine Rücksicht mehr zu nehmen. Ich bin entschlossen, meine Schuld zu fühnen und werde ihn zwingen, ein Gleiches zu tun. Ja, Herr Direktor, ich bin bereit, nach Hamburg zurückzukommen und mich den Ge richten zu stellen. Ich werde die Schuld des Konsuls und die meine sonnenklar erweisen, gleichviel ob die Buße hart oder mild ausfällt. Lieber will ich in der Heimat krepieren, als hier durch Tagelohnarbeiten mein elendes Leben weiterfristen. Ich bitte Sie dringend, Herr Direktor, mein Schreiben der geschädigten Gesellschaft vorzulegen und mir die Rückkehr nach Hamburg zu ermöglichen. Sie werden sicher im Interresse Ihrer Gesellschaft handeln, wenn Sie auf mein Anerbieten eingehen.“ Als Fries noch die genaue Adresse Lieb. reichs am Rande des Briefbogens überflogen hatte, stöhnte er auf. Ihm war zumute, als gähne vor ihm ein Abgrund. Minutenlang saß er völlig gelähmt da. Erst als das Papier in seiner bebenden Hand knisterte, fuhr er vom Stuhl aus und breitete den Brief auf dem Schreibtisch mit einer Miege aus, als müsse er sich überzeugen, daß er nicht geträumt habe. Nein, die furchtbare Anklage wider Melitas Vater bestand und gab Aufschluß über so manche fragwürdige Dinge. Beruhten Liebreichs Angaben auf Wahrheit, dann verstand er Frau Wismars Schwermut und körperliches Leiden, dann wurde des Konsuls Schutz, den er Frau Laurens und deren Bruder angedeihen ließ. in eine trübe Beleuchtung gerückt, dann waren die Spende für die Hinterbliebenen der Feuerwehrleute und das glänzende Ballfest nur ein Mittel zur Verhüllung seiner üblen finanziellen Lage. Aber noch ein schlimmerer Verdacht kam dem Empfänger des Briefes: Möglicherweise zielte nicht nur des Konsuls Protektion, sondern auch Melitas liebenswürdiges Entgegenkommen darauf ab, ihn, den Bücherrerisor, zu betören, zu unterjochen. Bei diesem Gedanken schlug er mit der Faust auf den Tisch.„Wenn ein Vater dieser Schändlichkeit fähig——.“ Er brach ab und sagte nach kurzem Besinnen: „Nein, nein— das ist ja Unsinn. Nichts würde seine Tochter strenger von sich abweisen als Heuchelei.“ Es kostete ihn längere Zeit, um den Aufruhr in seinem Inneren zu ersticken und die notwendigen Schritte zu überlegen. Oldenpurg, dem er zunächst Liebreichs Brief vorzulegen gedachte, war durch ein Telegramm zu seiner plötzlich erkrankten Tochter gerusen worden und kehrte erst nach zwei oder drei Tagen zurück. Nach dessen Ankunft konnte eine Versammlung der Gesellschafter einberufen werden. Es widerstrebte ihm, die schwere Anklage gegen einen Unvorbereiteten zu erheben und nach langem Bedenken trat er ans Telephon und teilte dem Konsul mit, daß Liebreich brieflich schwere Anschuldigungen gegen ihn gerichtel habe, die er gleich nach Oldenpurgs Rückkehr diesem und den übrigen Gesellschaftern bekannt geben müsse. Damit er nicht unvorbereitet vor der Versammlung erscheine, sei er erbötig, ihm eine Abschrift des Liebreichschen Briefes einzusenden. Im Telephon wurde ein kurzes Auflachen hörbar, dann erwiderte der Konsul:„Na, das war ja zu erwarten, daß dieser Lump versuchen würde, die Schuld mir, seinem Wohltäter, zuzuwälzen. Besten Dank, mein Freund, für ihr freundliches Anerbieten! Ich bedarf natürlich des Schreibens zu meiner Verteidigung. Nochmals besten Dank für ihr ehrliches, echt freundschaftliches Verhalten in dieser greulichen Angelegenheit, Jener Arbeitstag, der für Fries mit dem Empfang von Liebreichs Enthüllungen begonnen hatte, schloß mit einer zweiten Ueberraschung ab. Es war in der Dämmerstunde. Er wollte eben das Bureau verlassen, da meldete im ein Diener, daß ihn eine Dame zu sprechen wünsche. Fries ließ die Glühlichter über seinen Schreibtisch wieder aufflammen, und als er nun zur Türe hinblickte, entfuhr ihm ein leiser Aufschrei. Melita stand vor ihm. Ihr Gesicht, das sich von einer Astrachan=Pelzjacke und =Barett scharf abhob, war bleich. Aus ihren Augen leuchtete die Glut einer fieberhaften Erregung. Als sich die Tür hinter ihr geschlossen hatte, sagte sie mit halberstickter Stimme: „Herr Fries, in dieser Stunde wird sich's zeigen, ob Sie unser Freund sind oder nicht.“ „Es schmerzt mich, gnädiges Fräulein, daß Sie meine Ehrlichkeit bezweifeln,“ sagte er in mildem Tone.„Haben Sie mich jemals auf einer Falschheit ertappt? Ich bin ihr und ihrer Eltern Freund und hoffe, ihnen dies beweisen zu können. Bitte, setzen Sie sich und lassen Sie uns ruhig über die Lage Ihres Vaters reden. Ich vermute, daß Sie um seinetwillen zu mir gekommen sind.“ Er rückte ihr einen Stuhl hin, und sie ließ sich, tief aufatmend, darauf nieder. In ihren Zügen malte sich eine frohe Erwartung. „So darf ich hoffen— darf meinen Vater. den Trost bringen, daß Sie ihn schonen werden?“ „Was verstehen Sie unter Schonung?“ „Nun, das Schweigen über jene unselige Tat, zu der ihn nur der Gedanke an meine und meiner armen Mutter Rettung getrieben hat.“ „So. Sie meinen also, ich könne der Plantagen=Gesellschaft die Fälschung des Depositenscheines verheimlichen.. Melita nickte und erhob beschwörend die Hände. „Nur kurze Zeit, bis es Papa gelungen ist, den fehlenden Betrag wieder zu ersetzen.“ „Ich begreife, wie schwer es Ihrem Vater wurde, der Tochter seine Verfehlungen einzugestehen.“ „Nicht so schwer, wie Sie es anzunehmen scheinen, Herr Fries. So wenig, wie ich vor ihm, hat er vor mir jemals ein Geheimnig.. Oh, Papa ist der offenherzigste Mensch unter Gottes Sonne, und obgleich er um unseretwillen gestrauchelt ist, darf ich doch kühn behaupten, er ist hochherzig und ehrenhaft.“ Fries senkte den Kopf und fragte nach kurzem Schweigen: „Dann darf ich wohl annehmen, daß er mit Ihnen auch von dem Brief des Kassierers Liebreich spruch, den ich heute erhielt?" „Ja, gewiß! Papa war in heller Entrüstung über diesen Undankbaren und er versicherte mir, daß der Brief nur lächerliche Verleumdungen enthalte, die er leicht widerlegen kön#e, sofern Sie ihm nur Zeit gewährten, den Depositenschein einzulösen und sich auf die Verteidigung gegen den schamlosen Angriff vorzubereiten. „Ich soll also auch Liebreichs Schreiben zurückhalten, bis——“ meines Vaters Unternehmungen geglückt sind. Er rechnet mit aller Bestimmtheit auf große Erfolge in naher Zeit. Sein und mein Geschick ist in Ihre Hand gelegt, und ich darf wohl erwarten, daß diese eine Freundeshand ist.“ Fries erkannte nun mit aller Klarheit, wie übel der Konsul sein argloses Kind beeinflußt hatte. Bitterer Groll stieg in seinem Innern auf. Das also war der Freundschaftsbeweis, den man von ihm verlangte: Er sollte um seiner Liebe willen Pflicht und Ehre über Bord werfen und selber zum Schurken werden. — Nach kurzem Besinnen sah er Melita mit blitzenden Augen an und erklärte: „Das ist nicht der Weg, auf dem Ihr Vater sich und die Seinen retten kann. Als Freund muß ich ihn auf einen verweisen, der die entgegengesetzte Richtung hat.“ „Das wäre!“ „Ein schweres Unrecht wird durch ein zweites nicht gesühnt, sondern durch ein reuiges Schuldbekenntnis!“ Diese kurz und bestimmt ausgesprochenenWorte trafen das Mädchen wie Peitschenhiebe. Völlig entsetzt schnellte sie vom Stuhl auf und rief:„Wie? Sprechen Sie im Ernst? Mein Vater— mein herrlicher, stolzer Vater sollte bekennen, daß er eine Fälschung begangen, sollte sich der Gnade seiner Neider und Feinde ausliefern?— Niemals wird das geschehen— hören Sie?— Niemals!“ In völliger Rage stieß sie die letzten Worte hervor und erhob wie zur Abwehr die Hände. Ihre dunklen Augen flammten und Purpurrot übergoß ihre Wangen. Sie war so schön im Ausbruch ihrer Leidenschaft, daß Fries sich versucht fühlte, sie an sich zu reißen und ihr zuzurufen:„Sei mein und ich bringe jedes Opfer!" Aber der Verstand zwang sein heißaufwallendes Gefühl nieder und gebot ihm, sein persönliches Ich vom Wirbel der Wünsche auszuschalten und der eisernen Pflicht zu gehorchen. „Melita!“— Er sprach den Namen so weich und teilnehmend aus, daß sie ein leises Erschauern verspürte.„Durch Ihren Vater ist eine schwere Schuld auf Sie und auch auf mich gefallen, bestehen wir sie nicht, dann versinken wir in Schuld und Elend. Eine ehrliche Handlung mag Leid zur Folge haben, eine unehrliche aber bringt schlimmeres— die Reue. Mir ist von ehrenhaften Männern ein verantwortliches Amt anvertraut worden, täuschte ich sie, so würde ich zum Schurken. Sie selber müßten mich verachten, sobald an Stelle leidenschaftlicher Verblendung die ruhige Ueberlegung einkehrte. Ich versprach, die Wahrheit zu suchen und muß sie bekennen.“ „Ich aber gelobe mir, meinen Vater zu retten, und ich muß ihn retten!“— Sie schrie ihm die Worte entgegen und blickte nach oben, als wolle sie den Himmel zum Zeugen anrufen. „Das können Sie nicht, Melita, das kann nur er selber.“ „Was soul er tun?“ „Ich schätze unter allen Seelenkräften den moralischen Mut am höchsten. Dazu muß er sich aufraffen und rückhaltlos seine Schuld Oldenpurg bekennen. Der ist Ihrem unglücklichen Vater wohlgesinnt; im Verein mit ihm wird sich wohl ein Weg finden lassen, um die Buße zu mildern.“ So ernst diese Worte gesprochen wurden, so hatten sie doch einen tröstlichen Unterton. Schon dämmerte eine leise Hoffnung in Melita auf, aber dann kam ihr ein erschreckender Gedanke. „Sie haben die Rechnung ohne meines Vaters Stolz gemacht.“ „Seinen Stolz?“— Fries starrte sie einen Augenblick verblüfft an, dann erwiderte er gereizt:„Ja, um des Himmels willen, kann es ihn tiefer demütigen, seine Schuld einem Geschäftsfreunde zu bekennen, als sie Ihnen, seinem Kinde einzugestehen?“ „Sie verkennen eben das zwischen mir und Papa bestehende Verhältnis. Er hat mir nie etwas verschwiegen, ausgenommen diese unselige Fälschung, die aber hielt er nur geheim, weil er die Last allein tragen und mir den Frohsinn nicht rauben wollte.“ Diesem unerschütterlichen Vertrauen Melitas gegenüber fühlte sich Fries entwaffnet. Durfte er aufschreien:„Es ist nicht wahr! Dein Vater ist ein Schurke, der nicht nur unsere Gesellschaft, sondern auch deine arme Mutter schändlich betrog!“— Nein, er hatte nicht den Mut, ihrer Kindesliebe diesen furchtbaren Schlag zu versetzen. Das Mädchen deutete sein Schweigen falsch und fuhr eindringlich fort:„Glauben Sie mir, mein Freund, bevor mein Vater durch Ablegung eines Schuldbekenntnisses sich vor Freunden demütigt, gibt er sich den Tod.“ Fries riß die Augen auf und fragte unsicher: „Woraus—— schließen Sie das?“ „Eines Tages— es war vor meiner Abreise nach der Insel Wight— besprach er mit Mama am Kaffeetisch eine Zeitungsnotiz, betreffend die Verurteilung eines Bankiers, der Depositen unterschlagen hatte. Meine Mutter bi dauerte den Mann, Papa aber rief: Er verdient Zuchthausstrafe, schon um seiner Feigheit und Schamlosigkeit willen. Ihm war Zeit und Gelegenheit gegeben, sich ins Jenseits zu flüchten, slatt dessen unterwarf er sich der Seelenfolter einer öffentlichen Gerichtsverhandlung. Pfui, wie verächtlich!“ „Also, du hättest dir in seiner Lage den Lod gegeben?“ fragte Mama erschrocken und echielt die Antwort: „Ju, ich liebe das Leben, aber wenn man nich vor die Wahl stellte zwischen Entehrung und Tod, dann wählte ich unbedenklich den Tod.“ Dieses Gespräch ist unverwischt in meiner Erinnerung geblieben, und Sie ersehen. daraus, mein Freund, was meine Mutter und ich zu befürchten haben.“ „Aber, liebstes Fräulein, diese Befürchtung teile ich durchaus nicht. Aus Ihres Vaters Verhalten in dieser schrecklichen Angelegenheit geht mit Bestimmtheit hervor, daß er nicht zu sterben, sondern um sein Leben zu kämpfen entschlossen ist. Von anderen den Mut zur Selbstvernichtung zu fordern ist leicht, schwer aber, ihn selbst zu finden. Bedenken Sie doch den Widerspruch, der in Ihres Vaters Versicherung liegt, er habe die Fälschung um Ihretund Ihrer Mutter willen begangen und in der Behauptung, er werde den Tod einem öffentlichen Schuldbekenntnis vorziehen. Beginge er Selbstmord, so würde er Weib und Kind doch dem Elend und der Verzweiflung preisgeben. Bitte, beruhigen Sie sich; fassen Sie Mut. Was ich vermag, soll geschehen, um das Schlimmste abzuwenden. Von Mitleid und Liebe tief bewegt, legte er seinen Arm um sie. Das„Schlimmste?" wiederholte sie leise und blickte flehend zu ihm auf.„Ach, es gibt nur ein Mittel, uns zu retten: Sie müssen schweigen.“ „Unmöglich! Nein, das kann ich nicht!“— Er sagte es mit rauher Stimme und wollte zurücktreten. Sie aber umklammerte seinen Arm und stammelte: „Für des Vaters Rettung bringe ich jedes Opfer. Es hat mir oft geschienen, daß Ihr Gefühl für mich über das der Freundschaft hinausgehe. Nun, wenn Sie mich lieben, so bin ich bereit, Ihnen anzugehören als Ihr Weib und Ihnen treu zu sein bis ans Ende.“ Fries strömte das Blut zum Herzen. Sie hatte sich an ihn geschmiegt und er verspürte das Pochen ihres leidenschaftlichen Herzens, sah den flehenden Blick ihrer schönen feuchtschimmernden Augen. Ein seliger Taumel befiel ihn. Ganz hingerissen von dem Gedanken: „Nun gehört sie dir an!“, hauchte er Küsse auf ihre Stirn und ihr üppiges, duftiges Haar.— Aber dann zuckte blitzartig ein ernüchternder Gedanke durch sein Hirn:„Sie sprachen von einem Opfer, Melita. Wie soll ich das verstehen? Wenn Sie meine Liebe erwiderten, brächten Sie doch kein Opfer?“ Nun schlug sie verwirrt die Augen nieder und trat zurück. Vor seinem forschenden Blick sank ihr der Mut. Am liebsten wäre sie geflohen. Fries aber fesselte sie durch die Bemerkung:„Ich erwarte Ihre Erklärung!“ Nun raffte sie sich hastig auf. Ihre Aufrichtigkeit überwand das zaghafte Schwanken. Dem Freunde war sie volle Wahrheit schuldig. „Ja, ich sprach von einem Opfer— unbedacht, aber da es geschehen, sollen Sie alles wissen. Meine Reigung— meine Liebe— hat sich Julian Preyl zugewendet; ihm— gehört mein Herz. Sie aber schätze und verehre ich als einen edlen Menschen und lieben Freund. Retten Sie meinen Vater, dann gehört Ihnen meine Hand. Ich ersticke Sehnsucht und Hoffnung und will Ihnen angehören in Treue und Ergebenheit— das gelobe ich.“ Fries starrte sie eine Weile völlig entgeistert an, dann aber stieg ihm mit der aufwallenden Entrüstung eine Blutwelle ins Gesicht. Er wollte ihr Worte des Zorns und der Verachtung entgegenschleudern, aber ihr bleiches Gesicht und ihre flehenden Augen rührten wieder Mitleid in ihm auf. Er sagte sich: Unter dem Druck der Angst um ihres Vaters Leben glaubte sie, eine heroische Tat begehen zu müssen; sie vergaß dabei, welches Unrecht sie mir zufügte, das mußt du ihrer Jugend zugut halten. All seine Selbstbeherrschung zusammenraffend, erwiderte er ihr mit leicht bebender Stimme: „Der phantastische Plan, Ihre Liebe, ja, Ihr ganzes Lebensglück der Rettung des Vaters zu opfern, ist gewiß einer edlen Regung entsprungen, Fräulein Wismar. Eins aber hätten Sie, trotz aller Begeisterung, bedenken sollen, daß nämlich der wahre Heroismus seine erlösende Tat aus eigenen Mitteln bestreitet. Sie kamen zu mir im Bewußtsein Ihrer Macht. Sie wußten es, wie sehr mich Ihre äußere und innere Schönheit bezaubert und hofften, mich so gründlich untersochen zu können, daß ich die Hand zur Verschleierung eines Verbrechens bieten würde. Das aber ist weder ein Freundschaftsbeweis, noch eine ehrliche Spekulation. Sie unterschätzen dabei meine Seelenkraft und überschätzen meine Leidenschaft. Meine Liebe macht vor den Gevoten der. Ehre Halt. Ich könnte manches aufs Spiel setzen, um Ihr Herz zu gewinnen, nur meine Selbstachtung nicht. (Kortjezung felgt) SSESESESS S 55888S8333 .. AOAC * SPORRR P 3991PT S 98933 S 3 3 3#3* 199 T8 * Fen.. à g“ ..* 7 2 53 0 222 S 3 5 10 S SSSE J. S d#s 75 2— 2* S S— T 8UR SüSE S S. T. S 8 Der Samen braucht zum Aufgong Toce *** Blelben die 1 K u. zen an Ort und Stelle bestehen? 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