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Beilagen:

Schwerter Hausfrau und Mutter.

Aus dem Reiche der Mode. Heimatdlätter. u Lustiges Allerlel. Kinderzeitung Unser Blatt.n Unter haltungs- u. Nomandeilage.# Spie­Sport und Curnen. u Leden###d. Kunst u. Wissen. n Gortenratschägt.

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Amtliches Kreisbiatt für den Kreis Börde. Bolzwicheder Zeitung Erstes und ältestes Cagesorgan des Kreises.— Generalanzeiger für den Kreis

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Nr. 125

Dienstag, 30. Mai 1922.

55. Jahrgang

Zum

Geleit.

„Unsere Zeit und unsere Ehre bleiben ewig gebrandmarkt in der Geschichte, wenn wir aus dem Unglück nicht Weisseit und aus der Grausamkeit nicht Gerechtigteiz nehmen, wenn wir die schönen Tugenden der Neue, der Milde, der Frömmigkeit und der Tapferkeit nicht zu so hohem Glanz er­beben, daß hhr Götterschein die Trümmer und Schaden der letzten Jahre verhüllt. Das ist unser Beruf, das ist die erste Aufgabe des Tages, daß wir Gerechtigeeit und Menschlichkeit üben lernen und Tapferkeit der Seelen und Ernst der Sitten, wo­durch unsere Völker gelobt wurden, uls uraltes deutsches Erbe voranstellen. Dann werden wir nicht untergehen.“

E. M. Arndt.

Für eilige Leser.

Reuigkeiten aus Nah und Fern.

In Newyort soll eine italienische Anleihe von 100 Millionen Dollar abgeschlossen werden, die zum größten Teil zur Finanzierung der italieni­

schen Eisenbahnen verwandt werden soll.

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Der auswärtige Ausschuß hat das deutsch=pol­

nische Abkommen über Oberschlesien angenommen.

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In Landshut kam es bei der beabsichtigten Kontrolle der Landespolizei zu einer Demonstra­stion gegen die interallierte Kommission, welche #unverrichteter Dinge wieder nach München abfah­

en mußte.

Nach amerikanischen Nachrichten ist Deutschland erlaubt“ worden, ein neues Zeppelin­Luftschiff von 70000 Kom. Gasinhalt für die

Vereinigten Staaten zu bauen.

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Aus Wirtschaftskreisen war angeregt worden, in den verkehrsschwachen Sommermonaten billigere Tarife einzuführen. Eingehende Beratungen haben jedoch ergeben, daß Tarifermä­bigungen für die in Frage kommenden Güter ohne Bedeutung sind, weil es hier leider an genügend roßen Vorräten fehlt. Einzig für Kalisalze er­schien eine Ermäßigung von 20 bis 30 Prozent berechtigt.

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Um das in den Vereinigten Staaten bestehende, iber sehr unbeliebte Alkoholverbot zu um­ehen, hat sich jetzt eine Gesellschaft gebildet, welche auf alten Schiffen„schwimmende Wasthöfe“ einrichten will. Das Alkoholverbot kerstreckt sich nur bis auf drei Meilen in den Ozean hinein. Die Schiffe liegen genügend entfernt von per Küste.

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Die Bäckergesellen in Halle und in vielen an­peren Städten verdienen jetzt 975 4 in der Woche. Nie viele Zehntausende, die auch fleißig arbeiten. #ussen sich mit viel weniger begnügen! Man lage nur die Angestellten und die freien Berufs­prbeiter. Kein Wunder, wenn das Brot fast uner­twinglich teuer ist!

In Berlin hat sich ein„Hausbesitzer" aus Nah­#ungssorgen mit Gas vergiftet. Früher bot ihm ein übrigens großes Grundstück eine gesicherte Kristenz.

Nach einer Aussage des amerikanischen Ge­serals Harbord sind die Anordnungen zum Ab­hub der amerikanischen Rheinlandtruppen bis

im 1. Juli getroffen.

In Mouxminar, in An atolien, lebt ein ge­bisser Doura Agha. Der Name des Mannes ver­#ient der Nachwelt erhalten zu bleiben, denn er P#t eine Leistung vollbracht, die trotz Ben Akiba soch nicht dagewesen ist. Er ist nämlich an einem Kage fünfmal Vater geworden. Vier seiner Prauen haben dabei mitgewirkt, drei haben je ein kind bekommen und die vierte sogar Zwillinge. Nehr an einem Tage kann ein Vater wohl kaum twarten.

Der englische Kronpeinz i Japan.

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Die kün Figen Herrscher zweier Weltreiche: Der Kronprinz von England beim Kronprinzen von Japan(links)

Der Prinz von Wales, Englands Kronprinz. der schon seit Monaten auf einer ostasiatischen Studienreise unterwegs ist, hat nun auch 4 Wo­chen lang Japan besucht. Es galt, den englischen Besuch des japanischen Kronprinzen zu erwidern, und die politischen Beziehungen, die seit der Uonferenz von Washington mit ihrer englisch­amerikanischen Verständigung etwas kühl gewor­den waren, wieder zu erwärmen. Der Prinz kam an Bood des riesigen Kriegsschiffes„Renowa", war Gast der kaiserlichen Familie, wurde bei Ban­tetts und Truppenparaden gefeiert, spielte Golf u. japanisches Polo, besichtigte Buddha=Tempel und die neuen Tokio Wolkenkratzer, bereiste das Land, und war alles in allem ein guter„Erfolg" beim japanischen Publitum.

Poincarés Sensationen.

„Am 31. Mai sind noch keine„Sensationen“ zu erwarten.“

Das hat Poincaree am 26. Mai den Vertretern der französischen Presse persönlich erklärt. Poin­caree hält also geschichtliche Trauerspiele für„Sen­sationen". Er kann die Divisionen noch nicht am 1. Juni ins Ruhrgebiet marschieren lassen. Wenn es hätte sein können, welch eine Sensation für Poincaree und seine Franzosen. Kein Triumpf, kein Erfolg, beileibe nicht, nur eine Sensation. Ehe die Pariser in die Bäder der Hochpyrenäen und der Nordsee flüchten, wollen sie noch ihre Sensation, ihren Machtkitzel haben. Das Ruhrgebiet wird be­setzt, wie das Poincaree zehn oder zwanzig Mal seit der Märznote ankündigte. Denn, daß der Wie­derherstellungsausschuß am 31. Mai„Verfehlun­gen“ Deutschlands feststellen würde, das war eine ausgemachte Sache. Es blieb dann nur noch übrig, die Truppen am Rhein in Marsch zu setzen. Dar­aus wird einstweilen nichts, weil der Wiederher­stellungsausschuß mit seinen Verhandlungen noch nicht fertig ist. Das englische Unterhaus ist mäch­tig, es kann alles, nur nicht aus einer Frau einen Mann machen. Auch das französische Finanzka­pital ist mächtig, das die Zusammensetzung einer ganzen Kammer und Auswahl der Minister bestimmt. Aber noch mächtiger ist offenbar der Wiederherstellungsausschuß. Zwar ist er auf Grund des Versailler Schandvertrages nur eine Vollstreckungsbehörde, die das auszuführen hat, was die verbündeten Regierungen für sich und unter sich beschließen. Es ist nicht bekannt geworden, daß der Aufbau und die Eingliederung des Wie­derherstellungsausschusses irgend eine Aenderung erfahren haben. Poincaree hat im April und Mai wiederholt erklärt, daß vor dem 81. Mai die Wie­derherstellungsfrage nicht aufgerollt werden würde. Nun ist ihre Aufrollung doch erfolgt, trotzdem vor einigen Tagen die französische Kammer Poincaree noch besonders scharf machte.

Was ist also geschehen? Vor den drohenden

Augenbrauen Lloyd Grorges ist Peincume

zurückgewichen. Sollte es Morgan gewesen sein, der sich Ruhe und Sicherheit von„Sensationen“ ausbat? Morgan ist Finanzmann, der es in den Fingern hat, was einer Anleihe in den Vereinig­ten Staaten nützt oder schadet. Dabei brauchte Morgan gar nicht über wunderbare Kräfte zu ver­fügen. Frankreichs Finanzen sind notleidend, was in der Hauptsache eine Folge seiner wahnwitzigen imperialistischen Politik ist. Es hat Milliarden daran gewandt, um Osteuropa für den französi­schen Zugriff reif zu machen. Dazu unterhält es ein stehendes Heer, das zahlenmäßig größer ist als das, das es im Juli 1914 unter Waffen hatte. Auf der andern Seite wollen die Franzosen nichts von einem Anziehen der Steuerschraube wissen. Sie brüsten sich, den Sieg erfochten zu haben, was den Besiegten die Verpflichtung aufbürde, jede Ziga­rette und jeden Absynth, die in Frankreich ver­braucht werden, zu bezahlen. Deshalb wird das Loch im Staatshaushalt immer größer, was nach französischer Auffassung nur der böse Wille der Deutschen verschuldet hat. Aber Deutschland kann nicht zahlen, worüper die Sachverständigen aller Herren Länder im Grunde einig sind. Nur die Franzosen glauben es nicht, denn sonst müßten sie aus einem sehr bösen Traum aufwachen. Mor­gan hat sie noch nicht daraus geweckt, wohl aber am Quai d’Orsey zu verstehen gegeben, daß Säbelge­rassel der Gesundheit der Dollarmilliarde schadet. Auf diese Milliarde wartet Frankreich. Es ist überzeugt, daß es sie ohne Abstriche erhält, da es ja nun einmal den Sieg erfochten hat. England, Italien und schließlich auch Dollarika haben die Franzosen zwar unterstützt, aber die Palme des Sieges gebührt allein Frankreich. Deshalb pocht es auch immer darauf, deshalb erheischt es seinen Lohn in Form einiger Dutzend Milliarden Gold­mark und der Rheingrenze. Das sind Tauben auf dem Dache. Frankreich braucht aber den Spatz in der Hand, denn sein Haushaltsvoranschlag hat ein großes Loch. Dies soll Morgan mit seiner Anleihe stopfen, was nur geht, wenn die Franzo­sen sich vorerst die Sensationen verkneifen. So ist es zur Vertagung der Krise gekommen, das heißt, der Wiederherstellungsausschuß hat von Morgan noch keinen Bescheid. Es gibt Leeute, die fest an die internationale Anleihe glauben. Sie machen sich weiter keine Gedanken darüber, daß diese An­leihe die=finanzielle Lage Deutschlands nicht im Geringsten bessert. Wie sich auch noch niemand den Kopf darüver zerbrochen hat, was aus den Schuld­verschreibungen des Reiches werden soll. Es ist gnädig vom Wiederherstellungsausschuß, die festen und schwebenden Schulden bis zum 31. März 1922 anzuerkennen. Aber die deutsche Regierung muß die kurzfristigen Schatzwechsel einlösen, wozu ihr alle und jede Mittel fehlen. Oder Bankerott an­melden, Die internationale Anleihe wird davon allerdings nicht berührt, denn sie soll durch Pfand­verstrickungen, Zölle usw. gesichert werden, bis im nächsten Jahre das Zahlungsproblem in neuer Schärfe ersteht. Werden die Dollarikaner trotzdem zeichnen, werden sie nicht dauernd gefestigte Si­cherheiten verlangen? Sonst könnten sie eines Tages durch eine Sensation unangenehm über­rascht werden.

Die deutsche Antwortnote abgeschickt.

Berlin, 30. Mai. Die deutsche Note an die Reparationskommission ist nach Paris abgegangen. Die Note ist sehr umfangreich.

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Angebliche Unzufriedenheit der Reparations­kommission.

Paris, 30. Mai. Die Reparationskommission trat zusammen, um die Note der deutschen Regie­rung zu prüfen und wird bekannt, daß gegenüber den mit Dr. Hermes getroffenen Vereinbarun­gen Abänderungen vorgenommen wurden. Man erklärt, daß die Antwort der deutschen Regierung nicht befriedigend laute.

Der Kanzler spricht!

Deutscher Reichstag.

Berlin, 30. Mai.

Sitzung vom 29. Mai, nachm.

Nach mancherlei Gefahren hat die große Genuaussprache

im Reichstag nunmehr ihren Anfang genommen. Ohne die übliche Verspätung ging es nicht ab. Erst eine Stunde nach der vorgesehenen Zeit fand sich das Haus um 2 Uhr zusammen. Die Tribünen waren stark besetzt.

Auch die fremden Gesandschaften waren voll­ständig vertreten. Die Bänke unten im Hause wie­sen nur wenige Lücken auf.

Der Reichskanzler betrat gleichzeitig mit dem Außenminister Dr. Rathenau und dem Fi­nanzminister Dr. Hermes den Sitzungssaal. Ihm erteilte Präsident Loebe auch sogleich das Wort.

Der Reichskanzler beschäftigte sich in etwa ein­stündiger Rede mit der Politik in Genua. wies mehrfach auf die Erklärungen im aus­wärtigen Ausschuß hin, von denen allerdings die Oeffentlichkeit vorläufig nichts weiß und vermied es sorgsam, auf die Pariser Verhandlungen einzu­gehen, weil, wie er mit Recht betonte, in diese schwebende politische und diplomatische Aktion nicht eingegriffen werden sollte. So brachte er ein Stimmungsbild mit aus dem sonnigen Süden. Er ließ erkennen, daß er manches Gute von der Kon­ferenz erhofft, daß es schon als ein Fortschritt angesehen werden müsse, wenn 3½ Jahre nach dem Waffenstillstand die Völker sich zur Erörterung wirtschaftlicher Fragen zusammenfinden. Beson­deren Dank zollte er dem italienischen Volk und seinen Staatsmännern, die diese Weltaussprache möglich gemacht haben Sie krankte allerdings an dem Fehlen Amerikas und der Haltung Frank­reichs. Der Reichskanzler bedauerte, daß die wich­tige Reparationsfrage, die eine europäische Frage ist, in Genua nicht offiziell besprochen werden durfte... Trotzdem sei sie allerorts das Gespräch des Tages gewesen. Die deutsche Delegation habe sich durchgesetzt, trotz aller französischen Versuche, ihre Stellung zu drücken. Der Reichskanzler recht­fertigte dann den Vertrag von Rapallo, zu dem Deutschland gedrängt worden sei. Die Aufregung über den Rapallovertrag sei unverständlich, denn es sei ein Friedensver trag, in dem es keine Sieger und Besiegte gibt. Der Rapallover= trag habe keinerlei kriegerische Absichten.

Der Reichskanzler verlangt schließlich, daß mit der unglückseligen Politik der Sanktionstermine Schluß gemacht wird. Diese Politik sei der Tod jedes Volkes. Es müsse eine Clärung gefunden werden, die dem deutschen Volk das Leben über­haupt ermöglicht. Der Reichskanzler teilte zusam­menfassend mit, daß die Ergebnisse in Genua zwar bescheidene seien, sie seien aber immerhin ein Schritt vorwärts.

Der Reichstag stimmte den Ausführungen des Reichskanzlers mit lebhaftem Beifakl zu.

In der Aussprache unterstützte der sozialdemo­kratische Abgeordnete Müller=Franken die Darlegungen des Reichskanzlers, denen er faßt durchweg zustimmt. Auch der Zentrumsführer Marx überbrachte im Namen seiner Partei Worte der vollsten Zustimmung. Die deutsche Po­litik ging darauf hinaus, das Vaterland wieder hereustellen, die volle Gleichberechtigung Deutsch­lands wieder zu erringen und den Frieden Euro­pas zu achten.

Nachdem wurde die Sitzung abgebrochen.

Am heutigen Dienstag sollen zwei Sitzungen stattfinden. In der ersten Sitzung, die um 11 Uhr beginnt, soll das deutsch=polnische Ab­kommen erledigt werden. In der zweiten, die um 2 Uhr ihren Anfang nimmt, wird die poli­tische Aussprache fortgesetzt werden.