VERTUF! Beilagen: Schwerter Hausfrau und Mutter. Aus dem Reiche der Mode. Heimatdlätter. u Lustiges Allerlel. Kinderzeitung Unser Blatt.n Unter haltungs- u. Nomandeilage.# SpieSport und Curnen. u Leden###d. Kunst u. Wissen. n Gortenratschägt. Verbunden mit: Schwerter Cageblatt und Anzeiger Schwerter Volkszeitung Schwerter Volksblatt Welthotener Zeitung Avierbecher Zeitung Langscheder Zeitung Amtliches Kreisbiatt für den Kreis Börde. Bolzwicheder Zeitung Erstes und ältestes Cagesorgan des Kreises.— Generalanzeiger für den Kreis Die Schouien Schmr acber werktäglich. n Hauptgeschäftssteie Druck und Verlag: Car! Cetegr. Adr.: Braus, Schwerteruhr. Cel.62. Postscheck: Dortmund 2852 Verautwortliche Schriftleitung: Karl Richter; Stadt und Provinz Friedr. Kraas; sämtlich in Nr. 125 Dienstag, 30. Mai 1922. 55. Jahrgang Zum Geleit. „Unsere Zeit und unsere Ehre bleiben ewig gebrandmarkt in der Geschichte, wenn wir aus dem Unglück nicht Weisseit und aus der Grausamkeit nicht Gerechtigteiz nehmen, wenn wir die schönen Tugenden der Neue, der Milde, der Frömmigkeit und der Tapferkeit nicht zu so hohem Glanz erbeben, daß hhr Götterschein die Trümmer und Schaden der letzten Jahre verhüllt. Das ist unser Beruf, das ist die erste Aufgabe des Tages, daß wir Gerechtigeeit und Menschlichkeit üben lernen und Tapferkeit der Seelen und Ernst der Sitten, wodurch unsere Völker gelobt wurden, uls uraltes deutsches Erbe voranstellen. Dann werden wir nicht untergehen.“ E. M. Arndt. Für eilige Leser. Reuigkeiten aus Nah und Fern. In Newyort soll eine italienische Anleihe von 100 Millionen Dollar abgeschlossen werden, die zum größten Teil zur Finanzierung der italienischen Eisenbahnen verwandt werden soll. * Der auswärtige Ausschuß hat das deutsch=polnische Abkommen über Oberschlesien angenommen. * In Landshut kam es bei der beabsichtigten Kontrolle der Landespolizei zu einer Demonstrastion gegen die interallierte Kommission, welche #unverrichteter Dinge wieder nach München abfahen mußte. Nach amerikanischen Nachrichten ist Deutschland erlaubt“ worden, ein neues ZeppelinLuftschiff von 70000 Kom. Gasinhalt für die Vereinigten Staaten zu bauen. * Aus Wirtschaftskreisen war angeregt worden, in den verkehrsschwachen Sommermonaten billigere Tarife einzuführen. Eingehende Beratungen haben jedoch ergeben, daß Tarifermäbigungen für die in Frage kommenden Güter ohne Bedeutung sind, weil es hier leider an genügend roßen Vorräten fehlt. Einzig für Kalisalze erschien eine Ermäßigung von 20 bis 30 Prozent berechtigt. * Um das in den Vereinigten Staaten bestehende, iber sehr unbeliebte Alkoholverbot zu umehen, hat sich jetzt eine Gesellschaft gebildet, welche auf alten Schiffen„schwimmende Wasthöfe“ einrichten will. Das Alkoholverbot kerstreckt sich nur bis auf drei Meilen in den Ozean hinein. Die Schiffe liegen genügend entfernt von per Küste. * Die Bäckergesellen in Halle und in vielen anperen Städten verdienen jetzt 975 4 in der Woche. Nie viele Zehntausende, die auch fleißig arbeiten. #ussen sich mit viel weniger begnügen! Man lage nur die Angestellten und die freien Berufsprbeiter. Kein Wunder, wenn das Brot fast unertwinglich teuer ist! In Berlin hat sich ein„Hausbesitzer" aus Nah#ungssorgen mit Gas vergiftet. Früher bot ihm ein übrigens großes Grundstück eine gesicherte Kristenz. Nach einer Aussage des amerikanischen Geserals Harbord sind die Anordnungen zum Abhub der amerikanischen Rheinlandtruppen bis im 1. Juli getroffen. In Mouxminar, in An atolien, lebt ein gebisser Doura Agha. Der Name des Mannes ver#ient der Nachwelt erhalten zu bleiben, denn er P#t eine Leistung vollbracht, die trotz Ben Akiba soch nicht dagewesen ist. Er ist nämlich an einem Kage fünfmal Vater geworden. Vier seiner Prauen haben dabei mitgewirkt, drei haben je ein kind bekommen und die vierte sogar Zwillinge. Nehr an einem Tage kann ein Vater wohl kaum twarten. Der englische Kronpeinz i Japan. Pr A MA 0 Die kün Figen Herrscher zweier Weltreiche: Der Kronprinz von England beim Kronprinzen von Japan(links) Der Prinz von Wales, Englands Kronprinz. der schon seit Monaten auf einer ostasiatischen Studienreise unterwegs ist, hat nun auch 4 Wochen lang Japan besucht. Es galt, den englischen Besuch des japanischen Kronprinzen zu erwidern, und die politischen Beziehungen, die seit der Uonferenz von Washington mit ihrer englischamerikanischen Verständigung etwas kühl geworden waren, wieder zu erwärmen. Der Prinz kam an Bood des riesigen Kriegsschiffes„Renowa", war Gast der kaiserlichen Familie, wurde bei Bantetts und Truppenparaden gefeiert, spielte Golf u. japanisches Polo, besichtigte Buddha=Tempel und die neuen Tokio Wolkenkratzer, bereiste das Land, und war alles in allem ein guter„Erfolg" beim japanischen Publitum. Poincarés Sensationen. „Am 31. Mai sind noch keine„Sensationen“ zu erwarten.“ Das hat Poincaree am 26. Mai den Vertretern der französischen Presse persönlich erklärt. Poincaree hält also geschichtliche Trauerspiele für„Sensationen". Er kann die Divisionen noch nicht am 1. Juni ins Ruhrgebiet marschieren lassen. Wenn es hätte sein können, welch eine Sensation für Poincaree und seine Franzosen. Kein Triumpf, kein Erfolg, beileibe nicht, nur eine Sensation. Ehe die Pariser in die Bäder der Hochpyrenäen und der Nordsee flüchten, wollen sie noch ihre Sensation, ihren Machtkitzel haben. Das Ruhrgebiet wird besetzt, wie das Poincaree zehn oder zwanzig Mal seit der Märznote ankündigte. Denn, daß der Wiederherstellungsausschuß am 31. Mai„Verfehlungen“ Deutschlands feststellen würde, das war eine ausgemachte Sache. Es blieb dann nur noch übrig, die Truppen am Rhein in Marsch zu setzen. Daraus wird einstweilen nichts, weil der Wiederherstellungsausschuß mit seinen Verhandlungen noch nicht fertig ist. Das englische Unterhaus ist mächtig, es kann alles, nur nicht aus einer Frau einen Mann machen. Auch das französische Finanzkapital ist mächtig, das die Zusammensetzung einer ganzen Kammer und Auswahl der Minister bestimmt. Aber noch mächtiger ist offenbar der Wiederherstellungsausschuß. Zwar ist er auf Grund des Versailler Schandvertrages nur eine Vollstreckungsbehörde, die das auszuführen hat, was die verbündeten Regierungen für sich und unter sich beschließen. Es ist nicht bekannt geworden, daß der Aufbau und die Eingliederung des Wiederherstellungsausschusses irgend eine Aenderung erfahren haben. Poincaree hat im April und Mai wiederholt erklärt, daß vor dem 81. Mai die Wiederherstellungsfrage nicht aufgerollt werden würde. Nun ist ihre Aufrollung doch erfolgt, trotzdem vor einigen Tagen die französische Kammer Poincaree noch besonders scharf machte. Was ist also geschehen? Vor den drohenden Augenbrauen Lloyd Grorges ist Peincume zurückgewichen. Sollte es Morgan gewesen sein, der sich Ruhe und Sicherheit von„Sensationen“ ausbat? Morgan ist Finanzmann, der es in den Fingern hat, was einer Anleihe in den Vereinigten Staaten nützt oder schadet. Dabei brauchte Morgan gar nicht über wunderbare Kräfte zu verfügen. Frankreichs Finanzen sind notleidend, was in der Hauptsache eine Folge seiner wahnwitzigen imperialistischen Politik ist. Es hat Milliarden daran gewandt, um Osteuropa für den französischen Zugriff reif zu machen. Dazu unterhält es ein stehendes Heer, das zahlenmäßig größer ist als das, das es im Juli 1914 unter Waffen hatte. Auf der andern Seite wollen die Franzosen nichts von einem Anziehen der Steuerschraube wissen. Sie brüsten sich, den Sieg erfochten zu haben, was den Besiegten die Verpflichtung aufbürde, jede Zigarette und jeden Absynth, die in Frankreich verbraucht werden, zu bezahlen. Deshalb wird das Loch im Staatshaushalt immer größer, was nach französischer Auffassung nur der böse Wille der Deutschen verschuldet hat. Aber Deutschland kann nicht zahlen, worüper die Sachverständigen aller Herren Länder im Grunde einig sind. Nur die Franzosen glauben es nicht, denn sonst müßten sie aus einem sehr bösen Traum aufwachen. Morgan hat sie noch nicht daraus geweckt, wohl aber am Quai d’Orsey zu verstehen gegeben, daß Säbelgerassel der Gesundheit der Dollarmilliarde schadet. Auf diese Milliarde wartet Frankreich. Es ist überzeugt, daß es sie ohne Abstriche erhält, da es ja nun einmal den Sieg erfochten hat. England, Italien und schließlich auch Dollarika haben die Franzosen zwar unterstützt, aber die Palme des Sieges gebührt allein Frankreich. Deshalb pocht es auch immer darauf, deshalb erheischt es seinen Lohn in Form einiger Dutzend Milliarden Goldmark und der Rheingrenze. Das sind Tauben auf dem Dache. Frankreich braucht aber den Spatz in der Hand, denn sein Haushaltsvoranschlag hat ein großes Loch. Dies soll Morgan mit seiner Anleihe stopfen, was nur geht, wenn die Franzosen sich vorerst die Sensationen verkneifen. So ist es zur Vertagung der Krise gekommen, das heißt, der Wiederherstellungsausschuß hat von Morgan noch keinen Bescheid. Es gibt Leeute, die fest an die internationale Anleihe glauben. Sie machen sich weiter keine Gedanken darüber, daß diese Anleihe die=finanzielle Lage Deutschlands nicht im Geringsten bessert. Wie sich auch noch niemand den Kopf darüver zerbrochen hat, was aus den Schuldverschreibungen des Reiches werden soll. Es ist gnädig vom Wiederherstellungsausschuß, die festen und schwebenden Schulden bis zum 31. März 1922 anzuerkennen. Aber die deutsche Regierung muß die kurzfristigen Schatzwechsel einlösen, wozu ihr alle und jede Mittel fehlen. Oder Bankerott anmelden, Die internationale Anleihe wird davon allerdings nicht berührt, denn sie soll durch Pfandverstrickungen, Zölle usw. gesichert werden, bis im nächsten Jahre das Zahlungsproblem in neuer Schärfe ersteht. Werden die Dollarikaner trotzdem zeichnen, werden sie nicht dauernd gefestigte Sicherheiten verlangen? Sonst könnten sie eines Tages durch eine Sensation unangenehm überrascht werden. Die deutsche Antwortnote abgeschickt. Berlin, 30. Mai. Die deutsche Note an die Reparationskommission ist nach Paris abgegangen. Die Note ist sehr umfangreich. * Angebliche Unzufriedenheit der Reparationskommission. Paris, 30. Mai. Die Reparationskommission trat zusammen, um die Note der deutschen Regierung zu prüfen und wird bekannt, daß gegenüber den mit Dr. Hermes getroffenen Vereinbarungen Abänderungen vorgenommen wurden. Man erklärt, daß die Antwort der deutschen Regierung nicht befriedigend laute. Der Kanzler spricht! Deutscher Reichstag. Berlin, 30. Mai. Sitzung vom 29. Mai, nachm. Nach mancherlei Gefahren hat die große Genuaussprache im Reichstag nunmehr ihren Anfang genommen. Ohne die übliche Verspätung ging es nicht ab. Erst eine Stunde nach der vorgesehenen Zeit fand sich das Haus um 2 Uhr zusammen. Die Tribünen waren stark besetzt. Auch die fremden Gesandschaften waren vollständig vertreten. Die Bänke unten im Hause wiesen nur wenige Lücken auf. Der Reichskanzler betrat gleichzeitig mit dem Außenminister Dr. Rathenau und dem Finanzminister Dr. Hermes den Sitzungssaal. Ihm erteilte Präsident Loebe auch sogleich das Wort. Der Reichskanzler beschäftigte sich in etwa einstündiger Rede mit der Politik in Genua. wies mehrfach auf die Erklärungen im auswärtigen Ausschuß hin, von denen allerdings die Oeffentlichkeit vorläufig nichts weiß und vermied es sorgsam, auf die Pariser Verhandlungen einzugehen, weil, wie er mit Recht betonte, in diese schwebende politische und diplomatische Aktion nicht eingegriffen werden sollte. So brachte er ein Stimmungsbild mit aus dem sonnigen Süden. Er ließ erkennen, daß er manches Gute von der Konferenz erhofft, daß es schon als ein Fortschritt angesehen werden müsse, wenn 3½ Jahre nach dem Waffenstillstand die Völker sich zur Erörterung wirtschaftlicher Fragen zusammenfinden. Besonderen Dank zollte er dem italienischen Volk und seinen Staatsmännern, die diese Weltaussprache möglich gemacht haben Sie krankte allerdings an dem Fehlen Amerikas und der Haltung Frankreichs. Der Reichskanzler bedauerte, daß die wichtige Reparationsfrage, die eine europäische Frage ist, in Genua nicht offiziell besprochen werden durfte... Trotzdem sei sie allerorts das Gespräch des Tages gewesen. Die deutsche Delegation habe sich durchgesetzt, trotz aller französischen Versuche, ihre Stellung zu drücken. Der Reichskanzler rechtfertigte dann den Vertrag von Rapallo, zu dem Deutschland gedrängt worden sei. Die Aufregung über den Rapallovertrag sei unverständlich, denn es sei ein Friedensver trag, in dem es keine Sieger und Besiegte gibt. Der Rapallover= trag habe keinerlei kriegerische Absichten. Der Reichskanzler verlangt schließlich, daß mit der unglückseligen Politik der Sanktionstermine Schluß gemacht wird. Diese Politik sei der Tod jedes Volkes. Es müsse eine Clärung gefunden werden, die dem deutschen Volk das Leben überhaupt ermöglicht. Der Reichskanzler teilte zusammenfassend mit, daß die Ergebnisse in Genua zwar bescheidene seien, sie seien aber immerhin ein Schritt vorwärts. Der Reichstag stimmte den Ausführungen des Reichskanzlers mit lebhaftem Beifakl zu. In der Aussprache unterstützte der sozialdemokratische Abgeordnete Müller=Franken die Darlegungen des Reichskanzlers, denen er faßt durchweg zustimmt. Auch der Zentrumsführer Marx überbrachte im Namen seiner Partei Worte der vollsten Zustimmung. Die deutsche Politik ging darauf hinaus, das Vaterland wieder hereustellen, die volle Gleichberechtigung Deutschlands wieder zu erringen und den Frieden Europas zu achten. Nachdem wurde die Sitzung abgebrochen. Am heutigen Dienstag sollen zwei Sitzungen stattfinden. In der ersten Sitzung, die um 11 Uhr beginnt, soll das deutsch=polnische Abkommen erledigt werden. In der zweiten, die um 2 Uhr ihren Anfang nimmt, wird die politische Aussprache fortgesetzt werden. Neuerungen im Umsatzsteueresche Der Reichstag hat die Novelle zum Umsatzsteuergesetz angenommen. Das Gesetz hat rückwirtende Kraft vom 1. Jan. 1922 av. Der beträgt 2 Prozent. Die Ausfuhr durch den Fabrikanten unterliegt, mag es sich um Gegenstände, die der allgemeinen Umsatzsteuer oder Luxussteuer unterliegen, seit dem 1. Jan. 1922 demselben Satze. Die ersten, Umsäpe nach der Einfuhr sind grundsätzlich steuerpflichtig, soweit es sich nicht um Gegenstände handelt, die sich auf der Freiliste 1b befinden. Die Novelle zum Umsatzsteuergesetz hat das System der vierteljährlichen Vorauszahlungen eingeführt. Die Steuerpflichtigen, bei denen der Steuerabschnitt mehr als ein Vierteljahr beträgt, das ist der Fall bei der allgemeinen Umsatzsteuer— haben exstmalig sofort in einer kurzen Voranmeldung den Gesamtbetrag der in den Monaten Januar, Februar und März 1922 verein nahmten Entgelte, soweit sie nuch dem Umsapsteuergesetz steuerpflichtig sind, anzugeben. Gleichzeitig mit der Abgabe der Voranmeldung hat eine entsprechende Vorauszahlung(2 Prozent dieses Betrages) zu erfolgen. Für die folgenden Abschnitte ist die Voranmeldung im Laufe des auf jedes Vierteljahr folgenden Monats abzugeven also Juli, Oktober, Januar. Diese Verpflichtung gilt zunächst nicht für diejenigen Berufe, in denen die Umsatzsteuer pauschaliert ist(Banken, Rechtsanwälte, Notare usw.) Haben Steuerpflichtige in den abgelaufenen drei Monaten einen Umsatz von nicht mehr als 5000 c gehabt, so wird ihnen nachgelassen, die entsprechende Voranszahlung erst zusannnen mit der nächsten Vorauszahlung zu leisten. Die im übrigen nicht rechtzeitig eingehenden Vorauszahlungen werden ohne weiteres im Zwangswege beigetrieben, wobei, wenn auch keine Noranmeldung abgegeben ist, die Vorauszahlungen tindestens auf ein Viertel der für das vorangegangene Kalenderjahr geschuldeten Steuer berech net werden. Die Vorauszahlungen werden auf die nach der Erklärung im Januar 1923 zu veranlagende Umsatzsteuer verrechnet., Sollte sich bei der endgültigen Veranlagung ergeben, daß der Gesamtbetrag der Vorauszahlungen um mehr als 20 v. H. hinter der Veranlagung zurückbleibt, so erhöht sich die Steuer um 10 v. H. dieses überschießenden Betrages. Die vielsach verbreitetee Ansicht, die Steuerpflichtigen, die in den Verkaufspreis nur 1½ Prozent Steuer einkalkuliert hätten, brauchten auch nur 1½ Prozent Umsatzsteuer zu zahlen, ist irrtümlich. Da die Steuerpflichtigen im Januar d. Is. durch die Tagesblätter amtlich darauf hingewicsen worden sind, sich auf einen Steuersatz von 2 bis 2½ Prozent einzurichten, so kann in der ausnahmslosen Erhebung von 2 Prozent in keinem Falle eine Härte erblickt werden. Im Einzelnen verweisen wir auf die Belanntmachung des Finanzamtes im heutigen Anzeigenteile. Nun läßt Betru sich zwar in dieser Hinsicht nicht ellzutief in die Karten gucken; immerhin gibt rjedoch einige Mertmale, nach denen man mit einiger Zuverlässigleit urteilen lann. Es sind die die Anhaltspunkte, deren sich die Jäger und Bauern bei ihren melstens zutreffenden Propyezeiungen bedienen, und diese seien zu Nutz und Frommen aller Leser hier einmal mitgeteilt. Auf gutes Wetter am nächsten Tage deuten: Schönes gelbes Abendrot, Fernsichtigkeit des Horizonts, senkrecht aufsteigender Rauch der Schornsteine, hoher Vogellug, Abendkonzert von Grillen, Schwärmen von Mücken und Fliegen am Abend, nördlicher oder nordöstlicher Wind. Auf schlechtes Wetter deuten dagegen: Blutrotes Abendrot, Woltenwand am Westhimmel, hochgehender Nevel. Hellhörigkeit der Luft,(so daß man z. B. das Pfeifen von Lokomoriven oder Dampfsirenen sehr weit hört), flackernder oder zu Boden sinkender Schornsreinrauch, Niedrigfliegen der Vögel, Zudringlichkeit von Insekten, Erscheinen von Regenwürmern und Schnecken, und anderes mehr. ** Sommer Sonderzüge. Um möglichst weiten Kreisen eine Erholungsreise zu ermöglichen, werden in diesem Jahre— unabhängig von den Ferienzügen— nachstehende Sonderzüge mit nur 3. Klasse zu ermäßigten Preisen gefahren: Nach München: am 2.=3. Juni, 16.=17. Juni, 16.=17. Juli, 9.=10. August(2 Züge), 10.=11. August und 25.=26. August. Nach Basel und Konstanz: am 16.=17. Juni, 16.=17. Juli, 9.=10. August, 10.=11. August(2 Züge), und 25.=26. August. Nach Friedrichshafen: am 10.=11. August und 11.=12. August. Nach Bremen und Hamburg: am 16.=17. Juli, 9.=10. August(2 Züge) und 11.=12. August. Nach Norddeich: am 10. August und 11.=12. August. Nach dem Harz: am 16. Juli und am 12. August(2 Züge). Nach Thüringen: am 17. Juli, am 9.=10. August, am 10. und am 11. August. Nach Berlin: am 11.=12. August. Nach Ostpreußen: am 10.=11. August. Fün diese Züge werden Fahrkarten mit einer Geltungsdauer von 60 Tagen ausgegeben. Nähere Auskunft ertellen die Statlonen und Fahrlarten=Ausgeben. ** Die hohe Temperatur der letzten Woche hat das große Blühen im Garten und Feld außerordentlich gefördert, stellenweise hat sie es auch zu gut gemeint, und der Blumenflor vergeht ebenso schnell wieder, wie er gekommen ist. Den besten Beweis dafür geben die Päonien, die Pfingstrosen, die unter den sengenden Sonnenstrahlen nur ein kurzes Leben haben. Auch beim Schneeball, Flieder, Goldregen, den Lilien ist es zu erkennen. Das 1525 Aus Stadt und Land. Schwerte, 30. Mai. Erinnerungen. Thomas Münzer, religiöser Schwärmer, hingerichtet. 1640 Der niederländische Maler Peter Paul Rubens gestorben. 1778 Der franz. Dichter Voltaire gestorden. 1814 Erster Pariser Friede. Fr Gettermerkmale. Die Frage, wie am nächsten Tage das Wetter sein wird, ist nicht nur oft ein beliebtes Unterhaltungsthema, sondern kann auch dann größeres Interesse erwecken, wenn man z. B für den folgenden Tag irgend eine Verabredung geeroffen, eine Reise geplant dat oder dergl. maigrüne Laub färbt sich dunkler. Die größte Hitze scheint einstweilen aber doch ihre Zeit gehabt zu haben, und aus den 40 Grad Celsius, die in der Sonne vielfach herrschten, kommen wir jetzt in ein angenehmeres Dasein. ** Schwerbeschädigte ohne Beschäftigung. Nach ungefähren Feststellungen waren in Deutschland zu Anfang dieses Jahres rund 20000 Schwertriegsbeschädigte vorhanden, die noch keinen Beruf ausübten. In diese Zahl sind auch die bedauernswerten Kameraden eingeschlossen, denen durch die Art oder den Grad ihres Leidens versagt ist, irgend einen Beruf auszuüben. Für den Freistaat Sachsen wird eine auffallend geringe Zahl von Schwerbeschädigten ohne Beschäftigung genannt. *: Keine Erhöhung der Tarise auf der Eisenbahn vor dee Hauptreisezeit. Auf eine Anfrage von parlamentarischer Seite hat das Reichsverkehreministerium versichert, daß zum 1. Juli eine Erhöhung der Personentarife nicht eintreten wird mit Ausnahme der Vororttarife in Berlin und Hamburg. In diesen Orten werden neue Zonentarife eingeführt, die eine Erhöhung von 20 bis 30 Prozent vorsehen. Zeitkarten werden um 60 Prozent erhöht. ** Haus= und Geundbesitzerverein. Die Mitglieder des Haus= und Grundbesitzervereins seien euch an dieser Stelle auf die heute Abend im#4. serhof", stattfindende Versammlung aufmertn gemnaat. Es ist eine sehr wichtige Tagesordu# zu erledigen. ** Volkshochschule. Es wird nochmals an die sotägige Sonderfahrt nach Nürnverg und Rotenburg erinnert. Da nur eine beschränkte Anzahl Teilnehmer vorgesehen ist, werden diejenigen, die sich an der Fahrt beteiligen wollen, gebeten, sich umgehend bei dem hiesigen Studienleiter oder auf dem Rathaus, Zimmer 20, zu melden. ** Das Bier wird wieder teurer! Die rheinischwestf. Brauereien haben den Bierpreis vom gestrigen Tage ab wieder um 260 M poo Hektoliter erhöht. Der hiesige Wirteverein hat in seiner gestrigen Sitzung Zu dieser erneuten Steigerung des Vierpreises Stellung genommen und muß nun selbstredend auch die Ausschankpreise erhöhen. Das Glas Bier wird sich angesichts der andauernden Steigerung aller Unkosten auf 4,50 u stellen. Trübe Aussichten für Biertrinker! Aus den Provinzen. Hörde, 29. Mai. Straßenräuber. Festgenommen wurden fünf Personen, die nachts auf der hiefigen Wellinghoferstraße einzeln daher konimende Personen mit dem Rufe„Geld her!" überfielen und mit Stöcken auf sie einschlugen. Einem der Ueberfallenen wurde ein Fahrrad und eine Brieftasche entrissen. Das Fahrrad konnte der Ueberfallene den Rohlingen wieder abnehmen, während die Brieftasche von den Tätern in Sicherheit gebracht war. Nur durch Hinzukommen mehrerer Personen wurde es den Straßenräubern unmöglich, weitere Räubereien zu begehen; sie sind inzwischen dem Gerichtsgefängnis zugeführt, wo ihnen genug Gelegenheit gepoten ist, über ihre Handlungsweise nachzudenken. Lüdenscheid, 29. Mai. Mord. Ermordet aufgefunden wurde gestern nachmittag in einem Tannendickicht unterhalb des Stadtparks die Witwe Lück aus Oenninken. Die Leiche wies. Schußverletzungen auf und war mit Tannenreisern bedeckt und an die Fundstelle geschleift worden. Von den Tätern sehlt bisher jede Spur. Wanne, 29. Mal. Trauriges Endeeines. Schulausflugetz. Eine Schülerabteilung der Hermannschule in Eickel hatte einen Ausflug unternommen und befand sich auf der Heimfahrt in dem Zuge, der aus der Richtung Recklinghausen abends gegen 8 Uhr auf dem Bahnhof Wanne einläuft. Beim Einlaufen des Zuges beugte sich der 13 Jahre alte Schüler Schlüter aus der KurfürGrunystuc aufhallenden 10jührigen Jungen, der auf dem Wege vom Kommunionunterricht nach Hause siet befand. Dem Jungen wurde der Körper in der Brusthöhe buchstäblich durchschnitten. Der Tod trat auf der Stelle ein. Trier, 29. Mai. Das teuerste Fuder, as je auf einer Trierer Weinversteigerung zum uggeoot kam, wurde ant Dienstag voriger Woche 70 Preise von 1080000 Mart der Kölner Wein174 Keller=Mungenast zugeschlagen. Das Fuder stanktt aus, dem Weinberg des Weingutbesitzers Avol# Wagner auf Schloß Saarfels bei Lerrig. Wie d6), Tziersche Landeszeitung“, hört, ist es eines delbesten Gewächse der Lage Serriger Vogelsang uy als Ausbruch aus den reifsten und edelsten Truben des Weingutes gewonnen. Wiesbatre 20. Mai. Fahrkartendiebe. Einem weit bezweigten Diebstahl von Eisenbahn= fahrkarten ist dan hier auf die Spur gekommen. Nus den Beständn eines hiesigen Reisebüros stahl man hochwertige Z#rkarrten 1. und 2. Klasse nach Hamburg, Berlin, Oisseldorf, Frankfurt a. M., Hanau, Baden=Baden und Basel. Die Sache konnte noch nicht aufgekirt werden. Vor dem Anlauf solcher Garten wird gewarnt. stenstraße in Eickel zu weit aus dem Fenster, schlug mit dem Kopf gegen eine zufällig offenstehende für eines Telephonhäuschens, das auf dem Bahnsteig sich befindet, erlitt einen Schädelbruch und war kurz danach tot. Wattenscheid, 29. Mai. Gerechte Bestrafung einer Rabenmutter. Wegen fortgesetzter Mißhandlung ihres neunjährigen Stiefkindes Friedrich harte sich die Ehefrau Wilhelmine Lange. die wiederholt, auch wegen. Mißhandlung ihres Mannes, vorbestraft ist, vor dem hiesigen Schöffengericht zu verantworten. Die Frau hatte den Kleinen bei jeder Gelegenheit mit allen möglichen Gegenständen mißhanbelt und ihn schließlich mit einem Holzschuh derart an den Kopf geschlagen, daß der Junge eine Mittelohrentzündung davontrug, an deren Folgen er gestorben ist. Das Urteil lautete auf zwei Jahre Gefängnis bei sofortiger Verhaftung. Bocholt, 29. Mai. Tödlicher Unfatl. Auf dem Anschlußbahngleis der hiesigen Firma Rudolf Karstadt=Akt.=Ges. war heute mittag eine Anzahl Arbeiter mit dem Abfahren von mit Baukies beladenen Waggons beschäftigt. Als der letzte Wagen das Fabrikgrundstück bereits erreicht hatte, erfaßte er einen sich widerrechtlich auf dem Letzte drahtmeldungen. Ein Notschrei der Presse an den Reichskanzler. TU. Haunover, 30. Mai. Auf der Tagung der deutschen Hannoverschen Presse burde einstimmig eine Eingabe an den Reichskanzle beschlossen, in der es heißt: „Die am 28. Mai zu einer Tagung zusammengetretene deutsch=hannoversche Presse hittet dringend, umgehend wirksame Schritte zur Behebung der Notlage einzuleiten, in der sich zur Zeit die gesamte deutsche Presse befindet. Der deutschen Volksgemeinschaft muß eine ihr unenbehrliche unabhängige deutsche. Presse erhalten bleiden.“ Unwetter und Hagelschlag. Neuftrelitz, 30. Mat. Ganz Mecklenburg wurde von schweren Gewittern heimgesucht. In der Umgebung von Neustrelitz vernichtete Hagel die Baumblüte. In einem Dorfe brannten zwei Häuser infolge Blitzschlages ab, wobei viel Vieh umkam. Auch in Schleswig=Holstein haben schwere Gewitter großen Schaden angerichtet. Die Cholera im Osten. Warschau, 30. Mai. Wie die polnische Tel.=A. aus Moskau meldet, wurden in den letzten Tagen 25 Cholerafälle festgestellt. Die Cholera tritt auch in Petersburg epidemisch auf. Gustav Freusen bei Hürding. Nenyort, 30. Mai. Nach einer Meldung aus Washington empfing Präsident Harding den deutschen Dichter Gustav Frensen, der ihm den Dank des deutschen Volkos für das amerikanische Hilfswerk übermittelte. Stadttheater Dortmund. Mittwoch, 21. Mai 7½—9½ Uhr:„Der keusche Lebemann". Schwank in drei Akten von Franz Arnold und Ernst Bach. Drnnerstag, 1. Juni 7—10½ Uhr:„Euryanthe“. Große romantische Oper in drei Aufzügen von Carl Maria von Weber. Fröhliche Pinngken durch eine Vertobungs-Anzeige in der Pfingst=Kummer der„Schwerter Zeitung" berestei man allen Freunden und Bekannten. Wir bitten, die Anzeigen schon sethzt aufzugeben, W S######. Garrikier 10 Roman von Reinhold Ortmann. (Nachdruck verboten.) „Du scheinst zu vergessen, daß ich das Vergnügen hatte, ihn kennen zu lernen— damals, as er nach Hamburg gekommen war, um die Einzelheiten des Sozictits=Vertrages mit dir zu vereinbaren. Und du scheinst auch zu vergessen, daß ich dir zu jener Zeit aus meinem Mißfailen an seiner Persönlichkeit kein Hehl gemacht habe. Er war mir viel zu verbindlich und zu geschmeidig, viel zu sehr Lebemann und Segant, als daß ich in seine innere Tüchtigkeit hätte besonderes Vertrauen setzen können.“ „Er war in einer anderen Atmosphäle groß geworden als du und ich. Und du könntest, wenn du heute genötigt wärest, in Berlin zu leben, an sehr vielen. deren Redlichkeit und Tüchtigkeit doch über jeden Zweisel erhaben ist, die nämlichen Ausstellungen machen.“ „Wenn es so ist, Henry, muß hier doch wohl eine gefündere Luft wehen,— wenigstens für den Kaufmann. Und du hättest besser getan, sie nicht gegen eine andere zu vertauschen. Ich meinte es nicht schlecht mit dir, als ich dich ödvor warnte.“ „Gewiß, du meintest es nicht schlecht. Ader an dem, was einmal geschehen ist, läßt sich durch solche nachträglichen Betrachtungen leider nichts mehr ändern. Und es kann sich jetzt einzig darum handeln, wie die Katastrophe abzuwenden ist, die mich bedroht.“ „Ja, das ist für den Augenblick wohl das Wichtigste, wenigstens für dich.— Hast du dich inzwischen über den. Umsung der von deinem Sozis verübten Unterschlagungen Henry Frederiksen brachte aus der Brusttasche seines Ueberrockes eine Anzahl von Papieren zum Vorschein. „Ich habe mit meinem Prokuristen die ganze Nacht durchgearbeitet, um zur Klarheit zu gelangen.— Und ich glaube nicht, daß sich jegt noch weitere Ueberraschungen einstellen werden. Aber es ist freilich auch so schon niederschmetternd genug. Denn zuletzt, als ihm das Wasser bis an die Kehle gestiegen war, hat Thiele wahllos nach allem gegrissen, was ihm erreichbar schien.“ Ohne Hast hatte der Konsul die Hand ausgestreckt, um die Blätter, die mit langen Zahlenreihen beschrieven waren, in Empfang zu nehmen. Und sein Gesicht blieb unbeweglich, während er sie bedächtig prüfend überflog. Minuten waren vergangen, als er in seinem vorigen, kühlen Tone sagte: „Danach fehlen bir also, wenn alle sofort fälligen Verbindlichkeiten erfüllt werden sollen, nicht weniger als ungeführ dreimalhunderttausend Mark.“ „Die Summe ist vielleicht um etliche zehntausende zu hoch gegriffen. Aber ich muß doch auch, wenn ich mein Geschäft ohne Stockung fortführen will, einige flüssige Mittel zur Verfügung behalten.“ „Und du erwartest von mir die Hergabe der ganzen Summe?“ 1epu 2.% 4.444#2##### „Wie die Dinge einmal liegen— und da Thieles Selbstmord doch kein Geheimnis bleiben kann, drauche ich dir wohl kaum zu sagen, Cäsar, daß ich fremde Hilfe nicht suchen darf, ohne den Kredit meiner Firma rettungslos zu untergraben.“ „Des wäre also ungefähr derselbe Betrag, über den du verfügtest, als du dich in diese Sozietät eingelassen.— Der Nachlaß deines Vakers belief sich ja auf etwa sechsmalhunderttaufend Mark. Und die Hälfte davon entfiel auf Helga.“ Henry nickte. „Es ist ein trauriges Resultat,“ sagte er leise.„Aber und sah dem anderen mit freiem, offenem Blick ins Gesicht. „Ich habe auf deine Hilfe selbstverständlich nicht als auf etwas unbedingt Sicheres gerechnet. Und ich wäre kaum befugt, dir zu zürnen, wenn bu rundweg nein sagtest. Aber du darfst es auch nicht so ansehen, Cäsar, als ob ich diese Riesensumme einfach als ein Geschenk von dir erbäte. Wenn es mir durch deinen Beistand gelingt, über die Klippe hinweg wieder ins freie Fahrwasser zu kommen, werde ich sicherlich auch in der Lage sein, meine Schuld nach und nach zu tilgen.“ „Ich zweifle natürlich nicht an deinem redlichen Willen. Aber da du, wie du sagst, schon mit der Möglichkeit einer runden Ablohnung gerechnet hattest; wirst du es um so begreiflicher und verzeihlucher finden, wenn ich zwar nicht kurzerhand nein sage, aber von vornherein erkläre, daß ich mich auf ein Darlehnsgeschäft, wie es dir vorzuschweben scheint, nicht einlassen werde.“ „Und in welcher anderen Form—“ „Du gestattest mir doch, ganz offen zu reven?“ „In meiner Lage hat man kein Recht mehr, empfindlich zu sein. „Einem hilfsbereiten Verwandten und wohlwollenden Freunde gegenüber wäre die Empfindlichkeit jedenfalls schlecht am Platze. Also— un es klar und kurz zu machen: ich stelle meine Bedingungen. Und vie erste ist, daß von einer Weiterführung deinet Bankgeschäfte nicht die Rede sein darf. Ich kann mich nicht von Anschauungen bestimmen lassen, die niir fremd sind, sondern ich kann die Dinge nur mit dem Maße messen, das ich bei der Beurteilung kaufmännischer Verhältnisse anzulegen gewohnt bin. Ich kann einem durch eigenes Verschulden— und duzu rechne ich natürlich auch den Mangel an Gorgfalt— ins Unglück geratenen Kaufmann hätte ich darum dem Beispiel Thieles folgen und mir eine Mangel an Sorgsalt— ins Unglück geratenen Kaufmann Kugel vor den Kopf schießen sollen?“ vielleicht ein Almosen geben; aber ich kann ihm keinen Bei„Solche Eventualitäten tommen für einen rechtschaffenen stand leisten, der das Vertrauen in seine Tüchtigkeit zur VorMann selbitverständlich nicht in Frage," erwiderte der Konsul aussetzung hätte. Ich würde nicht nur alle meine Grundsätze kurz abweisend.„Aber du wirst mir zugeben, daß es eine verleugnen müssen, sondern ich würde bir nach meiner unetwas starke Zumutung ist, die da an mich gestellt wird. Ich unstößlichen Ueberzeugung nicht einmal einen Dienst erweisen, vin nicht gerade arm, aber ein Schifforeeder bedarf der flüssigen wenn ich dich durth ein Darleyen— gleichriel ob groß oder Mittel nicht weniger als ein Bantier. Und für einen Vander= klein— in den Stand setzte, dein Geschäft fortzufüpren.—“ bilt wirst du mich ja am Ende nicht gehalten haben.“. Da richtete sic Heurn aus seiner asbeuaten Hallung auf(Fortsetzung folgt.) Orenslein& Koppel... Phönix Bergbau..... Peisholz Pap. Rhein. Skahlwerke.... Rombacher Schuckert Siegen=Solingen..... Ver. Di. Nickelwerke... Westf. Draht=Ind. Westf. Eisen, Langendreer Handel und Börse Volkswirtschaft Altemumpenpenununeniuinunmuang er Berliner Börsenkurse vom 29. Mai 1922 mitgeteill vom Barmer Bank=Verein,[Schwerte 5% Deutsche Reichsanleihe....... 77½ Barmer Bank=Verein........... 240 Deutsche Bank 580 Diskonto 420 Dresdner Bank 315 Hamb.=Amer.=Pad. 370½ Allgem. Elektr.=Ges. 590 Baroper Walzwerk 950 Bochumer Guß......... 910 Bösperde Walzwerk... 900 Daimler Motoren......... 373 Deutsch=Luxemburg..... 870 Deutsche Kaliwerke........... 1657 Dynamit 570 Elberf. Fardw. 620 Essener Steinkohlen.........765 Gelsenkirch. Bergw 901 Gasmot. Deutz 625 Harpener Bergw. 1720 Hoesch 950 Humboldt Masch. 490 Mannesmann 1103 verdetet esrücprün angeschlossenen Vereine bis 25. Juni entgegen, sie können auch unmittelbar bei dem engeren Arbeits ausschuß d. R. J. K. in Schwerte, bestehend aus den Herren Protz=Schwerte als Vorsitzender, Viebahn=Westhofen als Schriftführer und Wilh. Egelhardt=Schwerte als Kassenführer erfolgen. Die festgelegten Uebungen veröffentlichen wir voraussichtlich morgen. Am Donnerstag, 1. Juni, abends 6 Uhr, sollen die vorgesehenen Geräte= und Freiübungen in der Turnhalle im Gymnasium vorgeführt werden. Vertreter der Vereine und Schulen sind dazu willkommen. Wer keinem Verein angehört, aber sich an den Kämpfen beteiligen will, tut gut, die Uebungen an diesem Avend mitzumachen. Alle Nebungen sind dem Können von Jugendlichen angepaßt, besonders sind auch Schwierigkeiten für bisher turnerisch Ungeübte vermieden, um allen Knaben und Mädchen die Teilnahme zu ermöglichen. Auslands=Wechselkurse der Berliner Börse (Devisenkurse) Man zahlle deutsche Mark: für am 27. 5. am 29. 5 100 belgische Franken.. 2441,90 2374,50 100 dänische Kronen... 6352,05 6142,30 1 englisches Pfund... 1297,35 1248,40 100 französische Franken: 2645,15 2561,75 100 holländische Gulden 11385,70 10936,30 100 italienische Lire.... 1523,05 1478,15 100 polnische Mark....— 6,95 100 schwedische Kronen. 7520,35 7375,90 100 schweizerische Franken 5553.05 5363,25 100 tschechische Kronen. 551,25 538,80 Ein Dollar Sonne, teils wolkig, ziemlich tühl. Heiter mit Wolken, warm, strichweise Gewitter mit Regen. overschick. Sienb.=Bed. Modenberichte Eeziehungsfragen, Humor Haus und Küche Regelmäßige Frauenbeslag zu: Schwerter Zeitung gen und Dü#####a#### welche die Aufgabe„aben eingeführte„Nahrungsmittel so zu verändern, daß sie in den Körper ausgenommen und dort verwertet werden können, unter demn Eindruck der Hire stark zurückgehl. Daneben verliert der Säugling aber— genau wie der Erwachsene— durch den Schweiß und mit der Atmungsluft sehr viel Wasser. Er wird also durstig. Diesem Durst gibt er durch gieriges Verlangen nach der Brust oder dem Schoppen Ausdruck. Was tut die Mutter? Sie reicht ihm die Nahrung, ja sie gibt ihm soft und häufiger und reichlicher als sonst. Ist das richtig? Nein! Das ist sogar sehr gefährlich. Denn die Milch ober der Schoppen enthält ja nicht Wasser gegen den Durst, sondern daneben noch eine vollkommene Mahlzeit, aus Eiweiß, Feit, Zucker, Mehlen und Salzen. Solch eine Mutter oder Wartefrau handelt gerade so töricht wie ein Ernmchsener, der gegen seinen Durst statt ein paar Schluck Wasser oder sonstiger Getränke eine große gehaltreiche Mahlzeit zu sich nehmen würde. Ihr Kind bekommt also nicht nur mehr Nahrung als sagen, sondern dies Mehr Pfingstzauber. an kühlen an Nahrung Darmkanal hineingegossen, der— wie oben auseinardergesetzt— zu wenig Verdauungsflüssigkeit enthält, der also weniger leistungsfähig ist als in kühlen Tagen. Die Verdauungswertzeuge werden atürlich dadurch überlastet. Aber hierbei bleibt es nicht. Denn ebenfalls infolge der Hitze wird der Darm noch anderweitig geschädigt. Jedermann weiß, daß in ihm Milliliarden von Keimen(Bakterien) leben, die bei der Verdauung der Nahrung mitwirken. Nun ist es so eingerichtet, daß nur gewisse Arten von ihnen und diese wiederum nur bei bestimmter Verbreitung über die einzelnen Avschnitte des Darmrohrs den für die Ernährung günstigen Zustand darstellen. Das Organ, daß diese Darmbaktericen durch geheimsnisvolle und noch durchaus ungeklärte Kräfte in Ordnung hält, ist wiederum die Darmwand. Auch die keimregelnde Eigenschaft wird offenbar durch die Hitze geschädigt. Und doch werden auch in dieser Beziehung wieder— wenigstens bei der Schoppennahrung— an den Darm in der heißen Zeit vermehrte Ansprüche gestellt. Enthält doch im Sommer die Milchnahrung, wenn sie nicht ganz besonders vorsichtig gepflegt wird, bedeutend mehr Keime als in kühleren Jahreszeiten. Denn unter dem Einfluß der Wärme wuchern die Bakterien in ihr während der langen Stunden, die zwischen dem Melken und Trinken versereichen. aufs üppigste. Selbst wenn man die Milch nachher noch abkocht und so die Keime mehr oder weniger vernichtet, so bleiben doch die vermehrt gebildeten Erzeugnisse ihrer Lebenstätigkeit in der Milch zurück, von denen manche schädlich wirken. Wir sehen also, daß die durch die Hipe in ihrer Arbeitskraft und bakterienbeherrschenden Fähigkeit geschwächten Ernährungswerkzeuge des Säuglings im Sommer ganz gewöhnlich vor übergroße Arbeit gestellt„werden. Kann es da wundernehmen, unterrichten. Also die Mutter darf heute nicht siehr frogen, ob sie etwa stillen kann, sondern höchstens, ob sie ausnahmsweise es nicht kann. Ihr erfahrener Ratgeber wird ihr dann häufig zeigen kinnen, daß die angebliche Unmöglichkeit, zu stil len. ain der Unkenntnis irgendwelcher kleiner Handgriffe liegt. Ist es denn auch wirklich so dringend nötig, daß möglichst jede Mutter ihr Kind stillen soll? Wird dadurch die Sommersterblichteit der Säuglinge tatsächlich eingeschränkt? Hierzu eine kleine ohlenreihe. Eine beliebig herausgegriffene Statistik zeigt, daß damaks im Sommer um 1,8 nal nohr Brustkinder starben als in den übrigen Monaten. Bei den Flaschenkindern waren es aber sechsmal so viele. Bedenkt man nun, daß an sich auch sonst so sehr viel mehr Flaschenkinder sterben als Brustkinder, so bekommt diese um das Sechsfache erhöhte Sommersterblichkeit ihre richtige und ernste Bedeutung. Das beste Vorbeugungsmittel gegen die Sommesterblichteit der Säulinge ist also die Muttermilch. Der Grund liegt darin, daß dem Kind aus der Brust eine bakterienreine Nahrung gereicht wird, die möglichst zweckentsprechend zusammengesectzt ist, von den einzelnen Nahrungsbestandteilen nur und in der besten Form gerade so viel enthätt, wie es das Kind bedarf. Es fällt also jede Ueberlostung fort. Liegen nun ausnahmswbeise wirklich dringende Gründe vor, aus denen heraus das Kind mit dem Schoppen genährt wird, so muß man natürlich doppelt vorsichtig sein. Den jetzt reicht man eine Milch, die von der Natur gar nicht für den Säugling, sondern für das schnellwachsende Kalb bestimmt, unnötig viel von marchen Nehrungsstoffen enthält und niemals bakterienfrei, oft aber, namentlich im Sommer. sehr keimreich ist. In jedem Falle wird die Arbeit der Verdauungswerkzenge also wesentlich stärker in Anspruch genommen als bei der natürlichen Ersährung an der Brust. Wie hilft nian da? Geistes. Du mahnst: O laß in Deines Herzens Tiefen Der Pfingsten holden Zauber ein. ###K Ist's nicht, ob Geisterstimmen riefen „Hör' uns! Du wirst begnadet sein!“ Hitzemerkblatt für Säuglinge. Von Prof. C. T. Noeggerath, Direktor der Univers.=Kinderklinik Freiburg i. Br. Wie kann die Sommerhitze dem Kinde schaden, und was läßt sich dagegen kun? Diese beiden Fragen lohnen schon ein paar Worte. Joder, Erwachsene weiß, daß er sich an schwlllen Sommertagen schlaff fühlt, daß er keinen rechten Hunger, aber um so mehr Durst hat. So geht es natürlich auch dem Säugling. Nur kann er es uns nicht sogen. Er äußert schon seine Beschwerden, diese weiden über ieider von seiner Unz gebung oft genug mißdeutet eder übersehen. Was ich hiermit meine witd versslicher, wenn wir zunüctst einmal die Iinwi##ms vergroßer Pite auf ien Säugling ennenge#### haben. Du h mancherlei Untee##hungen wissen wir, daß de Ab,onderung#er Verkanung pnim hahrpreid=Armäßigrng für Eisenbahnfahrten im Interesse der Jugendwohlfahrt. Abschrift. Der Minister für Volkswohlfahrt. III C Nr. 230. Berlin, W. 66, 3. Febr. 1922. Leipziger Straße 3. Im Anschluß an die Erlasse vom 7. Juli und 29. November 1921, III C Nr. 1410 und 2997. Infolge der Verzögerung in der Durchführung der behördlichen Anerkennung der Jugendpflegevereine hat der Herr Reichsverkehrsminister angeordnet, daß die Fahrpreisermäßigung zugunsten der Jugendpflege nach dem bisherigen Verfahren auch über den 1. Januar 1922 hinaus zunächst noch weiter gewährt wird. Am 1. April 1922 treten entsprechend einem Erlaß des Herrn Reichsministers des Innern vom 21. Januar 1921— III 451— folgende mungen in Wirksamkeit. I. Die Fahrpreisermäßigung zu Gunsten der Jugendpflege wird unter den tarifarischen Voraussetzungen (Ausführungsbestimmungen C IV zu§ 12 der Eisenbahnverkehrsordnung im deutschen Eisenbahn= Personen= und Gepäcktarif Teil 1) unterschiedslos allen Jugendpflegerereinen ohne Ansehung der Konfession und der politischen oder sonstigen Stellung ihrer Träger gewährt. Unter Vereinen für die Jugendpflege sind alle Vereinigungen zu verstehen, deren Zweck in der Förderung der körperlichen, sittlichen oder geistigen Erziehung der Jugend liegt, also auch Vereine, die sich zwar nicht als Jugendpflegeverein bezeichnen, aber in den ihnen angeschlossenen Jugendabteilungen die Förderung der körperlichen, geistigen oder sittlichen Erziehung der Jugend tatsächlich bezwecken. Die Fahrpreisermäßigung wird nicht nur zu Wanderfahrten, sondern auch zur Beteiligung an sportlichen Veranstaltungen, z. B. zur Austragung von Wettkämpfen, gewährt. Die Ausführungsbestimmung C IV zu§ 12 der Eisenbahnverkehrsordnung sieht vor, daß die Fahrpreisermäßigung beanspruchenden Vereinigungen „behördlich anerkannt und durch die Eisenbahnverwaltung besonders bekanntgegeben“, werden müssen. II. Als behördlich anerkannt haben alle Vereinigungen zu gelten, die einer der unter aud aufgeführten Organisationen angehören, vorausgesetzt, daß sie den vorstehenden Anforderungen entsprechen, nämlich a) einer staatlichen oder staatlich anerkannten Jugendorganisation, b) dem Ausschuß der Deutschen Jugendverbände, c) dem Deutschen Reichsausschuß für Leibesübungen, d) der Zentralkommission für Sport= und Körperpflege. Die Vereinigungen haben sich selbständig oder unter Vermittlung ihrer Organisationen(a—d) bei den für sie zuständigen Eisenbahndirektionen und Privatbahndirektionen, in deren Bezirk sie ihren Sitz haben, zwecks Eintragung in die Liste der zur Inanspruchnahme der Fahrpreisermäßigung berechtigten Vereine anzumelden. Diese Anmeldung muß den Namen und die Wohnung des Vereinsvorsitzenden enthalten. Veränderungen sind umgehend anzuzeigen. Der Anmeldung ist eine Bescheinigung der Organisation beizufügen, aus der sich ergibt, daß die Vereinigung ihr angehöre, und daß den vorstehend aufgeführten Bedingungen genügt ist. Die Vordrucke zu den Anträgen auf Gewährung einer Fahrpreisermäßigung können sowohl von der Vereinigung selbst wie durch ihre Organisationen bezogen und. mit Stempel versehen werden. Die Anträge auf Gewährung der Fahrpreisermäßigung im einzelnen Fall müssen aber von den Vereinen selbst gestellt und mit den vorgeschriebenen Bescheinigungen versehen werden. Durch diese Bestimmung soll den Eisenbahndirektionen die Möglichkeit gegeben werden, aus den Anträgen den Namen des Vereins zu ersehen, um seine Berechtigung nachprüfen zu können. III. Die Vereinigungen, die einer der unter a—d angeführten Organisationen nicht angehören, bedürfen einer besonderen behördlichen Anerkennung. Also nicht bloß wie bei II einer Bescheinigung ihrer Organisation. Diese regelt sich nach folgenden Bestimmungen(1 bis 6): 1) Die Anerkennung wird durch die Jugendämter, und wo solche noch nicht bestehen, durch die Ortsbehörden(Gemeindevorstand, Polizeibehörde) ausgesprochen. 2) Die Anträge auf Anerkennung sind an diese Behörden zu richten. In den Anträgen ist a) der Name, Sitz und Zweck des Vereins, b) der Name und die Wohnung des Vorsitzenden genau anzugeben. Ferner sind die Satzungen des Vereins beizufügen. 3) Nach Prüfung des Antrages hat die Behörde (Jugendamt, Ortsbehörde), wenn sie ihm zustimmt, die Anerkennung des Vereins auszuspreihen und den Antrag unter Beifügung der Satzung an die Eisenbahnverwaltung(Eisenbahn= direktion, Privatbahndirektion), in deren Bezirk der Verein seinen Sitz hat, abzugeben. 4) Die Eisenbahnverwaltung hat den Verein von seiner Anerkennung zu benachrichtigen und ihn in eine Liste der zur Inanspruchnahme der Fahrpreisermäßigung berechtigten Vereine aufzunehmen. 5) Je eine Ausfertigung der unter 4 genannten Liste ist von der Eisenbahnverwaltung ihren Dienststellen, die mit dem Verkauf der Vordrucke zu den Anträgen auf Fahrpreisermäßigung beauftragt sind, sowie der Verkehrskontrolle für den Personenverkehr und den Stellen, denen die Fahrkartenausgaben unmittelbar unterstellt sind, zu überweisen. Von allen Aenderungen und Ergänzungen dieser Liste ist allen genannten Stellen von der Eisenbahnverwaltung Kenntnis zu geben. 6) Die Abgabe der Vordrucke zu den Anträgen auf Fahrpreisermäßigung erfolgt bei der dem Verein von der Eisenbahnverwaltung mitzuteilenden Stelle nur auf schriftlichen, mit dem Vereinsstempel zu versehenden Antrag des Vereinsvorsitzenden.“ IV. Die nach a—d verantwortlichen Stellen sowie die Jugendämter und Ortsbehörden dürfen die von ihnen zu erstattenden Anmeldungen nur nach sorgfältiger Prüfung der vorstehenden Bedingungen machen, da sie sonst der ihnen auf Grund dieser Bestimmungen zustehenden Sonderstellung verlustig gehen müssen. Zu den vorstehenden Bestimmungen bemerke ich folgendes: Die der preußtschen staatlichen Organisation (Orts=, Kreis=, Bezirksausschüsse) für pflege angeschlossenen Vereine sind hiernach folge ihrer Zugehörigkeit zu dieser Organisation zum Genuß der Fahrpreisermäßigung berechtigt-und bedürfen für diesen Zweck keiner besonderen Anerkennung durch ein Jugendamt oder durch eine andere amtliche Stelle. Die Anmeldung für die Liste der zur Inanspruchnahme der Fahrpreisermäßigung berechtigten Vereine(Abschnitt II, zweiter Absatz) ist in der Weise zu bewirken, daß die Orts=, Stadt= usw. Ausschüsse eine Nachweisung der ihnen unmittelbar angehörenden Einzel=Vereine unter Angabe des Namens und der Wohnung des Vorsitzenden aufstellen. Am Schluß der Nachweisung ist zu die aufgeführten Vereine dem Ausschuß angehören. Diese Nachweisung ist schleunigst an den Kreisausschuß für Jugendpflege(Stadtausschuß in den selbständigen Stadtkreisen) bezw. den Landrat— in Berlin an den Hauptausschuß für Jugendpflege und Leibesübungen— einzureichen. Von diesen Stellen sind nach Prüfung unverzüglich die Nachweisungen der Ortsausschüsse sowie gegebenenfalls die von ihnen aufgestellte Liste der ihnen unmittelbar angehörigen Einzelvereine an die zuständigen Eisenbahndirektionen und Privatbahndirektionen weiterzugeben. Später eintretende Veränderungen sind auf dem gleichen Wege anzuzeigen. Ich ersuche ergebenst, für die schleunigste Durchführung der vorstehenden Maßnahmen zu sorgen. Den Eisenbahndirektionen u. Privatbahndirektionen des dortigen Bezirks sind von dort aus alsbald die Kreis= und Stadtausschüsse für Jugendpflege bezw. Landräte namentlich mitzuteilen, die die Nachweisungen der berechtigten Vereine vorlegen werden. Ueberdrucke dieses Erlasses sind für die Landräte und selbständigen Stadtkreise sowie für die besonderen bestellten Jugendpfleger und Jugendpflegerinnen beigefügt, außerdem weitere Stücke für die geschäftliche Behandlung. Unterschrift, Aatiererratung Soigen Mittwoch, d. 31. nachm 3 Uhr Holzev, Schulstraße 1 neuer heller eleganter SommerAnzug für schlande Figur preiswert zu verkauten. Zu erfr in der Geschst. Ee A 8223 r kräsnige Leule zum Umgraden von Land gesucht. Zu erfr. in d. Geschst. Bekanntmachung. Nach der von uns genehmigten Vereinbarung vom 8. Mai 1922 zwischen Vertrelern des Haus= und Grundbesitzervereins und des Mieterschutzvereins haben die Mieter neben dem bestehenden Mielzuschlag zur Friedensmiete rückwirkend vom 1. April 1922 ab die Mehrhosten anteilmäßig zu tragen, die durch die Erhöhung des Wassergeldes, der Kanalgebühren, der Gebühren für die Schornsteinreinigung und für die Müllabfuhr entstehen. 2398 Schwerte, den 29. Mai 1922. Der Magistral. Bekanntmachung. Vorauszahlung aus die Umsatzsteuer. Steuerpflichtige, die allgemeine Umsatzsteuer(2 v. Hundert) oder Anzeigensteuer zu entrichten haben, sind verpflichtet, im Laufe des Monats April für das Vierteljahr 1. 1. bis 31. 3, im Laufe des Monats Juli für das Vierteljahr 1. 4. bis 30 im Laufe des Monats Oktober für das Viertiljahr 1 7. bis 30 9, im Laufe des Monats Januar für das Vierteljahr 1. 10. bis 31. 12. eine Vorauszahlung zu leisten, die dem in dem betreffenden Kalendervierteljahr erzielten Umsatze entspricht(2 vom Hundert des Vierteljahresumsatzes) Erstmalig ist die Vorauezahlung für das Bierteljahr 1. 1 bis 31. 3. 1922 bis zum 31. Mat zu leisten. Steuerpflichtige, die erhöhte Umsatzsteuer zu zahlen, also auch vierteljährlich Umsatzsteuererklärungen abzugeben haben, wüssen die diese Erklä rungen entsprechenden Vorauezablungen in den Monaten Januar, April, Juli und Oktober leisten. wenn nicht durch erteilten Steuerbescheid eine frühere Fälligkeit der Steuer festgesetzt ist. Vorauszahlungen haben bei der Finanzkasse in Hörde, Hermannstr. 34 vorm von 9— 12 Uhr zu erfolgen Mitteilung über die erfolgte Vorauszahlung ist im Lause der genannten Monate an das Finanzamt Abt. Umsatzsteuer zu geben unter An gabe des im abgelaufenen Vierteljahre gehabten - Umsatzes. Geht diese Mitteilung nicht rechtzeitig ein, so setzt das Finanzamt die Höhe der Vorauszahlung sest. Uebersteigt die am Schlusse des Kalenderjahres (bei der allgemeinen Umsatzsteuer und Anzeigensteuer) oder des Kalendervierteljahres(bei der erhöhten Umsatzsteuer) vorgenommene Veranlagung den Gesamtbetrag der Vorauszahlung um mehr als 20 v. H., so erhöht sich die Steuer um 10 v. H. dieses überschießenden Betrages. 2359 Hörde, den 23. Mai 1922. Das Dr. Schmidt, Regsemugggrnt. Bekanntmachung Als Zeitpunkt des Abschlusses der Vorarbeiten für das neu anzulegende amtliche Fernsprechbuch für das niederrheinisch=westfälische Bezirksnetz wird der 20. Juni festgesetzt. Gebührenpflichtige Eintragungen, die nicht spätestens bis zu diesem Tage gekündigt sind, werden unter Einziehung der bestimmungsmäßigen Gebühr in die neue Auflage übernommen. 2395 Postamt in Schwerte(Ruhr). Verannimachung Durch Versügung des Herrn Regierungs=Präsidenten vom 3 ds. Mts. ist dem Phönix, AktienGesellschaft für Bergbau und Hüttenbetrieb, Abteilung Hörde, vorbehaltlich der Rechte Dritter die Genehmigung zur Anderung des Privatgleisanschlusses an den Bahnhof Hörde erteitt worden. Ich mache dies gemäß§§ 17 und 47 des etzes über Kleinbahnen und Privatanschlußbahnen vom 28. Juli 1892 mit dem Bemerken bekannt, daß die Pläne für die Anlage vom 30. Mai 1922 bis 2 Juni 1922 aus dem umte in Wellinghofen zu Jedermanns Einsicht offen liegen. Einwendungen gegen die Feststellung der Pläne sind innerhalb der vorbezeichneten Frist schriftlia, oder mündlich zu Protokoll bei dem Herrn Amtmann in Wellinghofen anzubringen. Nach ublauf dieser Frist können Einwendungen nicht mehr erhoben werden Hörde, den 26. Mai 1922. 2393 Der Landrat: gez. Hausmann. Bekanntmachung. Es wird hiermit zur öffentlichen Kenninis gebracht, daß die Wählerlisten zur Neuwahl der Gemeindeverordneten der Gemeinde Wellinghofen(früher Hacheney, Lücklemberg, Niederhofen, Wellinghofen und Wichlinghofen) im Amtshause hier, Zimmer Nr. 2, 8 Tage lang und zwar vom 1. bis einschl. 8 Juni 1922 zu Jedermanns Einsicht öffentlich ausgelegl sind. Bis zum Ablauf der Auslegungsfrist steht es jedem frei, gegen die Richtigkeit oder Vollständigkeit der Wählerliste seine Einwendungen schriftlich anzuzeigen oder zu Protokoll zu geben. Wellinghofen, 27. Mai 1922. Auf Anordnung: Der Gemeindevorsteher von Wellinghofen. Drees. Au unsere Leser richten wir die dringende Bitte, unsere Geschäftsstelle von unpünktlicher Zustellung der„Schwerter Zeitung“ möglichst sofort telephonisch, schriftlich oder persönlich in Kenntnis zu setzen, damit wir ungesäumt für Abhilfe sorgen können. Für die Beweise herzlicher Teilnahme deim Hinscheiden meiner lieden Frau, unserer guten Mutter und Tochter sagen wir allen hierdurch innigen Dank. Westhofen, den 29. Mai 1922. Im Namen der Hinierbliebenen: Familie Emil Klostermann, Frau Ww. Aug. Schlegel. Papier-und Papierwaren" Großhandlung Hornbruch& Co., G. m. b. H., Schwerte(Ruhr) M#u## Sämtliche Papiere und Papienvaren für alle Geschäftszweige.* „ 2***„„ 4 ür Buchvinvenegeucl Buchdruckerei Carl Braus. Bekanntmachung. In unser Genossenschaftseegister ist bei dem Sparund Bauverein Schwerte, eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht zu Schweite folgendes eingetragen: Die Höchstzahl der Geschäftsanteile, auf die ein Genosse sich beteiligen dann. beträgt 25. 2402 Schwerte, den 29 Mai 1922. Das Amtsgericht Junges für leichte Hausarbeit zu 2 Personen bei gutem Lohn und beiter Behandlung sofort gesucht. 2400 Frau Marga Nie, Iie„elwerke, Hörderstr. 63. LHeizer für Gesenkschmiedeösen gesuchl. Wittekindwerke Westhofen. Gieigigrr Iimmrienaut erhält Nebenbeschäftigung. Angebote unter N 2404 an die Exp. der Iig. „* zum sofortigen Euinstritt sgesucht. Carl Baus. Sterer abzugeben Stiftsbrauerei R.-G. hörde-Dortmund. Achtung! Freitag, 2. Juni, letster Tag kch kenne Dic Wissenschaftliche Beurteilung über auf das Genaueste. Außerdem ist die Weltprophezelung von 1920-1936 kostenlos zu haben. Spech Araderertele liefert schnellsten! Anständiger junger Mann sucht Schlafstelle in Schwerte oder Umgegend. 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Ob er jemals imstande sein wird, den Unterhalt für sich und seine Familie zu erwerben, ist eine noch ungelöste Frage.— Was nun mein Glück und unsere kostspielige Lebensführung betrifft——" Der Konsul brach ab, atmete tief auf und fuhr wiederholt mit der Hand durch sein Haar.„Sieh mal, mein Kind, das Glück in kaufmännischen Unternehmungen ist wandelbar wie Aprilwetter und kann sogar üble Folgen haben. Ich hatte— vielleicht zu früh— Glück in meinen Geschäften, und das verleitete mich, gar manches für mein Verdienst zu halten, was nur ein Spiel des Zufalls war. In dem Glauben an meine geistige Ueberlegenheit wuchs mein Wagemut, und— es kamen Fehlschläge gerade da, wo ich sie am wenigsten erwartet hatte. In den Tagen großer Erfolge nahm ich an, daß meine Lebensführung in Einklang mit meinen Einnahmen zu bringen sei, denn leben und leben lassen war mein Wahlspruch. Jetzt aber, wo ich starke Einbußen erlitten habe, würde ich mein Ansehen und meinen Kredit schädigen, wollte ich mich einschränken. Für mich gilt es jetzt, alle Kräfte anzuspannen, um dem Mißgeschick zu begegnen und unser Lebensschiff, trotz widrigem Winde, flott zu erhalten. Melitas Augen, aus denen bisher ein still in sich beglückter Friede geleuchtet hatte, schauten jetzt starr und erschrocken auf den Vater. Langsam glitt sie vor ihm nieder, stützte die Arme auf seine Knie und sagte mit umflorter Stimme:„Du hast Sorgen, Papa, ernstliche Sorgen? Wie ist das möglich?“ „Ja, mein Schatz, wer bleibt verschont davon. Es schmerzt mich, daß ich gleich nach deiner Heimkehr dir das gestehen und deine Heiterkeit trüben muß.“ „O Papa, ich danke dir für dein Vertrauen. So jung ich noch bin, so weiß ich doch schon, daß es leichter ist, Unglücksfälle zu ertragen, als im Glück Beschränkung zu üben. Aber mir scheint, du tust unrecht, nur einen Augenblick deiner geistigen Kraft zu mißtrauen. Verliere nur nicht dein Selbstvertrauen, und du wirst über jede Bedrängnis fortkommen. Ach, wenn ich doch teilnehmen dürfte an deiner Arbeit, deine Mühen, wenn ich dazu beitragen könnte, den Erfolg wieder auf deine Seite zu bringen! Aber mir liegen kaufmännische Dinge so fern, so unerreichbar fern——“ Der Konsul streichelte ihr welliges Haar und sagte:„Vielleicht kann mir deine Unterstützung mehr nützen, als du ahnst.“ Sie horchte überrascht auf.„Meine Unterstützung? Aber wie sollte, wie könnte ich unerfahrenes Ding——?“ „Du sollst natürlich keine Finanzoperationen ausführen, mein Herzel.“— Sich und Melita erhebend, schritt er im Zimmer auf und ab und fuhr in leichtem Tone fort:„Sieh mal, ein Mann von ganz anderem Schlag wie dein Sausewind Julian ist dein Reisegefährte Wolfgang Fries. Trotz seiner Jugend ist er schon ein gefesteter Charakter— das prägt sich in seinem Gesicht, in seinem Behaben aus.“ „Ja, Papa, Fries und Preyl sind grundverschieden, und doch möchte ich mit beiden stets verbunden bleiben— mit Fries in Freundschaft, mit Preyl in— Liebe.“ Der Konsul faßte seiner schalkhaft lächelnden Tochter unters Kinn.„Ei, du Spitzbübin! Das also sind deine frommen Wünsche! Natürlich, das könnte dir gefallen! Aber bei der Verteilung der Rollen in deiner comédie humaine wirst du für die des Freundes schwerlich einen Abnehmer finden— das glaube mir.“ „Für die Liebhaberrolle ist Fries entschieden zu ernst und zu reserviert.“ „Ich verstehe blitzwenig vom Theater, liebes Kind, aber ich meine, ob sich jemand für eine Rolle eignet, das stellt sich erst auf der Probe heraus.“ „Aber Papa, welch ein Scherz! Du kannst doch im Ernst nicht wollen, daß ich——“ Sie brach errötend ab. Der Konsul patschte ihr leicht auf die erglühende Wange. „Nein, du Närrchen, ich wünsche durchaus nicht, daß du dich für's ganze Leben an einen Mann kettest, den du nicht liebst, aber prüfen sollst du deine Bewerber— sorgfältig prüfen, bevor du dich entscheidest. Ich bilde mir ein, Menschenkenner zusein und wäre beruhigt betreffs deiner Zukunft, wenn du den soliden tüchtigen Kaufmann wähltest und nicht den leichtlebigen flatterhaften Poeten.“ „Aber mein Herz hat bereits entschieden, Benen „Pah, dein Herz! Entscheidungen eines jungen leidenschaftlichen Herzens bedurfen stets der Nachprüfung durch den Verstand. Dazu ist dir reichlich Zeit geboten, denn es werden Jahre vergehen, bis der flotte, in Hoffnung schwehende Arertra. Roman von Rudolf Elcho. Julian festen Grund gefunden hat. Willst du mir unterdessen hilfreich sein, so bietet sich jetzt dazu die Gelegenheit.“ „Was ist es Papa? Nichts in der Welt kann mir willkommener sein, als die Gelegenheit, dir meine Dankbarkeit zu erweisen.“— Sie schmiegte sich zärtlich an den Vater. „Also höre, mein Schatz. Obwohl junge Mädchen wenig von kommerziellen Dingen verstehen, so wirst du dir doch wohl sagen können, daß Kaufleute, die sich auf große Unternehmungen einlassen, in zweifelhafter oder mißlicher Lage der Unterstützung ihrer Geschäftsfreunde bedurfen. Ich befinde mich nun gerade in einem Zustande des„Hangens und Bangens“, denn ich habe all' meine bereiten Mittel auf eine Karte gesetzt. Die Entscheidung, ob ich mein Vermögen verdoppele oder schweren Verlust erleide, kann erst in einigen Wochen fallen. Alle Anzeichen sprechen dafür, daß ich auf einen großen Gewinn rechnen darf., Bis zu dem Zeitpunkt aber, wo meine Früchte auf der Börse reifen, bedarf ich des Kredits meiner Geschäftsfreunde. Du wirst es begreifen, daß ich alles Mögliche tun muß, um mir diesen zu erhalten. Die größte Unterstützung kann mir Oldenpurg gewahren, dessen unbegrenztes Vertrauen dein Freund Fries besitzt. Der ist nun durch meine warme Empfehlung zu einflußreicher Stellung gelangt. Als Direktor der Plantagengesellschaft und Berater Oldenpurgs kann er mir sehr förderlich sein. Wolltest du dich nun bemühen, diesen vortrefflichen Menschen recht eng an unser Haus zu fesseln, so würdest du mir einen wichtigen Dienst leisten. Da er für dich schwärmt, so wird dir das nicht schwer fallen. „Vermutlich— indessen.“ Melita wurde nachdenklich.„Darf ich Hoffnungen in ihm erwecken, die ich unmöglich erfüllen kann? Ist es ehrlich, ihn durch freundliches Entgegenkommen zu gewinnen und ihn dann grausam zu enttäuschen?“ „O du mein harmloses Mädel, wie hoch schlägst du die Liebesleidenschaft der Herren von heute an! Die Toggenburgs sind längst ausgestorben. Fries scheint nicht gerade ein Don Juan zu sein, aber auf seinen weiten Reisen hat ihn zuverlässig der Geist moderner Leichtlebigkeit berührt, und er wird sich über deinen Korb zu trösten wissen. Da ich nach London fahre, so ist ein Logenplatz frei geworden. Tu mir den Gefallen und bitte Fries, euch in die Oper zu begleiten. Seine Freundschaft ist mir wertvoll.“ Des Konsuls Bitte klang so eindringlich, daß seine Tochter ihre Bedenken unterdrückte und jenen hoffnungerweckenden Brief schrieb. Der Theaterbesuch wurde für Fries zum Ereignis. Zunächst überkam ihn ein Gefühl des Stolzes, als er an der Seite zweier Damen Platz nahm, deren Schönheit die bewundernden Blicke von mehr als tausend Personen auf sich zog. Kleinliche Eitelkeit war ihm fremd, als er aber die vornehmsten Hanseatinnen mit seinen Begleiterinnen verglich, erhob ihn das Bewußtsein mächtig, Freund und Beschützer zweier Frauen zu sein, die alle anderen überstrahlten. Durch die Aufführung jener Oper, in der sich Verdis schöpferische Kraft und Wandlungsfähigkeit so sieghaft erwies, erschloß sich ihm eine neue Welt. Seine Bekanntschaft mit dem Theater ging nicht über einige Vorstellungen von Volksstücken hinaus. Seine Tante sah in der Bühnenkunst nur ein Zerstreuungsmittel für Tagediebe und Genutmenschen und schalt ihn, wenn er einige Spargroschen auf den Besuch von Vorstadttheatern verwandte. In der Fremde aber fand er schwer zu bewältigende Aufgaben vor und kam mit der Kunst nicht in Beruhrung. Nie zuvor hatte er einer Opernaufführung beigewohnt. Mit naivem Erstaunen lauschte er den süßen bestrickenden Klängen der Musik und wurde völlig geblendet vom Pomp der kriegerischen Aufzüge und den großartigen Bildern aus dem Pharaonenlande. Das Duett der beiden Rivalinnen Amneris und Aida riß ihn zur Bewunderung hin, und der aus dem Isistempel hervortönende fromme Gesang mutete ihn an, wie die feierliche Offenbarung uralter Mysterien. Nach jedem Aktschluß schaute er verträumt Melita an und las in ihren ausdrucksvollen Augen die gleiche ergriffenheit un stille Bewunderung, die ihn erfüllte. Als grelle Mißklänge empfanden b ide die kritischen Bemerkungen der Frau Laurens über einige geschmacklose Toiletten in den Nebenlogen. Der tragische Ausgang der Oper erschütterte Fr'es, aber es erschien ihm wie ein Triumpf der Liebe über jede Erdennot, als Radames die treue Aida in seine Arme schloß und beide sich zum Abschiedsgesang vereinten: „Leb' wohl, o Erde, 5 Du Tal der Tränen, Verwandelt ward der Freudentraum in Leid, Der Himmel tut sich auf, und unser Sehnen Schwingt sich empor zum Licht der Ewigkeit.“ Mit einem starken Nachhall in der Seele verließen Fries und Melita das Theater, für Frau Laurens aber war mit dem letzten Fallen des Vorhangs die ideale Welt der Dichtung abgetan. Ihre Blicke suchten vor der Garderobe Bekannte, sie erwiderte süßlächelnd die Grüße einiger Kavaliere, kicherte belustigt, als Fries, der in bezug auf die Pflichten eines cavaliere servente wenig Erfahrung besaf, die Außenseite ihres mit Atlas gefütterten Theatermantels über ihre Schultern legte und spottete über den seisten Major, der ihr bewundernde Blicke zusandte und dabei über die Schleppe einer stolzen Vatrizierin stolperte.— Sobald seine Schützlinge das Automobil bestiegen hatten, wollte sich Fries verabschieden, Frau Laurens aber zog ihn nach sich und bemerkte lachend: „Ei, mein Herr, noch ist Ihre übemnommene Dienstpflicht nicht erledigt. Bedenken Sie, was uns auf der nächtlichen Fahrt alles zustoßen könnte: Räuberischer Ueberfall, Anprall des Wagens gegen einen Baum, Sturz in den Graben und andere schreckliche Unfälle, Sie finden bei mir eine Tasse Tee mit Abendbrot. Sobald Sie sich über das tragische Geschick der in Lieb' und Treue ersterbenden Aida beruhigt haben, wird Sie der Chauffeur nach Eimsbüttel fahren — nicht wahr, Melita?“ „Haben Sie auch bedacht, daß es elf Uhr ist, gnädige Frau? Ihre Köchin wird rasen.“ „Durchaus nicht. Das Souper steht bereit, und meine Zofe wird uns bedienen.“ Fries fügte sich unter der Bedingung, daß der Chauffeur vor der Villa entlassen werde. Seine Annahme, daß in der Nähe eine Nachtdroschke zu finden sei, bestätigte Frau Laurens. Die Villa, deren obere Hälfte die schöne Witwe bewohnte, lag bei der Ankunft der drei Theaterbesucher in stillem Dunkel, sobald aber von einer freundlichen Zofe die Eingangstüre geöffnet wurde, erstrahlten elektrische Lichter auf der Diele und in den daranliegenden Wohnräumen. „Vitte, treten Sie eine Minute ins Speisezimmer, Herr Fries,“ bemerkte Frau Laurens munter.„Werfen Sie einen Blick auf die Räume, in denen ich hause. Wir legen unterdessen unsere Mäntel ab und bringen unsere zerzauste Frisur in Ordnung. Er folgte der Aufforderung. Im Speisezimmer war der Teetisch bereits gedeckt und mit Blumen geschmückt. Die Ausstattung dieses Raums, wie des Salons ließ nur die Anordnung des Dekorateurs erkennen, vom Wesen und Geschmack der Bewohnerin verspürte man keinen Hauch. Ein anderes Gepräge zeigte jenes Zimmer, das Julian Preyl als seiner Schwester Atelier bezeichnet hatte. Das war mit hohen, von goldigen Blumengewinden und Amoretten begrenzten Spiegeln fast ganz überdeckt. Auf einem breiten Tisch aber und Etageren lagen Handspiegel mit Silbereinfassung, Dosen, Büchsen, Fläschchen, Kämme und Bürsten verstreut. Ins Speisezimmer zurückgekehrt, fiel sein Blick auf das Porträt eines blassen Mannes mit schwermütig blickenden Augen und schlaffen Zügen. Als die Hausfrau mit Melita eintrat, fragte er, auf das Bild deutend, wen dies vorstelle. „Meinen Mann. Er war in Warschau, wo er eine Fabrik leitete, zu einer Treibjagd eingeladen worden, hier lief er im Jagdeifer zu weit aus der Schützenkette heraus und wurde von einem kurzsichtigen Nachbarn erschossen.“ „Herr Laurens und mein Papa waren Freunde,“ bemerkte Melita.„Beide stammten aus Danzig. „Als ich nun aus dem mir verhaßten Polen nach Danzig zurückkehrte, wollte es ein glücklicher Zufall, daß Herr Konsul Wismar seine Vaterstadt besuchte. Er gedachte, seinen Freund zu begrüßen und fand dessen Witwe. Seitdem hat er sich in hochherziger Weise meiner angenommen. Er verwaltet mein Vermögen und sorgt wie ein Vater für mein Kind. Er nennt das bescheiden die Erfüllung einer Freundschaftspflicht.“ „Sie müssen Ihren Gatten wohl sehr geliebt haben, da Sie sich nicht entschließen konnten, einen andern Mann durch Ihre Hand zu beglücken?“ Die Hausfrau warf ihrem Gast einen mißtrauischen Blick zu, dann setzte sie eine spöttische Miene auf und beantwortete dessen harmlose Frage:„Wissen Sie vielleicht einen Heiratskandidaten aus vornehmen Kreisen, der die Courage besitzt, eine Witwe zu heiraten und Vater eines schwer zu erziehenden Knaben zu werden?“ „Ei, nach der Bewunderung zu urteilen, die Sie soeben im Theater fanden, muß ich wohl annehmen, daß es Ihnen an Bewerbern nicht gefehlt hat.“ „Allerdings, das trifft zu. Frauen aber, die bei der ersten Gattenwahl enttäuscht wurden, sind vorsichtiger bei der zweiten.“ „Na, wie müßte denn der Mann beschaffen sein, den du jetzt wohl wählen würdest?“ Frau Laurens schlürfte bei dieser Frage Melitas nachdenklich ihren Tee und antwortete dann mit einem herausfordernden Blick auf Fries:„Zunächst müßte mir seine Person gefallen—— selbstverständlich. Dann aber müßte er mich so lieben, daß er bereit wäre, mir jedes Opfer zu bringen.“ „Ach nein! Ich möchte keinen Mann nehmen, der sich bereit erklärte, mir die Sterne vom Himmel herabzuholen, denn ich müßte mich fragen: Wie kannst du ihm das vergelten? Opfer des Mannes legen der Frau doch Verpflichtungen auf.“ „O heilige Einfalt!“ spottete Frau Laurens. „Hüte dich, Melita, vor solcher Bescheidenheit. Frauen unseres Schlages sind doch wohl berechtigt, ihren Besitz hoch anzuschlagen. Meinen Sie nicht, Herr Fries?“ In leichter Verwirrung gab dieser zur Antwort:„Sobald im Deutschen Reiche die Frauenschönheit besteuert wird, dürfen Sie sich auf die höchste Steuerstufe gefaßt machen.“ Frau Laurens lachelte geschmeichelt, Melita aber scherzte:„Da bei uns die Selbsteinschätzung gilt, so würden wir vielleicht in diesem Falle der Nachdruck verboten. Steuerbehörde einen Beweis unserer Bescheidenheit geben.“ „Nun, ich meine, daß in unserer Frauen endlich das Sprichwort beherzigen sollten:„Wer sich selbst zum Schaf macht, den frißt der Wolf.“ Der Liebestod Aidas, der dir, mein Kind, Tränen erpreßte, erschien mir einfach lächerlich, und das Verhalten der Heldin läßt sich nur dadurch erklären, daß sie Sklavin war. Mir ist die Königstochter weit sympathischer als die kaffeebraune Schwärmerin.“ Melita ließ sich kein Wasser in den Wein der Begeisterung schütten und pries, dem höhnischen Lachen der Freundin trotzend, die Treue der Liebenden. Sie beurteilte auch die Oper und deren Darstellung so feinsinnig, daß sie dem unklaren Empfinden des jungen Kaufmanns zum richtigen Verständnis verhalf. Als beide das Haus der Laurens verließen, glaubte Melita, deren leichtfertige Reden entschuldigen zu müssen, Fries aber antwortete darauf:„Es spricht für Ihre Güte, gnädiges Fräulein, daß Sie mir das Charakterbild Ihrer Freundin in besserem Lichte zu zeigen versuchen, als ich es soeben sah, aber wenn ich Ihnen raten darf, dann richten Sie Ihr Leben und Ihre Handlungen nach dem Vorbilde ein, das Ihnen die Mutter gibt.“ „Sie können versichert sein, daß ich Ihren Rat befolgen werde.“— Melita hielt vor dem Tor ihrer Villa an und reichte ihm die Hand zum Abschied. Der fahle Schein einer Laterne glitt über ihr Gesicht, und er sah, daß aus ihren Augen ein inniges Gefühl hervorleuchtete. Ihm wurde warm ums Herz, und er preßte seine Lippen auf ihre Hand. „Mit diesem unvergeßlichen Abend, den ich Ihnen zu verdanken habe, beginnt eine neue Phase meines bisher recht nüchternen Lebens. Ich sehe ein, daß die Kulturmenschheit viel wertvollere Güter besitzt als Gold und Grundstücke.“ „Es freut mich sehr, lieber Herr Fries, daß wir in unserem Denken und Fühlen oft übereinstimmen, darum wollen wir gute Freundschaft halten— nicht wahr? Hoffentlich besuchen Sie uns bald wieder. Für heute gute Nacht!“ Ihre Gestalt verschwand im nächtlichen Dunkel, der Nachhall ihrer Stimme aber erstarb nicht. Berauschend süß hatten die beiden letzten Worte geklungen. Jedes war— für sein Ohr — geschwellt von innigem Freundschaftsgefühl. Vielleicht ließ sich dies zur Liebe steigern. Die nächsten Begegnungen mit ihr verstärkten Fries' Hoffnung. Acht Tage nach des Konsuls Rückkehr von London fand in dessen Villa ein Ballfest statt, zu dem ein Schwarm von Damen in Prachtgewändern und funkelnden Juwelen erschienen war. Melita trug ein weißes Kleid und hatte jeden kostbaren Schmuck verschmäht. Nur einige Vogelbeeren im üppigen! Haar und vor der Brust erhöhten den Reiz ihrer Erscheinung. Unter den Tänzern befanden sich Offiziere; die in die Uniform völlig hineingewachsen zu sein schienen, und neben den martialischen Gestalten bewegten sich junge Handelsherren, die nicht nur durch die blitzenden Diamantknöpfe ihres Hemdes, sondern auch durch die stolze Haltung den Rang bezeichneten, den sie in der reichen Hansastadt einnahmen.— Unter den Zivilisten stach Julian Preyl durch seine hohe blühende Gestalt und seinen feingeformten Blondkopf hervor. Er tanzte wenig, gewann aber lebhaften Beifall durch einige Lieder, die er in der Tanzpause sang, und durch einen von weltmännischer Ironie durchtränkten Toast, den er bei Tische ausbrachte. Melita war stolz auf den Geliebten, aber da der Vater sie vor dem Beginn des Festes an ihr Versprechen erinnert hatte, verbarg sie ihre Gefühle und zeichnete Fries dadurch aus, daß sie ihn bei der Damenwahl zuerst aufforderte und den Kotillon, der die Gelegenheit zu vertraulicher Aussprache gewährte, mit ihm tanzte. Zum ersten Male im Leben bedauerte er es, die in der Tanzstunde erworbenen Fähigkeiten nicht weiter ausgebildet zu haben. Es war eine Wonne, sich mit Melita, umspielt ; v o n w e i c h e n, s e h n s ü c h t i g e n M e l o d i e n, i m W a l z e r takt zu wiegen. Im verschleierten Lampenlicht und der von Sinnlichkeit gesättigten Atmosphäre berauschte ihn ihre Nähe. Sie bewegte sich, als besitze sie Flügel, Jugendlust strahlte aus ihren dunklen Augen und ein feiner Duft entströmte ihrem Haar. Er hätte sie an sich pressen und ihr zuflüstern mögen: Ich liebe dich— liebe dich über alles in der Welt.“ Sie fand, daß es ihr trotz aller Schwärmerei für Julian Preyl nicht schwer wurde, dem liebens, w ü r d i g e n R e i s e g e f ä h r t e n A u f m e r k s a m k e i t e n z u erweisen. Unter seinen zärtlichen Blicken hatte sie die Empfindung, einem Manne gegenüber zu stehen, in dessen Schutz sich jedes Weib geborgen fühle. Sie aber, die auf dem goldenen " Boden des Reichtums gestanden, fühlte sich durchaus nicht schutzbedürftig, und wenn sie Fries auszeichnete, der durch ihres Vaters Protektion aus ärmlichen Verhältnissen zu einer angesehenen Stellung emporgestiegen war, kam sie sich wie eine Gnadenspenderin vor. Sie plauderte lebhaft mit ihm und geriet, ohne sich dessen recht bewußt zu werden, in ein leichtes Spiel der Kosetterie, das ihn bestrickte und zu höchster Daseinsfreude emporhob. Auch Frau Laurens zeichnete ihn aus und zog ihn in eine Nische mit der Einladung: „Hier wollen wir einmal gemütlich plaudern.“ Was die schöne Blondine, deren marmorweiße Schultern von jedem Kleiderzwang befreit esezung felgt) 95 Das Ergebnis der Wild=ShackletonUertechtien. Nachdem Shackleton am 5. Januar d. I. war, setzte an seiner Stelle der in arktischen# ebenfalls bestens erprobte Kapitän Frank Wild die Unt nehmung des berühmten Polarforschers fort.„Shackletons Aufgabe war es gewesen, festzustellen, ob der bisher#he## völlig unbekannte Teil der Antarktis zwischen dem 40. östl. und 10. westl. Längengrade von Wasser, Eis oder festem Lande gebildet werde. In diesem ganzen Gebiet, das auf den Karten gewöhnlich als Enderbyland, hezrichrigt, ird, nach der Liverpooler Walfängerfirma Enderb., venannt, welche diese Strecke in den dreißiger Fahren des vorigen Jahrhunderts zuerst sichtete, ist die höchste bisher erreich Breite der 69. Grad. Alles, was auf diesem 5000 Kilometer breiten Gebiet jenseits dieses Grades liegt, ist unerforscht. Nahm man bisher allgemein an, daß an dieser Grenze die Packeisregion beginne, so vermutete Shackleton, daß sich hier auch festes Land befinden müsse, eine Annahme, die auch von Shackletons Nachfolger geteilt wurde, die aber durch die Ergebnisse der letzten Expedition leider noch keine Bestätigung erfahren hat. Allerdings haben Lotungen in einer Gegend, die sich unter 69 Grad 18 Minuten Breite und 6 Grad 11½ Minuten Länge befindet, ziemlich unbedeutende Tiefen ergeben, so daß in der Tat die Annahme berechtigt erscheint, festes Land müsse in der Nähe sein. In dieser Beziehung hat also die Expedition ziemlich versagt, und nur die reiche wissenschaftliche Ausbeute hinsichtlich der ozeanographischen, meteorologischen und biologischen Verhältnisse in der Antarktis miro ven Aufwand der Reise nicht ganz vergebens erscheinen lassen. Kapitän Frank Wild hat von Gritvick in Südgeorgien aus durch Funkspruch einen Reisebericht nach England gelangen lassen, der interessant genug ist, um hier im Auszuge wiedergegeben zu werden. Danach verließ das Schiff „Quest“ die südgeorgische Walfängerstation Leith Harbour am 15. Januar, also 10 Tage nach dem Tode Shackletons. Zunächst wurden noch geologische Untersuchungen in der Cooperbai angestellt, ebenso in Larsenhafen, die Lage der sogenannten Clorkefelsen wurde kartographisch richtig gestellt und dann die etwa 400 Kilometer östlich gelegene vulkanische Zavodoski=Insel in der Sandwichgruppe genauer untersucht. Auf der weiteren Fahrt in südöstlicher Richtung durchfuhr das Schiff unter den allergrößten Gefahren ein von unzähligen Eisbergen erfülltes Meeresgebiet, besonders bei Nacht und dem herrschenden Nebel ein sehr gewagtes Unternehmen. Die Expedition erreichte dann die Stelle, an der der sogenannte Pagodenselsen liegen sollte, der aber nicht vorhanden war. Gleichzeitig vorgenommene Lotungen ergaben eine Tiefe von 2950 Faden. Am 4. Februar stieß man in 65 Grad 18 südlicher Breite und 15 Grad östlicher Länge auf schweres Packeis, durch das bis zu dem von der Expedition überhaupt erreichten südlichen Punkt vorgedrungen wurde, der am 12. Februar bei 69 Grad südlicher Breite und 17 Grad 11½ östlicher Länge erreicht wurde. Ein weiteres Vordringen erwies sich infolge des undurchdringlichen Packeises als unmöglich, zumal sich beständig neue Eismassen bildeten, so daß Wild, um nicht mit dem Schiff im Eise einzufrieren oder das Fahrzeug der Vernichtung durch das Eis auszusetzen, den Rückzug antreten mußte. Dies war umso mißlicher, als die vorgenommenen Lotungen die Nähe festen Landes gewiß erscheinen ließen. Wenn übrigens der Bericht Wilds feststellt, daß bis hierher im Jahre 1820 der Russe Bellingshausen vorgedrungen sei, so befindet er sich zweifellos in einem Irrtum, denn sowohl Bellingshausen wie Biscoe haben erheblich südlichere Breiten erreicht. Im weiteren Teile des Berichts wird die Rückfahrt der Expedition geschildert, die sich nur ungern an dem geringen Ergebnis genügen lassen wollte und deshalb noch zwei weitere Vorstöße nach Süden machte. Beide Male wieder ohne Erfolg, da wiederum das Packeis ein weiteres Vordringen unmöglich machte. Bei einem Versuch, einen von Roß in den vierziger Jahren des vorigen Jahrhunderts erreichten Punkt zu gewinnen, wo sich ebenfalls Land gezeigt haben sollte, fvor die„Quest“ ein, so daß sieben Tage lang an kein Vorwärtskommen zu denken war. Endlich gab ein starker Nordwind den Weg frei, und nun wo infolge des zur Neige gehenden Kohlenvorrats elefanten zur Gewinnung von Robbenfett gejagt wurden. Eine Landung bei Kap Wild wurde versucht, wo Shackleton mit 22 Mann im Jahre 1916 überwinterte, aber ein schwerer Orkan verhinderte die Landung. Nur mit Mühe und Not entging das Schiff der Gefahr, an den Felsen zertrümmert zu werden. Ende April traf die„Quest“ in Gritvick in Südgeorgien nach dreteinhalbmonatlicher Reise ein, nach dem sie einen Weg von etwa 10000 Kilometer zurückgelegt hatte. Ueber Tristan d'Acunha und die Nachtigalleninseln geht die Fahrt weiter nach Kapstadt, wo Mitte Juni die Ankunft erfolgen soll. Rund um Berlin. - Die Wiener Sänger in Berlin. Nach dem glänzend verlaufenen Konzerte des Wiener Männergesangvereins am Montag waren die Mitglieder des Vereins in kleinen Gruppen an verschiedenen Stellen eingeladen. Der österreichische Gesandte Riedl versammelte zur Begrüßung seiner Landsleute in der deutsch=österreichischen GesandtSammlers österreichischer Volkslieder, Professor Kronfuß, zuletzt die bewährten Soldatenlieder Clewings bildeten das Programm des Abends, der im übrigen durch eine völlig zwanglose und reizvolle Geselligkeit beherrscht war. — Ein anderer Kreis von Teilnehmern der Sängerfahr namentlich die Juristen des Wiener Vereins, versammetten sich zum Abendessen beim Reichsminister a. D. Simous. Dienstag vormittag war der Wiener Männergesangverein von der Stadt Berlin feierlichst zu Gast geladen. Vom Turm des Roten Hauses wehte die Stadtslagge und die große Freitreppe des Märchensaals, die Bibliothek und d Senatorensaal prankten im wundervollen Schmuck u Frühlingsblumen. Als die Wiener Gäste die breit heraufschritten, sang der Beethoven=Chor ihnen zum Gruß seinen Wahlspruch:„Was Edles, Hohes unsere Brust durchzieht, das singt und klingt im deutschen Lied.“ Dann erklang ergreifend der 23. Psalm„Der Herr ist mein Hirt, mir wird nichts mangeln“. Hierauf ergriff Oberbürgermeister Böß, der vor dem alten Stadtwappen Berlins aus dem Jahre 1709 Aufstellung genommen hatte, das Wort und schloß seine Begrüßungsansprache mit einem Hoch auf die Stadt Wien und ihre Bürger. Nachdem der dreifache Ruf verhallt war, brachte der Vorsitzende des Wiener Männergesangvereins, Dr. Heinrich Krückl, seinen und seiner Sangesbrüder warmen Dank für den wundervollen Empfang im Berliner Rathause in zündenden Worten zum Ausdruck. Nach brausenden Heil= und Hochrufen sang der Beethoven=Chor unter seinem Chormeister Hans Mießner das ergreifende Lied„Das treue deutsche Herz“. Im Festsaal fand darauf an kleinen Tischen, die mit duftenden Fliedersträußen geschmückt waren, ein gemeinsames Mahl statt. Nachmittags begrüßte der preußische Kultusminister Boelitz die Wiener Sänger in den Räumen der Staatsoper. Auch hier wurden Begrüßungsworte gesprochen und Dankreden gehalten. Darauf gelangte die alte, aber immer wieder schöne Operette von Johann Strauß Fledermaus“ unter der musikalischen Leitung des Generalmusikdirektors Lao Blech zur Aufführung. Eine besondere Ueberraschung wurde allen Zuhörern dadurch bereitet, daß die Sänger aus Wien im zweiten Akt als Konzerteinlage den Walzer„An der schönen blauen Donau sangen, wofür sie rauschenden Beifall ernteten. Abends gab der Berliner Sängerbund im Konzerthause seinen Sangesbrüdern vom Donaustrand einen Kommers, in dessen Verlauf der Berliner Lehrergesangverein, der Erksche Männergesangverein und unsere Wiener Freunde manch herrliches Lied sangen und damit manche schöne Probe ihrer Kunst vor einem begeisterten Publikum ablegten. Aus dem Reiche. Plattdeutsche Woche in Bremen. Letzter Tage begann in Bremen eine plattdeutsche Woche. In der mit Bremer und amerikanischen Flaggen reichgeschmückten Festhalle empfingen am Montag Vertreter der Bremer Körperschaften, Freunde und Anverwandte 300 zur„Plattdeutschen Woche“, gekommene Deutschamerikaner. Kommerzienrat Stimming vom Norddeutschen Lloyd hieß die Gäste willkommen. Dann richtete Konsul Stewart als Vertreter der Vereinigten Staaten von Nordamerika einige Worte an seine Landsleute, die vor allem berufen seien, dazu beizutragen, daß beide Staaten wieder zu dem gegenseitigen Vertrauen sich zurückfinden möchten. Der Präsident des Plattdeutschen Volksfestvereins in Neuyork, Backmnan, dankte für den Empfang. Bei der Festtafel fanden besonders die Rede des Kapitäns König, des früheren Kommandanten der „U=Deutschland“, sowie des Ehrenpräsidenten des Plattdeutschen Volksfestvereins, Frank Cord, Beifall.— Am Montag folgte eine Automobilfahrt nach Worpswede, während am Dienstag unter starker Beteiligung der Bevölkerung eine Weserfahrt veranstaltet wurde, an der Vertreter des Senats, der Handelskammer, des Norddeutschen Lloyds und der Presse teilnahmen. Mit der Fahrt verbunden war die Besichtigung der wichtigsten Industriebetriebe Bremens. In verschiedenen Ansprachen wurde man der Bedeutung des Tages gerecht und gedachte besonders der Tätigkeit der Presse in Dankesworten. In den kommenden Tagen finden noch offizielle Begrüßungen durch den Senat und die Handelskammer, sowie Feiern im Ratskeller und Bürgerpark zu Ehren der Deutsch=Amerikaner + Gegen die Schuldlüge. In Halle haben gleichzeitig in fünf der größten Säle Massenversammlungen stattgefunden, welche auf Veranlassung weitester Bevölkerungskreise zum Protest gegen die Lüge von Deutschlands Allein= schuld am Kriege einberufen wurden. An diesen von jeder Parteipolitik freigehaltenen Versammlungen nahmen alle Schichten der Bevölkerung, Wirtschaftsverbände, Gewerkschaften, Innungen, Angestellte und Beamte in so großer Zahl teil, daß die Polizei sie schon vor Beginn der Vorträge schließen mußte. Die Versammlungen nahmen durchweg einen glänzenden und ungestörten Verlauf. Einstimmig wurde in allen Sälen eine die Behauptung von der Alleinschuld Deutschlands am Weltkriege zurückweisende Entschließung angenommen. + Die heimattreuen Oberschlefier. Der diesjährige Delegiertentag der Vereinigten Verbände heimattreuer Oberschlesier findet vom 27. bis 29. Mai im Rathause in Nürnberg statt. Es stehen die wichtigsten Fragen nicht nur für die innere Ausgestaltung der Verbände, sondern auch für die oberschlesische Sache zur Verhandlung. Delegierte aller deutschen Landesgruppen der Vereinigten Verbände heimattreuer Oberschlesier nehmen teil. Die obersten bayerischen Landesbehörden sind zu der Tagung eingeladen. Abschluß der deutschen Industrietagung. In der Nachmittagssitzung des Reichsverbandes der Deutschen Industrie wurden Dienstag die im Programm vorgesehenen Referate erledigt. Alsdann wurde die Tagung durch den Vorsitzenden, Dr. Sorge, geschlossen. Schändung des Hamburger Kaiserdenkmals. Wie dem„Berl. Lok.=Anz.“ mitgeteilt wird, sind an dem schönen Kaiserdenkmal am Rathausmarkt zu Hamburg an den Reliefbildern, die die Reichsgründung in Versailles und den Empfang der hamburgischen Truppen durch den Senat darstellen, sämtliche freihäugenden Schwerter abgebrochen worden. Auch der Pallasch Bismarcks ist in dieser Weise verstümmelt worden. Wann der schändliche Frevel geschehen ist, konnte noch nicht festgestellt werden. Denkmalstürmer. Der Gemeinderat von Rothenfirmbach bei Querfurth hat den unglaublichen Beschluß gefaßt und jetzt ausführen lassen, das dortige Denkmal Kaiser Wilhelm I. abzubrechen. Auflösung der Stadtverordnetenversammlung zu Wittenberge. Wieder hat die Stadtvertretung einer märkischen Stadt infolge der Zuspitzung der Parteiverhältnisse und dauernder Beschlußunfühigkeit ihr Ende gefunden. Das Preußische Staatsministerium hat die Stadtverordnetenversammlung in Wittenberge(Regierungsbezirk Potsauf Grund des§ 79 der Städteordnung und des ls 82 der neuen preußischen Verfassung aufgelöst, o daß Neuwahlen innerhalb von sechs Monaten stattzusinden haben. + Zur süddeutschen Metallarbeiterbewegung. Am ag fanden im badischen Arbeitsministerium in der des Metallarbeiterstreits in Baden Verhandlungen statt, die zu folgenden Ergebnis führten: Bezüglich der Arbeitszeit gilt das Münchener Abkommen, bezüglich der Entlohnung wird festgesetzt, daß die gelernten Arbeiter 26—27 N die Stunde erhalten. Das Lohnabkommen bleibt bis zum 1. Juli 1922 in Geltung; der Manteltarif bis zum 30. Juni 1923. Die Zustimmung der Organisationen ist vorbehalten, aber mit Sicherheit zu erwarten. Beendigung des Münchener Metallarbeiterstreiks. In einer Massenversammlung der freiorganisierten Metallarbeiter Münchens sprachen sich am Dienstag sämtliche Redner, einschließlich der Kommunisten, für Annahme des Regierungsvorschlags aus. Die Arbeit soll, wenn technisch möglich, bereits am Freitag in allen Betrieben wieder aufgenommen werden. Ein weißer Rabe. Die Oberpostdirektion Stuttgart — wahrhaftig ein weißer Rabe unter den übrigen Oberpostdirektionen mit ihren gewaltigen Defizits das abgelaufene Jahr mit einem Ueberschuß von 76 Millioneu ab.— Sollte, was in Stuttgart sich erreichen ließ, nicht auch anderwärts möglich sein? Attentatsversuch auf einen Gutsbesitzer. Im pommerschen Kreise Lauenburg ist dieser Tage ein Landarbeiterstreik ergebnislos zusammengebrochen. Vermutlich aus Aerger darüber wurde in einer der letzten Nächte eine geladene Handgranate in das Schlafzimmer eines Gutsbesitzers in Kurow geworfen, in dem der Gutsbesitzer mit seiner Gattin und seiner Tochter schlief. Die Ladung kam glücklicherweise nicht zur Explosion. Da der Gutsbesitzer Mitglied des Pommerschen Landbundes ist, bringt man diesen Zwischenfall in Zusammenhang mit dem Scheitern des Landarbeiterstreiks. Schweres Bootsunglück. Auf dem Löwentin=See bei Königsberg i. Pr. ereignete sich ein schweres Bootsunglück. Ein Vierer, der einem auf dem See treibenden Ruderer Hilfe bringen wollte, schlug bei dem starken Wind voll Wasser und kenterte. Zwei Insassen retteten sich durch Schwimmen, die anderen werden vermißt und sind zweifellos ertrunken. Das leere Boot wurde treibend aufgefunden. Bergwerksunfall. Auf dem Hohenthalsschacht Halba im mitteldeutschen Kohlenbecken lockerte sich der Verschluß des Förderkorbes durch einen unglücklichen Zufall. Drei Bergarbeiter stürzten in die Tiefe und waren sofort tot. 5 M Riesige Kaffeediebstahle. Guteroiebe haven uch dem Hamburger Güterbahnhofe ausgedehnte Kaffeediebstähle ausgeführt. Es handelt sich um Räubereien von Kaffee in Höhe von 7350000 M. Die Diebe haben ihre Raubzüge in ganz raffinierter Weise ausgeführt. aller + Professor Hasselberg, der Physiker der Akademie der Wissenschaften in Stockholm, ist dort im Alter von 74 Jahren gestorben. Die Oberammergauer Passionsspiele in England? Es werden in London große Bemühungen gemacht, um die Oberammergauer Passionsspiele auch in London darzustellen. Theaterimpresario Courtneidge wird in wenigen Tagen in London zurückerwartet. Man hofft bestimmt, daß es ihm gelingen wird, die Passionsspiele im Laufe des nächsten Jahres aufzuführen. Zum Untergang des Dampfers„Egypt“. Das Begräbnis der bei dem Untergang des englischen Dampfers „Egypt“ ums Leben gekommenen Passagiere, Offiziere und Matrosen, deren Leichen aufgefunden wurden, fand Montag abend in Brest statt.— Der Vizekonsul von England erklärte, 102 Personen würden vermißt, 28 Passagiere von 44 und 204 Mann Besatzung von 290 seien gerettet. Wie wähle ich meinen Ferienaufenthalt? Unzählige erhoffen auch in diesem Sommer wieder von ihrer Ferienreise Erholung und Gesundung und suchen eifrig nach dem Ort, der ihnen dazu am besten geeignet erscheint. Aber bei der Wahl des Ferienaufenthaltes werden häufig, namentlich von Leuten, bei denen die Geldfrage keine Rolle zu spielen braucht, gerade die hygienischen Gesichtspunkte, die doch entscheidend sein sollten, zu wenig berücksichtigt. Viele Leute denken mehr daran, ob sie auch die nötige Unterhaltung finden werden, und bevorzugen daher Bäder, in denen ein aufregendes Vergnügungsleben sich entfaltet. Sie glauben, daß schon der Ortswechsel und die Luftveränderung genügen, und führen ihr altes Leben an dem Kurort weiter. Da ist es nicht verwunderlich, wenn sie sich nach ihrer Erholungszeit nicht besser fühlen. Für jeden, der eine anhaltende Gesundheitsförderung aus seinem Ferienaufenthalt gewinnen will, ist die Wahl des Ortes von entscheidender Bedeutung, und die rechte Wahl ist sehr schwierig, kann für den Leidenden nur von einem Arzt getroffen werden, der wie beim Verschreiben einer Medizm alle Möglichkeiten und Begleitumstande genau überdenkt. Die Heilkräfte des Klimas sind von der modernen Wissenschaft mehr und mehr erkannt worden; es sind die Zweitze der medizinischen Klimatologie, der Bäderkunde usw. entstanden, und ein reiches Forschungsmaterial auf physiologischem und psychologischem Gebiete liegt heute vor, das berücksichtigt werden muß. Freilich ist auch der Arzt kein Wetterprophet, der alle zufälligen Formen der Witterung voraussehen kann, und schlimme Wetterlaunen können die sorgsamste Berechnung klimatischer Bedingungen zuschanden machen. Aber im allgemeinen weiß man doch heute ganz genau, welche hygienischen Werte die einzelnen Klimaten in sich bergen, welchen Kranken man das Meer und welchen man das Gebirge empfehlen muß. Es gibt im großen und ganzen zwei Arten von Klima, die durchaus entgegengesetzte Wirkungen auf den Organismus hervorrufen: ein anregendes Klima, das die Lebenskräfte anfeuert, und ein beruhigendes Klima, das die Körperfunktionen herabsetzt. Ein englischer Klimatologe macht darauf aufmerksam, von wie hoher Bedeutung bei dieser verschiedenen Wirkung der Klimaten der Wassergehalt der Luft ist. Ein trockenes Klima ist plötzlichen und heftigen Veränderungen dur Vemp##aur unterworfen, wirkt daher anregend, ja aufpeitschend. Dagegen wirkt in einem feuchten Klima der Wassergehalt der Luft auf eine gleichmäßigere Gestaltung des Wetters ein und ruft daher einen beruhigenden Einfluß auf die Stimmung hervor. Ein feuchtes Klima kann sehr gesunden lebenskräftigen Menschen geradezu schädlich werden, denn sie werden dadurch lethargisch und träumerisch; für gewisse Krankheiten aber ist es von höchst wohltnender Wirkung. B