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Amtliches Kreisblaut für den Kreis Hörde.

Erstes und ältestes Cagesorgan des Kreises.— Generalanzeiger für den Kreis Hörde.

die„Schuerte Zettung" gewehre ihren Avon­neuten für jeden mit Tot er denden Untall gemnaß

Mark Unfas.

Na 11909!

Druck u. Der au o Carl Braus, 5 nwel iei Ruhr) Fera##res-Anschlus Nummer 6. Telegromm. Adrosse Braito, Sctewerte Zu r. ####n: Doumund B. 2, Hannover 21

Nr. 41

Freitag, 17. Februar 1922

55. Jahrgang

Zum Geleit.

Ein jeglicher soll mit seinem Amt oder Werk dem andern nützlich und dienstlich sein, daß also vielerlei Werke als für eine Ge­meinde gerichtet sind, Leib und Seele zu för­dern, gleich wie die Gliedmaßen des Körpers alle eins dem andern dienen.

Luther 1520.

Für eilige Leser.

Neuigkeiten aus Nah und Poen.

Infolge der Vereisung der Ostsee und der Zu­gänge zur Nordsee haben die von Danzig aus­fahrenden Dampfer zum allergrößten Teil ihren Betrieb eingestellt.

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Die anläßlich des Eisenbahnerstreiks verhängte Sperre nach dem besetzten Gebiet ist aufgehoben worden.

Wie die„Münchener Neuesten Nachrichten“ melden, sind die Unabhängigen in Bayern am Werk, einen neuen Eisenbahnerstreik zu in­szenieren.

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Auf der Rückreise von Rom trafen die deut­schen Kardinäle am Dienstag in München ein.

*

Der„Vorwärts" veröffentlicht ein Einladungs­schreiben der französischen sozialdemorkatischen Partei an die S. P. D., worin die deutschen Dele­gierten zu der sozialistischen Fünfländerkonferenz in Frankfurt a. M., die am 25. Februar beginnen soll, eingeladen worden.

„*

Eine von dem Belgier Wemelmans geführte Abordnung der Reparationskommission ist in Ber lin angekommen, um mit der deutschen Regierung die Frage der Sachleistungen zu besprechen.

Der„Lokalanzeiger" bringt eine Meldung, daß amerikanische Kongreßmitglieder in Hamburg ein­treffen, um zur Förderung einer freundschaft­lichen deutsch=amerikanischen Handelspolitik eine

Reise durch ganz Deutschland zu unternehmen.

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In England traten 40000 Baumwollarbeiter in den Streik, um gegen die Herabsetzung der Löhne um 22 Prozent und gegen die Erhöhung der Arbeitszeit von 48 auf 54 Stunden wöchent­lich zu protestieren.

Im Windschacht einer Gleiwitzer Grube be­täubte ein Stapelbrand 75 Bergleute durch Koh­lenorydgas. Sie wurden gerettet. Zwei liegen im Spital.

In Berlin erfolgten Vorbesprechungen zwecks einer Flugpost=Verbindung Berlin—Prag.

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Nach einer Auskunft im englischen Unterhause hängt ein Begehren nach Auslieferung von Kriegsbeschuldigten von den alliierten Regiekun­gen in ihrer Gesamtheit(also nicht von einer einzelnen Ententemacht) ab.

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Wegen der Frage von Tanger erwartet man eine Dreimächte=Konferenz(England, Frankreich und Spanien) in London.

Sowjet=Rußland legt für 1922/23 eine Na­turalsteuer auf landwirtschaftliche Erzeugnisse.

Die Deutsche Gesellschaft„Freitag" bewarh sich um die Konzession für die Ausbeutung der Landflächen im Wolgagebiet.

Infolge der Erwärmung ist der Oberrhein eis­frei. Die Schiffahrt ist wieder voll ausgenommen worden.

Einer Reutermeldung zufolge wird die japani­sche Regierung Port Arthur in einen Freihafen umwandeln.

Deutscfer=Reicholug.

Nachklänge zur Sitzung vom 15. Februar.

Die Regierung Wirth hat im Kampfe gegen ihre Widersacher von Rechts und Links gesiegt. Das ist das Ergebnis des spannendsten Ringens, das seit Bestehen des parlamentarischen Systems auf dem Boden des Reichsparlaments ausgefoch­ten worden ist. Mit 220 gegen 185 Stimmen bei 16 Stimmenthaltungen, also mit 35 Stim­men=Mehrheit sind die Erklärungen des Reichs­kanzlers gebilligt worden. Damit ist der Regie­rung das Vertrauen für ihre gesamte Politik ausgesprochen worden.

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In der Sitzung war alles Sinnen und Trach­ten auf die Minute; um 4 Uhr riefen die Glocken und Hupen die Abgeordneten in den Sitzungssaal. Das Reichskabinett nahm mit Ausnahma des Außenministers vollzählig am Ministertische Platz. Ein ganzes Heer der Geheimräte und Be­amten drängte sich um die Regierungsbänke. Die Aussprache über die Regierungserklärung wurde fortgesetzt. Die Abgeordneten Hergt, Crispien, Levy und Koehnen hielten ihre lärmenden Re­den. An Zustimmung und Widerspruch war kein Mangel. Auch die Regierungsparteien gaben ihre Erklärungen ab. herausgefordert und gezwungen durch das Getöse ihrer Gegner, die nach Art der Worthelden gegen das Kabinett Wirth Sturm lie fen. Man wird, wenn man das Ergebnis der Abstimmung betrachtet, nicht fehlgehen in der Annahme, daß auch Mitglieder anderer Parteien für das Kabinett Wirth gestimmt haben. Noch nie hat eine Abstimmung so verduzte und ver blüffte Gesichter hinterlassen.

Entsprechend den vorher leicht anzustellenden Berechnungen hat sich auch eine Mehrheit für den Reichskanzler gefunden, weil ein anderer Aus­gang ja überhaupt nicht denkbar war.

Hätte sich ergeben, daß der Kanzler mit sei­nem Vertrauensvotum in der Minderheit bliebe, so wären die Folgen einfach nicht zu übersehen gewesen. Man hätte— unmittelbar vor Genna Neuwahlen ausschreiben müssen. Es wäre ein Wahlkampf entbrannt von einer Heftigkeit, wie sie gerade in diesen Tagen so verhängnisvoll wie nur denkbar gewesen wäre und niemand hätte sagen können, was alles daraus hätte entstehen müssen. Es braucht ferner aber auch nicht be­sonders betont zu werden, daß durch die gestrige Abstimmung die Krise tatsächlich schon gelöst ist Im Gegenteil hat der Reichskanzler Dr. Wirth selbst mit seiner Ueberzeugung nicht zurückgehal­ten, daß bei nächster Gelegenheit die gestrige Ab­stimmung durch eine neue ersetzt werden muß. die der Regierung des Deutschen Reichs den pa lamentarischen und morglischen Rückhalt gibt, dessen sie für ein wirksames Auftreten in Genug unbedingt bedarf.

In unterrichteten politischen Kreisen nimmt man daher an, daß der Kanzler bei der Etats­beratung, etwa beim Haushalt des Auswärtigen Amts, von neuem die Vertrauensfrage stellen wird, und wir werden dann ja sehen, wie sich die Parteien dazu verhalten. Auch das Steuerkom­promiß und seine Durchführung bedürsen noch

näherer Erörterungen zwischen Regierung und Parteien und auch hier wird sich für Dr. Wirth Anlaß und Möglichkeit bieten, die Klärung der politischen Gesamtlage herbeizuführen, die gestern nicht erzielt worden ist. Man muß allerdings hoffen, daß die Parteien sich dieser Notwendigkel­ten während der nächsten Zukunft voll bewußt sind und sich konsequent auf sie eellen. Es geht nun wirklich unter keinen Umständen mehr an, daß wir etwa in 8 oder 14 Tagen wieder das Schauspiel erleben, dessen staunende Zeugen wir soeben gewesen sind.

Allerdings ist zu erwarten, daß z. B. beim Erat des Auswärtigen ohne besondere Mühe eine große Mehrheit zugunften der Fortführung der bisherigen Politik des Reiches schaffen lassen werde. Auch sonst ist es ja eines der merkwür­digsten Symptome der letzten Tage gewesen, daß in der Sache die Einigung zwischen den Parteien viel größer war als es nach außen in die Erschei­nung trat. Darüber, daß in Genua die Regie­rung des Deutschen Reiches die Politik zu führen haben wird, die sie bisher verfolgte, besteht inner­halb der 4 Mittelparteien keinerlei Zwie­spalt. Und auch die Unabhängigen sind bekannt­lich durchaus der Ueberzeugung, daß wenn über­haupt, so nur auf dem bisher beschrittenen We­ge, eine Vereinigung der internationalen Ath­mesphäre zugunsten einer gerechteren Auffassung der Lage Deutschlands erreicht werden kann.

Die Krise ist also tatsächlich noch nicht behoben und Dr. Wirths Stel lung ist nach wie vor nicht so sicher, wie es für den verantwortlichen Lei ter der Reichsgeschäfte unbedingt gefordert werden muß. Aber da man auch über die wirklich nicht geringen Schrierig­keiten der allerletzten Vergangenheit hinweg ge­kommen ist, wird man auf Grund der Erfahrungen hoffentlich demnächst klüger oper#### ren und das Ziel erreichen, vor dem man auf dem halben Woge liegen gebliebn ist.

Mnt

Berlin, 15. Februar.

Der Preußische Landtag machte am Mittwoch die Aussprache über

die Not der Gemeinden

zu Ende.

Im Lause der weiteren Besprechung nahm Ministerialdirektor Mulert das Wort, um als Wurzel des Uebels das Reichsdotationssnstem zu bezeichnen. Ländern und Gemeinden seien die Hände gebunden. Der Grundsatz, daß für ver­mehrte Ausgaben auch vermehrte Decklung vor­haiden sein müßte, sei in das Gegenteil ver­wandelt. Die Verhältnisse hätten sich doch schon wesentlich konsolidiert. Freilich müßte die von einzelnen Gemeinden geübte Praris, die Steuer­erträgnisse zurückzubehalten, aufhören. Dmit schädigten die Gemeinden durch Verzögerung der Ueberweisung nur sich selbst. Auch die Regierung erkenne die Berechtigung der Forderung an, daß die Gemeinden mäglichst zu Anfang des Betriebs­jahres in den Stand gesetzt werden müssen, wenig­stens in großen Zügen übersehen zu können, welche Beträge sie an Zuweisungen zu erwarten haben würden. Die Forderung einer Mitwirkung bei Erschließung von Steuerquellen habe ihre volle Berechtigung. Das neue Landessteuergesetz würde für die Gemeinden eine Erleichterung bringen. Der trockene Ton dieser steuertechnischen Darle­gungen wurde sodann durch eine Attacke, die der Abg. Dr. Weol

von den Unabhängigen gegen den Deutschnatio­nalen Martell, der am Dienstag gesprochen hatte. recht humorvoll abgelöst. Dr. Wevl ließ das Gedichtnis des tapferen Araberbesiegers Karl Martell, der in der Schlacht bei Poitiers die christ­lich=germanische Kultur gegen den Ansturm des Islams gerettet hatte, aus der Veigessenheit der Zeiten wieder erstehen. Er apostrophierte den deutschnationalen Redner als Nachkommen dieses

Vorgängers Karls des Großen, der sich jetzt nach mehr als tausend Jahren als Rerter zwar nicht der Kultur, aber der preußischen Gemeindefinan­zen aufgespielt habe. In seinen weiteen Ausfüh­rungen verlangte Dr. Wenl als Heilmitrel aller Heilmittel Sozialisierung und Kommunalisie­rung.

Der Abg. Goll(Dem.) verlangte die Durch­führung wahrer Selbstverwaltung aus der Be­dingung für das Wiederaufblühen des Gemeinde­wesens.

Nach weiteren Ausführungen des Abg. Kö­nig=Weißenfels(Komm.) überwies man schließ­lich die Anträge der Ausschußberarung. Darauf setzte das Haus die unlängst abgebrochene Bespre­chung über die Hilfeleifrung fort, die man den von Polen vertriebenen Landsleuren und Domänen­besitzern angedeihen lassen müsse.

Die Abg. Schulz=Neukölln(Komm.) und Klausner(Komm.) bekämpften die Anträge. während Abg. Reinhard deutschnat.) und auch der Landwirtschaftsminister Dr. Wen­torff für die Anträge eintreren. Die Anträge werden teils angenommen, teils dem Landwirt­schaftsausschuß überwiesen.

Zur ersten Debatte kam dann die Vorlage über die Durchführung der staatlichen Polizeiverwal­tung im rheinisch westfälischen Industriegediet. Die Vorlage wurde von dem Abg. Dr. d. Drron­der befürwortet, vom Abg. Otto(Unabh.) heftig bekämpft.

Nach 5 Uhr wurde die Weiterberatung auf Donnerstag 12 Uhr vertagt.

die deutsch-polnische Konferenz.

Die deutsch=rolnische Konferenz nahm in Geuf

ihren offiziellen Anfang und setzte auf Antrag des Präsidenren Calonder die Arbeitsmethode der Zollkonferenz fest. Zuerst hatte eine erste Au­

beitssitzung des tt. Unterausschuffes(Minder­

heitsausschuß) stattgefunden. Nach einer einge­

nden Aussprache überreichte die deutsche Abord­g dem an der Sitzung teilnehmenden V

ter des Präsidenten, Herrn Colban vom Vülker­bundssekretariat, einen ausführlichen Entwunf,

in dem das Minderheitsproblem im Hinblick###

Sprache, Schule und Kirche in seinen Einzetheiten behandelt wird.

Aus Oberschlesien.

Von Dr. Herschel, N. d. R.

In Oberschlesien hat sich im Laufe des Monats

Januar allerlei abgespielt, was allgemeinste Be­achtung in Deutschland verdient, namentlich, weil es sich unmirtelbar vor den deutsch= pohmischen Verhandlungen auf der Konferenz in Genf ereig­nen konnte, die am Montag begonnen haben.

Zwar ist der Putsch, den viele Oberschlester gegen Ende des Ronats erwarteten, ausgeblieben. Vielleicht ist er zurzeit nur eingeftoren. Die geradezu sibirische Kälte der lepzten Wochen, wobei es in der Nacht bis zu 20 Grad unter Rull gab. erstickte jede größere Volksbewegung. Auch an­dermärts wäre solches Wetter nicht für geeignet. Die Behörden waren aber auch gewarnt. Das mag dazu gekommen sein, um Unheil zu verhüten.

Die Monatswende brachte leider die Scieße­reien in Gleiwitz. Die Verhängung des Belage rungszustandes folgte und damit eine strenge Vorzenfur für die Presse. Schon deshalb ist er schwer, sich ein klares Bild über die wirklichen Verhältnisse zu machen. Die Einzelheiten des be­klagenswerten Vorganges werden ganz verschieden durgestellt. Er ist für unsere Volksgenossen eine fehr ernste Mahnung, alle Unbefonnenheiten zu unterlassen. Solche könnten uns gerade während der Geufer Tagung nur aufs schwerste schaden Die Stidtverordneten-Versammlung hat in einer entschiedenen Kundgebung den Munsch ausgesp#e­chen, daß nunmehr Ruhe, Ordnung und Sicher#### bald und dauernd wieder gemährleistet sein möch­ten. Dus richtet sich an die J. 2, welche die