Gen Eidonenen
Beschlagnahme. Gestern mittag
nalbeamte an einige Personen, die mehrere pakete von Hagen nach hier beförderten, heran und beschlagnahmten die Pakete, do sie vermuteten, es seien
Stadtteil Werne
Rotschrei der Werner Gewerbetreibenden
Wiederholt wurde schon im„B..“ auf die bedrängte Lage der Gewerbetreibenden und Handwerker im Stadtteil Werne hingewiesen. Durch die Stillegung der Drahtwerke und die zunehmenden Entlassungen von Bergarbeitern hat sich die Lage geradezu katastrophal gestaltet. In einer Eingabe an die Regierung in Arnsberg, mit 180 Unterschriften von hiesigen Gewerbetreibenden bedeckt, wird auf die ernste Lage hingewiesen, die für Werne noch dadurch besonders erschwert wird, daß seit drei Jahren die Auszahlung der Erwerbslosengelder nicht mehr im Mittelpunkt von Werne, sondern in Langendreer erfolgt. Die Erwerbs
losen, deren Zahl in Werne etwa 1400 beträgt, müssen von entfernteren Bezirken, selbst von Kreta, den weiten Weg nach Langendreer machen. Nun, wo die schlechte Jahreszeit beginnt, für die Leute recht beschwerlich.
Da auch in Langendreer die Zahl der Erwerbslosen zugenommen hat, so müssen bei dem starken Andrang zur Auszahlungsstelle die armen Menschen oft längere Zeit schutzlos im Freien stehen. Die Erwerbslosen von Werne wollen Freitag abend im Jungermannschen Saale gegen diese Zustände protestieren. Das Arbeitsamt hat bisher alle Vorstellungen der Geschäftswelt in Werne abgelehnt unter Hinweis auf die Finanz= und Organisationsschwierigkeiten. Die Werner Geschäfts= Stadtteil Gerthe welt ist erbötig, einen Saal gegen Erstattung der Licht= und Heizungskosten, die etwa 25 Mark im Monat betragen, zur Auszahlung zur Verfügung zu stel
traten einige Krimi
Zeitungs
e ,Pbsr-- Uür.= oarin vervotene Blatter. Es stellte sich aber heraus, daß die Annahme unrichtig war, worauf die Freigabe erfolgte.
Stadtteil Altenbochum
Kirchenvorstandswahl. Am vergangenen Sonntag fand im Saale der Wirtschaft Drewermann die Kirchenvorstandswahl der Liebfrauenpfarrei statt. Es wurden gewählt: Landwirt Wintermann, Bergmann
Hardt, Werkmeister Henze. Rentner Heinrich Herckemeyer, Bäckermeister Wickenburg, Rechtsanwalt Dr. Max Diekamp, Magistratsrat Bahlmann, Invalide Jaschinski, Sekretär Huckestein. Als Ersatz: Invalide Laubert, Bergmann August Böckmann. x
(=) Bund der Kriegsbeschädigten und Kriegshinterbliebenen. Im Lokale Niggewöhner fand eine außerordentlich stark besuchte Versammlung der Kriegsbeschädigten und Kriegshinterbliebenen des Stadtteils Altenbochum statt. Herr Gunia erstattete eingehenden Bericht über den augenblicklichen Stand der Verhandlungen zwecks Gründung einer selbständigen Ortsgruppe. Da eine Einigung wegen der ungeklärten Rechtslage nicht erzielt werden konnte, mußte ein endgültiger Beschluß über die Konstituierung bis zur nächsten Versammlung verschoben werden. m
len. Für
We
erne
handelt es sich um eine Lebens
frage. Es ist bekannt, daß die Unterstützungsempfanger ihre dringlichen Einkaufe sofort nach der Auszahlung machen; der Werner Geschäftswelt gehen sie als Käufer verloren, solange nicht wieder die Auszahlungen in Werne erfolgen. Die Werner Bevölkerung hofft, daß ihre dahingehenden Schritte endlich Erfolg haben werden.**
Stadttell Langendreer
Realgymnasium Langendreer. Seit dem 5. Okto
ber hat Studienrat Dr. Schneider, der bis zu dem Tage an der Realgymnasial=Studienanstalt in Bochum unterrichtet hat, den Musik= und einen Teil des Mathematikunterrichts am Realgymnasium übernommen. Für ihn ist Studienrat Ferrean der seit dem 1. Juli 1931 an der höheren Lehranstalt in Langendreer tatig war, an die Bochumer Anstalt versetzt worden.* Bestandene Prüfung. Vor dem Prüfungsausschuß der Friseurinnung bestanden die Lehrlinge Hans Löbring(Lehrmeister Schmettmann), Hans Kubacki (Lehrmeister Amwege), Karl Pestka(Lehrmeister Muller) von hier mit gutem Erfolg die Gesellenprüfung.
Nationalsozialistische Versammlung. Dienstag abend sprach im Helmigschen Saale Gaukulturwart Weil aus Elberfeld vor einer starken Zuhörerzahl über„Rasse und Kultur“, wobei er unterstrich, daß dem Deutschtum seine Eigenart erhalten bleiben müsse. er
Leichenfund. Auf der Schnellzugstrecke Dortmund— Langendreer wurde Dienstag fruh auf der Höhe der Kohlenwäsche der Zeche„Germania 13“ die Leiche des 18 Jahre alten Friseurlehrlings Alfred Duffe aus dem Stadtteil Lutgendortmund gräßlich verstümmelt aufgefunden. Ob ein Unglücksfall oder Selbstmord vorliegt, bedarf noch der Feststellung.
Unglücksfall. Bei einem Fußballspiel auf dem Sportplatz Heven erlitt der Spieler W. L. von hier, Am Groppersweg, bei einem Zusammenprall mit dem Gegner einen schweren Beinbruch. Man schaffte den Verunglückten ins hiesige Knappschaftskrankenhaus.**
Kind stürzt aus dem Fenster. Auf der Wiescher
straße stürzte ein acht Jahre altes Mädchen, das beim Spielen das Uebergewicht bekam, aus dem Flurfenster auf das Hofpflaster. Es erlitt einen Armbruch, eine Gehirnerschütterung und innere Verletzungen, so daß in das Krankenhaus erfolgen
kü
die Ueberführung mußte.
Stadtteil Harpen
Schlußübung. Die Freiwillige Feuerwehr, Zug Harpen, hielt am Samstag auf dem Platze des Rentners Stratmann ihre diesjährige Schlußsitzung ab. Sämtliche Uebungen der Wehr unter der bewährten Leitung ihrer beiden Brandmeister Gieseler und A. Röhken sowie der einzelnen Gruppenführer wurden mit peinlichster Sorgfalt und äußerster Genauigkeit ausgeführt. Als Gäste waren die Gerther und Bergener Wehren geschlossen unter Führung ihrer Brandmeister Feith und Feierabend erschienen, ferner eine Abordnung der Hiltroper Wehr unter der Führung ihres Brandmeisters Reckinger, die sich sehr lobend über die Leistugen der Harpener Wehr aussprachen. Anschließend an die Schlußübung fand eine Jubilarehrung in dem Vereinsheim Fleitmann statt. Es erhielten silberne Armlitzen für eine treu geleistete Dienstzeit von 20 Jahren das Mitglied Fritz Keilmann, für 15
Jahre Emil Köster, für 10 Jahre die Mitglieder Möllenhoff, August Gersmann Wilhelm Eisenberg und Fritz Honke. Die Ehrung der Jubilare wurde von dem Brandmeister Gieseler vorgenommen. Die Jungmannschaft führte mehrere Theaterstücke auf.. 9..uehepenllr Aaruen Kielk“#
Der Krieger= und Landweyrverein warven hielt am Sonntag auf dem Schießstand des Kameraden Ruwe sein diesjähriges Wanderpreisschießen ab. Es wurden folgende Ergeonisse erzielt: Kameraden H. Dettmer und H. Reul je 86. Schwarz und Fohr je 85. Korte, Kröger und Dombrowski je 84, O. Buschey. O. Reul, Wroberger, Nöthe, A. Stein, Gründer, W. Schäffer, Funke und Sablotny je 33, W. Arenth und H. Briem je 32, Aretz, Duchna, Erlhöfer, Krumhues, Itzek. H. Richter, H. Jung, Steffen und Salzmann je 31, Röstek und H. Schäffer je 30, Schlüter 29, Nierhoff und Raffel je 28, Gruchmann und A. Rabe je 27. Dreimal wurde um den von der 2. Kompagnie bereits zweimal erworbenen Wanderpreis geschossen. Das Gesamtergebnis der drei Schießen war: 1. Kompagnie 1715, 2. Kompagnie 1734 Ringe, so daß der Wanderpreis in den Handen der 2. Kompagnie mit 19 Ringen Ueberschuß verblieb. Es kämpften je 17 Schützen der beiden Kompagnien.
Stadtbücherei. Im letzten Vierteljahr wurden in der Harpener Zweigstelle der Bücherei 680 Bücher ausgeliehen. Die Dienststunden für die Bücherei sind jeden Donnerstag nachmittag von—6 Uhr in der Verwaltungsstelle Harpen.
Stadtteil Riemke
Bestrafte Unsitte. Dienstag vormittag ereignete sich auf der Bochumer Straße in Bochum=Riemke, unweit der Riemker Ausweiche, ein bedauerlicher Unfall. An dem Lieferauto des Bochumer Geschäftsmannes M. hatte sich der Anstreicherlehrling Fritz L. aus der Gräfstraße in Herne mit seinem Fahrrad angehangen. Beim Vorüberfahren einer Straßenbahn wurde er unsicher und war im Begriffe vorzufahren, als unglücklicherweise der Führer des Autos ebenfalls scharf zur Seite lenkte. Hierbei wurde der Lenker des Fahrrads erfaßt, L. kam zum Sturz und wurde von den Hinterrädern erfaßt. Mit schweren Quetschungen, einem Knöchelbruch und erheblichen Schürfungen wurde er geborgen und, nachdem ihm die Hilfe durch einen Werkssanitäter zuteil wurde, dem Krankenhause zugeführt. kr
Stadtteil Hordel
Kaninchenzuchtverein„Volkswohl“, Bochum=Hordel.
Die Monatsversammlung fand im Kruppschen Saalbau in Hordel statt. In den Verein ausgenommen wurden fünf Mitglieder, so daß der Verein jetzt 46 Mitglieder zählt. Der Beitrag für Erwerbslose und Jugendliche unter 18 Jahren wurde ermäßigt. Als Ausstellungs= leiter für die im Januar 1932 stattfindende Ausstellung wurden die Zuchtkollegen Vollmer, Höhle und Stumpe gewählt. Als Preisrichter wurde Herr Letzing aus Günnigfeld gewonnen; Hilfsrichter Vogelsang und Makowski. Die Festsetzung der Höhe der Preise ist der Ausstellungsleitung überlassen. Als Delegierter für die Kreisverbandssitzung wurde der erste Vorsitzende Vollmer bestimmt.
Bochamter=Veranstanlungen
(=) Stadttheater Bochum. Zu ganz niedrigen Preisen wird heute(Donnerstag) abend eine neue Form der Werbeveranstaltung ausprobiert. An Stelle des mannigfaltigen Programms wird diesmal eine Gesamtinszenierung in den Dienst der Sache gestellt: Zuckmayers„Deutsches Märchen": Der Hauptmann von Köpenick. Die Wahl des Stückes— die außergewöhnlich billigen Preise und die besonderen Absichten, die mit diesem Abend verknüpft sind, werden gewiß für viele Anreiz genug sein, die Gelegenheit auszunntzen. Für morgen(Freitag) steht Lehars„Lustige Witwe“ in Aussicht. Der Abend ist für den Roten und den Blauen Ring angesetzt, stellt aber auch dem nicht vormietenden Teil des Publikums ge
nügend Plätze zur Verfügung. Das neue Werk des Spielplans, Bruno Franks auch hier beifallsfreudig aufgenommene Komödie„Nina“, erlebt am Samstag seine erste Wiederholung, die der Weiße Ring bekommen soll. Besonders hingewiesen sei schließlich auch auf die Sonntagveranstaltungen. Als Nachmittagsvorstellung zu ganz niedrigen Werbepreisen wird Müller=Schlössers Komödie „Schneider Wibbel“ zum ersten Mal in dieser Spielzeit wieder ausgenommen. Zu ebenfalls sehr niedrigen Preisen ist für den Abend Conrieds spannendes Lustspiel „Das große Objekt" vorgesehen. Inzwischen wird für die nächste Woche eine neue Inszenierung vorbereitet. Das Stadttheater bringt zum Gedächtnis des 250. Todestages Calderons, des großen spanischen Dramatikers,
seine„Andacht zum Kreuz" heraus. Die Inszenierung des Werkes wird von Dr. Hans Buxbaum besorgt.
(=) Operettentheater. Heute und morgen, erhalten Erwerbslose auf sämtlichen Plätzen 50 Prozent Preiz. ermäßigung.
(=) Verband Deutsche Frauenkultur, Ortsgruppe
Bochum. Der Verband hat inzwischen das Programm seiner Winterveranstaltungen 1931/32 bekanntgegeben.# das neben der Hauptversammlung im Februar eine Reihe von Vortragen, Ausstellungen, Vorführungen. eine Advent= und eine Goethefeier, einen lustigen Nach. mittag und schließlich noch eine Sauerlandsfahrt vorsieht. Besonders hingewiesen sei bereits jetzt auf den am Dienstag, 18. Oktober, nachmittags 4 Uhr, im Parl. hotel„Haus Rechen" stattfindenden Vortrag„Die“ russische Frauenpsyche". Der Vortragenden, Frau Helene v. Hoerschelmann, die sich während der Krieges in Rußland sehr für die deutschen Kriegs. gefangenen eingesetzt hat, geht ein ausgezeichneter Ruf voraus.
(=) Katholischer Jungmännerverein Groß=Bochum. Am kommenden Sonntag, 11. Oktober, findet in der Pfarrei Altenbochum der Bezirkstag statt. Nach alter Tradition wird der Tag durch ein feierliches Hochamt in der Pfarrkirche Altenbochum eingeleitet.
25 Jahre Film in Bochum
Ein persönliches und geschäftliches Jubiläum.
Herr Waldemar Fork, Inhaber der Weltlichtspiele und der Lichtburg, feiert in diesen Tagen sein 25jahriges Jubiläum als Lichtspieltheaterbesitzer und Leiter. Anfang Oktober 1906 wurden die jetzigen Weltlichtspiele unter dem Namen„Weltkino eröffnet von dem verstorbenen Herrn Heinrich Fork, dem von Anfang an sein Sohn Waldemar zur Seite stand. Das„Weltkino" war das erste Lichtspieltheater in Bochum und Umgebung. Damals kannte man noch nicht den heute selbstverständ. lichen Begriff eines modernen Lichtspieltheater=Palastes. Das im Jahre 1906 gegründete„Weltkino" war kaum größer als heute ein mittelgroßes Ladengeschäft, umfassend enggedrängt 230 Plätze. Der Großfilm war um diese Zeit noch nicht bekannt. Der Besucher sah zu einem Eintrittspreis von 20 Pfennig, 20 Filme von je 60 Meter Lange. Die Spieldauer für ein solches Programm erreichte die Zeit von etwa einer halben Stunde. Im Jahre 1912 wurde das damalige„Weltkino“ dann um gebaut zu seiner jetzigen Größe, umfassend etwa 700 Sitzplätze, und in Weltlichtspiele umbenannt. Von dieser Zeit an datiert der gewaltige Aufschwung, den das moderne Lichtspieltheatergewerbe in Bochum wie überall nahm. Stets sah man Herrn Waldemar Fork emsig bemüht, technisch und auch künstlerisch in Bochum in seinem Theater Schritt zu halten mit der rapiden Entwicklung des Films. Aus diesem Bestreben heraus reifte bei ihm der Gedanke, ein neuzeitliches und hochmodernet Theater in Bochum zu errichten, der dann im September 1929 in der Eroffnung der„Lichtburg" zur Tatsache wurde. Mit diesem Theater und den Weltlichtspielen verfügt der Jubilar, der sich durch seine schlichte, ruhige Art allgemeine Sympathien erworben hat, über 1700 Sitzplätze und damit den größten Lichtspieltheaterbesitz in Bochum.
(Weitere Lokalnachrichten auf Seite 11.)
Wohin gehen wir heute
siehe auch Anzeigentell
Stadttheater: 20 Uhr: Der Hauptmann von Köpenick. Operetten=Theater: 20 Uhr: Der letzte Walzer. Plaza=Tonhalle: Varieté.
Odeon: 10 Tage, die die Welt erschütterten. Skala=Lichtspiele: Ehe auf Probe. Ufatheater: Bomben auf Monte Carlo. Weltlichtspiele: Die Abenteuerin von Tunis. Apollotheater: Die Drei von der Tankstelle.
Capitol: Hilfe! Ueberfall.
Lichtburg: Der ungetreue Eckehart.
Café Industrie: Bunter Abend.
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wiederholt Malcolm sich und geht an wie jeden Tag mit müdem, von der
„7368!“
seine Arbeit,
Nachtarbeit eingenommenem Kopf; sast hätte der Abteilungsdirektor ihn bei der Lektüre überrascht.
Am gleichen Tage noch tritt ein Ereignis ein, das in der Geschichte des Archivs der Llesh Oil Company bisher einzig dasteht: Generaldirektor Grace erscheint in höchster Eile persönlich.
„Armenien! Georgien! Sozialpolitische Verhältnisse daselbst! Es müssen von früher her noch Akten vorhanden sein mit Geheimberichten eingeborener Vertrauensleute! Schnell— schnell!
Die Angestellten stehen noch erstarrt vor Ueberraschung; der Abteilungsdirektor würgt verwirrt und hilflos nach Worten.
„Ja, was ist denn?— Was denn?!— Schnell,
schnel, sage ich!“— drängt der Generaldirgktor unge
" und gereizt.
Erregt und befangen suchen die Angestellten in den Verzeichnissen, vom Abteilungsdirektor abwärts bis zum jüngsten Beamten, Malcolm Grenfell jedoch geht geradeswegs auf das Aktenregal mit den Nummern 7301—7400 zu und entnimmt ihm den Band mit der Nummer 7368.
sehr, Herr Generaldirektor!“
Mister Grace greift nervös zu; seine Gedanken sind schon nicht mehr in diesem Raum. Nach Minuten des Ueberfliegens schiebt er den Akt unter den Arm und wendet sich zum Gehen, da fällt sein Blick auf den blassen und schmächtigen jungen Menschen mit den intelligenten und von der Willenskraft geprägten Zügen.
„Wer sind Sie?“—
„Archivhilfsangestellter Malcolm Grenfell, Herr Generaldirektor!"
„Wie lange im Betrieb?“—
„Seit vier Jahren!“
„Wie alt?“—
„Achtzehn
„Können Sie stenographieren und Maschine schreiben?“—
„Jawohl, Herr Generaldirektor!“
„Woher wußten Sie die Nummer dieser Akten?“ „Ich las die Zeitungsberichte und dachte mir, daß sie gebraucht werden könnten!"
„Was für Kenntnisse haben Sie noch?“
„Ich spreche und korrespondiere Deutsch und Frangösisch!“
„Auf der Schule gelernt?“—
„Nein, im Selbststudium!“
„Sofort bei meinem Sekretariatschef melden!" Grenfell muß aufblicken; der Weg macht eine Biegung. Der Palast wird sichtbar; der Kies knirscht. Grenfells Gedanken schweifen wieder ab.
Das ist der Anfang seiner Karriere gewesen, die in raschem und steilem Aufstieg an die Stelle eines Generaldirektors der Llesh Oil Company führte.
Und dann hat Lord Gnideter ihn eines Tages zu sich rufen lassen und ihm mitgeteilt, daß er von nun an
zu seiner besonderen Verfügung zu stehen habe, daß er zum Delegierten bestellt sei.
Ein Schauer überfällt Grenfell. Er hat weitgehende Vollmachten erteilt bekommen. Die Generaldirektoren der Lesh zittern vor seiner Macht mit dem gleichen lastenden Unbehagen, das ihn selbst erfaßt, wenn er aufwärts blickt, in die Richtung, in der Lord Henry Gnideter steht.
Nur wenige Menschen kennen den Lord persönlich. Es ist schon einige Jahre her, seit Grenfell zum letzten Male zu ihm beordert wurde. Damals war bekannt geworden, daß der deutsche Gelehrte Bergius ein Verfahren zur Herstellung synthetischer Kohle entdeckt habe. Diese Bedrohung der weltwirtschaftlichen Stellung der Llesh=Gesellschaft ging vorüber, da die Wege zur industriellen Auswertung der Erfindung noch nicht gebaut sind. Lord Gnideter gilt als Sonderling. An Gesellschaften nimmt er nicht teil, und auch bei Generalversammlungen und Vertragsabschlüssen läßt er sich von seinen Delegierten vertreten. Er läßt seinen Vertrauten freie Hand; sie müssen wissen, was sie im Interesse der Gesellschaft zu tun haben, sonst sind sie für ihre Posten nicht geeignet. Ein einziges Versagen bedeutet Kaltstellung für immer; Gord Gnideters Strenge ist sprichwörtlich.
Es ist kaum vierzig Jahre her, daß das Erdöl zur weltbestimmenden Macht geworden ist, und Sir William Knot'Arcy hätte sich nicht träumen lassen, welch ungeheure Werte er aus der Hand gegeben hat, als er seine Bohrkonzession für Persien um viele Millionen verkaufte. Jahrelang hat er unter Opferung eines Millionenvermögens nach der reichen Welle gesucht, besessen von der Idee, daß das ungeheure unterirdische Erdölstaubecken am Kaspischen Meer sich nach Persien hinein fortsetzen müsse. Als er die Welle endlich gefunden und angezapft hat, gibt er sich zufrieden mit dem Bewußtsein, daß er auf dem richtigen Wege gewesen ist und mit den erhaltenen Millionen ein Vielfaches des geopferten Vermögens erworben hat. Die Anglo Persian Oil Company setzt seine Bohrungen fort, gestützt und gedeckt von der englischen Weltölpolitik. Bald beginnen die Kämpfe um die Behauptung und die Erweiterung der Macht. Rußland erscheint als gefährlicher Konkurrent auf dem Plane. Von beiden Seiten bedrängt, muß der Schah von Persien in die Aufteilung seines Landes in die nördliche— russische— und die südliche— englische— Interessen= und Handelszone willigen. England schürt die Revolution in Persien, um auch die nördliche Zone unter seinen Einfluß zu bringen. Rußland wird hinausmanövriert; die Anglo Persian Oil Company verfügt über die gesamten Oelvorkommen Persiens, bis die American Oil Company den zu stark werdenden englischen Konkurrenten angreift. Der Weltkrieg unterbricht den Kampf. Der Schah von Persien verkauft die Nordselder an einen georgischen Kaufmann. Der Krieg schiebt die Macht des Oels in den Vordergrund. Der Explosionsmotor fordert Benzin, Schweröl und Schmieröl; ohne Erdöl kann kein Automobil, kein Motorschiff, kein Tank fahren, kein
Flugzeug und kein Luftschiff fliegen. Erdöl ist für die selbständige Wirtschaftspolitik, für die Machtpolitik, zum bestimmenden Faktor geworden. Das Erdöl hat mitgeholfen, den Weltkrieg zugunsten der Ententemächte zu entscheiden.
England jedoch hat im eigenen Lande keine Quellen. Henry Gnideter löst die Frage von ungeheurer Bedeutung und Tragweite für England. Der ehemalige kleine Angestellte einer holländischen Handelsfirma auf Sumatra und spätere Direktor einer Erdölfirma, Henry Gnideter, weiß mit eiserner Energie die holländischen und englischen Oelfirmen zum Konzern der Royal Dutch Llesh Company zusammenzuschweißen. In zwanzigjährigem Kampfe erobert er Vorräte im Werte von hundertachtundsechzig Milliarden Mark. Er versorgt die englische Kriegsflotte, wird im Kriege englischer Oeldiktator und Organisator der Oelmacht; er wird der„Napoleon des Oels". Nach dem Kriege greift er weiter um sich. Er übernimmt von dem georgischen Kaufmann die Ausbeuterechte für Nordpersien; er finanziert die Armeen der weißrussischen Generäle Denikin, Wrangel und Koltschak, um Persien vor dem Zugriff des Sowjetstaates zu schützen; er kauft die Ansprüche vertriebener Oelmagnaten auf die Felder Rußlands auf mit dem gewaltigen Plane, über Rumänien, Aegypten, Mesopotamien, Indien, Persien und Südrußland ein Erdölreich zu gründen mit Schätzen im Werte von zweihundertfünfzig Milliarden Mark. Wieder nimmt die American Oil Company den Kampf auf, doch wo sie erscheint, wird sie von Lord Gnideter wieder hinausmanövriert, aus Borneo, aus Hinterindien wie aus Persien. Der Kampf mit Rußland geht weiter; steht die American hinter ihm?— Sie kauft einen großen Teil der russischen Oelausfuhr, überschwemmt damit Indien und unterbietet weit die Preise der Llesh Oil Company. Gnideter beginnt eine Zeitungskampagne, doch unbeirrt dringt die American mit halbem Herschenken von Millionen Fässern Oel weiter in die englischen Einflußgebiete vor. Gnideter mobilisiert die öffentliche Meinung gegen die Geschäfte der American mit den Sowjets. Millionenvermögen werden auf beiden Seiten geopfert, um den Gegner niederzuzwingen, Sabotageakte werden finanziert und Revolutionen entfesselt, doch beide sind zu stark; keiner vermag den andern auf die Knie zu zwingen. Ein inoffizieller Waffenstillstand setzt sich durch, hinter dem jede Partei auf eine Gelegenheit wartet, dem Gegner den Garaus zu machen. Die American hat die Gelegenheit der Entdeckung riesiger Oelfelder in Venezuela benutzt, um einen neuen Sturmangriff auf die Position der Llesh zu unternehmen. Kompromisse gibt es nicht.
Malcolm Grenfell kennt den Hauptgrund, weshalb Lord Gnideter sich so sehr im Hintergrund hält. Seine Delegierten, die er mit unheimlich sicherer Menschenkenntnis ausgewählt hat, haben die Gesellschaft zu führen; sie haben auch auf seine Anweisungen hin die Vorstöße gegen den mächtigen amerikanischen Konkurrenten einzuleiten und durchzuführen. Die Mittel und Wege dazu überläßt er ihnen. Ob sie Revolutionen entfachen, Regierungen stürzen und Kriege ausbrechen lassen, das sind nur Fragen der Zweckmäßigkeit bei der Erreichung des Zieles, die gesamte Oelproduktion der Erde zu beherrschen. Sie haben die Kämpfe im eigenen Namen und auf eigenes Risiko zu führen. Der Name des Lords bleibt immer aus dem Spiele: niemals darf er kompromittiert werden. Lord Gnideter hat alles von sich abgedrängt, was ihn nur im mindesten in der nichtverantwortlichen, aber überlegenen Oberleitung des Kampfes, dehindern könnte.
Der Haushofmeister schreitet die Freitreppe hinauf. Malcolm Grenfell folgt ihm. Das Blut klopft rascher zu seinen Schläfen hinauf. Er geht einen schweren Gang. Die kalte Pracht des schloßähnlichen Palastes drückt auf seine Nerven. Man kann die Persönlichkeit zu unvergleichbarer Höhe entwickeln, man kann auch äußerlich ein vollkommener Gentleman werden, aber### die Enge der Jugend wird immer nachwirken und sich## stets in Erinnerung bringen, wenn die Wucht des Reichtums eines fremden Hauses sich ins Bewußtsein drängt; sie wird die Sicherheit einengen, bis die Willenskraft die Hemmung überwunden hat.
Der Haushofmeister öffnet das Wartezimmer. Grenfell kennt es bereits; dort die Türe führt zum Sekretariat— und diese hier— zum Arbeitszimmer Lord Henry Gnideters.
III.
Junius Easton erscheint, der Kabinettschef des Lords. Ein Lächeln hellt sein verschlossenes Gesicht auf; mit der stark geäderten Linken streicht er sich über das kurze, eisgraue Haar; die Rechte streckt er Grenfell ent# gegen. Außer dem Gruße sagt er kein Wort; er hat sich das Sprechen fast völlig abgewöhnt. Er verbeugt sich und geleitet Grenfell zur Tür.
Junius Easton ist der Mann, der die Befehle des Lords an die Delegierten übermittelt. Er ist das zweite Gehirn des Lords— doch es ist ohne eigenen Willen, aber auch ohne Eigennutz. Der Mann ist stumm wie das Grab; kein Grad der raffiniertesten Folter würde aus ihm jemals auch nur die unbedeutendste Einzelheit der Geheimnisse des Lords herauspressen können.
Grenfell grüßt und verbeugt sich mit Elan, kaum daß er das Zimmer betreten hat. Seine Nerven spannen
sich an; er ist ganz Aufmerksamkeit, ganz Wille zur scharfen Konzentration. Er hat kein Auge für die kostbare Ausstattung des Zimmers; sein Blick ist geradeaus gerichtet, auf Lord Gnideter, der hinter einem großen Schreibtisch sitzt und langsam den Kopf hebt.
Der Delegierte blickt in die verschleierten Augen des ungekrönten Königs; die Lieder öffnen sich für Sekunden völlig, lassen die dunkelblauen Augen frei und sinken dann herab, wie ein Vorhang vor einem Fenster.
Die Gestalt des Lords ist mittelgroß und gedrungen.
Die weißen Hände ruhen auf den Papieren. Der schmale Kopf ist leicht nach vorn gebeugt. Falten bahnen sich von den Nüstern aus einen Weg um den energischen Mund herum nach dem stark ausgebildeten Kinn. Die Wangen sind etwas eingefallen und farblos, als sei der Besitzer seit langem nicht mehr in der Sonne und in frischer Luft gewesen. Die hohe Stirn ist durchfurcht; der Schädel ist, besonders über der Kleinhirnpartie, stark entwickelt; die dunklen Haare liegen glatt auf dem Kopfe.
Der Lord dankt für den Gruß mit leichtem Nicken und deutet auf den Sessel vor dem Schreibtisch; Grenfell nimmt nach dankender Verbeugung Platz.
„Die Antwort aus Caracas ist eingetroffen?"
„Jawohl, Mylord! Die American hat die Konzession noch nicht erhalten!"
Das Antlitz des Lords zeigt keine Bewegung: e stützt den Kopf in die Hände. Seine Stimme klingt klat und ruhig, wie vorher.
„Unsere Vertrauensleute bei der American haben also versagt?“—
„Sie haben versagt, Mylord!“
„Wer ist es?“—
„Andy Chopey und Hamphrey Harjes!"
„Sie wissen vorschriftsmäßig nicht, für wen sie gearbeitet haben?“—
„Nein, Mylord!“
(Fortsetzung folgt.)