Nr. 141 7 38. Jahrgang

Freitag, den 19. Juni 1931

Täglich außer Samstag 10 Pf. Samstags mit illustr. Beilage 20 Pf.

und—

lung

rbereitung

OSsen.

Bezugspreis einschl, Botenlohn.40 Mk. monatlich, oder 1 20 Mk. haldmonatlich;

sesce eschscshschsh Angebote von anderen Zeitungen und Vermitlern werden nicht befördert. Bei zwangsweiser Beitreibung der Anzeigengebühren durch Klage, bei Konkurs­verfahren usw. wird der bewilligte Nachlaß hinfällig. Für die Aufnahme von Anzeigen an bestimmten Tagen und Bläßen, guch, fur hurch Fernsprecher auf­

General## Anzeiger

für Bochum und umliegende Industriebezirke

Redaktionsleitung: Dr. Paul Dierichs. Verantwortlich für Politik: Rudol! Foest: für Kommunalpolitik und Nachbargebiet: Adolf Beddingbaus: für Lokales: Hans Schulte, für Handel: Fris Schmidi: für Sporz: Hans Schulte und Baul Wegener, für Kunsi und Unterbaltung. dr Coristan Gebring: für Briefkasten, Beilagen und den übrigen Textteil Max Flegek für den Anzeigenteil: F. W. Pempe. Sprechstunden der Redaktion: 16—17 Uhr (außer Samstags)— Druck u. Verlag Bochumer Anzeiger und General Anzeiger, Lauvenmüblen& Dierichs, sämtlich in Bochum. Berliner Redaktion: Nichael Haupt, Berlin S W 68, Zimmerstraße 28, Fernsprecher: Dönhoff 553 und Karlshorst 0340.— Für unverlangte Einsendungen übernimmt die Redaktion keine Haftpflicht. Zurücksendung erfolgt nur, wenn Rückporto beiliegt.

Redaktion und Geschäftsstelle: Rathausplasz&a. Fernsprech=Anschlüsse Sammelnummer 675 51— Postscheckkonto Dortmund 1760

verwalter Der Hansabund fordert

FE IOS!

zufrieden t sichl

SCH

enbahn

erhaltene

Fahrräder

zahlung 10.- Mk.

Röl, Rottstraße 39

mer­

Issen

llert wirksame und bleibt

ergecht u.

Trogerten Altmitus, ring, Hellweg, Rein­kt. Kneider, Gr. Beck­umstr., Parf. Pracht, ogerie Marquardt, Drogerie Feuerstein.

lechten!

Schöpplisdorf, schreibt seich, bezeugt, daß ich den läst. Flechten, 11 Jah. gelitten bo­gebeilt worden hin: u. vertraul.! Schreiben Sanstas=Veririeh, (Bayern).(a5146

rhörige

in hartnäckigen und a mit unserem ärzt­n. Apparat, sofort, gut

Kleinhörer mit arer Laststärke,

tast unsichtbar trag­Preise. Erleichterte ungen. Unverbincliche

Freitag, dem -6 Uhr, I. Hotel Hof, in Bochum.

Htophone Comp. m. b. H.

West, Königstraße 71. ründet 1910(AE2a

anzosenhohl

ral us ue

Lenteaheleunt u 9ei. anzer, Garasen Belieb­

t des Sauerlandes.

sion— Wochenende

verden an en Bochums

Schönheits­

zes beraten

zs von—6 Uhr

Strale 8

von—6 Uhr

1Pracht

s in der Kosmetik

1 enntiacden=Kasgabensenaug

Wirtschaftsfreiheit gegen Wirtschaftsnot

Berlin, 18. Juni.

Auf der Tagung des wirtschaftspolitischen Ausschus­ses des Hansabundes hielt der Direktor des Hansa­bundes, Mosich, einen Vortrag über„Notprogramm der Reichsregierung und Wirtschaft“. Er führte u. a. aus, es gebe in Deutschland noch kaum einen sich ver­antwortlich fühlenden Staatsbürger, der nicht die gegen­wärtige Notverordnung ablehne. Wenn man jetzt den Versuch mache, durch Umgruppierung und Erhöhung der Einnahmen die Finanzen zu sanieren, so gehe man dahei gänzlich an der Tatsache vorüber, daß sich der Schwund an Steuerkraft in einem viel schnel­leren Tempo vollziehe, als alles, was man bisher an Ausgabensenkungen bei der öffentlichen Hand getätigt habe. Wenn von Monat zu Monat in progressiver Stei­gerung das Versagen der Steuerquellen zunehme, so bleibe nichts anderes übrig, als einen ganz radika­len Schnitt in die öffentlichen Ausga­ben zu tun. Ohne diesen Schnitt würden in dem kom­menden Winter Staat und Wirtschaft in der unmittel­baren Gefahr des Versinkens im bolschewistischen Chaos stehen. Der Redner verlangte eine Ausgabensen­kung von 3 Milliarden Reichsmark. Sie sei praktisch durchführbar, wenn der ernsthafte und absolute Wille und die absolut sichere Erkenntnis der heutigen Lage eine solche Aktion leite. Die entscheidende Aufgabe liege darin, den deutschen Geld= und Kapitalmarkt von dem zusätz­lichen Druck zu befreien, der durch die starke schwebende Schuld der öffentlichen Hand ausgelöst werde. Dazu sei nötig, in einem großen Umfange alles das, was im Uebermaß die öffentliche Hand in kurzfristiger Politik an sich herangezogen habe, wieder von der öffentlichen Hand abzustoßen, um aus dem Erlös die schwebende Schuld zu bezahlen. Nachdem sich der Redner mit der Lohn= und Preispolitik beschäftigt hatte, kam er auf das Reparationsproblem zu sprechen. Es werde schwer sein, in der gegenwärtigen Lage die Reparations­verhandlungen zu führen, da die Not so groß sei, daß wir jedes politisch bedingte Diktat von Außen schlucken müßten, weil wir nicht wüßten, wie wir sonst den Zu­sammenbruch des Kreditwesens und der öffentlichen Kas­sen aufhalten sollten. Es handele sich darum, nicht nur Deutschland, sondern die Weltwirtschaft durch Streichung der Tribute und der interalliierten Kriegsschulden zu befreien. Deutschland müsse eine Position gewinnen, in der es die Reparationsverhandlungen mit Erfolg führen und der Welt klarmache, daß die Schäden der Kriegs­schuldenregelung und der Tribute für diejenigen, die sie in Empfang nehmen, größer seien als die Schäden, die Deutschland dadurch erleide.

Am Abend veranstaltete der Hansa=Bund eine öffentliche Kundgebung im großen Festsaal von Kroll, an der der schwedische Gesandte, eine große Anzahl von Behördenvertretern und zahlreiche Abge­ordnete des Reichs= und Landtags teilnahmen. Der Präsident des Hansa=Bundes, Reichstagsabgeordneter Dr. Fischer, sprach über das Thema„Wirtschafts­freiheit gegen Wirtschaftsnot". Seine Rede gipfelte darin, daß unsere Wirtschaftsnot nur dann wirksam bekämpft werden könne, wenn der Staat die Wirtschaft von allen Fesseln befreie. Als zweiter Redner sprach der Direktor des Hansa=Bundes, Mosich, dessen Aus­führungen sich in demselben Rahmen bewegten wie sein vorstehender Vortrag im wirtschaftspolitischen Ausschuß des Hansa=Bundes.

Keine Herbstwahlen in Preußen

Volksentscheid im August

Berlin, 18. Juni.

[Von unserer Berliner Schriftleitung.)

Nach den kürzlichen Erklärungen des preußischen Innenministers Severing ist nicht damit zu rechnen, daß bei einem Fehlschlag des preußischen Volksentscheids über die Auflösung des Landtags die Preußenregierung die Neuwahlen für den Landtag bereits auf den Herbst dieses Jahres vorverlegt, wie dies mit Rücksicht auf die wirtschaftliche Entwicklung für möglich gehalten wurde. Der preußische Landtag wird das laut Volksbegehren eingebrachte Gesetz über die Auflösung des Landtags in der zweiten Juliwoche beraten. Eine Mehrheit wird sich jedoch nicht ergeben, da das Zentrum nach den Er­eignissen in der Reichspolitik im besonderen nach dem Einschwenken der Sozialdemokratie bei den letzten Ael­testenratsverhandlungen keine Veranlassung sieht, sich in der Wahlfrage von der Sozialdemokratie zu lösen. In der Fraktionssitzung der Sozialdemokratie am Dienstag, die über die Einberufung des Reichstages entscheiden Ate, war auch der preußische Zentrumsführer Heß er­schienen, der dem preußischen Ministerpräsidenten Braun in der Ablehnung der Aeltestenratseinberufung assistierte. Aus diesem Grunde nimmt man an, daß das Zentrum den preußischen Ministerpräsidenten nunmehr auch in der Wahlfrage loyal unterstützen wird. Im preußischen Kausftsgsrgaisdensalls dürfte sich keine Mehrheit für den zuumngungsantrag ergeben, so daß die preußische Re­zierung das Gesetz zum Volksentscheid stellen muß. Ein Termin ist noch nicht bestimmt festgelegt, doch rechnet man, daß der Entscheid auf einen der beiden ersten Augustsonntage gelegt wird. Während man anfangs den 9. August als Abstimmungssonntag in Erwägung zog, heint man jetzt mehr zum ersten Augustsonntag, am wenzisu“ zu neigen. Wenn der Volksentscheid die no¬t vendige Stimmenzahl nicht aufbringt, müssen die Neu­

wahlen zum Landtag im Frühjahr nächsten Jahres er­folgen. Der preußische Innenminister Severing nimmt an, daß die Wahlen am 15. Mai 1932 erfolgen.

250-Millionen Kredit für das Reich

Berlin, 18. Juni.

Die Verhandlungen über die Gewährung eines Kre­dits von 250 Millionen Reichsmark an das Reich sind abgeschlossen. Es handelt sich um einen reinen Kassen­kredit, dessen Abdeckung durch die normalen Ein­nahmen sowie durch die auf Grund der Notverordnung zu erwartenden Ersparnisse und Eingänge gesichert ist. Die Auszahlung des Kredits erfolgt teils im Juni, teils im Juli. Ueber den empfangenen Betrag werden Schatzanweisungen mit dreimonatiger Laufzeit ausgestellt, die bei Fälligkeit bis zum Ab­lauf des Rechnungsjahres 1931 verlängert werden können. Für die Zinsberechnung bildet der jeweilige Reichsbankdiskont zum Zeitpunkt der Auszahlung die Grundlage.

Referenten-Entwurf für die

googe Bbeleanungseesbein

Bis zur Verwirklichung ist noch ein weiter Weg

Berlin, 18. Juni.

Dem Nachrichtenbüro des V D. Z. wird an gut unterrichteter Stelle bestätigt, daß im Reichsinnenmini­sterium unter Mitwirkung des preußischen Ministerial= direktors Brecht und des sächsischen Ministerialdirektors Poetzsch=Heffter, den beiden Berichterstattern der zustän­digen Ausschüsse der Länderkonferenz, ein Referen­tenentwurf über die große Reichsver­waltungsreform ausgearbeitet worden ist. Unter Beachtung der Beschlüsse des Verfassungsaus­schusses der Länderkonferenz sieht der Entwurf u. a. vor eine Vereinigung der Regierungen des Reichs und Preußens, das Aufgehen mittlerer und kleinerer Länder in diese Gemeinsamkeit und die Durchführung einer verwaltungsmäßigen Neugliederung, die eine stärkere Zusammenfas­sung der Verwaltungsbefugnisse bringt, und zwar der­art, daß unter möglichster Ausschaltung von Zwischen­instanzen eine Stärkung der Zentralgewalt und eine Er­weiterung der örtlichen Verwaltung erfolgt. Diese Ra­tionalisierung des Verwaltungsapparates soll nicht nur Klarheit und Einfachheit an die Stelle des bisherigen

Ensilbenen=teine Kadinensumonöuug!

Die Volkspartei spricht Dingeldey das Vertrauen aus

Berlin, 18. Juni.

Die Gerüchte über eine nahe bevorstehende Kabinetts­umbildung scheinen sich nicht zu bewahrheiten. Zwar ist zwischen dem Kanzler und dem Führer der Volks­partei auch dieses Thema eingehend besprochen worden. Aber es ist nicht zu erwarten, daß eine Kabinettsumbil­dung oder Erweiterung in irgendeiner Form in näch­ster Zeit schon erfolgen wird. In Anbetracht der kürz­lich eingetretenen innerpolitischen Entspannung und der in Aussicht stehenden Schritte in der Reparationsfrage müßte eine Kabinettsumbildung einer Aenderung des Regierungskurses gleichkommen, wodurch natürlich alle jetzt beigelegten Streitfragen von neuem in den Bereich der parlamentarischen Diskussion gerückt würden. Was später geschieht, wenn die Reparationsfrage ins Rollen gebracht worden ist oder sich die inneren Verhältnisse ändern, ist eine Frage, die nur vom Kanzler und dem Volkspartei=Führer Dingeldey vielleicht beantwortet wer­den kann. Wir selbst haben die Gerüchte über die Ka­binettsumbildung gebracht, weil sie in sämtlichen poli­tischen Kreisen lebhaft erörtert wurden. Mit dersel­ben publizistischen Genauigkeit geben wir aber auch

Neben= und Durcheinanders von behördlichen Zuständig­keiten setzen, sondern vor allem auch eine Entlastung im technischen Verkehr zwischen Wirtschaft und Behörden, und damit eine Verbilligung bringen.

Die Regelung soll an sich auch für die süddeut­schen Länder gelten, nur will man der süddeutschen Eigenart eine Konzession u. a. dadurch machen, daß man ihnen eine größere Selbständigkeit in den kulturellen Fragen läßt. Dieser Entwurf zur Reichsreform ist natürlich verfassungsändernd und be­darf zu seiner Annahme einer Zweidrittelmehrheit im Reichstag. Man weiß in politischen Kreisen, daß es nicht leicht sein wird, diese Mehrheit zu erlangen. Man glaubt aber, daß die durch die gewaltige Wirtschafts­not geförderte vernünftige Einsicht ein wertvoller Bun­desgenosse sein und die Notwendigkeit unterstützen wird, die seit zehn Jahren theoretisch anerkannte Dringlichkeit einer Reform sich praktisch auswirken zu lassen.

Daß die große Verwaltungsreform, die von allen Seiten als dringend notwendig zur Herabsetzung unse­rer öffentlichen Ausgaben gefordert wird, nun energisch in Angriff genommen und bald durchgeführt werden wird, darf man freilich aus der Fertigstellung des Re­ferentenentwurfs nicht schließen. Werden doch heute die Gerüchte dementiert, daß Dr. Brüning die Minister­präsidenten der Länder für die erste Juliwoche zu einer Besprechung über den Reichsreformgesetzentwurf eingela­den habe. Eine solche Einladung sei nicht erfolgt. Sie werde auch nicht erfolgen. Alle Nachrichten über eine bevorstehende Reichsreform seien falsch. Trotz bitterster Not und schwerster Finanzklemme lautet die Parole also auf diesem Gebiet:„Nur immer langsam voran!“

heute die Erklärung der Volkspartei von einer dem Kanz­ler nahestehenden Seite wieder, daß eine Kabinetts­umbildung in absehbarer Zeit nicht er­

Der Führer, der Vollspoztes., Jo, Ra 5##, sab Englischer Gegenbesuch am 17. Juli Kutzein einer Tagung, des, Varseiporsgandes und der Englischer Gegenbesuch am 17. Ju

Aufschluß über die Entwick­

Wahlkreisleiter eingehenden Aufschluß über die Entwick­lung der letzten Tage. Von einer Opposition gegen den Parteiführer, wie die linken Blätter zu berichten wuß­ten, ist nicht die Rede. Vielmehr sprach die Versamm­lung dem Führer das volle Vertrauen aus. Die Entschließung betont, daß mit der Ablehnung der Reichs­tagseinberufung die Entscheidung nur verschoben ist. Das Ziel der Partei sei in bindenden Abma­chungen zwischen Parteiführer und Kanzler unzwei­deutig festgelegt. Diese Abmachungen müßten in kür­zester Frist durchgeführt werden. Ueber die Abma­chungen selbst wird in der Entschließung nichts gesagt. Man geht aber nicht fehl, wenn man sie, wie wir gestern bereits berichteten, in einer Reform der Tarif= und Kar­tellpolitik wie in einer Wirtschaftspolitik nach einheit­lichen neuen Plänen sieht.

Senser lutonszenderommen ungenouiten

7¾ stündige Schicht im Kohlenbergbau unter Tage

Genf, 18. Juni.

Die internationale Arbeitskonferenz nahm heute vor­mittag den Entwurf eines Uebereinkommens zur Fest­setzung der Arbeitszeit in den Kohlenbergwerken in der Schlußabstimmung mit der notwendigen Zweidrit­telmehrheit an Die Arbeitgebergruppe enthielt sich geschlossen der Stimme. Das Abkommen tritt in Kraft sechs Monate nach dem Termin, an dem zwei der folgenden bergbautreibenden Staaten das Abkommen ratifiziert haben: Deutschland, Belgien, Frankreich, Großbritannien, Holland, Polen und die Tschecho­slowakei.

Das Abkommen sieht in der jetzt vorliegenden Form die Einführung des 7¾=Stunden=Tages in allen Untertage- Bergbaubetrieben für Stein­und Braunkohlen vor, und zwar wird die Arbeitszeit gerechnet von dem Zeitpunkt, wo der Bergmann die Erdoberfläche verläßt, bis zu dem Zeitpunkt, wo er sie wieder betritt. Für die Arbeiten der Wetterführung, Instandhaltungsarbeiten usw. kann Sonntagsarbeit ge­leistet werden, die im übrigen verboten ist, und zwar gegen einen 25prozentigen Lohnzuschlag. Bei Unglücks­fällen kann die Arbeitszeit verlängert werden. Für Vorbereitung der Förderarbeiten ist täglich eine halbe Stunde Mehrarbeit für bestimmte Arbeiterkategorien erlaubt. Im Steinkohlenbergbau beträgt die jährlich zu­gelassene Zahl der Ueberstunden 60, im Braun­kohlenuntertagebau 75, doch können in diesem jährlich noch weitere 75 Ueberstunden auf Grund besonderer Tarifabkommen verfahren werden. Im Braunkohlen­untertagebau kann außerdem täglich eine halbe Stunde Pause von der Arbeitszeit abgerechnet werden. In dem Uebertagebetrieb des Braunkohlenbergbaues soll die Arbeitszeit täglich acht Stunden nicht überschreiten. Die Zahl der zulässigen Ueberstunden beträgt täglich vier, jährlich 100 und darüber hinaus auf Grund be­sonderer Tarifabkommen noch weitere 100 Ueberstunden jährlich. Drei Jahre nach Inkrafttreten soll das Ab­kommen hinsichtlich einer weiteren Herabsetzung der Ar­beitszeit erneut überprüft werden. Außer seiner sozia­len hat das Abkommen noch eine besondere wirtschaft­liche Bedeutung insofern, als es die Grundlage

für eine wirtschaftliche Verständigung der kohleprodu­zierenden Länder über die Verteilung der Märkte bilden soll. Verhandlungen darüber dürften unter maßgebender Mitwirkung des Völkerbundes durch­geführt werden.

Um 12.30 Uhr wurde die 15. internationale Ar­beitskonferenz geschlossen.

Falls das Abkommen ratifiziert und in Kraft ge­setzt wird, müßte die Arbeitszeit im deutschen Stein­kohlenbergbau unter Tage um eine Viertelstunde ver­kürzt werden.

*

Vorschläge zur Regesung der Kohlenproduktion

Genf, 18. Juni.

Die Vertreter des Internationalen Bergarbeiterver­bandes unterbreiteten dem Wirtschaftsausschuß des Völ­kerbundes folgende Vorschläge zur Regelung der Kohlen­produktion:

1. Schaffung eines Völkerbundsamtes für Kohlen­wirtschaft und Technik;

2. Schaffung eines allgemeinen Rahmenabkommens durch den Völkerbund für Abmachungen zwischen den kohleherstellenden Ländern;

3. Beseitigung der direkten und indirekten Hemmun­gen und Erschwernisse des Kohlenhandels.

Die Vorschlage sollen vom Wirtschaftsausschuß ge­prüft werden.

Mellons Besprechungen in London

London, 18. Juni.

Die heutige Unterredung Mellons mit Macdonald und Henderson, dauerte eine Stunde. Ihr wohnte auch Montague Norman, der Gouverneur der Bank von England, bei. Obwohl man versichert, daß die Unterredung inoffiziellen Charakter gehabt habe, glaubt man allgemein, daß Mellon die Re­parationen, die Kriegsschulden und die all­gemeine finanzielle Lage besprach.

Berlin, 18. Juni.

Von unserer Berliner Schriftleitung

In London ist cheute offiziell bekannt gegeben wor­den, daß sich sowohl der britische Premierminister Mae­donald, als auch der Außenminister Henderson sich am 17. Juli zum Gegenbesuch der deutschen Regie­rung in Berlin einfinden werden. Der Besuch der englischen Staatsmänner wird bis zum 20. Juli dauern. Erst in den letzten Tagen haben sich beide Regierungen über den Termin des Besuchs verständigt. Die Briten werden voraussichtlich am 16. Juli von London abreisen und am 17. Juli in Berlin eintreffen, wo sie bis Montag, den 20. Juli. verweilen. Die Reichsregierung hat ein genaues Programm noch nicht festgelegt. ebenso steht noch nicht fest, wo die englischen Herren Wohnung nehmen werden. Die Reichsregierung hatte bisher ausländische Gäste in dem Prinz=Albrecht­Palais untergebracht. Da dem deutschen Reichskanzler kein Wochenendsitz zur Verfügung steht, ist die Frage des Aufenthalts der Briten noch nicht geklärt. Reichs­regierung, Reichshauptstadt und das gesamte deutsche Volk sehen diesem Besuch, der ebenso eine Höflichkeits­wie eine politische Aktion ist, mit Freude und Genug­tuung entgegen. Die englischen Staatsmänner werden in Deutschland ebenso herzlich willkommen geheißen wie es die Deutschen in England wurden. Da in denselben Tagen bereits der amerikanische Schatzsekretär Mellon der Reichsregierung seinen Besuch abgestattet haben dürfte, so werden die Julitage von hochpolitischer Be­deutung sein, zumal sich an dem Besuch Macdonalds der Besuch des amerikanischen Staatssekretärs Stimson anschließt. Es wird deshalb erwartet, daß die Reichs­regierung erst nach diesen Tagen eine Entscheidung über die Reparationsfrage trifft.

Frankreichs neues Flottenprogramm

„Das neue deutsche Panzerschiff ist schuld daran"

Paris, 18. Juni.

Heute vormittag begann in der Kammer die Aus­sprache über das neue Flottenbauprogramm. Es handelt sich um den Bau eines 23.000 Tonnen großen Linien­schiffes, zweier Kreuzer von zusammen 7500 Tonnen und sechs Küstenwachtschiffen.

In der Aussprache wurde behauptet, daß Frankreich durch den deutschen Kreuzerbau gezwungen werde, einen 23 000=Tonnen=Kreuzer auf Kiel zu legen. Der So­zialist Reinaud erklärte, es erscheine geradezu paradox, einen 23000=Tonnen=Kreuzer am Vorabend der Abrüstungskonferenz zu bauen. Die Folge werde sein, daß Deutschland die ihm durch den Versailler Ver­trag gestatteten Bauten beschleunigen werde. Der ra­dikale Abg. Herriot erwiderte, daß Deutschland schon jetzt ein Höchstprogramm durchführe und die ihm durch den Versailler Vertrag gewährten Möglichkeiten voll ausnutze. In den nächsten Jahren werde das Reich eine Kreuzerflotte von sechs ganz modernen Einheiten besitzen. In einer Antwort unterstrich der Sozialist Reynaud, daß Deutschland die sechs modernen Kreuzertyps noch garnicht besitze und daß die Ueber­legenheit seines neuen Kriegsschiffes keineswegs festge­stellz sei.

Der Berichterstatter Danielou führte in seiner Rede u. a. aus, daß man leider die Absichten Italiens in bezug auf die Rüstung zur See nicht kenne. Paul Boncour erklärte u.., daß der deutsche Kreuzer­neubau große Beunruhigung hervorgerufen habe. Aller­dings müsse anerkannt werden, daß sich Deutschland bei seinem Bauprogramm vollkommen in den Grenzen des Versailler Vertrages bewege. Es sei beschämend für