Serichtenaitung.

Strafkammer in Münster. O Mänster, 5. Juli.(Freigesprochen) wegen nicht lig ausreichenden Schuldbeweises wurde

Kiel, 3. Juli. Eine interessante Abstim­mung erfolgte gestern in der Sitzung der Stadtkolle­gien über einen Magistratsantrag auf Erhöhung der Löhne für die ständigen städtischen Arbeiter um im ganzen jährlich 51 000 Mark. Die Vorlage wurde von den Stadtverordneten mit allen gegen die beiden Stimmen der Sozlaldemo­kraten angenommen, welche die Vorlage für unannehmbar erklärten, ohne die gleichzeitige Anerkennung eines städtischen rbandes. Der Oherbürgermeister betonte mit

5° unter der niedrigsten von St. Petersburg lag. Mit dem 3. Juli scheint sich wieder eine geringe Erwärmung bemerk­bar zu machen.

Arbeitervervand###. Der Overbürgermeister bet­

Recht, daß, wenn sich gegen die Vortage unter den bürger­lichen Stadtverordneten eine starke Gegnerschaft gelteno

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erurteit. sf 4

O Borghorst, 5. Juli.(ui sein paur fehr gefahr­liche Eindrecher) erwiesen sich der Anstreichergeselle Bernhard H. und der Steinmetz Otto., letzterer z. Zt. in Haft. Die Angeklagten haben in der Nacht zum 13. April ds. Is. gleichsam iyr Gesellenstück, wenn man es nicht Meisterstuck nennen will, in der„edlen Zunft“ brechens gemacht und wenn auch nicht mit großem Erfolg, so doch mit desto mehr Frechheit und Raffinement. Nach ihrem eigenen Geständnis, zu dem sie sich heute endlich be­quemten, sind die Angeklagten in der fraglichen Nacht, nach­dem sie eine Fensterscheibe mit einer Latte, die von ihnen aus dem Zaun eines Stationsbildes gerissen war, zertrümmerr hatten, in das Haus des Kolons B. eingestiegen, um stehlen, was ihnen in die Finger käme. Sie drangen bis in die Küche vor, wurden aber durch den Hund, der auf das Ge­räusch hin zu knurren begann, verscheucht. Ihre Beute bestand hier in einer alten Mütze des Kolons. Von dort gingen sie zum Hause des Kolonialwarenhändlers., in das sie durch den Ziegenstall, dessen Tür sie er­brochen, eindrangen. Gerade hatten sie mit einem auf der Tenne gefundenen Beil die Ladenkasse gesprengt, als der Be­stohlene, der durch das Fallen der Lade aufgeweckt war, mit der Lampe in der' Hand erschien. Während D. flüchten konnte. wurde H. ergriffen. Da schwang dieser das Beil, versetzte dem Händler damit einen Schlag über den Kopf, worauf dieser ihn freigeben mußte, und fluchtete gleichfalls. Es ist ein Wunder zu nennen, daß H. dem Bestohlenen mit dem Schlag, der über die ganze rechte Kopfseite führte, nicht den Schädel gespalten hat. An Beute hatten sie bei diesem Einbruch 1 Kiste Zigarren, 1 Kiste mit Schokolade und einen kleinen Geldbetrag(etwa 45 Pfg.) erhalten. Charakteristisch für die geradezu bodenlose Frechheit der Angeklagten ist auch ein Brief, den sie an den bestohlenen Kolon schickten, der aber, weil unfrankiert, von der Post angehalten wurde. In diesem Brief drohten sie dem Bestohlenen, sie würden ihm den roten Hahn aufs Dach setzen, falls er nicht einige hundert Mark für sie hinter das vor seinem Hause stehende Stations­bild lege. Von diesem Erpressungsversuch wurden sie jedoch heute freigesprochen, weil feststand, daß sie keinen Versuch gemacht hatten, auch tatsächlich in den Besitz des Geldes zu gelangen. Wegen der Diebstähle, zu denen bei H. noch die gefährliche Körperverletzung des Händlers G. kam, lautete das Urteil gegen H. auf 2 Jahre und gegen D. auf 1 Jahr und 6 Monate Gefängnis.

Schwurgericht.

0 Münster, 5. Juli.

Die heutige Anklage richtet sich gegen 7 Personen. Hauptangeklagter ist der Tierheilkundige Hubert Locks aus Ahaus, der sich u. a. wegen fahrlässiger Totung zu verant­worten hat. Man wird sich erinnern, daß am 31. Januar d. J. zwischen Ahaus und Wüllen die Leiche eines 16jährigen verwachsenen Mädchens gefunden wurde. Zunächst glaubte man, daß sie von ihrem Bräutigam, dem 32jährigen Kört­boger gent. Duvenbeck ermordet worden sei. Bald stellte sich jedoch heraus, daß das Mädchen infolge Einnehmens von Medikamenten gestorben war, die Locks ihm auf Wunsch Körtbogers verabreicht hatte. L. und K. waren, nachdem die Sache den unerwarteten schlimmen Ausgang genommen hatte, geflohen, wurden jedoch bald, der eine in Rotterdam, der andere in Hamburg, aufgegriffen. Bei der Untersuchung stellte das Gericht fest, daß Locks neben seiner Tierheilkunde ein höchst unsauberes Nebengeschäft betrieb und hierfür seine Kundschaft bis ins Rheinland hinein hatte; in Münster hatte er eine Zutreiberin, die für jeden Fall 17 Mk. Provision erhielt, während er selbst für seine Dienste in jedem Falle mindestens 100 Mk. forderte.

Die zur Anklage stehenden Fälle verbieten ein näheres Eingehen auf die Verhandlungen, zu der über 20 Zeugen und 5 Sachverständige geladen sind. Die Sitzung wurde um 9 Uhr unter starkem Andrange des Publikums eröffnet, das jedoch nach Verhörung des ersten Angeklagten auf die studiosi juris beschränkt wurde, da auf Antrag des Vertei­digers die Öffentlichkeit ausgeschlossen wurde. In der Ver­handlung von—2 Uhr, wo eine Pause gemacht wurde, wur­den die Angeklagten sämtlich vernommen. Daraus ergab sich, daß der Angeklagte Locks wegen Hausfriedensbruchs, Wechselfälschung, Kuppelei, Jagdvergehens, Verkaufs von schlechtem Fleisch mehrfach schwer vorbestraft ist. Dem noch unbestraften Angeklagten Körtboger wurde von allen Seiten das beste Zeugnis ausgestellt. Von Rotterdam aus hat er zwei Briefe nach Haus gesandt, deren Verlesung große Be­wegung und Sympathie für den Angeklagten hervorrief und seinen unverdorbenen Charakter und seine Reue zeigte. Die bisher unbescholtene Agentin Locks' in Münster betrieb auch ein schwunghaftes Geschäft als Kartenlegerin, an die Wahrheit ihrer Weisheit glaubt sie allerdings selbst nicht, unbegreiflich sei es ihr, daß es in Münster so viele Dumme gabe, die daran glaubten.(Sehr schmeichelhaft für alle die es angeht. D..)

In der Nachmittagsverhandlung werden zunächst die Gutachter über den Befund der Leiche und die von L. ange­wandten Mittel, die er als Tierheilkundiger teils engros direkt von Engros=Drogerien, teils aus einer holländischen Apotheke bezog, vernommen. Ihre Aussagen belasten den Angeklagten L. sehr, der die verlorene Position herauszuge­winnen sucht durch ein freches Auftreten und durch Berufung auf seinen tadellosen Ruf als Tierheilkundi­ger im ganzen Kreise Ahaus. Die bis zum Abend vernom­menen Zeugen erkennen die Erfolge, die L. in seiner Tier­praxis hatte, auch an, den sittlichen Leumund kann jedoch keiner als gut bezeichnen.

Um 7¼ uyr werden die Verhandlungen abgebrochen und auf morgen vertagt.

* über den Begriff des„Transports“ im Versicherungsrecht.

g. Der Hannoversche Tattersall versicherte bei der Ver­sicherungsgesellschaft Rhenania zu Cöln zwölf Luxuspferde im Werte von je 1500 Mark, für deren Reise von dem Ein­ladungsort Grinsby in England via Hamburg nach dem Be­stimmungsort Hannover. Eines dieser Pferde war in Hamburg auf dem Wege vom Schiff zur Bahn beim Hin­überschaffen von dem Hamburger Zollschuppen zu dem Alto­naer Stall infolge Ausgleitens gefallen und verendete infolge dieser Verletzung. Der Versicherte verlangte hierauf von der Gesellschaft auf Grund des abgeschlossenen Versicherungs­vertrages Exsatz des Wertes des verendeten Pferdes. Die Geseuschaft lehnte ihre Versicherungspflicht jedoch ab, da sich der Unfall weder auf der Seereise noch auf der Bahnfahrt, sondern während des Zwischentransportes ereignet habe. Die von dem Versicherten hierauf gegen die Gesellschaft auf Zah­lung der versicherungsmäßigen Entschädigung gerichtete Klage wurde durch Entscheidung des ersten Zivil­senats des Cölner Oberlandesgerichts vom 24. April ds. Is. in der Berufungsinstanz für begründet erklärt. In dem Urteil finden sich folgende in rechtlicher Beziehung be­merkenswerte Ausführungen: Die Beklagte kann sich niet darauf berufen, daß die Transportversicherung als solche nur diejenige Zeit einschließe, während der die Güter auf einem Transportmittel befördert werden, daß also hier die Zeit der Überführung der Pferde an sich von der Ver­sicherung ausgeschlossen sei. Unter Transport im versiche­rungsrechtlichen Sinne ist ein Ausnahmezustand mit gestei­gerter Gesamtgefahr zu verstehen, d. h. ein Zustand, der darum eine Ausnahme bildet, weil er nicht der wirtschaft­lichen Natur des versicherten Gutes entspricht, sondern durch die Gesamttätigkeit der Beförderung von Ort zu Ort be­dingt ist. Die Pferde sollten von Grinsby nach Hannover

geschafft werden, fürsie bedeutete also dieser Transport einen ausnahmezustand, welcher eine Steigerung der Gesamtgefahr mit sich brachte, denn die besonderen Gefahren drohten ihnen ebensosehr bei der Überführung, wie bei dem Schiff oder auf der Bahn.

macht, die beiden berufenen Vertreter der Arbeiterschaft es leicht verschulden könnten, wenn diese ihrer Lohnerhöhung verlustig gingen.

* Kiel, 5. Juli.(Drahtb.) Die Arbeitervertreter der

Germaniawerft haben der Direktion erklärt, daß die Forderung auf Wiedereinstellung der von der Germaniawerft entlassenen Nieter fallen gelassen sei, und daß die von den Streikenden wieder ausgenommen werden solle, nachdem die Direktion in Aussicht gestellt hat, in die Prüfung einiger von den Nietern vorgebrachter Wünsche einzutreten. Die Verhandlungen hierüber schweben noch.

Führen sie heute zu einem befriedigenden Ergebnisse so wird die Werft, nachdem die Nieter die Arbeit wieder ausge­nommen haben, den Betrieb wieder eröffnen.

* München, 4. Juli. Bei der Generalversammlung der Krankenkassen selbständiger Handlungs- und Gewerbe­treibender Deutschlands, in der Liquidation beantragt werden sollte, kam es zu tumultuarischen Szenen. Es wurde die Absetzung des Vorstandes wegen Unredlichkeit be­antragt nachdem aus der Mitte der Versammlung heraus unter stürmischem Beifall die Frage gestellt war, wer vom Vorstand der größte Lump sei. In dem darauf folgenden Tumult wurde der Vorstand mit Rufen wie Schwindier, Lumpen und Gauner überschüttet. Der Vorsitzende, der drei Zwischenrufer von der Versammlung ausschließen wollte, wurde umringt, durchgeprügelt und mit Faustschlägen trar­tiert, über den Boden durch den Saal gezogen und schließlich zur Tür hinausgeworfen. Hierauf wurde eine Vertretungs­kommission gewählt und bei der Polizei die sofortige Sper­rung der Kasse beantragt.

* Magdeburg, 5. Juli. In der Nacht von Donnerstag auf Freitag ist auf der Berliner Chaussee bei Magdeburg ein von dem Chaufseur Wilhelm Nagel aus Magdeburg ge­lenktes Automobil gegen einen Kartoffelwagen gefahren. Der Chauffeur erlitt so schwere innere Verletzungen, daß er nach zwei Stunden starb.

* Heidelberg, 5. Juli. Prof. Dr. Kuno Fischer ist in der vergangenen Nacht im Alter von 83 Jahren nach mehrjährigem Siechtum gestorben.

* Berlin, 5. Juli.(Drahtb.) Die von dem Schau­spieler Lütte einem Wiener Juwelier geraubten Ju­welen im Werte von 300000 Mark sind in der vergange­nen Nacht von der Berliner Kriminalpolizei in einem Hotel in Friedrichstadt dem Nürnberger Juwelier Silbertau abgenommen. Sie wurden dem Untersuchungsrichter in Nürnberg zur Verfügung gestellt.

* Reichenberg, 5. Juli.(Drahtb.) In der Ortschaft Niederkreibnitz tötete ein in geordneten Verhältnissen lebender Fabrikarbeiter aus Furcht vor einer ihm drohenden geringen Freiheitsstrafe, seine Frau, seinen schulpflichtigen Sohn und dann sich selbst durch Revolverschüsse.

* Rheims, 5. Juli. Bei einem Manöver, bei dem das 10. Dragoner=Regiment eine Attacke gegen das 132. In­fanterie=Regiment vornahm, stürzten ein Leutnant, ein Wacht­meister und ein Dragoner vom Pferde. Der Dragoner wurde getötet, die beiden anderen verletzt.

Paris, 5. Juli. Die streikenden Maurer ver­anstalteten einen Umzug durch die Stadt, mit einer Fahne, die die Inschrift trug: Falls die Unternehmer nicht nachgeben, verlassen wir die Stadt. Viele Maurer haben die Drohung verwirklicht und sind teils nach dem Elsaß, teils nach der Schweiz abgereist. Die Lage der Unternehmer ist ziemlich schwierig.

* Buenos Aires, 5. Juli.(Drahtb.) Einem Beamten einer hiesigen Bank, der einen Check über 185000 Pa pierpesos bei einer anderen Bank einkassieren wollre, wurde dieser Check geraubt. Den Räubern gelang es, den Check einzukassieren und ohne eine Spur zu hinterlassen, zu verschwinden.

** Zur diesjährigen kühlen Witterung schreibt uns das Meteorologische Observatorium in Aachen

Vermischtes.

* Aus Anhalt, 4. Juli. Die Lehrer des Herzogtums sind durch eine Verfügung der anhaltischen Oberschulbehörde beauftragt worden, die Schulkinder vor dem leicht­sinnigen Umgehen mit Streichhölzern zu warnen, da besonders in den Sommermonaten sehr viel Brände durch Spielen der Kinder mit Zündhölzern entstehen.

folgendes:

Das Charakteristische an dem bisherigen Verlaufe des Frahjahrs und Sor mers ist der niedrie Stand des Ther­mometers, den wir allenthalben seit Anfang Juni mit ge­ringer Unterbrechung vom 10. bis 12. Juni feststellen kön­nen. Schon in der zweiten Hälfte des Mai machte sich die kühle Witterung bemerkbar, wenn sie auch wegen der wenigen vorgeschrittenen Jahreszeit noch nicht so allgemein auffiel, wie die abnorme kühle Witterung des Juni und der ersten Tage des Juli. Die Meteorologie kennt zweierlei Ursachen der Erwärmung eines bestimmten Gebietes. Einmal ist es vermehrte Einstrahlung von Sonnenwärme infolge geringer Bewölkung, zweitens Lufttransport aus stärker erwärmten Gegenden. Dementsprechend hat auch die Temperatur­abnahme zwei Ursachen: starke Ausstrahlung nachts infolge geringer Bewölkung, welche nach Niederschlagen infolge der größeren Durchlässigkeit der Luft besonders hervortritt, und Lafttransport aus kälteren Gegenden. Außerdem führen auch Niederschläge meist eine Abkühlung herbei. Beruhten die niedrigen Temperaturen des Mai zum Teil auf Temperatur­erniedrigung durch gefallene Niederschläge, zum Teil auf nöchtlicher Ausstrahlung, die durch Aufklaren gegen Abend und während der Nacht hervorgerufen wurde und für ein­zelne höhere Lagen Nachtfröste verursachte— Luxemburg 309 Meter meldet am 18. Mai°, Monte Rigi(675 Meter im Hohen Venn—2° und am 19. Mai—3°—, teils auch auf Lufttransport aus noch wenig erwärmten Gegenden, so war die Veranlassung der vom 3. Juni an dauernden Periode hauptsächlich letztere Ursache, wozu allerdings an den beiden letzten Tagen des Juni Temperaturerniedrigung durch Regenfälle kam. Das Studium der Wetterkarten des Juni zeigt uns nämlich, daß Nordeuropa beständig von Tiefdruck. gebieten durchzogen wurde, welche sich teils an ihrem Platze längere Zeit hielten, teils anderen, rasch auf derselben Bahn nachfolgenden Tiefe Platz machten. Da sich bekanntlich der Wind um ein Tiefdruckgebiet in Spiralwindungen entgegen­gesetzt der Drehung des Uhrzeigers bewegt, so war die Ein­wirtung auf unsere Windverhältnisse die, daß sich eine weit­liche bis südliche Luftströmung einstellte, die aus dem sich sehr

langsam erwärmenden atlantischen Ozean und Leinen euro­sen Randländern Luft herbeiführte. So lagerte z. B. vom 3. bis 15. Juni fast ununterbrochen ein„Tief“ über den britischen Inseln, welches für uns kühle, vom atlaneische Ozean her wehende Südwestwinde brachte, die ihrerseits en­folge der Drehung um das Tiefdruckgebiet aus dem kälteren Norden stammten. Die Temperaturen auf Island am:2. Juni 5 Uhr nachmittags betragen zum Beispiel: Seydtskjord 4, Grimstadir°, Akurcyri 25°. Durch vermehrte Ein­strahlung von Sonnenwärme infolge abnehmender Bewöl­kung stiegen zwar die Temperaturen vom 10. bis 12. Juni und brachten uns drei wärmere Tage. Bald aber herrschten wieder kühle Westwinde, da das Tief allmählich nach Nor­wegen und Dänemark sortgerückt war und der Wind infolge­dessen nach Westen dretzte. Charakteristisch für die Wärme­verteilung ist die Tatsache, daß infolge der näheren Lage Osteuropas an dem schnell erwarmten asiatischen Kontinent die tiefsten Temperaturen von Memel und St. Petersburg über denen von Aachen lagen. Sowurden z. B. in Aachen am 20. Juni als niedrigste Temperatur 6° beachtet, während St. Petersburg an demselben Tage 13° als Temperatur­minimum verzeichnete, wobei zu bemerken ist, daß St. Petersburg ca. 10 Breitengrade nördlicher als Nachen liegt. Was die höchsten Temperaturen anbetrifft, so lagen diese im Juni in Aachen an 6 Tagen unter dem Werte der Lust temperatur für diesen Monat überhaupt, so am 3. und 2,.°, am 5. 3,6° und am 26, 1,6° unter dem Monatsmittel. tiefsten lagen die Temperaturen am 24. Juni mit 8“ Minimum in Aachen, während sie in höheren Lagen fast bis zum Gefrierpunkt sanken. Monte=Rigi meldete 2° als tiefste Temperatur. Die durch die angegebenen Ursachen an und für sich niedrigen Temperaturen sanken noch mehr durch die abkühlende Wirkung der Ende vorigen Monats in er­giebigem Maße gefallenen Niederschläge So ist vom 27. Juni ab wieder ein andauerndes Sinken der Temperaturen zu beobachten gewesen die mit dem 2. Juli ihren tiefsten Stand erreicht zu haben scheinen. Welche Gegensätze die Wärme­verteilung über Europa zeigt, geht daraus am besten hervor. daß am 2. Juli die höchste Temperatur von Aachen mit 11“

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∆ Berlin, 5. Juli.(Drahtb.) Die„Nordd. Allg. Zig.“ schreibt an der Spitze ihrer heutigen Nummer: Die„Köln. Ztg.“ veröffentlicht einen Bericht über den Stund der asprozeßreform. Sie macht mehrere Mittei­lungen, die sichtlich amtlichem Material entnommen sind.

Da es bei den letzten Konferenzen über die Strasprozeß­reform sich nur um vorläufige, die einzelnen Bundesregte­rungen nicht bindende Erhebungen handelt, so war man in den beteiligten Ressorts über die Vertraulichkeit der Be­ratungen übereingekommen. Mitteilungen über ihren In­halt können deshalb nur auf pflichtwidrige Indiskretion zurückgeführt werden, die umso mehr zu bedauern ist, als die große Reformarbeit dadurch nur gestört werden kann.

Berlin, 5. Juli.(Drahtb.) Der„Reichsanzeiger“ ver­öfentlicht die Bekanntmachung über die Außerkurs­etzung der Eintalerstücke deutschen Gepräges, wo­nach diese Geldmünzen vom 1. Oktober 1907 ab nicht mehr als gesetzliches Zahlungsmittel gelten; sie werden jedoch bis zum 30. September 1908 an den Reichs= und Landeskassen zum Werte von 3 Mark in Zohlung und auch zur Umwechslung genommen. Ferner gibt der„Reichsanzeiger“ bekannt, daß die Beschäftigung von Kindern bei der Reinigung von Dampfkesseln verboten ist.

— Der„Vorwärts" behauptet, daß für den kommenden Winter eine Beschleunigung der Flottenbau­ten geplant wird. An welcher Stelle dieser Plan gehegt wird, teilt das Blatt nicht mit.

Cöln, 5. Juli.(Drahtb.) Der K. V. zufolge starb in Göttingen der nationalliberale Landtagsabg. Dr. Eckels.

Eckels war am 7. August 1843 geboren in Walsrode,

Provinz Hannover. Im Jahre 1870 hatte er sich in Göt­tingen als Rechtsanwalt niedergelassen. Er vertrat im Ab­geordnetenhaus den Wahlkreis Hildesheim. Dr. Eckels ge­hört dem Abgeordnetenhaus von Mai 1892 bis 1898 an, und seit November 1901.

Dortmund, 5. Juli.(Drahtb.] Wie die„Dortmunder Ztg. aus bester Quelle erfährt, ist der Schriftsteller und Afrikareisende Giesebrecht der Gewährsmann für den angeblichen Tuckerbrief.

Ausland.

Wien, 5. Juli.(Drahtb.) Das Abgeordneten­aus verhandelte über den Dringlichkeitsantrag der Sozial­demokraten betreffend Einführung des allge­meinen gleichen Wahlrechts für die Landtage. In der Begründung der Dring­lichkeit betont man die Notwendigkeit, das allgemeine Wahl­recht für die Landtage in den Gemeinden einzuführen, sonst würde das Reich großen Erschütterungen ausgesetzt werden.

Graf Sternberg polemisiert gegen die Vorredner und legt gegen die Verhandlung der Frage des allgemeinen Wahl­rechts für die Landtage im Reichsrate Verwahrung ein, wert hierdurch die historischen Rechte der Königreche und Länder verleßt würden...4i Eihunt EKart

Im weiteren Verlaufe oer heutigen Sitzung ertlärt in Beantwortung der Interpellation über die abnorme Span­nung zwischen den Vieh- und Fleischpreisen der Ackerbauminister Graf von Auersperg, daß die Regierung diese Tatsache im Auge behalte und bestrebt sei, organisato­rische Maßnahmen zur Ermäßigung der Fleischpreise zu treffen. Was die mit den Balkanstaaten abzuschließenden Handelsverträge anbelange, so könne nach Ansicht der Re­gierung die Veterinärkonvention nicht als eine unentbehr­liche Voraussetzung für die entsprechenden handelspolittschen Beziehungen betrachtet werden. Weiter erklärte der Mi­nister, daß Grenzbegünstigungen der Art, wie sie hinsichtlich der Einfuhr aus Serbien bis zum vorigen Jahre in Kraft gewesen seien, in keinem der noch abzuschließenden Handels­ ighes#ch. Vnter. verträge enthalten sein gerden.„ Hte Km

Bei der fortgesetzten Beratung des Dringlichtensantrages über die Einführung des allgemeinen Wahlrechtes für die Lantage treten die meisten Redner dafür ein, daß das allgemeine Wahlrecht auch für die Landtage eingeführt werden möge; einige betonen jedoch, daß zur Lösung dieser Aufgabe ausschließlich die Landtage kompetent seien.

Die Debatte gedieh bis zur Wahl der Generalredner. Die nächste Sitzung findet Dienstag statt.

Brüssel, 5. Juli.(Drahtb.) In dem Prozesse wegen der Ermordung des Attachés der hiesigen chile­nischen Gesandtschaft, Ernesto Balmaceda, wurde der Ange­klagte, Carlos Waddington, der Sohn des Gesandten, frei­gesprochen.

Paris, 5. Juli.(Drahtb.) Die Kammer erörtert in der Vormittagssitzung den Antrag Basly(geeinigter Sozialist), betreffend die Einführung des 8 Stunden=Ma­ximalarbeitstages in den Bergwerken. Aynard (Republikanischer Progressist) hält den Antrag nicht für opportun, denn da Frankreich, wo die Kohlenförderung in Abnahme begriffen sei, zu geringem Teil von Deutschland, und zum großen Teil von England abhängig sei, so würde der Antrag alle Industrien mit schwerer Steuer belasten.

Berichterstatter Janet(Republikanischer Radikaler) vertei­digt den Antrag, dessen Wirkungen nicht gefährlich sein wurden, da Abweichungen angebracht werden könnten, na­mentlich im Interesse der Landesverteidigung. Vor An­wendung der Gesetze müßten die Gesellschaften 16.000 Arbei­ter einstellen, um das Nachlassen der Forderung zu verhin­dern. Die allgemeine Meinung ginge dahin, daß der Ge­

setzesvorschlag nicht kollektivistisch, sondern humanitär sei Beifall.) Der Berichterstatter entwirft sodann ein trauriges Bild von der Lage der Minenarbeiter. Die Generaldebatte wird darauf geschlossen, und die Dringlichkeit der Vorlage ausgesprochen. Der erste Artikel wird durch Händeerheben angenommen, darauf auch die anderen Artikel der Reihe nach. Abg. Basly spricht darauf über die Vorlage im ganzen und ist der Meinung, das Gesetz müsse später auf alle Ar­beiter ohne Ausnahme ausgedehnt werden. Berichterstatter Janet fügt hinzu, die Vorlage habe hauptsächlich die reichen Minen und die Kompagnien im Auge, die die Preise nicht erhöhen könnten. Die Abnehmer wurden also nicht unter den Gesetzen zu leiden haben. Das Gesetz wird im ganzen mit427 gegen 123 Stimmen angenommen und die Sitzung darauf geschlossen.

Loudon, 5. Juli.(Drahtb.) Bei der heutigen Parla­mentswahl im Wahlkreise Jarrow wurde der Kandidat der Arbeitspartei, Curran, mit 4698 Stimmen gewählt. Der Wahlkreis war bisher durch den verstorbenen Sir Charles M. Palmer im Unterhause vertreten.

im zweiten Quartal, 155 im dritten Quartal und 191 im vierten Quartal 1906. Auch die Zahl der Anträge auf Zwangsversteigerungen von Grundstucken ist in den beiden letzten Quartalen 1906, noch mehr aber in den beiden ersten Quartalen 1907 gestiegen.

Die neue russische unteihe, bekanntlich eine innere Betrage von 50 Millionen Rubel nom. zu 4 Proz., wird amt­lich damit begründet, die Mittel des Schatzamtes„zwecks un­behinderter Deckung der gewöhnlichen und außerordentlichen Ausgaben des laufenden Jahres, u. a. der Kosten der Ver­pfleg ungsfürsorge der notleidenden Bevölkerung", zu ver­stärten. Bei jetzigem Kurs der Rente— 70½ für 100; im Auslande sogar— 68½ in Amsterdam und 69 in Paris— wird die neue Anleihe statt der nominellen 50 Millionen tat­sächlich nur etwa 35½ Millionen Rubel bringen. Diese ganze Summe wird man wahrscheinlich den Staatssparkassen ent­nehmen, während die neue Rentetins Portefeuille der Kassen übergeht. Nur auf diese Weise kann man gegenwärtig eine innere Anleihe unterbringen, ohne den Kurs der sonstigen Staatspapiere noch mehr zu erschüttern. Man muß an­nehmen, daß die jetzige innere Anleihe ein Vorbote anderer weitgehenderer Kreditoperationen ist. Nach dem Budget­entwurf für 1907 waren solche in Höhe von 186 643 906 Rubel geplant. Sollte man an das Ausland zu gehen beabsichtigen, so warnen wir schon heute unsere Leser: Hände davon!

Telegrapbischer Kursbericht der Berliner Börse. Keosabörne.

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Handel und Industrie.

Juli.(Eig, Drahtb.)

el Essener, Börse. Essen, 5. Juli.(Eig. Dra

Der Kohtenkuxenmarkt verkehrte wieder in ruhiger Haltung; doch konnten die Kurfe sich durchweg gut behaupten.

In schweren Werten kamen Geschäfte nicht zustande, obwohl für mehrere Papiere von guter Gattung zu letzten oder er­höhten Kursen Käufer auftraten. Von diesen Papieren sind zu nennen Auguste Viktoria, Constantin der Große, Dorst­feld, Friedrich der Große, König Ludwig und Mont Cenis. Von mitleren und leichteren Papieren gingen um Altendorf bei 1475, Freie Vogel und Unverhofft bei 3300, Tremonia bei 3275 und Oespel bei 1075. Gute Nachfrage bestand ferner noch für Annelise, Blankenburg, Caroline, Glückhilf­Friedenshoffnung, Johann Deimelsberg und Langenbrahm. Auf dem Braunkohlenkuxenmarkt waren Regieser Braunkohlenwerke infolge des Wassereinbruchs in den Schacht mit 1000 angeboten, ohne daß sich Interesse hierfür zeigte. Zu gebesserten Preisen verkehrten Humboldt, Lucher­verg und Schallmauer.— Für Kaliwerte zeigte sich auch heute wenig Interesse. Von Ausbeutewerten sind als ge­fragt hervorzuheben Burbach, Glückauf=Sondershausen und Wilhelmshall, während für die übrigen eher Verkaufs­neigung bestand. Auch in mittleren Papiern sowie in Aktien stockte das Geschäft fast vollständig. Vereinzelt wurden um­gesetzt Hansa Silberberg, Immenrode, Hermann II, Rothen­berg, Justus=, Hattorf= und Deutsche Kali=Aktien.— Auf dem Erzkuxenmarkte gingen Wildberg bei 180, Luise Brauneisenstein bei 1650, Bautenberg bei 1835 und Apfek­baumerzug bei 1050 um.

Konkurseröffnungen. Die Zahl der Anträge auf Kon­kurseröffnung ist erheblich gestiegen und zwar auf 223 im wenig beachtet u#

ersten Quartal 1907 gegen 178 im ersten Quartal 1906, 166 Teilwene bewallt.

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11(197.70 198.00

18266 18326 PR

19 36

12 1940

421

201 50 2 0. 80

196.

.00 40.90 14000 .00 000.00 00 11400 60 154.25 141.00 04.76

1327

1½ 137270 00000

1 50

.00 83 60 276.75 358.00 336.00

186.60

217.00 2800 512.50 12760

186.60

512.10

128.60

87=580 262.00

Ver. Köln-Rottw.

Bielefeld Wasserw. Gelsenk. Westf. Drht.-Ind do. Drahtwerke do. Stahlwerke do. Kupfer Wiekinger Wissener Witten. Gusstahl Nurmrerter

11

8

12

8

KE 180

106.75106 50 160 25/169.00

171.6017275

1176011833

10/200.25

257.50

5

10.25

Nachbörse.

österr. Kredtt[20390 20370 Berl. Handelsgesells. 153.76 153.75 Commerz-Diskontob. 146.75 116.40 Darmst. Bank 1 3000129.00

Deutsche Bank 226.10 225.00

Oisconto Kommandit 110.40170 Dresdener Benk 139.50s129 Nationalbank 121 10/129

Schaffhausen. Bankv. 137.6013 Russische Benk 129.00s11 Wiener Bankverein INP##0h

Lübeck Büchner Osterr. Staatebahn do. Südbahn Annatoller 60% Baltimore& Chio

og 0000000f 139.801 27.40

Kenade Peeiße

Gotthardtbahn Ital. Meridionalbahn do. Mittelmeerbahn Luxemb. Prs. Heinr. Warschau Wiener 3% Reichsanlethe 6% Buenos Atres 4½% Cfflnesen 1898 4½% Tapaner 1905 4% Russ. Aul. 1002 4½% de. 1905 4% Span. Anl.(Auß.) Uniticierte Türken Türkische Lose

118.75 105 50 19240

210

00.00 0o00 122.60126.75 13000131.00 146.50146.50 48400 182 76 29750 292.75

111.5015

33383 17555

83.50 84.25 237.00 237.00 192.00/189.50 284.00/286.00 105.00105.00

144.25145.00

387 90 85.30 228 50 22 13926/14

173.50

Bochumer Gußstahl Deutsch Juxemb. V. Dertmund. Union C. Leurshütte Rheinisch. Stahl Consolidation Gelsenkirchen

21740 216.00

∆ 70

217

02174

Herpener

roße Berl. Str.-B.

97351

13289 13350 128.90/130.00 11760 1185 156.0050 90.5090.25

190.60

Grode

Hamburg. Packetfahrt Hanse Dampfschifft.

Nordd. Lloyd 000 Trust Dynami

194.00196 00 Eduon

Tendens: fost.

Tendenz. Die Börse stand heute im Zeichen der Lust­lesigkeit, und in deren Folge trat Geschäftslosigkeit ein. Die westlichen Börsen boten keine Anregung, zu dem trat auch noch der Ausfall der gestrigen Newyorker Börse wegen des nationalen Feientages. Als weiterer Grund wird noch ange­führt, daß mit Beginn der Ferien alljährlich die stille Zeit beginnt wegen des großen Ausfalls der Börsenbesucher. So kam es, daß das Geschäft sich äußerst schleppend gestaltete. Banken schwerfällig und träge bei einzelnen Abbröckelungen. Der Montanaktienmarkt setzte in Bergwerksaktien 3 bis über 1 Proz. besser ein. Dagegen waren Hüttenaktien schwach, ausgenommen Phönix, die auf Käufe zum ersten Kurs ¾ Proz. höher waren; dagegen Rheinstahl 1¼ Proz. niedriger gegen gestern, da nach den vorliegenden Meldungen die Ungewißheit über die Regelung der Händlerfrage an­dauert. Im Eisenbahnaktienmarkt Lombarden gut gehalten, Prinz Heinrichbahn auf Gewinn=Realisierungen 1¾ niedre­ger. Warschau=Wiener ¾ Proz. besser auf den Mai=Aus­weis. Amerikaner geschäftslos, nur Canada gut behauptet. Schiffahrtsaktien gut gehalten. Tägliches Geld 5 Proz. Zu Beginn der 2. Börsenstunde war die Tendenz äußerst still. Montanwerte schwankend, Bergwerksaktien unter Rea­lisierungen gedrückt. Heimische Fonds umsatzlos. Japaner und Chinesen auf gestrigem Schlußstand. Bei Berichtsabgang Hütten= und Bergwerksaktien weiter weichend. Alle sonsti­gen Märkte leblos und wenig verändert.

In der dritten Börsenstunde war die Tendenz auf Lon­don gebessert. Montanwerte erholt, angeblich auf die Nicht­bestätigung des verlautbaren Gerüchts von einer Kapitals­erhöhung der Phoenix, Industriewerte des Kassamarktes teils uneinheitlich, teils schwächer.

Produktenbörse.

Berlin, 6. Juli 1907.

Weisen: Juli 208 00 Sept. 205 0C. Der. 205.25.

Beggen: Juli 203 50 Sept. 181 60 Der. 17976. Hater: Juli 190.00. Sept. 162.50 Dez. 000.00. Maie emerik. Mized Juli 144.50 Sept. 000.00. Der. 000.00. Rabsl: Juli 7210. Ott. 68 60. Der. 68 60. Weisenmehl 26.26—28.25.

Rorgenmebl 26.70—27.60

Tendenz. Bei freundlichem Wetter eröffnete Weizen, Roggen und Hafer hier matt, die wesentliche Schmälerung der Weizenausfuhr Argentiniens auf 55000 grs. befestigte jedoch die Stimmung merklich, namentlich für Weizen der den gestrieen Preisstand entschieden überholte. Rübsl Pened„Nrüchtel und im Werte kaum behauptet. Wetter: