Saverländisches Volksblatt
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119. Jahrgang— Nummer 262
Donnerstag, den 11. November 1954
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Bonn ratifiziert erst nach Frankreich
Nur„Billigung" der Saar-Abkommen?
Bonn.(dpa) Die Pariser Verträge über die Wiederherstellung der deutschen Souveränität sowie den deutschen Beitritt zur Westeuropäischen Union und zur NATO sollen nach dem Wunsch der Bundesregierung erst nach der parlamentarischen Entscheidung in Frankreich ratifiziert werden. Wie gestern von Regierungsseite in Bonn mitgeteilt wurde, wird die erste Lesung der Verträge im Bundestag voraussichtlich aber schon vom 16. bis 18. Dezember stattfinden, also gleichzeitig mit der Ratifizierungsdebatte in der französischen Nationalversammlung.
Der Negus
erhielt in Bonn aus der Hand Prof. Wendts(linkes Bild) das Diplom eines Ehrendoktors der Landwirtschaft. Im Hintergrund Bundespräsident Heuß. Rechtes Bild: Der Kaiser überreicht dem Bonner Oberbürgermeister Busen äthiopische Geschenke.
Das Bundeskabinett wird voraussichtlich in der nächsten Woche die Verträge verabschieden und dem Bundesrat zuleiten. Gegenwärtig neigt man in Regierungskreisen zu der Ansicht, daß das Pariser Saarabkommen nicht ratifiziert zu werden braucht. Der Bundeskanzler wünscht aber auf jeden Fall ein"„Ja“ oder „Nein“ des Parlaments.
Im Zusammenhang mit dem Saarabkommen wandte sich der Vorsitzende des Außenpolitischen Bundestagsausschusses, Dr. Gerstenmaier, gestern gegen übertriebene Interpretationswünsche in der Auslegung einzelner Punkte des Saarabkommens. Dadurch könnten bisher erreichte Vorteile leicht wieder aufs Spiel gesetzt werden. Notwendig sei auf jeden Fall, daß der wirtschaftliche Teil des Saarvertrages, besonders der Briefwechsel, erlautert werde. Gerstenmaier bedauerte, daß die außenpolitische Aussprache nicht in dieser Woche stattfindet, da sie zur Klärung erheblich beigetragen hätte.
CDU bereitet Sozialreform vor
Für die Zeit nach der Ratifizierung der Verträge kündigte der Vorsitzende der CDU/CSU-Fraktion, Dr. von Brentano. ein innenpolitisches Programm seiner Fraktion an. In einem Arbeitskreis würden bereits die Grundzüge für eine So
zialreform ausgearbeitet, die das bisherige Flickwerk in der Sozialgesetzgebung ablösen soll.
Gerstenmaier hat Chancen
Bonn.(dpa) Die evangelischen Abgeordneten der CDU/CSU-Bundestagsfraktion wollen auf der nächsten Fraktionssitzung die beiden Abgeordneten Dr. Gerstenmaier und Dr. Hellwig als Kandidaten für den Posten des verstorbenen Bundestagspräsidenten Dr. Ehlers vorschlagen. In parlamentarischen Kreisen werden Gerstenmaier die größeren Chancen eingeräumt.
Kardinal Bruno
Vatikanstadt.(Korr.) Der italienische Kardinal Giuseppe Bruno ist gestern nach längerem Leiden im Alter von 79 Jahren in Rom gestorben. Bruno wurde 1946 in den Kardinalsstand erhoben. Er war Präfekt des Obersten Gerichtshofes der Apostolischen Signatur und Camerlengo (Kämmerer) der römischen Kirche. Da Bruno als der bedeutendste Jurist der Katholischen Kirche galt, ist sein Tod für den Heiligen Stuhl ein besonders schwerer Verlust.
Haile Selassie im Kölner Dom
Auf dem Platz der deutschen Kaiser des Mittelalters
Köln.(dpa) Kaiser Haile Selassie von Athiopien besichtigte gestern den Kölner Dom. Ais er anschließend in dem Sessel Platz nahm, in den sich die deutschen Kaiser des Mittelalters nach der Krönung in Aachen zu setzen pflegten, um den Heiligen Drei Königen zu huldigen, begann die Orgel zu spielen. Nach dem kurzen Konzert überreichte Haile Selassie vor dem Altar als Geschenk für den Kölner Dom einen großen abessinischen Teppich.
Der Kaiser war mit seinem Sohn, dem Herzog von Harrar, dessen Frau und seinem ganzen Gefolge über einen roten Läufer durch das Südportal in den Dom gegangen. Das Domkapitel, an der Spitze Weihbischof Cleven, begrüßte den Mo
narchen. Während des Kaiserbesuchs war vor dem Südportal die Fahne Athiopiens aufgezogen.
Nach seinem Besuch in Köln besichtigte der Kaiser die romanische Doppelkirche in Schwarz-Rheindorf bei Bonn.
John-Ausschuß
Bonn,(dpa) Der Untersuchungsausschuß für den Fall John wählte gestern den CDU-Abgeordneten Bucerius zu seinem Vorsitzenden. Der 15köpfige Ausschuß soll auf Antrag der SPD untersuchen, ob und wie die Bundesregierung ihrer Pflicht zur Dienstaufsicht über das Bundesamt für Verfassungsschutz nachgekommen ist, ob dieses Amt im Auftrag oder aus eigenem Entschluß Nachrichten über demokratische Politiker gesammelt oder Berichte über sie an die Bundesregierung geliefert und ob es dabei den Dienstweg über den Bundesinnenminister eingehalten hat.
Außerdem soll der Ausschuß feststellen, ob das Verfassungsschutzamt Aufträge erhalten und entgegengenommen hat, die ihm nicht vom Bundesinnenminister erteilt wurden und unter welchen Umständen sich der Übertritt des ehemaligen Präsidenten des Verfassungsschutzamtes. John. in die Sowjetzone vollzogen hat. Außerdem wird der Ausschuß klären müssen, ob von den politischen Parteien Bedenken gegen die Einstellung oder Amtsführung von John sowie gegen seine Tätigkeit während der Emigration erhoben wurden.
Der SPD-Pressedienst betont, daß bei den Untersuchungen zwangsläufig Bundeskanzler Dr. Adenauer und Staatssekretär Dr. Globke Rede und Antwort stehen müßten. Der Ausschußvorsitzende werde jetzt beweisen können, daß er nur seinem Gewissen und nicht dem Kanzler verantwortlich sei.
Eisenhower äußerst objektiv
Keine Beschuldigung der Sowjetunion wegen des Flugzeugabschusses
Hussein Fatemi hingerichtet
Der ehemalige persische Außenminister wegen Verrats am Schah in Teheran erschossen
Teheran.(Reuter) Der ehemalige persische Außenminister unter Ministerpräsident Mossadeg. Hussein Fatemi, wurde gestern morgen wegen Verrats am Schah von einem Exekutionskommando der persischen Armee erschossen.
Fatemi wurde auf dem Exerzierplatz der Gassr- Kaserne erschossen, In diesem
Kasernenkomplex verbüßt der ehemalige Ministerpräsident Mossadeg eine Strafe von drei Jahren Einzelhaft. Die Leiche Fatemis ist seiner Familie zur Beerdigung übergeben worden.
Der 36jährige Hussein Fatemi war im Oktober von einem Militärgericht in Teheran zum Tode verurteilt worden. Er war schuldig befunden worden, an einem Versuch zum Sturz der persischen Monarchie und zur Einsetzung einer kommunistenfreundlichen Republik teilgenommen zu haben. Ein Begnadigungsgesuch hatte der Schah am Sonnabend abgelehnt.
Hussein Fatemi hatte in Paris studiert und 1948 einen Doktorgrad der Universität Paris erworben. Nachdem Mossadeg persischer Ministerpräsident geworden war, wurde Fatemi sein engster Mitarbeiter. Als Generalsekretär der persischen Erdölkommission war Fatemi maßgeblich an der Verstaatlichung der persischen Erdölindustrie beteiligt. 1952 übernahm er das Amt des Außenministers.
Bei den dramatischen Vorgängen, die im August 1953 zum Sturz Mossadegs führten, gelang es Fatemi zu entkommen. Neun Monate hielt er sich in der Nähe von Teheran verborgen. Am 13. März dieses Jahres wurde er verhaftet.
Francois-Poncet geht
Bonn.(dpa) Der französische Hohe Kommissar François-Poncet und sein
Wie wird das Wetter?
Wechselhaft
Der lebhafte Zustrom kühler Meeresluftmassen nach Westdeutschland hält weiter an.
Vorhersage für Donnerstag: Anfangs stark bewölkt mit zeitweiligen Regenfällen.
Tagsüber Bewölkungsauflockerung und nur noch einzelne Schauer.
Mäßige südwestliche Winde. Tageshöchsttemperaturen wenig verändert.
In der Nacht zum Freitag örtlich Bodenfrost.
Weitere Aussichten: Nach kurzer Wetterbesserung erneut Eintrübung und nachfolgend Regen.
Stellvertreter Berard werden in absehbarer Zeit aus Bonn abberufen werden. François-Poncet wird nach dem Inkrafttreten der Pariser Verträge wahrscheinlich aus dem diplomatischen Dienst ausscheiden. Berard wird einen anderen Botschafterposten übernehmen, Als Nachfolger François-Poncets wird am häufigsten Roland de Margerie genannt.
Diplomat als Sowjetspion
Tokio.(Reuter) In Tokio wurde ein Gerichtsverfahren gegen Shigeru Takemore, einen Beamten des japanischen Außenministeriums, eröffnet. Er wird beschuldigt, vertrauliche Informationen an Rastoworo, den früheren Leiter der sowjetischen Spionage in Japan, verkauft zu haben. Takemore soll für seine Tätigkeit von Rastoworow 16 800 Mark erhalten haben. Rastoworow hat sich vor mehreren Monaten unter USA-Schutz gestellt.
Washington.(INS) Präsident Eisenhower lehnte es gestern ab, der Sowjetunion ohne weiteres die Alleinschuld an dem Zwischenfall zu geben, bei dem am Wochenende eine USA-Superfestung von einem sowjetischen Flugzeug abgeschossen wurde. Der Zwischenfall habe über einem Gebiet stattgefunden, dessen Besitz zwischen der Sowjetunion einerseits und Japan und den USA andererseits noch umstritten sei. Die Angelegenheit sei nicht so klar, daß ohne weiteres ein Urteil gefällt werden könne.
USA-Aufklärungs- und Transportflugzeuge erhalten künftig im Gebiet der japanischen Nordinsel Hokkaido Jagdschutz. Die örtlichen Befehlshaber der USA-Luftstreitkräfte im Fernen Östen erhielten eine entsprechende Anweisung. USA-Außenminister Dulles hatte am Dienstag angekündigt, daß die USA die Bereitstellung von Jagdschutz in dem Gebiet erwögen, wo am Sonntag ein amerikanisches Flugzeug von zwei sowjetischen Düsenjägern abgeschossen worden sei.
Ermäßigte Steuern für Berlin
Aber das Notopfer soll im Bundesgebiet erhöht werden
Bonn.(dpa) Das Bundeskabinett verabschiedete gestern den Entwurf eines dritten Gesetzes zur Förderung der Berliner Wirtschaft. Danach sollen die Berliner Steuerzahler von ihren in Berlin erzlelten Einkünften vom 1. Januar nächsten Jahres an 20 Prozent wenlger Einkommen- und Körperschaftssteuer zahlen als die Steuerzahler im Bundesgebiet.
Die Vergünstigung soll auch für Gewerbetreibende im Bundesgebiet gelten, soweit sie Einkünfte aus Betrieben in Berlin haben, in denen mindestens 25 Arbeitnehmer beschäftigt werden. Außerdem
ist vorgesehen, die Berliner Steuerzahler rückwirkend vom 1. Juli dieses Jahres an von der Abgabe des Notopfers Berlin zu befreien.
Ein Bonner Regierungssprecher teilte mit, daß das Kabinett in absehbarer Zeit noch eine Deckungsvorlage zu den Steuervergünstigungen für Berlin bersten werde. Im Bundeshaushaltsplan 1955/56 ist bereits eine Erhöhung des Notopfers für die Steuerzahler im Bundesgebiet vorgesehen. Wie verlautet, soll sie etwa 12 Prozent betragen. Eine Entscheidung hierüber ist jedoch noch nicht gefallen.
Washington auch Hans von Herwarth und Felix von Eckardt zuweilen genannt wurden, wurden auch ihre beiden Namen mit Hanhns-fawhn-her-vart und Feh-leeksfawn-eh-kart der Liste zugefügt.
Unter D-Zugwagen geflüchtet
München,(dpa) Bahnpolizisten haben auf dem Münchener Hauptbahnhof vier Ungarn festgenommen, die mit steifgefrorenen Gliedern und völlig verschmutzt zwischen den Achsen des SchnellzugKurswagens von Triest nach München versteckt waren. Die Ungarn sagten vor dem Untersuchungsrichter aus, daß sie den jugoslawischen Teil des Triester Gebiets wegen schlechter wirtschaftlicher Verhältnisse verlassen hätten. Sie hätten zu einer Gruppe von etwa einhundert Ungarn gehört, die aus ihrer Heimat illegal nach Jugoslawien gegangen sind.
Schwere Aussprache
Washington.(Korr.) Damit Amerikaner wissen, wie sie deutsche Personennamen aussprechen müssen, hat der„Evening Star“ seinen Lesern die Aussprache erklärt. Die Liste fängt an mit Konrad Adenauer: Kohn-rudd-ah-deh-nower. Es folgen Erich Ollenhauer: Er-reeh-aw-lennhah-oo-er, Thomas Dehler: Taw-mass-dehler. Reinhold Maier: Rah-een-hohlt-mahyer, Walter Hallstein: Vahl-ter-Hahlstaheen. Da anläßlich des Kanzlerbesuchs in
Gefährdete Ernte
Niedersachsen gegen Saarstatut
Der niedersächsische Landtag nahm gestern mit großer Mehrheit einen FDPAntrag an, in dem das Saarstatut in seiner jetzigen Fassung als unannehmbar bezeichnet wird.
Bundesfinanzminister Schäffer hat seinen Widerspruch gegen einen Kabinettsbeschluß zurückgezogen, durch den der Bundesvertriebenenminister Oberländer mit der Aufsichtsführung über die Lastenausgleichsbank betraut worden ist.
Das Bundeskabinett sprach sich gestern dafiir aus, daß das neue Wahlgesetz für den Bundestag rechtzeitig im Parlament eingebracht wird. Es soll die übergroße Parteien-Zersplitterung der Weimarer Zeit verhindern.
Der USA-Hochkommissar Conant erhielt gestern von der Freien Universität Berlin seinen 43. Ehrendoktortitel. In der Promotionsurkunde werden die Verdienste Conants als Forscher auf dem Gebiet der organischen Chemie hervorgehoben.
Ein neuer Gehlen-Prozeß gegen acht Agenten begann wegen Spionage vor dem Bezirksgericht Erfurt.
Bischof Dibellus beglückwünschte den ehemaligen Reichsaußenminister von Neurath zu seiner Entlassung.
Spanlen baut gegenwärtig nach deutschen Plänen seine erste Düsenmaschine. Sie geht auf Konstruktionen Messerschmitts zurück.
Ein fünfstöckiger Neubau stürzte gestern in der spanischen Stadt La Coruna zusammen. Unter den Trümmern wurden 13 Menschen begraben, von denen bisher vier tot und drei schwerverletzt geborgen wurden.
Die britischen Beamtengehälter sind rückwirkend vom 1. Juli erhöht worden. Die Besoldungserhöhungen betragen zwischen 190 bis 410 Mark jährlich.
Durch schwere Regengüsse kam es in Australien zu Überschwemmungen, In Vororten von Melbourne wurden 200 Menschen obdachlo».
In einem gemeinsamen Appell an die UNO haben die Vertreter der Stadtverwaltungen von Coventry in England von Stalingraa zum Verbot der Atom- und