Altester Anzeiger des Sauerlandes*
Uber 100 Jahre Heimat- und Kreisblatt im Kreise Olpe
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119. Jahrgano— Nummer 245
Donnerstag, den 21. Oktober 1954
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Ende der Besatzungszeit
Einigung in Paris über das„Bonner Anwendungsprotokoll“- Drei alliierte Vorbehalte
GRÖSSTE FRAU DER WELT
Eine Riesin ist die 2,63 Meter große Holländerin K. van Deyck. die als größte Frau der Welt gilt. Überall erregt ihr Körpermaß ein beträchtliches Aufsehen, so auch am Dienstag, als sie auf dem Hamburger Flugplatz Fuhlsbüttel aus einem Flugzeug herauskletterte.
Paris.(Korr.) In einer eineinhalb Stunden währenden Sitzung billigten die Außenminister Großbritanniens, Frankreichs, USA und der Bundesrepublik gestern abend das„Bonner Anwendungsprotokoll“, das ein Ende der Besatzungszeit in der Bundesrepublik bedeutet. Es bleibt nur noch die Frage der Stationierung der alliierten Truppen im Bundesgebiet zu klären. Wenn dieser Punkt, wie erwartet, am heutigen Donnerstag geregelt wird, kann das Protokoll am Sonnabend den Außenministern zur Unterzeichnung vorgelegt werden.
nach Paris zu legen. Die Sachverständigen werden das Ergebnis ihrer Beratungen am heutigen Donnerstag der Neunmächtekonferenz vorlegen.
Obwohl die Bundesrepublik durch das Bonner Anwendungsprotokoll volle innere und äußere Souveränität erhält, behalten sich die Westmächte die Handlungsfreiheit in drei Punkten, wenn auch in Übereinstimmung mit der Bundesrepublik, vor. Erstens in gesamtdeutschen Fragen, zweitens in bezug auf Berlin und drittens in der Frage der Sicherheit ihrer Truppen auf deutschem Boden. Jeder Eingriff der Westmächte in die innerdeutsche Gesetzgebung hört aber auf
Zu dem Bonner Anwendungsprotokoll gehört noch ein Überleitungsprotokoll, das Fragen des deutschen Eigentums im Ausland, der Reparationen und Probleme, die sich aus der Besatzungszeit ergeben haben, regelt. Ferner gehört dazu ein Finanzabkommen, das die Höhe des deutschen Beitrages für die in Deutschland stationierten alliierten Truppen und die Höhe des deutschen NATO-Beitrages festlegt. Im NATO-Rahmen soll ferner protokollarisch die rechtliche Stellung der alliierten Streitkräfte im Bundesgebiet geregelt werden.
Zentren: London und Paris
Bei den Sachverständigen-Besprechungen zeichnete sich eine Regelung ab, den Sitz des Rates der Westeuropäischen Union nach London, den des Rüstungsamtes
Hosenbandorden für Eden
Der Lohn für die Friedensbemühungen des Außenministers
London.(Reuter) Königin Elisabeth machte Außenminister Eden gestern unmittelbar vor seiner Abreise zu den Pariser Besprechungen zum Ritter des Hosenbandordens. Der Außenminister, dem die hohe, zur Zeit nur von 36 Persönlichkeiten getragene Auszeichnung verliehen wurde, heißt damit in Zukunft Sir Anthony Eden.
Eden empfing im Buckingham- Palast aus der Hand der Königin die Insignien des Ordens: das mit Juwelen reich verzierte und mit Gold eingefaßte blaue Ordensband, das bei besonders feierlichen Anlässen unterhalb des linken Knies getragen wird, den achtstrahligenGeorgsstern und die dazugehörige blaue Schärpe. Eden ist nach Sir Austen Chamberlain der zweite britische. Außenminister, dem der Hosenbandorden verliehen wurde. Insgesamt haben bisher nur acht Abgeordnete des Unterhauses, unter ihnen Churchill, die Insignien des Ordens erhalten.
Der„Orden des Hosenbandes“ ist die älteste noch bestehende Rittervereinigung. Der Orden wurde im Jahre 1348 vom König Eduard III. gestiftet. Die britische Geschichtsforschung ist in neuer Zeit zu der Überzeugung gekommen, daß die Gründung des Ordens auf die Schlacht von Crecy in der Normandie zurückgeht. Dem Orden gehören jetzt 27 Ritter als ordentliche und einige Mitglieder fremder Königs- und Adelshäuser, darunter die
Könige von Norwegen und Dänemark und Kaiser Haile Selassie von Athiopien, als außerordentliche Mitglieder an.
Gefängnisstrafe im Vulkan-Prozeß
Karlsruhe.(dpa) Der VI. Strafsenat des Bundesgerichtshofes hat gestern den 45 Jahre alten Düsseldorfer Angestellten Ernst Siebel zu acht Monaten Gefängnis verurteilt. Er wurde für schuldig befunden, vom Herbst 1952 bis zu seiner Verhaftung im April 1953 verräterische Beziehungen zum Institut für Wirtschaftswissenschaftliche Forschung, einer sowjetzonalen Spionageorganisation, unterhalten zu haben.
Bei der Strafzumessung hat das Gericht berücksichtigt, daß der Angeklagte offenbar nicht aus materiellen Gründen, sondern aus falsch verstandener Freundschaft zu Männern handelte, mit denen ihn gleiche Ideen verbanden.
Besseres Abrüstungsklima
New York.(Korr.) Der Politische Ausschuß der UNO-Vollversammlung wird voraussichtlich am heutigen Donnerstag die Abrüstungsaussprache beenden und über das weitere Verfahren bei der Behandlung der westlichen und sowietischen Abrüstungspläne abstimmen. Die Aussichten, daß alle vier Großmächte den kanadischen Entschließungsentwurf unterstützen, der neue Geheimverhandlungen zwischen den USA, Großbritannien, Frankreich, Kanada und der Sowjetunion vorsieht, haben sich gebessert.
Selwyn Lloyd äußerte sich außerordentlich optimistisch. Als er sich nach seiner Ernennung zum Versorgungsminister verabschiedete, erklärte er, die Gefahr eines dritten Weltkrieges habe sich entschieden verringert.
Vertrauensvotum nach Schlägerei
295 gegen 265 Stimmen für Scelba— Das Parlament ein Trümmerfeld
Rom.(Korr.) Nach einer Schlägerei zwischen den Abgeordneten, die als die blutigste der itallenischen Parlamentsgeschichte bezeichnet wird, sprach die Abgeordnetenkammer der Regierung Scelba gestern in den frühen Morgenstunden mit 295 gegen 265 Stimmen bei sieben Enthaltungen das Vertrauen aus.
Mit dem Vertrauensvotum hat die Abgeordnetenkammer vor allem die Londoner Beschlüsse über die Wiederbewaffnung der Bundesrepublik und die Aufnahme Italiens und Deutschlands in den Brüsseler Pakt sowie das Londoner TriestAbkommen gutgeheißen. Gestern morgen
Nach den Viermächteverhandlungen fand gestern abend ein einstündiges Gespräch zwischen dem Bundeskanzler und Mendès-France unter vier Augen über die Saarfrage statt. In der Saarfrage sind sowohl die deutsche als auch die französische Seite entschlossen, eine Grundsatzerklärung auszuarbeiten.
Koalitionsführer in Paris
Die Fraktionsvorsitzenden der Bonner Regierungskoalition, von Brentano (CDU/CSU), Dr. Dehler(FDP). Haasler(BHE) und von Merkatz(DP) werden am heutigen Donnerstag mit dem Bundeskanzler in Paris zusammentreffen. Ziel dieser Verhandlungen ist, die Koalition über die geplante Saar-Lösung zu informieren und ihr Einverständnis einzuholen.
Wie wird das Wetter?
Leicht unbeständig
Ein neues Sturmtief zieht über das Nordmeer ostwärts. Dabei überqueren die Ausläufer seiner Störungsfronten auch unser Gebiet. beeinflussen unser Wetter aber nur schwach. Sie führen aber vom Westen her etwas kühlere Meeresluft nach Westdeutschland.
Vorhersage für Donnerstag: Bei zeitweise auffrischenden südwestlichen Winden überwiegend stark bewölkt mit gelegentlichen Schauern. Tageshöchsttemperaturen: 12 bis 14 Grad.
Weitere Aussichten: Wechselhaft und gelegentlich leichter Regen. Wenig kühler.
SCHICKSALSSCHWERE STUNDEN IN PARIS Im Rokokoschlößchen der Madame de Pompadour verhandelten am Dienstag Adenauer und Mendès-France über die Saarfrage. Unser Telebild zeigt auf der rechten Seite des Tisches den Bundeskanzler(Mitte) mit Staatssekretär Hallstein und Botschafter Blankenhorn, links Mendès-France(Mitte), Botschafter François-Poncet(im Hintergrund) und Staatssekretär de Moustier.
Institut für Jugendfragen?
Bundestag beriet über verbesserte Jugendarbeit
Bonn.(dpa) Der Bundestag setzte sich gestern für eine verbesserte Jugendarbeit im Bundesjugendplan ein. Alle Fraktionen waren darüber einig, daß Maßnahmen getroffen werden müssen, um der Jugend in erzieherischer und sozialer Hinsicht zu helfen. Ein Bericht des Ausschusses für Jugendfragen, nach dem die Bundesregierung aufgefordert werden soll, die Mittel aus dem Bundesjugendplan so früh anzuweisen, daß sie von den Empfangsberechtigten rechtzeitig verwendet werden können, wurde einstimmig angenommen.
Einen SPD-Antrag, der ein Institut für Jugendfragen verlangt, das die Jugendarbeit durch moderne Methoden fördern soll, überwies das Plenum an die Ausschüsse.
Wienand(SPD) und sein Fraktionskollege Herold wiesen darauf hin, daß man nicht alle Maßnahmen, die in der Sowjetzone auf dem Gebiet der Jugenderziehung getroffen würden, durch die politische Brille sehen dürfe. Es müsse geklärt werden, was in der Sowjetzone vielleicht besser sei als in der Bundesrepublik.
Dr. Seffrin(CDU/CSU) lehnte eine Bundeszentrale für Jugendfragen ab, weil
Steueraussprache am 10. November
Finanzausschuß lehnt Umsatzsteuer-Erhöhung für Großhandel ab
Bonn.(dpa) Der Bundestagsausschuß für Finanz- und Steuerfragen hat gestern seine Beratungen über die Regierungsvorlagen zur Finanz- und Steuerreform abgeschlossen und Bundestagspräsident Dr. Ehlers empfohlen, die zweite Lesung der Gesetzentwürfe am 10. und 11. November und die dritte Lesung am 12. November im Plenum vorzunehmen.
Die in der Regierungsvorlage enthaltene Erhöhung der Umsatzsteuer für den Großhandel von ein auf eineinhalb Prozent wurde vom Ausschuß abgelehnt. Der Ausschuß empfahl, daß öffentliche
war die Station für Erste Hilfe im Parlament überfüllt. Sechs Abgeordnete und sechs Saaldiener waren durch Glassplitter, Schläge, Fußtritte und sogar Bisse mehr oder weniger schwer verletzt worden. Die Kommunistische Partei hatte für die Verletzten ihrer Fraktion eine eigene Verbandsstelle eingerichtet. Die Schlägereien verwandelten das Parlament in eln Trümmerfeld. Als sich die Kammer vertagte, blieben zerschmetterte Stenografentische, abgerissene Mikrophone und Knöpfe, zerbrochene Scheiben, Pulte, Stühle und zerrissene Kleidungsstücke im Saal zurück.
sich daraus eine staatliche Jugendbefelilsstelle entwickeln könne. Die Verhältnisse in der Sowjetzone mit ihrer Staatsjugend könne sich die Bundesrepublik nicht zum Vorbild nehmen.
Für die FDP erklärte Hübner, daß man die Eigenwilligkeit der Jugend fördern solle. Die Jugend müsse sich irnerhalb eines gesetzlichen Rahmens ihr Haus selbst bauen und einrichten können.
Herold(SPD), der auf die materielle Not der Jugend hinwies, erklärte unter Zwischenrufen aus den Reihen der Koalition, die Jugend habe kein Verständnis dafür, daß bisher fur ihre Belange nie genügend Geld dagewesen sei, jetzt aber Milliardenbeträge für Kasernen ausgegeben werden sollten.
Im weiteren Verlauf der Sitzung wurde ein Antrag der CDU/CSU-Fraktion, in dem die Bundesregierung aufgefordert wird, Vertriebenenbetriebe und Flüchtlingsunternehmen finanziell zu fördern, an die Ausschüsse überwiesen.
Londoner Autobusstreik beendet
London.(Korr.) Der achttägige Streik der Londoner Autobusschaffner ist beendet. Seit den gestrigen frühen Morgenstunden verkehren wieder alle Linien fahrplanmäßig.
Gas- und Elektrizitätswerke künftig zwar grundsätzlich ebenso wie die privaten Betriebe dieser Art Umsatzsteuer zahlen sollen, daß aber der Umsatzsteuersatz für öffentliche und private Ortsgaswerke uur zwei statt vier Prozent betragen soll. Künstler, Schriftsteller, Handelsvertreter, Makler, Journalisten und Bildberichterstatter sollen bei einem Jahresumsatz über 12 000 Mark Umsatzsteuer nur insoweit zahlen, als sie aus zehn Prozent des 12 000 Mark übersteigenden Betrages gedeckt werden kann. Für Jahresumsätze bis zu 12 000 Mark wird, wie bisher, keine Umsatzsteuer erhoben.
Bonner Hauskrach
Koalitions-Familienoberhaupt Adenauer:„Ne janz harmloser Familiendisput, liebe Nachbarn! Keine Aussicht auf Sensatiönchen!“(NP)
1615 Erlasse aufgehoben
Das NRW-Innenministerium hat bisher von 2310 Erlassen 1615 aufgehoben, um die Verwaltung zu vereinfachen.
Aus Werl entlassen wurden die Kriegsverurteilten Wilhelm Leers und Martha Denner.
Der Gewerkschaftsausschuß der saarländischen Einheitsgewerkschaft fordert die Überführung der noch unter französischem Sequester stehenden RöchlingWerke in das Gemeinschaftseigentum des Saarlandes.
Der Prozeß gegen den ehemaligen Düsseldorfer KPD-Landtagsabgeordneten Angenfort soll am 8. November vor dem 6. Strafsenat des Bundesgerichts beginnen. Angenfort wird des Hochverrats beschuldigt.
Der Vorstand der Bundesvereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände hat die Schlichtungsvereinbarung zwischen Arbeitgebern und DGE gebilligt.
Professor Piccard wird in den nächsten Tagen mit seinem Tiefsee-Spezialboot „Trieste“ seine Tauchversuche im Golf von Neapel wieder aufnehmen.
Japans Botschafter in Brüssel hat dem Präsidenten der Montan-Union in Luxemburg sein Beglaubigungsschreiben als Leiter einer ständigen japanischen Vertretung bei der Hohen Behörde überreicht.
Der Papst empfing gestern den japanischen Ministerpräsidenten Joschida zu einer Unterredung.
General de Gaulle will im Dezember seinen endgültigen Rückzug aus dem politischen Leben bekanntgeben.
Die italienische Abgeordnetenkammer stimmte einer Triest-Anleihe in Höhe von 200 Millionen Mark zu.
17 Aufständische wurden bei einem Zusammenstoß mit französischen Streitkräften in Südtunesien getötet.
Der finnische Staatspräsident hat den ehemaligen Ministerpräsidenten Kekkonen aufgefordert, eine neue finnische Reglerung zu bilden.
Die USA-Regierung will die Rassentrennung in den öffentlichen Verkehremitteln gesetzlich verbieten.