Altester Anzeiger des Sauerlandes* Uber 100 Jahre Heimat- und Kreisblatt im Kreise Olpe Druck u. Verlag: VERLAGSANSTALT F. X. RUEGENBERG OLPE Anzeigen-Grundpreise: im Anzeigenteil 8 Pfg. für 1 mm Höhe in der Kleinspalte(22 mm breit); im Textteil 90 Pfg. für 1 mm Höhe in der Textspalte(62 mm breit). Man fordere Preisliste Nr. 4. Bei Zwangsvergleich oder in Konkursfällen wird jeder Rabatt hinfällig. Gerichtsstand ist Olpe i. Westf. TAGESZEITUNG für Politik, Unterhaltung und Belehrung Verantwortlicher Schriftleiter: PAUL ROBERT ROEDER OLPE Das„S V.“ erscheint täglich(außer sonntags). Monatlicher Bezugspreis: DM 3,50 einschließlich Zustellgeld, bei Postbeziehern DM 3,54 incl. Postbestellgebühren, bei Abholung in unserer Geschäftsstelle DM 3,—. Geschäftsstelle: Olpe. Frankfurter Straße 16. Fernruf 241 und 242. Verlagspostamt: Olpe l. Westf 119. Jahrgano— Nummer 245 Donnerstag, den 21. Oktober 1954 Einzelverkaufspreis 15 Pf Ende der Besatzungszeit Einigung in Paris über das„Bonner Anwendungsprotokoll“- Drei alliierte Vorbehalte GRÖSSTE FRAU DER WELT Eine Riesin ist die 2,63 Meter große Holländerin K. van Deyck. die als größte Frau der Welt gilt. Überall erregt ihr Körpermaß ein beträchtliches Aufsehen, so auch am Dienstag, als sie auf dem Hamburger Flugplatz Fuhlsbüttel aus einem Flugzeug herauskletterte. Paris.(Korr.) In einer eineinhalb Stunden währenden Sitzung billigten die Außenminister Großbritanniens, Frankreichs, USA und der Bundesrepublik gestern abend das„Bonner Anwendungsprotokoll“, das ein Ende der Besatzungszeit in der Bundesrepublik bedeutet. Es bleibt nur noch die Frage der Stationierung der alliierten Truppen im Bundesgebiet zu klären. Wenn dieser Punkt, wie erwartet, am heutigen Donnerstag geregelt wird, kann das Protokoll am Sonnabend den Außenministern zur Unterzeichnung vorgelegt werden. nach Paris zu legen. Die Sachverständigen werden das Ergebnis ihrer Beratungen am heutigen Donnerstag der Neunmächtekonferenz vorlegen. Obwohl die Bundesrepublik durch das Bonner Anwendungsprotokoll volle innere und äußere Souveränität erhält, behalten sich die Westmächte die Handlungsfreiheit in drei Punkten, wenn auch in Übereinstimmung mit der Bundesrepublik, vor. Erstens in gesamtdeutschen Fragen, zweitens in bezug auf Berlin und drittens in der Frage der Sicherheit ihrer Truppen auf deutschem Boden. Jeder Eingriff der Westmächte in die innerdeutsche Gesetzgebung hört aber auf Zu dem Bonner Anwendungsprotokoll gehört noch ein Überleitungsprotokoll, das Fragen des deutschen Eigentums im Ausland, der Reparationen und Probleme, die sich aus der Besatzungszeit ergeben haben, regelt. Ferner gehört dazu ein Finanzabkommen, das die Höhe des deutschen Beitrages für die in Deutschland stationierten alliierten Truppen und die Höhe des deutschen NATO-Beitrages festlegt. Im NATO-Rahmen soll ferner protokollarisch die rechtliche Stellung der alliierten Streitkräfte im Bundesgebiet geregelt werden. Zentren: London und Paris Bei den Sachverständigen-Besprechungen zeichnete sich eine Regelung ab, den Sitz des Rates der Westeuropäischen Union nach London, den des Rüstungsamtes Hosenbandorden für Eden Der Lohn für die Friedensbemühungen des Außenministers London.(Reuter) Königin Elisabeth machte Außenminister Eden gestern unmittelbar vor seiner Abreise zu den Pariser Besprechungen zum Ritter des Hosenbandordens. Der Außenminister, dem die hohe, zur Zeit nur von 36 Persönlichkeiten getragene Auszeichnung verliehen wurde, heißt damit in Zukunft Sir Anthony Eden. Eden empfing im Buckingham- Palast aus der Hand der Königin die Insignien des Ordens: das mit Juwelen reich verzierte und mit Gold eingefaßte blaue Ordensband, das bei besonders feierlichen Anlässen unterhalb des linken Knies getragen wird, den achtstrahligenGeorgsstern und die dazugehörige blaue Schärpe. Eden ist nach Sir Austen Chamberlain der zweite britische. Außenminister, dem der Hosenbandorden verliehen wurde. Insgesamt haben bisher nur acht Abgeordnete des Unterhauses, unter ihnen Churchill, die Insignien des Ordens erhalten. Der„Orden des Hosenbandes“ ist die älteste noch bestehende Rittervereinigung. Der Orden wurde im Jahre 1348 vom König Eduard III. gestiftet. Die britische Geschichtsforschung ist in neuer Zeit zu der Überzeugung gekommen, daß die Gründung des Ordens auf die Schlacht von Crecy in der Normandie zurückgeht. Dem Orden gehören jetzt 27 Ritter als ordentliche und einige Mitglieder fremder Königs- und Adelshäuser, darunter die Könige von Norwegen und Dänemark und Kaiser Haile Selassie von Athiopien, als außerordentliche Mitglieder an. Gefängnisstrafe im Vulkan-Prozeß Karlsruhe.(dpa) Der VI. Strafsenat des Bundesgerichtshofes hat gestern den 45 Jahre alten Düsseldorfer Angestellten Ernst Siebel zu acht Monaten Gefängnis verurteilt. Er wurde für schuldig befunden, vom Herbst 1952 bis zu seiner Verhaftung im April 1953 verräterische Beziehungen zum Institut für Wirtschaftswissenschaftliche Forschung, einer sowjetzonalen Spionageorganisation, unterhalten zu haben. Bei der Strafzumessung hat das Gericht berücksichtigt, daß der Angeklagte offenbar nicht aus materiellen Gründen, sondern aus falsch verstandener Freundschaft zu Männern handelte, mit denen ihn gleiche Ideen verbanden. Besseres Abrüstungsklima New York.(Korr.) Der Politische Ausschuß der UNO-Vollversammlung wird voraussichtlich am heutigen Donnerstag die Abrüstungsaussprache beenden und über das weitere Verfahren bei der Behandlung der westlichen und sowietischen Abrüstungspläne abstimmen. Die Aussichten, daß alle vier Großmächte den kanadischen Entschließungsentwurf unterstützen, der neue Geheimverhandlungen zwischen den USA, Großbritannien, Frankreich, Kanada und der Sowjetunion vorsieht, haben sich gebessert. Selwyn Lloyd äußerte sich außerordentlich optimistisch. Als er sich nach seiner Ernennung zum Versorgungsminister verabschiedete, erklärte er, die Gefahr eines dritten Weltkrieges habe sich entschieden verringert. Vertrauensvotum nach Schlägerei 295 gegen 265 Stimmen für Scelba— Das Parlament ein Trümmerfeld Rom.(Korr.) Nach einer Schlägerei zwischen den Abgeordneten, die als die blutigste der itallenischen Parlamentsgeschichte bezeichnet wird, sprach die Abgeordnetenkammer der Regierung Scelba gestern in den frühen Morgenstunden mit 295 gegen 265 Stimmen bei sieben Enthaltungen das Vertrauen aus. Mit dem Vertrauensvotum hat die Abgeordnetenkammer vor allem die Londoner Beschlüsse über die Wiederbewaffnung der Bundesrepublik und die Aufnahme Italiens und Deutschlands in den Brüsseler Pakt sowie das Londoner TriestAbkommen gutgeheißen. Gestern morgen Nach den Viermächteverhandlungen fand gestern abend ein einstündiges Gespräch zwischen dem Bundeskanzler und Mendès-France unter vier Augen über die Saarfrage statt. In der Saarfrage sind sowohl die deutsche als auch die französische Seite entschlossen, eine Grundsatzerklärung auszuarbeiten. Koalitionsführer in Paris Die Fraktionsvorsitzenden der Bonner Regierungskoalition, von Brentano (CDU/CSU), Dr. Dehler(FDP). Haasler(BHE) und von Merkatz(DP) werden am heutigen Donnerstag mit dem Bundeskanzler in Paris zusammentreffen. Ziel dieser Verhandlungen ist, die Koalition über die geplante Saar-Lösung zu informieren und ihr Einverständnis einzuholen. Wie wird das Wetter? Leicht unbeständig Ein neues Sturmtief zieht über das Nordmeer ostwärts. Dabei überqueren die Ausläufer seiner Störungsfronten auch unser Gebiet. beeinflussen unser Wetter aber nur schwach. Sie führen aber vom Westen her etwas kühlere Meeresluft nach Westdeutschland. Vorhersage für Donnerstag: Bei zeitweise auffrischenden südwestlichen Winden überwiegend stark bewölkt mit gelegentlichen Schauern. Tageshöchsttemperaturen: 12 bis 14 Grad. Weitere Aussichten: Wechselhaft und gelegentlich leichter Regen. Wenig kühler. SCHICKSALSSCHWERE STUNDEN IN PARIS Im Rokokoschlößchen der Madame de Pompadour verhandelten am Dienstag Adenauer und Mendès-France über die Saarfrage. Unser Telebild zeigt auf der rechten Seite des Tisches den Bundeskanzler(Mitte) mit Staatssekretär Hallstein und Botschafter Blankenhorn, links Mendès-France(Mitte), Botschafter François-Poncet(im Hintergrund) und Staatssekretär de Moustier. Institut für Jugendfragen? Bundestag beriet über verbesserte Jugendarbeit Bonn.(dpa) Der Bundestag setzte sich gestern für eine verbesserte Jugendarbeit im Bundesjugendplan ein. Alle Fraktionen waren darüber einig, daß Maßnahmen getroffen werden müssen, um der Jugend in erzieherischer und sozialer Hinsicht zu helfen. Ein Bericht des Ausschusses für Jugendfragen, nach dem die Bundesregierung aufgefordert werden soll, die Mittel aus dem Bundesjugendplan so früh anzuweisen, daß sie von den Empfangsberechtigten rechtzeitig verwendet werden können, wurde einstimmig angenommen. Einen SPD-Antrag, der ein Institut für Jugendfragen verlangt, das die Jugendarbeit durch moderne Methoden fördern soll, überwies das Plenum an die Ausschüsse. Wienand(SPD) und sein Fraktionskollege Herold wiesen darauf hin, daß man nicht alle Maßnahmen, die in der Sowjetzone auf dem Gebiet der Jugenderziehung getroffen würden, durch die politische Brille sehen dürfe. Es müsse geklärt werden, was in der Sowjetzone vielleicht besser sei als in der Bundesrepublik. Dr. Seffrin(CDU/CSU) lehnte eine Bundeszentrale für Jugendfragen ab, weil Steueraussprache am 10. November Finanzausschuß lehnt Umsatzsteuer-Erhöhung für Großhandel ab Bonn.(dpa) Der Bundestagsausschuß für Finanz- und Steuerfragen hat gestern seine Beratungen über die Regierungsvorlagen zur Finanz- und Steuerreform abgeschlossen und Bundestagspräsident Dr. Ehlers empfohlen, die zweite Lesung der Gesetzentwürfe am 10. und 11. November und die dritte Lesung am 12. November im Plenum vorzunehmen. Die in der Regierungsvorlage enthaltene Erhöhung der Umsatzsteuer für den Großhandel von ein auf eineinhalb Prozent wurde vom Ausschuß abgelehnt. Der Ausschuß empfahl, daß öffentliche war die Station für Erste Hilfe im Parlament überfüllt. Sechs Abgeordnete und sechs Saaldiener waren durch Glassplitter, Schläge, Fußtritte und sogar Bisse mehr oder weniger schwer verletzt worden. Die Kommunistische Partei hatte für die Verletzten ihrer Fraktion eine eigene Verbandsstelle eingerichtet. Die Schlägereien verwandelten das Parlament in eln Trümmerfeld. Als sich die Kammer vertagte, blieben zerschmetterte Stenografentische, abgerissene Mikrophone und Knöpfe, zerbrochene Scheiben, Pulte, Stühle und zerrissene Kleidungsstücke im Saal zurück. sich daraus eine staatliche Jugendbefelilsstelle entwickeln könne. Die Verhältnisse in der Sowjetzone mit ihrer Staatsjugend könne sich die Bundesrepublik nicht zum Vorbild nehmen. Für die FDP erklärte Hübner, daß man die Eigenwilligkeit der Jugend fördern solle. Die Jugend müsse sich irnerhalb eines gesetzlichen Rahmens ihr Haus selbst bauen und einrichten können. Herold(SPD), der auf die materielle Not der Jugend hinwies, erklärte unter Zwischenrufen aus den Reihen der Koalition, die Jugend habe kein Verständnis dafür, daß bisher fur ihre Belange nie genügend Geld dagewesen sei, jetzt aber Milliardenbeträge für Kasernen ausgegeben werden sollten. Im weiteren Verlauf der Sitzung wurde ein Antrag der CDU/CSU-Fraktion, in dem die Bundesregierung aufgefordert wird, Vertriebenenbetriebe und Flüchtlingsunternehmen finanziell zu fördern, an die Ausschüsse überwiesen. Londoner Autobusstreik beendet London.(Korr.) Der achttägige Streik der Londoner Autobusschaffner ist beendet. Seit den gestrigen frühen Morgenstunden verkehren wieder alle Linien fahrplanmäßig. Gas- und Elektrizitätswerke künftig zwar grundsätzlich ebenso wie die privaten Betriebe dieser Art Umsatzsteuer zahlen sollen, daß aber der Umsatzsteuersatz für öffentliche und private Ortsgaswerke uur zwei statt vier Prozent betragen soll. Künstler, Schriftsteller, Handelsvertreter, Makler, Journalisten und Bildberichterstatter sollen bei einem Jahresumsatz über 12 000 Mark Umsatzsteuer nur insoweit zahlen, als sie aus zehn Prozent des 12 000 Mark übersteigenden Betrages gedeckt werden kann. Für Jahresumsätze bis zu 12 000 Mark wird, wie bisher, keine Umsatzsteuer erhoben. Bonner Hauskrach Koalitions-Familienoberhaupt Adenauer:„Ne janz harmloser Familiendisput, liebe Nachbarn! Keine Aussicht auf Sensatiönchen!“(NP) 1615 Erlasse aufgehoben Das NRW-Innenministerium hat bisher von 2310 Erlassen 1615 aufgehoben, um die Verwaltung zu vereinfachen. Aus Werl entlassen wurden die Kriegsverurteilten Wilhelm Leers und Martha Denner. Der Gewerkschaftsausschuß der saarländischen Einheitsgewerkschaft fordert die Überführung der noch unter französischem Sequester stehenden RöchlingWerke in das Gemeinschaftseigentum des Saarlandes. Der Prozeß gegen den ehemaligen Düsseldorfer KPD-Landtagsabgeordneten Angenfort soll am 8. November vor dem 6. Strafsenat des Bundesgerichts beginnen. Angenfort wird des Hochverrats beschuldigt. Der Vorstand der Bundesvereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände hat die Schlichtungsvereinbarung zwischen Arbeitgebern und DGE gebilligt. Professor Piccard wird in den nächsten Tagen mit seinem Tiefsee-Spezialboot „Trieste“ seine Tauchversuche im Golf von Neapel wieder aufnehmen. Japans Botschafter in Brüssel hat dem Präsidenten der Montan-Union in Luxemburg sein Beglaubigungsschreiben als Leiter einer ständigen japanischen Vertretung bei der Hohen Behörde überreicht. Der Papst empfing gestern den japanischen Ministerpräsidenten Joschida zu einer Unterredung. General de Gaulle will im Dezember seinen endgültigen Rückzug aus dem politischen Leben bekanntgeben. Die italienische Abgeordnetenkammer stimmte einer Triest-Anleihe in Höhe von 200 Millionen Mark zu. 17 Aufständische wurden bei einem Zusammenstoß mit französischen Streitkräften in Südtunesien getötet. Der finnische Staatspräsident hat den ehemaligen Ministerpräsidenten Kekkonen aufgefordert, eine neue finnische Reglerung zu bilden. Die USA-Regierung will die Rassentrennung in den öffentlichen Verkehremitteln gesetzlich verbieten. Lebenslinie des Empire wurde aufgegeben Nach Unterzeichnung des Suezkanal-Abkommens— 75 000 Soldaten räumen die Kanalzone Mit der Unterzeichnung des britisch-ägyptischen Suezabkommens wurde ein jahrzehntelanges Ringen um den Suezkanal beendet, der einst eine der wichtigsten Schlüsselpositionen der„Lebenslinie“ des britischen Empire war. Der Suezkanal verkürzte den Seeweg von den britischen und deutschen Häfen nach Indien um etwa fünftausend Seemeilen und erhielt damit eine überragende wirtschaftliche und strategische Bedeutung. Die Räumung der Kanalzone durch Großbritannien wird das militärische Bild im Nahen Östen beträchtlich verändern. Premierminister Churchill wies im Unterhaus darauf hin, daß Militärstützpunkte am Suezkanal im Zeitalter der Wasserstoffbombe nicht mehr die gleiche Bedeutung hätten wie früher. Neue Garnisonen in Zypern Die am Suezkanal stationierten britischen Streitkräfte in Stärke von rund 75 000 Mann sollen nach Zypern. GroßNehru bei Tschou En-lai Peking.(Reuter) Der chinesische Ministerpräsident Tschou En-lai gab gestern abend in Peking für den indischen Ministerpräsidenten Nehru ein Staatsbankett. Beide Staatsmänner hielten Ansprachen. Die China-Reise des indischen Ministerpräsidenten Nehru wird allem Erwarten nach keine aufsehenerregenden Ergebnisse zeitigen. Es wird keine Pakte geben. Dennoch handelt es sich, so will uns scheinen, um ein historisches Treffen. Nehru und Mao Tse-tung sind die Führer der beiden größten Staaten der Erde. Bis zum zweiten Weltkrieg gab es in Östasien keine zentrale Macht. Ein Erdteil, der fast die Hälfte der Weltbevölkerung USA-Pressechef festgehalten Unliebsamer Zwischenfall in Östberlin— Wichtigtuerei eines„Aktivisten“ britannien und an andere Orte verlegt werden. Das britische Nahost-Hauptquartier bleibt bis zur Fertigstellung der Militärbasis von Episcopi an der Sûdküste von Zypern in Nikosia, der Hauptstadt Zyperns. Die Bauarbeiten an Militäranlagen in verschiedenen Teilen Zyperns sind in vollem Gange Großbritannien hat Hunderte von Millionen Pfund am Suezkanal investiert. Die beherbergt, wurde politisch vom Rande her beberrscht. Japan, Großbritannien und Rußland waren die bestimmenden Mächte. Erst nach 1945 begann sich der Schwerpunkt vom Rande weg in die menschenwimmelnden kontinentalen Gebiete zu verlagern. Das immense Gewicht der beiden volkreichsten Staaten der Erde wurde in der Weltpolitik von Jahr zu Jahr mehr spürbar. Man muß sich einmal das rein räumliche Gewicht Indiens und Chinas vor Augen führen, um zu erkennen, daß diese beiden Staaten eines Tages bestimmende Faktoren einer jeden Rechnung sein werden, die in und mit Östasien gemacht wird. Nehrus Gepäck Dr. K. M. Die Reise Nehrus nach Peking ist große Politik. Schon deshalb, weil durch sie 370 Millionen Inder mit den Herrschern über 600 Millionen andere Asiaten in Kontakt kommen. Man liebt es in Asien, mit dieser Milliarde im Weltgewicht zu argumentieren. Die Reisen asiatischer Staatsmänner enden nun immer häufiger statt in europäischen oder amerikanischen Hauptstädten in asiatischen. Die Veränderung der Reiscziele entspricht der Veränderung der Schwerpunkte. Die indische Außenpolitik ist in der Wandlung, obwohl sie sich nicht wandeln lassen möchte. Im Parlament in Delhi wurde dieser Tage erklärt, nach USA, Rußland und China sei Indien die vierte Weltmacht. Indien nimmt immer häufiger an den aktuellen und prinzipiellen Problemen teil. Wie ein magister mundi teilt es Lob und Tadel über die Völker und Systeme aus. In Korea und Indochina übernimmt es den Vorsitz über neutrale Kommissionen. In der UNO vertritt es Pekings Standpunkt an der Seite der Sowjetunion und tritt gegen Amerika auf. Andererseits gehört es dem Commonwealth an und ist dessen Entscheidung mit aussetzt. Sein Führungsanspruch berührt sich in Süd- und Südostindien mit dem der Chinesen am Südrand des chinesischen Reiches. Und endlich sieht Delhi sich gezwungen, sich zum Sprecher der Befürchtungen zahlreicher Staaten zu machen, die an der chinesischen Reichsgrenze leben oder es mit einer der starken chinesischen Volksgruppen in ihrem Staat zu tun haben. In der Pekinger Verfassung werden diese Minderheiten als chinesische Untertanen betrachtet. Sie sind im chinesischen Reichsparlament vertreten. Es gibt Gründe, die Nehru in Peking von unvorsichtigen Engagements zurückhalten könnten, Zwar weiß man nicht, ob er Vertragspläne mitbringt oder Mao sie ihm vorlegt. Man hat sogar von Nichtangriffsverträgen gesprochen. Andererseits sind Malaya, Burma, Siam, Nepal, Laos und andere Grenznachbarn Chinas durch wachsende Infiltrationsversuche beunruhigt. Nachdem Peking dem Regierungsprätendenten Pridi Asyl und Hilfe gegen Siam gegeben hat, befindet sich jetzt auch der kommunistische Wortführer aus Nepal, Dr. Singh, auf chinesischem Gebiet und arbeitet von dort aus am Sturz der Regierung in Nepal. Indien selbst weiß, daß in seiner Provinz Assam ein ähnlicher Prozeß vor sich geht. Tibet ist nicht vergessen in Indien, kennt auch die neuen Landkarten Pekings, in denen die bisherigen Grenzen zugunsten alter chinesischer Ansprüche stark verändert sind. Schließlich weiß Nehru, daß weder in Korea noch in Indochina das letzte Wort gesprochen ist. Seine Offiziere haben ihm berichtet. Endlich dürfte Nehru wissen, daß, wie die Dinge in Indien liegen, dort die Grundvoraussetzungen für einen kommunistischen Steppenbrand ebenso gegeben sind, wie seinerzeit in China: Armut, Korruption, Nationalismus, soziales Unrecht, akademisches und halbgebildetes Proletariat, landhungrige Bauern, Wucher und Ausbeutung. Zugleich ist ein Prozeß der technischen und moralischen Verwestlichung und Auflösung uralter Bindungen im Gang. Was das ungeheure Land in Ordnung hält, sind Nehru selbst mit seiner Autorität und jene dünne Schicht von englisch erzogener Intelligenz, die durch die Kongreßpartei noch die Position beherrscht. Aber diese Partei fängt an abzubröckeln. Sterben die gebildeten Erben des britischen Indien aus, kommt eine neue, ungeduldigere Generation ans Ruder, brechen alle sozialen und politischen Fragen auf, dann könnte Indien in den Sog Chinas und Rußlands geraten. Hier also liegen die Grenzen, die Nehru in seiner Solidarität und Intimität mit Peking beachten wird. Der indische Premier wird bemüht sein, Indien nicht zu stark dem chinesischen Einfluß auszusetzen. Berlin.(dpa) Der Leiter der Presseabteilung beim amerikanischen Hohen Kommissariat in Berlin. Elmer Cox, wurde gestern im sowjetischen Sektor eine Stunde lang von Volkspolizisten festgenalten. Er begleitete die amerikanische Senatorin Margaret Smith. die eine Besichtigungsfahrt durch Östberlin unternommen hatte. Der Zwischenfall ereignete sich vor dem HO-Kaufhaus am Alexanderplatz. Margaret Smith hatte sich die Schaufensterauslagen angesehen, während ein sie begleitender Kameramann Aufnahmen machte. Plötzlich kam ein„Aktivist“ auf Cox zu und behauptete, daß es verboten sei, Aufnahmen im Sowjetsektor zu machen. Nach einem kurzen Wortwechsel wurden die Volkspolizisfen herbeigerufen. Im Inspektionshauptquartier der Volkspolizei am Alexanderplatz protestierte Cox gegen die Behandlung. Er wies seinen Personalausweis vor und teilte mit, daß er zur Begleitung einer amerikanischen Senatorin gehöre, die in wenigen Tagen nach Moskau fahren werde. Daraufhin sah der Volkspolizeioffizier, der die Verhandlung führte, ein, daß„ein Irrtum“ vorliege. Cox wurde wieder freigelassen. Die Senatorin war inzwischen mit ihrem Wagen weitergefahren und hatte ungehindert ihre Besichtigungsfahrt fortgesetzt.„Meine Vorstellungen von einem freien Grenzverkehr unterscheiden sich offensichtlich von den Auffassungen im Östen“, sagte sie kurz vor ihrem Abflug. technische Basis Tel-el-Kebir, die etwa fünf Milliarden DM kostete, wird als die großte militärische Einrichtung in der Welt bezeichnet. Die Gegensätze verschärften sich Nach dem Kriege Großbritanniens und Frankreichs gegen Ahmed Arabi Pascha im Jahre 1882 blieben die britischen Truppen im Lande. Nachdem Agypten 1922 seine Unabhängigkeit von der Türkei erlangt hatte, wurde die Besetzung der Suezkanalzone durch britische Truppen im Vertrag von 1936 legalisiert. Kurz nach dem zweiten Weltkrieg verscnarften sich die Gegensätze, die Kette der blutigen Zwischenfälle riß nicht mehr ab. Im Verlauf dieser Auseinandersetzungen stürzten zahlreiche ägyptische Regierungen, ein Ministerpräsident wurde ermordet. Dutzende britischer Soldaten und Öffiziere fielen Attentaten zum Opfer. Am„schwarzen Sonntag“, dem 26. Januar 1952, wurden das weltberühmte Shepherds Hotel und britische Clubs in Kairo niedergebrannt, und schließlich verlor die Dynastie Mohammed Ali durch eine Revolte der Offiziere den Thron. Die Wafd-Regierung Nahas Pascha hatte das Abkommen von 1936 am 8. Oktober 1951 gekündigt. Die Verhandlungen über die Räumung der Suezkanalzone durch Großbritannien wurden erst nach der Revolution im Juli 1952 wieder ernsthaft in Angriff genommen. Nach anderthalbjährigen, außerordentlich wechselvollen Gesprächen wurde jetzt eine Einigung erzielt. Schulgeldfreiheit in Baden-Württemberg Stuttgart.(dpa) An den Schulen Baden- Württembergs, mit Ausnahme der Hoch- und Fachschulen, wird bis 1957 schrittweise die Schulgeld- und bis 1964 die Lernmittelfreiheit eingeführt. Die Kosten für die Lernmittel in Höhe von 15 Millionen Mark sollen die Gemeinden tragen, der Ausfall des Schulgeldes von 20 Millionen Mark wird ihnen vom Land ersetzt. Moskau.(Reuter) Die Botschafter von sieben westlichen Staaten in Moskau verließen am Dienstagabend eine Gesellschaft, als sie entdeckten, daß sie an einem Tisch mit dem Botschafter der Volksrepublik China. Chang Wen-tieh, und dem Botschafter der Sowjetzonenrepublik, Appelt, sitzen sollten. Die Botschafter Großbritanniens, der USA, Frankreichs, Hollands, Griechenlands, Norwegens und Kanadas waren von dem burmesischen Botschafter zu einem Diner im luxuriösen Sowjetskaja-Hotel eingeladen worden. Sie gingen aber wieder, als sie einen Blick auf die Sitzordnung geworfen hatten. Bekanntester Gast der Gesellschaft war der sowjetische Außenminister Molotow. Die sieben Botschafter versicherten gestern dem sowjetischen Außenminister in persönlichen Botschaften, daß ihr Verhalten keineswegs als Affront gegen ihn ausgelegt werden solle. Sie hätten die Gesellschaft nur verlassen, weil die Botschafter von Ländern anwesend waren, mit denen ihre Regierungen keine normalen diplomatischen Bezienungen unterhielten. Da stutzte Adenauer Paris.(Korr.) Der als leidenschaftlicher Milchtrinker bekannte französischeMinisterprasident Mendès-France stellte am Die Meinung der anderen: Pariser Gespräche Aurore Angesidits der Vorsdiläge von Mendès-France. die ein völlig neues Element in die Pariser Diskussion tragen, hat der Bundeskanzler beschlossen, sofort die Fülirer der Regierungskoalition nach Paris zu ruten. In den nächsten Stunden wird in Paris praktisdi eine Art von deutschem Kabinettstat stattfinden. Diese Begebenheit ist nidit alltäglich. Im Einklang mit den auerkauntesten internationalen Beobacteru muß man daraus den Schluß zielen, daß die französisden Auregungen aem Kanzler ais von allergrößtem luteresse erschienen sind Sie waren th so widitig, daß er es für nützlich gehalten hat, nicht erst seine Rückkehr nadi Boun abzuwarten, um dort die Prüfung mit seinen Mitarbeitern fortzusetzen. Le Parisien Libre Die Bedeutung der deutsci-französiscen Be= sprediungen gehit weit über die der Einzelprobleme hinaus, so widitig diese auch sein mögen. Man scheint auf deutscher Seite entschlossen zu sein, bis zu dei Frage vorzustoßen, die alle anderen belierrschit. Es ist die Frage nadi der Haltung gegenuver der Sowjetunion. Aus ihr hat sich alles cntwickelt, und zu ihr führt alles hin. Wird man den Bau des Hauses unterbrechen, zu dem man in London den Grundstein legte, wenn sich Verhandlungen mit Moskau anknüpfen lassen, oder wird man erst verhandeln, wenn das Dach vollendet wurde? Es scheint, daß man in Bonn stärker deun je den Wunsch hat, nicht von den Verhandlungen, die sich so oder so zwisdhien Ost und West aubalinen könnten, ausgeschlossen zu werden. Man befürditet, soust die Kosten für die Einigung der beiden Welten tragen zu müssen. Zürcher„Tat“ Die„bis zum Friedensvertrag gultige provisorisdie Lösung, die der Buudeskanzler in Paris anstrebt, scheint auf eine gemeinsame deutsdifranzösisdie Koutrolle des Saargebietes hinauszulaufen, die die wirtschaftliche Bindung der Saar au Paris bestehen ließe, aber die deutschen Interessen au der Saar(und das neuerdings viel stärker als bislier hiervortretende saarländische luteresse an der ökonomischen Verbindung mit der Bundesrepublik) durch wirtschaftliche und finanzielle Vereinbarungen mit Frankreich sichern würde. Den Nutzen einer soldien Regelung wird. wie man in Bouu glaubt, auch die Saarregierung einsehen, nadidem imer deutlicher zutage tritt, daß die Saarwirtschaft für Frankreich zunelimend die Rolle eines bloßen„Konjunkturpuffers" spielt. Dienstag dem Bundeskanzler Adenauer im Verlauf der Saar-Verhandlungen plötzlich die Frage:„Wie teuer ist die Milch in Deutschland?“ Adenauer war verdutzt und mußte gestehen, daß er das nicht wisse. Auch Staatssekretär Hallstein wußte keine Antwort. Mendès-France aber kannte den genauen Preis und meinte:„Auch das ist wichtig!“ Trauerfeier für Lübke Kiel.(dpa) In Kiel fand gestern eine Trauerfeier für den verstorbenen Ministerpräsidenten von Schleswig- Holstein, Lübke. statt. Bundespräsident Heuß würdigte den Menschen. Seefahrer und Landwirt Friedrich Wilhelm Lübke. der in seinem ganzen Leben immer ein Beispiel der menschlichen Bewährung gegeben habe. Churchill wartet auf Gelegenheit London.(Korr.) Churchill bekundete gestern im Unterhaus erneut seine Bereitschaft,„Ministerpräsident Malenkow an einem gemeinsam vereinbarten Platz zu treffen, wenn dazu die rechte Zeit und Gelegenheit gegeben sind“. Churchill antwortete damit auf die Frage des LabourAbgeordneten Dodds. welche Fortschritte im Hinblick auf ein solches Treffen erzielt worden seien. Pankow-Botschafter„geschnitten“ Westbotschafter verließen demonstrativ Moskauer Gesellschaft M ROMAN VON HANS GRUHL Presserechte bei Münchner Roman-Verlag München.-Pasing (4. Fortsetzung) Er ging zur anderen Seite, setzte sich zwischen zwei Zinnen. Als sie sich umdrehte beschloß er bei sich, um sie zu kämpfen. „Woran denken Sie?“ „Ich dachte gerade daran, daß man Sie in Serie auflegen sollte, Fräulein Syring.“ „Und warum?“ „Ich habe schon klügere Fragen gehört.“ „Ich will es aber wissen!“ Er wollte irgend etwas Geistreiches hervorbringen— es gelang ihm nicht.„Weil Sie so schön sind“, sagte er einfach. Seine Ohren wurden heiß.„Fragen Sie mich bitte nicht, wie oft ich das schon erzählt habe. In der Form war es das erste Mal.“ Sie sah ihn unverwandt an. Es kostete ihn ungeheure Anstrengung, sie nicht an sich zu ziehen. „Wir müssen runter“, sagte sie plötzlich.„Sie sind sonst morgen nicht ausgeschlafen und es ist eine Menge zu tun.“ Er folgte ihr verwirrt und fragte sich, ob er alles richtig gemacht habe. Wer sollte das wissen bei einer Frau? Und sie war ja erst eine halbe. Als sie zwischen den Bäumen nebeneinander gingen, sah er noch einmal zum Turm zurück. Er wußte nicht, daß er dort einmal um sein Leben kämpfen mußte! Vermißte Ampullen Fünf Tage nach Daniels Ankunft erschien der Oberarzt zur Visite. Er war ein kleines, bewegliches Männchen, von berüchtigter Arbeitskraft, aber sehr gutmütig. Er brachte einen neuen Patienten aus der Klinik mit, der sofort in ein Einzelzimmer auf Michels Station gelegt wurde. Es war ein blasser, schweigsamer Mann von fünfzig Jahren, Rechtsanwalt von Beruf. Durch die Streptomyzin-Kur von drei Monaten war er mitgenommen und entkräftet, aber das Mittel, das ihm Tag für Tag unter die Rückenmarkshäute gespritzt wurde, hatte die tödliche tuberkulöse Hirnhautentzündung zum Stehen gebracht. Jetzt war er zur Erholung in die Zweigstelle verlegt worden. Sie standen um das Bett des Kranken. „Bei Dr. Michels sind Sie in guten Händen“, sagte der Oberarzt in überzeugendem Ton.„Hier werden Sie bestimmt gesund. Das Schlimmste haben Sie überstanden.“ Er klopfte dem Patienten leicht auf die Schulter. Sein Gesicht wurde ernst, als sie das Zimmer verlassen hatten. „Passen Sie gut auf den Mann auf, Herr Michels“, sagte er.„Wäre wirklich traurig. wenn er jetzt noch abrutschte.“ „Weiß er schon—?“ fragte Michels. Dr. Gregor nickte.„Ich habe es ihm gesagt. In vierzehn Tagen beginnt die Sicherheitskur. Wenn er sie durchhält, hat er die Chance, davonzukommen. Rufen Sie mich sofort an, wenn etwas mit ihm los ist!" Michels nickte stumm. Marion stand hinter ihm. Sie war in die Krankengeschichte des Mannes völlig vertieft. Daniel sah über ihrer Nasenwurzel eine steile Falte. * Am Mittag des nächsten Tages aß Daniel langsam und mit Genuß. Er freute sich auf den Sonntag. Evelyn hatte versprochen, mit ihm baden zu gehen. Sie wüßte einen herrlichen Steinbruch, hatte sie gesagt. Sie waren beim Nachtisch, als es klopfte. Auf der Schwelle erschien Oberschwester Anna. Ihre Augen überflogen die Runde mit einem harten, höhnischen Ausdruck, als sie die Tür hinter sich schloß. „Mahlzeit“, sagte sie.„Ich möchte Ihnen melden, daß seit heute vormittag eine Schachtel Morphium fehlt. Zehn Ampullen.“ Alle schwiegen und ließen den Löffel sinken. Marion sprach als erste.„Irren Sie sich nicht, Oberschwester?“ Anna entblößte die Zähne.„Ich irre mich nicht, Fräulein Doktor.“ Ihre Stimme klang feindlich.„Ich sehe jeden Tag nach — jeden Tag. Gestern mittag lagen fünf Schachteln im Schrank— heute noch vier!“ Strohmann, der mit dem Rücken zur Tür saß, wandte sich um.„Wer kann an den Giftschrank ran?“ „Einen Schlüssel haben Sie drei und ich.“ Gott sei Dank, dachte Daniel, ich habe keinen. Ihm lag nicht viel daran, als Morphinist verdächtigt zu werden. „Steckt manchmal ein Schlüssel?“ „Meiner nicht. Doktor Strohmann!“ Wie ein Pistolenschuß kam die Antwort. „Haben Sie irgend etwas Verdächtiges bemerkt?“ Das war Michels. Anna zögerte einen Augenblick. Alle Augen wandten sich ihr zu „Ja“, sagte sie dann triumphierend,„ja, ich habe jemanden gesehen— und ich traue ihm den Diebstahl auch zu. Und ich werde mir Gewißheit verschaffen— vielleicht noch heute!“ „Sie machen es sehr dramatisch, Oberschwester“, sagte Marion trocken.„Aber wenn Sie die Ampullen wiederfinden, ersparen Sie uns eine Menge Arger.“ Annas Gesicht verzog sich zu einer häßlichen Grimasse„Ich werde sie wiederfinden. Verlassen Sie sich darauf! Ich glaube sogar“— sie machte eine Pause, um den folgenden Worten größeres Gewicht zu verleihen—,„daß der Dieb die Ampullen von selbst zurückbringt!“ Und sie war hinaus. Stumm sahen sich die Zurückgebliebenen an. „Gott segne ihren Optimismus“, sagte Marion hinter ihr her. „Was halten Sie davon?“ fragte Daniel. „Das Übliche.“ Strohmann gähnte.„Natürlich hat der Schlüssel gesteckt und irgendein branche- und ortskundiger Insasse hat sich das Zeug in einem günstigen Augenblick unter den Nagel gerissen. Wenn er's nicht selbst verbraucht, kann er es immer noch gewinnbringend an andere Interessenten verscheuern. Und Anna ist wütend, daß ihr das passiert ist. Daher der große Auftritt. Möchte nicht in der Haut des Betreffenden stecken, wenn sie ihn tatsächlich erwischt.“ „Hm.“ Marion spielte nachdenklich mit ihrem Löffel.„Und wenn nicht, müssen wir möglichst unauffällig neue Ampullen organisieren. Sonst kommt die Geschichte bei der Kontrolle des Giftschrankes heraus, und wird sind die Dummen— nicht Anna.“ „Habt acht auf Morphinisten“, sagte Strohmann feierlich.„Injektionsstellen— Euphorie— enge Pupillen— langsamer Verfall— das letztere paßt auf mich— habe ich was vergessen, Michels?“ Aber Michels antwortete nicht. * Abends stand Daniel auf dem Turm. Er hoffte, daß Evelyn kommen würde, und sein Herz schlug schneller, als eine helle Gestalt am Waldrand erschien. Als sie sich näherte, sah er, daß es Marion war— nur Marion. Trotz seiner Enttäuschung winkte er ihr zu „Ich komme“, rief sie. Ihre Schritte klangen dumpf auf den Steinfliesen der Wendeltreppe. Dann tauchte der blonde Kopf aus der Offnung. „’n Abend. Schöpfen Sie Kraft am Busen der Natur? Oder wollen Sie'runterspringen?“ „Wenn ich Strohmann wäre, würde ich es wohl tun.“ Sie lachte und warf den Kopf zurück. „Der Arme! Aber er ist nun mal nicht meine Blutgruppe.“ „Wer ist denn Ihre Blutgruppe, Fräulein Doktor?“ Er hatte nicht gedacht, daß diese Frage eine solche Wirkung auf sie haben würde. Sie antwortete nicht sofort. Als sie ihm ihr Gesicht zuwandte, sah er plötzlich, wie sehr es von dem traurigen Zug beherrscht wurde Er ist— im Krieg—.“ Daniel war betroffen.„Verzeihen Sie. ich wollte Ihnen nicht weh tun!“ „Ich weiß“ „Glauben Sie mir“, sagte er nach einer Weile behutsam,„auf die Dauer ist niemand unersetzlich!“ Sie lächelte wehmütig.„Sie sind ein guter Kerl.“ Er wollte das Thema wechseln.„Hat Anna ihren Delinquenten schon?“ „Ich weiß nicht.“ (Fortsetzung folgt) Mo, lachen wis mal Ein Börsenmakler geht in Gedanken versunken nach Hause. Er flüstert vor sich hin:„Ich gebe fünf, sechs, und wenns sein muß, auch sieben.“ Da ruft ihm ein Schutzmann zu:„Geben Sie acht, geben Sie acht!“ „Nein“. erwidert jetzt laut der Börsenmakler,„acht gebe ich nicht!“ Im gleichen Augenblick fällt er in ein offenes Kanalloch. 119. Jahrgang— Nummer 245 Sauerländisches Volksblatt Altester Anzelger des Sauerlandes+ Über 100 Jahre Helmat- und Krelsblatt Im Kreise Olpe Donnerstag. den 21. Oktober 1954 Herbst Rings ein Verstummen, ein Entfärben, Wie sanft den Wald die Lüfte streicheln, sein welkes Laub ihm abzuschmeicheln; ich liebe dieses milde Sterben. Von hinnen geht die stille Reise, die Zeit der Liebe ist verklungen, die Vögel haben ausgesungen, und dürre Blätter sinken leise. Die Vögel zogen nach dem Süden, aus dem Verfall des Laubes tauchen die Nester, die nicht Schutz mehr brauchen, die Blätter fallen stets, die müden. In dieses Waldes leisem Rauschen ist mir, als hör ich Kunde wehen, daß alles Sterben und Vergehen nur heimlichstill vergnügtes Tauschen. Nikolaus Lenau Olper Stadtspiegel Weihnachtspakete und-päckchen nach der sowjetischen Besatzungszone. Das Bundesministerium für das Post- und Fernmeldewesen gibt bekannt: Die Deutsche Bundespost weist darauf hin, daß Weihnachtspakete und-päckchen nach der sowjetischen Besatzungszone möglichst frühzeitig abgesandt werden müssen, wenn ihre Zustellung vor dem Fest gesichert sein soll. Auch für Päckchen nach Orten des Bundesgebiets sowie für Massendrucksachen, die nach den Erfahrungen der letzten Jahre unmittelbar vor dem Fest in großer Zahl eingeliefert wurden, wird eine frühzeitige Einlieferung empfohlen. Besetztzeichen wurden geändert. Die Fernsprechteilnehmer in Olpe und Umgebung wundern sich seit einigen Tagen über das veränderte Besetztzeichen. Der Brummton wurde durch ein fortlaufendes Morse-i ersetzt. Die Störungsstelle erhielt daraufhin zahlreiche Anfragen. Bei vorheriger Bekanntmachung der Aenderung hätte man solche Anfragen gut vermeiden können. Dann hätte nämlich jeder Fernsprechteilnehmer schon im Voraus über die Neuerung Bescheid gewußt. Einen interessanten Beitrag zur Stadtund Kirchengeschichte von Olpe liefert bekanntlich die Festschrift, die anläßlich der Einweihung der St. Mariae Himmelfahrts-Kirche in der Günsestraße herausgegeben wurde. Diese Schrift, die sehr lebendig ausgstaltet ist und zahlreiche Abbildungen aus der Vergangenheit und Gegenwart enthält, gehört eigentlich in die Hand eines jeden Olpers. Inzwischen konnten schon viele Exemplare abgesetzt werden. Es sind aber noch genügend Exemplare für weitere Interessenten vorhanden. Die Festschrift ist zum Preise von DM 1,50 auf dem Pfarrbüro und in den hiesigen Buchhandlungen zu haben. Die Kolpingsbrüder werden nochmals gebeten, sich regelmäßig und zahlreich an den Arbeiten für den Neubau des Kolpingshauses in der Maria-Theresia-Straße zu beteiligen. Die Arbeiten sollen noch vor Einbruch des Winters zu einem gewissen Abschluß gebracht werden. Exerzitien für Männer werden vom 30. Oktober bis 2. November im PallottinerKloster im Österseifen abgehalten. Diese Exerzitien liegen zeitlich so günstig, daß für die Teilnehmer kein Arbeitsausfall damit verbunden ist. Es wird daher mit einer zahlreichen Beteiligung gerechnet. Anmeldungen werden schon jetzt auf dem katholischen Pfarrbüro entgegen genommen. Der St. Vinzenzverein hält am nächsten Sonntag nach dem Hochamt eine wichtige Versammlung in dem üblichen Versammlungslokal ab. Um vollzählige Beteiligung wird gebeten. Vikar Wurm betreut die St. Mariae Himmelfahrts-Gemeinde. Entgegen anderslautenden Meldungen können wir darauf Olpe. Die letzte Versammlung des Gartenbauvereins erfreute sich eines außerordentlich guten Besuches. Das Interesse am Gartenbau ist also weiterhin lebendig geblieben. Die Mitglieder des Vereins wollen sich auch in Zukunft regelmäßig über die anfallenden Arbeiten und die gemachten Erfahrungen aussprechen. Vornehmlich ist es der Vorsitzende, Landwirtschaftsrat Kröger, der es versteht, die Olper Gartenbaufreunde munter zu halten und sie immer wieder aufs neue für ihren Gartenbau und die Arbeit im Garten zu begeistern. Diesmal hatte er es nicht leicht damit! Er mußte selbst geradezu Tränen darüber vergießen, daß der letzte Sommer so jämmerlich verregnet ist. Im Juni seien die Niedeschläge hier um 80 Prozent höher gewesen als im gleichen Monat des Vorjahres und im Juli sogar um 84 Prozent. Und dieses außergewöhnliche Wetter im Sommer und Herbst 1954 habe sich sehr nachteilig auf die diesjährige Ernte — abgesehen vom Obst— ausgewirkt! Doch sollte man, so führte Landwirtschaftsrat Kröger in seinem Referat weiter aus, nun nicht die Lust am Gartenbau verlieren. Und die Olper Gartenbaufreunde wollen dieses gewiß nicht, denn sonst hätten sie sich nicht zahlreich zur Versammlung im großen Schwanensaale eingefunden. Landwirtschaftsrat Kröger erläuterte anschließend in sehr aufschlußreichen Ausfühungen die Bestellung des Gartens.. Damit müsse man schon im Herbst beginnen, und zwar im unmittelbaren Anschluß an die Ernte! Mancher sei sich vielleicht hierüber noch nicht im Klaren. obgleich schon früher des öftern darauf hingewiesen worden sei. Der Vortragende schilderte genau, was im einzelnen zu tun ist: Unkraut abräumen— tief umgraben— düngen(besonders die kalkarmen Böden)! Ferner sollte man Komposthaufen anlegen. Jetzt sei auch die Zeit zum Anpfanzen von Obstbäumen und zur pfleglichen Behandlung der Sträucher da! Bezüglich der Sortenwahl sollte man sich Um Wasservorkommen Grevenbrück. Die Kreisverwaltung fordert zu dem Antrag der Gemeinde auf Verleihung des Wasserrechtes für den sogenannten Eselsbrunnen zunächst ein Gutachten des Amtes für Bodenforschung über die Bodenverhältnisse und den Umfang des Wasservorkommens. Laut Beschluß der Gemeindevertretung soll zunächst die Stuhlbornquelle in dem bisherigen Umfang für die Trinkwasserversorgung benutzt werden. Die Behandlung von Fragen über die Erschließung weiterer Wasservorkommen ist darumn dem Wasserversorgungsausschuß übertragen worden hinweisen, daß inzwischen die Betreuung der neuen St. Mariae Himmelfahrts-Gemeinde dem bisher in der St. MartinusPfarrgemeinde tätigen Vikar Ludwig Wurm vom Erzbischöflichen Generalvikariat in Paderborn anvertraut wurde. Die Einwohner im Bereiche der neuen(künftigen) Pfarrei freuen sich gewiß darüber, daß der ihnen bestens bekannte und allgemein geschätzte Vikar Wurm nunmehr die Seelsorge in jenem Stadtbezirk übernommen hat.— Vikar Henneken aus Geseke, der ursprünglich für die Stelle vorgesehen war und bereits kurze Zeit in Olpe anwesend war, hatte die kirchliche Behörde gebeten, von seiner endgültigen Versetzung nach Olpe Abstand zu nehmen. Vikar Wurm hat dagegen den ihm zuteil gewordenen ehrenvollen Auftrag angenommen. Zum Turnwettkampf Rheinland gegen Westfalen in Lüdenscheid will der Turnverein Olpe einen Sonderomnibus einsetzen. Interessenten mögen sich schon jetzt verbindlich beim Vorsitzenden melden. mit dem Nachbarn verständigen. Von großem Nutzen sei es auch, die Bestäubungstabelle zu bachten, um zu wissen, welche Bäume und Sräucher voraussichtlich die beste Ernte erbringen und an der betreffenden Stelle am besten gedeihen. Der Redner befaßte sich zum Schluß noch mit der Einkellerung. Diese beziehe sich heuer besonders auch auf das Gemüse. Wie es zweckmäßig eingelegt wird, konnten die aufmerksamen Zuhörer aus dem Munde des Referenten erfahren. Und dann hörten sie noch einmal die tröstlichen Worte: Der Garten bringt immer wieder seine Ernte und seine Rente! Das heißt, der Gartenbau lohnt sich nach wie vor! Er schenkt Freude, selbst wenn es sich nur um einen kleinen Blumengarten handelt oder gar nur um ein Stückchen Grasfläche, die Auge und Herz erquickt. Für die Belehrung und Aufmunterung dankte man dem Vorsitzenden durch lauten Beifall. Ueber den Beschluß, am kommenden Sonntag ein gemeinsames Kaffeetrinken im„Schwanen“ zu veranstalten, haben wir schon gestern im„Olper Stadtspiegel“ berichtet. Die Mitglieder des Gartenbauvereins werden nochmals daran erinnert. Neues aus Kriegsgefangenen-Gedenktage in Attendorn und Umgebung. Der Vorsitzende des Bundes der Heimkehrer gibt für die Gedenktage am 23. und 24. Oktober folgendes bekannt: Am kommenden Sonnabend werden um 12 Uhr auf allen öffentlichen Gebäuden bis Sonntag zum Sonnenuntergang die Flaggen auf halbmast gesetzt. In der Zeit von 12 bis 12.02 Uhr herrscht am Samstag allgemeine Verkehrsstille. Wie im Vorjahre möge auch in diesem Jahre am Sonntag um 19 Uhr vor den Fenstern jeweils eine Kerze entzündet werden. In den Kirchen finden Bitt- und Gedenkgottesdienste statt. Alle Heimkehrer und Interessenten werden aufgerufen, sich an der am Sonntagvormittag in Grevenbrück stattfindenden Mahnmal-Einweihung zu beteiligen. Es spricht der 1. Vorsitzende des Landesverbandes der Heimkehrer, Josef Reichmann aus Dortmund. Abfahrt ab Attendorn mit der Bundesbahn um 9 Uhr. Der Attendorner Luftsportklub hat in Gemeinschaft mit den Plettenbergern am vergangenen Sonntag auf dem Franzosenkopf bei Milstenau den Flugbetrieb wieder aufgenommen. Die Plettenberger zeigten mit ihrer Winde und ihrem„Baby“ Flüge von einer Dauer bis zu zehn Minutä, während sich die Attendorner mit Gartenbaufreunde im„Schwanen" Landwirtschaftsrat Kröger sprach über Gartenpflege im Herbst Flüchtlingsbeirat tagte in Olpe Albert Herzog wurde zum Vorsitzenden gewählt— Das Wohnungsproblem Olpe. Am Montagnachmittag um 16 Uhr hatte Stadt- und Amtsdirektor Habbel im Sitzungssaal im Olper Rathaus den vereinigten Flüchtlingsbeirat für Stadt und Amt Olpe zur ersten Zusammenkunft einberufen. Aufgrund der Amtsannahme-Erklärung vom Juli d. J. erschienen für die Stadt Olpe: Alb. Herzog, Werner Wichmann(mitteldeutsche Landsmannschaft), Leopold Barth(sudetendeutsche Landsmannschaft), für das Amt Olpe: Annemarie Wiskow(Lütringhausen), Alfons Tautz(Rhode), Hildegard Weidel (Neuenkleusheim), außerdem Dr. Trautmann als Leiter des Vertriebenenamtes. Stadtdirektor Habbel nahm zunächst die Amtseinführung und Verpflichtung durch Handschlag vor. Die Satzung und Geschäftsordnung wurde den Beiratsmitgliedern ausgehändigt neben einschlägigem Material. Zum Vorsitzenden des Beirats wurde Albert Herzog einstimmig gewählt, als sein Stellvertreter Annemarie Wiskow, Lütringhausen. Kreisbeiratsmitglied Wichmann streifte kurz die erste Zusammenkunft des Kreisbeirats. Stadtund Amtsdirektor Habbel sprach anschließend einige aufschlußreiche Worte über die Bestrebungen in den vergangenen Jahren den Schwierigkeiten des Vertriebenenproblems gerecht zu werden. Als wichtigsten Punkt stellte er das Wohnungsproblem heraus, das leider bis heute noch keine befriedigende Lösung finden konnte, Siedlungsbau, MietwohMotorradler verunglückt Schwerer Unfall bei Krombach O1pe. Aus Krombach wird uns ein bedauerlicher Verkehrsunfall gemeldet, der einen hiesigen Motorradler getroffen hat: Ein schwerer Verkehrsunfall ereignete sich am Montag um 21.40 Uhr auf der Bundesstraße. Als ein Lastkraftwagen mit Anhänger im Ort in eine Tankstelle einbog, wollte ein Kraftradfahrer den Lastzug überholen, stieß jedoch gegen die vordere Stoßstange des Fahrzeuges und stürzte. Dabei erlitten die Soziusfahrerin, die 17jährige Magdalene Giessler aus Kreuztal, sowie der Motorradfahrer, der 22 Jahre alte Werner Schmelzer aus Olpe, schwere Beinbrüche. Die Verletzten wurden sofort ins Krankenhaus eingeliefert. Attendorn Schulungen an ihrem„SG 38“ begnügten. Nicht mehr lange und auch unsere Segelflieger werden ebenfalls wieder wie früher ihren vollen Betrieb aufnehmen können. Bei guter Witterung sollen an den kommenden Sonntagen die Schulungen und Flüge fortgesetzt werden. Ein bedauerlicher Unfall ereignete sich am Dienstag auf einem hiesigen Sägewerk, als sich von einer Kreissäge ein Stück bei der Arbeit löste und dem Be schäftigten in den Leib drang. Der Ver letzte mußte sich im Krankenhaus einer Operation unterziehen, Der Tischtennisklub der Kolpingsfamille (I. Mannschaft) tritt am Samstag um 20 Uhr in Gerlingen gegen die I. Mannschaft Gerlingen zum Meisterschaftsspiel an. Interessenten, die sich an der Fahrt beteiligen wollen, melden sich bis heute. Donnerstag, bei Helmut Wacker. Richtfest feierte der Besitzer des Hotel „Zur Post“, der ein Stockwerk im Rekordtempo auf sein Haus aufstockte. Dadurch werden einige Fremdenzimmer mehr entstehen. Einen weiteren Aushängekasten brachte die Ortsgruppe vom DRK am alten Aintsgericht an. nungsbau und freier Wohnungsbau, alles begrenzte Möglichkeiten, einen Teil der Wohnungsuchenden unterzubringen, nicht aber die Gesamtzahl der neu hinzukommenden, die sich alljährlich auf 120 bis 140 Familien beläuft. Hinzu kommt das Streben vieler Familien, vom Lande in die Stadt überzusiedeln. Stadt- u. Amtsdirektor Habbel brachte zum Abschluß seine Hoffnung zum Ausdruck, daß auch die Arbeit und der Einsatz der Beiratsmitglieder sich fördernd auf die Bewältigung der Schwierigkeiten auswirken möge. w Hohes Alter Drolshagen. Am Dienstag wurde Peter Ignatz Müller, wohnhaft am Papenberg, 85 Jahre alt. Den zahlreichen Glückwünschen, die ihm an seinem Ehrentage zugingen, schließen auch wir uns an. Der alte Herr ist schon immer eifriger Leser unserer Heimatzeitung. Möge ihm noch ein langer und gesegneter Lebensabend beschieden sein! Jaosen die aich beirren! Gäste aus Nordamerika Eheleute Stahl besuchen die Heimat Benolpe. Nach günstiger Seefahrt kamen am Sonntagabend unsere früheren Nachbarn, Herr Frz. Stahl und Frau Anna geb. Kamp, aus Nordamerika in ihre alte Heimat zurück, um das schöne Dörchen an der Rosequelle und die Verwandten ringsum zu besuchen. Im Jahre 1927 waren die Eheleute mit ihren Kindern ausgewandert. Mit viel Fleiß haben sie auf einer Farm in der Nahe von Detroit einen angemessenen Wohlstand erworben. Es zog sie aber immer wieder in die sauerländische Heimat zurück. Im Jahre 1936 kamen sie zum erstenmal, um dann kurz vor dem 2. Weltkriege in ihre Wahlheimat zurückzukehren. In ihrem Alter wollen die Eheleute Stahl nun noch einige Monate bei ihren Verwandten verbringen. Am Montagabend brachte der Benolper Gesangvereir den„Heimkehrern“ ein Ständchen und erfreute sie mit schönen Heimatliedern. Herr Stahl bedankte sich sehr gerührt; er sagte auf Benolper Platt, solch' schöne Heimatheder und einen so gemütlichen Gesangverein gäbe es bei Detroit nicht. Wir wünschen den Eheleuten Stahl viel Freude und manch' gemütliches Plauderstündchen im Bekanntenkreise! Versuchter Einbruch Hustert. In der Nacht zum 19. Oktober, etwa gegen 2 Uhr, versuchten bisher noch unbekannte Täter durch ein offenstehendes Küchenfenster in das Innere eines Hauses zu gelangen. Die Einbrecher wurden vom Hauseigentümer verfolgt. Sie machten sich eiligst davon. Bereitgestellte Kisten Zigarren ließen sie zurück. Zur Verhinderung des Krebses: Selbst vorbeugende Maßnahmen treffen! Vikar Schröder hielt lehrreicher Referat im Felke-Verein Olpe. Wie bisher alle Vorträge, die Vikar Schröder aus Gelsenkirchen im Felke-Verein gehalten hat, war auch der Vortrag, den der bekannte Felke-Idealist am letzten Montag im Café Gastreich hielt, sehr aufschlußreich und außerordentlich gut besucht. Thema des Vortrages war:„Der Krebs und seine Verhütung“. Der Redner verstand es ausgezeichnet, seine Zuhörer mit dem Wesen des Krebses, seiner Ausbreitung und gefährlichen Zerstörungen im menschlichen Organismus bekannt zu machen. Er zeigte aber auch Wege, die zur Verhütung von Krebskrankheiten führen. Aus winzigen Zellen Zunächst schilderte Vikar Schröder den Aufbau des menschlichen Organismus, der auf der Grundlage winziger Zellen beruht. Diese Zellen, so erklärte er, bilden Gruppen, sie sind verschieden und doch einander ähnlich. Sie haben bestimmte Formen und ein bestimmtes Wachstum und bilden in ihrer Gesamtheit ein harmonisches Ganzes. Jede Zelle hat so eine vorgeschriebene Funktion zu erfüllen, die von einer ordnenden Zentralgewalt im Innern des Menschen gelenkt und überwacht wird. Die Zentralgewalt wacht darüber, daß sich die Zellen freiwillig in das harmonische Gefüge des Organismus einfügen und sich nicht eigenwillig ausbreiten, denn dann besteht Gefahr für den menschlichen Körper. Jedes Organ im Organismus hat seine Grenzen, und innerhalb dieser Grenzen haben die Zellen ihre Pflicht zu erüllen, wenn der Organismus gesund bleiben soll. Was ist geschehen? Den Befall des Organismus mit einer Krebekrankheit bezeichnete der Redner als eine Revolution innerhalb des Körpers. Hier hätten sich einige Zellen selbständig gemacht und der Kontrolle der ordnenden Zentralgewalt entzogen. Die Zellen beginnen ein Eigenleben mit einem ans Wahnsinnige grenzenden Wachstumstrieb. Der Organismus gerät in einen Aufruhr, der für den Krebs nur fördernd wirkt. Diese selbständigen Zellen dringen zum Beispiel beim Brustkrebs in das Röhrensystem der milchfördernden Kreise und zerstören den Aufbau des Gewebes. Von hier aus gelangen dann die Krebszellen in den gesamten Organismus, in den Blutkreislauf und somit in einzelne Organe wie Lunge, Leber, Magen usw. Diese große Gefahr ist natürlich nicht sofort festzustellen und wird meist erst dann bemerkt, wenn sich äußerlich am Körper irgendwelche Geschwulste zeigen. Dann aber ist es in den meisten Fällen schon zu spät, um nachheilend eingreifen zu können. Es gibt eine Möglichkeit Kann der Krebs verhindert werden? Diese Frage beantwortete Vikar Schröder in einer leicht verständlichen Weise. Jeder Mensch sollte, wenn er sich krank fühle. sorort und ohne falsche Scham einen Arzt aufsuchen, Auch wenn die Angelegenheit noch so belanglos erscheine. Schon bei Magenbeschwerden oder leichtem Husten sei die Gefahr einer Krebsbildung gegeben, die vielleicht erst Jahrzehnte später sich in einem Magenkrebs oder Kehlkopfkrebs bemerkbar mache. Ist der Mensch aber nicht krank und fühlt er sich nur matt oder unlustig, dann soll er selbst die zentrale Gewalt in seinem Organismus zwingen, hier Ordnung zu schaffen. Um diese Ordnung herbeizuführen, muß der Mensch seine bisherige Lebensweise, vor allem aber seine Ernährung einer gründlichen Revision unterziehen. Der Mensch darf nicht mehr toll drauf los leben. Er muß Enthaltsamkeit üben in allen Dingen, und wenn es auch schwer fällt, einmal fasten, um ungesunde Fettpolster wieder zu verlieren. Hierdurch werden die Zellen im Organismus in Funktion gesetzt; sie haben keine Gelegenheit, auszubrechen aus der Gemeinschaft und ihr zerstörendes Werk zu beginnen. Möglichst einfach leben Insbesondere wies Vikar Schröder auf die Gefährlichkeit chemischer Produkte hin, die der menschlichen Ernährung zugänglich gemacht, würden. In diesen Produkten seien Reizstoffe vorhanden, die nachwelslich krebsfördernd wirkten. Auch bei chemischen Farbstoffen sei dies der Fall. Man tue also gut daran, sich an natürliche Nahrungsmittel zu halten und nur Farben zu verwenden, die aus Pflanzenstoffen hergestellt sind. Alle diese Vorsichtsmaßnahmen würden bei einer möglichst einfachen Lebensweise dazu beitragen, die Krebsgefahr abzuwenden.—a— Kirchliches Gebet für Kriegsgefangene Olpe. Auf Anordnung des Erzbischofs finden am Sonntag in der St. MartinusPfarrkirche von 18—19 Uhr Betstunden für die Kriegsgefangenen und Vermißten statt. Der Bischof weist darauf hin, wie nötig die Männer draußen hinter Stacheldraht des Gebetes der Gläubigen bedürften. Deshalb erwarte man zu den Betstunden ein rege Beteiligung. Die Pfarreingesessenen werden dieser Einladung gern Folge leisten. Weltmissionssonntag Olpe. Anläßlich des Weltmissionssonntags ist am Sonntag in der Pfarrkirche eine Kollekte für das„Päpstliche Werk für Glaubensverbreitung“. Im Mutterhaus eingekleidet Olpe. Ein besonderes Ereignis im Mutterhaus der armen Franziskanerinnen war es, als am vergangenen Freitag in der Hauskapelle elf Jungfrauen feierlich eingekleidet wurden und außerdem sechs Novizen ihr erstes Gelübde und zwölf Schwestern die ewigen Gelübde ablegten. Prälat Heite aus Paderborn, der Spiritual des Theologenkonfikts, nahm die feierlichen Zeremonien vor. In seiner Festpredigt erläuterte er am Beispiel der Rosenkranzgeheimnisse die Bedeutung des Opfers, das alle diejenigen bringen, welche in den Ordensstand eintreten, um in engster Verbundenheit mit Gott und im Frieden des Geistes zu leben, bis ihnen das ewige Leben zuteil wird. Die Ansprache machte auf alle tiefen Eindruck; auch auf die zahlreichen Gläubigen, die zu dieser Feierstunde die Mutterhauskapelle aufgesucht hatten. Ferner sah man eine Anzahl Geistlicher in der Kapelle. Der Schwesternchor verschönte die Feier, die für alle Beteiligten unvergeßlich bleiben wird. Werbung hatte Erfolg Kreis Olpe. Die im Bereich des Arbeitsamtes Olpe am Montag durchgeführten Werbeveranstaltungen für den KohlenBergbau zeitigten das gewünschte Ergebnis. In Olpe, Attendorn und Altenhundem meldete sich im Anschluß an die Versammlungen(mit Filmvorführungen) eine Reihe von Interessenten für die Beschäftigung im Bergbau. Das Arbeitsamt wird die weitere Vermittlung vornehmen. Tödlicher Sturz vom Speicher Weidenau. Ein schwerer Unfall, dem ein Menschenleben zum Opfer fiel, ereignete sich in der Wilhelmstraße. Die 56jährige ehemalige Krankenschwester Margarete Timpe schaute beim Wäscheaufhängen einem hoch über den Häusern entlangbrausenden Flugzeug nach. Sie verlor dabei das Gleichgewicht und stürzte aus der Speicherluke ab. Die Unglückliche erlitt bei dem Sturz auf den Kellereingang so schwere Verletzungen. daß sie kurze Zeit später im Amtskrankenhaus gestorben ist. Peru-Mädchen studieren Landwirtschaft .. in der Landfrauenschule Nordborchen— 100 Gehilfinnen legen erstmalig eine Meisterprüfung ab Nordborchen.— An der Straße Paderborn—Fürstenberg, weitab vom lauten Getriebe, liegt die Landfrauenschule Nordborchen. In den weitgestreckten Räumen des Herrenhauses eines alten Adelsgeschlechtes sitzen abends 60 Maiden in ihren sauberen und schön ausgestatteten Zimmern und summen nach getaner Arbeit einen Schlager:„In Peru, in Peru...“ Er gut Lya, Treless und Edeltraut, drei Mitschülerinnen, die vor fünf Monaten von Peru nach Deutschland kamen, und in der Landfrauenschule Nordborchen Landwirtschaft studieren. Das vermittelte Wissen soll ihnen in ihrer Heimat auf den väterlichen Farmen die Arbeit erleichtern. nen können die vielfältigen Aufgaben und Pflichten in der Landwirtschaft erfüllen. und im Frühjahr 1955 werden in Nordrhein-Westfalen etwa 100 Gehilfinnen erstmalig ihre Meisterinnenprüfung ablegen. Eine solche Ausbildung wurde angesichts der raschen Entwicklung der land- und hauswirtschaftlichen Produktionsmittel notwendig. Die Direktorin der Schule, Frau Neugebauer, umreißt Zweck und Ziel der Landfrauenschule so:„Die Schule will jungen Mädchen aus Stadt und Land eine Pressefahrt über Ausbildungsmöglichkeiten geriet in Aufregung, als ein Ferngespräch, gründliche Ausbildung vermitteln und das für die Landfrau überzeugten, stellten sich aus Peru angemeldet wurde, Die Rückreise Verständnis für die Aufgaben der Frau in Den 50 westfälischen Journalisten, die Vor wenigen Tagen feierte Edeltraut sich an Ort und Stelle während einer ihren 19. Geburtstag. Die ganze Schule die drei Peru-Mädchen völlig unbefangen und erzählten aus ihrer Heimat, Vor vielen Jahren wanderten ihre Eltern aus und wurden begüterte Farmer in Peru. Deutsch wurde im Elternhaus kaum gesprochen. Nach fünf Monaten Aufenthalt spricht Lya ein reines Deutsch. Edeltraut und Treless können dem Unterricht gut folgen. in ihre Heimat wollen die drei Mädchen erst nach abgeschlossener Schulbildung und bestandenem Examen antreten, um später als perfekte deutsche Hausfrauen in Peru einen eigenen Hausstand zu gründen. Was die Mädchen aus Peru erkannten, wissen auch die anderen 60 Mädchen der Landfrauenschule: nur geschulte BäuerinBlumen für Joschida Der japanische Premierminister Joschida wurde auf dem festlich geschmückten Bonner Bahnhof von Bundeskanzler Adenauer und Vertretern der Bundesregierung verabschiedet. In Oberwinter, wo der japanische Gast während seines Bonner Aufenthaltes wohnte, überreichte ihm ein kleines Mädchen, das auf einem Roller angefahren kam, zum Abschied einen Blumenstrauß(unser Bild). Mit einem Todesfall endeten die Neckereien zwischen Lehrlingen einer Düsseldorfer Firma. Als ein Lehrling einem anderen, der vorher nicht beteiligt war, Putzwolle ins Gesicht warf, schleuderte dieser in plötzlicher Erregung ein spitzes pfeilartiges Werkzeug gegen seinen Kameraden. Das Werkzeug drang dem Lehrling in der Herzgegend in den Körper. Wie die Polizei mitteilt, verstarb er bald darauf. Blutige Rache an geschiedener Frau Durch vier Pistolenschüsse niedergestreckt Würzburg. Einen Mordanschlag verübte der 43jährige Textilbetriebsleiter Herbert Bäcker auf seine 35jährige ehemalige Frau, weil sie sich von ihm hat scheiden lassen. Mit einem Mietauto versuchte er kurz vor Veitshöchheim bei Würzburg den Wagen seiner Frau, in dem noch zwei andere Frauen saßen, in den Straßengraben zu drücken. Als ihm dies mißlang, gab er zwei Pistolenschüsse auf seine Frau ab, ohne sie zu treffen. Dann gelang es ihm, das Auto seiner Frau zu'stoppen, die auf einen Feldweg flüchtete. Bäcker verfolgte sie und verletzte sie mit vier Schüssen schwer. RAF-Offiziere werden„Deutsche" Ein Jahr lang Sprachstudium in Bonn— Volle Anpassung erwünscht Bonn.„Verwandeln Sie sich in richtige deutsche Studenten, aber halten Sie sich vom Paukboden fern.“ Diese Anweisung bekamen acht Öffiziere der britischen Luftwaffe, die ein Jahr lang an der Bonner Universität auf Dolmetscher gedrillt werden sollen. Weiter lautet ihr Auftrag: „Studieren Sie die deutsche Sprache und sprechen Sie soweit wie möglich niemals Englisch, nicht einmal mit Ihren Lehrern. Wohnen Sie als Untermieter bei deutschen Familien. Tragen Sie Zivilkleidung. Während der ganzen Zeit haben Sie in Ihren Einheiten keinen Dienst zu leisten.“ Die Offiziere werden ihren normalen Sold weiter empfangen, zusätzlich bekommen sie ihre Spesen ersetzt. Die üblichen ärztlichen Untersuchungen und der Soldempfang werden die einzigen Gelegenheiten sein, bei denen sie mit ihren Truppenteilen in Verbindung treten. Nur in einem Punkt dürfen sie sich dem deutschen Studentenleben nicht anpassen: Es ist ihnen verboten, Mensuren zu schlagen. In den Rhein gestürzt Köln.— Ein Kölner Ehepaar kam in den frühen Morgenstunden des Dienstags Bäcker, der seit 1953 in Südafrika lebt, war in diesem Jahr vorübergehend nach Deutschland gekommen, um seine Frau zu bewegen, sich nicht von ihm scheiden zu lassen. Er hatte sie schon früher bedroht. Frau Bäcker schwebt in höchster Lebensgefahr. Aufgaben Wirtschaft, Familie und Volksgemeinschaft fördern und Lust und Liebe zur Landwirtschaft vertiefen.“ Westfälisches Bauerntum Die Schule umfaßt neben dem Hauptund Schulhaus einen landwirtschaftlichen Lehrbetrieb, einen Garten, Land- und Viehwirtschaft, Molkerei, Lehr- und Waschküche. In einem Referat führte Frau Landesrat Dr. Scheuner an, daß über das fachliche Wissen hinaus die Schülerinnen in Nordborchen erfüllt werden sollen von den Werten der Natur- und Heimatverbundenheit westfälischen Bauerntums. In Lippstadt hatten die Pressevertreter noch Gelegenheit, eine der modernsten Landwirtschaftsschulen kennen zu lernen. In einem langfristigen Programm wird angestrebt, daß die 101 503 landwirtschaftlichen Betriebe über fünf Hektar in NRW neben ausgebildeten Betriebsleitern auch über geschulte Bäuerinnen verfügen. Amt Blank plant neue Kasernen Die Kaserne ist die Heimstatt, die Wohnung des Soldaten. Von diesem Gesichtspunkt läßt sich die Dienststelle Blank bei ihren Planungen zum Neubau von Truppenunterkünften leiten. Viele Modelle, von denen unser dpaBild eines zeigt, zeugen von der intensiven Arbeit des Amtes Blank auf diesem Gebiet. Der gefürchtete Kasernenhof und die Kaserne als Massenunterkunft sollen verschwinden. Aus der Luft gesehen wird sich eine künftige Truppenunterkunft kaum von einer Wohnsiedlung unterscheiden. Sie soll sich aus 5 bis 6 auseinandergezogenen Stammkompaniehäusern und 5 bis 8 Zugunterkünften mit atomsicheren Schutzkellern zusammensetzen. Hinzu kommen noch Wirtschaftsgebäude, Sanitätsgebäude, Lehrsaal und Kammerhaus; ferner eine Werkstatt und eine Ausbildungshalle. mit dem Schrecken davon, als sein KombiWagen in der Nähe der Kölner Bastei von der Fahrbahn rutschte und in den Rhein stürzte. Wie die Kriminalpolizei mitteilte, stieß der 34jährige Ehemann seine Frau geistesgegenwärtig aus dem Fahrzeug, als der Wagen die Böschung hinabrutschte. Er selbst versank mit dem Wagen im Rhein, konnte sich aber befreien. Die Frau erlitt einen Nervenschock. Nach Angaben der Polizei soll der Mann betrunken gewesen sein. Kraftfahrzeuge hatten Mängel Düsseidori— Nur 39 000 oder 35,8 Prozent von 109 000 Kraftfahrzeugen in Nordrhein-Westfalen waren im ersten Halbjahr 1954 in Ordnung. Eine technische Prüfung habe ergeben, daß durchschnittlich 1,8 Mängel auf jedes überprüfte Kraftfahrzeug fielen. Diese Mängel, die vielfach Straßenverkehrsunfälle verursacht hätten, betrafen zu 30,5 Prozent die Beleuchtungseinrichtung, zu 23,3 Prozent die Ausrüstung und zu 21,1 Prozent die Bremsvorrichtung. Im ganzen entsprachen also 64,2 Prozent nicht den Bedingungen der Verkehrssicherheit. Zwei Bombenblindgänger von je 250 kg wurden bel Ausschachtungsarbeiten in Dortmund gefunden. Die Bauarbeiten mußten eingestellt werden. Bei einem Zusammenstoß zwischen einem Krad und einem alliierten Fahrzeug im Gelände des Britischen Hauptquartiers in M.Gladbach wurden am Dienstag ein Kradfahrer und sein Soziusfahrer lebensgefährlich verletzt. Der Kradfahrer, ein 23jähriger niederländischer Staatsangehöriger aus Venlo, ist im Krankenhaus verstorben. Uhlemeyer Handwerkspräsident Bonn. Die Vollversammlung des Zentralverbandes des deutscen Handwerks wählte nach der im gesamten Bundesgebiet vorgenommenen Neu- oder Umbildung der Handwerksorganisation am Mittwoch in Bonn den Töpfermeister Richard Uhlemeyer(Hannover) erneut und einstimmig zu ihrem Präsidenten. Auch die übrigen Präsidialmitglieder der Spitzenorganisation des Bundeshandwerks wurden einstimmig wiedergewählt. Diebe„fahren" ins Geschäft Leichter geht es nicht mehr— Für 8000 Mark Pelzwaren gestohlen Padernorn— Pelzwaren im Werte von 8000 Mark erbeuteten unbekannte Einbrecher in der Nacht zum Dienstag in Paderborn. Sie ritzten eine Schaufensterscheibe an, fuhren mit einem Pkw ein und luden in kurzer Zeit die Auslagen des Pelzgeschäftes in den Wagen ein. Als man auf den Diebstahl aufmerksam wurde, waren die Einbrecher bereits verschwunden. richtungen in Westfalen besichtigen und in Düsseldorf von Ministerpräsident Karl Arnold empfangen werden. Am 12. November besucht der Kaiser Warendorf, wo die Besichtigung des westfälischen Landgestüts und eines Bauernhofes im Kreise Warendorf vorgesehen sind. Auch die Stadt Münster wird der Kaiser am gleichen Tage besuchen. Kaiser von Athlopien besucht Westfalen Düsseigori— Der Kaiser von Athiopien, Haile Selassie, wird während seines Deutschlandaufenthaltes verschiedene EinTodesstrafe für vierfachen Giftmörder Krankenpfleger vergiftet Patienten mit Arsen— Haß auf die Ärzte Berlin.— Wegen vierfachen Giftmordes verurteilte der Strafsenat des Sowjetzonen-Bezirksgerichts Erfurt den bisherigen Krankenpfleger im Städtischen Krankenhaus von Waltershausen, Fritz Rudloff, zum Tode. Der 52jährige Angeklagte war für schuldig befunden worden, im März dieses Jahres vier Patienten des Waltershausener Krankenhauses mit Arsen vergiftet zu haben. Er hatte den Patienten, die bereits ihrer Genesung entgegengingen, das Gift im Tee verabreicht. In der Sowjetzone ist im Gegensatz zur Bundesrepublik die Todesstrafe nicht abgeschafft. Die Beratungsstelle für Flüchtlinge beim Evangelischen Hilfswerk hat einen neuen „Leitfaden für Sowjetzonenflüchtlinge“ herausgegeben, der die bisher erschienenen Merkblätter ergänzen soll. In dem Leitfaden werden besonders ausführlich die Rechte und Förderungsmöglichkeiten der jugendlichen Flüchtlinge behandelt. Wiederaufbau aus der Flasche Kunsthändler will Rothenburger Galgenturm zur Auferstehung verhelfen Rothenburg. Eine originelle Werbung betreibt der Inhaber einer Rothenburger Kunsthandlung, dem es leid tut, daß für den Wiederaufbau des mittelalterlichen Galgenturmes, auch Würzburger Tor genannt, noch kein Geld vorhanden ist. Er verwendet eine riesige, natürlich leere Kognukflasche als Sammelbüchse, die kein Kunde übersehen kann. Da die Kunsthandlung von vielen amerikanischen Ferienreisenden besucht wird, rutscht auch mancher Dollarschein in den Bauch der Flasche, sozusagen als eine Art Wiedergutmachung für die Zerstörungen, die amerikanische Bomben in Rothenburg angerichtet haben. Auf diese Weise konnten schon erhebliche Beträge dem Fonds für den Wiederaufbau dieses Kunstdenkmals zugeführt werden. Richtkranz über„Ypsilon-Haus" Öffenbach. Im Öffenbacher Stadtzentrum wurde am Dienstag der Richtkranz über dem ersten„Ypsilon-Haus“ der Bundesrepublik angebracht. Ter vielbestaunte, von Architekten der nassauischen Heimstätte entworfene Bau hat die Grundform eines Ypsilon. Er ist achtgeschossig und enthält neben 48 Wohnungen zahlreiche Büroräume. Dort, wo die drei Balken des Ypsilon zusammentreffen, liegt das gemeinsame Treppenhaus. Durch diese neuartige Konstruktion gelang es, Raum und Kosten zu sparen. Brände nehmen zu Düsseldorf. Im Verwaltungsjahr 1953/54 haben die Feuerwehren in NordrheinWestfalen 1500 Brände mehr verzeichnet, als im Vorjahr. Allein die Waldbrände haben um 400 zugenommen. 29 000mal wurden die Feuerwehren des Landes vom 1. April 1953 bis 31. März 1954 alarmiert. 10 364mal mußten sie ausrücken, um Brände zu löschen, 16 920 Hilfeleistungen wurden von der Feuerwehr gefordert. Dazu kamen mehr als 1000 böswillige Alarme. Gutshof ein Raub der Flammen Feuer während der Drescharbeiten— 100 000 Mark Sachschaden Detmoin.— Auf dem ältesten Hof von Heiligenkirchen(Kreis Detmold), dem Gut Wantrup, brach während der Drescharbeiten ein Brand im Stallgebäude aus, der schnell auf das große Wirtschaftsgebäude übergriff. Die Feuerwehren, die das Wasser aus einem Bach etwa 300 Meter zu dem Hof emporpumpen mußten, konnten nur noch das Feuer auf seinen Herd beschränken und die angebauten Wohnhäuser schützen. Die gesamte Ernte von 200 Morgen Ackerland und ein Teil der landwirtschaftlichen Maschinen wurden ein Opfer der Flammen. Der Sachschaden beläuft sich nach den ersten Schätzungen der Kriminalpolizei auf 80 000 bis 100 000 Mark. Die Ermittlungen über die Brandursache laufen noch. Der Jagdgast braucht sich um nichts zu kümmern— das Jagdwild wird gestellt, die Safari-Teilnehmer werden dorthin gefahren, von wo sie aus zum Schuß kommen, Sie werden beraten, ob sie mit 1/100 und mit welcher Blende sie photographieren und filmen sollen und bekommen gleich zu Anfang eine Liste über die KhakiDrillich-Hosen und Shorts, die sich am besten eignen. Wem der Afrika-Ausflug noch zu teuer ist, kann sich nach Großbritannien einladen lassen. Tageskosten rund 140 DM, pro Abschuß eines Hirsches müssen 60 DM nachgezahlt werden. Aber an den Kosten scheint es nicht zu liegen. Denn für den Afrika-Jagdausflug haben sich bereits elf deutsche Jagdgäste angesagt, nachdem bereits Dr. Nordhoff vom Volkswagenwerk im vorigen Jahr begeistert eine Safari mitmachte. Mitte November ist die Regenzeit zu Ende— die Saison steht also vor der Tür. An Löwen ist übrigens noch längst kein Mangel. In der Urteilsbegründung heißt es, Rudloff habe sich als Krankenpfleger gut bewährt und sich durch das Studium von Fachliteratur weitergebildet. In Überschätzung seiner Person habe er schließlich geglaubt, von der Krankenbehandlung mehr zu verstehen als die Ärzte. Ohne Wissen der Ärzte hatte er in seiner Freizeit auch in seiner Wohnung Kranke behandelt. Sein Haß auf die Ärzte, der noch durch Eifersucht auf seine Geliebte, eine Krankenschwester, verstärkt wurde, habe ihn schließlich zu seinen furchtbaren Verbrechen getrieben. Rudloff wollte, daß die Schuld für die Todesfälle den Ärzten zur Last gelegt werde. Jagdwild wird gestellt 30 Tage Safari: 12 000 Mark— Deutsche Jäger nach Afrika eingeladen Düsseldori— Ein ausgewachsener Löwe, ein mächtiges Flußpferd, ein Gepard, drei Büffel, vier Zebras, 15 Gazellen und 5 andere kleine und größere Raubtiere, Urwald- und Steppentiere aus der ehemaligen deutschen Kolonie Deutsch-Südost-Afrika werden auf der Düsseldorfer „Jagd- und Sportfischerei-Ausstellung“ zum Abschuß jedem Besucher angeboten. Kosten einschließlich Hin- und Rückflug mit einem erfahrenen„weißen Jäger“, der den deutschen Jagdgast begleitet, mit Zeltausrüstung einschließlich Bade- und Waschzelt, mit Verpflegung, Jagdgewehr und Munition, Medizinkasten und SafariJagdwagen(Schießen vom Wagen aus streng verboten!) für einen 30-Tage-Jagdausflug nach Nairobi-Kenya-Tanganyika: rund 12 000 DM. Dazu bekommt der Jagdgast die Lizenz für den Abschuß von 82 Tieren und— die Jagdtrophäen werden gehäutet, aufbereitet und anschließend per Flugzeug dem Gast nach Deutschland zugeschickt. STEINADLER AUF DER HAN D EINES FALKNERS Die internationale Ausstellung„Jagd und Sportfischerel“ soll nicht nur eine Trophäenschau sein, sondern der Pflege echter Humanität und Duldsamkeit gegenüber der bedrohten Tierwelt dienen und ein„Symbol des Willens aller naturverbundenen Menschen in allen Ländern der Erde“ sein. Vom Steinbeil der Steinzeit bis zur modernen Feuerwaffe, von der Fischerei der Südseeinsulaner bis zur neuzeitlichen Unterwasserjagd mit Sauerstoffflaschen ist eine eindrucksvolle Fülle von Zeugnissen der Jagd und Fischerel zusammengetragen. Die Tiere des deutschen Waldes— Rotwild, Schwarzwild, Vögel— sind als thermoplastische Nachbildungen in Waldkulissen lebensnah hineingestellt. Unser Bild zeigt einen Steinadler auf der Hand eines Falkners. „Donpelmord" Cin„Doppelmord", der keiner war, versetzte Bad Orb im Spessart in Aufregung. Ein Gastwirt beziditigte sich, daß er seine Frau und sein Kind umgebracht habe. Als die Mordkommission zu dem sdion von Neugierigen umlagerten Gastlaus kam, stellte sic fest, daß das Verbrechen nur in der Phantaste des„Mörders" stattgefunden liatte. In einem tranceähulichen Zustand hatte der Gastwirt in der voraufgegangenen Nacht seine Frau bedroht. Als die Frau und das Kind nidht mehr da waren, glaubte er fest, beide umgebracht zu haben und zeigte sicii seibst au. Die Frau war aber zu Verwandten gereist und hatte das Kind zu Nacibaru gegaben. Sine Staelt erzähll.. Nächtliche Reise ins Mittelalter An der Wiege jeglichen Ruhms Als ich mich auf die Reise nach Süden machte, gab mir ein Freund, der sonst nicht viel für die Lande jenseits der Lüneburger Heide übrig hat, den Rat, auf alle Fälle über Bamberg zu fahren und dort ein paar Tage zu bleiben. Er wurde nicht müde, die Reize dieser alten Stadt zu schildern. Er nannte sie ein„Kleinod deutscher Baukunst“, unvergleichlich und wie Rom auf sieben Hügeln erbaut. Ich sollte in eine der alten Braustuben einkehren und bei einem Kruge Rauchbier meine Eindrücke sortieren. Das nämlich sei der Gipfel der Genüsse; Bamberg sei die schönste Stadt Deutschlands und Rauchbier sei das trefflichste aller Gebräue. Sicherheitshalber begann ich mit dem Rauchbier. Es wird in bauchigen Gefäßen gereicht, und man braucht eine gewisse Kunstfertigkeit, auf elegante Manier daraus zu trinken. Der Deckel könnte beim Absetzen feuchtkalt Hinter die Ohrmuschel haken! Mit sicherem Instinkt war ich in die älteste Rauchbierschänke Bambergs geraten, ins„Schleckerla“. Es war ein Schritt ins Mittelalter. Eine dunkle Stube, die Decke von kohlschwarzen Balkenungetümen getragen, roh behauenen Eichenstämmen, die man vor Jahrhunderten ausgiebig mit Öchsenblut getränkt hatte. Die Theke noch ohne die chromblitzende Pyramide, aus der sonst das Bier gezapft wird. Auf der Theke stand ein Fäßchen, aus dem floß glucksend das Bier in die Krüge. Und was für ein Bier! Der Geschmack etwa so, als ob man ein anständiges Stück holsteinischen Katenrauchschinken mit einem Schluck Bier hinunterspült. Die Bamberger waren besondere Bierbrauer seit je. Vor noch nicht allzu langer Zeit wurde in jedem dritten Haus gebraut, alle möglichen Sorten, vom Weizenbier angefangen, in dem eine Zitronenscheibe schwimmen muß— aber das Rauchbier war doch immer die Krönung dieser löblichen Kunst. Gespenstische Vergangenheit Bamberg hat rund 76 000 Einwohner. Doch wenn nachts das Licht der Straßenlaternen an den Mauern des Kaiserdomes hochkriecht, bis es dann auf halber Höhe mit dem Grau der Steine verschmilzt, dann ist die Stadt wie ausgestorben. Jenseits des linken Regnitzarmes, in der neuen Stadt, herrscht zwar noch der Betrieb wie in allen anderen Städten auch, mit Autos und Lichtreklamen, Kinos und Schaufensterr und vielen Menschen. Aber in der Bambergs„Klein-Venedig“ Die seltsamen Wege der Ameisen Durch die Heilige Schrift ist uns überliefert, daß schon König Salomo einem Faulpelz den Rat gab:„Geh zu den Ameisen, betrachte ihre Wege und sei weise!“ Aber dieser große König des Volkes Israel, der den Fleiß dieser Insekten und die wunderbare Ordnung ihrer Staatswesen bewunderte, benötigte zu dieser Belehrung nicht die bisher von Entomologen herausgegebenen Schriften über Ameisen, deren Zahl bereits fünf Millionen Veröffentlichungen umfaßt. Über diese Literatur gibt das Buch des englischen Forschers John Crompton,„Wege der Ameisen“, erschöpfende Auskunft. Crompton selbst folgte den Spuren der Ameisen in allen Erdteilen. Er sah die„Amazonen“, die als Schmarotzer ein freudenreiches Leben führen, indem sie die Nester kleinerer Ameisen mordend und plündernd überfallen und auf ihrem Rückzug dann die Ameiseneier des ausgerotteten Volkes mitnehmen, um sich später Knechte und Sklaven zu halten. Die Ernährungswerkzeuge dieser TropenAmeisen sind derart verkümmert, daß sie ohne die Hilfe ihres aus den Puppen schlüpfenden Hauspersonals, das den „Adoptiveltern“ vorverdaute Nahrung liefert, nicht leben könnten. Crompton wurde auch wiederholt von den rötlichen„Oecophylla“-Ameisen gebissen, die unter dem Tropenhimmel ihr gemeinsames Haus erbauen, wobei sie die Blätter von Büschen „zusammennähen“. Am stärksten beeindruckt wurde Crompton aber durch die blinden afrikanischen„Treiber“-Ameisen, die auf ihren fürchterlichen Kriegszügen in strengen und straffen militärischen Formationen vorausgeschickten Kundschaftern folgen. Der englische Gelehrte weiß natürlich auch um den großen Segen der Waldameise für unsere Wälder, um ihren nützlichen Feldzug gegen die Schädlinge unter den Insekten. Als Feuerwehrleute opfern sich überdies viele Ameisen, wenn in die Nähe ihrer Nester ein glimmender Zigarettenstummel geworfen wird. Sie stürzen sich bedenkenlos in das Feuer und geben schwerverietzten Mitstreitern, die im Einsatz verbrannten, den Gnadentod. Wie die Bienen, kennen auch die Ameisen, in Soldaten und Arbeiter gegliedert, Königinnen und Hochzeitsflüge, eine Sprache mit Tänzen und Klopfgeräuschen, bei der die gegenseitige Berührung mit den Fühlern eine entscheidende Rolle spielt. Verschieden große„Beutestücke“, die von Forschern als Köder einer Intelligenzprüfung ausgelegt wurden, wurden von zahlenmäßig fast genau gleich verschiedenartigen Ameisenkolonnen abtransportiert, die ein einziger Späher über Lage und Aufgabe unterrichtet hatte. Ameisen dulden über 400 Arten niederer Tiere, darunter die Blattläuse, in den Gängen, Sälen und Zellen ihres Staatsbaues. Sie melken„Haustiere“, füttern ihre Gäste und schützen deren Brut. Saaten werden von einigen Arten in unterirdischen Kornspeichern für schlechte Zeiten eingelagert, und Pilzgärten, fern vom Tageslicht, sorgsam kultiviert. Dazu gehört das Jäten von Unkraut, die Benutzung von Staatsaborten“ mit Wärtern und die anschließende Düngung des eigenen Grund und Bodens in der Tiefe. Einige Arten der Ameisen schleppen auch Erdkrümel in die Höhe der Bäume bis zu einer Astgabel, sammeln sich Rittergüter bis zur Größe eines Kürbiskopfes mühselig zusammen, um gleichfalls Landwirte und Gemüsegärtner zu spielen. John Crompton legte mit seinem Werk eine wahre Enzyklopädie der Ameisenkunde vor, die sich spannend wie ein Roman liest Bergstadt um den Dom herum kriecht die Vergangenheit aus dem Dämmer der Geschichte in das Schwarz der Nacht, lebt lautlos und gespenstisch. Hier auf dem Domberg gründete Kaiser Heinrich II. im Jahre 1007 seine Residenz, weltliche Macht und Kraft des Evangeliums leuchteten hier auf, weithin ausstrahlend, und alles faßte der poetische Abt Gerhard von Seeon in den Worten zusammen:„Hier ist die Hauptstadt der Welt, die Wiege jeglichen Ruhmes.“ Da bin ich auf dem großen Platz. Der Dom ist über allem. Seine vier Türme schimmern auf, grün vor dem verschwommenen Weiß der Wolken. Wie auf einer großen Bühne Zur Rechten die Neue Residenz, ein wuchtiges, langgestrecktes Gebäude. Die lange, fensterreiche Fassade fängt den Platz auf, birgt seine Weite, schafft die unvergleichliche Geschlossenheit dieses architektonischen Stadtgebildes. Dann bin ich im Hof der Alten Hofhaltung, einem großen, willkürlich von allerlei wunderlichen Häusern begrenzten Platz, mit buckligem Kopfsteinpflaster und einer Linde, deren Zweige einen alten Ziehbrunnen beschatten. Das alles ist von einer romantischen Unwirklichkeit, ich habe das Gefühl zu träumen. Winklige Gassen tun sich auf, in einem Licht, das sich aus Mond und städtischer Beleuchtung mischt. Es ist, als sei man auf einer großen Bühne, nur noch die Notbeleuchtung brenne über den Kulissen und die Akteure seien schon nach Hause gegangen. Es geht weiter bergan, die Straßen winkeln sich, werden so schmal, daß man beim Durchgehen fast die Häuser zu beiden Seiten berühren kann, verbreitern sich dann plötzlich zu kleinen Plätzen. Treppen verschwinden irgendwo im Dunkel. Morgens im Kaiserdom Die Jakobskirche kommt jäh aus der Nacht, dann die Michaelskirche, dann unvermittelt die strenge Gotik der Oberen Pfarrkirche, dann der bezaubernde Hof des Karmeliter-Klosters mit dem romanischen Kreuzgang, dann St. Stephan, dann das prachtvolle Patrizierhaus„Concordia“. eine verschwenderische Fülle architektonischer Herrlichkeit, ein Stilreichtum, eine unwandelbare Sicherheit des Geschmackes überall—, daß es das noch gibt! Das Rauschen der Regnitz wird immer lauter, je näher das alte Rathaus kommt, das mitten im Fluß steht. Gleich dahinter liegen Fischerhäuser, uralt, windschief— ein bewohntes Museum. Kähne davor vertäut. Die Bamberger nennen diesen verträumten Winkel„Klein-Venedig“. Gleich am nächsten Morgen bin ich im Dom. Schweigend und andächtig gehen die Menschen durch das dreifach überjochte Langhaus, das sich zwischen den beiden Chören ausbreitet. Was zählen hier schon die sogenannten „Sehenswürdigkeiten?“ Alles verschmilzt, verdichtet zur Frömmigkeit. Die Menschen bleiben am Grabe des Gründerpaares stehen, hier ruhen Heinrich und Kunigunde. Die Kirche hat sie heiliggesprochen, Riemenschneider hat ihnen die Ruhestätte geschaffen. Die Menschen sehen in die Höhe, wo am Ansatz des Östchores der Bamberger Reiter erscheint, diese geheimnisvolle Gestalt. Ein Fremdenführer setzt seiner Schar in eifrigem Flüsterton auseinander, daß der Reiter den heiligen Stephan von Ungarn darstelle. Der Reiter scheint zu lächeln. Er ist kein Mensch und war kein Mensch. Er lebt als der Traum eines begnadeten Künstlers, als Ideengestalt. Der Traum vom ritterlichen Mann. Der Reiter trägt eine Krone, als König seiner selbst. Reich an Zauber und Adel Wo soll man in Bamberg anfangen, wo aufhören? Der Zauber dieser Stadt umfängt den Fremden mit einem Reichtum, der unerschöpflich scheint. Das alte Bamberger Rathaus in der Regnitz Der viertürmige Bamberger Dom Das Antlitz von Bamberg ist ein so gutes Gesicht, wie es eine Stadt nur tragen kann, geprägt von Adel und Majestät der staufischen Kaiserzeit, geprägt aber auch von der altfränkischen Biederkeit seiner bürgerlichen Bauherren. Der Krieg hat der Stadt kaum Wunden geschlagen. Lediglich die zehn Brücken Bambergs wurden in den letzten Tagen noch gesprengt. Sonst haben nur die Jahrhunderte ihre Spuren hinterlassen. Auf der Rückfahrt merke ich, daß ich den Prospekt von Bamberg irgendwo verloren hatte. Ich ging in ein großes Reisebüro. Die junge Dame am Schalter brauchte nicht einmal flüchtig auf die farbenfreudige Flut der Prospekte zu blicken, um bedauernd zu lächeln.„Bamberg? Von Bamberg haben wir leider nichts! Da fährt doch kein Mensch hin!“ Walfanger auf Titanenjagd Spiel mit dem Tode Tollkühnheit besiegt die Niagara-Fälle— Aus 50 Meter Höhe in die brodelnde Hölle Vor einigen Tagen hat ein tollkühner Amerikaner, in eine Tonne eingesprundet, sich in die Wasser der Niagara-Fälle stürzen lassen. Er kam mit dem Leben davon, wurde aber verhaftet, da seit einigen Jahren ein Gesetz dieses Spiel mit dem Tode verbietet. Viele andere haben nämlich bei diesem Abenteuer ihr Leben eingebüßt. Ein besonderer Friedhof birgt die Leichen jener Abenteurer, die hier der Welt ein Schauspiel geben wollten. Im September 1828 begannen die„Sensationen“ um diesen Wasserfall mit einer „Höllenfahrt der Arche Noah“, die einige hunderttausend Menschen als Augenzeugen erlebten. Ein geschäftstüchtiger Unternehmer kündigte an, er werde seinen alten Schoner, beladen mit Tieren aller Art, die donnernden Fälle hinabstürzen lassen. Aus allen Teilen Amerikas eilten die Neugierigen herbei, zu sehen, wie ein Schiff die 50 m hohe Wasserwand hinab in die Tiefe stürzt. Mit Bären und Hunden, Katzen und Büffeln, Gänsen und anderem Getier beladen wurde das Schiff in die Strömung bugsiert und seinem Schicksal überlassen. Die zwei Bären sprangen rechtzeitig ins Wasser und schwammen an Land, dann stürzte der Schoner unter dem Jubelschrei der Menge hinab in die tosende Hölle, wo er zermalmt wurde. Eine Höllenfahrt inszenierten im Winter 1837 die Engländer, die ein mit Freischärlern besetztes Schiff kaperten, anzündeten und es samt Passagieren in die tödliche Tiefe schickten. Die Amerikaner haben den Briten diese grausame Tat lange nicht vergessen. Für den 24. Juli 1883 kündigte der Meisterschwimmer Kapitän Webb an, er werde die Stromschnellen durchschwimmen. Er wußte nichts von den gefährlichen spitzen Felsen, an denen er zerschellen sollte. Der erste Wirbel verschlang ihn, dann sah man ihn auftauchen, und wieder zog es ihn hinab in die Tiefe, diesmal für immer. Erst Tage später fand man seine zerfetzte Leiche. Jahre später hat ein Schutzmann, mit einem Rettungsgürtel versehen, die Stromschnellen erfolgreich durchschwommen. Der erste„Faßschwimmer“ war der Küfer Graham, der sich einem selbstgebauten Faß anvertraute. Eine Bleiplatte hielt es in aufrechter Lage, und ein innen angebrachtes Netz bewahrte den Mann vor Quetschungen. Nun kam ein Abenteuerer nach dem andern. Sogar eine Brautfahrt durch die Niagara-Fälle gab es, die gut ausging, und einem gelang eine Fahrt im selbstgebauten Boot. Aufsehen erregte die 43jährige Lehrerin Taylor, die vor 500 000 Zuschauern in einer Eichentonne wohlbehalten durch die Fälle kam. Zwölf Walfangboote des griechischen Tankerkönigs Onassis sind jetzt über Kiel und den Panama-Kanal in die peruanischen Gewässer ausgelaufen, um dort den Sperwal zu jagen. Der Wal ist kein Fisch, sondern ein „Säugetier ohne Beine“. Neben dem Grönlandwal, der 25 m lang wird und dem etwas kleineren Pottwal ist der gesuchteste Wal der Blauwal. ein 30 m langer Riese, das größte Tier der Erde. Er lebt in den von Treibeis bedeckten Gewässern auf der südlichen Halbkugel; eine fast 30 Zentimeter dicke Fettschicht schützt ihn vor der strengen Kälte. Eine Walfangflotte besteht aus einem Mutterschiff, einem riesengroßen Dampfer mit Kochereianlage und Tanks, auf dessen Deck einige Walkadaver Platz haben, und einer Flotte kleiner schneller Fangboote, die von„Schießkapitänen“ befehligt werden. Das große Kochereischiff ist eine riesige Fabrik, das mit allem versehen ist, was 600 bis 700 Männer ein halbes Jahr lang auf freier See benötigen. Allein die langen 15 cm dicken Hanfseile und die 8 cm dicken Nylon-Vorseile(an der Harpune) kosten ein Vermögen. Auf dem Krähennest eines Fangbootes sitzt der Beobachter, der nach den drei bis vier m hohen Wassersäulen Ausschau hält, die der Wal als kondensierende Atemluft aus den Nasenlöchern bläst. Dieser„Blast“ ist kilometerweit sichtbar und mit der Geschwindigkeit eines Rennbootes jagt das Fangboot darauf zu. An der Kanone steht meist ein Norweger, der sich blitzschnell auf Schießnähe, also 20 bis 30 m dem Wal nähern muß, ehe dieser wegtaucht. Die schwenkbare Kanone mit Pistolengriff hat als„Kugel“ eine fast zwei Zeatner schwere, zwei m lange Harpune. Der Steuermann muß manövrieren wie ein Artist, bis endlich der Wal in günstige Position kommt. Dann kracht der Schuß und die Harpune bohrt sich in den Leib des Tieres. Drei Sekunden nach dem Aufschlag explodiert die am Kopf der Marpune angebrachte Sprenggranate, die dem Blauwal tiefe Wunden reißt, wenn sie ihn nicht augenblicklich tötet. Taucht er in die Tiefe, dann beginnt zuweilen ein aufregender Kampf. Das an der Harpune befestigte acht cm dicke Nylonseil hält den Zug von einigen hunderttausend Kilo aus, man könnte ein stattliches Haus daran aufhängen. Da der Wal von Zeit zu Zeit nach oben kommen muß, Luft zu holen, hat er wenig Aussicht zu entkommen. Denn dort wartet schon der„Killer“ auf ihn, der ihm eine tödliche Sprenggranate in den Leib schießt. Einige tausend Kubikmeter Preßluft werden in den Walbauch gepumpt und er schwimmt dann obenauf. Er bekommt eine Markierungsflagge und ein kleines Sendegerät, das Peilzeichen ausstrahlt. Nach Stunden oder erst nach Tagen bringen die Bojenboote das Riesentier zum Mutterschiff. Allein die Zunge wiegt 3400 kg, mit Flensmessern werden gegen 30 000 kg Speck abgesäbelt, 60 000 kg Fleisch und 22 000 kg Knochen bleiben übrig. Das Schicksal der Pastete Sowjetrussisches Märchen von L. Lagin Großmutter hat eine Pastete gebacken, nicht zu groß, nicht zu klein, nicht zu hoch, nicht zu niedrig. Die Größe war genau richtig. Und sie schmeckte gut, war mit Pilzen gefüllt. Diese Großmutter arbeitet im Büro als Putzfrau. Auch der Enkel arbeitet da, und er hatte Namenstag. Brachte die Großmutter die Pastete ins Büro. „Bedient euch nur, ihr Lieben. Wenn ihr wollt— mit Tee. Es geht aber auch ohne Tee.“ Im Büro bestaunten sie die Pastete, ächzten geradezu:„Ach mein Gott, was für eine Pastete, was für eine prachtvolle Pastete!“ Der Schreiber Iwanow sagt:„Also los, wollen wir mal essen.“ Der Schreiber Petrow sagt:„Jawohl, kommt essen.“ Und schon holt er das Messer heraus. Wenn es irgendwo was zu essen gibt— da ist er eins-zwei dabel. Der Chefschreiber— Ssidorow sein Name— der sagte aber:„Nein, durch euch werde ich noch den Verstand verlieren oder vorzeitig in die Grube fahren. Meint ihr denn, ich würde euch ohne die Erlaubnis des Gehilfen des Bürovorstehers Pasteten essen lassen?“ Er lief davon, erstattete Bericht:„Gestatten Sie, sozusagen mitzuteilen: Die Großmutter hat eine Pastete gebacken, nicht zu groß, nicht zu klein, nicht zu hoch, nicht zu niedrig, mit anderen Worten, sie hat die vorgeschriebene Größe. Und da besagte Großmutter besagte Pastete in das Ihnen anvertraute Büro gebracht hat mit dem konkreten Vorschlag, uns zu bewirten, wie wäre da nun in dieser Hinsicht Ihre Anordnung?“ „Pastete?“ fragt der Gehilfe des Bürovorstehers. „Stimmt, eine Pastete.“ „Mit Pilzen?“ „Stimmt, mit Pilzen.“ „Hm-hm! Und noch dazu frisch! Wenn diese Pastete, diese verfluchte, wenigstens nicht frisch wäre. Aber so— frisch! Nein, die Verantwortung kann ich nicht übernehmen. Der Bürovorsteher soll lieber die Verantwortung auf sich laden.“ Er ging und berichtete.„Gestatten Sie, sozusagen mitzuteilen: Die Großmutter hat eine Pastete gebacken, nicht zu groß, nicht zu klein, nicht zu hoch, nicht zu niedrig, mit anderen Worten, sie hat die vorgeschriebene Größe. Und da besagte Großmutter besagte Pastete in das Ihnen anvertraute Büro gebracht hat mit dem konkreten Vorschlag, uns damit zu bewirten, wie wäre da nun in dieser Hinsicht Ihre Anordnung?“ „Pastete?“ fragt der Bürovorsteher. „Stimmt, eine Pastete.“ „Mit Pilzen?“ „Stimmt, mit Pilzen.“ Der Bürovorsteher denkt, denkt und sagt:„Wissen Sie was? Fertigen Sie ein Aktenstück an. Mit diesem Aktenstück werde ich zu meinem Chef gehen. Und wie mein Chef entscheidet, so soll es auch sein.“ Gesagt— getan. Der Schreiber Iwanow, der Schreiber Petrow, der Chefschreiber Ssidorow setzen sich hin und stellen unter der Anleitung des Bürochefs vier Tage lang das Aktenstück zusammen: Gestatten Sie, sozusagen mitzuteilen: Die Großmutter hat eine Pastete gebacken, nicht zu groß, nicht zu klein, nicht zu hoch, nicht zu niedrig, und so weiter und so fort. Mit schöner schwarzer Tusche zeichneten sie den Plan der Pastete auf, den Querschnitt, den Längsschnitt, die Ansicht von oben, die Ansicht von der Seite und von unten. Sie verglichen, maßen, begutachteten, brachten alles in schönste Übereinstimmung und gingen damit zum Chef des Bürovorstehers. Der Chef las es durch. „Was ist denn mit euch los“, sagte er, wollt ihr euch über mich lustig machen? Großmutter bietet euch eine Pastete an?“ „So ist es, sie bietet uns die Pastete an.“ „Na, dann eßt sie doch, wohl bekomm’s.“ Aber sie gehen nicht fort. Treten von einem Bein aufs andere. Sind ganz betrübt. „Noch eine Frage?“ „So ist es, Genosse Chef.“ „Was denn?“ „Ginge es nicht, daß Sie, sicherheitshalber sozusagen, Ihre Resolution in schriftlicher Form geben könnten?“ Das war dem Chef dann doch zuviel. „Raus!“ ruft er.„Daß ich euch hier nicht mehr sehe! Seid so frei, den Befehl zu befolgen.“ Nichts zu machen. Sie gingen, den Befehl zu befolgen. Mit der Pastete aber war überhaupt nichts mehr anzufangen: hart wie Stein, das Messer kommt nicht mehr durch. Sie holten ein Beil— und rauf auf die Pastete b-b-bums! Die Pastete blieb ganz, das Beil flog in Stücke. „Da ist mir was Schönes über den Hals gekommen!“ seufzte der Bürovorsteher und ließ einen Bericht verfassen, daß sozusagen die Großmutter eine Pastete gebacken hatte, nicht zu groß, nicht zu klein, nicht zu hoch, nicht zu niedrig und so weiter und so fort...„Und bitten wir deshalb die Anordnung zu erlassen, ein Beil(in Worten— ein) abzubuchen“, und so weiter und so fort. Pfui! Das ist das ganze Märchen. (Aus der Sammlung„Unerfreuliche Märchen“.) Das Lachen des Herrn Kaludcigkeit Der Witz zwischen Weichsel und Memel— Land der dunklen Wälder und des hellen Gelächters/ Von Stephan Herrle Ostpreußen ist nicht nur das Land der vielbesungenen dunklen Wälder gewesen, es war auch das Land des breiten und befreienden Lachens. Unter den Humoren der deutschen Stämme gibt der ostpreuBische gleichsam das rotwangige, pausbäckige Landkind ab; auch dann, wenn es sich stadtfein gemacht hat, um sich etwa nach Keenigsbarg zu begeben, haftet ihm, scheint es, immer noch ein Bröcklein Ackererde an den Pantinen. Stadtferne und Stuben- und Stallwärme sind die Kennzeichen dieses Humors, und sein eigentlicher Wurzelgrund ist die Welt von Hof, Scheune, Feld, Wald und Jagd. Kommt da so ein Stadtfrack, der frisch unter die Jäger gegangen ist, zu einem knorrigen Memelenser Förster und sagt: „Herr Forstrat, Sie haben mir da zwar einen wunderbaren Jagdhund verkauft, aber eines an diesem ausgezeichneten Tier ist mir rätselhaft. Es hat immer Tränen in den Augen. Wissen Sie kein Mittel dagegen?“ Antwortet knurrig der Förster: „Versuchen Sie doch mal, nicht so schlecht zu schießen!“ Zu spät, zu spät, mein Lieberchen Hausmacherkost ist der Humor dieses Landes, das die zärtlichen Verkleinerungsformen(Tantchen, Mannchen, Herrchen, Hundchen, Entchen, Kuhchen, duchen, dachen und Dingschen) und zugleich doch das mannhafte Durchgreifen liebt. Ein Gutsherr eröffnet seinem Inspektor, daß er sich gezwungen sehe, ihn zu entlassen. Er sei eine zu städtische, zu weiche Natur. Er verkehre mit dem Personal in einer Sprache, die in einem gehobenen Damenkränzchen wohl angebracht wäre, die aber fürs platte, rauhe Land nun einmal nicht tauge. Auf diese Eröffnung hin verliert der sonst so vollkommen höfliche, geschniegelte und gestriegelte Inspektor zum erstenmal seit seiner halbjährigen Tätigkeit auf dem Gute seine Fassung. Er schleudert dem Gutsherrn ein entsetzliches Hageldonnerwetter gröbster Beschimpfungen entgegen, dem er mit der sattsam bekannten Aufforderung des Götz von Berlichingen sozusagen die Krone aufsetzt! Lächelnd läßt der Gutsbesitzer diese Entladung über sich ergehen, um dann milde zu bemerken:„Nai, nai, main Lieberchen, jatzt ist es zu spät. Jatzt mechten Se sich ainschmaicheln, e Die Langschäfter und das Leise Aber vor dem Typ des Gutsherrn, der sozusagen in Langschäftern durch den ostpreußischen Witz poltert, muß eigentlich das Leise, Zarte angeführt werden dessen dieses immer bedrohte Land fähig war. Ein Schwabe, nämlich der aus Stuttgart stammende Dichter Bruno Frank, hat diesem Leisen und Zarten des Landes die Stimme in seiner Kant-Anekdote gegeben, die hier als eine Kostbarkeit deutscher Sprache und eine tiefe dichterische Dokumentation ostpreußischen Fühlens wiedergegeben sei: „Kant führte ein liebeleeres, einsames Junggesellen-Dasein. Gern hatte er eigentEs gibt keine kleinen Rollen Alles findet sich im Kleinsten wieder; nichts ist zu klein, es ist der Beobachtung wert und enthält die Fäden großer Zusammennange. Friedrich Kayssler Es gibt keine kleinen Rollen. Es gibt nur kleine Schauspieler. K. Stanislawskij Wer sich im kleinsten Lager befindet, der ist in der stärksten Schule. G. Chesterton Schönheit: eine Frucht, die man betrachtet, ohne die Hand nach ihr auszustrecken. Simone Weil Große Kunst bedeutet: dies ist das Leben, so sollt ihr leben. Rudolf Pannwitz Mein Leben gähnt mich an wie ein weißer Bogen Papier, den ich vollschreiben soll. Georg Büchner Zweifel muß nichts weiter sein als Wachsamkeit, sonst kann er gefährlich werden. Georg Christoph Lichtenberg Es ist nicht zu glauben, wie schlau und erfinderisch die Menschen sind, um Entscheidungen aus dem Weg zu gehen. Sören Kierkegaard lich nur seinen Diener Lampe; an dessen Erfahrung war er gewöhnt und an dessen Treue glaubte er. Aber nach vielen Jahren stellte sich heraus, daß dieser Tampe stahl; er wurde entlassen. Nun gab es in Kants methodisch abgeteiltem Leben eine gewisse Stunde täglich am frühen Abend, da rückte er seinen Sessel ans'offene Fenster, spannte ab und erlaubte sich, etwas anderes zu sein als ein zermalmender logischer Hammer. Und täglich kehrten nun unweigerlich seine Gedanken zu Lampe zurück, zu seiner Sorgfalt und Pflege. Er sehnte sich nach diesem Dieb und schämte sich doch seiAller guten Dingen sind drei „Aller guten Dinge sind drei“,„die böse Sieben“ und„neun Tage Regenwetter“— das sind stehende Redensarten, ohne daß wir uns je Gedanken darüber gemacht haben, wie sie entstanden sind. Gewisse Zahlen spielen im deutschen Sprichwort und Volksglauben von jeher eine große Rolle. Dies gilt namentlich für die Drei, Sieben und Neun.„Aller guten Dinge sind drei“, pflegt man heute noch allgemein zu sagen. Der Strick des mittelalterlichen Femegerichts wurde aus drei Strähnen gewunden, und drei Garben zum Füttern des Viehs, drei Rüben oder drel Stücke Obst durfte sich ein Vorübergehender nehmen, ohne einer Bestrafung zu verfallen. Auf dem Gerichtsplatz standen drei Eichen, in Gefahr sollte man drei Pfiffe oder Rufe ausstoßen, und wenn der Zinsbauer sein Korn ablieferte, hatte er von seinem Wagen herab dreimal zu rufen:„Zehender, hole den Zaienden!“ Die drei Nöte hießen in aller Zeit Hungersnot, Krieg und Pestilenz. und häufig wurde dem Verbrecher die Wahl zwischen UNSER—» 1. Welche Eigenart haben Blindschleiche und Eidechse gemeinsam? 2. Welches ist die jährliche Milchleistung einer guten Kuh? 3. Lebt der Pinguin im Nord- oder Sudpolargebiet? 4. Zu welcher Vogelfamilie gehört die Elster? 5. Wie heißt der Bär in der Fabel? 6. Welches ist die größte Eule? 7. Wie nennt man ein einhöckeriges Kamel? 8. Welche Bezeichnung trägt ein weiblicher Fuchs? Auflösung des letzten Rätsels Gemüsehandel drei Strafen gelassen: Köpfen, Rädern oder Vierteilen. Vor Gericht hatte im Mittelalter jeder Freie zu erscheinen, der an Grund und Boden sieben Schuh hinter und vor sich besaß. Sieben Schöffen und sieben Zeugen halfen bei der Rechtsfindung. Der Verräter des Femegeheimnisses wurde sieben Schuh höher gehängt als ein gewöhnlicher Dieb. Friesland zerflel noch im 10. Jahrhundert in sieben Landschaften, und für Zaunstecken war eine Länge von sieben Fuß vorgeschrieben. An Abgaben waren sieben Pfennig zu entrichten, vier dem himmlischen und drei dem irdischen König. Nach dem Sachsenspiegel endeten die Heerschilde im siebenten Schild, die Sippe aber im siebenten Glied. Ferner kannte man sieben Frieden, und zwar für Dinge, Haus, Kirche. Pflug, Wagen, Weg und Teich. Sieben Jahre und sieben Tage waren eine gesetzliche Frist, die häufig in alten Urkunden erwähnt wird, und heute noch hat die Woche sieben Tage. Zieht in der Frühe ein Gewitter auf, so hat man am gleichen Tag mit neun Unwettern zu rechnen. Wollte sich jemand einen„Hexenschemel“ machen, so mußte er dazu neunerlei Holz nehmen. Nach uraltem friesischen Gesetz durfte ein Vater neun Kinder haben, das Schwein neun Ferkel. Wer heiratete, sollte die Frau über neun Zäune tragen, und Männer, die eine leibeigene Gattin hatten, mußten neun Schritte vor der Gerichtsstätte stehen bleiben. Vom Rest der Brotsuppe, die bei den Bauern heute noch vielfach das Frühstück ersetzt, heißt es:„Da sind die neun Kräfte drin“. Wenn jemand ein finsteres Gesicht macht, so pflegt man auch in der Stadt zu sagen:„Der macht ein Gesicht wie neun Tage Regenwetter“. ner Sehnsucht auf das bitterste. Deshalb schrieb er auf ein Stück weißen Karton die Worte:„Lampe muß vergessen werden!“, und stellte diesen Karton allabendlich vor sich hin auf die Fensterbank.— Man fand ihn noch in seinem Nachlaß.“ Königsberger Tischgespräch Ein bedeutender Soziologe hat von dem ostpreußischen Witz einmal gesagt, er entstehe dadurch, daß man dort drüben das Spirituelle erst einmal spirituos nähme. Und um seine hochgelehrte These sozusagen zu demonstrieren, gab der kluge Mann die folgende Geschichte zum besten: Es ist in der Inflationszeit. An einem Tisch eines Königsberger Hotels geraten zwei Gäste, ein General und ein Großhändler, aneinander. Der Großhändler: „Mir kennen Se nischt vormachen. Ich bin ein ehrbarer Kaufmann. Ich habe den janzen Krieg durch an die Heeresverwaltung Spack jeliefert.“ Darauf der andere, ein wenig von oben herab:„Was heißt das schon! Ich habe Schlachten geliefert!“ Hierauf treuherzig und einlenkend der erste:„Ja, Menschenskind, mainen Se etwa, ich hätte juten jeliefert?“ Held der Anekdote Die Rolle, die der Herr Schmitz im Witze Kölns spielt, übernimmt im ostpreußischen Humor der Herr Kaludrigkeit aus Keenigsbarg. Dieser Herr Kaludrigkeit, Held ungezählter Anekdoten, steigt mit einem Bekannten in Königsberg in die Straßenbahn, wo er, der Herr Kaludrigkeit, sogleich von einem bereits drinnen sitzenden Fahrgast angeredet wird. Es entwikkelt sich der folgende Dialog: „Na, gun Dag, Härr Prizkuleit!“ „Gun Dag!“ „Na, wie geiht’s, Herr Prizkuleit?“ „Na, janz gut!“ „Na, wie geiht's dem Weiberchen?“ „Na, janz gut!“ „Na, un wie geiht's die Kinderchens?“ „Na, den geiht’s auch janz gut!“ Haltestelle. „Na, denn auf Wiedersähn, Herr Prizkuleit!“ „Na, auf Wiedersähn!“ Nachdem der Mann den Waggon verlassen hat, stößt der Bekannte den Herrn Kaludrigkeit in die Rippen und sagt: „Aber Sie heißen doch gar nicht Prizkuleit, Herr Kaludrigkeit. Sie sind doch auch gar nicht verheiratet, und Sie haben doch auch keine Kinderchens!“ Darauf seelenruhig der Herr Kaludrigkeit:„Na und? Soll ich deshalb vielleicht mich mit dem Mann herumstraiten?“ Eine ähnliche Gemüts- und Seelenlage kennzeichnet auch die kleine Geschichte von den beiden Zechern, die sich einen gewaltigen Frühschoppen geleistet haben. Schließlich drängt der eine zum Aufbruch, indem er bemerkt, einmal habe alles ein Ende. Darauf der andere:„Was, zuerst so viel, und nu gar nuscht mehr?!“ Langholz für Spreeathen Wir haben von der Stadtferne des ostpreußischen Witzes gesprochen, der deshalb noch lange nicht der Schlagfertigkeit enträt. Zum Exempel: Ein Bauernfuhrwerk, das Langholz geladen hat, bleibt in einer Memeler Altstadtgasse stecken, als es in eine Seitenstraße einzubiegen versucht. Es gibt eine Verkehrsstockung. Ein schneidiger Schutzmann, an seiner Aussprache als Berliner kenntlich, versucht, Ordnung zu schaffen, indem er dem Lenker des sperrigen Fuhrwerks barsch befiehlt, er solle die Enden der Stämme sofort absägen. Darauf der Bauer trocken:„Nee, Herr Wachtmeister, dat jeiht nicht, dat Holz is für e Berliner Mundharmonikafabrik, da muß dat Maß stimmen!“ Der Windhund Vater zur Tochter:„Ich habe dir doch schon mal gesagt, du sollst nicht mit dem jungen Krause gehen. Er ist ein Windhund!“ „Hab keine Angst, Vater, mir entwischt. er nicht. Ich hab ihn fest an der Leine.“ Ein Schlaumeier „Spricht dein Mann auch im Schlaf?“ „Deider nicht. Der ist zu schlau, der lächelt nur!“ SCHÖNE DEUTSCHE HEIMAT: ST. GEORGSKIRCHE IN DINKELSBÜHL 25 Millionen für Forschungsgemeinschaft Bonn— 25 Millionen Mark hat die Deutsche Forschungsgemeinschaft im Rechnungsjahr 1953/54 aus Mitteln des Bundes, der Länder und der Wirtschaft zur Förderung der Forschung in der Bundesrepublik bereitstellen können. Davon flossen 15 Millionen Mark Sondermittel der Bundesregierung in die sogenannten Schwerpunktprogramme. Wie der Präsident der Forschungsgemeinschaft, Prof. Ludwig Raiser, in Bonn mitteilte, konnten von rund dreitausend Anträgen zweitausend Forschungsvorhaben gefördert werden. Die deutsche Forschung habe nach dem Tiefstand der Jahre nach 1945 den Stand des Auslandes auf vielen Gebieten wieder erreicht. Es müsse aber noch erheblich mehr für die Forschung getan werden. In der Bundesrepublik werden 0,5 Prozent, in USA und England dagegen ein Prozent des Volkseinkommens für die Forschung ausgegeben. Auch in der Sowjetzone werde die Forschung großzügig gefördert. Ihr fehle es wahrscheinlich kaum an Mitteln, wohl aber an Köpfen. Die wissenschaftliche Zusammenarbeit mit der Sowjetzone soll nach Ansicht Prof. Raisers nur von Forscher zu Forscher, aber nicht mit Funktionären erfolgen. Gemeinsam bearbeitet würden noch einige alte Vorhaben wie das„Grimmsche Wörterbuch“ sowie althochdeutsche und mittelhochdeutsche Wörterbücher. Neve gemeinsame Vorhaben gebe es dagegen nicht. Prof. Raiser betonte, daß es in der Forschungsarbeit noch eine Reihe von Fächern gebe, wo Deutschland weit hinterherhinke. Man wisse aber jetzt, was im Ausland geschieht. So sei z. B. die deutsche Luftfahrtforschung noch weit zurück. Hier würden aber in der Bundesrepublik nicht unerhebliche Mittel bereitgestellt werden. Dabei gehe es primär um den Fortschritt der Technik und nicht um eine Wehrforschung. Prof. Raiser erklärte, daß der Sog, den die USA nach 1945 auf deutsche Forscher ausgeübt hätten, jetzt zu Ende gehe. Einige Spitzenkräfte seien bereits zurückgekehrt. Bei entsprechenden Verhältnissen in Deutschland würden die wertvollsten Kräfte, die nach dem Kriege ins Ausland gegangen seien, sicherlich zurückkehren. Woher kommt unsere Rrawatto? Kroatische Landsknechte„erfanden“ sie vor 300 Jahren Unserer Krawatte sieht man es nicht an, woher sie stammt; nämlich von den Kroaten aus der Zeit, da sie im Dreißigjährigen Krieg brennend und mordend durch Deutschland gezogen sind. Eines Abends soll sich ein Häuflein dieser Landsknechte frierend und hungernd um ein Feuer geschart haben. Da zog einer ein altes Hemd aus seinem Schnappsack, riß einen größeren Fetzen herunter und schlang ihn sich um den nackten Hals. Das war, wenn die Mär stimmt, die erste Krawatte. Sicher ist, daß bald alle Kroaten mit bunten Tüchern um den Hals umherzogen. Die Deutschen nannten die Tücher„Krovoten“, und auch die Franzosen tauften sie nach ihren Trägern, den Cravates. Im Nu hatte sich die neue praktische Mode durchgesetzt. Am Hofe Ludwigs XIV. wurden die Halstüchlein ein begehrtes Mode- und Schmuckstück für die Männer. Man trug sie mit herrlichen Spitzen, vielfach verschlungen und geknotet, und sie paßten gut zu den weißen Perücken. Als die Perücken fielen, verlor auch die Krawatte viel von ihrem Glanz. Man trug sie noch wie ein Schal mit langen Spitzen, dann als Beffchen, und schließlich bekam sie ihre heutige schlichte Form. Nur die Farben sind jetzt lustiger geworden. Gyrannen in kurzen Kosen Zahllose Eltern führen ein jammervolles Leben, weil ihre Kinder sie tyrannisieren Zweimal gezittert Das junge Paar war endlich glücklich verheiratet. „Du ahnst ja nicht“, gestand er,„wie ich gezittert habe, als ich dir den Heiratsantrag machte.“ „Du ahnst ja nicht, wie ich gezittert habe, ois du mir einen Antrag gemacht hast“. antwortete sie. Rätselhaft „Vater, wo bist du denn geboren?“ „In Hamburg, mein Junge.“ „Und Mutter?“ „In Breslau.“ „Vater, und ich bin doch in München geboren?“ „Jawohl.“ „Wie sind wir dann bloß zusammengekommen?“ „Ich werde mit meinem Kind einfach nicht mehr fertig!“ Dieser Stoßseufzer ist nur allzu oft zu hören— meist an dem Ort, an dem der Schlußstrich unter ein unglückliches Familienleben gezogen wird: bei der Erziehungsfürsorge. Dort landet das kleine„Biest“, das ehemals so„reizend“ und so„lieb“ gewesen ist, und das doch seinen Eltern die Hölle auf Erden bereitete. Und dabei ist dieses Kind meistens schuldlos an seiner Unauestehlichkeit. Es sind immer wieder gerade die liebevollen, extrem toleranten Eltern, die unter ihren Kindern leiden. Sie fühlen sich verpflichtet, ihre Kinder über alles zu stellen. Aus dem naturgewollten Schützen- und Pflegenwollen wird ein Kult, der den Kindern schweren Schaden zufügt. „Wir haben uns so schrecklich auf unsere kleine Eva gefreut, berichtete ein junges Ehepaar,„aber seit ihrer Geburt scheint es mit unserem wöchentlichen Kinogang vorbei zu sein. Unser Leben hat sich vollkommen geändert!“ Wenige Tage nach ihrer Geburt hatte die kleine Eva bereits begriffen: wenn ich schreie, kommt jemand! Nur wenige Mütter können sich dann beherrschen und überlegen: Ist Eva satt? Ja. Kann sie sich naßgemacht haben? Nein. Ist sie krank? Nein. Also hat sie nur Langewelle! Ich gehe nicht hin! Mütter, die begreifen, daß die Erziehung eines Kindes mit dem ersten Tag beginnen muß, werden so handeln. Und kurze Zeit später hat die kleine Eva erfaßt, daß sie den Erwachsenen nicht auf der Nase herumtanzen kann. Schon sehr früh entdeckt das Kind seine beste Waffe: den Erwachsenen auf die Nerven fallen! Unfehlbar wirkt auch der Trotz.„Er ist ja unser Einziger!“ sagen die Eltern und geben„als Klügere“ nach. So lassen wachsen die kleinen Tyrannen heran.. Leider sind es sehr oft Verwandte, die zunichte machen, was die Eltern erreicht haben. Kinder haben ein sicheres diplomatisches Talent, die„gute Tante“ gegen den„bösen Papi“ auszuspielen. In unglücklichen Ehen sogar den Vater gegen die Mutter. Dann wird oft der Keim zum Asozialen gelegt. Damit ist ein weiteres Problem aufgetaucht: eine harmonische Ehe ist die erste Voraussetzung für eine konsequente Erziehung. Unzählige Kriegswaisen, uneheliche Kinder und„Scheidungsopfer“ stehen auf dem Schuldkonto der Erwachsenen. Bel solchen Kindern ist eine liebevolle, aber feste Hand um so wichtiger. Jedes Elternpaar sollte sich ein paar einfache Regeln merken: 1. nichts versprechen, was nicht gehalten werden kann, 2. wenig verbieten, dieses Wenige aber mit allem Nachdruck, 3. sich von Kindern nicht in der eigenen Lebensführung beeinflussen lassen, 4. sich niemals von Kindern„erpressen“ 5. wenn Strafe, dann so, daß das Kind auch weiß, wofür und vor allem: sofort nach der„Tat“, 6. immer gerecht sein, 7. nicht nachtragend sein. Das alles ist leichter gesagt als getan. Aber wenn man sich täglich sagt, daß man aus Liebe zu seinen Kindern so handeln muß. fällt es leichter. Und nach einiger Zeit merkt man: das Leben wird für alle Teile einfacher und fröhlicher— ohne Tyrannen im eigenen Haus. Kulturnotizen Eine vom Dortmunder Auslandsinstitut veranstaltete Kunstausstellung europäischer Gymnasien wurde eröffnet. Rund 700 Zeichnungen, Bilder und Kunstgegenstände, die Gymnasiasten im Alter von 10 bis 20 Jahren aus 16 europäischen Ländern während ihres Kunstunterrichts hergestellt haben, werden gezeigt. Zu der Ausstellung haben auch Schüler aus Polen, Bulgarien und der Sowjetzone Arbeiten eingeschickt. Wolfgang Fortner, der Komponist und Dozent an der Nordwestdeutschen Musikakademie in Detmold, wurde eingeladen, während der internationalen Ferienkurse in Teresepolis(Brasilien) Anfang 1955 einen Meisterkursus für Komposition zu leiten. Nach mehr als zehnjähriger Pause hielt der Verband Deutscher Bühnenschriftsteller und Bühnenkomponisten e. V. in München eine Mitgliederversammlung, bei der Hans J. Rehfisch und Werner Egk einstimmig zu Präsidenten gewählt wurden. Vor Seelsorgern aus neun Nationen hielt Landesbischof D. Dr. Hanns Lilje auf der Tagung des Internationalen Verbandes der Inneren Mission und Diakonie in Hannover ein Referat über die„Motive der christlichen Liebestätigkeit“. Er bezeichnete die Barmherzigkeit als eine entscheidende Lebensform der evangelischen Kirche. Die Barmherzigkeit habe die Aufgabe, das göttliche Menschenbild ständig wiedeherzustellen. Vor Gott gebe es keine „hoffnungslosen Fälle“, und deshalb dürfe die Innere Mission vor keiner materiellen und seelischen Not kapitulieren. Brüssels weltbekannte Brunnenfigur „Männeken piß“ soll ein eigenes Museum erhalten, in dem die über 100 Kostüme, die dem kleinen Mann im Laufe der Jahrhunderte verliehen wurden, elnen würdigen Platz erhalten sollen. Zur Zeit werden sie im Kommunalmuseum aufbewahrt. Die Berliner Philharmoniker unter Prof. Karl Böhm begannen in Bielefeld eine Konzerttournee durch das Bundesgebiet, Belgien und Holland. Das vom Publikum mit Begeisterungsstürmen aufgenommene Programm umfaßte Regers Mozartvariationen,„Don Juan“ von Richard Straus und Beethovens 7. Symphonie. Auf der Jahrestagung der historischen Kommission von Westfalen kündigte Oberarchivrat Dr. Herberhold(Sigmaringen) eine Neuausgabe des„Ravensberger Urbars“ an. Die für die Sippen- und Höfeforschung grundlegende Dokumentensammlung über das Raveneberger Lansoll wesentlich ergänzt werden. Böllerschüsse, Blumen und Geschenke Japan-Fahrt eine Mission— Ganz Morioka auf den Beinen— 40 00 0 Zuschauer! SID-LUFTPOSTBERICHT AUS JAPAN VON BERT STEINES Sendai. Unsere Japan-Fahrt bedeutet mehr als das Besuchen von Sportfesten, sie ist eine Mission. Wir spüren das immer mehr.„Das junge Deutschland in Japan zu Besuch“ oder„Diplomaten der Aschenbahn“, so lauteten die Schlagzeilen der großen Zeitungen. Überall umgibt uns eine echte Begeisterung. War das ein Empfang in Morioka! Ein Lautsprecherwagen bahnte uns den Weg durch jubelnde Menschen. Eine ganze Stadt schien auf den Beinen. Blumen, Musik und der Händedruck vieler Japaner„übersetzten“ uns die vielen unverständlichen Begrüßungsworte. Jagdenreiche Sechstage Publikums-Lieblinge: Ziege-Holzmann Berlin. Zu einem harten Kampf um die Führung gestaltete sich die fünfte Nacht des 41. Sechstagerennens im fast ausverkauften Sportpalast. Eine lange Jagd gewann die deutsche Mannschaft Otto Ziege- Holzmann. Schon nach der ersten Abendwertung entwickelte sich eine fast einstündige wilde Rundenjagd, nach der sechs Mannschaften an der Spitze lagen. Von Heinz Ziege wurde gegen Mitternacht erneut ein längerer Rundenwirbel entfacht. Wiederum lagen fünf Mannschaften geschlossen an der Spitze. Legten sich die Fahrer nach der 2- Uhr- Wertung offensichtlich etwas Schonung auf, so sorgte das Publikum für die wohl bisher stimmungsreichste Nacht. Einmal mehr waren Otto Ziege und sein wieder besser ins Rennen gekommener Partner Holzmann die Lieblinge des Publikums, die schließlich gegen 2.45 Uhr die entscheidende Jagd eröffneten. Nach einem harten, 35 Runden währenden Kampf, in dem sie vor allem von den Belgiern Ockers- van Steenbergen hartnäckig verfolgt wurden, gelang ihnen der entscheidende Rundengewinn. Eine Runde zurück:» 2. Strom- Patterson, 3. Plattner-Schär, 4. Ockers-van Steenbergen 5. Carrara-Forlini. Die anderen Paare liegen zwei bis acht Runden zurück. Am Mittwochnachmittag wurde das Feld in einer 35 Minuten währenden Jagd erneut durcheinandergewirbelt. Danach lagen fünf Paare an der Spitze: Strom-Patterson, Ctto Ziege-Holzmann, Plattner-Schär, Ockers-van Steenbergen und Carrara-Forlini. zuarten. „Die Bedeutung der Olympischen Spiele“, so führte Daume aus,„liegt darin, daß der Sport der ganzen Welt zur Selbstbesinnung aufgerufen wird. Sie sind ein Fest des Idealismus und der höheren Menschengeltung, und wir alle sind dazu da, dies zu verwirklichen. Es gibt viele Gefahren, wir leugnen sie nicht und stecken nicht vor ihnen den Kopf in den Sand, sondern wir sehen sie vor uns. Vielleicht würde sich Coubertin, wenn er von gewissen Entwicklungen wüßte, im Grabe herumdrehen. Die Jugend wird zu früh zur Sportleistung aufgerufen, zu früh werden ihre Gedanken auf den Sporterfolg statt auf die Arbeit an sich selbst gelenkt, zu früh winken Lob, Ehrungen und, Meistertitel. Wir sehen eine allgemeine Vergottung der Spitzenleistung. Wer etwas kann, vermag sich kaum vor Einladungen und großen Reisen zu retten, und eh man sichs versieht, ist das ganze blühende Leben und ein Teil der Zeit, die dem Beruf gehört, vom Sport beschlagnahmt. Ich darf es namens des DSB aussprechen: das will der deutsche Sport nicht! Er will sportliche Erfolge langsam reifen lassen, auf der gesunden Grundlage einer allgemeinen Ausbildung. Und wenn es ohne Kanonenzüchtung keine olympischen Erfolge mehr geben würde, dann will er offen und klar aufsolche Erfolgeverzichten. Es würde ihm dann genügen, an solchen Spielen teilgenommen zu haben.“ Ungarn verjüngt Fußballelf Sorgen um die„alten Kanonen“ Budapest. Neben dem Fußball-Weltmeister Deutschland ist auch Ungarn, das in der Schweiz Zweiter wurde, nunmehr daran gegangen, die Nationalelf zu verjüngen. Ein erster Abschnitt in dieser Hinsicht bedeutete Die Mannschaft wurde im besten Hotel des benachbarten Kurortes Hanamaki untergebracht. Dort fühlten wir uns fast wie alte Japaner. Wir aßen mit Stäbchen, schliefen zu ebener Erde, und unsere Zimmer besaßen weder Stuhl noch hohen Tisch. Japanische Schnitzereien an den Wänden, bunte Lampions und schöne Teekochvorrichtungen— alles half mit, die Mannschaft in bester Stimmung zu halten, in einer Stimmung, die einfach nicht zu steigern ist. Am Abend todmüde ins Bett Das Zeremoniell im Stadion war ein Erlebnis. Böllerschüsse eröffneten um 10 Uhr das Sportfest. Wieder gab es Blumen und Geschenke. Die Veranstaltung dauerte sechs Stunden, es war regnerisch und kalt, aber keiner der 25000 Zuschauer wich bis zum der Einsatz des 21 Jahre alten linken Läufers Szojka und des erst 19 Jahre alten Fenyvesi gegen die Schweiz. Berichten aus Budapest zufolge sollen sich diese beiden nicht nur sehr gut eingefügt haben, sondern angeblich auch ihre Vorgänger Zakarias und Czibor so gut wie vergessen machen. Nach den gewonnenen Spielen gegen Rumänien, die Sowjetunion und die Schweiz spricht man von einer wieder aufsteigenden Linie des NationalTeams. Sorgen bereitet den Verantwortlichen des Ungarischen Fußball-Verbandes allerdings die Form von Puskas, Kocsis und Lorant, die„überspielt“ sein sollen. Rennen in Mülheim(Ruhr) Mittwoch, 20. Oktober 1. R.: 1. Offida(Drechsler), 2. Marconi, 3. Sonnenschein. Sieg 20, Platz 12, 27, 14. Ew. 202.— 2. R.: 1. Avelan(Cohn), 2. Fluidum, 3. Westwind. Sieg 12, Platz 18, 49, 51. Ew. 186. — 3. R.: 1. Ericson(Gaßmann), 2. Grollo, 3. Orchester. Sieg 37, Platz 14, 43, 55. Ew. 556.— 4. R.: 1. Tetuan(Dilger), 2. Sturmwind, 3. Ororo. Sieg 20, Platz 11, 11, 12. Ew. 58.— 5. R.: 1. Montana(Starosta), 2. Damokles, 3. Minnewonne. Sieg 76, Platz 22, 32, 36. Ew. 410.— 6. R.: 1. Socola(Starosta), 2. Festina, 3. Ergo. Sieg 24, Platz 13, 17, 23. Ew. 140.— 7. R.: 1. Langschnabel(Schramm), 2. Hawanno, 3. Solani. Sieg 77, Platz 27, 27, 19. Ew. 698. „Matze“ Schmidt, der sportliche Leiter des 41. Berliner Sechstagerennens, wurde 60 Jahre alt.„Matze“ betreut seit 44 Jahren Rennfahrer aller Gattungen, Amateure und Profis. Der 64jährige„Erfinder des Handballspiels“, Dr. Schelenz, ist wieder nach Berlin zurückgekehrt, nachdem er sieben Jahre lang in Schleswig-Holstein gelebt hat. Ausklang von seinem Platz. Uns beeindruckt diese Begeisterung der Japaner für gute Leistungen. Sie spornt immer wieder an. Jeder möchte das Beste zeigen, denn es gefällt uns in diesem Lande, auch wenn wir am Abend manchmal todmüde ins Bett sinken. Die Präfektur Morioka ist die größte, aber auch am wenigsten vom modernen Leben berührte Provinz Japans. Sie wird oft auch das„Tibet Japans“ genannt. Hier hielten sich mehr als im Süden alte Bräuche. Wir sahen einen„Hirschtanz“ in großartiger Aufführung bei kalter Nacht. Gerade hier verspürte man die ursprüngliche Verbundenheit der Menschen mit der Natur. Im„japanischen Heidelberg“ Wunderbar in einem Flußtal liegt Sendai, eine Stadt von 350 000 Einwohnern. Der Bürgermeister traf schon den richtigen Vergleich, als er in seinem Willkommensgruß vom „japanischen Heidelberg“ sprach. Sein Deutsch war gut, hatte er doch einige Jahre in Deutschland studiert. Wir fanden noch sehr viele deutschsprechende Japaner. Sie haben zum Teil in unserer Heimat studiert, auch ein Zeichen, wie sehr man in Japan uns Deutsche als Lehrmeister betrachtet. Bei der Besichtigung des großen Stadions bat man uns um die Erlaubnis, die Zuschauer bis an die Aschenbahn herantreten zu lassen, damit möglichst viele Besucher die Kämpfe verfolgen könnten. Wir lachten über so viel Optimismus. Doch es kamen wirklich 40 000 Zuschauer und bildeten einen wunderbaren Rahmen für eine herrliche Veranstaltung. Doch leider liegt das Stadion nahe am Pazifik, und so machte der Wind einigen von uns zu schaffen. Im übrigen hörten wir, daß man in Deutschland befürchtet, bei Heiner Wills 77,12 Meter sei irgend etwas nicht in Ordnung gewesen. Man kann zu Hause beruhigt sein. Weder der Windmesser noch die Waage legten nach dem großartigen Speerwurf ein Veto gegen den neuen deutschen Rekord ein. Barcelona.„Versuchswagen“ nennt Lancia die beiden Monoposto, mit denen es am Sonntag auf dem 6,316 Kilometer langen Kurs von Phena-Rin erstmals Exweltmeister Ascari und VilIoresi gegen die Phalanx der Silberpfeile schickt. Man kann auch von einer derartigen Neukonstruktion nicht auf Anhieb große Leistungen erwarten. Trotzdem und trotz der starken MaseratiBesetzung mit Moss, Mieres, Montovani, Prinz Bira, de Graffenried, Schell, Rosier, Wharten, den Ferrari-Privatfahrern Manzon und Swaters aber wird gerade der Zweikampf Mercedes- Lancia der Blickpunkt des Großen Preises von Spanien sein und so dem letzten Wagen-Weltmeisterschaftslauf 1954 die Würze geben, der ohne Ferrari und Gordini sowie direkten Wert für die bereits gefallene Entscheidung stark abfallen würde. Kling, Herrmann, Mieres, Villoresi, Moss, Manzon und Mantovani werden auf dem schnellen Kurs mit seiner 2.8 Kilometer langen Für uns kam der Rekord nicht ganz überraschend, denn schon beim Einwerfen kam Heiner mit langsamem Anlauf über 70 Meter. An 77,12 Meter hatte allerdings niemand zu denken gewagt. In zwei Gruppen Deutsche Sportler in Kobe und Mathusyama Tokio. Die deutsche Leichtathletik-Mannschaft, die zur Zeit in Japan weilt, hat sich geteilt und ging mit guten Erfolgen in Kobe (Westjapan) und in Mathusyama auf der Shikoku-Insel an den Start. Im einzelnen gab es folgende deutsche Siege: in Kobe: 100 Meter Heinz Fütterer 10,4 Sekunden; 400 Meter Kurt Bonah 48,8; 800 Meter Günther Dohrow 1:53,9 Minuten; 3000 Meter Heinz Laufer 8:47,4; Schweden-Staffel Deutschland (Fütterer, Ulzheimer, Bonah, Dohrow) 1:57,0; 400 Meter Hürden Heinz Ulzheimer 54,0 Sekunden; Diskus Karl Oweger 47,48 Meter.— In Mathusyama: 400 Meter Hans Geister 47,7 Sekunden; 800 Meter Olaf Lawrenz 1:55,2 Minuten; 1500 Meter Werner Lueg 3:56,6; Schweden-Staffel Deutschland(Steines, Geister, Lueg, Lawrenz) 1:57,4; Hochsprung Heiner Will 1,85 Meter; Speer Heiner Will 65,24 Meter. Gefahren des Sportbetriebs „Plan zur Gesundung des Sports“ Stuttgart. Einen„Plan zur Gesundung des Sports“ legte Landesjugendleiter Dr. Hegele im Rahmen einer Arbeitstagung des Württembergischen Landessportbundes an der Turnund Sportleiter-Schule Ruit vor. Von der These ausgehend, daß der Wettkampf und das Spiel die beiden tragenden Säulen des Sports seien, das reine Spiel aber heute nahe daran sei, vom Wettkampfbetrieb erdrückt zu werden, warnte er vor einer Übersteigerung des Leistungssports. Dr. Hegele regte eine Stiftung an, aus der in jedem Jahr in Württemberg 15 Abiturienten zu Sportpädagogen ausgebildet und für zehn Jahre dem Landessportbund verpflichtet werden sollen. Jährlich 200 000 DM, durch eine Änderung des Toto- Verteilungsschlüssels leicht aufzubringen, würden dabei alle Unkosten decken. Diese Arbeit an der Gesundung des deutschen Sports würde schon bald ihre Früchte tragen. Geraden ein Wörtchen mitsprechen. Vor. allem die beiden Mercedes-Asse, von denen: gerade Kling auf der Avus einen so gewal: tigen Auftrieb bekam, daß er für eine Überraschung geradezu prädestiniert erscheint. Der eigentliche Fahrer-Zweikampf aber spielt: sich— machen keine Ausfälle einen Strich? durch die Rechnung— zwischen Juan Manuel Fangio und Alberto Ascari ab, zwischen: dem Sieger von 1950 und 1952 und dem von. 1951. Der Argentinier hofft sehr, daß das „Veilchen“ einen vollwertigen Wagen zur Ver: fügung hat. Denn ihn wurmt die verschiedentlich in Italien geäußerte Meinung, nur das Fehlen des zweimaligen Weltmeisters* habe Fangio zum zweiten Welttitel verholfen.; Vielleicht hat Ascari keine maschinellen: Nachteile gegenüber dem Mercedes-As. Dann. jedoch dürfte in den schnellen Kurven und: auf den Geraden des Pedralbes-Kurses ein: Kampf entbrennen, der auf Biegen oder Brechen geht. Dynamo Moskau spielt Herausragender Teilnehmer der Eishockeyspiele um den Samt- und Seidepokal in Krefeld, Köln, Düsseldorf und Dortmund ist Dynamo Moskau mit den Weltmeisterschaftsspielern. Dynamo ist mit der sowjetrussischen Weltmeistermannschaft gleichzusetzen, die im Frühjahr in Stockholm den Titel eroberte. Die Sowjets spielen zum ersten Male in der Bundesrepublik und gelten im Samt- und Seideturnier auch als Favoriten. Unser Bild zeigt einen Trainingsschnappschuß aus dem Krefelder Eisstadion: die 13jährige Eislaufmeisterin- aus Krefeld, Ina Bauer, und den russischen Eishockeyspieler Bobrow, das As der Mannschaft. Zum Abschluß ihrer Japanreise wird die deutsche Leichtathletik-Mannschaft am 29. Oktober nach Tokio zurückkehren, wo sie zu einem Besuch des Kaiserpalastes eingeladen worden ist. IM VELEGRAMMSTII Die deutschen Reiter Winkler, Thiedemann, Helga Köhler mit Equipenchef Dr. Rau sind in New York angekommen. § Sie treffen in Harrisburg, New York und Toronto auf die Reiter Mexikos, Spaniens, Kanadas und der USA. Zur Carrara Panamericana verlassen die ? drei Borgwardfahrer Bechem, Hammernick und Brudes Bremen am 26. Oktober mit dem Flugzeug nach Mexiko-City. Der Hamburger Nationalspieler Fritz Laband unterzieht sich in dieser Woche beim DFB-Masseur Deuser in Düsseldorf einer Spezialbehandlung seiner Knieverletzung. Werner Liebrich ist bereits be Deuser in Behandlung. Italien schlug Frankreich im TennisLänderkampf der Frauen in Cannes. Der Engländer Wally Thom bezwang seinen Landsmann Lew Lazar durch k. o. und verteidigte damit seinen Titel als Europameister im Weltergewicht. Heinz Neuhaus wird am Wochenende mit seinem Freund Hans Strelecki nach St. Nazaire(Frankreich) fahren, wo Strelecki am Samstag gegen den französischen Halbschwergewichtsmeister Colin boxt. Am letzten klassischen Straßenrennen, der Lombardei-Rundfahrt(24. Oktober) werden sich keine französischen Fahrer beteiligen, da die Gegensätze zwischen den Verbänden Italiens und Frankreichs(radsportfremde Reklare) noch nicht beseitigt werden konnten. Das will der Sport nicht! Präsident Willi Daume gegen die Züchtung von Kanonen Dortmund. Auf einer Tagung der Deutschen Olympischen Gesellschaft wandte sich der Präsident des Deutschen Sportbundes, Willi Daume(Dortmund), gegen die Züchtung von Kanonen. Er leugnete nicht die Gefahr, daß auch die Olympischen Spiele die Technisierung des Sport gefährden, um dabei in Starkult, Rekordwahn und Gewinnsucht ausZweikampf Fangio—Ascari? Großer Preis von Spanien— Lancia wagt Kampf mit Mercedes WIRTSGMAFT UND ARBEIT Kohlenförderung steigt weiter Die Haldenbestände an Steinkohle und Koks gehen langsam zurück Essen.— Die westdeutschen Steinkohlen- Tonnen, darunter 2,53 Millionen Tonnen zechen förderten in der Woche vom 11. bis Koks, gewesen. 16. Oktober 2 557 106 Tonnen Kohle gegenüber 2535 789 Tonnen in der vorhergehenden Der österreichische Handelsminister kündigte Woche. Die arbeitstägliche Förderung stieg eine Erweiterung der Importliberalisierung Drei verkaufsoffene Sonntage? Köln.— Die Industrie- und Handelskammer Köln bedauert im dritten Quartalsbericht dieses Jahres das im Gesetzentwurf zur Ladenzeitregelung vorgesehene Verkaufsverbot für den dritten Sonntag vor Weihnachten. Das Verbot entspreche weder dem Interesse der Verbraucher noch den berechtigten Wünschen des Einzelhandels. Nachdem die Kölner Kammer vor zwei Jahren unter starken Bedenken auf den offenen Sonntag Produktionshöchststand in NRW mit 157 Prozent der Erzeugung von 1936— Höchster Nachkriegsstand damit von 422 632 Tonnen in der Vorwoche Österreichs von 75 auf 82 bis 83 Prozent an. In vor dem Fest Allerheiligen verzichtet habe, woche erster Linie sollen Eisen- und Elektroerzeugnisse glaube sie heute damit rechnen zu können, auf 426 185 Tonnen in der Berichtswoche. Maschinen von Einfunrbeschränkungen daß sie mit ihrer Forderung auf Freigabe des Kupfernen Sonntags gehört wird. sowie Maschinen von Einfuhrbeschränkungen Die Haldenbestände an Steinkohle und befreit werden. Koks bel den Zechen sind auch in der vergangenen Woche zurückgegangen. Am 15. Oktober lagen noch 3,40 Millionen Tonnen, darunter 2,47 Millionen Tonnen Koks, auf Halde. Am 9. Oktober waren es noch 3,53 Millionen Verschärfter Wettbewerb zu erwarten Textilindustrie fürchtet japanische Konkurrenz mit Dumpingpreisen M.-GIadnacn.— Im Zuge der Bestrebungen nach Konvertierbarkeit der Währungen und der damit verbundenen fortschreitenden Liberalisierung der Einfuhren hat die Textilindustrie mit einem verschärften Wettbewerbsdruck zu rechnen, erklärte der Leiter des Textilreferates im Bundeswirtschaftsministerium, Ministerialdirektor Dr. Töpfer. Er verwies auf die wachsende Industrialisierung der Rohstoffländer in Südamerika und im Vorderen Orient sowie auf die wiedererstandene Konkurrenz Japans. Zu einer weiteren Verschärfung des Wettbewerbs würden auch die immer noch ungleichen Startbedingungen beitragen, die in bezug auf steuerliche Belastungen und Kreditkosten bestünden. Im übrigen dürfe nicht vergessen werden, daß dem Abbau der mengenmäßigen Handelsbeschränkungen der Abbau der Zölle folgen solle, um einen wirklich freien und weltweiten Warenaustausch herbeizuführen. Töpfer warnte vor einer Überschätzung des Textilbedarfs im Rahmen des deutschen Verteidigungsbeitrages. Da aber andererseits durch Einberufungen zum Wehrdienst ein ziviler Minderbedarf an Bekleidung entstehen werde, gewinne die Werbung um den Verbraucher für die Bekleidungs- und Textilwirtschaft noch an Bedeutung. Zwangsverkäufe an das Ausland Der Veirtsdhait minister des Tandes Nordeind die letzte Folge der allilerten Entflech- daß er sich in seinem Lande für eine Ertungspolitik, durch die mehrere Großfirmen leichterung der Investitionstätigkeit der Texan der Ruhr genötigt sind, erhebliche oder tilindustrie einsetzen werde, um vor allem sogar überwiegende Telle ihres Elgentums zu der japanischen Konkurrenz mit ihren Dumveräußern. In der Bundesrepublik fehlt es pingpreisen durch äußerste Rationalisierung jedoch an Käufern, die genügend Kapital und Modernisierung begegnen zu können. zum Kauf dieser großen Objekte besitzen. Dies führt dazu, daß Stahlwerke und KohlenDie Bausparkasse der Deutschen Volksbanken Au- werden müssen. Der Besitzanteil des AG in Schwäblsch-Hall hat in den ersten zehn Auslandes an der Ruhrkohle und am Ruhr- Monaten dieses Jahres auf 8607 Bausparverträge stahl ist daher in letzter Zeit erheblich ge- insgesamt 1376 Millionen DM Bauspargelder stlegen. Gemessen an der Produktion des zugeteilt, Die seit der Währungsreform zugeVorjahres entfallen ein Viertel der Stahl- teilte Bausparsumme beläuft sich auf 363 Milproduktion und ein Fünftel der Kohlenförde- Ilonen DM. rung auf Firmen, die überwiegend im Besitze Zu Verhandlungen über eine deutsche Beteldes Auslandes sind. Ilgung an größeren chilenischen Investitionsvorhaben wird Ende dieser Woche Guillermo del Pedrigal, Vizepräsident der chilenischen „Corporacion de Fomento“ in Bonn erwartet. Der chilenische Gast kommt auf Einladung von Bundeswirtschaftsminister Erhard. Nach Ansicht des Wirtschaftsberaters Präsident Eisenhowers, Dr. Burns, treten die USA in eine neue Aera wirtschaftlicher Expansion ein. Burns wies darauf hin, daß trotz des Rückganges der Industrieproduktion das Verbrauchereinkommen durch Steuersenkungen und höhere Sozialversicherungsleistungen gestiegen sel. Düsseldori— Die industrielle Gütererzeugung Nordrhein-Westfalens erreichte im September mit 157 Prozent der Erzeugung von 1936 ihren bisher höchsten Nachkriegsstand. Die Septemberproduktion des vergangenen Jahres wurde um 8 Prozent übertroffen. Gegenüber dem Vormonat August steigerte sich die Produktion um 5,4 Prozent, woran die Investitionsgüterindustrie mit 10 Prozent Steigerung beteiligt war. Innerhalb der Investitionsgüterindustrie steigerte der Fahrzeugbau seine Herstellung um 29 Prozent, wobei die Lkw-Fertigung mit einer 70prozentigen Steigerung besonders auffiel. Die Verbrauchsgüterindustrie meldete eine Steigerung gegenüber dem Vormonat um mehr als 10 Prozent. Die Bekleidungsindustrie wartete mit einer Steigerung von 19 Prozent auf, die Textilindustrie, die Papierverarbei- Beton-& Monier—G tung und die Ledererzeugung stiegen um Boswau& Knauer— 12 Prozent. Zum ersten offiziellen Besuch deutscher Bergleute in Großbritannien sind Mitglieder des Hauptausschusses für Bergtechnik beim Steinkohlenbergbauverein, Essen, abgereist. Auf dieser und ähnlichen Studienreisen sollen auch mit denjenigen europäischen Kohlenbergbauländern, Ermäßigung der Einkommensteuer bei Nebeneinkünften aus wissenschaftlicher, künstlerischer oder schriftstellerischer Tätigkeit Bei der Einkommensteuer werden grundsätzlich alle Einkünfte nach einer einheitlichen Steuertabelle besteuert. Von diesem Grundsatz gibt es einige Ausnahmen. Eine davon ist die Bestimmung des§ 34 Absatz 5 des Einkommensteuergesetzes, wonach Arbeitnehmern und Angehörigen freier Berufe für Nebeneinkünfte aus wissenschaftlicher, künstlerischer oder schriftstellerischer Tätigkeit auf Antrag ein ermäßigter Steuersatz gewährt wird, wenn zwei Voraussetzungen erfüllt sind: 1. Es muß sich um wirkliche Nebeneinkünfte handeln, d. h. die Nebeneinkünfte dürfen eine gewisse relative Höhe nicht übersteigen. Das Gesetz verlangt, daß die Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit oder die Berufseinkünfte die übrigen Einkünfte überwiegen. Ist jemand Arbeitnehmer und Angehöriger eines freien Berufs zugleich, so sind für die Frage, welche Einkünfte überwiegen, die Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit und die Berufseinkünfte zusammenzurechnen. Die Nebeneinkünfte aus wissenschaftlicher, künstlerischer oder schriftstellerischer Tätigkeit zählen bei diesem Vergleich zu den übrigen Einkünften. 2. Die Nebentätigkeit muß von der Haupttätigkeit klar abgrenzbar sein, sie darf also nicht im Rahmen des Arbeitsverhältnisses oder der Berufstätigkeit ausgeübt werden. die nicht der Montanunion angehören, technische Erfahrungen ausgetauscht werden. Nach einem Besuch beim Nationalen Kohlenamt in London werden Forschungsinstitute, Ausbildungsstätten und Bergwerke in England und Schottland besichtigt. Rhelnisch-Westfällsche Börse Düsseldorf, 20. Oktober. Tendenz: Montanaktien erholt, sonst wenig verändert. Industrie-Aktien Krefft 86½ bz G Accu-Hagen 130 bz Br Mannesmann 146¼ bz AEG 171 bz G ex bez. Mülheimer Berg 127 bz Allgem. Hoch-& Ing.— GNordwestd. Hütten Badische Anilin 194 bz 134½ bz Balcke Maschinen 158 G Rhein. Braunkohle 185 bz 3ergb. Ew. Ludwig— Br Rheinstahl 245 bz BMW 124 bz RWE 181 bz Bemberg 120 bz G Rheinmetall 25 G Rheinpreußen 144¼ bz Rheinst.-Union 146 bz Br Buderus 155 bz Salzdetfurth 180 bz Burbach— Schering 233 G Busch Jaeger 240 bz G Schless 55 bz Schwabenbräu 147 G Siem Stämme 206 bz Siem. Vorzüge 202 bz Stamag 136 bz Ver. Dt. Nickel 164 bz Ve.. Rumpus— Ver. Stahlwerke 78½ b2 Wasser-Gelsenk. 162 bz Dortm. Akt. Br. 200½ bz CWintershall 173½ bz Dortm. Ritter Br.— G Zellwald 140½ bz Dortm. Union— Br Bank-Aktien Dynamit Nobel 198 bz Commerzb. Liqui 11 bz G Essener Steinkohle 117 bzBankverein Westd. Farbenf. Bayer 198½ bz 186 bz G IG Farben Liqui 47 bz GDeutsche Bank Liqui Feldmühle 201 bzG— Br taxe 12 Felten 153½ bz Rheinisch-Westf, Bank Goldschmidt 129½ bz 184 bz G Harpener 116½bz G Dresdner Bank Liqui Hindrichs Auff.— 13 bz BI Hochtief— G Rh.-Ruhr-Bank 182 bzG Cassella 253 bz G Conti-Gummi 191 bz Consolidation 132 bz Daimler 192½ bz Demag 199¼ bz Dt. Conti Gas 179½ bz Ot. Erdól 150 bz Didier— G Die Nebeneinkünfte dürfen deshalb auch nicht zum Arbeitslohn gehören. Der ermäßigte Steuersatz muß mindestens 10 Prozent und darf höchstens 40 Prozent Hoechster Farben 195 bz Freiverkehr betragen. Um innerhalb dieses weitgestreck- Hoesch— Chemie-Faser Inh. 121 Br ten Rahmens eine möglichst einheitliche Be- Kabel Rheydt— Br Nordd. Lloyd 44-47 steuerung zu erzielen, ist in den Einkom- Kali-Chemie 181 bz Phrix-Inh. 51-55 mensteuer-Richtlinien angeordnet, daß in der Phrix Namens 441-48" Rhein. Kunstseide Regel die Hälfte des durchschnittlichen 20bz Schulth, Stämme 32-35 et ancuwendeneer en Eisen und Hüttenwerke 110, Stahlwerke die gung ergeben wurde. Auf das Bochum 116 G, Bergbau Neue Hoffnung 113¼, verblelbende Einkommen ist die Einkommen- Betelligungs-Ges. Ruhrort 258, Gutehoffnungssteuertabelle anzuwenden. Hierbei ist noch hütte Aktienv. 170, Hüttenwerke Oberhausen zu beachten, daß der ermäßigte Steuersatz 131¼, Altenessener Bergwerks 116¼ Hoeschauf Nebeneinkünfte bis zur Höhe von 50 Werke 126¼, Industriewerte 115, Bergwerke Prozent der Einkünfte aus nichtselbständiger Konigaborn werne lrute Klocker HumboldtArbeit oder der Berufseinkünfte oder dieset werke Süawestfalen 135, August-Thyssen-Hütte belden Einkünfte zusammen begrenzt ist. 1221/4 Deutsche Edelstahlwerke 148, DortmundEin etwa übersteigender Betrag ist nach der Hörder Hütten 117½, Gelsenkirchener Bergwerks Tabelle zu versteuern. 124¾ Gußstahl Bochumer Verein 121, Gußstahl Dle Anwendung der genannten Vorschrift untten 197 Hamborner Berebau 1isn, Handelskann zu erheblichen Steuereinsparungen füh- Hüttenwerke Siegerland 134 G, Niederrheinische ren, Hat z. B. ein Arbeitnehmer in Steuer- Hütte 134½ Rheinische Nönrenwerke 153½, Rheiklasse I Einkünfte aus nichtselbständiger nisch-Westf, Eisen 147, Ruhrstahl 154, Zeche Arbeit von jährlich 6000 DM und Nebenein- Erin 212 künfte aus schriftstellerischer Tätigkeit von Übermittelt vom Bankverein Westdeutschland jährlich 2000 DM, so hat er onne Steuerermäßigung neben seiner Lohnsteuer eine DM—West- DM-Ost Einkommensteuer von 586 DM, mit Steuer Frankfurt(Main). Die Wechselstuben kaufer. ermäßigung eine solche von nur 200 DM zu 470 DM-Ost für 100 DM-West und verkaufen bezahlen. Er spart also 386 DM. 100 DM-Ost für 22.59 DM-West. 30 Jahre Theaterverein Heggen Zuglelch Erntedank- Mahnende Worte des Festredners Vom Hörrohr zum modernen Zwerghörgerät Deutsche Hörgeräte erobern sich den Weltmarkt— Das Germanium Heggen. Am vergangenen Sonntag konnte der Heggener Theaterverein auf 30 Jahre seiner Arbeit im Dienste der Dorfgemeinschaft zurückblicken. Aus diesem Grunde veranstaltete der Verein am Nachmittag einen sehr gut besuchten „Bunten Nachmitteg“ in der Schützenhalle. Es war ein schônes Programm zusammengestellt, das Ausschnitte bot aus früher gespielten Schauspielen und Singspielen. Den musikalischen Teil bestritt das Heggener Streichorchester. Es eröffnete die Darbietungen mit der Ouvertüre zur Operette„Winzerliesel“. Alsdann betrat Dr. Graf von Spee das Rednerpult, um zum Erntedanktag 1954 einige bemerkenswerte Ausführungen zu machen. Der Erntedanktag sei in diesem Jahre ganz still begangen worden. Nur hin und wieder sei ein bescheidener Versuch eines Festes gemacht worden. Das sei dem verregneten Jahr entsprechend gewesen; denn selbst die ältesten Leute könnten sich eines solch schlechten Jahres nicht erinnern. Die gesamte Ernte habe ohne Sonnenstrahlen reifen müssen. Sie sel zwar eingebracht worden, aber damit sei die diesjährige Ernährung eines ganzen Volkes nicht gesichert; denn viele Mieten dampften, und das Getreide eigne sich keineswegs zum Backen. Also sei kein Grund vorhanden zu fröhlichen Festen. Trotzdem sei der Lebensstandart des deutschen Volkes inbezug auf die Ernährung gesteigert worden. Die Leistungen der Landwirtschaft der letzten fünf Jahre erregen allgemein Erstaunen. Doch jetzt tauche die Frage auf, ob dieser hohe Lebensstandart erhalten bleiben könne, oder ob man aus dem Ausland importieren müsse. 5,5 Millionen Deutsche leisteten in der Landwirtschaft eine schwere Arbeit Die Ueberstunden der landwirtschaftlichen Arbeiter müßten bezahlt werden. Das verteuere die eingebrachte Ernte wesentlich An die Hausfrauen und alle für den Verbrauch Verantwortlichen ergehe der Ruf:„Versucht die Ernte gut zu gebrauchen!“ Gebraucht das, was die heimische Landwirtschaft auf den Markt bringt, Milch, Schmalz, Speck und Käse. Hausfrauen, helft im kleinen Rahmen großes bewältigen! Milch und Fleisch werden in bester Qualität angeboten von den Organisationen der Landwirtschaft Dazu gehört Mut. Der Landwirt hat ihn, der Konsument muß ihn ebenfalls aufbringen. Es muß zwischen beiden ein gegenseitiges Vertrauensverhältnis herrschen. Trotz Technik und Fortschritt sind wir vom Segen Gottes abhängig. Das hat uns Gott in diesem Jahre sehr sinnfällig gezeigt. Wir haben es verstanden. Das ist Ernte auf geistigem Gebiete. Auch dafür gebührt Gott unser Dank! Dr. Graf von Spee schloß seine Ansprache mit dem Ausspruch eines Dichters: „Bauer ist gut, Bürger ist recht. Aber ich hasse ein feiges Geschlecht.“ Aus dem vom Theaterverein Gebotenen war besonders schön der Ernte reigen aus„Preciosa“, das Duett aus der „Winzerprinzessin vom Rhein“,„Rose, du an meiner Brust“, sowie zwei Rezitationen„In Sturmesnot“ und„Die Vergeltung“. Bei der Ehrung der Jubilare wurde folgenden Mitgliedern, die dem Verein 30 Jahre angehörten, eine Urkunde ausghändigt: Wilhelm Berghaus, dem Begründer und langjährigen Vereinsvorsitzenden, Johann Müller, Josef Vogt, Herbert Tigges, Wilhelm Hengstebeck, Reinhold Hengstebeck, Paul Brüser, Anton Tilke, Franz Hammer, Karl Wertmann, Franz Sprenger, Franz Stuff, Frau Anni Müller(im vorigen Jahr nach Afrika ausgewandert) und Frau Agnes Vogt. 25 Jahre haben dem Verein die Treue gehalten: Georg Berghaus, Heinrich Klein, Frau Brunhilde Leifeld, Frau Adele Schmidt, Frau Anni Müller, Frau Käthe Drixelius, Fräulein Aenne Hermes. Aus der Geschichte des Vereins sei hervorgehoben, daß der Theaterverein in den achtziger Jahren entstanden ist. Theaterbegeisterte Bürger der Gemeinde trafen sich in der„Dreherei“, einem Gebäude an der Finnentroper Straße, ehemals Besitztum des Bauern Johann Wilmes, jetzt Eigentum von Schuhmachermeister Josef Sternberg. Bis ungefähr 1910 übernahm der damals soeben ins Leben gerufene MGV die Aufführungen von Theaterstücken in dem Saale der Gastwirtschaft Robert Wilmes. Schwierigkeiten bereitete einzig die Besetzung der Frauenrollen. Meistens mußten sie von männlichen Mitgliedern übernommen werden. Kurz vor Beginn des ersten WeltOlpe. Durch einen auf der Fahrbahn liegenden Pflasterstein wurde insofern ein Verkehrsunfall verursacht, als gegen diesen Stein ein Kradfahrer mit Beiwagen fuhr. Der Fahrer geriet auf die linke Straßenseite, wo ein Pkw parkte. Um mit diesem nicht zusammenzustoßen, steuerte er noch weiter nach links, wobei er auf einen Bürgersteig fuhr und dort eine Fußgängerin verletzte. Den Fahrer verurteilte das Schöffengericht Olpe wegen fahrlässiger Körperverletzung zu 80 DM Geldstrafe, weil er die Sorgfaltspflicht verletzt hatte. Gegen das Börsengesetz Anstelle einer an sich verwirkten Gefängnisstrafe von einem Monat verurteilte das Schöffengericht Olpe eine Angeklagte wegen Vergehens gegen das Börsengesetz in Tateinheit mit Unterschlagung zu 300 DM Geldstrafe. Die Angeklagte war in einer Gastwirtschaft des Kreises Olpe als Büfettdame eingestellt und hatte Waren in Kommission erhalten. Mit der Zeit aber traten Unregelmäßigkeiten. auf. Als die Angeklagte ihre Stellung wechselte, hatte sie bei ihrem Arbeitgeber noch eine Schuld von über 1000 DM. Sie versicherte, indem sie unwahre Angaben machte, den Schaden alsbald zu ersetzen. Bei ihrem Versprechen war es dann aber geblieben. Die Lohntüte eingebüßt Die Belegschaft einer Fabrik hatte im August ihren Lohntag. Nach Feierabend im Betriebe setzten sich einige Arbeitskameraden zusammen, um Schnaps zu trinken. Ein Arbeiter hatte seine Lohntüte mit 140 DM Inhalt in seiner Gesäßtasche stecken. Nachdem einige Flaschen Schnaps geleert worden waren, stellte der Arbeiter zu seinem Erstaunen fest, daß er nicht mehr im Besitze seiner Lohntüte war. Eine Person, die sich später der Gesellschaft zugesellt hatte, kam in den Verdacht des Diebstahls. Diese wurde jetzt vom Amtsgericht Olpe mangels Beweises freigesprochen. Das Jugendgericht in Olpe verhängte gegen drei Jugendliche je zwei Freizeitarreste. Zwei hatten ein Kraftfahrzeug geführt, ohne einen Führerschein zu besitzen. Der Dritte hatte krieges übernahm der Kriegerverein die Thesteraufführungen, bis 1914 der erste Weltkrieg die große Pause brachte. Aber schon 1919 begannen die Aufführungen schon wieder. Zehn junge Leute, die schon seit Kriegsende bei den Theateraufführungen mitgewirkt hatten, schlossen sich im August 1924 zusammen und gründeten den„Theaterverein Heggen 1924“ mit Wilhelm Berghaus als dem ersten Vorsitzenden. Unter großen Schwierigkeiten konnte am 26. Öktober 1924 die erste Aufführung stattfinden, denn die Bühnenverhältnisse waren mehr als primitiv. Für den großen Tanzsaal des Schützenzeltes wurde der Bau einer eigenen Bühne geplant, die durch die Opferbereitschaft der Mitglieder bald Wirklichkeit wurde. Die Bühne hatte eine Tiefe von 11, eine Breite von 9 und eine Höhe von 4,50 Metern. Nun nahmen die Aufführungen den gewünschten Auftrieb durch den großen Besuch der Dorfbewohner. Die Spieler wagten sich an Schauspiele, Lustspiele, Operetten und Spielopern, mit denen sie viel Erfolg ernteten. Immer wieder bei dörflichen Anlässen stellte sich der Verein zur Verfügung. Der große Besuch dieser Aufführungen war ein Beweis für die Beliebtheit des Heggener Theatervereins. Wir wünschen ihm zu seinem Jubiläum, daß er noch lange zum Nutzen und Frommen der dörflichen Gemeinschaft weiter bestehen und wirken möge. mit einem Motorroller eine ihm als gefährlich bekannte Straßenkrümmung mit hoher Geschwindigkeit befahren, wobei er die Gewalt über das Fahrzeug verloren hatte. Er wurde aus der Kurve getragen. Sein Soziausfahrer trug bei dem Unfall Verletzungen davon. Schulpflicht verletzt Das Amtsgericht Olpe verurteilte einen Angeklagten wegen fortgesetzter Uebertretung des Schulpflichtgesetzs zu einer Geldstrafe von 40 DM. Der Angeklagte hatte seinen Sohn an vier Tagen nicht zur Berufsschule geschickt. z Der Weg zurück Jeder von uns hat das schon erlebt: In den Gleichfluß seiner Tage kommt eine neue Wendung, ein neues Kapitel des Lebens begann. Es braucht sich etwas derartiges gar nicht durch einen äußeren Wechsel abzuzeichnen, es kann in Kleinigkeiten bestehen, die nur der nächsten Umgebung sichtbar werden. Dennoch: man kann nicht mehr zurück. Eine Liebe erlebt ihren ersten Zwist, sie hat ihre erste Bewährungsprobe zu bestehen. Es ist nicht einmal damit gesagt, daß sie dadurch nicht etwa noch reiner und tiefer würde— aber sie hat sich verändert. Wir beziehen etwa eine neue Wohnung. Oder unser Leben führt uns in eine neue Stadt. Dann liegt das Vergangene hinter uns als etwas, das gewesen ist— aber wir können nicht zurück. Natürlich: die Erinnerung ist das einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können. Aber sie ist auch ein in sich abgeschlossenes Idyll— und unser Leben duldet nun einmal keine Idylle. Es verlangt Handlungen. Wir wissen es späterhin wohl selbst nicht mehr, wann das Tor der Kindheit hinter uns zuschlug— aber wir merken auf einmal, daß wir nicht zurückkönnen. Es wäre falsch, darüber trauern zu wollen, denn es gibt keinen Stillstand im Strome des Lebens. Wir können nur eines tun: jede Stunde unseres Daseins so wahrhaft und intensiv leben, daß wir uns ihrer in der Erinnerung nicht zu schämen brauchen. Denn das ist der einzige Weg der Rückkehr, der uns offen bleibt. Als im Jahre 1886 der deutsche Chemiker Klemens Winkler ein neues Eelement entdeckte, das er Germanium nannte, ahnte er nicht, daß dieser seltene Grundstoff einmal eine wichtige Rolle bei der Herstellung exportwichtiger Geräte spielen wird. Germanium, ein seltenes Halbmetall von grauer Farbe, gewinnt man seit Jahrzehnten aus dem afrikanischen Germanit und aus der Flugasche unserer Gaswerke. Aber erst in unserer Zeit kennt man den Aufbau des Germanium-Kristalls. Aus den Witzblättern der Jahrhundertwende ist die Gestalt der schwerhörigen alten Dame mit dem übergroßen Hörrohr nicht wegzudenken, ein Gerät, das man heute nur noch im Trödlerladen finden kann. Die moderne Technik hat elektrische Röhrengeräte entwickelt, die den Schwerhörigen zwar von seinem Leiden nicht heilen, ihm aber die Hörfähigkeit durch technische Hilfe wiedergeben können. Diese Geräte wurden in den letzten Jahren durch Verwendung des Germanium-Kristalls als Transistor weiterentwickelt. Moderne Hörgeräte deutscher Produktion erobern in zunehmendem Maße den Weltmarkt. Die auf diesem Gebiet führende Spezialfabrik WENDTON, Hamburg, konnte sich kürzlich bei einer Ausschreibung der argentinischen Regierung in Höhe von 140 000 DM gegen eine Weltkonkurrenz durchsetzen. Neben Westdeutschland kamen Lieferanten aus Dänemark, Großbritannien und der USA in Frage. Die Lieferung nach Argentinien umfaßt diese neuentwickelten Trasistorengeräte, die in erster Linie wegen ihrer 25 Jahre Bauhaus-Tapeten Jubiläum eines bedeutsamen Markenartikels Bauhaus— der Einfluß dieser bedeutendsten Architekturschule der zwanziger Jahre ist weltweit. Ihre hervorragendsten Vertreter wie Feininger, Klee, Kandinsky, Marcks und Schlemmer gaben einer Generation von Malern und Bildhauern das Gesicht. Die moderne Architektur ist ohne die beiden Direktoren des Bauhauses, Walter Gropius und Mies van der Rohe, undenkbar. Unter den industriellen Erzeugnissen, die vom Bauhaus entwickelt wurden, nehmen die in Zusammenarbeit mit der Tapetenfabrik Rasch geschaffenen Bauhaus-Tapeten einen besonderen Platz ein. Als am 1. Oktober 1929 die erste Bauhauskarte erschien, bedeutete dies einen revolutionären Bruch mit überkommenen Vorstellungen. An Stelle der bis dahin üblichen schweren Farben und überladenen Ornamentik zeigten die Bauhaus-Tapeten einfache Strukturen und eine zarte Farbgebung. Die neue Idee setzte sich nicht nur durch, sondern fand über bewegte Zeiten hinweg wachsende Verbreitung. Trotz des Produktionsausfalls der Kriegs- und Nachkriegsjahre wurden bis jetzt 30 Millionen Rollen Bauhaus-Tapeten hergestellt. Das ist in der Geschichte der dekorativen Raumgestaltungsmittel, die allgemein Modeströmungen unterworfen und darum kurzlebig sind. eine einmalige Erscheinung. So ist das 25jährige Bestehen der Bauhaus-Tapeten zugleich das Jubiläum eines Stils, den man als einen echten Ausdruck der Zeit bewerten darf. Heggen. Heute um 20 Uhr findet in der Schützenhalle der nächste Uebungsabend des DRK statt. Alle weiblichen und männlichen Mitglieder der Bereitschaft mögen sich pünktlich dazu einstellen. überraschend großen Batterie-Ersparnie und der sehr kleinen Ausmaße Erfolg hatten. Für diese Geräte werden keine Röhren mehr benötigt. Die Transistoren. elektrische Verstärker-Elemente von fast unbegrenzter Lebensdauer, intensivieren in hohem Ausmaß die elektrischen Schwingungen. Die Verstärkerwirkung des Transistors ergibt sich aus dem Verhalten des Germanium-Kristalls. Heute gehören neben Argentinien, Schweiz, Italien, Spanien, Aegypten, Persien und USA, das Mutterland der Hörgeräte, zu den Abnehmern dieser modernen WENDTON-Zwerggeräte, die nicht größer als eine Zigarettenpackung sind. Aus dem Kreisgebiet Brückenneubau Brachtpe. Die Firma J. Böhler, Iseringhausen, ist z. Z. damit beschäftigt, die über die Brachtpe führende Brücke zu erneuern. Die alte Brücke, die in einem sehr schlechten Zustand u. eine Gefahr für die schwerbeladenen Bauernwagen gerade jetzt bet der Kartoffelernte war, wurde ganz abgerissen und durch eine neue Eisenbetonbrücke ersetzt. Auch wurde dieselbe verbreitert und kann in einigen Tagen wieder befahren werden. Heggen. Einem hiesigen Kraftfahrer wurde kürzlich sein Fahrrad entwendet. Einige Tage später fand sich das Rad an einer Straße von Dünschede nach Silbecke wieder. Es konnte dem Besitzer zurückgegeben werden. Heggen. Von einem Fuhrwerk wurde im Dorf ein abgestelltes Moped gestreift. wobei ein Schaden von etwa 100 DM entstand. Der Fahrer des Fuhrwerks setzte seine Fahrt fort, konnte aber später von der Polizei ermittelt werden. Bilstein. Die für Samstag, den 23. Oktober, anberaumte Jahreshauptversammlung des Wintersportvereins muß aus dringenden Gründen auf den 30. Oktober verschoben werden. Grevenbrück. Das 70. Lebensjahr vollendet heute die Witwe Paula Zimmermann geb. Kamp, Lennestraße. Wir gratulieren! Elspe. Wer einen Männerhut vermißt, kann ihn im Gemeindebüro abholen. Konsumgenossenschaft Elspe. Eine moderne Gestaltung haben die bedeutend vergrößerten Räume der Elsper Verkaufsstelle der Konsumgenossenschaft Plettenberg erfahren, die in diesen Tagen eröffnet wurden. Die Genossenschaft besitzt hier bereits über 200 eingetragene Mitglieder. In einer Mitgliederversammlung bei Ivo konnten sie Näheres über wichtige Fragen der Genossenschaft erfahren. Berliner Erholungskinder Grevenbrück. 26 Kinder aus Berlin trafen kürzlich hier ein zu einem sechswöchigen Erholungsaufenthalt, der ihnen von Familien in den Gemeinden Grevenbrück und Elspe gewährt wird. Man wünscht den Gästen eine recht gute Erholung in der gesunden Luft des Sauerlandes. Einbruchsdiebstahl Sange. Am 18. Oktober wurde einer Witwe von einem bei ihr als Landhilfe Beschäftigten ein höherer Geldbetrag gestohlen. Nach der Tat flüchtete der Dieb mit unbekanntem Ziel. Maumke. In der nächsten Sitzung der Gemeindevertretung will das Kreisbauamt Olpe der Gemeindevertretung den aufgestellten Batgebietsplan für Maumke zur Genehmigung vorlegen. Streiflichter aus dem Ölper Gerichtssaal Magenverstimmung? „Biserirte" hilst! Ein Magen, der mit Alkohol oder schwerem Essen strapaziert wurde, kann sich unangenehm bemerkbar machen: Magendrücken, saures Aufstossen, Sodbrennen und Völlegefühl sind dann meistens auf übersauren Magensast zurückzuführen. 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