Sauerländisches Volksblat
Altester Anzeiger des Sauerlandes+ Über 100 Jahre Heimat- und Kreisblatt im Kreise Olpe
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für Politik, Unterhaltung und Belehrung
Verantwortlicher Schriftleiter: PAUL ROBERT ROEDER OLPE Das„S. V.“ erscheint täglich(außer sonntags). Monatlicher Bezugspreis: DM 3,50 einschließlich Zustellgeld, bel Postbeziehern DM 3.54 incl. Postbestellgebühren, bei Abholung in unserer Geschäftsstelle DM 3,—. Geschäftsstelle: Olpe. Frankfurter Straße 16, Fernruf 241 und 242. Verlagspostamt: Olpe 1. Westf
119. Jahrgang— Nummer 242
Montag, den 18. Oktober 1954
Einzelverkaufspreis 15 Pf
Öffene Wahlen in Östberlin
Sowjetzonale Bevölkerung ging gestern voller Apathie zur Wahlurne
Berlin.(dpa) Die ostzonale Bevölkerung ging gestern zur„Wahl“, um Volkskammer und Bezirkstagen eine scheindemokratische Grundlage zu schaffen. Es wurde eine Einheitsliste„gewählt“. Die Stimmabgabe war meist offen.
hielt, wie berichtet, dem Versuch, sie durch Thermitladungen abzuschweißen und so zum Einsturz zu bringen, stand. Unser Bild zeigt die brennenden Thermitladungen. Im Vordergrund links das sowjetische Ehrenmal an der„Straße des 17. Juni“ im Tiergarten.
EMPIRE STATE BUILDING
Der Chikagoer Industrielle Henry Crown hat, wie berichtet, das höchste Gebäude der Welt, das Empire State Building in New York, zum Preise von 49,5 Millionen Dollar gekauft. Das Gebäude ist 102 Stockwerke hoch und beherbergt eine Unmenge von Geschäftsfirmen.
Die Östberliner Wahlberechtigten wurden auf ihrem Wahlgang einer doppelten Kontrolle unterzogen. In einer Schlange von Wartenden wurden sie zu einem langen Tisch geführt, an dem Personalausweis und Wahlkarte vorgewiesen werden mußten. Nachdem der Name auf einer Liste angekreuzt worden war, wurde der„Stimmzettel“ ausgehändigt. In der Schlange gelangte der Wähler weiter zu der am Ende des Tisches aufgestellten Wahlurne. Dort erklärten ihm die Wahlordner:„Wer dafür ist. braucht den Zettel nur zu falten— wer dagegen ist, muß in die Zelle“. Die Wahlberechtigten quittierten diesen Hinweis im allgemeinen wortlos und falteten ihre Zettel, meist ohne vorher einen Blick darauf zu werfen. An der Jrne mußten sie noch einmal ihre Wahlbenachrichtigung vorweisen, dann wurden die Namen und Wählernummern aufgerufen, in einer zweiten Liste abgestrichen, und erst dann durfte der gefaltete Stimmzettel eingeworfen werden.
Die Menschen genügten als eine stumme, stumpfe Maste ihrer Wahlpflicht. Selbst linientreue Funktionäre zeigten sich überrascht über die Apathie, die mit der Stimmung vor vier Jahren bei den ersten Volkskammerwahlen nicht zu vergleichen war.
Hauptmann verprügelte Leutnant
Mit zerschlagenem Gesicht kam gestern ein 22jähriger Leutnant der kasernierten Volkspolizei in Uniform auf ein Westberliner Polizeirevier und bat um Asyl. Nach seinen Aussagen hatte
seine Dienststelle in Prenzlau(OstBerlin) vergessen, für ihn einen Wahlberechtigungsschein ausstellen zu lassen. Er weigerte sich daher zu wählen. Daraufhin sei er von seinem Hauptmann so verprugelt worden, daß er in ein Krankenhaus gebracht werden mußte. Von dort konnte er entkommen.
Swort in Kürze
Deutschlands Fußball-Nationalelf unterlag in Hannover vor 85 000 Zuschauern der französischen Ländermannschaft mit 1:3(0:2) Toren. Der 19jährige Klaus Stürmer(Hamburger SV) schoß das Gegentor.
Heinz Fütterer lief in Osaka mit 10,2 Sekunden über 100 m Weltrekordzeit, allerdings mit Rückenwind. Über 200 m stellte er mit 20,8 Sekunden einen neuen Europarekord auf und verbesserte damit den 26 Jahre alten Rekord von Helmut Körnig(20,9 Sek.). Werner Bähr erreichte im Hochsprung mit 2,00 m eine deutsche Nachkriegsbestleistung.
Die Dortmunderin Ursula Happe schwamm über 100 m Schmetterlingsstil deutschen Rekord mit 1:18,1 Minuten. Die Düsseldorfer „Puten“ stellten einen Kraulstaffelrekord auf.
40 Tore fielen im Handball-Länderpokalspiel in Spenge(Nachwuchsmannschaften). Westfalen gewann gegen Niedersachsen 26:14.
Churchills Kabinett umgebildet
MacMillan wurde an Stelle Alexanders Verteidigungsminister
Dehler gegen parlamentarische Mängel
Stellungnahme gegen DGB, Bundeskanzler und„Parteien-Struktur“
Nürnberg.(dpa) Der FDP-Bundesvorsitzende Dr. Dehler beklagte am Samstag auf dem bayerischen FDP-Parteitag in Nürnberg Mängel, die nach seiner Ansicht im politisch-parlamentarischen Leben der Bundesrepublik bestehen. Als Beispiele führte er die Kritik an Bundespräsident Heuß auf dem DGB-Kongreß in Frankfurt, das Verhalten von Bundeskanzler Dr. Adenauer im Bundestag zur Rede Reinhold Maiers, ein angebliches Gespräch Dr. Adenauers mit dem belgischen Außenminister Spaak und dem luxemburgischen Außenminister Bech in einem Londoner Hotel und die Haltung des Bundesministers Strauß an.
Ministerpräsident Lübke gestorben
Flensburg.(dpa) Der éhemalige schleswigholsteinische Ministerpräsident Friedrich Wilhelm Lübke ist am Sonnabendabend nach längerer schwerer Krankheit in seinem Wohnort Augaard bei Flensburg gestorben.
Als Vorsitzender des Landesverbandes Schleswig-Holstein der CDU war Lübke im Juni 1951 vom Kieler Landtag zum Ministerpräsidenten gewählt worden. Er hat dieses Amt über drei Jahre ausgeübt, bis er am 9. Oktober dieses Jahres wegen seiner Erkrankung zurücktrat.
Lübke wurde am 25. August 1887 in Enkhausen(Westfalen) geboren. Von 1901 bis 1920 fuhr er zur See, zuletzt als Kapitän. Im ersten Weltkrieg nahm er an der Skagerrak-Schlacht teil und wurde später U-Boot-Offizier. Nach dem Kriege bewirtschaftete er in Augaard einen Hof.
Wie wird das Wetter?
Weiterhin recht mild Der Zustrom milder Meeresluft aus Südwest hält an. Dabei wird kühlere Meeresluft, die am Sonntag bis nach Nordwestdeutschland vordringen konnte, wieder nach Norden zurückgedrängt.
Vorhersage für Montag: Schwrache bis mäBige Winde um Südwest. Zeitweise starke Bewölkung, doch nur geringfügige Niederschläge. Weiterhin recht mild.
Weitere Aussichten: Wolkig und teils aufheiternd. Weiterhin mild.
Der Vorsitzende der IG Metall, Brenner, hatte auf dem DGB-Kongreß die Worte des Bundespräsidenten kritisiert, die Gewerkschaften sollten mit dem Schwert des Streikrechtes sorgsam umgehen. Den Bundeskanzler kritisierte Dr. Dehler, weil er dem FDP-Abgeordneten Dr. Maier Unrichtigkeiten vorgeworfen habe. onne sie zu widerlegen. Dr. Dehler bezog sich ferner auf eine Veröffentlichung über ein angebliches Gespräch des Bundeskanzlers mit Spaak und Bech, in dem Dr. Adenauer mehrfach die Befürchtung geäußert haben soll, daß der deutsche Nationalismus wieder erstehe, wenn die europäische Einigung nicht zustande komme und er nicht mehr da sei.
Die Mängel des parlamentarischen Systems in der Bundesrepublik sind nach Ansicht Dr. Dehlers eine Folge des Sieges der CDU/CSU bei den letzten Bundestagswahlen. Ein politischer Sieg könne zum Fluch werden. Die Parteien-Struktur in Deutschland sei ungesund. Wer es heute wage, einen unter„sozial“ firmierenden Antrag abzulehnen, werde als antisozial verschrieen.
Im letzten Teil seiner Rede sprach Dehler über die Außenpolitik, wobei er den Londoner Pakt als positiv bezeichnete. Trotzdem dürfe man die Frage der Wiedervereinigung nicht auf Eis legen. Deshalb müsse man auch mit Rußland über diese Frage sprechen.
Hochhäuser in Westberlin
Berlin,(dpa) Das Hansaviertel, eines der am stärksten zerstörten Teile Westberlins, wird wieder aufgebaut. Mit einem Geschäftszentrum, Krankenhäusern, Kinderheimen, Kirchen und 1500 Wohnungen wollen bekannte in- und ausländische Baufachleute diesen Teil Berlins in das modernste Viertel der Stadt verwandeln.
Die Silhouetten von zwanzig- und zehnstöckigen Wohnhäusern sollen dem neuen Stadtteil das Gepräge geben. Gleichzeitig soll der Wiederaufbau des Hansaviertels Kernstück der internationalen Bauausstellung sein, deren Finanzierung durch zwei Millionen Mark aus Bundesmitteln jetzt gesichert ist.
London.(Korr.) Churchill hat das britische Kabinett heute weitgehend umgebildet. Neuer Verteidigungsminister wurde als Nachfolger von Lord Alexander der bisherige Wohnungsbauminister Harold MacMillan. Churchill bleibt an der Spitze der britischen Regierung. Eden behält das Außenministerium
Neu ernannt wurden: Innenminister Sir David Maxwell Fyfe zum Lordkanzler, Ernährungsminister Lloyd George zum Innenminister, Versorgungsminister Duncan Sandys zum Wohnungsbauminister, der Minister für öffentliche Arbeiten Sir David Eccles zum Erzięhungsminister. Staatsminister Selwyn Lloyd wurde Versorgungsminister. Neuer Arbeitsminister wurde Nigel Birch.
Der bisherige Staatssekretär im Foreign Office, Nutting, ist als Nachfolger von Selwyn Lloyd Staatsminister im Außenministerium geworden
Mendes-France unterstützt
Paris.(Korr.) Der Radikalsozialistische Parteikongreß in Marseille endete mit einem großen persönlichen Erfolg des Ministerpräsidenten Mendès- France. Trotzdem wurde nicht der ehemalige Mi
Hurrikan hat sich ausgetobt
Wirbelsturm forderte 114 Menschenleben— Hunderte Vermißte
New York.(INS) Der Hurrikan, der seit Tagen Amerika heimsuchte, hat sich in der Nacht zum Sonntag in den Weiten Nordkanadas ausgetobt. Der Wirbelsturm, der von den Meteorologen als einer der unberechenbarsten und launenhaftesten bezeichnet wurde, weil er mehrfach seine Richtung änderte, hat mindestens 114 Menschen das Leben gekostet. Hunderte werden noch vermißt.
Allein in der kanadischen Provinz Ontario wurden 30 Tote gezählt. Der Sachschaden in den USA und Kanada wird auf mehrere Millionen Dollar geschätzt.
Der Hurrikan bildete sich vor elf Tagen bei den Windward-Inseln vor Mittel
Schäffer verdient an Steuerreform
Finanzausschuß-Vorsitzender Wellhausen:„So haben wir nicht gewettet!“
Nürnberg.(dpa) Der Vorsitzende des Bundestagsausschusses für Finanz- und Steuerfragen, Dr. Wellhausen(FDP), befürwortete am Wochenende eine verbesserte Steuerreform. Er sagte, nach seiner Ansicht werde es bei der zweiten und dritten Lesung im Bundestag nicht bei den Beschlüssen seines Ausschusses bleiben. Inzwischen habe sich nämlich herumgesprochen, daß Bundesfinanzminister Schäffer bei den Ausschußberatungen nicht nachgegeben, sondern mit einem Nutzen von 75 Millionen Mark das Schlachtfeld verlassen habe.
„So haben wir nicht gewettet“, sagte Wellhausen. Er wandte sich vor allem gegen die Verschärfung der Ehesteuer und gegen die Verschlechterung der Körperschaftssteuer. Den Steuerzahlern sollte ferner für das letzte Quartal 1954 ein Bonus von 2,5 Prozent der Steuerschuld gegeben werden.„Auch eine Regierung Adenauer kann oder sollte es sich mindestens nicht leisten, die Steuerreform erst am 1. Januar nächsten Jahres in Kraft treten zu lassen.“
Nach den Angaben Wellhausens werden im nächsten Jahr 470 Millionen Mark
Steuern weniger aufkommen, wenn seine Forderungen verwirklicht werden. Das sei zu vertreten, weil das Sozialprodukt 1954 einen unerwartet hohen Zuwachs von sieben bis acht Prozent aufweisen werde. Schäffers Argument, daß der Bundeshaushalt 1955/56 zusätzliche Ausgaben tragen müsse, sei entgegenzuhalten, daß er es selbst weitgehend in der Hand habe, den Haushalt zu gestalten. Außerdem stehe eine Änderung der Geschäftsordnung des Bundestages vor der Tür, nach der Gesetze, die zusätzliche Ausgaben verursachen, vom Parlament nicht ohne
nisterpräsident Daladier, sondern erneut der ehemalige Justiz- und Innenminister Martinaud-Deplat, der bisher als persönlicher Gegner des Ministerpräsidenten galt, zum administrativen Parteivorsitzenden gewählt.
Nachtlokal als Menschenfalle
Frankenthal(Pfalz). Das Landgericht Frankenthal(Pfalz) hat am Samstag die Beschlagnahme einer Seite der Zeitschrift„Wochenend“ aufgehoben.
In einer Artikelserie wurde ein Nachtlokalbesitzer beschuldigt, in seinem Lokal Deutsche an die französische Besatzungsmacht ausgeliefert zu haben. In dem Lokal soll mit Devisen und Rauschgift gehandelt worden sein.
Ein ehemaliger Dolmetscher der französischen Besatzungsmacht in Ludwigshafen sagte aus, daß der Lokalbesitzer 1946/47 nicht nur Kriminelle, sondern auch alle anderen denunziert habe, die der französischen Besatzungsmacht unliebsam gewesen seien.
amerika. Mit einer Geschwindigkeit von etwa 200 Kilometern in der Stunde raste er über die Karibische See und richtete zunächst auf Haiti schwere Zerstörungen an. Der Wirbelsturm nahm dann seinen Weg durch die USA. wo die Staaten Nordund Südkarolina am schwersten betroffen wurden. Ehe er sich über die Hudson Bay in die arktischen Gebiete Nordkanadas verzog, traf er noch einmal mit voller Wucht die Provinz Ontario und vor allem das Gebiet von Toronto. Ontario erlebte die schwersten Regenfälle in diesem Jahrhundert. Straßen- und Eisenbahnverbindungen wurden unterbrochen. Elnige Flüsse traten über die Ufer.
gleichzeitige Deckung verabschiedet werden dürfen.
Der Hinweis auf die finanziellen Folgen der Londoner Abmachungen verfange nicht, so sagte Wellhausen, denn mindestens im Haushaltsjahr 1955/56 werde der finanzielle Verteidigungsbeitrag der Bundesrepublik die Grenze von 9 Milliarden Mark noch nicht überschreiten.
Diese Woche: NATO-Aufnahme
Paris.(Korr.) In der kommenden Woche soll die Bundesrepublik als 15. Staat in die Atlantikpakt- Organisation aufgenommen werden. Den inoffiziellen Auftakt der Konferenzen bildet voraussichtlich am Dienstag eine Aussprache zwischen Bundeskanzler Dr. Adenauer und Ministerprasident Mendès-France über das Saarproblem, dessen Regelung in französischen Augen als Voraussetzung für einen harmonischen Ablauf der geplanten Konferenzserie angesehen wird.
Negus besucht Hamburg
Kaiser Haile Selassie von Athiopien will am 10. und 11. November Hamburg einen Besuch abstatten.
Der Heimatbund Badener Land will beim Bundesinnenministerium ein Volksbegehren beantragen, um die Wiederherstellung des alten Landes Baden durchzusetzen.
Die Sowjetunion, die Tschechoslowakei und Rumänien haben der Tagung des ÖstWest-Handelsausschusses in Genf Warenlisten für den Abschluß langfristiger Handelsvereinbarungen mit dem Westen überreicht.
Der Finnische Gewerkschaftsbund hat mit dem Generalstreik für den Fall gedroht, daß die Regierung nicht bis Ende des Monats einen Plan zur Senkung der Lebenshaltungskosten billigt.
Die afghanische Regierung hat für Dr. Quiring das Agrément als Gesandten der Bundesrepublik in Kabul erteilt.
Deutsch-persische Handelsbesprechüngen begannen am Sonnabend in Teheran.
Verhaftet wurde in Paris im Zusammenhang mit der Spionage-Affäre der französische Hauptmann Cazalet. Er soll angeblich mit Labrusse in Verbindung gestanden haben.
Die britischen Parlamentarier, die eine Reise durch die Sowjetunion unternommen haben, trafen in der Nacht zum Sonntag in der finnischen Hauptstadt Helsinki ein.
Ums Leben gekommen sind drei Personen, als am Sonnabend eine Volksmenge in die Bibliothek des USA-Informationsdienstes in der jordanischen Hauptstadt Amman eindrang und das Gebäude nach einem etwa sechsstündigen Kampf mit der Polizei in Brand steckte.
Der Vietminh-Führer Ho Tschi-minh ist am Sonnabend nach achtjähriger Abwesenheit nach Hanoi zurückgekehrt. Er trifft hier heute mit dem indischen Ministerpräsidenten Nehru zusammen.
Ein Handelsabkommen wurde zwischen Indien und der Sowjetzone Deutschlands abgeschlossen.
Zum Tode verurtoilt wurden in Seoul der ehemalige nordkoreanische Generalleutnant Ha Joon Su und eine 24jährige Krankenschwester, weil sie in Kommando-Unternehmungen hinter der Front der UNO-Truppen im Korea-Krieg 530 Menschen, darunter 23 USA-Soldaten, umgebracht hatten.