Sauerländisches Volksblat Altester Anzeiger des Sauerlandes+ Über 100 Jahre Heimat- und Kreisblatt im Kreise Olpe Druck u. Verlag: VERLAGSANSTALT F. X. RUEGENBERG OLPE Anzeigen-Grundpreise: im Anzeigenteil 8 Pfg. für 1 mm Höhe in der Kleinspalte(22 mm breit): im Textteil 50 Pfg. für 1 mm Höhe in der Textspalte(62 mm breit) Man fordere Preisliste Nr. 4. Bei Zwangsvergleich oder in Konkursfällen wird jeder Rabatt hinfällig. Gerichtsstand ist Olpe 1. Westf TAGESZEITUNG für Politik, Unterhaltung und Belehrung Verantwortlicher Schriftleiter: PAUL ROBERT ROEDER OLPE Das„S. V.“ erscheint täglich(außer sonntags). Monatlicher Bezugspreis: DM 3,50 einschließlich Zustellgeld, bel Postbeziehern DM 3.54 incl. Postbestellgebühren, bei Abholung in unserer Geschäftsstelle DM 3,—. Geschäftsstelle: Olpe. Frankfurter Straße 16, Fernruf 241 und 242. Verlagspostamt: Olpe 1. Westf 119. Jahrgang— Nummer 242 Montag, den 18. Oktober 1954 Einzelverkaufspreis 15 Pf Öffene Wahlen in Östberlin Sowjetzonale Bevölkerung ging gestern voller Apathie zur Wahlurne Berlin.(dpa) Die ostzonale Bevölkerung ging gestern zur„Wahl“, um Volkskammer und Bezirkstagen eine scheindemokratische Grundlage zu schaffen. Es wurde eine Einheitsliste„gewählt“. Die Stimmabgabe war meist offen. hielt, wie berichtet, dem Versuch, sie durch Thermitladungen abzuschweißen und so zum Einsturz zu bringen, stand. Unser Bild zeigt die brennenden Thermitladungen. Im Vordergrund links das sowjetische Ehrenmal an der„Straße des 17. Juni“ im Tiergarten. EMPIRE STATE BUILDING Der Chikagoer Industrielle Henry Crown hat, wie berichtet, das höchste Gebäude der Welt, das Empire State Building in New York, zum Preise von 49,5 Millionen Dollar gekauft. Das Gebäude ist 102 Stockwerke hoch und beherbergt eine Unmenge von Geschäftsfirmen. Die Östberliner Wahlberechtigten wurden auf ihrem Wahlgang einer doppelten Kontrolle unterzogen. In einer Schlange von Wartenden wurden sie zu einem langen Tisch geführt, an dem Personalausweis und Wahlkarte vorgewiesen werden mußten. Nachdem der Name auf einer Liste angekreuzt worden war, wurde der„Stimmzettel“ ausgehändigt. In der Schlange gelangte der Wähler weiter zu der am Ende des Tisches aufgestellten Wahlurne. Dort erklärten ihm die Wahlordner:„Wer dafür ist. braucht den Zettel nur zu falten— wer dagegen ist, muß in die Zelle“. Die Wahlberechtigten quittierten diesen Hinweis im allgemeinen wortlos und falteten ihre Zettel, meist ohne vorher einen Blick darauf zu werfen. An der Jrne mußten sie noch einmal ihre Wahlbenachrichtigung vorweisen, dann wurden die Namen und Wählernummern aufgerufen, in einer zweiten Liste abgestrichen, und erst dann durfte der gefaltete Stimmzettel eingeworfen werden. Die Menschen genügten als eine stumme, stumpfe Maste ihrer Wahlpflicht. Selbst linientreue Funktionäre zeigten sich überrascht über die Apathie, die mit der Stimmung vor vier Jahren bei den ersten Volkskammerwahlen nicht zu vergleichen war. Hauptmann verprügelte Leutnant Mit zerschlagenem Gesicht kam gestern ein 22jähriger Leutnant der kasernierten Volkspolizei in Uniform auf ein Westberliner Polizeirevier und bat um Asyl. Nach seinen Aussagen hatte seine Dienststelle in Prenzlau(OstBerlin) vergessen, für ihn einen Wahlberechtigungsschein ausstellen zu lassen. Er weigerte sich daher zu wählen. Daraufhin sei er von seinem Hauptmann so verprugelt worden, daß er in ein Krankenhaus gebracht werden mußte. Von dort konnte er entkommen. Swort in Kürze Deutschlands Fußball-Nationalelf unterlag in Hannover vor 85 000 Zuschauern der französischen Ländermannschaft mit 1:3(0:2) Toren. Der 19jährige Klaus Stürmer(Hamburger SV) schoß das Gegentor. Heinz Fütterer lief in Osaka mit 10,2 Sekunden über 100 m Weltrekordzeit, allerdings mit Rückenwind. Über 200 m stellte er mit 20,8 Sekunden einen neuen Europarekord auf und verbesserte damit den 26 Jahre alten Rekord von Helmut Körnig(20,9 Sek.). Werner Bähr erreichte im Hochsprung mit 2,00 m eine deutsche Nachkriegsbestleistung. Die Dortmunderin Ursula Happe schwamm über 100 m Schmetterlingsstil deutschen Rekord mit 1:18,1 Minuten. Die Düsseldorfer „Puten“ stellten einen Kraulstaffelrekord auf. 40 Tore fielen im Handball-Länderpokalspiel in Spenge(Nachwuchsmannschaften). Westfalen gewann gegen Niedersachsen 26:14. Churchills Kabinett umgebildet MacMillan wurde an Stelle Alexanders Verteidigungsminister Dehler gegen parlamentarische Mängel Stellungnahme gegen DGB, Bundeskanzler und„Parteien-Struktur“ Nürnberg.(dpa) Der FDP-Bundesvorsitzende Dr. Dehler beklagte am Samstag auf dem bayerischen FDP-Parteitag in Nürnberg Mängel, die nach seiner Ansicht im politisch-parlamentarischen Leben der Bundesrepublik bestehen. Als Beispiele führte er die Kritik an Bundespräsident Heuß auf dem DGB-Kongreß in Frankfurt, das Verhalten von Bundeskanzler Dr. Adenauer im Bundestag zur Rede Reinhold Maiers, ein angebliches Gespräch Dr. Adenauers mit dem belgischen Außenminister Spaak und dem luxemburgischen Außenminister Bech in einem Londoner Hotel und die Haltung des Bundesministers Strauß an. Ministerpräsident Lübke gestorben Flensburg.(dpa) Der éhemalige schleswigholsteinische Ministerpräsident Friedrich Wilhelm Lübke ist am Sonnabendabend nach längerer schwerer Krankheit in seinem Wohnort Augaard bei Flensburg gestorben. Als Vorsitzender des Landesverbandes Schleswig-Holstein der CDU war Lübke im Juni 1951 vom Kieler Landtag zum Ministerpräsidenten gewählt worden. Er hat dieses Amt über drei Jahre ausgeübt, bis er am 9. Oktober dieses Jahres wegen seiner Erkrankung zurücktrat. Lübke wurde am 25. August 1887 in Enkhausen(Westfalen) geboren. Von 1901 bis 1920 fuhr er zur See, zuletzt als Kapitän. Im ersten Weltkrieg nahm er an der Skagerrak-Schlacht teil und wurde später U-Boot-Offizier. Nach dem Kriege bewirtschaftete er in Augaard einen Hof. Wie wird das Wetter? Weiterhin recht mild Der Zustrom milder Meeresluft aus Südwest hält an. Dabei wird kühlere Meeresluft, die am Sonntag bis nach Nordwestdeutschland vordringen konnte, wieder nach Norden zurückgedrängt. Vorhersage für Montag: Schwrache bis mäBige Winde um Südwest. Zeitweise starke Bewölkung, doch nur geringfügige Niederschläge. Weiterhin recht mild. Weitere Aussichten: Wolkig und teils aufheiternd. Weiterhin mild. Der Vorsitzende der IG Metall, Brenner, hatte auf dem DGB-Kongreß die Worte des Bundespräsidenten kritisiert, die Gewerkschaften sollten mit dem Schwert des Streikrechtes sorgsam umgehen. Den Bundeskanzler kritisierte Dr. Dehler, weil er dem FDP-Abgeordneten Dr. Maier Unrichtigkeiten vorgeworfen habe. onne sie zu widerlegen. Dr. Dehler bezog sich ferner auf eine Veröffentlichung über ein angebliches Gespräch des Bundeskanzlers mit Spaak und Bech, in dem Dr. Adenauer mehrfach die Befürchtung geäußert haben soll, daß der deutsche Nationalismus wieder erstehe, wenn die europäische Einigung nicht zustande komme und er nicht mehr da sei. Die Mängel des parlamentarischen Systems in der Bundesrepublik sind nach Ansicht Dr. Dehlers eine Folge des Sieges der CDU/CSU bei den letzten Bundestagswahlen. Ein politischer Sieg könne zum Fluch werden. Die Parteien-Struktur in Deutschland sei ungesund. Wer es heute wage, einen unter„sozial“ firmierenden Antrag abzulehnen, werde als antisozial verschrieen. Im letzten Teil seiner Rede sprach Dehler über die Außenpolitik, wobei er den Londoner Pakt als positiv bezeichnete. Trotzdem dürfe man die Frage der Wiedervereinigung nicht auf Eis legen. Deshalb müsse man auch mit Rußland über diese Frage sprechen. Hochhäuser in Westberlin Berlin,(dpa) Das Hansaviertel, eines der am stärksten zerstörten Teile Westberlins, wird wieder aufgebaut. Mit einem Geschäftszentrum, Krankenhäusern, Kinderheimen, Kirchen und 1500 Wohnungen wollen bekannte in- und ausländische Baufachleute diesen Teil Berlins in das modernste Viertel der Stadt verwandeln. Die Silhouetten von zwanzig- und zehnstöckigen Wohnhäusern sollen dem neuen Stadtteil das Gepräge geben. Gleichzeitig soll der Wiederaufbau des Hansaviertels Kernstück der internationalen Bauausstellung sein, deren Finanzierung durch zwei Millionen Mark aus Bundesmitteln jetzt gesichert ist. London.(Korr.) Churchill hat das britische Kabinett heute weitgehend umgebildet. Neuer Verteidigungsminister wurde als Nachfolger von Lord Alexander der bisherige Wohnungsbauminister Harold MacMillan. Churchill bleibt an der Spitze der britischen Regierung. Eden behält das Außenministerium Neu ernannt wurden: Innenminister Sir David Maxwell Fyfe zum Lordkanzler, Ernährungsminister Lloyd George zum Innenminister, Versorgungsminister Duncan Sandys zum Wohnungsbauminister, der Minister für öffentliche Arbeiten Sir David Eccles zum Erzięhungsminister. Staatsminister Selwyn Lloyd wurde Versorgungsminister. Neuer Arbeitsminister wurde Nigel Birch. Der bisherige Staatssekretär im Foreign Office, Nutting, ist als Nachfolger von Selwyn Lloyd Staatsminister im Außenministerium geworden Mendes-France unterstützt Paris.(Korr.) Der Radikalsozialistische Parteikongreß in Marseille endete mit einem großen persönlichen Erfolg des Ministerpräsidenten Mendès- France. Trotzdem wurde nicht der ehemalige MiHurrikan hat sich ausgetobt Wirbelsturm forderte 114 Menschenleben— Hunderte Vermißte New York.(INS) Der Hurrikan, der seit Tagen Amerika heimsuchte, hat sich in der Nacht zum Sonntag in den Weiten Nordkanadas ausgetobt. Der Wirbelsturm, der von den Meteorologen als einer der unberechenbarsten und launenhaftesten bezeichnet wurde, weil er mehrfach seine Richtung änderte, hat mindestens 114 Menschen das Leben gekostet. Hunderte werden noch vermißt. Allein in der kanadischen Provinz Ontario wurden 30 Tote gezählt. Der Sachschaden in den USA und Kanada wird auf mehrere Millionen Dollar geschätzt. Der Hurrikan bildete sich vor elf Tagen bei den Windward-Inseln vor MittelSchäffer verdient an Steuerreform Finanzausschuß-Vorsitzender Wellhausen:„So haben wir nicht gewettet!“ Nürnberg.(dpa) Der Vorsitzende des Bundestagsausschusses für Finanz- und Steuerfragen, Dr. Wellhausen(FDP), befürwortete am Wochenende eine verbesserte Steuerreform. Er sagte, nach seiner Ansicht werde es bei der zweiten und dritten Lesung im Bundestag nicht bei den Beschlüssen seines Ausschusses bleiben. Inzwischen habe sich nämlich herumgesprochen, daß Bundesfinanzminister Schäffer bei den Ausschußberatungen nicht nachgegeben, sondern mit einem Nutzen von 75 Millionen Mark das Schlachtfeld verlassen habe. „So haben wir nicht gewettet“, sagte Wellhausen. Er wandte sich vor allem gegen die Verschärfung der Ehesteuer und gegen die Verschlechterung der Körperschaftssteuer. Den Steuerzahlern sollte ferner für das letzte Quartal 1954 ein Bonus von 2,5 Prozent der Steuerschuld gegeben werden.„Auch eine Regierung Adenauer kann oder sollte es sich mindestens nicht leisten, die Steuerreform erst am 1. Januar nächsten Jahres in Kraft treten zu lassen.“ Nach den Angaben Wellhausens werden im nächsten Jahr 470 Millionen Mark Steuern weniger aufkommen, wenn seine Forderungen verwirklicht werden. Das sei zu vertreten, weil das Sozialprodukt 1954 einen unerwartet hohen Zuwachs von sieben bis acht Prozent aufweisen werde. Schäffers Argument, daß der Bundeshaushalt 1955/56 zusätzliche Ausgaben tragen müsse, sei entgegenzuhalten, daß er es selbst weitgehend in der Hand habe, den Haushalt zu gestalten. Außerdem stehe eine Änderung der Geschäftsordnung des Bundestages vor der Tür, nach der Gesetze, die zusätzliche Ausgaben verursachen, vom Parlament nicht ohne nisterpräsident Daladier, sondern erneut der ehemalige Justiz- und Innenminister Martinaud-Deplat, der bisher als persönlicher Gegner des Ministerpräsidenten galt, zum administrativen Parteivorsitzenden gewählt. Nachtlokal als Menschenfalle Frankenthal(Pfalz). Das Landgericht Frankenthal(Pfalz) hat am Samstag die Beschlagnahme einer Seite der Zeitschrift„Wochenend“ aufgehoben. In einer Artikelserie wurde ein Nachtlokalbesitzer beschuldigt, in seinem Lokal Deutsche an die französische Besatzungsmacht ausgeliefert zu haben. In dem Lokal soll mit Devisen und Rauschgift gehandelt worden sein. Ein ehemaliger Dolmetscher der französischen Besatzungsmacht in Ludwigshafen sagte aus, daß der Lokalbesitzer 1946/47 nicht nur Kriminelle, sondern auch alle anderen denunziert habe, die der französischen Besatzungsmacht unliebsam gewesen seien. amerika. Mit einer Geschwindigkeit von etwa 200 Kilometern in der Stunde raste er über die Karibische See und richtete zunächst auf Haiti schwere Zerstörungen an. Der Wirbelsturm nahm dann seinen Weg durch die USA. wo die Staaten Nordund Südkarolina am schwersten betroffen wurden. Ehe er sich über die Hudson Bay in die arktischen Gebiete Nordkanadas verzog, traf er noch einmal mit voller Wucht die Provinz Ontario und vor allem das Gebiet von Toronto. Ontario erlebte die schwersten Regenfälle in diesem Jahrhundert. Straßen- und Eisenbahnverbindungen wurden unterbrochen. Elnige Flüsse traten über die Ufer. gleichzeitige Deckung verabschiedet werden dürfen. Der Hinweis auf die finanziellen Folgen der Londoner Abmachungen verfange nicht, so sagte Wellhausen, denn mindestens im Haushaltsjahr 1955/56 werde der finanzielle Verteidigungsbeitrag der Bundesrepublik die Grenze von 9 Milliarden Mark noch nicht überschreiten. Diese Woche: NATO-Aufnahme Paris.(Korr.) In der kommenden Woche soll die Bundesrepublik als 15. Staat in die Atlantikpakt- Organisation aufgenommen werden. Den inoffiziellen Auftakt der Konferenzen bildet voraussichtlich am Dienstag eine Aussprache zwischen Bundeskanzler Dr. Adenauer und Ministerprasident Mendès-France über das Saarproblem, dessen Regelung in französischen Augen als Voraussetzung für einen harmonischen Ablauf der geplanten Konferenzserie angesehen wird. Negus besucht Hamburg Kaiser Haile Selassie von Athiopien will am 10. und 11. November Hamburg einen Besuch abstatten. Der Heimatbund Badener Land will beim Bundesinnenministerium ein Volksbegehren beantragen, um die Wiederherstellung des alten Landes Baden durchzusetzen. Die Sowjetunion, die Tschechoslowakei und Rumänien haben der Tagung des ÖstWest-Handelsausschusses in Genf Warenlisten für den Abschluß langfristiger Handelsvereinbarungen mit dem Westen überreicht. Der Finnische Gewerkschaftsbund hat mit dem Generalstreik für den Fall gedroht, daß die Regierung nicht bis Ende des Monats einen Plan zur Senkung der Lebenshaltungskosten billigt. Die afghanische Regierung hat für Dr. Quiring das Agrément als Gesandten der Bundesrepublik in Kabul erteilt. Deutsch-persische Handelsbesprechüngen begannen am Sonnabend in Teheran. Verhaftet wurde in Paris im Zusammenhang mit der Spionage-Affäre der französische Hauptmann Cazalet. Er soll angeblich mit Labrusse in Verbindung gestanden haben. Die britischen Parlamentarier, die eine Reise durch die Sowjetunion unternommen haben, trafen in der Nacht zum Sonntag in der finnischen Hauptstadt Helsinki ein. Ums Leben gekommen sind drei Personen, als am Sonnabend eine Volksmenge in die Bibliothek des USA-Informationsdienstes in der jordanischen Hauptstadt Amman eindrang und das Gebäude nach einem etwa sechsstündigen Kampf mit der Polizei in Brand steckte. Der Vietminh-Führer Ho Tschi-minh ist am Sonnabend nach achtjähriger Abwesenheit nach Hanoi zurückgekehrt. Er trifft hier heute mit dem indischen Ministerpräsidenten Nehru zusammen. Ein Handelsabkommen wurde zwischen Indien und der Sowjetzone Deutschlands abgeschlossen. Zum Tode verurtoilt wurden in Seoul der ehemalige nordkoreanische Generalleutnant Ha Joon Su und eine 24jährige Krankenschwester, weil sie in Kommando-Unternehmungen hinter der Front der UNO-Truppen im Korea-Krieg 530 Menschen, darunter 23 USA-Soldaten, umgebracht hatten. Die Zeit vergeht... W. S. In Mitteldeutschland gingen wieder einmal die sogenannten„Volkswahlen“ über die Bühne. Wahl bedeutet in einer Demokratie„Auswahl“, in einer Diktatur jedoch Inszenierung einer Massendemonstration, bei der pro forma ein offener Zettel von einem Tisch zum anderen getragen wird. Wahl bedeutet hier„Bestätigung“ der Diktatur, und wehe dem, der nicht mitmacht. Bundestagspräsident Dr. Ehlers hat diese„Wahl“ im Namen aller westdeutschen Parteien als eine Farce bezeichnet. Selbst wenn Teile der Bevölkerung Mitteldeutschlands eine eigene Meinung dadurch äußern würden, daß sie den Einheitszettel in der Wahlzelle verändern oder überhaupt nicht im Wahllokal erscheinen, würde das nichts am Ergebnis ändern; denn daß dabei ein Hennecke-Wunder von phantastischen Prozentzahlen herauskommen wird, lag schon vorher fest. Viele redliche Bürger in Westdeutschland sind hierüber längst zur Tagesordnung übergegangen. Der eigene Lebenskampf fordert ganze Energie; denn eine gute Konjunktur ist auf viel Fleiß und Anstrengung angewiesen, und nichts ist so irreführend wie der Begriff„Wirtschaftswunder“. Es gibt keine Wunder in der Wirtschaft. So gewöhnen wir uns langsam an einen höheren Lebenstandard und stellen höhere Ansprüche. Nie haben wir aber auch so sehr nach der Sicherung dieses Zustandes gerufen: nach sozialer Sicherheit, kontinentaler Sicherheit, globaler Sicherheit. Die deutsche Wiedervereinigung dagegen hinkt nach. Das SED-Regime konsolidiert sch. Die Menschen in Ost und West resignieren. Selbst der tägliche Flüchtlingsstrom stört das Bild nicht. Man hat sich daran gewöhnt. Von Zeit zu Zeit verurteilen unsere Politiker diese ganze Misere, aber: man hat sich daran gewöhnt. Es ist alles zur Routine erstarrt, Unsere Liebesgaben schicken wir dann womöglich noch über eine Organisation: das spart Zeit und ist bequemer. Daß die Wiedervereinigung aber nicht ohne die großen Weltmächte werden wird, wissen wir. Sie wird noch weniger kommen, wenn wir es den Weltmächten allein überlassen wollten, wie und wann die Einheit geschehen soll. Etwas Phantasie müssen wir wohl auch entwikkeln. Neun Jahre lang gibt es nun schon zwei deutsche„Staaten“, und man hat festgestellt, daß das„auch geht“. Beide Hälften spielen heute selbständige Staatsgebilde, und auch aus dem Provisorium ist Routine geworden. Es wäre nun ungerecht, unseren Parteien einen Vorwurf daraus zu machen, daß es so gekommen ist. Daran ist die Weltlage schuld. Daß es unsere Parteien ehrlich meinen in ihrem Streben, Deutschland aus dem Teufelskreis der ideologischen und machtpolitischen Spaltung hinauszuführen, wird keiner bestreiten. Unser Bedürfnis nach Sicherheit wird ans eine westdeutsche Armee bringen und damit indirekt eine Verstärkung der ostdeutschen Truppen. Der Anfang dieses Prozesses ist nur eine Frage der Zeit. Die Bundsregierung hofft, eines Tages aus einem machtpolitischen Gleichgewicht heraus die deutsche Einheit erzwingen zu können, vorausgesetzt, daß in Zukunft nur die westliche Waagschale der Macht schwerer wird. Inzwischen aber wächst in Mitteldeutschland eine Jugend heran, die bei zukünftigen Wahlen kommunistisch wählen wird. Schon heute fürchten wir bei einer Wiedervereinigung das Schicksal der Tschechoslowakei zu erleiden. Was wollen wir übermorgen sagen, wenn unsere Demokratie eine fanatische FDJ-Generation verdauen soll? Wir haben nicht mehr allzu viel Zeit. Es wird deshalb nötig sein, mit Beginn der Aufrüstung endlich mit Ost-Gesprächen zu beginnen und nicht damit zu warten, bis die Sowjets freien Wahlen nur deshalb zustimmen, weil sie sich auf eine sowjetisierte Jugend in Mitteldeutschland voll und ganz verlassen können. Amerikanische Basen am Südpol Expedition soll den strategischen Wert erforschen— Bergketten bis zu 7000 Meter Schmilzt das Eis am Südpol tatsächlich, wie es die Theorie der Wissenschaftler besagt, so schnell, daß wir in 20 bis 30 Jahren mit ungeheuren Überschwemmungen auf dem südlichen Teil der Erde rechnen müssen? Diese Frage sollen die Teilnehmer einer Expedition beantworten, die von den USA im Dezember in die Antarktis entsandt wird. Die Forscher werden ein Jahr lang direkt am Pol verbringen, zwei weitere Jahre aber dazu benutzen, um das Wetter, die kosmischen Strahlungen, das Südlicht, die magnetischen Stürme und schließlich die Radarimpulse der Jonosphäre zu erkunden. Diese Aufgabe deutet stark darauf hin, daß die Expedition auch Aufschlüsse zu liefern hat, welche Rolle die Antarktis in der Auseinandersetzung zwischen Öst und West spielen kann. Präsident Eisenhower hat zwar im August erklärt, die USA hätten im Südpolgebiet keine territorialen Forderungen. Aber jedem Einsichtigen ist es klar, daß die Antarktis einen großen strategischen Wert hat. Wenn in einem künftigen Kriege der Panamakanal zerstört werden sollte, wird das Fahrwasser um Kap Horn die einzige Verbindung bleiben, die zwischen Atlantik und Pazifik besteht. Sie ließe sich von Basen auf den Süd-Shetlandinseln und dem Grahamsland sehr leicht kontrollieren. Über die Antarktis führt auch der kürzeste Flugweg zwischen Südamerika, Südafrika und Australien. Es kann, nachdem man die Nordpolroute zwischen Dänemark und Kalifornien bereits praktisch erprobt hat, nur noch eine Frage der Zeit sein, wenn man auch die antarktische Route befliegt. so groß wie die USA, in den Kampf zwischen West und Ost einbezogen. Die Amerikaner beabsichtigen, die Gebiete am Südpol diesmal gründlich unter die Lupe zu nehmen. Dazu wird es notwendig sein, daß sich ihre neue Expedition den Weg über Bergketten erkämpft, deren Gipfel Höhen bis zu 7000 Meter erreichen. Sie wird im Herzen der Antarktis auf Gebiete stoßen, die größer als Westeuropa sind, die jedoch noch kein menschliches Auge erblickte. Unter den mächtigen Eisschichten liegen nach der Ansicht von Admiiral Byrd riesige Mineralvorkommen. Auch deren Lage soll mit den modernsten Instrumenten erforscht werden, damit man sie in absehbarer Zeit mit Hilfe von Atomkraftanlagen„auftauen“ und ausbeuten kann. Der Eisbrecher, der im Dezember nach Klein-Amerika im Roßmeer ausläuft, wird neben gewaltigen Mengen an Lebensmitteln auch Berge von Baumaterial laden, das die Errichtung fester Häuser gestattet. Dieselmotoren sollen dafür sorgen, daß die Expeditionsteilnehmer Funk- und Radarstationen betreiben und auf diese Weise die Heimat benachrichtigen können, was zur weiteren Erschließung der Antarktis gebraucht wird. Wenn es irgendwie möglich ist, soll der Nachschub mit Flugzeugen geschehen, damit die Forschungsergebnisse durch Luftaufnahmen erweitert werden können. Alle diese Vorbereitungen deuten darauf hin, daß die USA die Chance, die ihnen am Südpol im Augenblick noch geboten ist, gründlich wahrzunehmen gedenken. Ihre Erforschung und Erschließung wird aber nur ein Nebenprodukt der Absicht sein, in der Antarktis Basen aufzubauen, die in einer möglichen Auseinandersetzung eine beachtenswerte Rolle spielen könnten. Interessantes in Kürze Von einem Nahschnellzug erfaßt wurde an einem Bahnübergang in Godesberg. dessen Schranken nicht geschlossen waren. eine Frau mit einem Kinderwagen. Die Frau wurde verletzt, das Kind getötet. Ermordet aufgefunden wurde am Sonnabendmorgen in der Nähe eines Bielefelder Nachtlokals ein Mädchen. Es war zuletzt im Nachtlokal mit einem jungen Mann gesehen worden Eine seltsame Sammlerleidenschaft wurde einem britischen Offizier in Iserlohn zum Verhängnis, in dessen Wohnung die Polizei eine große Menge von Barometern, Thermometern und Firmenschildern fand. Der Offizier hatte diese Gegenstände nachts von Geschäftshäusern demontiert und mit jhnen seine Wohnung regelrecht„tapeziert“. Selbstmord verübte in Oberhausen ein 15jähriger Realschüler, weil er sich schämte, seiner Mutter ein Heft mit schlechten Mathematikzensuren zur Unterschrift vorzulegen. Auf dem Gelände des Flughafens EssenMülheim wurde am Sonnabend der Grundstein zur ersten Flugzeughalle der Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt gelegt. Die Lippstädter Herbstwoche, die bis zum 24. Oktober dauert, wurde am Sonnabend eröffnet. Zwei Tote und fünf Verletzte forderte uf dem Ruhrschnellweg in DortmundOespel ein Verkehrsunglück. Ein Pkw streifte beim Überholen einen entgegenkommenden Lastwagen und überschlug sich. Der Pkw-Fahrer aus Dortmund und die neben ihm sitzende Ehefrau starben sofort. Gefängnis für Toto-Gewinner Spätes Interesse in Washington Großbritannien, Argentinien und Chile haben, als sie die Bedeutung des Südpolgebietes erkannten, sofort Basen in der Antarktis errichtet. Das Interesse der USA erwachte erheblich später. Erst als mehrere Expeditionen in den Jahren 1946 bis 1948 aufsehenerregende Ergebnisse auf den Tisch der Strategen legten, meldete Washington seine Ansprüche auf„Mitbestimmung“ im Raum um den Südpol an. Das taten— und darum scheint es in der Hauptsache zu gehen— übrigens auch die Sowjets. Damit wird ein zum größten Teil noch unerforschter Kontinent, doppelt Er wurde von ostzonalen„Bekannten“ denunziert Berlin.(dpa) Ein 500-Mark-Gewinn im Westberliner Fußballtoto wurde dem Sowjetzonenbewohner Josef Schimmel zum Verhängnis. Wegen Vergehens gegen das Gesetz zum Schutz des innerdeutschen Zahlungsverkehrs verurteilte ihn das Sowjetzonen-Bezirksgericht Potsdam zu zwei Jahren Gefängnis. Schimmel, der seit längerer Zeit im Westberliner Toto tippt, hatte den Gewinn teilweise zu Einkäufen in Westberlin benutzt oder in Westberliner Wechselstuben in Ostmark umgetauscht. Das sowjetzonale Gericht sah darin eine schwere Schädigung der Wirtschaft der DDR. Er habe den„Schwindelkurs der Wechselstuben“ unterstützt und westliche Waren ohne Begleitschein in die Sowjetzone eingeführt. Schimmel war von Bekannten, denen er von seiner Gewinn erzählt hatte, denunziert worden. „Mecki“ fraß den Papagei Pazifik-Floßfahrer auf Samoa eingetroffen Apia(West-Samoa). Der 61jährige Amerikaner William Willis traf nach einer 115tägigen Reise über eine Strecke von 9 600 Kilometern mit seinem Floß und seiner Katze„Mecki“ auf WestSamoa ein. Er war am 26. Juni von Callao an der peruanischen Küste aufgebrochen und hatte sich von der Strömung quer über den Pazifik treiben lassen. Als Willis auf Samoa an Land ging, war er abgemagert und erschöpft. Ein Arm war in einem Kampf mit einem Hai verletzt worden. Zwei Monate lang, sagte Willis, habe er nur Seewasser zum Trinken gehabt. Dann habe ein amerikanisches Schiff seinen Kurs gekreuzt. Die meiste Zeit habe er sich von rohem Fisch und Gerstenzucker ernährt. Nach einer Rast auf Samoa will Willis unter Umständen nach Australien weiterreisen. Seine Reisegefährtin Mecki hat er dem Kapitän des Schiffes geschenkt, das das Floß in den Hafen von Pago Pago auf Samoa einschleppte. Mecki ist bei Willis in Ungnade gefallen. Sie hatte wenige Stunden vor der Landung auf Samoa den zweiten Reisegefährten des Pazifikfahrers, einen Papagei, aufgefressen. Londoner Benzinversorgung bedroht London.(Korr.) Der Benzinversorgung Londons droht bej' einem weiteren Anhalten des Londoner Hafenarbeiterstreiks ernste Gefahr. Wenn die Benzinfirmen auch erklären, daß zur Zeit noch genügend Treibstoff in den Vorratslagern liege, so kam es doch schon am Sonnabend zu Angstkäufen. In einem Fall fuhr ein Kraftwagenbesitzer mit einem„Privattankwagen“ vor und forderte 500 Liter Benzin. Viele Tankstellen haben von sich aus bereits eine Art von Benzinkontingentierung eingeführt. Auch Königin-Mutter Ehrendoktor Washington.(Korr.) Zusammen mit Bundeskanzler Dr. Adenauer werden am 31. Oktober 47 andere bekannte Persönlichkeiten aus aller Welt die Ehrendoktorwürde der Columbia-Universität in New York erhalten. Unter den Ausgezeichneten sind auch Königinmutter Elisabeth von England, der belgische Außenminister Spaak. der indische Vizepräsident Radhakrishnan, der demokratische Parteiführer Adlai Stevenson, der UNO-Generalsekretär Dag Hammarskjoeld, der englische Biologe Huxley und drei Nobelpreisträger. Adenauer will vermitteln Bonn.(dpa) Der Bundeskanzler will mit dem Bundeskabinett am heutigen Montag geheime Besprechungen führen, um die Unstimmigkeiten in der Regierungskoalition beizulegen. In Regierungskreisen wird erklärt, daß der Bundeskanzler vor seiner Abreise nach Paris und den Vereinigten Staaten alle Schwierigkeiten im Kabinett und in der Koalition bereinigen möchte. Zu den Forderungen des BHE wird erklärt, daß durchaus eine Lösung gefunden werden könne, die die Wünsche dieser Partei befriedigen könne. Überfall in Nordirland London.(Korr.) Mit Maschinengewehren bewaffnete Männer, die sich ihre Gesichter geschwärzt hatten, überfielen in der Nacht zum Sonntag eine britische Kaserne in Omagh(Nordirland). Es kam zu cinem heftigen Feuergefecht, wobei fünf Soldaten und mindestens zwei der Angreifer verletzt wurden. Die Angreifer sprangen über die Kasernenmauer und versuchten, den Posten zu überwältigen. Er konnte jedoch Alarm schlagen und die Wache herbeirufen. 20 Minuten lang peitschten Maschinengewehrgarben und Gewehrschüsse über den Kasernenhof. Schließlich ergriffen die Angreifer die Flucht. Vermutlich wurde der Überfall von Angehörigen der illegalen Irischen Republikanischen Armee ausgeführt. Die IRA ist in Nordirland und im irischen Freistaat als Untergrungbewegung tätig. Sie will die Wiedervereinigung Irlands mit allen Mitteln erzwingen. Der wiederaufgebaute Turm des Paderborner Doms wurde am Sonnabend in Anwesenheit hoher Würdenträger der katholischen Kirche gerichtet. Eine Blutrachenfehde, deren Ursprung 15 Jahre zurückliegt, forderte in der türkischen Stadt Gaziantep vier neue Todesopfer. Der sechzehnjährige Neffe eines Mannes, der vor 15 Jahren einen Mord begangen hatte und einige Jahre später von den Verwandten des Ermordeten getötet wurde, erschoß im Gerichtsgebäude die beiden Mörder seines Onkels, den Gerichtsdiener und einen Zeugen. „Fliegende Untertassen“ sind angeblich an zahlreichen Orten in Kenia, Uganda und Tanganjika(Östafrika) beobachtet worden. Drei Häftlinge wurden bei einer Gefangenenmeuterei in einem Gefängnis bei Bogota in Kolumbien(nördliches Südamerika) erschossen. Zwei Gefängnisinsassen und vier Wärter wurden verletzt. Eine 25-Pfund-Bombe wurde im Keller eines Londoner Hauses gefunden. Sie stammt vermutlich noch von einem deutschen Zeppelin-Angriff im ersten Weltkrieg. Geschieden wurde in Iola im USA-Staat Kansas der hundertjährige Thomas Kimzey von seiner 70jährigen Frau. Kimzey hatte sie im Jahre 1945 geheiratet. 1952 verließ sie ihn. Eine Gruppe zehnmotoriger USA-Bomber traf auf der Pazifik-Insel Guam ein. Diese Flugzeuge sind zum Transport von Atombomben eingerichtet. „Hege statt Schießen“ Landtagspräsident Gockeln macht einen nachdenklichen Vergleich Düsseldorf.(dpa) Es wäre zu begrüßen, wenn die Diplomatie dafür sorgen würde, daß nach dem Schießen der Nationen jetzt die Hege träte, sagte der NRWLandtagspräsident Gockeln am Sonnabend bei der Eröffnung der internationalen Jagd- und Sportfischerei-Ausstellung in Düsseldorf. In seiner Eröffnungsansprache wies Bundesernährungsminister Lübke darauf hin, daß es die Pflicht jedes einzelnen sei, die Sünden der modernen technischen Entwicklung gegenüber der Natur wiedergutzumachen. Ministerpräsident Arnold erklärte, daß es von der lebenden Generation abhänge, ob der rücksichtslosen Vergiftung der Flüsse Einhalt geboten werde. Der Präsident des Deutschen Jagdschutzverbandes. Cossack, sagte, der Jäger müsse sich frei machen von dem Gedanken an die Unerschöpflichkeit der Natur. Heute stehe nicht mehr die Trophäe im Vordergrund, sondern der Schutz des Schwächeren, Von FD-Zug überfahren München.(dpa) Zwei Todesopfer und zwei Schwerverletzte forderte ein schwerer Unfall, der sich am Sonntagabend auf der Strecke von Rosenheim nach München an einem beschrankten Wegübergang bei Baldham ereignete. Ein Personenkraftwagen mit drei Insassen fuhr gegen einen Fernschnellzug. Die Ursache des Unfalls ist noch ungeklärt, da der Schrankenwärter schwer verletzt wurde und nicht vernommen werden konnte. M Aegdadk ROMAN VON HANS GRUHL Presserechte bei Münchner Roman-Verlag München-Pasing (1. Fortsetzung) Er trank den Kognak und verdrehte beseligt die Augen. Daniel fand, daß er etwas hastig verfuhr. „Was diesen Laden betrifft— kleine Fische. Alles friedliche Motten. Die Leute haben ruhig zu liegen und zuzunehmen— das ist alles. Totmachen werden Sie sich hier bestimmt nicht. Mittags ist Schluß. Nur Michels— der arbeitet immer. Hat nie Zeit zu irgend was. Will sich habilitieren. Na ja— soll er.“ In Strohmanns Ton drückte sich die Verachtung für die wissenschaftliche Laufbahn aus. „Sie auch?“ fragte Daniel deswegen. „Ich? Um Himmels willen! Mühseliges Brot. Erst einen Haufen Arbeiten zusammenschmieren, damit Sie überhaupt konkurrenzfähig sind— bekanntermaßen geht es ja nach Zahl, nicht nach Inhalt. Dem Chef müssen Sie entweder hinten'reinkriechen oder seine Tochter heiraten, um etwas zu werden— und dann versauern Sie irgendwo als Oberarzt mit TOA zwei. Nee, nee—'ne gemütliche, runde Privatpraxis mit solider Stammkundschaft— das ist eher nach meinem Geschmack. Prost!“ Er schenkte sofort wieder nach. „Übrigens— Sie haben eine niedliche Assistentin— ganz heißes Kind! Die kann Ihnen die überflüssige Zeit vertreiben.“ Er kippte im Gedanken an das heiße Kind den nächsten Kognak hinunter. Es schien, als wolle er die günstige Gelegenheit ausnützen. Daniel wußte nicht, daß er sich nach jemanden sehnte, mit dem er sprechen konnte. Als er das Glas niedersetzte, trat Marion Ralfs ein. Daniel schätzte sie auf 25 Jahre. Erst später stellte er fest, daß sie älter war. Ihr blondes Haar war in einer schlichten Welle um den schönen Kopf gelegt. Von der Haarfarbe stachen die warmen, tiefbraunen Augen seltsam reizvoll ab. Sie strahlte Sicherheit und Frohsinn aus. Als sie dicht vor Daniel stand, fiel ihm eine leichte Melancholie in ihrem Gesicht auf — sie mußte Leid und Schmerzen erfahren haben und mitempfinden können. „Seien Sie willkommen“, sagte sie mit tiefer, klingender Stimme, und ihm wurde bewußt, daß sie der erste Mensch war, der das in diesem Hause zu ihm sagte.„Ich hoffe, es gefällt Ihnen. Hat Kurtchen schon erzählt?“ Daniel nickte. Kurtchen! Nein, seine Liebe zu ihr war wirklich hoffnungslos. Strohmann strahlte sie an und zwinkerte ihm zu, als wollte er sagen: Na. was hab' ich gesagt? Er hatte recht. Sie schien wirklich ungewöhnlich. „Trinken Sie einen mit, Marion“, rief Strohmann.„So billig kriegen wir’s nicht wieder!“ Er schenkte ein. Marion hob ihr Glas und ihr Blick kam wie ein warmer Strom über den Rand zu Daniels Augen. Strohmann redete unaufhörlich. „Wenn Marion in der Nähe ist, blühe ich auf, wissen Sie. Sie wirkt auf mich wie Mokka mit Pervitin. Täglich zweimal halte ich um ihre Hand an. Aber ihr Herz ist von eitel Granit. Ich bin daran zerschellt.“ Die Arztin lächelte nachsichtig.„Sie sehen noch ganz solide aus, Kurtchen.“ „Ich kann Ihren Kummer nachfühlen“, sagte Daniel zu Strohmann.„Auf alle schönen Kolleginnen!“ Sie senkte die Lider. Ihre Wimpern waren seidenweich, dicht und zart. „Wie ist es“, fragte Strohmann,„auch nicht verheiratet?“ „Auch nicht“, erwiderte Daniel.„Steuergruppe eins.“ „Trifft sich ja großartig. Junggesellenklub e. V. Mich nimmt niemand, Marion sagt zu oft nein, Michels lebt nur der Wissenschaft— was ist es bei Ihnen?“ „Ich weiß es nicht“, sagte Daniel, und das war auch beinahe wahr. „Sie wollen Ihren Seltenheitswert erhöhen. Schändlicher Wucherer! Aber warten Sie— einmal erwischt Sie's!“ Die Getränke gingen zu Ende. Daniel war es ganz lieb. Er wollte sich heute nicht betrinken und viel war von dem Gespräch nicht mehr zu erwarten. Marion schien seine Gedanken zu erraten. „Haben Sie eigentlich Ihr Zimmer schon gesehen, Herr Daniel?“ Er verneinte. „Na, da wird es höchste Zeit. Das ist doch das wichtigste. Kommen Sie!“ „Sehen Sie, sie fängt schon an, für Sie zu sorgen. Und was bleibt mir?“ „Sie sind das nächste Mal wieder dran, Kurtchen. Bis nachher!“ Strohmann blieb sitzen und Daniel folgte ihr. Das Zimmer lag im oberen Stockwerk, das dem Personal vorbehalten war. Es war gemütlich, die Einrichtung knapp, aber praktisch. „Breiten Sie sich aus!“ sagte Marion lächelnd.„Abendessen gibt es um halb sieben. Ich sage in der Küche Bescheid Wiedersehen.“ Daniel packte seinen Koffer aus, und räumte ein. Das Fenster stand offen und der Duft von Wald und Flieder zog durch den Raum. Hinter dem Haus zog sich eine weite Grasfläche, auf der die Kegel der Rhododendronbüsche blaugrün glänzten. Dahinter stiegen die Stämme des Laubwaldes am Berghang an. Daniel sah oben, wo die Blätterwand eine dichte, wogende Kuppel bildete, einen steinernen Kranz von Zinnen, der darüber hinausragte— die Spitze eines Turmes, der zwischen den Bäumen stand und von ihnen verborgen wurde. Noch ahnte Daniel nicht, welche Bedeutung dieser Turm für ihn und sie alle hier gewinnen sollte... Hoffnungslose Liebe Das Abendessen war ländlich und nahrhaft. Am Kopfende des Tisches saß Marion, rechts von ihr Michels, ihm gegenüber Strohmann. Daniel wurde neben Michels placiert. Der Alkohol wirkte in Strohmann noch nach, er schwatzte lebhaft und fröhlich. Marion fungierte mit lächelnder Aufmerksamkeit als Hausfrau. Michels sagte kaum ein Wort. Daniel spürte, daß er sich mit stummer Verehrung um Marion bemühte, er schloß es auch aus den schnellen Blicken, mit denen Strohmann die beiden beobachtete. Das alte Lied! Er beschloß im stillen, außer Konkurrenz zu bleiben. Plötzlich sehnte er sich danach, das schwarze Mädchen wiederzusehen. Als ebgeräumt war, saßen sie um den Rauchtisch in der Ecke des Zimmers.„Was ist das für ein Turm da oben auf dem Berg?“ fragte Daniel. „Der Turm?“ rief Strohmann.„Unser Wahrzeichen! Symbol eines gewaltigen finanzstarken Geschlechtes! In Zeiten der Wirtschaftskrise suchten die Börsenritter dort vor ihren Gläubigern Schutz.“ „Es ist eine Pumpanlage mit Wasserbassin“, erklärte Marion.„Für den Berg reicht der Druck des Wassernetzes nicht aus— das Wasser wird hochgepumpt und im Bassin gespeichert. So sind wir von draußen unabhängig.“ „So ist es!“ fuhr Strohmann fort.„Die Erbauer dieses Palastes hatten mit biblischen Dürreperioden gerechnet. Sie fürchteten die Strafe des Himmels für ihre Steuerschulden.“ „Das Grundstück gehörte einem Industriellen“, erklärte Marion weiter.„Er hat es vor einigen Jahren an die Stadt verkauft. Im Kriege war es Lazarett. Nun sitzen wir mit unserer Zweigstelle drin— seit zwei Jahren ungefähr.“ Daniel bedankte sich.„Wie viele Patienten haben wir eigentlich?“ Michels beteiligte sich zum ersten Male am Gespräch.„Hundertzwanzig. Drei Stationen zu je vierzig Betten.“ „Und Personal?“ „Außer uns: fünfundzwanzig Schwestern, zwei technische Assistentinnen, eine Röntgenassistentin.“ Das heiße Kind, dachte Daniel und wechselte einen Blick mit Strohmann. „Über allem schwebt Anna, die Eiserne“, sagte der,„Sie werden sie kennnenlernen — wappnen Sie Ihr Herz mit Mannesmut! Sie ist wie der liebe Gott persönlich— ihr entgeht nichts.“ „Sie ist sehr zuverlässig“, sagte Michels bestimmt,„ich wünschte, man könnte das vom ganzen Personal sagen.“ Unzweifelhaft ging das gegen Strohmann. „Man kann auch zuverlässig sein, ohne alles zu tyrannisieren“, gab dieser angriffslustig zurück.„Die Mädchen zittern, wenn sie nur auftritt. Jeder gönnt ihr die Pension und einen geruhsamen Lebensabend.“ Marion mischte sich ein. Immer dann, wenn die beiden sich in die Haare kriegen, dachte Daniel. (Fortsetzung folgt) uwis mal „Was, Ihr Mann ist krank? Hoffentlich keine ansteckende Krankheit?“ „Kaum! Er hat sich überarbeitet..." 119 Jahrgang— Nummer 242 Sauerländisches Volksblatt Altester Anzelger des Sauerlandes+ Über 100 Jahre Helmat- und Krelsblatt im Kreise Olpe Montag den 18. Oktober 1954 Fallende Blätter Nun wird es braun und falbe das schöne Sommerlaub; Schon rauscht es von den Bäumen und ist der Winde Raub. Bald fällt durch kahle Reiser der kalte Schnee herab; der Wald ist öd und traurig, die Erde wie ein Grab. Laß rauschen, immer rauschen! Die Hoffnung bleibt besteh'n; die Hoffnung auf den Frühling, die kann kein Wind verweh'n! Hoffmann v. Fallersleben geboten. In der letzten Stadtverordnetensitzung äußerte man sich hierüber. Stadtdirektor Habbel teilte mit, daß die Städt. Müllabfuhr eigens eine Vorrichtung geschaffen habe, damit der Wagen am Müllplatz sicher abgeladen werden kann. Auf Anfrage äußerte er sich außerdem dahingehend, daß die Uebernahme des Geländes für die jetzige Müllabladestelle keine wesentlichen Kosten verursache. Die Verhandlungen mit dem betreffenden Grundstücksbesitzer über eine Erweiterung des Geländes seien noch im Gange. Für den Küchentisch. Labskaus: Das Fleisch wird mit kochendem Wasser(ohne Salz) aufgesetzt. Nach einer halben Stunde fügt man das kleingeschnittene Suppengemüse und Gewürze hinzu und läßt je nach Fleischart 60—80 Min. leise ziehen. Die geschälten Kartoffeln werden gargekocht, durchgepreßt und mit dem durch die Fleischhackmaschine gedrehten Fleisch vermischt. Man fügt soviel Brühe hinzu, daß das Gericht breiig wird. Es wird mit goldgelb gerösteten Zwiebelwürfeln, Salz, Pfeffer, wenig Essig abgeschmeckt. Man reicht Salzgurkenscheiben und Spiegeleier dazu. „Der erste Schritt zur Selbstverwaltung“ Längere Debatte vor der Wahl des Gemeindedirektors Müllgefäße werden vorgeschrieben Ab 1. Januar 1955 von der Städtischen Müllabfuhr Olpe Olper Stadtspiegel Der angekündigte Felke-Vortrag über „Der Krebs und seine Verhütung“ beginnt heute um 20 Uhr im Café Gastreich, Frankfurter Straße. Zu dem Vortrag von Vikar Schröder aus Gelsenkirchen werden alle Mitglieder und Interessenten erwartet. Das Thema des Abends ist besonders zeitgemäß und interessant. Der Groß-Farbfilm„Aus eigener Kraft“ wird seitens des Volkswagenwerkes und seiner hiesigen Vertretung Autohaus Gebr. Nies-Olpe am kommenden Sonntag (24./10.) in zwei Matinee-Aufführungen (10.15 Uhr und 11.45 Uhr) im Lichtspieltheater Tampier vorgeführt. Der Film gibt ein Beispiel des deutschen Wiederaufbaus in Farben und Tonen. Einladungen zu den Aufführungen ergehen durch den Veranstalter. Die Olper Segelflieger sind weiterhin eifrig und begeistert bei der Arbeit. Sie warten gespannt auf den Tag, an dem ihr selbstgebauter Segler startbereit sein wird, den man vor einiger Zeit schon — ohne Tragflächen— bei einer Ausstellung in der Bruchstraße bewundern konnte. Wer sich näher über den Bau von Segelflugeeugen unterrichten möchte, soll einmal einen Blick in den Aushangkasten des Olper Luftsport-Clubs in der Mühlenstraße werfen. Dort sieht er Abbildungen von den verschiedireten Flugzeugtypen. Der Reichebund der Kriegs- und Zirilbeuchädigten Fält seine nächsten Sprechstunden am Freitag, dem 22 Oktober, zur gewohnten Zeit ab. Deutsches Rotes Kreuz. Die Einsatzgruppen haben am morgigen Dienstag um 20.15 Uhr Dienstabend im kleinen Schwanensaale. Martin-Luther-Film in Olpe. Wie wir erfahren, wird der Film„Martin Luther“ ab Dienstag im Filmtheater Tampier vorgeführt. Der Filmstreifen hat durch die Freiwillige Filmkontrolle das Prädikat „Wertvoll“ erhalten. Hohes Alter. Am 20. dieses Monats begeht die Witwe Anna Hochstein geb. Klein, wohnhaft Martinstraße 70, ihren 86. Geburtstag. Dazu unsere besten Glückund Segenswünsche! Größte Vorsicht ist beim Schuttabladen an der neuen Abladestelle in der Wüste Olpe. Irgendwie ist der Punkt„Müllabfuhr“ immer ein besonders aktuelles und strittiges Problem. Das wissen wir aus den verschiedensten Gemeinde- und Stadtparlamentssitzungen. Letzten Endes kommt es einem dabei vor, als handele es sich um den wahren„Kulturdünger“, dessen zweckmäßige, hygienische und wer-weiß-was-noch für eine Ablagerung als höchst wichtig erscheint im Hinblick auf dieses wertvolle Produkt im nahen menschlichen Umkreise. In der letzten Sitzung des Olper Stadtparlaments ging es bei Punkt 6 der TO „Regelung der Müllabfuhr“ in der Hauptsache um die Beschaffung von geeigneten, möglichst einheitlichen Müllgefäßen. Ein entsprechender Paragraph in der Müllsatzung sollte durch Beschluß des Kollegiums nunmehr in Kraft gesetzt werden, nachdem die Städtische Müllabfuhr schon seit längerem eingeführt ist. Das Kollegium entsprach der Vorlage des Hauptausschusses. Es erklärte sich damit einverstanden, daß ab Januar 1955 die Vorschrift gilt: Jeder Teilnehmer der Städt. Müllabfuhr mus die vorgeschriebenen Müllgefäße für die Bereitstellung des anfallenden Mülls besitzen und verwenden! Mit Pappschachteln und undefinierbaren Blecheimern geht es dann nicht mehr. Wie aber die vorgeschriebenen Müllgefäße aussehen sollen und wie sie vorschriftsmäßig beschafft werden können. hierüber ergab die Aussprache noch keine restlose Klarheit. Vielmehr soll sich der Hauptausschuß demnächst mit dieser Frage beschäftigen und dann einen entsprechenden Vorschlag unterbreiten. Bis Januar ist ja noch hinreichend Zeit und außerdem wird— wie in der Sitzung verlautete— die Stadt nicht so radikal vorgehen, daß Minderbemittelte und andere, denen die augenolickliche Beschaffung eines neuen vorgeschriebenen Müileimers schwer fällt, zu hart betroffen werden, vor allem nicht wegen der bevorstehenden Einkellerung und des kommenden Weihnachtsfestes. Man will also den Zwang ohne Härte, ist aber auch davon überzeugt, daß es der Mehrzahl der Einwohner bzw. Familien und Betriebe durchaus möglichst ist, sich die passenden Müllgefäße alsbald zu beschaffen. Es müßte dies schon mit Rücksicht auf die mit der Müllabfuhr Beschäftigten geschehen, die es augenblicklich oft noch sehr schwer haben, mit den unmöglichsten Gefäßen beim Verladen des Mülls zu Rande zu kommen. Also auch eine menschliche und soziale Rücksichtnahme! Für diese Rücksichtnahmen Für Mieter und Hausbesitzer Es glbt zwel anerkannte Behörden zur Mletprelsfestsetzung Kreis Olpe. Eine grundsätzliche Entscheidung, die inzwischen Rechtskraft erhielt, fällte das Oberverwaltungsgericht in Münster in der Frage der Mietfestsetzung und der Möglichkeit der Mietaufhebungsklage durch den Hauswirt bei Zahlungsverweigerung. Die interessante Seite des Falles lag darin, daß es nicht die Mietpreisbehörde war, die die neue Miete festsetzte, sondern die Bewilligungsstelle einer Stadtverwaltung, die die Landesdarlehn für den Wiederaufbau vergibt. Im Zuge der Bewilligung eines solchen Darlehns für ein kriegszerstörtes Haus, setzte die Bewilligungsstelle für alle Wohnungen des Hauses eine Durchschnittsmiete von 0,95 DM je qm Wohnfläche fest. Unter diesen neuen Mietpreis kam auch eine bereits bewohnte Wchnung, die in den Jahren 1946/47 schon behelfsmäßig wiederhergestellt worden war. Dieser Mieter wehrte sich gegen den neuen Mietpreis, er erklärte, daß er den alten Mietpreis weiter zu zahlen ge denke. Die Anwendung des§ 11 der Verordnung über die Miethöhe von neugeschaffenem Wohnraum(Mietenverordnung) vom 20. November 1950 komme für seine Wohnung nicht in Frage. Da der Hausbesitzer mit einer Mietaufhebungsklage wegen Weigerung der erhöhten Mietzahlung drohte, so wandte sich der Mieter an die Verwaltungsgerichte. Er warf mit seiner Klage eine Fülle rechtlicher Probleme auf, insbesondere stellte er damit die Frage, ob eine Bewillig ingsbehörde, oder eine Mietpreisbehörde neue Mieten festsetzen kann. Das Gericht wies die Klage ab und bejahte für den Hausbesitzer die Möglichkeit einer Mietaufhebungsklage nach§ 3a plädierten namentlich die Stadtverordneten Kämpfer und König. Der Endeffekt war, daß vorerst einmal mit allen Stimmen der anwesenden Stadtvertreter die Inkraftsetzung des§ 6 der Satzung über die Städt. Müllabfuhr vom März 1952 beschlossen wurde und zwar— wie schon oben erwähnt— ab 1. Januar 1955. Alles Nähere wird noch im Laufe der nächsten Wochen bekannt gegeben.(r) Waldwirtschaftsgenossenschaft Drolshagen. Eine Mitgliederversammlung der Waldwirtschatsgenossenschaft Drolshagen findet heute um 20 Uhr in der Gastwirtschaft Heinrich Dallwig statt. Auf der Tagesordnung steht u. a. die Beschlußfassung über Ausbau der Waldwege„Am Hernscheid“,„Wahre“ und „In der Theimicke“. Bilstein. Am Montagabend wird um 20 Uhr im Saal Faerber-Luig der Tonfilm „Moselfahrt aus Liebeskummer“ aufgeführt. Elspe. Der Nachtragshaushaltsplan der Gemeinde nebst Satzung soll in Kürze der Gemeindevertretung zur Genehmigung vorgelegt werden. 25 000 deutsche Kriegsgräber in Dänemark 10 000 gefallene deutsche Soldaten und 15000 verstorbene Flüchtlinge ruhen in danischer Erde an fast 500 verschiedenen Friedhofsorten. Die meisten Toten ruhen in Jütland in 10 664 Gräbern auf 307 Ftiedhöfen und fast ebenso viele Tote, nämlich 10 188, allein in Kopenhagen Wie der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge in seiner Zeitschrift„Kriegsgräberfürsorge“ im Öktoberheft mitteilt, sind die deutschen Toten im allgemeinen unter einer gut gepflegten Rasendecke gebettet. Um alle deutschen Toten auf den bereits bestehenden größeren Friedhöfen zusammenbetten zu können und für diese Ruhestätten das dauernde Ruherecht zugesichert zu erhalten, sind Verhandlungen mit der dänischen Regierung eingeleitet worden. Welschen Ennest. Mit der Stellung des ehrenamtlichen Gemeindedirektors in der Selbstverwaltung beschäftigte sich kürzlich die Gemeindevertretung Rahrbach, die im Gasthof Becker unter dem Vorsitz des Gemeindebürgermeisters Kramer tagte. In der Aussprache erklärte Amtsdirektor Rettig, daß nach dem Urteil des Verfassungsgerichtshofes jeder amtsangehörigen Gemeinde aufgrund der Verfassung die Selbstverwaltung durch ihre gewählten Organe zustehe, zu denen auch der ehrenamtliche Gemeindedirektor gehöre. Obwohl Gemeindebürgermeister Kramer den Amtsdirektor für den Posten des Gemeindedirektors in Vorschlag brachte und als Stellvertreter Amtsoberinspektor Sommerhoff, war Gemeindevertreter Berens anderer Ansicht. Er schlug Gemeindebürgermeister Kramer als Gemeindedirektor und den Gemeindevertreter Limper zum Stellvertreter vor mit der Begründung, daß er darin den ersten Schritt zur Selbstverwaltung sehe. Bei der Abstimmung entschieden sich von den sieben Gemeindevertretern fünf für den Gemeindebürgermeister und einer für den Amtsdirektor. Eine Stimme— es wurde mit Stimmzetteln abgestimmt— war ungültig. Gemeindebürgermeister Kramer lehnte die Wahl ab und bestand auf Abstimmung seires Vorschlages. Obwohl ihn die Vertreter Berens und Büdenbender zur Annahm der Wahl zu bewegen suchten, scheiterten die Bemühungen, auch als Vertreter Limper darauf hinwies, daß die Wahl rechtsgültig sei, da der Bürgermeister von sieben Stimmen fünf erhalten habe. Dabei machte er den Einwand geltend, daß der Bürgermeister die Wahl zum ehrenamtlichen Gemeindedirektor annehmen müsse. Amtsoberinspektor Sommerhoff betonte, daß sich bei der Wahl des Bürgermeisters zum Gemeindedirektor die AufRuf nach der Mutter Besinnliches über die echte Mutterschaft Welschen Ennest.„Alle Not ruft: Mutter!“ Das war der Leitgedanke in der Feierstunde, die am Feste von der Mutterschaft Mariens hier gehalten wurde. In seiner Festpredigt zeigte Pfarrer Lohmann die dreifache Familiennot unserer Tage auf. Die Antwort sei allein die von der Liebe und Hingabe an die Gottesmutter getragene und erfüllte mütterliche Frau. „Mütter sind das Herz der Welt!“ Was in Ehe und Familie zerstört sei, müsse durch die heimholende und heimschaffende Kraft der Frau und Mutter wieder in die rechte Natur- und Gottesordnung gebracht werden.— Mit einer Weihe cer Familien in der ganzen Pfarrfamilie und dem sakramentalen Segen schloß die Feier.— Aus Dankbarkeit für die Gnade des Marianischen Jahres halten die Mütter und Frauen ihre heimatliche gemeinsame Wallfahrt zur Gnadenmutter auf dem„Kohlhagen“ am Donnerstag, 21. Oktober. Treffpunkt 13 Uhr auf dem alten Kapellenplatz in Welschen Ennest. Es wird gebeten, sich baldigst zu melden. wandsentschädigung keineswegs erböhe, wohl aber seine Verantwortung und Einsatzmöglichkeit, denn er sei verpflichtet, dem Amt und den übergeordneten Stellen Amtshilfe zu leisten. Das sei natürlich nicht angenehm und vielleicht nur von kurzer Dauer, weil der Landtag das letzte Wort habe. Es kam dann zum zweiten Wahlgang, bei dem— ebenfalls geheim— vier Stimmen auf den Amtsdirektor entfielen bei drei Enthaltungen. Stellvertreter wurde Amtsoberinspektor Sommerhoff, auf den bei der weiteren Wahl drei Stimmen entfielen, bei zwei Enhaltungen. Eine Simme war für Gemeindebürgermeister Kramer abgegeben worden. Mit der entsprechenden Hauptsatzungsänderung waren dann die Vertreter sämtlich einverstanden. Im weiteren Verlauf der Sitzung nahmen die Gemeindevertreter die Endsummen der Bilanz des gemeindeeigenen Wasserwerkes per 31. März 1954 zur Kenntnis u. erteilten dem Amtskämmerer und allen an der Rechnungsführung beteiligten Personen Entlastung. In der anschließenden geheimen Beratung befaßte man sich mit Anträgen aus der Einwohnerschaft. An der öffentlichen Sitzung nahm als einziger Zuhörer aus der Gemeinde Amtsvertreter Hesse teil. Neues aus Attendorn Das DRK teilt mit, daß am Donnerstag um 20 Uhr in der Sonnenschule wieder ein Kursus zur Ausbildung„Erste Hilfe“ anläuft. Im Hinblick auf unser mechanisiertes und motorisiertes Zeitalter ist dieser Lehrgang allen zu empfehlen, denn fast täglich kann man in die Lage kommen,„Erste Hilfe“ anzuwenlen. Ein Anhänger, der mit einer schweren Maschine beladen war, kippte auf der Straße nach Windhausen beim Ausweichen um. Die geladene Maschine fiel dabei vom Anhänger. Die Haltevorrichtung war anscheinend sehr mangelhaft. Erst nach langen Bemühungen konnte der Lastzug seine Fahrt fortsetzen. Wieder„Allerhelligenmarkt“ in der alten Hansestadt Soest Aus dem Sauerland. Der Soester Allerheiligenmarkt, der zu den größten Märkten Westfalens gehört und im vorigen Jahr über 75 000 Besucher zählte, findet in diesem Jahre vom 3. bis 7. November statt. Am traditionellen„Tag der Bauern“, am Donnerstag, dem 4. November wird auch in diesem Jahre neben dem Pferdemarkt und der Landmaschinenschau, der Schaf- und Rindviehmarkt stattfinden. Die Kirmes findet ihren Abschluß in dem großen Volksfest, daß sich am Wochenende inmitten der ehrwürdigen Stadt abspielt. Das Städt. Marktamt ist bemüht, besondere Attraktionen für den Soester Allerheiligenmarkt zu verpflichten. Auch aus dem Sauerland finden sich alljährlich viele Besucher zum Markt und zur groBen Kirmes in der alten Hansestadt Soest ein. ON16034 des Mieterschutzgesetzes. Das Gericht erklärte, daß der§ 3a des Mieterschutzgesetzes dem Wortlaut nach nur dann Anwendung finden könne, wenn der Mleter sich weigere, eine preisbehördlich genehmigte Mieterhöhung anzuerkennen. Das Gericht habe jedoch keine Bedenken, so heißt es in der Entscheidung weiter, daß der genannte§ auch dann Anwendung finde, wenn die neue Miete nach§ 11 der Mietenverordnung durch die Bewilligungsstelle festgesetzt wurde. „Eine solche Gleichstellung ist sachlich gerechtfertigt, weil es sich sowohl bei der Mietfestsetzung durch die Bewilligungsstelle als auch bei der preisbehördlichen Genehmigung der Mieterhöhung um die behördliche Festsetzung einer Höchstmiete handelt. Bei der Wahrnehmung dieser Aufgaben sind beide Behörden im öffentlichen Interesse tätig und haben hierbei nach Möglichkeit auch die Belange der beteiligten Vermieter und Mieter gebührend zu berücksichtigen. Unter diesen Umständen würde es daher zu einem unnützen Leerlauf der Vrwaltungstätigkeit führen, wenn die Mietpreisbehörde nochmals die Mietfestsetzung der Bewilligungsbehörde überprüfen müßte, um dem Vermieter im Falle ihrer Nichtanerkennung durch den Mieter die Mietaufhebungsklage nach dem Mieterkündigungsschutzgesetz zu ermöglichen.“ In die Praxis umgesetzt bedeutet die Entscheidung, auch völlig abgesehen von den Begleiterscheinungen des Klagefalles, daß schon bei der Finanzierung eines wiederaufzubauenden Wohnhauses. das mit öffentlichen Mitteln errichtet wird, die Miete von der Bewilligungsstelle festgesetzt werden kann und rechtsverbindlich ist. /2 BRINKMANN man siehtwas man raucht! Von Coesfeld nach Konstantinopel Hans Lewenklaw( 1594),„einer der gelehrtesten Männer des 16. Jahrhunderts“ Unter der Überschrift„Westfalen in aller Welt" haben wir auf der Seite„Westfälische Heimat“ vom 29. Mai berichtet, was der Kartäusermönch Werner Rolevinck, der Verfasser des ersten westfälischen„Heimatbuchs“, im Jahre 1474 über die älteste westfälische Auswanderung geschrieben hat, indem er gleichzeitig Beispiele anführte, wie Männer des Westfalenlandes in fremden Ländern zu Ansehen und hohen Stellungen gelangt sind. Nicht anders ist es in den späteren Jahrhunderten gewesen. Ein Beispiel aus dem 16. Jahrhundert bietet sich uns in Hans Lewenklaw, der in dem„Dictionnaire historique et critique" von Pierre Bayle(Amsterdam 1730) als„l’un des plus doctes personnages du 16e siècle"— einer der gelehrtesten Männer des 16. Jahrhunderts— bezeichnet wird. Eigenartig ist dabei, daß erst mehr als„der ihm wohl als erster die Liebe zur nes griechischen Sprache und Literatur vermittelte“. Wie lange das Studium in Wittenberg dauerte, läßt sich nicht feststellen, aber 1562 erscheint in der Heidelberger Matrikel„Joannes Leonklaw Costfeldinsis“, und 1563 wird er dort als„Magister artium“ aufgeführt. 1565 war er Dekan und veröffentlichte gleichzeitig sein erstes Buch, und seitdem verging bis zu seinem Tode „kaum ein Jahr, in dem nicht eins, oft sogar mehrere Werke erschienen, die seinen Namen in alle Welt trugen und ihm gar bald den Ruf eines der größten Gelehrten seiner Zeit verschafften“. 300 Jahre nach dem Tode dieses Mannes seine Lebensschicksale, namentlich seine Herkunft, klargestellt worden sind. Noch 1895 schrieb Prof. Dr. J. B. Weiß in seiner vielbändigen„Weltgeschichte“(Band IX, Seite 672):„Leunvlavius oder Löwenklau war in Amelsbeuren(!) in Westfalen 1533 geboren... lebte zuletzt in Rom, dort starb er 1593.“ Aber weder die Jahreszahlen noch die Ortsangaben entsprechen den Tatsachen, wie Prof. Dr. Babinger festgestellt hat, der seine Forschungen über „Herkunft und Jugend Hans Lewenklaws“ zuerst in Band IX/X der„Südost-Forschungen“(Wien 1944/45) und dann erweitert in der„Westfälischen Zeitschrift“ (Band 98/99, 1949) veröffentlicht hat. Anschein adliger Abstammung Obwohl der gelehrte Westfale sich in seinen späteren Lebensjahren selber als Hans Lewenklaw von Amelsbeuren“ bezeichnet, und obwohl es in Amelsbüren (Landkreis Münster) den alten Schulzenhof Lövelingloh gibt, ist nach Prof. Babingers sorgfältigen Feststellungen doch die Stadt Coesfeld der Geburtsort, und„es erscheint ausgemacht, daß er über seine schlichte Herkunft den Mantel der Vergessenheit zu breiten trachtete und in der vornehmen Umwelt, in der er sich damals fast ausschließlich bewegte, den Anschein der adligen Abstammung erwecken wollte“, aber dieses Unterfangen darf ihm nicht allzu übel vermerkt werden, denn„das Bestreben, vornehmtuerisch adliges Geblüt vorzutäuschen, lag im Zuge jener Zeit“. Nunmehr steht aber einwandfrei fest, daß er aus Coesfeld stammte, und zwar„aus bescheidensten Verhältnissen“. Nur einmal hat Hans Lewenklaw sich kurz über seine Herkunft geäußert; nur als er seine Ausgabe der Schriften des Kirchenvaters Gregor von Nazianz(geb. um 330, † 390). die 1571 in Basel erschien, dem Münsterer Bischof Johann IV., Graf von Hoya(1566 bis 1574; zugleich seit 1553 Bischof von Osnabrück und seit 1568 auch von Paderborn) widmete, sagte er im Vorwort ganz kurz, daß er vom Vater und Großvater her aus dem Münsterland stamme. In der Folge aber bezeichnete er sich mit Vorliebe als„nobilis Angrivarius“ (Adliger aus Engern), nennt also Westfalen nicht als seine Heimat. Über die frühesten Jugendjahre Hans Lewenklaws ist nichts bekannt; wir wissen nur, daß er nach dem vorzeitigen Tod der Eltern alles dem Vatersbruder Albert und seinem Verwandten Matthaeus Tidemann in Lübeck verdankte, der aus Münster stammte und in der Geschichte der Hansestadt Lübeck eine bemerkenswerte Rolle gespielt hat, u. a. dort seit 1567 Ratsherr und 1567/69 Befehlshaber der lübischen Flotte war(† 1575). Beachtenswert ist auch die Feststellung Prof. Babingers, daß Hans Lewenklaw nicht, wie allgemein angegeben wird, 1533 geboren wurde, sondern erst Ende Juli 1541, wie sich aus einer Mitteilung ergibt, die der Coesfelder in einem Brief von 1586 gemacht hat. Schüler Philipp Melanchthons Am 3. August 1555 aber erscheint— also im 14. Lebensjahr— in der Matrikel der Hohen Schule zu Wittenberg„Johannes Luuvenklo Coesfeldianus“. Sein Lehrer war hier Philipp Melanchthon(1497—1560), Soldatentod in Ungarn Daneben begleitete er 1584/85 den Grafen Heinrich von Liechtenstein als Kaiserlichen Gesandten nach Konstantinopel. Ebenso bereiste er 1588 mit dem Grafen Zierotin (1564—1615) fast ganz Deutschland. Mit diesem Grafen, auf dessen Schloß Namiest (Mähren) er vorher geweilt hatte, zog er 1593 gegen die Türken zu Felde. Im Beisein dieses Grafen hat er auch sein Leben beschlossen, wie aus dem tschechischen Vorwort der Übersetzung seiner„Türkischen Chronik“ hervorgeht; darin heißt es:„... da er vom Tod ereilt wurde in diesem Jahr 94 bei der Belagerung von Gran in Ungarn, wohin er sich im Gefolge des Hochgeborenen Herrn, Herrn Karl von Zierotin, seines Gebieters, begeben hatte.“ In diesem Vorwort wird er aber auch bezeichnet als„Jan Lewenklaw zu Amelsbeurnu, rytir Westfálsky“, d. h. Johann Lewenklaw von Amelsbeuren, westfälischer Ritter(= Edelmann). Ein unruhiges Blut war dieser Hans Lewenklaw, der von sich selber einmal 1585 in einem Brief gesagt hat, er sei ein„gentiluomo desideroso di veder il mondo“(ein„Edelmann, begierig, die Welt zu sehen“). Man muß sich wundern, daß er bei seiner Unrast noch so viel Zeit zu schriftstellerischer Tätigkeit fand, denn von ihm wurde eine Reihe griechischer Schriftsteller„ausgezeichnet ins Lateinische übersetzt“, so Xenophon, Dio Cassius, Manuel Palaeologos, Michael Dukas, Konstantin Manasses. Außerdem schrieb er„Werke zur Geschichte der Osmanen (Türken) und der Russen, u. a.„Historiae Musulmannicae libri XVIII usque ad Suleimanem II.“(= 18 Bücher muselmanischer Geschichte bis zu Suleiman II., Frankfurt 1595) und eine Sammlung des griechischrömischen Rechts, die erst nach des Verfassers Tode veröffentlicht wurde(Frankfurt 1596). Zusammenfassend urteilt Prof. Babinger über diesen Westfalen, daß es schwer entscheidbar sei, ob er mehr auf dem Gebiet der türkischen oder byzantinischen Geschichtsstudien, in der Geschichte des römischen Rechts oder aber in der meisterhaften Veröffentlichung und Übertragung so vieler und wichtiger spätgriechischer Werke glänzt, daß er aber auch— einem unsteten Wandertrieb folgend— einen beträchtlichen Teil seines Lebens den Federkiel mit dem Schwerte vertauschte und auf fast allen Kriegsschauplätzen seiner Zeit seinen Mann stellte. fjw. Der Bauernkrieg von Wormeln Der Landgraf von Hessen-Kassel mußte dem Fürstbischof von Paderborn bei Niederwerfung des Aufruhrs helfen Gegen Ende des, 18. Jahrhunderts machten die Ausstrahlungen der Französischen Revolution sich auch in den verschiedenen Gebieten Westfalens bemerkbar, namentlich in den Beziehungen zwischen den Grundherren, den Obereigentümern des Bodens, und den Bauern, die ihn bewirtschafteten. Zunächst kam es vielerorts zu gerichtlichen Auseinandersetzungen über die Art und die Festsetzung der Dienstleistungen und der Abgaben, die den Grundherren zustanden, sowie über die Ausdehnung der Holzgerechtsame usw. Da diese Leistungen, die einer heutigen Pachtzahlung entsprachen, aber auf Verträgen beruhten, so verloren die Bauern durchweg die Prozesse, und jeder verlorene Prozeß schuf neue Erbitterung, statt zur Beruhigung zu führen. Die Folge davon war wieder, daß es schließlich zu Gewalttätigkeiten und groben Ausschreitungen kam. Ein Beispiel dafür bietet der„Bauernkrieg“ von Wormeln(Kreis Warburg). Grundherr war hier das im Jahre 1246 gegründete Zisterzienserinnenkloster zu Wormeln, das zu Anfang des vorigen Jahrhunderts rund 500 Morgen selbst bewirtschaftete und von seinem übrigen Grundbesitz an jährlichen Abgaben 718 Scheffel Roggen und 821 Scheffel Hafer bezog, daneben aber auch u. a. 116 Hühner und 2369 Eier. Hier hatten schon im Jahre 1767 die Bauern wegen der Entrichtung des Zehnten Schwierigkeiten gemacht, waren aber 1796 beim Reichskammergericht unterlegen. Daraufhin war der Warburger Freigräfe(Richter) von Hiddessen durch das höchste Gericht des Fürstbistums Paderborn, das Öffizialatgericht, angewiesen worden, die Zehntpflichtigen zur Befolgung der Zehntordnung anzuhalten. Da die Pflichtigen sich indessen weiter sträubten, schritt die Regierung zur„Exekution“, d. h. Zwangsvollstreckung, indem in Wormeln zunächst ein Militärkommando von sechs Mann einquartiert wurde. Als das nicht half, wurde der Freigräfe beauftragt, mit einem Kommando von weiteren fünfzehn Mann die Gemeinde zum Gehorsam gegenüber der richterlichen Entscheidung zu zwingen. Am 19. September 1797 kam der Freigräfe mit seiner kleinen Truppe frühmorgens nach Wormeln und versuchte es zunächst noch einmal in Güte, fand aber bei den Bauern mit seinen Vorstellungen kein Gehör. Er erklärte deshalb, das verstärkte Kommando werde bei ihnen einquartiert bleiben, bis der Zehnte entrichtet sei. Die Verteilung der Mannschaft auf die einzelnen Gehöfte sollte um 15 Uhr beginnen, als plötzlich Schüsse fielen. Bei der Schießerei, die sich daraus entspann, gab es auf beiden Seiten Tote und Verwundete. Die Wut der Bauern aber war so groß, daß niemand einem Unteroffizier der auf einem Düngerhaufen zu verbluten drohte. Beistand zu leisten wagte, und schließlich zog der Freigräfe von Hiddessen sich zurück aus Furcht, bei Fortsetzung des Kampfes würden seine sämtlichen Soldaten umkommen. Inzwischen war nämlich den Bauern auch Zuzug aus den benachbarten Ortschaften gekommen, und von einem der Trupps wurde sogar das Kloster überfallen, in dem dann geraubt und geplündert wurde. An den Fürstbischof aber sandten die Bauern eine Eingabe, die mit der Erklärung schloß: Man könnte nicht für die Enthaltung von Mord und Totschlag bürgen, falls fernere Exekution verfügt werde. Nun wandte Fürstbischof Franz Egon von Fürstenberg(aus dem Hause Herdringen) sich um Hilfe an den benachbarten Landesherrn, den Landgrafen Wilhelm IX. von Hessen-Kassel(1785—1821, seit 1803 als Kurfürst Wilhelm I.). Als„gefälliger Nachbar“ entsprach er sofort dem Hilferuf; es wurden durch ihn für drei Wochen 700 Mann in Wormeln und Welda auf Kosten der Bauern ins Quartier gelegt. Dadurch wurde dann endlich der Widerstand gebrochen. Wiederum aber wurde jetzt das Gericht angerufen, und zwar von den Bauern und von der Fürstlichen Regierung. Daraufhin erging am 10. März 1800 das Urteil des Reichskammergerichts: Die Gemeinde wurde mit ihrer Berufungsklage abgewiesen und in Das Hexenbürgermeisterhaus zu Lemgo Das Haus Breite Straße 19— das Hex enbürgermeisterhaus— ist der berühmteste Renaissancebau der alten Hansestadt Lemgo in Lippe. Bemerkenswert ist es auch schon deshalb, weil die Schauseite, die Fassade, im Jahre 1571 dem drei Jahre älteren Haus vorgelegt wurde. Es ist das eine überaus wirkungsvolle Giebelfront mit zwei figurenreichen Erkern, reich durchgebildetem Portal mit Darstellung des Sündenfalles und mächtigem Giebel. Die kräftige Gliederung durch Halbsäulen, die in den Giebelgeschossen was besonders auffallend ist— nicht übereinander, sondern in die Zwischenräume gesetzt sind, verleiht der Form einen ganz besonderen Ausdruck von Wucht und Eigenwilligkeit.— Das Haus trägt seinen Namen nach einem späteren Besitzer, dem Bürgermeister Hermann Cothmann, der allein im Jahre 1667 in Lemgo 25 Personen wegen Zauberei, also als Hexen, zum Tode verurteilen und hinrichten ließ. Der„Holländer“ aus Bünde Ausgewanderter Pferdejunge kehrte vor 150 Jahren reich zurück Der„Westfälische Anzeiger“, der von dem Dortmunder Ratsherrn und Verleger Arnold Mallinckrodt(geb. 1768 in Dortmund, gest 1825 in Schwefe bei Soest) 1798 gegründet worden war und im Jahre 1809 der französischen Zensur unterlag, berichtete in seiner Ausgabe vom 24. September 1802, also vor rund 150 Jahren, seinen Lesern folgendes Auswanderer-Schicksal: „Unter vielen Anekdoten, die von diesem oder jenem Orte bisweilen erzählt werden, gibt es nicht leicht eine, die soviel Aufsehen erregt als die, daß vor kurzem ein reicher Holländer nach Bünde in der Grafschaft Ravensberg kam und das kleine Städtchen, dem äußerlich nichts als ein gutes Straßenpflaster fehlte, auf seine eigenen Kosten pflastern lassen wollte. Die ganze Sache verhält sich so: Der reiche Holländer aus Amsterdam, der mit einer Mietkutsche von Ösnabrück hierherkam, ist aus der Bauerschaft Spradow bei Bünde gebürtig und heißt Blüte. In seiner frühen Jugend— so erzählt man hier eine Geldstrafe genommen, das„Benehmen“— diente er als Pferdejunge, ging von hier der Regierung aber„authoritate caesarea nach Holland, kam nach Amsterdam, setzte Münsters Bürgermeister streikte Der Rat der Stadt sollte sich seinem Willen fügen Wohl jedem aus unserm Leserkreis sind Beispiele dafür bekannt, daß innerhalb einer Familie erregte Auseinandersetzungen darüber entstanden sind, welchen Namen ein junger Erdenbürger erhalten sollte, der noch nicht einmal angekommen war. Einen ganz besonderen Streitfall dieser Art aber hat es vor rund 400 Jahren, im Jahre 1568, in der Stadt Münster gegeben, und er wirkte sich sogar so einschneidend für das gesamte städtische Leben aus, daß die Kunde davon uns im Stadtarchiv überliefert ist. Im genannten Jahr war Bernhard Freye durch seine Frau mit einem Söhnchen beschenkt worden. Als Taufpate war der Schwager des glücklichen Vaters ausersehen, der Münsterer Bürgermeister Hermann Heerde. Damit stand nach altem Brauch fest, daß das Kind den Vornamen Hermann führen werde. Das aber verdroß den Vater in höchstem Maß, weil es gegen alle Familienüberlieferung verstieß. Zunächst einmal, weil er selber Bernhard hieß, und der Sohn doch den Namen des Vaters tragen sollte, wie er selber ja auch den Namen erhalten hatte, den sein Vater getragen hatte. Ja, schon der Ururgroßvater war ein Bernhard gewesen. Der Vater des Täuflings aber konnte nichts gegen den gestrengen Herrn Schwager-Bürgermeister ausrichten. Getauft war ja getauft, daran war nichts zu ändern. Der Vater wußte sich jedoch zu helfen. Wozu gab es denn nach der Taufe noch cine Firmung, bei der wiederum ein Pate gestellt und dem Firmling dessen Name beigelegt wird? So eilte der Vater zu dem Weihbischof Johannes Kridt, der von 1550 bis 1577 in Münster wirkte, auch zeitweilig dort Pfarrer an St. Servatii war. Von ihm ließ Bernhard Freye seinen Sprößling am (= kraft kaiserlicher Vollmacht) vollkommen genehmigt“. Nicht mehr lange blieben indessen die Bauern dem Kloster zehntpflichtig. Nachdem 1802 das Fürstbistum Paderborn an Preußen gekommen war, blieb zwar das Kloster noch bestehen; die Aufhebung erfolgte erst durch Königlich-Westfälische Verordnung vom 16. September 1810, und am 16. Februar 1811 Kirche, die nun Pfarrkirche des Dorfes wurde, seitens der Regierung in Kassel für 220 500 Francs verkauft. Tag nach der Taufe firmen, und nun war wurde der gesamte Klosterbesitz außer der aus dem Hermann ein Bernhard geworden. Dagegen konnte nun wieder der Bürgermeister nichts ausrichten, aber er sah in diesem Vorgehen eine Bedrohung der gesamten bürgerlichen Ordnung in der Stadt. die ihm anvertraut war. Deshalb stellte er im Rat den Antrag, den aufsässigen Bürger, der die Taufe so arg mißachtet hatte, in eine angemessene Strafe zu nehmen. Der Rat schob indessen die Sache sich in den Kopf, die Tochter eines Bürgermeisters heiraten zu müssen, ward in ein Werkhaus gebracht, fing nachher einen kleinen Handel an und erwarb sich dadurch nach und nach ein sehr ansehnliches Vermögen. Um seine Verwandten einmal zu besuchen kam er auf einer Reise nach Deutschland hierher, fuhr in seiner Kutsche zu seiner Schwester und seinem Schwager, einem Lumpenhändler, und zu allen seinen übrigen armseligen Verwandten. Tags darauf ließ er sie alle, vierzehn oder fünfzehn an der Zahl, zu Gaste einladen. In dem einen Zimmer hatte er saure Milch mit schwarzem Brot Studienbeihilfen vor 150 Jahren Grafschaft Mark hatte Bedarf an guten Tierärzten in gemeinen Gefäßen nebst hölzernen Löffeln auftragen lassen. Sobald seine Verwandten sich darüber hermachten, öffnete er ein zweites Zimmer, worin ein herrliches Gastmahl in bester Form bereitet war.„Weil ihr das erste nicht verschmäht habt'— sagte er zu ihnen— ,so sollt ihr auch nun das andere haben.“ Man kann sich die Freude vorstellen, mit der die armen Leute sich so köstlich bewirtet sahen. Mehrere Einwohner der Stadt waren Zeugen von dem Vergnügen und der frohen Begierde, mit welcher die geladenen Gäste ihre ungewohnte Mahlzeit verzehrten. Was soll ich nun weiter tun? dachte der reiche Mann, der sich nie verheiratet hat und vielleicht noch einmal in sein Vaterland zurückzukehren Lust haben wird. Gaben und Geschenke helfen meinen Verwandten nicht viel. Aber wieviel sollte es wohl kosten, wenn die ganze Stadt gepflastert würde? Man sagte ihm, daß dies leicht auf 700 bis 800 Reichstaler kommen könne. Dann wäre es aber auch billig— dachte er weiter— daß von dem Pflaster ein Wegegeld erlegt würde, wovon zwei Drittel der Stadt und ein Drittel der Bauerschaft Spradow geschenkt sein könnte, um dafür arme Kinder in die Schule zu schicken. Oder könnte man vielleicht die Kirche auf eine zweckmäßige Art verschönern? Der Raum der Kirche wurde ausgemessen, und die Anschläge von dem einen wie dem andern Plan ließ sich der begüterte Mann nach seiner Abreise von Bünde zuschicken. Noch steht derselbe bis zu diesem Augenblick in Unterhandlungen, und es ist gar kein Grund zum Zweifel vorhanden, daß Bünde entweder ein neues Pflaster oder eine verschönerte Kirche oder beides zugleich durch die wohltätige Denkart eines Mannes erhalten werde, der von seinem Vermögen nicht leicht einen besseren Gebrauch machen kann, als wenn er sich damit ein immerwährendes Denkmal bei den Nachkommen seiner Landsleute stiftet.“ Da es zu Anfang des vorigen Jahrhunderts in der Grafschaft Mark an Tierheilkundigen „auf die lange Bank“, sie war ja eigent- fehlte, die über eine wissenschaftliche Vor lich auch nicht eilig, und es gab viele Vorlagen, die eine schnellere Behandlung im Rat erforderten. Nun aber fuhr der Bürgermeister schwerstes Geschütz auf: er erschien einfach nicht zu den Ratssitzungen. Was das wieder für die Stadt bedeutete, kann man daran erbildung verfügten, war die Märkische Kriegsund Domänenkammer(die damalige Bezirksregierung) in Hamm auf eine Besserung der Verhältnisse bedacht. Sie berichtete darüber im Jahre 1802 an den König: „In der hiesigen Provinz mangelt es bis dahin an geschickten Tierärzten, und es ist wohl keinem Zweifel unterworfen, daß die messen, daß beschlußfähig nur die Ge- Bildung und Anordnung(d. h. Anstellung) meinschaft„Bürgermeister und Rat“ war. derselben ein Gegenstand besonderer AufWiederholt ließ der Rat den Bürgermeister merksamkeit ist. Um nun geschickte Tierdurch den Ratsboten zu den Sitzungen arzte d due zu erlangen, haiten bitten, aber das Stadtoberhaupt blieb hart es und unnachgiebig. Zunächst mußte der Ecole vétérinaire nach Berlin zu schicken, kleine Bernhard wieder Hermann heißen, nachdem man sich von ihren Fähigkeiten dann konnten wieder ordnungsmäßige dazu durch Prüfung der Landphysiker(d. h. Ratssitzungen stattfinden. Diese Bedingung der Land- oder Kreisärzte) überzeugt hat. aber war unerfüllbar, denn die Firmung Wir haben des Endes den Landräten aufgeauf den Namen Bernhard konnte nicht geben und sie zu disponieren(d. h. geneigt rninard konnte.zu machen) gesucht, die zur Unterstützung rückgängig gemacht werden. eines Subjekts während dessen erforderlichen Da jedoch nicht die Verwaltung der Aufenthalts zu Berlin erforderte Kosten auf ganzen Stadt durch das Verhalten eines den Steuer-Anschlag zu übernehmen; wie ein einzigen Bürgers zum Stillstand gebracht werden durfte, blieb dem Rat nichts übrig. als dem Strafantrag des Bürgermeisters kränkt fühlte. Dem Vater Bernhard Freye stattzugeben. Die Strafe fiel sogar recht wurde nämlich eine Strafe von 500 Talern hoch aus, ein Zeichen dafür, wie sehr der auferlegt, und dann gab der Bürgermeister Bürgermeister sich in seiner Würde ge- seinen Streik auf Weniges erforderlich sein werde, für jeden landrätlichen Kreis einen in der Art gebildeten Tierarzt zu erhalten.“ Den ersten Erfolg hatte die Kriegs- und Domänenkammer im Kreis Altena zu verzeichnen, denn die„Beerbren(d. h. Grundbesitzer) des Altenaischen Kreises“ beschlossen am 20. Juli 1802, einem Anwärter für das zweijährige Studium an der„Ecole vétérinaire“, der im Jahre 1790 gegründeten Tierärztlichen Bildungsanstalt, in Berlin eine monatliche Beihilfe von 15 Reichstaler zu bewilligen, und dieser Beschluß wurde einen Monat später durch die Staatsregierung genehmigt. Assen und Heessen Im Jahre 1705 veröffentlichte der Rektor der Hamburger Gelehrtenschule, J. C. Hübner, ein„Lexikon für Zeitungsleser“, das schon 1717 in fünfter Auflage erschien. Wie reichhaltig es in seinem Inhalt ist, zeigt sich u. a. darin, daß sogar Haus Assen bei Lippborg(Kreis Beckum) darin besonders aufgeführt ist, allerdings nur mit den kurzen Angaben:„Assen, Schloß und Flecken der Baronen von Galen im Stift Münster“. Ebenso knapp sind aber auch die Angaben über Heessen, denn da erfährt der„Zeitungsleser“ zu Anfang des 18. Jahrhunderts:„Heessen: Flecken, Schloß und Herrschaft der Baronen von Reeck(!) im Stift Münster, am Fluß Lipp“. Dumpeznickel Dem Schriftsteller und Dichter Johannes Trojan(geb. 1837 in Danzig, gest. 1915 in Rostock) hatte eines Tages, vor dem Ersten Weltkrieg, ein Lippstädter Bäckermeister einen Riesenpumpernickel zugesandt, der ein Gewicht von mehr als 60 Pfund hatte. Das veranlaßte den Dichter zu folgendem Preislied: Was für ein Brot! Fast einen Schreck bekam ich, als es duftig frisch mir ward gebracht. Solch ein Gebäck sah ich noch nie auf meinem Tisch Wie schwer! Man hebt's mit Mühe nur empor und legt es ächzend hin. Und wie es schmeckt! Das ist Natu», und Korn und Kern spürt man darin. So kräftig und daneben doch so lieblich auch, wie edler Wein! Wo soich ein Korn wächst, muß auch noch der Boden gut und tüchtig sein. Und eines noch, das mich erfreut, das glaub' ich fortan unbeirrt: Zuhause sein muß Ehrlichkeit, wo solch ein Brot gebacken wird. macht schlank u.hält gesung auf natürl. Wege. gibt ein jugendliches und frisches Aussenn CH sorgt für eine sute Verdauung u. wirkt mild abführend bel Darmträgheit und Verstopfung sthafft reines Blut und reine Haut, ist gut bekömmilch und einfach kalt aufzuglessen Der älteste Student der Welt 64jähriger Renntierzüchter a. D. aus Finnisch-Lappland trägt die weiße Mütze Helsinki. Der älteste und„nördlichste“ Student Europas, wahrscheinlich aber der ganzen Welt, dürfte der Landwirt und Gemeindevorsteher Samuli Anttila aus der Gemeinde Muonio im nördlichsten Teil Finnisch-Lapplands sein. Er legte dieser Tage vor der Prüfungskommission des Lyzeums der Stadt Tornio sein Studentenexamen ab, hat also das vielbegehrte Recht erworben, die ehrenvolle weiße Studentenmütze tragen zu dürfen. Studieren allerdings wird Anttila kaum noch. BUNTE WELT Blitzentkleidung Etobiooke.— Philipp Arrowsmith aus Etobicoke(Kanada) angelte vom Boot aus im Sturgeonsee, als ein Blitz seine stählerne Angelrute traf, ihm Hemd und Hose herunterriß und ihn zu guter Letzt ins Wasser warf. Dem Angler passierte sonst nichts, nur ein gleichzeitig gefangener Fisch am Haken war tot.(Reta) Gestempelte Kinobesucher Neudelhi.— Die Kinos in Neudelhi (Indien) stempeln jetzt die Besucher. welche die billigsten Plätze kaufen. Die Kinos sind so überfüllt, daß es unmöglich ist, auf die Leute aufzupassen, die mit einer Karte für eine Rupie sich auf die teuereren Plätze setzen. Der Stempel kommt auf die Stirn und kann nur mit Wasser und Seife entfernt werden. (Reta) Automatenhaus Zürich.— Um ein eigenes Haus bauen zu können, leerte ein Telegrafenmonteur aus Zürich zehn Jahre lang systematisch die Kassen öffentlicher Münzfernsprecher. 20000 Franken hatte er in kleinen Münzen zusammengebracht, doch bevor er in das Eigenheim ziehen konnte, schickte ihn der Richter für zwei Jahre in eines, das dem Staat gehört.(Reta) Wie Sherlock Holmes! Wien.— Ein Wiener Privatdetektiv, der auf die Spur einer Diebesbande gesetzt worden war, stellte diese in Vorarlberg mitten in der Nacht auf einsamer Landstraße. Da er nur einer gegen fünf war, zog er kurzentschlossen seinen Hausschlüssel, richtete ihn auf die Diebe, rief:„Hände hoch!“ und zur Seite in die Dunkelheit:„Die anderen bleiben in Deckung!“ Die Festnahme gelang.(Reta) Alles nur aus Liebe! Moskau.— Der„Rote Stern“, das Blatt der Sowjetarmee, kritisiert die russischen Soldaten, die in der Straßenbahn nicht aufstehen und Öffizieren ihren Platz anbieten:„Die Sowjetarmee ist keine der imperialistischen Armeen, deren Soldaten ihre Vorgesetzten fürchten. Die Sowjetsoldaten achten und lieben ihre Offiziere.“(Reta) Polen ohne Klaviere Warschau.— Obgleich es in Polen nicht genügend Klaviere gibt, bereitet das Land einen internationalen ChopinWettbewerb für Februar 1955 vor. Damit polnische Pianisten dafür trainieren können, werden im Lande Leihklaviere gesucht. Die Zeitung„Zycie Warszawa“ richtete einen Aufruf an die Bevölkerung, den polnischen Pianisten Klaviere zu pumpen. Und das im Lande Chopins! Böcke und Schafe Kopenhagen.— In Kopenhagener Schulen zitterten die Abc-Schützen, wenn die Klingel die Pause einläutete. Auf dem Schulhof wurden sie jeden Tag von den großen Schülern verbleut. Jetzt sind auf den Schulhöfen Kreidestriche gezogen oder Barrieren gestellt. Rechts davon müssen sich die„bösen Böcke“ aufhalten, links davon ist der Auslauf für die harmlosen„Schäfchen“, die solange unter der Brutalität der großen Mitschüler gelitten haben. Kleiner Ausreißer Kopenhagen.— Chauffeur Hansen staunte nicht schlecht, als er eines Nachts um halb drei einen dreijährigen Knirps im Pyjama auf einem Dreirad durch die Köbmagergade strampeln sah. Der Chauffeur hielt den Kleinen an, der vor Kälte am ganzen Leibe zitterte, und brachte ihn in das nächste Krankenhaus. Der kleine Sören war aufgewacht, hatte seine Eltern, die ausgegangen waren, vermißt und wollte sie mit seinem Dreirad suchen. Königlicher Verdienst London.— Königin Elizabeth II. von England gewann durch ihre Rennpferde in dieser Saison 40 993 englische Pfund. Nach Abzug aller Unkosten verbleiben der Königin als Nettogewinn 10 000 englische Pfund. Der Betrag ist steuerfrei. Ein englischer Geschäftsmann müßte im Jahr 139 250 englische Pfund verdienen, wenn er nach Abzug der Einkommensteuer 10 000 englische Pfund als Reingewinn einstreichen will. 4 Prinz Charles lernt boxen London.— Der sechsjährige Prinz Charles von England soll jetzt boxen lernen. Im Buckinghampalast wird bereits ein Boxring neben dem Schwimmbad eingebaut. Trainingspartner des Prinzen wird der gleichaltrige Stephan Rutter sein, Sohn eines amerikanischen Diplomaten. Er hat bereits in diesem Sommer eine Medaille als bester Boxer seines Jahrgangs erhalten. Spinat gefährlich Neuyork.— Spinat entblößt den Körper von Kalzium und kann deswegen wachsenden Kindern gefährlich werden, erklärte Lewis Strauß, Vorsitzender der US-Atomenergie-Kommission. Dieses Ergebnis haben Atomversuche gezeitigt. Der fast 64jährige„krasse Fuchs“ ist Sohn eines Landwirtes und Renntierzüchters aus Muonio, das als Zentrum eines hauptsächlich von Lappen bevölkerten Gebietes gilt. Es liegt am 68. Breitengrad, das heißt etwa in der Höhe von Godhavn auf Grönland, der Nordküste von Alaska und der Tundren Nordsibiriens. Das Züchten von Renntieren gehörte auch zu dem Handwerk, das er vom Vater mit dem Hof übernahm. Anttila übt es aber heute nicht mehr aus. Der junge Samuli gehörte zu den ersten Schülern der im Herbst 1899 gegründeten Volksschule von Muonio, die er als„Spitzenreiter“ absolvierte. Er ist auch der einzige aus seiner Klasse, der es— obwohl sehr spät— zum Studenten gebracht hat. Der junge Anttila hätte wahrscheinlich schon damals seine Studien fortgesetzt, aber die nächste höhere Schule befand sich in Tornio. Dorthin gab es damals weder Eisenbahn- noch andere Verbindungen. Samuli Anttila mit der schwer eroberten weißen Studentenmütze geborene friedlich miteinander vereint... „Das kommt ja gar nicht in Frage“, schnarrte der Oberstabsarzt, als Schwester Joan ihm von dem unerwarteten Zuwachs berichtete.„Es muß umgehend die zuständige Mutter herbeigeschafft werden, verstanden!“ Sofort wurden einschlägige Untersuchungen angestellt, die allerdings nur ergaben, daß keine Soldatenfrau in der gesamten Armeezone an dem Baby „schuld“ gewesen sein konnte. Auch den in der Garnison Moascar stationierten Blitzmädels fühlte man auf den Zahn. Es war vergeblich: von ihnen hatte sich ebenfalls keine einer illegalen Niederkunft schuldig gemacht. Der Oberstabsarzt tobte. So etwas war ihm in seiner militärischen Praxis noch nicht vorgekommen. Ein Kind ohne Mutter! Man erwog die Frage, ob eine Eingeborene das Baby in das Lazarett geschmuggelt haben konnte. Die blauen Augen und das flachsblonde Haar des „corpus delicti“ sprechen dagegen. Außerdem könnte einer Eingeborenen-Mutter diese Kindesunterschiebung in den Schoß der britischen Streitkräfte kaum gelungen sein, denn das Krankenhaus liegt inmitten einer der am besten bewachten Garnisonen der Welt. Eine Mutter fand sich nicht, also taufte man das Kind auf den Namen David James Atkins, und eine Schwester mühte sich zweieinhalb Monate lang Tag und Nacht damit ab, es am Leben zu erhalten. Die Militärpolizei und ihre Spezial-Organisationen— die sich sonst mit der Bekämpfung von Raub, Mord und Terror beschäftigen— wurden bei der Muttersuche eingesetzt. Sie haben alles geprüft, was im Garnisongebiet überhaupt nur annähernd weiblich ist. Es war ein fruchtloses Unterfangen. Schließlich einigte man sich auf die hilflose Erklärung, das Baby sei wohl von einem durch den Kanal geschleusten Truppentransporter heimlich an Land gebracht und in das Krankenhaus geschmuggelt worden. Quer durch die Wildnis oder die Waldwege entlang brauchte man bis Tornio fünf Tage hinter Renntieren oder mit dem Pferdeschlitten. Der Sohn des hohen Nordens trat in die Fußstapfen seiner Vorfahren. Als Junge hütete er die Renntiere in den großen unberührten Wäldern und lernte dabei Sprachen: Deutsch, Englisch und Schwedisch. Später nahm er auch Russisch und Esperanto hinzu. Jetzt gilt Anttila als „lebendiges Wörterbuch“, besonders für Touristen, die sich nach Muonio verirren. Er heiratete jung und übernahm den Elternhof. Als die Kinder— vier Söhne und fünf Töchter— heranwuchsen, setzte er sich mit den älteren auf die häusliche Schulbank und„paukte“ mit den Kindern einen Kursus der höheren Schulen nach den Angaben eines Korrespondenzinstitutes durch. Das war in den Jahren um 1930. Anttila hatte schon damals den festen Vorsatz, es zum Studenten zu bringen, wurde aber von seiner Verwirklichung durch die tägliche Arbeit auf dem Hofe und die vielen Vertrauensaufträge abgehalten, die ihm als Gemeindevorsteher zufielen. Dann kam der Krieg mit seinen vielfachen Anforderungen. Bis zum Jahre 1950 blieb das Studierzimmer Anttilas leer. Nur dann und wann Wien— Eine„Morphiumreise“ durch halb Österreich unternahm eine dreiköpfige Rauschgifthändlerbande, die von dem früheren tschechischen Arzt Dr. Miroslav Swoboda geführt wurde. Sie bediente sich dabei eines einzigartigen Tricks, um zu Morphiumampullen zu kommen. Swoboda hatte sich vier Stempel „Dienstarzt im Auftrag der... Besatzungsmacht“ herstellen lassen, die er je nach der Zone wechselte. Mit diesen versah er seine Rezepte. In einem Wiener Nachtlokal engagierte er die stellenlose Stenotypistin Edith S., die über schauspielerische Begabung verfügte, und einen Kraftwagenbesitzer, der ebenfalls am Gewinn beteiligt werden sollte. Zu dritt fuhr man von Wien über Bruck an der Mur und Bad Aussee nach Salzburg. Verschiedene Soldatenfamilien haben sich inzwischen erboten, das Kind ohne Eltern zu adoptieren, aber einer solchen Maßnahme stehen noch rechtliche Schwierigkeiten gegenüber, da es auf ägyptischem Boden geboren ist. Das Programm dieses reichen Japaners sieht wirklich auch nach außen hin sehr sozial aus. Es verspricht Freiheit von Kontrolluhren, Schulen, Büchereien und Schlafsäle für alle Beschäftigten. Rund 13 000 Menschen glaubten ihm. Aber leitende Angestellte kamen in die Schlafsäle, öffneten die Post der Arbeitenden, verhinderten oder zerstörten Liebesromanzen und erzwangen die Teilnahme an buddhistischen Gottesdiensten nach einem Katechismus besonderer Art:„Ich will glücklich sein, diesem Tag die ganze Kraft meines Körpers und meiner Seele meiner Arbeit widmen zu können.“„Ohmi“Mädchen, die heirateten, wurden in ihren Löhnen herabgesetzt. Seit Mai dieses Jahres begann aus diesen Gründen eine der seltsamsten Streikbewegungen der Welt, der es weniger um die normalen gewerkschaftlichen Forderungen als vielmehr um die Wahrung der einfachsten Menschenrechte ging. Der größte Teil der„Ohmi“Belegschaft sind Frauen und Mädchen, die meisten von ihnen zwischen 15 und 18 Jahren. Über die Arbeitsdauer bestimmte ausschließlich die Direktion, mit Überstunden und Nachtschichten. Seide wurde gesponnahm er die Bücher zur Hand, um das Gedächtnis aufzufrischen.„Im Jahre 1950 nahm ich mir ernstlich vor, die weiße Mütze des Studenten zu erobern“, erzählt der neugebackene Akademiker.„Die letzten Jahre waren voller Arbeit an den Büchern. Endlich habe ich mein Ziel erreicht.“ Auf die Frage, ob er seine Studien fortsetzen wolle, erklärte Anttila: „Auf die Universität gehe ich walirscheinlich nicht mehr, aber ich werde zu Hause Sprachen studieren, wenn Gesundheit und Kraft es zulassen.“ Heute geht der Studiosus seinen bäuerlichen Aufgaben nach, und zwischendurch macht er die Buchführung für den Sohn Heino, der ein Lebensmittelgeschäft in Muonio betreibt. Mailann— Fünf Zigaretten täglich muß Luciana Barboni aus Casaletto Ceredano rauchen, so hat es ihr Arzt verordnet. Luciana ist fünf Jahre alt und„Italiens gefräßigstes Kind“. Das kleine Mädchen entwickelt einen ungeheuren Appetit infolge einer anatomisch bedingten Magen- und Darmstörung. Zwei Pfund Reis, eineinhalb Pfund Fleisch, vier Pfund Bananen, sechs Pfund Brot und vier Schachteln Nährhefepillen sind das mindeste, was sie an einem Tag verspeist. Der Vater, ein Vor der Apotheke eines jeden Ortes, der am Wege lag, spielte sich dann folgende Szene ab: Das Auto bremste jäh vor der Türe, ein Mann, der sich als Dr. Swoboda vorstellte, bat den Apotheker, ihm für eine schwerkranke Patientin auf Rezept Morphium zu geben. Als Geräuschkulisse ertönte aus dem Wagen heftiges Wimmern— Edith S. wand sich im Fond in Krämpfen.„Gallensteinkolik!“, sagte der Doktor aufklärend und erhielt prompt sein Morphium. Auf diese Weise ergaunerte er sich innerhalb weniger Tage zweihundertundsieben Ampullen, von denen er als Süchtiger selbst dreizehn verbrauchte. Als das Kleeblatt die übrigen gegen Überpreis an den Mann bringen wollte, wurde die Polizei aufmerksam und verhaftete alle drei. Sie erhielten jetzt vom Wiener Schöffengericht schwere Strafen. Barbara Hutton ist wieder da Madrid.— Die Erbin der WoolworthMillionen macht wieder von sich reden. Nach ihrer ebenso kurzen wie unglücklichen Ehe mit dem„Diplomaten“ Porfirio Rubirosa, der sich jetzt um eine Filmrolle bemüht, hatte sie sich in ihr Haus im Araberviertel von Tanger zurückgezogen und alle Kontakte mit der Welt abgebrochen. Jetzt traf sie plötzlich auf dem Luftwege in Madrid ein, von wo sie nach Kuba und Mexiko weiterreisen will. Die 41jährige befand sich in Begleitung des 28jährigen amerikanischen Kunsthändlers Dan Rudd. Wird er der nächste Mann Barbaras werden? nen, die von Tränen feucht wurde und verdarb... Essen in der Fabrik, Schlafen in der Fabrik, Beten in der Fabrik und nicht zuletzt— Arbeiten in der Fabrik. Die Liebe aber war verboten. So sah das industrielle Feudalsystem von Herrn Natsukawa aus. Heute erfaßt die streikende Gewerkschaft, die anfangs illegal,„frei“ und unterirdisch agitierte, alle Beschäftigten der„Öhmi“Werke. Die leitenden Funktionäre dieser Empörung wurden daraufhin entlassen; den Rest sollte eine von„Amts“ wegen bestellte Gewerkschaft erledigen. Aber die japanischen Gewerkschaften, bei deren Versammlungen zuweilen Bambustrommeln ertönen und Andachten abgehalten werden, stellten sich zusammen mit der gesamten Öffentlichkeit des fernöstlichen Inselreiches hinter die Streikenden. Außerdem brachte eine Aktion des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften und der Transportarbeiter-Internationale rasche Hilfe. Die japanischen Transportarbeiter boykottierten dagegen einstweilen alle Frachtleistungen für die„Öhmi“-Werke. Herr Natsukawa gab sein Spiel nicht verloren. Er zahlte jedem Streikbrecher etwa 6 DM je Tag, dazu Zigaretten und Kein Sondereingang für Königs Beschwerde einer Zeitung anerkannt Gustav Adolf läßt mit sich reden Stockholm.— Mit einer für ihn typischen Geste hat König Gustav Adolf von Schweden die Bürger Stockholms erfreut. Die Arbeiterzeitung„Aftontidningen“hatte sich darüber beschwert, daß jede Abreise und Ankunft des Königs auf dem Stockholmer Bahnhof den Steuerzahler rund 800 Mark kostet. Das verschlingt jedesmal der Bau einer Spezialtreppe am„Königlichen“ Eingang. Die alte Treppe wurde beim Bau der neuen U-Bahn abgerissen. In einem Brief an die Zeitung erklärt Gustav Adolf:„Es ist nicht meine Schuld. Ich habe niemals diesen Sondereingang gewünscht.“ Der König fügte hinzu, daß er und seine Gemahlin künftig nur noch die normalen. Eingänge des Bahnhofs benutzen werden. Ausnahmen sollen nur besondere Anlässe sein, z. B. der Empfang des Kaisers von Abessinien im November. Arbeitsloser, kann das nicht bezahlen, er. seine Frau und Lucianas sieben Geschwister müssen sich mit halben Portionen begnügen, um den kleinen blonden Freßsack zu befriedigen. Mit vier Jahren begann Luciana plötzlich eine Menge zu verschlingen. Bekam sie nicht genug, weinte sie und krümmte sich vor Schmerzen. Sie hat aber fast immer das Gefühl eines leeren und knurrenden Magens. Bei normaler Kost magert sie schnell ab. In einem Krankenhaus, in dem man sie beobachtete, verlor sie innerhalb von vierzehn Tagen achtzehn Pfund an Gewicht. Ein Mailänder Chirurg machte jedoch Hoffnung; er kann das Mädchen operieren und von seinem Hunger befreien, sobald es fünfzehn Jahre alt ist. Zehn Jahre also wird es noch der Familie zur Last fallen. Um den großen Appetit etwas zu verringern, verordnete der Arzt Luciana das Rauchen. Fünf Zigaretten soll sie am Tag paffen, später werden es mehr sein. Und so raucht Luciana schon wie eine Große, während ihr Vater in der Nachbarschaft um Obst und Brot bettelt und auf den Straßen Kippen aufliest, um daraus für seine Tochter Zigaretten zu drehen. Ehrenmal bei El Alamein Enthüllung durch Feldmarschall Montgomery Briten dürfen nur in Zivil kommen Kairo.— Ein Ehrenmal zur Erinnerung an die Entscheidungsschlacht im Afrikakrieg wird Feldmarschall Montgomery am 24. Oktober in El Alamein enthüllen. Veteranen der 8. Armee sowie Angehörige von in Afrika gefallenen britischen Soldaten sollen mit Flugzeugen von Großbritannien nach El Alamein gebracht werden, damit sie an der Feier teilnehmen können. Schwieriger ist es für die in der Kanalzone stationierten Truppen; sie dürfen das ägyptische Gebiet nur in Zivilkleidung durchqueren, wie die Regierung in Kairo bekanntgab. Ein Sprecher der britischen Streitkräfte erklärte dazu:„Wenn die Uniformen verboten werden, ist kaum mit großem Andrang in El Alamein zu rechnen.“ Allerdings haben auch nur wenige der in Suez liegenden Soldaten die große Schlacht gegen Pommel mitgemacht. Man nimmt an, daß der Feldmarschall die Gelegenheit benützen wird, auch die Streitkräfte benachbarter arabischer Staaten zu besuchen. Steinregen gegen Cadillac Saka, den begehrten Reisbranntwein, Durch eine Flotte von Flugzeugen bombardierte der Unternehmer Tokio und Osaka mit Schauern von zehn Millionen Flugblättern, ließ Zehntausende von Streichholzschachteln mit seinen Parolen verteilen und große Ballons über den Städten mit Streifband verkündigen:„Die Textilarbeiter-Gewerkschaft zerstört die japanische Industrie mit kommunistischen Gewaltmethoden.“ Die amerikanischen und englischen Textilarbeiter schickten inzwischen knapp 16 500 DM in Dollar und Pfunden. In den angelsächsischen Ländern dachte man dabei nat'irlich auch an die harte Konkurrenz der billigen japanischen Waren. Auf jeden Fall sah sich Premierminister Joschida noch vor Antritt seiner jetzt begonnenen Weltreise zum Handeln gezwungen. Der Streik hielt sich an die alten japanischen Traditionen des Widerstandes. Eine Reihe von Frauen und Mädchen verübten Selbstmord. Die 19jährige Zengoro Nakamura schrieb an Natsukawa:„Ich nehme die Erinnerung an Deine Grausamkeit mit in mein Grab.“ Dann warf sie sich unter einen Zug. Drei weitere„Ohmi“Arbeiterinnen folgten ihrem Beispiel. Die japanische Volksseele war aufgebracht. Unter dem allgemeinen Druck gab Natsukawa jetzt nach 106 Streiktagen den Kampf auf, willigte in eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen ein und zahlte achselzuckend den Verdienstausfall von 550 000 DM an die Streikenden, einen gleichhohen Betrag an die japanische Textilarbeitergewerkschaft. Ein Baby zuviel im Lazarett Aus zwei Neugeborenen wurden plötzlich drei/ Mutter nicht zu ermitteln Kairo. Auf Zehenspitzen schlich die 23jährige Krankenschwester Joan Maclnnes durch die Mütterklinik eines britischen Garnisonkrankenhauses in der Kanalzone. In der Nacht hatten zwei Soldatenkinder das Licht der Welt erblickt, und Schwester Macinnes wollte nach ihrem Wohlbefinden sehen. Doch als sie sich über das Bettchen beugte, da traute sie ihren Augen nicht: Statt zwei lagen da dort plötzlich drei Neu.. Morphiumreise durch Österreich Edith spielte Gallenkolikanfall— 207 Ampullen ergaunert Herr Natsukawa und seine Mädchen Freitod als Streikwatfe: Unter Tränen gesponnene Seide Tokio. Herr Kakuji Natsukawa war ein bislang wohlzufriedener, wohlbeleibter Mann. Hinter seiner gewichtigen Persönlichkeit standen die Seidenspinnerinnen der „Ohmi-Werke“, deren Produktion sich auf zehn Fabriken verteilt. Jetzt flogen Steine gegen den chromblinkenden Cadillac dieses Unternehmers, der seine Arbeiterinnen als Leibeigene betrachtete. Er selbst behauptet jedoch, überhaupt nicht zu verstehen, warum seine Frauen und Mädchen in den Streik traten. „Italiens gefräßigstes Kind“ Die fünfjährige Luciana muß rauchen— Sie ißt sonst die Familie arm Lichtblicke: Stürmer und Seeler Wie Deutschland gegen Frankreich 1:3(0:2) verlor- Was die Prominenz dazu meint Hannover. Nach der Niederlage gegen Frankreich meinte DFB-Präsident Dr. Bauwens:„Man kann nicht erwarten, daß die erforderlichen Umbesetzungen der Weltmeisterschaft ohne Rückschläge vor sich geht. Ein Lichtblick waren unsere jungen Spieler Stürmer und Seeler. Ich glaube nicht, daß Seeler so gute Gelegenheiten verpaßt, wenn et erst einmal ein Dutzend Länderspiele hinter sich hat. Frankreichs Sieg war verdient.“ nicht einen Moment in eurem Eifer und Kampfgeist nachgelassen habt. Es war jedoch ein großes Spiel beider Mannschaften, fair und sportlich im besten Sinne!“ Schiedsrichter Griffith(Wales):„Es war ein hartes Spiel, aber ich glaube, daß alles im Rahmen geblieben ist. Frankreich hatte die besseren Techniker im Sturm. Ohne die beiden ersten Tore, die vermeidbar erschienen, wäre es vielleicht anders gekommen.“ Kapitän Jupp Posipal:„Unser Spiel lief zu spät. Schade, daß Uwe Seeler aus seinen schönen Chancen nicht das zweite Tor gelang. Das hätte zum Schluß vielleicht doch noch zu einer Änderung geführt. Aber meinem jungen Klubkameraden fehlte einfach ein wenig Glück.“ Kopa, Frankreichs Mittelstürmer:„Mit diesem klaren Sieg hatten wir eigentlich kaum gerechnet. Gewiß. die beiden ersten Tore fielen etwas glücklich, aber ich glaube, insgesamt haben wir doch besser gespielt und damit diesen schönen Erfolg über den Weltmeister auch verdient.“ Torwart Remetter:„In den letzten 20 Minuten hat mir der deutsche Sturm noch kräftig eingeheizt. Glauben Sie mir bitte: ich habe Seeler nicht gefoult, als er so schwer im Strafraum stürzte. Es war einer der unglücklichen Zusammenstöße, die es nun einmal im Sprint nach dem Ball gibt.“ Max Schmeling(der das Spiel nur am Fernsehschirm erlebte):„Von dem Ergebnis bin ich mehr enttäuscht als vom Spielverlauf. Schade, daß der Nimbus des Fußball-Weltmeisters einen weiteren Stoß erlebt hat. Aber wenn man überlegt, wie viele der 21 Spieler aus dem deutschen Weltmeisterschafts-Aufgebot krank oder verletzt sind, hat man schon eine Erklärung gefunden.“ Nur Ottmar Walter blieb übrig Erste Hälfte schwach— Frankreichs Vorsprung nicht mehr aufzuholen Hannover. Es hat eine neue Länderspiel-Niederlage gegeben gegen einen Gegner, der prächtige Techniker in seiner Mannschaft hatte, das Mittelfeld über zwei gut aufbauende Flügelläufer beherrschte und— nach dem Ausscheiden Ben Bareks— im Sturm zeitweise so klug wirkte, daß die deutsche Abwehr einfach unterging. Wären die letzten 20 Minuten nicht gewesen— dieser deutsche Endspurt, in dem es nach dem zweiten und vielleicht sogar dritten Tor aussah—, man würde eine Parallele zu Paris 1952 ziehen, aber sie ist nicht da. Die erste Halbzeit deutete sie an, aber dann gab es doch Spielszenen, in denen auch das deutsche Spiel gute Seiten hatte und nur mangelndes Glück eine Wendung verhinderte, die allerdings sensationell gewesen wäre. Die Franzosen haben ihr zweites Tor erzielt. Turek(am Boden) ist erschüttert, linke von ihm Kohlmeyer. Islacker(schwarze Hose) bemüht sich gegen Louis(rechts) und Jonquet(hinter Islacker) das Leder zu erreichen. 90 Minuten kurz skizziert Ein halbes Eigentor— Termath durch Seeler ersetzt Sepp Herberger:„Die Franzosen waren technisch besser. Jeder Mann wirkte balltechnisch so stark wie unsere Besten in der Schweiz. Die beiden Neulinge Stürmer und Seeler hatten einen ausgezeichneten Start. Mit dem heutigen Tag beginnt die Vorbereitung für Wembley. Ich hoffe, dann den einen oder anderen Spieler dabei zu haben, der heute entscheidend fehlte.“ Walter Winterbottom(Team-Manager der englischen Nationalelf):„Ich war lange Zeit von Deutschland enttäuscht, aber die letzten 20 Minuten haben mir gezeigt, daß man auch diese umgebaute Mannschaft nicht unterschätzen darf. Zu einem weiteren Tor fehlte nur etwas Glück. Allerdings war Frankreich über die ganzen 90 Minuten gesehen die bessere Elf.“ Hochkommissar François-Poncet(in der Kabine bei einer Ansprache an die Spieler): „Was für ein wundervolles Spiel. Ich habe mich gefreut, besonders darüber, daß ihr Frankreichs kluger Schachzug war der Austausch Ben Bareks. Die Stimmen, die vorher gegen senie Aufstellung waren, behielten in der ersten haben Stunde recht, denn bei aller artistischen Ballbeherrschung fehlte dem Nordafrikaner die Zündung. Mit Foix(St. Etienne) wurde alles anders. Spielerisch hatte jeder französische Stürmer Vorteile, bei der Schnelligkeit von entscheidender Wichtigkeit. Großartig spielte der schwer zu haltende Kopa, und enorm gefährlich waren die Außen Grillet und Vincent in ihren Ballsprints. Etwas zurückhaltend, aber doch wirkungsvoll zeigte sich Dereuddre, der namentlich Grillet prächtig mit langen Pässen bediente. Hart und gegen Schluß sogar etwas übertrieben die französische Abwehr. Ob Mahjoub oder Louls, beide Seitenläufer, gewannen den größten Teil ihrer Zweikämpfe, sie ammmimmmmmmmmmm Wagtmans gewann Steherrennen Dortmund. Der Holländer Wagtmans gewann in der Dortmunder Westfalenhalle vor 5000 Zuschauern den Erich-Metze-Preis der Steher(3 Läufe= 80 km) mit 79,982 Kilometern vor Meier-Schweiz(79,610 km), Jakobi-Nürnberg(79,601), Schorn-Köln(76,355) und Bunker-England(77,500 km). Der kleine Holländer siegte im ersten Lauf(20 km) in 19,44 Min. und im entscheidenden dritten Lauf(30 km) in 29:40 Min. Meier holte sich den zweiten Lauf(30 km) in der neuen Bahnrekordzeit von 29:04 Min. Im kleinen Steher-Preis(20 km) war Schiller(Nürnberg) in 20:05 Min. vor Schild(Chemnitz) erfolgreich. Das 150-Runden-Mannschaftsfahren der Amateure holten sich die Kölner National-Mannschaftsfahrer Hochgeschurtz und Remagen. Anschließend bewies die Europameisterin auch mit der Weltklassezeit von 2:55,5 Minuten über 200 m Brust, daß sie ihre Form von Turin behalten hat. Den zweiten Rekord gab es durch die Damen von Düsseldorf 98, die über 4 mal 50 m Kraul mit 2:09,4 Minuten 0,5 Sekunden unter der bisherigen Höstleistung von Krefeld 09 blieben. Der Belfall für Ursula Happe wollte in der überfüllten Halle des Nordbades kein Ende nehmen, als DSB-Präsident Willi Daume der Europameisterin im Auftrage des Bundespräsidenten Prof. Heuß das Silberne Lorbeerblatt überreichte. Die sympathische junge Mutter hatte kurz zuvor mit ihrem deutschen Rekord über 100 m Butterfly in 1:18,1 bei ihrem Sieg über die Hildenerin Doris Esser (1:22,4) und mit 2:55,5 über 200 m Brust vor Hilde Winkmann(Krefeld) mit 3:08,0 schon wahre Begeisterungsstürme hervorgerufen. Neben Ursula Happe wurde aber auch die 14jährige Düsseldorferin Birgit Klomp stark gefeiert, als sie im Kampf mit der deutschen Hallenmeisterin Gisela von Netz (1:08,9) über 100 m Kraul mit 1:09,0 persönliche Bestzeit schwamm. Sie trug als Schlußschwimmerin mit 31,7 Sek. auch entscheidend zum deutschen Rekord von Düsseldorf 98 über 4 mal 50 m Kraul bel, an dem noch Gerda Kühn, Wera Schäferkordt und Uschi Auhagen betelligt waren. Westfalen Dortmund vor Herringen Einen gleichzeitig ausgetragenen Klubkampf der Männer mit drei Staffeln gewann Westfalen Dortmund vor Waspo HerHannover organisierte das erste Länderspiel ausgezeichnet. Das Stadion schien die Massen förmlich zu fressen, so daß man fast zu dem Ergebnis kommen kann, daß das Fassungsvermögen bei dieser ersten Belastungsprobe nicht einmal voll ausgenutzt wurde. Die Mannschaften traten in der letztgenannten Besetzung an: Deutschland: Turek; Erhardt, Kohlmeyer; Posipal, Liebrich, Mai; Klodt, Stürmer, Ottmar Walter, Islacker, Termath. Frankreich: Remetter; Kaelbel, Marche; Mahjoub, Jonquet, Louis; Grillet, Dereuddre, Kopa, Ben Barek, Vincent. waren aber dann auch noch stark genug, genaue Vorlagen zu geben oder sich in das Angriffsspiel einzuschalten. Jonquet ist einer der routiniertesten Stopper, trotzdem mußte er Seeler einige Male ziehen lassen, was für das Talent des Hamburgers spricht. Frankreichs Kapitän Rogger Marche glänzte durch ein famoses Verteidigerspiel, stand immer hervorragend, und so hatte Klodt mehr Mühe mit ihm. als er vielleicht erwarten konnte. Kaelbel ergänzte Marche sehr gut, ein Mann, der sich mit seinem ganzen Körper einsetzte, oft bis zur Grenze des Erlaubten. Einer der besten französischen Spieler aber war Torwart Remetter, reaktionssicher undimponierend bei hohen Bällen, denen er— von Figur klein-- regelrecht entgegenstieg. mers Krämer in der 73. Minute entschied Schalke 04 das Pokalwiederholungsspiel gegen den FC Schweinfurt 05 vor 7000 Zuschauern etwas glücklich zu seinen Gunsten. Schalke sicherte sich damit den Einzug in die dritte Hauptrunde am 28. November, in der Hamburger SV oder Bremerhaven 93 Gegner der Westfalen sind. Dank ihrer stabilen Abwehr, aus der Torhüter Orzessek, Verteidiger Brocker und Mittelläufer Zwickhofer herausragten, vermochten die Gäste die laufenden Angriffe der Schweinfurter, ringen und Lüdenscheid. Alle Mannschaften hatten zwar eine Staffel gewonnen, aber die Plätze entschieden für Dortmund. 12mal-50m-Lagenstaffel: 1. Westfalen Dortmund 6:52,2; 2. Waspo Herringen 6:59,1. 10mal 50 m Schmetterling: 1. Lüdenscheid 01 5:57,8; 2. Westfalen Dortmund 5:58,2. 10mal-50-mKraulstaffel: 1. Waspo Herringen 4:59,6; 2. Westfalen Dortmund 5:04,5. In wenigen Zellen Ein 300 000-Dollar-Angebot(rund 1 260 000 DM) erhielt Schwergewichts-Weltmeister Rocky Marciano für eine Titelverteidigung in Manila gegen den Kubaner Nino Valdes oder einen anderen Weltranglistenboxer. Für die Rollschnellauf-Weltmeisterschaften am 23./24. Oktober in Barl meldeten sehn Nationen: Belgien, Frankreich, Großbritannien, Spanien, Norwegen, Dänemark, Holland, Italien, die Schweiz und auch Deutschland. Seinen englischen Rennstall, der seit 25 Jahren eine gute Rolle spielte, löst Aga Khan in diesem Winter auf. Die 20 Pferde werden im Dezember versteigert. Seine Ställe in Irland und Frankreich will der indische Nabob weiterbestehen lassen. Die gesamtdeutschen Judo-Meisterschaften, die am 23./24. Oktober in Chemnitz stattfinden, wurden von der Ostzone abgesagt, da der Sportverkehr der Schwerathleten zwischen Öst und West seit Anfang September unterbrochen ist. Die großen Erwartungen um das deutsche Spiel haben sich nicht erfüllt. Diese Mannschaft, in der nach Termaths Ausscheiden drei Neulinge den Innensturm bildeten, brauchte lange Zeit, bis sie einigermaßen harmonisch wirkte. War Turek an den Toren betelligt? Walter Winterbottom, der englische Teammanager, sagte nach dem Spiel. Turek reagiere zu spät, er müsse anders eingreifen, allerdings trage die ganze deutsche Abwehr ein gerüttelt Maß Schuld an den Toren. Turek wurde hier bei weitem nicht so beschäftigt wie 1952 in Paris, da der französische Sturm trotz zahlreicher guter Torszenen nicht oft schoß. Zweimal rettete Kohlmeyer vor der Pause ein Tor, aber er verschuldete den ersten Treffer durch eine Rückgabe, die völlig überflüssig war. Erhardt kam gegen Vincent nicht immer mit, wurde aber gegen Schluß stärker. Liebrich hatte große Mühe, um mit Kopa fertig zu werden. Dieser wendige Mittelstürmer schien ihm ebenso wenig zu liegen, wie vor drei Wochen in Brüssel Belgiens Angriffsführer Coppens. Mais' großartige kämpferische Leistung konnte nicht darüber hinwegtäuschen, daß seine Ballabgabe manche Wünsche offen ließ. Solange Ben Barek spielte, beherrschte Posipal den Halblinken, aber dann kam mit Foix ein wendiger Mann, der immer in Bewegung war und dem deutschen rechten Läufer unliebsam zu schaffen machte. Diese Mängel in der Abwehr waren für einen Sturm, in dem Ottmar Walter einziger Mann von Bern blieb, nicht der Rückhalt, den er gebraucht hätte, um groß ins Spiel zu kommen. Weder Klodt, Termath(der nur 23 Minuten spielte). Islacker noch Ottmar Walter zeigten, von Ansätzen abgesehen, eine besondere Leistung. Lichtblick blieben so die beiden Jüngsten der Mannschaft, die Hamburger Klaus Stürmer und Uwe Seeler. Stürmer hatte manche gute Szenen, vor allem als Seeler ins Spiel kam und die beiden jungen Spieler der französischen Abwehr mehr zusetzten, als man überhaupt noch erwarten konnte. legen waren, ohne Gegentreffer zu überstehen. Neuhaus gegen Hecht Am 12. Dezember in Dortmund Berlin. Der Boxkampf um die deutsche Schwergewichtsmeisterschaft zwischen dem Titelhalter Heinz Neuhaus(Dortmund) und dem Halbschwergewichts-Europameister Gerhard Hecht(Berlin) findet nach einer Mitteilung des Veranstalters Göttert nicht am 7. November, sondern erst am 12. Dezember in der Dortmunder Westfalenhalle statt. Nach den bestehenden Regeln setzt Neuhaus in diesem Boxkampf gleichzeitig seinen Titel als Europameister aufs Spiel. Wie bekannt wurde, fehlt für die Dortmunder Begegnung nur noch die Unterschrift Hechts, dessen alte Herausforderung an Neuhaus noch beim Bund Deutscher Berufsboxer(BDB) vorliegt. Nach einer Erklärung Götterts wurden für Neuhaus noch keine weiteren Kampfabschlüsse getätigt. Vor dem Frühjahr 1955 käme auch eine USA-Reise des Dortmunder Europameisters nicht in Frage. Frankreichs Hüter Remetter klärt vor Seeler, links Stürmer. Hannover. In den ersten fünf Minuten hatte der deutsche Sturm mit starkem Rückenwind durch Termath, Stürmer und Ottmar Walter Szenen, die einen Jubelsturm hervorriefen. Wäre da ein Tor gefallen, wer weiß, wie sich der weitere Verlauf der 90 Minuten gestaltet haben würde. Aber schon bald kam Frankreich zur ersten groBen Chance, als Turek die von Vincent Hereingegebene erste Klaus Stürmer Ecke im Sprung verschoß das Gegentor paßte und Kohlmeyer auf der Torlinie den Kopfball Kopas abstoppte. Den Nachschuß Ben Bareks erwischte Turek. Termath, bis dahin kaum in Aktion getreten, erlitt in der 16. Minute eine Oberschenkelprellung. Er kam nach drei Minuten wieder, um aber in der 23. Minute endgültig auszuscheiden. Kurz vorher schien das 0:1 fällig, als Kopa Liebrich überlistete, aber sein Schuß kam auf Tureks Körper. Für Termath ging Ottmar Walter nach Linksaußen, während Herberger Seeler als Mittelstürmer hereinnahm. Nach einem Foul von Marche an Seeler setzte Islacker den Freistoß in der 26. Minute knapp über die Mauer. Kurz darauf kam Foix für Ben Barek herein, der in der 32. Minute eine völlig unnötige Rückgabe Kohlmeyers an Turek aus 30 m Entfernung erwischte, den herausgelaufenen deutschen Hüter umspielte und das 1:0 buchte. Drei Minuten später erhielt der nach innen geKrefeld. In der letzten großen Prüfung der diesjährigen Galoppsaison, dem CladiatorenRennen(20 000 DM, 2800 Meter), siegte am Sonntag in Krefeld Nizam unter Hans Hiller sicher mit Hals vor dem St.-LegerSieger Nardus(P. Fuchs, und Brillant(W. Held). Das Rennen wurde in der guten Zeit von 3:09,0 Minuten gelaufen. Nizam ging bereits kurz nach dem Start in Führung vor Nardus, Blitzlicht und Brillant, während Maranon drei Längen am Start verlor. Eingangs der Zielgeraden rückten Brillant und Nardus auf. Brillant lag zeitweise an zweiter Stelle, aber Nardus zog nochmals an und lieferte Nizam einen harten Kampf. Nizam hatte aber trotz des ständigen Führens auf dem schweren Boden die stärkeren Reserven und siegte sicher. 1. R.: 1. Traumprinz(A. Dilger), 2. Legende, 3. Adonis. Sieg 103, Platz 29. 19, 30. Ew. 692. — 2. R.: 1. Odowaker(St— F. Drechsler), 2. Königsmacht, 3. Angolo. Sieg 14, Platz 17, 20, 26. Ew. 70.— 3. R.: Palisade(A. Deschner), 2. Fardip, 3. Vigoureuse. Sieg 176, Platz 35, 21. 23. Ew. 642.— 4. R.: 1. Nizam(H. Hiller), 2. Nardus, 3. Brillant. Sieg 40. Platz 17, 16, 17. Ew. 144.— 5. R.: 1. Abt.: 1. Grilparzer(G. Schmelzer), 2. Santa Angela, 3. Gigerl. Sieg 60, Platz 28, 37, 16. Ew. 1184.— 2. Abt.: 1. Prinzeß Orwa(St— r G. Wolter), 2. Ostasiate, 3. Gohort. Sieg 26, Platz 24, 15, 21. Ew. 270.— 6. R.: 1. Verlust(J. Unterholzner), 2. Waldenser, 3. Barde. Sieg 16, Platz 12, 15, 16. Ew. 34.— 7. R.: 1. Palisander(J. Starosta), 2. Thola, 3. Feuerbusch. Sieg 49, Platz 20, 25, 41. Ew. 544.— 8. R.: 1. Röslein(E. Wedderin 3), 2. Liebesmelodie, 3. Falala. Sieg 63, Platz 15, 13, 30. Ew. 140. Pferdetoto:—— 2 2 1 0 2 1 2 0 0 0 2 0 Trabrennen in Recklinghausen Sonntag, 17. Oktober 1. R.: 1. Lege Artis(E. Aichinger), 2. Milanda, 3. Dakota, 4. Bettelstudent. Sieg 55. wechselte Vincent vor dem zögernden Liebrich das Leder, und Frankreich führte 2:0. Deutschland begann die zweite Hälfte mit großem Elan. Remetter war nun stark beschäftigt, einmal rettete für ihn Jonquet auf der Linie. Nach einem Zuspiel von Grillet schoß Foix jedoch das für Deutschland so enttäuschende dritte Tor. Ottmar Walter, der in den letzten 20 Minuten mit Islacker tauschte, gab in der 74. Minute einen schönen Querpaß zu Stürmer. der mit Bombenschuß unhaltbar den einzigen Gegentreffer erzielte. Vier Minuten später warf sich Remetter in einen Schuß Seelers, der zu Fall kam. Die Zuschauer protestierten, aber Griffith gab nicht den erwünschten Elfmeter. Das deutsche Spiel bekam immer mehr Farbe, aber das erhoffte zweite Tor blieb aus. Frankreich-Bilanz negativ Bisher 225 Länderkämpfe im Fußball Hannover. Nach dem 1:3 von Hannover weist die deutsche Länderspiel-Bilanz gegen Frankreichs Fußball-Nationalmannschaft bei zwei Siegen und einem Unentschieden drei Niederlagen auf. Das Torverhältnis steht jedoch noch auf 12:11 für Deutschland. Im Niedersachsen-Stadion trug Deutschland sein 225. Länderspiel aus. Die Gesamtbilanz lautet: 118 Siege, 38 Unentschieden und 69 Niederlagen bei 602:404 Toren. In der Nachkriegszeit brachten 27 internationale Begegnungen 18 Siege, drei Unentschieden und sechs Niederlagen sowie 75:41 Tore. Mannschaftskapitän Jupp Posipal ist mit 23 Länderspielen der seit Kriegsende am häufigsten eingesetzte deutsche Nationalspieler. Es folgen Fritz Walter(21), der allerdings von 1940 bis 1942 weitere 24 Male berufen wurde, sowie Turek und Kohlmeyer mit je 20 Länderspielen. fred(Ed. Freundt), 2. Freischärler, 3. Zeus, 4. Detlev. Sieg 31. Platz 23, 22, 32, 40. Ew. 280.— 3. R.: 1.” Korina(O. Hofmann), 2. Jambus, 3. Glücksschmied, 4. Taunus. Sieg 200. Platz 40, 24, 14, 21. Ew. 2924.— 4. R.: I. Maud Hannover(H. Kraum), 2. Gautinger, 3. Grunador. Sieg 23. Platz 19, 20, 27. Ew. 100. — 5. R.: 1. Indianer(F. Beckmann), 2. Cydonie, 3. Signore, 4. Alemanne. Sieg 31. Platz 13. 13, 16, 13. Ew. 1532.— 6. R.: 1. Dornzweig(K. Gillar), 2. Jana, 3. Raky. Sieg 28. Platz 11, 13, 13. Ew. 112.— 7. R.: 1. Miß Marlies(E. Aichinger), 2. Makrone. 3. Ilonka, 4. Clemento. Sieg 56. Platz 14, 17, 16, 49. Ew. 316.— 8. R.: 1. Freigeist(O. Schneider), 2. Rolf, 3. Zyklop, 4. Rote Rose, 5. Isländer. Sieg 83. Platz 16, 17, 14, 34. Ew. 480.— 9. R.: 1. Tettenborn(K. Tomczik), 2. Uni LB, 3. Dom, 4. Sether Deern. Sieg 87. Platz 16, 14, 12, 25. Ew. 508.— 10. R.: 1. Burgkleine(E. Abel), 2. Östermaid, 3. Renate, 4. Burgfräulein. Sieg 42. Platz 23, 19, 20, 36. Ew. 300. Ausland kaufte 27 Pferde Verdener Auktion ein Erfolg Verden(Aller). Zum Auftakt des„Tages des Pferdes“ wurde in der bis auf den letzten Platz besetzten Niedersachsenhalle in Verden/Aller die 11. Auktion hannoverscher Reitpferde durchgeführt, in der bei sehr flottem Gebot in etwas mehr ais drei Stunden 64 Pferde zum Durchschnittspreis von 2625 DM verkauft wurden. Die Höchstpreise erzielte eine 4jährige Stute mit 8700 DM und ein 5jähriger Wallach mit 7200 DM, die beide von belgischen Interessenten erworben wurden. Von den 27 ins Ausland verkauften Pferden gingen in die Schweiz 19, nach Österreich 2, Belgien 5 und Holland eins. Die Bundesrepublik exportierte im ersten Halbjahr 1954 2830 Zucht-, Reit- und Arbeitspferde im Gesamtwert von 2 232 000 DM. Franzosen gewannen verdient Als Mannschaft einheitlicher— Im Kopfball und Zweikampf überlegen Hannover. Mannschaftlich gesehen hatte Frankreich spielentscheidende Vorteile. Die Elf war dazu im Kopfball überlegen und sicherte sich außerdem auch den größten Teil aller Zweikämpfe. 8:4 Ecken für Deutschland lassen erkennen, wie oft auch dicke Luft vor dem französischen Tor herrschte. Eine Frage, die viel diskutiert wurde: Was wäre geworden, wenn ein Fritz Walter in bester Spiellaune in diesem Innensturm gestanden hätte? Gewiß, man kann darüber sprechen, ohne aber an der Tatsache vorbeizukommen, daß er wie vier weitere Spieler der unvergeßlichen Besetzung der Schweizer Weltmeisterschaftsspiele fehlten, und das ist eben mehr, als der deutsche Fußball verdauen kann, der nach dem Kriege nie ein größeres Reservoir erstklassiger Leute hatte. Ursula Happe schwamm Rekord Bei der Silberlorbeer-Überreichung— Staffelrekord durch Düsseldorf 96 Dortmund. Zwei neue deutsche Rekorde wurden bolm Schwimmfest Im Dortmunder Nordbad aufgestellt, das Westfalen Dortmund anläßlich der Überreichung des silbernen Lorbeerblattes an seine Europameisterin über 200 m Brust, Ursula Happe, veranstaltete. Bel ihrem ersten Start nach längerer Trainingspause drückte Ursula Happe über 100 m Butterfly ihren eigenen deutschen Rekord von 1:18,7 auf 1:18,1 Minuten. Schalke 04 bleibt im Pokal Schweinfurt 05— Schalke 04 0:1(0:0) Schweinfurt. Durch ein Tor des Mittelstür- die nahezu zwei Drittel der Spielzeit überNizam im Gladiatoren-Rennen Nach hartem Kampf mit Nardus— Der Renntag in Krefeld Platz 15, 15, 14, 18. Ew. 256.— 2. R.: 1. Man Auf einen Blick 2. Liga West VfL Benrath— Wuppertaler SV.. 0:1 Hamborn 07— Rotweiß Oberhausen.. 3:2 Spfr. Katernberg— VfB Bottrop. 0:3 TSV Marl-Hüls— STV Horst. 3:2 Rhenania Würselen— SpVg Herten. 1:2 Union Krefeld— Wattenscheid 09. 1:2 OBERLIGA NORD FC St. Pauli— Göttingen 05. 0:0 I. LIGA SUD VIB Stuttgart— Stuttgarter Kickers. 2:1 I. LIGA SUDWEST Spfr. Saarbrücken— Wormatia Worms. 0:2 VfR Kaiserslautern— FV Speyer. 3:1 STADTLIGA BERLIN Viktoria 89— Spandauer SV 2:1 Berliner SV 92— Union 06.. 0:2 Tennis-Berussia— Wacker 04 2:0 Minerva 93— Blauweiß 90 2:0 Alemannia 90— Nordstern Berlin. 3:1 Heinz Fütterer lief Weltrekordzeit Hervorragende Form des Evropameisters in Japan- 10,2 Sek. über 100 m, 20,8 Sek. über 200 m Osaka. Zwei Tage nach der Vollendung seines 23. Lebensjahres konnte Deutschlands Doppel-Europameister Heinz Fütterer das erste Ziel erreichen, das er sich in Japan gesteckt hatte: Beim vierten Start der deutschen Leichtathletik-Ma.nschaft stellte der trittschnelle Karlsruher über 200 m mit 20,8 Sekunden einen neuen Europarekord auf, als er vor 12 000 Zuschauern im Stadion von Osaka den Krefelder Hans Geister um sieben Meter schlug. Mit seiner Jahresweltbestzeit blieb Fütterer eine Zehntelsekunde unter dem 26 Jahre alten Rekord des Berliners Helmut Körnig, den der Europameister bei seinem Berner Erfolg eingestellt hatte. Am zweiten Tage des deutsch-japanischen Leichtathletik-Länderkampfes in Osaka lief Heinz Fütterer die 100 m in 10,2 Sekunden und erreichte damit den von dem farbigen Amerikaner Jesse Owens am 20. Juni 1936 aufgestellten Weltrekord. Heinz Fütterer ist der sechste Läufer, der diese Zeit bisher gelaufen ist. Nach Jesse Owens erreichten noch Harold Davis(USA), im Jahre 1941. Lloyd La Beach(Panama) 1948, Norwood Ewell(USA) ebenfalls 1948, und E. M. Bailey(England) 1951 diese schnellste Sprinterzeit der Welt. DFB-VEREINSPOKAL Schweinfurt 05— Schalke 04 Freundschaftsspiele 0:1 3:3 2:8 0:8 7:3 1:2 3:2 2:1 0:0 7:4 5:3 4:3 1. FC Köln— Altona 93 TuRu Düsseldorf— Schwarzweiß Essen Harz-Auswahl— 1. FC Kaiserslautern Eintracht Braunschweig— Pr. Münster Arminia Hannover— Kickers Öffenbach VIR Mannheim— Phönix Ludwigshafen Hessen Kassel— Hannover 96. FC Lens— Rotweiß Essen FC Metz— Schwaben Augsburg FC Souchaux— Karlsruher SC FC Nancy— SpVg Fürth LÄNDERSPIELE Deutschland— Frankreich 1:3 Frankreich B— Saargebiet. 4:1 Jugoslawien— Türkei 5:1 Tischtennis-Oberliga TTV Metelen— SSV Hagen.. 9:2 ESV Hamm— VfL Bochum 4:9 Schalke 04— TTSC Asseln. 8:8 Preußen Horstmar— ETuS Wanne... 8:8 VfL Hagen— Rotweiß Bottrop 9:5 Insgesamt brachte der erste Tag der nur 14 Mann starken deutschen Mannschaft beim zweiten Treffen mit einer japanischen Auswahl sechs Siege bei acht Wettbewerben. Überaus herzlich gestaltete sich der Empfang der deutschen Athleten in Japans zweitgrößter Stadt, die sie von Tokio her in einer 500-km-Flugreise erreichten. Die Begeisterung um die deutsche Mannschaft fand ihren Höhepunkt im Stadion von Osaka, als 12 000 Zuschauer den Wettkämpfen ein interessiertes Publikum waren. Fütterers großartiger Lauf bildete das Ereignis. Der sympathische Karlsruher hatte auf der Innenbahn einen Blitzstart, kam bereits aus der Kurve mit klarem Vorsprung und ließ in einem prächtigen Finish Hans Geister um sieben Meter zurück. Mit 20,8 war der neue Europarekord vollendet, Geister steigerte sich auf 21.6 Sekunden. Die Mittel- und Langstreckler hatten mit dem starken Wind einige Mühe. Dennoch enttäuschten weder Werner Lueg bei seinem erneuten Spurtsieg über 800 m in 1:53,7 vor dem deutschen Meister Olaf Lawrenz(1:54.1), noch Kurt Bonah mit 53,9 über 400 m Hürden vor Heinz Ulzheimer(55,2) oder Herbert Schade, der sich in 14:48,2 gegen Heinz Laufer durchsetzte. Weitere deutsche Siege gab es im Kugelstoßen durch Karl Oweger mit 14,54 m und die 4X100-m-Staffel, die in der Besetzung Oberbeck, Geister, Fütterer und Werner Bähr sprang 2 Meter Als erster Deutscher lief Fütterer 10,2 Sekunden(mit Rückenwind) Osaka. Nach Fütterers 200-m-Europarekord von 20,8 Sek. gab es einen Leichtathletiksieg über eine japanische Auswahl vor 20 000 Zuschauern, und bei regnerischer Witterung erreichte Fütterer als erster europäischer Sprinter 10,2 Sek., die seit 1936(Jesse Owens) als 100-m-Weltrekord galten. Diese Weltklassezeit kann jedoch nicht als neuer Europaund Weltrekord anerkannt werden, da 2,5 m/Sek. Rückenwind herrschte und damit die zulässige Rückenwindstärke um 0,5 m/Sek. überschritten wurde. Auch bei dem glänzenden 200-m-Lauf, mit Ösaka der viermalige deutsche Meister Werdem Fütterer mit 20,8 Sek. den 26 Jahre ner Bähr, der mit der neuen Nachkriegsalten Europarekord von 20,9 Sek.(Helmut bestleistung von 2,00 m zu einem überlegeBert Steines 41,9 Sek. lief. Die Gastgeber kamen in den Sprüngen zu Erfolgen. Masaji Tajima holte sich den Weitsprung mit 7,23 m vor Heinz Oberbeck, der ermüdet schien und nur 7 m erreichte. Im Stabhochsprung hielt sich Hochsprungmeister Werner Bähr mit 3,60 m wieder achtbar. Es reichte jedoch nur für den dritten Platz. Der Sieger Iwao Hayashi übersprang 4 m. „Fütterer kann mehr!“ Die Meinung Dr. Helmut Körnigs Dortmund.„Ich freue mich sehr, daß Fütterer es geschafft hat“, erklärte am Sonntag der Leiter der Dortmunder Westfalenhalle, Dr. Helmut Körnig. zu dem neuen Europarekord Fütterers über 200 Meter und zur Einstellung des Weltrekords über 100 Meter durch Fütterer in den letzten beiden Tagen in Japan. Mit 20,8 Sek. unterbot Fütterer den seit 26 Jahren bestehenden 200-m-Rekord Körnigs, den dieser 1928 im Berliner Grunewaldstadion aufgestellt hatte, um eine Zehntelsekunde. Dr. Körnig ist der Ansicht, daß Fütterer noch schneller sein kann. Fütterer ist für eine noch bessere Zeit gut genug. Bei guten Bahnverhältnissen und bei noch rationellerer Einteilung der 200-mDistanz kann er auch in Deutschland seine letzte Zeit noch unterbieten. Mein kürzlicher Rat an Fütterer, von Anfang an mit rasantem Tempo loszulaufen, ist ihm gut bekommen. Eine noch bessere Streckeneinstellung dazu, und er schafft auch 20,7 und wer weiß was noch“. DEUTSCHLAND-POKAL Württemberg— Baden 5:0 Körnig) unterbot, war es im Stadion von Osaka windig. Das kann aber keinen Einfluß auf die Anerkennung des Rekordes haben, da auf einer Kurvenbahn gelaufen wurde. Die Wettkampfbestimmungen besagen Pfalz— Westdeutschland....... 1:5 ausdrücklich, daß nur bei einem Rekord auf Hessen— Rheinland......... 5:0 gerader Strecke der Athlet nicht durch Niedersachsen— Berlin-West. 4:5 Bremen— Hamburg 2:5 Rückenwind begünstigt sein darf. Neben Heinz Fütterer überragte am Sonntag in Hattingen ohne Punktverlust Handball-Oberliga: Schalks mühle gewann in Gevelsberg Hagen. In Holsterhausen konnte am Sonntag die Herbstmeisterelf TuS Hattingen die erste Runde beenden. Sie ist in eindrucksvollem Stil durch die Runde gekommen, ohne Punkteinbuße und mit vier Punkten Vorsprung! Die Hattinger gingen gleich durch den agilen Linde in Front und blieben es bis zum Schluß. Neben Linde, der es auf sechs Tore brachte, zeichnete sich wieder Gerhard aus, der wie ein meisterhafter Puppenspieler die Fäden seiner Fünferreihe führte. Aber Holsterhausen hat sich brav geschlagen.— Das wichtigste Ereignis in Gevelsberg auf der Geler machte jenen Hattinger Triumph noch eindeutiger, denn hier wurde mit Spfr. Gevelsberg der nächste Verfolger erneut distanziert. Daß es der Meister war, ist doppelt bedauerlich. Die Gevelsberger waren vor dem Wechsel schon matt, aber da hielt Tormann Stankewitz die tollsten Bälle. Später ließ auch er nach, und dann triumphierte Schalksmühle, nicht allein durch sechs Tore von van Uelpen, sondern auch durch vier Tore des Linksaußen Hohage. Bei den Gevelsbergern waren Rademacher mit fünf und Kruse mit zwei Toren erfolgreich.— Friesen 60 Haspe hat den letzten Platz verlassen und kam gegen die Oeger zum zweiten Erfolg. Das Spiel war nach Haspe verlegt worden. Nur nach der Pause konnten einmal die Oeger in Front gehen. Doch dann schlug Friesen um so gnadenloser zu. Buß war mit acht Toren überragend. Es folgten Überacker(3) und Gebelhoff(2). Bei den Gästen schossen Minden(4) und Wachsmuth(2) am besten. IM TELEGRAMMSTIL Im Kunstturnkampf siegte Köln(269,10 Punkte) vor Essen(259,50) und Düsseldorf (258,55). Die besten Turner waren DickhutKöln(49,25), Kister-Essen, Theis-Köln und Nieling-Düsseldorf(alle 46,80). Die Meisterschaftsunterbrechung in der 1. Fußball-Liga drückten den Toto-Spieleinsatz um rund eine halbe Million auf 9 794 490,50 DM Der ärztliche Befund einer Untersuchung bei Fritz Walter ergab, daß der 45fache Nationalspieler des 1. FC Kaiserslautern, der sich am 11. Oktober einer Mandeloperation unterzogen hatte, an Gelbsucht erkrankt ist. Die Eishockeymannschaft von Dynamo Moskau ist in Krefeld eingetroffen. Sie wird in Krefeld, Köln, Düsseldorf und Dortmund spielen. Täglich trainieren die Russen vier Stunden. Die sechs deutschen Turnierpferde Halla, Alpenjäger, Meteor, Nordstern, Armalva und Page traten vom Flughafen Düsseldorf-Lohausen aus die Flugreise nach Amerika an. Im Rahmen einer Feierstunde ihrer Heimatstadt Kirchhain überreichte Hessens Ministerpräsident Dr. Zinn die silberne Ehrenplakette des hessischen Ministerpräsidenten an die Gespannweltmeisterschaft Noll-Cron, während DMVPräsident Toni Ulmen die sympathischen Fahrer mit der höchsten Auszeichnung des DMV, der goldenen Ehrennadel, ehrte. Der vertragsbrüchige Horst Öttler von Hessen-Kassel zeigte in Zwickau beim 2:1 gegen eine rotchinesische Auswahl eine gute Leistung als Stopper. Schottlands Fußballnationalelf schlug Wales im Ninian-Park von Cardiff durch ein Kopfballtor von Buckley(69. Minute) mit 1:0(0:0). In der britischen Meisterschaft- liegen nunmehr England vor Schottland(je 2:0 Punkte), Wales und Nordirland(je 0:2 Punkte). Rupprath(Dortmund) und der Profineuling Liebelt(Gladbeck) erhielten einen Vertrag für das 13. Dortmunder Sechstagerennen(29. Oktober bis 4. November). Jugoslawien schlug Österreich im Wiener Leichtathletik-Länderkampf der Frauen mit 58:47 Punkten. 32 Schwimm-Weltrekorde bestätigte der Internationale Schwimm-Weltverband auf seiner letzten Sitzung. Darunter befinden sich die 1:16,6 Min. von Jutta LangenauGroßmann über 100 m Butterfly und die 5:18,3 Min. von Alfred Spengler(Halle) über 400 m Lagen. Wimbledonsieger Jaroslav Drobny holte sich in London zum dritten Male hintereinander die britische Hallen-Tennismeisterschaft. Im Finale schlug Drobny den Exilpolen Skonecki 7:5, 7:9, 6:4, 6:4. Die Amateurboxstaffel von Baden schlug im Kölner Williamsbau eine MittelrheinVertretung mit 12:8 Punkten. Ein goldener, mit Diamanten besetzter King wurde im Namen der britischen Sportler von anonymer Seite dem sowjetischen Leichtathletik-Europameister im 5000-Meter-Lauf, Wladimir Kuz, geschenkt. STAFFEL OST Pol. Recklinghausen— TV Brechten VfL Brambauer— G. Lütgendortmund STAFFEL WEST Holsterhausen— TuS Hattingen Spfr. Gevelsberg— Schalksmühle Hohenlimburg-Oege— Friesen Haspe 1. TuS Hattingen. 2. TV Schalksmühle 3. Spfr. Gevelsberg 4. TuS Ferndorf. 5. Holsterhausen 6. Hohenlimb.-Oege 7. Eintr. Hagen 8. TV Wattenscheid 9. Friesen Haspe. 10. Spfr. Neheim. 17:11 6:8 9:12 7:10 10:14 9 9 0 0 141:74 18:0 9 7 0 2 105:92 14:4 9 6 0 3 96:96 12:6 0 3 80:71 8:6 0 5 108:98 8:10 0 5 83:94 8:10 0 5 76:86 6:10 0 5 85:97 4:10 0 7 79:120 4:14 0 7 56:81 2:14 nen Hochsprungsieg kam. Die Ergebnisse des Sonntags: 100 m: 1. Fütterer(D) 10,2, 2. Geister(D) 10,7, 3. Hirano(J) 10,9. 400 m: 1. Bohnah(D) 49,0. 1500 m: 1. Lawrenz(D) 3:56,4, 2. Dohrow(D) 3:57,8. 110 m Hürden: 1. Steines(D) 14,7, 2. Nakajima(J) 14,9. 4 mal 400 m: 1. Deutschland(Dohrow, Lueg, Ulzheimer, Geister) 3:19,4, 2. Japan 3:21,2. Speerwerfen: 1. Will(D) 69,62 m, 2. Kawada(J) 62,33 m. Hochsprung: 1. Bähr(D) 2,00 m(Nachkriegsbestleistung), 2. Ishikawa(J) 1,90 m. Dreisprung: 1. Kogake(J) 15,43 m. Diskuswerfen: 1. Oweger(D) 45,54 m, 2. Mukai(J) 41,43 m. „Rallye Nürburgring“ Terminkalender für den Wagenrennsport Paris. Der internationale Termin-Kalender im Wagensport, der von der Fédération Internationale d’Automobile bekanntgegeben wurde, umfaßt neben einer Reihe deutscher Veranstaltungen als dritte internationale Meisterschaft den Titelkampf der europäischen Tourenwagen, der ebenfalls um zwei auf zwölf Läufe erweitert wurde. Dabei findet erstmalig als fünfter Lauf der Rallye Nürburgring(an Stelle des Rallayes Travemünde) vom 19. bis 22. Mai statt. Neben dem Großen Preis von Deutschland als WagenWeltmeisterschaftslauf und dem 1000-kmRennen auf dem Nürburgring(Sportwagen) stehen noch folgende deutsche Wagenrennen auf dem internationalen Kalender: Rennen: 8. Mai Rheinpokal Hockenheim(Sportwagen), 29. Mai 28. Eifelrennen(Formel I, Sportund Tourenwagen), 25. September 11. Großer Preis von Berlin(Formel I, Sport- und Tourenwagen).— Bergrennen: 7. August Großer Bergpreis Freiburg Schauinsland (Formel I, Sport- und Tourenwagen).— Railyes: 7. bis 9. Januar Rallye Garmisch-ParHoher westfälischer Handballsieg Handball-Nachwuchspokal— Gegen Niedersachsen 26:14(11:7) Hallenmeisterschaften der Jugend Arnsberg. In 32 Spielen entschieden die besten zwölf südwestfälischen Jugendmannschaften in der Freienohler Volkshalle die südwestfälischen Hallen-Bezirksmeisterschaft. Die Siegerehrung nahm Jugendwart Vonderheide(Hagen) vor, der den neuen Meister Spfr. Gevelsberg beglückwünschte. Gespielt wurde in zwei Gruppen. In der ersten konnte sich Gevelsberg vor Schalksmühle und TuS Ferndorf durchsetzen. In der zweiten Gruppe siegte Jahn Werdohl vor TuS Holzen und TuS Wellinghausen. Im Endspiel siegte Gevelsberg mit 5:4 gegen Jahn Werdohl, während den dritten Platz TuS Holzen mit 8:4 in der Verlängerung gegen Schalksmühle gewann. Weltmeister im Militärischen Fünfkampf wurde in Antibes erneut der schwedische Handball-Nationalspieler Ake Moberg mit 11 Punkten vor seinen Landsleuten Lorichs (26,5), und Rönnquist(51 P.). Schweden siegte auch im Mannschaftswettbewerb vor Frankreich und Belgien. Der argentinische Rennfahrer Romano Corontia verunglückte beim großen Jubiläumspreis des argentinischen Automobilklubs in Buenos Aires tödlich, als sich auf regennasser Bahn sein Wagen überschlug Spenge. Über 3500 Zuschauer erlebten im Handball-Nachwuchs-Pokalspiel in Spenge einen überzeugenden 26:14-(11:7-)Sieg der gut eingespielten westfälischen Elf über Niedersachsen. Obwohl die Westfalen schon nach zehn Minuten 7:0 führten, mußten sie die spurtstarken Niedersachsen schließlich bis auf 8:7 herankommen lassen. Ein Zwischenspurt in der zweiten Hälfte entschied dann schließlich für die konditionsstärkeren Westfalen, die ihren überragenden Spieler in dem Lager Nationalspieler Tiemann hatten. Die Tore für Westfalen: Rieke(8), Brieden(4), Heinrichsmeier(2), Struff(3), Iselmann(3), Kresse(3), Tiemann(2) und Martin. DHB-POKAL-ZWISCHENRUNDE Berlin— Südwest. 12:14 Nord— West 18:12 LÄNDERPOKAL-ZWISCHENRUNDE (Nachwuchs) Westfalen— Niedersachsen. 26:14 Niederrhein— Schleswig-Holstein.. 12:11 Württemberg— Bayern... 16:13 Südbaden— Nordbaden.... 17:15 Nord gegen West 18:12 Bremen. Hein Dahlinger, Deutschlands erfolgreichster Handball-Nationalspieler der Nachkriegszeit, war beim 18:12-(9:5-)Sieg über West der große Dirigent und Torschütze der norddeutschen Elf. Der technisch vorzügliche Kieler kam immer wieder so gut zum Wurf, daß Nationaltorwart Nellen durch Bombenstimmung im Sportpalast Guter Auftakt des 41. Berliner Sechstagerennens Berlin. Die erste Nacht des 41. Berliner Sechstagerennens im ausverkauften Sportpalast stand eindeutig im Zeichen der eingefahrenen Ausländer. Die ersten Runden brachten durch zahlreiche Jagden eine gute Stimmung unter die 7500 Zuschauer. Plattner/Schaer fuhren in den frühen Morgenstunden eine Gewinnrunde heraus, die sie auch nach einem leichten Sturz von Schaer verteidigen konnten. In den beiden Jagden am Samstagnachmittag schlossen Carrare/Forlini zu den Eidgenossen auf. Die„Nacht der Nächte“, die Stunden vom Sonnabend zum Sonntag, brachte bei einer Bombenstimmung des vollbesetzten Sportpalastes sportliche Höhepunkte und einen bisher nicht erreichten Prämiensegen für die aus 14 Mannschaften bestehende Besetzung. Nachdem kurz nach 22 Uhr der in Führung liegende Schweizer Schaer schwer gestürzt und zur Röntgenaufnahme in ein Krankenhaus eingeliefert worden war, blieb es bis Mitternacht bei einer fast ununterbrochenen Jagd. Schaers Partner, Oskar Plattner, blieb als Ersatzmann im Rennen und hielt sich bei dieser Jagd durch eine hervorragende Leistung mit an der Spitze, obwohl er völlig auf sich allein gestellt war. Als Schaer gegen 1 Uhr wieder auf der Bahn erschien, da er nur Prellungen davongetragen hatte, konnte die Mannschaft Schaer-Plattner das Rennen in guter Position wieder aufnehmen. Am Sonntagnachmittag war der Sportpalast mit 8000 Zuschauern überfüllt. Plattner/Schaer(Schweiz) und Carrara/Fortlini (Frankreich) führten nach 41 Stunden mit Rundenvorsprung. Eine Runde zurück: 3. H. Ziege/Jacoponelli, 4. Strom/Patterson(Australien). Zwei Runden zurück: 5. Otte/Jornitz, 6. Ockers/van Steenbergen(Belgien), 7. O1l Weinrich. Drei Runden zurück: 8. O. Ziege Holzmann, 9. Preiskeit/Schulz, 10. Intra Müller. 1 Deutschland— Frankreicn. 1:3 2 2 VfB Stuttgart— Kickers Stuttgart. 2:1 1 3 VfR Kaiserslautern— FV Speyer. 3:1 1 1 Spfr. Saarbrücken— Worm. Worms 0:2 2 5 Hamborn 07— Rotw. Oberhausen. 3:2 1 6 Spfr. Katernberg— VfB Bottrop. 0:3 2 7 TSV Hüls— STV Horst.. 3:2 1 8 München 1860— Ulm 46..... 2:3 2 9 Darmstadt 98— Singen 04.. 0:0 0 10 1. FC Pforzheim— Aschaffenburg. 3:6 2 11 ASV Durlach— FC Freiburg.. 1:2 2 12 VfL Neustadt— SV Waldhof.. 1:0 1 13 1. FC Bamberg— Karlsruher FV. 1:1 0 14 SV Wiesbaden— Hanau 93... 1:1 0 Nord-Süd-Block 2 1 2 1 2 1 2 0 0 1 1 2 2 0 Gewinnzahlen im Zahlenlotto 26, 87, 52, 82, 41 Wettschein für den 24. Oktober 1 Schalke 04— 1. FC Köln 2 1. FC Nürnberg— FSV Frankfurt 3 1. FC Kaiserslautern— FK Pirmasens 4 Borussia Dortmund— Schwarzweiß Essen 5 Jahn Regensburg— VfB Stuttgart 6 Wormatia Worms— TuS Neuendorf 7 Rotweiß Essen— Preußen Münster 8 BC Augsburg— SpVg Fürth 9 Fortuna Düsseldorf— Meidericher SV 10 SSV Reutlingen— Bayern München 11 Duisburger SV— Alemannia Aachen 12 Eintracht Frankfurt— Schweinfurt 05 13 Phönix Ludwigshafen— Mainz 05 14 VfL Bochum— SV Sodingen Mmmm Landesliga Westfalen Gruppe 1(Ost) Borussia Lippstadt— VfL Geseke. 1:2 Bünde 08—TSV Detmold. 1:1 Arminia Gütersloh— SV Brackwede.. 1:1 Paderborn 08— VfB Bielefeld.. 0:1 Arminia Bielefeld— Schwarzgelb Rheda 4:1 Fichte Bielefeld— Union Herford... 2:3 SV Brakel—- Viktoria Mennighüffen.. 5:3 Teutonia Lippstadt— SpVg Beckum. 1:1 Fütterer lief Europarekord Europameister Heinz Fütterer(Karlsruher SC) brach beim internationalen Sportfest in Osaka(Japan) mit 20,8 Sekunden den deutschen und europäischen Rekord im 200Meter-Lauf. Die bisherige Bestleistung von 20,9 Sekunden wurde 1928 von Helmut Körnig, dem heutigen Direktor der Dortmunder Westfalenhalle, im alten deutschen Stadion in Berlin aufgestellt. Fütterers Zeit bedeutet gleichzeitig Jahresweltbestleistung. Unser Bild, bei den Europameisterschaften in Bern aufgenommen, zeigt Fütterer bei seinem explosiven Start. tenkirchen, 15. bis 17. April Solitude-Rallye, 23. bis 26. Juni Rallye Wiesbaden, 9. bis 11. September Rallye Bad Neuenahr, 2. Oktober Rheinlandfahrt. den Nord-Halblinken allein zehnmal geschlagen wurde. Der schnelle Rechtsaußen Wanke (5) und Mittelläufer Vick, der das Nordspiel vor allem nach dem Wechsel sehr gut antrieb, zeichneten sich in der Elf des Pokalverteidigers weiterhin aus. Hermann Will, ein weiterer Spieler der Weltmeistermannschaft, versuchte vergeblich, den umständlichen West-Sturm zu einer besseren Leistung zu führen. Vor allem zu Beginn, als der Norden gleich auf 4:0 und 6:1 davonzog, enttäuschte der West-Angriff, der später in Will(6) nicht nur den besten Spieler, sondern auch den erfolgreichsten Werfer hatte. Die Räder rollen Im vollbesetzten Berliner Sportpalast wurde das 41. Berliner Sechstagerennen mit 14 Mannschaften gestartet. Die schwedische Filmschauspielerin Anita Björk und Berlins Boxliebling Gustav Scholz gaben gemeinsam den Startschuß zum Beginn der 143Stunden-Fahrt ab. Unser Bild zeigt Anita Björk und Gustav Scholz kurz vor dem Start für die 145 Stunden. 1 Überraschungen in der Siegerlandstaffel Langenau ist Tabellenführer— Altenhof trotz Sieg noch unten In der Siegerlandstaffel gab es gesterteinige Ueberraschungen. Die größte ist. daß Langenau jetzt Tabellenerster wurde Schrittmacher hierfür war der VfB Weidenau, der in Mudersbach mit 4:1 erfolg. reich blieb. Unter den Verlierern waren diesmal Netphen, Altenseelbach, wiederum Hilchenbach, Erndtebrück und nicht zuletzt Hünsborn und Eisern. Obwohl Altenhof einen knappen Sieg landete, konnte das Schlußlicht nicht ausgeblasen werden. Schönauer mit goldenem Tor Altenhof lieferte gegen Eisern in der ersten Halbzeit eine gleichwertige Partie mit dem goldenen Tor von Tonis Schönauer(HR) in der 35. Minute. Obwohl die Gastgeber im zweiten Durchgang durchaus die Möglichkeit hatten, aufgrund des besseren Einsatzes das Ergebnis zu erhôhen, wurde dieses von der Gegenseite verhindert, weil der Sturm zu uneinheitlich sich einsetzte und keine Möglichkeit sich bot, die Fünferreihe zu einer produktiven Entfaltung kommen zu lassen. Eisern gab hinten mit„Beton-Spiel“ keine Möglichkeit zum Durchkommen. Unter korrekter Leitung ein faires Treffen. Unsichere RW-Hintermannschaft Hünsborn verlor in Langenau unverhältnismäßig hoch auf Kosten der sehr unsicheren Hintermannschaft, die dem gegnerischen Sturm das Toremachen leicht machte. Alle Versuche des nicht schlecht sich einsetzenden eigenen Sturmes mußten bei so viel Unfähigkeit der Deckungsleute schließlich erfolglos bleiben. Beim Stande von 0:3 erst der einzigste Gegentreffer vor dem Seitenwechsel. Danach erhöhte Langenau auf 6:1(der 5. Treffer war ein verwandelter Handelfer). Kurz vor Spielschluß gelang dem sich unermüdlich abrackernden Sturm der mehr als verdiente zweite Erfolg. Hünsborn wurde unter Wert so hoch geschlagen, das sagte unser Gewährsmann aus Langenau. Beiderseits eine faire Auseinandersetzung. Staffel 15— Siegerland Lokalkampf SpV Oberveischede- VIB Meggen 3:0 FC Fröndenberg weiter zurück— Hohe Niederlage von Finnentrop Auch die Ergebnisse in der Sauerland staffel weisen einige Ueberraschungen auf. So verlor Fröndenberg einen Punkt gegen Grünewald(!) und Finnentrop mußte sogar mit einer hohen Niederlage gegen Iserlohn die Heimreise antreten. Das Lokalspiel gewann Oberveischede klar mit 3:0. Im Spitzenfeld in der Rangfolge keine Veränderungen, dagegen holten sich Nachrodt und Grüne einen besseren Mittelplatz. Lokalderby überraschend für Oberveischede Das Lokalderby zwischen Oberveischede und Meggen konnte der Gastgeber überraschend für sich entscheiden. Nach dem Vorsonntagsieg des VfB wurde von der Mannschaft etwas anderes erwartet. Wahrscheinlich aber wurde der Gast ebenfalls ein Opfer des kleinen Platzes, auf dem die Veischeder zu Hause sin und noch manchen Gegner zum Straucheln bringen werden. Der Sieg war verdient, denn auf weite Strecken des Treffens war der Gastgeber am Drücker. Bereits in der ersten Halbzeit bahnte sich die Entscheidung an, als N. Schneider (HR) und O. Schneider(MSt) je einen Treffer markierten. Im zweiten Durchgang hatte Meggen nur im Verlaufe einer Viertelstunde die Möglichkeit aufzuholen, scheiterte dabei aber an dem harten und konsequenten Einsatz der gegnerischen Hintermannschaft. Als J. Krenzler Mitte der zweiten Halbzeit das 3:0 anbrachte. war das Spiel für die Platzherren gelaufen. Beiderseits trotz harten Einsatzes fair unter der sicheren Leitung von Kaiser aus Hagen-Haspe. Staffel 13— Sauerland 2 Ergebnisse vom 17. Oktober 1954 Sauerlandstaffel SpV Oberveischede— VfB Meggen 3:0 RSV Meinerzhagen— SpVg Olpe verlegt FC Fröndenberg— TuS Grünewald 3:3 SV Nachrodt— Alem. Menden 2:1 SV Plettenberg— Hemer 08 2:7 SC Grüne— VfB Altena 3:3 TuS Iserlohn— SpVg Finnentrop 7.0 Siegerlandstaffel FC Altenhof— TuS Eisern 1:0 SpV 08 Langenau— RW Hünsborn 6:2 VfR Siegen— SV Netphen 4:1 Germ. Mudersbach— VfB Weidenau 1.4 SG D.-Tiefenbach— SV Altenseelbach 3:2 TuS K.-Marienborn/ TuS Hilchenbach 4:3 Eintracht Siegen— TuS Erndtebrück 5:1 1. Kreisklasse FSV Gerlingen— TV Grevenbrück 1:1 SuS Bleche— SV Schönau 1:1 SV Heggen— SSV Kirchveischede 5:2 VfR Rüblinghaus.— SpV 04 Attendorn 0:3 FC Langenei— SV Hillmicke 0:6 SuS Elspe— TuRa Altenhundem 5:1 Spfr. Möllmicke— VfB Meggen R 4:0 II. Kreisklasse— A SpVg Olpe R— SV Lichtringhausen 4:1 RW Hünsborn R— SpV O'veischede R 4:3 Spfr. Biggetal— FC Altenhof R 3:3 SpV 04 Attendorn R— TuS Drolshagen R 7:2 TuS Drolshagen— SV Hützemert 1:0 SC Listernohl— SV Ottfingen ausgef. II. Kreisklasse— B FC Oberelspe— TSV Saalhausen 0:3 SC Benolpe— TuS Kirchhundem 5:5 TV Grevenbrück R/ TuS Halberbracht 1:2 VfL Heinsberg— Spfr. Albaum 4:1 I. Kreisklasse UI. Kreisklasse— Gruppe B Stand vom 10. Oktober Altendorn alleiniger Tabellenführer Grevenbrück auf Platz 2 verdrängt— Durchweg faire Spiele Attendorn holte sich gestern die alleinige Tabellenführung, gefördert von Gerlingen, das dem TV Grevenbrück einen Punkt abknöpfte. Weitere Positionsverbesserungen buchten Heggen und Hillmicke. Am Tabellenende jetzt die Meggener Reserve. Ar sonsten kam bei den Ergebnissen ein vorauszusehender„Fahrplan“ zustande. Ueberraschungen gab es keine. Abstand Rüblinghausen— Attendorn nicht so groß Der verdiente Sieg der Attendorner in Rüblinghausen soll nicht geschmälert werden; er war aber dem Spielverlauf nach zu hoch, denn der VfR hatte zumindest zwei Gegentore verdient, wenn, ja wenn die Stürmer sich einmal zum energischen Torschuß aufgerafft hätten. So war es fast das gesamte Spiel hindurch für die Gäste leicht, schon in der Deckungsreihe abzuwehren und den„Kasten“ sauber zu halten. In den ersten 45 Minuten lieferten sich beide Mannschaften ein gleichwertiges Spiel. Obwohl hüben und drüben mehrere reelle Chancen erspielt wurden, kam kein zählbares Ergebnis zustande. Einigemal setzte sich der VfR-Torwart ganz groß ein. Torlos ging es in die zweite Halbzeit. Attendorn zeigte nach Wiederbeginn in seiner Sturmreihe das reifere Spiel und kam auch verdientermaßen in der 57. Minute durch MSt Fischer zum Führungstreffer(Kopfball). RA Napora erhönte in der 70. Minute auf 2:0 mit einem schönen Treffer ins hohe Eck. 12 Minuten später machte LA Wogoschewski aus einem Gedränge heraus alles klar. Kurz vor Spielschluß vergab der VfR noch einmal eine klare Erfolgschance, indem der Ball frei vor dem Tor aus 2 m Entfernung(!) danebengeschoben wurde. Unter der sicheren Leitung von Obmann Hesse kam ein faires Spiel zustande. Lobenswert der Einsatz des VfR. Die größer Linie aber verzeichnete Attendorn. Ecken. 5:7. Gerlingen stieg hart ein Grevenbrück hatte in Gerlingen keinen leichten Stand. Obwohl die Mannschaft wie bekannt, ruhig und fair aufspielte, konnte man es nicht verstehen, daß Gerlingen unverschämt einstieg, was den Gästen einen Verletzten einbrachte. Der harte Einsatz wäre nicht nötig gewesen Für den verhinderten angesetzten Schiedsrichter Schrage leitete Scherer aus Olpe sicher und konsequent. Gerlingen nutzte in der ersten Halbzeit eine Unsicherheit in der Grevenbrücker Hintermannschaft geschickt aus, als der Ball über den Torwart hüpfte. Ausgleich nach Wiederbeginn mit einem Handelfer, den Menne ganz klar verschuldete. Gerlingen vergan den Sieg mit zwei weiteren Chancen, die W Avenarius in aussichtsreichster Position versiebte. Grevenbrück blieb in der Defensive und war bei gelegentlichen Durchbrüchen noch recht gefährlich. Meggen(R) machte schlapp Möllmicke hatte in der ersten Halbzelt alle Mühe, den Einsatz der Meggener Reserve gleichzuschalten. Erst in den zweiten 45 Minuten machten die jungen Nachwuchsspieler schlapp, so daß der Gastgeber durch Tore von Koch, A. Schrage (2) und J. Schrage zu einem leichten Erfolg kam. Ausgeglichen in Bleche Bleche und Schönau lieferten sich in einem fairen Treffen ein gleichwertiges Spiel. Die Gastgeber lagen beim Seitenwechsel mit 1:0 in Führung, mußten sich aber Mitte des zweiten Durchganges den Ausgleich gefallen lassen. Unter der sicheren Leitung des Schiedsrichters kam es zu einer spannenden Auseinandersetzung. Flott und fair in Heggen Obwohl Heggen gegen Kirchveischede zu Anfang feldüberlegen war und mit zwei Toren in Vorteil lag, kam Kirchveischede durch schönen Einsatz zum Gleichstand. Kurz vor der Pause 3:2. In der zweiten Halbzeit setzte sich die technische Ueberlegenheit der Gastgeber klar durch. Drei weitere Treffer des SV konnte der Gast nicht vermeiden. Der Schiedsrichter mit Note 1 sorgte für einen fairen Durchgang. Die Erfolge für Heggen: Hengstebeck und Hesener je 2 und Kümhoff. Bei Habzeit 1:1 in Elspe Elspe kam in der zweiten Halbzeit gegen die sich gut einsetzenden Gäste aus Altenhundem mit zwei weiteren Tore zu einem vollen Erfolg. Beim Seitenwechsel stand die Partie 1:1. Beide Mannschaften lieferten sich ein schönes und faires Spiel, daß die Platzherren aufgrund der besseren Uebersicht verdient gewannen. Junger Nachwuchs in Langenei Langenei wartete mit einer vollkommen reorganisierten Mannschaft auf, die in dieser Verfassung natürlich gegen Hillmicke nicht viel ausrichten konnte. Bei Halbzeit 2:0 für Hillmicke, die ihren Vorsprung im zweiten Durchgang erheblich und leicht erhöhten. Landw. Berufsschule Kreis Olpe. Der Unterricht in der landwirtschaftlichen Berufsschule des Kreises Olpe findet nach den verlängerten Ferien ab 16. Oktober 1954 wieder regelmäßig statt. Gartenbauverein Olpe Versammlung am Montag, dem 18. Okt. 1954 20 Uhr im Schwanensaal Es spricht: Landw.-Rat Kröger Bestellung unseres Gartens im Herbst. Einlagerung der Vorräte. Torfbestellung. Besprechung unseres Herbstfestes. Alle Gartenfreunde herzlich ein ladet DER VORSTAND wirken günstig auf die Tätigkeit von Leber, Galle Magen und Barm- DM 2.75 Fast neuer Herren-Wintermantel schwarz, sowie neuer dunkelbrauner Herren-Anzug Größe 53, zu verkaufen. Zu erfragen unt. Nr. 1074 beim Sauerl. Volksblatt Olpe. 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Sie starb nach einem frommen christlichen Lebenswandel und einem Leben voll Arbeit und Mühe für die Familie, wohlvorbereitet durch den Empfang der hl. Sterbesakramente. Um ein frommes Gebet für die liebe Verstorbene bitten Die trauernden Kinder und Anverwandten OLPE, Rüthen, Hützemert und Gerlingen, den 16. Oktober 1954 Das Seelenamt ist am Mittwoch, dem 20. Oktober, um 8 Uhr in der Pfarrkirche St. Martinus; anschließend findet die Beerdigung vom Trauerhause, Winterbergstraße 46, aus statt. Montag und Dienstag wird um 19 Uhr in der Mutterhauskapelle für die liebe Verstorbene gebetet. Trauerspenden Olpe. WestfälisSe Straße 77 Fernsprecher 294 Auch Vermittlung nach auswärts In erstklassigen Ausführungen bei mäßigen Preisen liefert Gerbermann Der ewige Hohepriester rief seinen getreuen Diener Pfarrdechant Emil Schnüttgen am 16. Öktober 1954 um 17.15 Uhr zu sich in sein ewiges Reich. Er starb kurz vor Vollendung seines 58. Lebensjahres im 31. Jahre seines Priestertums. Nach seiner ersten seelsorglichen Tätigkeit in Falkenhagen berief Ihn der H. H. Erzbischof Dr. Kaspar Klein zu seinem persönlichen Geheimsekretär. Treu und ergeben versah er dieses Amt 14 Jahre lang. Zwei Jahre war er dann Pfarrvikar in Frohlinde. Vom Jahre 1943 an verwaltete er in gewissenhafter Sorge um die ihm anvertrauten Seelen die große Pfarrgemeinde Wiedenbrück. Er war seinen Pfarrkindern ein Vorbild in seinem frommen priesterlichen Leben, aus der seine frohe Gotteskindschaft erwuchs. WIEDENBRUCK, den 16. Oktober 1954 Die Pfarrgeistlichkeit Der Kirchenvorstand Im Namen der Angchörigen: Anna Schnüttgen Das Totenoffizium beginnt Donnerstag, den 21. Öktober 1954, um 9 Uhr in der Pfarrkirche zu Wiedenbrück; im Anschluß daran ist das Requiem und die Beerdigung. Letztes Monate-Verstelgerungsangebot 176 Opel 145 Mercede. 130 VW 108 Ford 367 weitere Ktz. aller Typen: PKW, LKW, Lleferwagen. Ruft Wattenschetd 8795 Melzz Und heute abend...? 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