Keine Terrorakte in der Pfalz gegen die EVG
Ursache der Großbrände geklärt
Der Brandstifter entlarvt— Rache gegen die Zollfahndung richtete 300 000-DM-Schaden an
Landstuni— Der langgesuchte Pfälzer Brandstifter ist am Donnerstag gefaßt worden. Der bei der städtischen freiwilligen Feuerwehr in Landstuhl eingesetzte 25jährige Automechaniker Otto Palm hat gestanden, seit Anfang April in Landstuhl sechs und in den benachbarten Orten Mackenbach und Sembach je eine Brandstiftung verübt zu haben. Palm gab vor der Polizei an, daß er aus Rache gegen die Zollfahndung gehandelt habe, die ihn im Frühjahr mit einer Stange amerikanischer Zigaretten erwischte. Er habe der Polizei und dem Zoll ein Rätsel aufgeben wollen und nie geglaubt, daß man ihn fassen würde.
Damit ist der ursprüngliche Verdacht, daß die Brände, die einen Gesamtschaden von etwa 300 000 Mark verursachten, auf politische Terrorakte gegen die EVG zurückzuführen seien, hinfällig geworden.
Jugendgefängnis für Mädchenmörder
Kassei— Die Jugendstrafkammer des Landgerichts Kassel verurteilte am Mittwoch nach viertägiger Verhandlung den 17 Jahre alten Schreinerlehrling Willi Decher aus Fritzlar wegen Mordes zu zehn Jahren Jugendgefängnis. Der Angeklagte hatte am 15. August 1953 die 17jährige Hausgehilfin Gisela Hartmann
Strafanzeige wegen Rechtsbeugung
Köln.— Der erste Vorsitzende des „Rings der Mitfahrerzentralen“(Köln), Regierungsoberinspektor z. Wv. Robert Gerhard Fischer, hat am Mittwoch beim Landgericht Bonn gegen den Ministerialdirigenten August P. Straulino vom Bundesverkehrsministerium Strafanzeige we gen Rechtsbeugung erstattet.
Zur Begründung gibt Fischer an, Straulino habe durch einen Erlaß vom 21. Dezember 1951 die Mitfahrerzentralen der Beihilfe zu einem Vergehen gegen Paragraph 40 des Personenbeförderungsgesetzes beschuldigt. Auf Grund dieses Erlasses hätten Länderregierungen und örtliche Behörden die Mitfahrerzentralen an ihrer Tätigkeit gehindert. Fischer nimmt auf eine Außerung Straulinos vom 2. Juni dieses Jahres Bezug, nach der Mitfahrerzentralen im Personenbeförderungsgesetz nicht berücksichtigt seien und daher auch weiterhin verboten bleiben würden.
Der Vorstand des Ringes der Mitfahrerzentralen hatte dazu am 3. Juni erklärt, daß weder der private Gefälligkeitsverkehr noch seine Vermittlung nach dem geltenden Recht genehmigungspflichtig seien.
Tanzunterricht für 17 000 Menschen
Wanne-Eieke.— Der 83jährige Tanzlehrer Heinrich Diel in Wanne-Eickel, Ehrenmitglied des Bundes deutscher Tanzlehrer, leitete am Dienstagabend seine letzte Tanzstunde. In fünf Jahrzehnten lehrte er 17 000 Personen das Tanzen.
Sekt unter Streusand
Düren.— Ein Spirituosenlager mit Sekt. Wein und Bier hob die Dürener Polizei am Donnerstag in einem Dürener Park aus. Die Flaschen waren unter Streusand versteckt. Ein Wachmann hatte zwei junge
auf einem gemeinsamen Spaziergang in der Nähe von Fritzlar erdrosselt, als sie sich weigerte ihm zu Willen zu sein. Die erlittene Untersuchungshaft wird ihm angerechnet.— In der Urteilsbegründung wurde betont, daß Decher den Mord an Gisela Hartmann, die er kaum mit dem Vornamen kannte, mit kühler Überlegung und aus niedrigen Beweggründen begangen habe. Erschreckend sei die Gemütsarmut, die der Angeklagte auch während der Verhandlung an den Tag gelegt habe.
Verkehrssünder muß für Friedland spenden
Düren.— 500 Mark muß ein ehemaliger Bergassessor aus Aachen als Buße für ein
Burschen beobachtet, die mit einer Korbflasche durch den Park liefen. Ein Polizeibeamter konnte später einen jungen Mann in der Nähe des Verstecks festnehmen. Der Wachmann erkannte ihn als einen der Burschen wieder, die er vorher gesehen hatte. Die beiden hatten die Spirituosen in einem Dürener Restaurant gestohlen.
Ein Kopfsprung für die Nationalelf
Rhede(Kreis Borken). Ein Fußballbegeisterter, der vor dem Weltmeisterschaftsspiel Deutschland—Türkei seinen Kameraden erklärt hatte, er wolle beim sechsten Tor für Deutschland in seinem besten Anzug vom sechs Meter hohen Turm der Rheder Badeanstalt ins Wasser springen, machte am Mittwoch sein Versprechen wahr. Er stürzte sich völlig bekleidet mit einem Kopfsprung ins kühle Naß und kam ohne Schaden wieder an Land.
Mit Radio- und Fernsehgeräten
Düsselanri— Zwei Radio-Einzelhändler aus Hösel bei Kettwig und Düsseldorf sind festgenommen worden, weil sie nach polizeilichen Ermittlungen Lieferanten und Kunden um insgesamt 40 000 Mark geschädigt haben. Wie die Polizei am Donnerstag mitteilte, hatten die beiden Händler Radio- und Fernsehgeräte gegen Teilzahlungsvertrag verkauft. In vielen Fällen wurden die Apparate nach kurzer Zeit mit der Begründung wieder abgeholt, sie müßten nachgeprüft oder repariert werden. Die Kunden shen ihre Apparate
Verkehrsvergehen an das Heimkehrerlager Friedland überweisen. Das Dürener Schöffengericht hatte ihn am Donnerstag zu zwei Wochen Haft verurteilt, aber die Straft unter dieser Bedingung auf Bewährung ausgesetzt. Er hatte an der Autobahnauffahrt bei Birkesdorf eine Fahrzeugkolonne überholt, obwohl dort Überholen verboten war. Der Fahrer eines entgegenkommenden Lastzuges hatte, um einen Zusammenstoß zu vermeiden, das Steuer herumgerissen und war gegen einen Straßenbaum gefahren. Der Lastzug wurde stark beschädigt.
Nach dem Unwetter Fensterglas Mangelware
Warburg.— Fensterglas ist zur Zeit im Warburger Land nach dem schweren Unwetter, das am vergangenen Montag über die Warburger Börde niederging, Mangelware. Die einzelnen Schäden(zertrümmerte Scheiben und durchlöcherte Gardinen) machen bereits eine Summe von 30 000 Mark aus. Hagelkömner von 400 Gramm Gewicht, sind keine Seltenheit gewesen. Taubeneigroße Hagelkörner haben Kleintiere getötet oder ihnen die Augen ausgeschlagen, so daß sie notgeschlachtet werden mußten. Die örtlichen Schadenschätzkommissionen bezifferten den Gesamtschaden für die Landwirtschaft im Kreise Warburg auf„hoch in die Hunderttausende“. Weite Landstriche sind mit Schlamm bedeckt, die Straßendämme mit Mutterboden überschwemmt und das Korn streckenweise total vernichtet.
Tödlicher Schuß beim Sturz mit der Flinte
Legden.— In einem Waldstück bei Legden(Kreis Ahaus) fanden Söhne ihren vermißten Vater erschossen auf. Der Vater war am Dienstagmittag mit einem Jagdgewehr in sein Jagdrevier gegangen, um einen Pürschgang zu unternehmen. Er muß dabei mit dem Gewehr in der Hand gestürzt sein, wobei sich das Gewehr entlud und die Patronenladung ihm in den Unterleib drang. Wie die ärztliche Untersuchung ergab, trat der Tod kurz nach dem Unfall ein.
Bad Salzuflen konnte am Mittwoch(14 Tage früher als im vergangenen Jahr), seinen 15000. Kurgast begrüßen. Das Bad verfügt wieder über mehr als 4000 Fremdenbetten und hat damit seine Vorkriegskapazität fast erreicht.
nie wieder. Die Teilzahlungsverträge wurden von den Händlern an Finanzierungsinstitute abgetreten. Vereinzelt wurden die entsprechenden Dokumente gefälscht und die daraufhin von den Lieferanten erhaltenen Geräte anderweitig gegen Barzahlung abgesetzt. Reklamierende Kunden wurden mit anderen als den abgeholten Apparaten beliefert. Dafür mußten sie wieder einen neuen Teilzahlungsvertrag unterschreiben, der ebenfalls zur Finanzierung weitergegeben wurde. Der Kundenkreis setzte sich vorwiegend aus„kleinen Leuten“ zusammen.
Mitfahrerzentralen klagen
Ministerialdirigent Straulino: Vergehen gegen Personenbeförderungsgesetz
Geschäftspartner um 40 000 DM betrogen
Ein verbrecherisches Teilzahlungsverfahren führte zur Verhaftung
Professor Leibbrand(Zürich) zur Verkehrsnot der Städte
Beförderungssteuer treibt Tarife hoch
Für Förderung der öffentlichen Verkehrsbetriebe, die 65 Prozent des Personenverkehrs bewältigen
Essen.— Nur der öffentliche Verkehr könne die Städte aus der Verkehrsnot retten, sagte der als Verkehrsfachmann international anerkannte Professor Dr. Ing. habil. Kurt Leibbrand von der Technischen Hochschule Zürich am Mittwoch auf der Jahresversammlung des Verbandes öffentlicher Verkehrsbetriebe(VÖV) in Essen. Der Flächenbedarf des Verkehrs sei seit der Jahrhundertwende um das Sechzigfache gestiegen, während die Fläche der städtischen Straßen in den letzten Jahren nur auf das 1,75fache ausgeweitet worden sei. Das zwinge dazu, den flächensparenden Massenverkehrsmitteln wie Untergrundbahn, Straßenbahn, Obus oder Bus den Vorzug zu geben.
Während die Beförderung einer Person durch die Straßenbahn und Bus etwa zwei qm Verkehrsfläche beanspruche, seien es beim Radfahrer 6,7 qm, beim Motorradfahrer 18 gm und beim Pkw 30 gm. Noch 1920 seien auf Fahrrad, Motorrad und
Personenkraftwagen nur 9 Prozent der
M
Ligarillo
m den Zigarillo-Namen„Herz-Arzt" ging es am Mittwoch vor dem Amtsgerichit= Bünde. Ein Zigarillo-Fabrikant aus Kirchi= leugern bei Bünde hatte die Marke mit die= sem Namen auf den Markt gebracht und=
sollte sich laut Anklage dadurdi gegen das= Lebensmittelgesetz vergangen haben. Er
wurde freigesprochen und darf seine Marke= weiterkin„2-Arzt nennen. Das Landesuntersudiungsamt Müluster hatte die Bezeich-= nung nach einer demischen Analyse das=
Fabrikates, bel der ein Nikotingekalt von= 1.04 Prozent festgestellt wurde, beanstandet.= Zu seiner Verteidigung führte der Angeklagte an, daß erfalirungsgemäß nicht die= Markenbezeldung der Zigarillo, sondern die= Unterbezeichnung, in der die Eigenschaft der= Zigarillo hervorgehoben würde, für den Raudier maßgebend sel. Es geve in Deutsdiland= rund 30 000 gesetzlich geschützte Zigarrenund Zigarillobezeichnungen, von denen viele. wle u. a.„Herzdienst" und„Das Herz ver-— trägt" ebenfalls ähnlich wie„Herz-Arzt“= kiessen.
Verkehrsleistung entfallen, heute seien es bereits 33 Prozent. Leibbrand empfahl Arbeitszeitstaffelung, Parkdauerbeschränkung in den Innenstädten und den Bau von Auffangplätzen an Stadträndern.
Der Verband öffentlicher Verkehrsbetriebe(VOV), der 158 kommunale und gemischtwirtschaftliche Verkehrsunternehmen mit fast 65 Prozent des gesamten öffentlichen Personenverkehrs im Bundesgebiet vertritt, forderte, daß das kommende Personenbeförderungsgesetz allen Verkehrsträgern die gleiche Stellung im Genehmigungsverfahren einräume. Der bestmögliche Ausgleich der Verkehrsinteressen sel in einer Neuordnung des Straßenpersonenverkehrs auf regionaler Basis zu sehen. Einheitliche Verkehrsentwicklung, Fahrplangestaltung und Tarifpolitik würde auch den Fahrgastinteressen am meisten Rechnung tragen. Den öffentlichen Verkehrsbetrieben müsse eine angemessene Betätigung auf dem Gebiet des Gelegenheitsverkehrs gesichert bleiben, dessen Erträge dazu dienten, die Tarife des Linienverkehrs niedrig zu halten.
Zum Verkehrsfinanzgesetz wurde darauf hingewiesen, daß bei Wiedereinführung der Beförderungssteuer die Straßenbahntarife unvermeidlich steigen müßten. Um den Kurzstreckenfahrer nicht zu verlieren, müßten die Tarife umkalkuliert und die verbilligten Berufsverkehrstarife angehoben werden. Dann würden noch mehr
Fahrgäste auf Motorrad und Moped fahren und das Bemühen der Bundesregierung um Entlastung der Straße wäre gescheitert.
Presse, Buch, Musik beim Schlesiertreffen
Während des großen Nordwestdeutschen Schlesiertreffens in Hannover wird sich am Sonntag, dem 11. Juli, vor der großen Hauptkundgebung in der Niedersachsenhalle, bei der Vizekanzler Blücher sprechen wird, auch die schlesische Presse zu einer Sonder-Pressekonferenz zusammenfinden. Neben den zahlreichen Zusammenkünften der einzelnen Berufe, Verbände und Gebiete stehen kulturelle Veranstaltungen im Vordergrund des Treffens, so eine schlesische Buchausstellung, eine schlesische Dichterlesung und vor allem ein großes Konzert mit Aufführungen schlesischer Künstler.— Die Bundespost wird zu diesen Tagen in einem Sonderpostamt im Messegelände einen Sonderstempel ausgeben.
Retter in höchster Not
Bonn.— In Lebensgefahr geriet am Mittwoch in Bonn ein älterer Einwohner. als er seinen Hof säuberte, dabei ins Rutschen kam und sich an einer durch das Unwetter in der vergangenen Woche herabgefallenen Rundfunkantenne festhielt. Die Antenne berührte eine unter Strom stehende Lichtleitung una war somit selbst unter Strom. Der Mann blieb mit der linken Hand an der Antenne hängen. Retter in der Not war ein zufällig vorübergehender Postbeamter, der die Antenne geistesgegenwärtig mit einer durch Gummischutz isolierten Zange durchschnitt. Der Verunglückte zog sich schwere Verbrennungen an der linken Hand zu und mußte in ein Krankenhaus gebracht werden.
Deutsche Sendung für internationalen Fernseh-Austausch
Als deutscher Beitrag zu den internationalen Fernsehübertragungen wurden am Fuße des Siebengebirges Aufnahmen der Rheinlandschaft, eines internationalen Zeltlagers am Rheinufer bei Bad Godesberg sowie eine kurze Ansprache des Bundespräsidenten an hier zeltende Jugendliche aus England, Holland, Belgien, der Schweiz und Luxemburg gesendet. Die Veranstaltung fand im Rahmen des internationalen Fernseh-Austauschprogramms statt, für das ein Leitungsnetz von Schottland bis nach Italien geschaltet wurde. Unser Bild: Eine belgische Trachtengruppe bei einer Tanzvorführung. Links neben den Trommlern
der Bundespräsident.
Nach bestandenem Lehrgang
Schwerbeschädigte werden Beamte
Zwei Kurse des NRW-Landschaftsverbandes in jedem Jahr
Münster.— Im Juni bestanden wieder 38 schwerbeschädigte Verwaltungsangestellte einen Schulungslehrgang der Hauptfürsorgestelle für Schwerbeschädigte des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe mit der Prüfung I an der Gemeindeverwaltungsschule Münster, davon 32 mit „gut“ und„voll befriedigend“. Ein Viertel der Teilnehmer waren Hirnverletzte, die Hälfte Beinamputierte, und die übrigen haben andere schwere Verletzungen erlitten.
Wie die Verwaltung des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe am Dienstag mitteilte, führt die Hauptfürsorgestelle Westfalen-Lippe für Schwerbeschädigte seit Januar 1950 diese Schulungslehrgänge durch. In zwei Kursen in jedem Jahr erarbeiteten sich schwerversehrte Verwaltungsangestellte die Berechtigung, als Be
amte des kommunalen mittleren oder gehobenen Dienstes übernommen zu werden. Die Teilnehmer— meistens 36 in jedem Lehrgang— kommen aus NordrheinWestfalen.
Hilfe nach Hagelschlag
Aachen.— Ministerpräsident Karl Arnold hat den von dem schweren Unwetter am Sonntag heimgesuchten Gemeinden am Südhang der Eifel in Aussicht gestellt, im Rahmen der ihm gegebenen Möglichkeiten zu helfen. Wie der Aachener Regierungspräsident Dr. Brand am Dienstag mitteilte, wurde er beauftragt, unverzüglich die Schadenhöhe zu ermitteln. Dr. Brand besuchte am Dienstag auch persönlich die betroffenen Gebiete, um sich einen Überblick über das Ausmaß der Unwetterschäden zu verschaffen.
Leitende Angestellte in elf Versionen
Obere Bergbeamte wünschen Klarheit in ihrem Beruf
Dortmunn— Der Verband der oberen Bergbeamten in der Union der leitenden Angestellten forderte auf seinem 35. Verbandstag am Montag in Dortmund, daß der Begriff des leitenden Angestellten in allen arbeitsrechtlichen Gesetzen einheitlich gefaßt werde. Bisher sei dieser Begriff in elf verschiedenen Gesetzen unterschiedlich definiert. Dadurch könne ein wesentlicher Teil der leitenden Angestellten, die von der Teilnahme an Arbeitnehmervertretungen ausgeschlossen seien, auf Grund der Gesetze nicht als Arbeitgebervertreter nominiert werden.
Der Präsident der Wirtschaftsvereinigung Bergbau, Generaldirektor Dr. h. c. Heinrich Kost. erklärte, die unternehmerische Tätigkeit dürfe nicht nur den eigentlichen Unternehmern allein vorbehalten bleiben. Wenn man den leitenden Angestellten eines Betriebes durch einen weisungsgebundenen und einem Roboter ähnlich arbeitenden Funktionär ersetze, so trete an die Stelle eines lebendigen Betriebsorganismus ein totes, mechanisches Gebilde, in dem kollek
tivistisch ausgerichtete, anonyme Bürokralie herrsche.
Der Arbeitsrechtler Prof. Dr. Hück von der Universität München schlug in einem Gutachten eine Neufassung des Paragraphen 4, Abs. 2c des Betriebsverfassungsgesetzes vor, in dem die leitenden Angestellten als„Nichtarbeitnehmer“ gekennzeichnet sind. Nach dem Gutachten, das der Ansicht des Verbandes der oberen Bergbeamten entspricht, sind leitende Angestellte solche, die zur selbständigen Einstellung und Entlassung von im Betrieb beschäftigten Arbeitnehmern berechtigt sind und denen Generalvollmacht oder Prokura erteilt worden ist, oder deren Jahresverdienst die im Versicherungsgesetz für Angestellte festgelegte Höchstgrenze für die Versicherungspflicht übersteigt.
In einer Resolution fordern die oberen Bergbeamten, daß bei der bevorstehenden Steuerreform die Tarife bei den mittleren Einkommen über den Regierungsvorschlag hinaus gesenkt werden.
Frankfurter Landgericht:
Übermüdung keine Fahrlässigkeit
Versicherung wurde zur Zahlung aller Kosten verurteil
Frankfurt(Main).— Nicht jeder Kraftfahrer, der am Steuer seines Wagens einschläft und einen Unfall verursacht, handelt grob fahrlässig und muß deshalb für den Schaden selbst aufkommen. Diese grundsätzliche Entscheidung fällte die Dritte Zivilkammer des Frankfurter Landgerichts in der Klage eines Frankfurter Kraftfahrers gegen eine Versicherung. Der Kraftfahrer war infolge Übermüdung auf der Autobahn nach Frankfurt am Steuer eingeschlafen und eine Böschung hinuntergefahren. Dabei entstand an seinem Auto ein Sachschaden von 1500 Mark. Da er teilkaskoversichert war, forderte er von der Versicherung 1200 Mark. Die Versicherung zahlte nicht, weil eine grobe Fahrlässigkeit vorgelegen habe.
Das Gericht gab der Klage des Kraftfahrers statt und verurteilte die Versicherung zur Begleichung des Unfallschadens und zu den gesamten Kosten, auch denen des Klägers. Der Kraftfahrer habe sich in dem guten Glauben ans Steuer gesetzt, daß er die Fahrt verantworten könne, hieß es in dem Urteil. Viereinhalb Stunden Schlaf und eine einstündige Schlafpause unterwegs hätten auch ausgereicht, um ihn in diesem guten Glauben zu bestärken.
Ehemann vergiftet Anschließend Selbstmord
Rintein.— Die 38jährige Frau Kettler vergiftete am Mittwoch in Reinsdorf (Niedersachsen) ihren Mann, den 44jährigen Tischlermeister Georg Kettler, mit
einem Pflanzenschutzmittel und beging anschließend mit demselben Gift Selbstmord. Sie hatte das Gift in eine Tasse Kakao getan. Das Tatmotiv ist nach Mitteilung der Polizei Eifersucht.
Strickkleidung mit Perlon
Krefeld.— Zum ersten Male wird in der kommenden Herbstsaison modische Strickkleidung aus Strickgarn, dem Perlon beigemischt ist, in größerem Ausmaß in den Handel kommen. Wie am Dienstag aus der Perlon-Industrie verlautet, macht der Perlon-Anteil das Strickgarn außerordentlich verschleißfest, formbeständig und sehr praktisch im Tragen. Für das Selbststricken kommt außerdem Perlon-veredeltes Handstrickgarn in allen modischen Farben auf den Markt.
In Hessen die Köpfe
In NRW die Schwänze
Detmoin.— Einige ganz Schlaue haben in den letzten Monaten die doppelte Ablieferungsprämie für jeden im tollwutverseuchten Östwestfalen erlegten Fuchs eingeheimst. Sie haben sich die voneinander abweichenden Ländervorschriften zunutze gemacht und in Nordrhein-Westfalen— wie verlangt— den Schwanz, in Hessen aber— laut Vorschrift— den Kopf des erlegten Fuchses als Beweisstück für die Prämie abgeliefert. Wie die Detmolder Bezirksregierung dazu am Montag mitteilt, verlangt Hessen jetzt ebenfalls den Schwanz.