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119. Jahrgang— Nr. 138
Freitag, den 18. Juni 1954
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Adenauer zum 17. Juni
Wiedervereinigung unverzichtbares Recht
Gedenkfeier der Bundesregierung in Bonn
Bonn.(dpa) In einer Gedenkfeier der Bundesregierung zum Jahrestag des Volksaufstandes in der Sowjetzone vom 17. Juni 1953 stellte Bundeskanzler Dr. Adenauer gestern im Plenarsaal des Bundeshauses fest: Wiedervereinigung in Frieden und Freiheit ist für uns eine Gewissenspflicht und unser unverzichtbares Recht.
In seiner Ansprache vor den höchsten Repräsentanten des staatlichen Lebens in der Bundesrepublik, darunter Bundespräsident Heuß, stellte der Bundeskanzler die Frage,„ob wir wirklich alles getan haben, was in unseren Kräften steht, um die Einheit, die Wiedervereinigung der Deutschen in Freiheit, herbeizuführen“. Da den 18 Millionen Deutschen, die noch in Not und Bedrängnis lebten, so wenig staatliche Hilfe gewährt werden könne, müsse sich jeder fragen, ob er irgendeinem Freund oder Bekannten in der Sowjetzone alles das getan habe, was er ihm an Liebe und Treue zeigen konnte.
Macht der Wahrheit
Der CDU-Bundestagsabgeordnete Prof. Böhm sagte, die Ereignisse am 16. und
17. Juni vergangenen Jahres hätten bewiesen, welche Macht vom gewaltlosen Wort der Wahrheit ausgehen könne. Der kurz davorsvollzogene Übergang der Sowjets und ihrer Befehlsempfänger zum „neuen Kurs“ habe gezeigt, worin die stärkste und zugleich einzige offensive Waffe der Bundesrepublik gegen die bolschewistische Weltmacht bestehe: In der Anziehungskraft der Daseinsformen. Es habe sich erwiesen, daß die bolschewistische Ideologie keinerlei werbende Kraft mehr besitze, wo sie auf die Bevölkerung hochindustrialisierter und voll entwickelter Staaten treffe. Mit ihrem Bekenntnis zur Freiheit von sozialer Unterdrückung und zur nationalen Einheit habe die Bevölkekrung der Sowjetzone gleichzeitig bekundet, wie sie sich die Lösung des Deutschlandproblems denke.
Bidault gegen Konferenz-Abbruch
Fortführung der Verhandlungen durch Außenminister-Stellvertreter
Genf.(Korr.) Bidault ist nach Genf zurückgekehrt. Bevor er in Paris das Flugzeug bestieg, erklärte er, er werde versuchen, eine„zu hastige“ Beendigung der Genfer Konferenz zu verhindern. In Genf besteht das Bestreben, die Verhandlungen über Indochina durch Stellvertreter der Außenminister fortführen zu lassen. Mit dieser Lösung könnte eine Suspendierung der Konferenz verhindert werden.
Großbritannien hatte sich mit Unterstützung der USA am Montag für eine Suspendierung für den Fall ausgesprochen, daß die Indochina-Sitzung am Mittwoch keine Fortschritte in der Regelung der Frage Laos und Kambodscha mache. Die amtierende französische Regierung hat ihre Alliierten jedoch gebeten, nicht auf eine Vertagung zu drängen, weil die neue französische Regierung an der Fortsetzung der Verhandlungen interessiert sein würde.
Aus Washington wird berichtet, daß Eisenhower den Genfer USA-Delegationsführer Bedell Smith nächste Woche in Washington zurückerwartet.
fraktion nur eine vorläufige Entscheidung sein„könne“. Die Bildung des Ausschusses werde dadurch nicht beeinträchtigt.
Buu Loc zurückgetreten
Saigon.(Reuter) Die vietnamesische Regierung unter Prinz Buu Loc ist zurückgetreten. Der Rücktrittsbeschluß wurde nach einer zwanzigstündigen Kabinettsitzung in Saigon bekanntgegeben.
Prinz Buu Loc hat sein Rücktrittsgesuch Staatschef Bao Dai übermittelt. Buu Loc ist ein Vetter Bao Dais und war seit Januar im Amt. Sein Kabinett war bemüht, die Verwaltung zu reorganisieren, einen Volksgesundheitsdienst zu schaffen, die Unterstützung des Volkes zur Führung des Krieges zu gewinnen und die Korruption zu bekämpfen. Unterrichtete Kreise in Paris sind der Auffassung, daß Buu Loc insbesondere an der letzten Aufgabe scheiterte. Bao Dai hat den Nationalisten Ngo Dinh Diem aufgefordert, die Regierung zu übernehmen.
17. JUNI 1953
Nach Unterlagen
d.Bundesmin. f. gesamtdeutsche Frogen
DIE AUSDEHNUNG DES AUFSTANDES Aus einer Fülle von Flüchtlingsberichten und sowjetzonalen Pressemeldungen hat das Bundesministerium für gesamtdeutsche Fragen ein abgerundetes Bild der Vorgänge in der Sowjetzone vor einem Jahr erhalten. In 237 Städten und Gemeinden kam es demnach zu Arbeitsniederlegungen, Demonstrationen und offenem Aufruhr, wogegen 117mal sowjetische Truppen eingesetzt wurden.
Südkorea verlangt freie Hand
Genf.(Korr.) Der südkoreanische Außenminister Pyun Yung Tai erklärte in Genf, nach dem Scheitern der Koreakonferenz sei Südkorea in keiner Weise menr an die Bedingungen des Waffenstillstands-Abkommens gebunden. Sein Land habe die volle Handlungsfreiheit wiedererlangt.
Dies bedeute allerdings nicht unbedingt, so sagte der Minister, daß Südkorea jetzt oder später zu Aktionen schreiten müsse. Wenn es das täte, fielen solche Aktionen aber auf keinen Fall in die gleiche Kategorie wie die chinesische Aggression, da sich Südkorea gegen kommunistische Kolonisierungsversuche verteidigen müsse. Pyun vertrat die Ansicht, daß der Waffenstillstand ohnehin längst annulliert sei.
Der südkoreanische Außenminister sagte, er halte weitere Verhandlungen über Korea auch im Rahmen der UNO für zwecklos. Seine Delegation werde so schnell wie möglich nach Seoul zurückkehren. Auf Fragen von Pressevertretern sagte Pyun, Südkorea werde nach dem Scheitern der Korea-Konferenz„etwas Bestimmtes unternehmen“ müssen.
Verdienstkreuz für Ärztin
Braunschweig.(dpa) Für ihre Verdiensie um die deutsche Bevölkerung in Königsberg nach der Besetzung durch die Sowjets wurde gestern die Arztin Dr. Erna Führer in Braunschweig mit dem Steckkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublick ausgezeichnet. Dr. Führer arbeitete bis 1948 im Königsberger Krankenhaus der Barmherzigkeit. Es gelang inr immer wieder, in dem von den sowjetischen Truppen übernommenen Krankenhaus Deutsche aufzunehmen oder deren Aufenthalt zu verlängern. Dadurch rettete sie vielen von Hunger und Seuchen bedrohten Menschen das Leben. Ihre Arbeit leistete sie unter größten Schwierigkeiten und Entbehrungen.
Besuch in Moskau
Berlin.(dpa) Eine Gruppe von evangelischen Theologen aus dem Bundesgebiet und der Sowjetzone fliegt auf Einladung der russisch-orthodoxen Kirche zu einem mehrwöchigen Besuch in die Sowjetunion. Zu den Teilnehmern an der Reise gehören auch Dr. Heinemann und der Darmstädter Studentenpfarrer Herbert Mochalski.
Wahllisten der Wirth-Partei beanstandet
NRW-Landeswahlausschuß stellt fest: Listen sind weitgehend gefälscht
Düsseldorf.(Inw) Eine Beschwerdesitzung des Landeswahlauschusses wurde am Mittwoch in Düsseldorf dem antragstellenden Bund der Deutschen zum Verhängnis: Statt ihre auf örtlicher Basis abgelehnten Wahlvorschläge zur Landtagswahl am 27. Juni durchzubekommen, mußten die Vertreter des Bundes der Deutschen das Verdikt über sich ergehen lassen, daß die Listen weitgenend geralscht seien.
schläge aus den beiden Mindener Wahlkreisen anerkannt, die der örtliche Wahlausschuß zurückgewiesen hatte, weil einige Unterschriften nicht den gesetzlichen Vorschriften entsprachen.
Britische Panzer verschwunden
Hamburg.(dpa) Zwei Schützenpanzerwagen einer britischen Panzerdivision, die in Hamburg stationiert ist, werden seit Dienstag nach Manövern in der Lüneburger Heide vermißt. Die britischen Militärbehörden vermuten, daß sich die Panzerfahrzeuge in der Nähe der Zonengrenze verirrt haben.
Dehler bei Adenauer
Bonn.(dpa) Der FDP-Vorsitzende Dr. Dehler hat Bundeskanzler Dr. Adenauer um eine Aussprache gebeten, um Fragen des neu gebildeten„Koordinierungsausschusses für Verlautbarungen“ zu erörtern. In unterrichteten Kreisen wird angenommen, daß der Bundeskanzler und Dr. Dehler am Freitag zusammentreffen.
Regierungsstellen betonen, daß die ablehnende Haltung der FDP-Bundestags
Umsatzsteuer des Großhandels
Bonn.(dpa) Abgeordnete der CDU, FDP und DP haben den Entwurf einer Novelle zum Umsatzsteuergesetz im Bundestag eingebracht, die dem Großhandel Vergünstigung bringen soll. Die Bundesregierung soll künftig geringfügige und auf der Großhandelsstufe übliche Bearbeitungen und Verarbeitungen bestimmter Gegenstände nicht mit einem Umsatzsteuersatz von vier Prozent, sondern nur mit dem besonderen Großhandelssatz von in Prozent belasten. Dies soll zulässig sein, wenn dadurch schwerwiegende Nachteile für den betroffenen Wirtschaftszweig vermieden werden.
Nach den Plänen der Bundesregierung (Steuerreform) ist allerdings die Umsatzsteuer für den Großhandel vom nächsten Jahr an von einem auf eineinhalb Prozent zu erhöhen.
Tunesisches Kabinett zurückgetreten
Tunis.(Reuter) Der Minister für Moslem-Angelegenheiten in der tunesischen Regierung, Mohammed Saadallah. ist zurückgetreten. Er begründet seinen Schritt mit den„Schwierigkeiten bei der Erfüllung der tunesischen Anliegen“. Später trat das gesamte Kabinett zurück. Die Schwierigkeiten in der Regierung wurden zu dem Zeitpunkt bekannt, da französische Truppenverstärkungen nach Tunesien gebracht wurden, um der wachsenden Unruhe zu begegnen.
Marokkanische Truppen eroberten nach dreistündigem Kampf das Hauptquartier der tunesischen Terroristen in der Nähe von Naktar. Die Verluste der Terroristen werden mit 13 Mann angegeben. Fünf Gefangene wurden eingebracht. Außerdem wurden Waffen, Munition und ein Funkgerät sichergestellt.
Der Landeswahlausschuß faßte dann den Beschluß, die durch Schriftsachverständige als Fälschungen erkannten Fälle der Staatsanwaltschaft zur Prüfung des strafrechtlichen Vorgehens zu übergeben. Darüber hinaus sollen jedoch alle eingereichten Listen des Bundes der Deutschen, also auch die auf örtlicher Ebene anerkannten, nachträglich nunmehr durch Schriftsachverständige überprüft werden. Bei der Behandlung der Beschwerdefälle stellte sich übrigens noch heraus, daß nach Feststellung der Kriminalpolizei in der westfälischen Stadt Witten Unterschriften unter BdD-Kandidaturen zur Landtagswahl durch falsche Angaben der Unterschriftensammler erschlichen worden sind.
Der Landeswahlausschuß verhandelte über 23 Beschwerden gegen Entscheidungen der Kreiswahlausschüsse. Eine Zentrumsbeschwerde wurde zurückgewiesen, weil Zentrumsmitglieder, die nicht aus dem
betreffenden Wahlkreis stammten, den Wahlkreiskandidaten gewählt hatten. Eine BHE-Beschwerde wurde abgewiesen, weil Unterschriften von Leuten auf der Liste waren, die nicht im Wahlkreis wohnten. Dagegen wurder zwei BHE-Wahlvor
Lenz will sich stellen
Bonn.(dpa) Dr. Lenz hat die Einladung der Bundespressekonferenz in Bonn angenommen, sich der Presse zu stellen. Die Konferenz soll am Montag stattfinden.
Hohe Kommissare für Berlin-Wahl
„Symbol der Hoffnung auf Wiedervereinigung“
Bonn.(dpa) Die drei alliierten Hohen Kommissare haben, entgegen der ursprünglichen Befürchtung amtlicher Bonner Stellen, erklärt, daß sie keine Einwande gegen eine Wahl des Bundespräsidenten in Berlin erheben werden. Da es klar sei, daß die Entscheidung des Bundestagspräsidenten Dr. Ehlers den besonderen Status Berlins nicht verändere, hätten die Hohen Kommissare festgestellt, daß keinerlei Eingriff ihrerscits nötig sei, heißt es in einer offiziellen Verlautbarung.
Die Entscheidung des Bundestagspräsidenten, so betonen die Hohen Kommissare, müsse vor allem als ein Symbol der Hoffnung des deutschen Volkes auf die
Wiedervereinigung Deutschlands in Freiheit betrachtet werden.
Beschuldigung gegen Oppenheimer
Washington.(INS) Der ehemalige Sekretär des Atomenergieausschusses des USAKongresses, Borden, sagte vor dem Sicherheitsausschuß der amerikanischen Atomenergiekommission aus, daß der Atomforscher Dr. Oppenheimer haufig mit Sowjetagenten in Verbindung gestanden habe. Oppenheimer sei wahrscheinlich selbst ein Agent der Sowjets gewesen. Er habe nur Kommunisten zu engen Freunden gehabt.
UNO berät über Thailand
DGB fordert Sonderfreibetrag— Niemöller 30 Jahre Pfarrer
Der Sicherheitsrat der UNO beriet in New York über das thailändische Ersuchen auf Entsendung einer BeobachterGruppe an die thailändisch-indochinesische Grenze. Die Verhandlungen sollen am Freitag fortgesetzt werden.
Der DGB-Bundesvorstand verlangt eine einheitliche Bundesfinanzverwaltung. Ferner fordert er einen Sonderfreibetrag von 1200 Mark jährlich für Lohnsteuerpflichtige.
Martin Niemöller blickt am 24. Juni auf ein 30jähriges Wirken als Pfarrer zurück. Er wurde in Münster zum Pfarrer ordiniert und war bis zu seiner Berufung als Gemeindepfarrer nach Berlin-Dahlem im Jahre 1931 als Geschäftsführer der westfälischen Inneren Mission tätig.
Aus Werl entlassen wurde der wegen Mißhandlung alliierter Kriegsgefangener zu 20 Jahren Gefängnis verurteilte Hermann Wink.
Niedersachsen hat den britischen Landeskommissar um Aufklärung über den erneuten Beschluß von Gebäuden auf der Nordseeinsel Borkum gebeten.
Wegen Bestechung angeklagt wurde der Generalsekretär der Liberalen Partei Japans.
Lohnstreiks brachen am Mittwoch in mehreren Städten Italiens aus. In Rom streikten die öffentlichen Verkehrsbetriebe und die Zeitungsdruckereien.
Die Zahl der Rundfunkgenehmigungen
hat sich im Bundesgebiet auf 11 775 000
erhöht. Die Zahl der Fernsehgenehmigungen stieg auf 27 592.
In Paketen an Kriegsgefangene in der
Sowjetunion dürfen keinerlei Tuben enthalten sein. Die Gefangenen haben mitgeteilt, daß Zahnpasta-, Creme- und Senftuben nicht ausgehändigt werden. Dagegen sind jetzt Rasierapparate und Klingen sowie Uhren zum Versand zugelassen.
1000 volksdeutsche Umsiedler aus dem europäischen Südosten sollen im Juli in Bad Reichenhall eintreffen.
Der österreichische Bundeskanzler Raab flog am Mittwoch zu einem Staatsbesuch nach London.
Kyffhäuser-Bund und Verband deutscher Soldaten haben einstimmig beschlossen, sich organisatorisch zu vereinigen.
110 verwundete Vietminh- Gefangene wurden am Mittwoch nordöstlich von Hanoi von französischem Sanitätspersonal dem Vietminh übergeben.
Ein Hubschrauber-Landeplatz wird in London auf dem Südufer der Themse gegenüber Westminster eingerichtet.
Die indische Regierung verhandelt gegenwärtig mit deutschen und britischen Firmen über die Möglichkeit, Panzer in Indien herzustellen.
Der Stadtrat von Coventry hat beschlossen, die Stadt Stalingrad zu einem gemeinsamen Appell beider Städte an die UNO-Abrüstungskommission für ein Verbot der Wasserstoffbombe aufzufordern.