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Nr. 267.
Samslag, den 13. November 1915.
47. Jahrgang.
Die Versolgungsnamstin Servien.
Wieder über 1700 serbische Gefangene gemacht, 11 Geschütze erbeutet.
Jurchstbare Verlüste der Itallenter!
Englands Verrat an Serbien
Noch niemals wurde von einem Volke ein solcher Verrat an einem Verbündeten verübt, wie dies von Seiten Englands an Serbien geschehen ist. Großbritannien ist zwar seit Jahrhunderten in der Weltgeschichte als„perfides Albion“ gebrandmarkt, aber auch in seiner schmachvollen Geschichte ist kein Beispiel ähnlichen Verrats vorhanden, wie ihn Englands Regierung eingestandenermaßen an Serbien verübt hat. Vor dem Unterhause gestand Grey ein, daß die Hilfe, auf die Serbien nun schon seit Wochen verzweiflungsvoll wartet, niemals in dem Sinne militärischen Eingreifens gewesen sei, sie habe vielmehr darin bestanden, daß England Bulgarien die Zusicherungen wieder entzogen habe, die England natürlich auch niemals erfüllt hätte, selbst wenn es dazu in der Lage gewesen wäre.
Die ganze kultivierte Welt muß sih voll Widerwillen von England abwenden, wenn sie liest, in welcher cynischen Weise Grey den Serben, die sich tapfer wehren, auch noch den Hieb versetzt: Sie hätten sich doch niemals einbilden können, daß etwa das gesamte britische Heer ihnen zu Hilfe kommen werde, das man in Frankreich nötiger brauche. Man glaube ja nicht, daß es den Engländern etwa darum zu tun ist. Frankreich beizustehen; davon sind die Briten ebenso weit entfernt, wie von einer ausreichenden Hilfeleistung für Serbien. Auch diese„Hilfeleistung" dient nur dem höchst selbstsichtigen Zweck, die französische Nordgrenze, die England gegenüberliegenden Küstenstrecken zu besetzen. Die englischen Mannschaften werden bei Ergreifung der Offensive so lange geschont, als es irgendwie angängig ist. Das haben auch die Franzosen sehr bald herausbekommen. Vor vielen Wochen wurde an dieser Stelle schon darauf hingewiesen, daß auch die aussichtslose DardanellenAktion einzig und allein dem britischen selbstsüchtigen Zwecke gedient hat, türkische große Heereskräfte auf Gallipoli festzuhalten, damit sie nicht zu dem Zuge nach Aegypten verwendet werden konnten. Kein Mensch konnte jemals daran glauben, daß England den Russen Konstantinopel erobern wollte unter Preisgebung englischer Mannschaften und, was für England noch viel mehr bedeutet, unter Aufopferung englischer Kriegsschiffe. Was auch England unternimmt, dient letzten Endes nur britischen Interessen, diese alte geschichtliche Erfahrung haben alle Verbündeten Englands vollständig aus den Augen gelassen. Das Erwochen aus der britischen Hypnose, die sich nicht allein auf die Entente, sondern auch auf die Vereinigten Staaten von Nordamerika erstreckt, wird um so fürchterlicher sein.
Greys Rede hat den letzten Schleier von Großoritanniens nacktem Egoismus entfernt, das englische Bild von Sais ist enthüllt! Wird die britische Suggestion nun noch lange weiter bestehen?
Deutscher Tagesbericht.
Der drille Balkankrieg.
Die Lage auf dem Balkan.
Wien, 12. Nov. Wie die strategische, beurteilt man hier auch die politische Lage der verbündeten Mittelmächte sehr günstig. In Griechenland sieht man immer deutlicher den Einfluß von Venielos zerrinnen und das Ansehen des Königs wachen. Man hat untrügliche Beweise dafür, daß das Volk von Veniselos abgefallen ist und treu zum
WTB Großes Hauptquartier, 12. Nov. (Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
An der Front nichts neues.
Zwei englische Doppeldecker wurden im Luftkampf heruntergeschossen; eines mußte hinter unserer Front notlanden.
Oestlicher Kriegsschauplatz.
Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Hindenburg und
Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Prinz Leopold von Bayern. Keine wesentlichen Ereignisse.
Heeresgruppe des Generals von Linsingen Die deutschen Truppen, die gestern am frühen Morgen südlich der Eisenbahn Kowel—Sarny russische Angriffe abschlugen, nahmen dabei 4 Offiziere und 230 Mann gefangen.
Balkan=Kriegsschauplatz.
Die Verfolgung wird fortgesetzt. Südlich der Linie Kraljewo—Trstinik ist der erste Gebirgskamm überschritten; im RastnaTal südwestlich Krusevac dringen unsere Truppen bis Dupni vor. Weiter östlich ist Ribare und das dicht dabei liegende Rabarska Banja erreicht.
Gestern wurden über 1700, Gefangene ge
macht und 11 Geschütze erbeutét.
Oberste Heeresleitung.
Oesterreichischer Tagesbericht.
WTB Wien, 13. Nov.(Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart vom 12. November mittags:
Russischer Kriegsschauplatz.
In den Kämpfen nordwestlich Czartorysk wurden gestern 4 Offiziere und 230 Mann gefangen genommen. Bei Sapanow haben wir mehrere Nachtangriffe abgewiesen. Hinter unserer Putilowka=Front wurde ein Offizier des russischen Infanterie=Regiments Nr. 407 festgenommen, der sich in österreichisch=ungarischer Uniform durch unsere Linien geschlichen hatte, um Kundschafterdienste zu versehen. Offiziers=Abteilungen haben festgestellt, daß die am Kormin südlich Grajewka stehenden feindlichen Truppen unsere Verwundeten niedergemacht haben. Hier wurden auch russische Horchposten in österreichisch=ungarischen Uniformen angetroffen.
Italienischer Kriegsschauplatz.
Nach einer verhältnismäßig ruhigen Nacht wiederholte sich gestern vormittag das heftige Artillerie: feuer an der ganzen Kampffront des gestrigen Tages. Hierauf griff feindliche Infanterie abermals den Brückenkopf von Görz und die Hochfläche von Doberdo unaufhörlich an. Wieder brachen alle Stürme unter furchtbaren Verlusten der Angreifer
zusammen. Wieder haben unsere Truppen alle ihre Stellungen fest in Händen. Vorstöße des Gegners bei Zagora und im Vrsic=Gebiete teilten das Schicksal des Hauptangriffes.
An der Dolomitenfront griffen die Italiener auch in den letzten Tagen unsere Stellungen auf der Spitze und an den Hängen des Col di Lana mehrmals vergebens an.— Die amtlichen Presseberichte der italienischen Heeresleitung über die Ereignisse in diesem Raume sind vollkommen falsch und können wohl nur auf unrichtigen Meldungen beruhen.
Südöstlicher Kriegsschauplatz.
Auf der ganzen Front sind die Verfolgung skämpfe im Gange. Im Ibar=Tal haben deutsche Truppen Bogutovac und die beiderseitigen Höhen erstürmt. Die Armee von Gallwitz nähert sich den Höhkämmen des Jastrebac=Gebirges. Die neuerliche Beute beträgt hier 1400 Mann, 11 Geschütze, 16 Munitionswagen und einen Brückentrain.
Die bulgarische Armee hat an ihrer ganzen Front den Morava=Uebergang erzwungen.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes: von Hoefer, Feldmarschall=Leutnant.
Fortsetzung des Krieges zwecklos.
TU Bukarest, 13. Nov. Das Blatt des Odessaer Gouvernements„Odesi Listok“ beingt einen von der Zensur genehmigten Artikel, der allgemeines Aufsehen erregt. Das Blatt schreibt: Die Balkan=Ereignisse haben sich derart gestaltet, daß sie eine Fortsetzung de, Krieges als zwecklos erscheinen
König hält, dessen kluge Politik es nunmehr erkannt hat. Veniselos habe fast nur noch einen Anhang in der Kammer, und auch dieser beginne bereits abzubröckeln. Heute wisse Veniselos, daß er bei Neuwohlen eine schwere Niederlage erleiden werde. Schon deshalb werde er jetzt keine Lage schaffen, die Neuwahlen herbeiführen könnte, und die kräftige Drohung des neuen Ministerpräsidenten Skuludis mit Neuwahlen für den Fall einer neuerlichen Auflehnung der Veniselisten werde daher sicher beengend auf ihn wirken. Alle Versuche des Vierverbandes, eine Aenderung zu seinen Gunsten
lassen. Belgien und Serbien werden ihre nationale Selbständigkeit verlieren. Im Schicksalsbuch stand: geschrieben, daß dies so geschehe, damit der Völkerfriede herankomme. Der Artikel schließt: Wir alle wünschen den Frieden. Das russische Volk wird für jene beten, die die Segnungen des Friedens sichern.
herbeizuführen, seien infolgedessen vergeblich. An solchen Versuchen lasse er es auch jetzt noch nicht fehlen, und er scheue dabei nicht vor den verwerflichsten Mitteln zurück. Bestechungen seien noch die glimpflichsten, auch die Anwerbung albanischer Banden, um Unruhen hervorzurufen, sei noch nicht das Schlimmste. Aber sie ließen auch wieder Attentatsdrohungen aufflattern, und diese Drohungen seien sicherlich nicht leere Worte, wie man aus früheren Fällen wisse. An die Wirkung dieser Versuche glaube auch der Vierverband offenbar selber nicht mehr, da er ebensogut wie die Mittelmächte
wissen müsse, daß der König nach sachlichem Urteil seines Generalstabes schon vor Monaten seine Entscheidung getroffen habe, die dahin gehe, daß die Mittelmächte im Kampfe Sieger bleiben werden. Die amtlichen, nichtheimlichen Bemühungen des Vierverbandes gingen daher nur noch darauf aus, Griechenland bei möglichst guter Laune zu erhalten, damit es nicht noch seine wohlwollende Neutralität aufgebe. Der neuerliche 20=Millionen=Vorschuß Frankreichs müsse in diesem Sinne beurteilt werden. Betreffs Rumäniens ist man hier gleichfalls beruhigt. Man glaubt nicht an eine Umgestaltung des Kabinetts durch die Aufnahme konservativer Politiker und an eine etwaige aktive Beihilfe, zweifelt aber auch nicht daran, daß Rumänien seine Neutralität zugunsten des Vierverbandes nur aufgeben wird, wenn dieser den Siog auf seine Seite bringen würde, was selbst in Rumänien als ein unwahrscheinlicher Fall gelte.
Serbiens innere Lage.
Wien, 12. Nov. Der Sonderberichterstatter der „Reichspost“ meldet aus Sofia: Die Stadt Nisch ist wenig beschädigt. Von der Bevölkerung blieben beinahe 4000 Personen in der Stadt. Ungeheure Mengen technischen Materials fielen in die Hände der Eroberer. Bemerkenswert ist ein Fund von Dolchen, Revolvern und Handbomben in den Amtsräumen mehrerer Minister, was einwandfrei durch serbische Zeugen festgestellt wurde. Die Nischer Bevölkerung, voller Freude über den Einzug der bulgarischen Truppen, erhofft nach dem ungeheuren Unglück des Landes einen baldigen Frieden. Sie verwünscht die serbische Regierung, die ihr bis zur letzten Stunde vorlog, daß die französisch=englischen Truppen auf Nisch marschierten und die Russen bereits vor Sofia ständen. Ein derartiges angebliches Petersburger Telegramm wurde vorgefunden.
Die Eisenbahnverbindung Sofia—Pirot—Nisch wird in sechs Tagen hergestellt sein. Die Städte Mazedoniens, mit Ausnahme von Veles, sind fast nicht beschädigt. Die bulgarische Armee hat überall ungeheure Beute gemacht, darunter unermeßliche Lebensmittelvorräte englisch=französischer Herkunft in versiegelten Depots, die bereits für die Truppen der Verbündeten bestimmt waren. Der Abgeordnete Vasilow, Führer der Demokraten, bezeichnete das Unternehmen des Vierverbandes in Mazedonien als frivoles Spiel ohne jede Aussicht.
Bulgarischer Kordon durch Süd=Serbien.
TU Sofia, 12. Nov. Die Bulgaren haben durch ganz Süd=Serbien einen Kordon gezogen, der den Entente=Truppen das Vorrücken nur durch schwere Kämpfe möglich macht. Die bulgarische Front ist vorzüglich postiert. Der ganze Norden und der Nordostwinkel sind vom Feinde gesäubert. Unsere Front zwischen Krusevac und Aleksinac steht vor dem Zusammenschluß. Ferner ist das Ausfallstor, das den Serben nach Westen noch offen steht, neuerlich verengt. Die serbischen Verluste betragen über 75 000 Mann. Die Disziplin bei ihnen ist gelockert; ihre Materialverluste sind ungeheuer.
Der serbische Rückzug in Gefahr.
Mailand, 12. Nov. Der„Secolo“ meldet: Der serbische Kriegsrat habe sich in Anwesenheit der Militärattachees des Vierverbandes zum Rückzuge entschlossen, um den Rest der serbischen Armee nach Skutati oder Durazzo zu retten.
TU Berlin, 12. Nov. Ein Herr der bulgarischen Gesandtschaft, der Serbien sehr gut kennt und schon den bulgarischen Krieg gegen Serbien im Jahre 1885 mitgemacht hat, glaubt nicht, daß auf den
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