Amtliches Kreisblatt für den Kreis börde (Ha Sdmutn Zeiuer uden und ander Feiertags. Bezugsprets M. DoieretAädrlch, dei der Post für Bestelgeid 42 Plo. wedr. Wöchenul. Gratiobellage:„Iüuktriertn Samillenfreund“ u. 1agl. Uaierbaltungsbiant. Anzeigenpreis: Die Zebengespallens Peutzelloden deren Raum 10 Plg., Anzeigen vmn amswärs 15 Plg., Reklamezells 40 Pfg. Jeder Radon gi als Kassamdau a. erlschl de Aosducsen, Zwangsoergleichen, gerichtl. Klagen a. Nichtbeachtung d. gemacht. Jahlungsbedingung. Westhofener Zeitung Langscheder Zeitung Verbunden mit? Holzwickeder Zeitung Aplerbecker Zeitung Schwerter Dolksblav Verbunden mit! Cdwener Hollazdinse Schwerker Tageblatt D Schwerter Anzeiger Grltes und älteltes Cagesorgan des Krelles o General-Anzeiger für den Kreis börde o Haupt-Kononcenblack unn due und ubetenbtgrüichen nrrn gungen for des Korty Hörde erlonger grmas Betaaatmachung der Aöniglichen Regierung durch Veröenlichuag ie der„Schwerin Zenung: mawerhadiche Kroft.— Die „Schaerter Zettung“ gewöhr edree Aboonenin füt jeden mit Tod endenden Uasol or: 300 Mk. Unfall: onau Vertage. Con Brom. Schonme= Nut Femip 62. Telegr. 2dr. Braus Schwerte=Rote# Nr. 267. Samslag, den 13. November 1915. 47. Jahrgang. Die Versolgungsnamstin Servien. Wieder über 1700 serbische Gefangene gemacht, 11 Geschütze erbeutet. Jurchstbare Verlüste der Itallenter! Englands Verrat an Serbien Noch niemals wurde von einem Volke ein solcher Verrat an einem Verbündeten verübt, wie dies von Seiten Englands an Serbien geschehen ist. Großbritannien ist zwar seit Jahrhunderten in der Weltgeschichte als„perfides Albion“ gebrandmarkt, aber auch in seiner schmachvollen Geschichte ist kein Beispiel ähnlichen Verrats vorhanden, wie ihn Englands Regierung eingestandenermaßen an Serbien verübt hat. Vor dem Unterhause gestand Grey ein, daß die Hilfe, auf die Serbien nun schon seit Wochen verzweiflungsvoll wartet, niemals in dem Sinne militärischen Eingreifens gewesen sei, sie habe vielmehr darin bestanden, daß England Bulgarien die Zusicherungen wieder entzogen habe, die England natürlich auch niemals erfüllt hätte, selbst wenn es dazu in der Lage gewesen wäre. Die ganze kultivierte Welt muß sih voll Widerwillen von England abwenden, wenn sie liest, in welcher cynischen Weise Grey den Serben, die sich tapfer wehren, auch noch den Hieb versetzt: Sie hätten sich doch niemals einbilden können, daß etwa das gesamte britische Heer ihnen zu Hilfe kommen werde, das man in Frankreich nötiger brauche. Man glaube ja nicht, daß es den Engländern etwa darum zu tun ist. Frankreich beizustehen; davon sind die Briten ebenso weit entfernt, wie von einer ausreichenden Hilfeleistung für Serbien. Auch diese„Hilfeleistung" dient nur dem höchst selbstsichtigen Zweck, die französische Nordgrenze, die England gegenüberliegenden Küstenstrecken zu besetzen. Die englischen Mannschaften werden bei Ergreifung der Offensive so lange geschont, als es irgendwie angängig ist. Das haben auch die Franzosen sehr bald herausbekommen. Vor vielen Wochen wurde an dieser Stelle schon darauf hingewiesen, daß auch die aussichtslose DardanellenAktion einzig und allein dem britischen selbstsüchtigen Zwecke gedient hat, türkische große Heereskräfte auf Gallipoli festzuhalten, damit sie nicht zu dem Zuge nach Aegypten verwendet werden konnten. Kein Mensch konnte jemals daran glauben, daß England den Russen Konstantinopel erobern wollte unter Preisgebung englischer Mannschaften und, was für England noch viel mehr bedeutet, unter Aufopferung englischer Kriegsschiffe. Was auch England unternimmt, dient letzten Endes nur britischen Interessen, diese alte geschichtliche Erfahrung haben alle Verbündeten Englands vollständig aus den Augen gelassen. Das Erwochen aus der britischen Hypnose, die sich nicht allein auf die Entente, sondern auch auf die Vereinigten Staaten von Nordamerika erstreckt, wird um so fürchterlicher sein. Greys Rede hat den letzten Schleier von Großoritanniens nacktem Egoismus entfernt, das englische Bild von Sais ist enthüllt! Wird die britische Suggestion nun noch lange weiter bestehen? Deutscher Tagesbericht. Der drille Balkankrieg. Die Lage auf dem Balkan. Wien, 12. Nov. Wie die strategische, beurteilt man hier auch die politische Lage der verbündeten Mittelmächte sehr günstig. In Griechenland sieht man immer deutlicher den Einfluß von Venielos zerrinnen und das Ansehen des Königs wachen. Man hat untrügliche Beweise dafür, daß das Volk von Veniselos abgefallen ist und treu zum WTB Großes Hauptquartier, 12. Nov. (Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz. An der Front nichts neues. Zwei englische Doppeldecker wurden im Luftkampf heruntergeschossen; eines mußte hinter unserer Front notlanden. Oestlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Hindenburg und Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Prinz Leopold von Bayern. Keine wesentlichen Ereignisse. Heeresgruppe des Generals von Linsingen Die deutschen Truppen, die gestern am frühen Morgen südlich der Eisenbahn Kowel—Sarny russische Angriffe abschlugen, nahmen dabei 4 Offiziere und 230 Mann gefangen. Balkan=Kriegsschauplatz. Die Verfolgung wird fortgesetzt. Südlich der Linie Kraljewo—Trstinik ist der erste Gebirgskamm überschritten; im RastnaTal südwestlich Krusevac dringen unsere Truppen bis Dupni vor. Weiter östlich ist Ribare und das dicht dabei liegende Rabarska Banja erreicht. Gestern wurden über 1700, Gefangene gemacht und 11 Geschütze erbeutét. Oberste Heeresleitung. Oesterreichischer Tagesbericht. WTB Wien, 13. Nov.(Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart vom 12. November mittags: Russischer Kriegsschauplatz. In den Kämpfen nordwestlich Czartorysk wurden gestern 4 Offiziere und 230 Mann gefangen genommen. Bei Sapanow haben wir mehrere Nachtangriffe abgewiesen. Hinter unserer Putilowka=Front wurde ein Offizier des russischen Infanterie=Regiments Nr. 407 festgenommen, der sich in österreichisch=ungarischer Uniform durch unsere Linien geschlichen hatte, um Kundschafterdienste zu versehen. Offiziers=Abteilungen haben festgestellt, daß die am Kormin südlich Grajewka stehenden feindlichen Truppen unsere Verwundeten niedergemacht haben. Hier wurden auch russische Horchposten in österreichisch=ungarischen Uniformen angetroffen. Italienischer Kriegsschauplatz. Nach einer verhältnismäßig ruhigen Nacht wiederholte sich gestern vormittag das heftige Artillerie: feuer an der ganzen Kampffront des gestrigen Tages. Hierauf griff feindliche Infanterie abermals den Brückenkopf von Görz und die Hochfläche von Doberdo unaufhörlich an. Wieder brachen alle Stürme unter furchtbaren Verlusten der Angreifer zusammen. Wieder haben unsere Truppen alle ihre Stellungen fest in Händen. Vorstöße des Gegners bei Zagora und im Vrsic=Gebiete teilten das Schicksal des Hauptangriffes. An der Dolomitenfront griffen die Italiener auch in den letzten Tagen unsere Stellungen auf der Spitze und an den Hängen des Col di Lana mehrmals vergebens an.— Die amtlichen Presseberichte der italienischen Heeresleitung über die Ereignisse in diesem Raume sind vollkommen falsch und können wohl nur auf unrichtigen Meldungen beruhen. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Auf der ganzen Front sind die Verfolgung skämpfe im Gange. Im Ibar=Tal haben deutsche Truppen Bogutovac und die beiderseitigen Höhen erstürmt. Die Armee von Gallwitz nähert sich den Höhkämmen des Jastrebac=Gebirges. Die neuerliche Beute beträgt hier 1400 Mann, 11 Geschütze, 16 Munitionswagen und einen Brückentrain. Die bulgarische Armee hat an ihrer ganzen Front den Morava=Uebergang erzwungen. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes: von Hoefer, Feldmarschall=Leutnant. Fortsetzung des Krieges zwecklos. TU Bukarest, 13. Nov. Das Blatt des Odessaer Gouvernements„Odesi Listok“ beingt einen von der Zensur genehmigten Artikel, der allgemeines Aufsehen erregt. Das Blatt schreibt: Die Balkan=Ereignisse haben sich derart gestaltet, daß sie eine Fortsetzung de, Krieges als zwecklos erscheinen König hält, dessen kluge Politik es nunmehr erkannt hat. Veniselos habe fast nur noch einen Anhang in der Kammer, und auch dieser beginne bereits abzubröckeln. Heute wisse Veniselos, daß er bei Neuwohlen eine schwere Niederlage erleiden werde. Schon deshalb werde er jetzt keine Lage schaffen, die Neuwahlen herbeiführen könnte, und die kräftige Drohung des neuen Ministerpräsidenten Skuludis mit Neuwahlen für den Fall einer neuerlichen Auflehnung der Veniselisten werde daher sicher beengend auf ihn wirken. Alle Versuche des Vierverbandes, eine Aenderung zu seinen Gunsten lassen. Belgien und Serbien werden ihre nationale Selbständigkeit verlieren. Im Schicksalsbuch stand: geschrieben, daß dies so geschehe, damit der Völkerfriede herankomme. Der Artikel schließt: Wir alle wünschen den Frieden. Das russische Volk wird für jene beten, die die Segnungen des Friedens sichern. herbeizuführen, seien infolgedessen vergeblich. An solchen Versuchen lasse er es auch jetzt noch nicht fehlen, und er scheue dabei nicht vor den verwerflichsten Mitteln zurück. Bestechungen seien noch die glimpflichsten, auch die Anwerbung albanischer Banden, um Unruhen hervorzurufen, sei noch nicht das Schlimmste. Aber sie ließen auch wieder Attentatsdrohungen aufflattern, und diese Drohungen seien sicherlich nicht leere Worte, wie man aus früheren Fällen wisse. An die Wirkung dieser Versuche glaube auch der Vierverband offenbar selber nicht mehr, da er ebensogut wie die Mittelmächte wissen müsse, daß der König nach sachlichem Urteil seines Generalstabes schon vor Monaten seine Entscheidung getroffen habe, die dahin gehe, daß die Mittelmächte im Kampfe Sieger bleiben werden. Die amtlichen, nichtheimlichen Bemühungen des Vierverbandes gingen daher nur noch darauf aus, Griechenland bei möglichst guter Laune zu erhalten, damit es nicht noch seine wohlwollende Neutralität aufgebe. Der neuerliche 20=Millionen=Vorschuß Frankreichs müsse in diesem Sinne beurteilt werden. Betreffs Rumäniens ist man hier gleichfalls beruhigt. Man glaubt nicht an eine Umgestaltung des Kabinetts durch die Aufnahme konservativer Politiker und an eine etwaige aktive Beihilfe, zweifelt aber auch nicht daran, daß Rumänien seine Neutralität zugunsten des Vierverbandes nur aufgeben wird, wenn dieser den Siog auf seine Seite bringen würde, was selbst in Rumänien als ein unwahrscheinlicher Fall gelte. Serbiens innere Lage. Wien, 12. Nov. Der Sonderberichterstatter der „Reichspost“ meldet aus Sofia: Die Stadt Nisch ist wenig beschädigt. Von der Bevölkerung blieben beinahe 4000 Personen in der Stadt. Ungeheure Mengen technischen Materials fielen in die Hände der Eroberer. Bemerkenswert ist ein Fund von Dolchen, Revolvern und Handbomben in den Amtsräumen mehrerer Minister, was einwandfrei durch serbische Zeugen festgestellt wurde. Die Nischer Bevölkerung, voller Freude über den Einzug der bulgarischen Truppen, erhofft nach dem ungeheuren Unglück des Landes einen baldigen Frieden. Sie verwünscht die serbische Regierung, die ihr bis zur letzten Stunde vorlog, daß die französisch=englischen Truppen auf Nisch marschierten und die Russen bereits vor Sofia ständen. Ein derartiges angebliches Petersburger Telegramm wurde vorgefunden. Die Eisenbahnverbindung Sofia—Pirot—Nisch wird in sechs Tagen hergestellt sein. Die Städte Mazedoniens, mit Ausnahme von Veles, sind fast nicht beschädigt. Die bulgarische Armee hat überall ungeheure Beute gemacht, darunter unermeßliche Lebensmittelvorräte englisch=französischer Herkunft in versiegelten Depots, die bereits für die Truppen der Verbündeten bestimmt waren. Der Abgeordnete Vasilow, Führer der Demokraten, bezeichnete das Unternehmen des Vierverbandes in Mazedonien als frivoles Spiel ohne jede Aussicht. Bulgarischer Kordon durch Süd=Serbien. TU Sofia, 12. Nov. Die Bulgaren haben durch ganz Süd=Serbien einen Kordon gezogen, der den Entente=Truppen das Vorrücken nur durch schwere Kämpfe möglich macht. Die bulgarische Front ist vorzüglich postiert. Der ganze Norden und der Nordostwinkel sind vom Feinde gesäubert. Unsere Front zwischen Krusevac und Aleksinac steht vor dem Zusammenschluß. Ferner ist das Ausfallstor, das den Serben nach Westen noch offen steht, neuerlich verengt. Die serbischen Verluste betragen über 75 000 Mann. Die Disziplin bei ihnen ist gelockert; ihre Materialverluste sind ungeheuer. Der serbische Rückzug in Gefahr. Mailand, 12. Nov. Der„Secolo“ meldet: Der serbische Kriegsrat habe sich in Anwesenheit der Militärattachees des Vierverbandes zum Rückzuge entschlossen, um den Rest der serbischen Armee nach Skutati oder Durazzo zu retten. TU Berlin, 12. Nov. Ein Herr der bulgarischen Gesandtschaft, der Serbien sehr gut kennt und schon den bulgarischen Krieg gegen Serbien im Jahre 1885 mitgemacht hat, glaubt nicht, daß auf den # Saumpfaden, die jetzt den Serben zur Verfügung stehen, größere zusammenhängende Truppenkörper nach Montenegro oder Albanien entkommen können. Eine Flucht in die wegelosen Gebirge Albaniens wird ganz besonders unwahrscheinlich angesehen, da die Albaner den Serben von jeher feindlich gesinnt waren und die Flüchtlinge nicht schonen würden. Der Anstifter des Mordes von Serajewo gefangen. TU Budapest, 13. Nov. Major Duschan Popovic, das Haupt der Narodna Obrana, einer der Anstifter der Ermordung des Erzherzogs Franz Ferdinand, ist nach eine Meldung des„Pester Lloyd“ aus Sofia, in buhzarische Gefangenschaft geraten. Die serbische Armee nur noch 80 000 Mann stark. Konstantinopel, 13. Nov. Die in großer Unordnung fliehende serbische Armee wird von unterrichteter Seite auf höchstens 80000 Mann geschätzt. Es verlautet, daß der serbische König bereits die montenegrinische Grenze überschritten habe. Der Weg nach Montenegro abgeschnitten. WTB Paris, 12. Nov. Die Presse, die die Lage in Serbien noch vor einigen Tagen als günstig bezeichnete, gesteht jetzt nach dem Fall von Nisch, Kraljewo und Krusevac ein, daß der Widerstand der Serben sich dem Ende nähere. Den Ausführungen hiesiger Militärschriftsteller zufolge, schnitt die Ankunft der Oesterreicher in Iwanjica und die großen Fortschritte der Armee des Generals von Köveß südlich von Kraljewo die Hauptmacht des serbischen Heeres von der letzten Rückzugslinie nach Montenegro ab. Es bleibt ihr nur noch die Straße nach Mitrowitza offen, um nach Albanien zu flüchten. Der„Matin“ erklärt, die Besitzergreifung der ganzen Eisenbahnlinie Belgrad—Risch durch die Truppen der Zentralmächte würde die Durchführung weiterer Pläne des österreichisch=deutschen Generalstabes gestatten.„Information“ schreibt: Etappenweise sicherten sich die Oesterreicher, Deutschen und Bulgaren den Besitz ganz Nordserbiens, wo sie nur noch auf schwachen Widerstand der serbischen Kräfte stoßen, die zerstreut und erdrückt werden. Erst das Eingreifen einer starken Truppenmasse der Alliierten könne die ernste Lage noch ändern. Montenegro von serbischen Flüchtlingen überschwemmt. Aus Rotterdam wird uns berichtet: Der Londoner„Daily Mail“ wird aus Rom gedrahtet, daß die wirtschaftliche Lage Montenegros sehr ernst sei, weil mindestens eine Million= Serben nach Montenegro geflohen ist. Dieser gewaltige Zuwachs gestaltet die Frage der Ernährung um so schwieriger, als die Oesterreicher bisher schon drei Frachtschiffe versenkten, was zudem noch einen herben Finanzverlust für das Land bedeutet. Was die Serben in Albanien und Montenegro zu erwarten haben. bb Berlin, 13. Nov. In der„Nordd. Allg. Ztg.“ schreibt der Kriegsberichterstatter Gomoll: Wie bekannt geworden ist, liegen in Montenegro und in Albanien die Ernährungsverhältnisse des Volkes sehr traurig. Nach Aussagen eines kriegsgefangenen serbischen Offiziers, des in unsere Hände gefallenen Rektor magnificus der Universität Belgrad, mußte Serbien schon im Laufe des letzten Jahres andauernd Lebensmittel nach beiden Ländern einführen. Wie es also einer dort auf der Flucht einmarschierenden, ihrer Verpflegungstrains verlustig gegangenen Armee gehen müßte, ist klar einzusehen. Die Lage der Serben wird also, falls sie über die Grenze kommen, keine erfreuliche sein. Zar Ferdinand wird deutlich. Bei den Franzosen gilt bekanntlich der Satz als oberstes Gesetz, daß man jeden, der nicht unbedingt für ihre Interessen leben und sterben will, zum Barbaren stempelt. Dieser Gewohnheit folgte auch der Prinz Philipp von Orleans, als er an den König von Bulgarien aus London einen Brief richtete, in dem er in scharfen Worten das Verhalten des Königs verurteilte und sagte, der König habe seine französischen Vorfahren und seine französische Abstammung vergessen, als er den Beschluß faßte, gegen Frankreich zu kämpfen. Aber Zar Ferdinand weiß vortrefflich zu antworten. Er ließ den vorwitzigen Prinzen, dem bekanntlich die Furcht der Republik vor monarchistischer Propaganda den Aufenthalt auf französischer Erde verbietet, eine treffliche Antwort zugehen. Der König schrieb, daß er in erster Linie die Pflicht habe, Bulgarien nicht zu vergessen. Was mit Frankreich geschehen wird, verdiene dieses Land. Daran können keine sentimentalen Hilferufe etwas ändern. Frankreich möge daran denken, welche teuflischen Pläne es gegen Bulgarien geschmiedet habe. Deutlich für den Prinzen und deutlich für Frankreich. Starker Verkehr auf dem Donauwege. Wien, 12. Nov. Seit Wiedereröffnung des Schiffahrtsverkehrs auf der Donau, der sich dank der gründlichen Säuberung von russischen und serbischen Flußminen bisher ohne jeden Unfall abspielte, herrscht ein ungewöhnlich starker Schiffsverkehr zwischen den ungarischen und bulgarischen Donauhäfen einerseits und den rumänischen anderseits. Ganze Flottillen von Dampfern und Schleppschiffen, von Kriegsfahrzeugen begleitet, passieren Kladova. In den ersten Tagen kamen fast durchweg Munitionstransporte für Bulgarien und die Türkei durch, denen auch Schleppschiffe mit anderem Kriegsmaterial folgten. Die von Bulgarien zurückfahrenden Schiffe führen große Mengen Getreide und Mais nach den österreichisch=russischen Häfen. Auch die in den rumänischen Häfen seit Kriegsbeginn mit Getreide für die Monarchie gelegenen Schiffe haben bereits die Heimfahrt angetreten. Italiens Beteiligung am Balkan=Unternehmen. TU Lugano, 13. Nov. Die Blätter veröffentlichen eine halbamtliche Note über die Stellung Italiens im Balkankriege. Es geht daraus hervor, daß Italien sich nur dann an den militärisschen Operationen gegen Bulgarien beteiligen würde, wenn Bulgarien Albanien besetzen und etwa die albanische Küste des Adriatischen Meeres für sich in Anspruch nehmen wolle. In allen anderen Fällen dürfte Italien sich kaum zu mehr als einer politischen Unterstützung seiner Freunde hergeben. Italiens Unentschlossenheit. bb Lugano, 13. Nov. Die„Stampa“ dementiert die Nachricht von einer angeblichen Balkan=Expedition. Der Ministerrat hat noch keine Entscheidung getroffen. Griechisch=bulgarische Abkommen wegen SerbischMazedoniens. bb Budapest, 13. Nov. Aus Athener verläßlicher Quelle wird berichtet, daß zwischen Bulgarien und Griechenland ein Abkommen bezüglich der Aufteilung der in serbischem Besitz gewesenen mazedonischen Gebiete zustande gekommen sei. Der türkischen Regierung nahestehende Blätter berichten, die Ansprüche, die Griechenland auf einige Gebiete Serbisch=Mazedoniens erhoben hat, sind von den Bulgarien anerkannt worden. Griechische Beamte haben dort ihre Tätigkeit bereits begonnen. Ein tatsächlich bulgarisch=griechisches Bünduis. Sofia, 13. Nov. Der griechische Gesandte in Sofia, Naum, erklärte einigen Journalisten, daß die Beziehungen zwischen Griechenland und Bulgarien in der nächsten Zukunft endgültig geregelt werden und daß die zwei Staaten zukünftig im Bündnisverhältnis zu einander stehen werden. Zwischen beiden Regierungen bestehen keine Meinungsverschiedenheiten mehr.„Wir sind zu der Erkenntnis gelangt“, sagte Naum,„daß die beiden Staaten aufeinander angewiesen sind. Ein tatsächliches Bündnis wird in der nächsten Zeit zustande kommen. Auch mit den Mittelmächten knüpft Griechenland Bande fester Freundschaft. Das bezieht sich nicht nur auf das amtliche Griechenland, sondern auch auf das Volk, das weiß, daß die Freundschaft und das Wohlwollen der Mittelmächte wichtige Faktoren des zukünftigen Ausbaues unseres Vaterlandes sind. Die Venizelos=Partei hat keine so starken Wurzeln im Volke wie bisher.“ Auflösung der griechischen Kammer. tral bleiben werde. Der Vierverband wolle Griechenland in dieser Absicht nicht mit neuen Vorschlägen stören, da die Nationen nicht feilschen könnten, wie Kaufleute. Der englische und der russische Gesandte bestätigen diese Aeußerung und erklärten, Euilemine habe im Namen sämtlicher diplomatischen Vertreter der Vierverbandsmächte gehandelt.(Daß der Vierverband nicht feilscht wie die Kaufleute, mag richtig sein, daß sie aber. übers Ohr zu hauen versuchen, wie die Roßtäuscher, hat die ganze Balkanpolitik der Entente zur Genüge bewiesen. Die Schriftl.) Kitcheners Sendung. TU Wien, 13. Nov. In hiesigen politischen Kreisen verfolgt man die Entsendung Kitcheners mit großem Interesse. Man ist der Ansicht, daß sein Auftrag in erster Reihe auf eine Begutachtung der Dardanellen= und Balkan=Unternehmungzen hinausläuft. Die verantwortlichen Kreise Englands und Frankreichs dürften die Aussichtslosigkeit dieser Kämpfe längst erkannt haben, fühlen sich aber der öffentlichen Meinung gegenüber nicht stark genug, die Verantwortung für einen Abbruch dieser Unternehmungen zu tragen. Das Gutachten Kitcheners soll ihnen daher die erwünschte Rückendeckung für die mögliche Rückberufung der Heere gewähren. Wie Sir Grey sich herausredet. Er verleugnet sich nicht, der vielerfahrene Leiter der britschen Geschicke und mittelbare Anstifter des Weltkrieges. Im Unterhause wurde er befragt, was denn eigentlich von seiner kürzlichen Erklärung zu halten sei, Serbien beizustehen. Ob er Serbien wirklich habe unterstützen wollen oder nur dann, wenn Griechenland ebenfalls helfe. Grey war sichtlich schwer in die Enge getrieben, wand sich schließlich aber unter ziemlichen Verrenkungen heraus. Er meinte, seine Worte, die Serbien unbeschränkte und unbedingte Hilfe versprachen, hätten nur politische, keineswegs aber militärische Bedeutung gehabt.— Nun wird man ja in Serbien trotz des Niederbruches zufrieden sein. Grey versprach ihnen Hilfe, die nicht kam, weil sie nur politisch, nicht militärisch gemeint war. Das wird die Serben in ihrem Unglück trösten. Grey aber kann weiter mit ehrlicher Miene Versprechungen machen. WTB Athen, 13. Nov.(Meldung des Reuterschen Büros.) Die Kammer ist aufgelöst worden. Die Neuwahlen werden am 19. Dezember stattfinden. 349 5/22 Die Auflösung der Kammer ist von den Venizelos=Leuten mit Grund gefürchtet worden. Denn die Regierung wird Neuwahlen nur dann bewirken, wenn sie Veranlassung zu der Annahme hat, daß die Mehrzahl der Wähler ihre Ansicht über Venizelos geändert hat. In England hat man sich offenkundig deshalb vor der Möglichkeit einer Auflösung der griechischen Kammer gescheut, weil durch sie die innerpolitische Krisis in Griechenland auf Wochen vertagt wird, so daß die Regierung zunächst freie Hand hat bis zum Zusammentritt der neuen Kammer, die dann aller menschlichen Voraussicht nach vor einer noch weiter gediehenen Neuordnung auf dem Balkan stehen wird. Skuludis, der neue griechische Ministerpräsident. Neuer Vierverbandsschritt in Athen. Budapest, 12. Nov. Aus Bukarest wird gemeldet: Der französische Gesandte in Athen, Guilemine, erschien bei dem neuen griechischen Ministerpräsidenten und erklärte, der Vierverband werde künftig keine weiteren Schritte gegen die griechische Regierung unternehmen, da er eingesehen habe, daß Griechenland bis zum Ende des Weltkrieges neuEin englisches Verbot gegen die Auswanderung. TU Amsterdam, 12. Nov. Aus Kreisen, die mit Lord Derbys Werbefeldzug vertraut sind, verlautet, daß das System in Kürze mit einem vollständigen Mißerfolg enden wird. Die Rezierung trifft bereits Maßnahmen, um den Anforderungen, die an die englische Armee gestellt werden, in anderer Weise nachzukommen. Die Auswanderung der Iren, die sich übrigens auch unter den Engländern stärker ausbreitet, wird die Regierung bald zwingen, mit der Dienstpflicht ernst zu machen. Um die Auswanderung zu verhindern, plant man ein gänzliches Verbot, das sich auf die englischen Kolonien beziehen soll. —— Frankreichs Jahrgang 1917. WTB Lyon, 12. Nov.„Depeche de Lyon“ meldet aus Paris: Der Heeresausschuß der Kammer erörterte mit dem Kriegsminister die Frage der Einberufung der Jahresklasse 1917. Der Kriegsminister gab die Gründe an, die die Einberufung der Jahresklasse 1917 in der nächsten Zeit notwendig machen. Er machte sodann Angaben über die Höhe und den Zustand der Truppenbestände und erklärte, er sei entschlossen, die Bestimmungen des Gesetzes Dalbiez auf das strengste durchzuführen und nötigenfalls zu verschärfen. Der Heeresausschuß wird am nächsten Mittwoch den Antrag auf Einberufung der Jahresklasse 1917 einer endgültigen Prüfung unterziehen. Belgische Spione durch den Kaiser begnadigt. Köln, 12. Nov. Nach einem bei dem Kardinal von Hartmann eingegangenen Telegramm hat der Kaiser die gegen die Gräfin von Belleville, Fräulein Tuliere und Louis Severin in Brüssel verhängten Todesstrafen wegen Spionage auf dem Gnadenwege auf Fürbitte des Papstes hin in lebenslängliche Zuchthausstrafe umgewandelt. 6093 italienische Gefangene in der letzten IsonzoSchlacht. Wien, 12. Nov. Wie jetzt festgestellt ist, haben die Italiener in der letzten Isonzoschlacht 6000 Mann und 106 Offiziere an Gefangenen verloren. Bei Berücksichtigung des Umstandes, daß wir in der Verteidigung waren und es sich um Stellungskämpfe handelt, läßt diese Ziffer auf enorme blutige Verluste der Italiener schließen. Die österreichisch=ungarische Kriegsanleihe. Zu dem Ergebnis der österreichisch=ungaxischen Kriazsanleihe schreibt die„Nord. Allg. Ztg.“: Wie die Nachrichten aus Oesterreich=Ungarn zeigen, nimmt die Zeichnung der neuen Anleihe einen sehr günstigen Verlauf, so daß ein glänzendes Ergebnis heute schon feststeht. Die vorteilhaftesten Bedingungen der Anleihe verbunden mit der zuversichtlichen Beurteilung des Wirtschaftslebens beider Länder der Monarchie, haben überall eine wesentliche Steigerung der Zeichnungs=Beträge gegenüber der vorigen Anleihe bewirkt. Erfreulicherweise zeigt sich für die österreichisch=ungarische Kriegsanleihe auch im Deutschen Reiche ein reges Interesse. Die österreichisch=ungarischen Blätter sind in der Lage, umfangreiche reichsdeutsche Zeichnungen mitzuteilen, die erkennen lassen, daß das deutsche Kapital auch nach der gewaltigen Leistung der dritten deutschen Kriegsanleihe sich bereitwillig an der neuen finanziellen Aktion unseres österreichisch=ungarischen Bundesgenossen beteiligt. Amerika und England. Forderung sofortiger Anerkennung der amerikanischen Rechte zur See. Obgleich eine Antwort auf die amerikanische Note in der nächsten Zeit nicht erwartet wird, will der Amerika=Vertreter der„Daily News“ aus vorzüglicher Quelle erfahren, daß die sofortige Anerkennung der amerikanischen Rechte zur See gefordert werden soll, sobald England wiederum ein amerikanisches Schiff beschlagnahmt. Man ist der Ansicht, daß die Regierung in einem derartigen Falle mit Energie vorgehen müsse, denn sonst würde bei der Wiedereröffnung des Kongresses mit Sicherheit eine antienglische Demonstration der Vertreter des amerikanischen Ausfuhrhandels erfolgen. Wilson wird auf jeden Fall einen derartigen Zwischenfall vermeiden. Die Kongreßmitglieder aus den Süd= und Weststaaten sind sehr erregt und warten nur auf eine Gelegenheit zum Protest. Sie wollen bei dem Präsidenten einwirken, damit er der Munitionsausfuhr ein Ende macht. Schreitet Amerika zur Tat? TU Hamburg, 13. Nov. Aus Neuyork wird dem „Hamburger Fremdenblatt“ indirekt gemeldet: Für den 21. November ist die Abfahrt von acht amerikanischen Dampfern mit Schiffsfrachten für Deutschland, die keine Bannware enthalten sollen, nach Deutschland angekündigt. Der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes, Lansing, soll den Antrag gestellt haben, daß die von der Regierung vorher zu prüfenden Frachten als unantastbar erklärt werden. Zum Untergang der„Ancona“. Haag, 12. Nov.„Exchange“ meldet aus Washington: Die Stimmung der amerikanischen Presse ist wegen der Vernichtung des italienischen Dampfers „Ancona“ ziemlich erregt. Eine offiziöse Note besagt jedoch, daß nach einem Bericht des amerikanischen Konsuls aus Tanger der Dampfer versucht haben soll, zu entkommen, was schon daraus hervorgehe, daß das Unterseeboot über 100 Granatenschüsse auf den Dampfer gefeuert habe, bevor ein Torpedo abgeschossen wurde. In Malta sind in einem Rettungsboot 41 Mann der Besatzung und 4 Passagiere angekommen. Bestandsaufnahme. Als durch Bundesratsverordnung vom 25. Juni d. J. im Gebiete des deutschen Reiches das gesamte Brotgetreide, der Hafer und die Gerste auf dem Halm beschlagnahmt wurde, konnte die wahrscheinlich zu erwartende Erntemenge nur auf dem Wege der Schätzung durch Sachverständige nach Besichtigung der Felder geschätzt werden. Jetzt soll durch erneute Verordnung des Bundesrats eine genaue Erhebung der tatsächlich gewonnenen und im Reiche vorhandenen Vorräte an Roggen, Weizen, Hafer und Mehl vorgenommen werden. Der 16. November ist als Stichtag bestimmt. Die Ausführung der Erhebung liegt den Gemeindebehörden ob. Sie ist in diesem Augenblick von größter Wichtigkeit für das deutsche Volk. Denn die Ergebnisse dieser Erhebung werden für die weitere Entwickelung auf dem Gebiete der kriegswirtschaftlichen Maßnahmen zur Sicherung der Volksernährung und der Viehfütterung von ausschlaggebender Bedeutung sein. Es kommt daher alles auf die Erzielung einer möglichst zuverlässigen Aufnahme an. Es ist daher notwendig, daß alle zur Mitwirkung bei der Vorratserhebung berufenen Personen den Aufgaben angesichts der ihnen zukommenden Wichtigkeit volle Sorgfalt widmen. Jeder Anzeigepflichtige muß sich bei der Abgabe der Anzeige die Notwendigkeit peinlichster Genauigkeit vor Augen halten. Unterschlagung von Vorräten bei der Anzeige ist Verrat am Vaterlande gleichzuachten und eine Schandtat denen gegenüber, die draußen kämpfen und bluten. Von dem Ausfall dieser Erhebung wird es insbesondere abhängen, ob die Reichsgetreidestelle in Jukunft zu einer Erhöhung der Brotrationen schreiten kann und ob es möglich sein wird, größere Getreidemengen zu Futterzwecken freizugeben. Nr. 267, 2. Blatt : a 153 Samstag, 13. November 1915. Amtliches Kreisblatt. Der Weg nach dem Orient. Der bulgarische Finanzminister Dr. Tontscheff, der sich augenblicklich finanzieller Verhandlungen wegen in Berlin aufhält, hofft mit dem seit Kriegsbeginn nicht mehr verkehrenden Orientexpreßzug oder doch mit dem ersten direkten Schnellzug Berlin—Sofia in die Hauptstadt seines Landes demnächst zurückkehren zu können. Damit wird die ungeheure Verkehrsbedeutung des Falles von Nisch klar zum Ausdruck gebracht. Es ist anzunehmen, daß nach völliger Wiederherstellung der Savebrücke bei Semlin und Beseitigung verhältnismäßig geringfügiger, militärischer Hindernisse der Orientexpreßzug, der einst das Wahrzeichen europäischer Verkehrskultur war, als Pionier einer neuen Verbindung, einer neuen Zeit, von Berlin nach Konstantinopel brausen wird. Damit wird dann die durch die Freilegung der Donau angebahnte Erschließung der bulgarischen und türkischen Wirtschaft vollendet, und umgekehrt werden Bulgarien und die Türkei von den Zentralmächten Kriegsmaterial und Qualitätswaren erhalten können. Der Handel hat sich sofort den neuen Weg zunutze gemacht. Schon hat die Donaubergfahrt der Getreideschlepper begonnen und die rumänische Zentralgetreide=Kommission hat sich durch Erleichterung der lange Zeit mehr oder weniger behinderten Getreideausfuhr der veränderten Lage angepaßt. Abgesehen von der Möglichkeit, bukgarische oder türkische Produkte den Mittelmächten nutzbar zu machen, stehen diesen Mächten nunmehr auch die Reste der serbischen Wirtschaft zur Verfügung. Wir wissen, mit welchem Fleiß und welcher Geschicklichkeit auch das Kleinste von unserer Heeresverwaltung genutzt wird. Bulgarien kann uns große Mengen Mais liefern, denn seine Maisernte ist sehr umfangreich, ferner dürften die ersten bulgarischen Eiersendungen nun nicht mehr lange auf sich warten lassen. Das Ei kostet augenblicklich in Bulgarien nicht mehr als 4 Pfg. und kann in Deutschland mit höchstens 12 Pfg. auf den Markt gebracht werden. Es ist zu wünschen, daß die Reichsregierung schleunigst Vorkehrungen trifft, die eine Preistreiberei verhindern. Weiter werden wir Gemüse, Käse und das für uns so wichtige Fett in nennenswerten Quantitäten aus Bulgarien beziehen können. Ist der Weg nach Konstantinopel erst völlig frei, d. h. geht außer der Donaustraße auch die Bahn, so kommen auch umfangreichere Sendungen aus der Türkei, speziell aus der kleinasiatischen Türkei. Vor allen Dingen Getreide, Kupfererze, Kleinvieh. Die serbischen Kupferlager, die sehr reichhaltig sein sollen, sind erst teilweise erschlossen. Unter diesen Umständen sind die deutsch=östlichen Vereinigunhen, die sich vor dem Kriege oder während des Krieges gebildet haben, eifrig an der Arbeit, System in den Handelsverkehr zu bringen. Sie genießen dabei das Entgegenkommen der Regierungen. Die deutsche Reichseinkaufsstelle hat eines ihrer Mitglieder nach Sofia geschickt, um von dort aus die Handelsfragen zu regeln. Natürlich wird man die Sache gleich so anfassen, daß die Einrichtungen nicht nur für Kriegszwecke Bedeutung haben. Man denkt auch schon lebhaft an eine Förderung der Wirtschaftsbeziehungen nach dem Kriege, die jetzt natürlich wesentlich erleichtert ist. Der direkte Augenblickswert ist in der Herstellung eines geschlossenen Wirtschaftsgebietes zu sehen, das allen Handelsbedrückungen von außen standhalten kann, solange der Krieg auch dauern mag. Die Eisenbahn. Von allen Liedern, die ich schrieb Vom großen Völkerringen, Will heute ich dem Bahnbetrieb Ein helles Loblied singen. Das ist die deutsche Eisenbahn, Die sich gewaltig mühte, Sie hat ihr redlich Teil daran, Wo ein Erfolg uns blühte. Sie stellte zu der großen Tat Bereit Millionen Räder, Und in dem Riesenapparat Versagte keine Feder. Wie viele Müh' sie auch gehabt, Es hat doch jeden Falles Gut funktioniert und stets geklappt, Nicht mehr wie eben alles. Sie wußte sich dem deutschen Heer Großzügig anzufügen, Fuhr rechts und links und kreuz und quer In ungezählten Zügen; Sie half uns anno 70 schon Den Vorsprung zu gewinnen, Und mit des Uhrwerks Präzision Fährt Zug um Zug von hinnen. Die Eisenbahn schafft alles fort, Um den Bedarf zu decken, Zu schwierig ist ihr kein Transport, Zu weit sind keine Strecken. Seit Mackensen das Balkantor Gesprengt mit wucht'gen Hieben, Dringt auch die Bahn gleich weiter vor, Gilts Truppen zu verschieben. Es fährt per Bahn von Land zu Land, Wer auch dazu die Macht hat, Bald fahren wir, wie interessant, Von Aachen bis nach Bagdad. Die Gegner ahnen schon den Plan, Sie scheinen zu begreifen: Die Deutschen kommen jetzt per Bahn Und werden England kneifen. Schnell sind die Truppen auf dem Plan, Wohin sie immer reisten, Es kann sich uns're Eisenbahn Kein Vierverband mehr leisten. Amerika hat viel getan, Doch hilfts ihm auch nicht weiter, Es liefert weder Eisenbahn, Noch deutschen Geist. Ernst Heiter. Im Cotengorten von Scdan. Deutsche Kriegsbriefe von der Westfront von Emil Simson, Kriegsberichterstatter. Sedan, im November 1915. :: Von Donchery kam ich auf breiter Landstraße, dem zickzackigen Maasufer folgend, nach Sedan hinein. Das historische Schloß Bellevue zeigt deutliche Spuren des Kampfes. Das Schloß ist auf Anordnung unseres Kaisers nicht mehr zum Besuche geöffnet. Soweit Schaden entstanden ist, wird alles auf Befehl des Kaisers in ursprünglicher Gestalt wieder hergestellt. Nicht weit von der Eingangspforte, durch die Napoleon und König Wilhelm traten, nachdem Wimpffen die Kapitulation von Sedan unterzeichnet hatte, stehen auf grünem Wiesenrain ein vaar karge Holznreuge— stumme: Zeugen heidenmunge Tuns. Hier ruhen in kühler Erde ein Ne gimentsadjutant und zwei seiner Leute. Sie fielen an historischer Stätte in dem neue: Kampfe ium Deutschlands Größe. Die Chaussee nach Sedan dehnt sich in weiter Bogen; da, wo die Eisenbahn an sie her antritt, ist auch bald der Mittelpunkt de Ortes erreicht. Im Offizierkasino empfin mich der Etappenkommandant, Oberstleut nant H., auf das freundlichste. Sedan, zu Füßen stark bewaldeter Ar dennenhöhen, mit seinem reichen gewerb lichen Treiben(Wollspinnereien, Tuchfabri ken usw.) mutet jetzt fast wie eine urden! sche Garnisonstadt an. Es wimmelt über all von Soldaten, zu Fuß und zu Pferd. Krümperwagen, Lastautomobile, Krankenwa gen und was es dergleichen mehr gibt, durch laufen die Stadt; auf den Resten der weitgestreckten Zitadelle plaudern brave deut sche Krieger. Zwischen der französischen Bevölkerung und dem deutschen Militär herrscht— das sieht man auf den ersten Blick— ein vorzügliches Einvernehmen. Der deutsche Ordnungssinn hat offenbar auch hier sehr schnell bahnbrechend gewirkt. Da sich bereits die Nacht niedersenkte, wies mir Oberstleutnant X. im Hotel„Croix d'or“ ein schönes Zimmer mit einem Bette von einer selbst für französische Bettstellen fast unheimlich zu nennenden Dimension an. In dieser Paradebettstelle hätten bequem drei Kriegsberichterstatter und im Notfal auch noch einer der vielen Köter des liner Kollegen Sch. Platz gehabt... In einem schönen Zweispänner— De Gäule wahre Prachtexemplare aus Nassau — fuhr der Kommandant am anderen Morgen mit mir zum Ehrenfriedhof von Sedan hinauf, wo in aller Stille, gefördert durch zahlreiche freiwillige Spenden vieler Regimenter, auf seine Anregung hin ein Ehrenmal zur Erinnerung an deutsche Heldensöhne entstanden ist. In wenigen Wochen wird dieses edle Werk kameradschaftlicher Liebe seine Weihe erhalten und dem Schutze der französischen Gemeindebehörden übergeben werden. Etwa 650 Helden birgt der Tokengarten von Sedan bereits. 487 sind einzeln beigesetzt, die übrigen— im Anfang des Krieges— in einem Massengrabe. Die Pläne stammen- von einem Offizierstellvertreter, der auch, Joweit er an der Front abkömmlich war, den Bau geleitet hat. Die Anlage präsentiert sich dem Beschauer als ein Muster würdiger, geschmackvoller Architekten= und Gartenkunst. Leute, die Genesungsheimen überwiesen waren, stellten sich, freiwillig und freudig zur Verfügung, um den gefallenen deutschen Kameraden diesen Ehrengarten zu schaffen. Mit Ausnahme der in dem Massengrab beigesetzten 150 Kameraden ziert jedes Einzelgrab ein kleines, schwarzes Holzkreuz, das Rang und Namen des Kriegers trägt. An einigen Gräbern sieht man bereits Gedenktafeln aus Stein, die später das Grab jedes Helden an dieser Stelle ehren sollen. Den gesamten Grund und Boden will die Militärverwaltung später käuflich erwerben, wenn die Friedensgöttin an die Stelle von Mars getreten ist. Reicher, herrlicher Blumenschmuck, Efen, Astern und Lorbeer ranken sich um jedes Grab; eine stille, keusche Schönheit verklärt Kreuz und Grab, Blumen und Schrift. Den Abschluß dieses Ehrenfriedhofes bildet ein Monument aus Beton, das von acht Säulen getragen wird und geschmackvolle Verzierungen aufweist. Man steigt zu dem in der Form von Ruhmeshallen gehaltenen Denkmal auf einigen Stufen empor und kann von der Terrasse aus den Blick auf alle Gräber schweifen lassen. Außer den Regimentern haben auch andere Spenden dazu verholfen, ohne Inanspruchnahme öffentlicher Gelder diese Ehrenstätte zu schaffen. Das verleiht dem Totengarten von Sedan besondere Weihe und Wert. Ein kurzes Stück auf dem Friedhof weiter bergan liest man auf quadratisch zugespitzter Säule die in Stein gemeißelten Worte:„Honneur et patrie“— man steht vor den Heldengräbern der 1870 gefallenen Franzosen(dahinter die deutschen Heldengräber von 1870/71), rechts und links frische Gräber aus den Augustkämpfen von 1914. Die Etappenkommandantur hat die Gräber von 1870/71 durch prächtigen Blumenschmuck aufgefrischt. Wundervoll ist der Blick von dieser Stätte des Schweigens über das liebliche Maastal hinweg auf die jenseits liegenden Höhen von Floing, Frenois, Badlingcourt (Wadelincourt), Noyers und La Marphe, das diesmal schneller Hand von uns besetzt wurde. Wie von hoher, landbeherrschender Warte schaut man auf die Stadt Sedan hinab, zu der parkartige Wege hinabführen, auf die das schwere Laub romantischen Zauber wirft. Die Hauptsehenswürdigkeiten treten, gleichsam den Nebelvorhang, welcher über dem industriereichen Maastale brodelt, lüftend, klar hervor: Die Bronzestatue Marschall Turennes, eines Sohnes der Stadt, der hier 1611 geboren wurde, das Kriegerdenkmal(für 1870), eine geschmackvolle Schöpfung Croisys, im Süden der einst wichtigen Grenzfeste. Das Denkmal steht auf dem Platz, der den Namen Place d'AlsaceLorraine führt... Schweigend stand ich lange neben meinem liebenswürdigen Führer oben; fast schweigend fuhren wir vom Totengarten in die Stadt der Lebenden zurück. Niemals werde ich die Stätte vergessen, auf der so viele Hunderte deutscher Heldensöhne ihr Blut der deutschen Sache opferten. Ihnen zu Ehren hat man dem Stein, der von ihrem Heldenmut künden soll, die schönen Worte eingemeißelt: Kämpfend für Kaiser und Reich Nahm Gott uns die irdische Sonne. Jetzt vom Irdischen frei, Strahlt uns sein himmlisches Licht. Heilig die Stätte, die Ihr Durch blutige Opfer geweiht. Dreimal heilig für uns Durch das Opfer des Dankes. Büchertisch. Alle unter dieser Rubrie besprochenen Bücher sind in der Carl Braus'schen Buchhandlung zu haben. Dichter im deutschen Schulhause. Von Richard Wenz. Verlag von Franz Moeser Nachf. in Leipzig. 400 Seiten. Brosch. 4 Mk., geb. 5 Mk. Der Herausgeber zahlreicher verbreiteter Anthologien und rheinische Erzähler Richard Wenz vermittelt durch dieses neue volkstümliche Literaturbuch zum ersten Male eine umfassende und gründliche Bekanntschaft mit den zeitgenössischen Dichtern, die aus der deutschsprachigen Lehrerschaft, aus dem Volksschulhause, hervorgegangen sind. Wetter=Aussichten für mehrere Tage im Voraus. 14. November: Trübe, milde, vielfach Niederschlag15.— Wenig verändert, zeitweilig aufklärend. 16.— Veränderlich, milde. 17.— Meist bedeckt, milde, Niederschläge. Schatten der Teterpautsfestung. Roman von Hermann Gerhardt. 44 Nachdem Mischa die Tür des Zimmers hinter sich geschlossen, eilte er mit raschen Schritten den Korridor entlang, sein Tempo nur mäßigend, als er an dem Raum vorüberkam, aus welchem der Duft des Weihrauchs und das dumpfe Gemurmel der Sterbegebete drang. Indem er die Halle durchschritt, begegnete ihm Litschkoff, der ihn anhielt:„Mein lieber Mischa, Du gehst doch nicht etwa aus? Hast Du so Dringendes vor, daß Du es nicht aufschieben kamnst?“ „Ja, es ist etwas sehr Dringendes, ich habe keinen Augenblick Zeit, versetzte Mischa und eilte weiter. Der Portier öffnete ihm die Haustür und Litschkoff folgte ihm bis zur Schwelle. Als er dem Davonfahrenden nachblickte, hörte er noch, wie jener dem Kutscher zurief:„Nach der Festung!" Ein sonderbares Lächeln spielte um die Lippen des Sekretärs. „So, so— nach der Festung!“ murmelte er vor sich hin.„Also Du willst den rettenden Engel spielen, mein Junge! Tu Du das. Unter den obwaltenden Umständen ist dies noch die beste Lösung.“ Mit ganz anderen Gefühlen als am Abend vorher betrat Mischa diesmal die Festung. Als er das kaiserliche Handschreiben dem Kommandanten übergeben und diesem berichtet hatte, auf welche Weise er dasselbe erlangt hatte, bekam er ein lobendes:„Bravo, mein Sohn!“ zu hören. Wenige Minuten darauf traten sie beide in Rittbergs Zelle ein. Sie fanden ihn auf= und abwandernd, mit dem Aussehen eines ganz normalen, vernünftigen Menschen; er hatte, so gut es gehen wollte, Toilette gemacht und erschien ruhig und gesaßt, obschon recht bleich und abgefallen. Mischa flog aufihn zu und packte ihn am Arm. „Kommen Sie, Herr Riktberg!“ rief er,„Sie können gleich mitkommen. Sie sind frei!“ „Nicht so rasch, mein junger Freund,“ wandte der Kommandant ein;„erst muß ich die kaiserliche Entlassungsurkunde vorlesen. Er setzte sich den Klemmer auf die Nase und las:„Hierdurch bestimmen wir, daß Werner Rittberg auf freien Fuß gesetzt werde, mit dem Befehl, das russische Reich binnen vierundzwanzig Stunden nach seiner Befreiung zu verlassen. Alexander II Darauf richtete der Kommandant einen ernsten Blick auf den Gefangenen „Empfangen Sie meinen Glückwunsch, Monsieur,“ sagte er herzlich.„Es wird mir eine besondere Freude sein, Sie bis an das Tor zu geleiten.“ Doch Rittberg rührte sich nicht. „Erst=muß ich wissen, wo meine Schwester sich befindet, ehe ich von hier fortgehe,“ erklärte er bestimmt. „Ich bin darüber nicht unterrichtet, Monsteur,“ versetzte der Kommandant; aber ich kann Ihnen die Versicherung geben, daß Ihr Fräulein Schwester sich nicht in diesen Mauern aufhält.“ „Wo ist der Offizier, der uns verhaftete?" fragte Rittberg.„Ich möchte ihn, wenn irgend angängig, sofort sprechen. „Hauptmann Zilchert von der Gendarmerie hatte Befehl erhalten, Monsieur zu arretieren; was das Fräulein Schwester anbelangt, so weiß ich von nichts. Indessen, Sie können ja mit dem Herrn selber sprechen und ihn fragen. Bitte, sich hier herum zu bemühen. Damit geleitete er sie nach einem anderen Teil des Gebäudekomplexes und ließ sie dort in ein hübsch eingerichtetes Zimmer treten, wo er sie allein ließ, um nach kurzer Zeit in Begleitung des Erwähnten zurückzukehren. Beide Herren schienen sehr verlegen, und ihre Blicke wanderten unruhig zu Mischa hinüber. „Bitte, Herrn Rittberg die von ihm gewünschte Auskunft zu geben!" wandte sich der Kommandant an den Hauptmann. Dieser trat unschlüssig von einem Fuß auf den andern, und wieder flog ein Blick zu Mischa hinüber.„Icherhielt Befehl, Monsieur zu arretieren, begann er. „Das weiß ich," unterbrach ihn Rittberg ungeduldig.„Wo ist Fräulein Rittberg hingekommen? Um das handelt es sich!“ „Meiner Privat=Instruktion zufolge brachte ich sie nach einem, von Sr. Exzellenz, dem verstorbenen Präfekten bezeichneten Arresthause,“ stotterte der in die Enge Getriebene. „Einem Arresthause?" wiederholte Rittberg langsam. „Ja, Monsieur.“ Werner war leichenblaß geworden. Er ballte die Fäuste und unterdrückte nur mit Mühe einen Fluch, der sich ihm auf die Lippen drängte; aber er besann sich auf Mischas Gegenwart. Des Letzteren Blicke flogen aufgeregt von einei zum anderen. Er hatte offenbar begriffen; denn brennende Schamröte stieg ihm in die Wangen, und er wandte sich rasch ab, dem Fenster zu, so daß er dem Zimmer und seinen Insassen den Rücken zukehrte. „Hauptmann Zilchert wird Sie sofort dahinbegleiten, wo Ihr Fräulein Schwester— untergebracht ist,“ sagte der Kommandant.„Ich werde ihm ein paar Zeilen mitgeben, denen zufolge Ihrer Widervereinigung nichts mehr im Wege stehen soll. Ichstelle Ihnen auch meinen Reiseschlitten zur Verfügung. Ohne in der Erregung recht zu wissen, was er sagte, bedankte sich Rittberg beim Kommandanten für dessen liebenswürdiges Entgegenkommen. Darauf zogen sich die beiden Beamten zurück. Mit Mischa allein geblieben, trat Rittberg an den Knaben heran, der in seinem Schmerg und setner Beschämung abseits stand, und umarmte ihn herzlich. So verharrten sie, schweigend aneinander gelehnt, bis der Kommandant wiederkehrte und sagte, daß der Schlitten vorgefahren sei. Unterwegs wurde kein Wort gesprochen. Der Hauptmann saß zurückgelehnt mit verschränkten Armen, und auch die beiden andern waren vollauf mit ihren Gedanken beschäftigt. Endlich hielten sie vor dem einsamen Hause. Es währte geraume Zeit, bevor sie Einlaß erlangten; denn Dmitri, der Hüter desselben, ließ sich nur schwer überzeugen, daß er sich der neuen Lage der Dinge zu fügen und seine Gefangene freizugeben habe. Die Kunde vom gewaltsamen Tode des Präfekten war noch nicht bis in diese entlegenen Regionen gedrungen.— Und dann schlug die Stunde der Befreiung auch für Margarete! Wir verzichten auf die Schilderung ihrer Gefühle, als sie, nach Stunden furchtbarster Erregung und Seelenkämpfe in eine dumpfe Apathie versunken, plötzlich ihren Bruder und Mischa vor sich sah und erfuhr, was sich inzwischen zugetragen und ihrem Schicksal eine so jähe Wendung gab! Nachdem die erste Wiedersehensfreude zwischen den Geschwistern lebhaften Ausdruck gefunden, wandte sich Margarete zu Mischa und umarmte auch ihn voll Herzlichkeit und Wärme. „So ist's recht; bedanke Dich in erster Linie bei ihm,“ sagte Werner; denn ohne ihn stünde ich jetzt nicht hier und wäre nicht aus der Festung enttassen!“ Und er erzählte ihr kurz den Sachverhalt. Nun trat Zilchert, der bisher hinter der Tür gewartet, mit den Worten ein:„Fräulein Rittberg, es wird Zeit. Und Rittberg führte die Schwester am Arm die finstere Treppe hinunter. Von den beiden unheimlichen Bewohnern des Hauses war keine Spur zu erblicken, als die vier in den Schlitten stiegen und dononhhren Druck u. Verlag von Carl Braus, beide in Schwerte. Verantwortlich für die Redaltion Friedr. Kraas, 4 Bekanntmachung. Zufolge Bundesratsverordnung von 22. Oktober d. Is. findet am 16. November d. Is. eine Erhebung der Vorräte vou Brotgetreide, Hafer und Mehl statt. 1. Durch die Aufnahme sollen festgestellt werden: a) Die Brotgetreide= und Hafervortäte in sämtlichen Landwirtschaftlichen Betrieben. b) Die Mehlvorräte bei den Unternehmern landwirtschaftlicher Betriebe, die nach§ 6 der Verordnung über den Verkehr mit Brotgetreide und Mehl aus dem Erntejahr 1915 vom 28 Juni 1915 (Reichsgesetzblatt S. 363) das Recht als Selbstversorger in Anspruch genommen haben. Als Selbstversorger gelten, vorbehaltlich einer anderen Bestimmung nach§ 49 d a. a. O., der Unternehmer des landwirtschaftlichen Betriebes die Angehörigen seiner Wirtschaft einschl. des Gesindes sowie ferner Naturalberechtigte, insbesondere Altenteiler und Arbeiter, soweit sie kraft ihrer Berechtigung oder als Lohn Brotgetreide oder Mehl zu beanspruchen haben. c) Die Brotgetreide=, Hafer und Mehlvorräte, die sich in Gewahrsam von Kommunalverbänden oder für einen Kommunalverband als Empfänger am Erhebungstage auf dem Transporte befinden oder von Kommunalverbändeu bereits an Bäcker Konditoren und Händler sowie an Tierhalter abgegeben aber am 16. November 1915 noch handen sind. 2. Zur Aufnahme der Vorräte und wahrheitsgemäßen Anzeige der vorhandenen Vorräte sind die Betriebsinhaber oder deren Vertreter verpflichtet. Die Art und Weise, in der der Anzeigepflicht gegügt werden soll, wird von dem Amtmann bezw. dem Bürgermeister in Schwerte noch bestimmt werden. 3. Die Aufnahme soll die Vorräte der nachstehend aufgeführten Getreide= und Mehlarten erfassen, die sich in der Nacht vom 15. zum 16. November 1915 im Gewahrsam der zur Angabe Verpflichteten befünden haben: a) Roggen, Weizen, Svelz(Dinkel, Fesen) sowie Emei und Einkorn allein oder mit anderem Getreide außer Hafer gemischt; b) Hafer sowie Mengkorn und Mischfrucht, worin sich Hafer befindet; c) Roggen= und Weizenmehl(auch Dunst) allein oder mit anderem Mehl gemischt, einschließlich des zur menschlichen Ernährung dienenden Schrotes und Schrotmehls. Vorräte, die in fremden Sveichern, Getreideböden, Schrannen, Schiffsräumen und dergleichen lagern oder von Selbstversorgern oder Kommunal=Verbänden an Trocknungsanstalten oder Mühlen zum Trocknen oder Vermahlen überwiesen worden sind, sind vom Verfü gungsberechtigten anzugeben, auch dann, wenn er die Vorräte nicht unter eigenem Verschlusse hat. 4. Die Anzeigepflicht erstreckt sich nicht: a) auf Vorräte, die im Eigentume des Reichs, eines Bundesstaates oder Elsaß=Lothringens, insbesondere im Eigentume eines Militärfiskus oder der Marine verwaltung stehen; b) auf Vorräte, die im Elgentume der Reichsgetreide stelle G. m. b. H. oder der Zentral=Einkaufsgesellschaft m. b. H. stehen; c) auf Hinterkorn und Hinterkornschrot, das von einem Kommunalverbande, sowie auf zur menschlichen Ernährung ungeeignetes Brotgetreide und Mehl, das von der Reichsgetreidestelle zum Verfüttern freigegeben worden ist; d) auf Brotgetreideschrot, das von der Reichsgetreidestelle zum Verfüttern freigegeben worden ist. 5. Alle Vorräte, gleichviel in welcher Menge, sind anzugeben, und zwar nur in Zentnern und überschießende Mengen in Pfunden(also z. B. 4 Zentner 12 Pfund); jede andere Gewichtsangave ist verboten Ungedroschenes Getreide ist nach dem Körnerertrage gewissenhaft zu schätzen und mit gedroschenem Getreide gleicher Art zusammenzufassen. 6. Die Erhebung der Vorräte erfolgt gemeindeweise. Die Ausführung der Erhebuag liegt den Gemeinde. behörden ob. 7. Da bei dieser Erhebung außer den Kommunalver= bänden nur die landwirtschaftlichen Betriebe in Betracht kommen, ist die Verwendung von Einzelanzeigen für jeden Anzeigepflichtigen nicht vorgesehen, 8. Die zuständige Behörde oder die von ihr beaustragten Beamten sind befugt, zur Ermittelung richtiger Angaben Vorrats= und Betriebsräume oder sonstige Aufbewahrungsorte, wo Vorräte von Brotgetreide, Hafer oder Mehl zu vermuten sind, zu untersuchen und die Bücher des zur Anzeige Verpflichteten zu prüfen. 9. Wer vorsätzlich die Anzeige, zu der er verpflichtet ist, nicht in der gesetzten Frist erstattet oder wissentlich, unrichtige oder unvollständige Angaben macht, wird mit Gefängnis bis zu sechs Monaten oder mit Geldstrafe bis zu zehntausend Mark bestraft; auch können die Vorräte, die verschwiegen sind, im Urteil als dem Staate verfallen erklärt werden. Wer fahrlässig die Anzeige, zu der er verpflichtet ist, nicht in der gesetzten Frist erstattet oder unrichtige oder unvollständige Angaben macht, wird mit Geldstrafe bis zu dreitausend Mark oder im Unvermögensfalle mit Gefängnis bis zu sechs Monaten bestraft. Ausführungsanweisung Hörde, den 8. November 1915. Der Landrat I. V. Dr. Burchard, Regierungs=Assessor. Vorstehende Bekantmachung bringen wir hierdurch mit dem Bemerken zur Kenntnis, daß die Aufnahme der Vorräte durch Zähler erfolgt. Wir ersuchen die in Betracht kommenden Betriebsinhaber oder deren Vertreter, genaue Angaben zu machen und weisen noch besonders auf die Strafbestimmungen hin. Schwerte, den 12. November 1915. Der Magistrak. Rohrmann. Vekanntnachung. Auf Grund der Verordnung des Bundesrats über die Regelung der Butterpreise vom 22 Oktober 1915(R. G. Bl. S. 689) wird für den Stadtbezirk Schwerte nach Anhörung der Preisxrüfungsstelle folgendes bestimmt: S 1. Für den Kleinhandel mit Butter werden bis auf weiteres. als Höchstpreis festgesetzt: Für Handelsware 1: 2.55 Mk. für das Pfund. 11: 2.45 " III: 2.30 absallende Ware: 1.95 S 2. Diese Verordnung tritt sofort in Kraft. Schwerte, den 12. November 1915. 5260 Der Magistrat: Rohrmann. Beranntmachung. Mit Rücksicht auf den Buß= und Bettag findet in nächster Woche der Markt am Dienstag, den 16. d. Mis, siatt. Auf Grund der Genehmigung des Herrn RegierungsPräsidenten wird an diesem Tage der Verkauf von Fleisch und Fleischwaren im Stadtbezirke Schwerte ausnahmsweise zugelassen Bekannkmachung zur Regelung der Milchpreise und des Milchverbrauchs vom 4. November 1915 (R.=G=Bl. S. 723). Gemäß§ 7 der Bekanntmachung vom 4. Nov. 1915 zur Regelung der Milchpreise und des Milchverbrauchs (R.=G.=Bl. S. 723) wird zu deren Ausführung hiermit folgendes bestimmt: I. Allgemein. Kommunalverbände im Sinne der Verordnung sind die Landkreise. Die Gemeindeverfassungsgesetze und die Kreisordnungen bestimmen, wer als Gemeinde und als Vorstand der Gemeinde oder des Kommunalverbandes anzusehen ist; die Gutsbezirke werden den Gemeinden gleichgestellt. Festsetzungen oder Anordnungen gemäß 8§ 1 bis 3 der Verordnung können durch den Vorstand der Gemeinde oder des Kommunalverbandes erlassen werden. II. Im einzelnen. Zu§ 1. Die Höchstpreisfestsetzungen bedürfen der Zustimmung des Regierungspräsidenten, im Gebiete des Zweckverbandes Groß Berlin des Oberpräsidenten. Bei der Festsetzung der Höchstpreise können die Gemeinden bestimmen, was als Kleinhandel im Sinne dieser Preisfestsetzungen anzusehen ist. Zu§ 2. Bis zu welchem Lebensalter Kinder vorzugsweise berücksichtigt werden müssen, bestimmen die gemäß § 4 vom Reichskanzler gegebenen Vorschriften. Zu§ 6. In wirtschaftlich zusammenhängenden Kommunalverbänden, Gemeinden und Gutsbezirken wird sich eine einheitliche Regelung der Milchpreise empfehlen, um Stockungen in der Versorgung zu vermeiden. Die Kommunalaussichtsbehörden wollen hiemnach auch ihrerseits prüfen, wo Vereinigungen nach Abs. 1 zweckmäßig erscheinen und die erforderlichen Verhandlungen einleiten. Der Festsetzung verschiedener Preise innerhalb eines Vereinigungsgebietes oder Kommunalverbandes mit Rücksicht auf die Zufuhrkosten stehen keine Bedenken entgegen; z. B. wird in ländlichen Bezirken der Preis in solchen Städten, welche auf die Zufuhr vom Lande angewiesen sind, höher bemessen werden müssen, als für die Abgabe vom Erzeugungsorte. Andererseits ist dafür Sorge zu tragen, daß nicht den auf den Ankauf von Milch angewiesenen Teilen der Landbevölkerung diese Möglichkeit durch unrichtige Preisfestsetzung erschwert wird. Der Zweck der Verordnung ist, an allen Orten die Milchversorgung derjenigen Bevölkerungsteile zu sichern, die ihrer am meisten bedürfen, und vor allem den Nachwuchs des deutschen Volkes gesund und kräftig zu erhalten. Die Vorstände der Gemeinden und Kommunalverbände haben daher nicht nur auf die Preise, sondern auch auf die sachgemäße Durchführung der Verbrauchsregelung ihr besonderes Augenmerk zu richten. Besonders wird noch darauf verwiesen, daß unsere, auf Grund des§ 5 der Bekanntmachung über Beschränkung der Milchverwendung vom 2. September 1915 (R.=G.=Bl. S. 545) erlassene Anordnung vom 18. Oktober d. Is. in vollem Umfange aufrecht erhalten bleibt. Zu§ 9. Diese Ausführungsanweisung tritt am 12. November 1915 in Kraft. Berlin, den 9. November 1915. 5246 Der Minister Der Minister für Handel des Innern. und Gewerbe. von Loebell. In Vertretung: Göppert. Der Minister für Landwirtschaft, Domänen und Forsten. Im Austrage: Graf von Keyserlingk. ## Schützet die Feldgrauen durch die seit 25 Jahren bestbewährten Schwerte, den 11. November 1915. 5245 Die Polizei=Verwaltung: Rohrmann. Trauger-Briele asel ae e Ruchdrischaral E. Kraue Grfange)** in größter Auswahl Buchhandlung Carl Braus, Schwerke, Gr. Markistr. 2— 5. Millionen gebrauchen sie gegen Kn Heiserkeit, Verschleimung, Kartarrh, schmerzenden Hals, Keuchhusten, sowie als Vorbeugung gegen Erkältungen, daher hochwillkommen jedem Krieger! 6100 miienebe“ nisse v. Aerzten und Privaten verbürgen den sicheren Erfolg. Appetitanregende feinschmeckende Bonbons. Paket 25 Pfg., Dose 50 Pfg„Kriegspackung 15 Pfg., kein Porto. Zu haben in Apolheken sowie bei: Franz Gessinger und Ernst Klein i. Schwerte Apotheke zur Hohensyburg in Westhofen, Wilhelm Liesenhoff in Ergste. 5050 PIRNOD und FLUGEL, in altbewährter Güte lBACH-PIANOLA-PLANOS d. h. IBACH Pianos mit eingebautem Klavierspielapparat, Pianolas, sow. 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Ges.„Mark“, Hagen, für= Kraft- und Lichtanlagen as konzessioniert bin = Sämtliche in mein Fach einschlagenden #S Arbeiten werden prompt und sauber a ausgeführt. = Hochachtungsvoll = Carl Brühmann, Schwerte Eisenindustriestr. 21. 5212 S2 Slinupuhhmnuhuniunununimmminiifre * Reparaturen Heute morgen 10 Uhr entschlief sanft nach langem, schwerem Leiden mein lieber Mann, unser guter Vater, Schwiegervater, Großvater, Bruder, Schwager und Onkel, der Landwirt Fieinrich Schluter im Alter von 71 jahren. Um stille Teilnahme bitten Die trauernden Hinterbliebenen. Ergste, Mülheim-Ruhr, Dortmund, Salzuflen, Unna, Neiße, Rußland und Sölde, den 12. Nov. 1915. Die Beerdigung findet Montag, den 15. November nachm. 3½ Uhr vom Sterbehause aus statt. 1264 umm ist besonders eine gefürchtete Erkrankung des Kindesalters Zur Lockerung der schwächenden Hustenanfälle hat sich AnntaAover Siker vertrauenswertes und wohlschmeckendes Hausmittel vortrefflich bewährt Preis der Flasche mit 230 gr. 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Tiefbetrübt erhielten wir die traurige Nachricht, dass am 24 August nach treuer Pflichterfüllung mein lieber Sohn, Bruder, Schwager, Onkel und Bräutigam Fauf Tillker Unteroffizier im Infanterie-Regiment 136 Ritter des Eisernen Kreuzes im schönsten Alter von 25 jahren auf dem Felde der Ehre gefallen ist. Die trauernden Hinterbliebenen: Frau Witwe Carl Hilker Luise Wöste als Braut Familie Carl Wöste. Schwerte, Essen. Frankfurt a. M., Kiel, Villigst, den 12. November 1915. 5258 Wotterioste-Herkung Mederne GIStG! „Palsteis Ledemkäntel erstmen *** • □ wasseraients-Nogeinänter Sehdenmanter und Magen Schibere Wolterionter u. Soppen für Fuhrleute und Kutscher. Hosen aus wetterfesten Stoffen. Unsere Auswahl ist bedeutend! Unsere Preise sind bekanntlich die billigsten! A. Lien& Ce. Nikolaistr.s Dortmund Balkenstr. 36-38. beim Bezirkskommando. 4574 *, Trtrauft Am Sonnabend, den 20. November, morgens 10 Uhr, sollen in der Waldung(auf dem Heller) 70 Nr. 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Vorrätig in der Buchhandlung CARL BRAUS SCHWERTE(Ruhr), Crosse Marktstr 3—5.— werden sie Weihnachten nicht in der Heimat seien können. Beim Herannahen des Weihnachtsfestes haben wir alle den Wunsch, unserer im Felde stehenden Helden zu gedenken und ihnen durch Uebersendung von Liebesgaben eine Weihnachtsfreude auch in diesem Jahre zu bereiten. Zu diesem Zwecke soll eine Sammlung im Stadtbezirke stattfinden. Neben Zigatren, Tabak; Pfeifen, Taschenlaternen, Büchern u. s. w. wird Kaffée, Kakao, Tee, Schokolade und Wein, vor allem Rotwein von den Truppen gewünscht:.. wir Giahssuch Die Bürgerschaft bitten wir, Liebesgaben gedachter Art vom 25. d. Mts. ab bereit zu halten. Die Gaben werden durch Fuhrwerk bei den einzelnen Spendern abgeholt..... : Es ist zweckmäßig, die Gaben für jeden einzelnen Mann nur aus zwei Stücken zusammen zu Programmfür den 13. und 14. Rovember. Die geheimnisvolle Zirkusamazone. Hochdramatische Erzählung aus dem Iirkusleben in 5 Kaptteln. Lodernde Leidenschaften. Spannendes Drama in 2 Akten und einem Nachspiel. Spannendes Wild=Westdrama. — Purzel als Radfahrer.— Humoristische Erlebnisse eines Radfahrers. in Mänster. Für den Bereich des VII. Armeekorps ist eine Arbeitsnachweiszentrale für Kriegsbeschädigte in Münner i. Weslf, Landeshaus, eingerichtet worden, die unter Leilung des Herrn Hauptmanns d. L. Stoe ter steht.„„„ Die Zentrale hat die Aufgabe, aule Angevoie und Nachfrage bezüglich Unterbriagung von Kriegsbeschadigten zu sammeln und die Stellenvermittlung in die Wege zu leiten. Es liegt daher im eigensten Interesse aller Firmen, Unternehmer und überhaupt aller Arbeitgeber, sich unmittelbar dieser Zentrale zu bedieten. Es ist dies besinders deshalb empfehlenswert, weil itzt bei auen Ecsatztruppenteilen, bei denen sich Kriegsbeschädigte befinden, Beratungsstellen eingerichtet sind, die ihrerseits Kriegsbeschädigte dieser Jentralstelle zwecks Unterbringung in geeignete Berute namhaft machen werden. Infolgedessen # wird zu erwarten sein, daß bei regem Angebot und reger Nachfrage den Kriegsbeschägigten zur Erreichung einer Anstellung leicht verholfen werden kann und den Arbeitgebein die sehlenden Arbeitskrofte nachgewiesen werden können. Die Adresse lautet: An die Arbeitsnachweiszentrale für Kriegsbeschädigte des VII. Armeehorps Mänster, Landeshaus. Fernsprecher 2200—2203. Ringkampf mit einem Bären. Zunoreste. Bericht von dem Kriegsschauplahz. Hagenerstr. 14 Inhaber: Cail Feit. Sonnlag, 14. d. M. von 4 Uhr nachm. bis 11 Uhr abends: Tünnes mit seiner. Flugmaschine. 5249 Eintritk 10 Pfg. Glas Bier 10 Pfg. Militär Eintritt frei. Vorm. von 11 bis 1 Uhr: Vorst=llung bei freiem Eintrikt. Büirgermeiter jeden Sonntag ündet bei mit kapseln, Tuben, Staniospapier, unbrauchbaren Iinngeschirren, Weißmetall und dergl., ferner von alten Konservenbüchsen zu veranstalten. Der Erlös soll für Zwecke des Vaterländischen Frauen=Vereins (Versorgung unserer tapferen Truppen mit Liebesgaben pp.) verwandt werden. Wir bitten unsere Mitbürger, obengenannte Metalle zu sammeln und vom 10. Dezember d. Is. ab zur Abholung bereit zu halten. Die mit dem Einsammeln der Metalle betrauten Mitbürger werden mit einem polizeilichen Ausweis versehen. Schwerte, den 10. November 1915. Namens des Ausschusses des Zweigvereins vom Roten Kreuz: Rohrmann, Bürgermeister. 5226 Mand, Fchur Prim., Abithr. Otto Steingass, Cön-Ehrenfeld. Umenau 1. Thür. Prosp. frei. Eintritt frei. C. Jungesblut. Der Bundesrat hat am 28. Oktober d. IStücke, Hüsse, Autbrazit Brikerts, Koks liefert billigst E. Homel, Schwerte Wilhelmstrasse. 5144 welche bereits am 1. November in Kraft getreten ist, erlassen. Der§ 6 derselben schreibt vor, daß die Unternehmen, nämlich = billiger.= Buchhandlung CARL BRAUS Schwerte(Ruhr), Grosse Marktstrasse 8—5. u. f. w. einen Abdruck des Worklautes der Verordnung in ihren Verkaufsid Betriebsräumen auszuhängen haben. Es kommen somit für den Betrieb zwei Aushänge in Frage. Diese sind bei mir zum reise von 15 Pfg. zu haben. Strohhäcksel Klechäckse! Torfmelasse Häckselmelasse Kartoffelflocken Maisfuttermehl empfiehlt L. Weinberg. Vogelfutter Rübsaat Kanariensaat Hanfsaat Mohnsaat (Ruhr), Gr. Marktstraße 3—5. Wir empfehlen zu den billigsten Preisen: gerolen Bandorrück Beruls-Kleidung Schuhe Hü Wäsche. Fahrräder, Nähmaschinen Kinder-, Sitz- u. Liege. wngen, Spartuggen. Herren Kleiderstoffe, Buckskins, Leinen, Gebild, Bettwaren Bettzeuge Bettfedern Goldwaren und Schmucksachen. Hosen gte.1„Anzüge. DORTHUND Balkenstrasse 36-38, Nikolalstrasse 5 beim Besirkskommande. A. Tnen sEr Ochf A EE K rrhe Wee 13 Truppen im diesem Jahre Heimat feiern eihnachtsfestes er im Felde ihnen durch Weihnachtsa. Zu diesem tbezirke stattfen, TaschenKakao, Tee, wein von den besgaben geeit zu halten. den einzelnen ür jeden einzusammen zu akete mit der nf Mann" zu von 5 Gaben Ausgabe der pe. Es wird Wohnort des reiche Spenden Truppen im 1915. gvereins vom ster 5228 lung von Blei, entlich Flaschenuchbaren Zinniner von alten Der Erlös soll Frauen=Vereins en mit Liebesobengenannte ezember d. Is. Die mit dem itbürger werden ehen. 1915. eigvereins vom ister. 5226 -BRAUS tstrasse 8—5. der 8 5976 Taschen-Uhren Uhrkehen oldwaren hmucksachen. Aus Stadt und Umgedung. Schwerte, 13. November. **(Höchstpreise für Eier und Käse— Fleischkarten in Sicht.) Wie die„Tägl. Rundschau“ hört, ist die Festsetzung von Höchstpreisen auch für Eier und Käse in Aussicht genommen. Die Beratungen darüber werden aber wohl noch eine Weile dauern. Vorher wird nochmals über die Frage verhandelt werden, ob Fleischkarten einzuführen sind. Noch vor kurzem war man an amtlichen Stellen der Ansicht, daß diese Maßregel einstweilen überflüssig sei. In den letzten Tagen aber haben sich schwere Bedenken gegen eine weitere Verzögerung der Ein' führung von Fleischkarten igeltend gemacht. Diese Auffassung dringt immer stärker vor, daß diese Einrichtung bald getroffen werden muß. (Folgen des Krieges.) Nach den neuesten Nachrichten zur deutschen Zeitungspreisliste ist der Teil, welcher diejenigen Zeitungen enthält, die während des Krieges ihr Erscheinen eingestellt haben, abermals gewachsen. Er umfaßt jetzt nicht weniger als 25 Folioseiten. **(Das Eiserne Kreuz) wurde dem Kanonier Heinrich Schnell, dem Schützen Gustav Bürgerhoff und dem Gefr. Heinr. Becker von hier, Lehrer in Hagen, verliehen.— Die Gefr. Lehrer Joh. Keuler und Karl Gerhards wurden zu Unteroffizieren befördert. **(Grüße von Helgoland) verbunden mit bestem Dank für die pünktliche Zusendung der„Schwerter Zeitung"; dieselbe ist noch keinen Tag ausgeblieben. Ober=San.=Gast Hohmann, Ober=MatrosenArtillerist Bedinghaus. **(Haus= und Grundbesitzer=Verein.) Sonntag nachmittag 5 Uhr findet im Gasthof„Zur Helle“ die Herbst=Versammlung des hiesigen Haus= und Grundbesitzer=Vereins statt. Wegen der Wichtigkeit der Tagesordnung sei auch an dieser Stelle nochmals darauf aufmerksam gemacht. **(Verbot für Ankäufer.) Der stellvertretende kommandierende General des 7. Armeekorps, Freiherr von Gayl, erläßt folgende Bekanntmaihung: Händlern und Wiederverkäufern wird es verboten, in Gemeinden und deren Umkreise von 20 Kilometern während der Tage, an denen Märkte stattfinden, Gagenstände des Wochenmarktverkehrs, die von außerhalb zum Marktorte gebracht werden, früher als drei Stunden nach Beginn der Marktzeit zu kaufen. Auch der Versuch wird verboten. Zuwiderhandlungen werden auf Grund des§ 9b des Gesetzes über den Belagerungszustand vom 4. Juni 1851 mit Gefängnis bis zu einem Jahre bestraft. **(Nasensport.) Auf die morgen nachmittag auf dem„Schützenhofe“ stattfindende sportliche Verarstaltung sei auch an dieser Stelle nochmals empfehlend hingewiesen. Der Besuch ist umsomehr zu empfehlen, als der gesamte Ueberschuß dem Roten Kreuz überwiesen wird. **(Im Silberkranz.) Morgen können die Eheleute Peter Beßlich und Frau, Lina geb. Karthaus, Ostbez#erstraße 63. das schöne Fest der silbernen Hochzeit und zugleich ihr silbernes Wohnungs=Jubiläum feiern. Wir sprechen dem Jubelpaare zu dieser Doppelfeier unsern besten Glückwunsch aus. **(Die Verteilung des Petroleums) ist eine überaus schwierige Sache, da es sehr schwer ist, allen Wünschen der Bürgerschaft gerecht zu werden; doch hofft die Kommission, auch dieser Schwierigkeit Herr zu werden. Bekanntlich erhält unsere Stadt 20 Prozent des üblichen Jahresbedarfs an Petroleum überwiesen zur Verteilung an die Yuanschikai, Kaiser von China? Händler, außerdem pro Monat noch ca. 180 Lite: für Heimarbeiter und für die Landwirtschaft; diese letztere Menge ist auf 170 Verbraucher verteilt worden. Wie sich auf der einen Seite die Händler strafbar machen, die die Abgabe von Petroleum vom gleichzeitigen Kauf anderer Waren abhängig machen, ist auf der anderen Seite das„Hamstern“, von Petroleum seitens der Verbraucher nicht scharf genug zu verurteilen. Es sind bereits Fälle bekannt, wo einzelne Familien durch den Einkauf bei einer ganzen Reihe verschiedener Händler große Mengen von Petroleum zum Nachteil ihrer Mitbürger aufgespeichert haben. Diese brauchen sich garnicht zu wundern, wenn ihre Vorräte demnächst beschlagnahmt werden. **(Preisregelung für Schlachtschweine und Schweinefleisch.) Die preußische Ausführungsanweisung zur Verordnung über die Preisregelung für Schlachtschweine ist den Behörden zugegangen. Sie enthält u. a. die wichtige Bestimmung, daß die Gemeinden fortan verpflichtet sind, Höchstpreise für Fleisch= und Fleischwaren festrusetzen. Auch bei den verschiedenen Preisen für die einzelnen Fleischsorten darf der Preis für keine Sorte die vorgeschriebenen Preisgrenzen überschreiten. Die Preise für zubereitetes Fleisch, gepökeltes und geräuchertes Schweinefleisch, gesalzenen und geräucherten Speck, ausgelassenes Schweinefett und Wurstwaren sind im Verhältnis zur Preisgrenze für frisches Schweinefleisch und rohes Schweinefleisch festzusetzen. **(Schöffengericht.) Unter dem Vorsitze des Herrn Gerichtsassessors Schlechter wurde gestern in folgenden Sachen verhandelt: Der Fabrikarbeiter E. von hier hatte sich der Körperverletzung schuldig gemacht. Mit Rücksicht auf seine Jugend kam er mit 5 Mark Geldstrafe davon.— Aus der Untersuchungshaft vorgeführt, wurde gugen den Knecht Hugo H. wegen Unterschlagung verhandelt. Weil er geständig war, kam er mit 5 Mk. Geldstrafe davon.— Der Schüler Wilhelm M. gt. Kr. von hier hatte der Ehefrau Ernst Heinrich hierselbst eine Brosche im Werte von 6,50 Mk. entwendet. Der jugendliche Dieb wurde zu 1 Tage Gefängnis verurteilt, jedoch zur bedingten Begnadigung empfohlen. ** Westhofen, 13. Nov.(Kirchl. Wahlen.) Die regelmäßigen Ergänzungswahlen für die Repräsentation der hiesigen Kirchengemeinde finden am Sonntag, den 5. Dezember im Anschluß an den Hauptgottesdienst statt. Es scheiden mit Ablauf dieses Jahres aus der Körperschaft aus 5 Vertreter aus der Gemeinde Westhofen, 2 aus Garenfeld und einer aus Holzen. Wahlberechtigt sind nur diejenigen Gemeindeglieder, die sich haben in die Wählerliste eintragen lassen. ** Westhosen, 12. Nov.(Der alte Friedhof) an der Bahnhosstraße, auf welchem seit längerer Zeit keine Beerdigungen mehr stattgefunden haben, ist durch Beschluß der kirchlichen Vertretungen für Beerdigungszwecke geschlossen. Gleichzeitig hat er durch Einebnung verwahrlester Partien.=Einsassung der Nasenflächen mit Bandeisen, Instandsetzung der Wege, Aufstellung einer Ruhebank an dem unteren Hauptwege und Anbringung von Eiumenlästen auf den beiden Mauerpfeilern des Einfahrtores ein würdiges und freundliches Aussehen erhalten. Garenfeld, 13. Nov.(Im Silberkranz.) Am marzigen Sonntag können die Eheleute Landwirt und stellv. Gemeindevorsteher Fr. Eickelberg und Frau, Lina geb. Piepenstock, das schöne Fest der silbernen Hochzeit feiern. Dem SilberBrautpaar auch unserrerseits besten Glückwunsch! * Schüren, 12. Nov.(Unglücksfall oder Mord?) Am Freitag vergangener Woche wurde im Steinbruch Crämer hier eine Frau tot aufgefunden. Die gerichtlich angeordnete Obduktion fand in der Leichenhalle statt, nachdem vorher eine photographische Aufnahme stattgefunden hat. Jetzt ist auf Grund des Bildes die Tote als eine Frau aus Essen erkannt. Der Ehemann der Frau hat die Ueberführung der Leiche nach Essen zur Beerdigung angeordnet. Wie die Frau nach hier gekommen und in den Steinbruch geraten ist, darüber fehlt bis jetzt noch jede Spur. Der Ehemann kann sich das plötzliche Verschwinden seiner Frau nicht erklären. Anglücksfall oder Selbstmord scheint nicht vorzuliegen, angenommen wird vielmehr, daß die Frau von fremder Hand in den Steinbruch geworfen ist. Es handelt sich offenbar um einen Mord. Büchertisch. Alle unter dieser Rubrik besprochenen Bücher sind in der Carl Braus'schen Buchhandlung zu haben. Belgien sonst und jetzt. Ueber 200 Aufnahmen aus dem Lande zwischen Maas und Schelde, nebst einer Einlettung von Tony Kellen. Dritter Sonderband von„Um Vaterland und Freiheit", Verlag von Hermann Montanus, Siegen, Berlin, Leipzig. 1.—30. Tausend, kartoniert 2 Mk., geb. 2,80 Mark. Die Montanus=Bücher haben dank ihrer Reichhaltigkeit an wahrheitsgetreuen Aufnahmen Sonntag Sonntag Wischnath, Hottesbienst. aus dem großen Völkerkrieg und dank ihrer bei billigen Werken bisher kaum gekannten künstlerischen Ausstattung einen so großen Erfolg erzielt, daß Man jedem' weiteren Band der Sammlungg mit Spannung entgegensieht. Der soeben erschienene Belgien=Band bbietet in mehr als einer Hinsicht Ueberraschung. Das Buch ist in ganz besonderem Maße zeitgemäß. Es füllt nicht bloß eine längst emrsundene Lücke im deutschen Büchermarkt aus, intem es das erste reich=illustrierte#zeitgemäße Werk üher Belgien bildet, sondern es ist auch ein Beitrag zur Kriegsgeschichte, indem es sast lückenles den Aufmarsch der deutschen Heère im Westen vorführteines jener großen Ereignisse der Weltgeschille, deren Zeugen wir fraren. Gottesdienste. Evung. ref. Gemeinde. 9½ Uhr: Pastor Terberger. Evang. luth. Gemeinde. 9 Uhr: Beichte. 9½ Uhr: Pastor heil. Abendmahl. 11 Uhr: Kinder5 Uhr: Pastor Nell. Gemeinde Westhofen. Sonntag 10 Uhr: Pastor Klinker. Kath. Pfarrkirche, Schwerte. Sonntag 6¼ Uhr: Stille heil. Messe, Pfarrer Schnurbus. 7½ Uhr: Frühmesse mit Predigt. Monatskommunion der Mütter. 8¾ Uhr: Schulmesse mit Predigt, Kaplan Röseler. 10 Uhr: Hochamt mit Predigt und Segen. Nachmittags 2 Uhr: Christenlehre und Armenseelenandacht. Lichtendorf=Sölderholz. Sonntag 7½ Uhr: Frühmesse mit Predigt. Gemeinschaftl. hl. Monatskommunion der schulpflichtigen Kommunikanten und Kommunikantinnen der ganzen Filialgemeinde. 10 Uhr: Hochamt mit Predigt. Nachmittags 2 Uhr: Andacht für die armen Seelen mit Bittgebet für unsere Krieger und Segen. S Stadttheater Dortmund. Sonntag, 14. November, nachmittags 3½—6 Uhr: Komtesse Guckerl," Lustspiel in 3 Akten von Franz von Schönthan und Franz Koppel=Elfeld.— Abends: 7½—10½ Uhr:„Oberon, der König der Elfen“, große romantische Oper von Karl Maria von Weber. Dienstag, 16. November, abends 7½—10¼ Uhr: „Tiefland“, MMusildrama in einem Vorspiel und 2 Aufzügen von Eugen d'Albert. Mittwoch, 17. November, abends 6½—11 Uhr: „Jaust“ der Tragödie erster Teil von Wolfgang von Goethe. Donnerstag, 18. November: abends 7½—10½ Uhr: „Der Freischütz“, romantische Oper in 4 Aufzügen von Karl Maria von Weber. Freitag, 19. November, abends 7½—11 Uhr:„Die Räuber“, Friedrich von Trauerspiel Schiller. in Aufzügen von Verantwortlich für die Redaktion Friedrich Kraas, Druck u. Verlag non Carl Braus, beide in Schwerte. Unserer heutigen Nummer liegt eine Preisliste der seit 1887 bestehenden Großhandlung Gebr. 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Der Landrat. 5246 I. P.: Dr. Burchard. Regierungs=Affessor Makulaturpapier enzfien Aües werte(Nuhl) 5 mit Brut ver-Poldgaios W. 2. nicht. radikal Goldgei31 75 198 Farb- u.geruchlos. Reinigt d.Kopf haut v. Schupp. u. Schinnen, beförd d. Haurwuchs, verhüt Haaraustalu. Zuzug neuer Parasit Wichtigt Schulkind. Taus. v. Anerkennung Echt nur in Kartons à M. 1.- u. 0.50 Niemalsoffenausgewog InApoth u. Drog. Nachahm.weisom. zurück. Max Mehlhose 6ä. W heifen auch während der #aes Ihren Umsatz seigern. Durch wirksame Inseraten=Beekame erreichen S##e bien Zul Amzere kostenidse Smerstutzung Revi Ibtten zur Verzogung. Paosenstein& Sogler dlelt, deutsche Annonc.-Expedit P Wicupp Wiih* wenn S eer Die— Pe son, welche gestern morgen auf der Steuerkosse einen Schirm enlwendet hat. wird gebeten, denselben abzugeben, andeinfalls Anzeige erstattet wird Näheres in der Geschättsst. 9 61g. 526 Schönes, fauberes, möbliertes Harierte Zimmer ev. Wohn= u. Schlafzimmer preiswert zu vermieten. 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Man hatte nun beobachtet, daß im Anschluß an bakterielle Infektionen Versuchstiere Veränderungen an den Enden(Diaphysen) der Röhrenknochen zeigten, die der Nachitis ähnelten. Dr. Joseph Koch in Berlin hat diese Beobachtungen vervollkommnet und seine Ergebnisse in der Berliner Medizinischen Gesellschaft mitgeteilt. Danach waren es die Rotlaus= oder Erysipel=Streptococcen, deren Ansiedlung an den Knochenenden zu Verdickungen und Veränderungen führten, ganz wie sie das Bild der Rachitis aufweist. Ein endgültiger Schluß freilich läßt sich noch lange nicht aus diesen Experimenten ziehen. Einst und Jetzt. Aus der Geschichte der Visitenkarte. Es gibt Erfindungen, die selbstverständlich erscheinen und doch erst verhältnismäßig spät gemacht werden. Dazu gehört die Visitenkarte, deren Alter höchstens bis ins 17. Jahrhundert zurückreicht. Wie in einer Plauderei mitgeteilt wird, tauchten Visitenkarten zuerst im Zeitalter Ludwigs XIV. auf und waren in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts so ziemlich über ganz Europa verbreitet. Diese ersten Visitenkarten waren nichts anderes als einfache Spielkarten, auf deren Rückseite man seinen Namen schrieb, und die man ins Schlüsselloch steckte, wenn man bei einem Besuch niemanden zu Hause antraf. Sehr verbreitet muß aber diese Einrichtung damals noch nicht gewesen sein; sie kann sich auch nicht der Gunst der vornehmen Kreise erfreut haben; denn weder in den Memoiren der Zeit noch in den Briefen jener Tage wird die Visitenkarte erwähnt. Zur„großen Mode“ wurde sie jedenfalls erst um die Mitte des 18. Jahrhunderts. Bis dahin gehörte es zum guten Ton, sich bei Besuchen durch seinen Lakaien anmelden zu lassen und keine Karte abzugeben. In der Hochblüte des Rotoko aber bemächtigte sich die Kunst des bis dahin noch wenig beachteten Gegenstandes und schuf so entzückende, reichgeschmückte Karten, daß die Sitte nun rasch in Aufnahme kam. Berühmte Meister des Buchschmuckes, wie Cochin, Eisen, Fragonard, Moreau, Gravelot u. a., zauberten köstliche Zeichnungen auf die vergänglichen Blättchen, und es machte einem großen Herrn Vergnügen, seinen Geschmack durch eine zartornamentierte Karte zu bekunden, in deren Mitte er seinen Namen geschrieben hatte. Wer sich keine Originalzeichnung eines Meisters auf seiner Karte leisten konnte, benutzte doch wenigstens ein mit einer Radierung verziertes Blatt. Solche Arbeiten einer, vollendeten Schmuckkunst haben sich erhalten. In der Zeit des französischen Kaiserreichs verlor die Visitenkarte ihre Eleganz und ihre Anmut. Große, strenge Formate erschienen mit mythologischen Emblemen und antikisierenden Motiven. Man zeigte seinen Namen inmitten einer klassischen Landschaft, pompöser Tempel und sentimentaler Ruinen. Die Stimmung der napoleonischen Kriege kommt darin zum Ausdruck, daß die Namen auf eine Trommel oder auf einem Küraß gedruckt sind. Die Visitenkarte verfiel nun dem Schicksal aller Moden, die in die breite Masse dringen; sie erschien als gewöhnlich und banal, wurde ein einfaches Stück Papier. Anstatt wie bisher eine Ecke umzubiegen, riß man eine Ecke ab. Um 1845 trat dann als Neuheit die Karte aus starkem Glanzpapier auf, die wie Porzellan aussah und auch Porzellankarte genannt wurde. Sie machte kurze Zeit großes Aufsehen und wurde dann durch verschiedene andere Versuche abgelöst, der Visitenkarte durch ein besonderes Material einen neuen Reiz zu verleihen, indem man sie aus Holz, Zelluloid usw. Mit dem Aufkommen der Photographie erschienen die Karten, die das Porträtmedaillon ihres Besitzers zeigen; Karten in Buntdruck tauchten auf. Doch allmählich hat man sich zu der Erkenntnis durchgerungen, daß eine Visitenkarte um so würdiger ihre Dienste erfüllt, je weniger auffällig sie ist, Dumor Das Wiedersehen. Frau Schulze macht im Pfarrhaus Besuch.„Ach, was für schöne Knöpfe nähen Sie da an Ihres Mannes Weste!“ meint sie, als sie die Frau Pfarrer an ihrem Nähtisch begrüßt.„Wissen Sie, mein Mann hatte einmal ebensolche Knöpfe.“ Worauf die Frau Pfarrer in freundlicher Erklärung erwidert:„Ja, wir fanden sie immer Sonntags im Klingelbeutel...“ Begreiflich. 1. Student:„Wer ist dein Lieblingsschriftsteller?“ 2. Student:„Mein Vormund, er schreibt mir nämlich meinen Monatswechsel aus!“ Guter Rat. Frau Junghaus:„Sie haben mir geraten, das Tischtuch mit den Obstflecken über Nacht auf den Rasen zu legen. Das habe ich getan.“ Frau Altmann:„Nun, sind die Flecken fort?“ Frau Junghans:„Ja, aber das Tischtuch auch.“ * Angst.„Ach,“ seufzte der alte Herr,„Angst ist ein Begriff, den Sie wohl gar nicht kennen, mein junger Freund?“ „Dh doch,“ versetzte dieser,„ich habe gar manches Ral mit meiner Braut in einem vornehmen Restaurant gesessen und zugesehen, wie sie die Speisekarte studierte, während ich eine einzige Mark in der Tasche hatte.“ Unterhaltungs Beilage zus Nr. 267. Samstag, 13.5November 1915. F. eunkten-(Psarrn. Roman von A. Hottner=Grefe. (7. Fortsetzung.) ieser Duft hatte so oft alle seine Sinne erregt, wenn er neben Frau Otta ausritt zur Jagd. Jedes Kleid, das sie trug, jedes Taschentuch, jeder— nun ja— jeder Handschuh atmete denselben betäubenden, süßen, schweren Geruch aus. Sie hatte ihm einmal erzählt, es sei ein amerikanisches Parfüm, und sie lasse es sich direkt zusenden, da man es in Europa nicht erhalte. Aber das war eben das, was sie reizte! Denn sie wollte in allem und jedem etwas Besonderes haben und sich von anderen Menschen stark unterscheiden. Fritz Axmanns Gesicht war sehr blaß geworden. Dieser Handschuh war ein neuer Beweis, daß Frau Otta wirklich hier gewesen! Gut war nur, daß er ihn gefunden, und kein anderer. Er stieg nun die Stufen hinauf und klopfte derb an eines der Fenster des Speisezimmers. Von da drinnen klang doch das leise Gewinsel. Der alte Josef war jedenfalls da drinnen. Eine Sekunde später tauchte auch wirklich die Gestalt des Dieners im Zimmer auf. Der Förster lugte scharf durch die Scheiben. Ja, um Himmelswillen, was hatte denn der Alte? Er humpelte ja so gebückt daher, wie sonst nie, und kam kaum vom Fleck! Und was trug er denn für ein weißes Bündel auf dem Arm? War das— war das nicht ein Kind, ein Wickelkind? Der Förster wich förmlich zurück, als nun der Diener knapp hinter den Scheiben auftauchte. Er sah das verstörte, verfallene Gesicht, um welches das weiße Haar wirr und unordentlich hing. Und er sah nun auch deutlich das Köpfchen eines winzigen Menschenkindes aus all den Spitzen und dem Bänderwerk der Umhüllung hervorlugen. Wenn Fritz Axmann eine Teufelsfratze gesehen hätte, er wäre nicht entsetzter gewesen. Und es war doch bloß ein kleines, weinendes Kind, welches seine Fäustchen geballt gegen ihn ausgestreckt zu halten schien. Und nun tauchte hinter Josef noch ein Antlitz auf! Eine alte Frau mit rotgeweinten Augen, einen Schmerzenszug um den Mund. Ja, was bedeutete denn dies alles? Wer war die alte Frau, und woher kam das kleine Kind? Eine Viertelstunde später wußte Fritz Armann, was es überhaupt zu wissen gab. Wie ein Engel der Erlösung war er den beiden (Nachdruck verboten.) förmlich geschüttelten alten ratlosen, von Entsetzen Leuten erschienen. Sie hatten in dieser zeinen Nacht zu viel des Furchtbaren erlebt, ihre Gedanken waren ganz verwirrt durch all das Unvorhergesehene und Schreckliche. Was sie nun tun sollten, das war ihnen unklar. Drinnen lag der arme Herr— er war tot. Und dort drüben— die alte Hanna wies aufschluchzend nach der Tür, welche zu dem Fremdenzimmer führte, dort lag die junge Baronin von Werbach im ärgsten Fieber. Ein Arzt mußte her— sofort! Und dann— doch auch jemand vom Gericht! Sie wußten ja gar nicht, wie all das zugegangen war! Es war ja eigentlich gar nicht auszudenken, ein solches Unglück! Sie jammerten noch fort, als Förster Axmann schon im Arbeitszimmer seines früheren Herrn stand. Er warf einen scheuen Blick auf den lang hingestreckten Körper, dann kniete er nieder und betastete das Gesicht, die Hände, die Brust. Nein— da war nichts zu machen! Baron Ludwig von Werbach war gewiß schon seit langen Stunden tot! Helfen konnte da niemand mehr. Aber natürlich mußte eine Gerichtskommission her— so schnell als möglich— ja— und dann ein Arzt! Die Nachricht, daß der Freiherr eine junge Frau besessen hatte, daß dieses winzige Kind sein Kind sein sollte, erschien Fritz Axmann vollkommen unglaublich. Einstweilen begriff und verstand er das gar nicht. Der Freiherr liebte doch die Frau seines Bruders, die Baronin Otta? Freilich— er war da vor mehr als einem Jahr fortgereist und erst vor nicht allzu langer Zeit wiedergekommen. Und diese blutjunge Frau sollte er da drüben geheiratet haben— in Südamerika, auf der Farm ihres Vaters? „Ich begreife und verstehe alles das noch nicht" sagte der Förster, der selbst doch auch erschüttert war, „aber eins ist mir vollkommen klar: Sie, Josef, müssen augenblicklich hineinfahren in die Stadt, die Behörden verständigen und einen Arzt holen. Ich kann es eigentlich nicht einsehen, weshalb Sie dies nicht schon längst getan haben!" Josef zuckte die Achseln. „Herr Förster, ich hab' nicht wegkönnen von hier! Die alte Frau konnte ich doch nicht ganz allein da zurücklassen bei der Fiebernden— hören Sie nur, wie die junge Gnädige schreit! Es ist ja rein zum Fürchten — und bei dem armen, kleinen Wurm, der schon jetzt Zinen Vater mehr hat! Wir zwei alten Leute, wir haben ja ohnehin gar nicht gewußt, wo uns der Kopf steht, wie das Unglück so schnell hereingebrochen ist! Aber eines ist uns beiden doch sofort klar gewesen: die Sorge für die Lebenden geht vor; und zu mir hat der Herr Baron noch gestern gesagt:„Josef“, hat er gesagt,„du mußt die junge Frau hüten wie deinen Augapfel!“— Na, Herr Förster, das hab' ich getan! Was nur möglich war, ist geschehen, und, so Gott will, bringen wir die junge Baronin doch über alles hinweg!" Der Förster antwortete nicht. Mit finster zusammengezogenen Brauen stand er vor dem treuen, alten Diener, welcher sich schon fertig machte, um in den Stall zu gehen und die Pferde an den Wagen zu schirren. Fritz Axmann suchte sich zu sammeln. Schreckhaft zog ihm eine Erinnerung durch den Kopf. Er dachte an die Automobilspuren draußen auf der Landstraße und an den Damenhandschuh, der in seiner eigenen Tasche steckte, und dessen schwerer, süßer Duft sogar durch den dicken Stoff des Rockes sich bemerkbar machte. „Josef,“ fragte der Förster leichthin,„wissen Sie genau, daß hier heute nacht niemand Fremdes war?“ Der alte Mann wiegte nachdenklich den Kopf. Und dann berichtete er, langsam und oft stockend, als müsse er sich erst so recht besinnen auf das, was er vor der erschütternden Entdeckung des Toten gesehen und gehört hatte, seine wenigen, kleinen Beobachtungen. Er sprach von dem seltsamen, geheimnisvollen Automobil, welches dem Wagen mit der jungen Frau gefolgt war. „Das war bestimmt ein Zufall,“ unterbrach ihn der Förster rasch;„und dann: wer hätte ein so besonderes Interesse daran, dem Wagen der jungen Saronin zu folgen?" Josef beugte seinen Kopf tief über den Waschkorb, in dem Hanna dem Kleinen vorläufig ein Bettchen bereitet hatte. Der Diener war nun fertig zum Fortfahren, aber er zögerte noch einen Moment, als hätte er etwas auf dem Herzen. „Na,“= sagte er endlich,„ein Interesse an der jungen Frau hätte schon jemand!" Fritz Axmann sah schnell auf. „Wer?“ Josef sah ihn vertraulich an. „Die gnädige Frau Baronin von Werbach zum Beispiel,“ sagte er leise,„die hätt' schon ein Interesse daran, glaub' ich!“ Der Förster wendete rasch den Kopf. Es sollte es niemand sehen, wie jäh ihm das heiße Blut ins Gesicht schoß. „Hüten Sie Ihre Zunge, Josef!“ sagte er scharf. Dann ging er schnell hinüber nach dem Arbeitszimmer seines Herrn. Josef brummte ein wenig über die sonderbar rauhe Abfertigung; dann ging er. Fritz Axmann hörte, wie der Alte die Pferde und den Wagen durch die Hausdiele auf die Waldstraße hinauszog. Dann vernahm er, wie das Gefährt sich in Bewegung setzte. Ein paar Minuten noch hörte man das Räderrollen herein in die Stille dieses Hauses. Jetzt verklang auch dieses Geräusch. Fritz war allein. Drüben im Schlafzimmer ging Hanna dann und wann hin und her; das leise Stöhnen der Kranken klang bis herüber zu dem Einsamen. Dazwischen das regelmäßige, tiefe Atmen des schlafenden Kindes. Der Förster saß ganz still und regte sich kaum. Von seinem Platz aus konnte er gerade in das starre, schöne Antlitz des toten Barons sehen. Jösef hatte seinem Herrn ein dunkles Kissen unter den Kopf geschoben und über den auf dem Teppich ausgestreckten Körper hatte er eine verhüllende Decke gebreitet. Das Haupt war unbedeckt. Deutlich konnte der Förster mit seinen scharfen Augen das winzige Loch wahrnehmen, welches durch die eindringende Kugel verursacht worden war. Der einsame Mann suchte mit Aufbietung aller Willenskraft seine Gedanken zu sammeln. Was war da eigentlich geschehen? Lag ein Unglücksfall vor? Oder— oder doch ein Verbrechen? Mit schweren Schritten ging Axmann zu dem Toten. Fast scheu untersuchte er die kleine Wunde. Er verstand sich auf die Beurteilung solcher Dinge. Mit einem Seufzer der Erleichterung erhob er sich endlich. Nein! Diesen Schuß hatte keine fremde Hand abgefeuert, er war aus allernächster Nähe gefallen, und es lag kaum ein Zweifel vor, daß der Baron sich selbst getötet hatte, besonders da die steifen Finger auch jetzt noch die Schußwaffe umklammerten. Aber war er in jenem furchtbaren Augenblick allein? Der Förster ging vorsichtig durch das Zimmer. Bei dem eingedrückten Fenster blieb er stehen. Einen Moment spähte er auf den gedeckten Verandengang. Dann schwang er sich gewandt hinaus. Und gleich darauf kniete er bei der Ecke neben dem Fenster. Scharf musterte er den Boden, auf dem viel Staub lag. Dann nahm er den Besen, welcher in der Nähe lehnte, und begann sorgsam und schnell die welken Blätter, welche da und dort zusammengeballt lagen, auseinanderzukehren. Als dies geschehen war, untersuchte er den Fensterrahmen und die zweite noch erhaltene Scheibe. Mit seinem Taschentuch polierte er beides und betrachtete dann jeden Fußbreit der ganzen Umgebung. Schritt für Schritt ging er den Weg zurück über die Freitreppe nach dem Garten. Kein Busch, kein Grasfleckchen blieb unbesehen. Dann erst sprang er wieder hinein in das Zimmer. Die Sonne stand schon höher. Ihr kaltes, weißes Licht flutete in die entferntesten Winkel und tauchte jedes Eckchen in Helligkeit. Förster Axmann prüfte genau den Fußboden. Und wieder kniete er nieder, nachdem er sich vergewissert, daß die alte Hanna noch immer drüben im Schlafzimmer bei der Kranken weilte. Nein! Gottlob! Da war nichts mehr zu sehen. Keine entfernte Spur wies darauf hin, daß hier in diesem Raume außer dem Baron noch jemand vor oder während der Unglückstat geweilt habe. Und dennoch fesselte noch etwas die Aufmerksamkeit des Försters in hohem Grade. Es war dies nur eine Kleinigkeit, eigentlich ein Nichts, das ihn aber sehr beschäftigte. Der breite Vorhang, welcher die Türöffnung zu dem Erker verdeckte, war nämlich vollständig zugeschoben, und zwei der Ringe, an denen das schwere Teppichgewebe hing, waren abgerissen und lagen noch jetzt am Boden. Fritz Axmann hatte alle die mancherlei Eigenheiten des Barons vorzüglich gekannt. Auch dessen beinahe peinliche Ordnungsliebe war ihm nicht unbekannt geblieben. Und weiter die Gewohnheit, daß der Freiherr keinen noch so kleinen Schaden längere Zeit hindurch unrepariert ließ; ja, daß er sogar eine wahre Meisterschaft darin errungen hatte, selbst mit Meißel und Hammer, mit Nadel und Schere oder sonstigem Handwerkszeug kleine Fehler augenblicklich wieder zu verbessern. Da der Baron mit seiner jungen Gemahlin noch am späten Abend in diesem Raume geweilt hatte, meinte Fritz Armann, daß dieser sehr auffällige und häusliche Schaden damals sicher noch nicht bestanden hatte. (Fortsetzung folgt.) 95 s S 8.9 2* * S.*# * 57 Fatg#SSSSSSD-SnSGSEn SSEMSSSESSS-SESE„"..* unemge, EEEE EE GSSDSSSSET SOOGKSOSSLSTRTE SSSSSZHSSESSSESESSEU * S 12 S 2 □ S SSgSESEDDESE— S SSTEESSTULR SUMRE ES. □ Denkspruch. Mit ihrem heil'gen Wetterschlage. Mit Unerbittlichkeit vollbringt Die Not an einem großen Cage, Was kaum Jahrhunderten gelingt! Hölderlin. Das Bild der Mutter. Novellette von Fritz Gantzer. (Nachdruck verboten.) Ich erinnere mich des Tages, an welchem wir drei Brüder uns um einen Besitz beinahe gezankt hätten, noch mit klarer Deutlichkeit, obwohl er nun schon fast ein Viertejahrhundert zurückliegt. Diese damals drohende Uneinigkeit wird erklärlich erscheinen, wenn man bedenkt, daß wir nur dieses einzige Bild von unserer Mutter besaßen. . Sie hatte nie etwas vom Photographieren wissen wollen. Und sooft wir sie gebeten hatten, uns zu Gefallen von sich eine Aufnahme machen zu lassen, war ihre ständige Entgegnung gewesen:„Malt euch mein Bild in euer Herz und haltet's dort fest. Tann kann's nicht verbleichen wie auf dem Papier.“ Das war gewiß schön gedacht und geredet. Aber wir wollten uns damit dennoch nicht zufrieden geben und benutzten jede passende Gelegenheit, um unsere Mutter umzustimmen. Da wir nichts erreichten, nahmen wir unsere Zuflucht zu einer kleinen List. Ich erfuhr, daß ein wandernder Photograph im Dorfe sei, begab mich zu ihm und trug ihm meinen Plan, den ich im Einverständnis mit meinem ältesten Bruder— der jüngste studierte zu der Zeit gerade in Greifswald auf den geistlichen Herrn, und ich verlebte einen längeren Urlaub zu Hause— ausgetüftelt hatte, vor. Der Mann erklärte sich einverstanden und war am nächsten Morgen— es war gerade Sonntag— pünktlich zur Stelle. Es ging alles wunderschön. Unsere Mutter trat in ihrem Sonntagsstaate, geschmückt mit der großen Flügelhaube und dem seidenen Brusttuche, zu ihrem regelmäßigen Kirchgange vor die Tür. Wir wußten es einzurichten, sie für einige Minuten im Vorgarten festzuhalten und sie so zu postieren, daß sie dem im Hofe ziemlich versteckt aufgestellten Apparate des Photographen schön gegenüberzustehen kam. Da bemerkte sie noch im letzten Augenblick den Mann mit seinem Kasten und zeigte ein sehr zorniges, böses Gesicht, kam aber nicht mehr dazu, sich abzuwenden, ehe sie konterfeit war... Sie hat uns diese Vergewaltigung ihrer persönlichen Eigenart lange nicht vergessen können.— Der Photograph entwickelte das Bild im Laufe des Sonntags und klebte es auf. Wir waren stark enttäuscht, als wir es sahen; denn es war herzlich schlecht geworden. In den unteren Partien schwamm alles in einem einzigen großen schwarzen Klecks zusammen, und das liebe, freundliche Gesicht sah gar erschrecklich böse drein, war überhaupt undeutlich wiedergegeben. Wir bezahlten dennoch ohne Murren den für das Probebild und ein halbes Dutzend nachzuliefernder Bilder geforderten Preis. Wir haben aber nie ein weiteres Bild zu sehen bekommen. So hatten wir nur das eine. Obwohl es, wie gesagt, herzlich schlecht war, freuten wir uns doch sehr darüber und betrachteten es als einen Schatz von unendlichem Werte. Der Vater hatte es gleich an jenem Sonntag in Verwahrung genommen. Fürsorglich in Seidenpapier gewickelt, lag es wohlverwahrt in einem verschlossenen Kasten seines birkenen Sekretärs. Früher, als es nach menschlichem Ermessen vorauszusehen gewesen war, viel zu früh für unsere Wünsche und Hoffnungen, nahm uns der Tod kurz hintereinander Vater und Mutter, nachdem es ihnen noch vergönnt gewesen war, den Hof dem Aeltesten zu übergeben und uns beide Jüngeren in Amt und Würden zu sehen. Wir saßen, die letzten Angelegenheiten ordnend, mit feuchten Augen und schwerem Herzen an dem großen buchenen Tisch im Wohnzimmer. Alles wurde in Eintracht erledigt... Wie sich das unter Geschwistern geziemt... „Und nun das Bild unserer Mutter,“ sagte der Aelteste endlich mit zitternder Stimme.„Wer bekommt das?“ Wir sahen uns eine Weile an, ohne zu sprechen, als erwarte einer vom andern, daß er freiwillig darauf verzichten werde. Und doch dachten wir alle dasselbe: Ich werde es mir nicht nehmen lassen. Nach längerem Schweigen kamen die ersten Wünsche, bescheiden und bittend vorgetragen. Bald griff ein gereizter Ton Platz, da keiner zugunsten des andern zurücktreten wollte. Ein häßlicher Zank schien' unvermeidlich. „Aber wenn das unsere Eltern sähen!“ meinte der Pfarrherr schließlich vorwurfsvoll.„Wir wollen doch zu einer Einigung kommen.“ „Ja, freilich,“ pflichtete der Aelteste bei und sah mich nachdenklich an, als erwarte er von mir das Finden eines Auswegs. Ich schlug nach einigem Ueberlegen vor, das Los entscheiden zu lassen. Damit erklärten sich die beiden anderen einverstanden. Mit klopfendem Herzen sahen wir dem Resultat entgegen. Und jeder von uns wünschte: Möchte ich doch der Glückliche sein. Ich wurde es. Noch heute sehe ich den neidvollen Blick meiner Brüder, als ich das Kleinod an mich nahm und in meine Brieftasche steckte. Und mir taten die beiden leid. Ich ließ mir den oberen Teil des Bildes, das Gesicht und ein Stückchen von der Brustpartie, in ein Medaillon fassen und trug es als meinen größten Schatz an der Uhrkette. Ich war ein Stückchen über die Dreißig hinaus und hatte Sehnsucht nach einem eigenen Hausstande. Schon seit Monaten trug ich mich mit dem Gedanken, ein liebes Weib heimzuführen. Aber soviel ich auch Umschau hielt, fand ich doch kein Mädchen, das mich so ganz gefesselt hätte. Und da ich ohne aufrichtige Neigung eine Ehe nicht schlie en wollte, wartete ich und war davon überzeugt, da mir mein Glück schon kommen würde. Es kun bann auch. Und noch dazu ganz unerwartet schnell und auf nicht gerade alltägliche Weise. Ich hatte der schon häufig an mich gerichteten Aufforderung eines Studienfreundes, einige Zeit bei ihm zu verleben, Folge geleistet und war seit drei Tagen in dem kleinen Harzstädtchen. Wundersam klare, sonnengesegnete Herbsttage waren im Lande. Wir unternahmen oft Ausflüge, vertieften uns in liebe Erinnerungen und zeigten nach der Heimkehr für die Kochkünste der kleinen Frau Doktor das tiefste Verständnis. Nach einigen Tagen fragte eine Jugendgefährtin der Doktorin an, ob sie kommen dürfe. Man schrieb zustimmend und sprach viel von der schönen Eleonore Karsten. „Du, das wäre eine Frau für dich,“ meinte der Doktor am Abende vor ihrem Kommen, als wir noch in seinem Zimmer eine Zigarre rauchten. „So?“ fragte ich leichthin und lächelte. „Gewiß. Gerade so das richtige Alter für dich, ich glaube dreiundzwanzig, schön, geistvoll und... na, du wirst sie ja kennen lernen. Pass' auf, du verliebst dich beim ersten Sehen bis über die Ohren in die schöne Eleonore.“ „Ich bin doch kein Primaner mehr, Hans,“ sagte ich ziemlich von oben herabs denn ich fühlte mich verletzt. (Schluß folgt.) —