Amtliches Kreisblatt
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Nr. 259.
Donnerstag, den 4. November 1915.
47 Jahrgang.
Die Keuttilital=Eiutnalttens.
Weiterer Vormarsch in Serbien. Monastir besetzt. Reiche Beute in Kragujevac
Vor Dunaburg.— Große Verlusie der Russen.— Der Ansiurm gegen Gotz.
Deutscher Tagesbericht.
wtb. Großes Hauptquartier, 3. Nov. 1915.
Westlicher Kriegsschauplatz
Keine wesentliche Ereignisse. Am Souchez=Bach, nordöstlich des(gleichnamigen Ortes, wurde ein vorgeschobenes, der Umfassung ausgesetztes Grabenstück von etwa 100 Mtr. Breite nachts planmäßig geräumt.
Oestlich von Peronne mußte ein englisches Flugzeug im Feuer unserer Infanterie landen. Der Führer(Offizier) ist gefangen genommen.
Heeresgruppe des General=Feldmarschalls von Hindenburg.
Vor Dünaburg setzten die Russen ihre Anarfie fort.
Bei Illuxt und Garbunowska wurden sie abgewiesen. Viermal stürmten sie unter außerordentlichen Verlusten vergebens gegen unsere Stellungen bei Gateni an.
Zwischen Swenten= und Ilsen=See mußte unsere Linie zurückgezogen werden. Es gelang dort den Russen, das Dors Mikulischki zu
besetzen.
Heeresgruppe des General=Feldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern
Die Lage ist unverändert.
Heeresgruppe des Generals von Linsingen.
Vor dem Oginski=Kanal wurde ein feindlicher Vorstoß gegen die Schleusen von Osaritschi abgeschlagen.
Beiderseits der Straße Libowo=Czarlorysk sind die Russen erneut zu weiterem Rückzuge gezwungen. 5 Offiziere, 660 Mann sind gefangen genommen und 3 Maschinengewehre erbeutet.
Bei den Truppen des Generals Grafen Bolhmer wird noch im Nordteil von Siemikowice gekämpft.
Usice ist besetzt. Die Straße CacakKragujevoc ist überschritten.
Beiderseits der Morava leistet der Feind noch Widerstand.
In Kragujevic wurden 6 Geschütze, 20 Geschützrohre, 12 Minenwecfer, mehrere tausend Gewehre und viel Munition und Material erbeutet.
Die deutschen Tiuppen der Aimee des Generals v. Kveveß machten gestern 350 Geangene und erbeuteten 2 Geschütze.
Die Armee des Generals v. Gallwiß nahm in den letzten 3 Tagen 1100 Serben gefangen.
Die Armee des Generals Bojadjeff hat westlich von Planinic beiderseits der Straße Jajecar=Paracin den Feind zurückgeworfen, 230 Gefangene gemacht und viele Geschütze erbeutet.
Südwestlich von Kujacevac verfolgen die bulgarischen Truppen, haben den Brückenkopf von Sorljog genommen, die Sviljiski Timok überschritten und drangen über den Plesberg (1327 m) und die Gulijanska(1369 m) nach dem Nisava=Tal vor. 300 Gefangene und zwei Maschinengewehre fielen in ihre Hand.
Die im Risavatal vorgegangenen Kräfte wichen vor überlegenen Angriffen aus. Der Bogov=Berg(1154 m) westlich von BelaPalanka ist behauptet.
Oberste Heeresleitung.
Oesterreichischer Tagesberichl.
:: Wien, 3. November.
Amtlich wird verlautbart:
Russischer Kriegsschauplatz.
Die Kämpfe an der Strypa dauern an. Die Russen setzten Verstärkungen ein. Nördlich von Buczacz brach ein russischer Angriff unter unserem Feuer zusammen. Nördlich von Sieniawa wurde den ganzen Tag erbittert um den Besitz des Ortes Siemikowce gekämpft. Der gestern mitgeteilte Gegenangriff österreichisch= ungarischer Truppen führte nach wechselvollem Gefechte in den Nachmittagsstunden zur Vertreibung der Russen aus Dorf und Meierhof. In der Nacht grissen neue russische Kräfte ein, so daß einige Häusergruppen wieder verloren gingen. Heute wird weiter gekämpft. Auch am Teich nördlich von Siemikowce sind Kämpfe im Gange. Die unter dem Befehl des Generals v. Linsingen stehenden österreichisch=ungarischen und deutschen Streitkräfte brachen mit ihrer Stoßgruppe bei Bielgow westlich von Czartorysk in die russische Hauptstellung ein. Es wurden 5 Offiziere und 660 Mann gefangengenommen und 3 Maschinengewehre erbeutet. Sonst ist die Lage im Nordosten unverändert.
Italienischer Kriegsschauplatz.
Die Italiener setzten ihre auf Görz gerich teten Anstrengungen an der Front von Plava bis einschließlich des nördlichen Abschnittes der Hochfläche von Doberdo ununterbrochen fort. Gestern griffen wieder sehr starke on: Ge wurden verall abgewiesen. In diesen Kämpfen verloren mehrere italienische Regimenter die Hälfte ihres Bestandes. Heute nach Mitternacht warf ein Lenkluftschiff zahlreiche Botthen auf die Stadt Görz ab. An den übrigen Teilen der Südwestfront fanden keine bemerkenswerten Ereignisse statt.
Südöstlicher Kriegsschauplatz.
Die gegen Montenegro kämpfenden österreichisch=ungarischen Streitkräfte erstürmten südlich von Avtovac die auf feindlichem Gebiet liegende Höhe Bobija und drei andere, von den Montenearinern zäh verteidigte Beragip.
fel. Beim Sturm auf die Bobijastellung wurde ein 12=Zentimeter=Geschütz italienischer Herkunft erobert. Von den in Serbien operierenden verbündeten Streitkräften rückte eine österreichisch=ungarische Kolonne in Uzier ein. Andere k. u. k. Truppen stehen südlich und südöstlich von Cacak im Gefecht. Südlich der von Cacak nach Kraaujevac führenden Straße und auf den Höhen südwestlich von Kragujevac und nördlich und nordöstlich von Jagodina gewinnen die Angriffe der österreichisch=ungarischen und deutschen Streitkräfte trotz des zähesten Widerstandes überall Raum. In Kragujevac wurden 6 Geschütze, 12 Minenwerfer, einige tausend Gewehre und viel Munition und Kriegsgerät erbeutet.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes v. Hoefer, Feldmarschalleutnant.
Die Haltung Rumäniens.
TU Bukarest, 4. Nov. Offenbar im Hinblick auf die mannigfachen und widerspruchsvollen Gerüchte über die Politik der rumänischen Re
gierung veröffentlichen die Blätter hierüber folgende halbamtliche Note:
Eine bewaffnete Intervention Rumäniens kann sich nur ereignen, wenn irgend eine der kriegführenden Gruppen die vitalen Interessen unseres Landes bedrohen sollte. Es muß ausdrücklich darauf hingewiesen werden, daß nicht die geringste Verpflichtung für Rumänien besteht, Serbien zu verteidigen. Bulgarien gilt als Bundesgenosse der Zentralmächte und der serbisch=bulgarische Krieg kann infolgedessen nur als Episode des großen europäischen Konfliktes aufgefaßt werden. Rumänien fühlt keine Verpflichtung, den Bukarester Vertrag auch gegen Großmächte zu verteidigen, sondern würde dieses nur gegen die Signatarmächte dieses Vertrages tun, wenn sie denselben aus ehrgeizigen Gelüsten umstoßen sollten. Die rumänische Armee ist nicht im eigentlichen Sinne des Wortes mobilisiert. Wir haben nur Maßregeln zu unserer Verteidigung ergriffen, die allerdings andauernd noch vervollständigt werden. Rumänien ist in keiner Richtung militärisch gebunden. Es ist unrichtig, daß eine Abmachung irgendwelcher Art, insbesondere zwischen Rumäsien und Italien, besteht. Italien besitzt Rumäniens Sympathien, die sich auch in den Jahren äußerten, als Italien noch zum Dreibund gehörte. Der Dreibundvertrag ist jedoch von Italien aufgehoben worden. Wir haben ebenso wenig Absichten- auf Transylvanier wie auf Beßarabien. Es besteht ebenso wenig Aussicht auf ein Eingreifen Rumäniens für die Zentralmächte wie auf eine Stellungnahme Rumäniens gegen dieselben.
Diese Erklärung wird hier allenthalben als ein Beweis aufgefaßt, daß Rumänien die am 28. Oktober erfolgten neuen und sehr umfangreichen Vorschläge und Anerbietungen des Vierverbandes abermals abgelehnt hat. Nachrichten aus Südrußland sprechen neuerdings viel von starken russischen Truppenkonzentrationen an der rumänischen Grenze. Die rumänische Presse schenkt diesen Informationen wenig Glauben, da sie offenbar tendenziösen Zwecken dienen sollen, um die Serben in ihrem aussichtslosen Widerstande zu ermutigen. Die Möglichkeit, daß Rußland sich mit Gewalt den Durchmarsch durch die Dobrutscha erzwingen wolle, wird hier nicht in Betrat gezogen.
Vorwärts!
Vorwärts geht es mit Niesenschritten. Aber auch die Feinde rufen noch immer: Vorwärts! Nur ist ein gewaltiger Unterschied zwischen dem Vorwärts hüben und drüben; das der Feinde ist nur ein Vorwärts der Worte, die Lügen sind und Errungenschaften auf dem Papier bleiben. Wir aber kommen mit Taten vorwärts, die Siege sind. Ein Pariser Blatt stellt soeben noch die tapfere Lüge auf: Deutschland habe seit dem Kriegsbeginn nichts als Niederlagen erlitten. Die Folgen solcher„Niederlagen“ lassen sich jedoch nur dadurch erkennen, daß wir im Westen, im Osten und nun auch im Süden im Feindesland stehen, und zwar so fest, daß von drüben her kein Zurück mehr erzwungen werden kann.
Wir nötigen den Feinden unsern Willen auf. Unser Wille hat das Schwergewicht des Krieges auf den Schauplatz des Südens gelegt und bereitet dort den Feinden Ueberraschung und Schrecken, Verlegenheit und Verwirrung. Wir haben Belgien und Nordfrankreich, Polen, Litauen und Kurland und auf dem Balkan Nordserbien. Den Willen zum Vorwärts haben ja auch unsere Feinde immer wieder gezeigt, aber jedesmal brach er schließlich erschöpft an den Mauern wie von Eisen und Granit zusammen, die unsere Krieger im Fein= desland gezogen haben. Wie die Franzosen und die Engländer, stoßen die Russen gegen unsere Linien vor, und stets folgt ihrem Vorwärts das Rückwärts. Auch aus dem neuesten Sturmversuch der Italiener am Isonzo ist wieder ein Rückzug geworden. Ihre scheinbar übermächtige Waffe, ihre mehr als dreifach stärkere Flotte wagen die Engländer nicht zu gebrauchen. Sie hat sich bisher ein Vorwärts gegen unsere Küsten überhaupt noch nicht geleistet.
Weiter behauptet jenes Pariser Lügenblatt, die Franzosen und ihre Verbündeten setzten ihre verfügbaren Kräfte da ein, wo es ihnen am zweckmäßigsten erscheine. In Wirklichkeit verhält es sich genau umgekehrt: Wir haben die durch unsere Siege freigewordenen Heere so zweckmäßig eingesetzt, daß unsere Feinde außerstande sind, unser Vorwärts nach Serbien hinein aufzuhalten, daß dieses für sie ein Rückwärts an den Meerengen vor Konstantinopel bedeutet; denn sie müssen dork Truppen wegnehmen, und voraussichtlich ist ihr endgültiger Rückgug von der Halbinsel von Gallipoli nur noch eine Frage der Zeit.„Es sind mehr Leute nötig“, ruft der König von England in einer Botschaft an sein Volk. Gleichzeitig jedoch wird berichtet, daß in der englischen Stadt Hull eine Versammlung stattfand, um mehr Leute, die nötig sind, zu werben, daß aber von den 26 000 dazu geladenen wehrfähigen Männern nur etwa 8000 erschienen und davon bloß 30 Rekruten geworben wurden. Dabei erklärt der englische General Swayne, daß England noch 3 Millionen Soldaten brauche, um den Krieg„bald siegreich“ zu beenden.
Ein Vorwärts gibt es in Wahrheit nur auf unserer Seite, ein Vorwärts überall offen und ehrlich, auf(geraden Wegen, während drüben geschachert und gehetzt wird, indem sie dem einen Balkanvolke dieselben Beutestücke, ohne sie zu besitzen, zuweisen, die sie zugleich dem andern versprechen.= Todesmüdigkeit atmet der Armeebefehl des Serbenkönigs Peter: Er bekennt darin, daß en ein schwacher Greis sei, der die Schmach des Unterganges seines Vaterlandes nicht überleben würde. Diese Schmach erschauen auch bereits seine Verbündeten, die ihm nicht helfen können, und voll bleichem Entsetzen stellen sie sich die weiteren