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Druch u. Verlags. Cor Braus. Schwerte. Ruhe
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Nr. 120.
Mittwoch, den 26. Mai 1915.
47. Jahrgang.
Nenler FP2s
Dankerlaß des Kaisers.
Als nach langen Jahren gesegneten Friedens Deutschlands wehrhafte Mannen aus allen Gauen des geliebten Vaterlandes und aus fernen Ländern Meinem Rufe folgend zu den Fahnen eilten, da regte sich, angefacht von der heiligen Lohe der Begeisterung in tausenden von Herzen der Daheimgebliebenen, bei Alt uund Jung, bei Männern und Frauen, das Verlangen, unsern Streitern mit Werken der Liebe helfend zur Seite zu stehen.
So geschah es in der Heimat, so aber auch allerwärts in der Fremde, wo Deutsche wohnen.
Mit Besriedigung habe Ich Ihrem Bericht entnommen, daß die Deutschen im Ausland hinter ihren Brüdern und Schwestern im alten Vaterlande bei Betätigung ihrer Fürsorge für unsere wackeren Kämpfer in edlem Wetteifer nicht haben zurückstehen wollen. Die vielen geringen, aber von Herzen kommenden Scherflein der weniger mit irdischen Glücksgütern Gesegneten legen nicht minder als die überaus reichen Spenden der Besitzenden ein beredtes Zeugnis dafür ab, daß sich auch die Dautschen draußen in der weiten Welt mit dem Deutschen Volk in Deutschlands Gauen in Denken und Empfinden eins fühlen, daß sie einig zusammenstehen wollen, um durch Werke der Nächstenliebe die schirmende Wehrkraft zu stärken und die Leiden des Krieges zu lindern.
Nach dem reichen Ergebnis der Sammbungen und Einzelspenden, an denen sich auch ausländische Freunde beteiligt haben, hege Ich die feste Zuversicht, daß der bisher bewiesene Eiser und Opfersinn nicht nachlassen wird und daß auch fernerhin sowohl den Kämpfern selbst wie den inländischen Organisationen, die sich den staatlichen Einrichttungen der Kriegsfürsorge ergänzend angliedern und im wesentlichen euf die Mithilfe von privater Seite angewiesen sind, aus dem Ausland weitere Mittel zufließen werden.
Schon jetzt aber möchte Ich allen an den Spenden aus dem Ausland Beteiligten für ihre in so reichem Maße bewiesene Opferwilligkeit Meinen Kaiserlichen Dank aussprechen.
beauftrage Sie, diesen Erlaß zu veröffentlichen und auuf geeignetem Wege auch zur Kenntnis der Spendern im Ausland zu bringen.
Wilhelm I. R.
Bethmann Hollweg.
Nu den Rechehander.
Gescheiterte
englische Kriegsprojekte.
England will, um Deutschland zu bekämpfen, nicht nur Armeen, sondern auch Industrien aus der Erde stampfen. Das eine scheint ihm aber so wenig zu glücken wie das andere. Ueber die Erfolge seiner Werbebüros erjährt man überhaupt nichts Zuverlässiges. Zuverlässiger scheint das zu sein, was man über die Erfolge seiner neuen Industriegründungen hört, Erfolge, die ja für uns recht erfreulich erscheinen. Wie nämlich nunmehr feststeht, hat die Zeichnung auf die Aktien der neu zu gründenden englischen Farbenindustrie=Gesellschaft einen Mißerfolg gehabt. Nun haben sich angesichts dieses Mißerfolges die Zeichner zwar zu einer Erhöhung ihrer Zeichnung bereit erklärt, doch mußte man ihnen ein weitgehendes Zugeständnis machen: Zunächst hat man die Bedingung aufgestellt, daß die Teilnehmer dieser Gesellschaft, der „British Dyes Limited“, fünf Jahre nach densschluß nur die Fabrikate der neu zu begründenden Farbenfabriken kaufen dürften. Diese Be' stimmung hat man jetzt fallen lassen müssen.
Aeber 2r0dd Gefangene, Is Geschütze, 20 Maschinengewehre!
wib. Großes Hauplquartier, 25. Mai 1915.
Westlicher Kriegsschauplatz.
In Flandern setzten wir gestern unsere Angriffe in Richtung auf Ipern fort, erstürmten die Blaminghe=Ferme, das Schloß nördlich Wiellje, die Belliwardte=Ferme und näherten uns Hooge. Bei diesen Kämpfen fielen 150 Gefangene und 2 Maschinengewehre in unsere Hand.
Südlich Armenlieres
Chapelle und Givenchi, nördlich der LorettoHöhe wurden feindliche Teilangriffe blutig abgewiesen.
Bei Neuville kamen in den Gräben bereitgestellte Sturmtruppen des Feindes durch unser Artilleriefeuer nicht zur Entwickelung.
In Cambrai wurden durch den Bombenwurf eines französischen Fliegers beim Verlassen des Gottesdienstes 5 Franzosen getötet, 12 schwer verletzt. Bei Sk. Quentin schossen wir ein feindliches Flugzeug herunter.
Oestlicher Kriegsschauplatz.
An der Dubissa, östlich von Rossienie,
griffen unsere Truppen gegenüberstehende starke russische Kräfte an, schlugen sie und warfen sie unter empfindlichen Verlusten in den Fluß. 2240 Gefangene und 5 Maschinengewehre wurden erbeutet.
Weiter südlich scheiterten mehrere, teilweise sehr heftige russische Angriffe aus Richtung Eiragola unter heftigen blutigen Opfern für den Gegner.
Südöstlicher Kriegsschauplatz. Die Armee des Generalobersten v. Mackensen hat gestern nördlich von Przemysl die Offensive wieder aufgenommen. Der Angriff führte wieder zu vollem Erfolge. Die stark befestigten Orte Drohojan, Ostrow, Radymmo, Wysocka, Wintlin, Makowiko und die Höhen nordwestlich Bobrwka, sowie östlich Cekula wurden mit stürmender Hand genommen. Bisher sind 153 Offiziere, über 21 000 Gefangene, 39 Geschütze(darunter 9 schwere) und mindestens 40 Maschinengewehre den verbündeten Truppen in die Hände gefallen. Die Russen erlitten außergewöhnlich hohe Verluste.
Oberste Heeresleitung.
Ssterreichische Bericht.
wtb Wien, 26. Mai.(Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart vom 25. Mai vormittags:
In Mittelgalizien greifen die verbündeten Armeen an der ganzen Front von Sieniawa bis zum oberen Dujester starke russische Kräfte an. Die Armee des Generalobersten v. Mackensen, in deren Verband, das österreichisch=ungarische 6. Korps kämpft, nahm Radymno und drang östlich und südöstlich dieser Stadt gegen den San vor. Der Feind, der durch zahlreiche Angriffe das verlorene Terrain zurückzuerobern suchte, wurde überall geworfen und verlor an 21000 Gefangene, 39 Geschütze und über 40 Maschinengewehre. Die Armeen Puhalla
und Böhm=Ermölli, die südöstlich Przemysl vorstoßen, gewannen unter erbitterten Kämpfen Raum und warfen den Feind gegen die Blonianiederung zurück. Der Angriff auf der ganzen Front wird fortgesetzt. Die sonstige Lage auf dem südlichen Kriegsschauplatz hat sich nicht verändert.
Im Südwesten sind an der Tyroler und Kärntnergrenze da und dort kleinere feindliche Abteilungen, hauptsächlich Alpini, über die Grenze vorgegangen, wo sie auf unsere Stellungen stießen, angeschossen wurden und umkehrten.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes: von Höfer, Feldmarschall=Leutnant.
Die ersten österreichisch=italienischen Rämpfe.
25. Mai. Bei der Flotten=Aktion warf ein österreichischer Flieger 14 Bomben auf Venedig. Im Arsenal entstand ein Brand. Ein Zerstörer wurde stark beschädigt. Bei Corsini entstand ein heftiger Kampf, an dem der Zerstöter„Scharfschütz“, der Kreuzer„Novarra“ und ein Torpedoboot beteiligt waren. Die Verluste der„Novarra" betragen 4 Mann tot, 8 Mann verwundet. Die Verluste der Italiener sind 10 bis 20 mal schwerer.
Ancona wurde von dem Gros der Flotte beschossen. Bedeutende Zerstörungen wurden angerichtet, 2 Dampfer versenkt, der Neubau auf der Werft bombardiert.
Bei Barlelta wurde der italienische Zerstörer„Turbine" lahm geschossen und ergab sich, 35 Mann der Besatzung, darunter der Kommandant und die Offiziere wurden gefangen genommen.
290 Tote.
bb Chiasse, 26. Mai. Hier aus Italien einge
troffene Reisende berichten, daß der durch die Beschießung an der Adriatischen Küste angerichtete Schaden bedeutend sei. Ein aus Jesi Eingetroffener berichtet, daß es daselbst 200 Tote gab. Die Stimmung sei sehr gedrückt. Die Kriegshetzer seien still geworden, es fänden keine Kundgebungen statt. In den Kinos würden die aufgeführten patriotischen Szenen nur wenig von einigen Leuten der ersten Plätze beklatscht, ohne sonst Widerhall zu finden.
Die Beschießung von Ancona. wtb Basel, 26. Mai. Nach dem„Journal d'Italia“ hat die Beschießung in Ancona nicht unbeträchtlichen Schaden angerichtet. Die Eisenbahnstation ist teilweise zerstört. Beim Maschinendepot wurde ein Pfeiler eingesrückt, fünf Lokomotiven wurden beschädigt. In der Stadt ist der Schaden noch beträchtlicher, da sie von mehreren Seiten beschossen wurde. Ein fahrender Zug wurde gleichfalls getroffen.„Corriere del Osere“ hebt in einem Kommentar zu der ersten Aktion in der Adria hervor, daß die erste Aufgabe der italienischen Marine eine unvergleichlich schwierigere sei, indem Italien an der Küste noch ungünstiger dastehe, als an der Grenze.
Einen größeren Triumph für die deutsche Farbenindustrie als den eben geschilderten kann man sich wohl kaum denken. Unsere Feinde wollen sie vernichten, sie trauen aber ihrem eigenen Produkt, mit dem die Vernichtung durchgeführt werden soll, so wenig, daß sie eine Verpflichtung zur Abnahme dieser neuen herrlichen Farben nicht eingehen wollen. Immerhin hofft man, wenn man auch selbst nicht bezieht, doch wenigstens andere zu finden, die derartige schöne Farben kaufen, und so kommt schließlich doch noch eine Kapitalserhöhung zustande. In dieser ganzen Gründung zeigt sich so recht, wie fest unsere deutsche Industrie, und insbesondere die doutsche chemische Industrie im Ausland Wurzel geschlagen hat. Der englische Geschältssinn wittert auch nach dem Frieden den Wettbewerb und weiß genau, daß er auch dann nicht dagegen aufkommen kann. Er ist sich auch
klar darüber, daß man eine Industrie nicht von heute auf morgen schaffen kann, und wenn man jetzt notgedrungen eine solche„Kriegsindustrie" schuf, so hegen selbst die eigenen Gründer zu ihr nicht die nötige Zuversicht.
Außer der Farbenindustrie sollten noch mehr derartige Industrien von heute auf morgen geschaffen werden, mit denen man sich den Weltmarkt zu erobern hoffte, aber auch hier begannen die Mißerfolge schon im Gründungsstadium. Eine Industrie läßt sich eben nicht sozusagen„über Nacht“ aufbauen. Sie ist das Produkt einer jahrzehntelangen Entwickelung, und wenn wir die deutsche chemische Industrie überblicken, so können wir wohl behaupten, daß sie trotz aller Anstrengungen der englischen Industrie mit Ruhe der Zukunft entgegensehen kann. Das Ausgangsprodukt für die gegenüber den englischen Gründungen hauptsächlich in Betracht kommenden chemischen Industrien ist der Steinkohlenteer, aus dem die chemische Industrie Deutschlands eine Anzahl wichtiger Produkte, vor allem Farben, Arzneimittel, Riechstoffe und Sprengstoffe herzustellen verstand. Auf allen diesen Gebieten hat man das Ausland schon längst überflügelt. Trotz aller Anstrengungen und trotz aller Reklame, die man sowohl von den französischen wie von den englischen Sprengstroffen, von dem Melinit, dem Lyddit usw., machte, gelang es den Industrien beider Länder nicht, einen den deutschen Pulversorten ebenbürtigen Stoff herzustellen. Die vielen Schwierigkeiten, die sich bei der Lagerung des Melinit ergaben, sind noch in unser aller Erinnerung. Die Riechstoffe kamen zum großen Teil aus Frankreich, bis es der deutschen chemischen Industrie gelang, künstliche Riechstoffe herzustellen, die, wie z. B. das Jonon, der künstliche Veilchengeruch, dem natürlichen derart ebenbürtig sind, daß hier dem Naturprodukt eine wirkliche Konkurrenz erwuchs. Ebenso ist es mit anderen Riechstoffen, ist es mit dem Vanillin, das den Vanillehandel Englands schädigte, und noch mit zahlreichen anderen aus dem Steinkohlenteer gewonnenen Stoffen. Der Indigohandel Englands hat vollkommen aufgehört, seitdem die deutschen Fabriken künstlichen Indigo herstellen. So ließe sich diese Liste noch ganz beträchtlich vermehren.
Alle diese Produkte können aber nur aus einem nach bestimmten Verfahren behandelten. Steinkohlenteer gewonnen werden, dessen Destillation und Reinigung eine in jahrzehntelanger Entwickelung ausgebildete Spezialität der deutschen chemischen Industrie geworden ist. Dieser nach besonderem Verfahren behandelte Steinkohlenteer bildet das Ausgangsmaterial für die bedeutenden Zweige unserer chemischen Industrie, gerade für jene, die die Engländer von heute auf morgen schaffen wollen. Die Reinigungsverfahren sind so durchgebildet und werden so geheim gehalten, und nur so wenige Spezialisten wissen um sie, daß von einer Schaffung auch nur brauchbarer Ausgangsprodukts