6 * Sbeuem Achuer uiben dunch. andn Feiernagp. Bezugsprt B.„Doiernt JAhricch, dei der Post iür Bestellgels 42 Pio. mehr. Wöchentl. Grafisdeilage:„IAustrierten Hamillenfreuns“ u. tgl. Unterdaltungsblelt. Auzeigenpreis: Die Redengespaltene Pelltzelle eber beren Raum 10 Pfg., Anzeigen würts 15 Pig., Redlamezelle 40 Plg. Jede Rabatt gilt als Kassarabalt u. erlischt bei Rondossen, Zwangsvergleichen, gerichtl. Klagen u. Nichtbeochtung d. gemacht. Jahlungsbedingung. Amtliches Kreisblatt Westhofener Zeitung Langscheder Zeitung Schweder Uoltablan Verbunden mit: tarden Kleis worele Holzwickeder Zeitung Aplerbecker Zeitung Schwertes Dolkszeitung Schwerker Tageblatt S Schwerker Anzeiger Erstes und älteltes Cagesorgan des Krelles o General-Anzeiger für den Krels börde o Haupt- Hpnoncenblas Blg dete, und ihelernbgrüichen Nurnd gungen für den Arei Hörde erlangen gemad Bedanntmochung der Königlichen Regierung. durch Verössentlichung in dei Schwerter Jeitung“ rechtvverdindliche Kraft.— Die „Schwerter Zeilung“ gewöhrt idren Adonnen= ien für jeben mit Tod endenden Unsall ge300 Mk. Unfall: Druch u. Verlags. Cor Braus. Schwerte. Ruhe Sots c.- Sims-itr Sassbenn Auh Nr. 120. Mittwoch, den 26. Mai 1915. 47. Jahrgang. Nenler FP2s Dankerlaß des Kaisers. Als nach langen Jahren gesegneten Friedens Deutschlands wehrhafte Mannen aus allen Gauen des geliebten Vaterlandes und aus fernen Ländern Meinem Rufe folgend zu den Fahnen eilten, da regte sich, angefacht von der heiligen Lohe der Begeisterung in tausenden von Herzen der Daheimgebliebenen, bei Alt uund Jung, bei Männern und Frauen, das Verlangen, unsern Streitern mit Werken der Liebe helfend zur Seite zu stehen. So geschah es in der Heimat, so aber auch allerwärts in der Fremde, wo Deutsche wohnen. Mit Besriedigung habe Ich Ihrem Bericht entnommen, daß die Deutschen im Ausland hinter ihren Brüdern und Schwestern im alten Vaterlande bei Betätigung ihrer Fürsorge für unsere wackeren Kämpfer in edlem Wetteifer nicht haben zurückstehen wollen. Die vielen geringen, aber von Herzen kommenden Scherflein der weniger mit irdischen Glücksgütern Gesegneten legen nicht minder als die überaus reichen Spenden der Besitzenden ein beredtes Zeugnis dafür ab, daß sich auch die Dautschen draußen in der weiten Welt mit dem Deutschen Volk in Deutschlands Gauen in Denken und Empfinden eins fühlen, daß sie einig zusammenstehen wollen, um durch Werke der Nächstenliebe die schirmende Wehrkraft zu stärken und die Leiden des Krieges zu lindern. Nach dem reichen Ergebnis der Sammbungen und Einzelspenden, an denen sich auch ausländische Freunde beteiligt haben, hege Ich die feste Zuversicht, daß der bisher bewiesene Eiser und Opfersinn nicht nachlassen wird und daß auch fernerhin sowohl den Kämpfern selbst wie den inländischen Organisationen, die sich den staatlichen Einrichttungen der Kriegsfürsorge ergänzend angliedern und im wesentlichen euf die Mithilfe von privater Seite angewiesen sind, aus dem Ausland weitere Mittel zufließen werden. Schon jetzt aber möchte Ich allen an den Spenden aus dem Ausland Beteiligten für ihre in so reichem Maße bewiesene Opferwilligkeit Meinen Kaiserlichen Dank aussprechen. beauftrage Sie, diesen Erlaß zu veröffentlichen und auuf geeignetem Wege auch zur Kenntnis der Spendern im Ausland zu bringen. Wilhelm I. R. Bethmann Hollweg. Nu den Rechehander. Gescheiterte englische Kriegsprojekte. England will, um Deutschland zu bekämpfen, nicht nur Armeen, sondern auch Industrien aus der Erde stampfen. Das eine scheint ihm aber so wenig zu glücken wie das andere. Ueber die Erfolge seiner Werbebüros erjährt man überhaupt nichts Zuverlässiges. Zuverlässiger scheint das zu sein, was man über die Erfolge seiner neuen Industriegründungen hört, Erfolge, die ja für uns recht erfreulich erscheinen. Wie nämlich nunmehr feststeht, hat die Zeichnung auf die Aktien der neu zu gründenden englischen Farbenindustrie=Gesellschaft einen Mißerfolg gehabt. Nun haben sich angesichts dieses Mißerfolges die Zeichner zwar zu einer Erhöhung ihrer Zeichnung bereit erklärt, doch mußte man ihnen ein weitgehendes Zugeständnis machen: Zunächst hat man die Bedingung aufgestellt, daß die Teilnehmer dieser Gesellschaft, der „British Dyes Limited“, fünf Jahre nach densschluß nur die Fabrikate der neu zu begründenden Farbenfabriken kaufen dürften. Diese Be' stimmung hat man jetzt fallen lassen müssen. Aeber 2r0dd Gefangene, Is Geschütze, 20 Maschinengewehre! wib. Großes Hauplquartier, 25. Mai 1915. Westlicher Kriegsschauplatz. In Flandern setzten wir gestern unsere Angriffe in Richtung auf Ipern fort, erstürmten die Blaminghe=Ferme, das Schloß nördlich Wiellje, die Belliwardte=Ferme und näherten uns Hooge. Bei diesen Kämpfen fielen 150 Gefangene und 2 Maschinengewehre in unsere Hand. Südlich Armenlieres Chapelle und Givenchi, nördlich der LorettoHöhe wurden feindliche Teilangriffe blutig abgewiesen. Bei Neuville kamen in den Gräben bereitgestellte Sturmtruppen des Feindes durch unser Artilleriefeuer nicht zur Entwickelung. In Cambrai wurden durch den Bombenwurf eines französischen Fliegers beim Verlassen des Gottesdienstes 5 Franzosen getötet, 12 schwer verletzt. Bei Sk. Quentin schossen wir ein feindliches Flugzeug herunter. Oestlicher Kriegsschauplatz. An der Dubissa, östlich von Rossienie, griffen unsere Truppen gegenüberstehende starke russische Kräfte an, schlugen sie und warfen sie unter empfindlichen Verlusten in den Fluß. 2240 Gefangene und 5 Maschinengewehre wurden erbeutet. Weiter südlich scheiterten mehrere, teilweise sehr heftige russische Angriffe aus Richtung Eiragola unter heftigen blutigen Opfern für den Gegner. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Die Armee des Generalobersten v. Mackensen hat gestern nördlich von Przemysl die Offensive wieder aufgenommen. Der Angriff führte wieder zu vollem Erfolge. Die stark befestigten Orte Drohojan, Ostrow, Radymmo, Wysocka, Wintlin, Makowiko und die Höhen nordwestlich Bobrwka, sowie östlich Cekula wurden mit stürmender Hand genommen. Bisher sind 153 Offiziere, über 21 000 Gefangene, 39 Geschütze(darunter 9 schwere) und mindestens 40 Maschinengewehre den verbündeten Truppen in die Hände gefallen. Die Russen erlitten außergewöhnlich hohe Verluste. Oberste Heeresleitung. Ssterreichische Bericht. wtb Wien, 26. Mai.(Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart vom 25. Mai vormittags: In Mittelgalizien greifen die verbündeten Armeen an der ganzen Front von Sieniawa bis zum oberen Dujester starke russische Kräfte an. Die Armee des Generalobersten v. Mackensen, in deren Verband, das österreichisch=ungarische 6. Korps kämpft, nahm Radymno und drang östlich und südöstlich dieser Stadt gegen den San vor. Der Feind, der durch zahlreiche Angriffe das verlorene Terrain zurückzuerobern suchte, wurde überall geworfen und verlor an 21000 Gefangene, 39 Geschütze und über 40 Maschinengewehre. Die Armeen Puhalla und Böhm=Ermölli, die südöstlich Przemysl vorstoßen, gewannen unter erbitterten Kämpfen Raum und warfen den Feind gegen die Blonianiederung zurück. Der Angriff auf der ganzen Front wird fortgesetzt. Die sonstige Lage auf dem südlichen Kriegsschauplatz hat sich nicht verändert. Im Südwesten sind an der Tyroler und Kärntnergrenze da und dort kleinere feindliche Abteilungen, hauptsächlich Alpini, über die Grenze vorgegangen, wo sie auf unsere Stellungen stießen, angeschossen wurden und umkehrten. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes: von Höfer, Feldmarschall=Leutnant. Die ersten österreichisch=italienischen Rämpfe. 25. Mai. Bei der Flotten=Aktion warf ein österreichischer Flieger 14 Bomben auf Venedig. Im Arsenal entstand ein Brand. Ein Zerstörer wurde stark beschädigt. Bei Corsini entstand ein heftiger Kampf, an dem der Zerstöter„Scharfschütz“, der Kreuzer„Novarra“ und ein Torpedoboot beteiligt waren. Die Verluste der„Novarra" betragen 4 Mann tot, 8 Mann verwundet. Die Verluste der Italiener sind 10 bis 20 mal schwerer. Ancona wurde von dem Gros der Flotte beschossen. Bedeutende Zerstörungen wurden angerichtet, 2 Dampfer versenkt, der Neubau auf der Werft bombardiert. Bei Barlelta wurde der italienische Zerstörer„Turbine" lahm geschossen und ergab sich, 35 Mann der Besatzung, darunter der Kommandant und die Offiziere wurden gefangen genommen. 290 Tote. bb Chiasse, 26. Mai. Hier aus Italien eingetroffene Reisende berichten, daß der durch die Beschießung an der Adriatischen Küste angerichtete Schaden bedeutend sei. Ein aus Jesi Eingetroffener berichtet, daß es daselbst 200 Tote gab. Die Stimmung sei sehr gedrückt. Die Kriegshetzer seien still geworden, es fänden keine Kundgebungen statt. In den Kinos würden die aufgeführten patriotischen Szenen nur wenig von einigen Leuten der ersten Plätze beklatscht, ohne sonst Widerhall zu finden. Die Beschießung von Ancona. wtb Basel, 26. Mai. Nach dem„Journal d'Italia“ hat die Beschießung in Ancona nicht unbeträchtlichen Schaden angerichtet. Die Eisenbahnstation ist teilweise zerstört. Beim Maschinendepot wurde ein Pfeiler eingesrückt, fünf Lokomotiven wurden beschädigt. In der Stadt ist der Schaden noch beträchtlicher, da sie von mehreren Seiten beschossen wurde. Ein fahrender Zug wurde gleichfalls getroffen.„Corriere del Osere“ hebt in einem Kommentar zu der ersten Aktion in der Adria hervor, daß die erste Aufgabe der italienischen Marine eine unvergleichlich schwierigere sei, indem Italien an der Küste noch ungünstiger dastehe, als an der Grenze. Einen größeren Triumph für die deutsche Farbenindustrie als den eben geschilderten kann man sich wohl kaum denken. Unsere Feinde wollen sie vernichten, sie trauen aber ihrem eigenen Produkt, mit dem die Vernichtung durchgeführt werden soll, so wenig, daß sie eine Verpflichtung zur Abnahme dieser neuen herrlichen Farben nicht eingehen wollen. Immerhin hofft man, wenn man auch selbst nicht bezieht, doch wenigstens andere zu finden, die derartige schöne Farben kaufen, und so kommt schließlich doch noch eine Kapitalserhöhung zustande. In dieser ganzen Gründung zeigt sich so recht, wie fest unsere deutsche Industrie, und insbesondere die doutsche chemische Industrie im Ausland Wurzel geschlagen hat. Der englische Geschältssinn wittert auch nach dem Frieden den Wettbewerb und weiß genau, daß er auch dann nicht dagegen aufkommen kann. Er ist sich auch klar darüber, daß man eine Industrie nicht von heute auf morgen schaffen kann, und wenn man jetzt notgedrungen eine solche„Kriegsindustrie" schuf, so hegen selbst die eigenen Gründer zu ihr nicht die nötige Zuversicht. Außer der Farbenindustrie sollten noch mehr derartige Industrien von heute auf morgen geschaffen werden, mit denen man sich den Weltmarkt zu erobern hoffte, aber auch hier begannen die Mißerfolge schon im Gründungsstadium. Eine Industrie läßt sich eben nicht sozusagen„über Nacht“ aufbauen. Sie ist das Produkt einer jahrzehntelangen Entwickelung, und wenn wir die deutsche chemische Industrie überblicken, so können wir wohl behaupten, daß sie trotz aller Anstrengungen der englischen Industrie mit Ruhe der Zukunft entgegensehen kann. Das Ausgangsprodukt für die gegenüber den englischen Gründungen hauptsächlich in Betracht kommenden chemischen Industrien ist der Steinkohlenteer, aus dem die chemische Industrie Deutschlands eine Anzahl wichtiger Produkte, vor allem Farben, Arzneimittel, Riechstoffe und Sprengstoffe herzustellen verstand. Auf allen diesen Gebieten hat man das Ausland schon längst überflügelt. Trotz aller Anstrengungen und trotz aller Reklame, die man sowohl von den französischen wie von den englischen Sprengstroffen, von dem Melinit, dem Lyddit usw., machte, gelang es den Industrien beider Länder nicht, einen den deutschen Pulversorten ebenbürtigen Stoff herzustellen. Die vielen Schwierigkeiten, die sich bei der Lagerung des Melinit ergaben, sind noch in unser aller Erinnerung. Die Riechstoffe kamen zum großen Teil aus Frankreich, bis es der deutschen chemischen Industrie gelang, künstliche Riechstoffe herzustellen, die, wie z. B. das Jonon, der künstliche Veilchengeruch, dem natürlichen derart ebenbürtig sind, daß hier dem Naturprodukt eine wirkliche Konkurrenz erwuchs. Ebenso ist es mit anderen Riechstoffen, ist es mit dem Vanillin, das den Vanillehandel Englands schädigte, und noch mit zahlreichen anderen aus dem Steinkohlenteer gewonnenen Stoffen. Der Indigohandel Englands hat vollkommen aufgehört, seitdem die deutschen Fabriken künstlichen Indigo herstellen. So ließe sich diese Liste noch ganz beträchtlich vermehren. Alle diese Produkte können aber nur aus einem nach bestimmten Verfahren behandelten. Steinkohlenteer gewonnen werden, dessen Destillation und Reinigung eine in jahrzehntelanger Entwickelung ausgebildete Spezialität der deutschen chemischen Industrie geworden ist. Dieser nach besonderem Verfahren behandelte Steinkohlenteer bildet das Ausgangsmaterial für die bedeutenden Zweige unserer chemischen Industrie, gerade für jene, die die Engländer von heute auf morgen schaffen wollen. Die Reinigungsverfahren sind so durchgebildet und werden so geheim gehalten, und nur so wenige Spezialisten wissen um sie, daß von einer Schaffung auch nur brauchbarer Ausgangsprodukts in England niemals die Rede sein kann. So wird man also selbst jenseits des Kanals den Augenblick herbeisehnen, wo man wieder aus Deutschland beziehen kann— eine Tatsache, die den Zeichnern oder vielmehr Nichtzeichnern auf die Aktien der „British Dyes Limited“ nur allzu bekannt war. Krieg gegen Rußland. Der Angriff auf Przemysl. bb Eperjes, 25. Mai. Die verbündeten deutsch=österreichisch=ungarischen Truppen drängen trotz neu in den Kampf geworfenen Verstärkungen der Russen den Feind Schritt für Schritt weiter zurück. Besonders in den Tälern des Stryj und Suciel, um die unsere Truppen schwer kämpfen müssen, sind die Verluste der Russen sehr groß. Die verzweifelten Versuche der Russen, ihre Stellungen zu behaupten, sind ungeheuer. Vor Przemysl aus der Richtung Palice und Streslezyska erreichten unsere Truppen schon die zweigleisige Bahnstrecke, die Przemysl mit Lemberg verbindet. Damit umringen sie Przemysl schon von allen vier Seiten. tu Budapest, 26. Mai.„Az Est“ meldet: Der Druck unserer Truppen auf die russischen Stellungen an der Przemysl=Grodek=Front äußert sich durch fortwährenden Raumgewinn. Während hier der Kampf schon in die Gegend von Mosciska vorgetragen wird, hat die Einkreisungsarmee die Belagerung von Przemysl bereits begonnen. Die Nussen haben auf den Trümmern der zerstörten Befestigungen neue Feldschanzen gebaut, in denen sie ihre Feldgeschütze aufgestellt haben. Sie haben ferner Truppenverstärkungen mit Artillerie aus Lemberg herangezogen. Das Artillerievorspiel eines konzentrischen Angriffeg hat begonnen. Im Augenblick beschießen unsere Geschütze die Ruinen unserer eigenen Forts. Die Räumung der Karpathenpässe. wtb Petersburg, 25. Mai.„Rußkoje Slowo“ stellt fest, daß die Räumung der Karpathenpässe und der Rückzug von der Dunajec=Linie zum San, den der Generalstabsbericht jetzt mit der Umgruppierung begründet, ohne Zweifel ernsthafte Erfolge des Feindes seien, die den Russen den kürzesten Weg nach Ungarn sowie nach Krakau verlegten. Diese Gebiete seien für die Deutschen die allerempfindlichsten auf dem ganzen Kriegsgebiete. Obwohl die Heeresleitung gewußt habe, daß große Truppenmassen in Westgalizien zusammengezogen waren, so sei doch die Aufklärung mit den vorhandenen Mitteln nicht genügend durchführbar gewesen. Außerdein habe sich stets die ungeheure Ueberlegenheit der feindlichen schweren Artillerie gezeigt. Das Blatt spricht die Hoffnung aus, daß die Sanlinie gehalten werde und Przemysl als Stützpunkt dienen könne. Vorbereitung der Räumung Lembergs. tu Budapest, 25. Mai.„Az Est“ meldet aus Munkacs: Von Truppen der Armee Linsingen gefangene Russen erzählen, die Russen begännen langsam mit der Räumung Lembergs. Das Hauptquartier mit Nikolai Nitolajewitsch verließ angeblich bereits im Geheimen Lemberg. Der verzweifelte Widerstand der Russen bei Stryj bezwecke die Deckung des Rückzuges. Eine Armeeverschwörung in Rußland? bb Petersburg, 25. Mai. Hier gehen Gerüchte um über die Aufdeckung einer weitverzweigten politischen Verschwörung innerhalb der russischen Feldarmee. Vizeminister des Innern, Chef der Gendarmerie, Dshunkowski, hat sich soeben nach dem Hauptquartier begeben. In Verbindung damit sind laut„Voss. Ztg. in den letzten Tagen noun höhere Offiziere in Petersburg verhaftet worden. Der Zar hat seine Reise nach dem Kriegsschauplatz erst angetreten, nachdem Dshunkowsky sich persönlich für seine Sicherheit verbürgt hat. Zum Offiziersmangel in Rußland. Berlin, 25. Mai. Wie„Rußkoje Slowo“ vom 29. April mitteilt, hat der Minister des Innern. angeordnet, daß die Militärpapiere sämtlicher dienstentlassener Offiziere und Stabsärzte, die das 55. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, nachzuprüfen sind zur Feststellung, ob sie als völlig unbrauchbar ausgeschieden oder zur Reichswehr verabschiedet worden sind. Im letzteren Falle sind sie sofort mit Gestellungsbefehlen zu versehen. Auch die Pässe aller Aerzte unter 43 Jahren sind durchzusehen und ihre Inhaber, sofern sie bei der ersten Musterung der Reichswehr zugeteilt wurden, sofort einzuberusen. Der„Friedenszar“ bb Berlin, 26. Mai. Der Zar hat zum Ausbau des Friedenspalastes im Haag 100000 Rubel zur Verfügung gestellt. —— Der Krieg gegen Franklthh. Unsere Flieger an der Arbeit. wtb Paris, 26. Mai. Der„Temps“ berichtet, daß ein deutsches Flugzeug, das vorgestern Paris überflog, acht Bomben warf. Fünf fielen in die Nähe des Eiffelturmes, eine davon mitten in eine Schar spielender Kinder, glücklicherweise ohne zu platzen. Es wurde nur sehr wenig Schaden verursacht. Das Flugzeug überflog dann Javel und warf=noch drei Bomben ab, die auf der Rue ChasseLaubat niederfielen, ohne größeren Schaden anzurichten. Nach wenigen Minuten entfloh das Fleugzeug, da sechs französische Flugzauge zur Verfolgung aufgestiegen waren. Das Flugzeug war so inkenntlich gemacht, daß es einem französischen Voisin=Zweidecker ähnlich sah und erst erkannt wurde, als die Bomben fielen. wtb Compiegne, 26. Mai.(„Havas“). Am Montag morgen gegen 6 Uhr überflog ein deutsches Flugzeug Ressons=fur=Matz. Es wurde von französischen Fliegern verfolgt und entkam in der Richtung Novon. Die brave Juliette mit dem Besenstiel. Ein in Neuyork wohnhafter Franzose namens Jaques Didier richtet, wie der„Germania Herold“ in Milwaukee mitteilt, an eine der dortigen dutschfeindlichen Zeitungen eine Zuschrift, die so allerliebst, und zugleich für die lebhafte Phantasie der Franzosen so ungemein charakteristisch ist, daß wir sie hier in wörtlicher Uebersetzung wiedergeben „Erst vor einer Woche hörte ich von einem Verwandten, der in der sranzösischen Stadt Plois(Garonne) lebt, und er erzählt in seinem Briefe, daß seine Tochter Juliette Menteuse jeden Tag die französische Kavallerie in den Gräben bei Verdun mit Kaffee erquickt. Sie trägt ihn jeden Nachmittag um 5 Uhr in einem großen Topf von ihrem Hause nach diesen Gräben. Sie sagt, sie würde der Stunde wegen lieber Tee bringen, wenn nicht die Teeblätter auf die Reige gegangen wären. An einem Nachmittg verließ sie unbekümmert, wie gewöhnlich, ihr Haus, als in einer Entfernung von einer Meile ganz unerwartet eine deutsche Patrouille erschien. Sie sprang sofort hinter einen großen Felsen, wo sie einen Besenstiel fand, mit dem sie sich gegen die Deutschen zu verteidigen gedachte. Als sie kamen(es waren ihrer zwanzig), richtet sie den Besenstiel auf sie, um sie glauben machen, es sei ein Schnellseuergeschütz. Sie rief ihnen zu, die Hände hoch zu heben, was sie auch prompt taten, nachdem sie ihre Gewehre fortgeworfen hatten. Sie sprang nun hervor, nahm die ganze Gesellschaft gefangen und brachte sie zu dem Kommandeur des Grabens, der das Eiserne Kreuz von seiner Brust nahm und es ihr gab. Er war nämlich ein Elsässer und hatte das Eiserne Kreuz bei den Kämpfen gegen die Hereros in Afrika gewonnen.“ der vom Präsidenten Wilson verkündeten Neutalität führen wir, sagte er, Krieg gegen Deutschland und Oeserreich= Ungarn Regierungsbeamte in Washington und die von britischem Gold beherrschte Presse vermeiden alles, was England irgendwie in Verlegenheit setzen könnte, und leisten anderseits jede Hilfe, die zur Zerschmetterung Deutsch lands führen könnte. England importiere Menschenfresser von den Südseeinseln, bemerkte u. a. Bartholdt, um sie im Kampf gegen Deutschland zu benutzen. Der Krieg gegen Taglaus. Ein neuer englischer Völkerrechtsbruch. Großes Hauptquartier, 22. Mai. Bei der Fahrt über die Schlachtfelder bei Ypern erfahre ich folgenden neuen Völkerrechtsbruch der Engländer: Auf stark unter Fauer gehaltener Straße, 150—200 Meter südlich St. Julien, wurde ein englischer Sanitätsautomobilzug, bestehend aus Krastwagen und Anhänger gefunden, dessen Führer durch Streufeuer getötet worden waren. Der Anhängewagen, der ebenfalls das Rote Kreuz trug, war mit einem eingebauten Maschinengewehr armiert, dessen Bedienungsmann, ein Schwarzer, ebenfalls getötet war. Von dem ganzen Juge, der in unseren Händen ist, besitze ich eine Photographie, auf welcher die Nummern D 2 Nr. 9089 des Zuges deutlich zu lesen ist. Zahlreiche Aerzte und Sanitätsmannschaften bestätigten mir, daß die Engländer stets auf sie feuerten, trotzdem sie das rote Krauz deutlich erkennbar trugen. Wachsende Lebensmittelnot in England. Rotterdam, 22. Mai. In der letzten Sitzung des Unterhauses erklärte Rothero, der Weizenpreis könne auf eine solche Höhe steigen, daß er den Willen der Nation, den Krieg unentwegt fortzusetzen, leicht beeinflussen könne. Ein schwieriges Problem seien auch die hohen Fleischpreise. Die Landwirte hätten anfänglich alles entbehrliche Vieh verkauft, weil es an Futtermitteln mangelte. So kam es, daß das Fleisch zuerst billig war, aber der Viehbestand sank dabei auf einen gefährlichen Punkt. Jetzt treiben die Preise für Futtermittel die Fleischpreise herauf.— Das Handelsblatt gibt bekannt, daß am Montag eine Verhandlung mit Vertretern des Fleischhandels stattgefunden habe und weist das Publikum auf die Notwendigkeit hin, seinen Fleischbedarf einzuschränken, um ein weiteres Steigen der Preise zu verhindern. Die Londoner Fleischhändler erblären, daß die Verringerung der Schiffstransporte den Mangel an der Fleischzufuhr verursa ten. (Und das ist das Lai.5, das uns aushungern will! Die Red.) Eine englische Flotte in der Nordsee? bb Kopenhagen, 26. Mai.„Aftenposten“ meldet aus Drontheim: Der Kapitän eines in Stavanger aus England eingetroffenen Dampfschiffs erzählte, er habe in der Nordsee eine englische Flotte von 100 Kriegsschiffen verschiedenster Größe passiert. Die Flotte ging in nordwestlicher Richtung Ein anderes gestern hier eingetroffenes Telegramm berichtet, in der Nordsee 90 Kriegsschiffen mit südlicher Fahrt begegnet zu sein. Der Krieg gegen Italien. Die Politik Italiens. wtb Kopenhagen, 25. Mai.„Politiken“ sagt in einem Artikel über Italien, was in den letzten Tagen geschehen sei, sei die notwendige Folge der Politik, die Italiev seit Beginn des Krieges geführt habe. Italien hätte sich durch diese Politik selbst isoliert. Selbst wenn Oesterreich Italien die Erfüllung aller seiner Ansprüche angeboten hätte, hätte es, um der Verständigung zu entgehen, noch höhere Ansprüche stellen müssen. Italien ist nunmehr dem blutigen Dämon des Weltkrieges anheimgefallen. Der Kernpunkt des Verrats. wtb Berlin, 26. Mai. Die Kernpunkte des Verrats Italiens werden von Georg Bernhard in der „Possischen Zeitung" besprochen. Es sei kein Wunder, daß Oesterreich=Ungarn sich zu solchen Kompensationen nur sehr schwer entschlossen habe. Daß sie ausschließlich doch zugestanden wurden, war, wie man in Italien wußte, wesentlich zurückzuführen auf den Einfluß Deutschlands, das zwischen den beiden Bundesgenossen einen erträglichen Zustand herstellen wollte. In politischer Beziehung erleichtert das Eingreifen Italiens in den Krieg unsere Situation. Denn die innere Festigkeit des Dreiverbandes scheint durch das Eingreifen Italiens eher gelockert. Die Ueberschlauheit des Dreiverbandes werde sich sehr bald rächen. Italiens Judaslohn. bb Wien, 26. Mai. Das„Neue Wiener Tagblatt" erfährt aus London, daß die bisher von England an Italien gezahlten Vorschüsse 900 Mill. Mark betragen. Hiervon sei ein Teil von 450 Millionen bereits im November vorigen Jahres an Italien gezahlt worden, also zu einer Zeit, da sich Italien noch für durch den Dreibund gebunden ansehen mußte. Oesterreichs Antwort auf die italienischen Geschichtsfälschungen. Wien, 25 Mai. Das Wiener Kabinett wird demnächst ein Rotbuch veröffentlichen, in dem der Depeschenwechsel zwischen Rom und Wien eingehend mitgeteilt werden wird. Indessen erfährt man schon heute, daß Italien schon lange vor dem 4. Mai mit der Kündigung des Bündnisses gedroht hat. Die italienische Regierung hat nämlich schon am 11. Februar eine Note an das Wiener Kabinett gerichtet, in der sie erklärte, daß sie die neuerliche österreichische Offensive gegen Serbien, die damals unmittelbar bevorstand, als einen Vertragsbruch auffassen müßte. Oesterreich=Ungarns Bestrebungen, gute Beziehungen zu Italien aufrechtzuerhalten, gingen so weit, daß tatsächlich die damals geplante Offensive gegen Serbien unterblieb. Jedenfalls ist auch dies bezeichnend für die Auffassung von Bundestreue durch Salandra, die im Gegensatze zu den Aeußerungen des Königs Viktor Emanuel und San Giulianos zu Beginn des Krieges stand. Die Botschafter der Z'ntralmächte auf der Heimreise. bb Chiasso, 25. Mai. Der Sonderzug des Fürsten Bülow ist mit anderthalbstündiger Verspätung um 10 Uhr 25 Min. vormittags mit verdunkelten Fenstern hier eingetroffen und um 10½ Uhr weiter gefahren. Er fährt über Zürich und Stuttgart und wird wahrscheinlich morgen um 4 Uhr nachmittags in Berlin eintreffen. In Chiasso wurde der Zug mit militärischen Ehren empfangen. Fürst Bülow wurde vom deutschen Konsul in Lugano begrüßt und sah sehr gut aus. Ein zweiter Sonderzug mit den Botschaftern Oesterreich=Ungarns und der Türkei ist hier mit einer halbstündiAmerikanische Kritit an der Waffenausfuhr. Kiel, 25. Mai. Der ehemalige amerikanische Kongreßabgeordnete Richard T. Bartholdt hielt in St. Louis nach der„Omaha Tribune“ in einer von der American Neutrality League veranstalteten Massenversammlung eine Rede, in der er unter großem Beifall die Wilsonsche Politik der Ausfuhr von Waffen und Munttion scharf verurteilte. Trotz Jur Isterreichischen Flottenaktion gegen die italienische Ostküste, gen Verspätung um 9 Uhr 15 Min. vormittags eingetroffen und nach viertelstündigem Aufenthalt weiter gefahren. Die Fürstin Lichtenstein ist hier ausgestiegen, um sich nach Lugano zu begeben, wo der Botschafterzug nicht anhält. Der Zug hat ohne Aufenthalt und ohne Zwischenfall die Grenze passiert. Abreise des italienischen Botschafter, aus Berlin. tu Berlin, 26. Mai. Der ikglienische Botschafter Bollati hat gestern vom Auswärtigen Amt seine Pässe verlangt und erhalten. Seine Abreise, die anfangs schon für gestern abend vorgesehen war, ist auf die frühen Morgenstunden des heutigen Tages verlegt worden. Wo werden die Italiener angreisen? tu Kopenhagen, 26. Mai. Pariser Blätter lassen sich krus Lugano melden, daß die Oesterreicher bei Trient zwei Etschbrücken gesprengt und zwei Kilometer Eisenbahn bei Borghetto zerstört haben. Die Truppen stehen in starken Befestigungen. Man glaubt, daß die Itgliener zuerst im Isonzo=Tal die Offensive ergreifen werden. Möglich ist auch, daß der Angriff Italiens in der Herzegowina erfolgt. Freiwillige tiroler Standschützen. Frankfurt a. M., 25. Mai. Nach einer Wiener Meldung der„Frankf. Ztg.“ haben sich in Tirol 500 Männer zwischen 72 und 76 Jahren als freiwillige Standschützen gemeldet, was bezeichnend für die beispiellose Empörung der Bevölkerung ist. Auch sonst ist der Andrang älterer Männer zu jegl'cher Art Kriegsleistung außerordentlich. Die Lage in Triest. bb Triest, 25. Mai. Die Gemeindevertretung ron Triest und Görz ist aufgelöst und dafür ein kaiserlicher Kommissar eingesetzt worden. Es sind keinerlei Zwischenfälle erfolgt. Der italienische Bevölkerungsteil ist in gedrückter Stimmung. Die Krise, von der Triest unmittelbar betroffen ist, übt einen schweren Druck auf die Stadt aus, aber alle öffentlichen Einrichtungen funktionieren ungestört weiter. Bei der Verkündigung des Kriegszustandes wurde auf allen Gebäuden die kaiserliche Standarte aufgezogen. Es hat auch im Kreise der italienischen Bevölkerung große Erbitterung erregt, daß die irredentistischen Führer hier alles in Stich gelassen haben und nach Rom geflüchtet sind, wo sie in Sicherheit den Krieg führen können. So ist das noch nicht dagewesene Ereignis zu erklären, daß in den Straßen Triests Italiener „Nieder mit Italien!“ gerufen haben. Der Generalstreik in Turin. Haag, 26. Mai. Der Generalstreik, den die Sozialdemokraten in Turin als Protest gegen den Krieg abhalten wollen, hat einen großen Umfang angenommen. Große Menschenmassen durchzogen die Stadt unter den Rufen:„Es lebe der Streik! Fort mit dem Krieg!" Kavallerie mußte aufgeboten werden, um die Ordnung wiederherzustellen. Verschiedentlich kam es zu Zusammenstößen. Scharse Schüsse fielen und einige zwanzig Menschen, darunter sieben Soldaten, wurde verwundet. Eine Anzahl der Manifestanten wurde verhaftet, darunter die sozialdemorkatischen Abgeordneten Quaglino und De Giovanni. Die Stimmung im italienischen Heer. In einem„Abschied von Italien“ betitelten Artikel im„B. T.“ schildert Graf v. Moltolini auch den Auszug des italienischen Heeres zur Front. heißt da: In endlosen Zügen fahren die Truppen dem Nordosten des Landes entgegen. Nicht nur die Mannschaften der Linie, sondern auch hunderttausende Reserve= und Landwehrmänner. Aber kein Lied ertönt, kein heiteres Lachen erschallt aus lieser Menge, die doch die Jugend eines Landes in Waffen ist. Diese jungen Soldaten sind sich der schweren Schicksallsstunde viel mehr bewußt, als jene, die in den hohen Marmorsälen Roms die Geschicke des Volkes leiten. In den dunklen, feuchtschimmernden, mandelförmigen Augen dieser lraven, blassen Soldaten spiegelt sich nur der Schmerz, die Lieben und die Heimat verlassen zu müssen, um für ein Phantom zu kämpfen. Sie wissen sehr wohl, daß nicht sie die Angriffenen sind, sondern daß sie angreifen sollen, sie wissen, daß nicht sie den heimischen Herd verteidigen, sondern daß sie im Dienst der Unersättlichkeit mit ihrem Blut ein Stück Land erobern sollen, das ein Feverstrich ihrem Vaterland hätte erwerben können. Die Führer suchen den Mut der Truppen zu heben; Scherzworte werden den Soldaten zugerufen: alles umsonst—! Selhst der freigebig gespendete Wein vermag nicht, die Stimmung zu heben. So zieht kein siegbewußtes Heer ins Feld, das von der guten Sache, der es dient, überzeugt ist. Traurige Mienen sieht man auch auf den Bahnhöfen, wo ältere Leute der Territorialmiliztruppen in der altpiemontesischen Uniform, alte Remington=Gewehre im Arm, die Wache halten. Auch sie sehnen sich heimwärts, zu Weib und Kind. Teilnahmslos starren sie in das Bild der Verwirrung und Kopflosigkeit, das sich nun seit Wochen vor ihren Augen abspielt, und den stolzen Namen der großen Mobilisierung Italiens führt. Welchen Einfluß wird Italien auf die allgemeine Kriegslage ausüben? Darüber schreibt Generalleutnant z. B. Baron v. Ardenne in der„Megd. Itg.“: Italien hat sich zu unsern Gegnern gesellt. Aus den Verbündeten sind lärmende Feinde geworden. Uns beschäftigt nur die Frage, welchen Einfluß wird der Aufmarsch der itallenischen Armeen auf Mittwoch, 26. Mai 1915. Nr. 120. Beilage. Schwerter Zeitung. Amtliches Kreisblatt. Der achte Feind. „Ein Treubruch, dessen gleichen die Geschichte nicht kennt, ist von dem Königreich Italien an seinen beiden Verbündeten begangen worden. Nach einem Bündnis von mehr als 30 jähriger Dauer, während dessen seinen territorialen Besitz mehren und sich zu ungeahnter Blüte entfalten konnte hat uns Italien in der Stunde der Gefahr verlissen und ist mit fliegenden Fahnen in das Lager unserer Feinde übergegangen.“ Mit diesen Worten kennzeichnet der greise Kaiser Franz Joseph in einem Aufruf an seine Völker den Kriegsbeschluß Italiens, des Briganten, der die mit dem Tolchmesser bewafsnete Räuberhand in dem Augenblick heimtückisch über die Alpen reckt, in dem seine bisherigens Bundesgenossen im Begriffe sind, nach neunmonatigem schwerem Kampfe den starken Gegner im Östen mit gesammelter Kraft zu Boden zu werfen. Aber der Räuber, der jetzt glaubt, leicht Beute machen zu können, wird sich schwer täuschen, wenn ihn auch bei seinem srevelhaften Beginnen gleich sieben Bundesgenossen unterstützen. Und ebensowenig, wie diese heute einen Erfolg zu verzeichnen haben, wird es Italien gelingen, die deutschösterreichisch=ungarische Waffengemeinschaft zu Fall zu bringen. Mit unbeugsamer Entschlossenheit werden die deutschen Heere im Bunde mit den sturmerprobten österreichischungarischen Kampfgenossen sich den Italienern entgegenwerfen, die für eine mit dem Fluche verwerflichen Treubruchs belastete Sache kämpfen wollen. Ebenso wird das deutsche Volk sich auch durch den achten Feind, der nun mit frischen Kräften gegen uns aufmarschiert, nicht aus der Fassung bringen lassen. Sein Treubruch hat uns nicht unvorbereitet getrossen. Lange haben wir ja freilich an eine solche Möglichkeit nicht glauben wollen, aber nach und nach wurde es doch immer mehr Gewißheit, daß Italien den Treubruch nach dem Friedensbruch folgen lassen würde. Am Pfingsisonntag ist der österreichisch= ungarischen Regierung die Kriegserklärung überreicht worden, und bereits in der Nacht zum Psingstmontag haben die Feindseligkeiten begonnen. Daß sie so endigen werden wie unsere bisherigen siegreichen Kämpfe, das ist nicht nur unser Wunsch, darauf bauen wir mit unerschütterlicher Zuversicht im Vertrauen auf unser und unserer Verbündeten tapferes und todesmutiges Heer und kühne Flotte, im Vertrauen auf Gott, der unserer. gerechten Sache den Sieg verleihen wird. italienische Heer. * Nach amtlichen Angaben standen 1912 in Italien an ausgebildeten Mannschaften zur Verfügung 3442 150 Mann. Diese Zahl setzt sich zusammen aus 41692 Offizieren (15001 aktive, 14 256 beurlaubte des stehenden Heeres und der Mobilmiliz, 3633. der Territorialmiliz, 1654 des Hilisdienstes, 7174 Reserve=Offiziere); 298 448„Kunnschaften des stehenden Heeres, 491 507 Beurlaubte des stehenden Heeres, 328601 Mobilmiliz und 2281 802 Territorialmiliz. Dazu muß bemerkt werden, daß hinsichtlich der Truppen der Territorialmiliz, soweit es sich nicht um die älteren Jahrgänge der wirklich gedienten Mannschaften handelt, von„Ausbildung“ höchstens insosern die Rede sein kann, als sie eine dreißigtägige Schulung genießen sollen, daß aber diese Schurung in früheren Jahren in der Regel und vermutlich auch bis in die letzten Jahre vorwiegend nicht erfolgt ist Außerdem liegt angesichts der Bevölkerungszifser wie der starken Auswanderung Italiens auf der Hand, daß ein recht erheblicher Teil vor allem der Territorialmiliz nur auf dem Papier stehen kann.— Die Friedensglieverung des nnnienischen Heere Aisaßt 12 Armeekorps mit 25 Infanterie= und 3 Kavallerie=Divisionen. Die Infanterie setzt sich zusammen aus 288 Infanterie=, 36 Bersaglieri=, 26 Alpini= und 12 Radfahrer=Bataillonen„Die Kavallerie zählt 29 Regimenter mit 145 Schwadronen. Die Feldartillerie umfaßt 30 Regimenter mit 190 Batterien, ferner 8 reitende und 8 schwere Batterien. Dazu kommen 2 Regimenter Gebirgsartillerie mit 27 Batterien und 10 Regimenter Festungs=Artillerie. Die italienische Kriegsflotte besteht aus 12 Linienschiffen, 8 Panzerkreuzern. 7 kleinen Kreuzern, 33 Torpedobootszerstörern, 70 Hochseetorpedobooten und Unterseebooten. Die nächste Sitzung des 20 Abbruch der deutsch=italienischen Beziehungen. Der italienische Botschafter in Berlin, Bollati, hat Dienstag nachmittag im Auswärtigen Amt seine Pässe verlangt, die ihm dann auch alsbald zugestellt wurden. Um 12 Uhr 30 Min. war ihm aus Rom die telegraphische Aufforderung zu diesem Schritt zugegangen, der damit begründet wurde, daß der deutsche Botschafter Fürst von Bülow seine Pässe gefordert und erhalten habe. Damit sind zunächst nur die diplomatischen Beziehungen zwischen Deutschland und Italien abgebrochen. Eine Kriegserklärung bedeutet dieser Abbruch zunächst nicht. Die italienische Regierung läßt vielmehr verlauten, daß ihrerseits eine Kriegserklärung an Deutschland nicht beabsichtigt sei. Zur Abreise des deutschen Gesandten am Vatikan. :: Die Abreise der beim Heiligen Stuhl beglaubigten diplomatischen Vertreter Deutschlands ist, wie der„Berl. Lok.=Anz.“ hört, auf Verfügung der deutschen Regierung erfolgt, da ihr weiteres Verbleiben in Rom für den Vatikan mit Schwierigkeiten verbunden gewesen wäre. die man deutscherseits vermieden sehen wollte. Insbesondere gilt das auch vom preußischen Gesandten, dessen Wohnung außerhalb des Vatikans belegen ist und tere Tätigkeit durch diesen Umstand sehr erschwert worden wäre. Daß die Rückberufung der Diplomaten auf Druck des päpstlichen Stuhles erfolgt ist, dürfte demnach und entgegen anders lautenden Meldungen unzutreffend sein. Deutsches Reich. Der gefährdete deutsche Weinban. :: Im Reichstag ist von Mitgliedern der Zentrumsfraktion folgende Anfrage an den Reichskanzler eingebracht worden:„Der deutsche Weinbau ist durch den Einzug seiner brauchbarsten Arbeitskräfte zum Heeresdienst in seiner Existenz gefährdet, weil nicht genügender Arbeiterersatz sich findet, da zu den in den Monaten Mai und Juni nötigen Umgrabungen und mehrmaligem Bespritzen der Weinberge gegen Schädlinge ältere Männer und Frauen nicht verwendet werden können. Wäre der Herr Reichskanzler nicht gewillt, mit der Heeresleitung ins Benehmen zu treten, daß eingezogenen Landwehrund Landsturmmännern, wenigstens solchen, die eigenen Weinbergbesitz haben, und die zur Durchführung der Arbeiten keinen oder nicht genügenden Ersatz sinden können, auf Ansuchen hin für den Monat Juni Urlaub gewährt werde? Bei der Geschäftslage des Hauses erbitten wir schriftliche Beantwortung.“ „ Die nächste Sitzung des Reichstages. *:: Die nächste Sitzung des Reichstages findet am Freitag, den 28. Mai, nachmittags 3 Uhr, statt. Eine Sitzung der Senioren ist für 2½ Uhr angesetzt. Auf der Tagesordnung der Plenarsitzung stehen nur die schon bekannten Vorlagen. Es ist natürlich, wie das„Verl. Tagebl.“ bemerkt, nicht ausgeschlossen, daß, abgesehen von diesen Punkten, auch die durch das Eingreisen Italiens in den Krieg geschaffene politische Lage ihren Widerhall in der Sitzung findet. Die Kämpfe der Türken. Die erfolgreiche Abwehr seindlicher AnTardanellen. aus Konstantinopek griffe an den :: Eine Meldung vom 23. d. M. besagt: Das Hauptquartier teilt mit: Auf der Dardanellenfront griff der bei Sedd ul Bahr befindliche Feind gestern vormittag unter dem Schutz des Feuers seiner Batterien und seiner Flotte mit allen Kräften an. Trotz beträchtlicher Verstärkungen des Feindes wiesen unsere Truppen den Angriff des Feindes, der sich kaum an der Küste zu halten vermochte, vollständig zurück. Der Feind ließ mehr als-000 Tote auf dem verlassenen Teil des Schlachtfeldes. Außerdem erbeuteten wir ein Maschineugewehr. Während des Kampfes stürzte ein durch unser Feuer beschädigtes feindliches Flugzeug ins Meer. Unsere Verluste im Laufe dieses neunstündigen Kampfes betrugen nur 420 Verwundete und 43 Tote. Unsere Batterien am Dardanellenufer fügten den feindlichen Schiffen und den Vatterien bei Sedd ul Bahr, die am Kampfe teilgenommen hatten, schweren Schaden zu. Eine unserer Batterien auf dem kleinasiatischen Ufer traf viermal ein Panzerschiff vom Typ„Majestic“, das darauf den Eingang der Meerenge verließ. Das Ersatzschiff vom Typ„Vengeance“ wurde von zwei Granaten getroffen. Die Bedienungsmannschaft dieser Batterie hatte sechs Verwundete. Bei Ari Burnu keine Veränderung. Das 25 Jahre alte Kanonenboot lengi Terja“(?) wurde heute vormittag von einem feindlichen Unterseeboot zum Sinken gebracht. Das Kanonenboot schoß, bis es unterging, auf das Unterseeboot, dessen Schicksal unbekannt ist. Die Mannschaft ist mit Ausnahme von zwei Toten unversehrt. Auf den übrigen Fronten nichts Wichtiges. :: Unterm 24. d. Mts. teilt das türkische Hauptquartier mit: In der Nacht vom 22. zum 23. Mai versuchte der Feind, sich unserem linken mit VerFlügel zu nähern, wurde aber lusten für ihn zurückgewiesen. Am 23. früh wurde ein feindlicher Kreuzer vor Kaba Tepe durch das Feuer unserer Artillerie schwer beschädigt und von zwei Flugzeugbomben getroffen. Er wurde von fünf Kriegsschiffen weggeschleppt. Gestern in Ari Burnu und Sedd ul Bahr keine Kampfhandlung. Die feindlichen Verluste an Toten und Verwundeten während der Schlacht von Sedd ul Bahr am 22. Mai belaufen sich auf mehr als 4000 Mann. Gestern beschossen die feindlichen Schiffe unsere Infanteriestellungen an beiden Seiten des Einganges zur Meerenge schwach und wirkungslos. Eine unserer Batterien zerstörte eine feindliche Batterie bei Sedd ul Bahr. Nichts Wichtiges Kriegsschauplätzen. übrigen Die Vernichtung des„Panteleimon“. :: Aus Konstantinopel wird gemeldet: Die Nachricht vom Verlust des Panzerschiffes der russischen Flotte im Schwarzen Meer„Panteleimon“ war bis jetzt nur aus ausländischen Drahtnachrichten bekannt. Nun erst wird hier amtlich mitgeteilt, daß dieses Panzerschiff von einem türkischen Untersceboot versenkt worden ist. Die Türkei hat das Bestehen dieses Unterseebootes, das ihr jetzt zur Verfügung steht, verheimlichtt so lange nicht ein Ergebnis seiner Täti keit bekannt war. Die Kämpfe in Ost und West. Leutscher Fliegerangriff auf Paris.e :: P a r i s, 2 5. M a i.„ T e m p s“ e r richtet, daß ein deutsches Flugzeug, das am Sonnabend Paris überflog, acht Vomben warf. Fünf fielen in die Nähe des Eiffelturmes, eine davon in eine Schar spielender Kinder, glücklicherweise ohne zu platzen. Es wurde nur sehr wenig Schaden verursacht. Das Flugzeug überflog sodann Javel, warf noch drei Bomben, die in der Rue Chasseloup Laubat niederfielen, ohne größeren Schaden anzurichten.— Nach wenigen Minuten entfloh das Flugzeug, da sechs französische Flugzeuge zur Verfolgung eufgestiegen waren. Das Flugzeug wear so unkenntlich gemacht, daß es einem französischen Voisinzweidecker ähnlich sah und erst erkannt wurde, als die Bomben fielen. Die Belagerung von Przemysl. :: Berlin, 25. Mai. Wie der Kriegsberichterstatter Kirchlehner dem„Berl. Lok.= Anzeiger“ aus dem k. und k. Kriegspressequartier berichtet, hat der artilleristische Angriff auf Przemysl noch nicht begonnen. Die Festung wird noch von den Russen gehalten. Sie ist bis auf einen kleinen Abschnitt der Verteidigungsfront im Nordosten von allen Verbindungen abaeschnitten. zugleich auch jeglicher Eisenbahnverbindung beraubt. Im Norden sperren Jaroslau, so wie das eben zenommene Radymno, in Süden Chyrow den Bahnverkehr, während die Eisenbahn und Chaussee gegen Lemberg im Feuerbereiche der Verbündeten gelegen sind. Die in Przemysl befindlichen seindlichen Streitkräfte sind außer stande, gegen die Kräfte der Verbündeten erfolgreich aufzutreten, so daß es gerechtfertigt ist, wenn an Stelle eines forcierten Verfahrens zur planmäßigen Niederkämpfung Przemysls geschritten wird. Zu diesem Zwecke wird denn auch schwere Artillerie herangezogen, was mit Rücksicht auf die noch immer gestörten Bahnverbindungen insofern etliche Tage beansprucht, als mit den Geschützen auch ein gewaltiges Quantum Munition herangeführt werden muß. Die Festung, die heute richtiger als russischer Waffenplatz bezeichnet wird, wird einem belagerungsmäßigen„Angriff. unterworfen werden. Die Lügen unserer Feinde. :: Aus dem Großen Hauptquartier wird geschrieben: Im Auslande werden unsere Verluste bei Ypern, bei Arras und in Galizien vielfach in einer geradezu sinnlosen Weise übertrieben. Es werden Verlustziffern genannt, die die Anzahl der uns an Ort und Stelle überhaupt zur Verfügung stehenden Kämpfer wesentlich, in einem Fall um das Doppelte, überschreiten. Allen! Krunenliede. Roman von Clara Aulepp=Stübs. 46 Emma, die ein paar Tassen auf den Küchentisch setzte und sie mit Kaffee füllte, war sehr blaß. „Wenn die gnädige Frau den Schlag nur aushält! Sie liegt so still und schreit nicht und weint nicht," meinte sie besorgt. „Ach, ick will Di wat segg'n,“ erwiderte Lise Larsen darauf.„Sieh, de Fru, dat is een von de stillen, fasten Naturen, de deit höchstens den leeven Gott ingestahn, wenn sei dat Hart weh deiht, de awers süs kenn grot Geweh vun ehr Wedag maken!“ „Ja, dat is woll so,“ sagte Marthe Steffens gedankenvoll,„vel Klagen, dat is un gornich ehr Sak. Dat war schonst so, as ehr leei Mutting storv. — Ja, ja, de sonnerbare Ahnung in min Gemöt, de let sich gor nicht awschüddeln, se bedrügt ock Auch Marthe benutzte nun den Schürzenzipfel, um die dicken Tränen, die ihr in den Angen standen, nicht in die Tasse mit dem dampfenden Trank fallen zu lassen, die sie danach zum Munde führte. „Ja, dat is unn mal so,“ seufzte sie dabei tiefsinnig. Lise Larsen rührte den Kaffee nicht an. Sie stand auf und wandte sich zum Gehen. Auf der Schwelle drehte sie sich noch einmal um und sagte:„Ja, ick ga nn to Hus, de Görn sünd alleen!" Und Lise Larsen ging heim. Sie war wohl selbst eine jener„stillen, sanften Naturen, die hüchstens dem lieben Gott eingestehen, wenn ihnen das Herz weh tt, die aber sonst kein großes Gejammer von ihren Schmerzen machen.“ Und deshalb verstand wohl diese arme Fischersfrau die reiche, vornehme Dame so gut; sie waren — trotz des großen, äußeren Abstandes— in ihren tiessten Schichten verwandte Naturen.——— ### Es ist schrecklich,“ sagte die verwitwete Frau Major Holm zu ihrem Sohne Heinz, der am Begräbnistage Giovannis in aller Morgenfrühe schon kam, um nach Lottis Befinden zu fragen.„Es ist schrecklich, was sie zu leiden hat!“ Und Heinz fragte nicht weiter. Er sah seiner Mutter an, daß sie die Nacht schlaflos verbracht hatte. Jetzt harrte sie mit bangem Herzen auf den Arzt. Ihr Sohn reichte ihr die Hand. „Ich komme gleich nach dem Begräbnis wieder herüber," sagte er. Seine Stimme klang fast rauh vor innerer Bewegung.„Wenn das Kind geboren würde— gerade heute— ach, Mutter!" Es war ein schmerzvoller Blick, welchen Mutter und Sohn wechselten. „Ja, es wäre schrecklich," erwiderte diese,„aber für Lotti wäre es besser; ihre Leiden hätten doch dann ein Ende—“ „O, Mutter, Du meinst doch nicht etwa——“ „Nein, nein! So meine ich es nicht, Heinz," beruhigte die Mutter den Aufgeregten,„an das Schlimmste wollen wir nicht denken!" „Es wäre ja auch zu furchtbar,“ murmelte Heinz Holm. Er war bis ins Innerste erschüttert. Vom schlanken Tume der Villa Arnheim wehte die Flagge auf Halbmast. Und oben im großen Salon sah das wunderschöne Frauenbildnis durch den schwarzen Schleier des Flors auf den stillen Schläfer nieder, der da auf weißen Seidenkissen ruhte. Ein leiser Lufthauch, der durch ein geöffnetes Fenster strich, hob den Flor ein wenig von dem Bilde, und da schienen die Augen zu reden. Diese großen, leidenschaftlichen Angen wurden plötzlich krank und matt und leidvoll. Und un den Mund lag ein Weh, ein herzzerreißendes, folterndes Weh um den toten Sohn im Sarg. Und auf einmal war in der Luft ein Klingen, Stsen lüßes Singen aus Muttermund, wie ein Wiegenlied aus uralter Zeit,....x Gustug fvieste Die roten Rosen dufteten, der Lufrzug spielte mit den Spitzendes Sterbekissens, warf eine dunkle Locke ins Totengesicht und zauberte den Schimmer eines Lächelns hinein. Und immer noch schwebte die Melodie durch den Raum.——.„ Und während draußen auf dem Totenfeld ein Posannenchor den ergreifenden Schlußchoral über den Hügel schmetterte und danach die Leidtragenden die Häupter entblößten zumstillen Gebet. kämpfte drüben im Direktorhaus ein junges Leben das schwerste Martyrium des Weibes durch. Die beiden Damen, Frau Bankier Czerny und Frau Major Holm, die sich unten im Eßzimmer befanden, erzitterten in bangem Harren. Wie endlos lang die Stunden verstrichen— und noch immer keine Nachricht, kein Zeichen von oben, wo die Aerzte um die junge Frau bemüht Woren. g:. K.s un Aen en Cansfste 84 „Ach, ach! Wie wiro oas enden?“ seurzie die Frau Bankier und weinte still vor sich hin. Und die Frau Major nickte und weinte auch und sagte:„Ja, es ist schrecklich, es ist schrecklich!“ Da— endlich ein leichtes Klopfen an der Tür, das blasse Gesicht einer Schwester wurde sichtbar. „Ein Knabe, ein prächtiger, gesunder Knabe, meine Damen!" Die noch junge Schwester war selbst bewegt. „Frau Arnheim ist sehr erschöpft, ja; aber mit Gottes Hilfe wird sie sich erholen!“ Sie drückte den Damen die Hände und eilte wieder hinaus. „Ich kann nicht länger abkommen oben,“ entschuldigte sie sich noch von der Tür her. Die beiden Damen aber sahen sich an. Sie fühlten wohl beide, daß es in unserem Leben Augenin denen der Mensch erK Und auf einmal war in der Luft ein Klingen, ten wobl beigsa,ögg. eine lelse, leise Mlelodte schuette durch den Raumzsblicke gibtzizg gaglie, iun benen der Annisposlel Pren perszischen unchauungen. man hörte sie nicht, man fühlte sie nur, wie ein schauernd fühlt, daß es eine dunkle, geheimnisvoue ihren peose. Macht gibt, eine Unberechenbarkeit, ein Aneinanderreihen von Zufälligkeiten, die uns in eine bange Unsicherheit stürzen, daß wir hilflos diesem Dunklen, Geheimnisvollen gegenüberstehend und nur bittend die Hände heben können, flehend:„Herr, hilf, hilf Du, denn Deine Güte währet ewiglich!“ 13. Kapitel. Kommerzienrat Arnheim war unzurechnungsfähig. Er verbrachte seine Tage im Fahrstuhl und saß, wenn die Witterung es irgend erlaubte, unter den Linden im Garten. Klaus meinte wohl oft, der Herr verstände ganz genau, was um ihnher vorginge, seine Augen blitzten oftso seltsam, aber der Arzt schüttelte den Kopf: „Nein, nein, Klaus! Gewiß sieht und hört er alles, aber das Verständnis für die Dinge fehlt. Es ist sehr traurig.“ „Sehr, Herr Doktor, denken Sie bloß daran, wer das große Werk nun leiten soll? Der Kommerzienrat krank, der junge Herr tot— bleibt nur noch die junge, gnädige Frau.“ „Und die wird es schon tun, da verlassen Sie sich darauf, alter Klaus.“ Der Arzt klopfte dem treuen Alten auf die Schulter und ging. Und Klaus sah ihm mit offenem Munde nach. „Wa— wa— was hatte der Doktor da gesagt?" Er setzte sich zunächst erst einmal, denn das war ihm in die Beine gefahren. „Nee, das ist nicht möglich!“ brummte er vor sich hin,„das is nich möglich! Das kann die Frau nicht!“ „Lieber Alter! Eine Frau kann viel, sehr viel, besonders, wenn sie aus solchem Holz geschnitzt ist, wie Frau Lotti!“ Die wuchs sich aus zu einer jener stolzen, geraden Frauennaturen, die sich nicht mögen bemitleiden lassen. Sie legte sich in ihrem Innern ihre Aufgabe zurecht nach ihrem persönlichen Urteil und Lugennachrichten gegenüber, deren Zweck sa nahe genug liegt und nicht weiter erörtect zu werden braucht, gibt es nur eine Erwiderung: das sind unsere Verlustlisten, die mit deutscher Gründlichkeit und Genauigkeit geführt, unserem Volk einen klaren Einblick gewähren. Unsere Gegner dagegen machen aus ihren Verlusten, selbst ihrem eigenen Volk gegenüber, ein Geheimnis; die Scheu vor der Wahrheit ist zu groß. In Rußland z. B. wird verbreitet, die russischen Gesamtverluste betrugen nur rund 500000 Mann. In Wahrheit befinden sich allein an in Listen geführten russischen Gesamtverluste betrügen nur rund ziere, 530000 Mann, in Oesterreich=Ungarn 1900 Ofsiziere, 360000 Mann, insgesamt 7161 Offiziere, 890000 Mann. Dazu kommen noch mindestens 140000 Mann aus den jetzigen Kämpfen, die von den Heimatbehörden noch nicht übernommen sind, so daß die Zahl„einer Million“ bereits überschritten ist. Kleine Kriegsnachrichten. * Die überlebenden Helden der Besatzung der„Emden“ sind am Pfingstsonntag unter der Führung des Kapitänleutnants v. Mücke in Konstantinopel ungekommen und dort mit unbeschreiblicher Begeisterung ausgenommen worden. * Der Kaiser hat dem General von Emmich in Anerkennung seiner Verdienste aus dem galizischen Kriegsschauplatz das Eichenlaub zu dem bei Lüttich erworbenen Orden Pour le merite verliehen. Vermischtes. * Füns Personen beim Segeln ertrunken. Am Nachmittag des Pfingstsonntag kenterte auf dem Steltiner Haff unweit der Steinmole von Stepenitz ein mit 3 Damen und 3 Herren besetztes Segelboot infolge einer Bö. Fünf Insassen ertranken; ein Herr rettete sich durch Schwimmen. * Schweres Eisenbahnunglück auf der Strecke Ulm—Augsburg. Aus Günzburg in Bayrisch=Schwaben wird gemeldet: Als am Pfingstmontag abends um 9 Uhr in einen zwischen Zettingen und Burgau haltenden Militärzug von Landleuten Liebesgaben und Blumen geworfen wurden, fuhr der Personenzug Augsburg—Günzburg in die Menschenmenge hinein. Vier Personen wurden getötet, sieben schwer und mehrere andere leicht verletzt. Die Verunglückten stammen alle aus Schettach Aus Welt und = Rhabarber. Da in der nächsten Zeit größere Mengen von ausländischem Gemüse, namentlich auch Rhabarber, auf den Markt kommen, ist es wünschenswert, daß zugleich eine stärkere Nachfrage einsetzt, um ein Verderben dieses wertvollen Gemüses zu verhindern. Leider ist dieses Gemüse noch immer viel zu wenig bei uns eingeschätzt. Zurzeit sind die Blattstiele bei uns zu einem sehr mäßigen Preise zu kausen, so daß man die Gelegenheit möglichst ausnutzen sollte. Die Verwertung der Rhabarverstiele ist eine sehr mannigfaltige. um verbreitetsten ist die Verwendung als Kompott, zu welchem Zwecke die Stiele geschält, in kleine Stücke geschnitten und in siedendem Wasser abgewellt werden. Nachdem man das Wasser abgeschüttet hat, werden die Stücke in Zuckerwasser, in dem man etwas Zitronenschale und ein Stückchen Zimt zugesetzt hat, weich gekocht. Schließlich wird das Zuckerwasser mit etwas Kartosselmehl seimig gemacht. Man rechnet auf ein Psund Rhabarberstiele etwa ein halbes Pfund Zucker. Durch diesen Zuckerzusatz wied#eses Kompott noch ganz besonders nahrhaft. Verdünnt man das Kompott mit Wasser, so erhält man eine sehr wohlschmeckende Suope. Kocht man das Kompott etwas dick ein, so kann es, wie geschmorte Stachelbeeren, auf Tortletts oder Kuchen gegeben werden. In Dänemark bereitet man aus Rhabarberstielen mit Perltapioka eine außerordentlich wohlschmeckende kälte Rhabarbergrütze, die mit Milch oder Sahne gegessen wird. Die Zubereitung ist ganz ähnlich wie die der wird dann in eine Schüssel gegossen, kalt gestellt und aus eine flache Schale gestürzt. tk. Der geheimnisvolle Name der Städte. wird zweifellos nicht allgemein bekannt sein, daß die Städte im Altertum vielfach einen geheimen heiligen Namen hatten. E. war dies nicht der Name, der auf unsere Zeit kam, sondern eine Bezeichnung, die nur den Priestern vertraut war und von diesen nicht verraten werden durfte. Man glaubte auch, daß der Name, so lange er nicht bekannt sei, die Stadt vor ihren Feinden schütze. Darum waren die Römer nich wenig aufgebracht, als die Karthager sich rühmten, den geheimnisvollen Namen in Erfahrung gebracht zu haben. Wir selbst wissen nichts genaues darüber; aber es verlautet, daß der heilige Name Roms eine Umkehrung des Wortes„Roma“ war, also „Amor“. Andere berichten übrigens, er habe „Valentia“ geheißen. Die Römer übrigens hätten gar zu gerne die geheimen Namen Karthagos erfahren; indes das glückte ihnen nie. Viele Städte des Altertums änderten übrigens oft ihre Namen; so hieß z. Athen erst Kartunia, dann Kekropia, dann Akte und während der Türkenherrschaft Setin. Byzanz wurde Konstantinopel und unter den Türken Stambul; Parthenope wurde Neapel; Lutezia wurde Paris; am meisten Namen hatte aber Jerusalem, wie schon der lateinische Vers zeigt:,„.#. 8.ug Solya, Lusa, Bethei, Jerosolyma, Jebus, Elia, Urbs sacra, Jerusalem dieitur atque Salom. Viele der heutigen Städte leiten ihre Namen von ihren zeitweiligen Unterdrückern her: so entstand aus dem römischen(lateinischen)„Londinum" London, aus„Vindovona“ Wien, und aus dem arabischen„Madscherit“ erhielt die spanische Hauptstadt Madrid ihren Namen... Biant ik. Ein Italiener über die„Vereinigten Staaten von Enropa“. Der italienische Senator Hektor Ponti veröffentlicht demnächst ein Buch über den Gedanken der „Vereinigten Staaten von Europa“. Er geht von dem Satz Cavours aus:„Meines Erachtens ist der Krieg eine der gräßlichsten Geißeln der Menschheit und ein Weltfriede, der nicht auf Kosten der Völkerfreiheit erkauft würde, wäre die größte Wohltat der Gottheit.“ Damals waren nach des Verfassers Ansicht die Leute noch zu unreif, um diesen Gedanken zu erfassen; aber inzwischen ist ein Jahrhundert, und was für ein Jahrhundert vergangen. Der Gedanke der Vereinigten Staaten von Europa wurde dann ausgesprochen von dem berühmten italienischen Politiker Mazzini in einem Brief, den er 1867 an den ersten Friedenskongreß in Genf richtete und worin er für die deutsche, italienische und griechische Einigung eintrat. Man solle die Vereinigten Staaten schaffen, und ein Kongreß solle über die Schicksale der einzelnen Staaten wachen. Der Gedanke tauchte dann wieder zu Beginn des Krieges auf; der Verfasser hatte mit vielen anderen erhofft, daß dieser Krieg uns dem Ziel der Vereinigten Staaten von Europa näherbringen wird. Und er führt dann in kluger Weise aus Jaß man in der gegenwärtigen oronome schen Periode, für die er die Jahreszahlen 1910 bis 1935 aus einer Reihe von Gründen ansetzt, noch nicht damit rechnen könne, wohl aber in der nächsten Perivde, die etwa von 1935 bis 1960 dauern wird. Und er hofft dann, daß Italien, voran das alte, ewige Rom, berusen sei, die Hauptstadt des Vereinigten Europa und der Sitz des europäischen Kongresses zu sein.„Es würde sich damit Segen und Ruhm der künftigen Geschlechter verdienen!“ Es genügt, auf das interessante Werk hinzuweisen; darüber zu debattieren, ist im gegenwärtigen Augenblick gewiß unnütz. Wir glauben nicht an solche Zukunftsmusik. = Der jüngste Lentnant. Der jüngste Ofsizier der deutschen Armee ist der frühere Kadettenschüler Helmut Billert, geboren in Hagenau i. Els. Er besuchte die Kadettenanstalt Groß=Lichterfelde und trat im August 1914 im Alter von 14¾ Jahren als Fähnrich beim Metzer Infanterie=Regiment Nr. 98 ein, bildete Rekruten aus und zog mit diesen ins Feld. Nach mehreren Kämpfen im Argonnerwald erhielt er am 27. Oktober 1914 bei einem Sturmangris einen leichten Armschuß. Für seine hierbei bewiesene Tapferkeit erhielt er das Eiserne Kreuz unter gleichzeitiger Besörderung zum Leutnant. Zurzeit steht der junge Held wieder in der Gegend von Verdun dem Feinde gegenüber. tk. Was die Fremdenlegionäre vom Krieg wissen. Wie der„Tägl. Korr.“ mitKünchen, in ihrem Maiheft den Bries eines Legionärs an seine Angehörigen in Deutschland. Er erzählt darin von den ersten Siegeslügen, denen zufolge die Russen bereits Königsberg, Posen und Breslau genommen hätten und 80 Kilometer von lin entfernt ständen. Die Legionäre deutscher Abkunft bedauerten natürlich, nicht für ihr Vaterland kämpfen zu können; sie müßten von den Franzosen die unsäglichsten Grobheiten gerabe jetzt erdulden und dürfen es nicht wagen, den Mund aufzutun. In dem Brief wird auch von einer sürchterlichen Niederlage in der Nähe von Ilenifre in Nordafrika berichtet infolge des Ausbruches des Heiligen Krieges. Die Besatzungstruppen von 2000 Mann wurden von den Mohammedanern in einen Hinterhalt gelockt und alänzend geschlagen. Wrich KE 1 Fer SEE Mch ce t In dem Konrad Schindler'schen Konkurse soll eine Abschlagsverteilung vorgenommen werden. Dazu sind ca. 1075 Mark bar vorhanden. Zu berücksichtigen sind 26,44 Mark bevorrechtigte und 6267,90 Mark nicht bevorrechtigte Forderungen. Schwerke, den 25. Mai 1915. Der Konkursverwalter: 2500 Justizrat Backhausen. TrPregreug gegell Eilglalid und andere Flieger-Geschichten von Georg Müller-Heim. Preis Mk. 1.—. vorrätig in der 48-3s Buchhandlung CARL BRAUS Schwerte(Ruhr), Grosse Marktstrasse 3—5. Nach einigen Tagen spurlos verschwunden walen meine Tidern und Mittesser durch Obermeyer's Medizinal= Herba=Seif, andere versagten vollständig Dies bestäligt Herr M. Nothas in Schönthal. Herba=Seise à Stück 50 Pfg., um ca. 36% der wirksamen Stoffe verstärht. Mk. 1.—. Zur Nachbehandlung Herba-Creme à Tube 75 Pig., Glasdose Mk 1.50. 3. h. i. d. Apoth. und den Drog v Max Mehlhose und C. Trog, in Westhofen Drog. Engels. 2317 Favoril Jugendalbum 60 J f s! Favorit Schnittmuster!!! 1 Kavorit Kandart Gudbrnl Danbarbtsalb. 60 S) Alleinverkauf für Schwerte Kaufbaus Otto Mark 28. Mit den Feldgrauen naeh Beigien Hiienl von Wilhelm v. Trotha, Oberleutnant a. D. PPreis Mk. 1.50 Buchhandlung CARL BRAUS SCHWERTE(RUHR). Gr. Marktstrasse 3—5 Mit felgendem Geleitworte Für unsere Kriegsbeschäviglen! Zerschossen oder siech kehren viele Krieger in unseren Kreis duruch,,. MngAhiat sie mahl aher ur veicht fü. Das Valerland entschädigt sie wohl, aber es reicht für die hiesigen Verhältnisse oft nicht aus. Unsere Kaiser=Wilhelm=Stiftung genügt kaum für die Beschädiglen aus den früheren Feldzügen. Wir haben schon häufig gegeben für unsere kämpfenden Brüder; jetzt gilt es denen zu helfen, die ihre geraden Glieder und ihre Gesundheit für uns Daheimgebliebene geopfert babezz,. Terzen und Gände nafl Daph. Darum öffne: Eure werzen und Hände voll Dankbarkeit. habe ich in allen Gemeinden des Kreises Sammellisten in Umlauf gesetzt. Zu meinem größten Bedauern höre ich, daß man sie an mehreren Orten mit den alljährlich umgehenden Listen zur Einziehung der Jahresbeiträge für die Kaiser Wilhelm=Stiftung berwechselt und dem Sammler, der wohl hier und da jenes Geleitwort nicht mitvorgezeigt halte, den geringen Jahresbeittag gegeben hot, während es sich um einmalige Geldspenden zur Ansammlung eines größeren Kapitals für die Stistung zugunsten der Kriegsbeschädigten handelt Wo so verfahren ist, bitte ich. die Listen nochmals in Umlauf zu bringen. Iserlohn, den 21. Mai 1915. Der Königl. Landrak. Nauck, Geheimer Regierungsrat. Heute eingetroffen: Pfund 39 Pfg.— Pfund 55 Pfg. empfiehlt 2497 Kaufhaus für Lebensmittel, Brückstraße 23. D. Kneebusch. Saderiand Siegerland, Waldeck, Niederhessen, Bergisches Land, Ruhrgebiet und Industriebezirk. Anhang: Die Hauptwanderstrecken des S. G. V. Mk. 2.— Vorrätig in der Buchhandlung Carl Braus Schwerke(Ruhr). Große Marktstr. 3—5. 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Es werden daher keinerlei Postsendungen nach Italien mehr angenommen, bereits vorliegende oder durch die Briefnasten zur Einlieferung gelangende Sendungen werden den Absendern zurückgegeben. Der private Telegraphen= und Fernsprechverkehr nach und von Italien ist ebenfalls eingestellt. Berlin W. 66, den 24. Mai 1915. Der Staatssekretär des Reichs=Postamis. 2496 Kraetke. Am Montag, 31. Mai, nachmillags 5 Abr, findet in der Wirtschaft Wilh. Albrecht zu Hennen ein Verding zur Anfubr von 3—400 chm Wegesteinen u. Asche statt. 2403 Hennen, den 25. Mai 1915. Der Gemeindevorsteher: Rahlenbeck. Verband Wesisalischer Arbensnachweise. Die Arbeits=Nachweisstelle Schwerte Liethstraße 4 Fernspr. Nr. 213 vermitlelt Arbeitskräfte aller Ark 411 vollständig kostenfrei. TA ATZTT ANN WÖ M M 227 9 87 2 2 i sag'n: dös is dei Muatta— di wo di ausg'setzt hat hilflos und verlass'n— und dös bin i, die di großzog'n hat wie an eigen Fleisch und Blut. Nacha schaug's a, wen daß d' liaba haft!“ Ruhig und anscheinend gleichmutig, ohne jeocs Pathos, hatte sie es gesagt— ohne daß in den harten Zügen die kleinste Veränderung vorgegangen wäre. Da stöhnte die Fremde auf, tief und verzweifelt, und dann riß sie sich plötzlich den Hut vom Kopf. Schneeweißes Haar kam darunter zum Vorschein, weißer fast als das der Kererbäuerin— und ein Gesicht mit todmüden Augen, deren Glanz die Tränen hinweggewaschen haben mochten— ein Gesicht, das von Kampf und Not, von Sorge und Entbehrung und von bitterstem Herzeleid erzählte. Mit erstickter Stim„Isch sehe wohl, liebe Frau, daß Sie mich wieder erkannt haben. Aber ich bitte Sie: sehen Sie mich an! Wissen Sie, wie alt ich bin? Vierunddreißig Jahre — vierunddreißig Jahre!" „Großzmuatta—. Großmuatta! Schaug dös liabe Bögerl! Oh, dös herzig' Dingl! Ganz alloan is's im Nest g'leg'n. Sei Muatta is fortg'flog'n! Oh, schaug dös liabe KöpflI“. B16 4 Behutsam trug Burgt das gesundene Vogeichen herbei. Die Bäuerin aber faßte den Blondkopf mit zitternden Händen. fortgeslog'n, sei Muatterl? Dös is arg bös, gelt? Dös wird g'wiß der Herrgott an eahm strafen!“ Burgl schüttelte mitleidig den Kopf. leicht hat's nix zum ess'n g'fund'n.— Oder an Adler hat's g’holt— Dös woaß freili nur der liaba Gott!— Aba a herzig's Vogerl— gell?“ „Freili— freili, liab is' scho!“— Und die Stimme der Greisin zittert, daß das Burgl schier verwundert ausschaut.„Aba jatzt trag's nur ins Nest z'ruck, Burgl — Und nacha— nacha giabst dei Muatta da an Busserl oder soviel als d' magst!“ — Als unserm Gebackene Dampfnudeln. Diese werden ebenso zubereitet wie die obigen, doch gibt man ein paar Löffel Zucker an den Teig. Nachdem die Nudeln gegangen sind, wird eine Bratpfanne gut mit Butter geschmiert, die Nudein hineingesetzt und in den Bretofen geschoben, wo man sie zu schöner, goldbrauner Farbe bäckt. Kurz vor dem Anrichten gießt man etwas gezuckerte Milch darüber und schiebt sie noch ein paar Minuten in den Ofen. Nun stürzt man den Kuchen, bricht die Nudeln auseinander, gibt sie gehäuft auf eine Schüssel und serviert Vanillesance dazu. Quarknudeln mit Rahm. Ein Liter Quark (weißen Käse, Topfen) drückt man in einem Tuch gut aus, tut ihn dann mit einem eigroßen Stück Butter in eine Schüssel und verrührt ihn gut mit. 4 Eidottern und zwei ganzen Eiern. Dann gibt man so viel Mehl darunter, daß man einen glatten, ziemlich festen Teig erhält, den man auf ein mehlbestäubtes Brett legt und fingerdick ausrollt. Nun schneidet man daumenlange und=breite Nudeln ab und gibt sie in eine Kasserolle, in der man ¼ Pfund Butter zergehen ließ, läßt sie auf beiden Seiten goldbraun werden, gießt dann etwas süßen Rahm darauf, läßt aufkochen und serviert dann gleich. Kartoffelnudeln. Etwa ein Tutzend gute mehlige Kartoffeln kocht man in der Schale, zieht diese dann ab und reibt die Kartoffeln auf dem Reibeisen. Nun rührt man ½ Pfund Butter zu Sahne, gibt die Kartoffeln dazu, ebenso 6 Eier, 3 Löffel saure Sahne, ebensoviel Mehl und etwas Salz. Dies alles arbeitet man gut durcheinander und formt kleine, längliche Würstchen daraus, die man ebenso fertigmacht, wie die Quarknndeln Von Laura Uincent. Allerlei Mehlspeisen. Bayrische Dampfnudeln. Ein Pfund gutes Weizenmehl siebt man durch und stellt es an einen warmen Ort. Wenn es überschlagen ist, macht man in der Mitte ein Loch und gibt 60 Gramm mit lauer Milch verrührte Hefe hinein, vermischt sie mit etwas Mehl und streut Mehl obenauf. Sobald dies anfängt, Sprünge zu bekommen, rührt man 3 Eier, ¼ Pfund zerlassene Butter und so viel lauwarme Milch darunter, daß man einen glatten, ziemlich festen Teig bekommt, dem man ein wenig Salz zusetzt und ihn so lange schlägt, bis sich große Blasen bilden. Nun formt man eine Rolle daraus und läßt ihn, gut zugedeckt, an einem warmen Ort aufgehen. Inzwischen gibt man in eine Kasserolle ½/ Liter Milch und ein eigroßes Stück Butter, zerteilt die Rolle in kleine Klöße(Nudeln) und setzt diese, nicht zu dicht, in die kochende Milch. Sie müssen zuerst stark sieden, dann weniger. Sind sie etwa um das Doppelte aufgegangen und haben die Milch ganz aufgesogen, so nimmt man sie mit einer Schaufel vorsichtig heraus, bestreut sie mit in Butter gebratenen Semmelbröseln, und serviert sie mit gekochtem Obst. Dunior Lieber nicht. Lied“ In einer Gesellschaft hatte Fräulein Schreyer schon mehr gesungen, als den übrigen Gästen lieb war, da verkündete der Gastgeber:„Fräulein Schreyer wird die Liebenswürdigkeit haben,„Nur noch ein singen!“ Die Dame suchte in ihren Noten, dann sagte sie etwas zu dem Hausherrn, und dieser verkündete:„Anstatt„Nur noch ein Lied" wird Fräulein Schreyer freundlichst„Bis in alle Ewigkeit singen!“ Erfindungen. Ror ercereerenenereneeenernern Der Erfinder der Pistoie. In einer belgischen Mititärwochenschrift wird daran erinnert, daß die erste wirkliche Pistole zu Anfang des 15. Jahrhunderts von einem belgischen Kavallerieoffizier namens Sebastian de Corbion erfunden worden ist. Sebastian de Corbion, der Kavalleriehauptmann in Sedan war, konstruierte eine kleine Büchse, die man reitend mit einer Hand bedienen konnte; und da diese Waffe bestimmt war, die Hauptwaffe im Nahkampf zu ersetzen, so gab der Erfinder dem Gewehr den Namen Pistolet, der früher eine Art Tolch bezeichnete, wie man sie in jener Zeit gebrauchte und deren Fabrikation eine Spezialität der Stadt Pistoia war. Da die neue Waffe sofort einen großen Erfolg hatte, wurde der Erfinder sehr populär, und man gab ihm selbst den Spitznamen Hauptmann Pistolet, einen Namen, der fortan auf seine Nachkommen übergegangen ist. B. SS Sns n * S SS• g g g s 9# 9 S S S 55 9 9.E 2 2 0 E* er 290 9 33 .*= ∆ 5 7 S1 03 9589 #nu S#Se 815 5 * 9 S e 22 0 * n S 5— 2. 5 S Se. 5 5 S 9 7 49 25 BE S S 3.3 S S 8 #SEG 82•- 39 *aeg 8• S##gs 9* 0 ###n.in 47. Jahrgang O Grlles und älteltes Cagesorgan des Kreiles. O haupi-Annoncenblat S Unterhaltungs=Beilage zu Nr. 120 Mitlwoch, 26. Mai 1915. Art läßt nicht von Hrt. Roman von H. Hill. (46. Fortsetzung) ses jungen Grafen sicherer und baldiger * 1/ Tod war eine unerläßliche Voraussetzung des ganzen schimpflichen Handels gewesen, und er mußte Edith hinlänglich kennen, um zu wissen, daß sie sich unter keinen Umständen seinen Wünschen # fügen würde, wenn diese Voraussetzung hinfällig wurde. Ueberzeugt, daß sie von Lug und Trug umgeben sei, sah Edith keine andere Möglichkeit, den Dingen auf den Grund zu kommen, als den Versuch, sich ihren Widersachern gegenüber der gleichen Waffe zu bedienen. Es widersprach ihrer innersten Natur, für die lautere Wahrhaftigkeit immer als das vornehmste Gesetz des Handelns gegolten hatte, aber sie befand sich in einer Zwangslage, die ihr keine Wahl ließ. Jedenfalls wäre es ein sehr verkehrter Weg gewesen, wenn sie jetzt den Schlüssel verlangt hätte, um das Haus zu verlassen. Denn sie gab sich keiner Täuschung darüber hin, daß man diesmal die Erfüllung dieses Verlangens glatt verweigern würde. Vorhin hatte man ihr den Schlüssel wohl nur deshalb ausgehändigt, weil man als sicher voraussetzte, daß sie ihn nicht dazu benutzen würde, sich zu entfernen. Und sie zweifelte nicht mehr, daß man sie gewaltsam zurückgehalten haben würde, wenn sie es trotzdem versucht hätte. So war es also jedensalls besser, die Täuschung wenigstens so lange durchzuführen, bis die anderen ihre Karten aufgedeckt hatten, und bis sie imstande war, das ganze Spiel zu durchschauen. Dann, dessen war sie gewiß, würde sich auch ein Mittel finden, dies Spiel zuschanden zu machen....,„m. ta(.. Nachdem sie sich zeyn Minuten lung in ihrem Schlafgemach aufgehalten, ging die Komtesse wieder in das Wartezimmer hinab, wo alsbald auch der Kammerdiener Weigelt erschien, um ihr die gewöhnliche Abendmahlzeit zu servieren. Er hatte dieselbe devote und undurchdringliche Miene aufgesetzt, die er ihr bisher noch immer gezeigt hatte. Mit vollkommener Ruhe fragte ihn Edith nach dem Befinden seines Herrn. Und sie wunderte sich durchaus nicht über seine mit schmerzlich gesenktem Haupte und gedämpfter Stimme gegebene Antwort: „Dem Herrn Grafen geht es leider sehr schlecht. Fräulein Johannsen hat mich beauftragt, den Doktor Pittius zu holen, sobald ich die gnädigste Komtesse bedient habe. Denn sie fürchtet, daß es sehr schnell zu Ende gehen könnte.“ „Ich hoffe, daß es Ihrem Herrn nicht an der (Nachdruck verboten.) nötigen Pflege und Wartung fehlt. Sie sagten mir doch gestern, daß die Wärterin, die ich zuerst bei ihm gesehen, nicht mehr im Hause sei. Und wenn Fräulein Johannsen ihre Stelle einnimmt, so nimmt es mich wunder, daß ich sie vorhin in den Keller hinabgehen hörte, statt daß sie sich nach oben begeben hätte.“ Die Erwiderung des Dieners erfolgte nicht sogleich. Augenscheinlich war er etwas verblüfft, aber seine Ver=, legenheit war nicht von langer Dauer. „Fräulein Johannsen hatte mir einen Auftrag zu erteilen und wollte sich für ein paar Minuten ausruhen, weil sie sehr überarbeitet ist. Und Sie dürfen vollkommen beruhigt sein. Der Herr Graf verbringt den größten Teil des Tages in tiefer Bewußtlosigkeit und beinahe immer, wenn Fräulein Johannsen durch andere Verrichtungen abgerufen wird, nehme ich ihren Platz am Krankenbette ein.“ Er entfernte sich, und Edith wußte jetzt mit voller Bestimmtheit, daß ihre Vermutungen das Rechte getroffen hatten. Wenn man den Kranken in ein anderes Zimmer gebracht hätte, so würde Weigelt sicherlich nicht unterlassen haben, es zu erwähnen. Und wenn seine Erzählung von der bedenklichen Verschlimmerung im Zustande des Patienten der Wahrheit entsprochen hatte, so wäre ein solcher Zimmerwechsel das denkbar Unwahrscheinlichste gewesen. Man transportiert einen Sterbenden nicht ohne alle Not aus einem Raum in den anderen. Der Schwindel lag sozusagen offen am Tage, und dies Haus war sicherlich alles andere eher als die Privatklinik, für die man es ausgegeben hatte. Was auch immer aber es sein mochte, jedenfalls wußte sie jetzt, daß alle seine Insassen gegen sie im Bunde waren, und daß sie hier auf niemanden zählen dürfe, als auf sich selbst. Sie beschloß, zunächst geduldig zu warten, denn sie hatte die instinktive Empfindung, daß ihre Widersacher jetzt zum Handeln entschlossen seien. Nach einigen Minuten hörte sie, wie jemand das Haus verließ und raschen Schrittes die Straße hinabging. Sie nahm an, daß es Weigelt sei, der gegangen war, um den Doktor Pittius oder sonst jemanden zu holen. Aber es mußte ihn wohl Mühe gekostet haben, den Gesuchten zu finden, denn eine volle Stunde verstrich, ehe sich wieder etwas rührte. Diesmal waren es die Schritte zweier Männer, deren Geräusch an das Ohr der Lauschenden drang. Sie schienen sich zunächst beide in die unteren Regionen des Hauses zu begeben, und erst nach Verlauf einer weiteren halben Stunde hörte die Komtesse ein vorsichtiges Tappen, Rascheln s 223un 2* * 2 Tatag * 5 5•* E 12% 9„• pE55 S S HSESSEE S E UIIESME * * * S. 88 * * 2·8 E S 1 * S - 5 8 S"— " S 1 8 8us. □ SBEUL GSGuS * S 3 S 65 S.2 à C P und Wispern, wie wenn mehrere Personen mit äußerster Vorsicht die Treppe hinaufgingen. Sie hätte viel darum gegeben, wenn sie sie hätte überraschen können, aber sie war klug genug, nicht auf den Flur hinauszutreten. Man würde, wenn man ihr Mißtrauen bemerkt hätte, ja sicherlich auf neue Vorwände und Lügen bedacht gewesen sein; ihr aber war es jetzt darum zu tun, die Betrüger so vollständig zu entlarven, daß sie sich durch keinerlei Ausflüchte mehr zu retten Sie sollte bald genug inne werden, daß sie recht daran getan hatte, diese Zurückhaltung zu gefähr zehn Minuten, nachdem draußen das Geräusch verstummt war, wurde an die Tür ihres Zimmers geklopft, und der Diener Weigelt erschien auf der Schwite. 4 Wenn er schon voryin sehr nievergeschlagen ausgesehen hatte, so machte er jetzt vollends den Eindruck eines Menschen, dessen Herz von großer Betrübnis erfüllt ist. So gut spielte er seine Rolle, daß Edith für einen Moment nahe daran war, sich täuschen zu lassen. Der Gedanke suhr ihr durch den Kopf: Sollte eine Katastrophe eingetreten sein? Sollte es da oben einen Toten geben? In diesem Fall wäre ja auch das leere Bett erklärt gewesen, und sie hätte sich ohne Not all den Besorgnissen und Aengsten der letzten Stunde hingegeben. Aber schon die ersten Worte des Mannes belehrten sie eines anderen. Denn er sagte: „Ich glaube, mein Herr Graf liegt in den letzten Zügen. Er hat mich bis zu einem gewissen Grade seines Vertrauens gewürdigt, und er hat mich beauftragt, Ihnen zu sagen, daß er bereit sei, die Förmlichkeiten zu erfüllen, die zwischen der gnädigen Komtesse und ihm verabredet worden sind. Sie möchten also die Güte haben, sich zu ihm zu bemühen. Fräulein Johannsen und ich sollen als Zeugen dienen. Der Geistliche ist bereits benachrichtigt worden und kann in jedem Augenblick eintreffen.“ Der Augenblick der Entscheidung war also geZommen.„„„. 9 Fagt „Ist Doktor Pittius bei ihm: fragte Edith mit heroischem Bemühen, ihrer Stimme einen festen Klang zu geben. „Unglücklicherweise— nein! Als ich in seiner Privatwohnung erschien, um ihn herzuholen, sagte man mir, daß er zu einem außerhalb der Stadt wohnenden, schwerkranken Patienten gerufen worden sei. Und wir dürfen nicht darauf rechnen, daß er vor Einbruch der Nacht von diesem Besuche zurückkehrt.“ „Woher aber wissen Sie dann, daß Ihr Herr im Sterben liegt?“ „Oh, das sieht man ihm leicht genug an. Und außerdem ist Fräulein Johannsen in diesen Dingen fast so gut bewandert wie ein Arzt. Ich bitte die gnädigste Komtesse inständig, keine Zeit zu verlieren. Der Herr Graf ist ja vielleicht kein Ausbund von Edelmut, gegen mich aber ist er immer gütig gewesen, und darum möchte ich ihn gern in Frieden sterben sehen. Und es scheint, daß ihm die Erfüllung der bewußten Formalitäten ganz außerordentlich am Herzen liegt. Ich weiß ja nicht viel von diesen Dingen, außer daß ich erfahren habe, die gnädigste Komtesse seien in Wahrheit gar nicht mit meinem Herrn Grasen verwandt. Im übrigen bin ich nichts als ein einfacher Diener, der die Befehle ausgeführt hat, die man ihm erteilte.“ Edith nahm all ihren Mut zusammen. Der rührende Ton, den der Kammerdiener anzuschlagen versucht hatte, übte auf sie natürlich keine Wirkung mehr; denn ihr geschärftes Ohr hatte das Komödien= hafte darin recht wohl herausgehört. Dieser Bursche, der, wie er selber sagte, das Vertrauen seines Herrn bis zu einem gewissen Grade genoß, war vermutlich nicht viel besser als jener. Und darum war es auch zwecklos, irgendeine Frage an ihn zu richten. Für sie gab es nur noch einen einzigen Weg, sich volle Klarheit zu verschaffen, und sie mußte sich stark machen, diesen schweren Weg zu gehen. „Ich bin bereit,“ sagte sie darum einfach.„Führen Sie mich zu Ihrem Herrn!" Während sie mit dem Diener die Treppen in das zweite Stockwerk emporstieg, sagte sie sich, daß jetzt alles davon abhängen würde, ob der angeblich Sterbende wieder in dem Zimmer lag, darin sie ihn bisher gesehen, oder in einem anderen. War das erstere der Fall, so bedurfte es keiner weiteren Aufklärungen, um ihr die unumstößliche Gewißheit zu verschaffen, daß hier ein unerhörter Betrug verübt werden sollte. Und sie war mit sich selber völlig darüber im reinen, daß alsdann das Netz, mit dem man sie hatte umgarnen wollen, auf der Stelle zerrissen werden müsse. Und es war, wie sie es fast mit Bestimmtheit erwartet hatte. Die Tür, die Weigelt mit devoter Verbeugung vor ihr öffnete, war die Tür des Gemaches, das sie vor ungefähr anderthalb Stunden betreten und leer gesunden hatte. Während sie die Schwelle überschritt, wußte sie, daß die Szene, die sich ihren Blicken bieten würde, nichts anderes als ein geschickt eingefädeltes Theaterstück war, und die lodernde Entrüstung, die bei diesem Gedanken in ihrem Herzen aufflammte, war der beste Schutz gegen jede Anwandlung von Feigheit und nachgiebiger Schwäche. Es sah da drinnen richtig genau so aus wie bei ihren früheren Besuchen. Nur, daß statt des Doktor Pittius diesmal Weigelt im Zimmer war, und daß statt der früheren Wärterin das fatale Fräulein Johannsen sich über das Lager des ächzenden„Kranken“ neigte, um ihm den Puls zu fühlen, und um dann das Glas mit der„stärkenden“ Arznei an seine Lippen zu bringen. Der Graf hatte ossenbar nur auf ihren Eintritt gewartet, um die Rolle des mit dem Tode Ringenden so gut zu agieren, als er es eben vermochte. Er fing an, auf eine beängstigende Weise zu stöhnen, zu röcheln und die Augen zu verdrehen. Ohne die vorhin gemachte Entdeckung wäre das junge Mädchen davon sicherlich abermals getäuscht worden; jetzt aber war es freilich nutzlos vergeudete Mühe. „Sie sollten sich und mir die Fortsetzung der unwürdigen Maskerade ersparen,“ sagte sie kalt, indem sie hocherhobenen Hauptes nahe der Tür stehen blieb. „Es ist zwecklos; denn ich weiß, daß dies Zimmer vor kaum zwei Stunden leer war. Ich weiß, daß all dieser Aufwand von Aerzten und Pflegerinnen, von Bandagen und stimulierenden Arzneien eitel Gaukelei und Spiegelfechterei gewesen ist. Ich weiß, daß ich unter betrügerischen Vorwänden hierhergelockt worden und eine Gefangene in diesem abscheulichen Hause gewesen bin. Nun aber hat das schmachvolle Spiel ein Ende.“ Sie hatte sich mit ihren Worten nicht direlt an den Grafen gewendet; aber die Ai kung ihrer Worte offenbarte sich am deutlichsten in seinem Benehmen. Mit einem unartikulierten Laut hatte er plötzlich Decken und Betten von sich geworsen und saß nun auf dem Bettrand, vollständig angekleidet, und mit den Bandagen, die seinen Kopf umhüllten, einen unbeschreiblich widerwärtigen Anblick bietend. Der Ausdruck seines Gesichts war wegen der Verbände nicht zu erkennen, aber das tückische Glitzern seiner Augen verriet zur Genüge, wie es in seinem Innern aussehen mochte. Er ließ die Komtesse ruhig ausreden; dann wandte er sich mit einem abscheulichen Auflachen gegen Weigelt. (Fortsetzung folgt.) S — 24* G * g 5 S 80 am S G S;SSS 9 g Bug# ESESER S SEB„OÄBSUI] 8 5 *PGGTSDE E 3 c1 m SBSE 5 2 10 S. S S S. 5 R S 5S SbxSGHnSSTA* SL SSSSOSUSS Denkspruch. Die Cat, die echte, wurzelt im Gemüt; Wie soll ein Feuer je entzündet werden, Wenn nicht zuvor der heil'ge Funke sprüht? R. Prutz. 15 Das Vöglein. Eine Skizze von Reinhold Ortmann. (Nachdruck vervoten.) Als die Glocke der kleinen Dorfkirche in feinen, wie zaghaften Tönen die Vesperstunde läutete, legte die Kererbäuerin ihre Arbeit aus der Hand. isch Veschper, Mann!— Der Sepp ko's Holz nacha scho firti mach'n.— Geh her, Burgl, hol a Milli und's Brod. Und spring zum Müller eini—'s Mehl gar.“ Eilig lief die zwölfjährige Kleine ins Haus. Mit einem Blick warmer Zärtlichkeit, der das strenge Gesicht mit dem herben Zug an den Mundwinteln ganz eigen verschönte, blickte ihr die Bäuerin nach. Wie sie so dastand, die große und kräftige Gestalt straff aufgerichtet, mit dem glatt anliegenden, beinahe leuchtend weißen Scheitel, konnte man's wohl verstehen, daß ein jeder im Dorfe Respekt vor ihr hatte— die, denen sie zu befehlen hatte, vielleicht auch so etwas wie Furcht. Aber es war bei alledem nichts Abstoßendes in ihrem Aeußeren. Dazu leuchteten die Augen zu hell und zu klug unter der mit unzähligen Runzeln bedeckten Stirn hervor. Sie hatte eine tiefe, fast männlich klingende Stimme, und doch war ihre Rede von einem angenehmen Wohllaut, so daß es schier ein Vergnügen war, sie sprechen zu hören. Allzu freigebig war die Kererbäuerin mit den Worten nicht. Denn sie haßte nichts so sehr als unnützes Geschwätz. In ihrer Nähe verstummten auch die geschäftigsten Zungen, und wie sie selber niemals über andere herzog, so war sie auch vielleicht die einzige im Dorfe, über die die Leute hinter ihrem Rücken nicht viel zu reden wußten. Der Bauer hatte die Axt auf einen Haufen zerkleinerten Holzes geworfen und sich langsam auf die verwitterte Bank unter der breitästigen, schattenspendenden Eiche niedergelassen. Seine große, tief braun gebrannte Hand strich das schlohweiße Haar aus der schweißbedeckten Stirn, während er wohlgefällig über sein kleines Besitztum hinblickte. „'s kimmt wer,“ sagte da plötzlich die Bäurin, deren Sinne noch nichts von ihrer erstaunlichen Schärfe eingebüßt hatten. Als ihr Mann sich daraufhin ohne besondere Neugier der Gartentür zuwandte, sah er eine städtisch gekleidete Frauengestalt draußen am Zaune stehen. Die Fremde— denn er kannte sie nicht— hatte ihren Strohhut tief auf die Stirn gesetzt, obwohl es des Schattens laum noch bedurfte, da die Sonnenstrahlen nur eben noch die Gipfel der umliegenden Berge erreichten. Sie zögerte offenbar, ob sie eintreten solle oder nicht. Dann aber öffnete sie doch mit einer unsicheren Bewegung die Tür und kam heran. „Grüß Gott!“ sagte der Kerer mit bäurischer Höflichkeit, die Bäuerin aber sprach kein Wort. Ihr Gesicht schien ganz unbeweglich, nur daß die strengen Linien an den Mundwinkeln vielleicht noch um ein Geringes schärfer hervortraten. Ihre Augen aber ruhten unverwandt auf dem Gesicht der Fremden, von dem sie nicht viel mehr als die untere Hälfte wahrnehmen konnten. „Grüß Gott!“ hatte die Unbekannte leise erwidert. Und dann, nach einer verlegenen Pause:„Verzeihen Sie die Störung. Aber ich bin fremd hier in Brunnenbach. Und ich wollte fragen, ob es da nicht ein Wirtshaus gibt, wo ich zu Abend essen kann.“ „Sell gibt's scho— aba da kriagns eh nix wie a Bier und a Milli. Wann's woll'n, sell könnens hier aa haben.“ Wieder ein schwankendes Zaudern— diesmal aber von kürzerer Dauer als vorhin. Dann sagte die Fremde in der gleichen hastig eintönigen Weise: „Ich danke Ihnen recht sehr für Ihre Freundlichkeit. Ich bin allerdings sehr müde. Und wenn ich mir den Weg ins Wirtshaus ersparen könnte——“ Der Bauer rückte ein wenig zur Seite, um dem Gast neben sich Platz zu machen. Aber die Frau rührte sitz trotz ihrer angeblichen Müdigkeit nicht von der Stelle. Ein Zittern lief über ihre schmächtige Gestalt und krampfhaft schlossen sich ihre Hände zusammen. Aus der Tür des Hauses war die kleine Burgl wieder ins Freie gesprungen, mit glühenden Wangen und rasch atmend vom schnellen Lauf. „Der Müller wird's Mehl schick'n, morg'n in der Früh, und schön grüaß' n laßt er a!“ sprudelte sie hervor. Dann, als sie der Fremden ansichtig wurde, machte sie etwas erschrocken einen kleinen anmutigen Knix, murmelte„'s Gott“ und wirbelte so rasch ins Haus zurück, wie sie daraus hervorgeschossen war. Gleich darauf brachte die Magd die Schüssel mit der Milch und einen Laib Brot.... Auf das Geheiß der Bäuerin mußte sie jedoch noch einen besonderen Teller für den Gast holen. Ein kurzes Gebet wurde gesprochen, und dann machten sich die drei schweigend an ihr einfaches Mahl. „War das Ihr Kind?“ fragte die Fremde endlich, und die Worte fielen langsam von ihren Lippen, wie wenn sie sich jedes in schwerem Kampfe hätte abringen müssen. Die Bäuerin aber erwiderte kurz und auffallend hart: „Na!“ „Eine Enkelin vielleicht?“ „Na— net!— Mir ham's ang'nomm'n.“ „So— angenommen?— Also eine Waise?“ „Freili wohl— ane Waise. I woaß freili net, ob daß d’ Eltern g'sturb'n san. Aba füa d' Burgl san's tot.“ „Das— das klingt ja— seltsam. Woher haben Sie denn das Kind?“ „Ausg'setzt is' word'n— hier vor unserm Haus. Nacha ham mir's b’halt'n— weil mir do koane Kinder net g'habt han. Und g’reut hat uns dös nie net. Arg liab han mir's g’wunn'n, und brav is word'n. A recht liab's Dirndl!“ „Und Sie haben niemals etwas von denen gehört, die— die es ausgesetzt haben?“ „Na!— Aba g'seg'n hab i's— die, wo's ausg'setzt hat.“ Die Hand der Fremden zitterte, daß der Löffel hörbar gegen den Tellerrand klirrte. „Und Sie haben sie nicht festgehalten— haben sie nicht zur Anzeige gebracht?“ „A'zeig'n hab i's scho müss'n. Aba i hab's denen vom G’richt net auf d’ Nas'n gebund'n, wie daß's ausg'schaugt hat. Die is g'straft g'nua— hab i mir denkt. kleicht mehra, als wenn sie's ins Loch steckt hätt'n.“ „Da konnen Sie wohl recht haben," bestätigte ihr die tlanglose Stimme der Fremden. Und noch einmal: „Da können Sie wohl recht haben.— Aber hat denn die — die Mutter niemals geschrieben?“ „Na!— A Geld is kimma— erst a wen'g— später mehr! I hab's auf d' Sparkass'n eini tragn— als ein Heiratsgut fün d' Burgl.“ „Und wenn sie— nun eines Tages wiederkäme, um ihr Kind zu holen?“ „I gebat's ihr net—i net! Und dem Kind tät' unsere Kampffronten in Ost und West haben. Die Antwort ist fast bedingungslos verneinend. Die Zentralmächte haben die Felonie Italien seit längerer Zeit vorhergesehen und danach ihre Vorkehrungen getroffen. Wenn es sich nun selbstverständlich verdietet, über die Heeresgliederung und die vorläufigen Maßregeln der gegen den neuen Feind gesandten Korps zu sprechen, so darf doch gesagt werden, daß die vertragsbrüchigen Welschen schwere Arbeit vorfinden werden. Die italienische Mobilmachung hat schon seit Monaten begonnen. Sie ist sehr langsam fortgeschritten. Die Armee ist zum großen Teile innerhalb des Festungsvierecks Mantua, Verona, Teschiera, Cagnano und neben demselben auf der Linie Modena, Venedig, Ferrara zusammengezogen. Teile sind bereit, nach Aegypten, den Dardanellen, Tripolis und Albanien eingeschifft zu werden. Ungeteilt werden die italienischen Kräfte also nicht sein. Ihre Hauptkonzentration verlief nicht ohne Schwierigkeiten. Die Eisenbahnen in Norditalien sind leistungsfähig, die aus dem Süden kommenden aber nicht. Die Ueberschreitung des Apennin bedingt kurze Züge—, die Bahnen sind meist eingleisig. Diese Umstände werden im Verlauf des Krieges noch schwerer ins Gewicht fallen. An der Herstellung der zweigleisigen Eisenbahnlinie Florenz—Bologna wird daher fieberhaft gearbeitet. Bei Artillerie und Train wurden vielfach nur die Fahrzeuge mit der Eisenbahn befördert. Die Pferde marschierten. Deren Bestand konnte durch Augmentationspferde nicht auf Kriegsstärke gebracht werden, da der Bedarf nur aus Angarn hätte gedeckt werden können. Diese Bezugsquelle war aber natürlich verschlossen. Zudem machte sich ganz empfindlicher Kohlenmangel fühlbar. Man schätzt die in Norditalien versammelten Truppen auf etwa eine halbe Million. 7 Jahrgänge Reserven und vorher befreite Mannschaften sind eingezogen. Ihre Ausrüstung ist modernen Anforderungen nicht entsprechend. Mit der graugrünen Feldausrüstung sind nur die Soldaten des Friedensstandes versehen. Das weiße Lederzeug, das dem Feinde ein verderbliches Ziel bietet, herrscht noch vor. Unser Kaiser hat es aus Fürsorge für die fechtenden Truppen beseitigt, obgleich sein erhabener Großvater auf dem Sterbebett ihm nahe gelegt hatte, es wenigstens der Insanterie der Garde zu lassen. Die Truppen des Sanitätsdienstes sind noch nicht ganz organisiert. Die Stimmung der Armee ist nicht begeistert, sondern abwartend. Deutsche Zuversicht. Die militärische Lage bleibt auch nach dem Hinzutritt Italiens für uns günstig. Die Größe und Tüchtigkeit des italienischen Heeres ist nicht zu unterschätzen, in den letzten Jahren und besonders nach dem lybischen Kriege ist für die Verstärkung der italienischen Wehrmacht viel geschehen, auch hat sich deren innerer Wert gehoben. Aber trotz alledem, so sagt der militärische Sachverständige der„Voss. Ztg.“, wird Italiens Eingreifen keine Aenderung in der allgemeinen Kriegslage hervordringen. Die Operationen der Verbündeten können ohne Rücksicht darauf in der bisherigen Weise fortgeführt werden, und es sind genügend Kräfte vorhanden, um auch dem neuen Gegner erfolgreich entgegentreten zu können. Sicherlich erfordert der neue Kriegsschauplatz und die Vergrößerung des Krieges erhöhte Anstrengung. Wir sind aber in der Lage, sie zu leisten, und werden auch fernerhin den Krieg durchhalten. Der Ernst der Lage soll nicht verkannt werden, die Aussichten auf eine glückliche Durchführung und auf die Erringung des endgültigen Sieges sind aber nach wie vor vorhanden. Gcsamtzahl der Italiener In Oeterreich-Ungarn 803000 386000 581 000— 357000 537000 Otaliener neden Nichtikalienern Italiener neben Nichtitalienern Davon in Nrol im Küstenland Das italienische Element in Oesterreich- Ungarn. nichtet. In Kriegen, in welchen die Italiener auf sich selbst angewiesen waren, sind sie vom Glück also gerade nicht begünstigt worden. Der Kampf um die Dardanellen. wtb Konstantinovel, 25. Mai. Das Hauptquartier meldet: In der Nacht vom 22. auf den 23. Mai versuchte der Feind sich unserem linken Flügel zu nähern, er wurde aber mit großen Verlusten zurückgeschlagen. Am 23. früh wurde ein feindlicher Kreuzer vor Kaba Tepe durch das Feuer unserer Artillerie schwer beschädigt u. außerdem von zwei Flugzeugbomben getrossen. Er wurde von fünf Kriegsfahrzeugen weggeschleppt. Gestern in Ari Burnu und Seddil Bahr keine Kampfhandlungen. Die seindlichen Verluste an Toten und Verwundeten während der Schlacht bei Seddil Bahr am 22. Mai belaufen sich auf mehr als 4000 Mann. Gestern beschossen die seindlichen Schiffe unsere Infanteriestellungen an beiden Seiten des Einganges der Meerenge schwach und wirkungslos. Eine unserer Batterien zerstörte eine feindliche Batterie bei Seddil Bahr. Nichts wichtiges auf den übrigen Kriegsschauplätzen. Englisches Schlachtschiff gesunken. wtb Konstantingpel, 25. Mai. Das englische Linienschiff„Triumph“ ist heute nachmittag im Golf von Saros torpediert worden und gesunken. „Triumph“ ist 1903 vom Stapel gelaufen, hat 12000 Tonnen Wasserverdrängung und 20 Seemeilen Geschwindigkeit. Bestückt war der Panzer mit 4 Geschützen von 25,4 Zentimetern, 14 von 19 Zentimetern, 14 von 7,6 Zentimetern, 4 von 5,7 Jentimetern und 4 von 3,7 Zentimetern. Er hatte eine Besatzung von etwa 750 Mann und war 133 Meter lang uind 21,6 Meter breit. Italienische Schlachtfelder. Während des Mittelalters sind auf den Romzügen der deutschen Kaiser wie bekannt Ströme von deutschem Blut verspritzt worden, bis eine Loslösung der beiderseitigen Interessen eintrat. Kaiser Karl 5. führte dann nach längerer Pause wieder Deutsche, die Landsknechte Georgs von Frundsberg, über die Alpen, um in seinen Kriegen gegen Franz von Frankreich mitzuwirken, der in der Schlacht bei Pavia von ihnen gefangen genommen wurde: Zum letzten Male traten geschlossene deutsche Regimenter vor etwas über 200 Jahren in Italten auf als der deutsche Kaiser Leopold mit dem Franzosenkönig Ludwig den Streit um die Erbfolge in Spanien ausfocht, in welchem ein Mitglied des heutigen italienischen Königshauses, Prinz Eugen von Savoyen, des Kaisers bester Feldherr war. Damals waren es brandenburgisch=preußische Truppen, welche der erste Preußenkönig Friedrich dem deutschen Kaiser zur Verfügung gestellt hatte. Ihr Führer war Fürst Leopold von Anhalt, der alte Dessauer, der namentlich bei der Erstürmung und dem Siege von Turin entscheidend mitwirkte. Oesterreichische Truppen haben zahllose Male bis in die neueste Zeit hinein in Itglien gefochten. 1848 schlug det Feldmarschall Radetzky den König Albert von Sardinien hei Custozza und im nächsten Jahre bei Novara. 1859 behielten die verbündeten Franzosen und Itgliefker die Oberhand und schlugen die Oesterreicher bei Magenta und Solferino. Dagegen erlitten 1866 die Italiener erneute schwere Niederlage; zu Lande wurden sie vom Feldmarschall Erzherzog Albrecht bei Cüstozza, zur See bei Lissa in Istrien vom Admiral Tegetthoff besiegt. In ihrem Kolontalkriege mit dem Könige Meneljk von Abessonsen wurde die italienische Armee bei Adua(1. März 1896) fast verAus Stadt und Umgebung. Krieg mit Italien! Italien hat Oesterreich=Ungarn den Krieg erklärt und ist damit in die Neihe der gegnerischen Mächte eingetreten. Das Ende des großen Schicksalskampfes mag dadurch hinausgeschoben, sein Ausgang kann aber nicht zweifelhaft werden. Ein Gang durch die Straßen unserer Städte oder über Land kann jeden davon überzeugen, welch' starke Heere noch in der Heimat bereitstehen und wieviele Tausende jugendlicher Mannesgestalten im bürgerlichen Kleide ihrer Einberufung harren. Sie alle haben mit ihren Brüdern im Felde den festen Willen zum Siege. Dieser muß auch uns wie bisher beseelen. Der neue Feind sei uns eine erneute Mahnung, unsere Pflicht zu tun. Jeder stelle auch ferner sein kleines„Ich“ zurück gegen die große Sache des Vaterlandeo. Bleiben wir einig bis auf den letzten Mann. Dann ist der Sieg uns sicher und mit ihm der Segen eines ehrenvollen Friedens. Münster, den 24. Mai 1915. Frhr. von Gayl, General der Infanterie und stellv. kommandierender General des 7. Armeekorps. **(Bundesratsverordnungen.) Im Verlage der Hofbuchhandlung E. S. Mittler u. Sohn in Berlin SW. 68, Kochstraße 68/71, wird jetzt eine zweite vervollständigte Ausgabe der Bundesratsverordnungen über Getreide, Mehl, Brot, Kartoffeln, Fleisch, Zucker, Futter= und Düngemittel“ erscheinen. Im Hinblick auf den erheblich vermehrten Umfang der zweiten Ausgabe hat die Buchhandlung den Verkarufspreis auf 50 Pfg. angesetzt. *(Fahrplan=Aenderung.) Vom 1. Juni v. J. ab fällt der 10.28 vorm. von Hagen abfahrende und 11.02 in Holzwickede eintreffende Personenzug 345 aus. **(Jagdaussichten im Sauerlande.) Das Schwarzwild, das seit Jahren aus unseren Wäldern verschwunden war, hat sich jetzt wieder eingefunden. Die Landwirte beklagen sich über Feldschäden. In dem oberen Sauerlande hat man daher Treibjagden veranstaltet und verschiedene Schwarzkittel zur Strecke gebracht. Das Rehwild hat sich ebenfalls stark vermehrt. Nudel von 8—10 Stück sind keine Seltenheit. Hasen haben unter der Ungunst der Witterung und hauptsächlich unter der Vermehrung des Raubzauges stark gelitten. Auer= und besonders Birkwild ist zahlreich vorganden. **(Ermäßigung der Mehlpreise.) Bekanntlich hat die Kriegsgetreide=Gesellschaft m. b. H. in Berlin ihre Mehl= und Schrotpreise vom 16. Mai d. J. ab ermäßigt. Die Ermäßigung bezieht sich jedoch nur auf Mehl= und Schrotzuweisungen, die vom Herrn Reichskommissar den Kommunalver= bänden für die Zeit nach dem 16. Mai gemacht worden sind. Die meisten Kommunalverbände hatten am 15. Mai 1915 noch Mehlbestände, für die, wie wir hören, die Kriegsgetreide=Gesellschaft in Berlin Preisermäßigung noch nicht zugebilligt hat. Die vielfach geäußerten Wünsche auf Herabsetung der Brot= und Mehlpreise können sonach erst Berücksichtigung finden, wenn die Bestände der Kommunalverbände aus der Zeit vor dem 16. Mai 1915 ausgebraucht sind. Dem Vernehmen nach das ungefähr noch 2—3 Wochen dauern. **(Landsturmpflichtige als Kriegsfreiwillige.) Gemäß Anordnung der Heeresverwaltung können, sofern die Bezirkskommandos es gestatten, von jetzt ab ausgebildete und unausgebildete Landsturmpflichtige, die das Alter von 35 Jahren überschritten haben und noch nicht einberusen sind, als Kriegsfreiwillige eingestellt werden. **(Ernteaussichten im Sauerlande.) Die Steinobstsorten tund ebenso die Birnen haben zum großen Teil ihren Blütenschmuck abgelegt und bereits junge Früchte angesetzt. Augenblicklich entfaltet der Apfelbaum seinen prächtigen Blumenflor. Da kalte Nächte wohl nicht mehr zu erwarten sein werden, so steht zu hoffen, daß wir nach dem überreichen Blütenstande ein großartiges Okstjahr zu erwarten haben. **(Auszeichnung.) Dem Wehrmann Peter Bohn von hier ist das Eiserne Kreuz verliehen worden. **(Unfall.) Die in der Hohenzollernstraße wohnende Witwe Beckmann kam infolge Ausgleitens auf der Treppe zu Fall und trug erhebliche Verletzungen des linken Beines und der Schulter davon. **(Gruß aus dem Felde.) Für die pünktliche Jusendung der„Schwerter Zeitung“ sprechen wir der Redaktion unsern besten Dank aus. Von allen Kameraden wird das beliebte Heimatblatt täglich mit Spannung erwartet. Ernst Filthaut, Anton Gruß, Theodor Stirnberg, Jos. Wannemacher. **(Familiendrama.) In einem Hause am Dortmunderwege hat sich gestern eine furchtbare Familientragödie abgespielt. Bei einer dort wohnenden Familie weilte eine Frau Trommeter aus Essen zu Besuch; der Mann der in den mittleren Jahren stehenden Frau, die Mutter mehrerer Kinder ist, weilt im Felde. Gestern kam der Ehemann, der Heimatsurlaub hatte, gleichfalls nach hier. Zwischen den Eheleuten kam er nun aus irgend einem Grunde zu einer erregten Tuseinandersetzung, in deren Verlauf schließlich der Mann ein Resser zog und der Frau zwei tiefe Stiche in die Bruft beibrachte. Die schwerverletzte Frau brach bewußtlos zusammen und wurde von schnell herbeigeeilten Mitgliedern der Sanstätskolonne ins tith. Krankenhaus gebracht, wo sofort eine Operation vorgenommen werden mußte. Zurzeit ist der Zustand der Verletzten sehr einst. Per Attentäter würde festgenömmen. ** Holzen, 25. Mai.(Den Heldentod für das Vaterland) starben innerhalb Wochenfrist zwei hoffnungsvolle Söhne des Hauptlehrers Hillefeld von der evangelischen Volksschule im Ortsteil Rosen. Beide Brüder, der stud. theol. Ernst Hillefeld und der Oberprimaner Heinrich Hilleseld, waren mit dem Ausbruch des Krieges in heißer Vaterlandsliebe als Kriegsfreiwillige begeistert zu den Wassen geeilt. In der ersten Maiwoche fiel der ältere Bruder und Pfingstsonntag traf die Nachricht ein, daß auch der jüngere Bruder seine Vaterlandsliebe mit dem Tode besiegelt hat. Ehre ihrem Andenken! Villigst, 26. Mai.(Beförderung.) Der im Osten kämpfende Offizier=Stellvertreter A. Kortmann, Sohn des Gutsbesitzers K. von hier, wurde zum Lautnant besördert. * Westig, 25. Mai.(Trauriger Unglücksfall.) Im Hofe eines Restaurateurs fiel das etwa 2½jährige Töchterchen eines Vohwinkeler Lehrers, der hier mit seiner Familie zu Besuch weilte, in eine offene gefüllte Jauchegrube und ertrank. Als die Angehörigen davon erfuhren und das Kind geborgen werden konnte, war es zu spät; die angestellten Wiederbelebungsversuche hatten keinen Erfolg. * Köln, 23. Mai.(Durch Stickgase tödlich verunglückt) sind gestern bei Kanalarbeiten in Ehrenfeld zwei Arbeiter. Beim Lösen des Bodens an der Seitenwand des acht Meter tiefen Schachtes wurden plötzlich Gase frei, die den hier beschäftigten Arbeiter bewußtlos machten. Einen Vorarbeiter, der zu Hilfe kam, ereilte dasselbe Schicksal, und beide konnten nur als Leichen geborgen werden. Der artsgehobene Boden hatte das Vorhandensein von Gasen nicht vermuten lassen, so daß keine Sicherheitsmaßnahmen getroffen werden konnten. Beide Verunglückte waren verheiratet und hinterlassen Familie. Büchertisch. Alle unter dieser Rubrit besprochenen Bücher sind in der Carl Braus'schen Buchhandlung zu haben. Ein modernes Schlachtfeld veranschaulicht ein Bild in einem der neuesten Hefte der Illustrierten Geschichte des Weltkrieges 1914/15.(Verlag der Union Deutsche Verlagsgesellschaft, Stuttgart, Berlin, Leipzig, Wien), welches einen sehr interessanten Artikel über das Schlachtfeld von einst und heute enthält. Der Beschauuer des Bildes überblickt das Schlachtfeld gleichsam von einer weit überragenden Höhe im Vordergrund aus; Schützengräben, Artillerielinien, Mörser in gedeckter Stellung, Mannschaftsunterstände usw. sind bei genauer Betrachtung neben vielen anderen Einzelheiten zu bemerken. Amtliche Kriegsdarstellungen hat das Große Heuptquartier von wenigstens einigen Schlachten und zusammenhängenden kriegerischen Bewegungen in den letzten Monaten durch die Presse verbreiten lassen und uns damit erst die Möglichkeit gegeben, die täglichen Kriegsdepeschen über jene Kriegsschauplätze richtig zu lesen und die in ihnen erwähnten Kämpfe recht zu werten. Jedenfalls tat es aber schon jetzt not, die bisher erschienenen Berichte in einer Sammlung festzuhalten, dämit sie, statt in der Masse der Einzelnachrichten unterzugehen, an jung und alt die Kriegswirklichkeit herandringen, die Siegeszuversicht stärken und unsere Dankbarkeit mehren können. Zu diesem Zweck läßt der Verlag des Evangelischen Bundes(Berlin W. 35) die Berichte des Großen Hauptciartiers in seinen„Volksschriften zum großen Krieg“ erscheinen, mit Bildern und den nötigen Karten. Preis seotes Heste 20 Bie. Wochenmarkt. Der heutige Wochenmarkt war gut beschickt. Es wuirden bezahlt für Aepfel Pfund 80 Pfg., Apfelsinen Stück 5—10 Pfg., Zitronen Stück 10 Pfg., Gurken Stück 25—40 Pfg., Schnittkohl Stück 5 Pfg., Spinat 2 Pfd. 25 Pfg., Wurzeln Bd. 45 Pf., Radischen Bd. 5 Pfg., Stielmus 3 Bd. 20 Pfg., Rhabarber 2 Pack 25 Pfg., Salat Kopf 10 Pfg., Melde 2 Pfund 25 Pfg., Zwiebeln Pfund 45 Pfg., Spargel Pfund 50—70 Pfg., Blumenkohl 60—65 Pfg., Banrnen Pfund 80 Pfg., Stachelbeeren Pfund 40 Pfg.. Eier 8 Stür 1.—, Butter Psind 1.50 Mk., Rindfleisch Pfund 1,20 Mk., Schweinefleisch Pfund 1,60 Mk., Schellfisch(kleiner) Pfund 20 Pfg. Verantwortlich für die Redaktion Friedr. Kraas, Druck u. Verlag von Carl Braus, beide in Schwerte. Man sammle auch Gerlichte sind falsch! mährend der Kriegs zeit Luhns Seifen=Umhüllungen weiter für die bekannte„Luhns Rabatt=Verteilung". Luhns Seifen für Hausputz und Wäsche. Verbürgt rein SteckenpfferdJeife but eir####e M 54 Es ist bestimmt in Gottes Rat, Dass nan vom Liebsten, was man hat, muss scheiden. Was du uns warst, Warst du dem Vaterland: Ein treuer Freund, Ein braver Held. Den Heldentod fürs Vaterlad starb infolge einer schweren Verwundung am 19 Den Heldentod für das Vaterland starb nach vorheriger schwerer Verwundung unser innigstgeliebter Sohn und Bruder, Vetter und Neffe, der Musketier Mai 1915 unser werter Turngenosse Wilh. Schmidt " Telmet Musketier im Inf.-Regt. Nr. 56, 7. Komp. Wir verlieren in ihm ein treues, braves Mitglied. Sein lauterer Charakter, sein gesunder Sinn wird in den Reihen der Mitglieder ewig fortleben. 2486 Turn-Verein Germania Ergste im Inf.-Regt. Nr. 56 7. Komp. im blühenden Alter von 20 Jahren. Die trauernden Hinterbliebenen. Familie August Schmidt. Ruhe sanft in Gottes Frieden. Viel zu früh bist du geschieden. Ergste, Letmathe, Minden i. W., Grosshettingen und Siegen, den 25. Mai 1915. 2485 Nachruf. Auf Frankreichs Boden schwer und müde Sank hin dein Haupt zur letzten Ruh. Fürs Vaterland gabst du dein Leben, Schlaf wohl du wackerer Streiter du. Im Spielen warst du unser Freund, Jetzt bist du mit dem Tod vereint. Anstreicher. arden zu vergeben. Schriftliche Angebote unter L. 500 an die Schweiter Zeitung erbeten. Den Heldentod für Kaiser und Reich starb nach einer schweren Verwundung am 19. Mai 1915 unser teurer Sportgenosse Suche eine milchgebende Wilh. Schlikat, ür Eier, Wurst, Schokolade und Zigarren geeignet Preis O Pfg. und teuerer Buchhändlung Carl Braus 2484 dessen offenes Wesen und lauterer Charakter wir auch über das Grab hinaus in Ehren halten werden. 2487 zu kaufen. Mach, Bürenbruch d. Ergste. Grosse Marktstrasse 3—5. 3 Zimmer Spiel- u. Sport-Club Ergste 9. Etage, Hohenzollernstr. Nr. 7 sind sofort oder später, 2402 Städtischer Viehhof, Dortmund. Dortmund, den 25. Mai 19 Zu dem heutigen Schlachtviehmarkt waren aufgetrieden, 886 Siück Großzvieh, 332 Fälter. 7 Schafe 5°5 Schweine. Bez. s. 100 Pfl 6 Zimmer Ochsen der 1. Etage per 1. Juli zu vermieten. O. Schmidt. 9502 Steroten grosse saftige Früchte Mz. 63 PI. E. 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Kälber a) Doppelender, feinste Mast d) seinste Mastkälber c) mittlere Mast= und deste Saugkälder 73—78 120-128 d)geringe Mast= und gute Saughälber 65—70 110- 118 e)geringe Saugkölder 3. Schafe Stallmast= a) Mastlämmer und jüngere Mastschafe: hammel.. d) ältere Masthammel, geringere Mastlämmer und gut genährte junge Schafe..... chmäßig genährte Hammel und Schafe(Merzschafe) Weide. a) Mastlämmer mastschafe: b) geringe Lämmer und Schafe 4. Schweine. Seniner dar der 150 ks. 3 sentur. Ledendgewicht d) vollfleischige Schweine von 120—150 kg(240—300 Psd.) Lebendgewicht e) vollfleischige Schweine von 100—120 kg(200-240 Pfd.) Lebenk gewicht d) vollfleischige Schweine von 80—100 kg(160—200 Pfd) Lebendgewicht e) vollfleischige Schweine unter 80 kg(160 Pfd.) Ledendgewicht 96.116 190-145 Sauen Den Heldentod fürs Vaterland starb mein innigstgeliebter Mann, der treusorgende Vater meiner beiden Kinderchen, unser lieber Sohn, Schwiegersohn. Bruder, Schwager und Onkel, der Musketier Nuguet Lung 2 Im Inf.-Regt. Nr. 17, 9. Komp. im blühenden Alter von 24 Jahren. Dieses zeigt an die tieftrauernde Witwe Maria Lange, geb. Liebeck nebst Kinderchen. Familie Lange Familie Liebeck. Schwerte, Holzen, den 26. Mai 1915. 2489 Nachruf. So ruhe sanft in stillem Frieden, Da unser Herz dich tot noch liebt: Denn ach so früh bist du geschieden Tief hat die Trennung uns betrübt. Deu Heldentod fürs Vaterland starb unser lieber Freund und Sangesbruder Kriegsfreiwilliger Fritz Caspart 1. Komp. 8. Inf.-Regt. Nr. 111. Er war urs ein lieber Freund und alle, die den Verstorbenen gekannt haben, werden sein Andenken in Ehren halten. 2492 Männer-Gesangverein„Eintracht ergste. TOtenlzettel mit Darstellung eines sterbenden Soldaten und ein zum Himmel zeigender Engel ist eine dauernde Erinnerung an die gefallenen Krieger Buchdruckerei Carl Braus Schwerte Ruhr, Gr. Marktstr. 3—5. Martuden 2501 A• *Rollmöpse 10 mit Gurkeneinlage, 3 Stck. 20 8 * Bratheringe 3 stück. 40§ Sardinen 4 Pfd.-Dose 115 Salzgurken 4 Stck. 20 S 112 120 140-150 Pria-araupenndonmern 118-120 140 150 als italienischen Kriegsschauplatz sind vorrätig in der Duchhandlung CARL BRAUS Schwerte(Ruhr.) Gr. Marktstrasse 3—5. Schweine-, Rind-u. Pferdelutter empflehlt 2449 Ein- und Verkaufsgenossenschaft eingetragene Gesellschaft mit beschr. Haftung zu Schwerte. Makulaturpapier unnfeilt bülen Carl Braus, Schwerte(Nuhr) ander Feier Ahricch, de mehr. WöHamillenin Aageigeng oon deren Sirs 15 Radatt gl! Autien. 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