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Nr. 25.
Samstag, den 30. Januar 1915.
47. Jahrgang.
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Der Reichskanzler und England.
Die„Köln. Ztg.“ meldet von der holländischen Grenze:
Die„Associated Preß“ verbreitet einen Bericht über eine Unterredung, die einer ihrer Vertreter im Großen Hauptquartier in Nordfrankreich mit dem dautschen Reichskanzler hatte, der sich im Lau
fe des Gespräches wie folgt äußerte:„Ich sagte Sir Edward Goschen in seiner letzten Unterredung, in der wir die Sache privatim von Mann zu Mann besprachen, unter den Ursachen, die England in den Krieg getrieben hätten, habe der belgische Neutralitätsvertrag für England nur den Wert eines Fetzen Papiers. Ich mag dabei etwas erregt und aufgebracht gewesen sein— wer an mei“ ter Stelle wäre das nicht gewesen?—, da ich alle Hoffnungen und Arbeit während der ganzen Dauer meiner Kanzlerschaft zerrinnen sah. Ich erinnerte den Botschafter an meine jahrelangen Bemühungen zur Herbeiführung einer Verständigung zwischen England und Deutschland, ein Bemühen, das, wie ich ihm vorhielt, einen allgemeinen europäischen Krieg unmöglich gemacht und den Frieden Europas vollauf gewährleistet hätte. Eine solche Verständigung hätte die Erundlage gebildet, auf der wir an die Vereinigten Staaten als dritten Teilnehmer herangetreten wären. Allein England ging auf diese Absichten nicht ein und, indem es in den Krieg zog, vernichtete es auf immer die Hoffnung auf ihre Erfüllung. Ist da der Vertrag im Vergleich zu der gewaltigen Wendung der Dinge etwas anderes als ein Fetzen Papier? England sollte wirklich aufhören, dieses Thema von der belgischen Nautralität weiterhin breit zu treten.
Herr v. Bethmann erwähnte: Aus, den Aktenstücken, die wir im Archiv des belgischen Auswärtigen Amtes vorfanden, geht hervor, daß England im Jahre 1911 entschlossen war, wenn der Krieg ausbräche, Truppen ohne die Zustimmung der belgischen Regierung nach Belgien zu werfen, mit anderen Worten genau dasselbe zu tun, was es gegenwärtig mit dem ganzen Pathos der sittlichen Entrüstung Deutschland vorwirft.
Großes Hauptquartier, 29. Januar. Westlicher Kriegsschauplatz.
Bei einem nächtlichen Geschwaderflug wurden die englischen Etappenanlagen der Festung Dünkirchen ausgiebig mit Bomben belegt.
Ein feindlicher Angriff in den Dünen nordwestlich Nieuport wurde abgewiesen. Der Feind, der an einer Stelle in unsere Stellungen eingedrungen war, wurde durch nächtliche Bajonett=Angriffe zurückgeworfen.
Südlich des La Bassee=Kanals versuchten die Engländer die ihnen entrissenen Stellungen zurück zu nehmen. Ihre Angriffe wurden leicht zurückgeschlagen.
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Auf der übrigen Front ereignete sich nichts Wesentliches.
Oestlicher Kriegsschauplatz.
Ein russischer Angriff in der Gegend von Ku sen, nordöstlich Gumbinnen, scheiterte unter schweren Verlusten für den Feind.
Im nördlichen Polen keine Veränderung.
Nordwestlich Bolimow, östlich von Low icz, warfen unsere Truppen den Feind aus seinen Vorstellungen und drangen in die Hauptstellung ein. Die eroberten Gräben wurden trotz heftiger nächtlicher Gegenangriffe bis auf ein kleines Stück gehalten und eingerichtet.
Oberste Heeresleitung.
Rückzug der Russen in Polen?
tu London, 30. Jan. Die Nachrichten von einem bevorstehenden Rückzug der russischen Truppen in Polen auf eine zweite Verteidigungslinie mehren sich auffallend. So drahtet der Berichterstatter des„Daily Chroniele“ seinem Blatte: Warschau befindet sich in vollkommener Sicherheit.
Es ist jedoch möglich, daß die Russen ihre Stellung an der Nawka aufgeben und eine neue Befestigungslinie bei Blonie beziehen, da diese letztere infolge ihrer geringen Ausdehnung mit einer kleineren Anzahl Truppen zu verteidigen ist als die augenblickliche Stellung.
hie der Aussen in den Rutpaihen.
wtb Wien, 30. Jan. Amtlich wird verlaut=, den westlich des Uszoker Passes
schweren Verlusten des
bart vom 29. Januar, mittags: Starker Schneefall ist eingetreten. In Westgalizien und Polen nur noch Rekognoszierungen und Patrouillengefechte und wo es die momentanen Sichtverhältnisse zulassen, Artilleriekämpfe. In den Karpathen wur
russische Angrisse unter schweren Verlüsten des Gegnerz zurückgeschlagen. Bei Vozerszallas und Volovec sind die Kämpfe beendet und der Feind auf die Paßhöhen zurückgeworfen. Neuerdings wurden 400 Gefangene eingebracht. In der Bukowina herrscht Ruhe.
Japan rüstet gegen Rußland.
Dem„Ostasiatischen Lloyd“ zufolge hat der jaanische Ministerpräsident Graf Okuma in Sachen er“ geforderten Heeresverstärkung vor geladenen barlamentsmitgliedern eine bedeutsame Rede gealten, die klar erkennen läßt, gegen wen gdie Heeesverstärkungen gerichtet sind. Es heißt all genug
„Der Krieg wird in allen Dingen und Landern große Veränderungen herbeiführen. Alle diese Verändenungen werden, wenn alle Japaner zusamnen stehen, zum Vorteil für Japan werden. frage der Heeresvermehrung, die seit sieben Jahken brennend war, muß nun durchgeführt werden. Während der vergangenen sieben Jahre hat diese Frage wiederholt zu innerpolitischen Krisen geführt. Nach einer sorgfältigen Prüfung der finanziellen und diplomatischen Seite der Frage ist die Regierung zu der Ansicht gekommen, daß unter Berücksichtigung der gegenwärtigen Verhältnisse die geplante Heeresverstärkung keinen weiteren Aufschub mehr erdulden darf. Die gewissenhafte Durchführung der Aufstellung eines Armeekorps ist das Werk von einigen Jahren, weil militärische Neuerungen nicht in wenigen Tagen geschaffen werden können. Vom Gesichtspunkte der Diplomatie betrachtet, ist nach Ansicht einiger Persönlichkeiten die Ausstellung eines neuen Armeekorps nicht notwen
dig, weil Japan auf sreundschaftlichem Friße mit Nußland lebt. Zweifellos haben sich die Beziedungen zwischen Rußland und Japan gewaltig ge
kürkische Erfolge gegen die Russen.
Schoi gegen die feindlichen Hau
Konstantinopel, 30. Jan. Das Große Hauptquartier teilt mit: Auf der kaukasischen Front hat sich nichts nennenswertes ereignet. Unsere Truppen, die in der Richtung aus Olty die Pi.#.c, ergrissen he#k! machten 300 Russen zu
Unruhe nicht ganz alsten eine
und Kir setzte sich auf de seit einer Woche in Aserbeidschan im GAge befindliche Schlacht in der
Umgebung von Schvi gegen die feindlichen Hauptkräfte wird zu unseren Gunsten fortgesetzt. Schoi ist der letzte Zufluchtsort der Russen in Aserbeidschan. Am 27. Januar nahmen unsere Truppen im Süden von Schoi die erste Linie der befestigten seindlichen Stellungen, welche aus merheren Linien bestehen.
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bessert und die Regierung wird alles tun, um die freundschaftlichen Beziehungen weiter zu pflegen. Aber diese befriedigenden diplomatischen Beziehungen dürfen kein genügender Grund dafür sein, die den Verhältnissen Rechnung tragenden Maßnahmen für unsere Landesverteidigung zu vernachlässigen. Japan hat nun eine Besitzung auf dem chinesischen Festiand(Schantung!!). China selbst ist zu schwach, die Integrität seines Landes zu schützen, eine Schwäche, die den Einfluß der fremden Mächte in China stärkt und die jeden Augenblick eine diplomatische Krisis heraufbeschwören kann. Es ist die überlieferte Politik Japans, den unverringerten Länderbestand Chinas und den Frieden im fernen Osten aufrecht zu erhalten. Japan muß in der Lage sein, im Notfall zur Aufrecht“ Erhaltung dieser Grundsätze seinen Mann zu stehen.“
Regierung.
tu Neuyork, 29. Jan. Der Brief, den Staatssekretär Bryan an den Vorsitzenden des Senatskomitees für auswärtige Angelegenheiten gerichtet hat, erregt in einem großen Teile der amerikanischen Presse lebhaften Widerspruch. Der„Neuyork American“ erklärt, die Korrespondenz zwischen Stole und dem Staatsdepartement ist augenscheinlich in der Absicht geführt worden, um der Verwaltung eine Gelegenheit zu geben, von ihrem fesien Standmunkt zurückzuweichen, den sie kürzlich gegen England in der amerikanischen Schiffahrtsfrage einnahm. Das Volk ist der Erniedrigungen dieser Art müde und, falls die Verwaltung nicht beabsichtigt, irgend etwas zu unternehmen, dann
sollte sie das Land nicht dadurch bloßstellen, daß sie behauptet, einen Mut zu besitzen, den sie nicht hat. Wenn wir unsern Nacken in diesem Falle wie im Falle der Panama=Kanal=Gebühren vor England beugen müssen, so muß das ruhig geschehen, damit wir möglichst wenig Aufmerksamkeit auf die lächerliche und erniedrigende Stellung lenken, in der wir uns befinden. Die„Staatszeitung“ erklärt, daß der Brief, der deutlich die wirklichen Gefühle des ganz im englischen Fahrwasser segelnden Staatssekretärs zeigt, in der englischen Botschaft geschrieben sein könnte.
Der Krieg gegen Frankreich.
Frankreichs letzte Reserven.
Wie aus dem Haag gemeldet wird, erzählt man sich in dortigen diplomatischen Kreisen, daß der Kriegsminister Millerand unter dem Drucke der immer größer werdenden Mißstimmung in Frankreich gegen England nach London reiste, um sich durch Augenschein von dem gegenwärtigen Stande der Millionenarmee Kitcheners zu überzeugen. Millerand habe den maßgebenden Persönlichkeiten der englischen Regierung, sowie dem König Georg erklärt, daß Frankreich seine letzten Reserven an die Front geschickt habe und nur noch über Truppen in Marokko, Algier und Tunis verfüge, die es jedoch mit Rücksicht auf den Aufstand in Marokko und die wachsende Gärung in Algier und Tunis nicht nach Europa senden könne.
Die zweite Schlacht bei La Bassee. tu Amsterdam, 29. Januar.„Daily Chronicle“ meldet aus der Picardie vom 26. Januar: Was militärisch vielleicht als die zweite Schlacht bei La Bassee bezeichnet werden wird, hat sich gestern abgespielt. Der Kampf beschränkte sich auf das Dreieck Auchy—La Bassee—Givenchy. Die Kanonade erinnert in ihrer Wucht an die furchtbarsten Tage von Zonnebeeke, Hollebeeke und Umgegend. Um 7.30 Uhr früh, als die Engländer gerade ihr Früh' stück essen wollten, erschienen etwa 35 Meter von ihren Laufgräben entfernt die deutschen Truppen. Die Engländer eröffneten Gewehr= und Maschinengewehrfeuer, doch die Deutschen kamen im Sturm näher nud als sie 15 Meter von den Laufgräben entfernt waren, warfen sie Handgranaten hinein, die ringsum Tod und Verderben verbreiteten. Dann überrannten die Deutschen die englische Vorpostenlinie. Ein mörderisches Handgemenge folgte. Bald darauf ward das laute Kampfgetöse von dem Donner der schweren Artillerie übertönt. Die Engländer mußten weichen und da die Deutschen die Fläche zwischen den vorderen und hinteren Eräben mit der Artillerie bestrichen, haben die Engländer auch auf diesem Rückzuge wieder sehr schwere Verluste zu verzeichnen. Zwei Kompagnien eines berühmten schottischen Regiments wurden fast vollständig aufgerieben. 350 Meter stürmte die deutsche Infanterie vor. Nach dem Bericht des „Daily Chronicle“ dauerte der Kampf 3½ Stunden.
Ein französisches Torpedoboot bei Nieuport gesunken.
Nach einer Erklärung, die der französische Marineminister dem Berichterstatter der„Times“ in Paris gegenüber über die Verluste der französischen Marine seit Anfang des Krieges machte, geht als bis jetzt unbekannte Tatsache hervor, daß in der vorigen Woche bei Nieuport ein französisches Torpedoboot untergeangen ist. Von den vierzig Mann der Besatzung ertranken fünf. Im Adriatischen Meer wurde nach derselben Erklärung ein großer französischer Kreuzer torpediert, aber ohne Verlust von Menschenleben. Wie der Minister behamptet, war der Schaden in sechs Wochen ausgebessert.