Amtliches Kreisblatt Dbe Sdamim Zeuner nicchn balch außer Feiertags. Bezugspreis M. 1.80 vierteljährlich, bei der Post für Bestellgeld 42 Pig. mehr. Wöchentl. Grakisbeilage:„Iklustrierter Familienfreund" u. tägl. Unterhaltungsblatt. Anzeilgenpreis: Die siedengespaltene Petttzeile oder deren Raum 10 Pfg., Anzeigen von auswärts 15 Pfg., Reklamezeile 40 Pfg. Jeder Rabalt gilt als Kassarabalt u. erlischt der Konkursen. Zwangsvergleichen, gerichtl. Klagen u. Robsachucd esncht.-ottinsechetsgne. Westhotener Zeitung Langscheder Zeitung Schwerter Volksblau tar den Kleis Holzwickeder Zeitung Aplerbecker Zeitung Schwerter Volkszeitung Verbunden mit: Schwerter Tageblatt S Schwerter Anzeiger Grites und älteltes Cagesorgan des Kreises o General-Anzeiger für den Kreis Hörde o Haupt-Annoncenblaft Aug dee: und Aohalentgüchen Deund. nungen für den Kreis Hörde erlangen gemaß Behanntmachung dei Königlichen Regierung durch Verössentlichung in der„Schwerter Zeitung" rechtsoerbindliche Kraft.— Die „Schwerter Zeitung“ gewährt ihren Adonnen= ten für jeden mit Tod endenden Unfall ge300 Mk. Unfall. Drucku. Verlags. Cor Braus. Schwerte= Ruhe Fernsp. 62. Telegr.=Adr. Braus Schwerie=Ruh## Nr. 25. Samstag, den 30. Januar 1915. 47. Jahrgang. ingen Der Reichskanzler und England. Die„Köln. Ztg.“ meldet von der holländischen Grenze: Die„Associated Preß“ verbreitet einen Bericht über eine Unterredung, die einer ihrer Vertreter im Großen Hauptquartier in Nordfrankreich mit dem dautschen Reichskanzler hatte, der sich im Laufe des Gespräches wie folgt äußerte:„Ich sagte Sir Edward Goschen in seiner letzten Unterredung, in der wir die Sache privatim von Mann zu Mann besprachen, unter den Ursachen, die England in den Krieg getrieben hätten, habe der belgische Neutralitätsvertrag für England nur den Wert eines Fetzen Papiers. Ich mag dabei etwas erregt und aufgebracht gewesen sein— wer an mei“ ter Stelle wäre das nicht gewesen?—, da ich alle Hoffnungen und Arbeit während der ganzen Dauer meiner Kanzlerschaft zerrinnen sah. Ich erinnerte den Botschafter an meine jahrelangen Bemühungen zur Herbeiführung einer Verständigung zwischen England und Deutschland, ein Bemühen, das, wie ich ihm vorhielt, einen allgemeinen europäischen Krieg unmöglich gemacht und den Frieden Europas vollauf gewährleistet hätte. Eine solche Verständigung hätte die Erundlage gebildet, auf der wir an die Vereinigten Staaten als dritten Teilnehmer herangetreten wären. Allein England ging auf diese Absichten nicht ein und, indem es in den Krieg zog, vernichtete es auf immer die Hoffnung auf ihre Erfüllung. Ist da der Vertrag im Vergleich zu der gewaltigen Wendung der Dinge etwas anderes als ein Fetzen Papier? England sollte wirklich aufhören, dieses Thema von der belgischen Nautralität weiterhin breit zu treten. Herr v. Bethmann erwähnte: Aus, den Aktenstücken, die wir im Archiv des belgischen Auswärtigen Amtes vorfanden, geht hervor, daß England im Jahre 1911 entschlossen war, wenn der Krieg ausbräche, Truppen ohne die Zustimmung der belgischen Regierung nach Belgien zu werfen, mit anderen Worten genau dasselbe zu tun, was es gegenwärtig mit dem ganzen Pathos der sittlichen Entrüstung Deutschland vorwirft. Großes Hauptquartier, 29. Januar. Westlicher Kriegsschauplatz. Bei einem nächtlichen Geschwaderflug wurden die englischen Etappenanlagen der Festung Dünkirchen ausgiebig mit Bomben belegt. Ein feindlicher Angriff in den Dünen nordwestlich Nieuport wurde abgewiesen. Der Feind, der an einer Stelle in unsere Stellungen eingedrungen war, wurde durch nächtliche Bajonett=Angriffe zurückgeworfen. Südlich des La Bassee=Kanals versuchten die Engländer die ihnen entrissenen Stellungen zurück zu nehmen. Ihre Angriffe wurden leicht zurückgeschlagen. ngeist auf Auf der übrigen Front ereignete sich nichts Wesentliches. Oestlicher Kriegsschauplatz. Ein russischer Angriff in der Gegend von Ku sen, nordöstlich Gumbinnen, scheiterte unter schweren Verlusten für den Feind. Im nördlichen Polen keine Veränderung. Nordwestlich Bolimow, östlich von Low icz, warfen unsere Truppen den Feind aus seinen Vorstellungen und drangen in die Hauptstellung ein. Die eroberten Gräben wurden trotz heftiger nächtlicher Gegenangriffe bis auf ein kleines Stück gehalten und eingerichtet. Oberste Heeresleitung. Rückzug der Russen in Polen? tu London, 30. Jan. Die Nachrichten von einem bevorstehenden Rückzug der russischen Truppen in Polen auf eine zweite Verteidigungslinie mehren sich auffallend. So drahtet der Berichterstatter des„Daily Chroniele“ seinem Blatte: Warschau befindet sich in vollkommener Sicherheit. Es ist jedoch möglich, daß die Russen ihre Stellung an der Nawka aufgeben und eine neue Befestigungslinie bei Blonie beziehen, da diese letztere infolge ihrer geringen Ausdehnung mit einer kleineren Anzahl Truppen zu verteidigen ist als die augenblickliche Stellung. hie der Aussen in den Rutpaihen. wtb Wien, 30. Jan. Amtlich wird verlaut=, den westlich des Uszoker Passes schweren Verlusten des bart vom 29. Januar, mittags: Starker Schneefall ist eingetreten. In Westgalizien und Polen nur noch Rekognoszierungen und Patrouillengefechte und wo es die momentanen Sichtverhältnisse zulassen, Artilleriekämpfe. In den Karpathen wurrussische Angrisse unter schweren Verlüsten des Gegnerz zurückgeschlagen. Bei Vozerszallas und Volovec sind die Kämpfe beendet und der Feind auf die Paßhöhen zurückgeworfen. Neuerdings wurden 400 Gefangene eingebracht. In der Bukowina herrscht Ruhe. Japan rüstet gegen Rußland. Dem„Ostasiatischen Lloyd“ zufolge hat der jaanische Ministerpräsident Graf Okuma in Sachen er“ geforderten Heeresverstärkung vor geladenen barlamentsmitgliedern eine bedeutsame Rede gealten, die klar erkennen läßt, gegen wen gdie Heeesverstärkungen gerichtet sind. Es heißt all genug „Der Krieg wird in allen Dingen und Landern große Veränderungen herbeiführen. Alle diese Verändenungen werden, wenn alle Japaner zusamnen stehen, zum Vorteil für Japan werden. frage der Heeresvermehrung, die seit sieben Jahken brennend war, muß nun durchgeführt werden. Während der vergangenen sieben Jahre hat diese Frage wiederholt zu innerpolitischen Krisen geführt. Nach einer sorgfältigen Prüfung der finanziellen und diplomatischen Seite der Frage ist die Regierung zu der Ansicht gekommen, daß unter Berücksichtigung der gegenwärtigen Verhältnisse die geplante Heeresverstärkung keinen weiteren Aufschub mehr erdulden darf. Die gewissenhafte Durchführung der Aufstellung eines Armeekorps ist das Werk von einigen Jahren, weil militärische Neuerungen nicht in wenigen Tagen geschaffen werden können. Vom Gesichtspunkte der Diplomatie betrachtet, ist nach Ansicht einiger Persönlichkeiten die Ausstellung eines neuen Armeekorps nicht notwendig, weil Japan auf sreundschaftlichem Friße mit Nußland lebt. Zweifellos haben sich die Beziedungen zwischen Rußland und Japan gewaltig gekürkische Erfolge gegen die Russen. Schoi gegen die feindlichen Hau Konstantinopel, 30. Jan. Das Große Hauptquartier teilt mit: Auf der kaukasischen Front hat sich nichts nennenswertes ereignet. Unsere Truppen, die in der Richtung aus Olty die Pi.#.c, ergrissen he#k! machten 300 Russen zu Unruhe nicht ganz alsten eine und Kir setzte sich auf de seit einer Woche in Aserbeidschan im GAge befindliche Schlacht in der Umgebung von Schvi gegen die feindlichen Hauptkräfte wird zu unseren Gunsten fortgesetzt. Schoi ist der letzte Zufluchtsort der Russen in Aserbeidschan. Am 27. Januar nahmen unsere Truppen im Süden von Schoi die erste Linie der befestigten seindlichen Stellungen, welche aus merheren Linien bestehen. t m bessert und die Regierung wird alles tun, um die freundschaftlichen Beziehungen weiter zu pflegen. Aber diese befriedigenden diplomatischen Beziehungen dürfen kein genügender Grund dafür sein, die den Verhältnissen Rechnung tragenden Maßnahmen für unsere Landesverteidigung zu vernachlässigen. Japan hat nun eine Besitzung auf dem chinesischen Festiand(Schantung!!). China selbst ist zu schwach, die Integrität seines Landes zu schützen, eine Schwäche, die den Einfluß der fremden Mächte in China stärkt und die jeden Augenblick eine diplomatische Krisis heraufbeschwören kann. Es ist die überlieferte Politik Japans, den unverringerten Länderbestand Chinas und den Frieden im fernen Osten aufrecht zu erhalten. Japan muß in der Lage sein, im Notfall zur Aufrecht“ Erhaltung dieser Grundsätze seinen Mann zu stehen.“ Regierung. tu Neuyork, 29. Jan. Der Brief, den Staatssekretär Bryan an den Vorsitzenden des Senatskomitees für auswärtige Angelegenheiten gerichtet hat, erregt in einem großen Teile der amerikanischen Presse lebhaften Widerspruch. Der„Neuyork American“ erklärt, die Korrespondenz zwischen Stole und dem Staatsdepartement ist augenscheinlich in der Absicht geführt worden, um der Verwaltung eine Gelegenheit zu geben, von ihrem fesien Standmunkt zurückzuweichen, den sie kürzlich gegen England in der amerikanischen Schiffahrtsfrage einnahm. Das Volk ist der Erniedrigungen dieser Art müde und, falls die Verwaltung nicht beabsichtigt, irgend etwas zu unternehmen, dann sollte sie das Land nicht dadurch bloßstellen, daß sie behauptet, einen Mut zu besitzen, den sie nicht hat. Wenn wir unsern Nacken in diesem Falle wie im Falle der Panama=Kanal=Gebühren vor England beugen müssen, so muß das ruhig geschehen, damit wir möglichst wenig Aufmerksamkeit auf die lächerliche und erniedrigende Stellung lenken, in der wir uns befinden. Die„Staatszeitung“ erklärt, daß der Brief, der deutlich die wirklichen Gefühle des ganz im englischen Fahrwasser segelnden Staatssekretärs zeigt, in der englischen Botschaft geschrieben sein könnte. Der Krieg gegen Frankreich. Frankreichs letzte Reserven. Wie aus dem Haag gemeldet wird, erzählt man sich in dortigen diplomatischen Kreisen, daß der Kriegsminister Millerand unter dem Drucke der immer größer werdenden Mißstimmung in Frankreich gegen England nach London reiste, um sich durch Augenschein von dem gegenwärtigen Stande der Millionenarmee Kitcheners zu überzeugen. Millerand habe den maßgebenden Persönlichkeiten der englischen Regierung, sowie dem König Georg erklärt, daß Frankreich seine letzten Reserven an die Front geschickt habe und nur noch über Truppen in Marokko, Algier und Tunis verfüge, die es jedoch mit Rücksicht auf den Aufstand in Marokko und die wachsende Gärung in Algier und Tunis nicht nach Europa senden könne. Die zweite Schlacht bei La Bassee. tu Amsterdam, 29. Januar.„Daily Chronicle“ meldet aus der Picardie vom 26. Januar: Was militärisch vielleicht als die zweite Schlacht bei La Bassee bezeichnet werden wird, hat sich gestern abgespielt. Der Kampf beschränkte sich auf das Dreieck Auchy—La Bassee—Givenchy. Die Kanonade erinnert in ihrer Wucht an die furchtbarsten Tage von Zonnebeeke, Hollebeeke und Umgegend. Um 7.30 Uhr früh, als die Engländer gerade ihr Früh' stück essen wollten, erschienen etwa 35 Meter von ihren Laufgräben entfernt die deutschen Truppen. Die Engländer eröffneten Gewehr= und Maschinengewehrfeuer, doch die Deutschen kamen im Sturm näher nud als sie 15 Meter von den Laufgräben entfernt waren, warfen sie Handgranaten hinein, die ringsum Tod und Verderben verbreiteten. Dann überrannten die Deutschen die englische Vorpostenlinie. Ein mörderisches Handgemenge folgte. Bald darauf ward das laute Kampfgetöse von dem Donner der schweren Artillerie übertönt. Die Engländer mußten weichen und da die Deutschen die Fläche zwischen den vorderen und hinteren Eräben mit der Artillerie bestrichen, haben die Engländer auch auf diesem Rückzuge wieder sehr schwere Verluste zu verzeichnen. Zwei Kompagnien eines berühmten schottischen Regiments wurden fast vollständig aufgerieben. 350 Meter stürmte die deutsche Infanterie vor. Nach dem Bericht des „Daily Chronicle“ dauerte der Kampf 3½ Stunden. Ein französisches Torpedoboot bei Nieuport gesunken. Nach einer Erklärung, die der französische Marineminister dem Berichterstatter der„Times“ in Paris gegenüber über die Verluste der französischen Marine seit Anfang des Krieges machte, geht als bis jetzt unbekannte Tatsache hervor, daß in der vorigen Woche bei Nieuport ein französisches Torpedoboot untergeangen ist. Von den vierzig Mann der Besatzung ertranken fünf. Im Adriatischen Meer wurde nach derselben Erklärung ein großer französischer Kreuzer torpediert, aber ohne Verlust von Menschenleben. Wie der Minister behamptet, war der Schaden in sechs Wochen ausgebessert. Wer mit dem Brote spari, erwirbi sich ein Vercienst vor dem Vaterland Die Fliegerlämpfe über Dünkirchen. tu London, 30. Jan. Ein englischer Augenzeuge berichtet noch folgendes über den deutschen Fliegerangriff auf Dünkirchen: Eines unserer Flugzeuge war auf Patrouille, als der Bobachter verschiedene feindliche Flugzeuge sich nähern sah. Das englische Flugzeug machte sofort auf den vordersten deutschen Flleger Jagd, worauf noch sosort zwei weitere englische Flieger aufstiegen. Diese erreichten in kurzer Zeit eine Höhe von 6000 Fuß und gingen gleichzeitig zum Angriff über. Der erste englische Flieger konnte bereits die beiden vordersten deutschen Flieger vertreiben, aber zwei andere kamen heran und warfen verschiedene Bomben über den Hafen und die Stadt. Nach Ausführung ihres Auftrages machten sie sofort wieder Kehrt. Der Krieg gegen Entziumt Englischer Panzerkreuzer gesunken! Kiel, 29. Jan. Die„Kieler Neuesten Nachrichten" erhielten aus Amsterdam folgende Drahtmeldung: Nach Angabe des Kapitäns eines Handelsdampferg wurde in der Schlacht in der Nordsee am Sonntag der englische Schlachtkreuzer„Tiger“ von einem deutschen Torpedoboot durch Torpedoschuß zum Sinken gebracht. Wie die„Blücher“ unterging. tu Amsterdam, 30. Jan. Aus London wird gemeldet:„Daily Telegraph“ bringt noch einige Mitteilungen über die Nordseeschlacht. Nach diesen Mitteilungen brachte„Arethusa“, die schwer beschädigte„Blücher" durch zwei Torpedos zum Sinken. Die Mannschaften stellten sich in Reih' und Glied auf, nahmen die Mützen ab und gingen mit dem Rufe„Hoch Deutschland!“ in die Tiefe. „Arethusa“ rettete die ersten aus dem Wasser, unter denen sich acht Offiziere befanden. Die deutschen Seeleute baten zuerst um Zigaretten, die sie bekamen. Die Mannschaften wurden erwärmt und sofort mit Kaffee und Brot gespeist. Drei englische Flieger von deutschen Flugzeugen vernichtet. wtb Basel, 30. Jan. Die„Baseler Nachrichten“ melden: Von 7 englischen Flugzeugen, die Ostende und Zeebrügge beschossen haben, sind drei nicht zurückgekehrt. Sie wurden auf dem Rückfluge von zahlreichen deutschen Flugzeugen umzingelt und aufs offene Meer gejagt. Unter den vermißten englischen Fliegern befindet sich auch Samson, der sich mehrfach ausgezeichnet hat. Der ditieg 0. Ein Parseval über Libau. wtb Berlin, 30. Jan. Wie wir erfahren, ist am 25. Januar ein deutsches Marine=Parsevalluftschiff von einem Ostseehafen aus zu einer Unternehmung gegen den russischen Kriegshafen Libau aufgestiegen und bisher nicht zurückgekehrt. Eine Meldung des russischen Marinegeneralstabes verbreitet, daß am 25. Januar ein deutsches Zeppelin=Luftschiff Libau überflogen und Bomben abgeworfen habe. Das Luftschiff sei beschossen und getroffen worden und sei in die See gestürzt. Von russischen Fahrzeugen sei es vernichtet und die Besatzung gesangen genommen worden. Die russische Angabe, daß das angreifende Luftschiff ein Zeppelin gewesen sei, wie in der ausländischen Presse verbreitet worden ist und auch in die deutsche Presse Eingang gefunden hat, ist hiernach unzutreffend. Montenegrog Verzweiflung. Private Nachrichten aus dem Süden schildern die Lage Montenegros als verzweifelt. Gefangene erzählen, daß Hunger und der harte Winter die Bevölkerung sehr schwäche. Der Haß gegen Serbien, das Montenegro in den Krieg getrieben habe, nehme täglich zu. Der Abzug der französischen Besatzung von dem Berge Lowcen und die erhöhte Wachsamkeit der österreichischen Flotte hinderte die Zufuhr über Antivari sehr. Die Wege über die serbische Grenze seien gegenwärtig fast ungangbar. Die Besiegung Montenegrog im eigenen Lande durch die österreichischen Truppen wäre dem König Nikita lieber gewesen, da dann ein rascher Friedensschluß möglich gewesen wäre, als die jetzige Taktik der österreichischen Truppen, das Land einzuschließen. Der heilige Krieg. Vormarsch der Türken nach Teheran. Mailand, 29. Jan.„Corriere della Sera“ meldet den Vormarsch der Türken von Kaswin nach Teheran zur Besetzung der persischen Hauptstadt. Von dem Suez=Kanal. Köln, 30. Jan. Der„Köln. Ztg.“ wird aus Zürich gemeldet: Aus Rom wird berichtet: In italienischen Regierungskreisen sei man über die aus Aegypten eintreffenden Nachrichten lebhaft beunruhigt. Die Möglichkeit eines türkischen Vor marsches über den Suezkanal, wodurch auch ita lienische Interessen berührt werden würden, liege zweifellos vor. Es scheine, daß diese Angelegenheit in London zwischen Grey und dem italienischen Botschafter besprochen worden sei. Der„Secolo“ bestätigt, daß die Kriegsvorbereitungen in der Umgebung des Suezkanals eifrig betrieben werden. Militärzüge kreuzten nach allen Richtungen, und die Eisenbahnlinien seien überall von englischen Truppen bewacht. In Kairo soll man es für möglich halten, daß die Senussi von der Kyrenaika her gegen die ägyptische Grenze vorstoßen, um die reiche Oase Siwas zu besetzen. Die „Perseveranza“ erhält eine Nachricht, derzufolge die Schif ahrt durch den Suezkanal bereits unterbrochen sei. Aus Rom wird demselben Blatte gemeldet: Die Nachrichten von einem Gefecht bei El Cantara bestätigen sich und seien deshalb von großer Bedeutung, weil der Ort unmittelbar am Kanal liege. Den Kauffahrteischiffen seien Anweisungen erteilt worden, wie sie sich beim Ausbruch von Feindseligkeiten zu verhalten hätten. Allein es sei vorauszusehen, daß diese Anweisungen bald in ein klares Fahrverbot umgewandelt würden. Die Engländer hätten sich entschlossen, die Türken auf dem westlichen Kanalufer zu erwarten. Dakuurch sei die Schif ahrt der Neutralen geführdet. — die Schweiz als Friedensvermittler? Stockholm, 30. Jan. Der Schweizer Bundesrats=Präsident Motta hat sich in einer Unterredung mit dem Korrespondenten der„Rußkoje Slowo“ geäußert: In der Schweiz ist man der sesten Ueberzeugung, daß wir zwischen den Kriegführenden intervenieren müssen, um den Frieden herbeizuführen. — Rumäntens Reutralal siehe fef. wenn auch einige frühere rumänische Minister in Paris Loblieder auf den Dreiverband singen. Der altbewährte Staatsmann Carp erklärte, daß eine kleine verhetzte Schar in Rumänien von einer Eroberung Siebenbürgens träume, während der Wille der ernsten Männer auf Bessarabien gerichtet ist, das Rußland den Rumänen als Lohn für deren Hilfe im Türkenkriege 1878 abnahm. Die Londoner Meldung, wonach eine rumänische Anleihe von 100 Millionen in Paris abgeschlossen wurde, blieb unbestätigt; dagegen ist es Tatsache, daß der rumänische Militärattachee dem deutschen Botschafter in Konstantinopel zugleich mit den Geburtstagswünschen für Kaiser Wilhelm die Symrathien der rumänischen Armee für den deutschen Kaiser und das deutsche Heer aussprach. Umschwung in Rumänien. Wien, 30. Jan. Der österreichische Gesandte in Bukarest ist gestern in Wien eingetrossen. Er hatte eine Audienz beim Kaiser und darauf eine längere Unterredung mit dem Minister des Auswärtigen. In den allerletzten Tagen hat sich in Rumänien eine lebhafte Bewegung zugunsten der Zentralmächte bemerkbar gemacht. Rumänisches Getreide für Deutschland. wtb Bukarest, 30. Jan. Halbamtlich wird gemeldet: Der größte Teil der in den letzten Monaten für Deutschlanz gekauften Getreidemengen konnte wegen Waggonmangels nicht ausgeführt werden. Die rumänische Eisenbahnverwaltung hat nun den Vorschlag der deutschen Regierung angenommen, daß sie den dazu nötigen Wagenpark selbst nach Rumänien senden werde. Aus Stadt und Umgebung. ** Schwerte, 30. Januar 1915. **(Winterwetter.) Der in den letzten Tagen niedergegangene Schnee, sowie der inzwischen eingetretene Frost haben ein herrliches Winterwetter geschaffen. Nach den schier endlos trüben Regentagen kommt das Wetter den Naturfreunden sehr erwünscht. Man sieht daher Alt und Jung hinauswandern in die schöne Natur. Daß aber die Straßen zum Rodeln benutzt werden und auf den Bürgersteigen die Jugend Schlinderbahnen anlegt, das ist für Menschen und Tiere ge,ahrbringend, weshalb den Verpflichteten nicht dringend genug das Bestreuen der Bürgersteige empfohlen werden kann, da sie im Unterlassungsfalle die Kosten etwaiger Schadenfälle zu tragen haben. **(Eisernes Krenz.) Herrn Gerichtssekretär Hammerschmidt vom hiesigen Amtsgericht, der auf dem östlichen Kriegsschauplatz kämpft, ist das Eiserne Kreuz verliehen worden. Wir sprechen dem tapferen Krieger, der gleichzeitig zum Unter offizier befördert wurde, unsern besten Glückwunsch aus! **(Die Konfirmationstermine) in der größeren evangel. Gemeinde sind wie folgt festgesetzt: Am 14. März die Konfirmanden von Pastor Ohlig, am 17. März Pastor Nell, am 21. März Pastor Wischnath. Die Prüfung wird jedesmal am vorhergehenden Freitag abgehalten. **(Der evangelische Frauenverein), welcher seit Beginn des Krieges an jedem Donnerstag Nachmittag mit durchschnittlich 80 Mitgliedern im ev. Gemeindehause zusammen gekommen ist, um seinem Charakter entsprechend mit Gebet und Arbeit sich in den Kriegsliebesdienst zu stellen, hat eine außerordentlich treue Tätigkeit entfaltet. Außer den reichen Liebesgaben, die ihm von Mitgliedern zur Verfügung gestellt wurden, hat er aus seiner eigenen Kasse für über 1000 Mk. Material verarbeitet zu wärmenden Wollsachen für unsere Solaten im Felde und für das Lazarett im evangel. Krankenhaus. Zum Besten dieser Kriegsliebesarbeit, in der der Verein auszuharren gedenkt, solange es nötig ist und seine Kräfte reichen, ist esihm gelungen, einige einheimische und auswärtige musikalische Kräfte zu gewinnen, die uneigennützig und freudig ihre schönen Gaben in den Dienst der guten Sache zu stellen sich bereit erklärt haben. Die Genüsse, die unserer harren, sind aus dem in der heutigen Nummer dieser Zeitung veröffentlichten Programm ersichtlich. Die einzelnen Darbietungen entsprechen dem Charakter dieser Kriegszeit. Dieser musikalische Kriegsliebesabend der evangelischen Frauenhülfe soll am 7. Februar, 5 Uhr im Gemeindehause stattfinden. Eintrittslarten zu 50 Pfg. werden von den Damen des Frauen=Vereins vertrieben und sind bei der Vorsitzenden desselben, Frau Pastor Terberger, mi haben. Es werden nur 500 Karten verkauft, damit jeder einen ausreichenden Platz findet. Die iedertexte sind am Eingang für 10 Pfg. zu haben. Alle Freunde guter Musik und alle Förderer der uten Sache werden gebeten, rechtzeitig sich mit Karten zu versehen. **(Umfangreiche Schweineschlachtungen) dürften in der nächsten Zeit zu erwarten sein. Wie von zuständiger Stelle mitgeteilt wird, sollen infolge der fehlenden Futterstoffe im Deutschen Reiche etwa 6 Millionen Schweine geschlachtet werden. So kommen z. B. für den Stadt= und Landkreis Düsseldorf etwa 40 000 Stück in Frage. **(Schwerter Frauenverband.) Zur Teilnahme an der Generalversammlung des Frauenverbandes am kommenden Montag um 5 Uhr im Östermannschen Saal wird auch an dieser Stelle noch besonders aufgesordert. Frl. Dönhoff=Witten wird über die Pflichten der Hausfrau in dieser Kriegszeit sprechen. Es ist notwendig, daß jede Hausfrau wisse, wie sie an ihrem Teile dazu mitzuhelfen hat, daß der Plan der Engländer, das dautsche Volk durch Hunger niederzuringen, durchkreuzt werde. Unsere Nahrungsversorgung ist gesichert, wenn vernünftig mit den vorhandenen Mitteln gewirtschaftet wird. Welche deutsche Frau wäre da nicht bereit, durch kluge Haushaltung unsere opferwilli gen Kämpfer da draußen in der Erringung eines ruhmvollen Friedens zu unterstützen. **(Eisenbahn=Unfall.) Gestern nachmittag gegen 3 Uhr fuhr auf dem hiesigen Bahnhof eine Loko motive auf den im Gleis 4 haltenden Personenzug 400. Durch den Anprall wurden 5 Reisende und 3 Zugbeamte leicht verletzt. Zwei Wagen des Personenzuges entgleisten mit je einer Achse. Der Materialschaden ist gering. Betriebsstörungen sind nicht eingetreten. Die Untersuchung ist eingeleitet. (Amtliche Meldung.) Von einem Augenzeugen wird uns zu dem Unglück geschrieben: Ich ging gerade auf dem Bahnsteig in der Richtung der Lokomotive entgegen, als dieselbe auf den im Geleise stehenden Zug nach Hagen stieß. Ob die Lokomotive Durchfahrt hatte oder nicht, kann ich nicht beurteilen. Auf jeden Fall war die Fernsicht für das Fahrpersonal der Maschine die denkbar ungünstigste. Aus dem ausströmenden Wasserdampf des stehenden Zuges und aus dem um so dichteren Ausstoße der herankommenden Maschine bildete sich bei dem kalten, trüben Wettet bald ein dichter Nebel. Das in dem Zuge sitzende Piblikum, selbstverständlich durch den Anprall in die größte Angst geratend, lief bald verwirrt auf dem Bahnsteig umher. Hier und da werden wohl mehr oder weniger leichte oder schwere Verletzungen vorgekommen sein. Aus dem letzten Wagen des Zuges, in dem mehrere Eisenbahnbeamte saßen, hörte ich von einem sagen:„Hier blutet einer“. Ein eigentümliches Bild bot ein Blick in den Postwagen des Zuges. Die Beamten des Wagens, in vollster Tätigkeit ihres Berufs, sahen ihre Sachen bald nicht wenig durcheinander liegen. Der Beamte der Briefpost, der vielleicht stundenlang tausende von Briefen mit viel Arbeit und Mühe sortiert, sah sein Werk im Augenblick zu nichts werden. Ist es da nicht möglich, daß Briefe ein oder zwei Tage länger unterwegs sind oder gar— nicht ankommen? Ein anderer, mit Paketen beschäftigt, war lang über sie hingeflogen und einer wir um, die Tür klagte nicht wenig über SEs Den Verletzten, unter—sTSO Sldaten befanden, leisteten Ren#—Dt der Sanitätswache bis zur Ankunft des Bahnarztes die erste Hilfe. **(Das Ergebnis der Reichswollwoche) in unserer Stadt hat ein sehr gutes Ergebnis gehabt. Es konnten acht Wagen des Herrn Spediteurs Werth, der das Abholen besorgte, mit Wollsachen gesammelt werden. Diese Tatsache stellt der Opferwilligkeit unserer Bürgerschaft ein schönes Zeugnis aus. Augenblicklich findet die Desinfektion der Sachen, die im Anschluß daran ihrer Bestimmung entgegengeführt werden, statt. **(Polizeistunde.) Von berusener Seite wird uns mitgeteilt, daß gewisse Wirte dasuirch die Polizeistunde zu umgehen suchen, daß sie angeben, es sei eine geschlossene Gesellschaft im Lokal. Wir weisen deshalb darauf hin, daß nach einer Verfügung des stellv. General=Kommandos zu Münster sich auch die geschlossenen Gesellschaften an die für Wirtschaften gebotene Polizeistunde zu halten haben. Es ist nötig, daß die besser gestellten Kreise in der Befolgung der angeordneten Maßnahmen, welche mit Rücksicht auf die öffentliche Sicherheit gegen den Alkoholmißbrauch getroffen sind, mit gutem Beispiel vorangehen. Zuwiderhandlungen werden nur noch gerichtlich geahndet. **(Abkürzung der Schonzeit für einige Wildarten.) Nach einer kaiserlichen Verordnung vom 19. Jamtar 1915 beginnt die Schonzeit für weib liches Rehwild und Fasanenhennen in diesem Jahre mit dem 1. März und für Hasen mit dem 1. Februar. Die Verordnung tritt sogleich mit ihrer Verkündigung in Kraft. **(900 Millionen Sparkassenzuwachs.) Nach der „Frankf. Ztg.“ betrug bei den deutschen Sparkassen im Jahre 1914 der Gesamtüberschuß der Einzahlungen über die Rüczahlungen rund 270 Millionen Mark. Dazu treten rund 660 Millionen Mark gutgeschriebener Zinsen, so daß sich ein Gesamtzuwachs der deutschen Sparkassen von über 900 Millionen Mark ergibt. In der ersten Hälfte des Januars war in den verschiedensten Gegenden Deutschlands der Zufluß neuer Spareinlagen so gewaltig, wie hn die deutschen Sparkassen bisher nicht erlebt haben. **(Krankheits=Statistik.) In der Woche vom 10. bis 16. Januar 1915 wurden im Stadt= und Landkreise Hörde folgende Fälle von übertragbaren Krankheiten gemeldet. Es erkrankten an iphtherie: 2 in Hörde, 1 in Großholthausen, 3 in Hombruch und 2 in Holzwickede; Scharlach: 5 in Schwerte, 2 in Hörde, je 1 in Sölde und Zeche „Freiberg“; Unterleibstyphus: 1 in Schwerte. Es starben an Lungen= und Kehlkopftuberkulose: je 1 in Hörde und Westhofen, Unterleibstyphus: 1(Soldat) in Hörde. ** Holzen, 29. Jan.(Ermittelter Dieb.) Der in der Luisenstraße wohnende Fabrikarbeiter Oskar F. wurde dabei abgefaßt, als er eine große Menge Kupfer an einen hiesigen Lumpensammler veräußerte. Der Polizei, die hiervon erfahren hatte, kam die Sache verdächtig vor und konnte dieselbe ermitteln, daß F. in letzter Zeit fortwährend ich des Kupferdiebstahls auf der Eisenindustrie zu Schwerte schuldig gemacht hat. Der Lumpensammnler wird sich wohl wegen Hehlerei gleichfalls zu verantworten haben. ** Westhofen, 29. Jan.(Kaisers Geburtsrag.) Mittwoch abend sand aus Anlaß des Geburtstages des Kaisers eine schlichte aber erhebende Feier, veranstaltet vom Turnverein„Teutonia", statt. Der Verein, von dessen 130 Mitgliedern etwa 50 im Felde stehen, ging mit einer großen Anzahl einer passiven Mitglieder und den einquartierten Tachmannschaften unter Führung des Turnwarts Kohlmeier um 8 Uhr abends geschlossen zum Kriegsgottesdienst. Herr Pastor Klinker gedachte in tief zu Herzen gehenden Worten unseres Landesvaters. Wohl selten wird das Gotteshaus eine solche Fülle von Besuchern aufzuweisen gehabt haben, als an diesem Abend. Nach dem Kirchgange vereinte man sich im Fritzenkötterschen Saale. Die Feier leitete der 1. Vorsitzende Prokurist Brinkmann. Vom Fabrikanten Ebeling wurde eine der ernsten Zeit Rechnung tragende Festansprache gehalten. In der Rede wurde der Segen der langjährigen Friedensfürsorge und das für jedermann vorbildliche so hohe Pflichtbewußtsein unseres Kaisers für Volk und Vaterland und das darauf begründete feste Band der Treue, das Kaiser, Volk und Vaterland umschlinge, hervorgehoben.„Noch nie war Deutschland überwunden, wenn es einig war“, dieses Wort von unseres Reiches Steuermann, dem heute alle dautschen und der deutschen Freunde Herzen entgegenschlugen, kennzeichneten so treffend unsere Zeit. Bei den Schlußworten:„Gott segne, Gott schütze, Gott erhalte unsern Kaiser", erhoben sich die Anwesenden von ihren Plätzen, wobei begeisternd die Hand zum Treuschwur erhoben wurde. Nach dem Gesange einiger Lieder, trug der Schüler Kohlmeier in wirkungsvoller Weise ein Gedicht über unsere Braven auf den blauen Fluten vor und im Anschluß daran sprach in packenden Worten Herr Rektor Overbeck über die deutsche Flotte. Herr Sanitätsrat Dr. Klug prach in zündender Weise über den hohen Wert der Turnsache und überreichte den infolge mehr zo jähriger Mitgliedschaft zu Ehrenmitgliedern ernannten Herrn Alb. Fritzenkötter und Wilhelm Brieke die vom Verein gestifteten Ehrenurkunden. Von den als Gästen anwesenden Mannschaften sprachen noch ein Lehrer aus Gütersloh und ein früherer Stadtverordneter aus Bielefeld die Hoffnung aus, auch bald in Feindesland zu stehen und mithelfen zu können, den Sieg an unsere Fahnen zu heften. Herr stellv. Stadtvorsteher Lohmann wünschte herzlich die Erreichung dieses Zieles und den Kameraden ein Wohlergehen und frohes Wiedersehen. ** Westhofen, 30. Jan.(Vortrag.) Heute abend findet im Schulteschen Lokale ein Vortrag von der„Jugendwehr" über die Bedeutung des Monats Januar statt. Da der als tüchtiger Redner bekannte Rektor Overbeck über dieses Thema spricht, dürfte der Vortrag für Alt und Jung sehr interessant werden. Da außer der„Jugendwehr" Freunde und Gönner herzlich willkommen sind und Eintritt nicht erhoben wird, steht ein starker Besuch in Aussicht. schaften an die für nde zu halten haer gestellten Kreise neten Maßnahmen, fentliche Sicherheit ro#fen sind, mit guZuwiderhandlungen geahndet. für einige WildVerordnung vom Schonzeit für weibsennen in diesem * Hasen mit dem 1. t sogleich mit ihrer zuwachs.) Nach der deutschen Sparkassen schuß der Einzahlnund 270 Millionen Killionen Mark gutein Gesamtzuwachs über 900 Millionen älfte des Januars jenden Deutschlands i so gewaltig, wie bisher nicht erlebt In der Woche vom den im Stadt= und ille von übertragEs erkrankten an broßholthausen, 3 in e; Scharlach: 5 in in Sölde und Zeche 1 in Schwerte. Kehlkopftuberkulose: ofen; Unterleibslittelter Dieb.) nende Fabrikarbeiter st, als er eine große gen Lumpensammler hiervon erfahren vor und konnte dieter Zeit fortwährend der Eisenindustrie zu Der Lumpensammhlerei gleichfalls zu risers Geburtsaus Anlaß des Gelichte aber erhebende rnverein„Teutonia", 30 Mitgliedern etwa einer großen Anzahl d den einquartierten ung des Turnwarts ds geschlossen zum tor Klinker gedachte Porten unseres Lanird das Gotteshaus n aufzuweisen gehabt Nach dem Kirchgange, ötterschen Saale. Die de Prokurist Brink#ling wurde eine der ide Festansprache geder Segen der langdas für jedermann stbewußtsein unseres and uund das darauf eue, das Kaiser, Volk ervorgehoben.„Noch nden, wenn es einig eres Reiches Steueren und der deutschen gen, kennzeichneten so Schlußworten:„Gott halte unsern Kaiser", von ihren Plätzen, zum Treuschwur ersange einiger Lieder, in wirkungsvoller sere Braven auf den Unschluß daran sprach lektor Overbeck über sanitätsrat Dr. Klug iber den hohen Wert te den infolge mehr zu Ehrenmitgliedern nkötter und Wilhelm fteten Ehrenurkunden. sesenden Mannschaften s Gütersloh und ein s Bielefeld die Hoffdesland zu stehen und eg an unsere Fahnen dtvorsteher Lohmann ing dieses Zieles und ergehen und frohes (Vortrag.) Heute Lokale ein Vortrag die Bedeutung des er als tüchtiger Redck über dieses Thema ir Alt und Jung sehr er der„Jugendwehr" willkommen sind und steht ein starker BeNr. 25. Beilage. Samstag, 30. Januar 1915. Amtliches Kreisblatt. 10371 1 Ein Tag des Kaisers im Felde. Zum ersten Male verlebte der Kaiser seinen Geburtstag nicht im Kreise seiner Familie, sondern im Felde. Frühmorgens, bevor der Tag greut, erhebt sich der Kaiser schon als einer der ersten von seinem Lager. Jede wichtige Nachricht, die ihm durch Telegraph oder Telephon übermittelt wird, findet ihn sofort wach und bereit zu wichtigen Beschlüssen. Das Leben im Felde unterscheidet sich in mancher Beziehung von dem Leben des Kaisers zu Hause. Hier zu Hause ist es im äußeren Sinne abwechslungsreich, da die Konferenzen mit den Ministern abwechseln mit militärischer Beschäftigung, mit Besichtigungen und sonstigen Pflichten gesellschaftlicher Art. Im Felde hat das Leben des Kaisers äußerlich einen einheitlichen Charakter, nämlich einen militärischen, kriegerischen. Innerlich ist es aber von der größten Vielgestaltig' keit, die man sich vorstellen kann. Bekanntlich ist ein Teil des ganzen Regierungsbeirates mit in das Hauptquartier gegangen, um hier seine Wirksamkeit auszuüben. Natürlich finden auch hier Vorträge der Minister vor dem Kaiser statt. Sie betreffen aber fast ausschließlich kriegerische Fragen des Landes. Wie es natürlich ist, spielt aber die Entwickelung der Schlachten die größte Rolle. Der Generalstabschef und der Kriegsminister sind diejenigen Personen, mit denen der Kaiser am meisten zusammen arbeitet. Es sind die Männer, denen das Vertrauen des Kaisers in den wichtigsten kriegerischen Fragen gehört. Die Vorträge sind hier aber nur selten an feste Stunden geknüpft, da sie von der Kriegslage abhängig sind, die jede Minute sich ändern kann. Auf die Tageszeit wird dabei keine Rücksicht genommen, gleich gültig, ob es sich um die Stunde des Mittagsbrotes handelt oder um die Schlafenszeit zur Nacht. Zuerst kommt die Pflicht, dann die Befriedigung der persönlichen Bedürfnisse. So fordert es der Kaiser von jedem Manne, so hält er es selbst. Im allgemeinen ist die Lebensweise des Kaisers im Felde höchst einfach wie die eines jeden anderen Offiziers. Zum Frühstück, das er nur mit wenigen Gästen zusammen einnimmt, gibt es Kriegsbrot und ein Getränk, Tee oder Kaffee, sowie etwas kalten Aufschnitt. Das Mittagsbrot ist gleicherweise sehr einfach gehalten und besteht meist aus einer Suppe, einem Fleischgang und einem Nachtisch. Ist der Kaiser mit seinem Automobil unterwegs, um seine Truppen zu besuchen, dann wird das Mittagsbrot aus der ersten besten „Eulaschkanone“ geholt, die der Kaiser persönlich cufsucht. Das gleiche ist beim Abendbrot der Fall. Man erzählt, daß der Kaiser mit Vorliebe sich warmes Essen von der Gulaschkanone bringen läßt, da er es lieber hat, als den kalten Aufschnitt. Als Getränk gibt es ein Glas Bier, wenn welches vorhanden ist. Nach dem Abendbrot findet oft ein gemütliches Beisammensein einiger Persönlichkeiten des großen Hauptquartiers statt. Diese Zusammenkünfte werden aber höchstens nur bis 11 Uhr ausgedehnt, da der Kaiser später noch mit seinen Ratgebern arbeitet. Das Hauptquartier wechselt naturgemäß mit dem Vorrücken unserer Truppen ab. Bald ist es ein einfaches Bürgerhaus, wo der Kaiser ein Zimmer inne hat, bald irgend eine kleine Gastwirtschaft oder irgend ein öffentliches Gebäude. Der Kaiser hat bisher alle seine Truppen auf der großen Schlachtfront von mehreren 100 Kilometer Länge mehrere Male besucht. Man weiß, daß z. B. der Sieg bei Soissons erfochten Ungern: 1170 Millicnen Kronen von 136 53½ Peronen zu. 16 665 200 Kr. Osterreich: 2.135 Millionen Kronen 1E B Zahlungen bs 70 200 3o0-200 M ## 1000 2000-9900M 180c 88 1103 Pers. 47 116 109 K (10 000-40.0000 77 136 kers. 92453700 K. 78 891 fer. 279508 000 K. 100000 400 0 500200 Kr. u deriber von 22285 Pers. zus. 330 790 100 2169 PII 120 776 600 M. 1438 Fenz. 193Per3. 213933000f. 469 249 000 U von Backen u. Hechselstuben, Sper-ulbrschunkassen, Verzicherungsamf.u.ankenkau. forcho kereine 222 414 400 Kr. 418021 600Kr. 10361/6 700 Kr. 121550 900 Klr Gesamtergebnis der österreichischen Herkunft und Umfang der einzelnen Anmeldungen u.ungarischen Kriegsanleihe. auf die Kriegsanleihe in Usterreich. wurde, während der Kaiser auf dem Schlachtfelde selbst anwesend war. Welch einfacher Sinn im Hauptquartier herrscht, das läßt sich daraus erkennen, wie hier Weihnachten gefeiert wurde. Es fand nur eine schlichte Andacht in der Feldkirche statt, die mit Tannenzweigen geschmückt war. Als Weihnachtsgeschenk hat der Kaiser jedem aus dem Hauptquartier— gleichgültig, ob General oder Gemeiner— ein Kaiserbild, eine Tabakspfeife und einen ledernen Beutel mit Tabak geschenkt. Der Geburtstag des Kaisers wird dauum im Hauptquartier auch in den durch den Verhältnissen gebotenen bescheidenen Umständen gehalten worden sein. Alle Geschenke hat der Kaiser zugunsten wohltätiger Stiftungen sowohl von Freunden als auch von Verwandten abgelehnt. — Die Nordseeschlacht. Hurrah! Ihr braven blauen Jungen, Das habt Ihr wieder gut gemacht! Von kühnem Wagemut durchdrungen, Zogt Ihr hinaus zur Nordseeschlacht. Es paßt Euch längst nicht in die Karten, Daß sich der Gegner so versteckt, Halloh, nun gilt's ihm aufzuwarten, Daß Euer Gruß ihn jäh erweckt. Schon damals klang's mit leisem Spotte, Als Scarborough Ihr bombardiert, Wo bleibt die starke Britenflotte? Daß Deutschland einen Streich riskiert. Sie liegt bequem im sichern Hafen Und ihre Ruhe dort ist groß, Ja, soll sie denn dort weiter schlafen? So dachtet Ihr und gingt d'rauf los. Voll Todesmut, doch siegessicher, So zogt zum Kampf Ihr durch die Flut, Derfflinger, Seydlitz, Moltke, Blücher, Vier Namen, stolz und hochgemut. Sie eilten kühn durch Sturm und Wellen, Und brausend klang's von Bord zu Bord: Wo steckt der Feind, wir woll'n ihn stellen, Wir sprechen jetzt mit ihm ein Wort! Und drauf und dran ging es verwegen, Der Feind, aus seiner Ruh' gebracht, Kam Euch in Ueberzahl entgegen, Doch habt Ihr ihn gestellt zur Schlacht. Ihr habt, vertrauend Eurem Gotte, Gefürchtet nicht die Uebermacht, Da hat Old Englands starke Flotte Sich siegreich aus dem Staub gemacht! Doch„Blücher“ sank; er sank in Ehren, Der Sturmwind trugs von Bord zu Bord: Treu bis zum Tod, dem Feind zu wehren, Der alte Geist lebt weiter fort. Er lebt, wo deutsche Wimpel ragen, Und jeder deutsche Seemann weiß: Einst wird auch Englands Stunde schlagen Und sei der Kampf auch noch so heiß. Dann rauscht es wieder durch die Wogen, Es flammt und dröhnt ein Feuerschlund, Und durch die Lüfte kommt's gezogen, Und Mauern sinken in den Grund. Einst wird der Frevler doch bezwungen, Der feige ist, und schlecht zugleich. Viktoria! Ihr blauen Jungen! Glückauf zum nächsten kühnen Streich! E. H. — Die englische Niederlage bei dem Seegefecht vor Helgoland wird nun auch, wie zu erwarten war, von den englischen Marinebehörden allmählich eingestanden. Sie geben zum ersten Mal zu, daß die englischen Schiffe den Kampf einstellen mußten, einmal, weil die Beschädigungen durch die deutschen Schiffsgeschütze ziemlich gefährlich waren und zweitens, weil die deutschen Unterseeboote eine ständige Gefahr für die wertvollen Schlachtkreuzer bildeten. Einen weiteren Schritt zum letzten Geständnis bedeutet die Aeußerung der britischen Admiralität, daß man„kaum glaubt, daß weitere Verluste zu verzeichnen sind“ Es ist merkwürdig, daß die englische Admiralität mehrere Tage nach der Schlacht noch im Zweifel darüber sein will, wo doch nach ihren Behauptungen alle Schiffe schon längst wieder in die Häfen zurückgekehrt sein sollen. Das erneute Lob, welches den deutschen Schiffen, besonders dem„Blücher" gezollt wird, muß ebenfalls stutzig machen. So erfährt man jetzt aus englischem Munde, daß„Blücher“ bis zum letzten Augenblicke den tapfersten Widerstand leistete. Es ging ohne jede Panik unter, selbst als jeder an Bord sah, daß das Ende gekommen war. Noch in der letzten Sekunde, halb im Wasser befindlich, feuerten die Kanonen des Hinterschiffes. Bevor es in die Tiefe ging, vernichtete es noch zwei englische Torpedobootszerstörer. Unsere Unterseeboote, die anfangs nicht in den Kampf eingreifen konnten, benutzten schließlich die Gelegenheit, als das englische Geschwader infolge seiner erlittenen Beschädigungen auseinander gerissen war, an die einzelnen feindlichen Schlachtkreuzer heranzukommen und ein paar Torpedoschüsse abzugeben. Ein britischer Linienkrauzer ging nach zwei erhaltenen Treffern in die Tiefe, auch einen feindlichen Torpedojäger brachten unsere Unterseeboote zum Sinken. —— „Ich kann sehen!“ Eine Krankenschwester erzählt in der„B. Z.“ unter anderem auch folgende Episode aus ihrer Tätigkeit: Ein Artillerist ward ins Lazarett gebracht. Na ja, im ersten Augenblick erschien der Anblick grausig. Sein Gesicht war nur eine einzige schwarze Masse. Eine dicke Kruste von verbranntem Blut bedeckte die ganzen unkenntlichen Züge. Es war nicht herauszubringen, ob er die Augen verloren hatte. Der Arzt zuckte die Achseln. Er befragte den armen Verwundeten, ob er sehen könne; er gab keine Antwort. War er aller Sinne beraubt? Ich erhielt den Auftrag, zuerst die Kruste vom Gesicht zu beseitigen. So saß ich da am Lager und betupfte mit einem Schwamm die Augen und die Wangen. Es dauerte ewig lange. Kleine Stückchen von kaum sichtbarer Größe lösten sich von der Kruste. Der Arzt ging ab und zu und betrachtete meine Arbeit; Schwestern blieben stehen und sahen zu, Sanitätsgehilfen kamen und blickten neugierig dahin. Und der Artillerist da vor mir gab keinen Leut von sich. Man hätte ihn für tot halten können, wenn er nicht hin und wieder sich leise bewegte, wenn ich nicht fühlte, wie sein Puls ging, seinen Herzschlag vernahm. Hin und wieder auch zuckte das Gesicht unter meiner Berührung, so vorsichtig ich auch war. Manchmal auch ein leises, ganz leises Stöhnen, aber keine Antwort auf mein banges Fragen:„Tut's weh? Können Sie sehen?“ So ging das eine lange, lange Zeit, stundenlang. Wimper für Wimper löste sich unter diesem linden, sachten Betupsen von dem stark geschwollenen Lide. Da plößlich kommt Bewegung in den Körper, der Oberkörper hebt sich etwas, die Arme greifen in die Luft, dann packt mich der rechte Arm, und ein lauter Ruf:„Ich kann sehen!“ ringt sich von den Lippen des Verwundeten, der nur aus angstvoller Qual, er könne sein Augenlicht verloren haben, keinen Laut hervorzubringen vermocht hatte. Das war eine Freude! Für ihn, für mich, für uns alle!—— Wetterbericht der deutschen Seewarte. 31. Januar: Bedeckt, feuchtkalt, meist trocken. 1. Februar: Wenig verändert, rauher Wind. 2.—Teils heiter, wärmer, sonst bedeckt. Verantwortlich für die Redaktion Friedr. Kraas, Druck u. Verlag von Carl Braus, beide in Schwerte. Ehre und Liebe. Roman von Käthe Lubowski. 7 So bleiben Sie eine lange Zeit. Als Hans Weddo endlich emportaumelte— liegt sie still und weiß in den Kissen— sie ist tot. Von seiner Liebe zu Adda hat er ihr nun doch nicht gesprochen. Vielleicht war sie auch zu jung und— zu rein dazu. 2. Kapitel. Die 5. Batterie hatte Geschützexerzieren. Es war ein Hundewetter. Der Wind fing sich an der Ecke des Kasernenhofes und fegte ingrimmig die obere Schicht der kürzlich aufgeschippten Schneehaufen der Mannschaft ins Gesicht. Wie die Schneemänner sahen sie aus. Leutuant von Wachenhusen war der einzige, dem es noch lange nicht toll genug stürmte. Er hatte eine Wut auf das Schicksal. Mitten in sein behagliches Dämmern hinein war des Freundes Botschaft von der schweren Erkrankung seiner Mutter gekommen. Auch den Mädel wurde das junge Glück dadurch verkürzt und verkümmert. Ganz abgesehen von den bösesten Konsequenzen, welche die Krankheit haben konnte. Er schrie die Kerls an, daß ihnen vor Schreck die feinen Eisnadeln von den Schnurrbärten flogen. Wie die Posanne des jüngsten Gerichts klang seine Stimme, alser das nächste Kommando schmetterte.„Schrapnels Aufschlag!" darnach ein klapperndes Hasten. Ein paar, die immer zu spät kamen, hinkten auch jetzt wieder hinterdrein, überall ein verbissenes, stummes Gehorchen und ungeschickte, langsame Bewegungen, weil sie die Augen nicht ordentlich aufmachen konnten. Endlich, nachdem die Mäntel bereits wie riesige Blechhelme vom Körper abstanden, kam der Erlösungsruf„Ablegen.“ „Gott sei Dank,“ murmelte Wachenhusen. Noch niemals hatte er das Ende des Vormittagsdienstes so heiß, wie heute, herbeigesehnt. Er bekam Addas blasses, erstarrtes Gesicht nicht aus der Erinnerung. Und mit dem Herzen voll Angst und Sorge sollte man heute abends zu Tettaus. Deiwel, nich mal. Aber es half nichts. Der Alte ließ ein Absagen im letzten Augenblick nicht durchgehen. Das Mittagessen im Wachenhusenschen Hause verlief heute sehr einsilbig. Selbst Fräulein von Mechtritz, die langjährige Hausdame, die sonst niemals ein Empfinden für die Stimmungen der Hausgenossen zu zeigen pflegte, löffelte schweigend ihre Suppe. Der Oberst aß hastig und nur ein paar Bissen und Adda sah zum Erbarmen aus. Jürgen Wachenhusen, der sonst in den faulen Tagen eifriger denn je seine dienstfreien Stunden zum Studium der russischen Sprache ausnutzte, zog nach beendeter Mahlzeit den Arm der Schwester durch den seinen und ging mit ihr, die leichte Mädchengestalt dabei mehr tragend wie führend, die Treppe empor. Sie sollte mit ihrer Angst und Unruhe nicht ganz allein bleiben. Er setzte sich auf den zierlichen Diwan mit den großblumigen Rosensträußen und blies dicke Rauchwolken in die Luft. Unsicher, wie verlegen, schwebten sie in dem leisen Jasminduft des hellen Stübchens umher. Adda saß neben ihm auf der steifen Lehne und hielt den dunklen Kopf an seine Wange geschmiegt. „Sieh mal, Addachen," begann Jürgen endlich, „sie wird ja doch nicht gleich sterben. Du hast sie noch, noch sehr nötig und Hans Weddo auch. Sie nickte. „Dieser Gedanke quält mich nicht so sehr, wie das, was hiernach für Weddo käme. Das schnitte tief und hart in sein Leben ein und wer weiß, ob es all meine Liebe wieder heilen könnte. Es liegt etwas unsagbar Zartes in seinem Verhältnis zur Mutter, gleichsam ein heiliges, scheues Danken, daß er sie hat. Immer, wenn er von ihr sprach, lag es in seinen Augen. Das hat mich ihm zuerst so nahe gebracht. Wir haben doch auch einen Vater. Aber hast Du jemals die Hände gefaltet, jemals auf den Knien gebeten, daß er Dir bleiben möge?" „Adda, wohin verirren sich Deine Gedanken?“ „Das ist kein Verirren, Jürgen. Das ist ein einfaches Ablesen jener Wirrnisse, die seit langer Zeit in meiner Seele sind. Es liegt etwas Fremdes, Kaltes in unserem Verhältnis. Sei ehrlich. Ein Strom von untadeliger Ehre, der das überwallende Gefühl eiskalt werden läßt, geht von ihm aus. Alles an ihm und in ihm ist korrekt und unerbittlich. Er findet die feinsten Flecken in den Menschen. Kurz, weil er selbst niemals gestranchelt ist, fehlt ihm das Verstehen für die Schwäche anderer.“ Jürgen von Wachenhusen war aufgesprungen und stand jetzt schlank und hoch vor seiner Schwester. „Wolltest Du, daß es anders sei, Adda? Gerade das liebe ich an meinem Vater. Darum ordne ich mich ihm blindlings unter. Solche Menschen, wie er, müssen sein, um das Ehrgefühl in dem jungen Nachwuchs zu wecken und ihre Ehre groß zu ziehen. Glaube mir, mit Menschengüte und Verzeihen ist das nicht getan. Es muß etwas im Korps vorhanden sein, das wie ein Fels dasteht, der den Weg durch die Brandung anzeigt. Gleichviel, ob der Fels hart und kantig ist, und ob man sich an ihm blutig schlägt. Er gehört nun einmal dahin. Solch ein Fels ist unser Vater. Dagegen sage mir kein Wort, das verstehst Du nicht.“ Adda von Wachenhusens große, dunkle Augen sahen den Bruder fest an. „Und wenn nun, um bei Deinem Beispiel zu bleiben, sich eines Tages herausstellen würde, daß Dein Fels wankt, was dann? Die Liebe, die darüber forthelfen würde, hat er Dir doch nicht einzuflößen verstanden.“ Jürgens schönes, fröhliches Gesicht ist blaß geworden. Ein seltsam harter Ausdruck liegt um seinen Mund. „Dann schösse ich mir vielleicht eine Kugel durch den Kopf, wenn ich keine Rechtfertigung für ihn fände.“ Sie sah träumerisch in die Weite. „Wenn Dich und ihn jenes Gefühl, von dem ich vorher sagte, verbände, hättest Du anders gesprochen.“ „Hören wir endlich damit auf. Adda. Es gibt Bäume, die groß und stark werden, ohne daß sie jemals die Sonne gehabt haben. Und wieder andere sind da, die, weil sie ein ganzes Leben lang zu geschützt gestanden, bei plötzlichem Sturm und plötzlicher Kälte eingehen. Unser Vater weiß, warum er sich so und nicht anders mit uns gestellt hat. Und Du darbst doch jetzt auch nicht mehr, seitdem Du Hans Weddo hast.“ „Nein, Jürgen, seitdem bin ich so reich, so glücklich. Zuerst habe ich es nicht glauben können, daß er mich wieder liebt. Ich habe gekämpft und gerungen, um ihm mein Gefühl nicht zu verraten. Und doch wäre es gar nicht nötig gewesen. bin so stolz in dem Bewußtsein seiner Liebe. Sie hebt mich über meine Fehler hinaus, sie nimmt mir meine Stachlichkeit und meinen Starrsinn— ich— ich—“ Und sie legt in atemlosem Jubel die Arme um den Hals des Bruders und ihre Wange fest an die seine. Er wagt nicht, sich zu rühren, weil er fühlt, daß sie weint. Das greift ihm ans Herz. Bisher war alles eindruckslos an ihr abgeglitten. Es war, als ob ihr Bestes so lange geschlafen hätte, bis Tarenberg es weckte. Und er dankte seinem Gott, daß es gerade diesem, dem besten und vornehmsten von allen, vergönnt gewesen, die schlummernden Schätze zu heben. Als er eine Weile später ihre Arme von seinem Hals löste, erschien sie ihm eine ganz andere als vorher. Die tiefe, heilige Frauenliebe lag in ihren Augen und in dem zarten Gesicht ein Ausdruck von Demut und Hingebung, der ihn rührte. Er hatte bis jetzt noch gar nicht gewußt, daß sie so wunderschön sei.—= 820,10 Lesen Sie die heutige Lseitige Beilage Die darin enthaltenen Angebote haben allseitig Interesse. 540 Programm für den 30. und 31. Januar. Neue Kriegsnachrichten. Eiko=Woche Nr. 18. Berliner Schüler bringen den Verwundeten Weihnachtsgaben. Vom westl. Kriegsschauplatz: Ein engl. Luftschiff nähert sich der belgischen Küste, um die Stellung der Artillerie zu ermitteln. Unsere Artillerie eröffnet sofort das Feuer. Vom östl. Kriegsschauplatz: Für verwundete Russen wurde ein Gefängnis als Lazarett requiriert. Deutsche Truppen rücken in Lodz ein. Wirkung von Granaten in der Umgebung. Weil die Russen sich auf einen Kirchhof verschanzt hatten, wurden auch Grabdenkmäler zerstört. Generaloberst von Mackensen begibt sich an die Front. Eiko=Rätsel Nr. 3. „Die Löwenfolter." Großer, äußerst spannender Schlager in # 4 Akten. Großzer Kriminatonan in 2 Ahten, „Die verborgenen 547 Spannendes Wild=West=Drama. Herr Schmellerling und die Fliege. Snob als Tierbändiger.] Julius als Kellner. Die lust. Pensionärinnen. Florenz. ULUGAGGHGGGGGGGbGDG □ □ □ □ □ HOHLUFT □ □ □ □ □ □ 0 keit des Evang. Frauen-Vereins 5 O 0 □ □ 0 zu Gunsten der Kriegsliebestätig. Schwerte 528 □ □ g am Sonntag, den 7. Februar 1915, □ O nachm. 5 Uhr im Evang. Gemeindehaus. 5 □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □. □ 1. Streichquarttt 2. Auf dem Kirchhof Brahms 8. Litanei 4. Sonate für Violine u. Klavier 5. a) Kein schöorer Tod b) Mahnung 6. a) Der gefangene Admiral b) Kriegslieder 7. Für. Violine und Klavier: a) Andantino b) Gavötta u. Sarabanda 8. a) Heilig Vaverland b) Soldatenbraut 9. Neue Verse zu einem alten Lied 10. Streichquartett: „Krönungsmarsch" 11. Abendlied(Zum 100. Todestag von Math. Claudius) Schubert Tortioi Silcher H. Hermann Loewe Haym Padre Martioi Coreili Ph. Dretschmer Schumann Lortzing Meyerbeer Fr. Gernsheim ccnoen Spargel, Wiener, Hindenburg Kartoffel, Erbs, Weibertreu, Königin, Geflügel, Pilz empfiehlt Carl liefert schnell und sauber Buchdruckerei u. Braus träder Priels Garnierte Damen- und Kinderhüte bis zu 50 ProzentRabatt. Grosse Auswahl in Trauerhüten, Trauerschleiern, Handschuhen, Broschen etc. ostensr. 5. A. Kaulhoid Wose, ostensr. 5. Aetestes und grösstes Geschäft dieser Branche am Patze. Fernsprecher 189 und 153. 419 Schwefelsauren=Ammoniak Ammoniak=Superphosphat Superphosphat Thomasmehl Kainil Kalisalz 535 empfiehlt Generalversammlung des terPrauenverbandes. Montag, den 1. Februar, nachm. 5 Uhr, im Ostermannschen Saal. Alle Hausfrauen, auch Nichtmitglieder, freundlichst eingeladen. 548 Der Vorstand. Sofort gesuchl tichige 538 Schlosser, Elklr. Monleure. Ankerwichler, Heizer. Zu melden Wirtschaft„Jum Komelen“ Hellpothstraße 9. Eine Frage an Asthmatiker und Brustleidende. Weshalb verschleppen Sie Ihr Leiden? Weshalb lassen Sie sich quälen von Brustbeklemmungen und Hustenanfällen? Zweifeln Sie daß Sie jemals geheilt werden? Glauben Sie, daß es für Ihr Leiden kein Mittel gibt? Geben Sie die Hoffnung nicht auf. Versuchen Sie den weltbekannten Akker’s Abtelsirup, über den so viele Zeugnisse dankbarer Geheilter publiziert werden. Erkundigen Sie sich und alle, die es gut mit lhnen meinen, werden Ihnen raten, Akker’s Abtelsirup anzuwenden für Ihr Brustleiden. Bronchial-Katarrh, Asthma, Halsleiden, Heiserkeit, festsitzenden Schleim, Husten, oder bei Keuchhusten Ihres Kindes. Die wirksame Kraft von Merkblalt für die Herstellung von Schweinefleisch=Daues ware. Dauerware in Schinken, Speck und Wurst bedarf, falls sie für längere Zeit haltbar sein soll, einer sorgfältigen Vorbehandlung. Schinken und Speck find auch in den tiefen Lagen gut zu durchsalzen. Hierzu ist namentlich bei Schinken daauf zu achten, daß sie je nach der Größe während 6 bis 10 Wochen in einer genügend starken Pökellake gehalten werden. Bei Beginn der Pökelung sind sie ringsum, besonders an den nicht von Schwarte bedecklen Fleischteilen, kräftig mit Salz einzureiben. Während der Pöckelung sind die Waren— möglichst in Kellern— bei 6 bis 12° C. aufzubewahren. Bei höherer Wärme verderben Lake und Ware leicht, bei niedrigerer wird das Eindringen des Salzes in die Tiefe verzögert oder ganz verhindert. Nach der Pökelung werden Schinken und Speck zur Verringerung des Salzgehalis in den äußeren Schichten einen halben bis einen ganzen Tag gewässert und darauf gut abgewaschen. Vor dem Räuchern werden sie in einem luftigen Raume, möglichst mit Zugluft, je nach dem Feuchtigkeitsgehalt der Luft mehrere Tage oder Wochen getrocknet. Würste sind sofort nach ihrer Anfertigung zu trocknen. Während der Trocknung dürfen die Waren Frost, feuchter Luft oder hoher Wärme nicht ausgesetzt werden. Das Räuchern der Ware ist langsam zu bewirken, und zwar in mäßig starkem, kalten und mit trockenen Sägespänen ans Hartholz, dem sogenannten Schmok, erzeugtem Rauch. Für längere Aufbewahrung beträgt die Räucherzeit bei Schinken etwa 3 Wochen, bei Speck bis zu 2 Wochen und bei Wurst bis zu 1 Woche. 533 1925 95 lindert die Hustenanfälle, reinigt und stärkt Brust und Lungen und beugt ärgerem Leiden vor. Man fordere den roten Streifen mit Unterschrift L. I. Akker. Preis per Flasche v. 230 Gr. Mk 2.— 527" 550" Mk. 4— „ 10.0" Mk. 6.50 Also je grösser die Flasche, desto vorteilhafter der Einkauf.— Engros-Vertrieb Handelsgesellschaft „Noris“, Zahn& Co. Köln. Zu haben in den Apotheken. Vereinigte Gesellen=Huläge Kranken= u. Sierbekasse Schwerte a. d. Ruhr. Monlag. den 1. Februar, abends 8½ Uhr ordentliche General= Versammlung im Vereinslokale. Tagesordnung: 1. Kassenbericht. 2. Vorstandswahl. 3. Wahl der Reoisoren. 4. Verschiedenes. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen wird gebeten. 462 Der Vorstand. Vorzügliches, erstlassiges 282 ano noch ganz wie neu, gebe jetzt mit voll. Garant. weit unt Preis ab. H. van Bremen, Pianos Dortmund. Heiligerweg 15. Bestandteile 20 Ko. merik. Honig. 48 Ke. Zucker, 400 Gr. Nussblätter extr., 200 Gr. Salmiekstein, 330 Gr. Gerstensirup(schnfache Starze), 10 Gr. Extr. v. spanischem Saft, Ao ce Lontltenet Vaner, 1 Gr. Salasiel. scist. 92 L. Feuchelwasser, 31, Weing is 201 Gr. Sali,vladure. 180(ir. Acetgi-Salisglsahre. 18 Gr. Zimmtöl, 45 Gr. Zütronen#l mit Feucheldl. d2 300 Gr. Anistropfen und 5 Or. Faatlioge(purh. Auf Grund des§ 1 des Gesetzes vom 4. August 1914 in der Fassung der Bekanntmachung vom 17. Dezember 1914 wird vom 1. Februar 1915 ab für den Stadtbezirk Schweite der Höchstpreis für 1 Zeniner runde role und runde weise Speisekarkoss=In auf 4 c und für 1 Zentner der besseren Sorten Speisekarlosseln auf 4.50 M im Kleinverkauf festgesetzt. Es wird ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht, daß unter„Höchslpreis“ der Preis für die beste Ware zu verstehen ist. Wer diesen Höchstpreis überschreitet, wird nach§ 6 des Gesetzes mit Gefängnis bis zu 1 Jahre oder mit Geldstrafe bis zu 10000 Ml bestraft. Schwerte, den 29. Januar 1915.. 549 Der Magistrak: Kohrmann. Verband Wesisanscher Arbensnachweise. Die Arbeits=Nachweisstelle Schwerte Liethstraße 4 Fernspt Nr. 213 vermitielt Arbeitskräffe aller Ark 411 vollständig kostenfrei. Nseuchenpolizeiliche Anordnung. Zum Schutze gegen die Maul= und Klauenseuche wird auf Grund des§ 18 ff. des Viehseuchengesetzes vom 23. Juni 1909 Reichsgesetz-Blatt Seite 519 mit Ermächtigung des Herrn Regierungs=Präsidenten folgendes bestimmt: Nachdem nach amtstierärztlicher Feststellung die Maul= und Klauenseuche unter dem Rindviehbestande des Landwirts Hummelbeck in Annen-Wullen abgeheilt und eine Neuerkrankung nicht vorgekommen, die Desinsektion vorschriftsmäßig ausgeführt und durch den Kreistierarzt abgenommen ist, gilt die Seuche auf dem erwähnten Gehöft als erloschen. Die in meinen viehseuchenpolizeilichen Anordnungen vom 21. Okloher bezw. 30. Dezember vorigen Jahres angeordneten Schutzmaßregeln hebe ich duher hiermit auf. Hörde, den 25. Januar 1915. Der Königliche Landrat: S V gez. Burchard. Regierungs=Assessor. 529 Central-Hotel Sternberg Schwerte. Sonntag, den 31. Januar: Kriel. Enterkaftung Anfang nachmittags 4 Uhr. Eintritt frei! Es ladet freundlichst ein C. jungesblut. Pastor Felke Hiellweise Beglaubigter Vertreter: Dr. phll. Mayus. Hagen I. W. Elberlelderstrasse 27 I. Dienstaes u. Freitags von 10—1 und 2—5, Mittwochs und Samstags von 2—5, Sonntags von 9—12 Uhr. Dortmund, Burgwall 27. Montags und Donnerstags von 9½—1 und 2—5½ Uhr. Metropol=Theater Schwerte Brüchstraße 12. Brogramm für den 30. und 31. Januar: Die neuesten Ereignisse vom Kriegsschauplatz Die großen Sch achten um Ostende. Unsere tapfere Marine im Kampfe auf den Dünen. Das Rälsel seines Lebens. Deiektiv=Drama 3 Akte Ziga, die Carmagna=Königin Drama in 3 Akten. Derblaue Pieil Wild=West=Indianer=Drama in 1 Akt Der Gistbecher, Sitien=Drama Interessant Drama in 2 Akt. Was die Frau will. Komödie.— Des Richters Tasche. Humor. Schafskopf zwischen Zöbilat und Ehe. Humor. Ein eizenatliger Raud. Humor. Außerdem die übrigen Naturbilder 551 Gchersch Bewährtes Fatter für Pferde als Ersatz für Hafer empfiehlt L. Weinberg. 8— — 90— S2 42 □ 5/0 6 S „S SOS• 985gS S25 S 9 U • 9 5 S S8E fah ich h ute mittag in der Markthalle, als du Pfirsiche kauftest, und Holzhausen wurde von Malter beobachtet, als er den Wein von Habelschwerdt holte. Da kombinierten wir: Büchner ist der Intimus Holzhausens. Und wenn Büchner Pfirsiche kauft und Holzhausen Wein nach Hause trägt, so wollen beide unzweiselbaft eine Pirsichbowle brauen. Diese Heimlichseit mußte gerügt werden. Wir zogen Meyer und Slabinsky in das Vertrauen, beaustragten sie, zuerst zu gehen und die Bowle auf irgendeine Weise beiseite zu schaffen. Während wir euch dann festlegten, sollten sie die Bowle austrinken.“ „Austrinken??" wiederholten wir beide wie entgeistert. „Ihr habt doch die Bowle nicht ausgetrunken?" donnerte Holzhausen dann solo. „Allerdings!" beteuerte der vierschrötige Meyer, strich sich über sein Embonpoint und schnalzte mit der Zunge. Und als wir beide uns mit einem Wutschrei auf den zynich Lächelnden stürzen wollten, sielen uns die anderen in die Arme, und Diftelmann sagte begütigend: „Keine Gewalttätigkeiten, bitte! Verzeiht den Scherz. Morgen abend kommt ihr beide zu mir, und dort trinken wir dann alle sechs eine neue Pfirsichbowie!" 80 Denkspruch. Der woaisch Ell=, wern ihm auch noch lo seh; die intell ktuelle Lekichkei abgehi, legt durch sein Handeln die tietste Eikenniats, die döchte W. ish.it an den Cag. Schopenhauer. Die Kriegskunst der allen Deutschen. Was unsere Zeit unter Kriegskunst versteht, war unseren Urvätern unbekannt. Nur einige deutsche Stämme, so die Katen, welche im jetzigen Hessenlande wohnten, machten hierin eine Ausnahme. Im allgemeinen ging die ganze Taltik der alten Deutschen darauf hinaus, sich vom Feinde nicht im offenen Felde überraschen zu lassen. Sie hielten sich statt dessen zwischen Morästen, Gebirgen und in Waldungen auf und übersielen dann den Feind, welchen sie an einen solchen Ort gelockt, oder den der Zufall dorthin führte, mit einer solchen Wut, daß gewöhnlich der bestürzte Gegner die Schlacht von vornherein verloren gab. War der Krieg von der ganzen Nation und nicht bloß von einem Stamme beschlossen worden, so nahm man auch Weiber und Kinder mit ins Feld, die sich immer bei der Bagage und während der Schlacht auf der Wagenburg befanden. Nicht selten mischten sich auch die Frauen unter die Streiter, munterten ihre Gatten und Söhne zur Tapferkeit auf, wenn der Sieg sich auf die Seite der Feinde neigte, und rühmten den Heldenmut der Ihrigen, wenn diese die Oberhand behielten. Außerdem vertraten sie die Stelle der Wundärzte und führten deshalb immer einen Vorrat heilender Kräuter mit sich, die sie, nachdem sie das Blut gestillt, auf die Wunden des Getroffenen legten. Obgleich die Deutschen keine eigentliche Gefechtsordnung kannten, stritten sie doch auch nicht ohne alle festen Regeln. Die älteste bestand in der Mischung von Fußvolk und Reiterei. Jeder Reiter hatte einen Fußstreiter neben sich, und sank jener verwundet vom Pferde, so wagte sein Kampfgenosse sicher das Aeußerste, um ihn nicht in die Hände der Feinde fallen zu lassen. Dabei erwarben sich die Fußstreiter eine solche Dauer und Schnelligkeit im Laufen, daß sie, an der Mähne des Pferdes sich festhaltend, dem dahinjagenden Reiter an der Seite zu bleiben vermochten. Bei den Alemannen lag dem Fußstreiter die Pflicht ob, während sein berittener Kriegsgenosse mit anderen Reitern stritt, unter das Pferd des Gegners zu kommen und dieses zu töten, oder den Feind von unten zu fassen und vom Rücken des Rosses herabzureißen. Später sahen sie jedoch die Unsicherheit dieser Kampfmethode ein und sonderten Reiterei und Fußvolk in Hausen, vir sich gegenseitig unterstützten, aber auch noch ohne eigentliche Schlachtordnung kämpften. Sie griffen vielmehr in einzelnen Haufen an und schleppten bei zweifelhaftem Treffen und beim Rückzuge ihre Toten mit sich fort. Das Fußvolk machte gewöhnlich das Vordertreffen aus, die Reiterei aber, welche durchaus ohne Sättel ritt und im Notfall auch absaß und zu Fuß stritt, bildete das Hintertreffen. Der Angriff selbst, dem eine kurze Ermahnung des Anführers zur Tapferkeit vorausging, geschah, wie bei allen undisziplinierten Heeren naturwüchsiger Völker, mit grenzenlosem Ungestüm und unter dem Anstimmen des Barritus, d. h. von Schlachtliedern, welche die Taten der Voreltern schilderten. Diese Schlachtgesänge, bei welchen man, um ihnen noch mehr Wirkung zu verleihen, alle Trommeln und Trompeten ertönen ließ und mit den Schilden zusammenschlug, jagten den Römern, ehe sie sich an das fürchterliche Getöse gewöhnt hatten, einen solchen Schrecken ein, daß sie häufig alle Fassung verloren und sich schon nach der Flucht umsahen, ehe noch der feindliche Angriff erfolgt war. Und wirklich hatte ein solcher Anprall etwas so Fürchterliches, daß ein unerschütterlicher Mut dazu gehörte, um ihn standhaft auszuhalten.“ Das Heer der Deutschen glich in diesem Augenblick einem entfesselten Waldstrom, der mit unwiderstehlicher Wucht alles niederwirft und zerschmettert, was sich ihm entgegenstellt. Der brausende Kriegsgesang war für den Feind um so verhängnisvoller, als er die deutschen Streiter mit dem wildesten Mute erfüllte, der sie mit derselben Fröhlichkeit in den Kampf trieb, als Zechgelage gingen. ob sie zu einem N. P. Bumur. Unrichtige Diagnose. Ein junger Assistenzarzt hatte sich in die Tochter des leitenden Professors verliebt. Eines Tages schickte er ihr ein Gedicht, das den äußerst poetischen Titel führte:„Ein Seufzer im Herzen“ Das junge Mädchen öffnete zufällig den Brief im Zimmer ihres Vaters, und der Zettel mit dem Gedicht flatterte auf dem Schreibtisch des Professors. Dieser sah den Titel und rief:„Was ist denn das für ein unwissenschaftlicher Titel? Hat man je von so etwas gehört?“ Und er schrieb auf die Rückseite des Zettels:„Vollkommen falsche Diagnose. Einen Seufzer im Herzen gibt es nicht! Um Seufzer kann es sich nur in der Lunge oder im Zwerchfell handeln.“ Immer Sorgen.„Unser Freund Kretscher," sagte jemand zu einem Bekannten,„ist wirklich ein schrecklicher Mensch. Wenn er keine Sorgen hat, macht er sich wel che.“ „Was quält ihn denn jetzt?“ fragte der andere. „Na, er zerbricht sich den Kopf darüber, wi.viel Steuern er wohl zu bezahlen haben wird, wenn er einmal eine besonders gute Stellung findet.“ 8 5 5 S.An & □ 00 SSsegr 5. 2 5 e: S S. a% 8 5 SEs 859 S 5 S SSE # 8 8 * □ □ Unterhaltungs=Beilage zu Nr. 25. Samstag, 30. Januar 1915. 9 Oeignal-Kriegsroman aus ernster Teit von Rudolf Zollinger. (2. Fortsetzung.)(Nachdruck verboten. Alle Rechte vorbehalten.) Ich sagte dir ja,“ sprach Hertha weiter, *„daßz ich mich damit eines schweren Unrechts schuldig gemacht habe— eines Unrechts gegen dich und— und gegen ihn. Denn auch er hat nicht um mich verdient, daß ich ihm das antat. Oh, ich kann es nicht aussprechen, wie tief AO S ich mich verachte!“ Sie brach in Tränen aus, und vor diesem Anblick war Erich Leutholds Groll wie mit einem Zauberschlage verflogen. Er schlang seinen Arm um die feine, biegsame Mädchengestalt und zog mit unendlicher Zartheit ihr Köpfchen abermals an seine Brust. „Du sollst nicht weinen, mein Liebling! Was auch immer es mit dieser angeblichen Verlobung auf sich haben mag, du hast ibretwegen keinen Grund, dich vor mir anzuklagen.— Aber du darfst freilich auch nicht von mir erwarten, daß ich mich so leicht entmutigen lasse. Muß ich mir mein Glück erst erkämpfen — nun, um so besser! Ich gehöre, Gott sei Dank, nicht zu den Leuten, die vor einem frischen, fröhlichen Kampfe zurückschrecken. Aber sagen mußt du mir freilich alles. Es darf nichts Heimliches und Unausgesprochenes zwischen uns sein nach dieser Stunde! Und da das Schlimmste nun doch schon heraus ist, kann es dir doch nicht mehr schwer fallen, mir eine Generalbeichte abzulegen.“ Herthas Atem ging rasch, und ihre Lippen zuckten. aber sie entzog sich seiner Umarmung nicht, und eng aneinander geschmiegt gingen sie langsam Seite an Seite dahin. „Ich— ich kann nicht, Erich,“ brachte sie nach einer geraumen Weile, während deren er geduldig auf ihre Antwort geharrt hatte, mit Anstrengung heraus. „Jetzt wenigstens— in diesem Augenblick— kann ich nicht darüber sprechen.“ Schmerzlich berührt, doch ohne jeden Unmut, erwiderte er: „Ich hätte dir innigen Dank dafür gewußt, wenn du mich noch in dieser Stunde aus meiner qualvollen Ungewißheit befreit hättest. Aber ich will dich nicht quälen. Später— nicht wahr, mein süßes Lieb?— später wirst du mir alles sagen!“ „Ja!— Denn du hast ein Recht darauf, es zu erfahren. Morgen— morgen sollst du es wissen.“ Erich Leuthold seufzte schwer. „So wollte ich fürwahr, diese Nacht wäre erst überstanden. Ich darf dir also morgen vormittag meinen Besuch machen?“ Sie dachte eine kleine Weile nach, dann schüttelte sie den Kopf. „Nein, ich will dir lieber schreiben! Es wird mir leichter fallen als ein mündliches Bekenntnis. Und es muß doch alles, alles gesagt werden, wenn du nicht allzu schlecht von meinem heutigen Benehmen denken sollst.“ „Für dein heutiges Benehmen werde ich dir danken bis an meinen Tod!“ rief er mir ausbrechender Leidenschaft.„Denn dein heutiges Benehmen hat mir ja die Gewißheit gegeben, daß du mir gehörst, daß du mein köstliches, unverlierbares Besiztum bist— allen Versprechungen und Verlöbnissen zum Trotz! Die Zuversicht kann nichts mehr aus meinem Herzen reißen. Und nicht, ehe ich meinen letzten Atemzug getan, gese ich dich frei.“ Die Glut, die in seiner Stimme wie in seinen Augen loderte, machte Hertha willenlos. Noch einmal duldete sie seine Küsse, bis sie sich abermals mit einem kleinen Aufschrei des Schreckens losrang. Ein seltsamer Laut wie heiseres, höhnisches Menschenlachen war an ihr Ohr gedrungen, und aufblickend hatte sie in geringer Entfernung eine menschliche Gestalt zwischen den Stämmen auftauchen und wieder verschwinden sehen. „Was hast du?“ fragte Erich Leuthold.„Was hat dich wieder erschreckt? Es war ja nur das Gekrächze eines Raubvogels.“ „Nein,“ widersprach sie erbebend.„Es war Milan Georgewit ch. Ich habe ihn deutlich erkannt— er muß uns belauscht haben.“ „Zum Henker mit dem serbischen Schleicher!“ fuhr Leuthold ingrimmig auf.„Ich werde den unverschämten Burschen zur Rede stellen, daß ihm ein für allemal die Lust zum Spionieren vergeht.“ „Nein, das wirst du nicht tun!“ bat sie eindringlich.„Soll ich denn noch mehr bloßgestellt werden, als ich es jetzt schon bin? Er hat ja auch nichts getan, wegen dessen du ihn zur Rechenschaft ziehen könntest, und ich will nicht, daß du Händel suchst um meinetwillen!" Er fügte sich ungern, aber er bemühte sich umsonst, sie jetzt noch zu längerem Verweilen im Walde zu bewegen. So inständig flehte sie ihn an, sie jetzt zu den anderen zurückzuführen, daß es eine Grausamkeit gewesen wäre, ihre Bitte unerfüllt zu lassen. Nach weiteren hundert Schritten schon hatten sie den Rand des Waldes erreicht, und die jetzt dunkle: gefärbte Fläche des Sees breitete sich wieder zu ihren Füßen. Vor dem freundlichen Gasthause„Jäger am 8 2 S S5— # 6 * 8 9 80 S G SSn # 2 45 S S Sg *— S S SSSC — S#Er.□ See“ tummelte sich das Völkchen der wieder vereinigten Künstler, und vielleicht schon im nächsten Augenblick konnte man ihrer von da unten ansichtig geworden Perst... 1„ gasarts 6--4 „Auf morgen also, mein Lieb!“ flusterte Erich Leuthold Hertha zu.„Ich werde den versprochenen Blief erwarten. Aber von welcher Art auch immer er sein möge, nichts in der Welt wird mich abhalten können, nach seinem Empfange zu dir zu eilen und dir zu wiederholen, daß du mein bist— mein für Zeit und Ewigkeit!" Hertha von Raven antwortete ihm nicht mehr, sondern eilte beflügelten Schrittes zum Seegestade hinab, von dem fröhlichen Zuruf der übermütigen Schar empfangen. Erich Leuthold folgte ihr erst in einiger Entsernung nach. Er besaß nicht genug schauspielerisches Talent, um eine sorglos heitere Stimmung zu erheucheln, und seine Augen suchten den Serben, gegen den er in diesem Moment etwas wie einen wirklichen Haß fühlte. Aber er suchte ihn vergebens. Milan Georgewitsch und sein Freund Wladinir Makarow wurden nicht wieder im Kreise der Kunstgenossen sichtbar. Sie mußten es vorgezogen haben, sich noch vor der Beendigung des kleinen Festes allein auf den Heimweg zu machen. Als die Malschule des Professor Grünwald am Abend dieses achtundzwanzigsten Juni, von der Lust des Tages ermüdet, auf dem Münchener Hauptbahnhof eintraf, schallte den Teilnehmern des Ausfluges eine furchtbare, zermalmende Kunde entgegen. Dichte Menschenscharen drängten sich mit verstörten Mienen vor den überall angeschlagenen Telegrammen, und allerorten ging das Unfaßliche von Mund zu Mund: „Der österreichische Thronfolger, Erzherzog Franz Ferdinand, und seine Gemahlin, die Herzogin von Hohenberg, sind heute in Serajewo durch Revolverschüsse des Mitgliedes einer serbischen Verschwörerbande ermordet worden.“ Verweht und zerstoben war wie vor dem ersten Windstoß eines heraufziehenden Unwetters auch der letzte Rest jugendlich sorgloser Fröhlichkeit, und gleich den eisigen Schauern einer furchtbaren Ahnung ging durch alle Herzen das Empfinden, daß da drunten im fernen Serajewo unter den Händen eines ruchlosen Meuchelmörders der Funke aufgeglimmt sein könnte, an dem sich der entsetzlichste aller Weltenbrände entzünden werde.—— 2. Kapitel. Ein Abschied. Es war in ziemlich früher Vormittagsstunde des folgenden Tages, als das Stubenmädchen der Pension „Daheim“ an die Zimmertür des Fräulein Hertha von Raven klopfte, um ihr zu melden, unten im Sprechzimmer sei ein Herr, der sie in sehr dringender Angelegenheit zu sprechen wünsche. Auf der Besuchskarte aber, die sie dem jungen Mädchen gleichzeitig überreichte, stand unter dem Namen Wladimir Makarow, mit Bleistift in französischer Sprache geschrieben: „Mit der inständigen Bitte, einen letzten Auftrag ausrichten und sich persönlich verabschieden zu dürfen.“ Hertha, die blaß und übernächtig aussah und deren Augen die deutlichen Spuren reichlich vergossener Tränen aufwiesen, war im ersten Moment sehr geneigt, dem Besucher erwidern zu lassen, daß sie zu ihrem Bedauern außerstande sei, ihn zu empfangen. Sie hatte während der mehrmonatlichen Dauer ihres Münchener Aufenthalts niemals Herrenbesuch gehabt und fühlte sich durchaus nicht veranlaßt, gerade Herrn Wladimir Makarow zuliebe eine Ausnahme davon zu machen. Dann aber, als sie die Worte auf der Karte noch einmal überlas, griff es ihr wie eine seltsame Beklemmung an das Herz. „Eines letzten Auftrages“ wollte der Russe sich entledigen? Was konnte er damit anderes meinen als den letzten Auftrag eines Sterbenden— eines Toten? Und wer konnte dieser Tote sein? Einer, den sie beide gekannt hatten— vielleicht gar einer von denen, mit denen sie noch gestern fröhlich gewesen waren? Es war eine Vermutung, die sie selber schon im nächsten Augenblick als etwas höchst Unwahrscheinliches, ja schier Unmögliches wieder aus ihren Vorstellungen zu bannen suchte. Aber der Druck ließ sich nicht mehr von ihrer Seele abwälzen, und nach einem letzten kurzen Zaudern erteilte sie dem Mädchen den Auftrag, den Herrn zu ihr heraufzuführen. Mitten im Zimmer stehend, erwartete sie den Eintretenden, schon durch ihre Haltung und durch die Art des Empfanges deutlich kundgebend, daß sie nur auf ein kurzes Verweilen rechne. Aber sie erschraf von neuem, als der junge Maler jetzt auf der Schwelle erschien. Er sah aus, als wäre er seit dem gestrigen Nachmittag um ein Jahrzehnt gealtert, oder als wäre er über Nacht von einer schweren Krankheit befallen worden. Aus seinem ohnehin bleichen Gesicht schien auch der letzte Blutstropfen gewichen, und brei#e dunkle Schatten lagen unter seinen todestraurigen Augen. „Ich bitte um Verzeihung,“ sogte er, sich der deutschen Ssrache bedienend, die er voilkommen beherrschte.„Es ist eine sehr große Dreistigkeit. Aber die außergewöhnlichen Umstände werden mich vielleicht bei Ihnen entchuldigen, mein gnädiges Fräulein! Mein Freund Milan Georgewitsch hat mich beauftragt, diesen Brief in Ihre Hände zu legen und Ihnen, falls Sie es wünschen sollten, mündlich die dazu nötigen Erläuterungen zu geben.“ Er hielt ihr den verschlossenen Umschlag entgegen; aber Hertha zögerte noch, ihn anzunehmen. „Ich bin einigermaßen erstaunt, Herr Makarow," erwiderte sie, wenn auch ohne Unsreundlichkeit, so doch mit fühlbarer Zurückhaltung.„Meine Beziehungen zu Herrn Georgewitsch sind niemals von der Art gewesen, daß sich daraus die Notwendigkeit einer Korrespondenz ergeben könnte. Wenn Sie, wie ich vermute, den Inhalt dieses Brieses kennen, so würde ich vorziehen, diesen Inhalt aus Ihrem Munde zu erfahren.“ „Nein, Fräulein von Raven, ich kenne den Inhalt des Briefes nicht. Aber ich bitte Sie recht von Herzen, ihn nicht zurückzuweisen. Ich bin sicher, daß nichts darin steht, was Sie kränken könnte. Und außerdem— außerdem ist es doch auch der Brief eines Mannes, der— der nicht mehr unter den Lebenden weilt.“ Hertha hatte ein Gefühl, als wäre sie mit einem Kübel eiskalten Wassers überschüttet worden, und es flimmerte ihr vor den Augen. Gewiß hatte sie niemals irgendein wärmeres Interesse für diesen sinsteren, verschlossenen Serben gehegt; aber diese Todesnachricht traf sie zu unerwartet und zu unvermittelt, als daß sie nicht notwendig eine erschütternde Wirkung hätte auf sie ausüben müssen. Milan Georgewitsch stand vor ihrem Geiste als ein gesunder, kraftvoller Mensch in der vollen Blüte der Jugend, und noch gestern hatte sie ihn mit seiner tiefen, rauhen Stimme, die doch einen wunderbar beseelten Klang annehmen konnte, eines der bei aller Eintönigkeit ergreifenden Heldenlieder seiner Heimat singen hören. Daß sein Mund nun für immer verstummt sein sollte, noch vermochte sie es nicht zu fassen. (Fortsetzung folgt.) M Mh S unser Vutterrapier gesundheitsschädlich? Das Pergamentpapier, in das man beim Einkaufen Butter, Margarine und Fleisch eing wickelt bekommt und das auch im Haushalt zum Zubinden von Einmachegefäßen und in anderer Form verwendet wird, ist eine kaum zu ersetzende Umhüllung für Nahrungsmittel und muß deshalb hohen hygienischen Auforderungen genügen. In einem für weite Kreise wichtigen Aussatz der Umschau erörtert nun Dr. Hugo Kühl die mancherlei Gefahren, die bei nicht sorgfältiger Herstellung den „Aber wer wird gleich so aufbrausen, bester Büchner,“ besänftigte mich Fred Diftelmann und klopfte mir gönnerhaft die Schulter,„dann erzählen wir uns einen tleinen Schnack und spielen eben nicht! Ich erlaubte mir ja nur einen Vorschlag.“ Die beiden machten es sich bequem. Hans Malter flegelie sich mit grotesker Nonchalance im Schautelstuhl, und Fred Distelmann setzte sich rittlings auf die Soialehne. Erich Holzhausen stand finster brütend am Fenster. Ich sah es ihm an, daß er die beiden hätte massakrieren können. Wir taten wenig, um die Unterhaltung in Fluß zu bringen, und hofften, daß beide sich bald empfehlen würden. Aber wir hofften umsonst. Hans Malter begann allerlei Unmöglichkeiten aufdes Pergamentpapiers entstehen. Zur Pergamentierung des zutischen und wurde durch alberne, gänzlich unmotiius Lumpen oder Holzstoff bereiteten ungeleimten Papiers vierte Lo#h“dient eine Behandlung mit der in den Bleikammern der Schwefelsäurefabriken gewonnenen Kammersäure, mit starker Chlorzinilösung oder Kupferoxyd=Ammoniak. Da die Schweselsäure stets Blei enthält, das beim Verdünnen der Säure mit Wasser ausgeschieden wird, besteht die Gefahr, daß das Blei bei einer nicht exakt durchgeführten Spülung in den Poren der Papieroberfläche zurückbleibt. Der Genuß ganz geringer Mengen Blei kann aber bereits Bleikolik hervorrufen, und so ist es denn höchst bedenklich, daß man bei Untersuchungen des Pergamentpapiers bisweilen einen Bleigehalt feststellen konnte. In 1 kg Pergamentpapier fand Herz 3960,5mg Blei; bei den Aschen von 58 verschiedenen Proben, die Burr untersuchte, konnte er in elf Füllen Blei feststellen, und zwar bei einem Höchstgehalt von 0,024 Prozent. Bei eisenhaltigen Papieren, die ebenfalls nicht selten auachsalven Fred Diftelmanns zu immer gewagzutreffen sind, kann die eingeschlagene Ware geschädigt werden, da durch die Verbindung von Milchsäure mit Eisen ein bitter schmeckendes milchsaures Salz entsteht. Um dem fertigen Pergamentpapiere die hornartige Beschaftenheit zu nehmen und es geschmeidig zu machen, behandelt man es mit Glyzerin, das aber sehr teuer ist und daher durch verschiedene Zuckerarten ersetzt wird. Ueberschreitet biese Zuckerung das Maß des Erforderlichen, dann begünstigt das Papier die Schimmelbildung, wie durch verschiedene Versuche einwanksfrei erwilsen wurde. Als Ursache für das Verderben von Butter und Margarine muß in vielen Fällen der hehe Zuckerg halt des Pergamentpapieres, in das sie eingeschlagen sind, angesehen werden. Die durch ungenügende Pergamentierung herbeigeführte Wasserdurchlässigkeit ist ebenfalts ein gesundheitsschädlicher Fabrikationsfehler. Es wird daher der Herstellung von Pergamentpapier mehr Sorgfalt zugewandt werden müssen, denn gegenwärtig entspricht es den unbedingt zu stellenden hygienischen Anforderungen nur in seltenen Fällen. 4 Die Pfirsichbow Humoreske von Fritz Gantzer. (Schluß.)(Nachdr. verboten.) Diesmal kamen gleich zwei: der ewig bramarbasierende Hans Malter und der alles besser wissende Fred Distelmann. „O sieh, du hast ja schon Besuch, Holzhausen," rief der letztere mit näselnder Stimme, als er meine Wenigkeit mit dem harmlosen Gesicht in der Sofaecke erblickte. „Das ist nett, da können wir ja gleich einen Skat zu Vieren machen.“ „Um Himmels willen,“ entfuhr es mir ärgerlich, und mein harmloses Gesicht legte sich in unwillige Falten, „ich spiele heute nicht mehr Skat.“ teren Behauptungen aufgeferdert. Schon saßen sie eine halbe Stunde. Plötzlich zog Malter die Luft in seine ziemliche Dimensionen autweisende Nase ein und versicherte:„Es riecht nach Salmiak bei dir, Holzhausen!" Diftelmann schnüffelte auch:„Mir fiel ein sonderbarer Geruch schon seit längerem aus“— er schnüsselte wieder—„aber das ist nicht Salmiak, sondern Kampfer, entschieden Kampfer. Hast du Angst vor den Motten, Holzhausen?“ „Ich habe weder Motten noch Kampfer in meiner Wohnung!" stieß Holzhausen wütend hervor. „Aber es riecht so— so ganz eigentümlich, nicht wahr, Büchner?“ wandte sich Distelmann nun an mich. Ich zuckte nur mit den Schultern. Die beiden schnüselien nun in Kompagnie. Uns wurde die Sache unheimlich. Diftelmann verließ die Sofalehne und ging im Zimmer auf und ab, immer die Luft in die Nase ziehend. Ich sand das frech und wollte schon meinen Mund zu einer bissigen Bemerkung öffnen, als Distelmann mitten im Zimmer stehen blieb, den Finger an die Nase legte und rief: „Heureka! Wie kommen wir auf Salmiak und Kampfer? Hier riecht's nach Bowle, und zwar nach einer Pfirsichbowle! Habt ihr eine Bowle getrunken, Holzhausen?" Dem riß endlich die Geduld. „Zum Teufel auch, getrunken haben wir sie noch nicht, aber wir wollten sie trinken. Da kamt ihr. Und well schon vor euch zwei andere kamen, die wir aus Großmut einluden, konnten wir unmöglich euch auch noch bitten, denn sonst hätte schließlich keiner etwas Ordentliches bekommen. Nun mag's sein!—— Meyer, Slabinsky! kommt aus eurer Verbannung zurück, wir wollen anfangen!“ Holzhausen zog den Füllöffel aus seiner Rocktasche hervor und öffnete unter den Bravorusen Distelmanns und Malters die Tür zum Schlafzimmer. Meyer und Slabinsky kamen—— aber sie brachten die Bowle nicht mit. „Die Bowle, die Bowle!“ schrien wir vier. „Wo ist denn die Bowle?" Meyer und Slabinsky schwiegen hartnäckig. Plötzlich brachen sie mit Malter und Distelmann gemeinsam in ein schallendes Gelächter aus. Wir beide sahen uns verständnislos an und glaubten, vier aus dem Irrenhaus Entsprungene vor uns zu haben. „Weshalb lacht ihr?“ fragte Holzhausen und hob den Füllöffel verdächtig in die Höhe, als wollte er ihn dem ersten besten an den Kopf wersen. „Nehmt uns die Frechheit nicht übel, Holzhausen, Büchner,“ konnte Distelmann endlich sprechen.„Wir haben uns einen kleinen Scherz erlaubt. Dich, Büchner, G — 1 Westfalen und Rheinland. * Iserlohn, 29. Jan.(Kind verbrannt.) Die Frau des Arbeiters August Estas entfernte sich gestern nachmittag aus ihrer Wohnung auf der Ohlstraße und schloß ihre 3 Kinder im Alter von 6, 4 und 2 Jahren in ein Zimmer ein. Nicht lange damach sahen Nachbarn, daß in dem Zimmer ein Brand ausgebrochen war; die Tür wurde erbrochen und das Feuer gelöscht. Von den Kindern stand der 4jährige Knabe in Flammen Der Knabe hatte über und über schwere Brandwunden erlitten und mußte in das Krankenhaus gebracht werden, woselbst er in der vergangenen Nacht von seinen Schmerzen durch den Tod erlöst wurde.— Bereits vor einigen Jahren fiel ein kleines Mädchen derselben Familie durch ein Fenster auf den nach dem Westergraben zu belegenen Hof. An den Folgen des Sturzes ist dasselbe ebenfalls bald gestorben. * Buer, 28. Jan.(Totgeschlagen.) Bei einer Schlägerei trug der Bergarbeiter Heinrich Schwindt mehrere heftige Schläge auf den Kopf davon. Am nächsten Tage wurde er tot im Bette liegend ausgefunden. Vermutlich ist der Tod eine Folge der erlittenen Kopfverletzung. Auf gleiche Weise zu Tode gekommen ist der Kellner S. in Schonnebeck. Er erhielt von einem angetrunkenen Caste, dem weitere Getränke verweigert wurden, zwei Messerstiche in den Kopf, die nach fünf Tagen den Tod zur Folge hatten. In beiden Fällen wurden die Täter festgenommen. * Köln, 28. Jan.(Der Schießprügel.) Sechs Schüler im Alter von 12 bis 14 Jahren führten auf dem Wege zur Schule ein Terzerol bei sich. Bei einer Streitigkeit fielen plötzlich Schüsse, wobei ein unbeteiligter 11jähriger Schüler in den Kopf getroffen wurde, so daß er bald darauf verstarb. Die sechs Schüler, teils dem Gymnasium, teils der Volksschule zugehörend, hatten sich vor dem außerordentlichen Kriegsgericht wegen verbotenen Waffentragens und der in Betracht kommende Waffenhändler wegen verbotenen Waffenverkrufs zu verantworten. Die Schüler wurden teils zu einem Tage Haft, teils mit einem Verweis bestraft, der Waffenhändler mit 2 Tagen. Briefkasten. Nr. 100, Hennen. Sie müssen sich an das„Stellv. Generalkommando des 7. A.=K.“ in Münster Stadttheater Dortmund. Sonntag, 31. Januar, nachmittags 3½—6½ Uhr: „Die Großstadtluft", Schwank in 4 Aufzügen von Oskar Blumenthal und Gustav Kadelksirg. — Abends 7½—10½ Uhr:„Carmen", große Oper mit Ballet von Georges Bizet. Montag, 1. Februar, abends 7½—10 Uhr:„Die Journalisten", Lustspiel in 4 Akten von Gustav Freitag. Dienstag, 2. Februar, abends 7—11¼ Uhr:„Die Walküre“, Handlung in 3 Aufzügen von Richard Wagner. Mittwoch, 3. Februar, abends 7½—10¾ Uhr: „Wallenstein“, ein dramatisches Gedicht von Friedrich von Schiller. Donnerstag, den 4. Februar, abends 7½—11 Uhr: „Tannhäuser und der Sängerkrieg auf der Wartburg“, Handlung in 3 Auszügen von Rich. Wagner. Freitag, 5. Februar, abends 7½—10¾ „Wallenstein“, ein dramatisches Gedicht Sonnabend, 6. Februar, abends 7½—16½ Uhr: „Der liebe Augustin“, Operette in 3 Aufzügen von Leo Fall. Gettesdienste am Sonntag. Evang. res. Gemeinde. 9½ Uhr: Pastor Terberger. Evang. luth. Gemeinde. 9½ Uhr: Pastor Wischnath. 11 Uhr: Kindergottesdienst. 5 Uhr: Pastor Nell, hl. Abendmahl Gemeinde Westhofen. 9½ Uhr: Pastor Klinker. 11¼ Uhr: Kindergottesdienst. Kath. Pfarrkirche Schwerte. 6¼ Uhr: Stille hl. Messe, Kaplan Röseler 7½ Uhr: Frühmesse mit Predigt. 8¾ Uhr: Schulmesse mit Predigt, Pfr. Schnurbus. 10 Uhr: Hochamt mit Predigt. Nachm. 2½ Uhr: Rosenkranzbruderschaft mit Prozession und Kollekte. Schöns volle Körperformen, wundervolle, feste Büste, blühe des, gesundes Aussehen durch unser Orient. Kraftpulver Nüsteria“, ges. vesch., prei-gekrönt m gild Medaillen und Eoren diplomen In 68 Wochen sierd Zunahmen bis 30 bid erzielt Bestes Krartnahrgittel für Rekonvalescenten, Kranke, Schwache, Greise und Kinder Garantiert unschädlich. Streng reell. Kein Schwindel, Unzähllge Dankschreiben.— Wir lasser einige aus der grossen Zahl folgen: Es schreibt uns der Königl. Kreisarzt Dr. V. K. Berlin, u. a: Eine durch viele Geburten übermässig mit genommene junge Frau erhehte sich, nachdem sie s c. an das Pulver gewöhnt hatte. zuseh nds. Ihr Gesnindheits ustand lässt jetzt nichts zu wünschen übrig. Das Kraftpulver ist ein nach Wunsch wirkenges Uebe nährmittel— M O. 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Meine Verlobung mit Fräulein Lonny Theile, jüngsten Tochter des Fabrikbesitzers Herrn Fritz Theile und seiner Frau Gemahlin Anna geb. von der Heyde zeige ich hierdurch an Gut Schwarzelühr, Januar 1915. Post Kalthof bei Iserlohn. Fritz Schwarzelühr. S □ Milionen gebrauchen sie 0 Heiserheit, Verschleimung, Katarrh, schmerzenden Hals, Keuchhusen, sowie als Vorbeugung gegen Erkält ngen, daher hochwillkommen jedem 4 100 not. begl. Zeugnisse 0 100 oon Rerzlen und Privaten verbürgen den sicheren Erseig. Appetitanregende. feinschmeckende Bondons. Paket 25 Pf. Dese 30 Pf. Kriegspackung 15 Pig. kein Porto. Zu haben in Apolheken sowie bei: Fran Gesinger in Schwerke; Einst Klein ## 5 Jehn, Apolbeke zur H hensyburg i. Westhofen; With. Liesenhoff in — Sesie.(438 Orig. franz. garantier“ vein cer d. Haus 1.10 MNh., im Auschand per Glas 20 Pfg Franz. 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Ueber den Sternen, da wird es einst tagen, Da wird dein Sehnen, dein Hoffen gestillt, Was du gelitten und was du getragen, Dort ein allmächtiger Vater vergillt. Zu früh schlug di-se bitt’re Stunde, Die dica aus uns'rer Mitte nahm, Doch tröstend tönt’s aus unserm Munde, Was Gott tut, das ist wohlgetan. Nach langer, schmerzlicher Ungewisshelt wurde uns jetzt die traurige Nachricht zuteil, dass mein herzensguter, unvergesslicher Bräutigam und Bruder, der Kriegsfreiwillige Max Steilnerst Reserve Infanterie-Regiment Nr. 222 in don Kämpfen am 3 Dezember 1914 in Russland bei einem Sturmangriff im Alter von 23 den Tod für das Vaterland gefunden hat. Die trauernden Hinterbliebenen: Frieda Dybowskl als Braut Familie Oybowski Familie Bartsch Amanda Steinhorst. Ruhe sanft in Feindesland! Holzen und Bütow(Westpreussen), den 30. Januar 1915. sehen zahlreiche im Felde stehende Söhne unserer Heimat täglich der Feldpost entgegen, die ihnen das Blatt ihrer Heimat bringt. Ihnen und vielen anderen tapferen Kriegern bietet die „Schwerter Zeitung erwünschte Erholung und Stärkung in den Kampfespausen. Man bestelle daher für seine Angehörigen im Kriege die„Schwerker Zeitung". Bei täglicher Zusendung im Feldpostbrief kostet die „Schwerker Zeitung“ monatlich Mk. 1.— Bestellungen werden jederzeit in unserer Geschäftsstelle(Große Marktstraße) entgegen genommen Heute nachmittag 1¾ Uhr entschlief sanft nach langem, mit grosser Geduld ertragenem Leiden, unser lieber Vater, Schwiegervater, Großvaler, Bruder, Onkel und Schwager, der Invalide Johann Hennitig im Alter von 59 Jahren. Um stille Teilnahme bitten Die trauernden Hinterbliebenen. Schwerterheide, Schwerte, Loh, Sölde, Habinghorst. Frankreich, Belgien u. Saarlouis, den 28. Januar 1915. Die Beerdi-ung findet Sonntag, den 31. Jan., nachm. 2½ Uhr vom Sterbehause. Heidestr. 7, aus statt.— Sollte jemand aus Versehen keine besondere Nachricht erhalten haben, so diene diese als solche. 534 Für Bachereten Bekanntmachung über die Bereitung von Backware (in Plakatform) vorrätig in der Buchbandlung Carl Braus Schwerte(Ruhr), Gr. Marktstrasse 3—5 # Ammoniak Superphosphal 7X9„ 5x10 Thomasphosphatmehl Kainit Kalisalz Schwesehautes Ammoman 0 empfiehlt zu billigsten Preisen unter Garantie der Gehalts 5•3 L. Weinberg. Des deutschen Volkes Altester Lieferant 1870 Neueste Original, Schnellgang-Nähm. Krone 18.-1914 Verbessert durch Karvenfadenkebelansug, keine Feder. Räck- und verwärtsnahend, verriegelt zugleich jede Naht am linde. Stickt und stepft. Nähmaschinen- u. Fahrradrlin N. lenstraße 126. on Post., Eisanbahn, Tchrer, Mliär, Ariegor-Vereinen, rer ## e n d e r d i e b o c h a r m i g e N ä h m s s c h i n e # mit byglenischer Paßruhe für jede Art Schneiderei, B 1* 40, 45, 48. 00 Hk. 4 wöchige Probezeit. 5 Jahre Garantia. Versenkbare Maschinen i. all. 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