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Freitag, den 29. Januar 1915.
47. Jahrgang.
tu Wien, 29. Jan. Die in Lemberg erscheinende russische Zeitung„Das karpathische Rußland“ schreibt unterm 15. Januar in einem Aufsatz über die militärische Lage: Eg ist möglich, daß die Rus
sen Lemberg demnächst werden verlassen müssen. Man soll aber nicht glauben, dies geschehe für immer; die Russen werden wiederkommen. Die Oesterreicher mögen also nicht zu übermütig werden.
Brandstifter und Mitschuldige
Der neue Reichsschatzsekretär Dr. Karl Helffe
rich hat vor seiner Ernennung einige Tage der Muße in seiner pfälzischen Heimat zum Studium der von England, Frankreich und Rußland über die diplomatische Arbeit vor Kriegsausbruch veröffentlichten Aktenstöße benutzt. Das Ergebnis ist in einer kürzlich als Beilage zur„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung“ erschienenen Schrift legt. Mit außerordentlichem Scharfsinn hat der frühere Direktor der Deutschen Bank aus den aktenmäßigen Quellen unserer Feinde die entscheidenden Vorgänge während der letzten kritischen Woche vor Kriegsausbruch herausgeholt und aus den geheimen Kreuz= und Querzügen den Wende
Am Hofe des Jaren trieb eine Partei unter
Führung des Großfürsten Nicolai Nicolajewitsch gleich nach Veröffentlichung des österreichisch=ungarischen Ultimatums mit aller Macht zum Kriege.
Das Losschlagen hing aber davon ab, ob Frankreich mitgehen werde. Am 25. Juli erklärte Sasonoff dem englischen Botschafter in Petersburg: Wenn Frankreich der Hilfe Englands sicher ist, wird es alle Risiken des Krieges auf sich nehmen. Frankreich tat nichts zu einer friedlichen Beilegung des Konfliktes, zögerte aber doch, den Russen, Kriegshilfe zuzusagen, solange es seinerseits nicht der Hilfe Englands sicher war. Der französische Botschafter Cambon in London erinnerte Grey an die geheimen brieflichen Abreden zum Schutz der sranzösischen Nordküste, dieser aber zeigte sich zunächst noch unentschlossen. Erst am 29. Juli fielen die Würfel zugunsten des Krieges mit der Mitteillung Greys an Cambon, daß er am selben Nachmittage dem deutschen Botschafter erklären werde, England könne nicht bei Seite stehen. Jetzt war Frankreich der englischen Hilfe sicher und ließ sofort die russische Regierung wissen, daß sie bereit sei mitzugehen, worauf Sasonoff noch am Abend desselben Tages seinen Dank aussprechen ließ. Die durch die deutsche Regierung herbeigeführte Bereitwilligkeit Oesterreich=Ungarns, in direkte Besprechungen mit Rußland über das Ultimatum in Serbien einzutreten, konnte das Verhängnis nicht mehr aufhalten. In der Nacht vom 30. zum 31. Juli machte Rußland, nunmehr des französischen und englischen Beistandes sicher, alle Friedensbemühungen des Deutschen Kaisers mit der Erklärung der allgemeinen Mobülisation zunichte. Creys einzige Sorge war nun noch, einen für die öffentliche Meinung Englands anneymaren Kriegsvorwand zu finden. Er fand ihn in Verletzung der belgischen Neutralität, die, wie inzwischen bewiesen worden ist, schon seit Jahren von Belgien und England selbst preisgegeben war.
Helfferich hat diese Zusammenhänge aufs klarste auseinandergesetzt. Sein Urteil, das sich, wie gesagt, ausschließlich auf die Aussagen der gegnerischen Zeugen stützt, lautet: Auf Grund dieser unbestreitbaren, durch die offiziellen Veröffentlichungen der Dreiverbands=Regierungen selbst betätigten Zusammenhänge wird vor dem Richterstuhl der Geschichte die Behauptung, daß Deutschland den Krieg gewollt und verursacht habe, in nichts zerfallen. Rußland ist als Brandstifter, Frankreich und England sind als die Mitschuldigen erwiesen.
Großes Hauptquartier, 28. Januar.
Westlicher Kriegsschauplatz.
An der flandrischen Küste wurden die Ortschaften Middelkerke und Slype von feindlicher Artillerie beschossen.
Auf den Eraonner Höhen wurden dem Feinde weitere an die vorgestern eroberte Stellung anschließende 500 Meter Schützengräben entrissen. Französische Gegenangrisse wurden mühelos abgewiesen. Der Feind hatte in den Kämpfen vom 25. big 27. Januar schwere Verluste; 1500 tote Franzesen liegen auf dem Kampfplatze, 1100 Sesangene einschließlich der am 27. Januar gemeldeten sielen in die Hände unserer Truppen.
In den Bogesen wurden in Gegend Senones und Ban de Sapt mehrere französische Angriffe unter erheblichen Verlusten für den Feind abgeschla
gen; 1 Offizier und 50 Franzosen wurden gefangen genommen. Unsere Verluste sind ganz gering.
Im Ober=Elsaß griffen die Franzosen an
der Front Nieder=Aspach=Heidweiler=Hirzbacher
wald unsere Stellungen bei Aspach, Ammerzweiler,
Heitweiler und am Hirzbach an. Ueberall wurden die Angriffe unter schweren Verlusten für den Feind abgewiesen. Besonders stark waren die Verluste südlich Heidweiler und südlich Ammerzweiler, wo die Franzosen in Auflösung zurückwichen. Fünf I Maschinengewehre blieben in unseren Händen.
Oostlicher Kriegsschauplatz. Unbedeutende Angriffsversuche der Russen nordöstlich Gumbinnen wurden abgewiesen.
Bei Biezun, nordöstlich Sierps, wurde eine russische Abteilung zurückgeschlagen.
In Polen sonst keine Veränderung.
Oberste Heeresleitung.
Ddchferee, Aefchasre
PingTere enfetgenois
Karte zu den Kämpfen bei Craonne.
Russische Niederlage in Ungarn.
Nichtamtlich.)ch„ Verstärkungen nochmals, die verlorene
wtb Wien, 29. Jan.(Richramstin) Amtlich
wird verlautbart vom 28. Januar, mittags: Nunmehr ist auch das Nagy=Ag=Tal vom Gegner gesäubert. Der in das Tal bis in die Gegend nördlich Oetkoermezos mit stärkeren Kräften eingedrungene Feind mußte gestern seine letzten gut besestigten Stellungen aufgeben. Toronya wurde von uns genommen und in der Verfolgung Wyszkow erreicht, wo der Kampf gegen die feindliche Nachhut erneut begann. Auf den Höhen nördlich Bezerszallas und bei Volovec versuchten die Russen nach Einsetzen
von Verstattungen Kochmues, die verlorene Hauptstellung wiederzugewinnen. Sie wurden jedoch zurückgeschlagen und verloren hierbei 700 Gesan gene und sünf Maschinengewehre. An der übrigen Karpathenfront keine wesentliche Aenderung der Situation. Oestlich des Nagy=Ag=Tales herrscht Ruhe. In Westgalizien und Polen Artilleriekämpfe und kleinere Aktionen.
Der Stellvertreter des Cheso des Generalstabes: von Höfer, Feldmarschall=Leutnant.
Amnessie=Erlaß des Kaisers.
Am Geburtstage des Kaisers sind zwei Amnestieerlasse des Kaisers bekannt gemacht worden. Der erste erläßt anläßlich der ruhm= und opferreichen Kämpfe im gegenwärtigen Kriege allen aktiven Militärpersonen, die gegen die von Militärbefehlshabern verhängten Disziplinarstrafen und die militärgerichtlich verhängten Geld= und Freiheitsstrafen oder deren noch nicht vollstreckten Teil bis zur Dauer der Freiheitsstrafen von 6 Monaten. Von dieser Begnadigung werden ausgeschlossen diejenigen, die unter der Wirkung von Ehrenstrafen stehen und diejenigen, die sich während der Untersuchung oder Strafhaft schlecht geführt habenBei Vorschlägen auf Rückversetzung in die erste Klasse des Soldatenstandes darf während des Krieges von den vorgeschriebenen Fristen und Terminen abgesehen werden. Der zweite Gnadenerlaß genehmigt die Niederschlagung von gerichtlich noch nicht eingeleiteten Untersuchungen gegen Kriegsteilnehmer wegen vor ihrer Einberufung zu den Fahnen und vor dem 27. Januar begangener Uebertretungen und Vergehen(außer Verrats militärischer Geheimnisse) und wegen Verbrechens gegen§§ 243, 244 oder 264 R.=St.=G., wenn der Täter zurzeit der Tat noch nicht 21 Jahre alt war.
In anderen geeigneten Fällen soll das Staatsministerium Begnadigungsvorschläge machen. Von diesem Gnadenerweis sind ausgeschlossen Personen, die durch militärgerichtliches Urteil aus dem Heere und der Marine entfernt sind oder werden oder nicht mehr als Kriegsteilnehmer anzusehen sind.
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Die Geeschlacht bei Helgbland.
Von einem Teilnehmer an der Seeschlacht bei Helgoland ist an eine Familie in Münster ein Brief gelangt, dem wir folgendes entnehmen:
:„Am Sonntag, den 23. Januar, sind wir im Gefecht gewesen. Es waren 4 große Schlacht
kreuzer von uns und 5 von englischer Seite. Auf beiden Seiten wurden schwere Verluste erlitten, aber die Engländer hatten noch mehr Verluste al wir. Es war ein siegreiches Gefecht für uns. Wir haben S. M. S.„Blücher“ verloren. Es ist„abgesackt“. Auf englischer Seite ist ein großer Schlachtkreuzer„abgesoffen“ und ein Tor
ein sehr schöner Erfolg für uns. Unser„Blücher“.
ist schon ein altes Schiff, während der englische Kreuzer ein neues Schiff ist, das auch an Größe, Geschwindigkeit und Armierung überlegen war. Andere englische Kreuzer sind schwer beschädigt. Als wir an der Schlachtstelle ankamen, waren die englischen Schiffe„ausgepick“, das heißt aug gegisch; sind ausgerissen. Wir haben ja auch Menschenverluste, aber noch lange nicht so viel alder Engläder“
Bericht der englischen Admiralität. wtb London, 29. Jan.(Nichtamtlich.) Das Pressebureau veröffentlicht folgenden Bericht der Admirals Beatty: Die Zerstörer sichteten den Feind um 7½ Uhr früh 14 Meilen östlich von unserem Schlachtkreuzergeschwader. Die Zerstörer erhielten den Befehl, den Feind zu verfolgen, der anscheinend zurückzugehen begann. Die Schlachtkreuzer fuhren in südöstlicher Richtung in der Aosicht, dem Feind den Rückzug abzuschneiden. Sie erreichten eine Schnelligkeit von 18 bis 19 Knoten und eröffneten auf 18000 Pards ein langsames, nicht zu heftiges Feuer. Als der Abstand sich auf 17000 Yards vermindert hatte, begannen die Schüsse ihr Ziel zu trefsen, worauf der Feind das Feuer beantwortete.„Lion" und„Tiger“, die der Spitze fuhren, traten dabei allein in Aktion, so daß diese Schiffe einige Zeit dem konzentrierten#