De Stuntm Zeimer mccen uald außer Feiertags. Bezugspreis M. 1.80 viertel. jährlich, bei der Post für Bestellgeid 42 Pfg. mehr. Wöchentl. Grakisbeilage:„Ikustrierter Familienfreund" u. tägl. Unterhaltungsblatt. Anzelgenpreis: Die siebengespaltene oder deren Raum 10 Pfg., Anzeigen von auswärts 15 Pfg., Rehlamezelle 40 Pfg. Jeder Rabatt gilt als Kassarabakt u. erlischt bei Konkursen. Zwangsvergleichen, gerichtl. Klagen u. Nabachand ernacht.-Setinseteloane Amtliches Kreisblatt Westhofener Zeitung Langscheder Zeitung Schwerter Volksblatt Verbunden für den kreis börde Holzwickeder Zeitung Aplerbecker Zeitung Schwerter Volkszeitung Schwerker Tageblatt S Schwerter Anzeiger und älteltes Cagesorgan des Kreiles o General-Anzeiger für den Kreis Hörde a Haupt-Annoncenblaft uue üritg, und icholpolzetlichen Derort. nungen für den Kreis Hörde erlangen gemöß Bekanntmachung dei Königlichen Regierung durch Veröffentlichung in der„Schwerter Zettung" rechtsverbindliche Kraft.— „Schwerter Zettung“ gewährt ihren Adonnenten für jeden mit Tod endenden Unsoll genähikren Sr. 300 Mk. Unfall: eingungen: 300 Mk. Unse Druch u Verlag o. Carl Braus. Schwerte=Rudr tortd tl.- Ssten elt. Steasshentererh Freitag, den 29. Januar 1915. 47. Jahrgang. tu Wien, 29. Jan. Die in Lemberg erscheinende russische Zeitung„Das karpathische Rußland“ schreibt unterm 15. Januar in einem Aufsatz über die militärische Lage: Eg ist möglich, daß die Russen Lemberg demnächst werden verlassen müssen. Man soll aber nicht glauben, dies geschehe für immer; die Russen werden wiederkommen. Die Oesterreicher mögen also nicht zu übermütig werden. Brandstifter und Mitschuldige Der neue Reichsschatzsekretär Dr. Karl Helfferich hat vor seiner Ernennung einige Tage der Muße in seiner pfälzischen Heimat zum Studium der von England, Frankreich und Rußland über die diplomatische Arbeit vor Kriegsausbruch veröffentlichten Aktenstöße benutzt. Das Ergebnis ist in einer kürzlich als Beilage zur„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung“ erschienenen Schrift legt. Mit außerordentlichem Scharfsinn hat der frühere Direktor der Deutschen Bank aus den aktenmäßigen Quellen unserer Feinde die entscheidenden Vorgänge während der letzten kritischen Woche vor Kriegsausbruch herausgeholt und aus den geheimen Kreuz= und Querzügen den WendeAm Hofe des Jaren trieb eine Partei unter Führung des Großfürsten Nicolai Nicolajewitsch gleich nach Veröffentlichung des österreichisch=ungarischen Ultimatums mit aller Macht zum Kriege. Das Losschlagen hing aber davon ab, ob Frankreich mitgehen werde. Am 25. Juli erklärte Sasonoff dem englischen Botschafter in Petersburg: Wenn Frankreich der Hilfe Englands sicher ist, wird es alle Risiken des Krieges auf sich nehmen. Frankreich tat nichts zu einer friedlichen Beilegung des Konfliktes, zögerte aber doch, den Russen, Kriegshilfe zuzusagen, solange es seinerseits nicht der Hilfe Englands sicher war. Der französische Botschafter Cambon in London erinnerte Grey an die geheimen brieflichen Abreden zum Schutz der sranzösischen Nordküste, dieser aber zeigte sich zunächst noch unentschlossen. Erst am 29. Juli fielen die Würfel zugunsten des Krieges mit der Mitteillung Greys an Cambon, daß er am selben Nachmittage dem deutschen Botschafter erklären werde, England könne nicht bei Seite stehen. Jetzt war Frankreich der englischen Hilfe sicher und ließ sofort die russische Regierung wissen, daß sie bereit sei mitzugehen, worauf Sasonoff noch am Abend desselben Tages seinen Dank aussprechen ließ. Die durch die deutsche Regierung herbeigeführte Bereitwilligkeit Oesterreich=Ungarns, in direkte Besprechungen mit Rußland über das Ultimatum in Serbien einzutreten, konnte das Verhängnis nicht mehr aufhalten. In der Nacht vom 30. zum 31. Juli machte Rußland, nunmehr des französischen und englischen Beistandes sicher, alle Friedensbemühungen des Deutschen Kaisers mit der Erklärung der allgemeinen Mobülisation zunichte. Creys einzige Sorge war nun noch, einen für die öffentliche Meinung Englands anneymaren Kriegsvorwand zu finden. Er fand ihn in Verletzung der belgischen Neutralität, die, wie inzwischen bewiesen worden ist, schon seit Jahren von Belgien und England selbst preisgegeben war. Helfferich hat diese Zusammenhänge aufs klarste auseinandergesetzt. Sein Urteil, das sich, wie gesagt, ausschließlich auf die Aussagen der gegnerischen Zeugen stützt, lautet: Auf Grund dieser unbestreitbaren, durch die offiziellen Veröffentlichungen der Dreiverbands=Regierungen selbst betätigten Zusammenhänge wird vor dem Richterstuhl der Geschichte die Behauptung, daß Deutschland den Krieg gewollt und verursacht habe, in nichts zerfallen. Rußland ist als Brandstifter, Frankreich und England sind als die Mitschuldigen erwiesen. Großes Hauptquartier, 28. Januar. Westlicher Kriegsschauplatz. An der flandrischen Küste wurden die Ortschaften Middelkerke und Slype von feindlicher Artillerie beschossen. Auf den Eraonner Höhen wurden dem Feinde weitere an die vorgestern eroberte Stellung anschließende 500 Meter Schützengräben entrissen. Französische Gegenangrisse wurden mühelos abgewiesen. Der Feind hatte in den Kämpfen vom 25. big 27. Januar schwere Verluste; 1500 tote Franzesen liegen auf dem Kampfplatze, 1100 Sesangene einschließlich der am 27. Januar gemeldeten sielen in die Hände unserer Truppen. In den Bogesen wurden in Gegend Senones und Ban de Sapt mehrere französische Angriffe unter erheblichen Verlusten für den Feind abgeschlagen; 1 Offizier und 50 Franzosen wurden gefangen genommen. Unsere Verluste sind ganz gering. Im Ober=Elsaß griffen die Franzosen an der Front Nieder=Aspach=Heidweiler=Hirzbacherwald unsere Stellungen bei Aspach, Ammerzweiler, Heitweiler und am Hirzbach an. Ueberall wurden die Angriffe unter schweren Verlusten für den Feind abgewiesen. Besonders stark waren die Verluste südlich Heidweiler und südlich Ammerzweiler, wo die Franzosen in Auflösung zurückwichen. Fünf I Maschinengewehre blieben in unseren Händen. Oostlicher Kriegsschauplatz. Unbedeutende Angriffsversuche der Russen nordöstlich Gumbinnen wurden abgewiesen. Bei Biezun, nordöstlich Sierps, wurde eine russische Abteilung zurückgeschlagen. In Polen sonst keine Veränderung. Oberste Heeresleitung. Ddchferee, Aefchasre PingTere enfetgenois Karte zu den Kämpfen bei Craonne. Russische Niederlage in Ungarn. Nichtamtlich.)ch„ Verstärkungen nochmals, die verlorene wtb Wien, 29. Jan.(Richramstin) Amtlich wird verlautbart vom 28. Januar, mittags: Nunmehr ist auch das Nagy=Ag=Tal vom Gegner gesäubert. Der in das Tal bis in die Gegend nördlich Oetkoermezos mit stärkeren Kräften eingedrungene Feind mußte gestern seine letzten gut besestigten Stellungen aufgeben. Toronya wurde von uns genommen und in der Verfolgung Wyszkow erreicht, wo der Kampf gegen die feindliche Nachhut erneut begann. Auf den Höhen nördlich Bezerszallas und bei Volovec versuchten die Russen nach Einsetzen von Verstattungen Kochmues, die verlorene Hauptstellung wiederzugewinnen. Sie wurden jedoch zurückgeschlagen und verloren hierbei 700 Gesan gene und sünf Maschinengewehre. An der übrigen Karpathenfront keine wesentliche Aenderung der Situation. Oestlich des Nagy=Ag=Tales herrscht Ruhe. In Westgalizien und Polen Artilleriekämpfe und kleinere Aktionen. Der Stellvertreter des Cheso des Generalstabes: von Höfer, Feldmarschall=Leutnant. Amnessie=Erlaß des Kaisers. Am Geburtstage des Kaisers sind zwei Amnestieerlasse des Kaisers bekannt gemacht worden. Der erste erläßt anläßlich der ruhm= und opferreichen Kämpfe im gegenwärtigen Kriege allen aktiven Militärpersonen, die gegen die von Militärbefehlshabern verhängten Disziplinarstrafen und die militärgerichtlich verhängten Geld= und Freiheitsstrafen oder deren noch nicht vollstreckten Teil bis zur Dauer der Freiheitsstrafen von 6 Monaten. Von dieser Begnadigung werden ausgeschlossen diejenigen, die unter der Wirkung von Ehrenstrafen stehen und diejenigen, die sich während der Untersuchung oder Strafhaft schlecht geführt habenBei Vorschlägen auf Rückversetzung in die erste Klasse des Soldatenstandes darf während des Krieges von den vorgeschriebenen Fristen und Terminen abgesehen werden. Der zweite Gnadenerlaß genehmigt die Niederschlagung von gerichtlich noch nicht eingeleiteten Untersuchungen gegen Kriegsteilnehmer wegen vor ihrer Einberufung zu den Fahnen und vor dem 27. Januar begangener Uebertretungen und Vergehen(außer Verrats militärischer Geheimnisse) und wegen Verbrechens gegen§§ 243, 244 oder 264 R.=St.=G., wenn der Täter zurzeit der Tat noch nicht 21 Jahre alt war. In anderen geeigneten Fällen soll das Staatsministerium Begnadigungsvorschläge machen. Von diesem Gnadenerweis sind ausgeschlossen Personen, die durch militärgerichtliches Urteil aus dem Heere und der Marine entfernt sind oder werden oder nicht mehr als Kriegsteilnehmer anzusehen sind. —— Die Geeschlacht bei Helgbland. Von einem Teilnehmer an der Seeschlacht bei Helgoland ist an eine Familie in Münster ein Brief gelangt, dem wir folgendes entnehmen: :„Am Sonntag, den 23. Januar, sind wir im Gefecht gewesen. Es waren 4 große Schlachtkreuzer von uns und 5 von englischer Seite. Auf beiden Seiten wurden schwere Verluste erlitten, aber die Engländer hatten noch mehr Verluste al wir. Es war ein siegreiches Gefecht für uns. Wir haben S. M. S.„Blücher“ verloren. Es ist„abgesackt“. Auf englischer Seite ist ein großer Schlachtkreuzer„abgesoffen“ und ein Torein sehr schöner Erfolg für uns. Unser„Blücher“. ist schon ein altes Schiff, während der englische Kreuzer ein neues Schiff ist, das auch an Größe, Geschwindigkeit und Armierung überlegen war. Andere englische Kreuzer sind schwer beschädigt. Als wir an der Schlachtstelle ankamen, waren die englischen Schiffe„ausgepick“, das heißt aug gegisch; sind ausgerissen. Wir haben ja auch Menschenverluste, aber noch lange nicht so viel alder Engläder“ Bericht der englischen Admiralität. wtb London, 29. Jan.(Nichtamtlich.) Das Pressebureau veröffentlicht folgenden Bericht der Admirals Beatty: Die Zerstörer sichteten den Feind um 7½ Uhr früh 14 Meilen östlich von unserem Schlachtkreuzergeschwader. Die Zerstörer erhielten den Befehl, den Feind zu verfolgen, der anscheinend zurückzugehen begann. Die Schlachtkreuzer fuhren in südöstlicher Richtung in der Aosicht, dem Feind den Rückzug abzuschneiden. Sie erreichten eine Schnelligkeit von 18 bis 19 Knoten und eröffneten auf 18000 Pards ein langsames, nicht zu heftiges Feuer. Als der Abstand sich auf 17000 Yards vermindert hatte, begannen die Schüsse ihr Ziel zu trefsen, worauf der Feind das Feuer beantwortete.„Lion" und„Tiger“, die der Spitze fuhren, traten dabei allein in Aktion, so daß diese Schiffe einige Zeit dem konzentrierten# 118 K 16 214 Verfüttert kein Brotgekreide! Zuwiderhandlungen werden hart besiraff. Feuer des Feindes ausgesetzt waren. Besonders „Lion“ hatte sehr darunter zu leiden. Als die anderen Schiffe herankamen, mußte der Feind auch ihnen Aufmerksamkeit widmen. Gegen 11 Uhr beschädigte ein glücklicher Schuß des Feindes unglücklicherweise den Kessel des„Lion“, wodurch die Maschine an Bacbord außer Tätigkeit gesetzt wurde. Zugleich wurden feindliche Unterseeboote an Steuerbord signalisiert, so daß der Kurs geändert werden mußte, um ihnen zu entgehen. Die „Blücher“, befand sich jetzt in kritischer Lage und „Indomitable“ erhielt den Befehl, sie in Grund zu bohren. Der Rest des Geschwaders griff darauf die Nachhut des Feindes an.„Lion“ dampfte mit Eskorte in nordwestlicher Richtung. Admiral Beatty ließ die Admiralsflagge auf die„Prinzeß Royal“ bringen. Der der„Lion“ beigebrachte Schaden hat uns offenbar verhindert, einen größeren Sieg zu erfechten. Die Anwesendheit feindlicher Unterseeboote nötigte uns dann, das Gefecht abzubrechen. Das Ergebnis der Seeschlacht ist, daß die„Blücher“ zum Sinken gebracht wurde sund zwei andere Schlachtkreuzer, die in Brand standen, erheblich beschädigt wurden. Da der Schaden an der Maschine und an der Steuerbordseite uns in Schwierigkeiten hätte bringen können, so schleppte die„Indomitable“ die„Lion" nach dem Hafen. Die Beschädigungen der„Tiger“ sind nicht ernstlich. Das Schi f kann binnen kurzem wieder hergestellt sein. Der Rest des Geschwaders wurde nur leicht beschädigt. Menschenverluste sind auf den Schiffen nicht zu beklagen. Soweit Admiral Beattys vorläufiger Bericht, der sicherlich noch, da er als„vorläufiger“ Bericht bezeichnet ist, korrigiert werden wird, höchstwahrscheinlich in ungünstigem Sinne, wenn natürlich auch nicht das Eingeständnis des Unterganges eines Schlachtkreuzers oder auch nur eines Torpedobootes erwartet werden darf. Dazu sind die Engländer(siehe„Audacius") zu ehrlich. Der gegen Frankreich. Eine empfindliche Schlappe der Franzosen. tu Paris, 29. Jan. Nach Blättermeldungen aus der Front scheinen die Franzosen in den Kämpfen der letzten Tage in den Argonnen bei St. Hubert und Fontainede=Madame eine ernsthafte Schlappe erlitten zu haben. Der Kampf dauerte ohne Unterbrechung 48 Stunden und murde durch eine heftige Kanonade deutscherseits eingeleitet. Die französische Artillerie scheint an Munitionsmangel gelitten zu haben, denn wie ein Bericht des„Neuyork Herald" besagt, erwiderten die französischen Kanonen den deutschen nicht mit der gleichen In tensivität. Es gelang den Deutschen, gedeckt von ihrer unaufhörlich feuernden Artillerie, sehr nahe an die französischen Schützengräben von St. Hubert heranzukommen und sich dort in einem Gehölz festzu setzen. Mehrere Angriffsversuche der französischen Kolonialregimenter wurden abgewiefen. Nach Anbruch der Dunkelheit schafften die Deutschen mehrere Minenwerfer in ihre vordersten Stellungen und schleuderten Bomben von riesigen Dimensionen aus geringerer Entfernung in die vorgeschobenen französischen Stellungen. Alle Verteidigungswerke wurden zerstört und die Franzosen räumten die betrefsenden Stellungen freiwillig, um sich in den Gehöften von St. Hubert festzusetzen. Französischerseits wird behauptet, daß sich die neue Verteidigungsstellung nur 50 Meter hinter der alten befindet, jedoch erscheint dies als sehr unwahrscheinlich. Bei Fontaine=de=Madame sind die Franzosen gleichfalls um ein bedeutendes Stück zurückgegangen. Hier sollen die französischen Schützengräben burch die unaufhörlichen Regengüsse der letzten Wochen unbewohnbar geworden sein. Die Deutschen richten auf die neuen französischen Stellungen unaufhörlich Artilleriefeuer, haben jedoch die aufgegebenen Schützengräben noch nicht besetzt. Die deutsche Offensive. Die volle Wiederaunahme der Offensive durch die deutschen Truppen wird jetzt auch in den Pariser Berichten zugegeben. Nach diesen rast mit Ausnahme des Woevregebietes auf der ganzen ront ein heftiger Kampf. In Nordfrankreich und Belgien sind die Kampffelder noch immer Schlammflächen, die Schützengräben sind Bäche, werden aber fortgesetzt ausgebessert und voraussichtlich bald wieder brauchbar sein. Die etwaigen Verstärkungen, die General French erhalten hat, werden mehr als ausgeglichen durch die bedeutenden Tuuppenmassen, die die Deutschen in den letzten Tagen erhalten haben. In Nordflandern findet ein allgemeiner Vormarsch der Deutschen gegen die Verbündeten statt; auch südlich von Ypern wurden die Stellungen der Deutschen erheblich verstärkt. Ankere deutsche Truppenkörper wurden, den über Kopenhagen eingetroffenen Meldungen zufolgeweiter westwärts gegen die feindlichen Stellungen geleitet für die Offensive, die von den Deutschen jetzt mit allen Kräften vorbereitet wird. Gedrückte Stimmung in Paris. Abwehrmaßnahmen gegen Zeppelinbesuche. Wie der„Nieuwe Rotterdamsche Courant“ aus Paris erfährt, war in der vorigen Woche bei Ostwind in Paris abends der Kanonendonner von Soissons her hörbar, wodurch die bisher zuversichtliche Stimmung der Pariser Bevölkerung merklich gedrückt war. Die Bewohner von Paris leben jetzt in stoischer Erwartung eines Zeppelinangri fes, den man, ohne eigentlich Gründe dafür zu haben, in der allernächsten Zeit erwartet, und zwar so bestimmt, sagt der Berichterstatter des holländischen Blattes, daß man sich mit jedem Tage wundert, daß noch keine Zeppeline gekommen sind. Paris liegt abends mit ausgestorbenen Straßen in völliger Finsternis da. Die Maßnahmen der Regierung, die jetzt zu gleicher Zeit mit dem Zurüngehen bei Soissons auf das linke Aisneufer ge troffen wurden, haben die Stimmung in Paris nicht gebessert. Niederdrückend hat die fortgesetzte Ankunft zahlreicher Flüchtlinge aus Soissons und selbst Compiegne gewirkt. Die Regierung hat jetzt auch bekannt gemacht, daß eventuell mit einer Stillegung der Gas= und Elektrizitätswerke zu rechnen sei, weshalb die Bevölkerung ersucht werde, Petroleum und Kerzen in genügenden Vorräten einzukaufen. Auf dem Fort Valerien bei Paris vird an der Errichtung einer großen Scheinwerferund Signalstation gearbeitet. Auf den Dächern der Bahnhofshallen wurden Ballonabwehrkanonen ufgestellt und in die Bahnhöfe selbständige Wacht ind Bedienungsposten gelegt. In Saint=Cloud ist rleichfalls ein Beobachtungsposten und eine miliärische Fliegerstation eingerichtet worden. Für die Beschirmung von Paris gegen Lustangriffe lehen jetzt achtzig gepanzerte und mit Maschinenzewehren versehene Flugzeuge zur Verfügung. Französisches Werben um Italien. Den französischen Werbungen um Italien wird, wie die Morgenblätter einem ihnen übermittelten Auszug aus der„K. Zt.“ entnehmen, in der„Pereveranza“, entgegengetreten. Die Werbearbeit wird gegenwärtig eifrig betrieben, weil für den Dreiverband Gefahr bestehe, daß die diplomatischen Verhandlungen zwischen Italien und Rumänien mit beiden Zentralmächten die Wahrung der italienischen und rumänischen Neutralität bis zum Kriegsende herbeijühre. Frankreich versuche, Italien in einen Krieg zu verwickeln, um seine Hilse zu beanspruchen und dabei zugleich Italien schwächen zu können, während gerade gegenwärtig Italien stark sei und für Frankreich eine ernste Gefahr bilde. Der Dreiverband habe für Italien nur freundliche Worte, aber keine freundlichen Taten. Italien brauche sich nur die Haltung Frankreichs in dem libyschen Kriege zu vergegenwärtigen, um die jetzigen Werbungen richtig einzuschätzen. 61 Neichstagsabgeordnete unter der Fahne. Die Zahl der Reichstagsabgeordneten, die zur Jahne einberufen worden sind, beträgt nach der „Freisinnigen Zeitung“ 61. Diese Zahhl verteilt sich auf die einzelnen Fraktionen wie folgt: Konservative 14, Reichspartei 2, Wirtschaftliche Vereinigung 4, Zentrumspartei 16, Polen 1, ElsaßLothringer 1, Nationalliberale 12, Fortschrittliche Volkspartei 7, Sozialdemokraten 2, Wild 2. Grieh Begen Audmus. Die Stimmung in Rußland. Tiefste Niedergeschlagenheit und Kriegsmüdigkeit erfüllen die regierenden und regierten Kreise des Landes. Bis Mitte vorigen„Monats hatte man in Petersburg gute Nachrichten vom Kriegschauplatz in Polen. Durch eine große Anzahl wohlhabender Flüchtlinge aus Warschau, die in Pes tersburg eingetrofsen sind, sickerte endlich die Wahrheit über die wirkliche Lage Rußlands auf dem Kriegsschauplatze durch. Seitdem ist man auch in nationalistischen Kreisen gegenüber allen Meldungen von Erfolgen überaus skeptisch und es besteht in allen Kreisen nur ein Wunsch, sobald als möglich Frieden zu schließen. Auch die Berichte aus. dem Kaukasus wirken um so weniger auffrischend, als dort die Türken noch immer auf russischem Boden stehen. General Pau— Besehlshaber in Polen? tu Genf, 29. Jan. Nach einer Meldung aus Besancon an hiesige Blätter wäre der wahre Zwedk der Reise des Generals Pau nach Rußland nicht die Ueberbringung der französischen Militärmedaille an den Großfürsten Nikolai. General Pau soll vielmehr den Befehl über die russische Armee in Polen übernehmen. Russischer Munitionsmangel. Nach Meldungen aus Nisch haben die russischen Transporte an der Donau, von denen es hieß, es seien Munitionstransporte für Serbien, hauptsächlich den Zwoc, die aus Frankreich kommende Munition über Saloniki, Risch und Regotin nach ###ßland zu befördern. Der russische Manzel ist besonderg groß an Artilleriemunition. Die Kämpfe um Lodz. Den Zusammenbnuch eines mit großen Massen unternommenen russischen Angriffes bei der Wiedererobenung von Lodz schildert ein Kriegsteilnehmer laut„Leipz. N. N.“ wie folgt: Eines Abends sahen wir, wie das russische Heer in unabehbaren Schwärmen uns entgegenzog und teilweise in geschützte Stellungen ging. Da ertönte bei uns am Abend das Signal: Pflanzt auf die Klinge! Wir pflanzten unsere blitzenden Seitengewehre auf, die Hornisten bliesen den Generalmarsch, die ganze Schützenlinie stand auf wie ein Mann und mit brausendem Hurra stürzten wir uns auf die feindlichen Stellungen. Wir arbeiteten nur mit Bajonett und Kolben. Die russischen Schützengräben waren von unten bis oben mit Leichen gefüllt, und endlich war die Stellung unser. Die überlebenden Russen waren fluchtartig zurückgegangen. Wir verfolgten sie nun erst mit Gewehr= und Artilleriefeuer, bis sie auf den nächsten Höhen in vorbereiteten Schützengräben wieder Stellung einnahmen und von rechts her von ihren Reservetruppen Verstärkung erhielten. Wir schanzten uns auch sofort wieder ein und beobachteten. Es konnte inzwischen gegen zwei Uhr nachts geworden sein, als die Russen wieder gegen uns vorgehen wollten, aber diesmal in dichten Kolonnen. Wir erwarteten sie mit größter Ruhe und angeschlagenem Gewehr und ließen sie auf 500 Meter herankommen. Dann griff euich unsere Artillerie mit ein und ein fürchterliches Wetter brach abermals los. Als die Russen auf 30 Meter heran waren, sprangen wir aus unseren Gräben heraus und stürzten mit gefälltem Bajonett und brausendem Hurra vorwärts. Auch diesmal hatten wir schwer zu kämpfen, da wir auch Artilleriefeuer bekamen. Aber der Sieg war wiederum unser, denn gegen 800 tote Russen bedeckten das blutgetränkte Schlachtfeld. Portugal wieder Monarchie? Es unterliegt kaum noch einem Zweifel, daß die Republik Portugal noch vor dem Ende des ersten Lustrums ihres Bestandes zu existieren aufhören und einem Königreich Portugal Platz machen wird. Das portugiesische Offizierkorps bestimmt die Geschicke des Landes. Im Oktober des Jahres 1910 war ein großer Teil der Offiziere des Landheeres mit der gesamten Marine der Ansicht, daß dem Königtum in Portugal ein Ende zu machen sei. Die Revolution fegte den König Manuel hinweg. Ob mit oder ohne Englands Einfluß ist die Stimmung im Landheere heute eine andere als damals. Man fordert wieder eine Monarchie. Die machtlose republikanische Regierung trat auf die Drohungen der Offiziere zurück und heute ist ein monarchistisch gesinnter Offizier, General Pimeta de Castro, Ministerpräsident. Er wird die wichtigsten Portefeuilles gesinnungsverwandten Offizieren übertragen, sodaß an der Wiederaufrichtung der portugiesischen Monarchie nicht zu zweifeln ist, wenn nicht unvorhergesehene Ereignisse eine neue Umwälzung herbeiführen. Die Zentralmächte und die Neutralen. Berlin, 28. Jan. Wie die„Nationalztg.“ aus guter Quelle hört, entbehren die Besorgnisse und Gerüchte, die in der letzten Zeit über die Haltung der neutralen Staaten sich bemerkbar machten, der Begründung. Für die Zentralmächte Deutschland und Oesterreich liegt kein Anlaß vor, unser Verhältnis gegenüber den neutralen Staaten anders zu beurteilen, als es vor dem Kriege geschehen ist. Man hat gerade in diesen Tagen infolge äußerer Vorgänge einen gewissen inneren Zusammenhang zwischen der politischen Haltung Italiens und Rumäniens zu konstruieren versucht und allerlei Rückschlüsse für bestimmte Möglichkeiten und Entscheidungen gezogen, die auf den Gang der internationalen Politik bestimmend einwirken sollten. Nach den von uns eingezogenen Erkundigungen ist weder in der Haltung Italiens noch in der Rumäniens irgend eine Aenderung eingetreten oder vorbereitet, die derartige Vermutungen rechtfertigt. Was ausländische Blätter über diese Frage geschrieben haben, sowie über angebliche Verhandlungen zwischen Wien und Rom, läßt sich darüber und Liebe. Roman von Käthe Lubowski. 6 In dem Testament hieß es dann noch weiter „Ich habe zu viel in der Ehe unter diesem Mann gelitten, als daß ich ihm ein Glück gönnen könnte. Ich weiß, daß sie ihm nicht begegnet ist! Aber wenn es so gewesen wäre— dann weiß ich auch, daß ich abseits bei dem Mahl, das für mich bereitet wurde, stehen und hungern hätte müssen. Sie hat nicht aufgehört, an ihn zu denken. Und dafür will ich mich rächen. Ebenso für all das, was ich entbehren mußte und gelitten habe, trotz ihres Besitzes! Mit meiner Verfügung appelliere ich an die Mutterliebe, die dem Sohne das nicht nehmen wird, was ihm von Gottes und Rechts wegen zukommt. Damit hoffe ich sie zu zwingen. Wenn mein Sohn dereinst zum Manne gereift sein und hiervon Kenntnis erlangen wird, versteht er mich sicher in diesem Gefühl des Hasses. Verzeihen wird er mir erst dann vollständig können, wenn er eine Frau findet, die er mehr liebt wie sein Leben und seine Seligkeit— die ihm gehört und doch nicht mit dem Innersten sein ist. Daß er vor diesem„Verzeihenmüssen" bewahrt bleiben möge, ist das Einzige, was ich jemals von meinem Gott erbeten habe. Gezeichnet Eckerhart Freiherr von Tarenberg." Das Blatt sank aus Hans Weddos Händen zu Boden. Ein Schluchzen kam aus seiner Brust. „Arme, geliebte Mutter,— was magst Du damals gelitten haben.“ Ihre matte, weiche Stimme begann wieder zu sprechen:„Jetzt kennst Du den Inhalt. Noch am nämlichen Abend, als ich von ihm mußte, habe ich unter Klarlegung des zwingenden Grundes— mein Jawort zurückgefordert. Dein Vater hat recht behalten als er an meine Mutterliebe glaubte. Ueber die Tage, die nun für mich hereinbrachen, laß mich schweigen. Ich erhielt keine Antwort auf meinen Brief. Der Empfänger erwies sich als ein feiner Diplomat, der einen systematischen Plan mit seinem Schweigen verfolgte. Ich mußte erst verzweifelt— des Willens beraubt— haltlos und mürbe sein, ehe er kam. Und das war ich denn auch. Er hat gebeten und gefleht, daß ich mich besinnen möge, ich bin hart geblieben. Er hat geweint wie ein Kind. Ich habe den Kopf geschüttelt und ihn von mir gewiesen! Da hat er es mit dem letzten verzweifelten Mittel versucht! Ich war ja so schwach und so willenlos nach dem allen. Und— siehst Du, Haus Weddo— da verlor ich meine Frauenehre und Würde." Sie schlug die Hände in heißer Scham vor das Gesicht. Er verstand sie nicht. „Warum, Mutter?“ Sie ächzte leise. Ihr Atem flog und ihre Wangen brannten. „Ich— gab ihm nach. Ein kurzer Rausch! Ich — ich— verstehst Du mich nun, Haus Weddo? Und diese Stunde ist die Sühne für meine Sünde!" Er war aufgesprungen und packte sie bei den Schultern. „Mutter— nimms zurück— sag, daß Du Dich geirrt hast— Mutter— gute, einzige Mutter— besinne Dich doch— das Fieber spricht aus Dir — es kann ja nicht wahr sein.“ „Doch ists wahr— tausendmal wahr!“ „Dann— will—ich— den— Namen wissen.“ „Den Namen, mein Kind— den nehme ich mit mir ins Grab! Was soll Dir der? Wozu hassen, wo ich doch nur lieben konnte? Aber ich bin noch nicht zu Ende. Es kommt noch schlimmer. Ichwar dem Wahnsinn nahe— ich ging auf Reisen— ich mußte vergessen. Aber ich konnte es nicht! Die Folgen stellten sich ein! Ich wurde— Mutter eines Mädchens. Er hat es niemals erfahren. Einen Augenblick gab es, wo die zertretene Frauenehre nach ihrem Recht schrie. Ein Wort— und ich wäre sein Weib gewesen. Das Wort blieb ungesprochen. Es war der Wille des Toten, der mich drohend und bittend zwang. Hatte ich ihn auch niemals mit der tiefen Frauenliebe geliebt— er war doch Dein Vater gewesen. Die Macht des Toten und die Macht des Lebenden— die Deine, mein Sohn— verdündeten sich mit einander und wurden zu dem starken Willen, der mein Herz bezwang. Wäre es anders gewesen, würde mir diese Stunde erspart geblieben sein. Ich übergab das Kind der Obhut meiner treuen Dienerin— Dorette Fiedler— die einzige, die um mein Leid wußte. Es wurde auf ihren Namen getauft und heißt„Nora.“ Sie lebte mit ihm in München, bis sie vor drei Monaten starb. Da übernahm eine andere— Frau Annette Hüssinger,— die ich bei meinen alljährlichen Besuchen als eine brave Frau kennen gelernt hatte, Noras Pflege. Ich hoffte immer noch, daß ich mich selbst von ihrer Tauglichkeit überzeugen könnte— aber es hat nicht sein sollen. Nun mußt Du es für mich tim, Haus Weddo,— denn sie ist mein geliedtes Kind, wie Du es bist und— Deine Schwester. Sorge für ste. Für ihr geistiges und leibliches Wohl. Das ist meine erste und letzte Bitte an Dich. Nein— doch nicht— aber willst Du mich, bevor ich weiter spreche, nicht einmal ansehen?“ „Ich— kann— noch nicht. Laß— mir Zeit.“ „Viel Zeit hast Du nicht mehr, mein Kind. Nun wohl— ich bitte Dich trotzdem— un das Köstlichste und Größte, was ein Mann zu vergeben hat— um Dein Ehrenwort, Hans Weddo.“ „Was soll Dir das?“ „Es soll mir zum ruhigen Sterben verhelfen. Ich fordere von Dir, daß niemand aus Deinem Munde erfährt, daß Du eine Schwester hast. Von Nora habe ich dies Versprechen. Ich weiß wohl, warum ich das tue. Kein Schein der Verachtung darf jemals auf meinen Namen fallen— um Deinetwillen. Denn Deine Ehre wurzelt in der mein en.“ Sie suchte mit dem alten zwingenden Blick seine Augen. Sehnsüchtig streckten ihre Arme sich nach ihm aus. Er aber sah starr gerade aus. „Dein—Ehrenwort— willich— HansWeddo,“ gurgelte sie,„ich fühle es— ich sterbe.“ Das Wort zerrt an ihm, es reißt ihn aus seiner Betäubung heraus. „Wenn.—Du— es verlangst— gut— so gebe ich Dir mein Ehrenwort, daß es so sein soll, wie Du es willst.“ „Ich danke Dir, Hans Weddo— aber warum gibst Du mir nicht mehr den Mutternamen, seitdem Du weißt?“ „Du— hast— ihn— wohl— nur überhört.“ „Vielleicht. Aber wennn es mich doch ruhig macht, so wiederhole ihn noch einmal.“ Er antwortete nicht. Sein Gesicht ist sehr blaß, nur seine Augen flammen. Ob sie denn nicht ahnt, was sie ihm zerbrochen hat. Seinen Glauben an die Reinheit, seine Kindheit, sein Paradies? „Wird Dir das Wort so schwer, mein Kind? Meinst Du, die Opfer, die ich Dir gebracht habe, sind nicht doch noch schwerer gewesen?" Es würgt in ihm. Es packt ihn an der Kehle und preßt ihm die Brust zusammen. Er kann das Wort nicht aussprechen, wenn er selbst wollte. Da geht ein Zucken durch ihren Körper. Die Angen werden starr. „So— sags— doch,“ keucht sie mit hörbarer Anstreugung. Da stürzt er auf die Knie,— wirft die Arme über ihr Lager und krampft seine Finger in ihr langes, schweres Haar. Er beißt in die Zipfel der seidenen Kissen. „Du— Du— mein— Junge.“ Da schreit er es heraus, wild, halb wahnsinnig von dem Kampf, der zwischen seinem Schmerz und dem gemißhandelten Glauben war. „Mutter. Meine geliebte Mutter.“ Sie richtet sich mühsam auf und lächelt ihn an. „Mein— guter— Sohn.“ Und er legte seinen Kopf an ihre Brust— mitten hinein in das rote, warme Herzblut, das tropkenweise über ihre Lippen fließt. 220.16 * ten bis oben mit die Stellung unwaren fluchtartig sie nun erst mit sie auf den nächtzengräben wieder its her von ihren lten. 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Erkundigungen ist noch in der Nug eingetreten oder ermutungen rechtr über diese Frage ngebliche Verhand, läßt sich darüber —Haus Weddo,“ erbe.“ ißt ihn aus sei— gut— so gebe so sein soll, wie — aber warum tternamen, seit- nur überhört.“ doch ruhig macht, sicht ist sehr blaß, denn nicht ahnt, ten Glauben an Paradies? der, mein Kind? r gebracht habe, esen?“ hu an der Kehle ten. Er kann das selbst wollte. Da per. Die Angen sie mit hörbarer wirft die Arme e Finger in ihr in die Zipfel der ge: halb wahnsinnig nem Schmerz und ar. tter.“ ind lächelt ihn an. ihre Brust— miterzblut, das trop220.16 zur sagen, daß es sich hierbei um Kombinationen handelt. Die augenblickliche Lage ist derart, daß nicht der mindeste Anlaß zu Besorgnissen vor neuen Verwiclelungen vorhanden ist und daß unsere Beziehungen zu den neutralen Staaten vom gleichen Heiste aufrichtigen Vertrauens getragen werden, der sie bisher ersüllt hat. Hollands wachsame Neutralität. Amsterdam, 28. Jan. Nach einer Meldung der Frankf. Ztg.“ wurde gestern in der zweiten Kammer beschlossen, die Landwehr unter den Fahnen zu behalten. Auch die weitere Einbehaltung der Miliz unter den Fahnen wurde beschlossen. Der Führer der Sozialisten, Troelstra, erklärte zu seinem Bedauern, daß ihm keine Gelegenheit gegeben worden sei, näheres über die Gründe der Regierung zu erfahren, die sie veranlaßten, die gesamte Mobilmachung beizubehalten. Die Rüstungen Rumäniens. tu Petersburg, 28. Jan. Wie der„Njetsch“ aus diplomatischen Kreien erfährt, mißt die russische Regierung den Rüstungen Italiens, Rumäniens und Griechenlands keine Bedeutung bei. Es sei nicht wahrscheinlich, daß diese Mächte in der nächsten Zeit am Kriege teilzunehmen beabsichtigten. Sie wollten bloß für den Augenblick gerüstet sein, wo sie ihre Forderungen stellen. Die Haltung Bulgariens. Rom, 29. Jan. Ein römischer Korrespondent hatte eine Unterredung mit dem bulgarischen Delegierten Genadiew, der in politischer Mission in Rom weilt. Dieser erklärte dem Korrespondenten, daß Bulgarlen seiner Freundschaft für die Zentralmächte unbedingt treu bleiben werde. Auch gegen die Türkei hege Bulgarien keine Angriffspläne. Ferner erklärte er die Behauptung der französischen Presse für unrichtig, daß er nach Paris gehe; er kehre über Wien nach Sofia zurück. 4 P Engländer beim werken von handoransten Unser Bild zeigt eine Szene aus den Schützengräben=Kämpfen in Flandern. Englische Truppen versuchen durch Schkeudern von Handgranaten vom Schützengraben aus das Vorgehen unserer Truppen Falkenhapns wirkliche Worte Die„Neue Pol. Korr.“ schreibt: Nach den von iuns an maßgebender Stelle eingezogenen Insormationen ist es unrichtig, daß der Chef des Generalstabes, General der Infanterie v. Falkenhayn, in seinem bekannten Interview gesagt haben soll: „Wenn wir in diesem Krieg auch untergehen sollten, dann werden wir in Ehren untergehen usw.“ Der Wortlaut seiner Bemerkungen war vielmehr folgender:„Nach meiner festen Ueberzeugung werden wir siegen; jedenfalls werden wir eher mit Ehren untergehen, als besiegt werden, denn wir werden bis zum letzten Mann kämpfen.“ aufzuhalten. Die Handgranate wird in diesem Kriege von allen Parteien beim Nahkampf verwendet und ist von fürchterlicher Wirkung. Die Zersetzung im russischen Heere. Aus Stadt und Umgebung. Ein Bericht des„Wolffschen Telegraphenbureaus“, den dieses auswärtigen Blättern zur Verfügung stellte, läßt einen Blick tun in die inneren Verhältnisse des russischen Heeres. Es heißt in dem Bericht: Auf dem östlichen Kriegsschauplatze in Polen herrscht Frühlingswetter, der sogenannte Frühling des Ostens, mit einigen Grad Wärme, Regen und Sturm. Aber an der ungarischen Grenze ist bereits Frost eingetreten und über Nacht können allerorten die Wege hart und fest sein, dann wird es sich zeigen, daß bei den Russen der Stillstand noch auf anderen Ursachen als auf dem Wetter beruhte, nämlich auf erzwungener Passivität der russischen Heeresleitung. Es ist bequem, aber lange nicht er' schöpfend, diese allein mit dem Fehlen eines strategischen Eisenbahnnetzes zu begründen. Nein, alle Anzeichen sprechen dafür, daß in großen Teilen der russischen Armee ein Geist herrscht, der den Führern nicht mehr erlaubt, den Truppen die mit großer Offensive verbundenen außerordentlichen Anstrengungen, Entbehrungen und Heldentaten zuzumuten. Alle Gefangenen, die bei den deutschen und österreichischen Armeen in großer Zahl eintrefsen, erklären übereinstimmend, die russischen Soldaten haben jede Lust an diesem Kriege verloren. seitdem das ihnen verheißene Wohlleben in Berlin und Wien zu Wasser geworden ist und seitdem sie wissen, daß die Barbaren die Gefangenen nicht schlachten, sondern besser behandeln, als sie im russischen Heere gewöhnt sind; denn dort wurden sie von den Offizieren mit Revolverschüssen vorwärts getrieben und waren nicht nur dem Hunger, sondern auch zahlreichen Krankheiten ausgesetzt. Wenn sie mun in den Gefangenenlagern auch noch vom Angezieser befreit werden, so empfinden sie es als einen Idealzustand, den viele von ihnen nicht einmal in Friedenszeiten kannten. Unter den russischen Soldaten, denen man das Ende des Krieges zur Jahreswende versprach, wird der Eindruck, daß jetzt ihre Armee am Ende der Kraft angelangt sei, durch den offensichtlichen Mangel an Waffen und Munition verstärkt. Es treffen Verstärkungen ohne Waffen ein, die auf den Tod oder Verwundungen der vorne Kämpfenden warten, was auf viele deprimierend wirkt. Eine höchst bemerkenswerte Bestätigung dafür, daß die Schilderungen Gefangener über den Geist der russischen Armee nicht übertrieben sind, wurde kürzlich bei einem Bataillonskommandanten des russischen 104. Infanterie=Regiments gefunden. Darnach sah sich der russische Hauptkommandierende aller Armeen an der Nordwestfront schon vor etlichen Wochen genötigt, einen sehr strengen Befehl gegen die überhandnehmende Drückebergerei, Flucht aus der Kampffront und Neigung zu Selbstverstümmelunen zu erlassen. In dem sehr charakteristischen Befehle heißt es wörtlich:„Dies beweist eine vollständige Zersetzung des militärischen Geistes und der Disziplin bei allen in Betracht kommenden Vataillonen und Kompagnien.“ Ich schreibe diese Erscheinung dem pessimistischen und bedrückten Geisteszustand der Kommandanten, dieser Truppenteile zu. Künftig werde ich alle Kommandanten, bei denen die Massenflucht der Mannschaft einen bedrohlichen Charakter anzunehmen beginnt, wegen dadurch bewiesener Unfähigkeit, Ordnung bei den Truppen zu halten, von ihren Posten ablosen lassen.“ Ferner wird im Befehl angeordnet, daß So!“ daten, die sich selbst die Finger der linken Hand durchschießen, um vom Frontdienst frei zu kommen, vot das Kriegsgericht gestellt werden. ** Schwerte, 29. Januar 1915. **(Anrechnung der Dienstzeit.) Amtlich wird mitgeteilt: Die während des Krieges abgeleistete Dienstzeit wird später auf die aktive Dienstzeit in Anrechnung gebracht. Dies gilt auch für die mit der Berechtigung zum einjährig=freiwilligen Dienst eingestellten Mannschaften. **(Behaltet das Federvieh!) Schon seit einiger Zeit geht hier und in den umliegenden Dörfern das undeklinierbare Gerücht, daß alle Gelügelzüchter demnächst zur Abschaffung ihres gesamten Hühnerbestandes bis auf einen Hahn und sechs Hühner aufgefordert werden würden. Daher hat sich der Vorstand des Verbandes der Geflügelzuchtvereine an die Landwirtschaftskammer der Provinz Westfalen um Aufklärung gewandt. Unterm 26. Januar schreibt die Landwirtschaftskammer folgendes:„Es ist nicht bekannt geworden, daß eine Abschaffung oder Verminderung der Gefkügelbestände behördlicherseits angeordnet wer' den wird; auch ist noch nichts verlautet, daß an maßgeblichen Stellen derartige Erwägungen gepflogen werden sollten. Es dürfte im Gegenteil angenommen werden, daß man bei dem Fortfall der ausländischen Eierzufuhr gerade auf eine Steigerung der inländischen Eierproduktion Wert legen wird, zumal ja auch die Verwundetenlazarette einen erheblichen Bedarf an Eiern haben.“ **(Im Silberkranz.) Das Fest der silbernen Hochzeit feiern am heutigen Tage die Eheleute Maurerpolier Gimbach, Hörderstraße Nr. 74 wohnhaft. Gleichzeitig ist der Silberbräutigam an diesem Tage 20 Jahre in den Diensten des Bauunternehmers Dietrich. Besten Glückwunsch! **(Nevision der Bäckereien.) Die hiesige Polizei hielt gestern in Begleitung zweier Innungsmitglieder eine Revision der Bäckereien und Brotniederlagen ab, um zu kontrollieren, ob die Bestimmungen des Bundesrats bezüglich der Mehlverbackung befolgt werden. Aus mehreren Geschäften wurden Proben entnommen, welche zur chemischen Untersuchung dem Untersuchungsamt in Dortmund übersandt werden. Es soll festgestellt werden, ob verbotswidrig Weizenmehl verbacken worden ist. Es wird sich empfehlen, in nächster Zeit auch die Privatbäckerei in dieser Hinsicht zu kontrollieren. **(Unfall.) Beim Eislaufen kam gestern nachmittag die 12jährige Schülerin Grete K. aus der Bismarckstraße so unglücklich zu Fall, daß sie einen komplizierten Bruch des linken Unterarmes davontrug. ** Westhofen, 28. Jan.(Gemeiner Diebstahl.) Der hierher kommandierten Bahnschutzmannschaft war vor einiger Zeit seitens der hiesigen Bahnmeisterei ein Ofen zur Verfügung gestellt worden, welcher an der Bahnunterführung nach der Borggräfe'schen Fabrik aufgestellt wurde. Nachdem der Ofen einige Zeit seinen Zwecken genügt hat, ist er jetzt von leider unerkannt entkommenen Spitzbuben gestohlen worden. Für die Ermittelung der Täter geeignete Angaben wolle man der hiesigen Polizeibehörde machen. ** Lichtendorf, 28. Jan.(Ein tapferer Krieger.) Der Kriegsfreiwillige Musk. Friedr. Bradel, Inf.=Reg. 114, 6. Komp., Konstanz, hat sich durch Tapferkeit vor dem Feinde das Eiserne Kreuz erworben. Zu gleicher Zeit wurde er zum Gefreiten befördert. Ergste, 39. Januar.(Die vorgestrige Kaisergeburtstagsfeier) düofte wohl der ganzen Gemeinde unvergeßlich bleiben. 7½ Uhr abends bewegte sich vom Vereinslokal des Krieger= und Landwehr=Vereins aus ein Festzug zum Kriegerdenkmal, wie wir ihn seit Jahren nicht gesehen. Voran schritten die Fackelträger der „Jungwehr=Kompagnie“. Dann folgten vollzählig der„Krieger= und Landwehr=Verein", Turnverein „Germania“ und Turnverein„Ergste“, die auch gemeinsam das Tambourkorps unter bewährter Leitung gestellt hatten. Am Denkmal schlossen sich der„Landwehr=Verein Bürenbruch“, der Turnverein„Grüne Eiche“, sowie die Fahnen der Gesangvereine„Sängerbund“ und„Eintracht“ an. Veteranen beider Kriegervereine legten am Denkmal während der Ansprache den Ehrenkranz nieder mit der Widmung:„Den Heldensöhnen unserer Gemeinde gewidmet von den vereinigten Kriegervereinen der Gemeinde Ergste.“ Nach dem Kaiserhoch begaben sich Vereine und Gemeindeglieder zur Teilnahme am Festgottesdienst in die Kirche, die selbst mit Ausnutzung des letzten Platzes die hineinströmende Menschenflut nicht zu fassen vermochte. Nach Schluß des Gottesdienstes traten die Vereine von Bürenbruch unter den Klängen des Marsches „Ich hatt' einen Kameraden“, den Heimweg an, während die übrigen Vereine sich dem Kriegerund Landwehr=Verein zu kurzer Nachfeier in seinem Vereinslokal anschlossen. Hier erfreuten die unter dem erprobten Taktstock des Hauptlehrers Schulte vereinigten Sänger der Gesangvereine „Eintracht" und„Sängerbund“, die Anwesenden noch durch den Vortrag patriotischer Lieder, die rauschenden Beifall fanden. Möge der Geist der Einmütigkeit und Eintracht, der diese Feier durchwehte, unserer Gemeinde und ihren Vereinen auch nach dieser schweren Prüfungszeit als dauerndes Erbe erhalten bleiben. * Iserlohn, 28. Jan.(Ein schreckliches Ende.) Im Mai v. J. wurde der Schachtmeister der Steinindustrie im nahen Lasbeck von einem Unbekannten, der ihm aufgelauert hutte, durch mehrere Schüsse verletzt. Der Täter hatte es auf eine größere Geldsumme abgesehen, die der Verletzte für die Löhnung bei sich trug. Nach längerer Zeit gelang es, den jugendlichen Heinrich Bethaen aus Oestrich als den Täter festzunehmen. Er wurde zu einer schweren Gefängnisstrafe verurteilt. Nun hat sich Bethgen in der Gefängniszelle mit Petroleum übergossen und dann die Kleidung angezündet. Er fand dabei den gesuchten Tod. — Fürsorge für mnsere Unter den vielen Vildern der Trauer, die unvermeidlich geworden sind in unseren Tagen, wird eines jedem unvergeßlich sein, der es einmal in einem Krankenhause oder sonstwo gesehen hat: Der stille angstvolle Blick desjenigen, dem eine glücklich verlaufene Operation zwar das Leben gerettet aber zugleich die Gewißheit gebracht hat, daß er dauernd verstümmelt sein wird. Es liegt stets wie ein Abschiednehmen in diesen Blicken. Abschiednehmen von dem früheren Leben, von der Arbeit, in der man glücklich war, mit der man sich und die Seinigen weiter bringen wollte in der Welt. Richt mehr arbeiten können! Den meisten ist's dann im ersten Augenblick, als sei das das gerettete Leben gar nicht wert, und es ist kein Wunder, daß viele sich von dem Gedanken hoffnungslos niederdrücken lassen. Sie hängen an ihrem Berufe, sie haben ihm Jahre und Jahrzente gewidmet, ihre Kräfte und Sorgen in seinen Dienst gestellt. Und der Gedanke, daß das vorbei ist, entlockt nachher manchem Tränen, der den feindlichen Gewehrläufen gegenüber ruhig und unbewegt blieb. Glücklicherweise gibt es Mittel, diese Tränen zu trocknen. Die Sorge für unsere verletzten und verstümmelten Krieger regt sich mehr und mehr im Deutschen Reiche; sie hat alle Kreise ergriffen, sie beschäftigt die Behörden, sie hat nicht nur eine Menge Vorschläge aus den Köpfen, sondern auch Geld aus den Taschen hervorgelockt. Und das ist notwendig. In einem der Vorträge, die kürzlich in Berlin in der Ausstellung für Verwundetenund Krankenfürsorge gehalten wurden(im Dezember, wenn wir nicht irren) äußerte Professor Biesalski, daß man die Zahl derjenigen Verwundeton, die als Krüppel zu betrachten seien, bereits auf 50 000 schätzen könne. Diese Zahl wird noch zunehmen. Es ist also schon ein nicht unansehnlicher Teil unseres Volkstums zum Opfer des Krieges geworden, und diesen Armen muß mit allen Mitteln geholfen werden. Die Aerzte und ihre Helfer richten nun mit aller Aufmerksamkeit ihre Bemühungen dahin, den Verstümmelten vor allem den Glauben und die Möglichkeit zu lassen, daß sie wieder in ihrem alten Beruf arbeiten können. Das ist wesentlicher, als sie in Invalidenhäusern unterzubringen, oder sie als müßige, verbitterte Renten=Empfänger inmitten einer tätigen Menge umhergehen zu lassen. Bei den Wunden, die die moderne Orthopädie vollbringen kann, können die Aerzte auch den Verletzten solche Aussichten mit gutem Gewissen eröffnen. In diesem Punkte sind wir unendlich weiter, als wir 1870 waren. Die großen ärztlichen Fortschritte, die wir im Frieden gemacht haben, die Art und Weise, wie wir diese Fürsorge auf alle Volksschichten ausgedehnt haben — ein soziales Moment, das im eigentlichen Sinne deutsch ist, tund das auch kein anderes Volk mitgemacht hat!— kommen uns jetzt zugute. Denn wir können jetzt aus diesen Friedenseinrichtungen, aus unserer Krüppelfürsorge, aus der Unfallverhütung vieles auf unsere Verletzten im Kriege anwenden. Es tritt hier auch ein psychologisches Moment in Frage. Es muß dem Verletzten früh, so früh wie möglich der Glaube beigebracht werden, daß er auch trotz eines abgenommenen Beines oder Unterarmes ein nützliches Mitglied der Menschheit bleiben kann, und daß man Arbeit für ihn finden wird. Sonst setzt sich das demütigende Gefühl, Almosenempfänger zu sein, bei ihm fest und bildet ein hinderliches Moment für die geistige und körperliche Wiederherstellung. Man wird ja auch oft bemerken, daß die Unwissenheit der Soldaten aus dem Volke über das, was geschickte ärztliche Behandlung und Pflege erreichen kann, groß ist; diese Unwissenheit muß man vor allem bekämpfen. Man wird nach der Wiederherstellung alles tun, um auch solchen, die nicht ihre volle Erwerbsfähigkeit wieder erlangt haben, Stellen und Arbeitsplätze offen zu halten; man tut aber auch gut, schon innerlich den, der etwa mit einem fehlenden Gliede ein neues Leben beginnen muß, darauf vorzubereiten, daß er deswegen kein minderwertiges Leben zu führen brauche. Immer wird es eine wesentliche Seite dieser Angelegenheit sein, alle öffentlichen Arbeitsnachweise, die wir bei uns haben, in den Dienst der In“ validen zu stellen. Der Vorstand des Verbandes deutscher Arbeitsnachweise hat sich schon mit dieser Angelegenheit beschästigt und seine rege Beteiligung in Aussicht gestellt. Und wie zu erwarten war, hat das Rote Kreuz sich auch gerührt und eine neue Abteilung errichtet, die sich besonders mit der Fürsorge für die Kriegsinvaliden befaßt. Diese will sich aller der Invaliden annehmen, bei denen nach vollständig beendigtem Heilverfahren feststeht, daß ihre Erwerbsfähigkeit beeinträchtigt ist, und für diese also etwas geschehen muß. Aus dem Zusammenwirken aller dieser Kräfte ist zu erwarten, daß wir diese große und wichtige Frage, wenn auch nicht restlos, so doch menschlich befriedigend lösen werden. Jedenfalls, wie es auch kommen möge,— den Invaliden, der den Leierkasten dreht, werden wir nach diesem Kriege nicht mehr sehen. Bekanntmachung. Auf Grund der neuen Hinterlegungsordnung vom 21. April 1913(G.=S. S. 125), der Ausführungsvorschriften dazu vom 5. Februar 1914(Just.= Min.=Bl. Nr. 6 von 1914 Seite 115 bis 144) und der Uebergangsbestimmungen(ebenda Seite 145 bis 152 sind vom 1. Oktober 1914 ab die König. lichen Amtsgerichte für sämtliche Hinterlegungssachen(mit Ausnahme der Lehns=, Familienfideikommiß= und Stiftungssachen) die zuständigen Hinterlegungsstellen geworden. Den Amtsgerichten steht vom genannten Tage ab auch die Verfügung über sämtliche noch nicht zur Auszahlung gelangten Massen zu, die bei uns seinerzeit hinterlegt worden sind. Wir sind zu solcher Verfügung nicht mehr zuständig und haben die für die Massen angelegten Hinterlegungsakten an die zuständigen Amtsgerichte abgegeben. An diese sind daher auch die Annahme= und Auszahlungsgesuche, sowie alle sonstigen einschlägigen Anträge zu richten. Hinterlegungs=Kassen sind in den bezeichneten Sachen an Stelle der Regierungshauptkasse die Gerichtskassen geworden. An diese sind die früher bei der Regierungshauptkasse verwahrten Wertpapiere und Kostbarkeiten und ebenso die am 1. Oktober 1914 dort noch vorhanden gewesenen Barmassen überwiesen worden. Die in Lehns=, Familienfideikommiß= und Stiftungssachen erfolgten Hinterlegungen haben wir gleichfalls sämtlich abgegeben und sie den Lehnhöfen und den Gerichtsbehörden, die die Aufsicht über die Familiensideikommisse und Stiftungen führen oder die Stiftungen verwalten, überwiesen. Die hiesige Regienung und die hiesige Regierungshauptkasse kommen hiernach für die Annahmeund Auszahlungsgesuche in Hinterlegungssachen überhaupt nicht mehr in Betracht. Arnsberg, den 10. Januar 1915. Königliche Regierung. Koilowski. Verantwortlich für die Redaktion Friede. Kraao. Drus u. Verlag ove Cael Praus, beide in Schwerte. Kholt&a Tappel. Spargel, Wiener, Reis. HInaUhburg Kartoffel, Erbs, Weibertreu, Königin, Geflügel, Pilz empfiehlt Carl Prog * Miu 140 Schöne * Eter von 5 Zimmern zum 1. April zu vermieten. Ostenstraße 35. Im Hause Schillerstraße 16 ist die 1. 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Die Rechnungen usw. für den bisherigen sind nicht mehr an den früheren Kassierer, Reklor Lecking. sondern an das Büro des Roten Kreuzes(Verwaltungssekretär Schulte)— neues Rathaus, Zimmer Nr. 10— abzugeden. Der Hilfsausschuß ist mit dem Ausschusse des Roten Kreuzes verschmolzen. Schwerte, den 25. Januar 1915. 489 Der Bürgermeister: Rohrmann. Bekanntmachung. Im Hinblick auf die außerordentlich große Bedeutung, die die Küchenabfalle für die Erhaltung eines möglichst großen Viehbestaudes und damit für die Ernährung des Voldes gewinnen lassen, ist der Sammlung und Verwertung der Küchenabfälle als Viehfutter besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden. Diejenigen Haushaltungen des hiesigen Stadtbezirks. welche derartige Küchenabfälle abzugeben haben und solche Haushaltungen, welche die Küchenabfälle für die Fütterung der landwirtschaftlichen Nutztiere verwerlen wollen, werden Versucht, entsprechende Anträge im Büro des Stadtsekretärs (Zimmer 19 neues Rathaus) zu stellen oder schriftlich dieses dem Unterzeichneten mitzutetlen. Schwerte, den 25. Januar 1915. 487 Der Bürgermeister: Rohrmann. Veranntmachung bekr. Arzneilaxe. Der am 1. Januar 1915 in Kraft tretende Nachtrag Deutschen Arzneitaxe 1914 ist in der Weidmann'schen 2 handlung in Berlin SW., Zimmerstraße 94, erschienen. Arnsberg, den 28. Dezember 1914. Der Regierungs=Präsident. I. V. Pfeffer. zur Zuch521 an Private Katalog frei Holzrahmenmatr., Kinderbetten Eisenmöhelsabriv. Subl i. Th. Meiallbetten welches melken kann gegen hohen Lohn gesucht. 523 Näheres Mährstraße 1. eut üe ache er [Technikum #1 Mittweida Direktor: Professor Holst. Höheres techn. Institut f. Elektro- u. 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Nee, aber ist mir das peinlich, daß ihr den nun auch noch auf den Hals berommt.“ Daß es uns nicht peinlich sei, konnten wir nicht behaupten. Jedenfalls wünschten wir den dicken Meyer samt dem guten Slabinsky ins Pfefferland oder sonstwohin. Wir Hötigten auch den guten Stabinsky mit wütendem Ingrimm zum Bleiben. Und guch er blieb. Erich Holzhausen holte noch zwei Gläser und wollte gerade den Deckel von der Terrine heben, um den lieblich dustenden Trank einzufüllen, als es zum dritten Male klingelte.—— „Pech und Schwesel!“ entfuhr es ihm wild.„Nun hört der Spaß aber auf. Meyer und Slabinsky, ihr müßt einsehen, daß wir auf weitere Teilnehmer verzichten mussen, sonst bekommen wir schließlich gar nichts von unserer Bowie. Tut uns also den Gefallen und verschwindet mit der Bowle in mein Schlafzimmer. Wir werden den neuen Besuch kurz abfertigen, und dann kann's endlich losgehen. Meyer und Slabinsky gaben ihrer Zustimmung Ausdruck und waren im nächsten Augenblick unter Mitnahme der Bowle im Nebengemach verschwunden. Wir beeilten uns, die Spuren, die auf die Zubereitung einer Bowle hätten aufmerksam machen können, so schnet wie möglich zu verwischen. Die Weinflaschen kahren unter das Sofa, die Pfirsichsteine steckte ich mir in die Tasche. Donn nahm ich eine höchst harmlose Miene an und setzte mich wieder in meine Sofa=Ecke, während Erich Holzhausen öffnete. (Schluß, folgt.) Iimeum. die Wage unter dem vierten Konsulate des Kaisens Marcus Aurelius Antonius. und unter dem zweiten seines Mitregenten Lucius Aurelius Verus im Jahre 161 auf dem Kapitol geaicht worden ist. Die Normalgewichte wurden nämlich aufbewahrt. Wagen mit solchen Inschriften sind überaus selten. Die Gewichte solcher Wagen haben mannigfaltige Formen; neben solchen in Kugel=, Oliven= und Gichelgestalt treten figürliche, die Büsten von Göttern, anderen mythologischen Wesen und Kaisern darstellen und zum Teil schöne Werke antiker Kleinplastik sind. Während die erste im Tiber; gefundene Wage keins solcher Gewichte aufweist, hängt an der zweiten, die aus„Pergamon stammt, als Gewicht: die Figur eines unbartigen Mannes, der auf einem Stuhle ohne Lehne sitzt, in der rechten Hand eine Kugel hält und die linke auf den an den Stuhl gelehnten. ovalen gebuckelten Schild stützt. Um den Kopf trägt er ein durch senkrechte Kerben gegliedertes Diadem; der Oberkörper ist nackt; um die Beine ist ein Gewand geschlagen, und es wird so die Tracht eines Heros oder Gottes angedeutet. Die Figur stellt offenbar einen Kaiser dar, und zwar werden wir in dem Urbild dieses Gewichts keinen andern als Konstantin den Großen zu sehen haben. Antike Schnellwagen im Berliner Museum. Die Form der Wage, die auf der Benutzung der Hebelkraft beruht, und die noch heute bei uns, aber namentlich noch mehr in den südlichen Ländern im Gebrauch ist, wird nach ihrer Herkunft„römische Wage“ genannt. Sie erspart den ganzen Gewichtssatz und ist besonders beim Marktverkehr in Anwendung, wo, es auf peinlich genaue Feststellung des Gewichtes nicht ankommt. Das Altertum verwendete solche Wagen auch für sehr große Lasten. Zwei solcher antiker Schnellwagen, die besonders wegen ihrer vorzüglichen Erhaltung wertvoll sind, gelangten in den Besitz des Berliner Aquariums und werden von Dr. Robert Zahn in den Amtlichen Berichten aus den königlichen Kunstsammlungen eingehend geschildert. Die Hauptmerkwürdigkeit der ersten Wage beruht in der auf dem breiten Teile des Balkens eingeschlagenen, auf beide Seiten verteilten Inschrift, nach der Ratsshläte ürs haus von Loung Umtent. Nachtlicht. Wenn man ein kleines S##k Kampfer in ein Glas Wasser wirft, so schwimmt es auf der Oberfläche, und wenn man es anzündet, gibt es ein gutes Nachtlicht, um so mehr als Kampfer ein ausg zeichnetes Desinsektionsmittel und sein Grruch darchaus nicht unangenehm ist. Um Ameisen aus der Speisekammer zu vertreiben, wasche man die Bretter ab, dann tauche man einen kleinen Pinsel in reine Karbolsäure und bestreiche die Ränder der Bretter und den unteren Rand der Tür. Dies ist ein ganz sicheres Mittet, und der Geruch wird von den meisten Leuten nicht unangenehm empfunden. Beim Genuß von Obst aus Blechbächsen verfahre man, um jede Gefahr für die Gesundheit zu vermeiden, folgendermaßen: Man gieße alle Flüssigkeit in eine Kasserolle und füge einen Eßlöfiel feinen Zucker hinzu. Dies bringe man zum Kochen, lege dann die Früchte hinein und lasse sie in dem Sirup erkalten. Durch diese Behandlung wird alles allenfalls Schädliche vernichtet, ohne daß der Geschmack der Früchte darunter leidet. Dumor. Ueberstunden. Ein bekannter Schauspieler ließ sich eine Billa bauen. Eines Tages fragte er die Arbeiter, ob sie ihn vielleicht gern einmal spielen sehen würden, und schenkte ihnen eine Anzahl Biklette für das Theater, an dem er beschäftigt war. Die Leute erschienen auch alle, und der Künstler freute sich, daß sie so viel Interesse zeigten. * Wie erstaunte er aber, als ihm am nächsten Samstag die Lohnlisten vorgelegt wurden und er bei jedem Arbeiter, der im Theater gewesen, den Vermerk fand:„Am Mittwochabend vier Ueberstunden im Theater— 3,20 Mark.“ ∆ 5 * S#8. Ssagg 26— Se.„S gage. SSFgss S n 7 0—- 8•□ TaBuSn 20K GSSRR TSRTE S. 8 836 S 5 2 #o i S S9E 98281 8“ 2 Amtliches Kreisblatt für den Kreis börde 46. Jabrgang O Grlles und diteltes Cagesergan des Kreues. O Haupt-Annoucenblau Unterhaltungs=Beilage zu Nr. 24. Freitag, 29. Januar 1915. Imn Clettcnerana. Original-Kriegeroman aus ernster Teit von Rudolf Jollinger. (1. Fertsetzung.)(Nachdruck verboten. Alle Rechte vorbehalten.) so hart?" fragte „Aus seiner ZugeVolke, dem man entgegenzubringen arum urteilen Sie Hertha von Raven. hörigkeit zu einem keine Sympathien vermag, darf man doch schließlich dem einzelnen, der sich nichts zuschulden C kommen läßt, keinen Vorwurf machen. Als Angehörige einer Familie, die seit vielen Generationen hart an der russisch=preußischen Grenze ansässig ist, habe ich in meinem Elternhause gewiß nicht gelernt, unsere slavischen Nachbarn zu lieben. Aber das hindert mich doch nicht, den einen oder den andern schließlich ganz nett zu finden.“ „Herrn Wladimir Makarow zum Beispiel?“ Es war ein unverkennbarer Klang von Eisersucht in der Frage gewesen, und Hertha von Raven schien davon ein wenig belustigt, denn nachdem sie mit einem raschen Seitenblick über sein Gesicht hingestreift war, erwiderte sie leichthin: „Er hat mir in der Tat bis jetzt keinen Anlaß gegeben, mich über ihn zu beklagen. Er ist die Zuvorkommenheit und Bescheidenheit selbst. Außerdem bildet er sich— in erfreulichem Gegensatz zu manchem andern— auf sein Talent offenbar nicht das mindeste ein. Und doch hält ihn Professor Grünwald sicherlich mit Recht für einen seiner begabtesten Schüler.“ „Er wird es nach meiner Ueberzeugung nie zu einem bedeutenden Künstler bringen. Dazu ist er eine vel zu kraftlose Persönlichkeit. Alles an dem Menschen ist weichliche, süßliche Sen imentalität. Er gehört allem Anschein nach zu jener Sorte seiner Landsleute, von denen man immer liest, daß sie bei jedem möglichen und unmöglichen Anlaß in Tränen der Rührung zerstehen. I „Was keineswegs ausschlosse, vaß vie er namliche Wladimir Makarow eines Tages kalten Blutes und mit ruhiger Ueberlegung irgend etwas Schreckliches tun könnte.— Nein, Sie brauchen nicht so spöttisch zu lachen, Herr Leuthold! Sie kennen die Russen eben nicht, wie ich sie kennen gelernt habe. Sie können in der einen Stunde schwach und sanftmütig sein wie kleine Knder, in der nächsten aber grausam und blutdürstig wie wilde Tiere. Nie wird es einem Deutschen gelingen, sich mit dem Rätsel des russischen Charakters abzufinden.“ „Nun, mir für meine Person würde es auch kaum jemals der Mühe wert sein, mich mit der Lösung dieses herzlich bedeutungslosen Rätsels zu befassen. Die Hauptsache ist, daß unsere lieben östlichen Nachbarn uns nach Möglichkeit mit ihrer Gesellschaft verschonen. Von ihren Stammverwandten aus dem Balkan gar nicht zu reden.“ „Ich weiß, daß Sie Herrn Milan Georgewitsch nicht leiden mögen. Sie haben es ihm ja bei jeder Gelegenheit deutlich genug gezeigt. Und ich gestehe, daß er auch mir zuweilen ein bißchen unheimlich st. Namentlich, wenn er so finster vor sich hinbrütet, als wäre sein Geist mit den schwärzesten Plänen beschäftigt. Wissen Sie, woran ich dann immer denken muß?" „Nun?“ „An die schrecklichen Menschen, die eines Nachts in das Schlufgemach des unglücklichen Königs Alexander drangen, um ihn und seine Frau hinzumorden. Gerade so wie Herrn Milan Georgewitsch muß ich mir diese Offiziere vorstellen" „Aus dem nämlichen Holze werden sie wohl auch geschnitzt gewesen sein. Um so weniger aber kann ich es verstehen, daß Sie den Serben wie den Russen bisher noch immer mit einer ganz unverdienten Liebenswürdigkeit behandelt haben.“ „Keiner von ihnen ist mir jemals zu nahe getreten oder hat sich irgend etwas gegen mich herausgenommen. Und so oft ich mit ihm spreche, sage ich mir immer wieder, daß ich Herrn Georgewitsch mit jenem Vergleich sicherlich schweres Unrecht zufüge. Die Mörder, die den Körper der unglücklichen Draga mit ihren Revolverkugeln und ihren Degenstichen durchlöcherten, waren nach allen Berichten rohe, ungebildete Trunkenbolde; Georgewitsch aber ist ohne Zweifel ein Mann von gründlichem Wissen und scharsem Verstande.“ „Zwei Vorzüge, die ihn zum Spion ja ganz besonders geeignet machen würden.“ „Wie?— Sie halten ihn für einen Spion?" „Ich sage nicht, daß ich ihn dafür halte, denn ich habe keine Beweise. Aber vom ersten Augenblick an fühlte ich ein instinktives, ganz unüberwindliches Mißtrauen gegen den Menschen. Es hat doch sicherlich seine besonderen Gründe, daß er sich während der letzten zwei oder drei Jahre schon in allen möglichen österreichischen und deutschen Großstädten aufgehalten hat. Und sein Malstudium ist nichts weiter als ein Vorwand. Er hat ohne Zweifel viel mehr Talent zum politischen Intriganten als zum Maler. Und ich möchte Sie recht dringend bitten, vor ihm auf der Hut zu sein.“ Ein Atemzug wie ein Seufzer hob die Brust des jungen Mädchens. Ohne die Augen von ihrem jetzt nahezu vollendeten duftigen Werke zu erheben, sagte sie nach einem kurzen Schweigen: SES Sests:eSE SEGTS S S2 5583 6E 45 S S a a UFSn 9 S STHS * 5.9 Sog S 0 ####g„g, USSGEBGEEBGESSASStn AE S 58 58 S K 8 8— S Ogig g SSESSES Se#yeeßs S SEEREE 25 8 ## S.—** EEZEE 2 „Die Warnung wird für mich kaum noch eine praktische Bedeutung gewinnen. In wenigen Tagen schon sage ich ja dem schönen München Lebewohl—, vermutlich auf immer.“.. g 145219#uf, Wie auf ein Alarmsignal war Erich Leuthols aufgesprungen. Seine gebräunten Wangen hatten sich noch dunkler gefärbt von jäh aufsteigendem Blute. „Was sagen Sie da?— Sie wollen fort? In den nächsten Tagen schon? Und davon haben Sie bisher mit keiner Silbe gesprochen?“ „Ich erhielt den Brief meines Vaters, der mich zur Heimkehr auffordert, erst gestern abend. Es war eine große Ueberraschung für mich; aber die Gründe sind so tristige, daß ich mich ihnen ohne Widerspruch „und Ihre Kunst?— Ihr Studium? Sie wollen es auch nach den Ferien nicht wieder aufnehmen?" „Dazu wird mir kaum eine Möglichkeit gegeben sein. Und wenn ich jemals wieder Zeit finden sollte, mich mit der Malerei zu beschäftigen, so wird es doch sicherlich nicht in München sein können.". Sie schien ihren Vorsatz, den heutigen Tag in eitel Fröhlichkeit zu verbringen, mit einem Male ganz vergessen zu haben, denn es lag wie ein Schatten über ihrem seinen Gesicht, und die Hände mit dem Blumensträußchen ruhten müde in ihrem Schoße. Mit ernstem, verträumtem Blick waren ihre schönen Augen in das grüne Blättergewirr gerichtet. Erich Leuthold aber gab sich nicht die geringste Mühe, seine gewaltige Erregung vor ihr zu verbergen... i nigt sein iu iet „Aber das kann— das darf ja nicht sein! rief er. „Wie sollte ich es denn ertragen, Sie nicht mehr zu sehen?“ Da stand Hertha von Raven mit einer schnellen Bewegung auf und wandte sich zum Gehen. „Wir müssen die anderen wiederzufinden suchen, Herr Leuthold,“ sagte sie hastig.„Ich möchte nicht, daß man erst auf unsere lange Abwesenheit aufmerkam wird.“,„ 14 fcb „Ach, was liegt daran! Ich bitte Sie— ich stehe Sie an: laufen Sie mir nur setzt nicht davon! Wer weiß, ob ich noch einmal Gelegenheit finden würde, unter vier Augen mit Ihnen zu sprechen!" Er hatte sich ihrer Hand bemächtigt, aber sie machte einen energischen Versuch, sie zu befreien. „Aber was hätten Sie mir denn auch zu sagen?“ protestierte sie, während ihre Züge einen erschrockenen und ängstlichen Ausdruck annahmen. Und mit einem gezwungenen Versuch, einen leichteren, scherzenden Ton anzuschlagen, fügte sie hinzu: „Wir haben ja keine staatsgefährlichen Geheimnisse miteinander.“ Ihr Bemühen, die schlanken Finger aus seiner kraftvollen Rechten zu lösen, war vergeblich geblieben, und plötzlich gab sie es auf. Erich Leuthold hatte sich über sie herabgeneigt, und als ihre Augen den seinigen begegneten, war es, als sei mit einem Male alle Kraft des Widerstandes von ihr gewichen. „Keine Geheimnisse?" flüsterte er.„Hertha— liebe, geliebte Hertha— haben wir nicht das allersüßeste Geheimnis miteinander, das es zwischen zwei Menschenkindern geben kann? Weißt du denn nicht, wie unaussprechlich gut ich dir bin?" „Nicht doch!“ hauchte sie, als er sie näher an sich zog, und ihr Gesicht war wie mit Blut übergossen. Aber es war schon kein ernstliches Sträuben mehr, und eine Sekunde später ruhte ihr Köpfchen an seiner Schulter. Ihre Augen hatten sich geschlossen, und von Zeit zu Zeit ging es wie ein leichtes Erschauern über ihren Körper unter den stürmischen Liebkosungen und unter der Flut zärtlicher Worte, mit denen er sie überschüttete....106 Mir: Ea# „Hertha— meine Hertha— sage mir: hast du mich lieb?“ Da blickte sie noch einmal mit einem sinnbetörenden Lächeln zu ihm auf, und wie ein Hauch kam es von ihren feuchtschimmernden Lippen: „Ja, Erich, ich habe dich lieb.“ Nun zum ersten Male bot sie ihm ihren jungen, frischen Mund zum Kusse. Und Wladimir Makarow mochte wohl recht gehabt haben, als er vorahnend sagte, daß die Glückseligkeit dieser Stunde für Erich Leuthold überreich alles Verderben aufwiegen müsse, dem er vielleicht um dieser einen berauschenden Stunde willen entgegenging.„ A 16 Frich mit bes Ein großer dunkter Voger strich mit heiserem Schrei dicht über den Baumwipseln dahin, und der junge Maler fühlte, wie das geliebte Mädchen, das er in wonniger Weltvergessenheit umschlungen hielt, an seiner Brust in jähem Erschrecken zusammenfuhr. Er wollte sie fester an sich ziehen, um sie mit einem kosenden Wort zu beruhigen; aber sie riß sich los und wich von ihm zurück. „Um Himmels willen, was habe ich getan?“ „Nichts, das du nachträglich bedauerst, wie ich hoffe, mein süßes Lieb! Wir haben uns doch nur kundgegeben, was wir beide längst gewußt haben. Und nun— nun bin ich der glücklichste Mensch auf der Welt. Kann das für dich etwa ein Grund sein, dir Vorwürfe zu machen?" Hertha von Raven hatte sich an einen Baumstamm gelehnt und legte die Hand über die Augen. „Ah, du weißt ja nicht—“ stammelte sie.„Es ist ja doch alles unmöglich. Wir können nie zueinander kommen— nie— nie!“ Er sah wohl für einen Moment sehr betroffen aus, aber im nächsten schon hatte er die Wirkung ihrer Worte wieder von sich abgeschüttelt. In strahlender Zuversicht und Glücksgewißheit lächelte er sie an. „Das laß nur getrost meine Sorge sein, Schatz! Bin ich auch kein goldstrotzender Prinz aus dem Morgenlande, für den keine Königstochter zu gut wäre, so meine ich mich dach zur Not vor jedem künftigen Schwiegervater sehen lassen zu können. Oder sind die Ravens so adelsstolz, daß ein bürgerlicher Eidam von vornherein als eine Unmöglichkeit angesehen würde?“ Sein fröhlicher Ton übte keine ansteckende Wirkung auf das junge Mädchen. Mit tiefernster Miene schüttelte sie den Kopf. „Es ist nicht das,“ sagte sie leise,„oder doch nicht das allein.— Ich habe ein großes Unrecht begangen, als ich dich— als ich Sie für einen Augenblick glauben ließ, daß ich Ihnen jemals angehören könnte. Ich weiß nicht, wie es möglich war, daß ich mich so ganz vergessen konnte. Und ich bitte Sie inständig, mir zu verzeihen.,.— mis Litt arnst ihre B. Nun erst begriff er, wie titter ernst ihre Rede gemeint war, und noch einmal bemächtigte er sich trotz ihres Widerstandes mit Ungestüm ihrer beiden Hände. „Hertha, was heißt das? Wie soll ich das verstehen? Begreifst du denn nicht, daß ich dich jetzt nicht wieder hergeben kann und nicht wieder hergeben will, müßte ich auch eine ganze Welt zum Kampfe herausfordern, um mir deinen Besitz zu sichern! Welche Hindernisse könnten sich zwischen uns stellen, die sich nicht überwinden ließen? Wer hätte die Macht, uns auseinander zu zwingen?“ „Ich bin nicht mehr frei, Erich— ich bin an ein gegebenes Wort gebunden. Und ich weiß, daß der, dem ich mich angelobt habe, mir niemals gutwillig meine Freiheit wiedergeben wird.“ Leuthold ließ ihre Hände fahren und taumelte um einen Schritt zurück, wie wenn ihm ein betäubender Schlag mitten vor die Stirn versetzt worden wäre. „Verlobt?“ wiederholte er.„Du— du gehörst einem andern? Und das— das konntest du mir verschweigen?“ (Fortsetzung folgt.) Denkspruch. Dian setze Leid und Blut, Kraft, Macht, Gewalt und Gut, Dein Uaterland zu retten! Hans Sachs. Die Humoreske von Fritz Gantzer. (Nachdruck verboten.) Wir kamen aus einem Restaurant im Norden der Residenz und strebten mit Schritten, die müden Leuten eigen sind, unseren in einer Straße gelegenen Junggesellenwohnungen zu. Müde waren wir aus doppelten Gründen. Erstlich lag die Werktagsarbeit in dem Bureau einer Versicherungsgesellschaft hinter uns, und zweitens hatten wir in dem obenerwähnten Restaurant zur Feier des Geburtstages eines Mitgliedes aus unserem Segelklub eine etwas ausgedehnte Sitzung absolviert. Der feuchtfröhliche Abend hatte mit dem Trinken einer Bowle seinen würdigen Abschluß gefunden. Wenigstens glaubte wohl der Gastgeber, mit diesem Schlußeffekt das Prädikat„würdig“ für das Ende der Feier erworben zu haben. Aber wir dachten anders. Denn die Bowle hatte scheußlich geschmeckt. Ganz entschieden scheußlich. Ueberhaupt nicht wie eine Bowle. Eher als ein Gemisch von allerlei Unmöglichkeiten, fast so wie Spülwasser.— Brr! Wir schüttelten uns beide in dem Gedanken an das Zeug, das seinen Weg durch unsere Kehlen genommen hatte, und waren uns darin einig, daß es Blödsinn sei, ein Getränk wie diese „Bowle“ überhaupt Bowle zu nennen. Als wir in die Straße einbegen, in der unsere Wohnungen lagen, nahm mein Freund Erich Holzhausen meinen Arm und sagte:„Du, Fritz——“ Ich wußte schon, daß diese beiden einleitenden Worte der Anrede, in diesem Tonfall gesprochen, irgendeinen Vorschlag im Gefolge haben würden. Obgleich ich nun in der späten Nachtstunde und mit einem sonderbaren Gefühl des Unbehagens in der Magengegend— natürlich die Folge der nichtsnutzigen Bowle— die Zeit für schlecht gewählt hielt, um Vorschläge zu machen, sagte ich, vorter ein entsetzlich langes Gähnen in Szene setzend:„Bitte, schieß los!“ Und da kam er wirklich mit einem Vorschlag. „Gibt es wohl schon Pfirsiche?“ fragte er zunächst. Meine pomologischen Kenntnisse sind nicht die besten. Ich glaube, es würde mir kaum möglich sein, einen Pfirsichbaum von einem Apfelbaum zu unterscheiden, Nota beue, wenn beide nicht Früchte tragen; denn Aepfel und Pfirsiche kann ich auseinander halten. Auf die Frage meines Freundes Holzhausen glaubte ich aber mit einem„Ja“ antworten zu können. Bekam ich doch in früheren Jahren von einem Onkel mütterlicherseits im August immer einen Kord Pfirsiche als Präsent übersandt. Und da wir im August waren, mußten diese Früchte wohl schon reif sein. „Natürlich gibt es die schon, das weiß doch jedes Kind," brüstete ich mich mit meinen Kenntnissen.„Aber weshalb fragst du?“ „Ja; die Bowle heute abend hat mich zu dieser Frage angeregt. Denke dir doch einmal, wie nett es wäre, wenn wir uns beide so ganz entre neus an einem der nächsten Abende eine schöne Pfirsichbowle brauten." „Der Gedanke ist gut,“ gab ich zu,„aber...“.— „Kein Aber. Du meinst natürlich, wer die Sache bezahlen soll. Diesen wunden Punkt wollen wir gleich deinen Vorwann?" erledigen. Ich werde alles Nötige kaufen, du brauchst nur beim Trinken zu helfen.“ Da ich Extravaganzen bei meinem sparsamen Freunde Erich noch nie kennen gelernt hatte, mußte diese Bereitwilligkeit, sich in Unkosten zu stürzen, natürlich meine Verwunderung erregen, und ich sagte ihm dies auch ohne weiteres ganz frank und frei. „Na ja,“ meinte er.„Du hast ja recht. Lieber drehe ich den Zehner dreimal in der Hand um, als zweimal, ehe ich ihn ausgebe. Aber ich werde in diesem Jahre nicht reisen, und da kann ich schon einmal einen kleinen Fuchs abstoßen.“ „Topp!“ sagte ich.„Ich akzeptiere schlag, ehe es dir wieder leid wird. Also „Meinetwegen gleich morgen abend.“ „Gut. Auf deiner Bude, nicht wahr?“ Wir standen schon vor dem Hause, in dem ich wohnte. „Ja, komm zu mir herum,“ antwortete Erich und gab mir die Hand,„denn jedenfalls bist du infolge deiner bekannten Ordnungsliebe nicht empfangsfähig, und großes Reinemachen sollst du nicht erst veranstalten. Aber etwas mußt du auch tun. Du kannst die Pfirsiche in der Markthalle kaufen und das Geld dafür vorläufig auslegen. Ich habe morgen nicht viel Zeit, um die Früchte selbst zu besorgen.“ Ich war natürlich sofort bereit, und mit einem „Wiedersehen auf morgen abend!" trennten wir uns. Wir waren im besten Gange. Erich Holzhausen, natürlich in Hemdsärmeln, goß eben die zweite Flasche Rüdesheimer auf die sauber zubereiteten Früchte und gab mir den Auftrag, die Flasche Rotwein zu entkorken. „Ah! Das duftet!“ sagte ich, als ich die Ilasche zwischen meine Knie preßte, um sie auszuziehen, und dabei der Terrine mit meiner Nase ganz nahekam. „Prächtig!“ bestätigte Erich Holzhausen und ließ den Rotwein bedächtig in das Gefäß kluckern.„So, nun eine kleine halbe Stunde, dann können wir den Stoff auf seine Trinkbarkeit prüfen.“ Wir setzten uns auf das Sofa und liebäugelten in Gedanken an die Genüsse, die unserem Gaumen nun in Bälde beschieden sein sollten, mit der dickbauchigen Terrine. Da klingelte es. „Das wird die Frau sein, die meine Wäsche bringt,“ sagte Erich Holzhausen und ging, um zu öffnen. Ich atmete beruhigt auf, denn ich hatte schon geglaubt, daß ein unberufener Dritter in unseren intimen Kreis dringen könnte. Da hörte ich auf denk Flur eine sonore Stimme, die unmöglich mit der der Waschfrau identisch sein konnte und auch Erich Holzhausens Stimme nicht war. Sollte doch....?— Wahrhaftig! Da schob sich die vierschrötige Gestalt unseres Kludmitgliedes Waldemar Meyer durch die Tür. Hinter ihm trat achselzuckend, mit einem süßsauren Gesicht Erich Holzhausen ein. „Es tut mir unendlich leid, daß ich störe,“ entschuldigte er sich und verschlang dabei fast die Terrine mit seinen Augen.„Aber ich hatte eine notwendige Frage an Erich, und da ich gerade vorüberging und das Licht sah, kam ich mit herauf. Ich gehe natürlich sofort wieder.“ Er musterte die Weinflaschen, die noch auf dem Tisch standen, und zog den Atem an. „Das riecht gut,“ sagte er lüstern und nahm trotz der Versicherung, gleich wieder gehen zu wollen, breitspurig Platz. „Alter Filou!“ dachte ich ingrimmig,„dich werden wir nicht wieder los.“ Und Erich Holzhausen mußte wohl Aehnliches denken; denn er brachte mit heiserer Stimme seine Einladung zum Bleiben an. Waldemar Meyer blieb. Während Erich die Jalousien herabließ, damit der — Sesce cee cc eche