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Nr. 273

Samstag, den 21. November 1914.

46. Jahrgang.

set

der Schlacht in Enfsisch Prien!

Russischer Rückzug in Polen!

ten sich die Russen einer unbesetzten Feldbefestigung

hat dadurch eine ungefähre Kenntnis der ganzen Wasserverhältnisse. Er lenkte die Aufmerksamkeit

Großes Hauptquartier, 20. November. In Westflandern und Nordfrankreich keine Veränderungen. Der aufgeweichte und hart­gefrorene Boden und Schneesturm bereiten unseren Bewegungen Schwierigkeiten.

Ein französischer Angriff auf Com. bres, südöstlich Verdun, wurde abgewiesen.

An der Grenze in Ostpreußen ist die Lage unverändert.

Wien, 20. Novbr. Amtlich wird verlautbar vom 29. mittags: Auch gestern hatten die Ver­bündeten in Russisch=Polen überall Erfolge. Die Entscheidung ist noch nicht gefallen. Die Zahl der gefangenen Russen nimmt zu. Vor Premyst erlitt

Oestlich der Seenplatte bemächtig.

dung gefallen.

Schwere Verlaste der Aassen vor Przenhst.

der Feind bei einem sofort

Die Erschutletung Fraltnreicht!

Mailand, 20. Nov.(Nicht amtlich.) Der Mili­tärkritiker Angelos Gati meint im„Corriere de la Sera", daß Frankreich heute nur noch Defensivkraft besitze und das fran­zösische Heer sehr erschüttert sei. Die gesamte französische Kampsesweise habe den Vor­teil, daß die französischen Offiziersverluste nicht so groß seien, wie die dautschen. Sehr beträchtlich seien

Neuer Rampf auf der Einie Hpern Ta Basser!

und der darin stehenden alten unbeweglichen Ge­schütze.

Die über Mlawa und Lipno zurückgegan­genen Teile des Feindes setzten ihren Rück. zug fort. Südlich Plock schritt unser Angrisf vor. In den Kämpfen um Lodz u. südlich Tschenstochau ist noch keine Entschei­

abgeschlagenen Ver­such, starke Sicherungstruppen näher an die Süd­front der Festung heranzubringen, schwere Verluste. Der stellvertretende Chef des Generalstabes: von Höfer, Generalmajor.

aber die Verluste der Franzosen durch Krankhei­ten. Die Kavallerie und Artillerie litten sehr unter der Sterblichkeit der Pferde. Um die Trup­penlücken auszufüllen, habe man Männer im Al­ter von über 47 Jahren zum Eintritt aufgefordert. Auch England, so meint der betreffende Militär­kritiber, habe gegenüber der lebenden Kraft der Deutschen nur Defensivkraft.

Totenfest.

Dieses Jahr hat das deutsche Volk ein ganz be­sonders trauriges Totenfest. Durch das ganze Land ertönt für diesmal ganz besonders erschütternd die Totenklage. Es fielen viele Tausende blühender Menschen auf weitem Schlachtfeld wie Garben hin­ter dem Schnitter. Und die Trauer drang ein in die Hütte, drang ein in den Palast. Die Augen von tausend und abertausend zerfließen in Tränen bei Tag und bei Nacht. Am Totenfest wird der Schmerz von neuem wirksam. Der Vater, der Bru. der, der Mann, der Sohn, sie zogen hinaus mit frohem Mut im Herzen, mit der Hoffnung auf glückliche Heimkehr im Auge. Nun liegen sie in sremder Erde, nicht einmal in der teuern Heimats­erde. Wenn wir wenigstens am Totensonntag ei­nen Kranz aufs Grab legen könnten! Das geht leider nicht, wir wissen nicht einmal, wo der Teure ruht. Nun kehrt er nie wieder zurück in die Fa­milie, die Lücke bleibt für immer bestehen. So er­tönt die Totenklage in Dorf und Stadt, und es ist uns so, als ob die deutschen Gaue, die Berge und Täler mit einstimmten: Wie sind die Helden so zahlreich gefallen! Warum mußten in die fremde Erde die blühenden Söhne des Vaterlandes?

Doch wir dürfen nicht verzweifeln. Wir han­deln damit nicht im Sinne der Entschlafenen. Das Vaterland braucht auch noch unsere Kraft. Wir müssen die Tränen trocknen. Wir können es, denn wir sind Christenmenschen. Draußen im Feindes­land haben treue Kameraden ein schlichtes Kreuz über dem Massengrab errichtet, in dem auch unser teurer Toter liegt. Und dieses Kreuz predigt uns: Durchs Sterben geht er zur Herrlichkeit, kurchs Sterben geht es zum fruchtbringenden Leben. Je­sus hat durch seinen unschuldigen Kreuzestod die besten, alleredelsten u. allerhöchsten Früchte schaffen wollen, Menschenseelen zu ihrem vollen Glück und reinen Frieden bringen wollen. Aehnliches gilt von unsern gefallenen Helden. Ihr Tod wird das deutsche Volk wieder dahin führen, daß es in Glück und sicherem Frieden leben kann. Wir dan­ken es ihnen für alle Zeit, daß sie zu sterben und zu siegen wußten für des Vaterlandes Ehre und Größe. Ihr Gedächtnis soll in unserer Mitte un­vergessen bleiben! Wir danken es Euch, Ihr trett­ernden Väter und Mütter, Brüder und Schwestern, Frauen und Bräute, daß Ihr für uns Euer Teuer­stes dahingegeben habt. Ihr werdet den Schmerz innerlich überwinden. Eure, unsere gefallenen Helden haben viel gewirkt tuurch ihr tatenfrohes und arbeitsreiches Leben, sie haben noch vies mehr wirken dürfen durch ihr Sterben fürs Vaterland. Auf Widersehen, Ihr Lieben, droben in der ewigen Heimat!

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Sperrung des Kriegshafens von Libau

Berlin, 20. Novbr. Die Sperrung des russischen Kriegshafens Libau wird in der„Deutschen Tages­zeitung“ vom Grafen Reventlow wie folgt bewer­tet: Das ist von Wichtigkeit und Bedeutung, weil der Hafen von Libau der einzige russische Kriegs­hafen der Ostsee ist, welcher im Winter eisfrei bleibt. Von kleineren russischen Häfen würde das etwas nördlich liegende Windau in Betracht kom­men. Der Libauer Hafen ist ein künstlicher Ha­fen, durch umfangreiche Längs= u. Quermolen her­gestellt. Innerhalb des so geschaffenen Kriegs­hafens liegt ein kleiner Handelshafen eingeschlos­sen. Die vier Molen, welche den Kriegshasen bil­den, enthalten drei Einfahrten bezw. Ausfahrten. Diese sind von unseren Ostseestreitkräften durch versenkte Schiffe gesperrt worden, wohlverstanden, nachdem deutsche Torpedobooke festgestellt hatten, daß sich im Kriegshafen keine feindlichen Fahr­zeuge befanden. Der Hasen von Libau ist mithin von jetzt an für russische Kriegsfahrzeuge unzu­

Kopenhagen, 20. Novbr. Der Londoner „Daily Chroniele berichtet, daß ein neuer gewalti­ger Kampf auf der Linie Ypern—La Bassee begon. nen habe, an dem wieder englische Truppen teil­nehmen. Der neue Kampf, berichtet das Blatt, be­gann schon in der Nacht vom Dienstag zum Mitt­woch. Im Schutze der Dunkelheit und des schlech­ten Wetters warfen die Deutschen bei starkem Sturm große Truppenmassen gegen die Laufgräben vor. Ebenso wie bei früheren Nachtangriffen nä­herten sich die Deutschen triechend. Aber im Gegen.

gänglich geworden und die russische Flotte besitzt keinen eisfreien Hafen und damit für den Winter keine Operationsbasis mehr, sobald die übrigen Häfen zugefroren sind, was bald eintritt. Ueber­dies ist die Sperrung von Libau von besonderer Bedeutung im Hinblick auf die Möglichkeit, daß englische Unterseeboote aus der Nordsee durch den Sund in die Ostsee kämen. Diese würden nun in Libau keinen Stützpunkt mehr sinden. Mit der Möglichkeit des Erscheinens englischer Unterseg­boote in der' Ostsee muß aber natürlich nach wie vor gerechnet werden.

Bulgarien und Griechenland vor der Entscheidung.

Frankfurt, a. M., 29. Novbr. Der Kon­stantinopeler Vertreter der„Frks. Ztg.“ berichtet seinem Blatte: In Bulgarien werden Stimmen laut, die statt der Politir des Abwartens lieber einem Eintreten Bulgariens in den Kampf das Wort reden. Fraglich in dabei, ob Griechenland, das ein Bündnig mit Serbien unterhält, diesem Staate zu Hilfe eilen wird.

satz zu früher ging das Vorrücken nicht in ge­schlossenen, sondern in aufgelösten Linien vor sich. Als die Deutschen dicht an die Laufgräben heran­gekommen waren, wurden sie unter Maschinen. gewehrfeuer genommen. Es entwickelte sich darauf ein Kamp Mann gegen Mann, wobei die Deutschen weichen mußten. Gegen Mitternacht war der Angriff zurückgeschlagen. Die Deutschen erlitten bedeutende Verluste. Am Mittwoch früh nahmen jedoch die Deutschen wieder die Offensive auf.

Auf Grund zuverlässiger Informationen kann man versichern, daß das Athener Kabinett ein Ein­greifen Griechenlands in den Weltkrieg als ein Unglück für Griechenland auffaßt. Venizelos und mit ihm die wichtigsten Persönlichkeiten des Lan­des vertreten die Ansicht, daß nach den offenkundi. gen Niederlagen der Tripleentente das Einhalten der Neutralität das einzige Mittet darstellt, um den Bestand Griechenlands als eines selbständigen Staates zu retten. Nur falls Griechenland einem unmittelbaren Angriff ausgesetzt würde, werde es gezwungen, sofort die Neutrtlität aufzugeben und zu den Waffen zu greisen.

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Der Held der Deichdurchbrechung.

Es wurde gemeldet, daß der Plan zur Un­terwassersetzung des Vsergebiets aus einem alten Aktenstück herausgeholt ist, welches man schon Ende des 18. Jahrhunderts ausgearbeitet hat. Jetzt aber taucht eine neue Lesart auf. Es hat angeblich ein Wächter an der Schleuse in Nieuport den Leopoldsorden bekommen. Dieser Wächter hatte den Wasserstand des Kanals zu regeln und

man der Esenbahrdanm ale Deich benutze und den Kanaldeich auf verschiedenen Stellen durchbrä­che, man einen Teil des Landes, wo die Schanzen und die Artilleriestellung der Dautschen seien, un­ter Wasser setzen könne. Sein Plan wurde ange­nommen. Der Durchgang unter der Eisenbahn wurde abgedämmt und dann das Feuer der schwe­ren Artillerie auf einige Punkte des Kanaldeiches gerichtet, bis hier ein großes Loch entstand, so daß das Wasser sich über das Land ergoß.

Uns scheint die neue Lesart auch noch nicht be­glaubigt zu sein.

Der Krieg gegen Frankreich.

Ueber unsere Erfolge im Westen

erfährt man aus französischen Meldungen, die über Genf eintrafen, bemerkenswerte Einzelheiten. Es heißt da: Der am linken Maasufer kommandie­rende französische General hatte um 3 Uhr nach­mittags die Meldung erhalten, der deutsche An­griff gegen den französisch gebliebenen Teil des bei St Mihiel gelegenen Dorfes Chauvoncourt scheine nachzulassen, als eine surchtbare Explosion, eine Folge der unter den Laufgräben gelegten Minen, die ganze französische Stellung zerstörte. Die Zahl der Opser ist sehr bedeutend. Die Deut­schen besetzten mit Hurra auch die Chauvoncourt benachbarten Punkte.

Die Gegenstöße der Engländer und Franzosen werden seltener.

wie Major a. D. Moraht im„B. T.“ ausführt. Allgemein melden Londoner Berichterstatter von der sich steigernden Kraft des deutschen Angriffs. Vielleicht darf man darin die Erkenntnis erblicken, daß der Widerstand der Verbündeten hier und da schwach geworden ist, wenngleich unsere seit dem 18. Oktober in Westflandern eingeleiteten und fortge­führten gewaltigen Kämpfe die Entscheidung bis­her noch nicht haben erzwingen können. In ihrer durch die Natur und durch starke Werke befestig. ten Feldstellung sind die Gegner noch immer in der Lage, auch den bewundernswertesten Angriffen schier unerschöpflicher deutscher Kräfte zu wider­stehen. Die Entscheidung wird jedoch nach dem Eingangs Gesagten nicht mehr lange auf sich warten lassen.

Vorstoß nach Calais.

London, 20. Nov.(Nicht amtlich.)„Eve­ning News“ meldet aus Rotterdam: Von Diens­tag bis Mittwoch war der Eisenbahnverkehr in Belgien eingestellt. Dies ist ein Zeichen, daß ein neuer Angriff in Flandern und ein Vorstoß nach Calais mit verdoppelten Kräften bevorsteht.

Wo fällt die Entscheidung?

Amsterdam, 20. Novbr. Die holländischen Zeitungen melden, daß die in den letzten Tagen vorgenommenen deutschen Truppenverschiebungen möglicherweise die Entscheidung auf einem anderen Teil des Schlachtfeldes als bei Ypern herbeiführen werden. Die französischen Verstärkungen von Ypern hätten zu einer großen Schwächung an anderen Punkten der Frontlinie der Franzosen geführt.

Die Aufsassung der Lage in Paris. Einer Kopenhagener Depesche der„Köln. Ztg.“ zufolge berichtet„National Tidende“ über die fassung der Lage in Paris: Die Deutschen hätten neue Vorstöße südlich auf die Front Ypern—Armen. tières gerichtet. Sie setzten in Nordflandern, sowie längs der Küste ihre Arbeit an den Befestigungs. werken fort. Die ganze Küstenstrecke von Ostende bis Knocke sei mit Artillerie und Verschanzungen versehen. Frische Truppen hätten sich in Brügge, Thielt und östlich von Thourout konzentriert. Cle­mencean schreibt in seinem Blatte: Der Drei­