fürden Kleis Berth

General-Anzeiger für den Kreis Hörde O Schwerter Volks-Zeitung—

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Alle kreis- und lokalpolizeilichen Verordnungen für den Kreis Hörde erlangen gemäss Bekanntmachung der Königl. Regierung durch Veröffentlichung in der„Schwerter Zeitung“ rechts­o o o o o o verbindliche Kraft o o o o c o Druck und Verlag von Carl Braus, Schwerte-(Ruhr). Fernsprecher Nr. 62. Celegr.-Adresse: Braus, Schwerte-Ruhr.

Erstes und ältestes Tagesorgan des Rreises O Haupt-Annoncenblatt

Dienstag, den 29 August 1911.

43. Jahrg.

Der sterbende Reichstag.

Es herrscht nach wie vor Angewißheit darüber, wann die Neuwahlen zum Reichstag stattfinden werden. Bishe man allgemein der Ansicht, daß die Regierung Mitte nächsten Jahres die Neuwahlen vornehmen lassen will. Vorläu­

fig scheint sie sich selbst aber noch nicht schlüssig darüber

denn gegenüber der Meldung eines Blattes, daß der 15. Janu­ar als Termin in Aussicht genommen sei, ließ sie ausdrücklich ertlären, daß noch keinerlei Bestimnmung eejegatg aer. Bägt

gefaßt ist, am 15. Januar, oder an einem anderen Tage, der nicht weit entfernt ist, tatsächlich stattfinden werden.

ab, um diese Zeit herum müssen also die Neuwahlen gorgenom­

men werden. Schon Anfang dieses Jahres hat die Regierung verkünden lassen, sie denke nicht daran, den Reichstag vorzeitig

aufzulösen und das Land mit einer unerwartet frühen Vor­nahme der Neuwahlen zu überraschen. Es sei zwar verständlich, daß Parteien, die mit der Wahlvorbereitung fertig zu sein glauben und unter Umständen gegenwärtig vorhandene Stim­mungen befürchten, aus wahlraktischen Gründen auf einen schnel­len Abbruch der Reichstagssession hinarbeiten. Die Regierung da­gegen legt Wert darauf, daß der Reichstag hinreichend Zeit be­hält, seine wichtigen Aufgaben in aller Ruhe und Sorgfalt zum Abschluß zu bringen, um sie nicht mitten auf dem Wege stecken zu lassen. Inzwischen hat der Reichstag im Frühjahr eine An­zahl von Gesetzentwürfen verabschiedet, darunter die elsaß­lothringische Verfassungsreform und die außergewöhnlich um­sangreiche Reichsversicherungsordnung. Vor seiner Auflösung soll er aber noch einige große Aufgaben zustande bringen. An erster Stelle die Strafprozeßordnung mit dem Gerichtsverfas­sungsgesetz. Die Strafprozeßordnung allein umfaßt ohne die Nebengesetze 500 Paragraphen und bietet in sachlicher Hinsicht die denkbar größten Schwierigkeiten. Deshalb klang es auch nicht unglaubwürdig, daß die Regierung angeblich auf die Er­ledigung dieses Gesetzentwurfes jetzt keinen Wert mehr lege. Of­jiziös wurde aber demgegenüber betont, daß die Regierung die Hoffnung nicht aufgegeben habe, daß die Strafprozeßreform noch von dem gegenwärtigen Reichstag zum Abschluß gebracht werde. Ob sie ihre Ansicht auch durchsetzen kann, das ist eine große Frage. Auch das Hausarbeitsgesetz, welches bereits zur Beratung gestanden hat, soll noch in den nächsten Monaten er­ledigt werden. Wie es heißt, will die Regierung diese Vorlage dadurch schmackhafter machen, daß sie jetzt sich für die Einführung von Lohnämtern ausspricht, die sie früher bekämpft hatte. End­lich soll bekanntlich auch noch der große Entwurf einer Pensionsversicherung erledigt werden Vermutlich wird das Parlament sich auch noch sehr eingehend mit der Marokkofrage zu beschäftigen haben, denn es ist anzunehmen, daß inzwischen ein Abkommen vorgelegt werden wird. Dazu kommt noch manche Interpellation über die eine oder andere Tagesfrage, sodaß der Reichstag stramm zu arbeiten haben wird, wenn er bis Weih­nachten auch nur das Wichtigste erledigen will. Daher können auch die Ersatzmänner für die drei verstorbenen Zentrumsabge­ordneten in Düsseldorf, Konstanz und Natibor sich an den Ver­handlungen noch rege beteiligen, wenn die Landesregierung die Ersatzwahlen möglichst bald vornehmen läßt. Daß die Reichs­regierung Wert darauf legt, geht aus einer dieser Tage veröf­fentlichten offiziösen Notiz deutlich hervor,

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Politische Uebersicht.

Die Dispositionen des Kaisers. Am gestrigen Montag traf das Kaiserpaar in Stettin ein, wo es im dortigen Schloß Wohnung nahm. Am heutigen Dienstag nimmt der Kaiser die große Parade über das 2. Armeekorps auf dem Krekower Exer­zierplatz ab. An dieser Parade nimmt u. a. auch das schwedische Königspaar teil. Der Parade folgt eine solche der Flotte bei Swinemünde. Am Mittwoch begibt sich das Kaiserpaar nach Stargard zur Teilnahme an der Einweihung der St. Marien= kirche. Von Stargard aus erfolgt die Rückkehr nach Berlin, wo am 1. September die große Parade des Gardekorps auf dem Tempelhofer Felde stattfindet. Am 5. September begibt sich der Kaiser nach Kiel, um die Flottenparade abzunehmen. Ein paar Ruhetage folgen und dann nimmt der Monarch vom 11. bis 14. Septomber am Kaisermanöver teil, mit dem die große Heerschau für dieses Jahr ihr Ende findet.

Vom deutschen Kronprinzen. Eine Meldung türkischer Blätter, der deutsche Kronprinz werde demnächst zu 12tägigem Aufenthalt nach Konstatinopel kommen, wird amtlich als un­richtig bezeichnet.— Die Söhne des Kronprinzenpaares, die während des Aufenthaltes der Kronprinzessin in Hopfreben auf Schloß Schorßo unter der Obhut der früheren Oberhofmeisterin von Thiele=Winckler weilten, sind wieder nach Potsdam zurück­

Anschluß Bayerns an das norddeutsche Stromgebiet? Der

Hersfelder Verein zur Schiffbarmachung der Werra hat einen Plan ausarbeiten lassen, welcher für die Schiffbarmachung die­ses Stromes 23 Talsperren vorsieht. Davon sollen auf den Thü­ringer Wald 11, auf das Rhöngebiet 3, auf das Hörselgebiet 3, auf das Meistergebiet 2 und auf das Eichsfeld 4 Talsperren ent­fallen. Sollte dieser Plon zur Ausführung kommen, so wäre damit der Lieblingsgedanke des Prinzen Leopold von Bayern, eine Kanalverbindung zwischen dem Main und der Weser her­zustellen, der Verwirklichung erheblich näher gerückt.

Wichtige militärische Veränderungen. Ein Stellenwechsel steht nach dem„Tag“ in der militärischen Umgebung des Kai­sers bevor. Der diensttuende Generaladjutant und Komman­dant des Hauptquartiers, Generaloberst mit dem Rang als Ge­neralfeldmarschall von Plessen, wird in den Ruhestand treten und durch den Kommandeur der Garde=Kavallerie=Division, Ge­neral a la suite des Kaisers, Generalleutnant Burggrafen und Grafen zu Dohna=Schlobitten, ersetzt werden.

Eine militärische Kundgebung gegen die Alldeutschen. In Worms hatten die Alldeutschen einen Marokkoabend veranstal­tet, dessen Zweck es war, gegen die Marokkopolitik des Staats­sekretärs von Kiderlen=Wächter zu protestieren. Auch Offiziere waren anwesend. Als aber der Vorsitzende Dr. Göbel ausführ­te. Deutschland habe 1866 eine starke Regierung, aber ein schwaches Volk gehabt, jetzt sei es umgekehrt, wir hätten ein starkes Volk, aber eine schwache Regierung, erhoben sich sämt­liche anwesenden Offiziere, der Oberst des Regiments an der Spitze, und verließen demonstrativ den Saal.

Die Erhaltung der Invalidenhäuser, in denen Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften, im Ganzen etwa 200 Perso­nen, für Alter, Krankheit Zuflucht oder Pflege finden, belastet den Militäretat nicht stärker, als wenn die Betreffenden Pen­sion bekommen. Die Invalidenhäuser, die segensreich wirken, sollen daher auch nicht aufgehoben werden, sondern bestehen

dieiben.

Die englische Spionage. Im Verfahren gegen den in Bre­men wegen Spionage verhafteten englischen Rechstanwalt ist ein neues Moment zu verzeichnen. Der Reichsanwalt ver­fügte, daß der Verhaftete nach Leipzig überführt wird, wo auch die weitere Erledigung der Affäre vor sich gehen wird.

Zur Durchsicht des russisch=deutschen Handelsvertrages soll im Herbst im Handelsministerium zu Petersburg eine ständige Konferenz aus Vertretern der Ministerien, der Industrie und der Handelsorganisationen gebildet werden. Diese Konferenz soll alle Arbeiten zur Revision der Handelsverträge zwischen Rußland und Deutschland vereinheitlichen und die Tätigkeit der lokalen Organisationen leiten, die es übernommen haben, für die Bearbeitung dieser Frage Material zu sammeln.

Die militärische Kleidung. Vielfach wird gewünscht, daß die jetzige blaue Uniform des deutschen Heeres ganz der bekann­ten kriegsmäßigen feldgrauen Bekleidung weichen möge. Das ist aber schon im rein militärischen Interesse garnicht wün­schenswert. Die feldgraue Uniform muß für den Ernstfall er­halten bleiben, da sie einen wesentlichen Teil des Schutzes der Truppe ausmacht aus Gründen, die wohl nicht besonders be­leuchtet zu werden brauchem.

Das Gouvernement von Deutschostafrika. Dem jetzigen Gouverneur von Deutschostafrika, Frhrn. von Rechenberg, dei­sen Rücktritt im Laufe des kommenden Winters erfolgen soll, wurde oft zum Vorwurf gemacht, daß er die Interessen der wei­ßen Farmer hinter denen der schwarzen Eingeborenen zurück­treten lasse. Zugängliche Beweise für diese Behauptung haben aber die Gegner des Herrn von Rechenberg nie vorzubringen vermocht. Die Kolonie hat unter ihm vielmehr eine Epoche des wirtschaftlichen Aufstieges zu verzeichnen gehabt und ihr Reich­tum ist durchaus gewachsen. Und das Prinzip, die Eingeborenen dem bloßen Arbeitnehmer=Verhältnis zu entwöhnen und sie an eigene Farmerarbeit, namentlich an den Baumwollbau zu ge­wöhnen, kann dem mutmaßlichen Nachfolger des Gouverneurs von Rechenberg, dem Oberregierungsrat Dr. Schnee, zur Wei­terentwicklung nur empfohlen werden.

Belgien.

Englische Ordensverleihung an den König. König Georg von England beschloß, dem Könige Albert von Belgien durch

eine besondere Mission unter Führung des Prinzen von Con­naught den Hosenbandorden überreichen zu lassen. Die Insig­nien des Ordens werden dieselben sein, die der verstorbene Kö­nig Leopold getragen hat. Auch Lord Roberts wird der Mission angehören.

Zusammenstoß mit Parteigegnern. Am Schluß der Kund­gebung der katholischen Partei, an der sich 100000 Personen be­teiligten, kam es an vielen Stellen zu Zusammenstößen mit den Parteigegnern, bei denen auch aus den Häusern mit Flaschen

geworfen wurde.

Gendarmerie stellte

Ruhe wieder

her. Acht Verhaftungen wurden vorgenommen.

Oesterreich= Ungarn.

Nach Abschluß der Flottenmanöver erließ Erzherzog Franz Ferdinand einen Manöverbefehl, in welchem er seiner außer­ordentlichen Befriedigung über die Landungsmanöver Ausdruck verlieh. Die Kriegsmarine habe aufs neue bewiesen, daß sie auf der höchsten Stufe der maritimen Tüchtigkeit stehe und auch bei den Operationen zu Lande aufs vorzüglichste mitzuwirken verstehe. Die Truppen des Heeres und der Landwehr hätten vollkommen den strengsten Anforderungen entsprochen. Schließ­lich sprach der Erzherzog den Kommandanten und Offizieren sein vollstes uneingeschränktes Lob und den wärmsten Dank aus. Am Abend reiste der Erzherzog nach Werfen=Salzburg wieder ab.

Frankreich.

Der Antimilitarismus im Heere. Infolge der in der Angelegen­heit des„Sous de Soldat“ eingeleiteten strafrechtlichen Verfol­gungen wurden auch von der Militärbehörde in Rennes Un­tersuchungen eingeleitet Bei zwölf Soldaten, die von dem allgemeinen Arbeiterstande Geldsendungen er­hielten, wurden revolutionäre Schriften gefunden. Die Solda­ten werden strafweise nach Garnisonen in Südostfrankreich ver­schickt.

Italien.

Der gestrandete italienische Kreuzer. Durch den Verlust des gestrandeten italienischen Kreuzers„San Giorgi“ entsteht der italienischen Regierung ein Schaden von über 20 Millionen Mark. Gerettet zum vollen Wert konnte eigentlich nur die Ar­tillerie des Schiffes werden. Selbst die Schornsteine wurden zum Teil entfernt. Die Sprengungen, die zur Befreiung des Schif­ses in den Riffelfelsen vorgenommen wurden, haben eigentlich nur den Effekt gehabt, daß sich das Schiff auf eine Seite gelegt hat. Man befürchtet, daß beim Abbringen das Schiff kentern kann. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß die Regierung das Rettungswerk einer Privatwerft übertragen wird.

England.

Englische Judenhetzen. In Südwales, wo der Ausstand der englischen Eisenbahner bekanntlich zu Ausschreitungen gegen die jüdischen Kaufleute geführt hat, ist die Stimmung gegen die Arbeiter noch immer sehr erregt. Die Arbeiter behaupten näm­lich, die Kaufleute hätten aus der durch den Lebensmittelman­gel geschaffenen Notlage der Bevölkerung Nutzen gezogen, indem sie die Lebensmittel zu teueren Preisen verkauften. Es ist dies eine Beweisführung, die die Streikleitung der englischen Arbei­ter da unternimmt, die einfach klassisch ist. Die Kaufleute kön­nen infolge des Streiks nur wenig Lebensmittel und zu sehr teuren Preisen aufkaufen und müssen infolgedessen auch keurer verkaufen, die Streikenden plündern dafür die Läden! Die Notlage, die die Streikenden geschaffen haben, müssen andere entgelten!! Die Angabe, die Plünderungen der Läden seien nur durch den Pöbel bewirkt worden, mit dem die„ordent­lichen, organisierten“ Arbeiter nichts zu tun hätten, entlastet letz­tere nicht, gereicht ihnen vielmehr zum Vorwurf. Sie hätten ja, wenn sie stark genug waren, das ganze Wirtschaftsleben für Tage lahm zu legen, sich eine eigene Polizei schaffen können, die das Privateigentum schützte. Aus dem noch heute sehr unsicheren Städten Südwales sind die meisten Juden geflohen. Die Zu­rückgebliebenen haben ihre Häuser und Läden verbarrikadiert und sich bewaffnet.

Persien.

Fortschritte des Exschahs. Die Petersburger Tel.=Ag. mel­det aus Baferusch: Nordpersien von Kotschan bis Kadjur be­findet sich in den Händen Mohammed Alis. Eine Truppen­abteilung aus Teheran versuchte die Truppen des Exschahs zu umgehen und Kadjur zu erreichen, stieß aber auf Turkmenen und kehrte zurück. Privatmeldungen aus Teheran, die von einem Siege der Regierungstruppen und der Auflösung der Truppen Mohammed Alis berichten, sind falsch. Vereinigte Staaten.

Zolltarise. Präsident Taft sagte in einer Rede im repu­blikanischen Klub zu Seamilton(Massachussetts), er erkenne die allgemeine Forderung des Landes nach einer Herabminderung

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