Hrummen

und dem„Schwerter Jolksblatt“

Die„Schwerter Zeitung“ erscheint täglich, ausser Feiertags. Bezugspreis. ink 1 cs vierieljährlich, bei der Post 42 Pf. für Bestellgeld mehr. Wöchentliche Gratis-Beilage:„Illusirierter 4 Familienkreund“. o o o o o o o o oo o o o o f## Anzeigenpreis: Die sechsgespaltene Petitzeile oder deren Raum

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Aile Kreis- und Lokalpolizeilichen Verordnungen für den Kreis Hörde erlangen gemäss Bekanntmachung der Königl. Reglerung — Jurch Ueröftentlschung in der„Schwerter Zeitung“, rechts­verbindlische Kraft. m C OOCCOOOOOC0 Druck u. Gerlag von Garl Braus, Schwerte. Fernsprech-Rnschluss Nr. 62 Amt Schwerte. Celegr.-Adresse: Braus, Schwerte-Ruhr

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Erstes und ältestes Tagesorgan des Kreises. O Haupt-Annoncenblatt.

Mittwoch, den 3 Juni 1908.

40.

(Letzte Fernsprech=Meldungen.)

Der bisherige Gerichtsassessor Otto Laue=Bochum wurde als besoldeter Beigeordneter auf 12 Jahre bestätigt. Der Kauf­mann Preußer=Haspe als unbesoldeter Beigeordneter der Stadt Haspe auf fernere 6 Jahre bestätigt.

Staatssekretär Dernburg ist gestern in Kapstadt eingetrof­sen und vom Premierminister Merriman empfangen worden. Er wird während seines Kapstadter Aufenthalts Gast des Gou­verneurs sein.

Der Kaiser und die Kaiserin von Rußland siedelten gester nachmittag nach ihrer Sommerresidenz Peterhof über.

Gestern ist in Hongkong der erste Europäer der Pest erlegen. Gestern wurden 27 Erkrankungen gemeldet. Die Fälle mit töt­lichem Ausgange sind außerordentlich zahlreich.

General Buller, der die britischen Truppen zu Anfang des südafrikanischen Krieges kommandierte, ist in der vorletzten Nacht gestorben.

Seit Deutschland im Jahre 1890 seine Rechte auf Zanzibar gegen das damals im englischen Besitz befindliche Helgoland eingetauscht hatte, hat es nicht an Politikern und gut national gesinnten Männern gefehlt, die den Kaufpreis dafür zu hoch erachteten und immer wieder behaupteten, daß wir unser An­recht auf die wertvolle Insel Zanzibar viel zu billig abgegeben hätten. Diese Klagen sind durchaus unbegründet. Man sollte nicht vergessen, daß gerade bei dem Wiedererstarken Deutsch­lands zur See der Besitz einer unseren größten Seehäfen un­mittelbar vorgelagerten Insel für uns von größter Bedeutung ist, und zwar schon aus dem Grunde, weil sie in der Hand des Feindes für diesen einen unübertrefflichen Stützpunkt abgeben würde, von dem aus er unseren Außenhandel schädigen und die Unternehmungen unserer Flotte lahm legen könnte, während sie, in unserm Besitz und entsprechend ausgebaut, wie ein weit gegen den Feind vorgeschobenes uneinnehmbares Fort wirken würde.

Die Frage, welche Bedeutung der Besitz von Helgoland für uns hat, ist seinerzeit selbstverständlich gründlich von den zu­ständigen Fachmännern geprüft worden. Und wenn diese zu der Ueberzeugung gekommen sind, daß der Besitz von Helgoland

für uns gerade in kriegerischen Zeiten von größter Bedeutung ist, so wird es sich für Laien empfehlen, sich diesem Urteil von Sachverständigen anzuschließen. Zweifellos ist die heimatliche Erde von allergrößter Bedeutung für uns, weit mehr als alle überseeischen Besitzungen. Denn nur, wenn Deutschland an seinen eigenen Grenzen vor feindlichen Uebergriffen fest und gesichert dasteht, kann es die Kraft entwickeln, um sich auch an anderen Stellen unseres Erdballes einen Platz an der Sonne zu sichern.

Unsere leitenden Persönlichkeiten haben seit dem Erwerbe der Insel nicht außer Acht gelassen, diesen teuer erkaufren Platz für uns wertvoller und bedeutungsvoller zu machen, so daß Helgoland in einem möglichen Seekriege auch wirklich die Rolle wird spielen können, die ihm darin zugedacht ist. In den letzten Jahren ist die Insel durch umfangreiche Schutzbauten gegen die verheerende Gewalt der Fluten gesichert worden, und im neuesten Etat hat die Reichsregierung nicht unbedeutende Mittel zur Vervollständigung des militärischen Ausbaues der Insel gefordert. Hierzu gehören 1,2 Millionen Mark für die Anlage von Befestigungen und vor allem 30 sich auf eine Reihe von Jahren verteilende Millionen für den Bau eines Torpedo­boot=Hafens. Von der letzteren Summe hat der Reichstag be­reits 2 Millionen bewilligt. Außerdem ist beabsichtigt, auf der Insel eine Kaserne und ein Artilleriedepot anzulegen. Man wird erwarten dürfen, daß auch in den kommenden Jahten an dem weiteren Ausbau der zwar kleinen, aber unendlich wichti­gen Insel gearbeitet werden wird, deren Kanonen im Kriegs­falle einen großen Teil des für eine feindliche Flotte in Be­tracht kommenden Fahrwassers beherrschen. Erst dann wird sich die wahre Bedeutung Helgolands für unsere heimatliche Küste und unseren Außenhandel klar erkennen lassen. Möglich, daß Helgoland zu der Zeit, wo wir es erwarben, nicht unsere An­rechte auf Zanzibar wert gewesen ist; heutigentages möchte je­doch wohl niemand diesen Vertrag wieder rückgängig machen. Denn jetzt ist Helgoland sicher weit mehr wert für uns, als Zanzibar je für uns wert gewesen ist, und zwar vor allem da­durch, daß wir es zu dem gemacht haben, was es ist: zu dem wichtigsten Stützpunkt für unsere Flotte in einem Kriege.

Auch in England sieht man den Vertrag jetzt mit anderen Augen an, als vor 18 Jahren. Schrieben doch vor nicht langer Zeit erst die„Times“ in einer Betrachtung über die durch den Kaiser Wilhelm=Kanal und Helgoland erhöhte Angriffskraft unserer Flotte:„Wir sind für die Abtretung Helgolands reich­

lich entschädigt worden. Es ist aber sehr fraglich, ob wir heute den Vertrag wieder abschließen würden, wenn uns dazu die Gelegenheit geboten wäre, da wir einsehen gelernt haben, daß der geschlossene Handel nicht so gut war, wie er es zu sein schien.“

Deutschland.

Als Konflikt zwischen Bundesrat und Reichstag hatte die „Köln. Volksztg.“, das leitende Organ des Zentrums, die Ab­lehnung des Reichstagsbeschlusses über die Behandlung von Handlungsgehilfen in Krankheitsfällen seitens des Bundesrats bezeichnet. Das ist eine kolossale Uebertreibung, da von einem Konflikt gar keine Rede ist. Es handelte sich hier lediglich um die Ablehnung eines Reichstagsbeschlusses, der im Reichstage selbst scharfe Gegnerschaft gefunden hatte. Hätte die„Köln. Volksztg.“ Recht, dann müßte auch jedesmal ein Konflikt vor­liegen, wenn der Reichstag einen Antrag des Bundesrats ab­lehnt.

Wechsel im Oberkommando der Schutztruppe. Oberleutnant Quade, der den Staatssekretär Dernburg im vergangenen Jahr auf der Reise nach Deutsch=Ostafrika begleitete, soll entschlossen sein, sein Abschiedsgesuch einzureichen. Es sollen Unstimmig­keiten zwischen dem Oberstleutnant und dem Staatssekretär des Reichskolonialamtes eingetreten sein, die ein gemeinsames Ar­beiten beider Herren zur Unmöglichkeit machen.— Ausgeschlos­sen wäre ja eine solche Eventualität von vornherein nicht. An­derseits bleibt zu bedenken, daß das Gerücht von dem Wechsel in den Tagen der ersten Hundstagshitze stattfand, die die gün­stigste Brutperiode für Zeitungsenten darstellt. Da ist also in jedem Falle Vorsicht geboten.

Eine nennenswerte Ausdehnung der Erbschaftssteuer kommt für die Reichsfinanzreform nicht in Betracht. Die„Münch. N. Nachr.“ schreiben hierzu: Die Richtigkeit der Meldung, daß der preußische Finanzminister Frhr. von Rheinbaben seinen Wider­stand gegen eine weitere Ausdehnung der Reichserbschaftssteuer aufgegeben habe, wird stark bezweifelt werden müssen, wenig­stens insoweit, als eine Besteuerung des Erbganges in direkter Linie, von Eltern auf Kinder und umgekehrt, in Betracht kommt. Hiernach wie nach verschiedenen anderen Meldungen ist anzunehmen, daß ein nennenswerter Ausbau der Reichs­

Ponikie Hcholtien.

Roman von Seta von Starkenstein. 16

Isabella dankte ihm mit dem ausdrucksvollen Gruß eines alten Bekannten, mit dem uns, verborgen vor aller Welt, ein Geheimnis verbindet.

**

*

Auf den von knospenden Erikas übersäeten Heideflächen web­ten die Strahlen der Nachmittagssonne ein weites, goldschim­merndes Netz, als Erik Melssen etwa eine Woche später wieder nach Elgardsruh, diesmal auf seinem eigenen Pferde ritt.

Agues empfing ihn und wollte ihre Mutter benachrichtigen, doch bestand er so dringend darauf, diese ungestört zu lassen, daß sie nachgeben mußte.

Vor Verlegenheit wußte sie nicht, womit die Unterhaltung beginnen, Erik Melfsen gefiel ihr heute noch besser als das erste­mal. Alles an ihm war einfachste Natürlichkeit, alles Absicht­liche mit seinem Wesen unvereinbar, und sie fühlte instinktiv, daß er auf einer Lebensstufe stände, die ihr unerreichbar blei­ben würde.

Auch er war von einer leichten Verwirrung ergriffen, als sein Blick auf das offene Pianino und die Noten fiel, deren Ti­telblatt den großgedruckten Namen„Wagner“ trug. Er fragte, ob sie die schwierigen Kompositionen mit Vorliebe spiele.

„Ich?“ Dunkle Röte ergoß sich über ihre rosigen Wangen. „Ach nein! Mama spielt und Pitta ist sogar eine Künstlerin, die spielt und singt vollendet, aber ich kenne kaum mehr eine ein­zige Note. Nur Mama und Pitta sind so reich begabt, mich hat die Vorsehung wohl dabei vergessen.“

Sie sagte das so überzeugt, als ob die Talsache auch Erik selbstverständlich einleuchten müsse. Deshalb hielt er die vor­schnelle Schmeichelei zurück, sie erschien ihm den einfachen Wor­ten gegenüber unpassend.

„Die Natur beschenkte doch wohl ihre Kinder nicht so un­gleich, wie Sie denken mögen, in uns schlummern manche Eigen­schaften und Talente, die zu wecken nur eines Anstoßes bedarf. Das liegt meistens in den äußeren Verhältnissen, die dazu an­getan sein müssen, solche schlummernden Fähigkeiten aus Licht zu ziehen und entsprechend zu fördern.“

Agnes nickte beifällig und fuhr ein wenig freimütiger fort: „Ich bin deshalb auch gar nicht traurig, ist es mir doch ge­

geben, mich am Schönen und Talenten anderer zu erfreuen. Und gerade hier in dieser Heide gibt es so viel Herrliches, das Meer, die unendliche Einsamkeit und jene bezaubernden Stim­mungen der Natur, wie sie unberührt aus Gottes Hand kom­men; darin zu leben, ist einzig schön, und bin deshalb so dank­bar für meine heimliche Welt! Doch da plaudere ich von Din­gen, die nur mich angehen und für Sie gewiß langweilig sind.“

„Ich höre Ihnen so gern zu, wie noch niemals einer anderen jungen Dame, Fräulein von Hallör. Das soll keine Schmeiche­lei sein, ich würde mich nicht erdreisten, eine solche zu äußern.“

Sie errötete und lächelte beglückt, wie jemand, dem es wohl tut, von dem sprechen zu dürfen, was seit langem das einsame Herz belebt.

Aus Eriks Stimme klang warm die aufrichtige Ueberzen­gung, was sie flüchtig aus seinem dunklen Antlitz las, bestätigte diese so deutlich, daß Agues plötzlich nach einem Vorwand, ihm zu entrinnen, suchte, als zu ihrer Erleichterung Frau von Hallör hereinkam, und Erik noch ein paar Stunden der Unterhaltung mit ihr im Fluge vergingen.

Es war schon Abend, als er fortritt, im weißlichen Licht des Vollmonds, das mit geisterhafter Klarheit über der ein­samen Gegend lag.

Sein Entschluß stand fest, er wollte heiraten, und es sollte Agues von Hallör sein, die ihm wie keine zweite berufen er­schlen, das häusliche Glück eines Mannes zu begründen. Nach dem langen Umherirren in der Fremde sehnte er sich nach einem gemütlichen, eigenen Heim, das zu errichten ihm seine Verhält­nisse erlaubten. Aques war ein Engel, sauft und lieblich, nach­giebig, ganz, wie er sich die zukünftige Gattin gewünscht hatte, und obendrein entzückend schön, das verjüngte Ebenbild der Mutter. Nur eins bedauerte Erik lebhaft, er war sehr musika­lisch, und ihr fehlte nach dem unumwundenen Bekenntnis jedes Verständnis für die Musik, die ihn die göttlichste der Künste dünkte; immerhin war es dem entnervenden Geklimper einer Stümperin vorzuziehen, dieser kleine Mangel sollte ihn nicht an seiner Werbung um sie hindern.

*

Als er an Eichhofen vorbeiritt, saher hinter den matt er­leuchteten Feustern des Wohnzimmers den Schatten seiner Mut­ter sich bewegen und ging, um ihr„Gute Nacht“ zu sagen, noch auf einen Augenblick hinein

Sie kam ihm mit der Beschwerde entgegen, daß Isabella seit kurzem stundenlang oben bei Mathilde sitze und sie allein lasse.

„Es ist traurig mit den Kindern von heutzutage, Isabella tut, was ihr beliebt, und wollen wir nicht in stetem Zerwürf­nis leben, bin ich gezwungen, nachzugeben! Wo, warst Du, Erik, und wie geht es mit der Praxis?“

„Sehr gut. Mama, wenn auch bis jetzt nur die Aermsten mich zu Hilfe riefen, sind sie mir doch die liebsten. Ich war auf Elgardsruh."

„Schon wieder?“ Frau Albertine Melfsen preßte die Lippen zusammen.„Denken konnte ich mir freilich, daß es mit dem ersten Male nicht sein Bewenden haben würde, Erik, es ist gut, daß Du noch auf einen Augenblick zu mir hereingekommen bist, ich habe mit Dir zu sprechen.“

„Die Zeit Deines Hierseins hat mich bereits gelehrt, daß die Welt mir den Einfluß auf meinen Sohn geraubt hat, und mir nichts übrig bleibt, als an Dein Herz zu appellieren. Ich möchte Dich dringend bitten, Deine ferneren Besuche auf El­gardsruh einzustellen, glaube mir, ich habe dafür meine Gründe.“ „Was sind es für Gründe?“

„Du sollst sie erfahren,“ entgegnete Frau Professor gepreßt, während sie mit nervöser Handbewegung das weiße Deckchen auf dem Tisch glatt strich,„die Sorge um Dich, zwingt mich, davon zu sprechen, ob Du auf mich hören willst, ist eine an­dere Sache, ich habe dann wenigstens meine Pflicht getan. Glaube mir, Erik, diese Schriftstellerin mit ihrer hinreißenden Art und Weise ist eine Kokette, die Dich in ihre Netze ziehen wird, wie sie es mit allen meinen Bekannten getau hat, und selbst mit Dei­nem Vater, Deinem nüchternen, ehrenhaften Vater, der so ein­genomnen von ihr war, daß es jahrelang deswegen zu heftigen Auftritten zwischen uns gekommen ist. Lag ihr doch von jeher alles huldigend zu Füßen und deshalb wird es ihr ein leichtes sein, auch Dich zu betören. Ach, wenn Du ahntest, wie ich ge­litten habe unter der Gewißheit, daß sie mich aus dem Herzen Deines Vaters gleichsam verdrängt hatte, Du würdest nicht von mir verlangen, schweigend zuzusehen, daß sie mir jetzt auch noch den Sohn entstendet. 106

Erik hatte dem Erguß seiner Mutter mit gemischten Empfin­dungen zugehört, und als er jetzt den dunklen Kopf hob, las sie auf seinen Zügen unverkennbar den inneren Unwillen. 150.20