Hrummen und dem„Schwerter Jolksblatt“ Die„Schwerter Zeitung“ erscheint täglich, ausser Feiertags. Bezugspreis. ink 1 cs vierieljährlich, bei der Post 42 Pf. für Bestellgeld mehr. Wöchentliche Gratis-Beilage:„Illusirierter 4 Familienkreund“. o o o o o o o o oo o o o o f## Anzeigenpreis: Die sechsgespaltene Petitzeile oder deren Raum uoPI. Buzegen von auswäns 1sPI., Retlanezele 40 Pl. Die„Schwerter 1711) NKI Zeitung“ gewährt ihren####g 16/y, Rbonnenten für jeden mit Cod enenden Unfall gemäss un„I#I#S8 seren Bedingungen 500 MXD! Unerstützung. Aile Kreis- und Lokalpolizeilichen Verordnungen für den Kreis Hörde erlangen gemäss Bekanntmachung der Königl. Reglerung — Jurch Ueröftentlschung in der„Schwerter Zeitung“, rechtsverbindlische Kraft. m C OOCCOOOOOC0 Druck u. Gerlag von Garl Braus, Schwerte. Fernsprech-Rnschluss Nr. 62 Amt Schwerte. Celegr.-Adresse: Braus, Schwerte-Ruhr — Erstes und ältestes Tagesorgan des Kreises. O Haupt-Annoncenblatt. Mittwoch, den 3 Juni 1908. 40. (Letzte Fernsprech=Meldungen.) Der bisherige Gerichtsassessor Otto Laue=Bochum wurde als besoldeter Beigeordneter auf 12 Jahre bestätigt. Der Kaufmann Preußer=Haspe als unbesoldeter Beigeordneter der Stadt Haspe auf fernere 6 Jahre bestätigt. Staatssekretär Dernburg ist gestern in Kapstadt eingetrofsen und vom Premierminister Merriman empfangen worden. Er wird während seines Kapstadter Aufenthalts Gast des Gouverneurs sein. Der Kaiser und die Kaiserin von Rußland siedelten gester nachmittag nach ihrer Sommerresidenz Peterhof über. Gestern ist in Hongkong der erste Europäer der Pest erlegen. Gestern wurden 27 Erkrankungen gemeldet. Die Fälle mit tötlichem Ausgange sind außerordentlich zahlreich. General Buller, der die britischen Truppen zu Anfang des südafrikanischen Krieges kommandierte, ist in der vorletzten Nacht gestorben. Seit Deutschland im Jahre 1890 seine Rechte auf Zanzibar gegen das damals im englischen Besitz befindliche Helgoland eingetauscht hatte, hat es nicht an Politikern und gut national gesinnten Männern gefehlt, die den Kaufpreis dafür zu hoch erachteten und immer wieder behaupteten, daß wir unser Anrecht auf die wertvolle Insel Zanzibar viel zu billig abgegeben hätten. Diese Klagen sind durchaus unbegründet. Man sollte nicht vergessen, daß gerade bei dem Wiedererstarken Deutschlands zur See der Besitz einer unseren größten Seehäfen unmittelbar vorgelagerten Insel für uns von größter Bedeutung ist, und zwar schon aus dem Grunde, weil sie in der Hand des Feindes für diesen einen unübertrefflichen Stützpunkt abgeben würde, von dem aus er unseren Außenhandel schädigen und die Unternehmungen unserer Flotte lahm legen könnte, während sie, in unserm Besitz und entsprechend ausgebaut, wie ein weit gegen den Feind vorgeschobenes uneinnehmbares Fort wirken würde. Die Frage, welche Bedeutung der Besitz von Helgoland für uns hat, ist seinerzeit selbstverständlich gründlich von den zuständigen Fachmännern geprüft worden. Und wenn diese zu der Ueberzeugung gekommen sind, daß der Besitz von Helgoland für uns gerade in kriegerischen Zeiten von größter Bedeutung ist, so wird es sich für Laien empfehlen, sich diesem Urteil von Sachverständigen anzuschließen. Zweifellos ist die heimatliche Erde von allergrößter Bedeutung für uns, weit mehr als alle überseeischen Besitzungen. Denn nur, wenn Deutschland an seinen eigenen Grenzen vor feindlichen Uebergriffen fest und gesichert dasteht, kann es die Kraft entwickeln, um sich auch an anderen Stellen unseres Erdballes einen Platz an der Sonne zu sichern. Unsere leitenden Persönlichkeiten haben seit dem Erwerbe der Insel nicht außer Acht gelassen, diesen teuer erkaufren Platz für uns wertvoller und bedeutungsvoller zu machen, so daß Helgoland in einem möglichen Seekriege auch wirklich die Rolle wird spielen können, die ihm darin zugedacht ist. In den letzten Jahren ist die Insel durch umfangreiche Schutzbauten gegen die verheerende Gewalt der Fluten gesichert worden, und im neuesten Etat hat die Reichsregierung nicht unbedeutende Mittel zur Vervollständigung des militärischen Ausbaues der Insel gefordert. Hierzu gehören 1,2 Millionen Mark für die Anlage von Befestigungen und vor allem 30 sich auf eine Reihe von Jahren verteilende Millionen für den Bau eines Torpedoboot=Hafens. Von der letzteren Summe hat der Reichstag bereits 2 Millionen bewilligt. Außerdem ist beabsichtigt, auf der Insel eine Kaserne und ein Artilleriedepot anzulegen. Man wird erwarten dürfen, daß auch in den kommenden Jahten an dem weiteren Ausbau der zwar kleinen, aber unendlich wichtigen Insel gearbeitet werden wird, deren Kanonen im Kriegsfalle einen großen Teil des für eine feindliche Flotte in Betracht kommenden Fahrwassers beherrschen. Erst dann wird sich die wahre Bedeutung Helgolands für unsere heimatliche Küste und unseren Außenhandel klar erkennen lassen. Möglich, daß Helgoland zu der Zeit, wo wir es erwarben, nicht unsere Anrechte auf Zanzibar wert gewesen ist; heutigentages möchte jedoch wohl niemand diesen Vertrag wieder rückgängig machen. Denn jetzt ist Helgoland sicher weit mehr wert für uns, als Zanzibar je für uns wert gewesen ist, und zwar vor allem dadurch, daß wir es zu dem gemacht haben, was es ist: zu dem wichtigsten Stützpunkt für unsere Flotte in einem Kriege. Auch in England sieht man den Vertrag jetzt mit anderen Augen an, als vor 18 Jahren. Schrieben doch vor nicht langer Zeit erst die„Times“ in einer Betrachtung über die durch den Kaiser Wilhelm=Kanal und Helgoland erhöhte Angriffskraft unserer Flotte:„Wir sind für die Abtretung Helgolands reichlich entschädigt worden. Es ist aber sehr fraglich, ob wir heute den Vertrag wieder abschließen würden, wenn uns dazu die Gelegenheit geboten wäre, da wir einsehen gelernt haben, daß der geschlossene Handel nicht so gut war, wie er es zu sein schien.“ Deutschland. Als Konflikt zwischen Bundesrat und Reichstag hatte die „Köln. Volksztg.“, das leitende Organ des Zentrums, die Ablehnung des Reichstagsbeschlusses über die Behandlung von Handlungsgehilfen in Krankheitsfällen seitens des Bundesrats bezeichnet. Das ist eine kolossale Uebertreibung, da von einem Konflikt gar keine Rede ist. Es handelte sich hier lediglich um die Ablehnung eines Reichstagsbeschlusses, der im Reichstage selbst scharfe Gegnerschaft gefunden hatte. Hätte die„Köln. Volksztg.“ Recht, dann müßte auch jedesmal ein Konflikt vorliegen, wenn der Reichstag einen Antrag des Bundesrats ablehnt. Wechsel im Oberkommando der Schutztruppe. Oberleutnant Quade, der den Staatssekretär Dernburg im vergangenen Jahr auf der Reise nach Deutsch=Ostafrika begleitete, soll entschlossen sein, sein Abschiedsgesuch einzureichen. Es sollen Unstimmigkeiten zwischen dem Oberstleutnant und dem Staatssekretär des Reichskolonialamtes eingetreten sein, die ein gemeinsames Arbeiten beider Herren zur Unmöglichkeit machen.— Ausgeschlossen wäre ja eine solche Eventualität von vornherein nicht. Anderseits bleibt zu bedenken, daß das Gerücht von dem Wechsel in den Tagen der ersten Hundstagshitze stattfand, die die günstigste Brutperiode für Zeitungsenten darstellt. Da ist also in jedem Falle Vorsicht geboten. Eine nennenswerte Ausdehnung der Erbschaftssteuer kommt für die Reichsfinanzreform nicht in Betracht. Die„Münch. N. Nachr.“ schreiben hierzu: Die Richtigkeit der Meldung, daß der preußische Finanzminister Frhr. von Rheinbaben seinen Widerstand gegen eine weitere Ausdehnung der Reichserbschaftssteuer aufgegeben habe, wird stark bezweifelt werden müssen, wenigstens insoweit, als eine Besteuerung des Erbganges in direkter Linie, von Eltern auf Kinder und umgekehrt, in Betracht kommt. Hiernach wie nach verschiedenen anderen Meldungen ist anzunehmen, daß ein nennenswerter Ausbau der ReichsPonikie Hcholtien. Roman von Seta von Starkenstein. 16 Isabella dankte ihm mit dem ausdrucksvollen Gruß eines alten Bekannten, mit dem uns, verborgen vor aller Welt, ein Geheimnis verbindet. ** * Auf den von knospenden Erikas übersäeten Heideflächen webten die Strahlen der Nachmittagssonne ein weites, goldschimmerndes Netz, als Erik Melssen etwa eine Woche später wieder nach Elgardsruh, diesmal auf seinem eigenen Pferde ritt. Agues empfing ihn und wollte ihre Mutter benachrichtigen, doch bestand er so dringend darauf, diese ungestört zu lassen, daß sie nachgeben mußte. Vor Verlegenheit wußte sie nicht, womit die Unterhaltung beginnen, Erik Melfsen gefiel ihr heute noch besser als das erstemal. Alles an ihm war einfachste Natürlichkeit, alles Absichtliche mit seinem Wesen unvereinbar, und sie fühlte instinktiv, daß er auf einer Lebensstufe stände, die ihr unerreichbar bleiben würde. Auch er war von einer leichten Verwirrung ergriffen, als sein Blick auf das offene Pianino und die Noten fiel, deren Titelblatt den großgedruckten Namen„Wagner“ trug. Er fragte, ob sie die schwierigen Kompositionen mit Vorliebe spiele. „Ich?“ Dunkle Röte ergoß sich über ihre rosigen Wangen. „Ach nein! Mama spielt und Pitta ist sogar eine Künstlerin, die spielt und singt vollendet, aber ich kenne kaum mehr eine einzige Note. Nur Mama und Pitta sind so reich begabt, mich hat die Vorsehung wohl dabei vergessen.“ Sie sagte das so überzeugt, als ob die Talsache auch Erik selbstverständlich einleuchten müsse. Deshalb hielt er die vorschnelle Schmeichelei zurück, sie erschien ihm den einfachen Worten gegenüber unpassend. „Die Natur beschenkte doch wohl ihre Kinder nicht so ungleich, wie Sie denken mögen, in uns schlummern manche Eigenschaften und Talente, die zu wecken nur eines Anstoßes bedarf. Das liegt meistens in den äußeren Verhältnissen, die dazu angetan sein müssen, solche schlummernden Fähigkeiten aus Licht zu ziehen und entsprechend zu fördern.“ Agnes nickte beifällig und fuhr ein wenig freimütiger fort: „Ich bin deshalb auch gar nicht traurig, ist es mir doch gegeben, mich am Schönen und Talenten anderer zu erfreuen. Und gerade hier in dieser Heide gibt es so viel Herrliches, das Meer, die unendliche Einsamkeit und jene bezaubernden Stimmungen der Natur, wie sie unberührt aus Gottes Hand kommen; darin zu leben, ist einzig schön, und bin deshalb so dankbar für meine heimliche Welt! Doch da plaudere ich von Dingen, die nur mich angehen und für Sie gewiß langweilig sind.“ „Ich höre Ihnen so gern zu, wie noch niemals einer anderen jungen Dame, Fräulein von Hallör. Das soll keine Schmeichelei sein, ich würde mich nicht erdreisten, eine solche zu äußern.“ Sie errötete und lächelte beglückt, wie jemand, dem es wohl tut, von dem sprechen zu dürfen, was seit langem das einsame Herz belebt. Aus Eriks Stimme klang warm die aufrichtige Ueberzengung, was sie flüchtig aus seinem dunklen Antlitz las, bestätigte diese so deutlich, daß Agues plötzlich nach einem Vorwand, ihm zu entrinnen, suchte, als zu ihrer Erleichterung Frau von Hallör hereinkam, und Erik noch ein paar Stunden der Unterhaltung mit ihr im Fluge vergingen. Es war schon Abend, als er fortritt, im weißlichen Licht des Vollmonds, das mit geisterhafter Klarheit über der einsamen Gegend lag. Sein Entschluß stand fest, er wollte heiraten, und es sollte Agues von Hallör sein, die ihm wie keine zweite berufen erschlen, das häusliche Glück eines Mannes zu begründen. Nach dem langen Umherirren in der Fremde sehnte er sich nach einem gemütlichen, eigenen Heim, das zu errichten ihm seine Verhältnisse erlaubten. Aques war ein Engel, sauft und lieblich, nachgiebig, ganz, wie er sich die zukünftige Gattin gewünscht hatte, und obendrein entzückend schön, das verjüngte Ebenbild der Mutter. Nur eins bedauerte Erik lebhaft, er war sehr musikalisch, und ihr fehlte nach dem unumwundenen Bekenntnis jedes Verständnis für die Musik, die ihn die göttlichste der Künste dünkte; immerhin war es dem entnervenden Geklimper einer Stümperin vorzuziehen, dieser kleine Mangel sollte ihn nicht an seiner Werbung um sie hindern. * Als er an Eichhofen vorbeiritt, saher hinter den matt erleuchteten Feustern des Wohnzimmers den Schatten seiner Mutter sich bewegen und ging, um ihr„Gute Nacht“ zu sagen, noch auf einen Augenblick hinein Sie kam ihm mit der Beschwerde entgegen, daß Isabella seit kurzem stundenlang oben bei Mathilde sitze und sie allein lasse. „Es ist traurig mit den Kindern von heutzutage, Isabella tut, was ihr beliebt, und wollen wir nicht in stetem Zerwürfnis leben, bin ich gezwungen, nachzugeben! Wo, warst Du, Erik, und wie geht es mit der Praxis?“ „Sehr gut. Mama, wenn auch bis jetzt nur die Aermsten mich zu Hilfe riefen, sind sie mir doch die liebsten. Ich war auf Elgardsruh." „Schon wieder?“ Frau Albertine Melfsen preßte die Lippen zusammen.„Denken konnte ich mir freilich, daß es mit dem ersten Male nicht sein Bewenden haben würde, Erik, es ist gut, daß Du noch auf einen Augenblick zu mir hereingekommen bist, ich habe mit Dir zu sprechen.“ „Die Zeit Deines Hierseins hat mich bereits gelehrt, daß die Welt mir den Einfluß auf meinen Sohn geraubt hat, und mir nichts übrig bleibt, als an Dein Herz zu appellieren. Ich möchte Dich dringend bitten, Deine ferneren Besuche auf Elgardsruh einzustellen, glaube mir, ich habe dafür meine Gründe.“ „Was sind es für Gründe?“ „Du sollst sie erfahren,“ entgegnete Frau Professor gepreßt, während sie mit nervöser Handbewegung das weiße Deckchen auf dem Tisch glatt strich,„die Sorge um Dich, zwingt mich, davon zu sprechen, ob Du auf mich hören willst, ist eine andere Sache, ich habe dann wenigstens meine Pflicht getan. Glaube mir, Erik, diese Schriftstellerin mit ihrer hinreißenden Art und Weise ist eine Kokette, die Dich in ihre Netze ziehen wird, wie sie es mit allen meinen Bekannten getau hat, und selbst mit Deinem Vater, Deinem nüchternen, ehrenhaften Vater, der so eingenomnen von ihr war, daß es jahrelang deswegen zu heftigen Auftritten zwischen uns gekommen ist. Lag ihr doch von jeher alles huldigend zu Füßen und deshalb wird es ihr ein leichtes sein, auch Dich zu betören. Ach, wenn Du ahntest, wie ich gelitten habe unter der Gewißheit, daß sie mich aus dem Herzen Deines Vaters gleichsam verdrängt hatte, Du würdest nicht von mir verlangen, schweigend zuzusehen, daß sie mir jetzt auch noch den Sohn entstendet. 106 Erik hatte dem Erguß seiner Mutter mit gemischten Empfindungen zugehört, und als er jetzt den dunklen Kopf hob, las sie auf seinen Zügen unverkennbar den inneren Unwillen. 150.20 Ai Türe A erbschaftssteuer für die Finanzreform des Schatzsekretärs Sydow nicht in Betracht kommt. Deutsch=schwedische Wassensreundschaft. Der Kaiser empfangt am Mittwoch in Berlin eine Abordnung des in Malmö stehen den schwedischen Husarenregiments„Kronprinz". Die zwölf Offiziere reisen dann nach Bromberg weiter, um das Grenadier= regiment zu Pferde Frhr. v. Derfflinger Nr. 3 zu besuchen, dessen Chef der König von Schweden ist. Krupp und die preußische Krone. Die Nordd. Allg. Ztg. stellt gegenüber hartnäckigen Gerüchten fest, daß der Firma Krupp niemals, weder vor noch nach dem Kriege 1870 71 irgend eine finanzielle Unterstützung seitens des preußischen Kronfideikommissars oder sonst aus königlichen Privatfonds zuteil geworden ist und daß diese Fonds niemals mit irgend einem Kapitalbetrage an dem Kruppschen Werke beteiligt gewesen sind. Aus dem Auslande. England. London, 2. Juni. König Eduard, der am „dritten“ Pfingstfeiertage vor Reval einzutreffen gedenkt, wird sein Zusammensein mit der russischen Kaiserfamilie, das zuerst auf acht, dann auf vier Tage bemessen worden war, noch weiter einschränken. Der„Times“ zufolge geht die Jacht des englischen Kaiserpaares, die am kommenden Dienstag in der Reede von Reval eintrifft, am Donnerstag früh schon wieder in See. An Land geht König Eduard überhaupt nicht. Anfangs waren. wie erinnerlich. Besuche des Königs in Petershof und auch in Petersburg geplant. Davon ist jetzt nicht mehr die Rede. Rußland. Petersburg, 2. Juni. Ueber den Besuch des Präsidenten Fallieres am Zarenhofe schweben noch immer eifrige Verhandlungen zwischen Paris und Petersburg. Wahrscheinlich wird der Präsident am 27. und 28. k. M. mit dem Kaiser von Rußland in Reval zusammentreffen. Danach scheint es, als böte der russische Boden selbst für den Präsidenten einer Republik nicht die erforderliche Sicherheit. Wie König Eduard in der Pfingstwoche, so wird auch Präsident Fallieres im Juli in Begleitung von Ministern und Diplomaten erscheinen. Frankreich. Paris, 2. Juni. In Beantwortung des Protestes, den die„Humanite“ des Sozialistenführers Jaures gegen die Rußlandreise des Präsidenten Fallieres veröffentlicht, erwidert die der Regierung nahestehende„Aurore“: Es ist notwendig, daß die russisch=französische Allianz immer enger wird. Deutschland, das uns in den letzten Tagen mit Repressalien drohte(!!) und mit unglaublicher Naivität erklärte, es werde die Gründung eines neuen Dreibundes nicht dulden, ist der beste Agent für Frankreichs auswärtige Politik. Durch sein brüskes und provozierendes Auftreten hat Deutschland das System der Ententen geradezu Frankreich aufgedrängt(!). So schreibt, wohl gemerkt, nicht etwa eines der chauvinistischen Blätter Frankreichs, deren Rodomontaden niemand ernst oder gar tragisch nimmt, sondern ein dem Ministerpräsidenten Clemenceau sehr nahestehendes Organ. Kaum im Besitze der aufs neue besiegelten englischen Freundschaft, glauben die Franzosen über Deutschland herfallen zu können. Der tiefere Grund der gelinden Raserei, die aus den angeführten Auslassungen spricht, liegt jedoch augenscheinlich in der Aussichtslosigkeit einer intimeren Annäherung Englands an Rußland und der Stabilisierung eines zweiten Dreibundes. Die Protestkundgebungen der linksliberalen und sozialistischen Kreise Englands gegen den Besuch des Königs Eduard in Reval haben ihre Wirkung getan und Frankreichs Revanchelust um eine Hoffnung ärmer gemacht. Urteil im Prozeß Schiwara Leipzig, 2. Juni. Das Reichsgericht fällte im Prozeß Schiwara folgendes Urteil: Der Angeklagte Schiwara wurde zu 12 Jahren Zuchthaus, 10 Jahren Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaussicht verurteilt. Fünf Monate Untersuchungshaft werden auf die Strafe angerechnet. Der Angeklagte wurde für schuldig befunden des vollendeten, versuchten Verbrechens und fortgesetzter Handlung nach§ 1 und eines vollendeten und versuchten Verbrechens nach§ 3 des Spionagegesetzes. Bei Strafzumessung erschwerend war in Betracht zu ziehen die gemeine und ehrlose Gesinnung, die der Angeklagte an den Tag gelegt hat und die große Gefährlichkeit seiner Handlungsweise. Festgestellt ist, daß er sich von den UnDnnkle Schatten. Roman von Seta von Starkenstein. 18 Das ist sehr traurig, Mama, da werden freilich die Kämpfe nicht ausbleiben, aber ich bin überzeugt, daß Erik dem Willen seiner Mutter nicht Folge leisten wird; mir ist es, als ob er überall seine Umgebung beherrsche, wenigstens habe ich diesen Eindruck von ihm. Und so muß es auch eigentlich sein, nicht wahr, Mama?“ fuhr sie mit aufleuchtendem Blicke fort,„der Mann muß der Gebietende sein, großmütig, gerecht und liebevoll beschützend, wenn ihn das Weib so recht aus tiefster Seele lieben und verehren soll. Mama, kannst Du es fassen, daß er mich gewählt hat, gerade mich, die ich so tief an Wissen, Erfahrung und Verstand unter ihm stehe?" Ihr Haupt war auf den Schoß der Mutter gesunken, während sie das letztere halb zu sich selbst gesprochen. Deshalb merkte sie es nicht, daß über Frau von Hallörs Wangen langsam eine Träue foß.... Raim2 i2 wich „Gewiß, Agnes, Erit ist sehr selostandiger Natur, er wird Dich schließlich auch ohne die Zustimmung seiner Mutter heimführen, aber es würde doch ein häßlicher Mißton sein in Eurem jungen Glück. Mag es denn herannahen. Nur eins möchte ich Dir zu bedenken geben, es kann nicht früh genug geschehen: spanne Deine Erwartungen in Betreff Erik Melfseus und der Ehe überhaupt nicht zu hoch, mein Herz, das Leben pflegt im allgemeinen so wenig von dem zu halten, was es verspricht, sei in großem Sinne auf Enttäuschung gefaßt, jede Blume, die dann auf Deinem Wege blüht, wird Dir um so lieblicher duften! Darin liegt ein Teil der wahren Lebenskunft.“„„„ 9 Als Agnes in diesem Moment die augen voll tiefempfundenen Glückes zu der Mutter aufschlug, hatte diese nicht den Mut, noch ein zweites Bedenken zu erwähnen, die Frage, ob dieses einfache Mädchen, das nichts besaß als ein Herz voll demütiger Liebe, dem Mann von Geist und feurigem Empfinden auf die Dauer genügen werde? Doch fort mit diesen Gedanken, warum schon jetzt die düsteren Bilder aus dem Schoß der Zukunft heraufbeschwören, die vielleicht gnädig im Dunkel verhüllt blieben. „Laß gut sein, Aques, wir wollen heiter sein, hoffentlich geht teroffizieren Kenntnis von geheim zu haltenden Dingen und Gegenständen verschafft hat. Leipzig, 2. Juni. Der anläßlich des 200jährigen Jubiläums der Regimenter 106 und 107 hier weilende König von Sachsen wohnte mittags nach beendeter Parade eine Zeitlang dem Hochverratsprozeß gegen Schiwara im Reichsgericht bei. Aus Stadt und Umgebung. Schwerte, den 3. Juni. **(Gedenktage am 3. Juni.) 1901 Graf Waldersee's Abreise von Peking.— 1901 F Frhr. von Staufenberg. Ehem. Vizepräsident des Reichstages.— 1896; Dr. Gerhard Rohlfs zu Godesberg. Ber. Afrikareisender.— 1845* Staatsminister Arthur Adolf Graf von Posadowsky=Wehner zu Groß=Glogau. — 1740 Aufhebung der Tortur. —.(Landtagswahl.) Wenn die heutige Nummer in die Hände unserer Leser kommt, ist im preußischen Lande die Entscheidung in den Wahlmännerwahlen in der Hauptsache gefallen. In den kleineren Orten ist das Wahlresultat bereits festgestellt, in größeren Städten, die bis in den Nachmittag hinein wählen, ist es kaum noch wesentl. zu beeinflussen, wenn auch die Vertrauensmänner der einzelnen Parteien noch im Schweiße ihres Angesichts„schleppen“. Ja, dieses Schleppen, es ist das unangenehmste Wahlgeschäft, mit dem der vielseitige Vertrauensmann betraut werden kann. Wer nicht selbst zum Wahllokal kommt, hat irgend einen Grund, weshalb er nicht wählen will, und für den Schlepper ist es eine undankbare Aufgabe, dem Widerspenstigen seine Antipathie auszureden. Gelingt es ihm, dann kommt er triumphierenden Antlitzes mit seiner Beute angezogen, um sich gleich hinterher auf das nächste Opfer zu stürzen. Der Grimm aber, wenn ein mit vielen Opfern an Beredtsomkeit Geschleppter nun am Ziel mit der unschuldvollsten Miene von der Welt den gegnerischen Kandidaten wählt.— Hervorragendes Interesse bei diesen Wahlen beanspruchen einmal die Berliner Wahlkreise, weil dort die greifbarste Aussicht vorhanden ist, daß die Sozialdemokratie in das ihnen bisher verschlossene Landesparlament einziehen. Mit einer Anzahl Mandate rechnen sie wohl selbst nicht; aber auch nur ein erobertes Mandat bedeutet für sie einen großen Erfolg, und auf diesen wird mit allen, auch den verderblichsten Mitteln, z. B. rücksichtslosestem Terrorismus, hingearbeitet. Dieser Terrorismus der Sozialdemokratie beweist, wie noch jüngst der Abg. Prinz Schönaich=Carolath zugestand, schlagender als alle schönen Betrachtungen und Reden die völlige Unhaltbarkeit einer öffentlichen Wahl, und daß dieses Mal zum letzten Male unter einer öffentlichen Wahl die Würfel fallen, ist keinem einsichtsvollen Politiker zweifelhaft.— Für uns im engeren Bezirk ist das Schicksal des einstigen Riesenwahlkreises oder auch der einstigen Riesenwahlkreise des Industriegebietes von lebhaftem Interesse. Die Kreise waren bislang unbestrittener nationalliberaler Besitz, aber es wird hart um sie gekämpft, und neben dem Zentrum macht sich auch die Sozialdemokratie(siehe Kreis Hörde) Hoffnungen auf Erfolg.— Im übrigen bieten die Wahlen kein allzu lebhaftes Bild; den Sturm einer Reichstagswahl lösen sie keinesfalls aus.— Soweit wir dazu in der Lage sind, werden wir durch Extrablätter die bereits erreichbaren Resultate bekannt geben. Im übrigen wiederholen wir, daß wir auf nationale Wahlen hoffen. Wahlen, die die Rechte von Krone und Staat und die Wahrung und Förderung des Volkswohles gewährleisten. Mögen die Würfel in diesem Sinne gefallen sein. (Was der Landmann vom Juni sagt.) Menschen und Juniwind ändern sich geschwind.— Wenn im Juni Nordwind weht, kommt Gewitter oft recht spät.— Nicht zu naß und nicht zu kühl, nicht zu trocken, nicht zu schwül, warm und naß und kühl und trocken, dann gibt der Brachmond in die Milch zu brocken.— Vor Johannis(24.) bitt’ um Regen, nachher kommt er ungelegen. Ein Feuer und Wasserkessel drauf, ist des Brachmonds bester Lauf.— Was bis September soll geraten, das muß schon im Juni braten.— Auf den Juni kommt'es an, daß die Ernte soll bestah'n.— Ist es Corpori Christi(24.) klar, bringt es uns ein gutes Jahr.— Wenn der Kuckuck noch lang' nach Johannis schreit, ruft er Mißwachs und teure Zeit.— Vor dem Johannistag keine Gerste man loben mag.— Vier Tage vor und nach der Sonnenwende zeigen die Winde bis alles aufs beste. Und wenn der Segen einer Mutter Glück bringen vermag, den meinen hast Du in überreichem Maße. der Veranda neben dem Gartenzimmer auf Eichhofen, die üppig wuchernder Efeu ringsum dämmernd verhüllte, saß Isabella über eine wunderliche Stickerei gebeugt. In ihrer Nähe lag ein mit papiernen Mohnblumen besetztes Palmenblatt, das sie von Zeit zu Zeit ergriff, um sich Kühlung zuzufächeln, die Luft war schwül und heiß. Da wurde im Gartenzimmer ein kurzer Wortwechsel laut und gleich darauf erschien in der offenen Verbindungstür Frau Professor, den Kopf, auf dessen grauem Scheitel ein schwarzes Spitzenhäubchen thronte, zurückgeworfen, in dem vollen Gesicht die Zeichen unverkennbarer Erregung. „Was war denn los, Mama?“ fragte Isabella gleichgültig, ohne von ihrer Arbeit aufzusehen. „Solche Unverschämtheit, autwortete die Angeredete mit zornbebender Stimme,„ich möchte nur wissen, wie der Mann dazu kommt, sich solche Dreistigkeiten herauszunehmen.“ Willst Du mir nicht zuvor erklären, von wem die Rede ist, Mamachen? Ich werde dann besser in Deinen Zorn mit einstimmen können.“ Von wein anders als von dem eingebildeten Verwalter, der tut als ob sein bißchen Adel ihn über uns erhebt. Mir ist das Benehmen des Mannes schon längere Zeit ein Dorn im Auge. Kommt soeben der Gärtnerbursch mit einem Buch und darauf gelegt ein Rosensträußchen: einen Gruß von Herrn von Kirstein, und er erlaube sich, dem Fräulein den Band Geibelscher Gedichte zu senden. Das ist doch stark!“ „Finde ich, offen gestanden gar nicht, Mama. Wo sind denn „Die Blumen? Aber ich habe den Burschen mit dem Bemerken fortgeschickt, das müsse ein Irrtum sein. „Aber Mama, wie konntest Du? Herr von auf meinen Wunsch die Gedichte versprochen, und deshalb ist es eine Unhöflichkeit, ihm das Buch auf diese Weise zurückzusenden.“ Frau Professor entfernte mit ärgerlicher Geberde ein paar welke Blätter des hereinwuchernden Eseus.„Du pflegst also derartige Unterhaltungen mit dem unangenehmen das habe ich allerdings nicht gewußt! Ich an Albertine Melssen betonte diese Worte auffallend,„würde das Sommers Wende.— Stellt der Juni mild sich ein, wird's auch der Dezember sein.— Regen am Siebenschläfertag(27.) bringt Regen sieben Wochen darnach.— Wenn kalt und naß der Juni war, verdirbt er meist das ganze Jahr.— Juni trocken mehr als naß, füllt mit gutem Wein das Faß.— Regen am St. Vitustag(15.), die Gerste nicht vertragen mag. Am Medardus es nicht regnen mag, es regnet sonst wohl vierzig Tag'.— Bläst der Juni ins Donnerhorn, bläst er ins Land das liebe Korn. — Medardus(8.) gibt keinen Frost mehr her, der dem Weinstock gefährlich wär'.— Wie's Wetter ist am Medardustag(8.), bleibt es sechs Wochen lang darnach.— Wie's Wetter auf Medardus fällt, es bis zum Mondes Schluß anhält.— Was St. Medardus für Wetter hält, solch Wetter in die Ernte fällt.— Regnet's am St. Barnabas(11.), schwimmen die Trauben bis ins Faß.— Juni feucht, aber warm, macht den Bauer auch nicht arm. Nordwind im Juni gesandt, weht Korn in's ganze Land.— O heiliger Veit(15.), 5 regne nicht, daß es uns nicht an Gerste gebricht. (Ueber die Frage der Bekämpfung des Alkoholmiß= brauchs) hat sich der Vorstand der Knappschaftsberufsgenossenschaft im besonderen wie folgt geäußert:„Der Genossenschaftsvorstand hält es nicht für notwendig, daß seinerseits besondere Maßnahmen zur Steuerung des Alkoholmißbrauchs getroffen werden, da schon nach den bestehenden Bergpolizeiverordnungen und den Arbeitsordnungen der einzelnen Betriebe das Mitbringen alkoholischer Getränke und der Genuß derselben auf der Arbeitsstätte verboten sei. Ueberdies sei die Zahl der Unfälle, welche auf Trunkenheit der Verletzten oder ihrer Mitarbeiter zurückgeführt werden können, so gering, daß sich auch in dieser Beziehung besondere Schritte nicht rechtfertigen würden.“ (Die Einnahmen aus dem Verkauf von Versicherungsmarken) betrugen bei der Landesversicherungsanstalt Westfalen im März 1908 796 496,60 Mk., im April 797234,58 Mk., bei der Anstalt für die Rheinprovinz im März 1616 740,56 Mk., im April 1700 771,71 Mark. Der starke Anteil der Industrie an den Beiträgen zur Landesversicherung ergibt sich aus den Ziffern der übrigen Industriegebiete. Es betrug der Erlös aus Beitragsmarken in Schlesien 1107 436,62 Mk. im März, 1 188 258,28 Mk. im April, im Königreich Sachsen 1309 429,58 Mk. im März, 1 376 671,30 Mk. im April. Demgegenüber stehen die agrarischen Provinzen Ostpreußen mit 270 615,66 Mk. bezw. 273 059,90 Mk., Westpreußen mit 216 475,16 Mk. bezw. 214 808.92 Mark. nr(Pfingstferien.) An den Volksschulen unserer Stadt beginnen die Pfingstferien am Freitag und dauern bis Donnerstag nächster Woche; der Unterricht beginnt am Freitag. An den höheren Schulen beginnen die Ferien gleichfalls am Freitag und dauern bis Montag, den 15. Juni einschließlich. *(Blitzschlag.) Bei dem gestern morgen über unsere Gegend niedergegangenen Gewitter wurde in Wandhofen eine dem Landwirt Thomashoff gehörige Kuh im Stall vom Blitz getroffen. Das Tier wurde so schwer verletzt— die Beckenknochen waren vollständig zersplittert— daß es abgeschlachtet werden mußte. (Glück beim Unglück) hatte gestern der Arbeiter Hußmann auf der Möhling'schen Nietenfabrik, der von einem Transmissionsrienen erfaßt und in die Höhe gezogen wurde. Zum Glück schlug der Riemen ab, so daß H. mik dem Schrecken und einigen zerrissenen Kleidungsstücken davon gekommen ist. Westhofen, 3. Juni.(Von der Biersteuer.) Bekanntlich hatte vor einigen Monaten die hiesige Stadtvertretung die Einführung einer Biersteuer beschlossen. Große Entrüstung herrschte ob dieses Beschlüsses in allen Kreisen der Bürgerschaft; verschiedene Wirte haben bereits, um die Steuer auf die Konsumenten abzuwälzen, statt der bisher üblichen einviertel Biergläser solche von einfünftel Liter Inhalt eingeführt. Diese letztere Maßnahme ist jedoch jedenfalls eine sehr verfrühte, da die neue Steuer noch gar nichk eingeführt ist und, wie hier bestimmt verlautet, die Stadtväter ihren früheren Beschluß wieder aufheben wollen. Geisecke, 3. Juni.(Maul= und Klauenseuche.) Unter dem Rindviehbestande des Wirts Franz Humpert(Wellenbad) ist die Maul= und Klauenseuche ausgebrochen. Ueber die Gemeinden Geisecke und Villigst ist seitens der Polizeibehörde die Sperre verhängt. lieber unterlassen, da es Sven Torbald nicht sehr willkommen sein kann zu sehen, daß neben ihm auch sein Verwalter sich um Deine Gunst bewirbt. Wie grenzenlos töricht und unvorsichtig das gehandelt ist, Isabella.“ „Mag sein, Mama, um so mehr, da Herr von Kirstein ein armer Schlucker ist, der außer seinen achthundert Mark jährlichem Gehalt keinen Pfennig besitzt, aber ich bin nun einmal töricht und unvorsichtig und Gott mag wissen, wohin mich diese Eigenschaften treiben; in den gesicherten Hafen der Ehe jedenfalls nicht! Vielleicht zerschelle ich mit meinem Lebensschiff an irgend einem Felsriff, wer weiß?“ Frau Professor wollte mit einer Klage über Isabellas unbegreiflichen Charakter antworten, als Eriks Stimme einen„Guten Morgen“ rief, im selben Moment war er auch schon in der Veranda. „Guten Morgen, Erik, wie hübsch Du aussiehst, ich wette, Du kommst von Elgardsruh,“ sagte Isabella mit neckischem Lächeln. „Woraus schließest Du das?“ „Aus Deinem strahlenden Gesicht!“ Zweifellos muß es seine guten Gründe haben, wenn man mit so glückverheißender Miene von diesen Damen kommt," warf die Frau Professor ironisch ein. „Liebe Mama, ich kann die Ausbrüche Deiner feindlichen Gesinnung gegen diese mir teure Familie nicht verhindern, aber ich muß Dich bitten, sie in meiner Gegenwart zu unterdrücken, wenn Du nicht willst, daß ich mich von hier fernhalte! Du erinnerst Dich unseres Gespräches über Frau von Hallör und Deiner Befürchtungen, nun wohl, um Dir zu beweisen, wie unbegründet Dein Verdacht war, wie unrecht Du ihr getan hast, teile ich Dir schon heute mit, daß ich im Begriffe stehe, mich mit ihrer jüngsten Tochter Agues zu verloben.“ „Meinen Glückwunsch, Erik," rief Isabella herzlich,„Du hast einen guten Geschmack! Seit ich Frau von Hallör und ihre Tochter neulich in der Kirche gesehen habe, bin ich entzückt von ihnen, sie ist ein reizendes Mädchen. Nun erfolgte eine lange Auseinandersetzung; Albertine Melfsen aber blieb wie vom Donner gerührt, und lange noch, nachdem Erik Eichhofen schon verlassen hatte, ging sie mit stürmisch erregtem Innern auf und ab. 150,20 Westfalen und Rheinland. * Dortmund, 2. Juni.(50 000 Märk Miete.) Das am Stadthafen gelegene städtische große Lagerhaus soll zum Herbst d. Is., die Genehmigung der Stadtverordneten vorausgesetzt, an die Westfälische Transport=Aktiengesellschaft vermietet werden. Die Miete soll 50000 Mark im Jahr betragen. * Bochum, 2. Juni. Heute nachmittag versuchte der etwa 26jährige Bureaugehilfe Albert Schlang aus Laer die Verkäuferin Tilly Kuhlmann aus Barop, die hier auf der Alleestraße eine Kolonialwarenfiliale leitet, zu erschießen. Das Mädchen wurde jedoch nur leicht verletzt. Als es ohnmächtig zusammenbrach, richtete der Täter die Waffe gegen sich selbst und fand den Tod durch einen Schuß in die Schläfe. Das Motiv zur Tat dürfte in Eifersucht zu suchen sein. * Oberhausen, 2. Juni. Bei der Montage der neuen Hochöfen der Eisenhütte 2 der Gutehoffnungshütte stürzte der 20jährige Arbeiter Peinkelmeier 10 Meter tief ab; er erlitt einen doppelten Schädelbruch und verschies nach wenigen Minuten. — Bei der Gutehoffnungshütte tritt am 1. Juli der General= direktor, Kommerzienrat Ziegler, nach 35jähriger Tätigkeit in den Ruhestand; sein Nachfolger ist noch nicht bestimmt. * Brilon, 2. Juni. In Alme wurde ein junger Mann von einem wütenden Eber zu Boden gerissen und furchtbar mit den Hauern bearbeitet. Die erhaltenen Verletzungen sind derartig schlimm, daß der Mann hoffnungslos darniederliegt. * Aachen, 1. Juni. Der Kreisschulinspektor des Landkreises, Dr. Steffens, hatte eine Verfügung erlassen, worin er den Lehrerinnen des eine halbe Stunde von hier entfernten Ortes Brand vorschrieb, wie oft und auf wie lange sie Aachen besuchen dürften. Der Ortsschulinspektor sollte über die Befolgung dieser Verfügung wachen. Jedenfalls infolge höherer Anordnung hat der Kreisschulinspektor diese sonderbare Verfügung jetzt zurückgezogen. * Wetter, 1. Juni. Leichenfund. Am gestrigen Abend, kurz nach 10 Uhr, wurde von einem Bahnwärter auf dem Gleise Wetter=Witten in der Nähe der Wirtschaft Strohmann zu Geldern die Leiche eines unbekannten jungen Mannes gefunden. Ober= und Unterkörper sind voneinander getrennt. Ein bei der Leiche gefundenes Buch lautet auf den Namen Wilh. Trockels aus Ampen bei Soest. Offenbar handelt es sich um Selbstmord. Die Leiche wurde in das hiesige Totenhaus übergeführt. * Elberfeld, 1. Juni. Größeren Unterschlagungen ist man hier bei der Konfektionsfirma Triebel und Altemüller auf die Spur gekommen. Angestellte haben sich schon seit längerer Zeit Bergmannshemden angeeignet und ins Ruhrkohlengebiet an Helfershelfer versandt, von denen sie verkauft wurden. Bis jetzt sind vier der ungetreuen Angestellten festgenommen worden. Weitere Verhaftungen stehen bevor. Die Höhe der Unterschlagungen stehk, da die Untersuchung noch nicht abgeschlossen ist, noch nicht fest. vergilbten Blättern Verkannte Erfinder und Entdecker gab es zu allen Zeiten. Man höre nur, was die„Schwerter Zeitung“ vom 15. Januar 1875 aus M.=Gladbach zu melden weiß: „Eine Erfindung von ungeheurer Wichtigkeit hat ein Barbier in M.=Gladbach gemacht. Er hat nämlich entdeckt, daß alle Krankheiten von der Kartoffel herrühren, und hat zugleich eine Methode erfunden, dieselbe unschädlich zu bereiten, sowie auch ein Universalheilmittel gegen alle Krankheiten. Er war bereits gestern hier an der Königl. Regierung, um sich ein Patent darauf geben zu lassen. Da er es nicht erhalten hat, will er sich ans Ministerium wenden.“ Auch die Fleischteuerung hat im Jahr 1875 schon zu Abwehrmaßregeln geführt. So liest man am 27. Januar in der „Schwerter Zeitung": „Eine Aktien=Metzgerei für Aachen und Burtscheid mit einem Betriebskapital von 75000 Mark ist dieser Tage hier ins Leben getreten. Zweck des Unternehmens ist, die enorm hohen Fleischpreise der hiesigen Metzger herunterzudrücken.“ und das Ferienkurse in Jena. Seit einer Reihe von Jahren finden in Jena naturwissenschaftliche und pädagogisch=philosophische Ferienkurse statt. Vielfachen Wünschen zufolge soll diesen Kursen im Sommer 1908 zum ersten Male eine selbständige Abteilung für Nationalökonomie, Sozialwissenschaften und Kolonialpolitik angegliedert werden. Es sind u. a. folgende Vorlesungen in Aussicht genommen: Einführung in die Nationalökonomie, Steuerpolitik, Bank= und Börsenwesen, die industrielle Entwicklung, deutsche Handelspolitik im 19. Jahrhundert, Bodenreform, Mittelstandspolitik, Sozialismus und Sozialdemokratie, die Arbeitskämpfe in der Industrie, deutsche Wirtschaftsgeschichte, Politische Geschichte Deutschlands im 19. Jahrhundert. Ferner vier kolonialwissenschaftliche Vorlesungen. Als Dozenten wirken Jenaer und auswärtigen Universitätsprofessoren. Als Hörer kommen für die Kurse besonders in Frage: Staats= und Gemeindebeamte, Studierende, Industrielle, Kaufleute, Bankbeamte, Techniker, Ingenieure, Privatangestellte, Geschäftsführer von Interessenverbänden und anderen wirtschaftlichen und politischen Organisationen, Gewerkschaftsführer etc. Die meisten der Kurse sind 6stündig(5. bis 11. August), jedoch sind auch 12stündige(5. bis 18. August) vorgesehen. Sämtliche Veranstaltungen finden in der Universität und in den Räumen des Volkshauses der Carl Zeiß=Stiftung statt. Das ausführliche Programm ist kostenfrei zu beziehen von dem Sekretariat der Jenaer Ferienkurse, Jena, Gartenstraße Nr. 4. mancher nicht weiß. Was bedeutet der Ausdruck„Flitterwochen"? Man hat zwei Erklärungen hierfür. Die neuvermählten Frauen der mittelalterlichen Zeit trugen nämlich besonders schöne Hauben, die mit flitternden Goldblättchen, ähnlich kleinen Münzen, bedeckt waren. Aus leicht begreiflichen Gründen trug man sie aber, da sie eben mehr ein Festtagsschmuck waren, nur kurze Zeit, nur einige Wochen. Danach hatte man sich eingelebt, und so waren die„Flitterwochen“ vorbei. Alte Flitterhauben sind im Germanischen Museum in Nürnberg zu sehen.— Die zweite Erklärung greift auf das mittelalterliche Wort„flittern“ zurück, was etwa so viel wie flüstern, kichern, kosen bedeutet. Dergleichen soll ja in einer jungen Ehe manchmal vorkommen, wie Eingeweihte versichern. Später läßt das„Flittern" nach, und dann sind eben auch die„Flitterwochen“ zu Ende. Buntes Allerlei. Gegen das Auto. In London entlud sich die Volkswut gegen den Führer eines zu schnell fahrenden Omnibusses, der ein Kind umgerissen und getötet hatte. Der Mann wurde furchtbar zugerichtet, ehe sich die Polizei seiner annehmen konnte. Auch der Schaffner wurde schwer verletzt. Das Auto wurde von der Menge zertrümmert und umgeworfen. In die Tiese gestürzt. Bei Monastero in Italien stürzte ein Wagen eines Nebenbahnzuges vom Bahndamm in das bedeutend tiefer liegende Gelände hinab. Der Heizer des Zuges wurde getötet, 25 Personen wurden verletzt, unter ihnen acht schwer. Schiffszusammenstöße. Der spanische Dampfer„Bermeo“, und der englische Dampfer Queenswood, stießen im Nebel zusammen und liefen schwer beschädigt in Dover ein. Ferner stieß der englische Dampfer„Loanda“ mit einem unbekannten spanischen zusammen. Am Rumpf beschädigt, lief die„Loanda“ an den Strand. Die Besatzung wurde gelandet. Ein furchtbares Gewitter ging über Lüttich in Belgien nieder. In einem Stadtteil drang das Wasser in Keller und Erdgeschosse und erreichte nach ewnigen Minuten eine Höhe von eineinhalb Meter. In zahlreichen Geschäften wurden die Vorräte zerstört oder arg beschädigt. Das von der Höhe niedergehende Wasser hatte eine solche Gewalt, daß das Pflaster aufgerissen und Wagen und Pferde weggeschwemmt wurden. Letzte Drahtmeldungen. Abreise des schwedischen Königspaares. Berlin, 3. Juni. Abends fand zu Ehren des schwedischen Königspaares großer Zapfenstreich mit Fackelillumination statt, welchem die Fürstlichkeiten vom Balkon des Königl. Schlosses beiwohnten. Ungeheure Menschenmassen genossen das große musikalische Schauspiel. Gegen 11 Uhr reiste das schwedische Königspaar nach herzlicher Verabschiedung vom Kaiserpaar vom Bahnhof ab. Der homo sapiens als Versuchskanin. London, 3. Juni. Nach einer Meldung aus Newyork sind beide Lungenflügel des von Dr. Carrol mit Tuberkelbazillen geimpften Frank Merritt zur Hälite infiziert und sein Auswurf zeigt unzählige Tuberkelbazillen. Dr. Carrol erklärte, daß seine Kur bereits Wirkungen ausgeübt habe und daß der Husten allmählich abnehme; das Atmen sei normal, Schlaf, sowie Appetit gut. Dr. Carrol hat vor dem Experiment seinen Rechtsanwalt befragt; dieser erklärte ihm, daß er sich einer Strafverfolgung wegen Tötung aussetze, falls der Patient Merritt sterbe. Er habe trotzdem den Versuch gemacht. Dr. Carrol erhielt auch das Anerbieten einer Frau aus Baltimore, sie mit Tuberkelbazillen zu impfen. Zum Besuch der deutschen Pastoren. London, 3. Juni. Die„Times“ erklärt in einem Leitartikel über den Besuch der deutschen Pastoren in bemerkenswerter Weise, es sei zu hoffen, daß diese mit angenehmen Erinnerungen in die Heimat zurückkehren würden. Die deutschen Gäste könnten nicht verfehlen, den Eindruck mit fortzunehmen, daß ihre Gastgeber durch sie achtungsvolle und freundliche Grüße an ihre Amtsbrüder daheim zu übermitteln wünschten. Zwischen den Kirchen beider Länder beständen starke Bande. Das frühere englische Vorurteil gegen deutsche Bibelforschung sei geschwunden. Falls die deutschen geistlichen Herren lange genug verweilen könnten, würden sie den Einfluß der hervorragenden Geister ihrer Vorfahren in England ebenso mächtig finden wie in Deutschland. Zum Besuche König Eduards in Rußland. London, 3. Juni.„Daily Telegraph“ hebt in einem bemerkenswerten Leitartikel die denkwürdige und epochemachende Bedeutung von König Eduards Zarenbesuch hervor, der als internationale Kundgebung in Verbindung mit des Königs Bestrebungen zur Erhaltung des Völkerfriedens dargestellt wird. Das Blatt hofft, da beide Mächte nicht Nebenbuhler seien, werde ihrer vereinten Tätigkeit die Beruhigung Mazedoniens gelingen. 50 000 Mark Bestechungsgelder. München, 3. Juni. Im Magistrat kamen gestern die schweren Anklagen der„Münchener Post“ zur Sprache, wonach bei der seinerzeitigen Begründung der Hausmüllverwertung 50 000 Mark zur Bestechung von Mitgliedern der städtischen Kollegien zur Verfügung gestellt worden sein sollen. Rechtsrat Wölzl gab eine Erklärung ab, daß kein Mitglied oder Beamter aus jenem Anlaß in irgend einer direkten oder indirekten Form bestochen worden sei. Im Laufe der Debatte erhob der sozialdemokratische Magistratsrak Schmid neuerdings gegen den Generalkonsul von Oldenburg, Reichsrat von Maffei und die Kaufleute Sigmund Neuhofer und Ludwig Frank den Vorwurf, sie hätten seinerzeit Bestechungsgelder ängeboten. Empfang Dernburgs in Kapstadt. Kapstadt, 3. Juni. Die Presse bietet dem Staatssekretär Dernburg ein herzliches Willkommen. Die„Captimes“ lobt seine staatsmännische liberale Behandlung der Eingeborenenfrage und erörtert auch die öfters besprochene Verbindung der Bahnen aus den deutschen Kolonien in Südwestafrika mit den kapländischen Eisenbahnen. Das Blatt meint ferner, daß vom britischen Standpunkt das Projekt sowohl aus ökonomischen wie strategischen Gründen unausführbar wäre. Eine kleine Entgleisung Fallieres. Paris, 3. Juni. Anläßlich der Anwesenheit Fallieres auf englischem Boden kam es zu einer kleinen, aber viel bemerkten Unstimmigkeit. Als nämlich der Präsident der französischen Republik im Begriff war England zu verlassen, richtete er an König Eduard die übliche Abschiedsdepesche, um noch einmal für den Empfang seinen Dank zum Ausdruck zu bringen. Das Telegramm begann bekanntlich folgendermaßen:„Ich erachte es für notwendig, Ew. Majestät noch einmal für den Empfang zu danken———.“ In diesem Telegramm wurde nun mit keinem einzigen Worte der Königin von England gedacht. Dagegen antwortete König Eduard, indem er seine Depesche mit folgender Einleitung begann:„Ich und die Königin sind entzückt—.“ Man ist nun in hiesigen politischen Kreisen der Meinung, daß Präsident Fallieres sich durch die Fassung seines Telegramms für die Nichteinladung seiner Frau revanchieren wollte, worauf ihm König Eduard eine kleine freundschaftliche Lektion erteilte. (Alle unter dieser Rubrik besprochenen Bücher sind in der Carl Braus'schen Buchhandlung zu haben.) Der sogen.„Blaue Harzführer“, die offizielle Vereinsschrift des Harzer Verkehrs=Verbandes, ist soeben in neuer verbesserter und erweiterter Ausgabe erschienen.(Verlag der Hofbuchhandlung Rud. Stolle, Bad Harzburg. Preis 50 Pfg.). Verbessert ist das sehr praktische Buch durch Ergänzung des umfangreichen Kartenmaterials und erweitert durch ein übersichtlich gruppiertes Kursbuch. Das flott geschriebene und mit 75 Illustrationen — Ansichten aus dem ganzen Harz— versehene Vorwort stammt aus der Feder von Hans Hoffmann und schildert die Vorzüge des Harzes in sehr überzeugender Weise. Dann folgt der„Praktische Führer" durch den Harz, eingeteilt in 15 Wegeabschnitte(von Halberstadt bis Hildesheim). Dieser Führer verdient wirklich die Bezeichnung„praktisch“, denn es ist darin alles gesagt, was sowohl der den Harz bereisende Wanderer wissen muß, wie auch was der länger im Harze Kur= oder Sommerfrische Genießende wissen muß. Unterstützt werden diese Angaben durch 41 leicht lesbare Routenkarten. Hierauf folgt eine Zusammenstellung aller Harzbahnen mit entsprechenden Anschlüssen und sämtliche Omnibusverbindungen im Harz, sowie Fahrposten. Die Reichhaltigkeit gerade dieser Angaben lassen das Mitschleppen eines Kursbuches vollständig überflüssig erscheinen. Schließlich bringt das Buch noch als lose Beigabe eine Spezialkarte vom ganzen Harze, die übersehen läßt, wie die einzelnen Orte zu einander liegen. Auf der Rückseite dieses Blattes befindet sich eine Zeittafel, aus der man ersehen kann, welche Fahrzeit die Reise nach den einzelnen Orten in Anspruch nimmt und welcher direkten Eisenbahnlinien mit Schnellzugsverkehr man sich am vorteilhaftesten bedient. Wir wünschen dem„Blauen Harzführer“, welcher durch alle Buchhandlungen bezogen werden kann, die weiteste Verbreitung. 2529 Kommunismus, Anarchismus, Sozialismus, unter diesem Titel verfaßte Dr. Franz Ludwig eine 200 Seiten starke Streitschrift, der er den Untertitel„Geschichtliches und Kritisches“ gibt. Für jeden bürgerlichen Politiker ist diese Schrift eine notwendige Waffe und eine vorzügliche Quelle im Kampfe gegen sozialistische Agitation. Der Preis beträgt 2,00 Mark, und wiegt den Wert der Waffe bei weitem nicht auf. Briefkasten T. R. Hier. Ihr Beitrag ist zu verwenden, und können Sie weitere Beiträge gelegentlich anbieten. Jedoch ist die erste Bedingung die Lüftung Ihres Anonyms. Verantwortlich: Für Politik, Feuilleton und verwandte Gebiete: Friedhelm Kemper; für Provinz und Lokales: Friedr. Kraas; für Inserate und Reklame: Tilman Vasen. Druck und Verlag von Carl Braus, sämtlich zu Schwerte. Nachtrag zum Chausseegeldtarif vom 29. Februar 1840(G.=S. S. 94 ff.) und zum Ergänzungstarif vom 6. Juni 1904(G.=S. S. 139/40). An Chausseegeld wird entrichtet 1. von einsitzigen Kraftfahrrädern ohne jeden Anhang 5 Pfg., 2. von allen übrigen Kraftfahrrädern 10 Pfg. Chausseegeld wird nicht erhoben von Kraftfahrrädern, welche den Hofhaltungen des Königlichen und des Fürstlich Hohenzollernschen Hauses, dem preußischen Staate oder dem deutschen Reiche gehören oder für deren Rechnung betrieben werden. Im übrigen finden die Befreiungen und die zusätzlichen Vorschriften zum Chausseegeldtarif vom 29. Februar 1840, mit den durch spätere Gesetze und Verordnungen bedingten Maßgaben auf den Verkehr mit Kraftfahrrädern entsprechende Anwendung. Berlin, den 23. April 1908. Der Minister der öffentlichen Arbeiten Breitenbach. Vorstehender Nachtrag wird mit dem Hinweise veröffentlicht, daß die Erhebung von Chausseegeld für Kraftfahrzeuge erhoben werden darf, wenn die Berechtigung dazu den einzelnen Hebestellen äuf Antrag von mir besonders erteilt worden ist. Arnsberg, den 11. Mel 1908. Der Regierungs=Präsident. 2553 AIV b911. In Vertr.: Haxter. Bekanntmachung. In den Kreisen Arnsberg, Soest und Hattingen sind Erkrankungen an Pocken vorgekommen. Da die Gefahr einer Uebertragung der Seuche auf weitere Gebiete besteht, mache ich darauf aufmerksam, daß alle irgendwie verdächtigen Fälle im hiesigen Amtsbezirke innerhalb 24 Stunden nach erlangter Kenntnis der Polizeibehörde anzuzeigen sind. Als pockenverdächtige Erkrankungen gelten z. Zt. auch Windpocken. Diejenigen Personen, welche sich einer kostenfreien Schutzimpfung unterziehen lassen wollen, können dies bei den hiesigen Impfärzten Medizinalrat Dr. Schulte in Hörde, Dr. med. Lind in Aplerbeck und Dr. med. Voigt in Holzwickede ausführen lassen. W2574 Aplerbeck, den 2. Juni 1908 Eine H2567 Wrhnung von 3 Zimmern auf sofort oder später zu vermieten. Näheres in der Exped. der Schwerter Zeitung. 2 Wohnungen zu vermieten. 2545 Liesenhoff, Hagenerstraße 4. In der unteren Etage sind zwei Stuben zu vermieten. 52535 Auhstraße 16. Ne ben vielen anderen Waschmitteln ist tie gedacht doch das beste. Dreierlei Sorten zu haben (15 J. 20 J, 35 J das 559 Paket.) Anläßlich der in den Kreisen Arnsberg, Soest und Hattingen aufgetretenen Erkrankungen an Pocken und die dadurch bedingte Gefahr einer Uebertragung der Seuche auf weitere Gebiete bringe ich gemäß der Verfügung des Herrn Regierungs=Präsidenten vom 7. dss. Mts. I.=Nr. Allb 2609 die gesetzliche Anzeigepflicht für Pocken in Erinnerung. Die Nichtbefolgung dieser Bestimmung zieht empfindliche Strafen nach sich. Ich mache noch darauf aufmerksam, daß in dieser Zeit als pockenverdächtige Erkrankungen auch Windpocken gelten. Auch für diese besteht die Anzeigepflicht. Westhofen, den 16. Mai 1908. Der Amtmann: 2334 v. Daniels. Zur gefälligen Mitteilung, daß ich am gestrigen Tage die Wirtschaft des Herrn Carl Jungesblut(„Zur Glocke“) übernommen habe. Ich halte mich den geehrten Bewohnern von Schwerte und Umgegend bestens empfohlen und bitte um geneigten Zuspruch. H2581 A Hochachtungsvoll J. Eickhoff. Für die Weizenmehl 000 weiß u. hochbackend per Pfund 14 Pfg. 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April 1908 für den Umfang des hiesigen Polizei=Bezirks die nachstehend aufgeführten Zeitungen bestimmt, in denen die öffentliche Bekanntmachung über das Stattfinden einer öffentlichen Versammlung zur Erörterung politischer Angelegenheiten (politische Versammlung) für den Fall zu erfolgen hat, in dem eine mündliche oder schriftliche Anzeige bei der Polizei=Behörde nicht erstattet wird. Hierbei genügt es, wenn die Bekanntmachung in einer der bezeichneten Zeitung erfolgt 1) Dortmunder Zeitung 2) Hörder Volksblatt, 3) Schwerter Zeitung(amtliches Kreisblatt) Ich bringe dies hierdurch zur allgemeinen Kenntnis Wellinghofen, den 27. Mai 1908 2575 Der Amtmann: Hartung. 5 e — 0 Haumnaus-Suren-Hablel gepr. Uhrm. HOERDE, Bickefeldstrasse 43 und 56. (2 Geschäfte) empfiehlt sein grosses Lager und wirklich billige Preise in: Alle Arten Taschenuhren und Goldwaren, Regulateure. 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Schwerter Itg. Verbunden mit der„Schwerter Volkszeitung“ und dem„Schwerter Volksblatt“ Die„Schwerter Zeitung“ erscheint täglich, ausser Feiertags. Verugspreis: mk. 1.6s vierteljährisch, bei der Post 42 Pf. für Bestellgeld mehr. Wöchentliche Gratis-Beilage:„Illustrierter Familienfreund“. o 0 O O O O O O O O O O O 0 Anzeigenpreis.Die sechsgespaltene Petitzeile oder deren Raum 10 Pf., Anzeigen von auswärts 1S Pf., Reklamezeile 40 Pf. Die„Schwerter währt Ihren jeden mit Cod fall gemäss unungen Zeitung“ geAbonnenten für endenden Unseren BedingUnterstützung. Alle Kreis- und Lokalpollzeilichen Verordnungen für den Kreis Hörde erlangen gemäss Bekanntmachung der Königl. Reglerung durch Veröftentlichung in der„Schwerter Zeitung“, rechtsverbindliche Kraft. o c 0 O 0 0 O OC OCC 0 Druck u. Verlag von Carl Braus, Schwerte. Fernsprech-Anschluss Nr. 62 Amt Schwerte. Celegr.-Adresse: Braus, Schwerte-Ruhr Erstes und ältestes Tagesorgan des Kreises. S Haupt-Annoncenblatt. Nr. 129 Mittwoch, den 3 Juni 1908. 40. Nach dem Gewitter. Die Blitze ruh'n, des Donners Toben schweigt, Gleich heißen Rossen blanke Dächer dampfen, Der Riesenschlote schwarzer Atem steigt, Und die Maschinen hört man wieder stampfen... Da wölbt es sich, gefügt von Gotteshand, Wie eine Brücke, durch die Luft gezogen; Und über all' dem Lärm des Lebens spannt Barmherzigkeit den siebenfarbnen Bogen. Nach D. Höffner. — Wahlterrorismus. Am heutigen Mittwoch finden in Preußen die Wahlmännerwahlen für das Abgeordnetenhaus statt. In dem Wahlkampf hat die Sozialdemokratie eine eigenartige u. bisher von keiner Partei angewendete Taktik insofern befolgt, als ihre Parteileitung auf die kleineren Geschäftsleute, deren Kunden sich größtenteils aus Arbeiterkreisen rekrutieren, einen unerhörten Druck auszuüben versuchte. In dem sozialdemokratischen „Vorwärts“ stand wiederholt die Drohung zu lesen, die Arbeiter würden hinfort diejenigen Geschäftsleute rücksichtslos boykottieren, die bei der preußischen Landtagswahl anders als sozialdemokratisch wählen sollten. Diese Drohung stellt einen Terrorismus dar, wie er noch von keiner Partei geübt worden ist. Es ist in ihm auch offenbar eine strafbare Handlung einbegriffen.§ 107 des Reichs=Strafgesetzbuches besagt:„Wer einen Deutschen durch Gewalt oder durch Bedrohung mit einer strafbaren Handlung verhindert, in Ausübung seiner staatsbürgerlichen Rechte zu wählen oder zu stimmen, wird mit Gefängnis nicht unter sechs Monaten, oder mit Festungshaft bis zu 5 Jahren bestraft. Der Versuch ist strafbar.“ Wer einem Geschäftsmann mit der Entziehung der Kunden droht, der bringt gegen ihn ohne Frage ein Gewaltmittel zur Anwendung, denn er bedroht direkt die Existenz des Betreffenden. Dieses eigentümliche Kampfmittel ist überdies außerordentlich charakteristisch für die Denkart der Sozialdemokraten, die immer das Recht und die Freiheit der Persönlichkeit im Munde führen. Dieses Recht und diese Freiheit jedoch da, wo sie dazu die Macht besitzen, in brutaler Weise mit Füßen treten. Wenn die Sozialdemokratie glauben sollte, mit ihrer neuesten Methode gleichzeitig einen Druck auf die preußische Staatsregierung zugunsten des geheimen Wahlrechts auszuüben, so ist sie damit augenscheinlich einer starken Täuschung anheimgefallen. Die Regierung ist nicht geneigt, diesem Terrorismus der sozialdemokratischen Parteileitung Konzessionen zu machen. Das hat bereits das Organ des Fürsten von Bülow, die Nordd. Allg. Itg., zu erkennen gegeben, als sie zu den Auslassungen des„Vorwärts“ vielsagend bemerkte:„Alles das klingt, als seien die Genossen es aufrichtig müde geworden, nach den sonst gebräuchlichen Anstandsregeln und mit der üblichen Rücksicht noch fernerhin behandelt zu werden.“ Wie es in den Wald hineinschallt, schallt es wieder heraus. Als Wächter des Gesetzes wird der Staat es zu erreichen wissen, daß seinen Angehörigen die freie Ausübung der gesetzlich gewährleisteten Rechte von keiner Seite verkümmert wird. Aus Stadt und Umgebung. Schwerte, den 3. Juni. (Mit Niesenschritten) geht's nach dem Anbruch des Juni vorwärts in der Natur. Wohin wir blicken, ist alleg entfaltet, und schon ist die dunklere Farbenschattierung des Laubes erkennbar. Das sanfte Grün verschwindet, tiefgrün und größer werden die Blätter. Die Blütenpracht erreicht ihren Höhepunkt, der Fruchtansatz tritt an die Stelle der Blüten, und die Früchte reifen allmählich. Der Bauer fährt ins Heu, die Mahd setzt ein und die Wiesen müssen ihren Frühlingsschmuck lassen. Kling=klang tönt's, wenn der Wetzstein die Sense oder die Sichel berührt. Und der schlanken, stolzen Birke geht's an den Stamm. Sie muß Zweige hergeben oder gar ihr Leben lassen, steht doch das Pfingstfest in wenigen Tagen bevor, und ist die Menschheit gewohnt, ihr Heim mit Birkenzweigen zu schmücken, mit den würzig duftenden„Maien“. So heißen sie nun einmal, wenn auch Pfingsten, wie 1908, erst in den Juni fällt. Der Kalmus kommt hinzu. Die Jugend versteht es und macht es mik Wonne, ihm Töne zu entlocken, die durch„Mark und Pfennige“ gehen. Haben es aber die Männlein und Weiblein von jetzt in der Jugendzeit besser gemacht? Man vergißt nur zu leicht. Jugend will austoben, wie der beste Wein der ist, dessen Gärung wild war. Damit soll nicht allen Untugenden das Wort geredet sein, wohl aber soll man der Jugend eine gewisse Ungebundenheit und harmlose Fröhlichkeit gewähren. Und schlägt sie über die Stränge, nehmt Holz vom— Birkenstamme. A:(Der Westfälische Landgemeindetag) beschloß einstimmig, 1913 einen Haftpflichtversicherungsverein für die Gemeindeverbände, insbesondere für die Landgemeinden der Provinzen Rheinland und Westfalen ins Leben treten zu lassen. Die Ausführung dieser Absicht soll den Vorständen der Landgemeinde tage übertragen werden: Aemter und Verbände sollen ihre Versicherungen inbezug auf die Dauer mit diesem Plan in Einklang bringen. (Die Märkische Missionsgesellschaft) hält am 14. und 15. Juni in Hamm ihre Jahresversammlung ab. Am Sonntag. den 14. Juni, findet in der Großen Kirche ein Festgottesdienst statt, in dem Herr Pfarrer Seidenstücker aus Soest(St. Petri) die Predigt hält. Nachmittags, wird in Rietz' Garten eine Festversammlung abgehalten. Daselbst wird Herr Missionsinspektor Spiecker aus Barmen aus der Rheinischen Mission berichten, sodann werden Herr Prof. Dr. Eickhoff, Herr Rektor Terbrüggen und Herr Pastor Landwehr aus Rhynern sprechen. Die Gesänge begleitet der Bläserchor des Evangelischen Männer= und Jünglings=Vereins. Am Montag um 9,30 Uhr beginnen die Verhandlungen im Lutherhause. Herr Superintendent Niederstein wird sie eröffnen und den Jahresbericht geben. Dann folgt der Vortrag des Herrn Dr. med. Feldmann über die ärztliche Mission. Zum Schluß wird Herr Inspektor Spiecker noch interessante Mitteilungen über die Lage in Südwestafrika machen. *(Bierpreise in den Wartesälen 1. und 2. Klasse.) Vom 1. Juni dieses Jahres ab dürfen in den Wartesälen 1. und 2. Klasse, sowie auf den Bahnsteigen die früher zugelassenen erhöhten Bierpreise nicht mehr erhoben werden. Es sind in Zukunft zu verabfolgen. 0,2 Liter helles Bier für 10 Pfg. und 0,5 Liter für 25 Pfg. Als Höchstgrenze für Pilsener und Münchener Bier gilt der Satz von 25 Pfg. für ein Viertel Liter. Hiermit ist ein seitens der meisten Reisenden wie auch Ortseinwohner lange gehegter Wunsch erfüllt worden ?(Ein neues Verfahren zur Beseitigung von Müll) beschreibt nach englischen Quellen die Chemikerzeitung, Cöthen. Danach wird der Müll zunächst zerkleinert und dann in heißer Luft von etwa 200 Gräd Celsius getrocknet und schließlich mit Kohlen vermengt und vergast. Auf diese Weise wird Gas von rund 4300 Wärmeeinheiten gewonnen und nebenbei Ammoniak und Teer. Nach Versuchen in Barking wird für den Betrieb selbst 35 Prozent der erzeugten Kraft verbraucht, man hat den Roman von Seta von Starkenstein. 17 „Liebe Mutter, Du bauschest diese unbedeutenden und längst vergangenen Geschichten zu einer Tragik auf, daß ich nicht umhin kann, Dir zu sagen, Du irrst Dich vollständig in dem Charakter Natalie von Hallörs...“ „Nein, unterbrich mich nicht, Mama, wir wollen dieses Thema ein= für allemal dadurch erledigen, daß ich Dir gestehe, wie ich über die Frau von Hallör denke, für die ich schon vor der persönlichen Bekanntschaft jene Hochachtung und Verehrung hatte, wie man sie nur für geistig, seelisch und moralisch gleich hochstehende Menschen zu empfinden pflegt!“ Wie begeistert sprach er, die Stimme durchbebt von Junigkeit und Ehrfurcht! Voll maßloser Bitterkeit hatte Frau Professor die Erklärung hingenommen, und mit dem schmerzlichen Bewußtsein, daß ihr Sohn ihr hoffnungslos im Innersten entfremdet worden sei. * Ein paar Tage sind seit diesem Abend vergangen. „Verzeih die Störung, Mama, aber Herr Doktor Melssen kommt auf Elgardsruh zu.“ „Ist denn das ein so wichtiges Ereignis?“ fragte Frau von Hakkor schelmisch lächelnd,„oder erscheint der Besuch unseres jungen Arztes Dir so bedeutungsvoll?“ „Ich werde ihn nicht gut in diesem einfachen Kleide empfangen können, sondern möchte lieber ein anderes anziehen, deshalb kam ich Dich zu bitten, ihn zu begrüßen.“ Gewiß, Aques, aber seit wann wird denn meine Tochter so eitel? Ein bedenkliches Zeichen!“ Aber Agues, die freundliche Stimmung der Mutter bemerkend, war schon wieder zur Tür hinaus, eilte die Treppe hinab und war so schnell mit der Toilette fertig, daß Erik eben vom Pferde stieg, das der Gärtner Jörg ihm abnahm. Strahlenden Auges und lächelnd in ihrem unbewußten Glück schritt sie ihm im Salon entgegen. Ihre Erscheinung, die ihm auch heute von erneutem Liebreiz dünkte, ließ ihn vermuten, daß sie, ohne es selbst zu wissen, die Erwartung von irgend etwas besonderem hege. und der Wunsch stieg in ihmauf, ihre Hand an seine Lippen zu doch ein unbestimmtes Gefühl hielt ihn zurück. „Ich störe doch nicht, bitte, dann teilen Sie es mir offen mit. Ich habe einen Kranken in der Nähe und wollte nicht vorüberreiten, ohne Sie zu sehen.“ „O nein, Sie stören niemals! Ich habe angefangen, ein paar von meinen mühsam gezogenen Aurikeln zu malen, aber wie immer wollte es nicht gelingen; das ist ja auch nur kindische Spielerei. Ich sah Sie schon von weitem auf Ihrem Pferd und freue mich auf den Besuch.“ „Sie hat sich also für mich geschmückt, ein günstiges Zeichen,“ dachte Erik, träumerisch in den Anblick ihrer Lieblichkeit versunken. Agnes aber, wehrlos von dem Ansturm seiner heißen Blicke auf ihr kindliches Herz, war ihm sofort mit Leib und Seele verfallen. Von Seligkeit verwirrt, kam sie aus dem Erröten nicht mehr heraus und wäre vor zitternder Scham am liebsten in die Erde gesunken, bis endlich Frau von Hallör ihr Erlösung brachte, und Agues in die Einsamkeit ihres Zimmers flüchten durfte. Sie sah auf die Heide hinaus, ohne doch etwas anderes zu sehen als seine liebeglühenden Blicke. Träumte sie denn nicht, hatten denn seine Augen wirklich so zu ihr gesprochen, sollte es keine Täuschung gewesen sein? sie konnte es nicht fassen Nein, es war keine Täuschung. Sie preßte die Hände gegen die Brust, um den Jubelruf zu ersticken, und stürmisch schlugen die Wogen einer beseligenden Liebe über ihr zusammen. Nach einer Stunde hörte sie unten das Geräusch von Türen, und wünschte nichts sehnlicher, als daß Erik ginge, ohne sich von ihr zu verabschieden, ihre Bewegtheit würde sie der Mutter gegenüber verraten, aber es sollte ihr nicht erspart bleiben, unten hörte sie jetzt ihre Stimme. „Juliane, sagen Sie dem Fräulein, der Herr Doktor wünsche sich zu empfehlen.“ Nun nahm sie sich zusammen Galt es doch, ihre ganze Würde aufzubieten, um äußerlich die Fassung zu bewahren, von der ihr Inneres so wenig wußte, und es ging besser als sie gedacht. Es dämmerte schon im Korridor, und Erik war, als er ueben der Mutter stand, ein anderer. Nur als sie ihm die Hand zum Abschied reichte, hielt er sie mit innigen Druck lange fest. und das trieb von neuem heiße Blutwellen in ihre Wangen. Schweigend gingen Mutter und Tochter in das Wohnzimmer, das mehr und mehr von den Schatten des sinkenden Abends erfüllt wurde, und Agues trat aus Fenster, um dem in der Dämmerung Verschwindenden nach zusehen. Geräuschlos näherte sich nach einer Weile Frau von Hallör. „Meine Agnes, folgen Deine Gedanken ihm nach?“ Keine Antwort. Nur zwei Arme legten sich um den Hals der Mutter, und ein glühendes Gesicht preßte sich au ihre Wange. Lange hielten die beiden einander stumm umschlungen.„Ja, Mama.“ „Mein liebes, liebes Kind ich vermute, es naht sich uns ein wichtiges Ereignis, bereite Dich vor; Doktor Melssen wird in nächster Zeit um Dich werben.“ „Mama, glaubst Du es bestimmt?“ „Ja, Aques.“ „Aber Du hegst Bedenken, nicht wahr, Mama, das Glück wäre wohl für mich zu groß?“ kam es doch kaum verständlich vor Verwirrung von Agnes' Lippen zurück. „Es ist nicht das. Auch hast Du keinen Grund, so demütig vor mir zu sein," erwiderte Natalie von Hallör mit schmerzlichem Lächeln.„Komm, setzen wir uns hier nieder, ich will Dir erklären, was ich meine." Sie ließ sich in einem Sessel nieder, während Agues auf einem Polsterschemel zu ihren Füßen Platz nahm und gespannt zu der geliebten Mutter aufsah. „Ich fürchte, mein Liebling, aus diesem Bündnis, das wir jetzt willkommen heißen, werden harte Kämpfe für Euch erwachsen, und zwar durch Erik Melssens Mutter, die mich seit langem als ihre Feindin betrachtet, obgleich ich ihr in Wahrheit dazu keine Veranlassung gab. Sie kann es mir nicht vergessen, daß einst, vor einem halben Menschenalter, Dein Vater mich gewählt, nachdem sie selbst die festeste Hoffnung gehegt hatte, die Gattin des Obersten von Hallör zu werden. Seit jener Zeit hat sie mich schonungslos verurteilt und, des halb fürchte ich, daß sie diesem bis heute nicht erloschenen Hasse lieber das Glück ihres Sohnes opfern, als in eine Verbindung mit uns willigen wird.“ 150,20 Reingewinn danach auf rund 5 Mark für 1 Tonne Müll berechnet. Westfalen und Rheinland. Essen, 2. Juni. Der im September 1906 verhandelte Prozeß gegen den früheren Vorsitzenden des Vorstandes der Gewerkschaft Hattorf, Bankier Brandstetter von hier, erfuhr gestern eine neue Auflage. Wie erinnerlich, wurde Brandstetter damals wegen schwerer Urkundenfälschungen, begangen in idealer Konkurrenz mit Betrug, zu einem Jahre Gefängnis verurteilt. Er wurde überführt erachtet, 438 Kuxe und Anteilscheine der Gewerkschaft angefertigt, in Verkehr gebracht und die Gewerkschaft um mehr als 80000 Mark geschädigt zu haben. In der gestrigen Revisionsverhandlung wurde der Angeklagte wieder zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Auf die Untersuchungshaft sollen neun Monate und nicht, wie anfänglich erkannt, sechs Monate, angerechnet werden. * Ueberruhr, 2. Juni. Gestern Nachmittag gegen 4 Uhr ertrank hier beim Baden in einem Tümpel der Ruhr der 15jährige Bergmann August Müller von hier. * Elberfeld, 2. Juni. Aus Anlaß des Jubiläums der Firma David Peter u. Cie. in Neviges und Elberfeld wurde der Firma die goldene Staatsmedaille für gewerbliche Leistungen verliehen. Der Prokurist, Ferdinand Silberberg, der 50 Jahre bei der Firma tätig ist, erhielt den Kronenorden 4. Klasse. Außerdem wurde einigen Meistern und Arbeitern das Kreuz zum Allgemeinen Ehrenzeichen bezw. das Allgemeine Ehrenzeichen verliehen. * Oberhausen, 2. Juni. Das Opfer eines gemeinen Ueberfalls wurde gestern abend der Rößlwirt und Pferdemetzger Höffkes. Als er sich nach seinem Stammlokal begeben wollte, wurde er von dem Pferdemetzger Stübing und dessen Bruder und Schwager überfallen und erhielt 4 zehn Zm.=Stiche in Bein und Rücken. * Köln, 2. Juni. Wie durch ein Wunder wurden die Insassen eines Ausflüglerwagens vor einem Zusammenstoß mit einem Schnellzug gerettet. Unweit der Station Fi helmshütte kam in scharfem Tempo ein oberrheinischer Schnellzug herangesaust, als noch der Wagen bei offener Barriere auf dem Bahnkörper sich befand. Der Lokomotivführer gab Gegendampf, während Straßenpassanten hinzusprangen und das Pferd zu eiliger Fahrt antrieben. Da das Pferd gehorchte, wurden zehn Personen vor dem sicheren Tode bewahrt. * Bochum, 2. Juni. Gestern nachmittag erschoß ein junger Mann im Restaurant Salamander ein junges Mädchen und dann sich selbst. * Herne, 2. Juni. Der 15jährige Arbeiter Friedrich Lux von hier vergnügte sich mit mehreren Kindern durch das Fahren von Sandwagen. Er fiel von der Karre herab und erlitt derartige Verletzungen, daß er kurz darauf starb. * Aachen, 2. Juni. Nach einer neuen Drahtmeldung aus Lüttich ist der Eisenbahnunfall an der Gabelung der Linie nach Verviers=Herve nicht so folgenschwer, wie nach der ersten Meldung anzunehmen war. Nach der letzten Meldung entgleiste der vorletzte Wagen des Expreßzuges, der in Brüssel um 6 Uhr 13 Min. abgeht und in Herbesthal um 8 Uhr 59 Min. eintrifft, und zerstörte ein Signalhäuschen. Fünf Reisende wurden verletzt, davon zwei schwer. Unter den Verletzten befinden sich eine deutsche Dame und ein junger Deutscher. * Beuel, 2. Juni. Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich gestern vormittag hier. Als die 18jährige Tochter der Witwe Link nach dem Hochamt aus der katholischen Kirche trat, wurde sie von einem vom Kirchendach herabstürzenden Fensterladen getroffen. Sie erlitt am Kopfe schwere Verletzungen und mußte nach dem Krankenhaus überführt werden. Buntes Allerlei. Erdbeben in der Krim. In Jalta in der Krim, in dessen Nähe das Lustschloß Livadia des Zaren liegt, wurden vier Erdbebenstöße verspürt. Die Bewohner verbrachten die Nacht im Freien. Die Häüser sind teilweise beschädigt, die Telephonleitung ist unterbrochen. Mit ihren Kindern in den Tod. Aus Gram über den Tod ihres Mannes tötete im Norden Berlins eine verwitwete Milchhändlerin ihre beiden Jüngsten Kinder und sich selbst mit Leuchtgas. Tragödie im Kasseehaus. In einem Münchener Kaffeehaus versuchte ein Schauspieler aus Wien eine Kollegin aus Eifersucht zu erschießen. Der Schuß ging fehl. Der Mime wollte sich dann selbst erschießen; als ein Kellner ihm die Waffe entriß, brachte er sich mit seinem Taschenmesser einen lebensgefährlichen Stich in der Herzgegend bei. Juwelenraub. In dem Juwelengeschäft von Scholz in Kattowitz in Oberschlesien, das sich im Stadthause befindet, wo auch das Bureau der Kriminalpolizei untergebracht ist, wurde nachts ein Einbruch verübt. Die Diebe raubten für 25.000 M. Juwelen, goldene Uhren, Ketten, Ringe und aus einem eisernen Geldschrank 1200 Mark Bargeld. Beim Spielen mit einem Taschenterzerol erschoß ein achtjähriger Junge in Oberschöneweide bei Berlin seinen neunjährigen Spielkameraden Hagelwetter vernichtete einen großen Teil der Ernte in Mecklenburg, Lauenburg und Südholstein. Handel und Der rheinisch=westfälische Eisenmarkt meldet eine weitere Verschlechterung der Lage. Der Absatz stockt mehr und mehr, noch schlimmer steht es mit dem Verdienst. Das Inland ist wenig aufnahmefähig, und das Ausland kauft nur bei billigen Preisen. Immerhin ist die Lage nicht zum Verzweifeln, umso weniger, als der Rückgang sich andauernd in ruhigen Bahnen und nicht sprunghaft vollzieht, so daß sich die Werke leichter anpassen können. Zwischen Deutschland und der Schweiz schweben Zollstreitigkeiten. Ein Teil der schweizerischen Presse fordert in der Frage der Mehleinfuhr den Bundesrat zu entschiedenem Vorgehen gegen Deutschland auf, selbst auf die Gefahr hin, daß Vergeltung geübt wird. Die das schreiben, scheinen sich die Sache nicht recht überlegt zu haben. Die besonnenen Blätter warnen denn auch vor einem Zollkrieg den schweizerischen Müllern zuliebe. Der erste Tag unter der Herrschaft des neuen Börsengesetzes hatte am Montag zahlreiche Besucher an die Berliner Börse geführt. Das Handelsministerium hatte einige Vertreter entsandt, die sich über die Geschäftsentwicklung und die Kursfeststellung informierten. Der Platz, an dem der wieder zugelassene Terminhandel in Industriepapieren stattfand, war laut B. T. ziemlich belagert. Es zeigte sich hier, daß der Ultimohandel auch der Börsenpartei das Geschäft erleichtert. Aus den scharfen Kursrückgängen am Montanaktienmarkt darf jedoch nicht gefolgert werden, daß die Wiedereinführung des Terminhandels allein an diesen Rückgängen die Schuld trägt; es muß vielmehr in Betracht gezogen werden, daß die Wiedereinführung des Ultimoverkehrs zeitlich mit einer Depression in der Industrie zusammenfällt. Dies und Die Drohung mit dem„schwarzen Mann“ ist ein beliebtes Mittel schlechter Erzieher. Die Folgen sind nicht selten recht tragisch. Auch im Scherz gesprochen, können die Worte verhängnisvoll wirken. In Landeshut in Schlesien wurde ein spielendes dreijähriges Kind von einem größeren Schulmädchen mit den Worten erschreckt:„Da kommt der schwarze Mann, der uimmt dich mit!“. Das Kind verfiel in Starrkrampf, in dem es nach wenigen Stunden stard. Unglück auf dem Haff. Auf dem Frischen Haff trug sich ein schwerer Unfall zu. Zwei Krähne, die von der Nogatmündung nach Grensdorf Baggersand bringen sollten, wurden von der hochgehenden See umgeworfen und sanken. Die Besatzung von zwei Mann ertrank.— An der Eisenbahnüberführung bei Belitzhof unweit Berlin hatte am Sonntag das Automobil des Kaisers eben die Gleise passiert, als ein Zug nahte und die Schranken niedergelassen wurden. Da kam noch ein Autoomnibus; sein Führer vermochte den Wagen nicht mehr zum Halten zu bringen, und der Zug fuhr, obwohl gebremst, gegen das Auto, das die Schranken durchbrochen hatte. Einige Fahrgäste des Autos wurden leicht verletzt, mehrere Frauen waren in Ohnmacht gefallen. Das deutsche Schwein ist in Steiermark zu Ehren gekommen. In Wiener Blättern steht folgende Anzeige:„Milde Schinken, sowie sämtliche Selchwaren nur von deutschen Schweinen liefert am billigsten nach jeder Richtung: Fleischselcherei F. N...., Graz.“ In anderer Hinsicht sind wir nicht soweit, da muß uns das Ausland helfen. Haben wir jüngst gehört, daß englische Zuchtaale nach Deutschland kommen, so erfahren wir jetzt, daß mit dem Dampfer„Kaiser Wilhelm“, 200 amerikanische Ochsenfrösche an einen Regensburger Züchter verschifft wurden, der mit ihnen einen Versuch machen will, die deutsche Froschzucht zu heben. Da der 1. April längst hinter uns liegt, die Hundstage aber noch nicht angebrochen sind, scheint die Nachricht zuzutreffen. Rlandsant Schaate. (vom 15. Mai bis 1. Juni.) Geburten. 1 Sohn: Maurer Friedrich Henke, Metzger Wilhelm op den Winkel; Hülfsbremser Otto Wagener; Faberkarbeiter Wilhelm Rawe; Fabrikarbeiter Carl Lindheim; Fabritarbeiter Johann Wäcker; Fabrikarbeiter Clenens Brzelozni; Kaufmann Carl Böhmer; Schieferdeckermeister Wilhelm Gerber; Maurer August Auffenberg; Hülfsbremser Heinrich Velten; Schaffner Friedrich Hegenscheidt; Bergmann Hermann Rogge; Stellmacher Raimund Röder; Schreiner Heinrich Michels; Fabrikarbeiter Otto Przyswitt. 1 Tochter: Postschaffner Heinrich Schröder; Kesselheizer Hermann Hülshörster, Schlosser Hermann Graefe; Fuhrmann August Hackelberg. Aufgebote. Bahnarbeiter Friedrich Schumacher und Luise Runte zu Schwerte; Drahtzieher Julius Tillmann und Helene Rappert zu Schwerte. Eheschließungen. Bürogehilfe Wilh. Zeimann und Anna Schlickmann zu Schwerte; Polierer Heinrich Paul und Anna Haarmann zu Schwerte; Maurer Nikolaus Zaremba und Marianne Kasprzyk zu Schwerte; Fabrikarbeiter Wilh. Böringer und Alma Rothstein zu Düsseldorf und Schwerte; Bergmann Heinrich Renzing und Henriette Krumme zu Schwerte; Fabrikarbeiter Theodor Hitzegrad und Eugenie Regina Wilms zu Schwerte; Fabrikarbeiter Josef Boryß und Anna Finke zu Schwerte. Sterbefälle. Luise Birkelbach, 5 Mon.; Johanna Dröse, 3 Mon.; Luise Kern, 10 Mon.; Gertrud Luke, 25 Tage; Otto Kampmann, 3 Jahre Verantwortlich: Für Politik, Feuilleton und verwandte Gebiete: Friedhelm Kemper; für Provinz und Lokales: Friedr. Kraas; für Inserate und Reklame: Tilman Vasen. Druck und Verlag von Carl Braus, sämtlich zu Schwerte. Ws Pfingsten am Freischütz! An beiden Pfingsttagen wird das Trompeterkorps des Dragoner-Regiments Freiherr von Manteuffel Nr. 5 aus Hofgeismar unter Leitung des Kgl. Musikdirigenten Herrn Paletta D 5 Konzerte geben. Von diesen Konzerten sind * Frerkonzerte fAr unserr und zwar an beiden Tagen morgens 7 Uhr und 11 Uhr. Eintritts-Karte zu den Pfingst- Freikonzerten der Schwerter Zeitung. Gültig für 2 Personen. Der Verlag. 9 N 5 S5 15. 90 S 6·0 S 8 5 9•5C S 2 8 Beigedruckte Eintrittskarte ausschneiden und vorzeigen. Zu recht zahlreichem Besuch dieser Konzerte laden wir unsere Abonnenten hiermit ein. Der Verlag der Schwerter Zeitung. Beide Pfingsttage nachmittags 4 Uhr: Militär-Konzerte derselben Kapelle.— Eintrittspreis 50 Pfg. 10 Karten 3 Mk. Um zahleichen Besuch bittet freundlichst Heinr. Straetmanns. M I