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Familientreund“. 0 0 O O O O O O O O O O 0 o

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Erstes und älteftes Cagesorgan des Kreises. Haupt-Annoncenblatt.

Alie Kreis- und Lokalpolizeilichen Verordnungen für den Kreis Hörde erlangen gemäss Bekanntmachung der Königl. Regierung durch Ueröffentlichung in der„Schwerter Zeitung“ rechts­verbindliche Kraft. o 0 0 0 O O O OOO C O C o Druck u. Verlag von Carl Braus, Schwerte. Fernsprech-Anschluss Nr. 62 Amt Schwerte. Celegr.-Adresse: Braus, Schwerte-Ruhr

onnabend, den 28. September 1907.

Madame Toselli

(Plauderei von Fried von Werden.) Sie hat es wieder erreicht, daß von ihr Spalten geschrieben werden, die Gräfin Montignoso, geschiede­ne Kronprinzessin von Sachsen, geborene Erzherzogin von Toskana. Die Dame hat die Welt in diesen Ta­gen durch eine Artistenehe überrascht, und hat damit der Sensation nicht wenig Nahrung gegeben. Die jetzige Gattin des Musikers Toselli wollen wir einmal selbst über ihre neueste Leistung hören.

Gräfin Montignoso.

Nach ihrer Trauung hat Frau Toselli ihrem Trau­zeugen, dem Romanschriftsteller William Leqneux, an­vertraut, daß sie nur aus Liebe geheiratet habe, Geld keine Rolle spiele, und sie ihre jüngste Tochter„nie“ herausgeben werde. Die„denkwürdigen“ Aussprüche werden vom Berl. Lok.=Anz. nach der Daily Mail wie­dergegeben. Wir lassen einiges folgen:„Vom ersten Moment der Begegnung an fühlten wir eine gegen­seitige Zuneigung. Ich entschloß mich zu heiraten, ob­wohl ich wußte, daß ich dadurch den größten Teil mei­

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nes Einkommens verlieren und der König von Sach­sen meinen Liebling Monika fortnehmen würde.“ Hier fiel Toselli ein:„Der König soll das Kind niemals bekommen. Ich habe meiner Frau versprochen, die kleine Prinzessin zu schützen, und sie soll mein eigenes Kind sein. Die Gräfin fuhr fort:„Ich habe nie da­ran gedacht, das Kind aufzugeben. Mein Liebling ist an einem sicheren Ort in der Pflegevertrauenswür­diger Leute. Was kommt es auf Einkommen an, wenn es sich um Liebe handelt! Sie wissen, wie hilflos ich diese letzten vier Jahre war. Ich war allein, unbe­schützt und wurde vielfach verleumdet. In Zukunft wird mein Gatte mich beschützen. Wir verstehen ein­

Der Sänger Toselll

ander vollkommen. Eines Tages werde ich vielleicht die ganze Wahrheit sagen. Wenn die Wahrheit be­kannt wird, wird man sehen, daß man mehr gegen mich gesündigt hat, als ich gesündigt habe. Sie be­schwerte sich hinsichtlich des Wiedersehens mit ihren Kindern und darüber, daß sie für ihre Tochter nur 200 Mark monatlich erhalte.(Sie selbst bekommt doch aber 36000 Mk. jährlich.) Man wolle das Volk gegen sie einnehmen,„das Volk, das mich seine Luise nennt!“(Nach einer Meldung des Berl. Tagebl. aber sind die Dresdener Freunde über die Wiederver­heiratung sehr verschnupft und haben die Beziehun­

In Harmesnächten.

Die Rechte streckt' ich schmerzlich oft In Harmesnächten Und fühlt' gedrückt sie unverhofft Von einer Rechten—

Was Gott ist, wird in Ewigkeit Kein Mensch ergründen,

Doch will er treu sich allezeit

Mit uns verbünden.

Konr. Ferd. Meyer.

Geheimnis des Lindenhofes.

Frei nach dem Englischen von Clara Rheinau.

18.

„Sind angenehme alte Frauen selten?" fragte Herr Templeton lächelnd.

„Di seltensten Artikel in der Welt, mein lieber Herr," versetzte der kleine Mann.„Ebenso ist es mit Frauen von mittlerem Alter, ein Beweis, daß es mit dem ganzen Geschlecht etwas Verkehrtes ist. Ach! sie sollten nie die Frauen nach dem beurteilen, was sie scheinen, wenn der Zauber der Jugend noch auf ihnen ruht! Sie lächeln? Wenn sie verheiratet und im Be­sitz einer ruhigen Schwiegermutter wären, würden Sie mich besser verstehen.“

Die Herren waren jetzt mit ihrem Rundgang be­endet und kehrten in das gemeinschaftliche Wohnzim­mer zurück, in welchem Fräulein Butler sich befand. Herr Templeton stellte seinen Gast der jungen Dame vor und diese erwiderte sehr steif die hübsche Vernei­gung des Anwalts.

„Ich glaube schon früher die Ehre gehabt zu haben Fräulein Butler kennen zu lernen,“ sagte dieser. Fräulein Butler bestätigte seine Worte durch ein noch

steiferes Neigen des Hauptes. Herr Kramer war auch der Sachverwalter ihres Großvaters gewesen und sie hatte ihn häufig bei diesem gesehen. Für Herrn Tem­pleton kam diese Nachricht sehr unvorbereitet und sei­ne Züge verfinsterten sich.

Trotzdem war er während des Diners in guter Laune, denn es war ihm gelungen, an Juliens Seite zu gelangen. Eine allgemeine Unterhaltung kam na­türlich nicht zu Stande, denn Fräulein Butler war schweigsamer und würdevoller denn je, aber Herr Kra­mer wußte wenigstens Julie immer ins Gespräch zu ziehen.

„Ich glaube, Fräulein Sand hat Aussicht, Ihre Vorurteile gegen das weibliche Geschlecht zu besiegen,“ sagte Hermann lächelnd, als die jungen Damen sich zu­rückzogen.

„Ja, wenigstens, was ihre Person betrifft,“ gestand der kleine Mann zu.„Ich habe mir doch noch einen Rest von Romantik bewahrt; Fräulein Sand erinnert mich an eines jener herrlichen Frauenbilder, von de­nen ich in meiner Jugend zu lesen pflegte,— eines je­ner seltenen Wesen, die nicht zur Schau gemacht son­dern geschaffen scheinen, Herz und Heim glücklich zu machen.

„Sie überschätzen Ihre guten Eigenschaften nicht,“ sagte Herr Templeton;„alle Hausgenossen können es Ihnen bezeugen. Wir sind tief in ihrer Schuld, ohne ihr je vergelten zu können. Sie fand uns unter einer Wolke und ihre Anwesenheit brachte uns beständigen Sonnenschein. Sie wissen wohl, daß meine Nichte eine unangenehme Enttäuschung hatte?“

„Gewiß, und da Sie selbst die Sache zur Sprache bringen, so darf ich Ihnen wohl sagen, daß Herrn But­lers Testament niemand mehr überraschte und verletz­te, als gerade mich. Ich hatte nichts damit zu tun und

schmeichle mir, daß der Oberst selbst dachte, ich sei nicht

der Mann, ohne ernste Vorstellungen zu einer solchen Ungerechtigkeit die Hand zu bieten.“

„Der Geldverlust ist schließlich noch das Geringste dabei,“ sagte der andere;„denn meine Nichte wird auch ohne des Großvaters Hilfe reich werden. Der Oberst war eine verschlossene Natur, der nicht leicht jemand in sein Vertrauen zog. Vielleicht würden Sie mir aber dennoch einige Fragen beantworten können, ohne sich einer Indiskretion schuldig zu machen. Sie haben ge­hört, daß der Oberst einen Sohn hatte, der vor 17 Jah­ren auf unerklärliche Weise verschwand?“

„Er selbst sprach mir nie von seinem Sohne“ ver­setzte der Anwalt;„aber durch andere erfuhr ich so ziemlich alles, was man überhaupt von ihm weiß.“

„Auch daß ich dabei beteiligt war, ihn aus dem Wege zu schaffen?“

„Nun ja, ich hörte dies. Im allgemeinen herrschte unter den nächsten Bekannten des Obersten die Ansicht, daß er selbst jenem Gerüchte keinen Glauben schenke. Er war nicht der Mann, der unter solchen Umständen sich ruhig verhalten hätte; ruhig und gleichgiltig war er aber in solchem Maße, daß ihm viele dies zum Vor­wurf machten.

„Kam Ihnen nie die Idee, daß Leutnant Butler noch am Leben sein könne?“

„Niemals!“ rief Herr Kramer förmlich verblüfft. „Zur Zeit seines Verschwindens war ich mit der Fami­lie noch nicht bekannt und nach all diesen Jahren konn­te ich mir seine beständige Abwesenheit wohl auch nur mit dem Tode erklären.“

„Sie begreifen, wie sehr ich bei der Sache inter­essiert bin. Ist Ihnon nicht bekannt, ob Oberst Butler ausländische Korrespondenzen hatte?“

Herr Templeton erhob sich und durchschritt ausge­