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und ältestes Tagesorgan des Kreises. Haupt=Annoncenblatt.

Alie Kreis- und Lekalpellzeilichen Vererd Hörde erlangen gemäss Bekanntmachung der durch Veröttentlichung in der„Scdwerter verdindliche Krafl. 0•CCSCC:• Druck u. Verlag ven Zarl Braus, Scwerte. Pern Dr. 62 Amt Schwerte. Ceiegr.=Reresse Braus. 3e.

155.

Freitag den 5. Juli 1907.

39.

Was soll Fürst Bülow tun?

Noch heute, nachdem eine Reihe von Monaten nach den lletzten Wahlen zum deutschen Reichstage verstrichen ist, malt sich die Aufsassung über die Be­deutung dieses Volks=Votums verschieden in den Köp­fen der eifrigen Politiber. Und gerade diejenigen Stimmen, die noch iim Vorjahrz ein liberal=soziales Wahlbünsdnis keineswegs für ausgeschlossen hielten, melden sich heute am lautesten mit der Forderung an den Fürsten Bülow, daß er Klarheit über den Inhalt sseines Versprechens, den Liberalen Entgegankommen zu beweisen, geben müsse. Sind nun gerade diese Stimmen heute die berufenen Wortführer in dem Ver­langen nach einer Spezifikation des neuesten Regier­ungs=Programmes, während aangesehrne liverale und auch freisinnige[Führer zur Ruhe und Besonnenheit mahnen? Wenn es zu jenem nach 1906 für möglich gehaltenen liberal=sozialistischen Kartell gekommen wäre, dann hätten diese Liberalen noch schlechter ab­geschnitten, wie die Sozialdemokraten, sie wären wahr­scheinlich verschwunden. Darum ist jene Mahnung zur Ueberlegung wohl angebracht, denn am Ende hat auch der Reichskanzler den bürgerlichen Parteien tüch­tig genützt. D.. H im„„.. 5

Was soll Furst Gutow tun: Soeben erst sino die neuen Minister berufen, welche die liberal=konserva­tive Verständigung fördern helfen sollen. Ein partei­einseitiges Regierungsprogramm kann der Kanzler nicht aufstellen, das widerspräche seinen Verheißungen, es kontrastierte auch mit der ganzen Sachlage. Und wer meint, die deutschen Wähler hätten sich im Januar

und Februar nur für ein solches Programm ins Zeug gelegt, der kennt die Verhältnisse nicht, wie sie damals lagen. Ein scharfer Parteigeist, der sich für eine be­

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stimmte Prinzipienfrage besonders interessierte und mit einer Rede über dieselbe viel Beifall erntete, kann sich gewiß in die Täuschung wiegen, gerade dieser Punkt habe unendlich viel zu dem Wahleifer beigetra­gen; alber die Hauptsache, die den ganzen Nährstand auf die Beine rief und mobil machte, war aoch die, man wollte den unerträglichen Druck im Arbeitsleben vom Halse haben, frei aufatmen können. Wenn Herr Bebel mit einer kriegsstarken Kompagnie von Abge­ordneten in den Reichstag eingezogen wäre, dann war es mit dem Frieden auf wirtschaftlichem Gebiete aus. Es galt einen Kampf um die künftige Existenz, um die bürgerliche Selbständigkeit, und hierin ist der Erfolg

errungen.

Verschieden können sich die Anschauungen über die

Bedeutung des Wahl=Ausfalles in den Köpfen aus­malen, ausschlaggebend ist nur eine Tatsache, die ge­nannte in Wahrheit gewesen. Und damit ist auch die

Arlunre, A Tührhe.„— Frage beantwortet, was Bülow tum soll, weil er es tun muß. Wir brauchen in Handel und Wandel, Ge­werbe und Industrie Freiheit zur Bekundung wirk­

licher lohnender Tätigkeit, aber diese Freiheit muß für jeden da sein, für Arbeitgeber wie für Arbeiter. Sie darf nicht auf dem Papier stehen und nicht für einen

Teil soweit beliebt sein, wie es dem andern paßt. Das führt zu unerträglichen Zuständen, die dem Ringen nach eigener froher Selbständigkeit die Kehle zuzu­schnüren drohen. Darauf steuerten wir ja los; davon sind wir durch den Wahlausfall etwas ab gekommen, dahin wollen wir nicht wieder kommen. Der Reichs­tags=Vizepräsident Dr. Paasch: hat letzthin in einer Rede in Koblenz ausgesprochen, daß es vielen Arbeit­gebern schlechter gehe infolge der umnaufhörlich wachsen­den Unkosten, wie dem Arbeitern. Und wer die Dinge wirklich kennt, der wird nicht sagen können, daß der Abg. Paasch= unnecht gesprochen hat. Eine frische all­gemeine, jeden Faaktor der Arbeit in Betracht ziehend: Nährstand=Politik gebrauchen wir, das ist die Forder­ung des Tages.

Wer sich nur ein wenig die Mühr gibt, in diejeni­gen Nährstands=Kreise hineinzuschauen, die noch nicht mit Millionen arbeiten, die selbst überall mit auf dem Posten ssein müssen, der wird es überall bestätigt fin­den, daß wir größere Ellenbogenfreiheit gebrauchen, frische Berücksichtigung des praktischen Lebens, aber keine Paragraphen=Wirtschaft. Ein derber Mund hat es einmal ausgesprochen, wenn wir für je tausend Paragraphen unserer modernen Gesetzgebung nur je

hundert praktisch=richtige hätten, dann sei es allermeist genug. Nur um Himmels willen kein Bureaukratie

auch noch für das Leben der praktischen Arbeit; nicht

mehr Beamte brauchen wir, sondern mehr praktische Männer.

Polit

ische Uebersicht.

Verhaftungen in Rußland.

Petersburg, 4. Juli. In der Synagoge in Riga wurde eine Haussuchung vorgenommen, wobei 43 Personen verhaftet wurden, die zur jüdisch=sozial=revo­lutionären Organisation gehören. Es wurde konsta­tiert, daß diese Organisation unter der Rigaer Garni­son agitierte, zu welchem Zwecke in verschiedenen Stadtteilen geheime Sitzungen stattfanden. In einer n diesen wurden ebenfalls Verhaftungen vorgenom­

E.„„„„„% Gearnn 9 7/12

men. Es wurde festgestellt, daß jem Gruppe in Ver­

bindung stand mit den Revolutionären anderer russi­

scher Städte sowie der Städte der baltischen Provinzen. Infolgedessen erfolgten noch weitere Verhaftungen.

Aus Stadt und Umge

Schwerte, den 5. Juli.

**(Die Verteilung der Teuerungszulagen) für die preußischen Unterbeamten ist am 1. Juli erfolgt. Es erhielten alle Unterbeamten, die am 1. Juli ds. Is. in Dienst waren, je 100 Mark. Für den Rest von etwa 5 Millionen, den der Landtag noch in lletzter Stunde außerdem bewilligt hatte, werden bekanntlich Teuer­ungszulagen an solche Mittleren Beamten gewährt werden, die im Gehalte den Unterbeamten am nächsten stehen, verheiratet sind oder sich in Notlage befinden. Im ganzen können 50000 solcher Beamten berücksich­tigt werden. Die Auszahlung wird imlaufe des Mo­nats erfolgen, da die Ermittelungen der Behörden, welche Beamten in Frage zu kommen haben, noch nicht abgeschlossen sind und diese Ermittelungen sehr sorg­fältig angestellt werden müssen, um eine möglsichst ge­rechte Berücksichtigung zu gewährleisten.— Die Teu­erungszulagen im Reiche sind bereits am 1. Juni ge­zahlt worden.

**(Prozession.) Am kommenden Sonntag bege­hen unsere kath. Mitbürger ihre diesjährige Kirchen­patronatsfeier, mit der wie immer die Fronleichnams= prozession verbunden ist. Die Prozession nimmt um 10 Uhr mach dem Levitenhochamt ihren Anfang und be­wegt sich von der neuen Kirche durch die Haselackstraße zur Hüsingstraße und von hier die Hagener Straße entlang bis zum Ende der Beckestraße, woselbst die erste Station errichtet ist. In der Mitte der Becke­straße befindet sich die zweite Station, welche der Män­ner=Gesang=Verein„Cäcilia“ errichten läßt. Von der Beckestraße geht der Zug durch die Bahnhofstraße, in welcher vor dem alten Kirchhof die dritte Station an­gebracht ist und sodann wieder in die Haselackstraße hinein, woselbst die 4. Station an der alten Kirche Aufstellung findet.

*r(Westfälisches Jäger=Bataillon Nr. 7.) Das

Denkmal für die im Feldzuge 1870/71 Gesallenen des Bataillons soll am 14. August ds. Is. bei Colombey enthüllt werden. Jeder ehemalige Angehörige des Ba­taillons ist herzlich willkommen zu dieser Feier. Alle diejenigen, welche beabsichtigen, daran teilzunehmen, werden gebeten, dies möglichst balld unter genauer An­gabe der Adresse dem Kommando des Bataillons oder dem Leutnant Freiherr von Rolshausen(Wilhelm in Bückeburg) mitzuteilen. Schluß der Anmeldungen 1. August.

§§(Strafkammer Hagen.) In zwei getrennten Sachon hhatte sich der Kausmann Emil Br. aus Ergste wegen Betruges zu verantworten. Der Angeklagte, der wegen Diebstahls und Betruge bereits vorbestraft ist, eröffnete 1901 hier ein Abzahlungsgeschäft in Kon­fektion und Uhren. Im Jahre 1902 sleistete er den Offenbarungseid und 1904 übertrug er das ziemlich gut gehende Geschäft seiner Ehefrau. Er selbst fun­gierte als Geschäftsführer. Als solcher ließ er am 12. Oktober 1904 sich von einer Firma in Altona eine Mu­steresndung von Gummimäntel—6 Stück— schicken,

die er dann sofort an seine Kunden verkaufte. Die Firma, die auf die angeblichen„Prima=Referenzen“ des Angeklagten hereingefallen war, hatte das Nach­sehen. Dasselbe Manöver ließ sich der Angeklagte im Jahre 1906 zu schulden kommen. Am 12. Jaunar er­hielt er, ebenfalls mit Rücksicht auf angebliche„Prima Reserenzen“ eine Auswahlsendung Tauf= und Kinder­kleidchen„im Werte von 98 Mark, von einer Hambur­ger Firma, die er gleichfalls veräußerte. Auch diese Firma hatte das Nachsehen. Der Angeklagte behaup­tet, durch seinen lleidenden Zustand— er ist schwer lungenleidend— nicht in der Lage gewesen zu sein, die ausstehenden Forderungen, die immerhin noch 4000 Mark betragen sollen, einzukassieren; er habe nieman­den schädigen wollen. Die Strafkammer zu Hagen ist anberer Ansicht, sie hält die Manipulationen des An­geklagten für grobe Schwindeleien und erkennt auf drei Monate Gefängnis.

*n(Eine Balgerei) entstand gestern abend auf dem Schulplatze an der Kuhstraße zwischen zwei Lehr­lingen. Währenddessen steckte ein dritter einem der Ringer„aus Ulk“ eine Flasche in die Tasche, die die­ser jedoch dermaßen zurüchwarf, daß dem„Ulbmacher“ mehrere Splitter in den Fuß drangen. Er wurde so­fort in die benachbarte Unfallstelle der hiesigen Sa­nitätskolonne gebracht, wo ihm der Fuß verbunden wurde. Die Verletzungen sind nicht sehr ernster Natur.

**(Eine böse Rauferei) zwischen zwei Landstrei­chern gab's gestern abend an der oberen Hörderstraße. Friedlich lagen dort an der Chaussee hinter einem Busche zwei fahrende Gesellen, sich des ersten einiger­maßen angenehmen Tages erfreuend. Plötzlich gab:s eine Austeinandersetzung, die in eine Schlägerei aus­artete, bei der dem einen der Kopf ordentlich blutig gehauen wurde. Und der Grund zur Feindschaft? Während der eine fest schlief, hatte der andere ihm die ganze Schnapsflasche leer getrunken. Bei der Schlä­gerei ging auch die Flasche in Scherben. Eine Viertel­stunde später sahen wir die beiden wieder einträchtig durch den Schwerter Wald wandern— sie hatten Frie­den geschlossen.— Auch ein Stimmungsbild von der Landstraße im Sommer.

Drüpplingsen, 4. Juli. Ein schwerer Unglücks­fall ereignete sich heute vormittag in der Sandkuhle zu Dellwig bei Langschede. Die Landwirte Wilhelm Müddeke gen. Hagedorn jun. und Wilhelm Kuhlmann von hier waren beauftragt, zu dem Neubau des Schmiedemeisters Beckmann hierselbst mit ihrem Fuhr­werk Sand zu holen. Als sie nun mit dem Aufladen beschäftigt waren, brach plötzlich die über ihnen hän­gende Erdschicht los und erschüttete beide. Müddeke konnte erst nach mehveren Stunden als Leiche gebor­gen werden, während Kuhlmann sehr schwere Verletz­ungen davongetragen hat, sodaß er sofort in das nächst­liegende Krankenhaus Fröndenberg gebracht werden mußte. Außer Rückgrat=Verletzung trug der Aermste Rippenbrüche und totale Zersplitterung eines Beines davon, sodaß bezüglich seines Aufkommens die ernste­ste Besorgnis gehegt werden muß. Kuhlmann ist ver­heiratet und hat Frau und elf Kinder, der ebenfalls verheiratete Müddeke war ohne Kinder. Der Wagen des Müddeke ist zertrümmert, dagegen sind die Pferde ohne Schaden davongekommen. Man bringt den sö jäh in Trauer versetzten Familien allgemeine Teil­nahme entgegen.

Kirche und Schule

60. Märkisches Lehrergesangfest in Wetter. Wetter, 4. Juli. Der Märkische Lehrergesangver­ein feierte gestern und heute in Wetter sein 60. Jah­resfest. Am 5. Okt. 1831 war es, als sich die Lehrer der Mark in der alten Stadt Soest wersammelten, um das 25jährige Bestehen des dortigen Seminars festlich zu begehen. Da erfreute man sich an den unter dem Mu­sikdirektor Engelhardt vortrefflich eingeübten Män­

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