Die„Schwerter Zeitung“ erscheint täglich, ausser Feiertags. mk. 1.6s vierteljährlich, dei der Post 42 Pf. für Bestellgeld mehr. Wöchentliche Gratis-Reilage:„Illustrierter Familsenfreund." o 0 O O O O O O O O O O 0 o Die sechsgespaltene Petitzeile oder deren naum 1° PI., Anzeigen von auswärts 1s Pf., Reklamezeile 40 Pf. 25 und ältestes Tagesorgan des Kreises. Haupt=Annoncenblatt. Alie Kreis- und Lekalpellzeilichen Vererd Hörde erlangen gemäss Bekanntmachung der durch Veröttentlichung in der„Scdwerter verdindliche Krafl. 0•CCSCC:• Druck u. Verlag ven Zarl Braus, Scwerte. Pern Dr. 62 Amt Schwerte. Ceiegr.=Reresse Braus. 3e. 155. Freitag den 5. Juli 1907. 39. Was soll Fürst Bülow tun? Noch heute, nachdem eine Reihe von Monaten nach den lletzten Wahlen zum deutschen Reichstage verstrichen ist, malt sich die Aufsassung über die Bedeutung dieses Volks=Votums verschieden in den Köpfen der eifrigen Politiber. Und gerade diejenigen Stimmen, die noch iim Vorjahrz ein liberal=soziales Wahlbünsdnis keineswegs für ausgeschlossen hielten, melden sich heute am lautesten mit der Forderung an den Fürsten Bülow, daß er Klarheit über den Inhalt sseines Versprechens, den Liberalen Entgegankommen zu beweisen, geben müsse. Sind nun gerade diese Stimmen heute die berufenen Wortführer in dem Verlangen nach einer Spezifikation des neuesten Regierungs=Programmes, während aangesehrne liverale und auch freisinnige[Führer zur Ruhe und Besonnenheit mahnen? Wenn es zu jenem nach 1906 für möglich gehaltenen liberal=sozialistischen Kartell gekommen wäre, dann hätten diese Liberalen noch schlechter abgeschnitten, wie die Sozialdemokraten, sie wären wahrscheinlich verschwunden. Darum ist jene Mahnung zur Ueberlegung wohl angebracht, denn am Ende hat auch der Reichskanzler den bürgerlichen Parteien tüchtig genützt. D.. H im„„.. 5 Was soll Furst Gutow tun: Soeben erst sino die neuen Minister berufen, welche die liberal=konservative Verständigung fördern helfen sollen. Ein parteieinseitiges Regierungsprogramm kann der Kanzler nicht aufstellen, das widerspräche seinen Verheißungen, es kontrastierte auch mit der ganzen Sachlage. Und wer meint, die deutschen Wähler hätten sich im Januar und Februar nur für ein solches Programm ins Zeug gelegt, der kennt die Verhältnisse nicht, wie sie damals lagen. Ein scharfer Parteigeist, der sich für eine be*1 stimmte Prinzipienfrage besonders interessierte und mit einer Rede über dieselbe viel Beifall erntete, kann sich gewiß in die Täuschung wiegen, gerade dieser Punkt habe unendlich viel zu dem Wahleifer beigetragen; alber die Hauptsache, die den ganzen Nährstand auf die Beine rief und mobil machte, war aoch die, man wollte den unerträglichen Druck im Arbeitsleben vom Halse haben, frei aufatmen können. Wenn Herr Bebel mit einer kriegsstarken Kompagnie von Abgeordneten in den Reichstag eingezogen wäre, dann war es mit dem Frieden auf wirtschaftlichem Gebiete aus. Es galt einen Kampf um die künftige Existenz, um die bürgerliche Selbständigkeit, und hierin ist der Erfolg errungen. Verschieden können sich die Anschauungen über die Bedeutung des Wahl=Ausfalles in den Köpfen ausmalen, ausschlaggebend ist nur eine Tatsache, die genannte in Wahrheit gewesen. Und damit ist auch die Arlunre, A Tührhe.„— Frage beantwortet, was Bülow tum soll, weil er es tun muß. Wir brauchen in Handel und Wandel, Gewerbe und Industrie Freiheit zur Bekundung wirklicher lohnender Tätigkeit, aber diese Freiheit muß für jeden da sein, für Arbeitgeber wie für Arbeiter. Sie darf nicht auf dem Papier stehen und nicht für einen Teil soweit beliebt sein, wie es dem andern paßt. Das führt zu unerträglichen Zuständen, die dem Ringen nach eigener froher Selbständigkeit die Kehle zuzuschnüren drohen. Darauf steuerten wir ja los; davon sind wir durch den Wahlausfall etwas ab gekommen, dahin wollen wir nicht wieder kommen. Der Reichstags=Vizepräsident Dr. Paasch: hat letzthin in einer Rede in Koblenz ausgesprochen, daß es vielen Arbeitgebern schlechter gehe infolge der umnaufhörlich wachsenden Unkosten, wie dem Arbeitern. Und wer die Dinge wirklich kennt, der wird nicht sagen können, daß der Abg. Paasch= unnecht gesprochen hat. Eine frische allgemeine, jeden Faaktor der Arbeit in Betracht ziehend: Nährstand=Politik gebrauchen wir, das ist die Forderung des Tages. Wer sich nur ein wenig die Mühr gibt, in diejenigen Nährstands=Kreise hineinzuschauen, die noch nicht mit Millionen arbeiten, die selbst überall mit auf dem Posten ssein müssen, der wird es überall bestätigt finden, daß wir größere Ellenbogenfreiheit gebrauchen, frische Berücksichtigung des praktischen Lebens, aber keine Paragraphen=Wirtschaft. Ein derber Mund hat es einmal ausgesprochen, wenn wir für je tausend Paragraphen unserer modernen Gesetzgebung nur je hundert praktisch=richtige hätten, dann sei es allermeist genug. Nur um Himmels willen kein Bureaukratie auch noch für das Leben der praktischen Arbeit; nicht mehr Beamte brauchen wir, sondern mehr praktische Männer. Polit ische Uebersicht. Verhaftungen in Rußland. Petersburg, 4. Juli. In der Synagoge in Riga wurde eine Haussuchung vorgenommen, wobei 43 Personen verhaftet wurden, die zur jüdisch=sozial=revolutionären Organisation gehören. Es wurde konstatiert, daß diese Organisation unter der Rigaer Garnison agitierte, zu welchem Zwecke in verschiedenen Stadtteilen geheime Sitzungen stattfanden. In einer n diesen wurden ebenfalls Verhaftungen vorgenomE.„„„„„% Gearnn 9 7/12 men. Es wurde festgestellt, daß jem Gruppe in Verbindung stand mit den Revolutionären anderer russischer Städte sowie der Städte der baltischen Provinzen. Infolgedessen erfolgten noch weitere Verhaftungen. Aus Stadt und Umge Schwerte, den 5. Juli. **(Die Verteilung der Teuerungszulagen) für die preußischen Unterbeamten ist am 1. Juli erfolgt. Es erhielten alle Unterbeamten, die am 1. Juli ds. Is. in Dienst waren, je 100 Mark. Für den Rest von etwa 5 Millionen, den der Landtag noch in lletzter Stunde außerdem bewilligt hatte, werden bekanntlich Teuerungszulagen an solche Mittleren Beamten gewährt werden, die im Gehalte den Unterbeamten am nächsten stehen, verheiratet sind oder sich in Notlage befinden. Im ganzen können 50000 solcher Beamten berücksichtigt werden. Die Auszahlung wird imlaufe des Monats erfolgen, da die Ermittelungen der Behörden, welche Beamten in Frage zu kommen haben, noch nicht abgeschlossen sind und diese Ermittelungen sehr sorgfältig angestellt werden müssen, um eine möglsichst gerechte Berücksichtigung zu gewährleisten.— Die Teuerungszulagen im Reiche sind bereits am 1. Juni gezahlt worden. **(Prozession.) Am kommenden Sonntag begehen unsere kath. Mitbürger ihre diesjährige Kirchenpatronatsfeier, mit der wie immer die Fronleichnams= prozession verbunden ist. Die Prozession nimmt um 10 Uhr mach dem Levitenhochamt ihren Anfang und bewegt sich von der neuen Kirche durch die Haselackstraße zur Hüsingstraße und von hier die Hagener Straße entlang bis zum Ende der Beckestraße, woselbst die erste Station errichtet ist. In der Mitte der Beckestraße befindet sich die zweite Station, welche der Männer=Gesang=Verein„Cäcilia“ errichten läßt. Von der Beckestraße geht der Zug durch die Bahnhofstraße, in welcher vor dem alten Kirchhof die dritte Station angebracht ist und sodann wieder in die Haselackstraße hinein, woselbst die 4. Station an der alten Kirche Aufstellung findet. *r(Westfälisches Jäger=Bataillon Nr. 7.) Das Denkmal für die im Feldzuge 1870/71 Gesallenen des Bataillons soll am 14. August ds. Is. bei Colombey enthüllt werden. Jeder ehemalige Angehörige des Bataillons ist herzlich willkommen zu dieser Feier. Alle diejenigen, welche beabsichtigen, daran teilzunehmen, werden gebeten, dies möglichst balld unter genauer Angabe der Adresse dem Kommando des Bataillons oder dem Leutnant Freiherr von Rolshausen(Wilhelm in Bückeburg) mitzuteilen. Schluß der Anmeldungen 1. August. §§(Strafkammer Hagen.) In zwei getrennten Sachon hhatte sich der Kausmann Emil Br. aus Ergste wegen Betruges zu verantworten. Der Angeklagte, der wegen Diebstahls und Betruge bereits vorbestraft ist, eröffnete 1901 hier ein Abzahlungsgeschäft in Konfektion und Uhren. Im Jahre 1902 sleistete er den Offenbarungseid und 1904 übertrug er das ziemlich gut gehende Geschäft seiner Ehefrau. Er selbst fungierte als Geschäftsführer. Als solcher ließ er am 12. Oktober 1904 sich von einer Firma in Altona eine Musteresndung von Gummimäntel—6 Stück— schicken, die er dann sofort an seine Kunden verkaufte. Die Firma, die auf die angeblichen„Prima=Referenzen“ des Angeklagten hereingefallen war, hatte das Nachsehen. Dasselbe Manöver ließ sich der Angeklagte im Jahre 1906 zu schulden kommen. Am 12. Jaunar erhielt er, ebenfalls mit Rücksicht auf angebliche„Prima Reserenzen“ eine Auswahlsendung Tauf= und Kinderkleidchen„im Werte von 98 Mark, von einer Hamburger Firma, die er gleichfalls veräußerte. Auch diese Firma hatte das Nachsehen. Der Angeklagte behauptet, durch seinen lleidenden Zustand— er ist schwer lungenleidend— nicht in der Lage gewesen zu sein, die ausstehenden Forderungen, die immerhin noch 4000 Mark betragen sollen, einzukassieren; er habe niemanden schädigen wollen. Die Strafkammer zu Hagen ist anberer Ansicht, sie hält die Manipulationen des Angeklagten für grobe Schwindeleien und erkennt auf drei Monate Gefängnis. *n(Eine Balgerei) entstand gestern abend auf dem Schulplatze an der Kuhstraße zwischen zwei Lehrlingen. Währenddessen steckte ein dritter einem der Ringer„aus Ulk“ eine Flasche in die Tasche, die dieser jedoch dermaßen zurüchwarf, daß dem„Ulbmacher“ mehrere Splitter in den Fuß drangen. Er wurde sofort in die benachbarte Unfallstelle der hiesigen Sanitätskolonne gebracht, wo ihm der Fuß verbunden wurde. Die Verletzungen sind nicht sehr ernster Natur. **(Eine böse Rauferei) zwischen zwei Landstreichern gab's gestern abend an der oberen Hörderstraße. Friedlich lagen dort an der Chaussee hinter einem Busche zwei fahrende Gesellen, sich des ersten einigermaßen angenehmen Tages erfreuend. Plötzlich gab:s eine Austeinandersetzung, die in eine Schlägerei ausartete, bei der dem einen der Kopf ordentlich blutig gehauen wurde. Und der Grund zur Feindschaft? Während der eine fest schlief, hatte der andere ihm die ganze Schnapsflasche leer getrunken. Bei der Schlägerei ging auch die Flasche in Scherben. Eine Viertelstunde später sahen wir die beiden wieder einträchtig durch den Schwerter Wald wandern— sie hatten Frieden geschlossen.— Auch ein Stimmungsbild von der Landstraße im Sommer. Drüpplingsen, 4. Juli. Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich heute vormittag in der Sandkuhle zu Dellwig bei Langschede. Die Landwirte Wilhelm Müddeke gen. Hagedorn jun. und Wilhelm Kuhlmann von hier waren beauftragt, zu dem Neubau des Schmiedemeisters Beckmann hierselbst mit ihrem Fuhrwerk Sand zu holen. Als sie nun mit dem Aufladen beschäftigt waren, brach plötzlich die über ihnen hängende Erdschicht los und erschüttete beide. Müddeke konnte erst nach mehveren Stunden als Leiche geborgen werden, während Kuhlmann sehr schwere Verletzungen davongetragen hat, sodaß er sofort in das nächstliegende Krankenhaus Fröndenberg gebracht werden mußte. Außer Rückgrat=Verletzung trug der Aermste Rippenbrüche und totale Zersplitterung eines Beines davon, sodaß bezüglich seines Aufkommens die ernsteste Besorgnis gehegt werden muß. Kuhlmann ist verheiratet und hat Frau und elf Kinder, der ebenfalls verheiratete Müddeke war ohne Kinder. Der Wagen des Müddeke ist zertrümmert, dagegen sind die Pferde ohne Schaden davongekommen. Man bringt den sö jäh in Trauer versetzten Familien allgemeine Teilnahme entgegen. Kirche und Schule 60. Märkisches Lehrergesangfest in Wetter. Wetter, 4. Juli. Der Märkische Lehrergesangverein feierte gestern und heute in Wetter sein 60. Jahresfest. Am 5. Okt. 1831 war es, als sich die Lehrer der Mark in der alten Stadt Soest wersammelten, um das 25jährige Bestehen des dortigen Seminars festlich zu begehen. Da erfreute man sich an den unter dem Musikdirektor Engelhardt vortrefflich eingeübten MänK Vom 6. Juli bis 17 Juli „eehe mit Träger, reich besetzt Kalleedecken 98. Pr. — mit Franzen— Kommodendecken 98, Aesat viesschetet Pr. Korsettschoner 98 Stck vsssumet Zierschürzen Pig. Pstof musumnen Damenhandschube 98, elegant Tüll, lang Pr. 2 Paar Handschube 98. Sdegerstn nuamnen Knaben-Hose 98. mit Leibchen Nachtjacke 98, aus Ia. Cöper Kinderkleidchen 98. Sessote Busthrne Pr. Druckschürze — mit Ford— 98. Damenhemd 98., mit bestcikter Passe Kinderschürzen 98, uun estien Sotn, die Getsen e1 1 Paar Handschuhe 98. 1 eleg. Gürtel zusammen 1 Kragen, 1 Cravalle, 98. 1 Taschentuch zusammen Schwere Handtücher 3 Stück zusammen Cravatten 1 Paar Manschetten Pfg. zusammen Damast-Vervietten J8 Pig. 3 Stück zusammen Herren-Socken 98 1 Schärpe 1 Lavallier ansammen Reformschürze 98„ Schich 2st. El-Seife 3 Stück zusammen 4 Stück zusammen 8 14 Nigebübbeher uun S Damenstrumpf reine Wolle er Karton Jeste 3 Taschentücher zusammen Hosenträger Ia. Qualität Unterrockvolant Damenstrümpfe 98 — geringelt— Pf. Ein Posten garnirter Damen-Hüte Wert bis Mk. 5.—, diese Woche Alles übrige beungen unsere Schanfenster. Pfg. Mrmmessing Dos nerliedern, und es tauchte der Gedanke auf, durch einen Lehrer=Gesangverein auf Verbesserung won Schul=, Kirchen= und Volksgesang hinzuwirken und ein wiederkehrendes Lehrergesangfest zu für alles Gute, namentlich für Musik und Gesang hochbegeisterte Generalsuperintendent und Oberkonsistorialrat Natorp aus Münster, sowie der Seininardireltor Ehrlich und der Seminarmusiklehrer Engelhardt begrüßten dies auf freudigste und versprachen, das Unternehmen tatkräftig unterstützen zu wollen. Der Zweck des Vereins ist, die geistliche Musik, insbesondere den Chorgesang zu pflegen und die besten Erzeugnisse auf diesem Gebiete in den Orten der ehemaligen Grafschaft Mark zur Erbauung der den zur Aufführung zu bringen und in Gemeinschaft mit der Natorpstiftung hilfsbedürftige Lehverwitwen und Lehrerwaisen zu unterstützen. Das erste Gesangfest fand am 28. September 1832 in Saale des Kurhauses zu Unna statt. Mit dem dritten Feste, das in Hagen stattfand, wurden die Konzerte in die Kirche verlegt. Hohe Ehre wurde dem Verein zuteil, als im Jahre 1842 Friedrich Wilhelm IV. nebst seiner Gemahlin an dem Kirchenkonzerte teilnahm. Mit der Zeit hat der Verein manichen hohen Gest zu seinen Fiste begrüßen dürfen, und auch die Königl. ung zu Arnsberg wendet dem Verein ihr volles Interesse zu. Vertreten war sie diesmal durch Herrn Schulrat Hellweg, der am gestrigen Festabend die Grüße der Regierung überbrachte. Der Festabend sand in der meuen Turnhalle statt. An 1200 bis 1500 Personen nahmen daran teil und Hunderte mußten wegen Raummangels wieder umkehren. Das Programm war ein auserlesenes. Die Bochumer Stadtkapelle, das Soloquartett des Dortmunder Lehrergesangvereins und der Turnverein„Harkort“ sorgten für mannigfache Abwechselung... 10ch Gäsße von u. Am heutigen Vormittag, der noch Gaste von nay und fern herbeibrachte, fand um 9 Uhr noch einmal eine Hauptprobe statt, und um 11 Uhr begann in der neuen lluth. Kirche das Kirchenkonzert, welches auf die zahlreiche Zuhörerschaft, welche die weiten. Räume des Getteshauses bis auf den letzten Platz besetzt hatte, einen erhebenden und weihevollen Eindruck machte. Nach Schluß des Konzert versammelten sich die Festteilnehmer zu einem Festmahl im wvangelischen Vereinshause. So war das 60. Märkische Lehrergesangfest nach allen Beziehungen hin ein wohl galungenes und wird allen Teilnehmern in andenehmer Erinnerung bleiben. große Anzahl von Offizieren bewucherte, erhielt von der dritten Strafkammer des hiesigen Landgerichts 1 wegen gewerbs= und gewohnheitsmäßigen Wuchers und Erpressung eineinhalb Jahr Gefängnis und zwei Jahre Ehrverlust.— Ueber die Vorgeschichte dieses Prozesses bringen wir mörgen ausführlichere Mitteilungen. Kleine Chronik. Westfalen und Rheinland. * Iserlohn, 4. Juli.(Verdorbenr Bengel.) Vor einiger Zeit wurden demm Klempnermeister B. von hier aus einer Schublalde 50 Mark entwendet. Als Täter ist nunmehr der 11jährige Schüler Reinhold B. ermittelt worden. Für einen Teil des Geldes hat er sich eine Taschenuhr und zwei Uhrbetten, 1 Tuschkasten, 1 Portemonnaie im Werte von ca. 20 Mark gekauft, 5,90 Mark hatte er in einem Abslußrohr in der Grabenstraße versteckt, den Rest will er in den Baarbach geworfen haben. Sämtliche Gegenstände einschl. der 5,90 Mark wurden beschlagnahmt. Da der Knabe noch nicht strafmünldg ist, wird die Behörde das weitere veranlassen. * Iserlohn, 4. Juli.(Selbstmord.) In der vergangenen Nacht hat sich ein hier in Stellung befindlicher junger Kaufmann B. mit einem Revolver im Bett erschossen. Der Revolver ist an der rechten Schläfe fest angesetzt worden, sodaß die Pulvergast mit dem Geschoß in den Kopf eindringen konnten. Als heute morgen der Logiswirt den jungen Mann wecken wollte, fand er ihn tot im Bette liegend vor. Die Motive des Selbstmordes sind, zur Stunde noch nicht bekannt. * Neheim, 4. Juli.(Amtsenthebung.) Der Rendant der hiefigen Stadtkasse, Bungardt, ist plötzlich seines Amtes enthoben worden, da eine unerwartet vorgenommene Kassenrevision einen Fehlbetrag von ca. 33000 Mark ergab,. B. hat die fehlende Summe sofort zur Verfügung gestellt, indem er behauptete, es könne sich nur um einen Fehler in den Buchungen handeln. Zwei Beamte der Kgl. Regierung sind gegenwärtig mit der Prüfung der Bücher beschäftigt. * Oberhausen, 4. Juli. EErloschen.) Allem Anscheine nach ist in dem Damm der Hochbahnan der Oberhaussenerstraße in Obenmeiderich der unterirdische Brand, der mehrere Jahre wütete, erloschen. Die kahlen Stellen der Böschung beginnen wieder zu grünen. Vermutlich sand das Feuer an Jer Flügelmauer der Eisenbahnunterführung einen Halt. * Essen, 4. Juli. Frau Geheimrät Krupp stellte 300000 Mark zur Verfügung, aus deren Zinsen erholungsbedürstige Arbeiterfrauen und Kinder der Kruppschen Werke verpflegt werden sollen. * Keeken(Kr. Klev:), 4. Juli.(Opfer des Rheins.) Der Rentner Arntz aus dem benachbarten Millingen hatte hier vor vier Monaten einer Jagdverpachtung beigewohnt und war seitdem spurlos verschwunden. Jetzt ist seine Leiche bei Nymwegen gelandet. Arntz scheint auf dem Heimwege, der den Rhein entlang führte, in der Dunkelheit in den Strom geraten zu sein. Berlin, 4. Juli. Auf der Fahrt von Oppeln nach hier ist der Bürgermeister von Oppeln, Dr. Boelsch, verschwunden. Der Vermißte hatte am 10. Juni Oppeln werlassen, ist aber in Berlin nicht eingetroffen, und auch seine Angehörigen haben bisher von ihm keine Nachricht erhalten. Die Polizei ist eifrig bemüht, Licht in diese dunkle Angelegenheit zu bringen. Hamburg, 4. Juli. Im Golf von Biscaya ist der Schleppdampfer Sao=Bento, der im Schlepptau nach Süd=Amerika gehen sollte, gesunken. Der Kapitän und sechs Mann sind ertrunken. Hamburg, 4. Juli. Während der Fahrt von hier nach Ottensen vergiftete sich ein hiesiger Apotheker in der Droschke, mit der er fuhr. Das Motiv zur Tat ist unbekannt. Wilhelmshaven, 4. Juli. Bei dem Bau einer neuen Hafeneinfahrt wurden die provisorisch eingesetzz tei großen Schleusen durch das Wasser eingedrückt. Das Wasser ist in das ausgepumpte Becken seingelaufen. Ein Arbeiter ist ertrunken, mehrere sind schwer verletzt. Görlitz, 4. Juli. In Hermsdorf ist beim Brande eines Wohnhauses die 19jährige Tochter des Besitzers verbrannt. München, 3. Juli. Aus dem Kaiser=Gebirge werden schwere Unfälle gemeldet. Auf dem Elmgex=Halt erlitt ein Tourist einen komplizierten Scha#t#ruch auf dem Sterzing verletzte sich ein reichsdeutscher Tourist lebensgefährlich und mußte von einer fast unzugänglichen Stelle herabgeholt werden. Woolwich, 4. Juli. Hier wurden vier Arsena arbeiter, welche auf ihren Fahrrädern von der Alkeit zurückkehrten, vom Blitze getroffen. Einer von ihnen war sofort tot. Die drei andern wurden schwer verletzt. Mailand, 3. Juli. Beim Viehhüten bei Rheneggo wurden drei Personen vom Blitz getroffen. Ein Mädchen wurde getötet, zwei andere schwer Rom, 4. Juli. Der Verwalter eines großen Gutes, der Streikarbeiter sengagierte, wurde ermordet. Darauf ließ die Regierung in Tenara 5 der angesehender Landarbeitervereine verhaften. Paris, 4. Juli. Der Kammervirtuose Emil Sauer wurde zum Ritter der französischen Ehrenlegion ernannt. Sauer wird am 8. Juli nach Dresden übersiedeln. Verschiedenes. Berlin, 4. Juli. Aus Furcht vor dem Examen erschoß sich gestern abend der 25jährige stud. med. Paul B. aus Charlottenburg am Ufer des Tegeler Sees. Hanau, 4. Juli. Wegen Unterschlagung von 25000 Mark ist heute der Buchhalter Albrecht von der Elektrizitätsgesellschaft in Gelnhausen verhaftet worden. Breslau, 4. Juli. Der„Breslauer General=Anzeiger“ meldet aus Striegau: In der vergangenen Nacht entsprang aus der hiesigen Strafanstalt der zu acht Jahren Zuchthaus verurteilte Schlosser Bareck. Bisher sehlt jede Spur von dem Entflohenen. Bareck hat noch 6 Jahre zu verbüßen. Mord und Selbstmord. Breslau, 5. Juli. Der nervenleidende 61jährige Rittergutsbesitzer Dr. phil. Kunze ermordete in seinem Hause seine Ehefrau und tötete dann sich selbst. Da materielle Sorgen nicht vorliegen, ist anzunehmen, daß Kunze die schrecklich Tat in einem Wahnsinnsanfalle begangen hat. Riesenunterschleife in einer Irrenanstalt Schwerin, 5. Juli. In dem Prozeß wegen Durchstechereien und Unterschlagungen in der Irrenanstalt Sachsenberg wurde gestern abend das Urteil gefällt. Es lautet gegen den Angeklagten Schulz auf vier Jahre Zuchthaus, 3000 Mark Geldstrafe evtl. 200 Tage Zuchthaus, 5 Jahre Ehrverlust. Die Bestechungen fallen an die Staatskasse. 1 Jahr wird durch die Untersuchungshaft als verbüßt erachtet. Das Urteil gegen Kill lautete auf ein Jahr sechs Monate Gefängnis, 1503 Mark Geldstrafe bezw. 150 Tage Gefängnis, 3 Jahre Ehrverlust, 6 Monate werden auf die Untersuchungshaft angerechnet; gegen Beewald auf 500 Mark Geldstrafe bezw. 50 Tage Gefängnis; gegen Wilck auf zwei Jahre sechs Monate Gefängnis, 2000 Mark Geldstrafe bezw. 200 Tage Gefängnis, 3 Jahre Ehrverlust. Die Angeklagten Müller und Hinzpeter wurden zu je sechs Monaten Gefängnis verurteilt, die durch die Untersuchung als verbüßt erachtet werden. Der Angeklagte Haaken erhielt 8 Monate Gefängnis und 300 Mark Geldstrase, der Angeklagte Haak 1700 Mark Geldstrafe bezw. 170 Tage Gefängnis, wovon 1200 Mk. bezw 120 Tage auf die Untersuchungshaft angerechnet wurden. Die Kosten fallen sämtlichen Angeklagten zur Last. Explosion eines Geschosses. London, 5. Juli. Bei den gestrigen Schießübungen explodierte eine Granate, durch die ein Offizier, drei Unteroffiziere und drei Soldaten schwer verletzt wurden. Die Explosion erfolgte in dem Augenblick, als das Geschoß in das Geschütz eingeführt wurde. Der verletzte Offizier, Leutnant Mauley, hat sein Augensicht gänzlich verloren. Ans den Gerichtssälen. s Dortmund, 4. Julli. Das Schwurgericht hat heute den Bergmann Haak aus Altenderne, der am 21. März ds. Is. den Bergmann Funke nach einem Zechgelage ohne jeden Anlaß überfallen und A4mal mit einem Messer in den Kopf und Leib gestochen hatte, wegen Totschlags zu zehn Jahren Zuchthaus und zehn Jahren Ehrverlust verurteilt. Berlin, 4. Juli. Der Agent Klubernuß, der eine Paris, 4. Juli. Der neue französische Panzer Justice erlitt bei der dritten Probefahrt im Kesselraum eine starke Beschädigung durch Platzen eines Ventils. Die Heizer konnten sich rechtzeitig durch die Flucht der Dampfausströmung entziehen. Ein Arbeiter wurde verletzt. Cincinnati, 4. Juli. Hier ist ein vierstöckiges Wohnhaus eingestürzt, während zahlreiche an einem Nebenbau beschäftigt waren. Es he#####, cup zwölf Leute umgekommen seien. Dehle Trühlmetrungen. Der Kampf um den Boden der Ostmark. Berlin, 4. Juli. Der Ankauf des Gutes Mordze (4500 Morgen) im Kreise Posen=West durch den polnischen Güteragenten Biedermann in Posen veranlaßt den„Dziennik Berlinski“, die polnischen Magnaten mit Beziehung auf das in Aussicht stehende Enteignungsgesetz aufzufordern, ihr in den Londoner Banken angelegtes Geld zur„Rettung des polnischen Grund und Bodens“, flüssig zu machen, sollange es noch Zeit sei. Der Kaiser als Großvater. Berlin, 4. Juli. Prinz Wilhelm, der Sohn des Kronprinzenpaares, hat, wie schon erwähnt, heute sein erstes Lebensjahr vollendet. Aus diesem Anlaß hat, wie im nichtamtlichen Teile des„Reichsanzeigers“ mitgeteilt wird, der Kaiser eine Stiftung errichtet, aus welcher alle Jahre 20 Klein=Kinderausstattungen beschafft und an würdige und bedürftige Ehepaare in der Mark Brandenburg verteilt werden, denen im Julimonat das erste Kind geboren wird. Das Kaiserpaar in Dänemark. Hilliröd, 4. Juli. Gegen 1 Uhr mittags trafen das Kaiser= und Königspaar und die Mitglieder der königlichen Familie mit Gefolge im Schlosse Frederiksborg ein. Kurz nach 1 Uhr wurde im Rittersaale das Frühstück eingenommen. Auf dem Zuge dorthin hatte König Friedrich die Kaiserin geführt, Kaiser Wilhelm die Königin und Prinz Adalbert die Prnzessin Thyra. Bei dem Frühstück hielt König Friedrich eine Rede, in der er seiner lebhaften Freude darüber Ausdruck gab, den Kaiser und die Kaiserin als Gäste bei sich zu sehen. Kaiser Wilhelm dankte in seiner Erwiderung für die ihm und seiner Gemahlin erwiesene außerordentliche Liebenswürdigkeit und brachte, der erinnerungsreichen Stätte gedenkend, ein Hoch auf Dänemarks Königshaus aus. Später wurde der Kirche ein Besuch abgestattet, wo dr Schloßorganist die Orgel spielte. Reichstagsersatzwahl. Minkesbühl, 5. Juli. Bei der Reichstagsersatzwahl des Wahlkreises Mittelfranken 5 Minkesbühl wurde Niederlohner(kons.) mit etwa 12 Stimmen Mehrheit gewählt. De Mark Belohnung!! Gestern abend zwischen 5 und 8 Uhr ist mir eine sehr wertvolle — Brieftaube= abhanden gekommen, wahrscheinlich durch Erschiessen im Felde. Wer mir den Täter nennt oder Angaben macht, die zur Ermittelung desselben führen, sodass seine gerichtliche Bestrafung herbeigeführt werden kann, erhält obige Belohnung.— Die Taube ist blaugehämmert, trug einen metallenen Fussring mit Bezeichnung 0580/03/244 und war auf einer Feder im Flügel mit der Nummer 163 gestempelt. Es ist notwendig, dass entweder die ganze Taube oder der Fussring, oder wenigstens die Feder mit der gestempelten Nummer eingeliefert wird. Schwerte. Otto Homel. meinem Neubau an der Chausse: sind abgeschlossene Etagen=Wohnungen Näheres part rre daselbst. Eine Wohnung von 2 Zimmern nebst Stall und bestehend aus 4 Wohnräumen, Küche nebst Speisekammer und allem Zubehör zum 1. 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Die Polizei=Verwaltung v. Daniels. Geschäfts-Uebertragung. Hiermit gestatte ich mir meiner geehrten Kundschaft die böfl. Mitteilung zu machen, dass ich mein Geschäft mit dem heutigen Tage dem Herrn Emil Hardt übertragen habe und bitte ich die verehrliche Kundschaft von Schwerte und Umgegend dass mir bisher geschenkte Vertrauen auf meinen Nachfolger gütigst übertragen zu wollen. Hochachtungsvoll! Fritz Grave Bäckermeister Beckestr. 31. P. P. In höfl. Bezugnahme auf obige Annonce gestatte ich mir den Bewohnern von Schwerte und Umgegend ergebenst mitzuteilen, dass ich mit dem heutigen Tage die Bäckerei ∆ ∆ 0 Schwerte. Regiments-Befehl. Samstag, den 6. Juli, mogens 6½ Uh Antreten Ortskrankenkasse für den Stadtbezirk Schwertr. Am Sonnabend, den 13. d. Mts abends 8½ Uhr, im Lokale des Wirts Rath, Brückstraße, außer ordentliche General=Versammlung. Tagesordnung: Besprechung über Einführung einer Famili n=Versicherung Wegen Wchtigkeit der Tages. ordnug wird um zahlreiches Ersteinen nochmals ersucht. Der Vorstand. Dr. Oetker'’s Vanilleruding Pater Magenteibenden teile ich aus Mitgefühl gern omsonst mit, wie sich jeder selbst von diesem qualvollen Leiden sof. dauernd befreien kann. M. Ohme, Lehrer, Schmölln S.=A. 263 Neue Karkosfern 10 Pfund 85 Pfg. empfiehlt Weit berg. Verkaufe diese Woche solange Vorrat reicht, 5 Pid. Pökelfleisch zu 1.50 Mk. Schwerter Fleisch=Halle, Marktstraße Nr. 4. PI. Wer liefert billigstfranz. VordeauxRotwein unter Garantie der Reinheit und unverschnitten? Antwort: Wenden Sie sich an Carl Rafsin, Gasthof„Zur Helle“ in Schwerte, Ostenstraße 26, oder: Restauration„Fur Helle“ in Hörde, Hochofenstraße 8. Sie erhalten daselbst die Flasche zu 95 Ofg. incl Glas— also netto 85 Ofg. Zum Verkauf der Dümpelmann'schen Grundstücke in Ergste findet Schlußtermin am Sonnabend, den 6. Juli, nachmittags 4 Uhr im Lokale der Frau Wwe. Kage=Beckmann statt. Hohenschwert, Schwerte. des Herrn Frliz Grave, Beckestr. 31 5 übernommen habe und bitte ich die geehrte Kundschaft mir das Vertrauen entgegen zu bringen und wird es. stets mein Bestreben sein, nur gute Ware zu liefern. Hochachtungsvoll! 84 Emil Hardt&. Bäckermeister, 8 Beckestr. 31. „PüT Seul. Waschpulver. Gebrauchsanweistug. Waschpalver. Den Inhalt eines Pälchens Waschpnlver„Niegedacht“ löse man in 1½3 Liter heißen Wassers auf, vermische diese Lösung mit 5, bei ganz schmutziger Wäsche mit 8 Eimern warmen Wassers und lege in die so entstandene„Niegedachtlange" die schmutzige Wäsche am Abend vor dem Waschtage ein. Am nächsten Morgen soche man unter wiederholtem Umrühren in derselben Lauge die Wästze 1 Stunde lang im Waschosen oder Waschkessel. Wenn man das Umrühren der Wäsche gewissenhaft und kräftig besorgt hat, so ist die Wäsche rein und bedarf nut noch einer mehrmaligen Aufspülung in reinem kalten Wasser. 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Wöchentliche Gratis-Beilage:„Illustrierter Familsenkreund.“ o 0 O O O O O O O O O O O o Anzeigenpreis: Die sechsgespaltene Petitzeile oder deren naum 10 Pf., Anzeigen von auswärts 13 Pf., Reklamezeile 40 Pf Erstes und ältestes Tagesorgan des Kreises. Haupt=Annoncenblatt. Nlie Kreis- und Lekalpelizeillchen Vererdnungen für den Reeie Hörde erlangen gemäss Bekanntmachung der Höntgl. Regierune durch Veröttentlichung in der„Schwerter Zeitang“ seleir-in 4NA. We verbinaliche Nraft. O• C O O O S•S· Druck u. Verlag von Zarl Draus, Schwerte. Fernen Dr. 62 Ami Schwerte. Celegr.-Nüresse Braus. 30 •••• Freitag den 5. Juli 1907. 39. Jahrg Die Kavallerie der Zukunft (Das Buch eines deutschen Reiterführers.) Die letzten großen Kriege haben das Problem der Reiterwaffe hinsich sich ihrer Verwendung in künftigen Feldzügen nicht nur nicht gelöst, sondern in erhöhtem Maße zur Diskussion gestellt. Die einen behaupten, die Reiterei hätte ihre Rolle als schlachtentscheidende Waffe ausgespielt, die anderen führen ihre glänzende Vergangenheit ins Treffen und damit ihre besondere Eigenart, die durch jeweils herrschende taktische Anschauungen vielleicht, für den Augenblick in den Hintergrund gedrängt, niemals aber völlig aus der Welt geschafft werden können. Da ist es nun von ganz besonderem Interesse, die Meinung eines bekannten hervorragenden Reiterführers, des Kemmandeurs der 7. Division, Generallentnants von Bernhardi, zu vernehmen, die er in einem in diesen Tagen bei Mittler und Sohn erscheinenden Buche„Organisation und Ausbildung der Klavallerie für den modernen Krieg in fesselnder Weise niedergelegt hat. Das vertiefte Studium der fremden und der eigenen Kriegsgeschichte hat die deutschen Kavalleristen erkennen flassen, daß auch auf dem Gebiete der selbständigen Kavallerietätigkeit die Organisation und Ausbildung, wie sie in den letzten deutschen Kriegen beschaffen war, den Anforderungen eines heutigen Krieges nicht mehr voll entsprechen würden. Es hat sich unleugbar die Ueberzeugung Bahn gebrochen, daß innerhalb der Gesamttätigkeit der Reiterei die Werte sich gründlich verschoben haben. Ihre Schlachtentätigkeit aber ist durch die neuen Kriegsmittel keineswegs ausgeschlossen. Im Gegenteil. Die vermehrte moralische Wirkung der modernen Feuerwaffen und die weniger solide Zusammensetzung zahlreicher Infanterieformationen eröffnen ihr in der Hinsicht sogar neue Chancen des Attackenerfolges. Dennoch aber ist heute der Hauptwert der gesamten Tätigkeit der Kavallerie in der Aufklärung zu suchen und in der Einwirkung auf die seindlichen Verbindungen. Diese Tätigkeit hat nun gegen frühr erheblich an Bedeutung gewonnen. Je größer die modernen Armeen sind, je komplizierter der Apparat geworden ist, dessen sie bedürfen, um ihre Waffenwirkung und ihre Kriegstüchtigkeit zu erhalten, desto schwieriger und zeitraubender ist es, ihnen im Marsch eine veränderte Der Mensch. Empfangen und genähret Vom Weibe wunderbar, Kommt ser und sieht und höret Und nimmt des Trugs nicht wahr; Gelüstet und begehret Und bringt sein Tränlein dar; Verachtet und verehret; HHat Freude und Gefahr; Glaubt, zweifelt, wähnt und lehret, Hält nichts und alles wahr; Erbauet und zerstöret Und quält sich immerdar; Schläft, wachet, wächst und zehret; Trägt braun und graues Haar. Und alles dieses währet, Wenn's hoch kommt, achtzig Jahr. Dann legt er sich zu seinen Vätern nieder, Und er kommt nimmer wieder. Matthias Clandius. Der Geuse... Roman von Fitzgerald Moloy, dentsch von E. Ebeling. (Nachdruck verboten.) 22. „Ist er nicht eigensinnig?“, rief die Gräfin scherzend.„Lady George, wollen Sie uns nicht etwas singen?" „Mit Vergnügen“, erwiderte die gutmütige Dame. Als Rigel Orianz sich wieder zuwandte, waren ihre glühenden Augen durchdringend auf ihn geheftet. „Sie spielten in jener Nacht— in siner Nacht, als Philipp—.—“ sagte sie im leisen erregten Ton.„MeiRichtung oder Gruppierung zu geben, desto früher muß also die Heeresleitung über die Maßnahmen des Gegners ausgeklärt werden, wenn sie in der Lage bleiben soll, auf Grund dieser Aufklärung ihre Entschlüsse zu fassen, und um so empfindlicher werden andererseits die rückwärtigen Verbindungen derartiger Armeen gegen feindliche Einwirkung, wenn diese sich mit der nötigen Kraft geltend macht. Heute muß man die Reiterdivisionen im Kriege schon viel weiter zur Aufklärung vortreiben, als es noch 1870/71 notwendig wurde, wenn man rechtzeitig über den Feind orientiert sein will. In der Zukunft wird die Reiterei sehr weite Räume zu umspannen haben und sich auch noch sehr erheblich weiter von den Armeeen loslösen müssen, als in deim großen Krieg: gegen Frankreich. Man wird wohl mit einem ebenhürtigen und viesleicht numerisch überlegenen ristischen Goanee rechnen müssen, der die Flanken der eigenen Armee umfassen, gegen unsere Vormarschstraßen operieren und unsere rückwärtigen Verbindungen bedrohen kann. Für den Frieden ist wohl unsere hesttige Organisation im allgemeinen günstig, da sie für den Krieg uns nicht bindet. Im Krieg aber muß eine völlige, den Verhältnissen angepaßte Umformung der großen Verbände eintreten. Hinsichtlich des Gesechts der Reiterei darf wohl als feststehend angesehen werden, daß wir uns dabei weit mehr als früher des Karabiners werden bedienen müssen, gezwungen durch die Fechtart des Gegners, das Gelände oder die Elemente des Volkskrieges. Auch in der Schlacht wird die Feuereinwirkung der Kaval= lerie meist gegen Flanke und Rücken des Gegners Bedeutendes zu leisten vermögen. Oft hätte 1870/71 die deutsche Reiterei die Schwesterwafsen wirksum unterstützen können, wenn sie eine gute Schußzwaffe geführt hätte. Was die Kavallerie im amerikanischen Sezessionskriege zu Fuß kämpfend geleistet hat, ist ja weltbekannt. Und bei Sandepu hat eine japanische Kaval= lerie=Brigade zwei Tage lang die russischin Angriffe mit dem Karabiner aufgehalten und das Heranführen der eigenen Reserven ermöglicht. Es muß daher auch bei uns die Ausbildung der Reiterei für das Fußgefecht bedeutend vertieft werden. Bei einem zukünftigen europäischen Kriege werden sich die ersten entscheidenden Reiterkämpfe voraussichtlich bei den großen sellbständigen Kavalleriemassen nen Sie, daß Sie niemals wieder spielen können— niemals wieder?“ Ein plötzlicher Schauer überrieselte ihn; der Klang der ersten Akkorde des Liedes entschuldigte sein Schweigen. Als die Stimme der Lady verhallte, trat Rigel sofort zu ihr und begann ein musitalisches Gespräch. Die Wirtin setzte sich mit dem Grafen zu einer Schachpartie mieder und der Major führte Christina, die über die schwüle Luft slagte, hinaus auf eine der südlichen Terrassen. Oriana beschäftigte sich wieder mit ihrem Buche, bis Lady Georgi kam und sich zu ihr setzte. Sie hatten über kaum ein paar Minuten geplaudert, als Oriana bemerkte, daß auch Rigel auf die Terrasse ging und ihr Vater bald darauf allein zurückkam. Ihre Pulse begannen zu fliegen, das Blut stieg ihr zu Kopf bei dem Gedanken, daß Rigel und Christing zusammen dort draußen im Dunkel weilten. Die beiden standen unterdessen an ein altes Steingesänder gelehnt auf der Terrasse, von der man das Tal übersah. In der Dunselheit, die durch das Licht der Sterne nur schwach gemildert wurde, erstreckte sich die Ebene wor ihnen wie ein Meer unermeßlich und undurchdringlich. Die schwachen galben Lichter, die hier und da die Fenster der Pächterwohnungen bezeichneten, hätten in diesem Bilde die Topplaternen der Schiffe bedeuten können. Ich habe mich oft bemüht, herauszufinden, welcher under all den Tausenden wohl Ihr Stern sein möchte“ sagte Christina, in die Höhe blickend.„Ich möchte wohl wissen, ob wirklich eine Seelenverwandtschaft zwischen Ihnen und ihm besteht.“ „Ich bin überzeugt, daß ein unsichtbaver Faden alle Dinge im Weltall miteinander verbindet, selbst, wenn sie soweit von einander getrennt sind, wie die ergeben, die den Armeen vorauseilen. Diese Kämpfe werden einen sehr verschiedenen Charakter zeigen, je nachdem unsere Reiterei auf ebenfalls offensive Kavallerie oder auf Sicherungsabteilungen stößt, die sich defensiv verhalten wollen. Im allgemeinen werden diese Kämpfe wohl das Kennzeichen von Begegnungsgefechten tragen. Der russisch=japanische Krieg hat für die Kavallerie eine Reihe von hochinteressanten Erfahrungen gebracht, die nicht sohne Einwirkung auf die Gestaltung der Reiterkämpfe in der Zukunft bleiben können. Zunächst hat er erkennen lassen, welche entscheidenden Nachteile eine mangelhafte Aufklärung zeitigt, und wie diese Nachteile dur chnichts wieder gut zu machen sind. Dann ist auch hier wieder die Bedeutung und die Notwendigkeit des Fußgefechtes zu Tage getreten. Ja, ses hal sich gezeigt, daß auch bei der Aufklärung die Reiterei dieses Elementes nicht entbehren kann. Dieseneldzug hat aber auch die Wuhrnehmung erstehen lassen, daß auch in der Schlachtentätigkeit der nav#### lerie das Feuergefecht eine bedeutende Rolle spielen kann und wie schwer es ist, taktische Erfolge auszubeuten, wenn eine Kavallerie fehlt, die die Verfolgung übernehmen kann. Nach den Schlachten von Liaoyang und Mutden hätte eine starke japanische Kavallerie den Sieg in entscheidender Weise ausbeuten und ihm teilweise sogar bis zur Vernichtung des Gegners steigern können, wenn sie vorhanden gewesen und im kühmen kavalleristischen Geiste verwendet worden wäre. Endlich zeigt uns der Feldzug noch, welche eminente Bedeutung gut geführte Unternehmungen von Kavalberie gegen die rückwärtigen Verbindungen des Gegners unter Umständen gewinnen können und wie eine in dieser Richtung tätige Reietrei den Feind zwingen kann, starke Truppenmassen zum Schutze dieser Verbindungen zu verwenden und sie somit dem entscheidenden Kampfe fernzuhalten. Das sind ddie Lehren, die in einem Zukunftskriege sich zu sinngemäßer Nutzanwendung unbedingt umformen müssen und werden. Die größere Wirkungsseite und Rasanz des modernen Gewehres, sowie der verbesserte Schrapnellschuß, endlich moch die Möglichkeit indirekten Artilleriefeuers, haben nicht nur die Entfernungen vergrößert, in denen der Kampf beginnen muß, sondern zwingen auch da, wo man gegen Sicht Lichter des Himmels von den Kindern der Erde“, erwiderte Rigel. „Sie glauben also, daß einer auf den anderen einwirken, ihn beeinflussen kanm.“ „Diesen Glauben hatten die ältesten Völker und die weisesten Männer, die die Welt gekannt hat.“ „Sie sind ein Mystiber“, sagte sie, und ihre sanfte und einschmeichelnde Stimme blang so, wie kaum je Zuwvor. Da beugte er sich zu ihr hinüber, bis sein warmer Atem ihre Wange streifte und antwortete: „Es gibt eine Zeit im Leben eines jeden Mannes, wo ihm die Welt in ein köstliches Geheimnis gehhüllt zu sein scheint.“ Bei dem Licht, das aus dem Fenster hinter ihnen strahlte, sah er ihre Augen austleuchten in einem innig zärtlichen Blick, dann veränderten sie sich plötzlich, als sähen sie etwas Schreckliches. Als er ihrem Blick folgte, bemerkte er zuerst einen tiefroten Schein, der in taltmäßiger Bewegung aufblitzte und von diesem Blutstropfen, den ihm seine Phantasie worspiegelte, glitt sein Blick weiter auf das blasse Gesicht darüber, dessen leidenschaftliche Errregung trotz der Dunkelheit zu erkenmen war. „Wir sprechen won den Sternen", wandte er sich mit erzwungener Ruhe an Oriana. „Ich fürchte, ich bin zu lange draußen gewesen, mich fröstelt“, sagte Christina und damit ging sie schnell ins Zimmer. Klaum waren ssie allein, da legte Oriana ihre zitternde Hansd auf seinen Arm und sagte mit einer Stimme, die er kaum als die ihrige erkannte: „Ich muß Sie heute abend sprechen, ich kann nicht länger warten.“ „Ein wilder Gedanks schoß ihm durch den Kopf, wie eine entsetzliche Ahnung. * direktes Feuer gesichert ist, in den Bewegungsund Gefechtsformen, sowie in der Art der künstlichen Deckungen auf das indirekte Artiktriefeuer Rücksicht zu mehmen. Für die Kapallrie haben diese Veränderungen eine doppolte-Wirkung. Zunächst wird sie immer mehr und mehr von der freien Ebene verdrängt 125 auf Geländebildungen verwiesen, die eine verdeckte Annäherung an den Feind zulassen. Wo sie gezwungen ist, größere Strecken außerhalb der Attackenentfernung im Artiellriefener zu durchschreiten, muß sie auch versuchen, die Verluste durch entsprechende Formationen zu mindern. Die Möglichkeit, gegen wirksames Fewer in die Attacke worzudringen, erscheint jetzt außerordentlich verringert. Andererseits aber kann die Kavallerie heute vermöge ihrer Ausrüstung mit ebensolchen Feuerwaffen auch auf weite Entfernungen hin wirksam werden, und es erwachsen ihr aus dem auflösenden Charakter des modernen Gesechtes und seinen gesteigerten moralischen Wirkungen neue Chancen des Attackenerfolges. General von Bernhardi spricht die interessante Ansicht aus, daß in einem künftigen europäischen Krieg, falls sich die Verhältnisse nicht noch sehr erheblich ändern sollten, der eigentliche Reiterkampf eine sehr große Rolle spielen wird. Wo die gegnerische Kavallerie durch Infanterie unterstützt wird, muß man sie durch weite Umfassung eventuell unter zeitweiliger Preisgabe der eigenen Verbindungen zwingen, sich von der zugeteilten Infanterie zu trennen und zum Kampf zu stellen. Daß die zugeteilte Infanterie, nachdem die zu ihr gehörige Kavallerie aus dem Felde geschlagen ist, Gefahr läuft, ihrerseits in ihrer Verbindung aufgerieben zu werden, ist leicht einzusehen, Daß im russisch=japanischen Kriege ein Kampf der Kavalleriemassen nicht stattgefunden hat, ist dadurch erklärlich, daß die Gründe, die dafür in jenem Kriege maßgebend waren, für europäische Zustände nicht zut: ffen. Die japanische Kavallerie war viel zu schwach, um sich mit der russischen im Felde messen zu können, und der russischen scheint eben der offensive Geist gefehlt zu haben. Auch war das Gelände großen Reiterkämpfen nicht günstig. Die Kavallerie der Zukunft wird wohl auch mit Ballonabteilungen versehen werden müssen. Wenn man für die Beweglichkeit solcher Ballonabteilungen sorgt, was technisch wohl zu ermöglichen seindürfte, so könnten sie für das frühzeitige Erkennen feindlicher Heereskolonnen von erheblichem Nutzen werden. Von den technischen Errungenschaften der Kriegswissenschaft, die sich in der Tätigkeit der Lichtsignalabteilungen und der Ferntelegraphie äußert, kann die Kavallerie der Zukunft großen Vorteil erwarten" viell weiter vorgeschoben merde an maie di Lsichbesönderunentonnen, wen wie Rück#r#rrlunng der Meldungen rasscher vor sich gehen wird, als es bisher der Fall war. Es werden gußerdem Reldereiter in großer Zahl gespart werden könen. Aber die Ergänzung der technischen Einrichtungen für den Nachrichtendienst durch Meldereiter wird auch die moderne Kavallerie nicht ganz entbehren können. Schließlich verweist General von Bernhardi auf die Notwendigkeit, die Felduniform der Kavallerie möglichst unscheinbar und der der Infanterie ähnlich zu wählen, einmal um dem Gegner das Zielerfassen zu erschweren und das eigene Verschwinden im Gelände zu erleichtern, dann aber auch, um sich nicht gleich als Kavallerie zu erkennen zu geben. Dagegen ist der Anvor gegen die sog.„Einheitskavallerie". Der Truppe „Hat das nicht Zeit bis morgen?“ fragte er, umd bemühte sich, seiner Stimme Festigkeit zu geben. „Nein, heute noch muß es sein. Ich will in die Wachstube kommen, wenn sich alle zurückgezogen haben; erwarten Sie mich dort.“ Ton und Miene waren befehlend und ehe er antworten konnte, war sie schon fort. Voll dunkler Ahnungen und quälender Zweifel starrte er wieder in die brütende Finsternis hinaus; da durchzuckte plötzlich ein Blitzstrahl die Nacht und zeichnete die schwarzen Umrisse des Teuselskopfes in besonders scharfer Klarheit. Erschrocken fuhr er zurück und eilte ins Zimmer, das Oriana bereits verlassen hatte, um sich zurückzuziehen. Das Wachtzimmer, das sie zu ihrer Begegnung bestimmt hatte, war ein achteckiger Raum im Südturme, der von Rigel und seinen Gästen als Rauchzimmer bemutzt wurde. Hier blieb er sitzen, als der Graf und der Major ihn mach der letzten Zigarre allein ließen. Hier wartete er und ihm war zu Mute, wie etwa einem Verbrecher, wenn er vor der Verkündigung seines Urteils steht. Mit aller Macht bemühte er sich aber, die äußeren Zeichen seiner Aufregung zu bezwingen. Durch das tiefe Schweigen, das auf dem Schlosse ruhte, hörte er den Regen herniederströmen; zur mitternächtigen Stunde ließ die Turmuhr ihre Stimme erschallen, ein Ton, der für ihn ewig mit dem Läuten der Totenglocke verbunden war. Kaum war derselbe verklungen, als sich die Türe leise öffnete und Oriana eintrat. Ihre Augen sahen ungemein glänzend aus dem bleichen Antlitz hervor; der Juwel mit seinem brennenden Feuer prangte immer moch an ihrer Brust. „Bittte, halten Sie es nicht für unschicklich von mir, zu dieser Stunde hierher zu kommen“, ssagte sie mit flehender Stimme, als sie zaghaft näher kam. „Aber ich muß Ihnen etwas sagen, und morgen ist es vielleicht zu spät dazu. „Was ist es denn“, fragte er kurz, unfähig, noch Worte zu machen, die seine Ungewißheit verlängern würden. „Es ist furchtbar schwer für mich zu sprechen“ antwortete sie und ihre Stimme zitterte hörbar.„Aber ich möchte so gern von Ihhnen verstanden werden: Sie sollen wissen, daß ich Philipp niemals so liebte, wir —— wie ich den Mann lieben müßte, den sch heirate.“ müssen ihre Traditionen und der Korpsgeist erhalten bleiben. Die moralischen Faktoren sind im Kriege überall wichtiger als die materiellen. Aus den Gerichtssälen s Düsseldorf, 3. Juli.(Ein Zeuge wegen Meineids festgemommen.) Der 16 Jahre alte Lehrling Josef von Fr. von hier sollte aus einer fremden Wohnung ein Sparkassenbuch entwendet und die Einlage abgehoben haben. Der Junge, der bereits einmal wegen eines Taubendiebstahls vorbestraft ist, wurde vom Schöffengericht des Diebstahls schuldig befunden und zu zwei Wochen Gefängnis verurteilt. Gegen dieses Erkenntnis legte der Angeklagte bezw. sein Vater Berufung ein. In der heutigen, Verhandlung vor der Strafkammer suchte der Angeklagte durch seinen Rechtsbeistand und seinen Vater darzutun, daß er den Diebstahl nicht verübt habe und die Anblage nur auf persönliche Feindschaften zurückzuführen sei. Infolgedessen gab es unter den Zeugen ziemlich erregte Auseinandersetzungen. Der Zeuge Venwaltungs= sekretär Oskar Bi., der zugunsten des Angeklagten aussagte, wurde dabei vom Staatsanwalt befragt, ob er gegen die Eigentümerin des Sparkassenbuches, Ehefrau St., nicht eine gewisse Feindschaft hege und eine Anzeige gegen sie erstattet habe. Bi. erklärte trotz mehrfacher Hinweise auf die Folgen des Meineids, daß er keine Anzeige gegen die Frau erstattet habe. Der Staatsanwalt ließ daraufhin verschiedene Aktenstücke herbeiholen, denen er eine umfangreiche Anzeige des Bi. gegen die Ehefrau St. entnahm. Bi. mußte nunmehr zugeben, daß er die Anzeige gemacht habe, er suchte indessen darzutun, daß er sie bei der Polizei erstattet habe, während er geglaubt habe, der Staatsanwalt meine eine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft. Der Staatsanwalt war der Ansicht, daß der Zeuge Bi. hier einen wissentlichen Meineid geleistet habe. Das Gericht schloß sich dieser Ansicht an, weshalb Bi. direkt festgehalten und in Untersuchungshaft gebracht wurde. Die Berufung des Jungen erfuhr Abweisung. § Düsseldorf, 4. Juli. Wegen Portohinterziehung hatte die Oberpostdirektion dem Kohlenhändler Karl Groß in Düsseldorf einen Strafbefehl in Höhe won 5400 Mark übersandt. Er hatte auf gerichtliche Entscheidung angetragen, aber das Landgericht Düsseldorf kam in der Verhandlung vom 19. November vor. Irs. ebenfalls zu einer Verurteilung. Es handelt sich um die Frage, ob ein verschlossener Brief, der mur gedruckte Mitteilungen enthält, als Brief oder als Drucksache anzusehen ist. Der Sachverhalt war folgender: Groß hatte 27000 Geschäftsempfehlungen betr. Braunkohlenbriketts nebst Bestellkarte drucken und in Briefumschläge stecken lassen. Diese Sendungen wollte er durch die Beförderungsanstalt Merkur, die in Düsseldorf besteht, allen Haushaltungsvorständen zustellen lassen. Da der Inhaber jener Anstalt auf Befragen erklärte, die Sendungen könnten geschlossen sein, wenn sie nur keine bestimmte Adresse trügen, so machte Herr Groß seinen Leuten die Mühe, sämtliche 27.000 Sendungen zuzukleben. Da aber am ersten Tage der Austragung Unvegelmäßigkeiten workamen— es wurden größere Mengen der Sendungen an Kinder verschenkt— so zog Groß seinen Auftrag zurück und nahm, da die Anstalt nicht in die Auflösung des Vertrages einwilligte, die Hilfe der Diese Mitteilung war nicht das, was Rigel zu hören erwartet hatte. „Sie versprachen aber doch, ihn zu heiraten?“ fragte er, einigermaßen erleichtert. „Ja, im Gehorsam gegen meinen Vater und, weil ich mein eigenes Herz nicht kannte. Es war damals noch nicht erwacht, und ich wäre vielleicht durchs Leben gegangen, ohne jemals seine größten Freuden und Schmerzen gekannt zu haben, wenn ich nicht——“ „Philipp war in dem Glauben, Sie liebten ihn", unterbrach sie Rigel, der sich jetzt der drohenden Gefahr ihrer Wore bewußt wurde. „Weil er mir seine Zuneigung schenkte, nahm er als selbstverständlich an, daß ich ihm die meinige auch geben müsse. Während er in jener Nacht— seiner letzten Nacht— mit meinem Vater zusammen aß, kam ich zu demm Entschlusse, meine Verlobung aufzugeben. Mochte kommen, was wollte, ich konnte ihn nicht heiraten, denn ich liebte einen anderen. Sie senkte verwirrt den Kopf.— Rigel verstand sie und wollte sie mitleidig an weiteren Bekenntnissen hindern. „Dieser andere hat aber vermutlich nichts geahnt“, fragte er schnell. „#eeng nein, damals nicht, aber „Nein. „Dann, da Sie mich einmal mit Ihrem Vertrauen beehren, lassen Sie mich Ihnen raten, Ihr Geheimnis vor ihm zu bewahren“, sagte er, jedes Wort mit Nachdruck betonend.„Ein anderes Band hindert ihn vielleicht, Ihre Liebe zu erkennen oder zu erwidern. Vergessen Sie ihn. „Ich habe es versucht", antwortete sie traurig. „Gott weiß, wie sich mit mir gekämpft habe, aber ich habe es unmöglich gefunden. Meine Liebe war stär. ker als mein Wille.“ „Einem tapferen Herzen ist nichts unmöglich.“ „O Rigel“, rief sie in plötzlichem, leidenschaftlichem Ausbruch ihrer Gefühle,„du weißt ja, daß du es bist, den ich liebe. Obgleich mir die Worte auf der Zunge brennen, rühme ich mich doch des Bekenntnisses meiner Liebe zu dir.“ Sie stand vor ihm in ihrer biegsamen, schlanken Gestalt; wunderbar schön in ihrer Aufregung durch die erhöhte Farbe. Ihre Lippen zitterten, ihre Augem suchten die seinen; ihn aber erfüllte kein Triumph= gefühl bei diesem Liebesgeständnis; es setzte ihn nur in die größte Verwirrung. (Forts. folgt.) Polizei in Anspruch. Aufd iese Weise erhielt dann die Postbehörde Kenntnis won der Angelegenheit. Das Landgericht nahm ebenso wie die Post an, daß es sich um verbotene gewerbsmäßige Verschickung und Verteilung von Briefen handle, deren Porto von je 5 Pfg. als hinterzögen angesehen wurde.— Die Revision des Angeklagten suchte den Nachweis zu führen, daß die private Verbreitung von Drucksachen, auch wenn sie sich in geschlossenen Kuverts befinden, nicht verboten sei.— Das Reichsgericht verwarf jedoch die Revision, da, wie schon in früheren Entscheidungen ausgesprochen war, jede verschlossene briefartige Sendung ohne Rücksicht auf den Inhalt als Brief im Sinne des Postgesetzes anzusehen sei. § Wattenscheid, 3. Juli.(Diebe und Hehler.) Seit August vorigen Jahres verschwanden dem Klempnermeister August Jäger hier fortgesetzt groß: Mengen Blei, Messing, und Kupfer. Nach längeren vergeblichen Nachforschungen stellte sich schließlich heraus, daß die Lehrlinge Friedrich Hoffmann und Josef Schleifen die Metalle gestohlen und an den Althändler Simon Altfell verkauft hatten. Die jugendlichen Diebe, das Ehepaar Altsell sowie deren Söhne Simon und August Altfell standen heute vor der Bochumer Strafkammer. Altfell senior wurde wegen gewerbsmäßiger Hehlerei zu einem Jahre Zuchthaus verurteilt und wegen Fluchtverdachts sofort verhaftet; seine Ehefrau erzielte einen Freispruch. Gegen Simon Altfell jujn. wurde auf wiereinhallb Monate, gegen August Altfell auf drei Monate Gefängnis erkannt. Hoffmann und Schleifen kamen mit einem Verweis davon. 8 Hanau, 4. Juli. Vor der hiesigen Strafkammer wurde eine dreiköpfige jugendliche Räuberbande abgeurteilt. Die Burschen, im Alter von 14 bis 16 Jahren stehend, hatten sich an einer einsamen Waldesstelle eine Räuberhöhle gegraben und diese wohnlich eingerichtet. Die Ausstattung der Höhle, sowie eine Menge Lebensmittel, Waffen usw. hatten sie sich durch Einbruchsdiebstähle verschafft. Ihr Plan war, fortab sich ihren Lebensunterhalt nur noch durch Raub zu erwerben. In einem Schriftstück hatten sich alle durch Namensunterschrift werpflichtet, treu und fest zum Bunde zu halten. Das Urteil lautete gegen zwei der Uebeltäter auf je vier Monate, gegen dem jüngsten auf zwei Monate Gefängnis. Der abenteuerliche Plan war bei ihnen durch das Lesen von Räuberromanen und Indianergeschichten gereift. s Aachen, 4. Juli. Den Obergarderobier des hiesigen Stadttheaters, Richard Gelfen, der in den beiden letzten Jahren Garderobe im Werte von mindestens 2000 A entwendet und teils in Bielefeld verkauft teils in Düsseldorf verpfändet hatte, hat die Strafkammer zu menn Monaten Gefängnis verurteilt. § Kiel, 3. Juli. Das Marinegericht verurteilte den Matrosen Bohle, welcher dem deutschen MarineAttachee in Stockholm aus dessen Dokumentenkoffer über 1000 Kronen stahl, zu einer Gefängnisstrafe von 10 Monaten. Westfalen und Rheinland. * Menden, 3. Juli.(Gebirgsfest.) Ein gut besuchter Kommers leitete am Samstag abend das Gebirgsfest auf der Wilhelmshöhe ein. Bei guter Musik und gemeinschaftlichen Liedern kamen die Teilnehmer bald in gute Stimmung. Vielle Auswärtige waren schon herbeigeeilt. Sonntag morgen brachten die Züge aus allen Richtungen die fremden Gäste. Als Vertreter des Kreises war Herr Landrat Nauck schon zum Frühschoppen erschienen. Gegen 1 Uhr zog ein kleiner Festzug unter dem Regenschirm zur Wilhelmshöhe. Um 2 Uhr begann das große Festessen, an welchem 600 Personen teilnahmen. U. a. sprach Herr Regierungspräsident von Coels über die edlen Ziele des S. G.=V. Gegen 9 Uhr wurde in der kleinen Halle der Ball eröffnet, welcher wohl ziemlich früh erst geendet hat. Die italienische Nacht mußte wegen der Witterung ausfallen. Dank unserer geschützten Halle erlitt der Verlauf unseres Festes keine Störung und darf das 14. Gebirgsfest sich seinen Vorgängern würdig zur Seite stellen. * Altena, 3. Juli.(Die diesjährige Heidelbeer= und Preißelbeerernte) verspricht einen reichen Ertrag. Trotz der naßkalten Witterung haben die Sträucher die Blütezeit überstanden, was besonders darauf zurückzuführen ist, daß in den höher gelegenen Regionen die Vegetation unter der Kälte nicht so stark gelitten hat. Die Heidelbeere färbt sich schon und wenn die Sonne ihre Pflicht und Schuldigkeit tut, so wird man schon bald zur Ernte kommen. Leider ist es zu bedauern, daß man schon jetzt Kinder aus den Waldungen kommen sieht, die die Sträucher mit den halbreifen Beeren ausgerauft haben. Dadurch wird sowohl der diesjährigen als auch gen Ernte großer Schaden zugefügt. * Dortmund, 3. Juli.(Gegen das Kostgängerwesen.) Die kath. St. Josefspfarre hat in der Westbleichstraße eine größere Besitzung gekauft, um dortselbst ein Logierhaus zu errichten. Das Haus soll vornehmlich dazu bestimmt sein, unverheirateten Leuten Aufenthalt zu bieten. Das Bestreben geht dahin, das Kostgängerwesen nach Möglichkeit zu zentralisieren, eine Absicht, die man nur mit Freuden begrüßen kann. Wenn das Logierhaus mit Erfolg seinen Zwekken dient, sollen gleiche Anstalten auch in den übrigen Pfarreien errichtet werden. Das erste Logierhaus so mit einem Kostenaufwande von 100000 Mark eingerichtet wergen. * Bonn, 3. Juli.(Ertränkt.) Der Ausläufer einer hiesigen Buchhandlung stürzte sich heute nachmittag von der Rheinbrücke in den Rhein und ertrank. Der Grund zur Tat ist unbekannt.