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Erstes und ältestes Tagesorgan des Kreises. Haupt=Annoncenblatt.

Alie Kreis- und Lokalpolizeilichen Verordnungen für den Kreis Hörde erlangen gemäss Bekanntmachung der Königl. Regierung durch Veröftentlichung in der„Schwerter Zeitung“ rechts­verdindliche Kraft. o 0 O O O O OO OCOSS e Druck u. Verlag von Carl Braus. Schwerte. Fernsprech-Anschluss Nr. 62 Amt Schwerte. Celegr.-Adresse Braus. Schwerte-Rubr.#

Nr. 51

Sbenenen mumaeruneen

Eine Wendung.

Die letzten Reichstagssitzungen haben, das kann niemandem zweifelhaft sein, eine neue Aera in unse­rer Politik eingeleitet. Es sei hier noch abgesehen von der Stellung der Reichsregierung zu den einzel­nen Parteien und von dem Verhalten der Fraktionen untereinander, auch die Position des Fürsten Bülow erscheint als eine andere. Es ist keine Abänderung der Befugnisse des leitenden Staatsmannes erfolgt, es ist ihm nichts genommen und nichts gegeben, wohl aber ist tatsächlich ein Emporrücken seiner ganzen Persön­lichkeit zu verzeichnen. Sprechen wir ohne Umschweife aus, nas vor den letzten Wahlen im Inlande wie im Auslande gesagt wurde; damals hieß es überall: der eigentliche Kanzler ist niemand anders, als Kaiser Wilhelm II. selbst. Das war natürlich nicht so auf­zufassen, als ob Fürst Bülow um jede Einzelheit mit dem Oberhaupt des Reiches zu konferieren habe, aber man dachte doch zumeist an das Wort: Sic volo, sic jubeo(So will ich es und so befehle ich es), und der Reichskanzler konnte noch so oft im Reichstage erklä­ren, der Kaiser sei nichts weniger als ein Philister, er erstreber keine Erweiterung seiner Rechte an, die An­schauung, resp. das Vorurteil, von welchem eben die Rede war, blieb bestehen. Vor wenig mehr als einem Vierteljahr verhandelte der am 13. Dezember aufgelö­ste Reichstag bekanntlich über das sogenannte„persön­liche Regiment des Kaisers“, von welchem auch damals Fürst Bülow erklärte, es bestehr nicht. Der Reichstag faßte ja keinen weiteren Beschluß darüber, aber er ging doch mit einer Miene auseinander, die besagen zu wollen schien, daß er sich seine Meinung nicht neh­men lasse. Jetzt— bei den stattgehabten großen De­batten in der Volksvertretung klang das ganz anders; jetzt hieß es, der Kanzler hat das gemacht, und Fürst Bülow hat jenes getan. Vom„persönlichen Regi­ment“ war keine Rede mehr, und der oberste Reichs­beamte, der einzig verantwortliche Reichsminister, erwies sich auch als der einzig führende und leitende Staatsmann. Die Bismarck'schen Kürassierstiefel sind dem Husaren Bülow wohl noch immer etwas zu groß. aber, wir dürfen sagen, der vierte Kanzler hat jetzt voll und ganz seinen Mann gestanden!

Aus mehr als einer gegnerischen Rede an den Reichskanzler klang ein unheilvolles Rabengekrächz, eine düster: Zukunftsprophezeiung hervor. Es hieß: Warte nur, Fürst Bülow! Heute ist die Freude groß, jetzt sind noch die Wahlflitterwochen. Aber es wird anders kommen, wenn z. B. wieder einmal eine Flot­tenvorlage erscheint, wenn etwa der neue Handels­vertrag mit den Vereinigten Staaten von Nord=Ame­rika Fleisch und Bein werden sollte. Dann wird auch die Notwendigkeit einer anderen Parteigruppierung sich ergeben, die Freisinnigen werden von der heutigen Mehrheit abschwenken und der letzte Helfer muß wie­derum die Zeutrumspartei sein. Aber dann magst du, Kanzler des Reiches, warten! Möglich ist alles, unmöglich nichts; aber wer falsch prophezeit, der pro­phezeit zweimal. Das hat sich bei den letzten Wahlen genug und übergenug erwiesen, und darum sollte der Eifer, für die Zukunft schon wieder Voraussagungen machen zu wollen, lieber gedämpft werden. Man kann und braucht nicht in all und jeder Beziehung ein und derselben Meinung sein, aber eine große, wahrhaft volkstümliche Reichs=Politik hat doch eine gewaltige Anziehungs= und Ueberredungskraft. Die höheren Eleischpreise haben am 25. Januar und 5. Februar kein Unheil angerichtet; wir denken, die Kosten für ein paar nene Kriegsschiffe, wenn die überhaupt verlangt werden sollten, werden das Deutsche Reich ebensowe­nig auf den Kopf stellen.

Wir haben zu viele Jahre im Reichstag einen Streit nur um Worte und abermals nur um Worte gehabt, unser politisches Leben war eine große Zan­kerei. In der Bevölkerung hat man geradezu nach Taten gelechzt; und wie stark dieser Hunger von neu­em war, zeigen die Wahlen. Ueber die Reichsregier­ung ist ein politischer Unternehmungsgeist gekommen, von dem wir nicht wissen, ob er künftig in jedem ein­zelnen Punkte das unbedingt Richtige treffen wird. Aber dazu ist in gerade der Reichstag da, dessen Ange­hörige sollen mithelfen, daß der richtige Weg beschrit­

ten wird. Sie heißen doch nicht umsonst Volksvertre­ter! Darum ist es wenig angebracht, schon wieder einmal Arges zu prophezeien, denn damit würde dem Reichstag, der am Ende alles zu beschließen und zu be­finden hat, nur ein Armutszeugnis ausgestellt wer­den

Ueb

Die Entscheidung für Braunschweig. Berlin, 28. Febr. Der Bundesrat unter dem Vor­sitz des Fürsten von Bülow(Referent Graf Witztum von Eckstaedt) beschloß einstimmig unter Enthaltung Braunschweigs, daß durch die Schreiben des Herzogs von Cumberland an den Kaiser vom 2. Oktober 1906 und an das braunschweigische Ministerium vom 17. Dezember 1906 eine entscheidende Aenderung in dem Beschluß des Bundesrats vom 2. Juli 1885 zu Grun­de liegenden Sach= und Rechtslage nicht eingetreten sei.— Der Bundesrat hat sich mit seinem Beschluß den Ausführungen des Kaisers und des Reichskanz­lers, die in dem bekannten Schreiben an den Herzog von Cumberland enthalten sind, vollständig angeschlos­sen. Die Thronfolge des Herzogs oder eines seiner Söhne in Braunschweig bleibt ausgeschlossen. Das Land steht also jetzt vor einer neuen Regentenwahl und kann dann über die künftige Form der Regier­ung selbst seine Entscheidung treffen.

Gegen das Ausländernnwesen a. den deutschen Universitäten

erklärte sich eine Berliner Akademiker=Versammlung. Sie bittet das preußische Kultusministerium, sich mit den anderen Bundesregierungen ins Einvernehmen zu setzen, um durch eine einheitliche Regelung der Aufnahmebedingungen von den deutschen Hochschulen Elemente fernzuhalten, denen zumteil sogar der Zu­tritt zu den Hochschulen ihres Heimatlandes verwehrt ist und die nach ihrem sittlichen und geistigen Bil­dungsstande sich nicht in den Rahmen deutscher Hoch­schulen einfügen lassen

Der erste deutsche Minendampfer.

Wilhelmshaven, 28. Febr. Der erste deutsche Mi­nendampfer„Nautilus“ ist heute nachmittag gegen 5 Uhr nach Beendigung der Abnahmeprobefahrt im hiesigen Hafen eingetroffen und wird demnach zur Einstellung gelangen. Auf Grund der im russisch= japanischen Kriege gesammelten Erfahrungen erteilte die Marineverwaltung im Sommer 1905 der Weser­Werft in Bremen den Auftrag zum Bau eines moder­nen Minendampfers, der am 18. August vor. Irs. vom Stapel lies. Die Prüfungsfahrt fand heute mor­gen von Nordenham aus unter Aufsicht des Korvetten­kapitäns Kutscher, sowie der Marine=Oberbauräte Brinkman und Nott von der hiesigen kaiserlichen Werft statt.„Nautilus“ hat eine Wasserverdrängung von 2000 Tonnen und vermag eine Geschwindigkeit von 20 Knoten stündlich zu erzielen.

Aus Rußland.

Petersburg, 28. Febr. Der Kommandant Will von Krasniarsk ist gestern bei einem Spaziergang durch Revolverschüsse getötet worden. Der Mörder ist ent­kommen.

Petersburg, 28. Febr. Die Staatspolizei erhielt Nachricht von einem Agenten, daß die Terroristen be­absichtigen, mit dem 10. März eine ganze Reihe von Attentaten auf hochgestellte Personen zu beginnen. Die Erregung unter dem Publikum ist sehr groß.

Der arme Graf.

Petersburg, 27. Febr. Graf Witte erhielt die briefliche Aufforderung, sofort ins Ausland abzurei­sen, widrigenfalls er getötet werden würde.

Mandschurische Räuberbanden.

Charbin, 27. Febr. Dreißig Werft nördlich von Charbin fand zwischen einer Patrouille von Amurko= saken und Chunchusen ein Gefecht statt, bei dem 21 Chnnchusen getötet wurden. Der Führer der Ko­saken wurde leicht verwundet. Im Bezirk Ringuta fand ebenfalls ein Zusammenstoß zwischen einer Reiterpatrouille und 88 Chunchusen statt, letztere zo­gen sich in den Wald zurück. Im Bezirk Hulantschenk dauerte heute noch der gestern begonnene Kampf zwi­schen den Amurkosaken und Chunchusen fort. Auf Ersuchen des Führers der Kosaken sind von Charbin

Aus Stadt und Umgebung.

Schwerte, den 1. März.

**(Ruhrtalsperren=Verein.) Nach dem Etat des

Ruhrtalsperren=Vereins für 1907 haben die Mitglie­der beizutragen 440000 Mark. An Zinsen von gesammelten Beiträgen in Höhe von 1650000 Mark sollen eingehen 57750 Mark. Die Einnahmen aus Verträgen mit den Talsperrengenossenschaften betru­gen 8000 Mark. An Ausgaben sind zu verzeichnen: An Verwaltungskosten 23000 Mark, an Zuschüssen für Talsperrengenossenschaften sollen geleistet werden 292000 Mark und zwar: Heilbecker Talsperre 395 M., Füelbecker Talsperre 4000 Mk., Verse Talsperre 14000 Mk., Hasper Talsperre 25000 Mk., Enneper Talsperre 100000 Mk., Volme Talsperre: 1. Glörbachsperre 21 150 Mk., 2. Inbach Talsperre 10 575 Mk., Henne Talsperre bei Meschede 96000 Mk. und Oester Tal­sperre 21000 Mark. Als erste Rate für den Bau der Möhne=Talsperre im Kreise Soest sind 162000 Mk.

vorgesehen.„„

**(Westfälischer Provinziallanotag.) Die nächste Sitzung des Westfälischen Provinzial=Landtages findet am 2. März ds. Is. im Landeshause zu Münster statt.

**(Die Parlamentsberichte) sowie einige andere Artikel mußten wir wegen des lebhaften Andranges von Inseraten in letzter Stunde für die morgige Num­mer zurückstellen.

*(Monatsversammlung des evang. Arbeiter= und Bürgervereins.) Die Mitglieder seien hierdurch schon jetzt darauf aufmerksam gemacht, daß die Monatsver­sammlung für März, welche satzungsgemäß am 17. März stattfinden müßte, auf Sonntag, den 10. März, nachmittags 5,30 Uhr verlegt ist. Am 1. März finden nämlich in der größeren Kirchs bereits Konfirmanden­prüfung und Konfirmation statt. Zudem sliegt der 10. März dem 300. Geburtstage des größten Lieder­dichters der evangelischen Kirche, Paul Gerhardt 12. März— nahe, und die Monatsversammlung ist lediglich als eine Gedenkfeier für diesen großen Toten geplant. Den einschlägigen Vortrag hat Herr Lehrer Lecking übernommen.

(Eine Wahlscherzfrage) ganz originellen Charak­ters hörten wir dieser Tage, wir wollen sie unsern Lesern nicht vorenthalten. Sie lautet: Warum haben die sozialdemokratischen Redner in unserem Wahl­kreise niemals das Automobil, sondern stets di: Stra­ßenbahn benutzt?

Antwort: Weil das Auto für die beiden gegme­rischen Kandidaten ständig Reklame macht:; vorn mit der Signalhuppe rief es laut„Pork! Pork!“ und hin­ten der Motor zischte ständig„Effert, Efferi, Effert!“ Du war die Straßenbahn für die Sozialdemokratie besser zu gebrauchen, da sie ununterbrochen„bömmelt“.

*a(Betzelkonzert.) Am kommenden Sonntage konzertiert im„Freischütz“, das hier bestens bekannte Betzel'sche Solistenorchester aus Dortmund. Das Pro­gramm ist mit hohem künstlerischem Verständnis zu­sammengestellt und verspricht einige genußreiche Stun­

den.

**(Königl. Preuß. Klassenlotterie.) Die Erneuer­ung der Lose zur 3. Klasse 216. Lotterie, muß bis näch­sten Montag, 4. März, abends 8 Uhr, bei den zustän­digen Einnehmern geschehen. Die Ziehung der dritten Klasse findet statt am 8. und 9. März.

(Viele Jäger) sind sich darüber noch im Un­klaren, welche Behörde eigentlich das Recht besitzt, ih­nen in dem oder jenem Falle den Jagdschein zu ent­ziehen. Wir wollen daher an dieser Stelle darauf hin­weisen, daß nur diejenige Polizeibehörde, die den Schein ausgestellt hat, zur Einziehung desselben die Berechtigung hat. In diesem Sinne ist wenigstens vom Oberverwaltungsgericht wiederholt entschieden worden.

*(Ein praktischer Vorschlag.) Der Verband rei­sender Kaufleute Deutschlands hat, wie einige Blät­ter mitteilen, an den Staatssekretär des Reichspost­amtes in Berlin eine Eingabe gerichtet, in welcher er

die Einführung eines Einkilopaketes mit dem Franko­