Die„Schwerter Zeitung“ erscheint täglich, ausser Feiertags. Bezugspreis: Mk. 1.5s vierteljährlsch, bei der Post 42 Pf. für Besteilgeld mehr. Wöchentliche Gratig-Beilage:„Ilustrierter Familsenkreund." o o 0 0 O O 0 0 0 O O o o o Anzeigenpreis: Die sechsgespaltene Peistzeile oder deren Raum 1o Pf., Anzeigen von auswärts 1S Pf., Reklamezeile 40 Pf. 73 Erstes und ältestes Tagesorgan des Kreises. Haupt=Annoncenblatt. Alie Kreis- und Lokalpolizeilichen Verordnungen für den Kreis Hörde erlangen gemäss Bekanntmachung der Königl. Regierung durch Veröftentlichung in der„Schwerter Zeitung“ rechtsverdindliche Kraft. o 0 O O O O OO OCOSS e Druck u. Verlag von Carl Braus. Schwerte. Fernsprech-Anschluss Nr. 62 Amt Schwerte. Celegr.-Adresse Braus. Schwerte-Rubr.# Nr. 51 Sbenenen mumaeruneen Eine Wendung. Die letzten Reichstagssitzungen haben, das kann niemandem zweifelhaft sein, eine neue Aera in unserer Politik eingeleitet. Es sei hier noch abgesehen von der Stellung der Reichsregierung zu den einzelnen Parteien und von dem Verhalten der Fraktionen untereinander, auch die Position des Fürsten Bülow erscheint als eine andere. Es ist keine Abänderung der Befugnisse des leitenden Staatsmannes erfolgt, es ist ihm nichts genommen und nichts gegeben, wohl aber ist tatsächlich ein Emporrücken seiner ganzen Persönlichkeit zu verzeichnen. Sprechen wir ohne Umschweife aus, nas vor den letzten Wahlen im Inlande wie im Auslande gesagt wurde; damals hieß es überall: der eigentliche Kanzler ist niemand anders, als Kaiser Wilhelm II. selbst. Das war natürlich nicht so aufzufassen, als ob Fürst Bülow um jede Einzelheit mit dem Oberhaupt des Reiches zu konferieren habe, aber man dachte doch zumeist an das Wort: Sic volo, sic jubeo(So will ich es und so befehle ich es), und der Reichskanzler konnte noch so oft im Reichstage erklären, der Kaiser sei nichts weniger als ein Philister, er erstreber keine Erweiterung seiner Rechte an, die Anschauung, resp. das Vorurteil, von welchem eben die Rede war, blieb bestehen. Vor wenig mehr als einem Vierteljahr verhandelte der am 13. Dezember aufgelöste Reichstag bekanntlich über das sogenannte„persönliche Regiment des Kaisers“, von welchem auch damals Fürst Bülow erklärte, es bestehr nicht. Der Reichstag faßte ja keinen weiteren Beschluß darüber, aber er ging doch mit einer Miene auseinander, die besagen zu wollen schien, daß er sich seine Meinung nicht nehmen lasse. Jetzt— bei den stattgehabten großen Debatten in der Volksvertretung klang das ganz anders; jetzt hieß es, der Kanzler hat das gemacht, und Fürst Bülow hat jenes getan. Vom„persönlichen Regiment“ war keine Rede mehr, und der oberste Reichsbeamte, der einzig verantwortliche Reichsminister, erwies sich auch als der einzig führende und leitende Staatsmann. Die Bismarck'schen Kürassierstiefel sind dem Husaren Bülow wohl noch immer etwas zu groß. aber, wir dürfen sagen, der vierte Kanzler hat jetzt voll und ganz seinen Mann gestanden! Aus mehr als einer gegnerischen Rede an den Reichskanzler klang ein unheilvolles Rabengekrächz, eine düster: Zukunftsprophezeiung hervor. Es hieß: Warte nur, Fürst Bülow! Heute ist die Freude groß, jetzt sind noch die Wahlflitterwochen. Aber es wird anders kommen, wenn z. B. wieder einmal eine Flottenvorlage erscheint, wenn etwa der neue Handelsvertrag mit den Vereinigten Staaten von Nord=Amerika Fleisch und Bein werden sollte. Dann wird auch die Notwendigkeit einer anderen Parteigruppierung sich ergeben, die Freisinnigen werden von der heutigen Mehrheit abschwenken und der letzte Helfer muß wiederum die Zeutrumspartei sein. Aber dann magst du, Kanzler des Reiches, warten! Möglich ist alles, unmöglich nichts; aber wer falsch prophezeit, der prophezeit zweimal. Das hat sich bei den letzten Wahlen genug und übergenug erwiesen, und darum sollte der Eifer, für die Zukunft schon wieder Voraussagungen machen zu wollen, lieber gedämpft werden. Man kann und braucht nicht in all und jeder Beziehung ein und derselben Meinung sein, aber eine große, wahrhaft volkstümliche Reichs=Politik hat doch eine gewaltige Anziehungs= und Ueberredungskraft. Die höheren Eleischpreise haben am 25. Januar und 5. Februar kein Unheil angerichtet; wir denken, die Kosten für ein paar nene Kriegsschiffe, wenn die überhaupt verlangt werden sollten, werden das Deutsche Reich ebensowenig auf den Kopf stellen. Wir haben zu viele Jahre im Reichstag einen Streit nur um Worte und abermals nur um Worte gehabt, unser politisches Leben war eine große Zankerei. In der Bevölkerung hat man geradezu nach Taten gelechzt; und wie stark dieser Hunger von neuem war, zeigen die Wahlen. Ueber die Reichsregierung ist ein politischer Unternehmungsgeist gekommen, von dem wir nicht wissen, ob er künftig in jedem einzelnen Punkte das unbedingt Richtige treffen wird. Aber dazu ist in gerade der Reichstag da, dessen Angehörige sollen mithelfen, daß der richtige Weg beschritten wird. Sie heißen doch nicht umsonst Volksvertreter! Darum ist es wenig angebracht, schon wieder einmal Arges zu prophezeien, denn damit würde dem Reichstag, der am Ende alles zu beschließen und zu befinden hat, nur ein Armutszeugnis ausgestellt werden Ueb Die Entscheidung für Braunschweig. Berlin, 28. Febr. Der Bundesrat unter dem Vorsitz des Fürsten von Bülow(Referent Graf Witztum von Eckstaedt) beschloß einstimmig unter Enthaltung Braunschweigs, daß durch die Schreiben des Herzogs von Cumberland an den Kaiser vom 2. Oktober 1906 und an das braunschweigische Ministerium vom 17. Dezember 1906 eine entscheidende Aenderung in dem Beschluß des Bundesrats vom 2. Juli 1885 zu Grunde liegenden Sach= und Rechtslage nicht eingetreten sei.— Der Bundesrat hat sich mit seinem Beschluß den Ausführungen des Kaisers und des Reichskanzlers, die in dem bekannten Schreiben an den Herzog von Cumberland enthalten sind, vollständig angeschlossen. Die Thronfolge des Herzogs oder eines seiner Söhne in Braunschweig bleibt ausgeschlossen. Das Land steht also jetzt vor einer neuen Regentenwahl und kann dann über die künftige Form der Regierung selbst seine Entscheidung treffen. Gegen das Ausländernnwesen a. den deutschen Universitäten erklärte sich eine Berliner Akademiker=Versammlung. Sie bittet das preußische Kultusministerium, sich mit den anderen Bundesregierungen ins Einvernehmen zu setzen, um durch eine einheitliche Regelung der Aufnahmebedingungen von den deutschen Hochschulen Elemente fernzuhalten, denen zumteil sogar der Zutritt zu den Hochschulen ihres Heimatlandes verwehrt ist und die nach ihrem sittlichen und geistigen Bildungsstande sich nicht in den Rahmen deutscher Hochschulen einfügen lassen Der erste deutsche Minendampfer. Wilhelmshaven, 28. Febr. Der erste deutsche Minendampfer„Nautilus“ ist heute nachmittag gegen 5 Uhr nach Beendigung der Abnahmeprobefahrt im hiesigen Hafen eingetroffen und wird demnach zur Einstellung gelangen. Auf Grund der im russisch= japanischen Kriege gesammelten Erfahrungen erteilte die Marineverwaltung im Sommer 1905 der WeserWerft in Bremen den Auftrag zum Bau eines modernen Minendampfers, der am 18. August vor. Irs. vom Stapel lies. Die Prüfungsfahrt fand heute morgen von Nordenham aus unter Aufsicht des Korvettenkapitäns Kutscher, sowie der Marine=Oberbauräte Brinkman und Nott von der hiesigen kaiserlichen Werft statt.„Nautilus“ hat eine Wasserverdrängung von 2000 Tonnen und vermag eine Geschwindigkeit von 20 Knoten stündlich zu erzielen. Aus Rußland. Petersburg, 28. Febr. Der Kommandant Will von Krasniarsk ist gestern bei einem Spaziergang durch Revolverschüsse getötet worden. Der Mörder ist entkommen. Petersburg, 28. Febr. Die Staatspolizei erhielt Nachricht von einem Agenten, daß die Terroristen beabsichtigen, mit dem 10. März eine ganze Reihe von Attentaten auf hochgestellte Personen zu beginnen. Die Erregung unter dem Publikum ist sehr groß. Der arme Graf. Petersburg, 27. Febr. Graf Witte erhielt die briefliche Aufforderung, sofort ins Ausland abzureisen, widrigenfalls er getötet werden würde. Mandschurische Räuberbanden. Charbin, 27. Febr. Dreißig Werft nördlich von Charbin fand zwischen einer Patrouille von Amurko= saken und Chunchusen ein Gefecht statt, bei dem 21 Chnnchusen getötet wurden. Der Führer der Kosaken wurde leicht verwundet. Im Bezirk Ringuta fand ebenfalls ein Zusammenstoß zwischen einer Reiterpatrouille und 88 Chunchusen statt, letztere zogen sich in den Wald zurück. Im Bezirk Hulantschenk dauerte heute noch der gestern begonnene Kampf zwischen den Amurkosaken und Chunchusen fort. Auf Ersuchen des Führers der Kosaken sind von Charbin Aus Stadt und Umgebung. Schwerte, den 1. März. **(Ruhrtalsperren=Verein.) Nach dem Etat des Ruhrtalsperren=Vereins für 1907 haben die Mitglieder beizutragen 440000 Mark. An Zinsen von gesammelten Beiträgen in Höhe von 1650000 Mark sollen eingehen 57750 Mark. Die Einnahmen aus Verträgen mit den Talsperrengenossenschaften betrugen 8000 Mark. An Ausgaben sind zu verzeichnen: An Verwaltungskosten 23000 Mark, an Zuschüssen für Talsperrengenossenschaften sollen geleistet werden 292000 Mark und zwar: Heilbecker Talsperre 395 M., Füelbecker Talsperre 4000 Mk., Verse Talsperre 14000 Mk., Hasper Talsperre 25000 Mk., Enneper Talsperre 100000 Mk., Volme Talsperre: 1. Glörbachsperre 21 150 Mk., 2. Inbach Talsperre 10 575 Mk., Henne Talsperre bei Meschede 96000 Mk. und Oester Talsperre 21000 Mark. Als erste Rate für den Bau der Möhne=Talsperre im Kreise Soest sind 162000 Mk. vorgesehen.„„ **(Westfälischer Provinziallanotag.) Die nächste Sitzung des Westfälischen Provinzial=Landtages findet am 2. März ds. Is. im Landeshause zu Münster statt. **(Die Parlamentsberichte) sowie einige andere Artikel mußten wir wegen des lebhaften Andranges von Inseraten in letzter Stunde für die morgige Nummer zurückstellen. *(Monatsversammlung des evang. Arbeiter= und Bürgervereins.) Die Mitglieder seien hierdurch schon jetzt darauf aufmerksam gemacht, daß die Monatsversammlung für März, welche satzungsgemäß am 17. März stattfinden müßte, auf Sonntag, den 10. März, nachmittags 5,30 Uhr verlegt ist. Am 1. März finden nämlich in der größeren Kirchs bereits Konfirmandenprüfung und Konfirmation statt. Zudem sliegt der 10. März dem 300. Geburtstage des größten Liederdichters der evangelischen Kirche, Paul Gerhardt 12. März— nahe, und die Monatsversammlung ist lediglich als eine Gedenkfeier für diesen großen Toten geplant. Den einschlägigen Vortrag hat Herr Lehrer Lecking übernommen. (Eine Wahlscherzfrage) ganz originellen Charakters hörten wir dieser Tage, wir wollen sie unsern Lesern nicht vorenthalten. Sie lautet: Warum haben die sozialdemokratischen Redner in unserem Wahlkreise niemals das Automobil, sondern stets di: Straßenbahn benutzt? Antwort: Weil das Auto für die beiden gegmerischen Kandidaten ständig Reklame macht:; vorn mit der Signalhuppe rief es laut„Pork! Pork!“ und hinten der Motor zischte ständig„Effert, Efferi, Effert!“ Du war die Straßenbahn für die Sozialdemokratie besser zu gebrauchen, da sie ununterbrochen„bömmelt“. *a(Betzelkonzert.) Am kommenden Sonntage konzertiert im„Freischütz“, das hier bestens bekannte Betzel'sche Solistenorchester aus Dortmund. Das Programm ist mit hohem künstlerischem Verständnis zusammengestellt und verspricht einige genußreiche Stunden. **(Königl. Preuß. Klassenlotterie.) Die Erneuerung der Lose zur 3. Klasse 216. Lotterie, muß bis nächsten Montag, 4. März, abends 8 Uhr, bei den zuständigen Einnehmern geschehen. Die Ziehung der dritten Klasse findet statt am 8. und 9. März. (Viele Jäger) sind sich darüber noch im Unklaren, welche Behörde eigentlich das Recht besitzt, ihnen in dem oder jenem Falle den Jagdschein zu entziehen. Wir wollen daher an dieser Stelle darauf hinweisen, daß nur diejenige Polizeibehörde, die den Schein ausgestellt hat, zur Einziehung desselben die Berechtigung hat. In diesem Sinne ist wenigstens vom Oberverwaltungsgericht wiederholt entschieden worden. *(Ein praktischer Vorschlag.) Der Verband reisender Kaufleute Deutschlands hat, wie einige Blätter mitteilen, an den Staatssekretär des Reichspostamtes in Berlin eine Eingabe gerichtet, in welcher er die Einführung eines Einkilopaketes mit dem Franko onfirmandenommunikantellSonatieMolistel in nur gediegenen Qualitäten zu Lonkurrenzlos billigen Preisen. 9 % se Alle übrigen Waren zu bekannt billigsten Preisen. Auf meine Schaufenster mache besonders aufmerksam. 830 De KUrE NAUHT Hüsingstr. 29. Schwerte, Telelon 39. betrage von 30 Pfennigen durch alle Zonen und ohne Begleitadresse befürwortet. Er weist darauf hin, daß bei einem großen Teile aller Branchen unserer Industrieen ein Mittelding zwischen der Warenprobe und dem teuren Postpaket vermißt wird, da bei Versendung derartiger Waren über die erste Zone hinaus der zu zahlende Frankobetrag sehr oft den Handelswert der Ware selbst übersteigt. :: Wandhofen, 1. März.(Lehrereinführung.) Heute morgen um 10 Uhr fand die Einführung des ersten katholischen Lehrers an der weuen einklassigen katholischen Schule, Herrn Kratz aus Schwerte, im Beisein des Schulvorstandes statt. Heute Abend wird eine Nachfeier im Saale des Herrn Falkenberg sein. Die Zahl der Schulkinder der neuen Schule beträgt einige vierzig. Ergste, 28. Febr.(Wahlnachklänge.) Im Wahlkreise Dortmund=Hörde nahm unsere Nachbarstadt Schwerte inbezug auf den Ausfall der Wahl im nationalen Sinne die erste Stelle ein; dieselbe Stelle gebührt dem Amt Ergste für den Wahlkreis IserlohnAltena. Bei der Hauptwahl zeigte das Amt Ergste das folgende schöne Resultat: Müller(Freif.) 713, Haberland(Sozd.] 234 und Klocke(Ztr.) 48 Stimmen; ein Resultat, das sich in der Stichwahl, genau wie in Schwerte, noch wesentlich verbesserte, indem die sozialdemokratischen Stimmen gegen die Hauptwahl noch um 27 abnahmen, die Freisinnigen um mehr als 100 stiegen. Es erhielten nämlich Müller(Freis.) 821, Haberland(Sozdm.) nur 207 Stimmen, das ist das einzige Minus an roten Stimmen im ganzen Kreise Iserlohn. Ueber diese Tatsache ist man mit Recht im ganzen Amte erfreut, aber auch hier ist das Resultat uns nicht als reife Frucht in den Schoß gefallen, sondern es ist die Frucht umfassender und intensiver Wahl=Kleinarbeit. Westfalen und Rheinland. * Hagen, 28. Febr.(Die Aussicht auf eine Millionenerbschaft) regt augenblicklich zahlreiche Gemüter in Westfalen und Rheinland auf. Es handelt sich, nach einer beim Bürgermeiestramt in Süchteln eingegangenen amtlichen Mitteilung, um eine Erbschaft von 5 440000 Mark, die den Verwandten der im Jahre 1835 zu Viersen verstorbenen Emilie Schroers ausgezahlt werden soll. Der Ursprung der Erbschaft ist, nach der„K. Ztg.“, auf einen Mord zurückzuführen. Anfangs des vorigen Jahrhunderts wurde der Ernährer der Familie Schroers ermordet. Der Täter floh nach Frankreich und brachte es dort zu großem Vermögen, für das er testamentarisch die Familie Schroers zum Erben einsetzte. Zwei der mutmaßlichen Erben sind der auf der hiesigen Akkumulatorenfabrik seit vielen Jahren als Vorarbeiter beschäftigte Wilhelm Schroers aus Haspe und dessen Vetter, der Gutsbesitzer Peter Kürsch aus Hinnenber= gerheide bei Vörde. Wilhelm Schroers ist der Enkel des Bruders der Emilie Schroers, die im Jahre 1812 den späteren ermordeten Donnels heiratete. Da ihre Ehe mit Donnels kinderlos war, so hat Herr Wilhelm Schroers die beste Aussicht, in nächster Zeit Millionenerbe zu werden. Seine Ansprüche bei dem Testamentsvollstrecker hat er bereits geltend gemacht. * Wetter, 28. Febr.(Vermächtnis.) Das verstorbene Fräulein Wilhelmine Harkort zu Kassel hat nach einer Mitteilung des Gemeinderats der Gemeinde Wetter folgendes Vermächtnis ausgesetzt: 30000 M. zur Errichtung einer Kochschule, 4000 Mk. für eine Volksbibliothek und 10000 Mk., aus deren Zinsen die Kosten für die jährliche Unterbringung von bedürftigen Kindern in Ferienkolonien bestritten werden sollen. * Dahl, 28. Febr.(Bruderliebe.) Anfangs November vor. Irs. erlitt der 18jährige Fabrikarbeiter Ludwig Konrad in Oege bei Delstern einen schweven Unfall. Er geriet so unglücklich zwischen die Schleifsteine, daß von den Beinen Haut und Fleisch abgeschabt wurde und er in größter Lebensgefahr schwebte. Dem älteren Bruder Wilhelm sind nun in kleiner Flämmchen bei sehr niedrigem Barometerstand; zeigt, seltener auch an den Ohren und Mähnen## von Pferde oder auf dem Kopfe von Menschen zu beobachten ist, ist in Flensburg in der letzten Sturmnacht in ganz eigenartiger Form aufgetreten. Wie nämlich die„Flensburger Nachrichten" berichten, sahn man auf den Augenhaaren, den Bartspitzen, an den# Hutkrämpen sowie an den Härchen der Rockärmal kleine Fünkchen, die nach und nach heller wurden, nach dem Abwischen sich gleich wieder einstellten, bis sien nach einem heftigen Windstoß oder nach einem Blitz einen Augenblick verschwanden. *(Gerechte Strafe.) In der Umgebung der groten chinesischen Handelsstadt Kanton herrscht seit Wochen ein Landregen von beängstigender Standhaftig= keit. Alle Gebete, die in dem Haupttempel des dien Stadt beschützenden„Joß“ abgehalten wurden, nützten nichts, graue Wolken bedeckten weiter den Himmel und einförmig rieselt der Regen herab. Jetzt ist der Vizekönig Schum auf einen genialen Gedanken gekommen: er hat einen Oberbozen mit einer Verwammung### an den Joß geschickt und, als das nichts half, ganz einfach das Dach des Tempels abdecken lassen. Nun kriegi wenigstens der hartherzige Joß auch sein Teil von dem himmlischen Naß ab. **(Das Kind des Regiments.) Ein Soldat des 6. Kürassier=Regiments in St. Menehould verlor gleichen Tages seinen Vater und seine Großmutter durch den Tod. Er begab sich zum Begräbnis nach wo er auch hoffte seine beiden Brüder im Alker von 8 und 14 Jahren, welche gleich ihm durch den doppelten Todesfall ihre einzigen Verwandten verloren, bei rechtschaffenen Leuten unterzubringen. Dies gelang ihm auch mit dem älteren Knaben. Den jüngeren aber wollte niemand für die schmale Pension, die er offe rieren konnte, aufnehmen. Der Urlaub ging zu Ende Kurz entschlossen nahm der Soldat seinen kleinen Bruder mit in die Kaserne und erzählte seinen Hauptmann seine Verlegenheit. Dieser berichtete der Fall dem Regimentskommandanten, und der bra## Oberst beantragte dem Regiment, den Waisenknabe zu adoptieren. Jedermann war einverstanden. Heu## wohnt der Knabe in der Kaserne und seine Adoptin väter schicken ihn in die beste Schule der Stadt. *(Die boxenden Yankeeschönen.) Man bericht aus Newyork: Die schönheitsbedürftigen Amerikanen# innen haben soeben eine neue Lieblingsbeschäftigun zur Mode abgestempelt: das Boxen. Alle Damet die darauf halten, durch einen schlanken geschmeidige Körper das Entzücken ihrer Landsleute zu erregen haben sich mir Leidenschaft auf die neue Schönheite methode geworfen und Jack Cooper, der Boplehre weiß kaum, wie er all den Ansprüchen gerecht werdet soll. Täglich erscheinen eine große Anzahl Dames bei ihm, ihre Muskeln zu stählen, und auch in der Bondoirs der eleganten Damen hat die neue“ Mon# bereits ihre Spuren zurückgelassen. Wo früher## zierliche Venezianer Spiegel hing, prangt jetzt edler Füll: ein lederner Boxsack, an dem die spor frohen Damen ihre häuslichen Uebungen verrichte Der Boxlehrer Jack Cooper hat sich bereits einen gas zen Turngarten einrichten müssen, und er spricht m großer Befriedigung von den Erfolgen seiner Ver schönerungsmethode.„Schwitzen, das ist die Haus sache“, erzählte Cooper einem Interviewer,„in dies Garten habe ich schon einige tausend Pfund wegee boxt. Sie glauben nicht, daß das so einfach ist? 0 könnte die fette Dame vom Zirkus schlank machen wenn ich sie einig: Monate vor einen Boxsack stellt Nein, nein, von Diät halte ich nichts. Sehen Sie die Dame, die dort mit einem Zehnpfundgewicht übt, zahlte einem berühmten Arzt 2000 Mark, um zu en fahren, was sie essen sollte, was nicht. Schön, und Sie nahm wirklich dreißig Pfund ab. Aber dam reiste sie nach Europa, saß die ganze Zeit im Aute mobil, aß alles, was ihr schmeckte, und als sie zurüch kehrte, hatte sie fünfzig Pfund zugenommen. Als diesen Winter anfing, mit ihr zu arbeiten, sagte, ihr, daß sie essen könne, was sie wolle. Denken zehn Tage brauchte sie, um ihre Muskeln überhaut gebrauchen zu können. Und nun ist sie ganz schlan und— sehen Sie selbst, was sie leistet!“ 0 Briefkasten * Verlobter. Sie können den Ehevertrag, durch den Sie Ihre Verwaltung und Nutznießung am Vermögen Ihrer zukünftigen Ehefrau ausschließen wollen, auch nach Eingehung der Ehe schließen, es empfiehlt sich aber, ihn vorher zu schließen. Alter Abonnent, Westhofen. Nach Ihrer Zuschrift ist anzunehmen, daß Sie die Hypothek einer fremden Person für geleistete Dienste schenken oder vermachen wollen. Diese muß selbstverständlich für den Vermögenszufall Erbschaftssteuer zahlen. Letztere ist dann auch nicht zu umgehen, wenn Sie die Hypothek schon bei Lebzeiten übertragen lassen. C. B. 50. Wenn die vereinbarte Konventional= strafe den Umständen nach unverhältnismäßig hoch erscheint, können Sie durch richterlichen Beschluß dieselbe auf einen angemessenen Betrag herabsetzen lassen. Lehle Trühraetbungen. Jubiläum der nationalliberalen Partei. Berlin, 1. März. Anläßlich des 40jährigen Bestehens der nationalliberalen Partei fand gestern in der Waffenhalle des Reichstagsgebäudes eine Festversammlung statt, wozu die nationalliberalen Mitglieder des Reichstages und des Landtages und Vertreter der nationalliberalen Presse sich zahlreich eingesunden hatten. Dem Vorsitzenden des Zentralvorstandes der nationalliberalen Partei, Abg. Bassermann, ging ein Glückwunschtelegramm des Reichskanzlers Fürst Bülow zu, worin es heißt, die nationalliberale Partei könne auf ihre ehrenvolle Vergangenheit jetzt in lichter, heller gewordener Gegenwart mit Stolz zurückblicken. Es möge der Partei beschieden sein, auch an den Aufgaben der Zukunft zum Besten des Vaierlandes einen hervorragenden Anteil zu nehmen. Dammrutsch. Berlin, 1. März. Der Bau der Döberitz=Heerstraße scheint im Stößensee einen unergründlichen Gegner gefunden zu haben. Schon wiederholt war der in einer sumpfigen Ausbuchtung der Havel aufgeschüttete Kiesdamm in die Tiefe gesunken. Gestern brachen, nachdem glücklich ein 170 Meter langer Damm aufgeschüttet war, 50 Meter zusammen in dem Angnbsick, als ein Zug von 18 Wagen darüber hinwegfuhr. 6 kleine Wagen und 5 italienische Arbeiter verschwanden in den eisigen Fluten. Da sofort Hilfe von Kähnen aus gebracht wurde, konnten die Arbeiter sämtlich gerettet werden, während die Wagen noch im Grundschlamm stecken, der eine Tiefe von etwa 17 Metern hat. Die Leiche ist gefunden. München, 1. März. Gestern nachmittag wurde der Sohn des Zirkusbesitzers Niederhofer nach dem geführt, wo der Zirkus ehemals gestanden hatte, um den Arbeiten bei der Aufsuchung der dort vermuteten Leiche Hentschels beizuwohnen. Um 2,30 Uhr wurde unter großer Erregung der zahlreich anwesenden Menge die Leiche gefunden.— S. hierzu die Meldung aus München unter Vermischtes im andern Blatt. Drakonisches Urteil. Breslau, 1. März. Das Kriegsgericht verurteilte gestern den Gefreiten Kuchnel von der Schutztruppe in Südwestafrika wegen tätlichen Angriffs gegen einen Vorgesetzten zu 10 Jahren Gefängnis. Die Hamburger Bürgerschaftswahlen. Hamburg, 1. März. Bei den Wahlen zur halbschichtigen Erneuerung der Bürgerschaft, die gestern mit den notablen Wahlen ihren Abschluß fanden, verloren die alten Fraktionen 15 Sitze, von denen die neue Fraktion der vereinigten Liberalen 9, die Sozialdemokraten 6 gewannen. Zum Ehrendoktor ernannt. Rostock, 28. Febr. Die Rostocker Universität hat auf der heutigen Jahresfeier den früheren Reichstagsabgeordneten Geh. Finanzrat Büsing zum Ehrendoktor ernannt. Irrsinniger Soldat. Allenstein, 1. März. Wie die„Allensteiner meldet, wurde gestern nachmittag ein Soldat der 1. Kompagnie des 150. Infanterie=Regiments plötzlich irrsinnig. Er schloß sich in seine Stube ein und feuerte, als die Tür erbrochen wurde, auf alle Anwesenden, wobei er einen Unterofizier tödlich verwundete und einen Soldaten in den Unterschenkel traf. Sodann erschoß der Irrsinnige sich selber. Italienische Kolonialkämpfe. Rom, 1. März. Nach einer Meldung aus Sansibar nahm der Stamm der Bimal an der Somaliküste, der den Italienern stets feindlich gesinnt geblieben war, eine drohende Haltung an und versuchte auch andere Stämme aufzuwiegeln. Nachdem aber der Kommandeur Cerrina eine Abteilung eingeborner Truppen zur Unterdrückung der Bewegung gegen den Bimal= stamm entsandt hatte, strömten die Rebellen in der Nacht zum 10. Februar gegen die Forts vor, wurden aber mit erheblichen Verlusten zurückgeschlagen. sollen über 200 Mann gefallen sein. Die Italiener hatten 1 Toten und 4 Verwundete, darnnter 1 Leutnant. Die Rebellen wollen sich nunmehr unterwerfen. Im Zuge beraubt. Budavest. 1. März. Die Gattin eines Wiener Advokaten, die von Mikonsch nach Rudavest fuhr, wurde von zwei Mitreisenden durch Chloroform betänbt und ihrer Handtasche. die für 25 000 Kronen Pretiosen enthielt, beraubt. Als sie aus ihrer Betänbung erwachte, waren die Räuber verschmunden. Auf der Bahn will man von einem Rauhe nichts wissen. Das englische Marinehndaet. London, 1. März. Das Marinehndaet für 1907 umfaßt 608 848.000 Mark, also 26 Millionen Mark weZa Cnter-Gurams für gutes Tragen verkaufe ich einen Posten, besonders für? Houlirmandinnen d. Kommanikantinneng geeignete Kleiderstoffe in Wolle u. Halbwolle. Ich offeriere: PScrte-Pzu-Kur 6U Ag. *„" 7.20 O„, 900 Früheter bebeutend **). Wilhelm Sass niger als im Vorjahre. Vorgesehen ist der Bau von 2 Linienschiffen, je nach den Beschlüssen der Haager Konferenz soll noch ein drittes gebaut werden. Weiter ist der Bau eines schnellen Kreuzers, sowie von 5 Torpedojägern, 12 Hochseetorpedobooten und 12 Unterseebooten vorgesehen. Hungerrevolte in China. Schanghai, 1. März. In Fu=Ning Hsn südlich der alten Mündung des Hohangho sind Unruhen brochen. In den von Hungersnot betroffenen Bezirken plünderten Tausende von Menschen den Kreisgetreidespeicher und zerstörten den Kreis=Yamen. Truppen wurden zur Unterdrückung der Unruhen herangeholt. Wetterbericht der deutschen Seewarte. 1. März: Veränderlich, windig, milder. 2. März: Wolikg, teils heiter, windig, MittagsMttor. Neue . Aweichte. Bekanntmachung. Auf Grund des§ 4 der Polizeiverordnung betr. die Bullenkörung für die Provinz Westfalen vom 30. Juli 1901 sind die diesjährigen Termine der BullenHauptkörung wie folgt festgesetzt: 1. Dienstag, den 26. März a) Vormittags 9 Uhr in Hengsen, Wirtsch. Becker b)„ 11„ in Geisecke,„ Bährensm, c) Nachmittags 2½, in Westhofen,„ Wulf, d)„ 4„ in Holzen,„ v. Ackeren, 2. Mittwoch, den 27. März a) Vorm. 9 Uhr in Kruckel, Wirtsch. August Wittich, b)„ 10„ in Barop,„ Grasekamp, c)„ 11½„ in Wellinghof.„ Aßhoff, d) Nachm. 2½„ in Aplerbeck,„ Westermann, e)„ 4„ in Sölde,„ Möller, W829 Ferner ist noch eine Herbstkörung in Aussicht genommen, deren Termin seinerzeit bekannt gegeben wird. Die anzukörenden Bullen, welche mindestens 12 Monate alt sein müssen, sind zu den angegebenen Terminen an den betreffenden Orten vorzuführen. Die Bullen müssen bei der Vorführung mit Nasenring versehen sein, widrigenfalls sie von der Körung ausgeschlossen werden. Die Deckbücher sind zu dem Termin mitzubringen. Hörde, den 25. Februar 1907. Der Königliche Landrat Dr. Busch. Tabentbrat für sauberes Spezialgeschäft in Holzwickede gesucht. Gefl. Off. u= G. Nr. 862 d. Schwerter Ztg. erb. 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Wächentliche Gratig-Beilage:„Illustrierter Familienfreund.“ o c 0 0 0 0 0 C C O O o 9 o Anzeigenpreis: Die sechsgespaltene Petitzeile oder deren Raum 10 PI., Anzeigen von auswärts 1s Pf., Reklamezeise 40 Pf. Erstes und ältestes Tagesorgan des Kreises. Alie Kreis- und Lokalpolizeilichen Verordnungen für den Kreis Hörde erlangen gemäss Bekanntmachung der Königl. Regierung durch Ueröstentlichung in der„Schwerter Zeitung“ rechteverdindliche Kraft. o 0 0 O O O O OCeCooP Druck u. Verlag von Carl Braus. Schwerte. Fernsprech-Anschluse Dr. 62 Amt Schwerte. Celegr.=Adresze Braus. Schwerte-Rubr.# 51 Freitag den 1. März 1907. 39. Jahrg. England und der Suezkanal. Gegenwärtig werden wieder einmal britische Klagen über die Suezkanal=Gesellschaft und den Kanal kaut. Man kann nämlich die Zeit nicht abwarten, da man diese Wasserstraße ganz in seinen Besitz bringt, und macht dem Aerger Luft. Allerdings hat es mit der endgültigen Besitzergreifung noch eine hübsche Weile Zeit, und auch dann steht es mit der rechtlichen Seite der Sache eigenartig; aber man darf wohl sagen, daß England die Fäden fein gesponnen hat, in denen sich die fette Fliege, als die sich der Kanal entwickelt, schließlich fangen muß. Die Besitzergreifung des Suezkanals durch England ist ein Meisterstück britischer Taktik, an dem andere Völker lernen könnten. Der Bau des Kanals war, wie bekannt, ein französisches Unternehmen. Ferdinand Lesseps erhielt am 30. November 1854 von Mohammed Said, Pascha von Aegypten, den Ferman, der ihm den Bau gestattete. Vom 5. bis 30. November 1858 erfolgte die Subskription auf das notwendige Kapital von 200 Millionen Franks in 400000 Anteilscheinen zu je 500 Frank Aber der Betrag wurde nicht voll gezeichnet, und Moden Rest von 166 642 Aktien, also fast die Hälfte. Er ist es, dem in erster. 1 Unternehmen seine Entstehung mit verdankt.— Nach mancherlei Fährlichkeiten wurde der Kanal in etwas über zehn Jahren, statt, wie projektiert worden war, in sechs Jahren, fertig. Im November 1869 wurde er eingeweiht und dem Verkehr übergeben. England war bisher nach Kräften bemüht gewesen, den Unternehmern Steine in den Weg zu werfen. Jetzt aber hatte es mit dem fertigen Kanal als mit einer Tat sache zu rechnen und auf Schritte zu sinnen, diese so wichtige Wasserstraße in seine Machtsphäre zu brinDisraeli, damals der Leiter der englischen Politik, kam auf ein Geldmanöver und führte den Coup auch glücklich aus. Der Nachfolger Said Paschas war Ismail, ein sehr verschwenderischer Herg, Dem kaufte man, da er geldbedürftig durch Verttug vom 25. November1875 seine Sueztanal=Aktien, soweit er sie noch besaß, ab. Er hatte nur 1040 Sttik schon Gelde gemacht, 176 602 waren noch da, die kaufte nun England und war plötzlich größner Aktionä der Suezkanal=Gesellschaft. Disraeli hatte seinen Geschäftssinn auch weiter nicht verleugnet. Er hatte die Aktien zu 568 Fr. das Stück gekauft, während der Börsenkurs 674 Fr. war. Es wurde also ein glattes Geschäft von über 18 Millionen Fr. oder 18 pCt. gemacht, um die man Ismail Pascha geprellt hatte. Im Juli 1906 standen die Aktien auf 4605 Fr. Ein weiteres Geschäft, außer Zinsen und Dividenden alle die Jahre hindurch, von rund 612,5 Millionen Fr. Als England die Aktien Ismails hatte, lag ihm an der Person dieses Paschas gar nichts mehr, und es betrieb eifrig seine Absetzung, die denn auch erfolgte. Der Suezkanal geht nun aber bestimmungsgemäß 99 Jahre nach seiner Eröffnung, die vom 20. November 1869 datiert ist, in den Besitz Aegyptens über, das dann den Betrag für die an Land aufgeführten Bauten zu vergüten hat. Also im Jahre 1968 muß der Kanal ägyptisch werden. Wenn nun auch England als größter Aktionär all die Jahrzehnte hindurch großen Einfluß auf die Kanalverhältnisse besessen und während dieser Zeitperiode glänzende Geschäfte gemacht hat, die ja auf dem Gewinnkonto stehen bleiben, auch falls der Kanal später ausgeliefert wird, so hat es doch bald nach der Eröffnung sein Streben darauf gerichtet, nicht nur die Einnahmen des Kanals zum großen Teil in seine Taschen statt in die des Vizekönigs zu leiten, sondern auch noch vor Ablauf oder bei Ablauf der Frist tatsächlicher Besitzer des Kanals zu sein. Da der Kanal ägyptisch werden soll, muß also Aegypten englisch werden. Zunächst ließ sich England die Insel Cypern von der Türkei abtreten, weil sie der Einfahrt in den Suezkanal näher liegt als Malta. Weshalb und wofür England die Insel erhalten hat, wird niemand ergründen können; es brauchte sie eben. Aber das genügte nicht. England besetzte 1882, nach dem sehr überflüssigen Bombardement von Alexandrien, Aegypten und hält diesen Besitz, in den es zweifellos unrechtmäßig gelangt ist, infolge d. sAbkommens mit Frankreich heute fester als je in der Hand. England denkt gar nicht mehr daran, diesen Besitz herauszugeben, und wenn der Suezkanal 1968 an Aegypten fällt, so fällt er eben an— England, den großen Aktionär!— Man hat also durch den Ankauf der Aktien für wenig über 100 Millionen Francs zuerst einige Milliarden Franes verdient und erhält außerdem den Kanal selbst, die Henne, welche die goldenen Eier gelegt hatte und sie weiter legen müß geschenkt! Nun sind sechzig Jahre allerdings eine lange Wartezeit, und so macht sich hin und wieder die Ungeduld Luft durch kräftiges Schimpfen über den Suezkanal. Natürlich liegt es nach mehreren Richtungen hin in Englands Interesse, die Wasserstraße so vorzüglich wie nur möglich auszubanen. Einmal kommt das den britischen Schiffern und Reedereien zugute, die den Kanal benutzen, sodann tragen auch die anderen Aktionäre die Kosten mit, und endlich ist des für England um so vorteilhafter, je besser der Kanal 1968 in Stand gesetzt ist, wenn er nämlich an Aegypten d. h. an England fällt. Unter diesem Gesichtspunkt muß man die Klagen betrachten, die von Zeit zu Zeit gegen die Suezkanal=Gesellschaft gerichtet werden. Der Kanal entspricht heute allen billigen Anforderungen. Der Passagepreis ist stetig herabgesetzt worden und stellt sich auf siebendreiviertel Fr. die Tonne, statt 13 Fr. nach der Eröffnung. Der Tiefgang der Schiffe darf heute 8,5 Meter betragen, statt 7 Meter bei der Eröffnung. Die Durchfahrt dauert 15 Stunden statt über 40 Stunden. Weitere Verbesserungen werden geplant. Sie werden gewiß auch durchgeführt werden denn England trägt ja nur die Hälfte der Kosten, hat aber die entscheidende Stimme, Er soll dein Herr sein. Roman von Clara Er beißt sich auf die Lippen. Ihre Bemerkung ärgert, ihr ganzes Wesen reizt ihn. So sehr er auch ihre liebliche Schönheit bewundert und ihre Ansichten achten muß, es bedarf seiner äußersten Willensanstrengung, um nicht einmal zu rufen:„Nein, ich kann und werde nicht unter Ihnen, wie überhaupt unter der Leitung etner Frau arbeiten! Er zwingt die rebellischen Gedanken nieder und unterhält sich noch eine Weile in ruhigem Ton mit dem Bruder, welcher sich lebhaft für Amerika interessiert und ihn nach diesem und jenem fragt, während Hildegard einige Briefe, die der Portier Karl hereingebracht hat, durchliest. Dann wendet sie sich wieder zu ihm um und sagt mit gewinnen „Wenn Sie nachher mit mir einen Rundgang durch die Anstalt machen wollen, dann werde ich Ihner. unser Arbeitsfeld zeigen können.“ 6.6 Fräulein Doktor haben nur zu befehlen. „O, nicht doch! Heute sind Sie noch frei, da habe ich Ihnen gar nichts zu sagen, erwiderte sie liebenswürdig. Also heute noch frei, denkt er bitter. Warum sagt sie ihm das? Will sie ihm d mit ein für alle mal seine Stellung vorzeichnen: Hier habe ich zu befehlen! versteht sich selbst nicht, daß er das alles so legt. Eine kleine Pause tritt ein. Hildegard ist aufgestanden; als wenn sie auf ihn wartete, zögert ihr Fuß, die paar Schritte nach der Tür zu gehen, ihr Gesichtchen ihm zugewandt, ihre Augen suchen die seinen mit ernst, fragendem Blck......41 V.Jseite 8.. „Verzeihen Sie, wenn ich Sie jetzt nich. begleit.. Ich habe noch eine Wohnung zu suchen, meine Effekten zu ordnen und was dergleichen notwendige Dinge mehr sind. Ich bin erst heute mittag aus Bremerhaven gekrmmen. Das wußte ich nicht! Aber mein Gott, dann ist es ja selbstverständlich, daß ich Sie nicht aufhalte, nein, nein, dann gehen Sie nur.“ Sie reicht ihm die Hand, neigt leicht und graziös das feine Köpfchen und sagt warm: Auf Wiedersehen morgen früh!“ zen, garremn 9.4 Er faßt das Händchen und beugt ven statten Nauen ein ganz klein wenig nur, dann geht er, begleitet von Hildegards Bruder, kumm bnaus. fs1 glein Ihre Hand Fräulein Doktor Hildegard Lutz ist auem. Ihre Hand nimmt ein elfenbeinernes Falzbein und spielt mechanisch damit. Sie denkt an den schönen, stolzen Mann, der ihr vor wenigen Augenblicken gegenüber gestanden hat, wie wenig mponierte dem ihr Wissen, ihre Stellung hier. Er hatte einzig nur die Frau gesthen, die sich zu dem Beruf des Mannes gedrängt hat. Wie hochmütig, ja fast ironisch hatte er gesagt: In Amerika gibt es viele Aerztinnen, das sind Kolleginnen— waren sozusagen keine Frauen! Sie hatte während ihres Studiums auch solche kennen gelernt! Aber was gingen sie dieselben an? Mochten sie sich darin gefallen, es den Männern gleich zu tun, und mit kurzen Haaren im Herrenhut herumzugehen— sie blieb wie sii war, innerlich und äußerlich ein echtes Weib, trotz alles Wissens, trotz aller Ruhe und und kühlen Sicherheit ihres Weseng. Es wird ihr schwül im Zimmer. Sie öffnet einen Flügel des großen Fensters und lehnt sich hinaus. Die Anstalt umgibt ein weitläufiger Park mit alten, herrlichen Linden= und Eichenbäumen. Dicht vor dem Fenster erheben sich einige derselben und hüllen mit ihrem Schatten das Zimmer in grüne Dämmerung. Hildegard atmet die erfrischende Luft ein, in tiefen Zügen hebt und senkt sich die junge Brust. Wie ein schwerer Druck lastet plötzlich die große Verantwortung, die sie übernommen hat, auf ihr. Ob er sie wohl unterstützen wird bei dem schweren Werk? Oder ob sie wird kämpfen müssen. Gegen seine Vorurteile gewiß— aber sein Wissen, sein Mut und seine Energie, die der Onkel so sehr gerühmt hat, die werden ihre Hülfe sein. Westfalen und PArnsberg, 28. Febr.(Ein reizendes Klein bahnidyll) wird aus dem Kreise Brilon gemeldet: Das anhaltende Schneegestöber der letzten Woche hat im oberen Sauerlande gewaltige Schneemassen angesammelt, die für die Kleinbahn zum Verhängnis wurden. Am Donnerstag morgen fuhr zum letzten Male der Kleinbahnzug von Medebach in der Richtung nach Steinhelle zu; zwischen Küstelberg und Grünbach ging ihm die Puste aus. Man wollte ihm von Niedersfeld mit einem andern Zug zu Hülf: kommen. Doch mit des Geschickes Mächten ist kein ewger Bund zu pflechten; in unmittelbarer Nähe des ersten Zuges blieb auch dies Zügle im Schnee stecken. Guter Rat war nun teuer, doch man verlor den Humor nicht. Die Passagiere warteten geduldig, bis nach##tags aus Medebach ein Schlitten kam und sie aus dieser keineswegs beneidenswerten Lage befreite. Seitdem sind 5 Ein weiches Gefühl kommt über sie. Sie lehnt das Köpfchen an den Pfosten des Fensters und denkt an ihre Kinderzeit, die sie so glücklich in der elterlichen Villa verlebte. Dann kam plötzlich das Unglück— sie war noch ein Kind damals, aber sie weiß es noch wie heute. Sie kam so fröhlich aus der Schule gesprungen, da reicht ihr eine gewöhnlich gekleidete Frau mit hämischem Lächeln ein Extrablatt. „Hier, mein Töchterchen, lies man Ach, sie hatte auf das Blatt gestarrt, lange, lange— die Buchstaben hatten ihr vor den Augeu getanzt. Dann hatte sie einen lauten Schrei ausgestoßen und war wie wahnsinnig nach Haunse gestürzt, der Mutter an den Hals. „Mama, Mama, wo ist Papa?“ „Hilde, geliebtes Kind— fasse dich! Wo ist Papa?“ schrie sie außer sich. Er ist fort!“ preßte die Mutter heraus und hielt in fassungslosem Schmerz das aufgeregte Kind umschlungen, dessen wilder Jammer ihr armes, zermartertes Herz noch mehr zerriß. O. wie entsetzlich war die Zeit, die nun folgte. Das junge Mädchen am Fenster legt die Hand über die Augen. Der Tod der geliebten Mutter, dann die Verhaftung, die Verurteilung des Vaters!— Großer Gott, wie zuckt das arme Heez in Schmerz und Weh! In ihrem Innern klafft die Wunde, die nimmer vernarbt. Die unersetzliche Lücke füllte die Liebe zu dem einzigen Bruder wohl kaum aus...., Ginde, I. Ir schänss Onkel und Tante hatten die Finder in ihr scholles Heim, an ihr liebevolles Herz genommen, vergebens— die Lücke blieb. Aus ihrem Leben war der Sonnenschein des Glückes geschwunden— sie wurde ein stilles ernstes Kind, ihres Onkels Liebling. Bald begleitete sie ihn in die Krankensäle, die blassen Kinder lernten sie lieben und freuten sich wenn die lichte, kleine Gestalt, neben der großen, ernsten des Geheimrats, an ihre Bettchen trat. So war sie „kleine Assistent“ geworden, wie der Onkel sie oft nannn * Tage ins Land gegangen, die beiden Züge stecken aber immer noch an desselven Stelle im Schnee; 20 Arbeiter mussen dafür Lorge tragen, daß den 3 Dampfrossen der Atem nicht vonlständig ausgeyt; zu dem Zwecke müssen vom Dorf Küstelberg zu der 25 Minuten entfernten Unglücksstätte Holz und Kohlen und Wasser hingetragen werden. Solche Tätigleit ist natürlich anstreugend und verursacht entsprechenden Hunger; schon aber ist der Vorrat an Speck und Würsten in der einzigen Dorswirtschaft ausgebraucht. Vorgestern erklärte bereits die Wirtin dem nach Medebach mit dem Schlitten zurückfechrenden Landarzte, daß sie den Arbeitern tein Fkisch meyr vorsetzen könne, dieselben hätren schon allen verzehrt. Inzwischen hat man im Stationsgebände in Medebach eine Bekanntmachung angeschlagen, das der Betrieb der Kleinbahn bis auf weiteres eingestellt sei. Zum Glück ist die Post zu Hilfe gekommen, der längst in Vergessenhem geratene Postillon vermit#elt nunmehr wieder den Verkeyr zwischen Medebach und Niedersfold. * Gelsentirchen, 28. Fedr.(Nichtswürdige Burschen) IIn der Montag Nacht wurde in der Leichenhalle im benachbarten Ronthausen eingebrochen. Da den dieben Wertsachen nicht in die Hände fielen, zertrümmerten sie Kruzifixe und Bänke. Die Haupitäter, sünf junge Burschen aus Rotthausen, wurden festgenommen. * Essen, 20. Febr.(Der Verband der Hausund Grundvesitzervereine) für den westfälischen Industriebezirk hielt hier einen Verbandstag ab. Nach Erledigung innerer Verbandsangelegenheiten kam ein Antrag des Vereins Höntrop zuzr Erörterung, der vorschlagt, eine Eingabe an die Regierung zu machen, der eine Revision der Steuergesetze dahin verlangt wird, daß bei Steuereinschätzung der Haus= und Grundbesitzer die Schulden und Lasten, die auf dem Besitze liegen, berücksichtigt und diese Steuern progressiv erhoben werden, wie es auch bei der Einkommensteuer der Fall ist. In der Diskussion wurde von verschiedenen Seiten festgestellt, daß auf den Haus= und Grundbesitzern verhaltmismäßig harte Lasten ruhen. Der Antrag wurde dann auf Vorschlag des Vorstandes dem Essener Verein zur weiteren Ausarbeitung überwiesen. Später som er an den preußischen Landesverband zur Erledigung gehen. Ein Antrag des Vereins Freisenbruch wendet sich gegen den langsamen Gang der Bergschädenprozesse. Er erwähnt, daß in einzelnen solcher Prozesse oft während eines ganzen Jahres nicht ein einziger Termin stattgefunden hat. Sowohl von der Seite, die den Antrag begründete, wie von Diskussionsvednern wurde betont, daß die Hauptschuld an der Verscheppung dieser Prozesse weniger die Richter als die Sachverständigen treffe. Nach einer Aeußerung benötigte ein Sachverständiger zur Ausfertigung seines Gutachtens 14 Monate. Nach längerer Debatte wurde beschlossen, den Vorstand zu beauftragen, in der Angelegenheit das Notwendige zu tun, inbesondere eine Eingabe an das Abgeocdnetenhaus vorzubereiten. Der weitere Verlauf der Tagung brachte einen instruktiven Vortrag des Herrn Justizrates Greve über das Pfand= und Zurückerstattungsrecht des Vermieters. Zum Schluß wurden einige interne Verbandsangelegenheiten besprochen. * Benrath, 27. Febr.(Ein schwerer Automohilunfall) hat sich hier ereignet. Ein von Düßeldorf kommendes Automobil raste gegen einen Wagen der elektrischen Straßenbahn. Das Gefährt fiel in den Itterbach. Die beiden Insassen, ein Herr un) eine Dame, wurden herausgeschleudert. Sie mußten ins Krankenhaus gebracht werden. Sie ließen sich doct verbinden und fuhren dann mit der elektrischen und so wurde sie nach langem, schwierigem Studium und glänzeid bestandenem Examen dann in Wirklichkeit sein „erster Assistent“ und sozusagen seine rechte Hand. Ja, der Sonnenschein war verschwunden, doch die Pflicht und die Arbeit, zwei hohe Güter der Menschheit— sie waren geblieben. Die Pflichten— fast zu groß für diese zarten Schultern, diese schmächtige Gestalt, die in schmerzliches Sinnen vertieft, nch in mer am Fenster lehnt. Hildegard Lutz atmet hastig, tief und schwer— von draußen dusten die Linder blüten unt von den Blumenbeeten im Park steigen leise Wohlgerüche auf. Es ist ihr heute so weh ums Herz. Vulleicht greift die wunderbate Stille sie an; sie muß iumer an das Verlorene denken, und dennoch ist es ihr wieder, als müßte etwas kommen, etwas Hohes, Heiliges und sie müßte es erwarten in namenlosem Bangen, in Sehr sucht und Schmerz. Endlich schüttelt sie mit Gewalt den Bann ab, der sie gefangen hält, die Pflicht ruft — sie ist wieder ganz ruhig, ganz kühle Sicherheit— die erste Assistentin. Fräulein Doktor Hildegard Lutz. 2. Kapitel. Hier— angstvolle Erwartung in kleinen, abgezehrten Kindergesichtern, dort— ein Abglanz stiller Freude in überirdisch großen Augeu, beim Herannahen tors und ihres hohen Begleiters. Ihre kleinen, weißen Hände verstehen es so gut, bald sanft über fahle Bäckchen zu streichen, bald ein verschobenes Kissen zurecht zu rücken. Dabei flüstert sie mit süßer Stimme kosende beruhigende Worte, welche die Angst zerstreut und statt dessen ein stilles Lächeln hervorza ubert. Hier und da wird die, über jedem Bettchen hängende Tafel zur Hand genommen und die Notizen der pflegenden Schwester, welche dieselbe über die Körpertemperatur machte, eingehend geprüft. Hildegards Wesen ist so ruhig, so sachlich und ernst und doch so echt weiblich, daß ihr Begleiter ihr seine Achtung nicht versagen kann. Aber gerade das ärgert ihn und stachelt ihn an, si aus dem Gleichgewichte zu bringen. Sie sind jetzt im Knae bensaal, und Fräulein Doktor fängt dort nicht bei dem, derTüre zunächst gelegenen Krankenbett an, sondern wendet sich sofort einem, etwas isoliert stehenden und durch einen Bettschirm geschützten Lager zu, an welchem eine Pflegerin sitzt. Sie winkt ihrem Begleiter, und er folgt ihr willig. —(Forts. folgt.) Straßenbahn wieder nach Tüsseldorf zurück. Die Da= Das Urteil ist bereits rechtskräftig geworden. Für me erlitt eine schwere Verletzung am Kopf. Der männ= die Likör= und Etitettenfabrikanten dürfte besonders liche Insasse soll einen Beinbruch davongetragen ha- das oben erwähnte reichsgerichtliche Erkenntnis vom ben. Das Automobil mußte mit Pferden aus dem 25. Ottober 1906 von Interesse sein, weil es zugleich Bache gezogen werden. einer vielfach verbreiteten irrigen Auffassung begeg* Düsseldorf, 28. Febr.(Aufsehen erregen=net. Das Reichsgericht hebi nämlich in den Entscheiuisg üder ülsesäider in der Liseldlester Genickdegalerie. Eine Anzahl von bekannten Gemälden haben Risse und Sprünge bekommen und zeigen Spuren beginnenden Verfalles, so Bilder von Oswald Achenbach, A. Baur, Ferd. Brütt, R. Burnier, B. Viutier. Das Bild„Christus und Nikodemus“, eines der schönsten Werke Eduard v. Gebhardts, habe nicht mehr hergestellt werden können und sei neu gemalt worden. Auch andere Bilder desselben Meisters seien dem Verfall nahe. In der Kunsthalle werde ein wasserlöslicher Firnis verwendet, eine neue„Erfindung". Hier könne man nicht mißtrauisch genug sein. Einige Bilder zeigen an der Oberfläche sehr verdächtige Netze von ganz kleinen Sprüngen, die sehr wohl vin Klebstoffen herrühren könnten, die über Oelfarbe gestrichen seien. Vermischtes. *(Die Pfarrhausfenster von Oetlingen.) Die Freiburger Zeitschrift„Schauinsland“ erwähnt in einem Artikel„Zur Baugeschichte Oetlingens bei Lürrach“ folgenden poctischen Stoßseufzer des Oetlinger Pfarvers Ludwig, den dieser im Jahne 1756 an die d malige fürstliche Verwaltung in Lörrach in Sachen der schlechten Pfarrhausfenster richtete. Hochfürstliche Verwaltung, Hier sieht man die Veraltung Der schlechten Pfarrhausfenster, Sie stehm als Gespenster In meinem besten Zimmer, Ich mag sie wahrlich nimmer, Es sind derselben drei; An allen ist kein Blei Und keine gute Scheibe, Sie müssen mir vom Leibe. Ich bin mit Weib und Kind Vor Regen und vor Wind Im Winter vor Erkalten Sehr übel aufgehaltmn, Zudem ist es so endlich Nicht zierlich, sondern schändlich, Ein Pfarrhaus wahrzunehmen, Deß Fenster so beschämen, Und überall zerfezet, Und mit Papier zerblezet, Mit Lumpen ausgefüllt, Daß jedermann drob schilt, Drum bitte ich um neue, Worauf ich mich sehr freue! Hochfürstliche Verwaltung, Ich bleibe ohne Erkaltung For das begehrte Glück Ihr„Diener" Ludewig. Durch die Verse aufgebracht, sandten die gestrengen Herren in Lörrach den Bericht an Karl Friedrich von Baden. Dieser aber, mehr Verständnis für die Nut des Pfarrherrn zeigend, schrieb darauf: Hierzu wird resolvieret: Die Fenster reparieret. * München, 27. Febr. Ein sensationeller Raubmord, der in der vornehmen Gesellschaft Münchens vor einigen Jahren begangen wurde, ist jetzt entdeckt worden. Vor drei Jahren verschwand plötzlich der Sohn des Kommerzienrats Hentschel. Er hatte leicht helebt, war auch oft in truber Stimmung gewesen, jodaß die AAnnahme berechtial erschien, er habe Selbstmord begangen. Verschiedene Zeichen deuteten auch darauf hin, daß der junge Hentschel die Flucht ergriffen habe. In den letzten Wochen dieses Monats machte sich sein früherer Freund, der in der Münchener Lebewen bekannt ist, d.durch verdächtig, daß er Juwelen, die dem verschwundenen H. gehörten, zum Kaufe anbor Auch sonst sprechen verschiedene Umstände gegen den Lebemann, der gestern verhaftet wurde und heute Nacht in seiner Zelle einen Selbstmordversuch unternahm. Dresden, 27. Febr Vor der hiesigen Strafkammer hatte sich der Fuhrherr Zeissiger aus Reppen unter der Anklage zu verantworten, 73 Pferde zu Tode gequält zu haben, um die hohen Versicherungssummen einziehen zu können. Auf diese Weise wurden elf Versicherungsgesellschaften um rund 9000 Mark geschädigt. Der Tierarzt May aus Frankfurt a. O. stellte dem Zeissiger über die Todesursache der Tiere falsche Zeugnisse aus. Das Urteil gegen Zeissiger lautete auf 1 Jahr acht Monate Gefängnis und fünf Jahre Ehrverlust, gegen den Tierarzt auf acht Monate Gefängnis und zwei Jahre Ehrverlust. Drei der Beihilfe angeklagte Knechte des Zeissiger wurden freigesprochen. Rechtspflege. Underberg=Boonekamp. Trotz der wiederholten rafrechtlichen Verurteilungen wegen Verletzung on Warenzeichen der Firma H. Underberg=Albrecht Rheinberg gibt es immer noch Destillateure, welche die Zeichenrechte genannter Firma eingreifen. Erst or kurzem hat das Reichsgericht zwei Urteile der strafkammern in Bielefeld und Beuthen bestätigt, urch welch: Nachahmer von Warenzeichen der Firma Underberg=Albrecht zu erheblichen Geldstrafen verrteilt wurden. Und schon wieder stand am 7. Feruar d. J. vor der Strafkammer des Landgerichts ilberfeld ein Barmer Likör=Fabrikant bgen Veretzung von Warenzeichen der Firma H. UnderbergUbrecht. Auch er wurde zu 300 Mark Geldstrafe ebst Uneilspublikation in 4 Zeitungen verurteilt. eines Zeichens nur der Zeicheninyaber zu seiner Benutzung berechtigt ist und daß ein Anderer zur Verwendung eines gleichen oder im Sinne des§ 20 des Gesetzes verwechselungsfähigen Zeichens selbst dann nicht berechtigt ist, wenn er ein deraitiges Zeichen beneits vor der Eintragung geführt haben will. Kunst und Wissenschaft. Deutsch=nationale Kunstausstellung Düsseldorf 1907. Wie wir hören wird die Ausstellung am Samstag, den 11. Mai in Gegenwart des Kunusministens eröffnet werden. Vor der Eröffnungsfeier wenden die bekannten Meisterwerte historischer Kunst, die Eduard von Gebyardt in der Friedenskirche im Aufstrage des Staates gemalt hat, feierlich übernommen werden. Die Vorbereitungen für die Ausstellung werden von allen beteiligten Personen und Ausschüssen auf das taträftigste betrieben. Den Ehrenausschuß haven der Overpräsident der Rheinprovinz Frhr. von Schorlemer, der Overpräsident von Westfalen, Frhr. vrn der Recke, Herr Regierungspräsident SchreiberDüsseldorf, Herr Oberburgermeister Marx, Geheimrat Lueg, Professor Roeber und die Landeshauptleute der Rheinprovinz und von Westfalen, Dr. von Renvers und Dr. Hammerschmidt, gebildet. Die Ausstellung wird sich nicht auf die Kunstausstellung allein beschränten, sondern auf dem von den Ausstellungen 1902 und 1904 bekannten großen Gelände vor dem Kunstpalast, mit dessen Ausperrung man begonnen hat, wird sich auch sonst ein fröhliches Ausstellungstreiben entwicheln. Täglich werden Konzerte veranstaltet wenden und eine oder mehrere Restaurationen werden für die Unterkunft und Erfrischung der Ausstellungsbesucher sorgen. Einen hervorragenden Platz unter den Anziehungen der Ausstellung nimmt eine eigenartige künstlerische Veranstaltung ein, die in ihren Grundzügen schon von der vorigjährigen Nürnberger Ausstellung bekannt ist, die aber für Düsseldorf einen besonders glänzenden Rahmen erhalten wird. Es ist dies das Marionettentheater des bekannten Münchener Schriftstellers Paul Brann. Eine weitere Attraktion wird ein großes künstlerisches Jagdpanorama sein, das von hiesigen Künstlern gemalt werden und nicht nur eine künstlerische Anziehung ersten Ranges sein wird, sondern das auch den Sportfreunden Gelegenheit zur praktischen Ausübung ihrer Kunst bieten wird. Das Publikum wird also in diesem Panorama wirklich auf die Jagd gehen können. So ist alle Aussicht vorhanden, daß es auf dem Gelände vor dem Kunstpalast im kommenden Sommer recht lustig zugehen wird. Der Arbeitsausschuß hat den Erntrittspreis für die ganze Ausstellung einschließlich des Kunstpalastes auf 1 Mark, Mittwochs auf 50 Pfg. festgesetzt; außerdem ist ein sehr billiges Abonnement für die ganze Dauer der Ausstellung von 7 Mark für Erwachsene und von 3 Mark für zum Haushalt gehörige Kinder ohne Unterschied des Alters eingerichtet WDondern Verantwortlicher Redakteur: Wilh. Schade, Schwerte. Für den Inseraten= und Reklameteil verantwortlich: dun. Shaft. Schprrr. Unter Hinweis auf die Bestimmungen der§§ 53, 54 und 55 der Hinterlegungsordnung vom 14. März 1879(Gesetzsammlung Seite 249) machen wir die Beteiligten darauf aufmerksam, daß in dem öffentlichen Anzeiger zum 8. Stücke des Regierungs=Amtsblattes das durch§ 57 a. a. O. vorgeschriebene Verzekhnis derjenigen bei uns hinterlegten Massen veröffentlicht worden ist, bei welchen im Laufe des Vierteljahres vom 1. April 1907 bis Ende Juni 1907 die Einstellung der Verzinsung bevorsteht. Arnsberg, den 9. Februar 1907. Königliche Regierung Deetzen. Dortmunder Stadttheater. Freitag, den 1. März: Serie C, Nr. 37. Gelbe Karten. Anfang 7,30 Uhr. 6. Vorstellung im Zyklus deutscher Lustspiele„Zopf und Schwert". Historisches Lustspiel in fünf Aufzügen von Carl Gutzkow. Sonnabend, den 2. März: Serie B, Nr. 38. Blaue kearten. Anfang 7,0 Uhr.„Die Fledermaus". Operette ind rei Aufzügen von Johann Strauß. Sonntag, den 3. März: Abends 7,30 Uhr. Bei aufgehobenem Abonnement(Jahreskarten gültig.) Einmaliges Gastspiel der Königl. Hofopernsängerin Frau Rüsche=Endorf vom Königl. Hoftheater in Hannover.„Die Hochzeit des Figaro". Komische Oper in vier Aufzügen von W. A. Mozart. Gräfin: Frau Rüsche=Endorf als Gast. Stadttheater Barmen. Freitag, den 1. März: Anfang 8 Uhr.„Das Glashaus“ Lustspiel in drei Akten von Oskar Blumenthal. Samstag, den 2 März: Ansang 8 Uhr. Opernnpreise. Gastspiel von Frau Käthe Franck=Witt vom Thaliatheater in Hamburg.„Madame Sans=Gene“. Lustspiel in vier Akten von Viktorien Sardon. Sonntag, den 3. März: Nachm. 3,30 Uhr. Fremdenvorstellung zu kleinen Opernpreisen.„Mignon“. Oper von Ambroise Thomas. Abends 7,30 Uhr:„Der Rastelbinder". Operette in einem Vorspiel und zwei Abten von Franz Lehar. Montag, den 4. März. Anfang 8 Uhr. Opernpreise. Gastspiel von Frau Kähte Franck=Witt vom Thaliatheater Hamburg.„Der Fall Clemenceau“. Schauspiel in fünf Aufzügen von Alexander Dumas und Asmand d' Artois.