Die„Schwerter Zeitung“ erscheint täglich, ausser Feiertags. Bezugspreis: Mk. 1.os vierteljährlich, bei der Post 42 Pf. für Bestellgeld mehr. Wöchentliche Gratig-Beilage:„Illustrierter Familienfreund." o 0 0 O O O O 0 0 O O o o o Anzeigenpreis: Die sechsgespaltene Peiitzeile oder deren Raum 1o Pf., Anze gen von auswärts IS Pf., Reklamezeile 40 Pf.

Erstes und ältestes Tagesorgan des Kreises. Haupt=Annoncenblatt.

7

Alie Kreis- und Lokalpolizeilichen Verordnungen für den Kreis Hörde erlangen gemäss Bekanntmachung der Königl. Regierung durch Veröffentlichung in der„Schwerter Zeitung“ rechts­verbinckliche Kraft. o o O O O O O O O S O o 0 o Druck u. Verlag von Carl Braus, Schwerte. Fernsprech-Anschluss Nr. 62 Amt Schwerte. Celegr.-Adresse Braus, Schwerte-Ruhr, o

—

Nr. 32

Donnerstag den 7 Februar 1907.

39.

Umwertung der Werte.

Man schreibt uns:

Unaufhaltsam vollzieht sich in der ganzen Welt der Uebergang vom Freihandel zum Schutzzoll. Im­mer geringer an Zahl werden die Verteldiger jener Wirtschaftslehre; denn unter dem Druck der harten Tatsachen vollziehen jährlich mehr von ihnen eine Um­wertung der Werte, verwerfen, was sie bisher vertei­digten, und treten zum neuen Glauben über.

Von einsichtigen Wirtschaftspolitikern ist bereits vor Jahresfrist gesagt worden, daß die neuen Handels­verträge keine Erschwerung, sondern einen gewaltigen Aufschwung des Verkehrs mit dem Auslande bringen würden; sie haben Recht behalten. In keinem Jahre, seit 1880, ist eine so gewaltige Zunahme des deutschen Außenhandels erfolgt, als im Jahre 1906.

Bis zum Jahre 1900 war das größte, je beobach­tete Anwachsen des Außenhandels im Jahre 1898 ein­getreten. Es stieg die Einfuhr von 4864,6 auf 5439,7 Millionen Mark, die Ausfuhr von 3786,2 auf 4010,6 Millionen, der Gesamthandel also um rund 800 Milli­onen Mark. Das Jahr 1899 brachte einen Zuwachs von nur 700 Millionen Mk. etwa, das Jahr 1990 von 642 Millionen Mark. Es folgte die rückläufige Bewe­gung der Jahr: 1901 und 1902, die 1901 einen Gesamt­Außenhandel von 10 223 Millionen Mark, 570 Milli­onen winiger als im Vorjahre, ergab; auch im Jahre 1902 wurde der Stand von 1900 noch nicht erreicht; es blieb urit 10619 Millionen gegen das Jahr 1900 um 176 Millionen zurück. Erst das Jahr 1903 brachte eine Erhöhung über den Stand von 1900 hinaus; die Ein­fuhr stieg um 423, die Ausfuhr um 282 Millionen Mk., der Gesamt=Außenhandel um 675 Millionen Mark. Damit war der Rekord, den das Jahr 1898 geschaffen hatte, trotz der vorhergehenden rückläufigen Bewe­gung nicht erreicht; auch das Jahr 1904 reichte nicht ganz an das Ausnahme=Jahr heran; mit 776 Millio­nen Mark Zunahme des Außenhandels blieb es noch um 24 Millionen hinter der Zunahme von 1898 zurück. Erst das Jahr 1905 wurde wieder ein Rekordb recher. Die Einfuhr schnellte von 6854,5 auf 7436,3 Millionen, die Ausfuhr von 5315,6 auf 5841,8 Millionen Mark; der Gesamthandel stieg um 1108 Millionen. Besonders gegen Ende des Jahves wurden Einfuhr und Ausfuhr, mit Rücksicht auf das Inkrafttreten der neuen Han­delsverträge, stark forciert; es setzte sich das auch noch in den Monaten Januar und Februar des Jahres 1906 fort. Wenn mit Rücksicht darauf das Jahr 1906 kein weiteres Anwachsen des Außenhandels gebracht hätte, wäre niemand berechtigt gewesen, gegen die neuen Verträge voreilig Vorwürfe zu erheben; nach einem ganz unerhörten Anwachsen des Außenhandels im Jahre 1905 hätte in 1906 wol eine Verlangsamung, selbst ein Stillstand, eintreten können.

Unser Uhn.

Uhn ist die größte Eulenart unseres Erdteils, rommt aber außer in Europa auch im mittleren und nordlichen Asien sowie in Nordafrika vor, im schwarzen Erdteil allerdings nur als seltener Wintergast. In Europa fehlt er nur auf den britischen Inseln. Die Ornsthologen haben nun freilich moch mehrere Arten des Uhn unterschieden, so wird beispielsweise der Uhn Nordasiens als sibirtscher bezeichnet und soll gegen den europäischen durch Größe und grellere Färbung ab­stechen. Der sogenannte Pharaonenuhu(Bubo asca­laphus), der in den Ländern um das Mittelmeer, na­mentlich in Kleinasien und Griechenland vorkommt, ist im Gegenteil merklich kleiner. Ein Verwandter unse­kes Uhn kommt übrigens auch in Nordamerika vor und wird virginischer Uhn genannt. In Mitteleuropa besonders ist der Uhn, der wohl für jeden Beobachter erwas Imposantes in seiner Erscheinung besitzt, durch verschiebene Umstände arg bedrängt und vermindert worden, wovon Dr. Knauer im„Zentralblatt für das gesamte Forstwesen" die Tatsachen und Urfachen auf­sucht. Der Hauptfeind des Uhus ist der Mensch, teils absichtlich durch direkte Verfolgung, teils unabsichtlich, indem Die Bodenkultut den Uhn geeigneter Nistplätze

474.:

Was aber ist geschehen? Die Einfuhr stieg laut erfolgter amtlicher Beranntmachung auf 8 339¼ Milli­onen Mark, um nicht weniger als 903 Millionen, die Ausfuhr wuchs um 402 Millionen Mark auf 5841,8 Muionen. Mit rund 1,3 Milliarden Zunahme, bei­nahe 10 Prozent, hat das gesurchtete Jahr 1906 einen neuen Rekord aufgestellt. Trotz der forcierten Ein­und Ausfuhr vor Inkrafttreten der neuen Handels­vertrage erfolgte eine noch stärkere Zunahme des Außenhandels als im Jahre 1905. Höchst bemerkens­wert ist die tolossale Zunahme der Einfuhr um 309 Millionen Mark. Sie ist erfolgt weil infolge der neu­en Handelsverträge der Anspruch des Innlandes an die deutsche Incustrie so gewaitig wuchs, daß sie kaum den Bedarf an Roystofffen decken konnte. Die Preise für Roystoffe sind denn auch ganz gewaltig gestiegen. Daß auch der Export noch um 402 Millionen Mark anwachsen konnte, spricht dafür, daß die neuen Han­delsverträge der deutschen Ausfuhr nicht im geringsten Abbruch getan haben. Wir haben also ein kräftiges Weiterwachsen des Exports und eine kolossale Zu­nahme des Inlandverbrauchs als Folge der neuen Handelsverträge, und es stimmt mehr als heiter, wenn angesichts dessen die Acltesten der Kaufmannschaft von Berlin über die neuen Handelsverträge salbadern, daß die Gunst der allgemeinen Lage die schädlichen Wirkungen der Handelsverträge gewissermaßen über­tönt hat. Was hat das riesige Anwachsen des Inland­verbrauchs mit der„Weltkonjunktur" zu tun?

Aber was sollen die blamierten Weisen aus dem Morgenlande jetzt sagen, nachdem sie gelärmt haben über den Untergang der Kultur infolge der„agrari­schen“ Handelverträge? Sie können nicht zugeben, daß sie sich getäuscht haben, wenigstens jetzt noch nicht, und so wird denn von der„Gunst der allgemeinen Lage“ und Aehnlichem geschwätzt werden, drohende Gefah­ren an die Wand gemalt von einem baidigen Nach­lassen der„Konjunktur“, während auf allen Gebieten die rastloseste Tätigkeit herrscht und gewaltige Neu­unternehmen sich in aller Welt vorbereiten. Gerade mit Rücksicht auf die beabsichtigten riesigen Neuanla­gen in den verschiedensten Gebieten, in Afrika, der Türkei, Persien, in Ostasien, in Rußland, den Balkan­ländern, ist mit großer Sicherheit unter den neuen Handelsverträgen eine viel größere Zunahme des deutschen Außenhandels und Volkswohlstandes vor­auszusagen, als sie je in den vergangenen Jahren stattgefunden hat. Daß die neuen Verträge den Ex­port nicht hemmen, hat bereits das Jahr 1906 gezeigt; sie haben außerdem aber das Gute, daß sie den infolge der günstigen Lage gewaltig anwachsenden Inlands­konsum fast ganz der deutschen Produktion vorbehal­ten. Es könen nun nicht mehr fremde Erzeugnisse den deutschen Markt beherrschen; die deutsche= Produktion

beraubt. Am häufigsten ist er noch in den großen Wäldern Ostpreußens und am Rhein und seinen benflüssen, außerdem im südöstlichen Europa, und zwar vorzugsweise in den Karapathen, im südlichen Ungarn und auf der Balkanhalbinsel zu finden. Be­sondere Beobachtungen über den Uhn sind auf di: An­regung des Forstmeisters Loos in Böhmen gesammelt worden, indem an sämtliche Forstbeamte des Landes gewisse Fragebogen versandt wurden. Aus den Ant­worten ergaben sich zunächst beachtenswerte Anhalts­punkte für die Nistplätze der großen Ohreule. Meist sucht sie sich einen schwer zugänglichen Ort für ihren Horst auf, namentlich Felswände, die für den Menschen fast unersteiglich sind. Diese Vorsicht scheint aber nur eine Notwehr zu sein, denn der Uhn schkägt, wo ihm von Menschen weniger nachgestellt wird, seine Behau­sung gern auch an bequemen Plätzen auf. Wo es keine Felsen gibt, muß er sich ohnehin mit Bäumen beggl­gen, unter denen er buschige Tannen vorzieht. Auf welche Felsart er sich niederläßt, scheint ihm gleich­gültig zu sein. Sein Horst ist übrigens ein ganz kunft­loser Bau. Zuweilen ist er zur Errichtung eines sol­chen überhaupt zu träge und legt seine Eier auf den nackten Felsen nieder. Zu einem Gelege gehören ge­wöhnlich 2 bis 4 Eier. Wo der Uhn verfolgt wird,

hat im Lande unbestritten den ersten Platz. Daß dies weit wichtiger ist, als das einseitige Forcieren des Exports, wird sich in den nächsten Jahren zeigen. Der Export wächst, auch ohne daß der eigene Markt sperr­angel weit geöffnet wiro; die Kramer=Ansicht, daß man von den Fremden recht viel kaufen müsse, um sie zur Abnahme der eigenen Waren zu veranlassen, ist ein Ammenmärchen von gestern, das die harten Tat­sachen ebenso zerstoren werden wie den Schwatz von der Gemeinsamteit der Interessen der Völker. Aus dem Pyrasenwust hinter uns liegender Jahrzehnte hebt sich leuchtend die ewige Wahrheit der Berechtigung des Starten, des aristokratischen Prinzips, heraus: dem Starten gehört die Welt, der aus der Fülle seiner Männlichreit heraus den Schwachen und Schwanken­den zu geben hat, und starke Vörker steigen empor, nicht diejenigen, die geschäftig bei den Nachbarn herum­lausen und kleine Vorteile erhandeln wollen. Stellen wir unsere Voltswirtschaft machtvoll hin, ein Wunder von Kraft und Können, dann wird das Schwache und Vorwärtsstrebende in der Welt sich an uns lehnen, ohne daß wir selber schwächlich werden.

Die Stichwahlen.

Die Niederlage der Sozialdemokratie.

Auch bei den Stichwahlen hat die Sozialdemokra­tie eine ganze Reihe schwerer Niederlagen erlitten. In Sachsen ist sie in allen 8 Stichwahltreisen unterle­gen, aber auch allgemein hat sie bei den Stichwahlen überraschend schlecht abgeschnitten: von 88 Stichwah­len, die sie durchzuführen hatte, verlor sie 75 und nur 13 hat sie davon gewonnen. Außer den sächsischen Wahlkreisen hat sich eine ganze Reihe großer Städte von dem demokratischen Joche befreit. In Darmstadt und in München I haten die Nationalliberalen mit Unterstützung aller anderen bürgerlichen Parteien das Mandat zurückerobert. Glänzend war auch der Sieg in Elberfeld, wo die vereinigten bürgevlichen Parteien den Sozialdemokraten das Mandat entrissen, das diese seit 1884 besessen hatten. Elberfeld reiht sich würdig Frankfurt am Main an, dann Stettin, wo die Bürger­lichen mit 4000 Stimmen Mehrheit siegten, Weimar, wo sie 5000 Stimmen mehr aufbrachten wie die Sozial­demokraten sund Lennep=Remscheid=Mettmann, wo ebenfalls 5000 Stimmen Mehrheit erreicht worden sind. Noch in einer Reihe von andern Orten muß die rote Fahne heruntergeholt werden, dank der Einmü­tigkeit, die bei der Bekämpfung des gemeinsamen Fein­des im bürgerlichen Lager geherrscht hat.

Wir lassen hier noch eine Anzahl Einzelresultate folgen von Wahlkreisem, die besonders interessant und heiß umstritten waren.

Westhavelland=Brandenburg(8. Potsdam). Die

wechselt er sein Nest von Jahr zu Jahr, was ihm dann namentlich nicht zu verdenken ist, wenn er seiner Eier beraubt wird, worauf in manchen Gegenden sogar Prämien ausgesetzt sind. Der Uhn zieht seiner Ver­breitung auch dadurch selbst eine Schranke, daß er sei­nesgleichen in der Umgebung des Nestes nicht duldet, wodurch es zuweilen zu heftigen Kämpfen kommt. Von elterlichen Sorgen weiß der graue Raubvggel auch wenig, vielmehr wirft er seine Jungen aus dem Nest, sobald sie sich irgendwie forthelfen können. Die Speise des Uhus besteht in den verschiedensten Säugetieren und Vögeln. Besonders stellt er Hasen, Kaninchen, allerhand wildem Geflügel, auch Igeln und Hamstern nach. Besonders bedenklich ist seine Jagd auf Sing­vögel. Immerhin scheint man seine Schädlichkeit über­trieben zu haben und Loos spricht geradezu sein Be­dauern über die schrankenlose Berfolgung des Uhus aus, weil jedes Uhupaar doch nur verhältnismäßig geringen Schaden anrichtet, indem es wenigstens jedes getötete Tier bis aufs Letzte verzehrt und zu einer un­vollständig verspeisten Beute zurückkehrt, sehe es eine neue aufsucht. In ganz Böhmen soll es heute nur noch 20 bis 25 brütende Uhnpaare geben.

∆

45

*

95