Die„Schwerter Zeitung“ erscheint täglich, ausser Feiertags. Bezugspreis: Mk. 1.os vierteljährlich, bei der Post 42 Pf. für Bestellgeld mehr. Wöchentliche Gratig-Beilage:„Illustrierter Familienfreund." o 0 0 O O O O 0 0 O O o o o Anzeigenpreis: Die sechsgespaltene Peiitzeile oder deren Raum 1o Pf., Anze gen von auswärts IS Pf., Reklamezeile 40 Pf. Erstes und ältestes Tagesorgan des Kreises. Haupt=Annoncenblatt. 7 Alie Kreis- und Lokalpolizeilichen Verordnungen für den Kreis Hörde erlangen gemäss Bekanntmachung der Königl. Regierung durch Veröffentlichung in der„Schwerter Zeitung“ rechtsverbinckliche Kraft. o o O O O O O O O S O o 0 o Druck u. Verlag von Carl Braus, Schwerte. Fernsprech-Anschluss Nr. 62 Amt Schwerte. Celegr.-Adresse Braus, Schwerte-Ruhr, o — Nr. 32 Donnerstag den 7 Februar 1907. 39. Umwertung der Werte. Man schreibt uns: Unaufhaltsam vollzieht sich in der ganzen Welt der Uebergang vom Freihandel zum Schutzzoll. Immer geringer an Zahl werden die Verteldiger jener Wirtschaftslehre; denn unter dem Druck der harten Tatsachen vollziehen jährlich mehr von ihnen eine Umwertung der Werte, verwerfen, was sie bisher verteidigten, und treten zum neuen Glauben über. Von einsichtigen Wirtschaftspolitikern ist bereits vor Jahresfrist gesagt worden, daß die neuen Handelsverträge keine Erschwerung, sondern einen gewaltigen Aufschwung des Verkehrs mit dem Auslande bringen würden; sie haben Recht behalten. In keinem Jahre, seit 1880, ist eine so gewaltige Zunahme des deutschen Außenhandels erfolgt, als im Jahre 1906. Bis zum Jahre 1900 war das größte, je beobachtete Anwachsen des Außenhandels im Jahre 1898 eingetreten. Es stieg die Einfuhr von 4864,6 auf 5439,7 Millionen Mark, die Ausfuhr von 3786,2 auf 4010,6 Millionen, der Gesamthandel also um rund 800 Millionen Mark. Das Jahr 1899 brachte einen Zuwachs von nur 700 Millionen Mk. etwa, das Jahr 1990 von 642 Millionen Mark. Es folgte die rückläufige Bewegung der Jahr: 1901 und 1902, die 1901 einen GesamtAußenhandel von 10 223 Millionen Mark, 570 Millionen winiger als im Vorjahre, ergab; auch im Jahre 1902 wurde der Stand von 1900 noch nicht erreicht; es blieb urit 10619 Millionen gegen das Jahr 1900 um 176 Millionen zurück. Erst das Jahr 1903 brachte eine Erhöhung über den Stand von 1900 hinaus; die Einfuhr stieg um 423, die Ausfuhr um 282 Millionen Mk., der Gesamt=Außenhandel um 675 Millionen Mark. Damit war der Rekord, den das Jahr 1898 geschaffen hatte, trotz der vorhergehenden rückläufigen Bewegung nicht erreicht; auch das Jahr 1904 reichte nicht ganz an das Ausnahme=Jahr heran; mit 776 Millionen Mark Zunahme des Außenhandels blieb es noch um 24 Millionen hinter der Zunahme von 1898 zurück. Erst das Jahr 1905 wurde wieder ein Rekordb recher. Die Einfuhr schnellte von 6854,5 auf 7436,3 Millionen, die Ausfuhr von 5315,6 auf 5841,8 Millionen Mark; der Gesamthandel stieg um 1108 Millionen. Besonders gegen Ende des Jahves wurden Einfuhr und Ausfuhr, mit Rücksicht auf das Inkrafttreten der neuen Handelsverträge, stark forciert; es setzte sich das auch noch in den Monaten Januar und Februar des Jahres 1906 fort. Wenn mit Rücksicht darauf das Jahr 1906 kein weiteres Anwachsen des Außenhandels gebracht hätte, wäre niemand berechtigt gewesen, gegen die neuen Verträge voreilig Vorwürfe zu erheben; nach einem ganz unerhörten Anwachsen des Außenhandels im Jahre 1905 hätte in 1906 wol eine Verlangsamung, selbst ein Stillstand, eintreten können. Unser Uhn. Uhn ist die größte Eulenart unseres Erdteils, rommt aber außer in Europa auch im mittleren und nordlichen Asien sowie in Nordafrika vor, im schwarzen Erdteil allerdings nur als seltener Wintergast. In Europa fehlt er nur auf den britischen Inseln. Die Ornsthologen haben nun freilich moch mehrere Arten des Uhn unterschieden, so wird beispielsweise der Uhn Nordasiens als sibirtscher bezeichnet und soll gegen den europäischen durch Größe und grellere Färbung abstechen. Der sogenannte Pharaonenuhu(Bubo ascalaphus), der in den Ländern um das Mittelmeer, namentlich in Kleinasien und Griechenland vorkommt, ist im Gegenteil merklich kleiner. Ein Verwandter unsekes Uhn kommt übrigens auch in Nordamerika vor und wird virginischer Uhn genannt. In Mitteleuropa besonders ist der Uhn, der wohl für jeden Beobachter erwas Imposantes in seiner Erscheinung besitzt, durch verschiebene Umstände arg bedrängt und vermindert worden, wovon Dr. Knauer im„Zentralblatt für das gesamte Forstwesen" die Tatsachen und Urfachen aufsucht. Der Hauptfeind des Uhus ist der Mensch, teils absichtlich durch direkte Verfolgung, teils unabsichtlich, indem Die Bodenkultut den Uhn geeigneter Nistplätze 474.: Was aber ist geschehen? Die Einfuhr stieg laut erfolgter amtlicher Beranntmachung auf 8 339¼ Millionen Mark, um nicht weniger als 903 Millionen, die Ausfuhr wuchs um 402 Millionen Mark auf 5841,8 Muionen. Mit rund 1,3 Milliarden Zunahme, beinahe 10 Prozent, hat das gesurchtete Jahr 1906 einen neuen Rekord aufgestellt. Trotz der forcierten Einund Ausfuhr vor Inkrafttreten der neuen Handelsvertrage erfolgte eine noch stärkere Zunahme des Außenhandels als im Jahre 1905. Höchst bemerkenswert ist die tolossale Zunahme der Einfuhr um 309 Millionen Mark. Sie ist erfolgt weil infolge der neuen Handelsverträge der Anspruch des Innlandes an die deutsche Incustrie so gewaitig wuchs, daß sie kaum den Bedarf an Roystofffen decken konnte. Die Preise für Roystoffe sind denn auch ganz gewaltig gestiegen. Daß auch der Export noch um 402 Millionen Mark anwachsen konnte, spricht dafür, daß die neuen Handelsverträge der deutschen Ausfuhr nicht im geringsten Abbruch getan haben. Wir haben also ein kräftiges Weiterwachsen des Exports und eine kolossale Zunahme des Inlandverbrauchs als Folge der neuen Handelsverträge, und es stimmt mehr als heiter, wenn angesichts dessen die Acltesten der Kaufmannschaft von Berlin über die neuen Handelsverträge salbadern, daß die Gunst der allgemeinen Lage die schädlichen Wirkungen der Handelsverträge gewissermaßen übertönt hat. Was hat das riesige Anwachsen des Inlandverbrauchs mit der„Weltkonjunktur" zu tun? Aber was sollen die blamierten Weisen aus dem Morgenlande jetzt sagen, nachdem sie gelärmt haben über den Untergang der Kultur infolge der„agrarischen“ Handelverträge? Sie können nicht zugeben, daß sie sich getäuscht haben, wenigstens jetzt noch nicht, und so wird denn von der„Gunst der allgemeinen Lage“ und Aehnlichem geschwätzt werden, drohende Gefahren an die Wand gemalt von einem baidigen Nachlassen der„Konjunktur“, während auf allen Gebieten die rastloseste Tätigkeit herrscht und gewaltige Neuunternehmen sich in aller Welt vorbereiten. Gerade mit Rücksicht auf die beabsichtigten riesigen Neuanlagen in den verschiedensten Gebieten, in Afrika, der Türkei, Persien, in Ostasien, in Rußland, den Balkanländern, ist mit großer Sicherheit unter den neuen Handelsverträgen eine viel größere Zunahme des deutschen Außenhandels und Volkswohlstandes vorauszusagen, als sie je in den vergangenen Jahren stattgefunden hat. Daß die neuen Verträge den Export nicht hemmen, hat bereits das Jahr 1906 gezeigt; sie haben außerdem aber das Gute, daß sie den infolge der günstigen Lage gewaltig anwachsenden Inlandskonsum fast ganz der deutschen Produktion vorbehalten. Es könen nun nicht mehr fremde Erzeugnisse den deutschen Markt beherrschen; die deutsche= Produktion beraubt. Am häufigsten ist er noch in den großen Wäldern Ostpreußens und am Rhein und seinen benflüssen, außerdem im südöstlichen Europa, und zwar vorzugsweise in den Karapathen, im südlichen Ungarn und auf der Balkanhalbinsel zu finden. Besondere Beobachtungen über den Uhn sind auf di: Anregung des Forstmeisters Loos in Böhmen gesammelt worden, indem an sämtliche Forstbeamte des Landes gewisse Fragebogen versandt wurden. Aus den Antworten ergaben sich zunächst beachtenswerte Anhaltspunkte für die Nistplätze der großen Ohreule. Meist sucht sie sich einen schwer zugänglichen Ort für ihren Horst auf, namentlich Felswände, die für den Menschen fast unersteiglich sind. Diese Vorsicht scheint aber nur eine Notwehr zu sein, denn der Uhn schkägt, wo ihm von Menschen weniger nachgestellt wird, seine Behausung gern auch an bequemen Plätzen auf. Wo es keine Felsen gibt, muß er sich ohnehin mit Bäumen begglgen, unter denen er buschige Tannen vorzieht. Auf welche Felsart er sich niederläßt, scheint ihm gleichgültig zu sein. Sein Horst ist übrigens ein ganz kunftloser Bau. Zuweilen ist er zur Errichtung eines solchen überhaupt zu träge und legt seine Eier auf den nackten Felsen nieder. Zu einem Gelege gehören gewöhnlich 2 bis 4 Eier. Wo der Uhn verfolgt wird, hat im Lande unbestritten den ersten Platz. Daß dies weit wichtiger ist, als das einseitige Forcieren des Exports, wird sich in den nächsten Jahren zeigen. Der Export wächst, auch ohne daß der eigene Markt sperrangel weit geöffnet wiro; die Kramer=Ansicht, daß man von den Fremden recht viel kaufen müsse, um sie zur Abnahme der eigenen Waren zu veranlassen, ist ein Ammenmärchen von gestern, das die harten Tatsachen ebenso zerstoren werden wie den Schwatz von der Gemeinsamteit der Interessen der Völker. Aus dem Pyrasenwust hinter uns liegender Jahrzehnte hebt sich leuchtend die ewige Wahrheit der Berechtigung des Starten, des aristokratischen Prinzips, heraus: dem Starten gehört die Welt, der aus der Fülle seiner Männlichreit heraus den Schwachen und Schwankenden zu geben hat, und starke Vörker steigen empor, nicht diejenigen, die geschäftig bei den Nachbarn herumlausen und kleine Vorteile erhandeln wollen. Stellen wir unsere Voltswirtschaft machtvoll hin, ein Wunder von Kraft und Können, dann wird das Schwache und Vorwärtsstrebende in der Welt sich an uns lehnen, ohne daß wir selber schwächlich werden. Die Stichwahlen. Die Niederlage der Sozialdemokratie. Auch bei den Stichwahlen hat die Sozialdemokratie eine ganze Reihe schwerer Niederlagen erlitten. In Sachsen ist sie in allen 8 Stichwahltreisen unterlegen, aber auch allgemein hat sie bei den Stichwahlen überraschend schlecht abgeschnitten: von 88 Stichwahlen, die sie durchzuführen hatte, verlor sie 75 und nur 13 hat sie davon gewonnen. Außer den sächsischen Wahlkreisen hat sich eine ganze Reihe großer Städte von dem demokratischen Joche befreit. In Darmstadt und in München I haten die Nationalliberalen mit Unterstützung aller anderen bürgerlichen Parteien das Mandat zurückerobert. Glänzend war auch der Sieg in Elberfeld, wo die vereinigten bürgevlichen Parteien den Sozialdemokraten das Mandat entrissen, das diese seit 1884 besessen hatten. Elberfeld reiht sich würdig Frankfurt am Main an, dann Stettin, wo die Bürgerlichen mit 4000 Stimmen Mehrheit siegten, Weimar, wo sie 5000 Stimmen mehr aufbrachten wie die Sozialdemokraten sund Lennep=Remscheid=Mettmann, wo ebenfalls 5000 Stimmen Mehrheit erreicht worden sind. Noch in einer Reihe von andern Orten muß die rote Fahne heruntergeholt werden, dank der Einmütigkeit, die bei der Bekämpfung des gemeinsamen Feindes im bürgerlichen Lager geherrscht hat. Wir lassen hier noch eine Anzahl Einzelresultate folgen von Wahlkreisem, die besonders interessant und heiß umstritten waren. Westhavelland=Brandenburg(8. Potsdam). Die wechselt er sein Nest von Jahr zu Jahr, was ihm dann namentlich nicht zu verdenken ist, wenn er seiner Eier beraubt wird, worauf in manchen Gegenden sogar Prämien ausgesetzt sind. Der Uhn zieht seiner Verbreitung auch dadurch selbst eine Schranke, daß er seinesgleichen in der Umgebung des Nestes nicht duldet, wodurch es zuweilen zu heftigen Kämpfen kommt. Von elterlichen Sorgen weiß der graue Raubvggel auch wenig, vielmehr wirft er seine Jungen aus dem Nest, sobald sie sich irgendwie forthelfen können. Die Speise des Uhus besteht in den verschiedensten Säugetieren und Vögeln. Besonders stellt er Hasen, Kaninchen, allerhand wildem Geflügel, auch Igeln und Hamstern nach. Besonders bedenklich ist seine Jagd auf Singvögel. Immerhin scheint man seine Schädlichkeit übertrieben zu haben und Loos spricht geradezu sein Bedauern über die schrankenlose Berfolgung des Uhus aus, weil jedes Uhupaar doch nur verhältnismäßig geringen Schaden anrichtet, indem es wenigstens jedes getötete Tier bis aufs Letzte verzehrt und zu einer unvollständig verspeisten Beute zurückkehrt, sehe es eine neue aufsucht. In ganz Böhmen soll es heute nur noch 20 bis 25 brütende Uhnpaare geben. ∆ 45 * 95 Sozialdemokraten haben den Wohlkreis verloren. Es erhielten Dr. Goerke(nl.) 12 670, der bisherige Vertreter Peus(soz.) 11868 Stimmen. Ergebnie der Hauptwahl: Peus(soz.) 11 154, Goerk:(nl.) 7000, Frs. Vv. 5910 Stimmen. Darmstadt=Gr.=Geranu. Dr. Osann(natl.) gewählt. Er erhielt 17 400, der bisherige Vertreter Berthold (Sozd.) 15000 Stimmen. Ergebnis der Hauptwahl: Berthold(Sozd.) 15 046, Dr. Osann(natl.) 10119, Frs. Verg. 8 461 Stimmen. Neckarsulm=Heilbronn. Raumann(Freis. Verg.) mit 15696 Stimmen gewählt gegen den Verwveter Wolff(Bd. d. Landw.), auf den 14 178 Stimmen sielen. Ergebnis der Hauptwahl: Wolff Landw.) 11529, Raumann(Freist. Verz 9468 Stimmen. Die Sozialdemokraten An#n# Naumann eingetreten, wofür die Nationalsozialen(Freis. Vereinigung) im Wahlkreis Jena den Sozialdemokraten gegen den Nationalliberalen unterstützen Marburg=Frankenberg. Dr. Böhme(Deutschsoz.) gewählt. Er erhielt 10448, der bisherige Vertreter v. Gerlach(Freis. Verg.) 8275 Stimmen. Ergebnis der Hauptwahl: Dr. Böhme(deutschsoz.) 9047, v. Gerlach (Freis. Verg.) 4 396, Zentr. 2371, Soz. 1554, Nati. 1074 Stimmen. Das Zentrum unterstützte den und entschied dadurch die Niederlage v. Gerlachs. Der nationalliberale Wahlverein hatte seinen Mitgliedern die Stimmabgabe freigestellt. Hanau=Gelnhausen. Hoch(Sozd.) mit 199999 Stimmen gewählt gegen den bisherigen Vertreter Dr. Lucas(natl.), der 18880 Stimmen bekam. Ergebnis der Hauptwahl: Hoch(Sozd.) 17923, Dr. Lucas(natl.) 13908, Freis. Volksp. 4 290, Zentr. 58 Stimmen. Frankfult a. M. Das Mandat haben die Sozialdemokraten verloren. Oeser(südd. Volksp.) wurde mit 3000 Stimmen Mehrheit gegen Dr. Quark(Sozd.) g wählt. Oeser erhielt 33 657, Quark 29783 Stimme Ergebnis der Hauptwahl: Dr. Quark(Sozd.) 28869, Oeser(Südd. Volksp.) 17962, v. Lasaulx(natt.) 5 280, Zentrum 4405 und Mittelstandspartei 5056 Stimmen. Die Nationalliberalen und die Mittelstandspartei hatren die Parol: für Oeser ausgegeben, das Zentrum dringend Wahlenthaltung empfohlen. Obertaunus(Höchst=Usingen). Brühne(Sozd. gewählt mit 18355 gegen den bisherigen Vertreter Itscher(Zentr.) mit 15141 Stimmen. Ergebnis der Hauptwahl: Brühne(Sozd.) 16978, Itschert(Ztr.) 10398, Nationall. 9613, Freis. Volksp. 3340 Stimmen. Die Nationalliberalen gaben als Parole aus: entweder für das Zentrum zu stimmen oder Wahlenthaltung zu üben, keineswegs aber den Sozialdemokraten zu unterstützen. Die Freisinnigen stellten ihren Anhängern die Wahl frei. München 1.(1. Oberbayern). Die Liberalen siegten mit etwa 1600 Stimmen Mehrheit. Der Wahlkreis wurde der Sozialdemokratie entrissen. Ergevnis der Hauptwahl: Woelzl(natl.) 10 866, Birk 8723, Zentr. 5919 Stimmen. Das Zentrum hatt: seine Mitglieder dringend aufgefordert, für den Sozialdemokraten zu stimmen, um die Wahl len zu verhindern; die Zentrumsleute sind aber der Parole der Parteileitung nicht nachgekommen, viele haben für den Sozialdemokraten, viele auch für den Liberalen gestimmt, aber die meisten haben sich der Bich enitholten. München 2.(2. Oberbaern). Der wiogerige Der treter des Wahlkreises, v. Vollmar(Sozd.), wurde mit großer Mehrheit wiedergewählt. Ergebnis der Hauptwahl: Kohl(Südd Volksp.) 20 754, v. Vollmar(Soz.) 40 384, Zentr. 19 651, Bauernbund 1410 Stimmen. Untertannns(Wiesbaden=Rheingau). Lehmann (Sozd.) gewählt mit 1400 Stimmen Mehrheit gegenüber dem bisherigen Vertreter Bartling gebnis der Hauptwahl: Lehmann(Sozd.) ling(natl.) 11 098, Zentr. 8919, Freis. Volksp. Stimmen. Das Zentrum hatte seinen Mitgliedern Wahlenthaltung empfohlen. Das Endergebnis der Haupt= und Stichwahlen. Hauptw. Stichw. Zus. Deutsch=Konservative 43 16„ Reichspartei„6 D.=soz. Reformpartei. 66 66 Nationalliberale 19 Zentrum Freis. Vereinigung 1 20 86 Freis. Volkspartei 6* Südd. Volkspartei Sozialdemokraten 9„ 43 Polen 19„ 20 Welfen— 1 Dänen„„ Estöcher Wilde„ 8 Bd. d. Landwirte 0 Wirtschaftl. Vereinig. 5 10 15 Die Parteien des Deutschen Reichstages zählten bei der Auflösung am 16. Dezember 1906: Zentrum 104 Sozialdemokraten 79 Konservative Nationalliberale Deutsche Reichspartei 22 Freisinnige Volkspartei 20 Polen Wirtschaftl. Vereinigung 15 Freisinnige Vereinigung 10 Elsaß=Lothringer 9 Deutsche Volkspartei 6 Antisemiten 6 Welfen 2 Dänen 1 Wahlnachrichten aus Bayern. München, 6. Febr. Auch in München zog gestern nach Bekanntwerden des Wahlresultates eine große Menschenmenge in patriotischer Begeisterung vor Palais des Prinzen Ludwig und die Regierungsgebäude und brachte dem Königshause stürmische Huldigungen dar. Mehrere hundert Personen brachten hierauf dem Zentrumsführer Dr. v. Orterer vor seiner Dienstwohnung unter Pfuirufen für sein antinationales Verhalten eine Katzenmusik dar. Die Polizei ließ sie rühig gewähren. Ausschreitungen sind nicht vorgekommen Pressestimmen zur Reichstagswahl. Berlin, 6. Febr. Das„Berl. Tagebl.“ schreibt, solange das Zentrum aufrecht steht, sei die schwerste Arbeit noch zu tun. Nichts sei verkehrter, als auf den erkämpften Lorbeeren nun ausruhen zu wollen. Für die Regierung sei das Ergebnis gleich einer schneidigen Kavallerieattacke, mit der aber die Schlacht nicht gewonnen sei. Die„Germania“ vergleicht Bülow mit dem Manne, der den Arm gebrochen hat und dann sagt, Gott sei Dank, daß ich nicht den Hals gebrochen habe. Inbezug auf die nunmehrige doppelte Mehrhert bezweifelt sie die Festigkeit der 46 Linksliberalen bei der Bildung einer Regierungsmehrheit. —Die„Deutsche Tageszeitung“ weist darauf hin, die Gefahr der Sozialdemokratie sei noch ebenso groß, wenn man das Anwachsen der sozialdemokratischen Stimmen beachte. Die„National=Zeitung" bemerkt, das Zentrum kehre ungeschwächt oder gar gestärkt in den Reichstag zurück, verfehlt sei es aber, daraus zu schließen, daß das Zentrum unterschütterlich fei. Hallunkenmoral. Unter dieser Spitzmarke schreibt die„Frankfurter Zeitung" am 5. Febr.. Die hiesige Sozialdemokratie hat im Wahlkampfe von dem verwerflichen Mittel der Fälschung und Verleumdung ausgiebigen Gebrauch gemacht. Ihren Fälscherkunststücken setzte sie aber am heutigen Stichwahltage mit einem heute Nachmittag verteilten Flugblatt die Krone auf, in dem unter der pitzmarke„Stimmenkauf“ mitgeteilt wird, vor dem „Restaurant zum Storch“, am Wahlldkal des 1. Wahlbezirks, seien heute morgen um 10 Uhr einem Tapezier namens Wilhelm Haescher, wohnhaft Bendergasse 32 (im Adreßbuch nicht auffindbar), von einem freisinndemokratischen Wahlhelfer 10 Mk. geboten worden, wenn er Oeser wähle. Das gleiche Angebot sei einem Zementarbeiter gemacht worden.“ Daß das eine freche Lüge ist, braucht nicht erst gesagt zu werden. Aber die Frechheit, mit der„das sozialdemokrarische Wahlkomite:“ diese Lügen verbreitete, wird ins rechte Licht erst durch die Tatsache gerückt, daß dieses Flugblatt bereits gestern Abend gedruckt und zur Verteilung bereit gelegt war. Wir sind auf Grund zuverlässiger Information in der Lage, jederzeit den Nachweis für die Wahrheit unserer Behauptungen zu erbringen. Das verteilte Flugblatt charakterisiert sich demnach als eine Schurkerei der daran beteiligten Personen. Unterzeichnet ist das Fälschungsprodukt: Das sozialdemokratisch: Wahlkomitee. J. A.: Wilh. Dittmann. in Hawati und auf den Philippinen leben, akut geworden, wo man eine nicht unbegründete Besorgnis vor der Invasion der Japaner hat, die bei ihren billigen Arbeitslöhnen und ihrer mehr als bescheidenen Lebenshaltung den Kaukasiern als Arbeiter und als Händler einen höchst gefährlichen Wettbewerb bereiten. Die Japaner stützen sich auf den Vertrag vom Jahre 1894, der ihnen in den Vereinigten Staaten von Nordamerika die Gleichberechtigung einräumt; die Kalifornier aber berufen sich darauf, daß sse inbezug der Regelung der Schulfrage autonom seien, und diefer Streit kam dadurch zum Austrag, daß die Schulbehörde von San Franzisko dem Knaben Yasuhara die Aufnahme in eine höhere Schule verweigerte und gleichzeitig dieselbe Behandlung aller japanischen Sprößlinge ankündigte. Präsident Roosevelt gab sich die größte Mühe, die Behörden von San Franzisko zum Einlenken und Nachgeben zu bewegen, aber der Liebe Müh' war um sonst, und die Kalifornier bestanden auf ihrem Schein. Auf Veranlassung der Bundesregierung sind jetzt zwei Prozesse eingeleitet worden, von denen der eine im Namen des Knaben Yahusu geführt wird, während der zweite sich gegen die Mitglieder der kalifornischen Unterrichtskommission richtet. Da nun diese beiden Prozesse die Eigentümlichkeit der meisten Prozesse teilen, nämlich sich außerordentlich lange hinzuziehen, so sind die Japäner ungeduldig geworden und verlangen in immer entschiedenerer Form eine Regelung der Angelegenheit, entsprechend ihren Forderungen und dem Vertrage von 1894, während Präsident Roosevelt auf die kalifornischen Behörden dadurch einzuwirken versucht, daß er das Schreckgespenst eines Krieges mit Japan an die Wand malt. Es wäre nun an sich schwerlich daran zu denken, daß sich aus dem kalifornischen Schulkrieg je ein Kriegsfall zwischen Japan und der Union ableiten könnte, wenn nicht der Gegensatz zwischen diesen beiden Nationen weit tiefer läge. Das ist aber der Fall. Die Furcht der Kalifornier vor der wirtschaftlichen und politischen Konkurrenz der gelben Rasse wird von der Mehrzahl der Amerikaner geteilt. Wenn die Kalisornier sagen:„Wir wollen es verhindern, daß Chinesen und Japaner hereinkommen und uns über die„Rocky Monntains treiben“, so finden sie damit bei der Mehrzahl der Amerikaner Zustimmung. Wissen diese doch nur zu gut, daß die Japaner ihre begehrlichen Blicke längst auf Hawaii und die Philippinen geworfen haben, und ist man doch in Amerika überzeugt, daß, wenn erst der Panama=Kanal fertig gestellt sein wird, die ernste Entscheidung der Frage zum Austrag kommen muß, ob die Union oder Japan die Vorherrschaft auf dem Stillen Ozean an sich reißen wird. Diese Nebeufragen, welche eigentlich die Hauptfragen sind, bedingen es, daß, wenn selbst die Lösung der kalifornischen Schulfrage gelingen sollte, der Gegensatz zwischen den Amerikanern und Japanern sich doch weiter verschärfen wird. Eine Ironie der Weltgeschichte ist es dabei, daß gerade diejenigen, welche im Kriege zwischen Rußland und Japan den Frieden herbeiführten, den nächsten Konflikt mit dem„Land der aufgehenden Sonne“ haben. Weiß und gelb. Zusammen: 393 Der Gegensatz zwischen weiß und schwarz ist in den Vereinigten Staaten von Nordamerika ein sehr alter, und er hat besonders in den Südstaaten wiederholt und immer wieder zu kelutigen Zusammenstößen zwischen der weißen Bevölkerung und den verhaßten Niggern“, geführt. Diese Rassenfrage ist eine der schwierigsten Probleme, an dessen Lösung die amerikanischen Staatsmänner bisher vergeblich zu arbeiten versucht haben, und die Rassenfrage ist dadurch umso verwickelter geworden, als sich seit Jahren zu dem einen Problem noch ein zweites gesellt hat. Zu dem Kampf zwischen weiß und schwarz hat sich der zwischen weiß und gelb gesellt, und in den letzten Tagen hatte es fast den Anschein, als ob diese gelbe Gefahr sich z einer Kriegsgefahr entwickeln sollte. Nun lauten zwar die neuesten Nachrichten etwas beruhigender, aber allem Anschein nach spielt hier zumteil die Vertuschungspolitk der amerikanischen Offiziösen eine Rolle, denn der kalifornische Schulkrieg, der de Ursache des japanisch=amerikanischen Streites bildet, ist nicht nur nicht beigelegt, sondern es sind vorläufg auch keinerlei Aussichten zu seiner Beilegung vorhanden. Den direkten Anlaß zu dem kalifornischen Schulkrieg bildet bekanntlich der japanische Schüler Yasuhara, der auf diese Weise ohne sein Zutun zu einer historischen Persönlichkeit zu werden im Begrffst. In dem kalifornischen Dorado des Goldreichtums, der übermütigen Lebenslust und der Erdbeben, in San Franzisko, besteht eine Verordnung, der zufolge die Kinder der fremdrassigen Bevölkerung nicht in Schulen Aufnahme finden, die für die weiße Bevölkerung bestimmt sind. Diese Schulordnung hat übrigens in einem großen Teil der amerikanischen Staaten Gelttung, aber sie wird zumeist nur den Negern und den Chinesen, nicht aber den Japanern gegenüber durchgeführt, die allerdings fast ausschließlich in Kalifornien, Hawaii und auf den Philippinen leben, während sie in den übrigen Staaten der Union nur ganz vereinzelt vorkommen.„ Eben aus diesem Grunde ist bie japanische Frage jetzt in Kalifornien, wo sich von den etwa 120 000 unter dem Sternenbanner lebenden Japanern nahezu 50.000 aufhalten, während die übrigen 70000 fast sämtlich Stadt und Umgebung. Schwerte, den 7. Februar. **(Mangel an Handwerkslehrlingen.) Die lönigliche Regierung zu Minden veröffentlicht im Schulblatt folgenden Erlaß: Die Wahrnehmung, daß in weiten Kreisen der Bevölkerung, deren Kinder die Volksschulen besuchen, eine Abneigung dagegen besteht, die Knaben nach Austritt aus der Schule zur Erlernung eines Gewerbes zu Handwerksmeistern die Lehre zu geben, und die daraus sich ergebende, der Regierung von der Handwerkskamer Bielefeld bestätigte bedeuerliche Tatsache, daß in vielen Gewerben ein großer Mangel an Lehrlingen sich mehr und mehr fühlbar macht, veranlaßt die Regierung, anzuordnen, daß durch die Lehrer in den obersten Klassen der Volksschulen, namentlich in den Städten, durch Belehrungen bei sich bietender Gelegenheit im Unterricht und durch persönliche Einwirkung womöglich auch auf die Eltern, auf die Gefahren hingewiesen werde, welche die Beschäftigung jugendlicher Arbeiter ohne festes Lehrverhältnis mit sich bringt, und anderseits auf die Vorteile, die der Eintritt in die Lehre eines tüchtigen Handwerksmeisters und die Erlernung eines Handwerks auch heute noch gewährt. Ebenso erscheint die Einwirkung auf die Mädchen angebracht, anstatt Arbeit in den Fabriken zu suchen, sich für hauswirtschaftliche Arbeiten in Familien zu vermieten. Die Kreisschulinspektoren werden ersucht, hiernach die geeigneten Anordnungen zu treffen und deren Ausfühürung zu überwachen. (Das Ergebnis der Stichwahl) ist nach der vor läufigen Zusammenstellung folgendes: Von den wahl berechtigten 105439 Wählern haben 85 759 ihr Wahlrecht ausgeübt. Es waren 5686 Stimmen ungültig, 80 073 gültig. Hiervon haben erhalten der Kandidat Pork 92523 und der Nationalen, Rechtsanwalt por., 32.925 u der Sozialdemokrat, Maurer Bömelburg, 47 550 Stimmen. *r(Gewerbliche Fortbildungsschule.) Am kom menden Sonnabend, 9. Febr., abends 7 Uhr, veranstal te die hiesige gewerbliche Fortbildungsschule eine Ausstellung von Zeichnungen und sonstigen Schularbeiten in der Schule an der Kuhstraße. Auch am Sonntag Morgen von 11—1 Uhr ist die Ausstellung geöffnet. Die Lehrherren, die Eltern der Schüler und alle Freunde der Anstalt sind zu dieser Veranstaltung eingeladen. Hierzu wird üns noch geschrieben: Bezugnehmend auf das Inserat, gewerbliche Fortbildungsschule betreffend, teilen wir noch mit, daß mit der anpften ung der Schülerarbeiten am Sonnabend von 7 Uh W Amtliches Rreiscialt + * fal den kleis Norch. Mommmmehmmmereerrmmrmmrrrtmmmmmern Die„Schwerter Zeitung“ erscheint täglich, ausser Feiestags. Bezugspreis: Mk. 1.6s vierteljährlich, bei der Post 42 Pf. für Bestellgeld mehr. Wöchentliche Gratig-Beilage:„Ilustrierter Familienkreund." o o O 0 O O O 0 0 O O o 0 o Anzeigenpreis: Die sechsgespaltene Petitzeile oder deren Raum 1o Pf., Anzeigen von auswärts is Pf., Reklamezeile 40 Pf. Erstes und ältestes Tagesorgan des Kreises. Haupt=Annoncenblatt. 73 Alle Kreis- und Lokalpolizeilichen Verordnungen für den Kreis Hörde erlangen gemäs: Bekanntmachung der Königl. Regierung durch Ueröffentlichung in cer„Schwerter Zeitung“ rechtsverbinckliche Kraft. o o O O O O O O o o o o o o Druck u. Verlag von Carl Braus, Schwerte. Fernsprech-Anschluss Nr. 62 Amt Schwerte. Telegr.-Adresse Braus. Schueerte-Ruhr, o M Nr. 32 Donnerstag den 7 Februar 1907. 39. Eine interessante Charatteristit der Sozialdemotratie in der Zu veröffentlicht Maximilian Harden kunft". Er schreibt u. a.: „Erwiesen ist, daß die Lags des Arbeiters nicht schlechter, sondern besser wird, und daß er gerade jetzt, da unsere Reserven erschöpft sind und auch die Industrie schon die Leutenot zu spüren anfängt, hoffen darf seinen Rechtsanspruch bald noch wirksamer durchzusetzen. Einenlei: die Fraktion bleibt bei der marrischen Fahne. Femt jeden, der nicht in Ehrfurcht sich vor diesem Feldzeichen beugt. Hat das Palladion, von dem dieses Heil kommt, und geriete in arge Verlegenheit, wenn sie morgen gezwungen würde, in ranher Wirklichkeit diesem Heil Raum zu schaffen. Dazu das klägliche Bild der Parteitage, die seit der Dresdener Trianonkomödie Froschmäusekriegen ähneln. Die Enthüllung des Hasses, den ein Rottenführer gegen den andern fühlt, und eines Tyrannengelüstens, das den wirtschaftlich Schwachen, wenn er sich nicht duckt, unbarmherziger als ein Fronvogt des Kapitalismus mißhandelt. Das endlose Gesschimpf. Diehinde Begeisterung für die russischen Assassinnen, denen das Spargeld deutscher Arbeiter über die Ostgrenze geschickt wurde. Die demagogische Umschmeichlung der Masse, deren Höflinge nicht schöner aussehen als die der Thronenden. Die Lust, jedes Wahrzeichen deutscher Größe zu besudeln, jeden Feind deutschen Wesens und deutscher Macht zu rühmen, auch wenns ein schwarzer Hallunke ein blutdürstiges Niggerweib ist, und dem fürs Heimatrecht fechtengen Landsmann, der sich doch nicht einen Kapitalisten nennen kann, vor dräuender Front noch zu schmähen. Endlich die Lässigkeit einer von raschem Sieg verwöhnten, von saturierten Greisen geführten Partei, die mit halber Kraft mehr als andere mit ganzer leisten zu können, wähnt... Wer die Dinge nicht aus allzu weiter Entfernung sah, nicht durch ein Ressentiment geblendet war, mußte die Niederslage erwarten. Die Opposition der Sozialdemokraten war unwirksam geworden. Sie brachten keinen schöpferischen Gedanken ins Haus, konnten im großen nichts vernichten, kaum im kleinen etwas hindern und reizten durch ihre Uebertreibungen die anderen zun Abwehr. Wenn Herr Bebel pfauchte, die Tage des Tiberius seien wiedergekehrt, konnte kein Verständiger zustimmen. In dem sozialdemokratischen Wahlaufruf stehen die Sätze:„Wir haben unausgesetzt verlangt und verlangen immer wieder, daß die Kulturvölker, statt in der Errichtung großer Armeen und Flotten und in der Erfindung und Herstellung der vollendetsten Menschenvernichtungs= machinen, in den Werken des Friedens und der Ziviliation wetteisern. Die Erde ist groß und reich geung, um allen Glück und Wohlsein zu ermöglichen und sie zu einer Stätte friedlichen Wettbewerbes in den Werken der Zivilhsation und Kultur zu gestalten“. Wem soll denn solche Chiliastenpredigt frommen? Die zivilisierten Völker hören nicht darauf, die ganz oder halo barbarischen waffnen sich gegen den Versuch, sie zu fittigen; und für die Aufgabe, der Barbarei Land abzuringen, neue Teile der Erde zu kultivieren, ist gerade die Sozialdemokratie nicht zu haben. Kultiviert, sagt sie, aber hübsch friedlich, ohne Waffengewalt anzuwenden; daß der Versuch nie gelungen ist, nie gelingen kann, kümmert sie nicht. Schafft das Heer ab, schreit sie; däß ein wehrloses Land den Nachbarn zum Spott und zur Beute würde, kümmert sie nicht. Diplomatie ist ihr ein Possenklössinn, von dem ernsthafte Menschen gar nicht mehr reden. Die Großindustrie eine Verschwörung zu dem einzigen Zweck, dem armen Volk blutigen Schweiß auszupressen. Die Armee ein Paradespielzeug und Instrument der zu wirken, nichts Unheilvolles abzuwenden vermocht. Daß eine solche Partei in der Hauptwahl neunundzwanzig Sitze erobern konnte, ebenso viele, wir die vier liberalen Parteien zusammen, müßte, nach allem Erlebten, solbst ein überzeugter Sozialist wie ein Wunder bestaunen.“ K Für Herz und Gemüt. Ein alter Mensch, welcher noch imstande ist, hart und unbarmherzig zu verurteilen, hat niemals tief in das Leben geblickt; tief ins Leben blicken, heißt aber vor allem: sehr tief in sich selbst schauen. O. v. Leixner. Armee ein Paradespielz Knechtung. Die Wissenschaft ein im Dienst der herrschenden Klassen ersonnener Phrasenschwindel. Morgen, übermorgen spätestens könnte das Proletariat das alles viel besser machen; die einzig wahre Wissenschaft hat es heuts schon. Und sein: Vertreter können einander Lügner, Denunzianten, abgeseimte Verläumder, insame Burschen schelten: und bleiben dennoch höchster Achtung würdig. Jede andere Partei strebt nach politischer Macht und verheißt organische Fortbildung des nützlich Bestehenden. Pfui für solche Streber! Die Sozialdemokratie will keine Macht; will um keinen Preis auf das schäbige Recht verzichten die Mächtigen zu schimpfen. Bequem ist es; nur merkt allmählich auch die Kurzsicht, wie bequem Ethos und Pathos, Verneinung und Verdammung dem ist, der sich aus Prinzip der Probe auf sein: Leistungsfähigkeit entzieht. Die rote Fraktion saß vier Jahre lang im Reichstag auf 80 Stühlen und hat nichts Positives Politische Uebersicht Die brannschweigische Thronfolgefrage. Berlin, 7. Februar. Gegenüber anderslautenden Mitteilungen verlautet aus sicherer Quelle, daß sich der Bundesrat bisher mit dem Antrago der braunschweigischen Regierung, betreffend die dortige Thronfolge, noch nicht anders befaßt hat, als daß er diesen Antrag den zuständigen Ausschüssen überwiesen hat. Von den Ausschüssen ist er bisher an das Plenum noch nicht zurückgekommen. Daß dessen Entscheidung mit überwiegender Mehrheit dem Beschlusse vom Jahr 1885 entsprechen wird, ist bestimmt anzunehmen. Der Posener Bischofssitz. Berlin, 5. Febr. Halbamtlich wird gemeldet: Die preußische Staatsregierung hat die Anberaumung der Hauptwahl zum Posen=Gnesener, Erzbischofsstuhl durch vorläufiges Ruhenlassen der Kandidatenliste bis nach der endgültigen Beilegung des polnischen Schulstreiks verschoben. Alle gegenteiligen Meldungen sind falsch und absichtlich irreführend. Mutungsgesetz. Berlin, 6. Febr. Dem Abgeordnetenhause ging das in der Thronrede angekündigte Mutungsgesetz für Bergwerke zu, das die Gewiinung von Steinkohlen und Salzen dem Staat vorbehält. Ein neues Kartell gegen die Handlungsgehülfen. Wie im letzten Herbst die sog. D=Banken, so haben jetzt eine größere Anzahl von Firmen der SeidenBrauche ein Abkommen untereinander getroffen, keinen Angestellten einer Konkurrenzfirma zu engagieren, ohne sich vorher mit dem betreffenden Chef ins Einvernehmen gesetzt zu haben. Die Meldung ist geeignet, erneut die größte Beunruhigung in die Reihen sämtlicher Handlungsgehülfen, nicht nur der der Seidenbranche, zu tragen. Dem Vernehmen nach sind Irrwege. Romau von Hedwig Lange. 10. Es klang alles so wahr, so aufrichtig, was Toska sägte, daß Magdalene sich mit innerlicher Beschämung eingestand, diesem Wesen dennoch unrecht getan zu haben. In dem Bestreben, ihre Zurückhaltung gut zu machen, war sie setzt herzlicher und freundlicher. Als sie endlich aufstand, um ihre Mutter zur Heimkehr zu veranlassen, schied sie nicht von Toska, ohne sie vorher um ihren Besuch gebeten zu haben, den das junge Mädchen mit sichtlicher Freude Kaum eine Wiche nach diesem Abende erschien Toska in einer reizenden hellen Frühlingstoilettte, welche das Staunen aller Arnsteiner, denen sie auf ihrem Gang begegnete, hervorgerufen hatte, bei Holms. Sie traf Magdalene und ihre Mutter ganz allein an, Dr. Hellwig war, wie sie auf eine leicht hingeworfene Frage nach ihm erfuhr, zu einem Patienten über Land gefahren. Mit dem naiven Erstaunen eines Kindes, welches sich plötzlich in eine ihm völlig fremde Umgebung versetzt sieht, schaute sich Toska in der Holmschen Wohnstube um, welche allerdings einen von den mit modernster Eleganz, mit verschwenderischstem Luzus ausgestatteten Räumen der Villa gänzlich verschiedenen eharakter aufwies. Magdalene, welche noch unter dem Einfluß des günstigen Eindrucks stand, den sie von Toska am neulichen Abend gewonnen, war ihr mit herzlicher Freundlichkeit entgegengekommen; aber dieser so befremdet in ihrem schlichten, traulichen Heim umherscheifende Blick welcher ihr nicht entgangen war, verstimmte sie wieder, und noch mehr wurde sie verletzt, als Toska bei ihrem etwas hastigen Aufbruch eine Einladung für einen der nächsten Tage, in welche Hellwig selbstverständlich mit einbegriffen sei, an Holms ergehen ließ. Nicht die Einladung an sich, noch ihre Dringligkeit befremdete sie, da sie Toskas lebhaftem, ungeduldigem Naturell entsprach— aber warum galt sie ihr nicht allein, sondern auch Otto? Das alte, kaum besiegte Mißtrauen erwachte von neuem in ihrem Herzen. Sollte sich hinter der so plötzlich erwachten Freundschaft für sie nicht ein Juteresse für ihren Verlobten verbergen, welchem Toska sich leichter nähern zu können glaubte, wenn sie sich zu seinen Angehörigen in freundschaftliche Beziehungen brachte? Wie gern hätte Magda lene mit der Mutter über all ihre Sorgen und Zweifel gesprochen, aber Stolz und Scham verschlossen ihr oen Mund. IV. Ostern war ins Land gezogen— spät im Jahr denn man war schon über die Mitte des April hinweg; dafür war das Fest aber anch von allem Glanz und Sang und Klang des erwachenden Frühlings begleitet Unter den anhaltend warmen Sonnenstrahlen der letzten Tage hatten die Bäume und Sträucher ihre Knospenhüllen gänzlich gesprengt und standen nun da in dem jungen zartgrünen Laube, als wenn ihnen über Nacht von Feenhand ein duftiger Schleier übergeworfen wäre. In ihren Zweigen gaben die heimgekehrten Frühlingssänger ein jubelndes Fest tagskonzert; sie mußten es sich heute freilich gefallen lassen, daß der mächtige, weithintönende Klang der Kirche grocken ihre zarten Stimmen übe tönte Der Festgottesdie st, an welchen sich die Koufirmation einiger junger Christen angeschlossen, war beendet. Unter den letzten verhallenden Orgeltönen traten die Kirchenbesucher ins Freie; unter ihnen auch Olga von Borwski— sie gehörte zu den eben Konfirmierten— und schritt zwischen Vater und Schw ster auf den bereitstehenden Wagen zu. Es sah aus, als wenn sie noch gewachsen wäre; oder ließ nur das lange, in schlichten Falten herabfallende weiße Kleid sie größer erscheinen? Sie trug ein Gesangbuch und ein Veilchensträußchen in den Händen; in dem jungen Gesicht mit dem sinnend ins weite gerichteten Blicke schienen sich noch alle die ernsten und heiligen Empfindungen widerzuspiegeln, welche sie vor dem Altar beseelt hatten. In dem dicken, gutmütigen Gesicht des Herrn von Borowekt glänzte Rührung und väterlicher Stolz, von Zeit zu Zeit streichelte er die Hand seines Lieblings, die mit den Veilchen im Schoß ruhte. Toska lag mit jener hoch nütigen Nonchalance, welche sie stets zur Schau trug, wenn sie sich vor vielen Leuten zeigte, in den seidenen Kissen des Wagens und hielt ein zierliches rotes Sonnenschirmchen zum Schutze gegen die scharsen Frühjahrssonnenstrahlen geaziös vor das zaite Gesicht. In scharfem Trabe sauste das zierliche Gefährt, von manchem bewundernden Blicke verfolgt, durch die Straßen und hielt dann mit elegantem Ruck vor dem Tore der Villa Eine ärmlich gekleidete Frau, die einen kleinen Knaben an der Hand hatte, stand an das Gitter gele nt und musterte mit neugierigem Staunen das hübsche Haus und die reizenden Blumenstücke des Vorgartens. Ihre Kleidung, zwar dürftig und abgetragen, verriet dennoch, daß ihre Besitzerin einst bessere Tage gesehen hatte. Als der Wagen hielt, richtete sie ihren neugierigen Blick auch auf die In schon Schritte eingeleitet, um diesem Abkommen entgegenzutreten. Die Verbrechen des türkischen Polizeiministers Konstantinopel, 7. Febr. Der Sultan hat infolge der mündlichen Vorstellung des deutschen Botschafters, Baron Marschall, dem Großvesir den Befehl gegeben, ihm einen eingehenden Bericht über die Verbrechen Fehim=Paschas zu unterbreiten. Wie verlautet, übersteigt sowohl die Zahl als die Art derselben jede Erwartung. Ueber das Vorgehen des Herrn v. Marschall herrscht in allen Kreisen Genugtuung. Die moderne Festung Metz. Als nach den blutigen Augusttagen des Jahres 1870 sich die geschlagenen Massen des Bazainischen des in den schützenden Kreis der Festung warfen, war Metz etwa nur zum dritten Teil richtig armiert. Man hatte es in der den Franzosen eigenen Oberflächlichkeit nicht einmal für nötig befunden, für genügend Munition und Proviant zu sorgen, von der fortikatorischen Unzulänglichkeit der Anlagen ganz zu gen. Und doch hat die„Jungfräuliche“ über zwei Monate einem Heere von etwa 180000 Mann Schutz gewährt und einen deutschen Angriffsversuch zur Unmöglichkeit gemacht. Seit dieser Zeit sind 36 Jahre vergangen, in denen unsere rührige Fortifikationsleitung mehr als eine viertel Milliarde hineinverbaut hat. Nicht nur, daß der alte Fortgürtel gänzlich erweitert wurde, man hat einen völlig neuen weiter hinausgeschobenen Ring geschaffen, der Metz wohl unstreitig zum ersten Waffenplatz der Welt gemacht hat. Mit steigendem Mißtrauen hat man auf französischer Seite diesem Schaffen zugesehen, und die ersten Fachblätter haben über das Für und Wider der deutschen Rüstungen spaltenlange Artikel gebracht. In neuerer Zeit mehren sich nun die Stimmen jenseits der Vogesen, die in dem Riesenausbau von Metz ein Nachlassen des alten teutonischen Angriffsgeistes zu erblicken glauben. Wer lacht da? Die erste Friedensarbeit Frankreichs nach dem großen Kriege bestand in der Anlage des Sperrfortgürtels an der neuen Grenze, einer Schutzwehr, die den deutschen Vormarsch aufhalten und die Sammlung der französischen Armeen schützen sollte. Ueber die Zweckmäßigkeit dieser Grenzsperre läßt sich streiten. Allerdings werden wir bei einem Vormarsch nach Frankreich gezwungen sein, das eine oder andere dieser Forts zu nehmen, damit unsere Rückfront frei wird, andererseits aber verbraucht Frankreich einen beträchtlichen Prozentsatz Soldaten zur Besetzung seiner Befestigungen, die dem Feldheere verloren gehen. Bei uns in Deutschland huldigt man dem Grundsatz: wanige, aber gute Festungen. Ein Zuviel ist auch hier vom Uebel. Wir gebrauchen an der lothringischen Grenze einen Waffenplatz, der als Stützpunkt unserer Operationsbasis dienen soll. Die noch von dem alten Strategen Moltke ausgearbeiteten Feldzugspläne gegen zwei Fronten sind bezüglich Frankreichs ganz offensiv gehalten, wie es dem unseren Heere innewohnenden Geiste auch entspricht. Metz besitzt zur Zeit nicht weniger als 14 Forts, denen aber noch weitere im Bau begriffene Anlagen folgen. Die zahlreichen Zwischenwerke sind hierbei nicht eingerechnet. Hierzu entnehmen wir einer französischen Fachzeitschrift folgende klassische Bemerkung:„Seit dem Kriege 1870 haben sich die Verhältnisse wesentlich verschoben. Während Deutschland früher sich seiner ausgesprochenen Angriffstaktik rühmte, die unseren Plan noch übertveffen sollte, lehrt uns jetzt der sassen desselben. Olga war zuerst herabgesprungen, ihr folgte etwas schwerfällig der Vater, welcher mit beinahe ritterlicher Zuvorkommenheit seiner ältesten Tochter die Hand zum Aussteigen bot. Der Blick der stillen Beobachterin am Gitter haftete immer erstaunter, immer durchdringender auf den beiden, bis sie endlich leise hervorstieß:„Herrseh, der Herr von Borowski und die schöne Toska!“ So leise der Ausruf gewesen war, Toskas feines Ohr hatte ihn doch vernommen, sie wandte den Kopf nach der bis dahin unbeachteten Gestalt und über ihre Züge flog ein jähes Erröten. Auch Herr von Borowski hatte die Frau jetzt angesehen, deren Blick sich dreist, beinahe erwartungsvoll auf ihn geheftet hatte, dann flüsterte er Toska leise zu während sie langsam hinter der vorausgeeilten Olga herschritten: „War das nicht—?“ „Die Löhnert, gewiß!“ „Mein Gott, wie kommt denn die hierher, fatal, satal— „Sie darf uns nicht kennen, Papa, um keinen Düster grübelnd, den Blick zur Erde gesenkt, war Toska neben ihrem Vater bis ans Haus gegangen; hier kehrte sie nachdem sich mit raschem Umblick überzeugt, daß die Frau noch da war, wieder um und sagte:— „Ich werde mit ihr sprechen, Papa.“ „Ja, Toskachen, tue das, und laß es dir auf eine Kleinigkeit nicht ankommen.“ Ein verächtliches Lächeln kräuselte Toskas Lippen. als sie den Kiesweg langsam wieder hinunterschritt. Die Frau stand allerdings noch immer wie angewurzelt auf derselben Stelle und starrte durch das Gitter; als sie die junge Dame umkehren sah, glitt ein Lächeln der Erwartung oder der Befriedigung über ihre hageren und gelblichen Gesichtszüge. „Sie sind es also wahrhaftig, Fräulein Toska,“ sagte sie in vertraulichem Tone,„glaubte ich doch kaum, meinen Augen trauen zu dürfen—“ „Und ich nicht den meinigen! Wie kommen Sie hier her, Löhnerten?“ fragte Toska „Wie? Nun, auf die einfachste Weise der Welt. Ich bin mit meinem Manne hierhergezogen, als meine Mutter Ausbau von Metz, der mit übertriebenem Eiser gehandhabt wird, daß man der drohenden Gefahr eines Ueberfalls von unserer Seite sich allmählich bewußt wind und ihm hinter dem Panzergürtel von Metz begegnen will!“ Die Herren Franzosen irren. Wir huldigen nach wie vor dem Angriff. Unsere ganzen, dahin zielenden Reglements beweisen es, wir rechnen aber klugerund bescheidenerweise„im Gegensatz zu unserem Nachbarn., auch damit, daß wir einmal vorübergehend zum Rückzug gezwungen werden könnten, und in diesem Falle kann uns Metz wichtige Dienste letsten. Der weitere Zweck der Festung ist aber der, ungeheueren Vorräten von Proviant und Munition Aufnahme zu gewähren, Vorräte, die Hunderttausenden auf Monate hinaus zum Unterhalte genügen.— Die Trebfeder, die den Ausbau von Metz beschleunigte, war der Kaiser selbst. Alljährlich bei seinen Fahrten in die llothringische Pfalz besichtigte er mit eingehendstem Interesse die Fortschritte, und mehr als einmal waren seine ausdrücklichen persönlichen Weisungen grundlegend für den Weiterbau. Als vor etwa 9 Jahren der Fall der inneren Stadtumwallung beschlossen wurde, weil man die alten Gräben und Mauern, die Metz wie in einen Panzer zwängten, als überflüssig erachtete, da war es wiederum der Kaiser, dessen Wille den letzten Widerstand brach, und das anfangs sehr saumselig betriebene Werk energisch förderte. Das Bild des heutigen Metz ist überhaupt dem von 1870 nicht mehr vergleichbar. Metz ist im eigentlichen Sinne nicht mehr Festung sondern offene Stadt, die lediglich durch einen gewaltigen, weit vorgeschobenen Fortgürtel geschützt wird. Mit dieser Neuerung ist man auch auf dem besten Wege, die gesundheitlichen Verhältnisse, die früher— zu unserem Bedauern müssen wir es sagen— sehr mangelhaft waren, zu heben und neuzugestalten. Die feuchten, engen Gäßchen sind zum großen Teil verschwunden, eine ganz neue Kanalisierung hat dem verderblichen Typhus, der früher in Metz ständiger Gast war, bedeutenden Abbruch getan, ein Umstand, der nicht hoch genug eingeschätzt werden kann, wenn man sich die Schrecken einer Belagerung vergegenwärtigt. Die Winkel von Schmutz, Unrat und Armut werden von der neuen Zeit hinweggefegt und Licht und Luft treten anstelle des alten Moders. Das ist deutsches Werk und deutsche Arbeit, um die uns die Franzosen wohl beneiden können. Einen Nachteil hat der Fall der Stadtumwallung zwar mit sich gebracht, und das ist die erhöhte Schwierigkeit einer Kontrolle der immer noch unzuverlässigen lothringischen Bevölkerung im Kriegsfalle. Die alten Tore ermöglichten eine genaue Beaussichtigung, die jetzt fast unmöglich wird. Wir gestehen gerne ein, daß die Zeiten sich gebessert haben, daß die Lothringer nach dem Anschluß an das Deutsche Reich in ihrem Wohlstande einen bedeutenden Aufschwung zu verzeichnen haben, und darum mit den setzt bestehenden sozialen Verhältnissen zufrieden sind. Sollte aber über kurz oder lang der große Zweikampf noch einmal ausgefochten werden, dann wird doch ein Teil der Bevölkerung, auch der, der jetzt seine Häuser mit Fahnen schmückt, wenn der Kaiser kommt, der deutschen Sache uuntreu werden. In Erkenntnis dieser Tatsache hatte man vor einigen Jahren damit begonnen, in weitem Umkreis um die Stadt ein großes Gitterwerk aufzuführen, das nur an den Straßen Durchgänge hatte und dazu dienen sollte, den absperrenden Patrouillen ihre Aufgabe zu erleichtern. Das Werk ist nicht zu Ende geführt worgestorben war und mir das kleine Grundstück hinterlassen hatte.“ „So sind Sie also wieder verheiratet?“ „Ja, leider!“ „Leider? Es geht Ihuen nicht gut?“ Die Frau lachte bitter. „So gut es einem gehen kann, die einen arbeitsscheuen Trunkenbold zum Manne hat, der obendrein dies arme Wurm“.— sie drückte den Knaben an ihrer Seite fester an sich—„schlecht behandelt.“ „Ja, warum waren Sie denn so dumm, Ihr gutes Brot aufzugeben und sich wieder zu verheiraten?“ „Ja, wenn ich hätte ahnen kbnnen, daß es so schlecht ausfallen würde, hätte ich meinem armen Jungen keinen Stiefvater gegeben. Aber als ich meinen Mann heiratete, war er noch ganz ordentlich und fleißig mit gutem Auskommen; aber sie haben ihn da in Berlin verdorben mit ihrem dummen Geschwätz von Freiheit und Gleichberechtigung und all den Dingen, mit welchen den einfältigen Leuten in den Volksversammlungen der Kopf verrückt gemacht wird. Als meine Mutter gestorben war, da setzte ich es doch noch durch, daß er mit mir hierherzog, und hoffte, daß er unter neuen Verhältn ssen auch ein neues Leben anfangen werde. Aber ich habe mich getäuscht, der Schaden ist schon zu tief gegangen.“ Toska hatte während dieser Klagen in die Tasche geariffen und ein Portemonnaie hervoergezogen, das sie der Ueberraschten in die Hand drückte. „Da, Löhnert, nehmen Sie das! Es tut mir leid,daß es Ihnen schlecht geht, und wenn Sie wieder in Not sind, dürfen Sie zu mir kommen.“ Die Frau stammelle ein Dankeswort und wollte sich zum Gehen wenden, als Toska noch in nach ässigem Tone hinwarf: „Uebrigens, Frau Löhnert, es braucht hier in Arnstein niemand zu wissen, daß wir uns kennen.“ Frau Löhnert lächelte verständnisinnig. „Durch mich gewiß nicht, Fräulein Toska,“ beteuerte sie dann, grüßte noch einmal und ging. Toska wandte sich und ging langsam dem Hause zu; sie hatte den Blick gesenkt und zwischen den Augenbrauen eine feine Falte. Forts. folgt. den. Nahere Gründe, warum man plötzlich innehält, sind unbelannt. Wenn auch die Festung als folche teines unmittewbären Schutzes bedarf, so droht doch den vielen Magazinen, Puverhäusern und sonftigen wichtigen militätischen Gevauben im beriege Gefahr, wenn die Zlvllbevollerung unzuverlässig ist. Wir halten düher die Vouendung des Gitterwertes— trotz des vielen Spottes, den es als„Vogeltäfig“ zu erdulden hatte— für ratsam. Die Wasserversorgung von Metz, die früher viel zu wunschen übrig ließ, ist nunmeyr auf das Beste geregelt. Die beruymte Depesche an den Metzer Gemeinberat in Sachen der Metzer Wasserleitung— abgesandt von sehr hoher Stelle— ist wohl noch im Gedachtnis. Die damals erhobenen Vorwürfe sind beseitigt, man hat alsso auch auf diesem Gebiete einen Fortschritt von großer Bedeutung emacht.— So hat Metz, trotz der Untenrufe der Franzosen, seit den letzten zehn Jahren besonders, sich nicht nur zur ersten Festung, sondern auch zur schönen Stadt ausgewachsen. Freilich— viel bleibt noch zu tun übrig, und was in Jahrhunderte langer Arbeit entstand, verwischt nicht die Reorganisation eines Dezenniums. So sind wir zwar auf baulichem Wege mächtig vorangeschritten in dem neuerworbemen Lande, was aber die politische Lage anbetrifft, so haben sich manche Hoffnungen noch nicht erfüllt. Die Bevölkerung ist zufrieden und still, aber deutsch ist sie noch nicht. Der alte Nationalhaß ist zwar geschwunden, deutsches Denken und Fühlen jedoch haben wir den neuen Bürgern noch nicht einimpfen können, dazu war die Zeit nicht lang genug, und die Milde zu groß. Damit soll nicht gesagt sein, daß man mit der Knute beffer germanisiert, aber den gewohnheitsmäßigen Hetzern und Schreiern, die immer wieder Unruhe verbreiten wollen, sollte man mit eiserner Strenge begegnen. Man darf nicht vergessen, daß in den Gemeinderäten von Metz und seiner nächsten Umgebung nicht nur französisch sprechende Deutsche sitzen, das wäre kein Fehler, nein, Franzosen, und das ist vom Uebel! — Es wird des Heranwachsens einer zweiten Generation bedürfen, um das Ziel zu erreichen, das uns vor Augen steht, nämlich Metz zu dem machen, was es vor 1552 war, ein: deutsche Stadt!— Westfalen und Rheinland. * Bochum, 6. Febr.(Unfälle im Bergbau.) Auf der Zeche„Prinz=Regent“ geriet ein Bergigann unter herabfallende Gesteinsmassen. Bevor er aus seiner gefährlichen Lage befreit werden konnte, war der Tod bereits eingetreten.— Auf der Zeche„Mansfeld“ stürzte der erst 18jährige Schlepper Pattberg beim Aufschieben eines vollen Wagens in den etwa 70 Meter tiefen Breinsschacht. Er war natürlich sofort tot. Die schrecklich verstümmelte Leiche wurde ins elterliche Haus gebracht.— Auf der Zeche„Friedrich der Große“ wurde der Bergmann Marzinialt durch herabfallendes Gestein sehr schwer verletzt. M. sand Aufnahme im Krankenhause. * Werdohl, 6. Febr.(Bergfinken.) Seit einiger Zeit kann man in hiesigen Gärten und Anlagen eine Anzahl sehr bunt gefiederter Vögel beobachten. Es sind dieses Bergfinten, die wahrscheinlich infolge des andauernden Schnees aus ihrem sonstigen Aufenthalt hierhin vertrieben worden sind. * Süchteln, 6. Febr.(Erben gesucht.) Beim hiesigen Bürgermeisteramt erkundigte sich ein französischer Rechtsanwalt nach Erbberechtigten der hiesigen Gegend, die den Namen Schroers, Sommer und Donhels führen. Es handelt sich nach der„Westd. Landeszeitung" um eine Erbschaft von 6800000 Francen, welche an die Verwandten der im Jahre 1835 zu sen verstorbenen Amalie Schroers auszuzahlen ist. Der Ursprung der Erbschaft ist auf einen Mord zurückzuführen. Anfangs des vorigen Jahrhunderts wurde der Ernährer dieser Familie Schroers ermordet. Der Täter floh nach Frankreich und brachte es später zu großem Vermögen, welches er testamentarisch der Familie Schroers vermacht hat. Die Regelung der Sache hat der Rentner Freudenberg von hier übernommen. * Münster, 6. Febr.(Gebehochzeiten.) Den im Münsterlande noch vielfach üblichen„Gebehochzeiten“, die schon durch einen allerhöchsten Erlaß vom 3. Mai 1829 verboten worden sind, scheint man jetzt tatkräftig entgegentreten zu wollen. Sie bestehen darin, daß die Teilnehmer der Hochzeit, die meist in einem Wirtshause gefeiert wird, beim Abschied dem Bräutigam ein Geldstück in die Hand drücken Wegen einer solchen im November vr. Is. in Emsdetten abgehaltenen„Gebehochzeit“ wurde jetzt dem damaligen Bräutigam ein Strafbefehl über 75 Mk. zugestellt, dem Manne, der die Einladung besorgt hatte, ein solcher über 30 Mk. und den Gästen einer über 9 Mk. Sämtliche betroffenen Personen wollen die Zahlung verweigern und ein gerichtliches Erkenntnis herbeiführen. * Brühl, 6. Febr.(Blutiger Streit.) Bei einem Streit, der in einer Wirtschaft entstand und vor der Türe fortgesetzt wurde, versetzte der Schlosser Karl Rohm dem Schlosse Erkens, dem er aufgelauert hatte, einen Messerstich in die Brust. Der Verletzte sank zusammen und starb im Hause des Arztés, zu dem er getragen wurde. Der Täter wurde verhaftet. * Düsseldorf, 6. Febr.(Eine LehrerinnenVersammlung unter Polizeiaufsicht,) das ist doch wohl etwas ganz Neues. Als die Eingabe hiesiger Lehrerinen um Gehaltserhöhung abschlägig beschieden worden war, so wird der„Pädagog. Ztg.“ von hier geschrieben„versammelten sich die Damen und berieten abermals über ihr Wohl und Wehe. Zu dieser Versammlung erschien auch ein Herr, und als man ihn nach seinem Begehr fragte, stellte er sich als Polizeikommissar vor. Düsseldorf, 6. Febr.(Esspukt!) Unter diesem Schlagwort schreibt der„D. Generalanz.“: In einem Hause an der Bismarckstraße werden die Bewohner seit einigen Wochen fast allnächtlich durch starke Klopfgeräusche aus dem Schlafe gestört. Trotz aller Untersuchungen seitens der Bewohner, die während des Klopfens das Haus vom Keller bis zum Boden abgeleuchtet haben, war es nicht möglich, die Ursache des Klopfens zu finden. Die Nachricht von der„Geistererscheinung“ hat sich ziemlich rasch verbreitet. Hiesige Spiritisten intevessieren sich für die Erscheinung, ebenso auch zahlreiche Neugierige, die sich verschiedentlich vor dem Hause einfanden. Zeitweise gab es förmlich Ansammlungen vor dem Hause, sodaß die Polizei einschreiten mußt:. Auf Veranlassung von Hausbewohnern wurde die Polizei auch ersucht, die Ursache des Klopfens zu ergründen. Die Polizisten, die das Klopfen ebenfalls hörten, durchforschten alle Winkel des Hauses, ohne etwas zu entdecken. Der„Geist“ klopft mit Pausen nach wie vor. So erschallen beispielsweise auf die Fragen nach dem Alter der Kinder im Hause genau so viel Klopfsignale, als die Betreffenden Jahre zählen. Eine Aufklärung der Angelegenheit war noch nicht möglich. Ein junger Mann hat sich erboten, den Spuk zu vertreiben, indessen nur gegen Zahlung einer Entschädigung von 500 Mk. Vor einigen Tagen enschien ein Polizeikommissar mit mehreren Beamten in dem Hause, um die Ursache des Klopfens zu ermitteln. Auf Veranlassung des Kommissars wurden verschiedene Möbelstücke von der Wand weggeräumt. Der„Geist“ wurde gerufen, zeigte sich aber diesmal nicht geneigt, dem Rufe zu folgen. Man darf gespannt sein, wie sich dies Rätsel löst. * Duisburg, 6. Febr.(Das Gnadengesuch des Stationsassistenten Beumer, welcher bekanntlich von der Strafkammer als Urheber des folgenselweren Eisenbahnunglücks des Köln=Aachener Schnellzuges vom 27. Oktober 105 zu vier Monaten Gefängnis verurteilt worden war, ist vom Kaiser abschlägig beschieden wordem. Kleine Chronik. Berlin, 6. Febr. Aus zuverlässiger Quelle verlautet, daß August Scherl gestern die„Münchener Allgemeine Zeitung" angekauft hat. Ihr bisheriger Chefredakteur Dr. Mohr siedelt nach Berlin über als Korrespondent des Blattes. Halle,(Saale), 6. Febr. Als Verüber des Raubmordversuchs auf den Geldbriefträger Rübner in Leipzig ist der Schlosser Pansa in Radefeld verhaftet worden. Eisenach, 6. Febr. Ein schrecklicher Unglücksfall ereignete sich gestern beim Rodelfahren am Schloßberg dadurch, daß der 16jährige Realgymnasiast Gunkel mit solcher Macht an eine eiserne Laternenstange geschleudert wurde, daß er einen Schädelbruch davontrug. Der Rodelschlitten war mit drei Schülern besetzt und glitt wegen seiner Schwere blitzschnell von der steilen, glatten Fläche hinab, sodaß der Lenker die Gewalt über ihn verlor. Die wiederholten Unglücksfälle, die beim Rodelfahren gerade in diesen Tagen allein in den verschedenen Teilen Thüringens sich ereigneten, mahnen ernstlich bei diesem beliebten Sport die nötige Vorsicht walten zu lassen und nicht von Anhöhen zu fahren, die mit Bäumen und anderen Hindernissen, die Schaden bringen könnten, umsäumt sind. Schierstein, 6. Febr. In einem hiesigen Eiskeller wurden durch unvorsichtiges Eisabladen acht Arbeiter vollständig von der Außenwelt abgeschnitten und befanden sich in der eisigen Temperatur drei Stunden lang in Lebensgefahr. Erst nach mühsamer Arbeit gelang es, mittelst heißen Wassers ein Loch herzustestllen, durch welches die Abgeschlossenen befreit werden konnten. Salzburg, 6. Febr. Verhungert sind im Sagleitnergut, zu dem man wegen des 6 Meter hohen Schnces nicht gelangen konnte, der Besitzer und die Wirtschafterin. Charleroi, 6. Febr. Zwischen Thuin und Landelies wurden zwei Gendarmen, die das Bahngleise gegen Anschläge zu überwachen hatten, von einem Güterzuge überfahren. Der eine Gendarm war sofort tot, der andere ist gefährlich verwundet. Paris, 6. Febr. Der Figaro weldet, der Bankier Oseris, der heute starb, habe dem Institut Pasteur 25 Millionen Franken vermacht. Der Verstorbene, dessen Vermögen auf 50 Millionen Franken geschätzt wird, und der auch sonst noch sehr zahlreiche wohltätige Schenkungen hinterlassen hat, bestimmte den früheren Präsidenten der Republik, Loubet, zu einem der Testamentsvollstrecker. Newyork, 6. Febr. Ein Telegramm aus Elkins in Westvirginia meldet, daß infolge einer Explosion in einer Grube der Davis Kohlen= und Koksgesellschaft zu Thomas 25 bs 30 Bergleute, meist Ausländer, getötet wurden. Rechtspflege. §s Dortmund, 6. Febr. Jenes schreckliche Dynamitunglück am 11. Dezember 1902 auf dem Zechenplatz der Zeche„Gneisenau“ Kirchderne, bei dem 13 Menschen zu Tode kamen, ebenso viele schwer verletzt und der ganze Platz in ein Trümmerlager verwandelt wurde, hatte neben den Zechenhäusern auch eine Reihe der anliegenden Privathäuser in arge Mitleidenschaft gezogen, unter anderen auch zwei Häuser der Witwe L. Bader zu Derne. Sie berechnete den ihr durch die Explosion zugefügten Gesamtschaden auf insgesamt 4994 Mk. und klagte diese nebst 4 pCt. Zinsen gegen die Harpener Bergbau=Aktiengesellschaft ein. Die Klägerin leitete die Haftpflicht(§ 831 B. G.=B.) der Aktiengesellschaft aus dem Umstande her, daß das Dynamit bei starkem Frostwetter verladen sei, obwohl Frost den Explosionsstoff besonders gefährlich mache„und behauptete weiter, daß die Angestellten des Werkes beim Transport die im Verkehr erforderliche Sorgfalt außer Acht gelassen habe. Letzteres konnte die Firma in dem Prozesse vor dem hiesigen Landgericht hinreichend widerlegen; bez. der Frostgefährlichkeit stellte sich das Gericht auf den Standpunkt, daß es wissenschaftlich nicht feststehe, ob die Einwirkung des Frostes überhaupt geeignet ist, eine Explosion hervorzurufen. Es erfolgte deshalb Abweisung der##lage. Auf dagegen eingelegte Revision hat jetzt das Oberlandesgericht Hamm den Anspruch der Klägerin anerkannt und die Harpener Bergbaugesellschaft zum Schadensersatz verurteilt, dessen Höhe die Vorinstanz noch feststellen mnus. Ein furchtbares Geheimnis Aus Paris wird geschrieben: Der Tod eines bekannten Mitgliedes der hiesigen Kolonie russischer politischer Flüchtlinge erregt wegen der ihn umgebenden geheimnisvollen Umstände ungehrures Aufsehen. Der Verstorbene ist der Privatgelehrte Jean Vilbouchevitch, der längere Zeit eine„Revue pour agriculture topicale“ in Paris herausgab. Völbouchevitch wurde vor einigen Tagen in seiner im Quartier Montparnasse gelegenen Wohnung tot auf dem Fußboden seines Schlafzimmers ausgefunden. Auf einem Tisch in der Nähe des Leichnams befand sich ein Glas mit einem Rest von Flüssigkeit. Die chemische Analyse dieses Flüssigkeitsrestes zeigte, daß es sich um Zyankali handelte. Der Gerichtsarzt nahm keinen Anstand, auf Selbstmord zu schließen und das Beerdigungszeugnis auszustellen. Freunde des Verstorbenen behaupten nun, daß Jean Vilbouchevitch nicht das Opfer eines Selbstmordes, sondern eines politischen Mordes oder einer terroristischen Exekution geworden sei. Vilbouchevitch spielte in der Tat eine hervorragende Rolle unter den russischen Revolutionären in Paris und stand in dauernden Beziehungen zu seinen politischen Freunden in Rußland. Die französische Journalistin Berthe Delaunay versichert heute im„Gil Blas“, daß Vilbouchevitch ihr von der Verurteilung Stolypins durch die KampfesOrganisation und von, dem auf den Premierminister bevorstehenden Attentat acht Tage vor Ausführung desselben zuverlässige Mitteilung gemacht habe. Auch die Hinrichtung Gapons durch seine verratenen Genossen wurde von Vilbouchevitch richtig prophezeit. Der russische Gelehrte befand sich im Besitze einen großen chiffrierten Korrespondenz. Diese Korrespodenz, die wahrscheinlich zahlreiche Briefe der Revolutionskomitees von Petersburg, Moskau, Bjelostok##nhielt, ist im Augenblick von Vilbouchevitchs Tod spurlos und in unaufgeklärter Weise aus seiner Wohnung verschwunden. Die persöwlichen Frrunde von Jean Vilbouchevitch glauben nun nicht an einen Selbstmord. Sie haben vielmehr die Befürchtung, daß die revolutiomären Genossen dem Vilbouchevitch einen Auftrag erteilt haben, den dieser auszuführen sich geweigert hat. Dieser Verstoß gegen die eiserne terroristische Disziplin hätte den Tod des Ungehorsamen zur Folge gehabt. Vilbouchevitch war ein Mann von hervorragenden geistigen Fähigkeiten und großer Energie. Er hatte 8 Sprachen erlernt und seine Leistungen auf seinem Spezialgebiet, der trovischen Ackerbaukunde, sicherten ihm die größte Achtung der Fachgelehrten. Nach dem Zeugnis intimer Freunde war er bis zu seinem Todestage gesund und guter Laune und sprach nur von dm Redaktionsschluß der nächsten Nummer seines Fachblattes. Er besaß nahe Verwandte in Paris. Eine seiner Schwestern ist an den Pariser Arzt Doktor Nageotte verheiratet und selbst Aerztin. Er liebte diese Verwandten, darunter mehrere Neffen, zärtlich. Es sei um so auffallender, erklären seine näheren Bekannten, daß er an diese und seine zahlreichen Freunde kein aufklärendes Abschiedswort hinterlassen habe. Vermischtes. * Frankfurt, 5. Febr. Vor dem hiesigen Oberkriegsgericht gab es einen stürmischen Auftritt. Die Ursache war der Musketier Rudolf Dürr. Er diente früher hier beim 81. Regiment, mußte mehrfach kriegsgerichtlich vorbestraft werden und wurde schließlich zur 4. Kompagnie des 168. Regiments nach Butzbach versetzt. Von da brannte er durch, verschaffte sich durch zwei Einbrüche bürgerliche Kleidung und kam dann nach Frankfurt, wo er sich ebenfalls als Einbrecher versuchte. Im Haus Ludwigstraße 47 wurde er im August von einem dort wohnenden Kaufmann betroffen und angehalten. Da warf er den starken Mann zu Boden und schleifte ihn vom dritten Stock die Treppe herab. Auf der Flucht wurde er aber angehalten, nach heftiger Gegenwehr von zwei Schutzleuten dingfest gemacht und der Militärbehörde überliefert. Das Kriegsgericht in Darmstadt verurteilte ihn dann wegen schweren Diebstahls in vier Fällen, Fahnenflucht und Widersetzlichkeit zu acht Jahren Zuchthaus. Schon bei dieser Verhandlung hatte Dürr die Anklageschriften zerrissen und seinem Verteidiger vor die Füße geworfen. Später legte er Berufung ein, soweit er wegen der Diebstähle verurteilt worden war. Unter großen Vorsichtsmaßregeln wurde er gefesselt von zwei hessischen Artilleristen nach Frankfurt gebracht; aber kaum hatte die Sitzung des Gerichts begonnen, so begann er zu toben und zu schreien, zog die Schuhe aus und geberdete sich so wütend, daß schleunigst an die Infanteriekaserne um Beistand telephoniert werden mußte. Unter den geladenen 18 Zeugen befanden sich auch mehrere Kriminalschutzleute. Diesen und den herbeigeeilten vier Musketieren gelang es mit vieler Mühe, den Tobsüchtigen aus dem Sitzungssaale hinaus und in das für die Angeklagten bestimmte Zimmer zu bringen, wo ihn die Schutzleute wieder zur Vernunft brachten. Unterdessen war auch Stabsarzt Prof. Dr. Marx herbeigerufen worden und untersuchte den Angeklagten. Er hielt es zwar nicht für wahrscheinlich, aber doch für möglich, daß eine geistige Erkrankung vorliege, und so wurde beschlossen, den Angeklagten zur Beobachtung seines Geisteszustandes in eine Irrenanstalt zu bringen. Dürr, der sich bei dem Toben an der rechten Hand verletzt hatte, hörte den Gerichtsbeschluß blöde und mit stieren Blicken an und ließ sich dann gutwillig abführen. *(Die sogenannte„Heiratseiche“) in der Nähe von Stadtilm in Thüringen ist den Weg alles Irdischen gegangen. Die Jahrhunderte alte historische Eiche von gewaltigem Umfange hat gefällt werden müssen, da sie dem Absterben nahe war. Die Eiche diente früher einem merkwürdigen Zweck, sie vertrat nämlich bei den Bewohnern der Umgegend die Stelle des heutigen Heiratsvermittlungsbureaus. Wenn irgend ein Junggeselle oder eine Jungfrau Lust zum Heiraten bekam, so setzten sie nicht, wie heutzutage, eine Annonc: in die Zeitung, sondern sie schrieben ihren Wunsch hübsch säuberlich auf einen Zettel, und befestigten diesen ohne Namensunterschrift an dem Stamm des Baumes. Wurde der Zettel nun von einer in Betracht kommenden Person gelesen, so schrieb diese die Antwort und gab die Zeit an, zu der man sich zu persönlicher Aussprache an der Eiche treffen wollte. Dieser ebenso eigenartige wie nicht unpraktische Brauch hat häufig, wie jetzt noch Ehepaare bezeugen, zu Heiraten geführt. Athen, 29. Jan. Der Goldarbeiter Fritz Rivoir man weiß nicht genau, was für ein Landsmann er ist, hatte ein ziemlich gutgehendes Geschäft, das für die ersten Familien und auch für den Hof arbeitete. Durch eine dritte Person wurde er mit einer der Kammerfrauen der Königin bekannt, die deren besonderes Vertrauen besaß. Er wußte sie zu bewegen, daß sie ihm eine Reihe von Schmuckgegenständen zum Reinigen brachte, die er dann durch unechte, vergoldete, ersetzte und der Kammerfrau wieder aushändigte. Ob die Kammerfrau von dem Raube auch einen Teil bekommen hat, ist noch nicht erwiesen. Der Goldschmied hatte aber die Fälschung nicht allein ausgeführt, sondern auch seinen Gehülfen mit daran arbeiten lassen. Dieser benutzte nun die Gelegenheit, um seinen Meister in die Hand zu bekommen, und zwackte ihm bald 50, bald 100 Drachmen ab, indem en mit der Anzeige drohte. Das wurde endlich dem Meister zu viel und er jagte seinen Gehülfen fort. Darauf hatte dieser nur gerechnet; er teilte das Geheimnis einem Freunde mit und nun verlangten beide brieflich eine größere Summe, die bei einer Zusammenkunft in eiem Biergarten, zu der auch die Kammerfrau erschien, festgesetzt werden sollte. Jetzt wurde aber unserem Goldschmied der Athener Boden zu warm unter den Füßen, er raffte zusammen, was ihm noch geblieben war, und machte sich auf nach Amerika. Die beiden Verschworenen versuchten nun auch die Kammerfrau zu schröpfen, was ihnen auch zum Teil gelang, doch war die Geschichte mit der Zeit noch mehr Leuten bekannt geworden und kam schließlich zu Ohren der hohen Herrschaften. Die Folge war die Verhaftung der Kammerfrau, die nun allein die Sache wird ausbaden müssen. Wetterbericht der deutschen Seewarte. 7 Febr.: Naßkalt, wolkig, vielfach Niederschläge. 8. Febr: Kälter, wolkig, teils heiter, strichweise Niederschlag, windig, Sturmwarnung an der Klste.„„„ 9. Febr.: Milder, wolkig, Niederschlage, teils Rebel, windig, Sturmwarnung an der Küste. Neuß, 6. Febr. Fruchtmarkt. Weizen prima 18,10, zweite Sorte 17,10 M. Roggen prima 16,20, zweite Sorte 15,20 J. Hafer prima 16,80 zweite Sorte 16,30 M. für 100 Kg. Kleien 5,80 M. für 50 Kg. Köln, 6. Febr. Rüböl(in Posten von 5 000 Kg.) 69,50. B. Mai 64,50 B., 64,00 G.— Fruchtmarkt. Heu 5,39—7,00, Maschinenstroh(Roggen) 4,20, Richtstroh Flegeldrusch) 4,60, Krummstroh 3,50. Verantwortlicher Redakteur Wilhelm Schade, Schwerte. Für den Inseraten= und Reklameteil verantwortlich: Jac. Christ, Schwerte. Stadttheater Dortmund. Donnerstag, den 7. Februar: Serie A, Nr. 35. Rote Karten. Anfang 7,30 Uhr. Zum ersten Male„Untreu“, Komödie in drei Aufzügen von Roberto Bracco. Hierauf„Der Hut". Dramatischer Scherz von Luo Volbehr. Freitag, den 8. Februar: Bei aufgehobenem Abonnement(Jahreskarten gültig.) Volksvorstellung zu volkstümlichen Preisen. Anfang 7,30 Uhr.„Prinz Friedrich von Homburg". Schauspiel in fünf Aufzügen von Heinrich Kleist. Sonnabend, den 9. Februar: Serie B, Nr. 33. Blaue Karten. Anfang 7 Uhr„Lohengrin“. Romantische Oper in drei Aufzügen von Richard Wagner. Sonntag, den 10. Februar: Bei gänzlich aufgehobenem Abonnement zu ermäßigten Preisen. Anfang 3,30 Uhr. Alma Saccur:„Die Geisha“. Eine japanische Teehausgeschichte in drei Aufzügen. Musik von Sidney Jones. Abends 7,30 Uhr: Bei aufgehobenem Abonnement(Jahreskarten gültig.) Alma Saccur:„Das Glöckchen des Eremiten“. Komische Oper in drei Aufzügen von A. Maillart. Hierauf: Balletdivertissement. Empfehle täglich frisch fi Süßrahmbutter 120 Pf. Frische Landeier Sick. 10, ff. Margarine Pfd. von 50 Pf. an. Täglich frisch gerösteten Kaffee, Marke Hausfrau v. 100 Pf. an. Dicke Apfelsinen Sck. 5 Mehl 000 Pfd. 12„ Backpulver Dr. Cartos m. Prämienbons 3 Pak. 20 Pf Stampfzucker fein u.kiyst. bei 10 Pfd. p. Pfd. 19½ Pf. Delik. Sauerkraut Pfd. 6„ ff. Holländer Pfd. 70„ ff. Edamer Pfd. 80„ Schöne dicke Pflaumen von 26 Pf. an. Hiesize Wurstwaren. ff. Mettwurst 95 Pf. ff. Leberwurst 48„ ff. Blutwurst 48„ Durchwachsenen Speck 95„ Fetten Speck 85„ Schmalz 68 Sämtliche Hülsenfrüchte u. Konserven, Heringe, Bratheringe, Rollmops, Stockfisch und Gurken. 405 K Zugabeoons u Rabatt. 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Wer Wer Wer vormittags straße Nr. gebunden ist durch Trunksucht und sich und an dere in größerem oder geringerem Maße schädigt an Leib und Seele, sich zu schützen sucht vor den Gefahren des Alkohols, durch Gebet und Arbeit mithelfen möchte, daß arme in Trinksitten und Trunksucht Gebundene gerettet werden, möge sich einfinden in der Blau=Kreuzstunde des Schwerter Blau=Kreuzvereins jeden Sonntag, 8 Ahr im Lokal der Stadtmission Die heutige Ausgabe umfaßt 8 Seiten. an und am Sonntag von 11 bis 1 Uhr die Vorführungeiner Kllasse im Rechnen aus dem Gebiete der Kalkulation verbunden ist, beginnend am Sonnabend, 7 Uhr abend. Auch an dieser Stelle seien nochmals die Lehrherren und Eltern der Schüler, sowie Freunde der Schul: zu dieser Veranstaltung freundlichst eingeladen. **(Gardejäger.) Diejenigen jungen Leute, welche beabsichtigen, im Oktober 1907 als Zweijährig=Freiwillige beim Garde=Jäger=Bataillon einzutreten, werden gebeten, sich möglichst am 18. oder 19. Februar zum Zwecke der ärztlichen Untersuchung unter Vorlegung eines„Meldescheins zum freiwilligen Eintritt“ auf dem Geschäftszimmer des Bataillons zu melden. Das Mindestmaß beträgt 1,70 Meter; es wird jedoch darauf aufmerksam gemacht, daß nur besonders kräftige und vollkommen gut gebaute junge Leute mit tadellosem Sehvermögen Aussicht auf Einstellung ha ben. *(Petition.) Die Postunterbeamten=Vereinigun gen werden dem neuen Reichstage demnächst eine Petiton um Gehaltserhöhung einreichen. Sie fordern eine Erhöhung des Anfangs= und Endgehalts um 100 Mk., das heißt 1000 Mk. Anfangsgehalt und 1600 Mk. Endgehalt. Den angestellten Unterbeamten, die in einem Gehalte bis 1200 Mt. stehen, wird jetzt eine Zulage bewilligt; in der Petition wird zum Ausdruck gebracht werden, die Zulag: guch den übrigen über 1200 Mk. im Gehalt stehenden Unterbeamten zuzuwenden. Nach etwa 9jähriger Beschäftigung im Postdienste ein Gehalt von 1000 Mk. jährlich zu beziehen, ist jedenfalls kein unbescheidener Wunsch und es ist zu hoffen, daß die Volksvertetung im Reichstag: energisch für eine Besserstellung der Postunterbeamten eintretem. **(Der deutsche Turnlehrertag) wird vom 15. bis 18. Mai in Stettin abgehalten. Vom geschäftsführenden Ausschuß will man sich an die Unterrichtsministerien wenden, damit ddie Turnlehrer für jene Tage die etwa in die Unterrichtszeit fallen, beurlaubt werden. Als Hauptvorträge sind:„Unsere Stellung zum schwedischen Schulturnbstriebe“ und„Das Turnen der Fortbildungsschule", in Aussicht genommen. Turn=Inspektor Möller=Altona hat bereits einen Vortrag.„Die Grundsätze des weiblichen Turnens engemeldet, der wahrscheinlich im Anschluß an da zuerst genannte Vereinsthema erledigt wird. *(Der Zirkus Reiffarth,) dem ein guter Ruf vorangeht, trifft Ende dieser Woche hier ein und gibt im Saale des Restaurants„zur Hell:“ mehrere Vorstellungen. Der Zirkus umfaßt 40 Pferde und Personen. Samstag abend ist die 16 Nummern umfassende Eröffnungsvorstellung. *n Geisecke, 6. Febr.(Steuerhebetermin.) Der für die Gemeinden Geisecke und Lichtendorf auf heute anberaumt gewesene Steuerhebetermin ist aus Anlaß der Reichstagsstichwahl auf den 12. ds. Mts. verlegt, wovon die Steuerpflichtigen Notiz nehmen wollen. rath wegen öffentlicher verleumberischer Beleidigung des Bürgermeisters Kaiser zu 300 Mark Geldstrafe bezw. 30 Tage Gefängnis. Der Staatsanwalt hatte drei Monate beantragt. R. hatte wiederholt behauptet, er könne den Bürgenmeister und den Pastor von Erkrath ins Zuchthaus bringen. * Duisburg, 6. Febr.(Ein schwerer Unglücksfall) ereignete sich heute Mittag in Wanheimerort, wo dem Arbeiter Juchen aus Huckingen beide Arme und Beine auf der neuerbauten Bahnstrecke der Metallhütte abgrfahren wurden. Die Frau des Verunglückten, die ihm das Mittagessen bringen wollte, fand ihn nur noch als Leiche vor. Der Verunglückte hinterläßt sechs unversorgte Kinder. * Köln, 6. Febr.(Blutvergiftung.) Ein auf dem Weichserhoff wohnender, im besten Mannesalter stehrnder verheirateter Geschäftsinhaber stach sich vor einiger Zeit mit einer Fischgräte in die Hand. Er beachtete die Wunde der Geringfügigkeit wegen nicht weiter, bis dieser Tage die ganze Hand und der Arm bedenklich anschwollen. Ein zu Rate gezogener Arzt stellte Blutvergiftung fest und überwies den Mann dem Hospital. Derselbe begab sich in das israelitische Asyl, jedoch konnten die Aerzte sein Leben nicht mehr retten. Bereits am Samstag Nachmittag verstarb er. Kleine Chronik. Landau, 6. Febr. Die Strafkammer hat den Molkereiverwalter Heyde von Böbingen, der in den Rahm gefallene Ratten bei der Herstellung der Butter nicht entfernt hatte, zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. London, 6. Febr. Die Genickstarre greift in Glasgow und Belfast so sehr um sich, daß man in den betr. Distrikten und im ganzen Lande überhaupt sich große Sorge zu machen beginnt. Gestern wurden in Belfast wieder fünf neue Fälle angemeldet, und einer der Patienten starb gleich nach seiner Aufnahme ins Hospital. Bis gestern sind in Belfast im ganzen 52 Fälle angemeldet worden., von denen 20 einen tödlichen Verlauf nahmen. In Glasgow dagegen wurden während des Januar 103 Fälle gemeldet; von diesen führten 52 zum Tode der Patienten. Madrid, 6. Febr. In ganz Spanien herrscht eine Kälte, wie seit Jahrzehnten nicht. Starke Schneefäll haben überall Unterbrechungen des Zugverkehrs hervorgerufen. Madrid hatte in den letzten Nächten unter 10 Grad. Der ungewöhnliche Frost erhöht das Elend der armen Bevölkerung und besonders der Arbeitslosen. Auch haben sich Unglücksfälle durch Erfrieren ereignet. Dehne Trahrmetbungen. Westfalen und Rheiuland. * Hagen, 6. Febr.(Der Ausreißer.) von ihrem Manne geschiedene Ehefrau von hier halle den Mann später als Geschäftsführer bei sich eingestellt. Gestern nahm nun der Mann in Aowesenheit der Frau sämtliche Geschäftsbücher an sich und machte sich aus dem Staube. Er schrieb der Frau, daß sie die Bücher gegen Zahlung von 1800 Mark in Köln Bahnhofe abholen könne. Die Frau fuhr nach Köln, traf den Mann in der Stadt und ließ ihn festnehmen. Die Geschäftsbücher wurden ihm abgenommen. * Unna, 6. Febr.(Gerechte Straf: betrügerischer Geflügelhändler.) Der Händler Döring aus Hemmerde und seine Haushälterin Senne boten in Geflügelzeitungen die Lieferung rassereiner Tiere zu ziemlich niedrigem Preise an. Es liefen deshalb zahlreiche Bestellungen aus allen Teilen Deutschlands ein. Döring und die Senne besorgten den Versand unter Nachnahme des Betrages, doch sandten sie kein Rassegeflügel, sondern ganz gewöhnliche, zumteil auch kranke Tiere. Da die beiden Schwindler unpfändbar waren, sind zahlreiche Personen um erhebliche Beträge geprellt worden. Das Schöffengericht hat nun den Betrügern das Handwerk gelegt und Döring zu 1 Jahr 8 Monaten, und die Senne zu 3 Monaten Gefängnis verurteilt. * Werne, 6. Febr.(An Blutvergiftung) starb hier im blühenden Alter eine Näherin. Am 28. Januar zog sie sich eine kleine Wunde zu, die sie anfangs nicht beachtete. Erst als die Wunde anschwoll und heftige Schmerzen eintraten, zog man einen Arz zu Rate, der sofort Blutvergiftung feststellte; leider konnte die ärztliche Kunst nicht mehr helfen, da die Blutvergiftung zu weit vorgeschritten war. * Essen, 6. Febr.(Verhaftete Spielerge sellschaft.) In einem Café an der Steelerstraße hat die Kriminalpolizei eine Spieler=Gesellschaft ausgehoben, die dem Glücksspiel mit hohen Einsätzen frönte. Die Kasse wurde beschlagnahmt. * Duisburg, 6. Febr.(Ein Opfer des Eissportes) wurde gestern auf der Weian der 17jährige Sohn des kürzlich verstorbenen Fabrikbesitzer SchmitzSpringorum. Er brach mit einigen Kameraden, die jedoch gerettet werden konnten an einer dünnen Stelle des Eises ein, geriet unter die Eisdecke und ertrank. * Düsseldorf, 6. Febr.(Die Strafkammer) verurteilte den Betriebsführer H. Rösgen aus ErkMotorwagen auf Staatsbahnen. Berlin, 7. Febr. Bezüglich der in Aussicht genommenen Einführung des Motorwagenbetriebes auf einzelnen Strecken der preußisch=hessischen Staatsbahnen meldet ein Berliner Korrenspondent, daß die ersten mit Akkumulatoren zu betreibenden Motorwagen nunmehr fertig gestellt sind, und nachdem die am 4. Fb. unternommenen Probefahrten zufriedenstellend ausgefallen sind, in den nächsten Tagen der Eisenbahn direktion Mainz zugeführt und auf den Strecken Mainz=Ingelheim, Mainz=Rüsselsheim und MainzAppenheim in den Dienst gestellt werden. Recht so! Dresden, 6. Febr. Gegen sämtliche tschechische und russische Studenten, welche bei den Reichstagswahlen für die Sozialdemokraten Schlepperdienste verrichtet hatten, ist das Ausweisungsverfahlen eingeleitet. Verschiedene Meldungen. Berlin, 7. Febr. Zum Oberkommandierenden der Seestreitkräfte, der Deutschlands Seemacht bei der amerikanischen Flotenschau vertreten soll, hat der Kaiser den Kontreadmiral Pohl und den Commodore Kalau vom Hofe ernannt. Berlin, 7. Febr. Das„Tageblatt“ meldet aus Köln: In Mörlenbach erstach der 59 Jahre alte Bauer Gölz eine 29jährige Nachbarstochter, die sich seinen Liebesbewerbungen widersetzte. Der Mörder wurde verhaftet. Berlin, 7. Febr. Dem„Tageblatt“ wird aus Gnesen gemeldet: Infolge Einatmens von Kohlenoxydgas ist in der Ortschaft Grosslansk der Arbeiter Bassa und seine Ehefrau in der Nacht nach dem Hochzeitstage er stickt. Hamburg, 7. Febr. Die Bürgerschaft bewilligte 10·000 Mark für die Opfer der Hinterbliebenen der Katastrophe in Reden. Karlsruhe, 7. Febr. Der„Karlsruher Zeitung“ zufolge zeichneten der Großherzog und die Großherzogin, der Erbgroßherzog und die Erbgroßherzogin von Baden gemeinsam 1000 Mk. für die Hinterbliebenen der Opfer von Reden. Straßburg, 7. Febr. In Leimert geriet in der Wohnung eines Maurers eine Kohlenkiste in Brand. Durch den entstandenen Rauch erstickten zwei Kinder. Straßburg, 7. Febr. Der Gastwirt Wolflin in olfganten wurde von einem Jagdgenossen aus Un vorsichtigkeit erschossen. Wien, 7. Febr. Im nächsten Jahre wird hier eine Ausstellung unter dem Titel„Kaiserliche JubiläumsAusstellung von 1908“ mit dem Untertitel„Allgemeine Ausstellung und Internationale Ausstellung für Heer und Marine“ abgehalten. Vorgehen gegen dänische Serienlosschwindler. Kopenhagen, 6. Febr. Gegen den von Dänemart aus in letzter Zeit nach dem Auslande schwunghaft betriebenen Serien= und Prämienlosschwindel steht, wie mehrere gutinformierte Blätter melden, ein gesetzgeberisches Vorgehen der dänischen Staatsregierung bevor. Die Beschwerden fremder Staatsregierungen haben in letzter Zeit erheblich zugenommen, besonders durch die Tatsache, daß eine große Anzahl in Deutschland, besonders in Lübeck, unmöglich gewordener Inhaber schwindelhafter Losinstitute ihr Domizil nach Dänemark verlegt haben. Den Anstoß zu dem beabsichtigten gesetzgeberischen Einschreiten hat der berüchtigte Miskow=Schwindel(Stettin=Kopenhagen) und seine verschiedenen Folgeerscheinungen gegeben. Die Schulden der Prinzessin. Brüssel, 7. Febr. Der bekannte Prozeß, den der Juwelier Koch gegen die Prinzessin Luise von Kobure angestrengt hat, kam gestern in Brüffel erneut zur Verhandlung. Koch sind 49987 Francs zugesprochen worden; und er verlangt nunmehr von der Erbschaft der Prinzessin, die dieser aus dem Nachlaß der Königir zusteht, diese Summe. Der Advokat der Zivilliste erklärte, sich dem Verlangen nicht mehr widersetzen zu wollen. Die Prinzessin sei leider in schlechte Gesellschaf geraten, aus der sie zu entfernen bisher nicht möglich gewesen sei. Das Urteil wurde vertagt. Aus Rußland. Kurok, 7. Febr. Gestern abend wurde der Grundbesitzer Plokhow, ein eifriger Agent der Oktobristenpartei, in seinem Arbeitszimmer ermordet; auch sein Diener erlitr Verletzungen. Man glaubt, daß es sich um ein politisches Verbrechen handelt, da Geld und Schmuckgegenstände unberührt blieben. Den Mördern die drei an der Zahl waren, gelang es, zu entkommen Wien, 7. Febr. Der„N. Fr. Pr.“ wird aus Odessa gemeldet: Die Lage in Odessa ist sehr ernst geworden Anarchisten überfallen täglich Polizeiwachen auf ihrer Posten und erschießen sie. Die Tätigkeit der„Schwar zen Hundert“ greift immer mehr um sich. Bewaffnet drangen in das Bureau der friedlichen Erneuerung und nahmen dort gewaltsam die Parteilisten und 10 000 Rubel mit. Petersburg, 6. Febr. Der Kaiser bestätigte das triegsgerichtliche Urteil gegen den Admiral Nebogatow und die anderen mitangeklagten Seeoffiziere, nach dem Nebogatow zu 10 Jahren und die anderen Offiziere zu Festungshaft von verschiedener Dauer verurteilt worden waren. Lawinensturz. Bukarest, 6. Febr. Bei Petrosita ging eine Schneelawine nieder, durch welche fünfzehn Arbeiter getöte wurden. Der Entwurf d. französischen Einkommensteuergesetzes. Paris, 6. Febr. Von mehreren Blättern wird übereinstimmend gemeldet, daß der Entwurf des Einkommensteuergesetzes, der im morgigen Ministerror endgültig festgestellt und noch morgen nachmittag de Kammer unterbreitet werden soll, den Coupon de französischen Rente unbesteuert lassen wird. In Bör senkreisen wird, dem„Temps“ zufolge, behauptet, daß zwar nicht die Rente, wohl aber die Rentiers besteuer. wenden. Spaniens Finanzen. Madrid, 6. Febr. Nach Bekanntgabe des Finanz= ministers weisen die Steuereingänge im vergangenen Monat einen Rückgang von 12,5 Millionen gegenübe dem gleichen Zeitraume des Jahres 1906 auf. Vermischtes. *(Der kluge Hans redivivus.) Ein amerikan scher Kaufmann, Mr. Albert R. Roges in NewyorlCity, besitzt ein Pferd namens Jim Key, das nach den Berichten dortiger Zeitungen dem vielbewunderten und vielbekrittelten Hengst des Herrn v. Osten an ver blüffenden Leistungen noch weit überlegen zu sein scheint. Der genannte Herr hat sein gelehrtes Tier, wie„Dur dumb Animals“ miteilen, drei Monate lang n allen großen Städten des Landes unter Aufsicht „American Humane Education Society“, zur Scha gestellt. Die Schulen wurden geschlossen und die Kinder zur Besichtigung des Wundertieres geführt. Erwird allen Ernstes behauptet, daß die Art der Experimente, die man mit Fim Key angestellt hat, eine Tänschung vollständig ausschlösse, und den absoluten Beweis erbracht hätte, daß die Leistungen des Tieres nur auf logische Denkbarkeit zurückgeführt werden könn ten. Die allgemeine Begeisterung ist so groß, daß allenthalben Kindertierschutzvereine unter dem Namen „Jim Key=Barmherzigkeitsbund gegründet werden Die praktischen Amerikaner benutzen so dieses Pferde phänomen, um für die Sache des Tierschutzes Propaganda zu machen. *(Ein früherer Offizier der Heilsarmee als Gesandter.) Zirm Gesandten Schwedens in Washington ist Her Saderkrantz ernannt worden, der früher Offzier in einem der vornehmsten Kavallerieregimenter war. Er wurde Mitglied der Heilsarmee, wo er in kurzer Zeit Offiziersrang erhielt. Er war als Missinär der Heilsarmee in Indien und China tätig, kehrtjedoch dann infolge eines Zwistes nach Stockholm zurück. Infolge seiner außerordentlichen Kenntnisse fremder Sitten und Gebräuche, die er sich auf seinen ausgedehnten Missionsreisen erworben hat, wurde er in den diplomatischen Dienst übernommen. Dort erwies er sich derartig brauchbar, daß bereits nach ganz kurzer Zeit seine Ernennung zum Gesandten erfolgke Verantwortlicher Redakteur: Wilh. Schade, Schwert Gerolstein Tafelgetränk ersten Ranges. Patentaratlich Aelteste Mineralquelle des Bezirks Cerolstein. Aus vulkanischem Gestein seit Römerzeit empor sprudelnd tsont in alen fleittefe KÄKKA„„ Vollständiger 92 8## * Ausverkauf veeen Todestall„ 2 sämtlicher Manufakturwaren zu ausser 2 gewöhnlich billigen Preisen. * Frau Wwe. Jos. Weinberg 2 * Schwerte. Hausbesitzer!— Mieter! 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Korrespondenten, Expeditionsbeamte, Propagandachefs, Buchdruckereifaktoren, Maschmnenmeister, Metteure, Maschinensetzer, Schriftsetzer inserieren vortellhalt im Heute Nachmittag gegen 3 Uhr entschlief sanft und gottergeben nach kurzem, schwerem, mit christlicher Geduld ertragenem Leiden, öfters gestärkt durch den Empfang der hl. Sakramente der röm.-kath. Kirche, unsere innigst geliebte Mutter, Schwiegermutter, Grossmutter, Schwester und Tante Ww. Friederike Habig geb. Werth im Alter von 71 Jahren. Um ein stilles Memento für die Ver. storbene bitten Die trauernden Hinterbliebenen. Schwerte, Villigst, Lippstadt, Aplerbeckerheide, Bochum, Unna u. Castrop, 6. Februar 1907. Die Beerdigung findet Sonnabend. d. 9. d. Mts., um 3½ Uhr na hmittags vom Sterbehause aus statt: die feierlichen Exsequlen sind Montag um ¼8 Uhr in der Pfarrkirche. Der Gustav-Adolf Frauen-Verein hier kann am nächsten Sonntag, den 20. Februar d. Js. durch Gottes Gnade auf eine 7 tunde Weplact fauten Gones unaus auf eine, A##lugo-Telldg 25jährige gesegnete Tätigkeit 24 Preis-Medaillon S#TTE□ ∆ Veusn Underberg-Booneha##p Gische Gische. Schellfisch Pid 20, 25 30 u 3 Pfd. 15 Pig. Cabitau, 20—30 Schollen 1a., Pfd. 45 Pfg. Bratsisch(Ruhrfisch), Pid 25—35 gr. Bratbualinge, 6 Pfg pro Stück. sowie:. K Roheßbücking Sprotten 2c., empfiehlt billigst A. Haape. Zeutral-Organ f. d. deutsche Press: Eigentum und Verlag des Vereins Deutscher Zeitungsverleger in Hannover.= Zeilenpreis für Stellengesuche 15 Pf. Der Anzeiger des „Zeitungs-Verlags“ wird Stellensuchenden gegen Vorher-Einsendung von 5 Pfennig pro Nummer portofrei zugestellt. Der Bezug kann mit jeder beliebigen Nummer begonnen und beendet werden. *** chweinefleisch Verkaufe Samstag morgen von 8 Uhr ab soönes, frisches ch das Pfd. zu 70 Pfg. W512 Zwei neue mi See(rasmatratze zu verkaufen. N heres in der Geschäft stelle der Schwerter Zetung W5l4, zurückblicken. P511 Zum Festgottesdienst vorm. 9½ Uhr in der grösseren evangelischen Kirche und zur Nachversammlung nachmittags 3 Uhr im Ost er. mann’schen Saale(jetzt Hagemann) sind alle evangel. Gemeindeglieder herzlichst eingeladen. Schwerte, den 6. Februar 1907. Der Vorstand. KRRRBRRRRERRRRRRRERN Steuographische Gesellschaft. ap; Stolze-Schrey, Schwerte. z 4 Unser 515 K 35 *; Winterkränzchen * findet am Sonnabend, den 9. er. im Saale des Harra„ Hageminn(Hosel Ostermann) abends 8 Uhr be. 5 ag gionend, statt. Der Vorstand. A S Schlachtviehpreise nach Lebendgewicht. Besseres evangelisches Dienstmadchen per 1 oder 15. März gegen hohen Lohn gesucht.. W510 Frau Wilh. Suer, Hagen i. W. Rembergstr. 59. 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Februar 1097. Tausihir Kri Nin zu Cottbus. Los à 2.— Mr. Ziehung am 8. u. 9. März 1907. Berliner Lserdi Lolnrn & Los 1.— Mr. Ziehung am 19. u. 20. März. Lose zu haben bei: Adolf Heinrich, Schwerte Hüsingstraße 28. 89—40 31—84 59 56—57 51—54 42 37—88 0 56—58 50—55 sei Asthma, Rheumatismus, Mag. Zahnschz. Husten Erkält. jeder Art gebr. man stets „FIACOI Flasche 2 u. 1 H: Die Wirkung ist grossartig. W. Heppe Nachtl. K. Günther. Oe Mk. Fahnen Reinecke, Baanorer. M * E. Ass 8 SE,W g• ∆ ∆ g 1 Hta schtr Biutbildend. Muskelstärkend Jetzt ist es Zeit eine Kur mit meinem seitlangen Jahren bewährten „OUce Lahusen's Lebertrau zu beginnen und regelmäßig fortzusetzen, da so die besten und nachhaltigsten Erfolge erzielt werden.„Jedella“ ist der beste, deltebteste und vollkommendste Lebertrau und überteifft alle ähnl chen Konku renz=Fabrikate. Alletniger Fabrika 4 Aootheker Lacusen bit Broman. Da Nachahmungen, achte man gest—, Fen Eimen„e vbbla. 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