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Anzeigenpreisliste It. Preisl. Nr. 11.- Für Aufn. von Anzeigen an bestimmten Tagen und Plätzen keine Gewähr.
Nummer 35
Dienstag, 12. Februar 1952
4. Jahrgang
Auch Schuman drängt
Jetzt Debatte über Europa-Armee in Paris
Luftkatastrophe: 33 Tote
Associated Press
Elizabeth, 11. Febr.
Zum drittenmal innerhalb von knapp zwei Monaten ist am Montagmorgen ein amerikanisches Verkehrsflugzeug über der Stadt Elizabeth abgestürzt und brennend auf ein großes Mietshaus aufgeschlagen. 29 Personen fanden den
Tod. Wie durch ein Wunder kamen 37 der 62 Passagiere mit Verletzungen davon. In dem Mietshaus, das von 52 Familien bewohnt wird, sind vier Personen umgekommen.
Am 16. Dezember 1951 waren dort bei einem ähnlichen Unglück 56 Menschen und am 22. Januar noch einmal 30 Menschen ums Leben gekommen.
Vorrang tür Schulgesetz
Deutsche Presse-Agentur
Düsseldorf, 11. Febr. Ministerpräsident Arnold sprach sich vor dem Landesausschuß der CDU in Krefeld dafür aus, die Diskussion über eine Erweiterung der Regierungskoalition CDU—Zentrum in Nordrhein-Westfalen auf die SPD zurückzustellen, um eine schnelle Verabschiedung des Schulgesetzes nicht zu stören.
Arnold betonte, daß die Bevölkerung den Schulgesetzberatungen größte Aufmerksamkeit schenke, er sei von vielen Stellen aufgefordert worden, seinen ganzen Einfluß für eine schnelle Verabschiedung dieses Gesetzes geltend zu machen.
Das Schulgesetz soll in der dritten Märzwoche in zweiter und in der dritten Aprilwoche in dritter Lesung verabschiedet werden.
Dibelius: Wegen Europa
Deutsche Presse-Agentur
Freiburg, 11 Febr. Der Vorsitzende des Rates der EKD, Bischof D. Dr. Dibelius, sagte in Freiburg zu dem geplanten deutschen Wehrbeitrag, der Gedanke, daß eine europäische Gemeinschaft jetzt vielleicht schneller gebildet werde, söhne ihn ein wenig mit dem so schwierigen Schritt aus. Zu dem Streit zwischen Kirchenvertretern über das Für und Wider eines Wehrbeitrags sagte er, alle diese Auffassungen seien nicht die Meinung der evangelischen Kirche, die lediglich für die Erhaltung des Friedens eintrete.
110 000 Tonnen Zucker frei
Deutsche Presse-Agentur
Bonn, 11. Febr. Das Bundesernährungsministerium hat für März 110 000 Tonnen Zucker freigegeben. Ein Antrag der Wirtschaftsvereinigung Zucker, das Zuckerscheinsystem spätestens am 31. März 1952 aufzuheben, wurde bis zur nächsten Besprechung mit den Ländervertretern zurückgestellt.
Deutsches Schiff gesunken
Deutsche Presse-Agentur
London, 11. Febr. Das 374 Tonnen große Hamburger Motorschiff„Hans Hoth“ ist am Montag, vierzehn Seemeilen vor der Tyne-Mündung, gesunken. Die Mannschaft war von Schleppern übernommen worden, die das Schiff bergen sollten.
Deutsche Presse-Agentur
Paris, 11. Febr. Außenminister Schuman warnte am Montag die französische Nationalversammlung vor den Folgen, die sich einstellen würden, wenn das Parlament der Regierung nicht auf dem Weg zur Europäischen Verteidigungsgemeinschaft folgen würde.
Die atlantischen Staaten würden auf jeden Fall ein europäisches Sicherheitssystem aufbauen, auch dann, wenn die französischen Abgeordneten der EuropaArmee ihre Zustimmung verweigerten. Es würde dann die Gefahr entstehen, daß Deutschland den Platz einnähme, den Frankfeich bisher innegehabt habe.
Schuman lehnte die Aufnahme Westdeutschlands in den Atlantikpakt mit der Begründung ab, daß die Sowjetunion sich dadurch bedroht füblen könne.
Schuman, der ein endliches Zerstören des Mißtrauens zwischen Deutschland und Frankreich verlangte, erklärte in seiner Rede vor der Debatte über die EuropaArmee, eine Regelung des Saarproblems müsse der Bevölkerung des Saarlandes zur Genehmigung vorgelegt werden. Noch vor der Unterzeichnung eines Friedensvertrags mit Deutschland könne eine solche Regelung erreicht werden. In diesem Jahre fänden Wahlen im Saargebiet statt. DieBevölkerung könne in völliger Freiheit ihren Willen ausdrücken.
Schuman, der keinerlei Beifall erhielt, bezeichnete es als unmöglich, daß Frankreich einer nationalen deutschen Aufrüstung zustimmen würde. Er schlug vor, daß die Mitgliedschaft bei der EuropaArmee durch Staaten des Westens garantiert wird, die der Europa-Armee nicht angehören.
Beifall für Schumans Gegner
Unmittelbar nach Schuman kamen die schärfsten Gegner zu Wort, die im Gegensatz zu dem Minister donnernden Beifall erhielten.
Zunächst sprach der Widerstands-General Aumeran(Unabhängiger), der die Behaup
tung erneuerte, daß man Deutschland nicht trauen dürfe. Der Abgeordnete de Chambrun erhielt ebenso Beifall wie der MRPAbgeordnete Monteil und der ehemalige Ministerpräsident Daladier. Alle erklärten, Deutschland habe sich in allen wesentlichen Punkten durchgesetzt.
Grünther vertritt Eisenhower
Associated Press
Lissabon, 11. Febr. Der militärische Ausschuß der Atlantikpaktorganisation trat Montag in Lissabon zu seiner ersten Geheimsitzung zusammen, auf der sich General Eisenhower durch seinen Stabschef, General Grünther. seinen mutmaßlichen Nachfolger, vertreten ließ,„um ihm Gelegenheit zur Gewinnung von Konferenzerfahrung zu geben“. Auf der Sitzung wurde unter anderem auch die Eingliederung der deutschen Truppen in die Atlantikpaktorganisation besprochen, wenn eine Europa-Armee nicht zustandekäme. Vertreter Griechenlands und der Türkei wohnten bereits gleichberechtigt der Sitzung bei.
Industrieller Wehrbeitrag
Deutsche Presse-Agentur
Bonn, 11. Febr. Die deutsche Industrie leiste durch die Lieferung von verteidigungswichtigen Erzeugnissen wesentliche Hilfe zur Ueberwindung von amerikanischen und englischen Industrieengpässen, erklärte ein Sprecher des USA-Hochkommissariats. Allein aus England lägen 4000 und aus amerikanischen Flugzeugwerken 400 Aufträge für Spezialwerkzeugmaschinen vor, deren Auslieferung die Verteidigungsproduktion dort wesentlich beschleunigen würde.
Adenauer verhandelte mit McCloy
London-Reise soll auch„toten Konferenzpunkt“ überwinden
Von unserem Bonner Büro
Bonn, 11. Febr. Erstmalig wurden Montag von offizieller Seite im Hinblick auf die außenpolitische Krise etwas hoffnungsvollere Töne angeschlagen. Der Amerikanische Hohe Kommissar McCloy besuchte am Vormittag Bundeskanzler Dr. Adenauer. Es heißt, daß Gespräche angelaufen sind, die auf eine Ausräumung der Gegensätze zwischen der Bundesrepublik und Frankreich hinzielen.
Nach der Aussprache wurde bekannt, daß sich der Kanzler am Donnerstagmorgen auf dem Luftweg nach London begibt, um an den Beisetzungsfeierlichkeiten für den verstorbenen König teilzunehmen. Es verdichtet sich die Auffassung, daß der Kanzler Gelegenheit zu Gesprächen mit den drei Außenministern haben wird, die Ende der Woche dort zusammentreten. Man glaubt, daß dies nicht ohne Einfluß auf die weitere Entwicklung der Beratungen um das Saarproblem, die deutschen Forderungen bezüglich der NATO und die Zusatzverträge bleiben wird.
Man legt im Bundeskanzleramt besonderen Wert auf die Feststellung, daß es sich auch bei den Entschließungen des Bundestages keinesfalls um neue Bedingungen handele, die angesprochenen Punkte seien bereits ausnahmslos Gegenstand eingehender Verhandlungen des Kanzlers mit den drei Hohen Kommissaren gewesen.
Hinsichtlich gewisser pessimistischer Töne, die von alliierten Beamten über die deutsch-alliierten Verhandlungen laut wurden, sagt man von Regierungsseite, es scheine durchaus denkbar, daß London neue Impulse in die Beratungen hineinbringe, die im Augenblick so etwas wie einen„toten Punkt“ erreicht hätten.
Am 7. Jahrestag von Yalta
Na sieh, Roosevelt, was du angerichtet hast!"
Zeichnung: O. Brandes
Der zweite FDPVorsitzende und Bundestagsvizepräsident Dr. Schäfer bezeichnete es am Montag als äußerst wünschenswert, daß das Parlament den Wehrbeitrag mit möglichst Dr. Scharer: großer Mehrheit end- Paris verdächtigt gültig billigt. Er wies die französischen Unterstellungen scharf zurück, daß die Bundesrepublik durch eine Aggression die deutsche Wiedervereinigung plane.
Für die Berücksichtigung der Wünsche des Mittelstandes bei der kommenden Regelung des allgemeinen Mitbestimmungsrechtes sprach sich der sozialpolitische Ausschuß der CDU aus. Die Regierungsparteien führten darüber bereits interfraktionelle Beratungen.
Das Bundespostministerium warnt vor falschen Briefmarken mit der Kölner-Dombauten-Serie, die seit kurzem aufgetaucht sind. An Stelle der Angabe „Deutsche Post“ tragen die Fälschungen die Worte„Kölner Dom“.
Mit den endgültigen Bestimmungen für die Jagdwaffen-Amnestie ist noch in dieser Woche zu rechnen, nachdem das alliierte Sicherheitsamt den deutschen Entwurf einer Durchführungsverordnung gebilligt hat.
Lawine fordert 19 Tote
Deutsche Presse-Ag. München, 11. Febr. Eine gewaltige Lawine hat auf der österreichischen Seite des Hohen Ifen eine große Skihütte unter sich begraben. Neunzehn Personen, darunter 16 deutsche Skifahrer, wurden getötet, zehn weitere schwer verletzt.
Zwanzig Personen, die im unteren Teil der Hütte eingeschlossen waren, kamen mit dem Leben davon. Sie wurden von den aus Mittelberg im kleinen Walsertal aufgestiegenen Rettungsmannschaften ausgegraben. Nur die im Obergeschoß Schlafenden kamen ums Leben.
Das ist der Schauplatz des furchtbaren Unglücks: Ueber den ungeschützten Hängen des Schwarzwassertals steht das große lawinengefährliche Schneeplateau des Hohen Ifen. Das Schwarzwassertal, ein Ausläufer des Walsertales, ist eines der bekanntesten Wintersportgebiete. Es gehört politisch zu Oesterreich.
Die Gemeindeverwaltung Mittelberg gibt folgende Darstellung des Lawinenunglücks:
Am Montag gegen 00.30 Uhr brach von der Südwestkante des Hohen Ifen(2230 m) im kl. Walsertal bei Oberstdorf eine Wächte(Schneeüberhang) riesigen Ausmaßes ab und schoß als gewaltige Staublawine in die Ebene der 1330 Meter hohen Melk-Oede im Schwarzwassertal(s. unser Bild), einem Nebental des kl. Walsertals.
Nachdem die Lawine etwa 300 Meter durch den Talgrund gerollt war, stieß sie
auf die mit 49 Personen besetzte Skihütte und zerstörte deren Obergeschoß vollständig. Die im Erdgeschoß eingeschlossenen Personen konnten bald unverletzt oder leicht verletzt geborgen werden, während die Bergung der übrigen erst nach vielen Stunden möglich war.
Die Toten und Verletzten sind zum größten Teil Studenten und Studentinnen aus Frankfurt und Darmstadt, die erst am Sonntag eingetroffen waren.
Zechen ziehen Arbeitskräfte an
Grund: Wohnungen und Erfolgsanteile— Abwanderung läßt nach
Deutsche Presse-Agentur/ Associated Press
Düsseldorf, 11. Febr. Nach dem Januarbericht des Landesarbeitsamts Nordrhein-Westfalen nimmt die Bereitschaft zur Arbeit im Bergbau spürbar zu. Besonders aus der Landwirtschaft und dem Baugewerbe melden sich neue Arbeitskräfte.
Man vermutet, daß der Bergarbeiterwohnungsbau und das neue Erfolganteilsystem bei der Entlohnung eine stärkere Anziehungskraft ausüben. So verminderte sich in letzter Zeit auch die Abwanderung. Ferner wurde beobachtet, daß neuerdings in Schürfbetriebe nur noch wenige Kräfte abwandern. Dies wird damit in Zusammenhang gebracht, daß die minderwertige und schlechtsortierte Förderung der Schürfbetriebe nicht mehr so zügig absetzbar ist.
Die arbeitstägliche Förderung im west
deutschen Steinkohlenbergbau ist nach dem Rückgang am letzten Monatsende wieder auf durchschnittlich 414 016 Tonnen in der letzten Woche angestiegen.
60 000 streikten an der Saar
Assoclated Press Saarbrücken, 11. Febr. In allen Saargruben ruhte am Montag die Arbeit als Folge eines 24stündigen Warnstreiks, der wegen Nichterfüllung der Forderungen auf 15prozentige Lohnerhöhung ausgerufen worden war. Die beiden Bergarbeitergewerkschaften erklärten übereinstimmend, daß die 60 000 Bergleute der Streikparole zu 100 Prozent gefolgt sind Tarifpartner in den Lohnverhandlungen ist das französische Produktionsministerium
Hunderttausende am Zug des toten Königs
Trauermarsch in eisigem Wind und Hagel durch London
Deutsche Presse-Agentur/ Associated Press
London, 11. Febr. Unter dem Glockengeläut der Westminster Abtei ist der tote englische König am Montagnachmittag in der fast tausend Jahre alten Westminster Hall im Herzen Londons aufgebahrt worden. Offiziere der Palastkavallerie halten bis zur Beisetzungsfeier am Freitag die Totenwacht. Hunderttausende werden an dem Katafalk vorbeidefilieren.
Der Sarg des Monarchen war in den Mittagsstunden von Schloß Sandringham, der Sterbestätte, nach London gebracht worden. Ehrenkompanien aller Waffengattungen präsentierten die Gewehre, als Gardegrenadiere den mit der purpur-gol
denen Königsfahne bedeckten Sarg, auf dem die prunkvolle„Empire-Krone“ ruhte, aus dem Zug hoben. Auf dem fast fünf Kilometer langen Marsch zur Westminster Hall säumten trotz Regen, eisigen Windes und Hagelschauern gewaltige Menschenmassen schweigend die Straßen des Trauerzuges, bei dem sich Prinzgemahl Philip befand. Königin Elizabeth II erwartete währenddessen in Begleitung der bitterlich weinenden greisen Königingroßmutter Mary und der weiblichen Mitglieder der Königsfamilie an der Westminster Hall die Ankunft des Trauerzuges und nahm die Beileidsbezeugungen der Mitglieder des Ober- und Unterhauses entgegen.
Das Tagesgespräch
In der letzten Woche zerbrach sich der Bonner Bundestag den Kopf um einen deutschen Verteidigungsbeitrag. In dieser Woche ist die französische Nationalversammlung dran. Diesseits und jenseits des Rheins also die gleichen Sorgen und Probleme. Außenminister Schuman hat eine alte Binsenwahrheit wiederholt: Beide Völker sollen von ihrem Mißtrauen gegeneinander lassen. Tatsächlich muß einmal Schluß mit den Vorwürfen darüber sein, daß Napoleon einmal Berlin und Blücher ein andermal Paris besetzt hat, daß die Deutschen einmal an der Seine und die Franzosen zehn Jahre später an der Ruhr gestanden haben. Dieses gegenseitige Uebelnehmen hat mehrere Menschenalter hindurch gedauert, und es kann nur schlecht in zwei Jahren verschwinden. Auf beiden Seiten ist man noch empfindlich. Das gilt auch für die Saar. Hinsichtlich Grandvals hat Schuman frostig und hinsichtlich der Saarbevölkerung freundlich gesprochen. Man kann aus seinen Worten
sogar das Versprechen einer Volksabstimmung an der Saar herauslesen. Es kann aber auch Zukunftsmusik sein, zu der nicht einmal Proben stattfinden. Inzwischen sind wir in punkto europäischer Zusammenarbeit an Rückschläge gewöhnt. In Lissabon beginnt die Tagung der Atlantikpaktmähte. Aber die Pläne für die EuropaArmee sind noch keineswegs perfekt, wie ursprünglich vorgesehen war. Das amerikanische Drängen war umsonst. Auch die Hohen Kommissare haben Sorgenfalten. Mit den Zusatzverträgen zum deutschen Generalvertrag hapert es. Vierzig Punkte sind noch offen. Der deutsche Bundeskanzler ist keineswegs so untertänig, wie die Opposition es ihm gerne nachsagt. Zur Stunde ist noch unentschieden, ob er an der Londoner Konferenz der westlichen Außenminister teilnimmt. Auf jeden Fall fährt aber Dr. Adenauer nach London, um an der Beisetzung des verstorbenen englischen Königs teilzunehmen. Vielleicht haben in der Hutschachtel für den Trauerzylinder auch einige Verhandlungsakten Platz.