Unverkäufliches Exemplar

Jahrgang 1

Samstag, 27. August 1949

Anzeigenpreise 1t. Preisliste Nummer 3. Erscheinungsweise: täglich, außer sonntags.

SPD geht in Opposition

Absage für Arnolds Bemühungen um die große Koalition- Eindeutige Stellungnahmen

Eigener Nachrichtendienst der Ruhr-Nachrichten

Hannover. 26. August. Eine„Oppositions-Erklärung“ ist nach einer Meldung des SPD-Pressedienstes vom Freitagabend von der Sitzung des SPD-Vorstandes in Bad Dürkheim zu erwarten. Gleichzeitig erklärt das Sprachrohr Dr. Schumachers, der„Neue Vorwärts“, gegenüber dem Wunsch des Ministerpräsidenten Arnold, daß die SPD die kommende DM Regierung unterstützen solle, es könne nicht die Aufgabe der SPD sein,

A" Hilfestellung bei einem falschen Spiel zu leisten, um„bedrängte Ge­wissen“ zu entlasten. Nach diesen beiden Auslassungen ist nicht mehr daran zu zweifeln, daß die SPD entschlossen ist, die angebotenen Mög­lichkeiten nicht zu ergreifen, sondern klare Oppositionsstellung zu beziehen.

Am 1. September 1939 wurde über Nacht die Lebensmitielrationierung eingeführt. Die kleine Lebensmittelkarte links, die fûr zwei Monate reicht, deutet an gaß die Bewirt­schaftung von Brot, Fett, Fleisch und Zucker noch anhält. Vor 15 Monaten, zur Zcit der Währungsreform, war aber noch der buntscheckige Kartenplunder(rechts im Bild) die Plage jedes Normalverbrauchers.

Nationalpreisträger Hennecke Westfale

Bisher unbekannte Einzelheiten über den Stachanow der Ostzone

Von einem Sonderkorrespondenten der Ruhr-Nachrichten

Aus dem Sauerland, 26. August. Adolf Hennecke, der neue National-Preis­träger der Östzone, der soeben vor Dichtern, Professoren und Rüstungswissenschaft­lern den Nationalpreis I. Klasse erhielt, stammt nicht wie bisher angenommen wurde, aus Sachsen, sondern ist ein waschechter Sohn der Roten Erde. Er war jahrzehnte­lang in einem Dorf des Sauerlandes zu Hause,

Dr. Willibald Muecke, SPD-Bundestags­abgeordneter von Bayern, sagte:„Die große Koalition ist so lange unmöglich, wie ein Adenauer und ein Erhard diskutiert werden.“

Forderungen der Gewerkschaften

Eigener Nachrichtendienst Königswinter, 26. August. Der Gewerk­schaftsrat der Westzonen gab auf einer Sit­zung in Königswinter eine Erklärung zur politischen Situation ab.“Er erwartet von Bundestag und Bundesregierung eine Politik der Vollbeschäftigung, ein umfassendes Wohnungsbauprogramm, Sicherung des Exi­stenzminimums und Erhöhung des Real­einkommens der Arbeitnehmer, Demokrati­sierung der Wirtschaft, Sozialisierung ent­scheidender Wirtschaftszweige, ein einheit­

Um diese Fragen bemühen sich in zwölf Arbeitsgemeinschaften die 1500 besten Köpfe, die das katholische Deutschland aufzubieten hat. Viele kritische Worte werden fallen, mancher umstürzende Vorschlag wird geboren werden. Das Bergbaumuseum, das die nicht­öffentlich tagenden Arbeitsgemeinschaften aufnehmen wird, ist hergerichtet, die Quar­tierzettel sind ausgeschrieben, die ersten Gäste bereits eingetroffen.

Mehr ins Auge werden die großen Massen­veranstaltungen fallen. In der großen Mon­tagehalle des Bochumer Vereins, die über 20 000 Besucher der Morgenmessen und Abendkundgebungen faßt, sind die für Tito Hestimmten Demontagekisten weggepackt.

liches Arbeitsrecht und eine fortschrittliche Sozialpolitik.

Für klare Scheidung

Eigener Nachrichtendienst

Bochum, 26. August. Der Vorsitzende des Deutschlandrates der Jungen Union, Rechtsanwalt Dufhues(Bochum), nahm zu den Verhandlungen über die Bildung der Bundesregierung u a. wie folgt Stellung: Die Junge Union erwartet, daß die CDU/CSU die entscheidende politische Verantwortung übernimmt, während sich die SPD in ver­antwortungsbewußter Opposition bewähren mag. Sollte sie nach vier Jahren ein Ver­trauensvotum der Wähler erhalten, mag sie alsdann die Verantwortung übernehmen.

größte Kirchenschiff der Welt bilden. Am Dienstag werden die Fahnen hochgezogen

Am Dienstag wird auch Bochum Tausende von Fahnen heraushängen. Schon stehen die langgestreckten Verpflegungszelte im Roh­bau fertig. Frischgemalte große Verkehrs­tafeln machen dem Fremden das Zurecht­finden kinderleicht. Erste Wegweiserschilder sind aufgetaucht, umfassende Parkplätze blank gefegt. Ueber 1200 Polizisten sitzen in den letzten Unterrichtsstunden. Von drei­tausend freiwilligen Ordnungshelfern kennt jeder seinen Platz, um die Heere der Gläu­bigen einzuweisen. Am 4. September wird jede dritte Minute ein Sonderzug einlaufen. Gesänge und Gebete von Hunderttausenden werden die Straßen durchschallen.

Vielleicht stehen aber auch hunderttausend zweifelnd und spöttelnd am Rande. Sie wie­der hoffend und glaubend zu machen, ist das Ziel des 73. Deutschen Katholikentags in Bochum, auf daß nicht die schreckliche Prophezeiung aus Mainz 1948 wahr werde, daß Deutschland ein heidnisches Land zu werden drohe. Das abzuwenden, wird Bochum nur eine Station sein können. Viel­leicht aber eine sehr wichtige.

Adenauer- Arnold

Von besonderer Seite

Wenn der stärkste Druck gegen den Plan einer sogenannten„Kleinen Koalition“— ohne SPD— aus Düsseldorf erfolgte, so ist es leichtfertig, daraus einen schwerwiegen­den Gegensatz Adenauer—Arnold zu konstru­ieren. Gewiß stimmen diese beiden Persön­lichkeiten— der CDU-Vorsitzende ist über 70, der Ministerpräsident des Landes Nord­rhein-Westfalen 48 Jahre alt— in mancherlei Ansichten nicht überein. Adenauer ist der akademisch gebildete Kommunalpolitiker, Verwaltungsbeamter alter Prägung, mit starken Klammerungen an eine einstige Epoche. Daß das in einer Zeit der Ent­wurzelung auch Standfestigkeit und Vorteil bringt, liegt auf der Hand. Arnold kommt von den christlichen Gewerkschaften zur Po­litik, hat seine Prägung in der Illegalität der Jahre nach 1933 erfahren und ist mit seinen Nachkriegsaufgaben gewachsen.

In Düsseldorf aber hat es sich inzwischen herumgesprochen, daß Arnold mit seinen Plänen kaum bei Adenauer gescheitert ist, sondern daß die sozialdemokratischen Freunde Arnolds in Hannover auf Granit gebissen haben. Schlag um Schlag hat der SPD-Par­teivorstand jede Aeußerung über die Mög­lichkeit einer Zusammenarbeit dementiert. Mit zunehmender Schärfe reiht sich Erklä­rung an Erklärung, daß Schumacher um jeden Preis in die Opposition gehen will. Daß dieses auch in weitesten Kreisen der Sozialdemokratie bedauert wird, wird wird sich schon bald zeigen.

Die Schlußfolgerungen, daß bei dem Wechselverhältnis von Regierungspartei und Opposition endlich eine klare Linie in die deutsche Innenpolitik komme, haben gewiß manches für sich. Auch die Ueberlegung, daß es endlich an der Zeit sei, aus der Bildung sogenannter Notkabinette herauszukommen, ist vertretbar. Man sollte trotzdem nicht vergessen, daß in den Westzonen 13 Millio­nen Flüchtlinge mehr oder weniger ohne Heimat und Brot sind, daß zu den Gruppen der Fliegergeschädigten, der Kriegsbeschä­digten, der Währungsgeschädigten nun auch noch die Masse der Arbeitslosen hinzugesto­Ben ist. Diese geballte Menschenmenge auf der Schattenseite des Lebens ist Zündstoff, der das Spiel zwischen Regierung und Oppo­sition gefährlich macht.

Atlantikpakt in Kraft getreten

Washington, 26. Aug.(ap) Durch Präsi­dent Truman wurde am Mittwoch der Atlan­tikpakt, der zwölf Nationen Nordamerikas und Westeuropas zusammenschließt, die sich im Fall eines bewaffneten Angriffes gegen­seitig unterstützen, in Kraft gesetzt. Die Proklamation erfolgte, nachdem Frankreich als letzte Macht die Ratifikationsurkunde im Weißen Haus hinterlegt hatte.

Schuman: Saar nicht„undeutsch“

Tübingen, 26. Aug.(ap-dpd) Der franzö­sische Außenminister Schuman erklärte in Tübingen, daß die gegenwärtige Regelung der Saarfrage nur ein Provisorium sei. Eine Lösung könne nur im Friedensvertrag mit Deutschland gefunden werden. Schuman betonte, es bestehe nicht die Absicht, aus der Saar ein„undeutsches oder gar franzö­sisches Land“ zu machen.

Hennecke war in seinen Jugendjahren als kaufmännischer Angestellter tätig. Seine Angehörigen leben heute noch in einem klei­nen Ort von rund 4000 Einwohnern an der Strecke Hagen—Siegen. Sie wehrten jede Gratulation auf die Auszeichnung ihres„be­rühmten“ Verwandten ab. Sie baten hände­ringend, ihre Anschrift nicht bekanntzuge­

ben, da sie sich sonst vor Hänseleien nicht retten können. Immerhin wissen sie genau, daß Vetter und Schwager Adolf heute eine große Luxuslimousine fährt. über mehrere Sekretärinnen verfügt und als Nationalheld eine einflußreiche Rolle in der Sowjetzone spielt.

Der jetzt 45jährige Hennecke wurde am 13. Öktober 1948 der erklärte Stachanow der Ostzone, als er, der bis dahin als Arbeits­sekretär tätig war, in einer Rekord-Sondef­schicht 530 Zentner Rohkohle förderte und damit eine Soll-Erfüllung von 380 Prozent erzielte. Drei Tage später war die Hennecke­Bewegung geschaffen, und der kleine Ort des Sauerlandes hatte seinen großen Sohn, von dem niemand recht etwas wissen will.

Am 7. September zum erstenmal Bundestag

Fünf Tage später wird der Bundespräsident gewählt/ Beschlüsse der Ministerpräsidenten-Konferenz

Von unserem Sonderkorrespondenten im Bundeshaus

Bochum erwartet 500000 Besucher

um 73. Deutschen Katholikentag/ Vor der größten Nachkriegs-Kundgebung

Letzter Sonderbericht über die Vorbereitungen

Es ist kein Zweifel mehr, daß Bochum vom 31. August bis 4. September 1949 mit

über 500 000 Besuchern des 73. Deutschen Katholikentags die größte deutsche Nach­kriegsveranstaltung sehen wird. Bis Freitag abend waren 105 Sonderzüge der Reichs­bahn gemeldet. 1932 in Essen kamen 120 000. 1948 sah Mainz 150 000 Besucher.

Bochum wird alle in den Schatten stellen, nicht nur wegen der Riesenbeteiligung, son­dern auch wegen der Dringlichkeit des Themas:„Gerechtigkeit schafft Frieden." Wird die Kirche die Proletariermassen verlieren, werden diese Massen den Glauben an die Gerechtigkeit wiederfinden?

Ein Sitzblock von vielen

Aus Tannenbrettern ist ein gewaltiger Altar aufgebaut, lange Sitzreihen entstehen, auf Nesseltuch ist ein riesiges PX-Kreuz aufge­malt, der schwarz-gelb-weiße Altarhinter­grund.

Auf dem Festplatz, dem am ersten Sep­Arabersonntag unzählige Pilgerscharen zu­grömen werden, erheben sich bereits lange Jlocks von Bänken. Sechs Maurer ziehen die Altarbank hoch. Monteure die Sprech- und Photo-Türme für Rundfunk und Wochen­schau. Lange Pfahlreihen markieren die brei­ten Zugänge, auf denen die Hunderttausende einströmen werden Dunkle Zelte stehen an den Rändern der abgeernteten und jetzt ein­geebneten Felder: Bedürfnisanstalten mit Waggonladungen von Chlor in den Senk­gruben. Hunderte Arbeiter hämmern, planie­ren, streuen Sand, ziehen letzte Anmarsch­schneisen in die Blocks, richten die riesigen Fahnenmasten hoch. die für 120 Stunden das

On Kürze

Beschwerden über Jugoslawien erhob die talienische Regierung wegen der angeblich schlechten Behandlung itallenischer Staats­bürger in der jugoslawisch besetzten Zone von­Triest.

Von Albanien her wurden britische Regie­rungstruppen beschossen und mehrere Sol­daten getötet

Vier russische Generäle leiten das ungarische Verteidigungsministerium, berichtet der Wie­ner.Kurier“.

Das Fleisch-Abkommen mit Großbritannien, das die Lieferung großer Fleischmengen nach England vorsieht, wurde von der argentinischen Abgeordnetenkammer nach 44stündiger Sitzung genehmigt.

Ein USA-U-Boot. das mit Schnorchelgeräten ausgerüstet war, sank nach einer Explosion. Sechs Matrosen kamen zu Tode.

Die finnischen Kommunisten haben am Frei­tag zu einem einstündigen Generalstreik am 1. September, dem Tag des Zusammentritts des finnischen Parlaments. aufgerufen.

Josef Wittig, der bekannte Theologiepro­und Schriftsteller, ist, knapp 70jährig, gestorben.

Bonn, 26. August. Der erste Bundes tag wird am 7. September, um 16 Uhr, zum ersten Mal zusammentreten. Um 11 Uhr vormittags konstituiert sich der Bundesrat, während die Bundesversammlung, die den Präsidenten zu wählen hat und aus den Mitgliedern des Bundestages und der gleichen Anzahl von Vertretern der Länder gebildet wird für den 12. September einberufen wird. Diesen Beschluß faßte die Ministerpräsidentenkonferenz, die am 25. und 26. August auf dem Rittersturz bei Koblenz zusammentrat.

Auf einem Staatsakt am Donnerstag­abend ergriff der französische Hohe Kom­missar Francois-Poncet das Wort und erklärte u. a.:„Ein neues deutsches Kapitel beginnt für Sie. Viel hängt für die Zukunft des deutschen Volkes von dem Er­gebnis Ihrer künftigen Arbeit ab. Wird sie zufriedenstellend verlaufen, dann werden Sie in Bälde mit einer neuen Phase rechnen können, die Ihnen mehr Freiheit bringt, bis der normale Zustand erreicht ist.“ Francois-Poncet hob hervor, daß Deutsch­land in erster Linie des Wiederaufbaus sel­ner Städte, der Linderung der Not, guter sozialer Gesetze und Hilfe für die Flücht­linge bedürfe.

4,5 Milliarden Besatzungskosten

Eine Erklärung des Ministerrats setzte sich für eine starke, vom Volk getragene Bundesregierung ein.

Am 25. August trat auch der sogenannte Hauptausschuß noch einmal zusammen, dem außer den Ministerpräsidenten 18 Abgeord­nete des Parlamentarischen Rates, des Wirt­schaftsrates und der französischen Zone an­gehörten. Er beschloß seine Arbeit mit der Kenntnisnahme dreier Gutachten. Der von dem Finanzausschuß aufgestellte Entwurf eines ersten Bundesetats für das Rechnungs­jahr 1950 enthält ein formelles Defizit von 2.145 Milliarden DM. Die Höhe der Ein­nahmen wird mit 8,4 Milliarden DM, die der Ausgaben mit 10,155 Milliarden DM vor­geschlagen. Der höchste Posten der Aus­gaben sind die Besatzungskosten mit 4,535

Milliarden DM. Für die Versorgung der Kriegsopfer, Kriegsbeschädigten und Hin­terbliebenen sollen 2,25 Milliarden DM aus­geworfen werden.

Ferner wird ein wirtschaftspolitischer Ministerrat vorgeschlagen, der die Grund­lage der zukünftigen Wirtschaftspolitik klä­ren soll. In ihm wären alle Ressorts: Wirt­schaft, Finanzen, Arbeit, Ernährung, Land­wirtschaft sowie Außenhandelsexperten ver­treten. Der Rat hätte sich auch mit den Grundzügen der Kredit-, Geld- und Inve­stitionspolitik zu befassen. Der Organisa­tionsausschuß regte die Schaffung von acht Ministerien an und legte sich auf 3255 Be­amte und Angestellte für die entsprechen­den Behörden fest. Die Konferenz beschloß die Weiterleitung der Gutachten, die jetzt als Empfehlung an die Bundesregierung gehen.

Arnold zur Regierungsbildung

Ministerpräsident Arnold, der mit den Vertretern verschiedener Parteien Fühlung nahm, setzte sich erneut und entschieden für eine Zusammenarbeit von CDU und SPD innerhalb der künftigen Regierung ein. Ueberhaupt herrschte in Kreisen der Mini­sterpräsidenten eine Neigung zur„Großen Koalition“.

Die CDU-Politiker hatten unter Vorsitz von Konrad Adenauer am 25. August eine mehrstündige interne Besprechung, der u. a. Dr. Lehr, Dr. Pfeiffer, Dr. Josef Müller, Jakob Kaiser und Dr. Köhler beiwohnten, und bei der die Grundhaltung der CDU­CSU für die künftigen Koalitionsverhand­lungen noch einmal auf der bekannten Linie gutgeheißen wurden. Die scharfen Aeuße­rungen von Gewerkschaftsseite gegen Pro­

fessor Erhard wurden im allgemeinen geteilt aufgenommen. Von verschiedenen CDU­Politikern wurde auf eine Feststellung Er­hards hingewiesen, wonach der künftige Wirtschaftskurs sozialer sein werde als man annehme.

Von SPD-Seite verlautete, daß ein Versuch, Schumacher und Adenauer an einen Tisch zu bringen, nicht ganz leicht sei, unter Umständen aber gewagt werden sollte. Die Stellungnahme des Zentrums ist, wie Helene Wessel erklärte, noch offen und wird erst bekanntwerden, wenn die Koalitions­strukturen deutlicher geworden sind. Im großen und ganzen kann man als Ergebnis einer Vielzahl von Unterredungen und poli­tischen Gesprächen feststellen, daß die Mehrheit der Ueberzeugung war, daß sich die kleine Koalition CDU/CSU- FDP- DP behaupten wird.

Ostzone verlieh Nationalpreise

Eigener Nachrichtendienst Berlin, 26. Aug. Unter Anwesenheit ho­her russischer Öffiziere gab Wilhelm Pieck am Donnerstag in Weimar die ersten Träger der Nationalpreise der Sowjetzone bekannt. Den größten Beifall erhielt bei der Ueber­reichung der Auszeichnung I. Klasse Adolf Hennecke. Den gleichen Preis erhielten die Dichter Heinrich Mann und Johannes R. Becher, ferner die Professoren Mitscherlich. Rößle, Schmidt und Harting. Die rund 100 anderen Preisträger erhielten Geldsummen von 10 000 bis 25 000 Mark. Unter den Aus­gezeichneten befinden sich fünf westdeutsche Professoren. Die Preise werden als„wich­tige Maßnahmen zur Förderung der deut­schen Kultur, Kunst, Wissenschaft und Tech­nik“ bezeichnet.

Das Tagesgespräch

Die Sozialdemokraten gehen also in Oppo­sition. Die Gewaltigen der SPD werden, un­ter Aufsicht ihres Chefs, in Dürkheim. wo sonst das, Volksfest, genannt der Dürkhei­mer Wurstmarkt, stattzufinden pflegt, das Oppositions-Ei ausbrüten. Die Spannung ist nicht groß: wie das Kücken aussieht, läßt sich denken. Man wird die Zustände in Westdeutschland in den schwärzesten Far­ben schildern. Und wenn der Mann im Monde am Radio hört, was Dr. Schumacher proklamiert, so wird er meinen, West­deutschland sei Ostdeutschland, und der Marxismus habe bereits die Elbe, Saale und Fulda überschritten. Davor möge uns ein gütiges Geschick behüten. Wir hoffen, daß sich der Kreml im Augenblick mehr für Asien und den Dalai Lama auf der einen und für den Balkan und Tito auf der ande­ren Seite interessiert. In China meldet Maos Tagesbericht in einem uns gut bekannten Stile, daß im Juli 70 Städte von den kom­

munistischen Armeen erobert wurden. Auch der Dalai Lama in Tibet soll gleichgeschal­tet werden. Sehr mißvergnügt beobachten die Amerikaner die Vorgänge auf der chine­sischen Bühne; das Außenministerium ist in der Beurteilung nicht einig mit dem Kriegs­ministerium, und Truman hat alle Hände voll zu tun, zwischen seinen Ministerien zu vermitteln. Meinungsverschiedenheiten be­treffen auch die Unterstützung Titos. Tru­man will den Jugoslawen ein Stahlwerk geben; das Kriegsministerium aber meint, so viel Vertrauen verdiene Tito nicht, da er zwar kein Stalinist, immerhin aber ein Marxist sei. Bekanntlich sind den Tito­Leuten ja auch demontierte Werke aus Westdeutschland zugedacht. Der Besuch des Marshallplan-Verwalters Hoffman bei uns hat, was die Demontagen betrifft, enttäuscht; er konnte uns keine Hoffnungen machen. Auch sollen wir an Einsparungen denken, die sozusagen die besten Kapitalanlagen seien. Unser junger Bundesstaat wird sich also sehr einrichten müssen, will er aus­kommen, zumal eine Kürzung der Marshall­plan-Gelder zu befürchten ist.